
Mikro trifft Makro - Das Finanzmarktgespräch
Folge 132 - Trump vs. Notenbank
Freitag, 29. August 2025 · 33 min
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Shownotes
Der Dax wird umgebaut und Trump will die Aufgaben der Fed übernehmen
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Der DAX bildet die deutsche Wirtschaft ab. Das stimmt schon lange nicht mehr, denn die meisten Firmen im deutschen Aktienindex DAX sind mittlerweile international aufgestellte Großkonzerne. Dennoch ist und bleibt der DAX der Leitindex für den deutschen Aktienmarkt. Doch von Zeit zu Zeit muss auch ein Index mal neu aufgestellt werden, sei es einmal die Anzahl der Werte von 30 auf 40 zu erhöhen oder die enthaltene Werte an die aktuelle wirtschaftliche Situation und Marktkapitalisierung anzupassen, denn schließlich soll der DAX ja die 40 größten Unternehmen beinhalten und das kann sich eben mal verändern.
Ansonsten ist Sommer und außer einer Klarstellung in Bezug auf den US-EU-Handelsstil gibt es nur wenig berichtenswertes. Aber auch in der etwas ereignisarmen Zeit sorgt eben Donald Trump mit seinen Angriffen gegen die amerikanische Notenbank für Schlagzeilen. Wie wichtig ist der DAX als Gratmesser für den Zustand der deutschen Wirtschaft, welche Aussagen kann man aus den Veränderungen im DAX ableiten und was hat Donald Trump eigentlich gegen die Notenbankchefs?
Wir sprechen drüber in dieser Folge Mikro trifft Makro. Hallo und herzlich willkommen zur 132. Folge Mikro trifft Makro. Heute ist Donnerstag der 28. August 2025 und bei mir sitzt heute mal nicht unser allseits geschätzter Cheffolkswirt, sondern sein mindestens genauso geschätzter Kollege Joachim Schallmeier.
Guten Morgen Joachim. Ja, schön. Guten Morgen. Bevor wir uns jetzt unserem eigentlichen Thema widmen, dem DAX und seinen Veränderungen, lasst uns doch nochmal kurz über den aktuellen Zustand der Kapitalmärkte weltweit schauen. Mir kommt es im Moment so vor, als ob wir so ein bisschen tatsächlichen Sommerloch haben an den Börsen.
Die Nachrichtenlage ist ja eher überschaubar, würde ich sagen. Die Datenlage ist auch nicht so spektakulär aktuell und es ist irgendwie auch halbwegs ruhig. Ist man eigentlich kaum gewöhnt. Das erste Halbjahr war ja recht turbulent. Täuscht das oder habe ich das richtig wahrgenommen so? Ja, das erste Halbjahr war turbulent, aber es war vor allen Dingen ein, das war ein hervorragendes Halbjahr für die Kapitalmärkte insgesamt.
Also, wenn wir bis zum heutigen Zeitpunkt uns das anschauen, muss man ganz klar sagen, sind alle Anlageklassen, Aktien, Renten wirklich mit positiven Renditen und positiven Gesamterträgen. Und das ist erstmal was sehr, sehr Positives. Das Einzige, was sicherlich Aufmerksamkeit bedarf, ist die starke Veränderung im Wechselkurs, vor allen Dingen der schwache US-Dollar, denn der macht vor allen Dingen für in Euro rechnende Anleger ja so ein bisschen diese wirklich gute, zugrunde liegende Wertentwicklung, dann verwässert das ein Stück weit.
Das heißt, der Dollar wird in Euro umgerechnet und dementsprechend führt das zu einer Belastung. Aber insgesamt wirklich ein super Anlagejahr bis jetzt und dein Eindruck träuscht nicht. Es ist deutlich ruhiger gewesen, denn diese ganze Entwicklung ist im ersten Halbjahr passiert und im Juli und August war es dann ruhig, merkte er seitwärts keine wesentlichen Ausschläge mit einer Ausnahme und zwar der sehr deutlichen Ausnahme, das war der US-Aktienmarkt, denn der US-Aktienmarkt hat hier nochmal richtig Gas gegeben, da ist er erst im Err im ersten Halbjahr ein bisschen zurückgeblieben, aber der hat dann im Juli und August richtig aufgeholt, bis er jetzt auch auf neue Rekordstände angestiegen, also das ist sicherlich eine Ausnahme und
deswegen war es dann doch nicht ganz so ruhig, wenn man eben hier den US-Aktienmarkt sich anschaut. Also wird der US-Aktienmarkt vielleicht doch wieder zum Shooting Star wie letztes Jahr, zum Überraschungsstar auf der Bühne und der Weltwirtschaft oder wie siehst du das aktuell? Zumindest hat er jetzt wirklich eine unglaubliche Aufholbewegung hingelegt und es kann schon sein, dass der sogar Pari zieht bis Jahresende dann wieder auch mit den europäischen Märkten.
