
Mikro trifft Makro - Das Finanzmarktgespräch
Folge 130 - Ein Deal sie zu knechten...
Freitag, 1. August 2025 · 31 min
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Shownotes
Die EU und die USA einigen sich auf einen Deal im Zollstreit
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Mit dieser Tolkien-Anleihe kann man die Reaktionen auf das Handelsabkommen umreißen, dass am letzten Wochenende in Schottland nach längeren Verhandlungen zwischen den USA und der EU abgeschlossen wurde. Schmerzhafte Zölle aus den USA gegenüber den europäischen Exporten und keine Zölle von US-Importen in die EU und massive Investitionen der Europäer in die USA.
Noch Fragen? Ja, wir haben welche. Was steht genau drin in der Vereinbarung zwischen der EU und den USA? Wer profitiert und wer nicht und was heißt das alles für die deutsche Wirtschaft und die Geldanlage? Wir sprechen drüber. In dieser Folge – Mikro trifft Makro. Hallo und herzlich willkommen zu 130. Folge Mikro trifft Makro.
Heute ist Donnerstag, der 31. Juli 2025 und bei mir im höchsten Podcaststudio Frankfurt sitzt der Chefvolkswirt der Dekabank, Dr. Ulrich Carter. Guten Morgen, Ulrich. Guten Morgen, Dr. Ja, jetzt haben wir es ja. Die wichtigste Sache im Universum wurde geklärt, der Handelstil, der ist da und es ist ja eigentlich schon alles gesagt worden, nur noch nicht von jedem daher auch noch mal an dieser Stelle.
Wie findest du es denn, was da abgelaufen ist und wie findest du denn, was da rausgekommen ist? Ja, es ist in der Tat nicht mehr viel Neues, was man sagen kann. Man kann sich nur noch einem Lager zuordnen, die da wären, dass jetzt das Ende der deutschen Wirtschaft oder alles nicht so schlimm. Also das definitiv nicht das Ende der deutschen Wirtschaft, es ist das Ende der bisherigen Handelsordnung auf der Welt, würde ich sagen.
Und es ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, was für ein politischer, was für ein politischer Zwerg Europa in der Welt eigentlich ist. Meine Interpretation ist eigentlich, eigentlich gibt es gar kein Deal, die USA haben einfach einseitig die Welthandelsordnung aufgekündigt, Trump braucht Geld, das wird er über die Zölle einspielen und die Interessen seiner politischen Partner, wenn ihr das Wort überhaupt kennt, in der Welt, die interessieren ihn überhaupt nicht.
Er hat ein gutes Gewissen, weil er sagt, die USA haben sowieso schon die ganze Zeit und zwar lange genug den Rest der Welt alimentiert, militärischer Schutz, Beiträge, internationale Organisationen, alles Mögliche und damit ist jetzt mal Schluss. Ja, und die EU und alle anderen Länder, die haben eigentlich nur die Möglichkeit jetzt darauf irgendwie zu reagieren und in Europa, die EU hat einfach den Weg des geringsten Widerstands gewählt.
Ich glaube, die haben einen Kalkül aufgestellt, was gar nicht so dumm ist, so nach dem Motto was passiert, wenn wir das Ganze jetzt hier eskalieren lassen, hätte man ja tun können, man hätte ja gegen Zölle im Güterbereich machen können, man hätte die US-Plattformunternehmen das Leben schwer machen können hier in Europa mit Steuern und so weiter, ja, aber was wäre passiert?
