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OstwestFälle - der True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen

Femizide in OWL: Wenn Männer ihre Partnerin entstellen und töten

Donnerstag, 28. Mai 2026 · 34 min

MP3

Shownotes

Warum Trennungen für Frauen lebensgefährlich sein können. Einblicke, Hintergründe und Stimmen aus dem Frauenhaus.
Erst ist die Beziehung gut, dann beginnt der Streit und der Mann wird handgreiflich. Schließlich kommt der Punkt, an dem es nicht mehr auszuhalten ist. Wenn Frauen endlich den Mut für eine Trennung finden, bedeutet das nicht immer gleich „Ende gut, alles gut“.

In OWL gibt es etliche Fälle, in denen der gekränkte Mann die Rache sucht. Im Kreis Paderborn etwa verändert ein Angriff das Leben einer Frau grundlegend: Ihr Partner besorgt sich Schwefelsäure – und übergießt sie mit der stark ätzenden Flüssigkeit.

Ostwestfälle S4 | E37 Femizide in OWL: Wenn Männer ihre Partnerin entstellen und töten

Gast: Beatrice Tappmeier, Sprecherin des autonomen Frauenhauses Bielefeld
Redaktion: Josefin Stein
Gestaltung: OWL Digital

Mehr zur Serie „OWL-Crime“ findet ihr auf unserer Themenseite.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Dieser Mann ist losgezogen, hat sich passendes Material besorgt. Die Frau kam von der Arbeit und er hat sie mit Säure übergossen. Und er hat seine Frau entstellt für immer. Dieses ja auch wahrscheinlich mal gemeinsame Kind. hat sich verloren. All das hat ihm keinen Wert gehabt. Das Einzige, was ihm einen Wert gehabt hat, ist, seinen Machtgefälle wieder herzustellen, weil die Frau ihm Trennungsabsichten mitgeteilt hatte.

Und das ist in meiner Arbeit im Frauenhaus, weiß ich das aus Erfahrung, die Trennungssituation ist für Gewalt und offensichtlich auch für versuchte Totensdelikte die gefährlichste Situation, die Frauen erleben können. Ost-Westfälle. der True Crime Podcast der Neuen Westfälischen. Wir sprechen mit Opfern, Zeugen, Richterinnen und Richtern und mit den Berichterstatterinnen und Berichterstattern der NW.

Spannend, nah und made in OWL. Noch immer ist in den Medien gerne von einer Eifersuchtstart oder einer Beziehungskrise die Rede. Doch so langsam findet ein Umdenken statt. Denn wenn eine Frau von ihrem Ex-Partner mit Benzin über Gossen und angezündet wird, wenn eine andere mit Säure überschüttet und grausam entstellt wird, dann ist das keine Beziehungstart, sondern ein Versuchter oder im schlimmsten Fall ein vollendeter Femizid.

Doch was genau ist ein Femizid? Wie lässt sich dieser Begriff füllen und welche Rolle spielt da bei unserer Gesellschaft? Darum geht es in dieser Folge der Ostwestfälle. Mein Name ist Birgit Gottwald. Und Antworten darauf erhoffe ich mir vom Beatrice Tappmeier, Sprecherin des autonomen Frauenhauses Bielefeld.

Hallo, Beatrice. Guten Morgen. Beatrice, laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr zwei tausend vierundzwanzig dreihundert acht Frauen und Mädchen Opfer von Tötungsdelikten aufgrund von Partnerschaftsgewalt. So heißt das im Polizeisprich. Diese Tötungsdelikte aufgrund von Partnerschaftsgewalt werden inzwischen Femizide genannt, obwohl eine einheitliche Definition des Begriffs gibt es nicht wirklich.

Warum ist das so und was ist mit diesem Begriff gemeint? Femizide meinen einen Mord oder ein Tötungsdelikt aufgrund der Tatsache, dass Männer Frauen töten. Das kann man sehr schlicht zusammenfassen. Wir kennen viele Mordmotive, die auch so benannt werden, Mord aus Habgier, Mord aus Rache. Diese Dinge kennen wir und die werden in der Kriminalstatistik auch unterschieden, weil die Kriminalstatistiker ja auch wissen wollen, was sind die Motive, wie wird, warum wird getötet, was ist der Grund.

