Mikro trifft Makro - Das Finanzmarktgespräch

Folge 119 - Deutschland quo vadis?

Dienstag, 25. Februar 2025 · 31 min

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Shownotes

Deutschland nach der Wahl
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Am vergangenen Sonntag, den 23. Februar 2025, hat Deutschland gewählt und wird in den nächsten vier Jahren von einer neuen Regierungskollizion geführt. Das hat auch Auswirkungen auf Wirtschaft und Märkte und welche das sind, darauf wollen wir heute in dieser Sonderfolge von Micro trifft Macro schauen.

Was wird eine neue Regierung wirtschaftlich ändern können? Was bedeutet das für Kapitalmärkte und die Geldanlage? Und wie wird es mit dem Standort Deutschland weitergehen? Wir sprechen drüber in dieser Folge. Micro trifft Macro. Micro trifft Macro. Das Finanzmarktgespräch der DECA Bank. Deutschland hat gewählt, dass vorläufige amtliche Endergebnis steht fest und nun geht es in die Bildung einer regierungsfähigen Koalition.

Das Wahlergebnis hat nicht wirklich überrascht und auch die Märkte sind weitgehend unberührt geblieben davon. Dennoch stellen sich natürlich viele Menschen die Frage, wie es nun weitergeht mit Deutschland als Standort und ob die neue Regierung das Problem oder die Probleme, die wir hier sehen, tatsächlich lösen können.

Um das Ganze zu besprechen, begrüße ich heute bei mir hier im Studio, wie immer mein Podcastpartner, den Cheffolkswirt der DECA Bank, Dr. Ulrich Carter und zusätzlich unseren Mann von der Seitenlinie möchte ich fast sagen, den Chefanlagestrategien der DECA Investment, Jörg Beusen. Hallo und guten Morgen ihr zwei.

Guten Morgen. Ja, dann schauen wir doch mal auf die Situation. Ich habe gerade nochmal geschaut, etwa dreieinhalb Monate ist es her. Da haben wir schon mal hier gestanden und über eine Wahl gesprochen. Da war es aber die US-Wahl. Und wenn man mal schaut, vor etwa einem Monat ist Donald Trump offiziell ins Amt gekommen.

Er hat natürlich vorher schon für Wirbel gesorgt ein bisschen. Aber das ist jetzt schon das zweite politische große Ereignis innerhalb von nicht mal zwei Monaten, das wir sehen im Jahr 2025. Lass uns vielleicht erst mal so ein bisschen aufs Wahlergebnis ganz allgemein schauen, wie bewertet ihr denn das Wahlergebnis so aus wirtschaftspolitischer Sicht, fiskalpolitischer Sicht?

Welche Signale kann eine neue Regierung vielleicht an die Märkte senden? Welche vielleicht auch nicht? eher zur Bedeutung dieser Wahl. Braucht man nur nach Amerika gucken. Da wird überhaupt gar keine Notiz genommen von dem Thema. Also ist natürlich unser großes Thema hier, aber nicht umsonst auch natürlich.

Ja, bei mir kann man so Befindlichkeiten austauschen. Bei mir sind so zwei Gefühle auf der einen Seite. Sind wir natürlich jetzt vor allen Dingen froh. Das war eine stabile Regierung. Wahrscheinlich kriegen werden, warum mit aller Vorsicht. Aber auf der anderen Seite waren wir 14.000 Stimmen entfernt von absolutem Chaos.

Das war ja am Sonntagabend noch ganz anders als Montag, als wir aufgewacht sind. Und wenn wir tatsächlich diese Dreierkonstellation als einzige Möglichkeit gehabt hätten, ich weiß nicht, kannst du besser einwerten, was die Börse dann gemacht hätte? Das wäre nicht so gut gewesen. Jetzt haben wir eben diese Perspektive.

Und der große Vorteil dieser neuen Konstellation liegt in etwas, wo eigentlich Politik jetzt gar nicht so richtig was dafür kann. Es sind zwei Punkte. Zum einen ist das Problembewusstsein, dass wir es wirklich mit massiven wirtschaftlichen Standortproblemen in Deutschland zu tun haben, eben ganz stark gewachsen noch während der Zeit der Ampel.

Das ist ja das Problem der Ampel, dass sie das nicht richtig eingeschätzt hat. Und deswegen ist die Aufmerksamkeit auf dieses Thema und auch die Priorisierung dieses Themas im nächsten Regierungsprogramm einfach wesentlich höher. Und das ist eben wichtig. Unabhängig davon, wie viel nun wirklich Bürokratie abgebaut wird und wie sehr man in der Lage ist, wirklich die Standortbedingungen zu verbessern, es wird sich verbessern.