Trump wäre wahrscheinlich durchgedreht und hätte irgendwelche Fantasiezölle für Europa ausgesprochen, das haben wir in China ja gesehen, die US-Plattformunternehmen hätten in Europa die Preise erhöht und dann wäre wahrscheinlich dem einen oder anderen Europäer aufgegangen, oops, sie haben ja gar keine Alternative für Microsoft Windows, für Apple iPhones, für Instagram und so weiter, dann hätte die US-Regierung die Unterstützung für die Ukraine dann mal wieder abgestellt, zwischenzeitig werden die Börsen eingeknickt hier in Europa um 5% und dann hätte man sich wahrscheinlich nach vier Wochen wieder hingesetzt und sich auf einen Deal geeinigt, dann wären es vielleicht zwölf statt 15% gewesen und ich glaube, dass
war es einfach aus Sicht der Europäischen Union nicht wert, man ist zwar ein großer, wirklich einer der ganz großen Wirtschaftsräume auf der Welt, aber man hat gegenüber den USA eben zu wenig Vorteile, man ist im Gegenteil, man ist technologisch abhängig und man hat keine militärische Macht und das sind die Dinge, die ich glaube ich in den Auslöchern gegeben haben. Ja, das ist ja eigentlich eine Botschaft dieser Woche, Europa ist politisch ein Zwergenstaat. Die Klemensfuß vom IFO-Institut hat von einer Demütigung Europas gesprochen, fand ich bemerkenswert, ich fand es so richtig, fand es bemerkenswert, ich weiß aber nicht, ob er sich damit auch bewusst ist, dass er damit den Begriff aufgegriffen hat, den die
Nesen für ihre dunkle Zeit in den letzten 200 Jahren verwendet haben, wo sie in der ökonomischen Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Es sind wirklich eher die politischen Seiten, die zu denken geben sollten, weniger die ökonomischen, da finden Anpassungen statt, also die Tatsache, dass es eben gar kein Staat ist hier in Europa, der überhaupt vernünftig reagieren könnte, damit fängt das Problem an und für all diejenigen, die das bisschen Europa, was wir haben jetzt gleich wieder auflösen wollen, den Saal gesagt mit einem selbstständigen Deutschland, wäre Trump jetzt auch nicht anders umgesprungen. Die 5-Prozent-Punkte da weniger Zoll, wo die Briten jetzt hier wieder als selbst kontrollierte Wirtschafts-Nation genießen, die machen jetzt
keinen Unterschied. Nein, die politische Botschaft hier raus für mich kann nur lauten, wie machen wir Europa mächtiger? Das ist jetzt ein weites Feld, das reicht auch über meine Kompetenz hinaus, deswegen können wir noch darauf eingenommen, hier mal jetzt mal Punkt. Muss man auch wissen, wenn man selber mal einen Punkt macht. Jetzt hast du das so ganz schön global galaktisch, wie man so schön sagt, abgerundet das ganze Thema, aber jetzt kannst du doch mal so ein bisschen reinschauen, was heißt das für die Wirtschaft, vielleicht mal mit besonderer Blick auf Europa und Deutschland. Haben wir da jetzt große Auswirkungen zu fürchten oder sagst du, na ja im Wesentlichen sind wir da, wo wir angefangen haben wieder?
Na ja, die Wirtschaft ist natürlich direkt betroffen, na klar, allerdings muss man glaube ich stark unterscheiden. Also die großen internationalen auch europäischen Börsen notierten Unternehmen, vielleicht mit wenigen Ausnahmen, die werden sich schnell anpassen und die werden auch ihre Gewinne, ihre Margen und ihre Umsätze wieder optimieren, um eben so wenig wie möglich Gewinndynamik zu verlieren. Das macht man eben, indem man immer noch die Weltwirtschaft benutzt. Zölle heißen ja nicht, dass die Weltwirtschaft völlig deklobalisiert hat.
Direktinvestitionen sind ja weiterhin als wesentliche Säule der weltweiten Aktivitäten möglich. Direktinvestition bedeutet, dass eine Firma, eine Fabrik, eine Produktionsstätte oder sonst irgendein Unternehmen, ein Tochterunternehmen in einem anderen Land aufbauen kann und diese Form der Globalisierung ist ja weiterhin vorhanden. Im Gegenteil, Trump will das ja, dass die Firmen nach Amerika kommen. Also insofern gibt es da sehr viele Stellhebel, die die Unternehmen jetzt ziehen werden, sodass die negativen Auswirkungen eher auf die Wirtschaftsstandorte, das heißt die Wirtschaftsregionen zu sehen sind. Also bei den Jobs in diesen Regionen, bei den Wirtschaftsstrukturen in diesen Regionen sind die hochproduktiv oder wenigproduktiv