Die Tötung von Frauen, die als Femizide bezeichnet werden, da ist der Hintergrund Hass gegen Frauen. Das ist eine Ablehnung, ein Hass, ein Machtgefälle, was Männer gegenüber Frauen haben. Und das, da tut sich die Gesellschaft, aber auch die Kriminalpolitik, schwer, das so zu benennen, wie das ist. Wir hatten jetzt gerade bei den Ostersfällen einen Fall, der hat an Mann seine Ex-Freunde mit Benzin übergossen und angezündet.

Das ist kein... Einzelfall. Hier bei uns in UWL gibt es immer wieder solche Taten, wo Männer sich an Frauen rächen, weil die sich trennen wollen oder sich getrennt haben oder nicht richtig spuren. Du hast auch so einen Fall mitgebracht. Ja, diese Frau wurde von ihrem Mann mit Säure übergossen und hat schwere Verätzung erlebt.

Ihr ungeborenes Kind ist dabei gestorben, die Frau hat knapp überlebt. Aber wir können uns das vorstellen, was das bedeutet für eine Situation. Wie sich das anfühlen muss, ist schwer nachzuvollziehen. Weil wir müssen das als Attentat bezeichnen, als Heimtücker, als all diese Begriffe, die wir aus Morddelikten kennen.

Dieser Mann ist losgezogen, hat sich passendes Material besorgt. Die Frau kam von der Arbeit und der hat sie mit Säure übergossen. so unvorstellbar und so erschreckend, dass das passiert. Und er hat seine Frau entstellt für immer, dieses ja auch wahrscheinlich mal gemeinsame Kind. hat sich verloren. All das hat ihm keinen Wert gehabt.

Das Einzige, was ihm einen Wert gehabt hat, ist, seinen Machtgefälle wieder herzustellen, weil die Frau ihm Trennungsabsichten mitgeteilt hatte. Und das ist in meiner Arbeit im Frauenhaus, weiß ich das aus Erfahrung, die Trennungssituation ist für Gewalt und offensichtlich auch für versuchte Totensdelikte die gefährlichste Situation, die Frauen erleben können.

Das Schlimme ist, dieser Mann, dieser Täter, war der Polizei bereits einschlägig bekannt. Ja, es gab eine weitere Tat. Auch damals wollte sich seine Freundin von ihm trennen. Da entführte er sie in ein Waldstück und bedrohte sie und mishandelte sie. Einige Monate später stach er viermal auf einen Mann ein, weil er ihn beschuldigte, seine Frau zum Rauchen von Heroin verführt zu haben, verleitet zu haben.

Ja, dafür hatte er eine Haftstrafe bekommen. Aber wenn man sich in dieses Denken reinversetzt, ich darf Männer erstechen oder ich darf solche Delikte begehen, weil die haben nicht das passende gemacht, das passte mir nicht. Das war nicht das, was ich für meine Freundin für richtig hielt. Da steht ein Besitzdenkenhinter.

wir uns kaum vorstellen können. Das ist mein Besitzer, darf ich machen, was ich will. Die kann ich entführen, die kann ich vergewaltigen, die kann ich misshandeln, die kann ich missbrauchen. Und ich kann sie töten. Und ich kann sie am Ende auch töten. Und andere Menschen, ob Männer oder Frauen, das ist vermutlich egal, die das tun, was mein Besitztum nicht angemessen ist, da kann ich genauso mitvorgehen.

Dieser Mann hat, äh, Ninete und Neunzig, sieben Jahre, drei Monate für die erste Tat bekommen. Die hatte aber offensichtlich nicht ganz abgesessen. Denn fünf Jahre nach diesem Urteil verübt er diesen Säureanschlag auf seine nächste Exfreundin, wo wir zu Anfang drüber gesprochen haben. Auch dafür wird er verurteilt.

Und besonders interessant finde ich da die Urteilsbegründung. Ja, da wurde, also er war nicht, was man vielleicht so gemeingefährlich nennt, also er war für die Öffentlichkeit kein Risiko, weil er ja nur auf seine Intimpartnerin losgegangen ist. Das war also begrenzt. Das steht auch so im Urteils, in der Urteilsbegründung.

Ja, das ist... Er ist kein Risiko für die Bevölkerung. Ich meine, aus so einer polizeilichen oder staatsanwaltlichen Sicht macht das vielleicht sogar Sinn, weil man ja auch, also das ist ihrer Aufgabe, zu prüfen, wenn ich diesen Mann freilasse oder ab wann ich den freilasse, welches Risiko stellt er für die gemeine Bevölkerung dar.