Ich denke nicht, dass es ein Rohrkrepierer wird. Vielleicht werden nicht alle Wünsche erfüllt werden, die hierzulande bestehen. Aber das ist eine ganz andere Ausgangsposition. Und Punkt zwei ist, dass wir auch bei dem Thema Geopolitik einfach weiter sind in der Diskussion. Die Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren gemacht haben in Europa mit jetzt der neuen US-Regierung und das Bewusstsein, dass hier was passieren muss, wird einfach Finanzierung auslösen.

Und das ist ein ökonomischer Impuls. Da kann eigentlich gar keine Regierung sich dessen erwähren. Wenn jetzt Vatalio hochgefahren wird, wenn jetzt verschulden finanziert Infrastruktur gebaut wird, dann ist es ein ökonomischer Schritt nach vorne. Und diese beiden Dinge, das sind eben ganz neue Perspektiven am Beginn dieser Regierung im Vergleich zu den letzten.

Ja, ich würde es ähnlich sehen. Ich würde sagen, eine Zweierkonstellation ist schon mal besser als eine Dreierkonstellation. Und die Dreierkonstellation wäre wirklich chaos gewesen. Das wäre wirklich, glaube ich, nicht gut gewesen. Was wichtig wäre aus meiner Sicht noch, dass man jetzt zügig voranschreitet, dass man nicht so eine lange Phase hatte.

Ich glaube, am letzten Mal war die GroKo sechs Monate, bevor sie ins Amt kam, dass wir, glaube ich, ein bisschen arg lang, damit man einfach Sicherheit reinkriegt und auch Berührung reinkriegt. Und dann genau das, was Ulrich Kater schon gesagt hat, wirtschaftliche Impulse, die dann gesetzt werden und kommen werden und das Problem Bewusstsein, dass wir ein paar Rahmenbedingungen ändern müssen, um wieder wirtschaftlich nach vorne zu kommen.

Ich glaube, das ist ein ganz entscheidender Punkt. Und da gilt es, Wettbewerbssituationen zu verbessern, Infrastruktur, Investitionen, Verteidigungsausgaben, Bürokratieabbau. Da kann man sich jede Menge vorstellen. Und wenn es erstmal kleine Schritte sind, dann hätte ich die Hoffnung, dass man kleine Erfolge schon mal sieht und schrittweise nach vorne kommt und den Mut fasst, dann auch die größeren Themen mal anzugehen.

Schammefeld, erst nochmal kurzfristig drauf. Die kurze Sicht hat so eine Regierung eigentlich die Chance, ganz kurzfristig irgendwas schon in die Wege zu leiten, also wirtschaftspolitisch, fiskalpolitisch, was dem Standort Deutschland Wachstum verschaffen würde auf die Schnelle, weil wir sind jetzt ja immer noch in der Phase, dass wir sagen, naja, wir stecken in der Art Mini-Rezession.

Die dauert zwar lange, ist aber nicht so stark, ist halt auch doof. Kann da irgendwas passieren? Gute Frage, weil in der Tat ist es ja so, wenn man auf der Brücke von so einem Riesentanker steht und sagt, jetzt müssen wir mal durchstarten, dann setzt man Hebel in Bewegung, passiert gar nichts erstmal.

Das ist bei der Wirtschaft ja genauso, die Programme, die man beschließt in so einem Koalitionsvereinbarung, die müssen umgesetzt werden und dann dauert es natürlich bis die kommen. Deswegen ist es erstens wichtig, dass man ein vernünftiges Programm zusammenzimmert, denn das Einzige, was sofortige Effekte bringt, sind die Erwartungen.

Das heißt, also die Effekte sind noch nicht da, weil die Programme ja noch nicht umgesetzt sind, aber die Menschen rechnen fest damit, dass diese Wirkungen kommen und dann ist der eine oder andere Manager eben schon mal bereit, Investitionen jetzt anzukurbeln. Und das wiederum ist natürlich dann auch wieder eine Aufwärtsspirale.

Deswegen, Glaubwürdigkeit ist wichtig. Wenn ich Planungssicherheit habe und Glaubwürdigkeit da ist, dann kann ich heute schon anfangen, die Produktionsstätten zu bauen. Da ist ein Unternehmen schneller als der Staat und insofern, das wäre entscheidend. Lass uns auch nochmal auf die Finanzpolitik schauen, das ist ja auch so ein Thema.

Welche fiskalpolitischen Maßnahmen sind denn zu erwarten? Also das Thema Schuldenbremse ist glaube ich eins, was jetzt seit heute Morgen noch mehr im Raum steht. Also man hat ja schon gehört, es soll doch reformiert werden jetzt, obwohl das vorher ausgeschlossen wurde. Also man kommt wohl nicht um hin zu sagen, na wir müssen da ran an die Schuldenbremse.