Donald Trump sorgt ja trotzdem für Bewegung und für Schlagzeilen, er hat ja schon länger eine Fähde laufen mit dem Chef der amerikanischen Notenbank, Jerome Powell. Nun soll ja auch noch jemand aus diesem Memberboard entfernt werden, also rausgeschmissen werden, wie er das natürlich dann gesagt gefeuert soll, sie werden die Gouverneurin, die dort sitzt. Was ist denn eigentlich das, was ihn an der Notenbankpolitik in den USA so stört? Ist es, dass er keinen direkten Durchgriff hat, dass er nicht einfach umsetzen kann, was er meint, was richtig ist oder was ist da los in der Notenbankpolitik der USA? Warum dieser Kampf zwischen Trump und der Fiat?
Naja, er sagt ja schon recht konkret, was ihn stört. Seiner Meinung nach sind die Zinsen einfach viel zu hoch. Die Notenbank ist hinter der Kurve, müsste seiner Meinung nach schon längst die Zinsen gesenkt haben. Und das sind sozusagen die die Aufhänger für dieses ständige Störfeuer, dass er dann auf verschiedenen Kanälen auch ausspielt. Ja, ob das jetzt der alleinige Grund ist, dass er wirklich schnelle Zinssenkung hier möchte, darüber lässt sich natürlich trefflich spekulieren. Aber er ist stetig bemüht, sozusagen das Vertrauen auch der Notenbank zu untergraben, die Glaubwürdigkeit zu untergraben. Und er drängt natürlich damit schon indirekt auch auf den direkteren Einfluss auf die Geldpolitik. Jetzt ist das natürlich schon ein wirklich sehr
gefährliches Spiel. Denn in einem Geldsystem, wie wir es in den USA haben, wie wir es in der Welt haben, Papiergeldsystem ist natürlich die Unabhängigkeit der Notenbank ganz zentral. Denn nur so kann die Geldwert-Stabilität garantiert werden. Und stabiler Geldwert ist natürlich wiederum wichtig für Investitionen, für die Wirtschaftssysteme insgesamt. Und daran sollte man tunlichst nicht kratzen. Und deswegen ist das, was da in den USA passiert, sehr gefährlich. Es macht auch die Märkte zunehmend nervös. Und es steckt halt so ein bisschen die Vermutung dahinter, dass tatsächlich Trump oder die Regierung eben dauerhafter auch Einfluss daneben möchte.
Und ja, niedrigere Zinsen wären natürlich auch etwas, was die Staatsdefizite dann besser finanzieren ließe. Also, wenn mal ausgerechnet so 2 % niedrigere Zinsen, das würde den Haushalt so um 200 Milliarden pro Jahr dann an Zinskosten entlasten. Ist schon ein bisschen was. Also, das ist schon ein riesiger Hebel, der da ist. Also, die Vermutung deswegen, dass man dauerhafter dann Einfluss neben will, die ist schon da. Es ist eben wie gesagt sehr prekär und vor allen Dingen der Kapitalmarkt beginnt ja auch schon darauf zu reagieren. Das lange Ende der Zinskurven, 10-30-jährige Zinsen, die sind schon massiv angestiegene letzten 12 Monaten. Und das ist ein Ausdruck dafür, dass Anleger global einfach eine höhere Risikoprämie, eine höhere Rendite
einfördern, dafür, dass sie auf lange Zeiträume den USA eben Geld leihen. Und das ist wiederum eine Bewegung, die kann den USA nicht gut gefallen. Mit Blick auf die kurzfristigen Zinsen wäre es jetzt gar nicht so notwendig, da ständig niedrigere Zinsen einzufordern, denn die würde eher unserer Meinung nach sowieso bekommen. Denn unabhängig von all den Diskussionen, wenn man sich rein fundamental betrachtet, ist es durchaus angezeigt, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter senken wird. Wir gehen davon aus, dass wir hier wirklich ab September dann auch weitere Zinsschritte bekommen und dass wir in einem Jahr rein aus fundamentaler Sicht her rund ein Prozentpunkt niedrigere Zinsen vertragen können. Also es ist so ein bisschen wirklich
überflüssig, dass man da diesen Kanal so massiv damit bespielt und auch mit Aktionen natürlich unterlegt. Ich würde jetzt gerne spontan ein kleines Gedankenexperiment mal starten. Mal sehen, ob du darauf jetzt eine Antwort hast. Gehen wir mal davon aus, Donald Trump wird sich jetzt durchsetzen und wird die Zinsen einfach zwei Prozent senken. Weil du hast ja gesagt, die zwei Prozent, das wäre super für den Haushalt. Was wäre denn die Konsequenz? Also was ist denn das gefährliche, was das dann auslöst, wenn wir sagen, na ja, die Politik soll eben gerade nicht die Notenbankpolitik beeinflussen, sondern die sollen unabhängig sein. Was passiert denn, wenn Trump jetzt einfach sagen würde, Zinsen zwei Prozent runter und die machen das? Ja, wenn das so eine