Das ist nicht ganz falsch, das so zu sehen. Aber wenn man sich das anguckt, was das bedeutet als Strafmaß, dass das Strafmildern wirkt. Ich finde, das ist trotzdem eine wichtige. Es gibt ja so eine Sicherheitsverwahrung, weil Menschen möglichst gar nicht mehr auf die Bevölkerung losgelassen werden sollten.

Das Sicher ist dann nicht angezeigt, weil er macht solche Delikte oder plant solche Delikte nur mit seinen Intimpartnerinnen. Und in diesem Fall sind die Intim-Partnerinnen gehören nicht zur Allgemeinheit, zur Allgemeinen Bevölkerung, kann man so sagen. Ja, ich weiß auch, ob Sie hinauswollen. Obwohl ich da, ich versuche mich ja immer auch, bei all meiner Wut und all meinem Ärger ein bisschen fair und objektiv zu bleiben.

dass ich zum Beispiel diese Maßnahme der Sicherheitsverwahrung eben auch wirklich nicht angemessen finde. Aber dass ich das Strafmaß mildere, bloß weil es nur die Freundin war, das finde ich nicht angemessen und das finde ich auch nicht richtig. Beatrice, das waren zwei unvollendete Femizide von einem und demselben Mann, also einem Wiederholungstäter.

Werden solche Täter nicht ausreichend bestraft, sodass es gar keine Abschreckung ist und die einfach weitermachen? Also da hast du ja bisher vorhin schon drauf eingegangen. Aber müssen die Strafen nicht noch höher sein? Ich glaube, dass der Strafmaß nicht das Abschreckende oder nicht mehr abschreckend würde.

Weil, also der Strafmaß, denke ich, ist angemessen. Wenn der neunzehn Jahre in den Knast geht, ist das... Ich weiß es nicht. Da bin ich vielleicht auch nicht die richtige. Also das, das Strafmaß zu beurteilen, weiß ich gar nicht. Ich glaube, was mir, oder welcher Punkt für mich wesentlicher ist, ist die gesellschaftliche Echtung.

Und diese Taten werden strafmildernd angeguckt. Der war eifersüchtig, das war... Der hatte Sorge um seine Ehre, also was alles in solchen Prozessen als strafmildernd angesehen wird. Eherverlust, Jobverlust, Gesichtverlust, Eifersucht, Angst, schwere Kindheit, ich will das jetzt gar nicht ins Lächerliche ziehen.

Aber das wird alles strafmildern gewertet. Und auch in der Bevölkerung wird das so gesehen. Es wird geguckt und hat die Frau was gemacht, war die keine ordentliche Partnerin. Warum wollte sie sich denn von dem trennen? Er war in einer Notsituation, er war in einer Ausnahmesituation. Da gibt es viele Entschuldigungen für den Täter.

Und das Opfer wird ... Zu Täterin. Ja, das Opfer wird zumindest, sie hatte eine Teilschuld. Es wird sehr deutlich geguckt. Sie wird nicht zu Täterin, aber es wird sehr deutlich geguckt. Wo ist der eigene Anteil? Was hat sie falsch gemacht? Und was Frauen alles falsch machen können, das ist vielschichtig.

Sie hat nicht ordentlich gekocht, nicht ordentlich die Kinder versorgt, nicht ordentlich den Haushalt gemacht. Das ist so, da denken wir manchmal an die fünftiger, sechziger Jahre, wo das ihre Aufgabe war. für den Mann zu geheuchen, ihre Sachen zu machen, eheliche häusliche Pflichten. All das denken wir eigentlich lange überwunden zu haben.

Real in den Köpfen ist es aber nicht so. Und ich denke, dass man da ansetzen muss. Das wird ja auch angesetzt. Es wird diskutiert, es wird geschrieben, es wird gedacht, auch wir machen heute hier den Podcast, um aufzuklären. Also es ist ja nicht so, dass da nichts passiert. Aber ich glaube, der Hebel ist nicht das Strafmaß, sondern der Hebel ist die gesellschaftliche Echtung.

Kommen wir gleich nochmal zu. Ich wollte nochmal einmal kurz auf den Fall eingehen. Weißt du, ob der Täter irgendwas zu seinem Motiv gesagt hat vor Gericht? Ist das irgendwie rausgearbeitet worden? Der hat gesagt, dass seine Frau für andere Männer nicht mehr attraktiv sein soll oder irgendwie so was in der Richtung.

