PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast· Folge 342
Herbstkorrektur oder neue Rekorde?
Dienstag, 2. September 2025 · 17 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Droht im Herbst eine Korrektur an den Börsen – oder stehen neue Rekorde bevor? Zinsen, Zölle, Inflation und Geopolitik sorgen für Unsicherheit und Gesprächsstoff unter Anlegern. Die aktuelle Lage von Wirtschaft und Märkten analysieren Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer in der aktuellen Folge von PERSPEKTIVEN To Go.
Haben Sie Themenwünsche? Schreiben Sie sie uns: perspektiven-am.morgen@db.com
Ein Transkript dieser Episode finden Sie hier: perspektiventogo.podigee.io/342-herbstkorrektu…
Quelle für Wert- und Preisentwicklungen sowie Zinsprognosen: Bloomberg. Quelle für Erwartungen der Unternehmensgewinne: LSEG Datastream.
Sofern nicht anders gekennzeichnet, ist die Quelle für alle getroffenen Aussagen die Deutsche Bank und alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.
Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.
HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Inhalte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
<b>Der August war ein etwas zäher Monat. Wie</b> <b>immer haben Börsianer die Handelspolitik</b> <b>von US-Präsident Donald Trump und seine</b> <b>Zölle umgetrieben. Auch die</b> <b>Geldpolitik der Notenbanken</b> <b>war und ist Thema. Wie geht es weiter?</b> <b>Denn nun ist September</b> <b>traditionell einer der</b> <b>schwächeren Börsenmonate. Uli Stephan von</b> <b>der Deutschen Bank</b> <b>ordnet die Lage mit mir</b> <b>gemeinsam. Mein Name ist Jessica</b> <b>Schwarzer. Damit herzlich</b> <b>willkommen zu den Perspektiven.</b> <b>Uli, ich lese aktuell viel von einer</b> <b>möglichen Herbstkorrektur.</b> <b>Und das nicht nur in Social</b> <b>Media, sondern auch in der ein oder</b> <b>anderen renommierten</b>
<b>Zeitung in einigen Magazinen.</b> <b>Ist da was dran? Ja, die Börsen sind</b> <b>sicherlich nicht preiswert bewertet, auch</b> <b>nicht im historischen</b> <b>Kontext. Wir haben eine deutliche Rallye</b> <b>gesehen, seitdem die Zölle</b> <b>im April ausgesetzt worden</b> <b>waren und dann auf einem niedrigeren</b> <b>Niveau, als sie zunächst Anfang April</b> <b>angegeben worden sind,</b> <b>wieder eingeführt wurden. Vor allen</b> <b>Dingen hat das dann auch bei</b> <b>Sektoren, die bisher nicht so</b> <b>gut gelaufen sind, wie beispielsweise</b> <b>Medizin, Pharma, zu einer</b> <b>gewissen Entlastung geführt,</b> <b>weil es jetzt zumindest eine Sicherheit</b> <b>gibt. Man muss aber immer</b>
<b>vorsichtig sein, wenn man</b> <b>Korrekturen oder ähnliches</b> <b>prognostiziert, denn man muss ja dann ein</b> <b>Preismodell im Kopf haben und</b> <b>man muss also glauben, dass man es besser</b> <b>weiß als der Markt. Von</b> <b>daher würde ich eher gucken,</b> <b>was kann denn in Zukunft passieren und</b> <b>eine solche Korrektur</b> <b>auslösen. Und da haben wir natürlich</b> <b>ein paar Verdächtige, die da vorhanden</b> <b>sind. Wir haben die</b> <b>Diskussion um die Notenbanken,</b> <b>wir haben die Berichtssaison, die ja dann</b> <b>im Oktober wieder</b> <b>anfängt und wo es bei dem</b> <b>ein oder anderen Unternehmen sicherlich</b> <b>Zweifel gibt. Wir haben</b> <b>möglicherweise eine höhere</b>
