OstwestFälle - der True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen

Münchhausen-Stellvertretersyndrom: Mutter aus Büren macht ihre Kinder krank

Donnerstag, 30. April 2026 · 26 min

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Shownotes

Erfundene Krankheiten und unnötige Operationen: Eine Mutter aus Büren täuscht jahrelang Ärzte und bringt ihre Töchter in Gefahr. Dahinter steckt das seltene Münchhausen-Stellvertretersyndrom. Wie der erschütternde Fall schließlich ans Licht kommt.
Merle ist gerade acht Monate alt, als ihre Mutter Susanna M. mit ihr zum Arzt geht – wegen angeblicher Verstopfungen. Nichts scheint zu helfen. Schließlich bekommt das kleine Mädchen sogar einen künstlichen Darmausgang. Auch Merles Schwester Antonie gilt als schwer krank und erhält eine Magensonde. Als die Mutter für das Baby auch noch einen Zugang zur Luftröhre fordert, wird ein Kinderarzt misstrauisch.

Die erschreckende Erkenntnis: Die Mädchen waren nie wirklich krank. Was bringt eine Mutter dazu, ihren Kindern schwere medizinische Eingriffe zuzumuten – und warum bleibt der wahre Grund dafür oft lange unentdeckt?

Ostwestfälle S4 | E33 Münchhausen-Stellvertretersyndrom: Mutter aus Büren macht ihre Kinder krank

Gast: Kinder- und Jugendpsychiaterin und Sachverständige Corinna Bischoff
Redaktion: Verena Freiberg
Gestaltung: OWL Digital 

Mehr zur Serie “OWL-Crime” findet ihr auf unserer Themenseite.

Habt ihr Anregungen oder Kritik? Schreibt uns gerne unter podcast@nw.de

Transparenzhinweis: In einer früheren Version hieß es in den Shownotes, dass die Mutter bereits nach 8 Tagen mit ihrer neugeborenen Tochter zum Arzt gegangen sei. Dort ist uns ein Fehler unterlaufen, richtig heißt es acht Monate.

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In manchen Fällen ist es so, dass sie immer wieder zu verschiedenen Ärzten gehen und sagen, mein Kind hat heute Nacht wieder ein Krampfanfall. Das sind dann meistens Symptome, die man auch nicht ganz schnell feststellen kann. Dann wird eine große Diagnostik gemacht und dann geht man zum nächsten Arzt.

Da findet auch so ein Doktor-Hopping statt. Manchmal ist es auch so, das Mütter ihren Kindern Gifte initiieren oder Medikamente geben und damit wirkliche Krankheitssymptome auslösen. Ostwestfälle, der True Crime Podcast der Neuen Westphälischen. Wir sprechen mit Opfern, Zeugen, Richterinnen und Richtern – und mit den Berichterstatterninnen und Berichtestattern der NW.

Spannend nah und made in OWL! Die Kinder von Susanna N sind krank, sehr krank. Sie müssen sogar operiert werden. Das Fatale ist diese Krankheiten sind erfunden Aber Susanna N. spielt die verzweifelte Mutter so gut, dass sogar die Ärzte auf sie hereinfallen und unnötige operative Eingriffe vornehmen. Denn niemand hat gemerkt, dass Susana N. selbst krank ist.

Sie leidet unter dem Münchhausen Stellvertretersyndro. Was genau das ist? Darum geht es in diesen Ostwestfällen. Mein Name ist Birgit Gottwald und zu Gast ist die Kinder- und Jugendpsychiaterin Korina Bischoff. Hallo, Korina! Korina du kümmerst dich hin... Erster Linie um Kinder und Jugendliche. Wo praktizierst du?

