
19| Haie: Das passiert (nicht), wenn sie dir im Meer begegnen
Freitag, 31. Januar 2025 · 22 min
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Shownotes
Viele von uns beschleicht beim Schwimmen im Meer ab und zu ein ungutes Gefühl - vor allem, wenn das Wasser dunkel ist und wir nicht sehen können, was unter uns ist. Was, wenn da ein Hai nur darauf wartet, uns nach unten zu ziehen und zu verspeisen?! In dieser Folge von Wissendrin räumt Eric - zusammen mit den Hai-Experten Erich Ritter und Andy Dellios - auf mit gängigen Mythen rund um die faszinierenden Raubfische. Dafür traut er sich auch selbst zu ihnen ins Wasser, erst mit kompletter Tauchausrüstung, dann beim Schnorcheln und schließlich nur in Badehose als ganz normaler Schwimmer. Er merkt, dass die Haie sich zwar für ihn interessieren, ihn aber nur neugierig beobachten. Denn Menschen passen gar nicht in ihr Beuteschema. Wenn sie uns trotzdem zu nahe kommen, hilft es, sich möglichst ruhig senkrecht ins Wasser zu stellen - denn im Meer lebt nichts mit einer solchen Körperhaltung. Deshalb würde ein Hai dann nicht einmal einen Testbiss wagen - und nur durch solche Testbisse sind Haie auch für Menschen gefährlich. Fest steht: Haie jagen keine Menschen – aber Menschen essen ganz sicher Haie! (In vielen asiatischen Ländern beispielsweise gelten Haiflossen als Delikatesse.) Die traurige Wahrheit ist: Zwar verbluten manchmal Menschen nach Begegnungen mit Haien – weltweit etwa vier bis zehn pro Jahr. Tödlicher für den Menschen sind aber z.B. herabfallende Kokosnüsse (vor denen aber kaum einer Angst hat). Im Gegensatz dazu töten Menschen jedes Jahr mehr als 500.000 Haie – und schätzungsweise 80 Millionen Haie sterben zusätzlich durch Überfischung, also ebenfalls durch uns Menschen. Wer ist hier also gefährlich für wen? Aber nicht nur für die Existenz der Haie ist all das ein Problem. Denn wenn wir den Untergang der Haie nicht stoppen, schaden wir uns am Ende selbst: Weil ohne die Top-Räuber das Ökosystem Meer aus der Balance gerät und es dann immer weniger Phytoplankton gibt, könnte uns schließlich die Luft zum Atmen ausgehen. Denn das Phytoplankton, das vor allem aus Mini-Algen besteht, produziert weit mehr als die Hälfte des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre. Deshalb ist auch Eric jetzt klar: Wir müssen die Haie schützen, nicht fürchten!
Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/
Moderation: Eric Mayer
Experten: Erich Ritter, Andy Dellios
Autorinnen dieser Folge: Brigitte Böttcher, Lena Kohlwes, Silke Penno
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Redaktion Kugel und Niere: Lena Kohlwes
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Hi Leute, hier ist Erik. Macht mal bitte kurz die Augen zu und stellt euch vor, es ist ein warmer Sommertag an der Küste. Ihr hört das Meeresrauschen, vielleicht auch ein paar Möwen. Es riecht ganz salzig und die Sonne, die steht ganz hoch und es ist richtig warm. Perfekt, um im Meer zu planschen. Ach, das tut gut. Eine willkommene Abkühlung. Doch was ist das?
Da hinten, da ist doch irgendwas Großes, Dunkles unter der Oberfläche. Und oje, ist das da nicht auch eine dreieckige Flosse, die sich jetzt ziemlich schnell auf euch zubewegt? Ist das etwa ein Hai? Schnell raus! Okay, Augen wieder auf. So oder so ähnlich stellen sich viele eine Hai-Begegnung vor. Wird ja auch in Filmen immer wieder so in der Art gezeigt.