<b>Inflation durch die Zölle. Also ich will</b> <b>sagen nur eine kleine Auswahl von</b> <b>möglichen Kandidaten</b> <b>hier, die eine Korrektur auslösen können.</b> <b>Weitere Kandidaten, von</b> <b>denen ich auch gelesen</b> <b>habe, waren die Angst vor ausuferenden</b> <b>Staatsschulden in den USA, aber nicht nur</b> <b>dort. Da sind wir dann</b> <b>wahrscheinlich auch wieder im Grunde bei</b> <b>der Notenbankpolitik und dann</b> <b>eben auch ein Korrekturbedarf</b> <b>bei amerikanischen Tech-Aktien. Ja, die</b> <b>Fiskalpolitik ist natürlich nicht</b> <b>unbekannt für die Märkte,</b> <b>vor allen Dingen den Vereinigten Staaten.</b> <b>Wissen wir das mit dem</b> <b>One Big Beautiful Bill,</b>
<b>die US-Schulden, sehr wahrscheinlich</b> <b>Richtung beziehungsweise</b> <b>über 40 Billionen US-Dollar</b> <b>laufen werden. Wir haben auch fiskalische</b> <b>Programme in Deutschland,</b> <b>die natürlich auf einem sehr</b> <b>viel niedrigeren Niveau stattfinden, aber</b> <b>auch hier die Verschuldung etwas nach</b> <b>oben schieben werden</b> <b>für die Bundesrepublik, der mit könnte</b> <b>natürlich auch in Europa wieder</b> <b>Diskussionen aufkommen,</b> <b>wenn sozusagen der in Anführungs- und</b> <b>Stabilitätsanker in Europa auch die</b> <b>fiskalischen Schleusen aufmacht.</b> <b>Und wir haben natürlich die Diskussion um</b> <b>Frankreich im Moment, wo ja der</b> <b>Premierminister aufgrund</b>
<b>der nicht akzeptierten Sparmaßnahmen oder</b> <b>bisher nicht</b> <b>akzeptierten Sparmaßnahmen der</b> <b>Opposition eine Vertrauensfrage stellen</b> <b>wird. Also ja, die</b> <b>Fiskalpolitik ist natürlich immer ein</b> <b>Thema und insofern kann auch das dann</b> <b>nochmal zu Irritationen</b> <b>an den Börsen führen. Haben</b> <b>denn auf diese ganzen Diskussionen, auf</b> <b>diese ganzen Ängste, die da</b> <b>im Moment diskutiert werden,</b> <b>vielleicht die Bondmärkte, also</b> <b>Anleihemärkte, schon reagiert?</b> <b>Ja, auf der Sovereign-Seite sind</b> <b>die Zinsen in Europa ein bisschen</b> <b>gestiegen. Das kann man nicht von der</b> <b>Hand weisen, Bunds und aber</b> <b>auch OATs in Frankreich, also die</b>
<b>französischen Staatsanleihen, die sich</b> <b>sehr stark, vor allen</b> <b>Dingen italienischen nähern, bei um die</b> <b>3,5 Prozent Rendite im</b> <b>Moment. Also da ist es ein bisschen</b> <b>nach oben gegangen, aber nichts</b> <b>gravierendes. Also man sieht hier nicht,</b> <b>dass da irgendwelche</b> <b>Extremfälle sind, überhaupt gar nicht zu</b> <b>vergleichen mit der</b> <b>Finanzkrise vor 15 Jahren,</b> <b>sondern sehr moderat und möglicherweise</b> <b>eben im Zusammenhang mit diesen höheren</b> <b>fiskalischen Ausgaben. Auf der Seite der</b> <b>Corporate Bonds im</b> <b>Gegensatz sind die Spreads extrem</b> <b>zusammengelaufen, sowohl im Bereich</b> <b>Investment Grade, der sehr</b>