Ja, ich bin einmal tätig als Oberärztin in der Vitos-Klinik und schreibe nebenberuflich Gutachten aller Art und am liebsten strafrechtliche Gutachten. Und da bist du auch schon mal vom Bielefeller Landgericht geladen als Sachverständige, daher haben wir den Kontakt zu dir? Genau! Aber jetzt zum Thema dem Münchhausen Stellvertreter-Syndrom.

was genau ist das? Das wollen wir anhand eines Falls aus Büren erklären. Büren ist eine Kleinstadt in der Nähe von Paderborn. hier lebt Susanne End mit ihren zwei Kindern. Die sind scheime sehr anfällig. Sie müssen immer wieder ins Krankenhaus mit neuen Symptomen. Die verzweifelte Mutter kümmert sich aufopfernd um die Kleinen, aber was genau die Kinder haben lässt sich nicht klären.

es dauert Jahre bis klar wird Nicht die Kinder sind krank sondern die Mutter. sie hat das Münchhausen Stellvertreter-Syndrom So Corinna! Was genau ist das? Wie äußert sich diese Störungen? Ja, also wenn Eltern ihre Kinder absichtlich krank machen dann spricht man vom Münchhausen bei Proxy-Syndrom oder Münchausen Stellvertreter-Sydnrom.

und da kommt es dazu dass die Bezugsperson in den allermeisten Fällen die Mütter bewusst Krankheitssymptome bei einem Kind darstellen oder auch erzeugt. Also in manchen Fällen ist es so, dass sie immer wieder zu verschiedenen Ärzten gehen und sagen, mein Kind hat heute Nacht wieder ein Krampfanfall. Das sind dann meistens... Ja, irgendwie Symptome die man auch nicht so ganz schnell feststellen kann und dann wird eine große Diagnostik gemacht.

Und dann geht man zum nächsten Arzt. da findet auch so ein Doktor Hopping statt. manchmal ist es auch so dass Mütter ihren Kindern Gifte injizieren oder Medikamente geben und damit dann auch wirkliche Krankheitssymptome ja auslösen. Und ja, das Besondere ist dass diese Beschwerden dann hauptsächlich eben auftreten wenn die Kinder zusammen mit ihren Bezugspersonen sind.

Was eben auch sehr besonders ist an solchen Fällen ist dass die Bezugspersonen oft sehr engagiert wirken, sehr kooperativ und medizinisch sind sie oft sehr gut informiert. Man hat überhaupt keinen Verdacht, dass da irgendwie was nicht stimmen könnte. Weil man von dieser Engagiertheit natürlich erst mal auch ergriffen ist.

Also dieses Syndrom ist nicht zu verwechseln mit dem Münchhausen-Syndrom. Da täusche ich bei mir eine Krankheit vor um in die Rolle der Patientin zu kommen und damit die volle Aufmerksamkeit zu bekommen Genau. Der zentrale Unterschied liegt im Prinzip darin, wer krank gemacht wird. beim Münchhausen bei Proxy eben das eigene Kind.

und beim Münchausensyndrom ist es so dass man sich selber oder Betroffene bei sich selber schwere körperliche Erkrankungen vortäuschen und absichtlicher vorrufen. da handelt es sich um eine schwere psychische Erkrankung Und meistens zählen da auch zwanghafte selbstschädigende Verhaltensweisen dazu. Das Erfinden von spektakulären Krankheitsgeschichten, ständige Arztwechsel und Ziel ist dabei nicht in etwa ja ein Geldvorteil oder so was sich zu verschaffen sondern wirklich Anerkennung und Mitgefühl zu bekommen.

Corinna zurück zu unserem Fall. den hat übrigens meine MW-Kollegin Jutta Steinbett über Jahre verfolgt und von der habe ich alle Infos. Die kleine Merle ist erst acht Tage alt, als ihre Mutter sie zur Kinderärztin bringt. Die Kleine habe schlimme Verstopfungen und brauche Hilfe. Die Ärztin empfiehlt ihr gängige Arzneimittel doch die Verstoppfung lösen sich nach Angaben der Mutter nicht.

Susanne N besuch Dauphin fünf verschiedene Kliniken Und immer, wenn sie vor Ort ist, klappt es Ohrwunder mit der Verdauung. Aber die Mutter beharrt darauf das mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt und drängt die Ärzte zu handeln. Das ist das was du gerade auch schon ein bisschen erklärt hast mit diesem Dr.

