PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast· Folge 340
Märkte zwischen Friedensgesprächen und Zollpolitik
Dienstag, 19. August 2025 · 20 min
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Shownotes
Die geopolitische Lage bleibt angespannt, die Märkte reagieren mit Vorsicht. In dieser Folge von PERSPEKTIVEN To Go analysieren Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, wie die jüngsten Entwicklungen rund um Zölle, Friedensverhandlungen und Konjunkturdaten die Erwartungen an den Märkten beeinflussen – und was das für Anleger bedeutet.
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Ein Transkript dieser Episode finden Sie hier: perspektiventogo.podigee.io/340-markte-zwische…
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<b>Deutsche Bank</b> <b>präsentiert PERSPEKTIVEN To Go.</b> <b>Ihr Audio-Podcast</b> <b>rund um das Thema Börsen.</b> <b>Aktuell bestimmt die Weltpolitik die</b> <b>Nachrichtenlage und Anleger</b> <b>agieren etwas vorsichtiger.</b> <b>Neben den Friedensverhandlungen mit</b> <b>Russland gibt es aber</b> <b>noch ein weiteres Thema, das</b> <b>die Märkte umtreibt: die Inflation.</b> <b>Wie reagiert die US-Notenbank auf die</b> <b>jüngsten Inflationszahlen und</b> <b>auf jüngste Konjunkturdaten?</b> <b>Gibt es einen Zinsschritt</b> <b>und was wäre wenn nicht?</b> <b>Uli Stephan von der Deutschen Bank und ich</b> <b>sortieren die aktuelle Lage.</b> <b>Mein Name ist Jessica Schwarzer und damit</b> <b>herzlich willkommen zu</b>
<b>den PERSPEKTIVEN to Go.</b> <b>Uli, bevor wir uns um Inflation und</b> <b>Wirtschaftsdaten kümmern, das</b> <b>Treffen von US-Präsident Donald</b> <b>Trump und Russlands Präsident Vladimir</b> <b>Putin ist ohne Deal</b> <b>geändert, aber es wird weiter</b> <b>verhandelt.</b> <b>Mittlerweile sitzen ja auch neben dem</b> <b>ukrainischen Präsidenten europäische</b> <b>Staats- und Regierungschefs</b> <b>mit am Tisch.</b> <b>Wie reagieren die Märkte auf das alles?</b> <b>Die Märkte haben am Freitag aus meiner</b> <b>Sicht sehr viel mehr auf die</b> <b>Inflationszahlen aus</b> <b>Amerika reagiert und die Spekulationen</b> <b>dann um die</b> <b>amerikanische Notenbank nicht nur was</b> <b>die Besetzung der neuen bzw. der vakanten</b>
<b>Positionen angeht,</b> <b>sondern auch über die zukünftige</b> <b>Geldpolitik. Und dadurch, dass die</b> <b>Produzentenpreise etwas höher</b> <b>waren, sind ein Stück weit</b> <b>Zinssenkungen für</b> <b>dieses Jahr ausgepreist worden.</b> <b>Der Markt geht im Moment für den</b> <b>September von 25</b> <b>Basispunkten aus, obwohl einige Stimmen</b> <b>ja schon von 50 gesprochen hatten.</b> <b>Aber trotzdem gibt es ja diese</b> <b>Schlagzeilen immer wieder zu</b> <b>Trump, es gibt sie zu Putin,</b> <b>es gibt sie zu den jetzigen</b> <b>Verhandlungen, wobei wir sagen müssen,</b> <b>wir nehmen hier gerade</b> <b>am Montag Nachmittag auf, wir wissen noch</b> <b>nicht, was in Washington besprochen wird,</b>