Es war seine, und das ist ja auch interessant, dass er das so offen dann auch wenigstens kommuniziert hat. Ich wollte sie zerstören. Das ist mein, und das, was ich ja auch schon mal sagte, das ist ein extremes Besitzding. Das ist meins. Und wenn Mainz vielleicht weggeht oder wenn Mainz vielleicht nicht das tut, was ich will, dann darf das auf gar keinen Fall irgendwer anders besitzen.

Wir können uns ja alle reinversetzen. Selbst wenn wir uns mal getrennt haben, wir lieben das immer noch nicht, wenn der andere den Platz von uns einnimmt. Aber das ist... vielleicht emotional nachvollziehbar. Aber was daraus erwachsen kann oder was dafür ein Recht, was viele Männer sich ein Recht in solchen emotionalen Ausnahmezuständen nehmen, was sie dann als machen dürfen, was auch ihr angemessen ist, das ist ja im Grunde nicht nachvollziehbar.

Ich schätze, dass es im Jahr ist, dass in den Medien und bei der Polizei von einer Beziehungstag die Rede war. Da hat es aber inzwischen ein Umdenken gegeben. Gerade auch bei der Polizei. so schreibt, dass Bundeskriminalamt auf seiner Website trotz einiger positiver Veränderungen bleibt Gewalt gegen Frauen ein gesellschaftliches Problem.

Da ist jetzt nicht von Femizid die Rede, aber es geht in die richtige Richtung. Ja, das wird gesehen. Die auch Gewalt in der Familie, das wird als Strafbestandteil gesehen. Und die Gesetzeslage rückt auch hinterher. Also wir haben, das ist jetzt schon länger, seit dreiundachtzig ist Vergewaltigung in der Ehe ein Strafbestandteil.

Seit zwei tausend zwei haben wir das Gewaltschutzgesetz. Das hat damals für großes Aufsehen gesorgt, weil es impliziert, dass Männer die Gewalt aus üben der Wohnung verwiesen werden. Das gab einen großen Aufschrei. Wie kann das sein? Das ist doch vielleicht die Miete oder weiß auch immer und der muss gehen.

Der Gesetzgeber hat da klare Worte gesprochen und hat da einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, der Frauenrechte gibt, die vorher kaum vorstellbar waren. Und das, was ich gerade schon sagte, unser Denken, unsere Gesellschaft kommt nicht nach, die kommt nicht hinterher. Oder ist da schon wieder ein Umdenken Richtung fünftiger Jahre?

Ja, es gibt man, das kennen wir alle inzwischen aus, wenn wir den sozialen Medien folgen, diese Entwicklung der Trade Wives, die nichts anderes im Sinne haben, als zu zeigen, wie sie, weiß ich auch nicht, ihr Brotbacken und ihr Kornschreddern und ihr Mann zur Gefüge sind. Das erinnert natürlich sehr auch an die Werbung der fünftiger Jahre, wo Frauen irgendwelche Medikamente haben, die voll Alkohol... Voll, ich kann den Namen nicht mehr hinkriegen.

Aber die haben... Kloster Frau Melissa Geist. Ja, es gab nur irgendwas anderes. Auf jeden Fall war das, also im Grunde war die voll sediert. Und sobald der Mann nach Hause kam, stand es Essen auf dem Tisch und hat die Beine breitgebracht. Beine breitgebracht. Mir kriegt es kaum über die Lippen. So platt würde es wahrscheinlich heute nicht mehr gehen.

Aber das kommt mit einem anderen Mäntelchen aber ähnlich daher. Und das erhöht nochmal den Druck auf Frauen, weil das Frauen heute alles sein sollen. Die sollen attraktiv sein, die sollen im Beruf ihren, ihre Frau stehen. Die sollen ihre Kinder nebenbei auch großziehen. Diese ganzen Diskussionen kann man sein Kind unterbringen, ist fremdunterbringen schlimm.

Muss ich das eigentlich immer, vierundzwanzig sieben zu Hause betüllen. Wird das sonst, wird aus dem sonst nichts. Das ist, egal wie ich es mache, mache ich es falsch als Frau. Ich habe überhaupt gar keine Richtung. Ich muss sehr darum ringen, zu wissen, so hier stehe ich. Das ist mein Recht. Das ist auch mein Recht, was ich durchsetze.