Hopping. Das ist typisch für diese Störung – auch diese Behaarlichkeit! Was treibt denn diese Mutter an? Ja, das ist eine sehr interessante Frage. Und meistens steht da jetzt nicht so ne Bösartigkeit an sich hinter im klassischen Sinne sondern oft eine schwerwiegende psychische Erkrankung und es geht bei den Betroffenen oft um das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung und die betroffenen meistens Mütter erhalten dann durch das kranke Kind quasi Mitgefühl Bewunderungen.

sie bekommen gesagt Mensch bis zu einer aufopferungsvolle Mutter und macht das so gut, sie bekommt Zuwendung von Ärzten und Pflegepersonal. Und dann kommt es zu einem zentralen Identitätsbestandteil durch diese fürsorgliche Art die Sie quasi vorspielen. Manchmal steht auch ein Wunsch nach Kontrolle im Vordergrund, man hat einen Einfluss auf Diagnostik, auf Behandlung... Und nicht selten ist es auch so, dass Betroffene ja selber schwer traumatisiert sind.

Also viele haben Missbrauchserfahrungen, Vernachlässigungserfahrungen und haben dadurch solche ungelösten Bindungskonflikte eine schwere Persönlichkeitsstörung oft mit emotionaler Instabilität, nazistischen Anteilen und historionischem Anteil. Und dann dient das Krankheitsbild des Kindes quasi der Stabilisierung des Selbstwärts.".

Mit dem Fall geht es so weiter – in einer der vielen Kliniken lassen sich die Ärzte letztendlich überzeugen oder überreden – ich weiß gar nicht wie ich das nennen soll! –, erhält die einjährige Merle einen künstlichen Dharmausgang. Der operierende Arzt empfiehlt der Mutter, den nach zwei Monaten wieder entfernen zu lassen.

Was sie allerdings nicht tut! Der Kinderärztin erklärt Sie diesen Schritt damit dass sie ihrem Kind eine erneute Operation ersparen möchte. Es ist ne wirklich schlimme Geschichte muss man einfach sagen. Corinna wie viele Menschen in Deutschland oder weltweit gibt es eigentlich die unter dieser Krankheit leiden?

Ist das eigentlich eine Krankheit?! Also es ist keine Krankheit, die im ICD-Cen festgeschrieben ist. Meistens liegen eben komplexe Persönlichkeitsstörungen dahinter wo man nochmal genauer gucken muss. aber die Diagnose gibt's so nicht im ICDC. Und wie viele Leute leiden trotzdem unter dieser Stümmerung?

Genau, also insgesamt gilt das Symptom glücklicherweise als selten. Es ist relativ schwierig da eine genaue Anzahl zu sagen weil es eben auch eine hohe Dunkelziffer gibt und es eben besonders schwierig ist solche Mütter zu erkennen. zur Häufigkeit habe ich jetzt gefunden dass es schätzungsweise zwei Komma fünf Fälle pro hunderttausend Kinder im ersten Lebensjahr Kinder vom zweiten bis sechzehnten Lebensjahr gibt.

Hört sich jetzt erst mal nicht viel an, aber trotzdem also das... Wie gesagt man geht von einer höheren Dunkelziffer aus. ja Zurück zu Merle. Das Kind lebt jetzt mit einem künstlichen Damausgang, währenddessen sucht ihre Mutter nach Aufmerksamkeit unter anderem auf Facebook. Dort verkauft sie selbstgenähte Produkte und hält ihre Follower gleichzeitig auf dem Laufenden was die Krankheiten ihrer Kinder angeht.

So seiner N hat noch eine zweite Tochter. kommen wir gleich zu Eine ihrer Kundinnen auf facebook geht das Schicksal der Familie so nah dass sie mit Hilfe eines Spendenaufrufs elftausend Euro für die Kleinen sammelt. Corinna, dieses Bedürfnis nach öffentlicher Anerkennung – das ist typisch für Betroffene?

Ja, das ist sehr häufig aber nicht zwingend! Aber bei sehr vielen Betroffenen ist es so... wie gesagt intensive Bestätigung durch Ärzte, durch Pflegepersonal suchen aber auch durch das soziale Umfeld. Sie gehen da in ihrer Rolle als aufopferungsvolle Bezugspersonen auf. erlebender Aufmerksamkeit werden quasi mit Zuspruch belohnt und da ist es oft so dass die Anerkennung offen gesucht wird und dass diese dann eben quasi als negativer Verstärker des Verhaltens dann dazu führt, dass sie immer weitermachen.