und was für einen Wohlstand resultiert daraus. Große Unternehmen sind eben in der Lage Standorte zu wechseln und sich dann anzupassen. Das ist auch der Grund warum der Aktienmarkt so stabil auf diese Zölle reagiert hat, weil die großen Unternehmen ja diejenigen sind, die notiert sind und das wird sich auch so fortsetzen. Die kleinen Unternehmen, die das eben nicht können, die müssen jetzt von der Qualität der andere Aufgaben bewältigen, da kann es sogar in die Existenz des Geschäftsmodells geben, die werden versuchen sich umzuorientieren, wenn es eben ein Amerika-Geschäft gab vorher und das jetzt nicht mehr möglich ist, dann wird man versuchen, neue Abnehmer zu finden, vielleicht neue Geschäftsbereiche aufzubauen
und alte Abzubauen. Und das wird schon dazu führen, dass sich die Aktivität, die gesamte ökonomische Aktivität stärker regionalisiert. Region heißt aber in dem Fall Europa ja, es ist schon eine Riesenregion, deswegen gibt es eben ja auch da so viele Möglichkeiten auszuweichen. Und das ist auch das, was man im Lehrbuch von Zöllen erwartet. Die Zollmauern, die aufgebaut werden, da versuchen, die Handelströme sich drum rum woanders hin zu bewegen und kehren vielleicht sogar auch mehr der Weniger zurück ins Ausgangsland, das heißt also der Handel wird dann insgesamt weniger werden. Und Verlierer sind dann so gesehen bei dieser Betrachtung dann eben vor allen Dingen die privaten Haushalte, also die Menschen, die
Bürgerinnen und Bürger. Und zwar in Europa genauso wie aber auch in den USA. Ich verstehe es gar nicht, die USA sehen jetzt aus wie der strahlende Sieger, wahrscheinlich muss man so eine Marketingfigur wie Donald Trump eben da haben und dann läuft das schon. Aber da muss man sagen, die Zahlen, entsprechende andere Sprache, wir haben jetzt gerade die BIP Zahlen für Amerika bekommen auf den ersten Blickbombenzahlen, aber wenn man hinter die Kulissen blickt, dann sieht man, dass zurzeit gerade die Nachfrage erodiert in den Vereinigten Staaten. Und für Deutschland werden wir die BIP Prognosum 2/10 zurücknehmen. In Europa werden wir sie 1/10 zurücknehmen, das hört sich jetzt ganz wenig an, aber da muss man
bedenken, dass wir dauerhafte Zölle ja schon vorher, schon seit dem Frühjahr eben als Annahme in unseren Prognosen haben und deswegen auch schon entsprechend runtergegangen sind. So ist es jetzt auch gekommen, mehr oder weniger, wie wir erwartet haben. Das heißt der Anpassungsbedarf bei uns ist jetzt nicht so groß. Aber ein Punkt ist ja, und ich glaube das ist ja auch was, was viele jetzt immer wieder gesagt haben, wenn dieser Deal jetzt da ist, dann ist ganz wichtig für Unternehmen, es gibt jetzt Planungssicherheit. Wir wissen jetzt, was passiert und wir wissen jetzt, was kommt, was auf uns zukommt, worauf wir uns einstellen müssen. Und das ist ja ganz wichtig für Unternehmen. Ist es denn so, dass wir jetzt Planungssicherheit haben oder
das so? Ja, das halte ich so ein bisschen für so ein Ungeheuer von Loch Ness Argument. Also jeder redet drüber, hat keiner als gesehen, halte ich ein bisschen für überbewertet. Ich meine, das kann ja morgen schon anders sein. So lange Trump da sein wird, wird er immer mit solchen Kommunikations-Explosionen, mit Themen kommen, die völlig übertrieben sind.
Das ist eine Art völlig übertriebene Forderungen, Projekte rauszuhauen, damit man mit dem was hinterher übrig bleibt, dann entweder zufrieden ist oder sagt es doch nicht so schlimm. Das ist wirklich eine, keine Ahnung, psychologische Marketingveranstaltung, die haben wir jetzt mehrfach vorgeführt bekommen und wie gesagt, das wird bei ihm weitergehen. Planungssicherheit ist schon wichtig, aber Planungssicherheit, würde ich sagen, könnte eher die heimische Wirtschaftspolitik hier in Europa liefern. Wie überhaupt man jetzt diese Zölle nicht als Sündenbock dafür verwenden darf, dass es in der eigenen Wirtschaft hier nicht mehr rund läuft. Im Gegenteil, andersrum wird ein Schuh drauf. Gerade wenn sich eben alles
ändert auf der Welt. Zölle, Kriege, Energie, Klima, da muss man es eigentlich der heimischen Wirtschaft leichter machen, sich neu zu erfinden, sich zu verändern, neue Strukturen, neue Produkte, Innovationen zu machen. Und was wir machen hier in Europa, ist immer noch das Gegenteil. Wir haben Regulierungen, selbst bei neuen Dingen sofort einregulieren das Ganze und wir glauben, wir können uns all die Dinge leisten, die wir aus der Vergangenheit kennen und das ist dieser Situation nicht mehr angemessen.