Und da finde ich klafft die Gesetzeslage, die inzwischen den Frauen, da hat das Bundeskriminalamt durchaus Recht. hat eine andere Gesetzeslage geschaffen. Es gibt andere Möglichkeiten. Aber ich muss auch den Mut haben und die Kraft haben, diese Möglichkeiten zu nutzen. Beatrice, durch deine Arbeit im Frauenhaus hast du viel Kontakt zu Frauen, die Schlimmes erlebt haben, also die sozusagen die ganze Breitseite des Patriarchats, abbekommen haben.

Wie gehen Opfer, aber auch ... Hilfseinrichtung, wie das autonome Frauenhaus mit solchen Angriffen um. Also unsere Aufgabe ist, wenn die Frau zu uns kommt, ihr Unterstützung, sicheren Rahmen und Stabilität anzubieten und zu gucken oder sie zu begleiten auf dem Weg ein gewaltfreies Leben. Das ist erstmal so unsere Aufgabe.

Wie das dann konkret aussieht und was die Frau braucht, ist sehr vielschichtig. Gewaltsituationen haben eine lange Geschichte. Das ist nicht ein Gewaltdelikt und dann kommt die ins Frauenhaus. Das passiert nie. Da steht immer eine lange Geschichte hinter. und diese lange Zeit der Demütigung des Kleinmachens, der Angst, da ist also auch ein Stichwort der unserer Asyl- und Ausländer-Gesetze zu sagen, viele Männer nutzen das, zu sagen, wenn du nicht machst, was ich will, dann schicke ich dich wieder in dein Heimatland, ich habe die Macht.

Das ist ein bisschen moderner Sklavenhandel. Und diese Frau glaubt das, die oder hat wenig Wissen über ihre Rechte, die sie auch in so einer Situation hat. Und all das macht was mit ihr. Und darum ist es mit dem Schritt ins Frauenhaus oder auch in andere Beratungsstellen oder Unterstützungseinrichtungen.

Das ist ein langer Weg. Es ist ein langer Weg dahin. Es ist auch ein langer Weg daraus, wieder die Kraft zu haben, eine Idee zu haben, wie will ich eigentlich leben? Diesen Schalter kann ich nicht einfach so umlegen. Schaffen das alle? Das wäre zu werten, dass manche das schaffen und manche versagen.

Das möchte ich so nicht benennen. Manche brauchen längere Kurven oder längere Schleifen, um diesen Weg zu gehen. Und ich würde auch nicht verurteilen, wenn eine Frau in diese Beziehung zurückgeht, weil sie denkt, ich muss dann noch mal eine Chance einräumen, sonst fühlt sich das für mich nicht rund an.

Und auch die würden wir gehen lassen und sagen, dann kommen wieder, wenn die Chance nicht geklappt hat. Und es kommen. Die Frauen kommen auch oft wieder oder gehen in ein anderes Frauenhaus oder suchen einen anderen Weg. Was ich eigentlich damit sagen will, es ist nicht so ein gradliniger Weg daraus.

Problem erkannt, Problem gebannt. Das ist, was ich mache, regelmäßig Fortbildung bei der Polizei, um sie zu sensibilisieren für diese Situation. Und da trifft es oft auf Unverständnis, weil der Wach- und Wechseldienst ist das Erste in der Gewaltsituation zu Hause oder geht da hin und will die Frau schützen.

Und dann ist das Denken, der war gewalttätig, die kann ich jetzt bestrafen und die Frau geht weg und weiß, was sie zu tun hat. Aber so einfach ist das nicht. Manche können das sicher, manche können sofort diesen Weg gehen. Aber es ist mir ist es wichtig, dass man ... Also jetzt habe ich hier die Möglichkeit, auch eine breite Bevölkerung zu erreichen, dass man tolerant ist und guckt und auch mehrfach die Hand reicht.

Vielleicht sieht man das in seinem Freundeskreis, in der Nachbarschaft, wo auch immer. Und dass man nicht beim zweiten, dritten Mal denkt, wie kann die sich schon wieder schlagen lassen? Warum geht die nicht? Wie dämlich ist die? Wie blöd kann man sein? Also, dass man dieses Denken, dass man da ein bisschen toleranter wird und auch dreiviermal die Hand reicht und Unterstützung anbietet.

Das wäre so mein Plädoyer für in Hilfsanrichtung. sicher passiert ist, aber in helfenden Händen würde ich das gerne, würde ich mit das freuen, wenn es mehr möglich ist. Sag mal, wie lange arbeitest du eigentlich schon im Frauenhaus? Ja, seit thirty-six Jahren. Okay. Das ist ja gerade selber überlegt.