Und tatsächlich gehören Haie mit ihren scharfen Sinnen und noch schärferen Zähnen zu den gefährlichsten Raubtieren auf dem Planeten. Zumindest für Robben und Fische. Aber sollten deshalb auch wir Menschen Angst vor Haien haben? Das finde ich für euch raus, indem ich schwimmen gehe. Und zwar, na klar, mit Haien.
Übrigens, alle meine Freunde haben gesagt, ich habe einen Knall, aber ich mache das jetzt. Ihr hört Wissen Drin, den Podcast von PUR Plus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben.
Music. Und damit willkommen zurück bei Wissen Drinnen. Und an dieser Stelle gleich schon mal herzlichen Dank fürs geduldige Warten und für eure vielen Nachrichten, die uns während der Pause erreicht haben. Wie die von Joana, die sich eine Folge über Haie gewünscht hat. Und die startet jetzt. Um den Haien wirklich nahe zu kommen, musste ich erstmal ziemlich weit reisen.
Und zwar auf die Bahamas. Das ist eine Inselgruppe in der Karibik, südwestlich von den USA. Ah, so richtig schön mit Mangroven und bunten Häuschen an hellgelben Stränden. Dort kann man besonders gut tauchen und schnorcheln, auch mit Haien. Ich mache das aber natürlich nicht alleine, sondern mit Haiexperte Erich Ritter. Hallo Erich. Grüß dich.
Erich war, als ich ihn traf, Leiter der sogenannten Shark School. Hier wird zu Haien geforscht und über sie aufgeklärt und man kann eben auch zu ihnen ins Wasser. Erich und ich haben uns direkt am Hafen verabredet. So, du hast hier eine Shark School. Das heißt, du bringst Haie und Menschen zusammen und du sagst, du kannst mir die Angst nehmen. Wie willst du das machen?
Ich werde dich verschiedene Aktivitäten aussetzen. Zuerst tauchen, dann schnorcheln, dann schwimmen. Die Angst wird weniger, weniger und dann ist sie weg. Also drei Schwierigkeitsstufen. Erst tauchen, dann schnorcheln, dann schwimmen. Auf den ersten Blick klingt Tauchen eigentlich am schwersten. Schließlich kann man da nicht so schnell abhauen, wenn es bedrohlich wird.
Ihr werdet aber noch verstehen, warum wir es so rum angehen. Ein bisschen Bammel habe ich schon, als ich mit Erich in sein kleines Motorboot steige. Aber ich bin auch super gespannt, was mich erwarten wird. Also direkt zum Tauchsport? Direkt zum Tauchsport. Dann los. Okay. Bei strahlendem Sonnenschein fahren Erich und ich raus aufs türkisblaue Meer.
Wir sind ausgestattet mit Neoprenanzügen, Druckluftflaschen, Tauchermasken und Schwimmflossen. Bevor ich mich aber ins Wasser traue, habe ich noch eine Frage an Erich. Erich, auf was muss ich achten? Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir uns einfach mal ruhig verhalten. Je ruhiger wir sind, desto entspannter werden die Tiere. Dann haben wir eine sehr schöne Situation.
Und das ganz Wichtige ist, wenn ein Haar auf dich zuschwimmt, einfach nicht wegschwimmen. Lass das Tier die Schauskund schaffen, versuchen zu sehen, was du bist. Wenn wir wegschwimmen, dann wird es uns eh folgen. Okay, also Tipp Nummer 1 fürs Tauchen mit Haien, ruhig bleiben und nicht panisch flüchten.
Haie sind eh viel schneller, als wir es im Wasser je sein könnten. Wegschwimmen bringt also rein gar nichts, egal wie richtig es sich für uns in diesem Moment anfühlt. Das ist eigentlich der Impuls, den man hat, wenn man Angst hat, dass man weg will, das soll ich nicht machen. Genau, lass das einfach weg und wenn du merkst, es gewinnt mir gar nicht, gehen in eine vertikale Position. Tipp Nummer zwei.