<b>besprochen wurde.</b> <b>Trotzdem war jetzt am Montag aber schon</b> <b>zu lesen, dass die Anleger</b> <b>ein bisschen vorsichtiger</b> <b>sind und erstmal</b> <b>abwarten, was da passiert.</b> <b>Ja, es ist ja etwas nebulös, was nun</b> <b>wirklich besprochen</b> <b>worden ist, ob es ein Ergebnis</b> <b>gab oder nicht.</b> <b>Der amerikanische Präsident sagt, dass es</b> <b>hervorragende Gespräche</b> <b>gewesen sind, der russische Präsident</b> <b>stimmt dem zu, aber insgesamt ist doch</b> <b>wenig an die</b> <b>Öffentlichkeit gedrungen, was denn</b> <b>nun wirklich dann besprochen worden ist</b> <b>oder was denn dann diese</b> <b>Ergebnisse sein sollten.</b> <b>Ich glaube schon, dass ein</b>
<b>Friedensschluss natürlich für die</b> <b>Ukraine, für die Menschen,</b> <b>die dort entsetzliches Leid haben.</b> <b>Ich las dieser Tage, dass bis zu 7000</b> <b>Menschen am Tag sterben</b> <b>im Moment in diesem Krieg.</b> <b>Wäre das natürlich eine hervorragende</b> <b>Botschaft und wir sollten</b> <b>wirklich hoffen, dass eine</b> <b>solche Einigung gelingen kann.</b> <b>Ich glaube auch, dass der Markt das gut</b> <b>heißen würde, feiern würde, das ist</b> <b>natürlich zweitrangig</b> <b>in diesem Fall.</b> <b>Aber das glaube ich schon.</b> <b>Wenn es nicht dazu kommt, wird der Markt</b> <b>wahrscheinlich zur Tagesordnung</b> <b>übergehen, wird sich weiterhin</b> <b>auf die Berichtssaison, auf die</b>
<b>Unternehmensergebnisse, auf die</b> <b>Steuerpolitik, auf die Geldpolitik</b> <b>konzentrieren und auch da hätten wir ja</b> <b>in den nächsten Wochen und</b> <b>Monaten ein, so diskutiert.</b> <b>Genau, du hast es ja</b> <b>vorhin auch schon angesprochen.</b> <b>Trumps Handelspolitik, da schauen</b> <b>natürlich alle drauf, was die extrem</b> <b>hohen Zölle, manchmal</b> <b>aber auch Zollpausen, denn nun bedeuten</b> <b>für die einzelnen</b> <b>Wirtschaftsräume, für die einzelnen</b> <b>Länder, einzelnen Branchen und da gab es</b> <b>ja zuletzt auch einige</b> <b>Neuigkeiten, zum Beispiel</b> <b>aus China.</b> <b>Ja, die Zölle sind nochmal aufgeschoben</b> <b>worden mit der</b> <b>Volksrepublik China, also die Amerikaner</b>
<b>dort angedroht haben.</b> <b>Hintergrund ist wohl, dass der</b> <b>amerikanische Präsident Donald Trump</b> <b>unbedingt den chinesischen</b> <b>Präsidenten Xi Jinping treffen möchte,</b> <b>das scheint kurzfristig</b> <b>nicht möglich zu sein,</b> <b>also hat man diese Zollfrage noch weiter</b> <b>nach hinten geschoben, mehr Zeit</b> <b>gewonnen, Zuverhandlungen.</b> <b>Es gibt ja schon Zugeständnisse</b> <b>amerikanischer Art auf den</b> <b>Technologiewerten beziehungsweise</b> <b>bei Technologien, genauso auf technischen</b> <b>Seite bei seltenen Erden,</b> <b>aber wie gesagt vielleicht</b> <b>bringen diese zusätzlichen Tage die</b> <b>Möglichkeit hier einen</b> <b>Durchbruch zu erzielen.</b>