Ja, okay. Da hast du sehr viel Erfahrung sammeln können. Gibt es auch einen Fall im Zusammenhang mit dem Frauenhaus, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Also, es gibt nicht so den Einfall, aber es gibt die Situation. Viele Frauen kommen auch nach ihrem Auszug noch eine ganze Zeit lang zu uns.

Weil sie, also manche haben einfach Papierkram, den sie noch mit uns mit unserer Unterstützung erledigen wollen. Andere haben aber auch noch weiter Redebedarf. Und es gibt gerade über dieses diesen Hebel des Sorge- und Umgangsrechts, also wenn es gemeinsame Kinder gibt, da ist eine Gesetzeslücke. Also ich habe gerade schon sehr lobend unsere Gesetzesveränderungen erwähnt.

Im Sorge- und Umgangsrecht bekommen auch gewalttätige Väter Breite. breite Rechte ihre Kinder zu sehen. Die sind auch eher ausgeweitet worden noch in den letzten Jahren. Und über diesen Hebel werden manche Frauen diesen Vater-Mann nicht los. Der hat immer wieder einen Ansatz, psychische Gewalt auszuüben, nicht unbedingt physische.

Das endet meistens nach dem Frauenhausaufenthalt. Aber weiterhin seine Macht zu auszuspielen über die Kinder. Und diese Frauen finden keinen Frieden. Für die ist es ganz, ganz schwer, ihren eigenen Weg zu gehen. die immer wieder in der Beratung habe und die zu uns kommen, dann macht mich das wütend und hilflos.

Dann würde ich gerne die Gesetze ändern, diesen Kontakt verbieten, was ich nicht kann. Und das sind die Fälle, die mir sehr nachhängen, weil mir und meinen Kollegen da die Hände so gebunden sind. Und da ist das Sorgen- und Umgangsrecht wirklich ein Hebel, den viele Männer nutzen. Mir interessiert, ich würde jetzt gerne noch mal auf einen Fall aus dem Jahr zwei Tausend Drei zu sprechen kommen und zwar einen Femizid, der in Paderborn stattgefunden hat und dort die Menschen erschüttert hat.

Wieder war Benzin im Spiel, nur diesmal endete der Angriff auch wirklich tödlich. Im Grunde würden wir denken, Säureangriffe, Benzinüberschüttung, das passiert irgendwo in was auch immer für Ländern. Und wir reden hier nur bei Ostwestfalen und wir haben schon drei, also einer war doppelt, aber wir haben schon mehrere Deliktes.

Es ist nicht so selten, es passiert hier. Alleine das ist ja schon unglaublich erschreckend. Und die Angriffe, ob mit Säure oder mit Benzin, beide Männer haben ja die Tötung gewollt. Das eine Mal hat es nicht geklappt, das andere Mal hat es geklappt, aber es ist ja von der Schwere genau dasselbe. Die Frau sollte vernichtet werden.

Ja, abfackeln, weghetzen. Also all die Worte, die wir auch als Werben für solche Dinge haben im normalen Kontext, sind auslöschen, weghetzen, weghmachen, abrennen. Das ist ja alles, das ist so bis in den Keim hinein weghetzt, weggebrannt, weggemacht. Das spricht so viel, ja so viel Hass, so viel Ablehnung und so viel Unvorstellbares Besitzdenken.

Das ist meins und das darf ich dem Erdboden gleich machen. Dieses nicht. Das ist noch nicht mein Wesen. Das ist keine Frau. Das ist mein Besitz und den darf ich auslöschen. Und das muss man sich, ich finde, so richtig im Kopf und im Herzen bewegen, damit das klar wird, was dahinter steht. Und das war ja auch der Fall.

Da hat ein Mann, so eine Ex-Frau, mit Benzin übergossen, das hat er vorher aus dem Rasenmeer abgezapft und ist dann in die Wohnung des Opfers, seines Opfers gegangen und hat vor den Augen der achtigen Tochter, seine Frau oder Ex-Frau bedroht mit einer Waffe und damit benzin übergossen und angezündet.

Die Frau hat nicht überlebt, wenige Tage nach diesem Angriff ist sie verstorben. Der Täter hat damals vor Gericht nichts zum Motiv gesagt und das hören wir immer wieder, hat immer wieder gesagt, nö, ich kann mich überhaupt nicht an die Tarte erinnern. Das wird gerne gesagt, ich kann mich nicht erinnern, aber es gibt natürlich ein Motiv.