Was sind denn die Effekte, die sich daraus dann ergeben? Ist das dann so ein kurzfristiger Effekt, wo man sagt, na ja, da kommt dann schon ein bisschen Investitionslust auf bei den Unternehmen oder auch vielleicht bei den Privathaus halten, die dann sagen, na ja, vielleicht gehe ich doch nochmal was an am Haus und versuche mal was zu machen, weil ich sehe, dass da eben entsprechende Programme kommen werden.

Ja, also ist ja eventuell die Achillesverse dieser Regierung, dass bei der Schuldenbremse mit Verfassungsrang Änderungen schwierig möglich sind angesichts der Konstellation, das muss man sehen. Ich glaube nicht daran, dass das jetzt noch im nächsten Monat, also im Restzeit des alten Parlaments durchgewunken wird.

Muss man jetzt sehen, wie sich entwickelt. Ich glaube es eher nicht. Vielleicht nochmal ganz kurz zur Erklärung. Vier Wochen, weil vier Wochen gibt es noch den alten Bundestag und ab dann gibt es die neue Zusammensetzung des Bundestages. Das heißt, also per jetzt könnte man noch mit einer Mehrheit beschließen, dass man das Thema ändern würde in der Verfassung, weil man bräuchte eine Zweidrittelmehrheit wahrscheinlich.

Genau, mit der alten Mehrheit könnte man das noch machen, aber ist natürlich demokratisch nicht so richtig legitimiert. Also ich glaube es nicht, dass man es macht, aber wie gesagt, das ist das, was man sich ansehen muss. Aber ich denke am Ende auch nicht, dass das der Showstopper sein wird für die Vorhaben der neuen Regierung.

Es gibt zwei Wege aus diesem Labyrinth raus. Zum einen kann man natürlich verhandeln, insbesondere die Linke, die Partei die Linke, ist natürlich da der Adressat. Wenn man beispielsweise das aus Sicht der Regierung notwendiger, aus Sicht der Linken abzulehende Thema Verteidigung, verknüpft mit auch zusätzlichen Ausgaben für Infrastruktur, wo auch die Linke sehr, sehr stark dafür ist, dann wäre das ein Verhandlungsmöglichkeit, ein Verhandlungspaket.

Und zum zweiten gibt es natürlich auch die Möglichkeit, Verteidigung über die europäische Ebene zu finanzieren. Also ich glaube nicht, dass das jetzt die Regierung ausbremsen wird. Ganz allgemein ist es so, dass jeder Euro, den eine Regierung, nicht nur in Deutschland, sondern auch woanders ausgibt und der nicht woanders weggenommen wird.

Das heißt also, wenn über mehr Steuern eingenommen wird oder bei anderen Ausgaben gekürzt wird, also jeder zusätzlich über Verschuldung ausgegebener Euro, bringt sogar etwas mehr als ein Euro zusätzliches Innenlandsprodukt. Weil zuerst wird, kauft die Regierung was und dann hat jemand ein höheres Einkommen und er kauft auch noch was.

Da gibt es also so Ketteneffekte und deswegen kommt eben durch diese Vorhaben, die sich jetzt immer deutlicher abzeichnen, eben ein Konjunkturempulsen, wirtschaftlicher Impuls rein und wir müssen überlegen, wie wir das abbilden, also ob wir die Konjunkturaussichten für Deutschland nach oben nehmen müssen, aber das können wir erst dann machen, wenn wir wissen, was jetzt konkret kommt.

Ich würde es ähnlich einschätzen, also ob man das mit einem Parlament, was quasi abgewählt ist, noch die Schuldenbremse reformiert, da hätte ich auch so meine demokratischen Zweifel dran, sage ich mal. Ich würde auch die Auswege sehen, die Dr. Karthai schon beschrieben hat und ja, dann wird es halt ganz stark davon abhängen, wie schnell diese fiskalischen Impulse ankommen.

Also das wird glaube ich key sein. Ich glaube, man muss in kurzer Zeit viel anstoßen, damit man auch später die Effekte hat und gegebenenfalls auch diese zukünftige Regierung davon profitiert in den nächsten anstehenden Wahlen, weil, wenn ich das erst in Jahr drei mache, dann kann ich es auch sein lassen.

Dann lass uns vielleicht nochmal auf die Finanzmärkte ein bisschen genauer schauen. Jörg, das ist ja was, was ihr immer im Blick habt. Wie haben denn die Finanzmärkte reagiert? Also aus meiner Sicht eigentlich fast gar nicht. Es gab so einen kurzen, ja, so einen kurzen Aufbäumen, aber das war dann auch alles schnell wieder weg.