<b>Ich persönlich bin da skeptisch, weil die</b> <b>Amerikaner nun mal</b> <b>nicht zulassen wollen, dass</b> <b>die Chinesen ihnen in der gleichen Art</b> <b>und Weise folgen</b> <b>können, technologisch wie sie</b> <b>es zuletzt gemacht haben.</b> <b>Werner Plumpe, der ehemalige Professor an</b> <b>der Goethe-Universität</b> <b>Frankfurt hat, da ein</b> <b>sehr interessantes Buch geschrieben, wo</b> <b>er sagt, dass im Grunde</b> <b>genommen die Pax Amerikaner</b> <b>nach dem Zweiten Weltkrieg von den</b> <b>Amerikanern aufrecht</b> <b>erhalten wurde, sie haben die Kosten</b> <b>ganz überwiegend davon getragen, andere</b> <b>sind in diesem</b> <b>Windschatten dann aufgestiegen,</b> <b>natürlich auch die Volksrepublik China</b>
<b>und das will man eben</b> <b>nicht mehr zulassen, zumindest</b> <b>nicht mehr kostenlos und deswegen oder</b> <b>unter anderem deswegen redet die</b> <b>amerikanische Administration</b> <b>ja auch über diese Zollfrage.</b> <b>Aber wie gesagt, es ist verschoben, die</b> <b>Präsidenten werden sich</b> <b>wahrscheinlich noch in diesem</b> <b>Jahr treffen und dann wird man sehen, wie</b> <b>die Entwicklung weitergeht.</b> <b>Nun ist China die zweitgrößte</b> <b>Volkswirtschaft der Welt und</b> <b>damit eben auch wichtig für</b> <b>die Weltwirtschaft.</b> <b>Zuletzt gab es schwache Konjunkturdaten,</b> <b>das Wachstum der</b> <b>Industrieproduktion bei, es</b> <b>spielt zwar im Reich der Mitte viel auf</b>
<b>den 8-Monat-Tief, das</b> <b>trübt natürlich ein Stück</b> <b>weit schon dann auch die</b> <b>Stimmung an den Märkten.</b> <b>Ja absolut, Jessica, natürlich spielt</b> <b>China hier eine ganz</b> <b>große Rolle, nach wie vor</b> <b>stärker im Export als im Binnenmarkt.</b> <b>Der Binnenmarkt ist es eigentlich, der</b> <b>schwächelt, da waren ja</b> <b>ohnehin schon die Zahlen auch für</b> <b>westliche Unternehmen in der jüngeren</b> <b>Vergangenheit nicht</b> <b>wirklich gut, wenn nicht nur an die</b> <b>Automobilindustrie, sondern auf die</b> <b>Absätze der deutschen</b> <b>Autohersteller in China verweisen</b> <b>darf.</b> <b>Und jetzt zuletzt, du hattest es gesagt,</b> <b>waren nicht nur die</b>
<b>Stimmungsindikatoren deutlich</b> <b>schlechter, sondern</b> <b>auch die harten Daten.</b> <b>Also wenn man sich die</b> <b>Einzelhandelsumsätze, die</b> <b>Industrieproduktion und</b> <b>auch die Investitionen</b> <b>anguckt, alles ausgesprochen schwach.</b> <b>Und man muss jetzt sehen, ich glaube,</b> <b>dass die Chinesen noch</b> <b>abwarten, eben wann dieses</b> <b>Treffen zwischen den beiden Präsidenten</b> <b>Chinas und der USA</b> <b>stattfindet, was das Ergebnis sein</b> <b>wird und dass man dann möglicherweise</b> <b>weitere Maßnahmen ergreift.</b> <b>Man hat ja schon fiskalisch das ein oder</b> <b>andere getan, auch auf der</b> <b>geldpolitischen Seite,</b> <b>da hängt man ja fast in der Deflation</b>
<b>drin, also die</b> <b>Inflation ist extrem niedrig.</b> <b>Und insofern könnte es schon sein, dass</b> <b>da auch in diesem Jahr noch</b> <b>weitere Stimmulosmaßnahmen</b> <b>fiskalischer oder</b> <b>geldpolitischer Art kommen werden.</b> <b>Apropos Binnenmarkt, womit wir bei den</b> <b>USA sind, auch die Stimmung der</b> <b>US-Konsumenten hat sich</b> <b>im August unerwartet eingetrübt.</b> <b>Woran lag denn das?</b> <b>Wieder die Zölle,</b> <b>wieder die Inflationssorge?</b> <b>Ja, es ist natürlich schon die</b> <b>Inflationserwartungen.</b> <b>Wir waren doch ein ganzes Stück</b> <b>zurückgegangen nach Umfragen der</b> <b>Universität von Michigan,</b> <b>die das sehr regelmäßig untersucht, also</b>