Anstatt panisch zu werden, einfach in die Vertikale gehen, also quasi ins Wasser stellen. Beim Schwimmen befindet man sich ja eigentlich in der Horizontalen, so als würde man liegen. Auch Fische und Haie befinden sich in dieser Position. Aber alles im Meer ist so horizontal ausgerichtet. Ich hoffe, hier schwanz dort und jetzt gehen wir vertikal. Das ist was ganz Neues. Also unbekannt und da denkt der Hai, ich bleibe lieber weg.
Okay, klingt logisch. Mit den Tipps von Erich fühle ich mich jetzt gut gewappnet. Als Stuntman des Wissens stelle ich mich dieser Angst und wir gehen rein. Okay, auf drei. Eins, zwei, drei, go. Unter Wasser versuche ich mich erstmal zu orientieren. Das Wasser ist ganz klar und ich habe gute Sicht. Alles ist türkisblau.
Unter mir erkenne ich den weißen Sand am Boden und auch ein paar Pflanzen. Einen Hai kann ich aber noch nicht sehen. Erich gibt mir ein Zeichen und wir tauchen zu einem Korallenriff. Dort sollen wir auf die Haie warten. Wir warten und warten und warten. Und dann zeigt Erich hinter mich. Ich drehe mich um und einige Meter vor mir schwimmt er.
Ein Hai. Etwas größer als ich, so knapp zwei Meter. Grau, wie man sich so ein Hai eben vorstellt. Der Bauch ist weiß. Der Hai schwimmt an uns vorbei. Ich stelle mich sicherheitshalber senkrecht auf, man weiß ja nie. Und es scheint zu helfen. Der Hai kommt nicht näher. Dann sehe ich immer mehr Haie. Erst zwei, dann drei.
Ich versuche ganz ruhig zu bleiben und meine Aufregung nicht zu zeigen. Und ich habe das Gefühl, genau wie Erich und ich die Haie aus einem sicheren Abstand beobachten, so beobachten die Haie uns auch. Immer wieder schwimmen sie mit einem Sicherheitsabstand von ein paar Metern an uns vorbei. Ich merke, wie ihr Blick auf mir ruht.
Die Sinnesorgane von Haien sind hochentwickelt. Die Augen sehen im Dunkeln besser als Katzenaugen. Die Nase nimmt Gerüche 10.000 Mal besser wahr als unsere. Das Gehör hört ein winziges Platschen viele hundert Meter entfernt. Und was ich am beeindruckendsten finde, Haie haben am ganzen Körper hochsensible Drucksensoren, mit denen sie jede noch so kleine Bewegung im Wasser wahrnehmen können.
Mit der Zeit trauen sich die Haie immer näher an uns ran. Irgendwann sind nur noch ein bis zwei Meter zwischen uns. Ich bin total fasziniert. Aber dann wird die Druckluft in unseren Flaschen langsam knapp und es wird Zeit, den Tauchgang zu beenden. Vorsichtig steigen wir auf. Endlich wieder richtig atmen.
Also es war einfach nur super schön mit diesen Tieren. Aha. Wahnsinn. Und was ist ihr aufgefallen als erstes? Also erstmal finde ich, dass die total majestätisch und schön sind. Ich hatte keine Angst mehr und die sind wirklich nah gekommen, oder? Also diese Angst, die man hat immer, dass die näher kommen, einen umkreisen, dass die dann beißen.
Absolut nicht. Ich habe das gemerkt, sobald wir uns beruhigen, haben sie sich auch beruhigt und kommen einfach ein bisschen näher. Ich war ganz entspannt. Sie haben uns angeschaut, wir haben sie angeschaut. Hammer, so toll. Ich habe jetzt also am eigenen Leib gemerkt, die Haie bleiben ganz ruhig. Und sind lange nicht so angsteinflößend, wie ich dachte.