Dann lassen Sie jetzt nochmal einen Blickwerfen auf die Konsequenzen für Anlegerinnen und Anleger. Was heißt das denn für die Kapitalmärkte, für die Aufstellung von Portfolios und wie sollten denn Privatanlegerinnen und Anleger darauf jetzt reagieren? Also soll ich jetzt gleich mal gucken, was habe ich so für Aktien im Portfolio, die vielleicht Verlierer sein können, soll ich die rausschmeißen, soll ich ihnen Gewinner investieren? Also da gibt's ja eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten, die man da jetzt aufmachen könnte. Wie siehst du denn die Sache? Also wie sollte man da jetzt am besten vorgehen, was sollte man tun oder auch vielleicht nicht tun?
Was das für die Kapitalmärkte heißt, das haben wir ja gesehen. Die Aktienmärkte, ja gehen überhaupt nicht. Die Unternehmensergebnisse in der aktuellen Berichtssongeradik, die sind so gut in den USA, da gibt's neue Höchststände. In Europa stehen wir aber auch nicht weit von den Höchstständen entfernt. Die Zinsenanleimarkt hat überhaupt nicht reagiert. Der Einzig der Dollar, der ist eben deutlich stärker geworden, weil das muss man ja vor dem Hintergrund sehen, dass es ja eine wilde Abwärtsreise gegeben hat in den letzten Monaten, das scheint uns eher eine zwischenzeitliche Korrektur zu sein. So, das soll heißen. Also die Märkte gehen davon aus, dass sich die Wirkungen von diesen Zoll-Einführungen, den einseitigen
Zoll-Einführungen durch die USA auf die Wirtschaft, auf die Weltwirtschaft eher allmählich entfalten. Das heißt über die nächsten Jahre und nicht in so einem plötzlichen Super-Gau oder Abbruch der Weltwirtschaft. Auch ist dieser Schritt jetzt, das heißt also diese Zoll-Mauern, die sie jetzt aufgebaut worden sind, auch nur ein Baustein, wenn man tatsächlich eine andere Wirtschaftsordnung am Ende haben will. Wir müssen sehen, wie weit dieser Umbau der Weltwirtschaft auch wirklich geht. Es ist eher eben eine Etappe auf der Reise zu einer neuen Weltwirtschaftsordnung.
Und dann sehen die Märkte natürlich auch, dass auf dieser Reise sich die Passagiere an das veränderte Klima anpassen werden. Da wiederhole ich mich die großen internationalen, die bösennotierten Unternehmen, die werden sich schnell anpassen. Die negativen Auswirkungen sind eher auf Basis der Wirtschaftsstandorte zu spüren. Es soll nicht heißen, dass nicht auch die Unternehmen federn lassen müssen. Jetzt gerade auch wieder in der aktuellen Berichtssaison, die Unternehmen, die viele US-Unternehmen sprechen von Gewinneinbußen durch die Zölle, die sie bisher geschluckt haben. Und kurioserweise versucht jeder das Wort Preiserhöhung in den USA zu vermeiden. Die wurschteln sich in den Ausblicken, alle
drumherum sagen, sie werden die Preise optimieren oder zielgerichtet gestalten. Da haben sie natürlich alle die Erfahrung von Walmart im Rücken, die gesagt haben, wir werden das mal weitergeben an unsere Kunden. Und die dann einen heftigen Streit mit Donald Trump gekommen ist, der fast die Preise reguliert hätte für die Lebensmittel. Das steckt jetzt da in den Knochen, heißt aber, dass eben alle leiden werden und das ist eben dann auch die Konsequenz für die Anleger. Es wird eher in den Gesamtrendite-Zahlen für die Anlageklassen, das heißt Aktienanleihen, Aktien und Zinsen, in der Zukunft allmähliche Veränderungen geben, das heißt also, wenn das weltweite Wachstum wirklich ausgebremst wird durch weitere Zollmaßnahmen,
