Reality TV Check

#279 - Deep Dive #5 - Das Casting

Montag, 23. März 2026 · 30 min

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Shownotes

In dieser Folge schaue ich mir an, was hinter den Kulissen passiert, bevor die erste Kamera läuft — und warum das Casting keine neutrale Auswahl ist, sondern die inszenierte Herstellung von Charakteren und Konflikten. Ich lese echte Bewerbungsformulare vor, schaue mir an, was in den Datenschutzerklärungen steht, die kaum jemand liest, und spreche über zwei Erfahrungsberichte aus der Community — vom DSDS-Vorcasting in Stuttgart bis zum Love Is Blind Germany Castinggespräch.

⚠️ Triggerwarnung: Diese Folge enthält einen kurzen Abschnitt über dokumentierte partnerschaftliche Gewalt. (Ab - )

📖 Quellen & weiterführende Links
Casting-Formulare (alle direkt abrufbar):
DSDS (UFA/RTL
Bauer sucht Frau (UFA/RTL)
Der Bachelor (Warner Bros. ITVP)
Ex on the Beach (RTL Studios)
ITV Studios Germany

Journalistische & wissenschaftliche Quellen:
STAT News (2016): Behind the glitz: Reality TV stars talk candidly about the strain on mental health
Web.de (2020): Psychische Probleme im Reality-TV: Ein Suizid bringt Quote
Abendzeitung München: Knebelverträge für Superstars
lto.de: Reality TV-Format Schwer verliebt: Die Menschenwürde hat kein Drehbuch
Fashion Magazine Canada (2021): This TV Psychologist Helps Select Contestants
Universität Derby (2022): The price of chasing fame on reality TV shows
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Hi, ich bin Pia und das ist der Reality TV Check Deepdive hier geht es nicht darum wer rausgeflogen ist, sondern darum, warum das Format so gebaut ist, dass immer jemand rausfliegt. Heute geht es um den ersten Schritt im System, das Casting. Ich lese dir jetzt etwas vor. Kein Nachrichtenartikel, keine Studie, keine Aussage aus einem Interview, sondern offizielle Bewerbungsformulare, alle gerade abrufbar, alle Real, alle aktuell. Fangen wir an mit Bauer sucht Frau ein crinch Klassiker, den in Deutschland vermutlich jede und jeder kennt, auch wenn man ihn nie bewusst geschaut hat.

Landwirtinnen, die auf der Suche nach einer Partnerin oder einem Partner sind. Stellen sich in der Sendung vor, erhalten Bewerbungen von potenziellen Kandidatinnen und Laden am Ende jemanden zu sich auf den Hof ein. Das Format lebt davon, ganz normale Menschen zu zeigen, keine Promis, keine Influencerinnen und hat das in über 20 Staffeln seit 2005 erstaunlich beständig durchgehalten. Dass dabei nicht immer zimperlich mit den Protagonistinnen umgegangen wurde, ist eine andere Geschichte.

Laut Castingseite sind vor allem Authentizität, die Bereitschaft, den eigenen Alltag zu zeigen, und eine ernsthafte Partnerinnensuche wichtig. So steht es da wörtlich. Das Bewerbungsformular sieht folgendermaßen aus, Name, Adresse, Geburtsdatum, Beruf, dann erzähl uns etwas von dir, private Situation, Hobbys wie soll dein Traumpartner oder deine Traumpartnerin sein und ganz unten.

Fast als Nachgedanke warum willst du eigentlich mitmachen? Das ist die komplette Bewerbung 3 offene Textfelder kein Hinweis darauf, nach welchen Kriterien ausgewählt wird keine Informationen über den weiteren Prozess und vor allem keine Frage, die er ahnen lässt, dass diese Antworten nicht nur gelesen, sondern ausgewertet werden als Material für eine Figur, die die Produktion mit dir vorhat, kommen wir zum Bachelor. Der Bachelor läuft seit 2003 in Deutschland. Ein Mann 30 Frauen Rosenzeremonien am Ende idealerweise die große Liebe.