direkte Anordnung wäre, wie du es jetzt gerade sagst, dann hätten wir natürlich wirklich massive Auswirkungen am Kapitalmarkt. Warum? Weil damit klar wäre, dass die Notenbank eben hier nach der Politik agiert. Wir hätten dann viel zu niedrige Zinsen. Wir hätten dann eben sofort ganz klar, sozusagen das Signal, wir dominieren sozusagen, wir setzen die Zinsen. Wir nutzen das für unsere Zwecke, zur Staatsfinanzierung zur Investition von politischen Vorhaben. Das wäre ein riesiger Vertrauensverlust. Es wäre natürlich damit verbunden die Gefahr einer Inflation und zwar einer Inflation, die sich nur noch sehr, sehr schwer einfangen lässt. Das haben wir in der Historie ja immer wieder gesehen. Wenn Notenbanken eben unter politischen Einfluss geraten, dann führt das
in der Regel zur Inflation bis hin zur Hyperinflation. Also Inflationserwartung würden massiv einsteigen. Es käme zum Vertrauensverlust der Anleger. Es würden viel höhere Risikopremien gefordert werden. Also man würde dann nicht mehr so bereitwillig Geld leihen, sondern viel höhere Zinsen einfordern. Also es werden Chaos wirklich, das da mit ausgelöst würde und wir können nur hoffen, dass genau das nicht passieren wird. Genau und das zeigt natürlich auch, dass vieles von dem, was an den Märkten basiert auf einer Vertrauensbasis aufbaut, dass Vertrauen, dass die Notenbank eben unabhängig agiert und wenn das Vertrauen eben gebrochen wird, dann hat man tatsächlich ein Problem an den Märkten. Das ist nochmal so ein bisschen schauen, du hast
eben schon gesagt, überrascht hat dieser Tage eigentlich der US-Aktienmarkt. Gibt es ja noch andere Daten, wo du sagst, na da lohnt sich es auch mal drauf zu schauen. Das ist auch interessant, Sommerloch hin oder her. Vielleicht auch Sachen, die jetzt nicht so in der ersten Reihe stehen. Ich meine der Aktienmarkt ist immer das, was alle sehen, was immer sehr prominent auch in den Medien gespielt wird. Vielleicht gibt es ja auch Daten, wo du sagst, na das war schon auch interessant, weil das vielleicht eine Tendenz anzeigt oder vielleicht erste Zeichen sind für gewisse Entwicklungen.
Also was wirklich aufgefallen ist sind die unterschiedlichen Entwicklungen von Konjunkturdaten. In den USA hatten wir ja einen schwachen Arbeitsmarktbericht, der hatte dann so ein bisschen Sorge ausgelöst, dass vielleicht jetzt doch Zölle und sich die US-Wirtschaft insgesamt ein bisschen stärker abschwächst, aber seit diesem Arbeitsmarktbericht bekommen wir kontinuierlich nur besser als erwartete Daten von der US-Wirtschaft. Also die US-Konjunktur läuft stabiler als es erwartet wurde und das ist wirklich ein Hingucker, die letzten Wochen gewesen, diese besser als erwarteten, wirklich guten Daten aus den USA. Und im Gegenzug, und das ist wirklich schon auch deutlich gewesen, haben wir natürlich hier aus Europa und vor allen Dingen aus Deutschland weiter schwache Daten
bekommen. Nicht nur, dass das Wachstum der letzten Jahre massiv nach unten revidiert wurde, statistisch. Also wir haben jetzt wirklich fünf Jahre in Deutschland keinerlei Wachstum. Also wir haben wirklich eine lange und schwere Rezession hier und das hält sich bis zum aktuellen Rand. Zuletzt wurden auch die Wachstumszahlen jetzt für dieses Jahr, fürs zweite Quartal nach unten revidiert. Also da haben wir wirklich sehr gegensätzliche Entwicklung gehabt. Das waren Hingucker die letzten Wochen und was natürlich spannend war, war einfach die Berichterstattung der Unternehmen immer. Das hat er gestern oder heute Nacht sozusagen erst mal den Abschluss gefunden mit den vielbeachteten Zahlen vom Halbleiterhersteller Nividia, aber insgesamt muss
man sagen, in der sehr solide, sehr gute Berichterstattung auch der Unternehmen aus den USA auch wiederum deutlich besser als erwartet. Das war ja auch so ein bisschen der Auslöser, warum sich die Aktienkurse dann so gut entwickelt haben. Er ist durchaus fundamentale Gründe, nämlich wirklich eine solide, gute, sehr gute Berichterstattung der Unternehmen. Also das sind so die Punkte, die Datenpunkte, die wir jetzt haben, gut mit Nividia. Gestern gibt es keinen neuen Impuls mehr für die Märkte, aber es ist im Grunde am Abschluss dann wirklich auch eine erfolgreichen Berichtssaison. Allerdings muss man dann auch wiederum beachten, du hast ja eben am Anfang schon mal gesagt, gleichzeitig hat der Dollar massiv abgewertet. Das heißt,