dann wird eher das gesamte Renditepotenzial nach unten gehen, als dass man jetzt hektisch sagen muss, die Region ist besser als die andere, das ist eben nicht so. Gerade bei Zollen sind beide Regionen das zollerhebende Land und die Handelspartner in etwa zugleichen Teilen an den negativen Konsequenzen beteiligt. Insofern ist es jetzt vermessen zu sagen, man muss jetzt Amerika kaufen oder man muss jetzt Europa kaufen. Europa hat sicherlich Chancen und das haben ja internationale Portfolioanleger auch durchaus vorweggenommen schon, aber nur dann, wenn es sich intern tatsächlich reformiert und mehr Dynamik hinbekommt oder wesentlich mehr Geld ausgibt, das Letztere passiert und deswegen haben wir gesagt einige internationale Fonds gesagt,
Sie alle zieren wieder mehr Geld in Europa, weil man eben im nächsten Jahr erwartet, dass die Dynamik anspringt. Es hat einmal mit den Zollen überhaupt nichts zu tun, sondern das sind allein die Fiskalprogramme, die hier laufen. Das allein wird es auch nicht bringen dauerhaft, sondern Europa müsste wie gesagt bei der Flexibilität bei neuen Technologien eben wahnsinnig aufholen, um wirklich eine dauerhafte Erfolgsgeschichte zu machen. Insofern muss man das wirklich ein bisschen mit Vorsicht betrachten. Für den Anleger heißt es nach wie vor weltweite, also internationale Portfolios sind unverzichtbar und das hat mit diesen Zollen auch nicht so viel zu tun, weil es ist ja die gesamte Welt, die mit Zollen belegt wird. Es ist
eine einseitige Aktion der Vereinigten Staaten und wir achten jetzt vor allen Dingen viel mehr darauf, wie sind jetzt die Reaktionen? Gibt es zweitrundendeffekte? Das heißt, kommen jetzt andere Länder auch auf den Trichter, dass sie eben Zölle aussprechen wollen. Dann hätten wir wahrscheinlich nochmal eine andere Situation. Deswegen ist es schon bemerkenswert, dass die EU gesagt hat, wir bleiben beim Freihandel und wir lassen das mit den Zollen. Bin gespannt, wie das durchhaltbar ist. Zumindest hat Donald Trump ja jetzt auch noch, ich glaube es kam heute Nacht, irgendwie mit Südkorea beispielsweise ein Abkommen, ich glaube mit Thailand auch noch geschlossen, so kurz vor knapp 1. Acht, da war ja so die Deadline, aber wir sind allen Ländern dabei,
parallel zu verhandeln und es kommt fast überall Ähnliches raus. Ja, wer sonst auch Wahnsinn, also wenn es mit jedem Land eine einzelvertragliche Regelung gibt, dann wird es natürlich schwer. Zumal die ja alle noch ausgemalt werden müssen, das dürfen wir nicht vergessen, dass ein Rahmen abkommt. Genau, es ist also nichts fixiert bisher. Es ist nur gesagt, so ungefähr wollen wir es machen, alles klar, Handschlag und der eigentliche Vertrag, der muss ja erst noch ausgearbeitet werden.
Das ist das Vertrag über solche Handelsabkommen, da geht es im Gesamt der Wirtschaft, um die Außenhandelsbeziehungen und wenn man da wirklich mit dem anderen Land anfängt zu sagen, wir machen jetzt Bedingungen, wir machen kein Freihandel, sondern wir machen Bedingungen, da muss man fast für jedes Produkt anfangen zu formulieren, welche Zölle gelten, welche Regulierungen gelten, welche Standards gelten und deswegen sind Handelsabkommen dann immer regelmäßig mehrere Tausend Seiten dick und dauern irgendwie zehn Jahre in der Vorbereitung. Insofern muss man mal sehen, was dann da wirklich an Maßnahmen am Ende nach fünf Jahren tatsächlich rauskommt.