Und die Muster sind auch immer gleich. Beatrice, was steckt dahinter, wenn ein Mann, eine Frau mit Benzin oder Säure übergießt, dieses Weg etzen? Das hattest du schon, dieses Inflamm aufgehen lassen. Was steckt da noch hinter? Also als Motiv, ich muss mich da ja auch rein denken. Ich hab ja mit diesen Menschen nie gesprochen und Also meine Einschätzung kann ich nur nehmen aus den Gesprächen, die ich mit Frauen habe, die Gewalt erfahren haben und die das selber oft schildern, dass sie ihren Mann so erlebt haben, als der will mich auslöschen.

Der will, dass ich nicht mehr existiere. Mir fällt es schwer, mich da reinzuversetzen, wie ich sowas mache, auch vor den Augen von Kindern. gar keine Moral, gar keinen Mitleid, dass mir all das als Offensichtlich Täter abhandgekommen ist. Und dass es nur darum geht, ich will hier Macht haben, ich will das tun, was mir für passend erklärt, ich will die zunichte machen.

Und ich kenne also, um da Beispiele zu nennen, die ich real von Frauen gehört habe, die nicht zur Tötung führten, aber die in eine ähnliche Richtung gehen. Männer haben Frauen im Schlaf ihre langen Haare abgeschnitten, die sie sehr geliebt hat und die sie ihr wichtig waren. Einfach um sie... bodenlos zu verletzen.

Ein Mann hat seiner stark kurzsichtigen Frau die Brille zertreten. Sie stand da hilflos, sie konnte sich nicht mehr orientieren. Das sind sicher Verhältnisse zum Benzin übergießen und töten. Kleine Angriffe, aber die gehen in dieselbe Richtung. Du bist nicht zu wert. Ich kann das machen. Ich habe keinen Mitglied mit dir.

Ich lass dich hier stehen ohne Brille. Du kommst nicht klar. Und um das zu steigern, du kannst dich auch nicht mehr bewegen. Du bist entstellt, du bist verätzt, ja und du stirbst. Das nehme ich alles in Kauf. Ich kann das nicht besser beantworten. Also ich kann mich nicht besser in die Motive rein denken, außer in das, was ich kenne, was ich von Frauen gehört habe und welche Emotionen daraus klangen.

Wird bei solchen Taten auch von anderen kulturellen Hetergründen? Gesprochen, Stichwort Ehrenmord. Ein Beispiel ist der Mord an Aso Öl aus Detmold. Die junge Kurdein ist von ihrer Familie getötet worden, weil sie einen Deutschen liebte. Dazu gibt es übrigens auch einen Podcast von uns, von den Ostwestfällen.

Was ist von solchen Begriffen zu halten wie Ehrenmord? Was hat ein anderer kultureller Hintergrund mit dem Mord an Frauen zu tun? Ja, es wird gerne genutzt. Also ich weiß aus meiner Erfahrung, Gewalt zumindest passiert in allen Schichten, allen Kulturen, allen Altersgruppierungen. Das ist ein... Ja, das ist ein Delikt, was Männer an Frauen ausüben.

Und das ist unabhängig von der Kultur. Das macht es uns, weil wir hier in Oswestfalen stehen, so einfach auf die anderen zu zeigen, zu sagen, da passiert das, da müssen die Frauen ja auch unterm Kopftuch verschwinden, da haben die nichts zu melden. Aber bei uns sind die Frauen ja frei und die dürfen ja arbeiten und die dürfen bla, bla.

Hier passiert es genauso. Und es passiert mit den gleichen Motiven. Und das... Ja, das ist viel zu kurz gedacht, aber es stimmt auch ganz rein statistisch nicht. Es gab die Kriminalstatistik, gibt es auch nicht her. Also wenn es dazu Zahlen gäbe, die sagen, okay, das passt mir vielleicht als aus feministischer Sicht nicht, ich will das gerne so anders sehen, dann müsste ich mich ja eventuell eines Besseren belehren lassen.

Aber das passt ganz real nicht. Die Kriminalstatistik gibt es überhaupt nicht her. Ehrenmorde, da haben wir ganz schnell einen Begriff für gefunden. Also wie schnell, wie langsam sind wir für Mezide, als Mord an Frauen gesellschaftlich zu verankern, in die Kriminalstatistik aufzunehmen. Da tun wir uns total schwer gering hier rum und hängen da rum und soll man das so nennen.