Es war so ein ganz kurzer Effekt eigentlich. Man fragt sich natürlich, gibt es da erkennbare Trends irgendwie, dass man sagt, bei den Aktien wird es eher schwieriger oder besser oder bei den Anleihen durch Zinspolitik beispielsweise haben wir eh ein Problem oder eine Chance beispielsweise oder bleibt es einfach bei den kurzen politischen Beinen, denen ja die Börse nachgesagt wird nach so einer Wahl?

Ja, ich glaube schon, dass es bei den kurzen Beinen bleibt. Wenn wir uns mal die Anleihe merkte anschauen oder den Euro-Dollar beispielsweise, da ist kaum Veränderung zu sehen. Das macht gar nichts. Ich glaube, da wo man noch die größte Veränderung gesehen hat, ist auf dem deutschen Aktienmarkt logisch.

DAX gestern Abend plus 0,6 Prozent, MDAX plus 1,5 grob. Insofern, da sieht man schon, dass dieser Fokus von den DAX-Unternehmen ein Stück weit auf die MDAX-Unternehmen die Kleineren schwenkt und die haben ja einen höheren Anteil, die kleineren Unternehmen ihres Umsatzes in Europa, in Deutschland als die großen DAX-Konzerne.

Das ist vielleicht so die einzige Auswirkung und dann nach vorne hinaus ist der ein oder andere wird es gestern gesehen haben, wer die Verteidigungs- bzw. Rüstungsindustrie sich anschaut, dort wieder erhebliche Kursgewinne zu sehen, dass er sicherlich klar mit der Diskussion um weitere Verteidigungsfähigkeit der Europäischen Union bzw. Deutschlands getrieben.

Da haben jetzt viele, glaube ich, hohe Erwartungen. Das muss man dann sehen, wie das sich materialisiert. Gibt ja noch ein paar andere Branchen. Die Probleme haben wir in Deutschland. Die Rüstungsindustrie ist es aktuell nicht. Wenn man so auf die Automobilindustrie beispielsweise schaut, das ist ja auch eine ganz wichtige Komponente in der deutschen Wirtschaft.

Gibt es da Branchen, wo du sagst, naja, da wird es weiterhin schwierig bleiben oder abseits von Rüstung wird es noch andere Branchen geben, die profitieren können? Abseits Rüstung gibt es, glaube ich, weitere Branchen, wo die profitieren werden. Das ist zum einen Versorger, dass man dort mal über den Energiemix neu diskutiert bzw.

man ja irgendwie diskutieren muss, wie kriegen wir die Energiepreise runter, wie schaffen wir Produktionen wieder innerhalb Deutschlands? Das Zweite ist sicherlich der Bankensektor mit weniger Regulierung. Das wären mal so Profiteure aus meiner Sicht, Nebenverteidigung. Verteidigung und Automobilindustrie fand ich ganz spannend.

Die Diskussion zu Reinmetall, die ja auch ein Automobilzulieferer sind, was die meisten inzwischen komplett vergessen. Und wo jetzt die Diskussion startet, schließlich nicht die Automobilfabrikation und Stellestadt, die da jetzt in diesen Werken her, das ist ja auch vielleicht ein gangbarer Weg für andere Automobilzulieferer.

Also da könnte was entstehen. Potenzielle Verlierer aus meiner Sicht, ja die Grünen sind nicht mehr dabei, damit wird sicherlich das Thema Ökologie ein Stück in den Hintergrund rücken. Das folgen wir quasi der Amerika. Das Thema wird aus meiner Sicht irgendwann mal wiederkommen, aber das sind wir, glaube ich, haben wir im Moment andere Probleme, die uns beschäftigen.

Du hast eben die Energiepreise schon angesprochen. Energiepreise und Inflation, das waren ja so ein bisschen die großen volkswirtschaftlichen Themen, die uns auch so umgetrieben haben, immer im Podcast. Kann so eine Regierung eigentlich das wirklich beeinflussen? Also du hast jetzt gesagt, ja, wenn man an die Versorge geht, schon ein bisschen das Thema Inflation, aber jetzt nicht so wirklich, weil das liegt eigentlich in Händen der EZB komplett.

Teils, teils. Also am Ende ja, am Ende liegt die Inflation komplett in den Händen der Europäischen Zentrarbank, also an der Jeden Zentrarbank. Aber da reden wir von Zeiträumen von fünf Jahren. Kurzfristig, also für ein Jahr, kann eine Regierung an den Preisen schon was drehen, vor allen Dingen an den Preisen, die die Verbraucher eben jeden Tag erleben.

Lebensmittelpreise über die Mehrwertsteuer beispielsweise, Energie über das Thema Benzin und Heizen. Da kann man dann kurzfristig in Pulse setzen, wo die Leute sagen, ja, seht mal, die neue Regierung macht ja was. Das muss man aber genau und sorgfältig abschmecken mit den negativen Effekten, die so was eben hat.