Zumal es tatsächlich ja einen riesen Katalog gibt für die unterschiedlichen Produktkategorien, also es geht dann runter, keine Ahnung, Spielzeug aus Plastik, nicht aus Plastik, aber Spielwaren, die keine Spielzeuge sind, aber nicht Prokakarten, also das ist Wahnsinn, das ist ein riesen Katalog und der muss eigentlich komplett. Du kannst dich bei der Kommission bewerben damit, ja das ist genau so denken die. Aber das ist, wie gesagt, da hat die Kommission jetzt in Europa nichts, das ist eben das Kennzeichen von solchen Handelsgesprächen. Gut, dann lass uns doch mal ein bisschen drauf schauen, inwiefern kann man denn schon sagen, das sind Gewinne in Anführungszeichen, Branchen und das sind Verliererbranchen. Also wenn ich jetzt so drauf gucken müsste,
so auch aus der Nachrichtenlage der letzten Tage, hätte ich gesagt, die Autobranche, die wird leiden und das tut sie ja auch schon offensichtlich. Ja, natürlich gibt es Gewinne und Verlierer von diesem Regelwerk, das dann auch kommen wird. Also über das Recht der Autos hier in Deutschland sind schlechter dran als der Maschinenbau. Gerade Maschinenbau hat immer man drauf hingewiesen, deutsche Maschinen sind immer noch, muss man wahrscheinlich sagen. Häufig konkurrenzlos, auch in den USA, das heißt also da können die Zölle dann höchstens die Nachfragen ein bisschen dämpfen, aber es gibt dann keinen US-Anbieter, der gleich alle Aufträge geschnabbt.
Aber um das mal zu verdeutlichen, wie man hier denken muss, das Ganze ist extrem differenziert, man kann fast keine Pauschale auch sagen treffen. Selbst im Automobilbereich muss man muss man noch differenzieren. Also erst mal bei Autos gibt es eine große Konkurrenz in Amerika von amerikanischen Herstellern, das ist schlecht für die deutschen Autos, klar. Da muss man aber sehen, andere Länder, Autokonkurrenten, China zum Beispiel, die haben teilweise deutlich höhere Zölle, ist wieder gut für deutsche Autos. Dann muss man weiter gucken, es gibt sehr viele Firmen, individuelle Dinge. BMW hat zum Beispiel Fabriken in den USA, das ist schön für BMW. BMW hat aber auch Fabriken in Mexiko, die sich mit ihren Zuliefern dann in den USA Vorprodukte hin und her schicken
und dann immer Zölle zahlen müssen. Das ist schlecht für BMW. Also was ich damit sagen will, man muss Produktions- und Absatzketten ziemlich genau analysieren, um jetzt rauszufinden, wer auf diesem Zoll, auf dieser Zollstrecke ist Gewinner, wer bleibt ganz liegen, wer ist Verlierer, um dann halt dem eigenen Aktienportfolio dann auszutauschen, untergezwichten, überzugewichten. Und das kann dann teilweise innerhalb einer Branche total unterschiedliche Ergebnisse geben. Also man muss quasi wirklich jedes einzelne Unternehmen aus einer spezifischen Anfälligkeit gegenüber dieser neuen Zolllandschaft abklopfen. Klassischer Fall fürs professionelle Portfolio-Management, das ist was, was dort jeden Tag gemacht wird. Aber insgesamt müssen wir ganz klar sehen,
dürfen wir uns auch nichts vormachen, diese Zollreise wird uns am Ende alle schon belasten. Die Gewinne aller Firmen insgesamt werden leiden, zumindest in der Vergleichs-Situation, wo die Zölle nicht da gewesen sind. Das ist ja kein Wunder. Der US-Staat nimmt 3 bis 400 Milliarden, plant er über die nächsten Jahre, über diese Zölle einzunehmen. Irgendjemand muss die ja bezahlen.
Dass jetzt aber auch die US-Firmen bezahlen, da habe ich gerade darauf hingewiesen, sieht man in der laufenden Berichtssaison, gerade die Konsumwüterhersteller eben berichten, über Milliarden Belastungen, die sie bisher eben selbst geschluckt haben. Mal sehen, wie das da weitergeht. So, wenn man Strich drunter zieht, was heißt das jetzt insgesamt? Also würde ich sagen, erstens die Märkte erwarten keinen Einbruch, sondern eher ein langsamen Strukturwand. Zweitens, die Anleger müssen das hinnehmen. Es gibt nicht den US-Gewinner und den europäischen Verlierer. Verlieren tun alle. Das heißt, für den europäischen Anleger weltweite Portfolios weiterhin unverzichtbar.