wenn ich jetzt in den USA angelegt war, als Euroanleger, muss ich natürlich erst mal so viel mit dem Aktienmarkt aufholen, dass ich den Verlust aus dem Dollar-Umrechnungskursen wieder rauskriege im Endeffekt. Dickler ist ein ganz, ganz, ganz wichtiger und zentraler Punkt in diesem Jahr, weil einfach die Bewegungen der Währung so massiv waren. Und genau wie du es beschreibst, also die Aktienmärkte, die in US-Dollar notieren, wie der amerikanische Markt, der hat jetzt eine gute Wertentwicklung seit Jahresanfang eben auch gezeigt, aber in Euro gerechnet, ja für den Euroanleger eben nicht, weil er die Dollarabwertung sozusagen verkraften muss. Und das muss man beachten, also das läuft in Jahren oder ist in den letzten Jahren immer positiv gelaufen, weil er die Währung
der Dollar eben eher aufgewertet hat. Und jetzt haben wir halt mein Jahr, wo wir eine deutlichere Abwertung haben und da spielt es dagegen, ist aber wirklich ganz zentral im Hinterkopf zu behalten, wenn wir jetzt immer davon sprechen, wir haben so eine super Wertentwicklung am Aktienmarkt für Euroanleger aufgrund des Wechselkurses. Sieht das natürlich am Jahresende nicht ganz so positiv aus.
Dann lass uns doch mal wechseln auf unser, ja ich nenn's mal Schwerpunktthema heute. Wir wollen mal so ein bisschen auf die Veränderungen schauen, die jetzt im DAX anstehen, denn der Index, der wurde ja 1988 quasi das erste Mal veröffentlicht, der setzten Index von der Börsenzeitung fort, den es schon vorher gab. Damals wurde das dann auf, ich glaube, Ende 87 auf 1000 Punkte festgelegt, das war der sogenannte Startwert des DAX und ab dann wurde der eben fortgeschrieben.
Ich hab mal so geguckt, was waren so die Werte, die damals drin waren, da fand man dann K-Stadt und Kaufhof, das waren die zwei große Einzelhandelswerte, dann war da ein Wert drin, den kannte ich überhaupt nicht, Feldmühle, Nobel, hab ich noch nie gehört vorher, ehrlich gesagt, aber da war auch so was drin wie Mannes, Manneröhren zum Beispiel und so was, also Werte, die eigentlich heute überhaupt nicht mehr vorkommen, weil sie entweder nicht mehr gibt, weil sie fusioniert wurden oder weil's einfach das Geschäftsmodell nicht mehr hergibt, dass die Werte da drin sind. Also gerade K-Stadt, Kaufhof beispielsweise, daran sieht man ganz gut, dass es eben Veränderungen gibt in der Wirtschaft, bei den Geschäftsmodellen, die dann dafür sorgen, dass solche Werte aus dem DAX eben
rausgenommen werden und damit ist er vielleicht nicht so ein guter Gratmesser der gesamten deutschen Wirtschaft, aber ist schon ein ganz guter Gratmesser dafür, wie sich die deutsche Wirtschaft verändert hat und welche Veränderungen sich strukturell einfach abzeichnen. Und genau das habt ihr euch ja so ein bisschen jetzt auch angesehen in einer Studie, die ihr geschrieben habt. Was ist es denn, was wir ableiten können aus den Veränderungen vom DAX? Was hat sich denn verschoben und wo sehen wir welche Entwicklungen? Ja, mittlerweile haben wir wirklich schon, ja man kann sagen, ein paar Jahrzehnte, die wir auf den DAX zurückblicken können, was gesagt und in den Jahren oder Jahrzehnten ist wirklich viel Bewegung drin gewesen. Zuletzt allerdings dann
eher weniger. Also die große Umstellung, jetzt war im Jahr 2021, wo der DAX ja nochmal von 30 auf 40 Titel erweitert wurde, aber seitdem ist es relativ ruhig, seit 2021 also nur 9 Auswechslungen, also Auf- oder Absteiger aus dem DAX. Naja und das könnte es jetzt beim nächsten Überprüfungstermin dann ändern. Am 3. September ist es ja soweit, da gibt die deutsche Börse dann mögliche Auf- und Absteiger bekannt. Und ja, da könnten durchaus zwei unternehmende DAX verlassen, zwei andere aufsteigen, also wieder ein bisschen mehr Veränderung drin. Und ja, diese Veränderungen, zumindest diese Veränderung der Titelzusammensetzung. Das ist schon durchaus ein ganz gutes Spiel.