Mährle lebt jahrelang mit diesem künstlichen Damausgang. erst als ihr zur Schule kommt wird der entfernt. aber da ist er noch die kleine Schwester Antonie. bei ihr erfindet Susanna N Probleme bei der Atmung und der Ernahrungsaufnahme. im Jahr zwei tausendachzehn wird sie wegen starker Unterernährung in die Paderbräuner Kinderklinik eingeliefert.

erreicht, dass dem Säugling erst eine Magensonde und dann eine sogenannte PEG-Sonde am Bauch gelegt wird um ihre Tochter künstlich zu ernähren. Doch auch nach sieben Wochen verbessert sich der Zustand der Kleinen nicht – was niemand ahnt. die Mutter gibt ihrer Tochter bewusst zu wenig zu essen! Allzu Sandra N ihr dann noch ein Luftröhrenstöme einsetzen lassen will.

Das ist, glaube ich so ein Luftrörendschnitt wo dann so ein Röhrchen reinkommt um die Atmung zu erleichtern. Erst David ihr Kinderarzt misstrauisch und informiert das Jugendamt. dieser Arzt ist also hellhörig geworden und hat dem Ganzen Spuk einen Ende gesetzt. aber es ist nicht leicht dieses Münchhausen Stellvertreter-Syndrom zu erkennen.

Ja das ist richtig. Natürlich ist es so, dass man erst mal davon ausgeht, dass die Eltern einem die Wahrheit sagen. Man hat erstmal einen Grundvertrauen natürlich in die Angaben der Eltern. Medizin basiert ja auch sehr auf Anamnese und auf dem was die Eltern eben konkret an Symptomen schildern. Und da unterstellt man jetzt erst einmal nicht das da bewusst getäuscht wird.

Ja? Das ist natürlich auch erst mal so. die ärztliche Grundhaltung. auch so, was wir schon gesagt haben. Dass die Betroffenen eben ja sehr viele Ärzte aufsuchen und oft gar nicht so einen Gesamtüberblick entsteht. Und der eine Arzt natürlich auch nicht unbedingt weiß dass sie schon davor stelle ich war.

und dann eben auch noch der Punkt der hohen Kooperationsbereitschaft also das diese Mütter oft wirklich sehr präsent sind und sehr sich aufopferungsvoll und man auch deshalb erst mal gar nicht davon ausgeht dass die dem Kind sozusagen was Böses wollen. Also, diese Symptome sind auch meistens sehr schwer objektivierbar.

Die schildern die dann und sagen dann also das Kind hat ständig Bauchschmerzen. Man findet aber nichts. Dann gehen sie zu den nächsten Ärzten und ja letztlich ist es dadurch oft sehr schwierig, das zu erkennen. Also kann man den Ärzte nicht wirklich einen Vorwurf machen? Da diese Störung so selten auftritt auf der einen Seite und man es natürlich auch nicht glauben mag, dass eine Mutter so etwas tut.

Genau ja was mir da gerade zur einfällt diese elektronische Krankenkarte die es jetzt gibt. Da sind hier immer alle Daten drauf weil du sprachst ja von Doktor Hopping also das der eine Doktor gar nicht weiß was der andere macht. könnte man das damit lösen? Weil da sind ja alle Daten drauf. Ja, das ist eine gute Frage!

Bei uns in der Klinik funktioniert die leider noch nicht. Deshalb kann ich müsste theoretisch aber... Ja, wäre ein guter Gedanke. Ob man sich da natürlich ... Da muss man auch wieder das Einverständnis holen, dass man darauf zugreifen kann. und ob jemand es ja auch, wenn jemand im Alltag als Arzt unterwegs ist, dann hat man irgendwie das Wartezimmer voll sitzen, ob man sich die Mühe macht immer zu gucken, wenn erst mal kein Verdacht besteht.

Ist eben auch die Frage. aber könnte eine Idee sein? Zurück zum Fall, das Jugendamt nimmt Susanna En schließlich die Kinder weg und wiederovwunder nach der Trennung von ihrer Mutter nimmt Antonia deutlich an Gewicht zu. Susanna-En wird angeklagt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung am sechsten Dezember.

zwanzigbeginn der Prozesswort im Landgericht Paderborn. erst kurz Davor, also kurz vor dem Prozess trennt sich der Partner und Vater der beiden Kinder von Susanna innen. Bei denen haben wir noch gar nicht gesprochen. Hat er nichts mitbekommen? Konnte er nichts Mitbekommen obwohl ja taktisch mit den Kindern zu tun hat?