Drittens, es kommt schon darauf an, Gewinner und Verlierer jetzt in jeder Branche zu bestimmen. Das ist keine leichte Aufgabe, weil es eben so viele Effekte gibt, weil es so komplex ist. Ja, dann muss das ja nochmal professionelles Research Management her. Und viertens würde ich sagen, ja, wenn das so weitergeht mit der Reise in die Zollhölle, wenn es jetzt gegen Zolle gibt überall und wenn Trump auch noch die Direktinvestitionenblick hat und den Kapitaverkennung, dann wird es langsam kritisch für die Rendite, für Anleihen und Aktien generell. Aber dann geht mir das weltweite Wachstum richtig runter. So haben wir nur ein paar Zehntel einbußen, aber dann haben wir wirklich ein Thema. Und dann müssen wir wieder neu rechnen. Aber dann sind es negative
Konsequenzen, die alle betreffen, alle weltweit, würde ich sagen. So, jetzt haben wir ganz viel über diese Zölle geredet, wie schon das ganze Jahr eigentlich gefühlt. Also, das ist so der Dauerbrenner. Ich weiß nicht, es gibt immer solche Dauerbrenner. Also, eine Zeit lang war es die Inflation. Jetzt sind es die Zölle. Da reden wir jetzt seit einem Dreivierteljahr darüber. Ich glaube, das Thema wird dann durch sein. Also, wie gesagt, wenn nicht gleich wieder in die nächste Zollsau aus dem Weißen Haus losgelassen wird, aber ich denke, damit soll es dann auch erst mal genug sein. Für Trump ist vor allen Dingen wichtig. Einnahmen, Einnahmen, Einnahmen. Klar, Staatsschulden, Thema, haben wir ja auch schon mal angesprochen. Aber es gab ja noch was anderes. Nicht, dass wir
nur über Zölle gereden in dieser Folge. Auch ein bisschen was anderes gab es auch noch. Die US-Notenbank, Federal Reserve, die hat ja entschieden, an der Zinsschraube nicht zu drehen. Das dürfte Donald Trump wieder mal nicht gefallen. Er hat sich ja schon mit Jerome Powell öffentlich mehr oder weniger darüber gestritten, dass doch mal bitte die Zinsen gesenkt werden sollen und am besten gleich ordentlich, damit es in den USA wieder ein bisschen vorwärts geht. Aber anscheinend sagt Jerome Powell, nee, das machen wir nicht, weil Inflation droht wegen der Zölle. Ja, und interessant daran ist, dass es zum ersten Mal seit 30 Jahren zwei Abweichler gegeben hat. Bei solchen Zentrabank Sitzungen ist ja immer das Gremium, was abstimmt, der FOMC, das Offenmarkkomitee in den USA. Hier
bei uns ist es der Zentramangrat. Und auch in Amerika ist es allermeistens einstimmig. Und diesmal gab es eben zwei Governets, die dagegen votiert haben, und zwar für Zinssenkungen. Zufällig diejenigen, die auch im Gespräch stehen dafür, vielleicht Jerome Powell zu beerben. Ich weiß nicht, ob das erwähnenswert ist. Wurden aber durch den Sachverstand der anderen überstimmt. Naja, man kann, wenn man da mit nicht jumpschen Maßstäben, sondern mit wirklich objektiven gelbpolitischen Maßnahmen, Maßstäben rangeht, kann man sicherlich eine Diskussion aufmachen. Die FED hat nicht nur das Ziel Preisstabilität, sondern eben auch das Ziel Arbeitsmarktsstabilität. Und man stellt fest, dass die Dynamik in der US-Wirtschaft nachlässt, dass auch der Inflationstrend,
wenn man mal die Zölle abzieht, abwärtsgerichtet ist, und diese Zölle abzuziehen, das entspricht professioneller gelbpolitischer Einschätzung. Weil Zölle sind, wenn man es mal richtig über nachdenkt, ein einmaliger Preissprung nach oben und ein einmaliger Preissprung nach oben ist keine Inflation. Inflation ist dauerhaft, ja, um, ja, um, ja, um, ja, eine zu höhere Geldentwertung. Ein einmaliger Sprung, sei es ob man im Mehrwertsteuer einführt oder ob man Zölle einführt, ein einmaliger Sprung ist dann im nächsten Jahr wieder vorbei und dann sinkt die Inflationsrate. Wenn sonst alles in Ordnung ist, sinkt sie wieder zurück. Insofern kann man durchaus einen Punkt machen und zu sagen, also hört mal, wir haben hier sehr hohe Zinsen in Amerika und das können wir mal