<b>nicht nur das</b> <b>Konsumentenvertrauen, sondern</b> <b>eben auch die Erwartungen in Inflation,</b> <b>in die Lageentwicklung</b> <b>und so weiter und so fort.</b> <b>Und dieser Index war insgesamt stark</b> <b>zurückgegangen und nochmal das lag vor</b> <b>allen Dingen auch an</b> <b>der Inflation und an der Lage.</b> <b>Das ist eben auch da</b> <b>eine Unsicherheit vorhanden.</b> <b>Immobilien sind entsprechend teuer</b> <b>geworden und man</b> <b>befürchtet, dass eben die Zölle dann</b> <b>doch am Ende den amerikanischen</b> <b>Konsumenten treffen könnten und wie</b> <b>gesagt die Erwartungen,</b> <b>Anhöre, Inflation sind da und damit die</b> <b>Stimmung insgesamt etwas schwächer.</b>
<b>Aus der US-Wirtschaft gab es noch einige</b> <b>andere Daten, einiger hast</b> <b>du vorhin schon kurz erwähnt,</b> <b>Einzelhandelsumsätze,</b> <b>Industrieproduktion, wir fielen die aus.</b> <b>Da trübt sich das Bild auch so ein</b> <b>bisschen ein, wieder mit Blick</b> <b>wahrscheinlich auf die Zölle.</b> <b>Ja, das ist absolut richtig.</b> <b>Die Einzelhandelsumsätze sind gefallen</b> <b>gegenüber dem vor, also</b> <b>der Anstieg ist geringer, als</b> <b>er zuvor gewesen ist.</b> <b>Der war im Juni noch bei plus 0,9</b> <b>gegenüber dem Mai und ist</b> <b>jetzt im Juli nur noch bei 0,5.</b> <b>Das war so erwartet worden.</b> <b>Jetzt über den Sommer auf Monatsebene,</b> <b>wie gesagt, die</b>
<b>Industrieproduktion war sogar</b> <b>ein Schnaps besser als zuvor.</b> <b>Insofern hier ein gemischtes Bild, aber</b> <b>es sieht so aus, wir</b> <b>hatten das ja schon diskutiert,</b> <b>dass die Zölle insgesamt zunächst mal von</b> <b>den Großhändlern genommen werden von den</b> <b>amerikanischen Importeuren und</b> <b>wahrscheinlich jetzt über das</b> <b>Weihnachtsgeschäft, was ja</b> <b>schon im Oktober losgeht.</b> <b>Meine Güte so weit zippen wir schon im</b> <b>Jahr, dass wir schon über</b> <b>Weihnachten reden können.</b> <b>Also ja, die Läger werden jetzt befüllt</b> <b>für das Weihnachtsgeschäft.</b> <b>Die waren gehen im September in die</b> <b>Geschäfte und im</b> <b>Oktober geht es dann los.</b>
<b>Und es ist wohl damit zu rechnen, dass</b> <b>dann im November,</b> <b>Dezember die Inflation sogar</b> <b>noch mal etwas ansteigen könnte, wenn</b> <b>denn dann die Zollkosten an die</b> <b>Verbraucher weitergegeben werden.</b> <b>Und viele Händler gehen ja, wir haben es</b> <b>schon besprochen davon</b> <b>aus, dass die US-Notenbank</b> <b>im September die Zinsen senken wird.</b> <b>Du auch.</b> <b>Wie groß dürfte der Schritt ausfallen?</b> <b>Ja, es gibt einige, vor allen Dingen der</b> <b>Kandidaten, die auf der Liste von Trump</b> <b>stehen, vom amerikanischen</b> <b>Präsidenten hier nachzurücken in das</b> <b>Board der</b> <b>Amerikanischen Notenbank, die von 50</b> <b>Basispunkten oder</b>