Über Haie existieren eben total viele Mythen. Und viele davon stimmen gar nicht. Deswegen wird es höchste Zeit, dass wir den großen Mythen-Check machen. Und zwar in unserer Rubrik Besser Wissen drin. Besser Wissen drin. Besser Wissen drin. Mythos 1. Haie fressen Menschen. Das stimmt nicht. Denn Haie wissen nicht, dass wir existieren. Haie fressen nur das, was es in ihrem Lebensraum gibt, also im Meer.
Deswegen stehen auf ihrem Speiseplan Fische, Krebse, bei bestimmten Arten auch größere Tiere wie Robben. Wir passen also gar nicht ins Beuteschema von Haien. Gefährlich werden kann es dann, wenn Menschen in der Nähe von Fischerbooten schwimmen. Dort befindet sich viel Fisch auf einmal, was die Haie anlockt.
Für die Haie riecht das ganz stark nach Futter. Und wenn in diesem Wasser dann Menschen schwimmen, denken die Haie, das könnte auch Futter sein. In seltenen Fällen kommt es in solchen Situationen zu einem Testbiss. Und an dem können Menschen im schlimmsten Fall leider auch verbluten. Selbst wenn der Hai dadurch merkt, dass Menschen ihm gar nicht schmecken und er sofort wieder ablässt.
Mythos 2. Menschenblut lockt Haie an. Auch das stimmt nicht. Denn wir wissen ja, Haie stehen nicht auf den Geschmack von Menschenfleisch. Deswegen ist ihnen unser Blut auch eigentlich egal. Was Haie aber anlockt, sind panische Bewegungen, dolles Strampeln im Wasser und Rufe. Zum Beispiel, wenn jemand sich im Wasser verletzt hat.
Denn dann klingen wir für den Hai wie ein verletztes Beutetier, zum Beispiel eine Robbe. Das Interesse vom Hai ist geweckt und er könnte einen Testpist wagen. Mythos 3. Haie verwechseln Surfer mit Robben. Haie haben so gute Sinnesorgane, sie wissen genau, dass ein Surfer keine Robbe ist. Aber sie sind trotzdem neugierig. Denn gerade wenn ein Surfer auf dem Brett paddelt, klingt das für die Haie wie ein potenzielles Beutetier.
Der Hai will herausfinden, was da in seinem Lebensraum schwimmt und testet es auch hier gegebenenfalls mit einem vorsichtigen Biss. Bei einer Robbe dagegen würde der Hai keinen Testbiss, sondern sofort einen Tötungsbiss machen. Music. Besser Wissen drin! Zurück zu meinem Selbstexperiment auf den Bahamas. Erich und ich haben auf unserem sanft schaukelnden Boot eine kurze Pause gemacht und durchgeatmet.
Jetzt geht's aber direkt weiter. Jetzt kommt der zweite Therapieschritt in der Haitherapie. Ich gehe an die Oberfläche, ich schnorchle und unter mir sind die Haie. Das heißt, ich gehe dahin, wo die meisten Unfälle passieren. Erich und ich springen wieder ins Wasser. Diesmal haben wir aber keine komplette Tauchausrüstung, sondern nur noch unsere schwarzen Neoprenanzüge an.
Und wir werden schnorcheln, also an der Oberfläche bleiben. Ich soll ruhige Schwimmbewegungen machen und die Arme möglichst nah am Körper behalten. Gar nicht so leicht so zu schwimmen. Das Wasser ist diesmal auch viel flacher und der Boden deswegen viel näher. Wenn jetzt gleich Haie kommen, bleibt nicht viel Platz zum Ausweichen.
Zur Sicherheit stellen wir uns auch hier wieder senkrecht hin, in die für Haie unbekannte Position. Nur dann ist der Kopf über Wasser und ich sehe nicht mehr so gut, was unter mir passiert. Außerdem ist das Wasser hier trüber durch den aufgewirbelten Sand vom Boden unter uns. Auf einmal taucht mitten vor mir eine Haiflosse auf und dann noch eine und noch eine.