<b>guten Bonitäten, wie auch der</b> <b>schlechten Bonitäten. Da würde ich sagen,</b> <b>signalisiert der Markt</b> <b>überhaupt keinen Stress.</b> <b>Ich finde über Südeuropa könnten wir in</b> <b>der nächsten Woche noch</b> <b>mal detaillierter sprechen,</b> <b>super spannendes Thema im Moment. Schauen</b> <b>wir mal kurz auf den DAX,</b> <b>der läuft ja weiterhin ganz</b> <b>gut, wenn auch etwas der Schwung raus ist</b> <b>und beobacht das Sehen, da gewisse</b> <b>Ermüdungsscheinungen</b> <b>kriegt er noch mal ein bisschen, nimmt er</b> <b>noch mal ein bisschen Fahrt</b> <b>auf, wenn dann nun endlich</b> <b>der Herbst der Reformen, oder wie das so</b> <b>schön heißt, bei der</b> <b>Bundesregierung startet.</b>
<b>Naja, ich glaube, dass das eher Themen</b> <b>dann tatsächlich für den</b> <b>MDAX oder vielleicht sogar</b> <b>den SDAX sind. Wir erleben ja seit drei</b> <b>Jahren jetzt ein, sagen wir</b> <b>mal, sehr niedriges Wachstum</b> <b>in der Bundesrepublik Deutschland und</b> <b>trotzdem ist der deutsche Aktienindex ja</b> <b>sehr stark gestiegen,</b> <b>nicht nur in diesem Jahr, sondern auch im</b> <b>letzten Jahr und da sieht</b> <b>man, dass dieser direkte</b> <b>Zusammenhang zwischen der</b> <b>volkswirtschaftlichen Entwicklung und den</b> <b>Aktienkursen nicht vorhanden</b> <b>ist. Für den DAX kommt es viel mehr auf</b> <b>die Weltkonjunktur an, kommt es auf</b> <b>China, kommt es auf die USA an.</b>
<b>Ich glaube, 80 Prozent der Umsätze machen</b> <b>die DAX-Konzerne, oder</b> <b>ein bisschen mehr sogar, im</b> <b>Ausland, richtig? Ja, das ist absolut</b> <b>korrekt. Es sind, ich</b> <b>meine, 84 Prozent, die dort im</b> <b>Durchschnitt, das ist natürlich sehr</b> <b>unterschiedlich wiederum von Unternehmen</b> <b>zu Unternehmen. Aber ja,</b> <b>so ist es. Dazu gehört natürlich auch</b> <b>dann das europäische Ausland und wie</b> <b>gesagt, das sind die</b> <b>wichtigeren Faktoren für den deutschen</b> <b>Aktienindex. Insofern muss</b> <b>man auf die Weltkonjunktur ein</b> <b>Stück mehr gucken und auf die Branchen</b> <b>und wie sie denn dann jetzt mit den</b> <b>Zöllen umgehen können</b>
<b>oder auch nicht, wenn man eine Prognose</b> <b>zum deutschen</b> <b>Aktienindex machen möchte. Aber ab</b> <b>pro Branchen, so ein paar Superstars der</b> <b>vergangenen Monate mussten</b> <b>kleinere oder größere Rücksetzer</b> <b>hinnehmen zuletzt zum Beispiel</b> <b>Bankaktien. Sind das nur Gewinnmitnahmen</b> <b>oder braut sich da was zusammen?</b> <b>Ja, ich glaube, dass das tatsächlich mit</b> <b>der französischen Situation</b> <b>zusammenhängt, wenn ein</b> <b>Staat, wenn diskutiert wird und wir sehen</b> <b>hier keine, also überhaupt gar kein</b> <b>Vergleich zur Finanzkrise,</b> <b>aber mal schauen, wie denn diese</b> <b>Vertrauensabstimmung dann nächste Woche</b> <b>ausgeht und was denn dann</b>