<b>sogar noch mehr sprechen.</b> <b>Das machen sie möglicherweise, um dann</b> <b>eben auch ausgewählt zu</b> <b>werden vom Präsidenten.</b> <b>Da kann man sich nie so ganz sicher sein.</b> <b>Kleines Bewerbungsgespräch.</b> <b>Aber das wäre schon eine Überraschung,</b> <b>wenn es 50 Basispunkte sein würden.</b> <b>Denn wie gesagt, die amerikanische</b> <b>Notenbank hat</b> <b>wahrscheinlich richtig reagiert, als sie</b> <b>noch zugewartet hat, weil eben die Zölle</b> <b>natürlich noch gar nicht wirken.</b> <b>Sie sind ja jetzt erst wirklich aktuell</b> <b>seit August und sie</b> <b>werden sich natürlich dann</b> <b>erst in den nächsten Wochen und Monaten</b> <b>in die Preise hinein fressen.</b>
<b>Sie sind auch zuerst von den</b> <b>Importeuren genommen worden.</b> <b>Also von daher war es richtig, glaube</b> <b>ich, zuerst mal zu warten.</b> <b>Jerome Powell wird ja am Ende der Woche</b> <b>eine Rede in Jackson Hall halten.</b> <b>Ich würde hier nichts Weltbewegendes</b> <b>erwarten, obwohl es</b> <b>wahrscheinlich seine letzte Rede</b> <b>in Jackson Hall als</b> <b>Notenbank-Gouverneur sein wird.</b> <b>Er bleibt ja im FOMC erhalten.</b> <b>Also im Board, ja.</b> <b>Genau, das wissen glaube ich viele.</b> <b>Also im Geldpolitischen Rat bleibt er</b> <b>drin, aber nicht mehr eben</b> <b>als Chairman, wenn Donald</b> <b>Trump und so sieht es ja nun sehr aus,</b> <b>ihn nicht da weiter</b>
<b>installiert, sondern ersetzen</b> <b>wird.</b> <b>Aber trotzdem, wie gesagt, würde ich da</b> <b>nicht jetzt Großes erwarten.</b> <b>Er hat, meine ich, immer großes</b> <b>diplomatisches Geschick bewiesen, hat</b> <b>hier sämtliche politischen</b> <b>Aussagen vermieden.</b> <b>Das wird er auch weiterhin tun.</b> <b>Und insofern glaube ich, dass die Märkte</b> <b>da relativ realistisch</b> <b>mit umgehen, wenn sie</b> <b>25 Basispunkte, also 0,25 Prozent Senkung</b> <b>im September erwarten.</b> <b>Denkst du, dass diese anhaltenden</b> <b>Spekulationen auf eine solche</b> <b>Lockerung der US-Geldpolitik</b> <b>den Aktienmarkten vielleicht in den</b> <b>nächsten Wochen nochmal</b> <b>ein bisschen Rückenwind geben</b>
<b>könnten?</b> <b>Ja, das ist sicherlich richtig.</b> <b>Also wenn die Zinsen fallen, dann dürfte</b> <b>das für die Aktien unterm Strich positiv</b> <b>sein.</b> <b>Wir sehen aber jetzt auch wieder in der</b> <b>Berichtssaison, dass der Aktienmarkt</b> <b>nicht der Aktienmarkt</b> <b>ist.</b> <b>Es ist im Grunde genommen wieder Big</b> <b>Tech, was hier läuft.</b> <b>Die Magnificent Seven, da war ja ein</b> <b>Unternehmen, was Autos baut,</b> <b>nicht ganz so doll, hat aber</b> <b>trotzdem im zweiten Quartal wieder 22</b> <b>Prozent plus bei den Gewinnen gebracht.</b> <b>Der Rest des S&P 500 dann 9 Prozent</b> <b>insgesamt waren es fürs</b> <b>zweite Quartal, ungefähr 13</b> <b>Prozent.</b>