Von jetzt auf gleich scheinen ganz viele Haie da zu sein und sie kommen verdammt nah. Also hier sind die Haie direkt vor uns. Ich tauche leicht ab, um sie besser sehen zu können. Die Haie kommen dieses Mal viel näher. Ich könnte sie ganz einfach berühren, wenn ich meine Hand ausstrecke. Ich lasse das aber lieber mal.
Schließlich will ich kein Risiko eingehen. Also ich bin mitten zwischen den Haien, weil das Herz schlägt total schnell, aber ich habe jetzt, ich habe keine Angst, muss ich sagen. Auf so kurzer Distanz setzen Haie ihr Hochleistungsorgan ein, die sogenannten Lorenzinischen Ampullen. Sie orten damit das elektrische Feld, das jedes Lebewesen erzeugt, mit dem Herzschlag, dem Gehirn und den Muskeln. Dieser Elektro-Feldmeter analysiert in meinem Fall keine Beute.
Meine zweite Runde vom High-Training neigt sich dem Ende zu. Erich und ich klettern zurück aufs Boot. Gratuliere. War das geil. Super. Hammer. So dicht. Die sind ja wirklich die ganze Zeit an uns rangekommen. Du hast sie angeschaut, sie haben dich angeschaut. Da war ein Gegenseit der Respekt. Ein wirklich einzigartiges Erlebnis. Und je mehr Zeit ich mit den Haien verbringe, desto glücklicher bin ich, dass ich hier mit ihnen sein und sie in ihrer natürlichen Umgebung erleben darf.
Das sind echt ganz tolle, majestätische Tiere. Noch dazu uralt. Sie gab es sogar schon vor den Dinosauriern. Und langsam verstehe ich, warum Erich so viel daran liegt, dass Menschen in seiner Shark School nicht nur ganz viel über Haie lernen, sondern ihnen auch selbst begegnen. Denn nur so, meint Erich, fangen wir an, Haie zu schützen, anstatt sie zu fürchten.
Denn die traurige Wahrheit ist, Haie sind bedroht. Es mag zwar so wirken, als wären Haie für uns gefährlich. Andersrum ist es aber viel schlimmer. Jedes Jahr sterben weltweit etwa 10 Menschen durch Haibisse. Und wie viele Haie sterben jedes Jahr durch Menschenhand? Mindestens 100 Millionen. Eine unfassbare Zahl.
Das liegt daran, dass viele Menschen Jagd auf Haie machen. Denn vor allem im asiatischen Raum gelten die Haiflossen als Delikatesse. Das heißt, Menschen fressen Haie. Und zwar in rauen Mengen. Aber auch für uns in Europa werden Haie getötet. In manchen Cremes, Salben und Haarspülungen ist der Stoff Squalan enthalten, der Haut, Lippen und Haare glatter und weicher machen soll.
Und dieser Stoff wird oft der Leber von Haien entnommen, auch wenn man ihn heute ebenso gut aus Pflanzenölen gewinnen kann. Und als wäre das alles nicht genug, gibt es außerdem immer weniger Haie, weil durch die Erderwärmung die Korallenriffe sterben, in denen sie jagen. Warum das Töten von Haien aber nicht nur traurig, sondern ein riesiges Problem ist, auch für uns Menschen übrigens, das will ich jetzt genauer wissen.
Dafür rufe ich Andreas Delios an. Er ist auch Teil der Shark School und kann mir hoffentlich nicht nur sagen, warum er persönlich Haie so schätzt, sondern auch, warum wir alle das tun sollten. Hallo, hier ist der Andi Delios. Hallo Andreas, grüß dich, hier ist Erik. Freut mich sehr, hallo Erik. Was fasziniert dich so an Haien?