<b>als nächstes passiert, ob es Neuwahlen</b> <b>zum Parlament gibt oder ob</b> <b>es einen neuen Premierminister</b> <b>geben wird, der möglicherweise mit</b> <b>besseren Argumenten dann auch</b> <b>Oppositionsparteien dazu</b> <b>überreden kann, dem neuen Haushalt</b> <b>zuzustimmen. Also das wissen wir alles</b> <b>noch nicht und werden</b> <b>wir natürlich sehen. Aber das wie gesagt</b> <b>mit den Erfahrungen, die</b> <b>wir da damals gemacht haben,</b> <b>führt dann dazu, dass die Bankaktien, die</b> <b>ja sehr, sehr gut gestiegen</b> <b>sind, jetzt ein paar Gewinne</b> <b>mitnehmen bzw. die Investoren sagen, ach</b> <b>komm, bevor da irgendwo</b> <b>ein Risiko ist, nehme ich mal</b> <b>Gewinne mit und die Sache beruhigt sich</b>
<b>ein bisschen. Also da</b> <b>würde ich auch noch keine Panik</b> <b>oder sowas ausrufen, sondern würde sagen,</b> <b>das ist eine relativ normale Entwicklung.</b> <b>Schauen wir auf die größte</b> <b>Volkswirtschaft der Welt, die</b> <b>USA. Es hat Zahlen zum zweiten</b> <b>Quartal gegeben, die US-Wirtschaft ist</b> <b>3,3 Prozent gewachsen,</b> <b>trotzdem ziehen aber da auch</b> <b>schon kleinere Wölkchen auf. Wie steht es</b> <b>um die US-Wirtschaft, vor</b> <b>allem auch mit Blick nach vorne?</b> <b>Ja, wir kriegen ja noch den</b> <b>Arbeitsmarktbericht.</b> <b>Ich glaube, der ist sehr entscheidend für</b> <b>die Fragestellung, ob</b> <b>die amerikanische Not</b> <b>Bank und wie viel Sie und wann Sie die</b>
<b>Zinsen senken wird? Ich</b> <b>glaube, dass das passieren wird</b> <b>Mitte September um 25 Basispunktische und</b> <b>Powell hatte in Jackson Hole</b> <b>hier die Tür aufgemacht,</b> <b>weil eben die Wirtschaft ja immer noch</b> <b>relativ stark wächst. Aber</b> <b>man darf nicht vergessen,</b> <b>die Zölle kommen natürlich jetzt erst</b> <b>wirklich zur Wirkung im</b> <b>dritten Quartal. Wir werden</b> <b>wahrscheinlich eine etwas höhere</b> <b>Inflation haben. Die PCE, also das</b> <b>breitere Maß für die Inflation,</b> <b>ist auch leicht gestiegen, zumindest in</b> <b>der Kernrate. Das Uni Michigan</b> <b>Konsumentenvertrauen ist deutlicher</b> <b>zurückgegangen, in der Erwartung eben,</b>
<b>dass die Preise steigen werden und</b> <b>insofern kann es schon</b> <b>sein, dass die Zölle zu einer</b> <b>Verlangsamung der amerikanischen Dynamik,</b> <b>wirtschaftlichen Dynamik</b> <b>führen werden und dass die amerikanische</b> <b>Notenbank dann eben auch die Zinsen</b> <b>senken wird. Ich habe</b> <b>gelesen, dass für das dritte Quartal, je</b> <b>nachdem, wie man fragte,</b> <b>die Erwartungen im Bereich von</b> <b>2 bis 2,5 Prozent pendeln und das gesamte</b> <b>Jahr werden dann noch so</b> <b>knapp 2 Prozent erwartet. Das</b> <b>ist schon ein deutlicher Dämpfer für die</b> <b>US-Wirtschaft, oder? Ja, ich</b> <b>denke schon, dass es unter 2</b> <b>Prozent liegen wird. Wir haben ja ein</b>
<b>wirklich nicht gutes erstes Quartal</b> <b>gehabt mit viel Unsicherheit,</b> <b>Vorzugseffekten, vielen Importen. Das ist</b> <b>dann sozusagen</b> <b>ausgeglichen worden im 2. Quartal,</b> <b>deswegen muss man etwas vorsichtig sein</b> <b>mit den konkreten</b> <b>Quartalszahlen. Aber nach vorne,</b> <b>nochmal, werden die Zölle jetzt wirken?</b> <b>Die Preise, die höheren</b> <b>Preise, also die Zölle,</b> <b>werden im Moment von den amerikanischen</b> <b>Importeuren geschluckt. Die</b> <b>werden die aber irgendwann</b> <b>weitergeben an die Konsumenten und</b> <b>nochmal. Dann kostet das</b> <b>Kaufkraft. Wir wissen alle,</b> <b>dass der Konsument in Amerika derjenige</b> <b>ist, der ganz maßgeblich die</b>