Aber Ehrenmord, da geht uns allen flüssig über die Lippen. Und das ist nie ein Mord aufgrund von Ehre. Es passiert auch nicht häufiger. Das sind auch Femizide, aber es passiert nicht in dieser Kultur. Femizide sind ein gesellschaftliches Problem, kein kulturelles. Das Schlimme ist, dass die Zahl der Femizide kontinuierlich.

Da ist natürlich die Frage, was muss sich ändern, damit Gewalt gegen Frauen erstens gesehen wird, zweitens natürlich auch verhindert wird. Zum einen glaube ich, auch wenn der Begriff der Femizide noch nicht so verankert ist, wird mehr hingeguckt. Also es passieren real nicht mehr, wenn nicht mehr Frauen umgebracht.

Aber dass ich die Motivlage so sehe und dass die Frau nicht die Treppe runtergefallen ist, leider doof gestürzt ist, Das werde ich so, das wird so nicht mehr gesehen. Er wird genauer hingeguckt. Ich denke, da gibt es ein bisschen auch nach, oder gibt es ein bisschen, die Zahlen haben sich das ein bisschen verschoben.

Aber grundsätzlich die Frage ist ja, was muss ich tun, um Gewalt an Frauen, die auch im Tötungsdelikt enden kann? Wie kann Gesellschaft darauf reagieren? Und ich denke, das, was wir hier heute machen, darüber zu reden, was die Menschen demnächst ganz normal im Radio hören, ganz normal als Podcast hören.

Es gibt jetzt hier gerade am Theater ein Stück, was sich mit der Gewalt an Frauen beschäftigt. Ich habe ein Theater-Abo und dann kriege ich das vielleicht auch noch nebenbei. Es in jedem dritten Tatort kommt inzwischen Gewalt gegen Frauen vor. Ich weiß nicht, ob das als der richtige Weg ist, aber die Aufklärung ist der richtige Weg.

Hinzugucken, wach zu rütteln, zu zeigen, das passiert hier und das passiert nicht nur irgendwo, sondern vielleicht auch in meiner Nachbarschaft und aufmerksamer zu werden. wenn der Mutter im Kindergarten plötzlich anders reagiert, das mitzudenken. Es ist nicht immer die Erklärung für alles logischerweise, aber das mitzudenken, es könnte passieren.

Solche Debatten haben wir in der Kindesmissbraus-Debatte gehabt. Wie kann ich aufmerksammer werden? Wie kann ich wachsamer werden? Und das fehlt in diesem großen Dialektfeld Gewalt gegen Frauen. Ich finde, fehlt mir noch die Aufmerksamkeit einer breiten Bevölkerung. Und ich glaube, das wäre der Weg. wachsamer zu sein und auch mehr Frauen aufzurütteln, früher Bescheid zu sagen und zu sagen, mir passiert, mir passieren Dinge, die sind nicht okay.

Ich habe ein anderes Recht empfinden. Ich habe ein Recht, das anzuzeigen, zu gehen. Das ist noch in den Kinderschuhen. Femizide und Gewalt an Frauen sind keine Einzelfälle und keine Tragödien ohne Kontext. Sie stehen im Zusammenhang mit Macht, Kontrolle und tief verankerten gesellschaftlichen Strukturen, in denen Gewalt gegen Frauen und Mädchen immer noch zu oft relativiert, entschuldigt oder übersehen wird.

Worte wie Beziehungsdrama oder Eifersuchtstat verschleiern dabei, was tatsächlich passiert ist. Gezielte Gewalt gegen Frauen. Über Femizide zu sprechen bedeutet nicht zu schockieren, es bedeutet Verantwortung zu übernehmen, hinzuschauen, Muster zu erkennen und Betroffenen zuzuhören. Und das war es für heute mit dem True Crime Podcast der neuen westfälischen Redaktion, hatte Josephine Stein und zu Gast war Beatrice Tappmayer vom autonomen Frauenhaus Bielefeld.

Vielen Dank, Beatrice. Weitere packende Kriminalfälle aus unserer Region auch jederzeit auf nw.de und in der nw-plus-app in der Serie OVL Crime. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen und Kritik zu diesem Podcast und natürlich über Wünsche, welche Ostwestfälle wir demnächst für euch besprechen sollen.

Schreibt uns eine E-Mail an podcast.nw.de. Mein Name ist Begit Gottwald, bis bald.

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