Also gibt es bei Angehörigen sowas wie eine Coabhängigkeit bei Alkoholismus. Ja, das gibt es tatsächlich. Habe ich auch schon mal in einem Fall gehabt wo man gedacht hat da muss doch der Partner irgendwie was mitbekommen haben? Es kommt natürlich immer auf die Persönlichkeitsstruktur des Partners an.

vielleicht ahnt er auch etwas und darf nicht sagen. aber in manchen Fällen sind die Mütter so geschickt dass sie Partner einfach nichts mitkriegen. Corinna wenn ich dieses Münchhausen-Steff-Halträder-Syndrom habe ist mir dann bewusst Krankheiten erfinde und nötige Behandlungen in Kauf nehme. Und damit die Gesundheit meiner Kindergefährde?

Ist mir das klar? Also in der Regel ist es den Betroffenen bewusst, dass die Symptome erfunden sind und das das Kind objektiv nicht krank ist. Was häufig nicht vollständig bewusst ist, sind diese tiefen inneren Motive und die Tragweite des eigenen Handelns. Oft bagatellisieren sie dann ihr Handeln, das dient ja letztlich nur dem Kind und erleben sich weiterhin als sehr fürsorglich und bagatellisieren das dann.

Und letztlich ist es eben so Bedürfnis nach Anerkennung und Kontrolle, dann eben dem Kindeswohl überwiegt. Und die Betroffenen sind vor sich rechtfertigen. Glauben das im Endeffekt selber? Ja oder finden es nicht so schlimm? Vor Gericht beteuert Susanna N auch immer dass sie niemals ihren Kindern schaden wollte.

aber genau das bezweifelt der Vorsitzende Richter. erhält sie der Vernehmung von zahlreichen Zeugen und Sachverständige für schuldig, der Misshandlung von Schutzbefohlenen unter gefährlichen Körperverletzungen verurteilt sie am einundrassigsten Januar zu dreieinhalb Jahren Haft. Obwohl Susanna Ent ganz offensichtlich psychisch krank ist wird sie als schuldfähig eingestuft.

Also mich wundert das immer so ein bisschen, weil das ist für mich echt krank. Aber du hast ja gesagt es ist im Grunde genommen keine Krankheit? Ja richtig! Das ist immer schwierig nachzuvollziehen. und zunächst mal ist es psychisch krank bedeutet nicht im rechtlichen Sinne automatisch schuldunfähig Und im Strafrecht ist es so dass jemand schuld unfähig oder vermindert schuldfähig ist wenn eine schwere psychische Krankheit vorliegt.

Da gibt es verschiedene Eingangsmerkmale, die quasi dazu führen können also einmal schizofrene Erkrankungen, die zu einem Realitätsverlust führen, Intelligenzminderung aber auch die sogenannte schwere andere seelische Störungen, worunter dann zum Beispiel schwere Persönlichkeitsstörungen zählen würden.

Im nächsten Schritt wird dann aber geschaut ob diese Störung Ein Einfluss auf die Einsichtsfähigkeit und die Steuerungsfähigkeit hat. Und das ist bei Persönlichkeitsgestörten Menschen erst mal schwierig, überhaupt dieses Eingangsmerkmal zu erreichen. Wenn sie es erreichen, ist die Einsichtspfähigkeit eigentlich nie eine Frage.

Die ist eigentlich immer da. also die Betroffenen wissen dass man das nicht machen darf. Dann geht es eben um die Frage der Steuerungsfähigkeit. Und da ist in dem Fall so, dass sie sehr gezielt gehandelt hat und deshalb nicht erkannt werden konnte, dass eine verminderte Schuldfähigkeit oder Steuerungsfähigkeit vorlag.

Aber Sie hat auch nach dem Schultspruch sich nicht einsichtig gezeigt, akzeptiert auch nicht die Diagnose Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom und hält an Ihrer Version der Geschichte fest Und eine Expertin stellt deshalb auch in Frage, ob diese psychische Störung bei ihr behandelt werden kann. Auch weil es kein etabliertes Behandlungssystem gäbe.