Das Format gibt es in fast jedem Land der Welt, RTL hat die deutsche Version, es ist eine der wenigen Sendungen, bei der das Geschlechterungleichgewicht nicht nur Kulisse ist, sondern Konzept. Beim Bachelor wird das Bewerbungsformular konkreter. Es fragt nach Körpergröße in Zentimetern und Körpergewicht in Kilogramm, beides pflichtfelder, noch bevor irgendjemand weiß, ob du eine interessante Persönlichkeit bist, Konflikte produzierst oder eine gute Storyline mitbringst. Der Körper kommt zuerst.

Außerdem ist die sexuelle Orientierung Pflichtfeld bei einer heteronormativen Datingshow wie dem Bachelor hat es eine gewisse Produktionslogik eine lesbische Frau käme für das Format schlicht nicht in Frage. Aber formuliert wird es hier nicht als Ausschlusskriterium, sondern als neutrale Datenfrage.

Dazu kommen Social Media Accounts, Instagram, Facebook, Youtube, tik tok und tatsächlich auch Only Fans direkt neben Größe und Gewicht ohne Erklärung, was das Sagen will, wer du bist, ist weniger interessant als wie viele Menschen dir zuschauen und auf welchen Plattformen und dann gibt es noch x on the Beach. Das ist vielleicht das ehrlichste Beispiel, weil das Format gar nicht versucht, etwas zu verschleiern. Das Konzept ist bekannt, ex Partnerinnen tauchen mehr oder weniger unverhofft auf, alte Wunden werden wieder aufgerissen, emotionale Eskalation ist nicht Risiko, sondern versprechen, das Bewerbungsformular ist entsprechend direkt, es fragt, an welcher Ex Beziehung man noch hänge, ob man sie oder ihn

zurückwolle, ob es unausgesprochene Dinge gäbe. Wie viele Beziehungen man hatte, auch kurze, auch Affären und Portraitfoto und ganzkörperfoto Pflicht. Ohne Fotos keine Bearbeitung. Das Formular ist in diesem Sinne konsequent und eigentlich nur folgerichtig, wenn man das Konzept kennt, denn X on The Beach lebt davon, dass alte Wunden aufgerissen werden, der emotionale Schmerz ist hier nicht etwas, was die Produktion in Kauf nimmt, es ist das, wofür sie sich interessiert. Wer sich bewirbt, wird bereits im Formular danach gefragt, bevor irgendjemand einen Vertrag gesehen hat, weiß die Produktion bereits, welche Wunden noch offen sind und in welche sie hineingehen können.

Deutschland sucht den Superstar läuft seit 2002, also 24 Jahre Castingshow Gesangswettbewerb Dieter Bohlen eine der prägendsten Sendungen der Nullerjahre, die das deutsche Reality TV mit definiert hat die. Eine kurze Triggerwarnung vor dem nächsten Abschnitt. Ich spreche über dokumentierte partnerschaftliche Gewalt, wenn das kein Thema ist, das du hören möchtest und du dich damit nicht wohlfühlst, spring einfach ein paar Sekunden vor, es geht um Dieter Bohlen, denn wir müssen uns irgendwann noch mal sehr genau anschauen, welche Rolle der in diesem System spielt, nicht nur als Juror, sondern als Machtfigur, die über Jahrzehnte entschieden hat, wer weiterkommt und wer gedemütigt wird, denn

abseits des Fernsehens gibt es da noch einiges. Verona Pooth hatte in ihrer Autobiografie geschrieben, wie Bohlen sie schlug. Sie verbrachte 4 Tage im Krankenhaus, ihre Wunde wurde mit 7 Stichen genäht. Bohlen bestätigte den Vorfall bei Johannes B. Kerner und nannte es einen Unfall Nadja Abdel Farak, die im vergangenen Jahr gestorben ist, berichtete, dass er sie an den Haaren eine Treppe hinuntergezogen und im Keller eingesperrt habe, und dieser Mann hat jahrzehntelang eine der einflussreichsten Positionen im Deutschen Reality TV.