<b>Also man sieht, dass hier Big Tech wieder</b> <b>das Maß aller Dinge ist.</b> <b>Das sind die Unternehmen, die am meisten</b> <b>steigenden Markt</b> <b>insgesamt nach oben ziehen.</b> <b>Dazu kommen dann noch Banken,</b> <b>Communication Services und die Industrie.</b> <b>Aber wie gesagt, das sind ganz</b> <b>überwiegend diese</b> <b>Technologiewerte, die das machen.</b> <b>Und ja, insofern differenziert, glaube</b> <b>ich, der Markt hier schon sehr stark aus.</b> <b>Und diejenigen, die natürlich dann</b> <b>zinsabhängiger sind, weil sie größere</b> <b>Gewinne in der Zukunft</b> <b>haben, die eben dann mit einem kleineren</b> <b>Diskonserts auf den heutigen Tag abgezint</b> <b>werden, die profitieren</b>
<b>eben dann in besonderer</b> <b>Weise nochmal von Zinssenkung.</b> <b>Nun haben wir den S&P 500, einen Nasdaq</b> <b>100 oder auch den DAX,</b> <b>die wirklich ja knapp unter</b> <b>ihren Rekordhochst notieren.</b> <b>Ich habe am Wochenende in einem</b> <b>Newsletter und der kann</b> <b>nicht von einem Crashpropheten,</b> <b>sondern von einer renommierten deutschen</b> <b>Wirtschaftszeitung, die</b> <b>wir beide sehr gut kennen.</b> <b>Also in diesem Newsletter habe ich am</b> <b>Wochenende gelesen von</b> <b>einem Tanz auf dem Vulkan, von</b> <b>einer seltsamen Gelassenheit der Märkte.</b> <b>Teilst du das?</b> <b>Oder ist das irgendwie einfach nur ein</b> <b>mulmiges Gefühl eines Journalisten?</b>
<b>Also ich werde das immer wieder gefragt,</b> <b>zuletzt auch von der Frankfurter</b> <b>Allgemeinen Zeitung,</b> <b>wo ich ein Interview geben durfte.</b> <b>Und ja, natürlich haben wir ausreichend</b> <b>Probleme zu diskutieren,</b> <b>die auch gelöst werden müssen.</b> <b>Wir sprachen ja schon über das Treffen,</b> <b>was auch heute wieder in</b> <b>Washington stattfindet,</b> <b>zur geopolitischen Lage, über die</b> <b>Notenbanken, über die</b> <b>Konjunktur, dass die Bundesregierung</b> <b>auf der wirtschaftspolitischen Seite</b> <b>immer noch ein wenig</b> <b>zögerlich ist und es mal vorsichtig</b> <b>auszudrücken.</b> <b>Also diese Sachen sind</b> <b>sicherlich alle richtig.</b> <b>Auf der anderen Seite aber guckt der</b>
<b>Markt natürlich dann auf das Jahr 2026.</b> <b>Man erwartet hier mehr Fiskalprogramme,</b> <b>insbesondere in Europa, aber auch in den</b> <b>Vereinigten Staaten,</b> <b>dass die Steuersenkungen spürbar werden,</b> <b>Deregulierungen spürbar werden, also</b> <b>unterm Strich, wir möglicher</b> <b>Weise mehr Wachstum sehen werden in 2026</b> <b>und natürlich die</b> <b>Unternehmen einfach liefern.</b> <b>Also Sie haben jetzt, ich hatte das ja</b> <b>gerade angesprochen, im</b> <b>zweiten Quartal hervorragend</b> <b>abgeliefert, vor allen Dingen in den</b> <b>Staaten von Amerika.</b> <b>In Europa war es deutlich moderater,</b> <b>obwohl auch die</b> <b>Überraschungen, also gegenüber den</b> <b>Erwartungen der Analysten auch Europa</b>