Warum sind das Tiere, die für dich so faszinierend und so wichtig sind? Der Hai als Ganzes ist ein Top-Räuber. Und wenn wir das so pauschal rübernehmen und sagen, was mache ich im Wasser mit diesen Top-Räubern, die können mich in zwei Sekunden weg tun. Aber der Hai lässt zu, dass wir Menschen neben ihnen schwimmen, schnorchen, tauchen.
Das kann ich bei einem Krokodil oder bei einem Tiger oder bei einem Löwen nicht. Und ich habe ein paar Mal erlebt, wie ein Tigerhaieweifel immer wieder zu mir kam und mich berühren wollte und wieder zurück. Und da sagten sie, alle weg. Lass uns vielleicht einmal nochmal auch größer drauf gucken auf die Haie und ihre Situationen, die ja wirklich in keiner guten Situation sind, die weniger werden und von Menschen bedroht sind.
Was würde es denn bedeuten für die Welt und für die Meere vor allem, wenn es den Haien immer schlechter geht und wenn Haie von der Erde verschwinden? Auch unser Untergang. Boah, das ist eine krasse Formulierung, unser Untergang. Echt, so hart würdest du das sagen? Also generelle Haie haben im marinen Ökosystem eine Schlüsselfunktion.
Sie sind zu oberst an dieser Nahrungspyramide. Die müssen dann ihre Rolle als Ökopolizei wahrnehmen. Also stellen wir es uns mal wirklich visuell vor, wir haben so eine Pyramide, wie so ein Dreieck und oben ist dann der Hai ganz an der Spitze. Was würde denn jetzt passieren, wenn der Hai an der Spitze weg wäre?
Weil man könnte doch sagen, na gut, dann bleiben die anderen Tiere halt so da in der Pyramide weiter unten und dann fehlt einfach nur der Hai. Aber das ist nicht so. Leider nein. Die normalen Räuber, die nicht mehr vom oberen Top-Räuber bedrängt werden, die können sich ohne Probleme vermehren. Ergo, sie fressen die unteren Teile der Nahrungspyramide weg und die wird implodieren.
Darum ist der Spruch, stirbt der Hai, stirbt das Meer und stirbt das Meer, sterben wir. Gar nicht so falsch. Was kann denn jeder Einzelne von uns tun? Was würdest du sagen, also wenn wir jetzt mit diesem Wissen durch die Welt gehen, dass es wirklich wichtig ist, die Haie auch zu schützen, was können wir tun?
Reden darüber, reden darüber, auch sagen, das ist nicht richtig. Und das machen wir, das machen wir jetzt auch mit diesem Podcast. Vielen Dank, dass du uns nochmal Einblick in die Welt der Haie gegeben hast und auch erklärt hast, warum es so wichtig ist, die zu schützen. Viel Erfolg weiterhin vor eurer Arbeit. Danke dir.
Danke vielmals. Tschüss, Erik. Ciao, ciao. Der Anruf. Der Anruf. Okay, krass. Ich fasse nochmal zusammen. Haie stehen an der Spitze auf der Nahrungspyramide im Meer. Damit sind sie gleichzeitig auch sowas wie die Öko-Polizei. So hat es Andreas gerade genannt. Sie sorgen dafür, dass von jeder Art genau richtig viele da sind.
Wenn es die Haie nicht mehr gibt und sie die kleineren Meerestiere nicht mehr fressen, vermehren diese sich zu schnell. Und dann kommt das Gleichgewicht im Meer komplett durcheinander. Das liegt daran, dass die vielen kleinen Fische am unteren Ende der Nahrungspyramide das komplette Plankton wegfressen würden.
Und das hätte enorme Auswirkungen auch für uns Menschen. Denn die Ozeane mit ihrem Plankton, kleinen Algen, die frei im Wasser schweben, produzieren mehr als die Hälfte des Sauerstoffs auf der Erde. Mehr also als alle Wälder an Land zusammen. Ohne die Haie aber gäbe es am Ende keine Algen mehr und uns bliebe die Luft zum Atmen weg.