Wir haben bereits niedrigere Sätze für den Grundbedarf bei der Mehrwertsteuer. Das noch weiter zu senken, wäre dann auch schwierig, Effekte auszulösen. Wenn man jetzt ein großes Gesamtpaket macht bei den Steuern, dann könnte man auf die Idee kommen und sagen, wir müssen die Einkommenssteuer senken für auch gerade Leute, die im mittleren und unteren Einkommensbereich sind.

Aber die Einnahmen, die dann fehlen, die müssen wir eventuell über die Mehrwertsteuer die Mehrwertsteuer wieder reinholen, zumindest zum Teil. Und dann könnte man sagen, ja, wir lassen aber für diejenigen mit eher geringeren Einkommen diese ermäßigten Mehrwertsteuersätze stehen und machen nur für den höherwertigen Konsum oder den teuren Konsum, machen wir höhere Mehrwertsteuer.

So könnte man vorgehen, aber da sind wir jetzt schon mitten wirklich in der Steuertechnik drin. Und auf dieser Ebene wird sich das Ganze bewegen. Ich rechne jetzt aber nicht damit, dass die Inflation durch die neue Regierung in den Augen der Leute abgeschafft wird, sondern die Inflation wird sich darüber bei den Konsumenten in den Hintergrund drängen lassen, dass eben sie nicht weiter nach oben geht, dass sie auf diesem Niveau bleibt, wo wir jetzt sind, 2, 2, 2,5 Prozent, aber eben weiterhin die Einkommen steigern und die Leute merken, dass sie sich halt dann doch wieder mehr leisten können, auch mal ins Restaurant gehen können, trotz der hohen Preise. Und dass auf diese Weise die Erinnerung an diese schreckliche Inflation aus, weiß ja schon 2 Jahre wiederum

her, dass die langsam verblasst, das wird eher so der Weg sein. Ja, auch so international, wenn man mal schaut, wir hatten eben schon kurz vorher gesprochen oder du hast eben auch schon gesagt, na ja in Amerika wird es eigentlich kaum wahrgenommen, Trump hat zwar irgendwie ein Tweet oder ein True Social Post abgesetzt, aber das war es dann auch irgendwie. Trotzdem natürlich die Frage, wie sieht es denn aus auf dem internationalen Paket Deutschland als Standort? Galt ja für die internationalen Investoren eher so ein bisschen als Risiko, teuer und schwierig und trotz vieler Investitionshilfen, kam zum Beispiel keine Chipfabrik zustande, um ein Beispiel zu nennen, da gibt es bestimmt noch viele mehr. Die Frage ist natürlich, hat sich die Risiko-Wahrnehmung des

Standorts Deutschland international oder wird sich das jetzt verändern durch eine neue Regierung, wenn wir jetzt Programme sehen, die vielleicht Investitionen auch in den Standort erleichtern oder verbessern? Ich würde sagen, das ist noch ein bisschen früh, um das zu beurteilen. Also ja, ich glaube, wenn wir eine weniger zerstrittene Regierung kriegen als die letzte, dann hat das schon mal positive Effekte und das sollte sich mittelfristig auswirken, aber so eine Wahrnehmung dreht man auch nicht in einer Nacht, also insofern darf ich ein bisschen zurückhalten und weil du die Chipfabriken angesprochen hast, in meiner norddeutschen Heimat gibt es ja auch noch eine Batteriefabrik, die grandios gescheitert ist, insofern auch die, da würde ich noch mal drüber

nachdenken, ob man dort diese Standorte nicht einer Zweitverwendung zuführen kann, was ich damit meine ist. Wir suchen ja immer Standorte, wo man vielleicht mal was bauen kann, wo wir auch unseren Verteidigung weiter ausbauen können beziehungsweise die Produktion beschleunigen können, warum nicht die Gelder dahingehend umleiten und dann die gemeinsame europäische Verteidigung sicherstellen.

Wie schätzt ihr die Flows ein, die letzten Monate? Bei der Übersetzung tut es noch was. Ja, also die Bereitschaft ausländischer, institutioneller, also großer Anleger, in Europa jetzt wirklich wieder Geld zu platzieren. Also es sind unheimlich viele Gelder aus den angelsächsischen Regionen rein nach Europa geflossen, das ist vielleicht auch spiegelsicher an der Performance der Indizes quasi wieder, wenn man einen europäischen Aktienmarkt sich mit einem US-Aktienmarkt vergleicht, dann hat Europa klar outperformt, die seit Jahres anfangen.