<b>Volkswirtschaft nach oben</b> <b>treibt. Und wenn hier Kaufkraft Verluste</b> <b>drohen, höhere Inflation,</b> <b>dann ist das möglicherweise</b> <b>verbunden mit einem etwas schwächeren</b> <b>Arbeitsmarkt auch das Signal</b> <b>für die Fed zu senken, weil</b> <b>eben die Wirtschaft etwas schwächer</b> <b>wachsen könnte. Du hast</b> <b>gerade schon das Notenbank</b> <b>treffend in Jackson Hole angekündigt. Das</b> <b>ist ja so eine Tradition</b> <b>immer im späten August. Gab's</b> <b>da noch andere Impulse, andere</b> <b>Nachrichten, die spannend waren außer</b> <b>eben, dass Jerome Powell die</b> <b>Zinssenkung angekündigt oder in Aussicht</b> <b>gestellt hat? Also der Markt hat</b> <b>sicherlich ganz maßgeblich</b>
<b>über Jerome Powell diskutiert. Ja auch,</b> <b>weil die amerikanische</b> <b>Administration, also nicht nur der</b> <b>Präsident selbst, sondern auch in seinem</b> <b>Umfeld über die Geldpolitik</b> <b>diskutiert wird, hier immer</b> <b>wieder Vorschläge kommen, sowohl was die</b> <b>Zinsen selbst angeht, aber</b> <b>auch was das Personal angeht.</b> <b>Und insofern war das sicherlich der ganz</b> <b>gravierende, der ganz</b> <b>entscheidende Beitrag, der viel</b> <b>öffentliche Wahrnehmung genossen hat vor</b> <b>dem Hintergrund, dass</b> <b>eben die US-Administration</b> <b>auf Zinssenkungen setzt und der</b> <b>Notenbank-Gouverneur jetzt</b> <b>erstmalig die Tür aufgemacht hat,</b> <b>dass es eben auch im September zu diesen</b>
<b>Zinssenkungen kommen kann.</b> <b>Zinssenkungen heißen ja an</b> <b>den Bondmärkten, dass auch die Renditen</b> <b>fallen. Wie haben denn die Märkte</b> <b>unmittelbar darauf reagiert</b> <b>und was bekomme ich jetzt noch für</b> <b>amerikanische Staatsanleihen, die</b> <b>sogenannten US-Treasuries?</b> <b>Also Jessica, man muss ein bisschen</b> <b>vorsichtig sein. Die Notenbank beherrscht</b> <b>eben typischerweise,</b> <b>es sei denn, sie macht</b> <b>Offenmarktoperationen, also kauft oder</b> <b>verkauft, Staatsanleihen,</b> <b>beeinflusst die Notenbank typischerweise</b> <b>das kurze Ende. Also</b> <b>wenn es Spekulationen gibt,</b> <b>um Zinssenkungen in den USA oder auch in</b> <b>anderen Regionen, dann</b>
<b>siehst du das vor allen Dingen</b> <b>in den kurzlaufenden Anleihen, also bis</b> <b>zwei Jahre. Das lange Ende kommt dann</b> <b>darauf an, wie es sozusagen</b> <b>die Zinssenkungen interpretiert.</b> <b>Interpretiert ist sie wirklich, weil die</b> <b>Inflation zurückkommt,</b> <b>weil möglicherweise die Wirtschaft ein</b> <b>bisschen schwächer läuft</b> <b>oder diskutiert der Markt,</b> <b>dass hier eher doch politische Erwägungen</b> <b>am Zuge sind, die die</b> <b>Notenbank dazu verleiten</b> <b>könnten, die Zinsen zu senken. Und</b> <b>insofern kann man nicht eins zu eins</b> <b>sagen, dass sozusagen die</b> <b>gesamte Zinsstrukturkurve, also das</b> <b>gesamte Laufzeitband bis zehn oder</b>