langsam so ein bisschen lockerer lassen, weil wir sehen hier, dass die Ursachen dafür jetzt langsam abklingen und damit wir nicht wieder zu spät sind. Wenn dann die Konjunktur wirklich in die Grütze geht in der zweiten Jahreshälfte und die Preise eben dann doch stärker runterkommen, die Inflation stärker runterkommt, dann sind wir wieder zu spät. Also das ist nicht ganz aus der gelbpolitischen Welt. Es ist jetzt keine Fantasieargumentation, die die beiden Abweichler da aufmachen, aber es gibt eben auch ganz gewichtige gelbpolitische Gegenargumente, die sich eben durchgesetzt haben in der Debatte oder bei der Abstimmung. Und diese Gegenargumente sind, dass man am Arbeitsmarkt diese Abschwächung überhaupt nicht sieht. Das ist ja das Ziel der US-Notenbank. Die Konjunktur
geht zwar zurück, aber der Arbeitsmarkt ist richtig kräftig. Keine Arbeitslosigkeit, kein Anstieg. Bei der Inflation, richtig, man kann das alles abziehen, aber es gibt natürlich eine Restwahrscheinlichkeit, dass Anstoßeffekte dann doch übrig bleiben, so ganz arithmetisch darf man das nicht verwenden. Vor dem Hintergrund ist es auch angemessen und gut vertretbar zu sagen, wir warten mit Zinssenkungen noch bis diese Phänomene, Wirtschaft wird schlechter, vielleicht sogar am Arbeitsmarkt, bis die Symptome stärker geworden sind. Deswegen bleiben wir auch dabei, dass die Zinsen sinken werden in diesem Jahr sogar noch zweimal in den USA. Und dann wird es ganz spannend werden, wie stark ist die Abschwächung. Wenn die vertretbar erscheint an den
Aktienmärkten und die Zinsen sinken, dann ist das eher gut. Wenn es zu stark nach unten geht, ja dann müssen die Zinsen aber dann wahrscheinlich doch schneller noch gesenkt werden. Und da muss man sehen, was die Märkte aus diesem Konglomerat machen, sehr schwache Wirtschaft ist natürlich wahrscheinlich eher ein Negativfaktor für die Aktienmärkte, der dann durchschlägt. Aber das werden, damit sind wir bei den Themen vom zweiten Halbjahr. Ich hoffe auch, dass wir das Z-Word dann langsam mal begraben können, zumindest für eine ganze Weide lang, haben jetzt auch genug Aufmerksamkeit darauf gerichtet und wieder zu den Daten, die die Märkte eigentlich interessieren sollten, wachst du um Inflation, Zinsen und so weiter zurückkehren können. Dann hoffen wir
das mal. In der nächsten Folge werden wir ja genau das tun. Wir schauen mal so ein bisschen zurück auf das erste Halbjahr und werden auch natürlich nach vorne schauen, was steht im zweiten Halbjahr noch so an. Da holen wir uns wieder Verstärkung mit dem Jörg Boyzen, unserem Chief Investment Officer. Schauen wir mal so ein bisschen, wie er die Lage verurteilt und vielleicht kann er uns ja auch sagen, was ist denn mit den Gewinnern und Verlierern bis dahin, die analysieren ja jetzt bestimmt kräftig Proportfolios und schauen genau da drauf, wer gewinnt, wer verliert, wer muss man übergewichten, wer muss man untergewichten durchaus eine ja tagesfüllende Arbeit mit viel Research und viel Arbeit. Unbedingt, unbedingt. Die meisten Leute denken,
es kann ich ja selber machen, dann sagen wir viel Spaß. Es gehört doch ein paar Kenntnisse dazu, eine US-Amerikanische Bilanz zu lesen oder auch eine europäische. Ja, überhaupt Bilanzen lesen, nicht so einfach. Ja, das war es von uns für heute. Vielen Dank fürs Zuhören und wenn Sie Fragen haben rund um das Thema Zölle, denn im Augenblick müssen wir uns leider noch damit beschäftigen, Uli. Dann schreiben Sie uns doch gerne an podcast@dk.de oder kommentieren Sie unter einem unserer Social Media Post. Da sehen Sie das dann auch. Vielen Dank fürs Zuhören und bis bald, tschüss!