<b>recht ordentlich war.</b> <b>Vor diesem Hintergrund werden die</b> <b>Gewinnerentwicklungen in 2026, 2027</b> <b>besser erwartet, als sie das</b> <b>in 2025 sind und wie gesagt, also diese</b> <b>Besserung nach vorne,</b> <b>diese bessere Konjunktur, diese</b> <b>höheren Gewinne bei den Unternehmen, das</b> <b>ist das, was der Markt</b> <b>glaube ich im Moment einpreist,</b> <b>guckt ein bisschen durch das aktuelle</b> <b>Nebel hindurch und</b> <b>preist eben Richtung 2026,</b> <b>das muss ich sozusagen als Disclaimer</b> <b>noch einbauen, man</b> <b>natürlich sagen muss, dass</b> <b>die Bewertungen</b> <b>relativ ambitioniert sind.</b> <b>Aber nochmal, auch hier ist es sehr, sehr</b> <b>differenziert, der</b>
<b>Markt geht recht rational,</b> <b>nicht radikal, rational mit den Dingen um</b> <b>und hat</b> <b>beispielsweise bei den Automobilien</b> <b>die Gewinnerwartungen ja um 30 Prozent</b> <b>zurückgenommen, wo er</b> <b>entgegen er sie bei Technologie</b> <b>oder bei Finanzen eher angehoben hat.</b> <b>Trotzdem werden ja diese Zölle irgendwann</b> <b>auf die Gewinne</b> <b>durchschlagen, das hast du</b> <b>vorhin ja auch gesagt, das könnte</b> <b>vielleicht jetzt schon im</b> <b>dritten Quartal kommen, das</b> <b>dann erleben wir vielleicht so ein</b> <b>bisschen eine Stunde der</b> <b>Wahrheit, vielleicht auch</b> <b>erst im vierten.</b> <b>Und trotzdem glaubt man, dass nächstes</b> <b>und übernächstes Jahr</b>
<b>die Gewinne weiter sprudeln</b> <b>werden, ich kann mir das nicht so richtig</b> <b>vorstellen angesichts</b> <b>der Zollsätze, die da</b> <b>mit unterdiskutiert werden oder auch</b> <b>schon verhängt worden sind.</b> <b>Also ich glaube, da hast du mich nicht</b> <b>ganz richtig verstanden,</b> <b>aber ich habe mich unglücklich</b> <b>ausgedrückt.</b> <b>Ich glaube ja, das ist ein Großteil der</b> <b>Zölle vom</b> <b>amerikanischen Konsumenten und nicht</b> <b>von den Unternehmen bezahlt werden.</b> <b>Aber die haben dann auch</b> <b>weniger Geld um zu konsumieren?</b> <b>Ja, absolut.</b> <b>Und deine zahlt die Rechnung?</b> <b>Ja, absolut.</b> <b>Aber sie kriegen es dann sozusagen über</b>
<b>Steuersenkungen wieder ausgeglichen.</b> <b>Man muss natürlich auch, wenn man über</b> <b>Importe in den USA redet,</b> <b>dann den Dollar noch mit</b> <b>im Blick haben.</b> <b>Was ich sagen wollte ist, dass eine</b> <b>bedeutende amerikanische Bank letzte</b> <b>Woche war es, glaube</b> <b>ich, gesagt hat, dass gut zwei Drittel</b> <b>dieser Zölle vom amerikanischen</b> <b>Konsumenten getragen</b> <b>werden müssen.</b> <b>Diese Bank hat sich dann auch einen</b> <b>Aufruf des amerikanischen</b> <b>Präsidenten dafür gehandelt.</b> <b>Aber das kann schon sein.</b> <b>Also dass ein Teil natürlich bei den</b> <b>Exporteuren rund um den</b> <b>Globus hängen bleibt, auf deren</b> <b>Margen gehen, die werden wahrscheinlich</b>
<b>dann versuchen, die</b> <b>Kosten über andere, weitere</b> <b>Produkte, andere Regionen weiterzugeben,</b> <b>sodass sie die Margen</b> <b>versuchen zu halten.</b> <b>Die Importeure werden wahrscheinlich ein</b> <b>bisschen was nehmen.</b> <b>Und wie gesagt, nach den meisten Analysen</b> <b>momentan geht man davon</b> <b>aus, dass der Großteil</b> <b>von den amerikanischen Konsumenten</b> <b>getragen werden muss.</b> <b>Wie stelle ich mich jetzt auf für die</b> <b>nächsten Wochen, für die</b> <b>nächsten Monate, für die</b> <b>nächsten Jahre?</b> <b>Ja, ich wäre gar nicht so entsetzlich</b> <b>pessimistisch, wie ich das</b> <b>vorhin schon gesagt habe, mit</b> <b>Zöllen auf 2026.</b> <b>Es können immer Unfälle passieren.</b>