Bild auch das Wandels der deutschen Wirtschaft. Also im Rückspiegel haben wir eben hier wirklich deutlich absteigende Dominanz von Chemie, Pharma oder eben auch Automobiltiteln und das spiegelt sich also auch in der Realwirtschaft wieder. Also und getragen wird der DAX wirklich von Dienstleistungen, IT, aber auch von den Megadrent-Themen und das ist ja etwas, wo man sagen kann, dass der DAX durchaus den strukturellen Veränderungen, die die heimische Volkswirtschaft im Moment durchlauft und auch weiter mit hoffentlichem Alltime-Pur durchlaufen wird. Also ist es so ein bisschen sinnbildlich für die strukturellen Veränderungsprozesse, auch die hier Realwirtschaft, die stattfinden und quasi ein Signal, was der Markt denn erwartet, in welche Richtung sich
auch die Realwirtschaft in Zukunft anpassen muss. Also nicht nur die Realwirtschaft, sondern natürlich auch alle Unternehmen, die in der Realwirtschaft tätig sind. Gibt es eine Branche, wo du sagst, da sieht man es nochmal ganz besonders? Ich würde jetzt einfach mal schätzen, Automobil. Das ist so ein Thema, wo man wahrscheinlich sieht, oha, da hat sich wirklich was verschoben.
Als Automobil ist eine Branche, sieht man auch an den Gewichtungen, die hatten vor einigen Jahren noch so 15, 16 Prozent im DAX, jetzt kommen die Automobilhersteller nicht mehr mehr auf 5 Prozent, da hat sich eben massiv was verschoben, genau, wie du es beschreibst. Das gilt aber auch für die Chemie-Industrie, für die Pharma-Industrie beispielsweise. Das ist jetzt nicht nur damit begründet, dass die Unternehmen da in schwieriges Fahrwasser gekommen sind, sondern auch damit, dass ja beispielsweise eine Linde, die Börsen-Notizen rausgenommen hatten, die USA gegangen sind, aber auch das ist so ein Stück weit sinnbildlich dafür, wo man dann die besseren Rahmenbedingungen findet. Also in den Branchen hat sich sehr viel verschoben. Auf der anderen Seite, und da muss
man eben auch in die Zukunft blicken, der DAX ist eben auch ein Spiegelbild von Zukunftsbranchen. Und deswegen steckt da natürlich eine Erwartungshaltung drin, aber durchaus auch eine, die ein zuversichtlich stimmen sollte. Wie ist das eigentlich? Also dieser Auf- und Abstieg aus dem DAX, nach welchen Regeln funktioniert denn das? Also wird er auf die Marktkapitalisierung geschaut, wird er auch auf eine längerfristige Entwicklung geschaut, oder könnte es auch sein, dass da jetzt Werte kurzfristig rein und beim nächsten Mal wieder rausfliegen. Wie muss man sich das denn vorstellen? Wie nachhaltig sind dann auch so diese Benennung oder diese Rundabstufungen? Und vor allem, wie wirkt sich das denn auf diese Werte dann aus? Also generell würde ich ja sagen, wenn ich als Unternehmen auf einmal
jetzt in den DAX aufsteige, das ist ja ein super Zeichen, dann ist mein Unternehmen groß, dann ist das eines der wichtigsten Unternehmen in Deutschland. Umgekehrt ist es ja eher ein schlechtes Zeichen, wenn ich da rausgenommen werde, oder? Kann man das so einfach sagen? Ja, natürlich, es hat schon Signalwirkung, ob ich jetzt in der ersten Börsliga mitspiele oder nicht, gar keine Frage. Für die Kursentwicklung der Unternehmen ganz konkret ist es jetzt kein neuer Impuls, denn die Auf- und Abstiegskandidaten, die werden ja schon gehandelt sozusagen, das ist ja grob bekannt oder man kann die Wahrscheinlichkeiten ja schon ausrechnen, wer da auf und ab steigt. Für den Index hat es auch keine große Bedeutung am Ende des Tages, weil die Unternehmen relativ kleinige Wichtungen haben.