Wenn wir die Haie schützen, schützen wir also auch uns Menschen. Für mich steht jetzt die dritte Stufe von meinem Hai-Selbstversuch an. Ich bin mit Haien schon getaucht, geschnorchelt und jetzt ist Schwimmen dran. Ich bin mit Erich immer noch auf dem Motorboot. Jetzt soll ich aber nur in Badehose und mit Schwimmbrille ins Wasser.
Erich, warum muss ich jetzt ohne Klamotten ins Wasser? Was du jetzt spüren wirst, ist, dass du absolut keinen Schuss mehr. Dieser mentale Schutz, den den Anzug gegeben hat. Und das Ganze, was wir uns einhüllen, das war der mentale Schutz. Den nehmen wir jetzt total weg. Du wirst reingehen, vielleicht wirst du ein bisschen nervöser sein.
Die Haie werden wahrscheinlich ein bisschen näher kommen. Aber du wirst dasselbe Resultat haben, es wird nichts geschehen. Okay, also da vertraue ich dir natürlich. Wahrscheinlich nervöser kann ich schon beantworten. Ich bin auf jeden Fall nervöser. Ein letztes Mal nehme ich all meinen Mut zusammen. Wen brauche ich, denn auch Erich fällt dieses Mal als mentale Stütze weg.
Der Höhepunkt meiner Hai-Challenge. Ich ganz allein mit den Haien. Viel Glück. Vielen Dank. Im Wasser versuche ich, meine Schwimmbewegungen so ruhig wie möglich zu machen. Und trotzdem kommen die Haie dieses Mal relativ schnell und mir auch sehr nah. Zuerst wird mir wieder mulmig, aber dann erinnere ich mich. Die Haie wollen mir gar nichts Böses.
Sie wollen mich nur auskundschaften und schauen, wer ich bin. Ich werde ganz ruhig. Und nach ein paar Minuten klettere ich dann auch, ziemlich stolz und glücklich, zurück aufs Boot. Ich habe es geschafft. Das war jetzt wirklich nochmal der absolute Kick. Ich hoffe, unserer Hörerin Joanna und auch allen anderen hat die Folge gefallen.
Ich nehme aus meinen Hai-Begegnungen mit, dass man vor Haien zwar Respekt, aber keine Angst haben muss. Die ganzen Filme und Serien übertreiben total. Haie sind keine blutrünstigen Allesfresser, sondern sehr intelligente Tiere, die Menschen nicht gezielt attackieren. Ja, sie sind super effektive Raubtiere und sehr gefährlich, aber eben vor allem für ihre Beutetiere.
Und da gehören wir nicht dazu. Außerdem weiß ich jetzt, wie ich mich beim Baden im Meer so verhalte, dass ich hoffentlich auch nie aus Versehen von einem Hai gebissen werde. Und was ich mir auf jeden Fall auch merke, Haie sind super wichtig für unser Ökosystem. Und deswegen müssen wir sie schützen. Also kein Haifleisch essen und auch keine Produkte mit Hai-Squala kaufen und mit möglichst vielen Leuten darüber sprechen, damit auch jeder versteht, die Haie brauchen unsere Hilfe.
Danke an Erich und Andreas von der Shark School, dass sie uns und die Haie zusammengebracht haben. Die Aufnahmen mit Erich Ritter liegen inzwischen übrigens schon einige Jahre zurück. Leider ist Erich 2020 verstorben, nicht durch einen Hai bis übrigens, sondern durch ein Herzleiden. Er war einer der bedeutendsten Aktivisten für die Haie.
Andreas führt sein Lebenswerk weiter. Music. Das war Purplus Wissen drin mit mir, Erik. Und falls ihr es noch nicht getan habt, abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Oder schaut doch mal in unserer Mediathek auf ztftv.de vorbei. Wir hören uns dann in vier Wochen mit einer neuen Folge wieder.
Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere. Im Auftrag des ZDF und der Redaktion PUR+. Music.