Also ist das so, Corinna? Kann man das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom nicht oder nur unzureichend behandeln? Ja, tatsächlich so dass die Prognose... eher ungünstig ist. Die Behandlung gilt als schwierig und das liegt eben meistens daran, dass die Betroffenen selber sich nicht als krank sehen und ihn eigentlich meistens ein echtes Problembewusstsein fehlt.

sie rechtfertigen ihr Verhalten oder bagatellisieren es und davon hängt natürlich stark die Prognose ab. wenn eine wirkliche Einsichtsfähigkeit besteht Dann ist es möglich, denjenigen zu behandeln. kein Standardprogramm, wie du schon gesagt hast. Sondern das umfasst dann typischerweise eine psychotherapeutische Langzeittherapie mit tiefempsychologischen oder schematherapeutischen Anteilen, wo es um die Aufarbeitung eigener Traumata, um die Selbstwertproblematik geht und auch das Erkennen der inneren Motive warum so etwas gemacht wird und letztlich auch darum alternative Strategien zu finden, um Nähe- und Anerkennungen zu bekommen.

Wie gesagt, meine Erfahrung ist das ... die Krankheit sehr schwer zu behandeln. Also ich muss das schon wollen? Genau! Und das ist das Problem? Das ist das problem. Gilt es auch für das Münchhausen-Syndrom? Das gilt genauso. Das Münchausensyndrum ist genau so schwierig zu behandlen. Mir ist eigentlich kein Fall bekannt, wo das mal nachhaltig positiv verlaufen ist.

Kleine Anmerkung noch zu unserem Fall. Der BGH bestätigt ein Jahr später das Urteil gegen Susanne N., die Karlsruher Richter folgen damit der Auffassung ihrer Paderborner Kollegen, dass Susanna N sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Damit ist das Urteil rechtskräftig. Kennst du persönlich auch Fälle, die vor Gericht gelandet sind?

Also mir ist tatsächlich nur ein Fall... in meiner Rolle als Oberärztin erinnerlich. Gut, ich bin Kinder- und Jungpsychiatrin und keine Pediaterin. deshalb haben wir ja primär mit psychatrischen Symptomen zu tun. aber ich erinnere mich an eine Familie eine Mutter die drei Söhne hatte Ja, die letztlich wo der mittlere glaube ich war das dann bei uns wegen einer depressiven Störung in Behandlung war und der dann quasi selber so den Verdacht geäußert hat.

Beide Brüder waren auch lange Krankenhausaufenthalte mit Stoma. der eine Der hatte das damals quasi den Verdacht geäußert. Und das war ja im Prinzip klassisch, die Mutter schien auch immer sehr engagiert und wir haben damals dann nach reiflicher Überlegung eine Meldung beim Jugendamt gemacht. Die haben die Familie überprüft und letztlich ist da Nichts rausgekommen.

Also die haben gesagt, da gibt es jetzt erst mal keinen akuten Grund, die Kinder aus der Familie zu nehmen und letztlich ist die Familie dann nicht mehr zu uns gekommen. Das... Gut! Ist auch eine Möglichkeit sich dem Ganzen zu entziehen. also was ich jetzt gelernt habe das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ist selten tritt meist bei Frauen auf?

Ist das richtig? Ja Aber ich muss mir keine Sorgen machen, wenn jetzt die Kinder meiner Freundin und Schwester nicht overprotected sind. Das ist nicht gleich schlimm. Das isst nicht gleich pathologisch. Genau! Also alles Gute? Ja! Sana N aus Bühren wird unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt.

Sie hatte Krankheiten erfunden und ihre Kinder unnötigen operativen Eingriffen ausgesetzt, die thirty- vierige Mutter leidet am Münchhausen Stellvertretersyndrom eine schwere psychische Störung bei der Betroffene absichtlich Krankheiten bei anderen Erfinden um selbst Aufmerksamkeit und Mitleid zu bekommen.

Und das war's für heute mit dem True Curren Podcast der neuen Investition. Redaktion hatte Verina Freibäg und zu Gast war die Kinder- und Jugendpsichaterin Corinna Bischoff. Schön, dass du da warst! Vielen Dank! Weitere packende Kriminalfälle aus unserer Region auch jederzeit auf nw.de und in der NW-Plus App, in der Serie OVL Crime.

Wir freuen uns über Fragen Anregungen und Kritik zu diesem Podcast Und natürlich über Wünsche welche Ostwestfälle wir demnächst für euch besprechen sollen. Schreibt uns eine E-Mail an. podcasts at nwe.de. Mein Name ist Begitt Gottwald Bis bald.

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