Also das Regelwerk, da wird es ein bisschen technisch, ohne jetzt in alle Details da reinzugehen, es gibt im Grunde um zwei Dinge, die eingehalten werden müssen. Einmal formale Kriterien, wie man sich qualifiziert. Also man muss am regulären Markt notiert sein, man muss eine gewisse Streubesitzquote haben, man muss regelmäßig einen testierten Jahresabschluss vorlegen und so weiter und sofort, also es sind formelle Kriterien und das zweite und das ist das Entscheidende, es kommt eben auf die Marktkapitalisierung der Unternehmen drauf an und da gibt es regelmäßige Überprüfungstermine und vor diesen oder regelmäßig werden ja auch Rang-Listen erstellt, wo stehe ich von der Marktkapitalisierung, auf welcher Rangfolge und dann gibt es Kriterien, nennt sich Fastentry oder
Regular, aber das würde ich jetzt gar nicht so sehr vertiefen wollen, also am Ende des Tages unterscheidet sich das einfach darin, wie stark ich sozusagen vom Platz 40 in der Rangfolge abweiche nach unten oder nach oben und das wird regelmäßig überprüft, 4 mal im Jahr und jetzt im September ist eben so ein regulärer Überprüfungstermin und wenn ich da eben sozusagen schlechter als auf Rang 53 stehe, dann steige ich eher mal ab, also wir haben 40 Titel im DAX, wenn der Marktkapitalisierung schlechter als 53 ist, dann steige ich ab zum Überprüfungstermin und auf der anderen Seite, wenn ich eben hier besser als auf Rang 33 bin, dann steige ich eben auf. Das heißt also mal guckt schon so ein bisschen drauf, es ist jetzt nicht so, dass man sagt, okay du bist jetzt auf
41 gefallen, du fliegst sofort raus, sondern das hat schon so ein bisschen, sag ich mal so ein nachhaltiger Aspekt auch, dass man nicht so einen dauernden Wechsel hat, sonst müsst man ja permanent eigentlich die Gewichtungen verschieben, weil gerade bei kurzfristigen Aktienmarktbewegungen wird es ja sonst heißen, wenn ich mal einen Hype habe, zum Beispiel in einem Wert, dann kommt er rein und im nächsten Mal fliegt er wieder raus, das macht ja irgendwie auch keinen Sinn. Genau, also das könnte im schlimmsten Fall mal passieren, wenn wir so einen super volatilen Titel haben, aber es gibt eben reguläre Überprüfungstermine, es gibt eben diese Hürden, die erreicht werden müssen, also muss schon eine deutliche Bewegung dann sein und es
wird eben auch Durchschnittskurse genommen und von daher glättet das etwas raus, aber es gibt ja durchaus auch Beispiel in der DAX-Historie, wo Titel ab und wieder aufgestiegen sind. Ja, sicherlich sehr wie beim Fußball, wahrscheinlich. Du hast jetzt eben schon gesagt, so mit dem Regular Entry, Fast Entry und so weiter, was es da alles gibt, das lassen wir mal außen vor, dennoch habe ich eine Frage dazu, es gibt ja sicherlich auch Sondersituationen im DAX, also nehmen wir mal das berühmte Wirecard-Beispiel, was ist denn in solchen Situationen, also wenn Unternehmen jetzt echt in eine Schieflage gerät oder ja in dem Fall tatsächlich ja durch kriminelle Machenschaften da in der Schieflage gerät, wie wird denn damit umgegangen, da muss es ja wahrscheinlich
dann deutlich schneller gehen, oder? Absolut, also das sind jetzt ja die regulären Überprüfungstermine, von denen wir sprechen, die eben 4 mal im Jahr stattfinden. Wir sind jetzt nicht darauf eingegangen, dass natürlich auch außerordentliche Gegebenheiten gibt, also einmal über das unrühmliche Beispiel Wirecard, was du jetzt zitierst, aber es können ja auch andere Themen sein, Unternehmen können aus freien Stücken den Index verlassen, wie wir es eben bei der Linde gesehen haben, Unternehmen können übernommen werden. War Mannes Mann zum Beispiel, haben wir das gesehen? Ja, genau. Diese Themen, es kann Spin-offs geben und so weiter. Und da wird dann natürlich außer der Reihe direkt reagiert. Wenn man jetzt so drauf schaut, so der normale Mensch so in Deutschland sagt dann, ja,
ich gucke mir den Dachs an und dann weiß ich, wie es um die deutsche Wirtschaft bestellt ist. Das kann man ja eigentlich so nicht mehr sagen, weil wenn man mal reinguckt in diese Werte, die da drin sind, das sind ja nun die größten der Großen eigentlich und die sind eigentlich auch alle international aufgestellt. Da ist ja kein Wert von dem, du sagst, der ist nur in Deutschland tätig, die ist ja meistens tatsächlich international tätig. Ist das der Grund, warum man sagen kann, na ja, der Dachs an sich ist eigentlich gar kein Gratmesser mehr für die deutsche Volkswirtschaft.