Da ist jetzt halt genau die Frage, wie groß wird das Enttäuschungspotenzial, weil die viel glauben, Friedrich Merz ist jetzt Kanzler, weil er die größte Partei stellt, dass das alles sozusagen ab heute geregelt ist. Schuldenbremse, Distasienis, das wird alles gerne ausgeblendet. Die Mechanismen, Koalitionsbildung, wie lange sich sowas hinziehen kann, was man für Mehrheiten im Parlament braucht, um das ein oder andere zu ändern. Das ist denen nicht ganz so geläufig, das merke ich auch insbesondere dann immer, wenn ich mit einigen Kollegen spreche, denen man das dann erklären muss und sagen muss, mal schön langsam.

Deswegen habe ich so ein bisschen die Befürchtung, da könnte auch ein leichtes, negatives Sentiment reinkommen, um wenn man erkennt, es geht halt doch nicht ganz so schnell. Das ist deswegen drängig so drauf, dass wir schnell eine Regierungsbildung, schnell ein paar Erfolge feiern können und dann das Ganze auch ein positives Sentiment kriegt.

Du hast eben auch europa schon angesprochen. Der europäische Gedanke, der ist ja auch den ganzen Parteien immer so wichtig, wenn wir da irgendwelche Veränderungen sehen im Verhältnis, wie steht Deutschland in der EU auf oder wird es eigentlich so bleiben, wie es bisher war? Das ist wiederum eine sehr gute Frage, wir haben nur gute Fragen heute im Programm.

Das sagt man immer, wenn man sie nicht beantworten kann. Du brauchst ein bisschen Zeit zu überlegen. Das ist auch okay. Nein, ich meine, die Lage, das wird uns ja, die wir das Ganze ja auch schon lange begleiten und auch geopolitisch einschätzen, ja auch von Monat zu Monat von Ereignis zu Ereignis immer mehr bewusst, was sich da gerade abspielt auf dieser internationalen Bühne, wie sehr Europa geopolitisch gesprochen eigentlich in den letzten Jahrzehnten in einem Reservat gelebt hat.

Also eingehegt von wohlmeinenden Wächtern, man brauchte sich um die tägliche Fütterung fast keine Gedanken machen, zumindest was das Thema Verteidigung angeht und so weiter. Und auf einmal kommen die Werte an und sagen hier raus, sagt Auswildern hier, Feierabend. Das ist ja so ein bisschen die Situation.

Es ist in der Gruppe der Gepflegten, die da auf einmal ein freier Wildbahn sind, völliges Chaos. Die schnattern alle durcheinander und sagen, machen wir jetzt. Und das ist leider immer noch der Zustand. Und ob jetzt eine neue Bundesregierung da Ordnung reinbringt, als wichtigste europäische Wirtschaftsmacht nach wie vor, sind wir das mit über 30 Prozent Anteil an der Europäischen Union.

Klar steht uns das auch zu. Aber ob wir das können, da bin ich zu wenig Politik-Experte, um das zu vorhersagen zu können, das müssen wir beobachten. Aber ich denke, der Druck auf diese Europäer nimmt erkennbar zu. Und wir wollen hoffen, dass diese Konstruktion, die wir haben, der gemeinsame Markt, das Zusammenarbeiten in vielen Bereichen nicht zu stark wird, so dass das Konstrukt Schaden nimmt, sondern dass es im Gegenteil sich immer mehr fester zusammenarbeitet.

Aber an dieser Weichenstellung sind wir. Wenn es ums Geld geht, würde ich sagen, haben wir in den letzten Jahren die überzeugendste Signale gesetzt, dass Europa zusammenbleibt. Und der Markt hat das auch so interpretiert. Wir haben den Euro gegründet. Wir haben die überumstrittenen Entscheidungen aus der Zentralbank gehabt.

Wir halten den Euro zusammen, selbst wenn es Finanzkrise gibt, mit Mario Draghi. Und wir haben jetzt auch das gesamte gemeinsame Programm wie der Aufbaufinanzierung nach Corona gemacht. Das sind drei Säulen in dem finanziellen Bereich, auf dem wir stehen. Aber wie gesagt, der Druck nimmt extrem zu. Meinen wir doch mal ein Worst-Case-Szenario.

Und sagen, die EU fliegt auseinander. Dann steht Deutschland alleine da, dann steht Italien alleine da, Frankreich, Polen, Wiese. Das will man sich gar nicht ausmalen, wie es das bedeutet. Dann ist unser größter Handelspartner, nicht die USA, sondern Holland oder Frankreich. Oder Frankreich, genau. Also insofern, ich glaube, eine tiefergehende europäische Integration ist das, was aus dieser Situation erfolgen wird.