<b>dreißig Jahre über die</b> <b>Geldpolitik dann beeinflusst werden. Wir</b> <b>haben hier eben jetzt</b> <b>gehabt einen doch deutlicheren</b> <b>Rückgang der kurzen Zinsen. Die langen</b> <b>Zinsen, also die</b> <b>zehnjährigen sind in etwa auf dem Niveau</b> <b>geblieben. Sie pendeln schon die ganze</b> <b>Zeit in einem Band, sagen wir mal</b> <b>zwischen 420 und 460. Und</b> <b>das ist wohl auch für die nahezukunft zu</b> <b>erwarten, dass es dabei</b> <b>bleibt. Das klingt natürlich</b> <b>erstmal super, wenn ich jetzt sicher Geld</b> <b>packen wollen würde,</b> <b>deutlich höher als Bundesanleihen,</b> <b>aber ich darf mich dann natürlich als</b> <b>Euroanlegerin nicht</b> <b>blenden lassen,</b>
<b>in Anführungsstrichen, Stichwort:</b> <b>Dollarschwäche. Ja natürlich, wenn man</b> <b>US-Treasuries, aber auch</b> <b>wenn man Aktien oder Unternehmensanleihen</b> <b>in den Vereinigten Staaten</b> <b>kauft, ist man natürlich im</b> <b>US-Dollar. Normalerweise ist das nicht so</b> <b>ein Thema, weil die</b> <b>Währung sich nicht so gravierend</b> <b>bewegen. Wir haben aber beim ersten</b> <b>Halbjahr und wir hatten das</b> <b>hier in der Stelle ja schon</b> <b>mehrfach diskutiert. Diesen Jahres eine</b> <b>Entwicklung beim Dollar, wie wir sie</b> <b>zuletzt 1973 gesehen</b> <b>haben. Also schon eine sehr dynamische</b> <b>Abwertung. Ich glaube, dass das meiste</b> <b>gesehen ist, aber es</b>
<b>kann natürlich sein, gerade dann, wenn</b> <b>sich die</b> <b>US-Administration weiter auf die Notenbank</b> <b>konzentriert und dort Zinssenkungen</b> <b>fordert, dass der Markt hier</b> <b>eine etwas höhere Risikoprämie</b> <b>auch am langen Ende fordert, weil es</b> <b>sicherlich Markteilnehmer dann geben</b> <b>wird. Die werden sagen,</b> <b>naja, guck mal hier, die Inflation ist</b> <b>nach wie vor zu hoch deutlich über der</b> <b>Zielmarke. Die Zölle</b> <b>könnten die Inflation noch weiter</b> <b>anschieben, dann die Zinsen zu senken,</b> <b>ist eben nicht richtig. Und</b> <b>deswegen könnte das lange Ende dann ein</b> <b>Stück weit nach oben</b> <b>tendieren und eben auch den Dollar</b>
<b>schwächen. Das heißt, lieber erstmal die</b> <b>Finger weg von den</b> <b>US-Staatsanleihen und doch lieber die</b> <b>Bundesanleihe wählen, weil im Zweifel</b> <b>Distanz plus, was ich in den</b> <b>USA habe, vom Dollar, von der</b> <b>Dollar Schwäche aufgefressen wird. Das</b> <b>kann durchaus passieren,</b> <b>dessen muss sich der Anleger</b> <b>einfach bewusst sein, wenn er investiert.</b> <b>Grundsätzlich kann man natürlich</b> <b>diversifizieren. Wir wissen ja</b> <b>alle nicht, was morgen und übermorgen</b> <b>passiert und sowohl das eine wie das</b> <b>andere tun. Aber nochmal,</b> <b>wenn man im Dollar investiert und gerade</b> <b>das bei Anleihen tut, dann</b> <b>ist man eben auch am Dollar</b>