Das müsste man viel breiter fassen. Ja, man muss ja sagen, der Dachs ist zum Glück kein guter Gratmesser für die deutsche Volkswirtschaft, denn wir haben es eingangs besprochen. Also, wir haben wirklich eine tiefe Krise in der deutschen Volkswirtschaft. Wir haben seit fünf Jahren keinen Wachstum und in diesen fünf Jahren haussiert der deutsche Aktienmarkt. Wir haben jetzt in den letzten fünf Jahren rund 85% zugelegt. Allein an dieser riesigen Diskrepanz sieht man, dass der Dachs also kein guter Gratmesser für den Zustand der deutschen Volkswirtschaft ist und das liegt vor allen Dingen einfach an der Zusammensetzung. Also die kriselnden Branchen spielen im Dachsebene untergeordnete Rolle. Es sind aber für die Volkswirtschaft natürlich nach wie vor
wichtig und wir sehen, dass sich die Zusammensetzung im Dachs eben auch im Zeitverlauf verändert hat. Der Dachs läuft da den realwirtschaftlichen Anpassungsprozessen und Veränderungen durchaus ein Stück weit vorweg und deswegen muss man auch sagen, dass das, was der Dachs jetzt abbildet mit einer hohen Gewichtung von auch den Zukunftsbranchen, also wirklich den Megadrendbranchen, dass das genau das ist, was den Dachs trägt und auch jetzt sinnbildlich dafür, wenn wir jetzt über die Anpassungen sprechen, ja es steigt eben hier eine Porsche beispielsweise wahrscheinlich ab und ein Satorius also aus dem Gesundheitssektor, also hier auch wieder die gebeutelten Branchen, also sozusagen eine Fortsetzung dieses Trenns und auf der anderen Seite haben wir mit Naghea oder
der Scout eben Unternehmen, die aus der Industrieautomatisierung kommen, die wirklich in Zukunftstechnologien drin sind oder eben im Bereich der Digitalunternehmen zugeordnet werden. Von daher ist es die Zusammensetzung aktuell kein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft und Gottes Willen, aber die Veränderungen im Zeitablauf, die spiegeln sehr, sehr gut wieder in welche Richtung sich die Volkswirtschaft entwickelt und wie die Markterwartungen denn liegen, in welche Richtung diese Entwicklung weiter vorangeschritten werden sollte. Schauen wir noch mal ganz kurz auf die Performance des Dachs, also was du schon gesagt, die Branchen verschieben sich, beispielsweise Einzelhandel spielt kaum noch eine Rolle, wenn überhaupt, ich sehe überhaupt noch
ein Einzelhandelswert drin, ich glaube fast keiner, wenn da sind es nur Dienstleistungen, die um den Einzelhandel gebaut sind im Endeffekt, wie spiegelt sich denn diese Veränderung der Branchen, gerade wenn wir jetzt so Megatrends betrachtet wie Infrastruktur, Rüstung, IT etc., wie spiegelt sich das denn in der Performance vom Dachs wieder? Ja, das sind die Treiber auch für die Performance, also wenn man sich das mal anschaut, so seit 2022, da waren wir das letzte Mal so bei 16.000 Punkten im Dachs und wenn man sich jetzt die zweieinhalb Jahre seitdem mal anschaut, sind wir fast 8.500 Punkte höher und diese 8.500 Punkte, die lassen sich ganz klar vier Themen zuordnen und die sind eben wirklich diese Megathemen sozusagen Infrastrukturverteiligung,
Finanzen durchaus und KI, wenn man die SAP nimmt, die SAP hat in dem Zeitraum 1.600 Punkte zugelegt oder beigetragen, also rund 20 Prozent der Dachs Performance geht in diesen zweieinhalb Jahr nur auf die SAP zurück. Ähnlich viel zum Dachsanstieg haben die zwei Konzerne Airbus und Rheinbeteil beigetragen. Naja und wenn man sich die Siemens, Siemens Energy Telekom anschaut, dann kommen da nochmal rund 30 Prozent der Dachs Performance her. Also man sieht, es sind wirklich wenige Unternehmen, das ist aber auch nicht anders zu erwarten in einem regionalen Index wie dem Dachs, weniger Unternehmen aus, aber durchaus eben Zukunftsthemen und die waren verantwortlich für die Performance. Die haben das wirklich maßgeblich beeinflusst.