<b>Wir haben jetzt wieder Washington, wir</b> <b>haben die Notenbanken, die tagen werden.</b> <b>Mal gucken, welche Aussagen es gibt und</b> <b>wie dann die Maßnahmen</b> <b>nach vorne hin aussehen</b> <b>werden.</b> <b>Wir haben auch nach wie vor</b> <b>natürlich die Zoll-Diskussion.</b> <b>Wir hören ja oder der amerikanische</b> <b>Präsident hört ja nicht,</b> <b>weil den allgemeinen Zöllen</b> <b>auf, sondern belegt auch immer wieder</b> <b>einzelne Sektoren dann mit Zöllen.</b> <b>Wir haben jetzt schon einen Anstieg von</b> <b>ungefähr 2%, die es noch</b> <b>Joe Biden's Zeiten gab, auf</b> <b>über 15%.</b> <b>Und wenn jetzt Sektorale Zölle</b> <b>dazukommen, Farmerprodukte, Chips usw.</b>
<b>Dann kann das noch</b> <b>weiter nach oben gehen.</b> <b>Und das führt natürlich immer zu</b> <b>ineffizienzend zu anderen</b> <b>Produktionsumwägen, Lieferketten</b> <b>usw.</b> <b>Also deswegen würde ich im Moment noch</b> <b>nicht mein ganzes Geld</b> <b>auf Aktien investieren.</b> <b>Wir sind allerdings etwas zu vorsichtig,</b> <b>muss man schon fast</b> <b>sagen, gewesen nach der</b> <b>Rücknahme oder dem Verschieben der Zölle</b> <b>seit April haben da ein wenig Performance</b> <b>auf der Straße liegen gelassen.</b> <b>Dazu kostet natürlich immer der Dollar,</b> <b>da muss man auch ein</b> <b>Auge drauf haben, gerade</b> <b>wenn man in Amerika investiert.</b> <b>Aber wie gesagt, nach vorne kann es immer</b>
<b>mal eine Korrektur geben.</b> <b>Ich glaube aber, dass die Märkte in 12</b> <b>Monaten höher stehen werden als heute,</b> <b>weil die Unternehmen</b> <b>liefern und weil wir eine</b> <b>bessere Konjunktur sehen.</b> <b>Und dann würde ich mich vor allen Dingen</b> <b>konzentrieren auf</b> <b>Europa mit Industrie und</b> <b>Dingen, die wir eben brauchen, um dann</b> <b>auch die Infrastruktur etc. auszubauen.</b> <b>Vielleicht gibt es ja auch einen Frieden,</b> <b>hoffentlich gibt es einen</b> <b>Frieden mit der Ukraine.</b> <b>Da müssen wir sicherlich auch sehr</b> <b>deutliche Beträge investiert werden.</b> <b>Und in den Vereinigten Staaten sind es</b> <b>eben nach wie vor die Digital Earnings.</b>
<b>Ich glaube, dass wir ganz am Anfang</b> <b>künstlichen Intelligenz</b> <b>stehen, dass wir da noch eine</b> <b>Revolution erleben werden.</b> <b>Und insofern wäre ich im Moment neutral,</b> <b>vielleicht ein bisschen drüber, will hier</b> <b>auch keine Vorratsbeschlüsse</b> <b>fassen, würde aber nach vorne hin</b> <b>wahrscheinlich dann doch übergewichtet in</b> <b>das Vertequatal hineingehen.</b> <b>Da ist er wieder der reinische</b> <b>Optimismus, der uns</b> <b>Anlegerinnen und Anleger so gut tut.</b> <b>Vielen lieben Dank, lieber Uli.</b>