Das ist so mein Case. Und umgekehrt schockiert mich, dass Donald Trump nicht kleine Chancen hat, wieder Präsident zu werden. Das war, glaube ich, allen klar, die sich länger mit den USA beschäftigen, umso mehr schockiert mich, wie wenig vorbereitet wir auf diese Situation sind. Ja, dann lass uns auch noch mal ein bisschen nach vorne schauen, wenn alles im regulären Rahmen läuft.

Wir haben jetzt vier Jahre einer neuen Regierungskoalition vor uns. Vier Jahre, in denen viel gestaltet werden kann. Wir haben schon viel angesprochen. Was sind denn aus eurer Sicht die größte Chance und/oder das größte Risiko in den vier Jahren? Ich weiß es ist eine gute Frage, würd' ich jetzt sagen.

Nein. So gut sind sie nun auch nicht. Es sind so viele Bretter, die da auf der Werkbank liegen. Wir haben das Thema Migration, wir haben das Thema Infrastruktur, wir haben das Thema Haushalt, wir haben das Thema soziale Gerechtigkeit, wir haben das Thema Klima und so weiter. Ich denke, die Bilanz wird gemischt ausfallen.

Es wird nicht so sein, dass auf allen Feldern jetzt ein Durchmarsch passiert. Muss auch nicht sein. Wir müssen Dinge verbessern und man lernt eben auch immer aus den Fehlern, die jetzt auch in der Ampel gemacht worden sind, beispielsweise das Wirtschaftsthema, völlig zu unterschätzen. Insofern glaube ich schon, dass sich die Dinge hier wieder verbessern.

Das Risiko ist natürlich ein totaler Rohrkrepierer. Es geht nicht. Und da hat ja auch die Politik jetzt mittlerweile selbstkritisch gesagt, okay, das ist jetzt unsere letzte Chance, die Politik aus der sogenannten Mitte, aus der etablierten Mitte heraus. Das würde ich auch teilen, dann geht es anders weiter.

Das ist das eine. Und das andere ist ein Thema, was die Kapitalmärkte natürlich auch interessieren muss. Da müssen wir uns dann wahrscheinlich häufig drüber beugen, dass da Anleimarkt. Mehr Verschuldung in dieser Welt ist ja schön und gut, aber was heißt denn das? Welch nimmt ihr denn mit dem Anstieg der Renditen jetzt?

Momentan noch nicht, aber wenn Schulden steigen, ist das die normale Reaktion, dass Renditen ansteigen würden. Und insofern muss man das zumindest auf der Agenda haben. Und wenn ich dann noch die Risiken aufzähle, dann können wir anfangen, Handelskonflikte, Wettbewerb mit China, hohe Energiepreise, politische Fragmentierung und ausbleibende fiskalische Unterstützungsmaßnahmen, dass wir ein alles Themen, wenn das käme, nicht gut.

Dann lass uns nochmal ganz kurz auf was Positives schauen. Die Märkte sind sehr gut gelaufen, in 2025 bisher, unabhängig von der Bundestagswahl. Also die hatte wenig Einfluss darauf. Man kann es natürlich fragen, woher kommt es? Also gerade der DAX hat enorm gewonnen, aber nicht nur der. Generell haben wir auch in ganz Europa eigentlich sehr positive Märkte gesehen.

Ich habe jetzt gelesen, es gab wieder einen positiven Geschäftsklimaindex-Marswischen drin. Da hatten wir auch schon gesprochen, der geht ja auch immer so hoch und runter. Ist das der Auslöser? Ist es vielleicht das potenziell in Aussicht stehende Kriegsende in der Ukraine? Auf das man so hinarbeitet, so langsam, ist das ein Auslöser für die Märkte?

Oder woher kommt das alles? Ich glaube, das ist eine Melange aus all dem. Die Friedensbemühungen, sage ich mal, befeuern sicherlich einige Sektoren, aber das geht in starken Wellen. Es sind die Flows und die Hoffnung, dass sich in Europa was verbessert. Wenn ich mir die Bewertung der europäischen Aktien anschaue, die sind einfach nur zur eigenen Historie, ist das schon historisch niedrig.

Eigentlich ist es, glaube ich, die Wahrnehmung aus dem Ausland. Hier muss was passieren, ansonsten ist es auch vorbei, sage ich mal, etwas übertrieben. Aber das ist, glaube ich, die große Hoffnung, dass wir uns auf europäische Ebene zusammenraufen und mal die Dinge in eine positive Richtung drin. Weil die polswirtschaftlichen Daten sind ja weiterhin, stehen die Zeichen auf Präzession?

Ja, aber Aktienmarkten in der Volkswirtschaft, neun Monate voraus, sage ich jetzt einfach. Also in neun Monaten haben wir keine mehr, heißt das. Nein, aber das wird genau das Thema sein. Wie weit wird jetzt die Makroökonomengemeinde, jetzt eventuell mal die Aussichten für Deutschland auch wieder nach oben nehmen?