Jetzt sehen wir eine Veränderung beim Dachs, das heißt es kommen neue Werte dazu. Was heißt das für die Zukunftsaussichten, sagst du okay, das sind, der Dachs wird jetzt richtig zukunftsfest oder was hat das für einen Einfluss auf die Performance und vor allem, was sind denn die potentiellen Werte, die reinkommen und die rauskommen? Ich glaube das haben wir noch gar nicht gesagt. Ja also die Auswechslung spielen jetzt für den Kursausblick wirklich keine Rolle. Das muss man ganz klar so sagen, das ist, weil die Absteiger und Aufsteiger einfach zu geringe Werte haben werden. Also Absteiger, Porsche, Satorios, Aufsteiger, GEA und Scout. Das spielt sich aber wirklich in dem Prozentbereich ab, der jetzt keinen Unterschied machen wird, dann am
Ende des Tages für den Kursausblick. Dafür sind die Gewichtungen einfach zu geringen. Entscheidend für den Ausblick und den Kursverlauf des Dachs in den kommenden Quartalen sind, naja, sind zwei Dinge. Also einmal natürlich wie entwickeln sich die globalen Rahmenbedingungen. Der Dachs kann sich nicht von den globalen Rahmenbedingungen freimachen und da muss man ganz klar sagen, trotz aller Krisendiskussion, Geopolitik die Rahmenbedingungen sind erstaunlich intakt, was die globale Wirtschaft anbelangt. Also von daher kann man diesen ersten Punkt schon mal ja zumindest ganz konstruktiv auf die Weiterentwicklung des Dachs blicken. Der zweite Punkt, der hängt natürlich dann damit zusammen. Wie können sich denn diese Geschäftsmodelle, die jetzt gerade
den Dachs nach oben treiben, ja, wie können die sich in Zukunft weiterentwickeln? Und da ist natürlich die Erwartungshaltung mittlerweile auch hoch, ganz klar, denn es ist der Aktienmarkt diskontiert der zukünfte Entwicklung, also er nimmt ja für sich in Anspruch sozusagen zukünftige Entwicklung heute schon zu erkennen und abzugreifen. Und was jetzt passiert ist, ist, dass gerade in diesen Megadrend-Themen auch im Dachs die Kursgewinnverhältnisse, die Bewertungen natürlich angestiegen sind. Also die notieren natürlich mittlerweile zu Bewertungen, so zwischen 20-30 fachen Kursgewinnverhältnissen. Und das signalisiert, dass der Markt den Unternehmen schon auch in Zukunft viel zutraut, aber sie müssen natürlich jetzt in den nächsten Quartalen auch unter Beweis
stellen, dass sie danach und nach mit ihrem operativen Geschäft auch weiter in diese Erwartung reinwachsen können. Und das erhöht natürlich so ein bisschen die Risiken, immer dann, wenn es ein Stück weit Gegenwind gibt, kann dann auch mal so eine gewisse Korrektur dann mal drohen. Allerdings muss man ganz klar sagen, dass die Geschäftsmodelle wirklich sehr gut sind. Wir haben hervorragende Unternehmen im Dachs drin, die eben in diesen Zukunftsthemen auch global vernünftig aufgestellt sind. Also zwischenzeitliche Enttäuschung, die mit den hohen Erwartungen verknüpft sind, die sind normal, mit denen sollte man rechnen. Aber am grundsätzlichen Trend wird das sicherlich nichts ändern. Und wenn wir das dann sehen, gepaart mit einer weiter wachsenden Weltwirtschaft,
dann spricht es langfristig weiter für Aktien und sicherlich auch für unseren heimischen Aktienmarkt. Joachim, vielen Dank für den kleinen Exkurs, den wir heute gemacht haben hier rund um den Dachs, die Auf- und Absteiger. Ich fand es super spannend, mal so ein bisschen hinter die Kulissen quasi zu blicken. Also wie funktioniert es eigentlich mit dem Dachs? Was kommt da eigentlich raus? Wie steigen die auf? Wie steigen die ab? Vielen Dank. Also dafür für diese kleine, ja fast eine kleine Lehrstunde, muss ich mal sagen. Also ich habe zumindest viel gelernt. Ich hoffe unsere Zuhörerinnen und Zuhörer auch. Wir machen für heute, zumindest hier im Podcast, mal Feierabend. Ich kümmer mich jetzt um die Veröffentlichung. Du machst wieder Studien und wälst irgendwelche Daten und Zahlen
durch die Gegend. Vielen Dank auf jeden Fall fürs Zuhören an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Und wenn Sie Fragen haben rund um den Podcast, rund um die Themen im Podcast, um den Dachs zum Beispiel, wie ist es eigentlich genau? Vielleicht haben wir irgendeine Frage nicht beantwortet. Dann schreiben Sie uns einfach ganz formlos eine E-Mail an podcast@dk.de und wir bauen die Frage dann in eine der nächsten Folgen mit ein. Das war es von uns für heute. Macht es gut und bis bald. Tschüss.
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