<b>gebunden. Bei den Aktien sieht es ein</b> <b>bisschen anders aus, wenn nämlich der</b> <b>Dollar schwächer wird,</b> <b>dann werden sozusagen die im Ausland</b> <b>erzielten Gewinne der</b> <b>Unternehmen in Dollar höher sein,</b> <b>in der Rückrechnung für die Bilanz. Also</b> <b>sie werden dann höhere</b> <b>Gewinnezeit ceteris paribus ausweisen,</b> <b>so wenn man alles andere sozusagen mal</b> <b>weglässt. Und insofern ist</b> <b>das bei den Aktien dann wieder</b> <b>zu relativieren, wohin gegen bei den</b> <b>Bonds der Schwächere Dollar direkt</b> <b>durchschlagen würde.</b> <b>Weil dazu noch ein bisschen mehr wissen</b> <b>möchte. Dazu hatten wir vor einigen</b> <b>Wochen auch ein Podcast,</b>
<b>den sollte man leicht finden können. Du</b> <b>hast gerade die nächsten Tage, Wochen,</b> <b>Monate nochmal kurz angesprochen. Ich</b> <b>habe natürlich eine</b> <b>Glaskugel-Frage für dich,</b> <b>weil ich ja weiß, dass du die so gar</b> <b>nicht leiden kannst. Uli zieht</b> <b>auch schon eine Schnute. Also</b> <b>wird es ein heißer Herbst mit Korrekturen</b> <b>oder wird es ein</b> <b>sportlicher Herbst mit neuen Rekorden?</b> <b>Oder wird es total ruhig und langweilig</b> <b>wie im August mit einigen</b> <b>kleineren Schwankungen dank</b> <b>Ja, man muss schon sagen, dass die</b> <b>Unternehmen geliefert haben.</b> <b>Und gerade in den Vereinigten</b> <b>Staaten in Europa sieht das ein bisschen</b>
<b>anders aus. Da waren die</b> <b>Gewinneentwicklungen im Vergleich</b> <b>zum Vorjahr doch deutlich schwächer, als</b> <b>das in den Vereinigten</b> <b>Staaten der Fall gewesen. In</b> <b>den Vereinigten Staaten sind die Gewinne</b> <b>im zweiten Quartal um über 13 Prozent</b> <b>wieder gestiegen. Es waren</b> <b>hier zwischen fünf und sechs erwartet</b> <b>worden. Vor allen Dingen getrieben durch</b> <b>die Technologie-Werte.</b> <b>Und solange dieser AI-Boom anhält,</b> <b>solange die Unternehmen auch</b> <b>investieren müssen, weil es die</b> <b>anderen Unternehmen tun und weil niemand</b> <b>zurückfallen wird, glaube ich, hält die</b> <b>Musik an und man muss</b> <b>auch ein Stück weit dabei bleiben.</b>
<b>Korrekturen sind natürlich nie</b> <b>ausgeschlossen. Wir wissen alle</b> <b>nicht, was die Politik noch macht. Wir</b> <b>haben ja auch vor allen Dingen eine</b> <b>Verschiebung nochmal</b> <b>gesehen der amerikanischen Zölle auf</b> <b>chinesische Güter. Wir haben</b> <b>auch eine gewisse Beruhigung</b> <b>auf der Seite der Technologie-Exporte der</b> <b>USA nach China gesehen.</b> <b>All das kann natürlich wieder</b> <b>aufflammen und insofern würde da mein</b> <b>besonderes Augenmerk</b> <b>liegen. Wie gehen Xi Jinping,</b> <b>der chinesische Staatspräsident und</b> <b>Donald Trump miteinander</b> <b>oben, wird es ein Treffen geben,</b> <b>worauf wird man sich einigen, wird man</b> <b>sich überhaupt einigen.</b>
<b>Und wie gesagt, da droht</b> <b>natürlich doch dann eine gewisse</b> <b>Volatilität abgesehen von</b> <b>Notenbanken und so weiter und</b> <b>sofort, was wir vorhin schon alles</b> <b>besprochen haben. Also es wird definitiv</b> <b>ein spannender Herbst</b> <b>und wir schauen dann mal drauf, ob es die</b> <b>Korrektur gibt oder nicht.</b> <b>Danke für diese Perspektiven.</b>