Das ist schon was, weil es ging in den letzten Quartalen immer nur nach unten. Wir haben immer auf den Warten, auf den Aufschwung gehabt, ja, nix kam. Und wenn das jetzt tatsächlich dreht, dann sind das ganz andere Vorzeichen. Was ich wahrnehme in den einzelnen Segmenten, in meiner Hochtechnologie, sind ja auch die deutschen sechs oder sieben Unternehmen im Dachs ja durchaus mitgelaufen, jetzt zum Schluss mit den Amerikanern nicht ganz so, aber immerhin.

Aber was ja völlig der Niederleg ist, ist doch die klassische Industrie, die Bewertung dieser klassischen Industrieunternehmen. Ja, in Deutschland würde ich dir recht geben, aber auch da, also ich bleibe dabei, ich finde Maschinenbau, um es jetzt mal ganz klassisch zu machen, durchaus interessant. Ja, auch Vollpotenzial.

Auch Vollpotenzial und Produktionsstandorte, die automatisiert irgendwie, also wir brauchen Produktivitätsfortschritte, um die Kosteninflation in den Schach zu halten und deswegen, da muss eigentlich perspektivisch was passieren. Und das sehen wir nämlich auch, genau das. Vielleicht kurz vor Ende nochmal Thema Technologie, du hast es eben angesprochen, das war ja so ein bisschen der Wachstumstreiber für die Aktienmärkte, gerade in den USA in den letzten Jahren, jetzt gab es so ein bisschen, ja mit den Zinsen, ein bisschen Probleme bei den Wachstum auch natürlich, weil Finanzierung teurer wurde, hat sich das wieder so, in diesem Jahr schon so ein bisschen wieder geregelt alles, oder ist es immer noch schwierig, weil die Zinsen in den USA sind ja weiterhin noch deutlich höher,

zum Beispiel in Europa. Ja, aber also nach wie vor ist Technologie ein Wachstumstreiber, insbesondere auf der Gewinnsite in den USA, aber die Bedeutung des Sektors wird perspektivisch weiter abnehmen, was ich meine, ist nur die Zusammensetzung des Gewinnwachstums wird sich verändern. Das ist halt, ich sage mal, erfreuliche da dran, weil endlich der Aufschwung auch in den USA auf breiteren Füßen steht, das ist aus meiner Sicht sehr, sehr positiv zu beorten.

Und klar, die Technologieführerschaft liegt, glaube ich, zurzeit klar in den USA, was so Unternehmen wie Nvidia, Microsoft, Apple und wie sie alle heißen betrifft, aber nichtsdestotrotz, wir müssen uns hier auch nicht verstecken, vielleicht müssen wir das so ein oder andere Mal klüger finanzieren, vielleicht auch klüger hier die Produktion ansiedeln und klüger groß machen, anstatt immer die Technik zu entwickeln und dann nach außen zu geben und ja, dann im Prinzip in die Röhre zu schauen, mittelfristig.

Braucht man natürlich auch die entsprechenden Arbeitskräfte dann vor? Arbeitskräfte, ich glaube, gut ausgebildete Arbeitskräfte wirst du im Standort Deutschland immer finden. Kommt man Zweifel aus der Automobilindustrie? Kommt man Zweifel aus der Automobilindustrie und Standorte habe ich ja gesagt, wir haben ja Chipfabriken.

Also du hast schon einen angeboten in Norden. Ich hätte noch einen hier in der Mitte zu bieten, da steht eine Amazon-Ruine, die ist nicht fertig gebaut worden, also von daher, da hätten wir schon zwei. Also, wenn jemand Ideen hat, kann sich gerne bei uns melden. An euch beide erstmal vielen Dank, dass wir heute hier war, dass wir so aktuell über das Thema sprechen konnten.

Damit machen wir vor heute Feierabend und die Einwähre der andere hat es vielleicht gemerkt, dass heute die Tonqualität im ersten Teil etwas anders war als jetzt. Das lag allein daran, dass wir in einer etwas anderen Aufnahmesituation waren und ich jetzt nochmal im Nachhinein hier etwas einspreche. Vielen Dank fürs Zuhören und wenn Sie Fragen haben, gilt natürlich wie immer, schreiben Sie uns gerne an podcast@dk.de, gerade auch was das Thema Bundestagswahl und Auswirkungen der Wahl angeht und wir schauen dann, wie wir die Fragen in einen der nächsten Podcasts einbauen.

Das war es von uns für heute. Machen Sie es gut und bis bald. Mikro trifft Makro ist ein Podcast der DK Bank. Weitere Informationen zur DK Bank finden Sie unter www.dk.de/dk-gruppe [Musik]

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