Das ist kein Randthema. Aber das ist eine andere Folge. Beim DSDS Formular gibt es einen Satz, der leicht untergeht, er steht unter der Überschrift dein Talent und fragt, ob man jemals Künstlerexklusiv Management, Merchandising, Musikverlags, Model, Sponsoring, werbe oder digitale Vermarktungsverträge unterschrieben habe. Das ist keine Fürsorgefrage, es geht nicht darum ob man geschützt ist, sondern darum ob man noch verfügbar ist. Sinngemäß gehörst du schon jemandem oder bist du noch frei? Ein ehemaliger TV Regisseur, der ein Buch über die Branche geschrieben hat, hat es so formuliert, der Erfolg der Sendung liegt nicht im Finden des besten Sängers, Wir tun so, als hätten die Kandidaten eine

Chance, haben sie aber nicht und weiter es ist Zufall, wer berühmt wird, viele junge Damen kommen mehr wegen ihrer Bikinifigur weiter. Das Pikante daran? RTL hat selbst bestätigt, dass aus logistischen Gründen gar nicht alle Kandidatinnen vor der prominenten Jury auftreten. Es gibt eine vor Jury, die eine Vorauswahl trifft, was die Sendung zeigt, ist nicht der Beginn des Prozesses, sondern eine sorgfältig ausgewählte Version, davon kommen wir noch mal zurück zum X on the Beach Formular, denn da ist eine Datenschutzerklärung verlinkt, die liest realistischerweise kaum jemand, wir machen das aber jetzt schon.

Diese Datenschutzerklärung enthält einen Satz, der für sich selbst spricht. Das Recht von RTL Studios und den RTL Unternehmen, an der umfassenden Auswertung überwiegt dabei ihr Recht, an ihren personenbezogenen Daten, was das im Klartext bedeutet dein Name, dein Gesicht, Dinge die du im Castinggespräch erzählst. All das kann RTL an Zeitungen, Magazine und andere Medien weitergeben, nicht damit du Werbung bekommst, sondern damit die Produktion beworben wird.

Du bist in dem Moment nicht mehr Bewerberin, sondern Werbematerial und du hast dem zugestimmt, als du auf Absenden geklickt hast. Ebenfalls in der Datenschutzerklärung. Wer sich bewirbt, wird gegoogelt, systematisch die Produktion durchsucht, das Netz nach dir schaut, was du gepostet hast, was andere über dich geschrieben haben, wie du öffentlich auftrittst.

Das Ergebnis wird dokumentiert und fließt in die Entscheidung ein, ob du genommen wirst. Du weißt davon, wenn du die Datenschutzerklärung gelesen hast und das tut realistischerweise die Minderheit der Bewerberinnen. Fast alle Formulare enthalten eine Option, die mit freiwilliger Einwilligung beschriftet ist und die meistens vorausgewählt oder prominent platziert ist.

Die Ufa darf dann Name, Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer, e, Mail, Beruf und alle weiteren Angaben in der Casting Datenbank speichern und dich kontaktieren per Post, per e Mail, per Telefon oder SMS. Für andere Produktionen ohne zeitliche Begrenzung. Du bewirbst dich also einmal für Bauer sucht Frau und ab diesem Tag bist du im System.

Keines dieser Formulare erklärt, wie die Antworten die Auswahl beeinflussen, wer sie liest, nach welchen Kriterien entschieden wird, bei Ex on the Beach könnte man sagen, Wer das Format kennt, der ahnt es und es gibt noch einen unausgesprochenen Faktor, wie bekannt oder prominent die Ex Partnerinnen sind, die man mitbringt.

Eine aufgelöste Beziehung mit einer Halbprominenten ist dramaturgisch wertvoller als eine mit einer Unbekannten. Das steht nirgendwo im Formular, und das muss es auch nicht, und kein einziges fragt, hast du einen Anwalt konsultiert, weißt du, was du gleich unterschreiben wirst? Du gibst alles, aber sie sagen nichts.

Ich habe letzte Woche eine Umfrage gemacht, ob jemand schon mal bei einem Casting dabei war, was die Leute darüber denken, jemand schreibt 2006 Deutschland sucht den Superstar. Damals war ich noch sehr jung. Ich hätte nicht gedacht, dass das alles so unfassbar lange dauert und dass es diese Vorcastings gibt mit einer unbekannten Jury.

Wir hatten es ja bereits Vorcastings mit einer unbekannten Jury, diese Person hatte sich beworben, ohne zu wissen, worauf sie sich einlässt. Im Fernsehen wird es so dargestellt, als sei man beim gesamten Castingprozess dabei, also Lande man direkt vor der prominenten Jury, vor Dieter Bohlen und in den aktuellen Staffeln vor Bushido, das muss man auch erst mal wollen.

Das ist das Bild, das die Sendung zeigt. Davor kommen Vorcastings mit einer Jury, die niemand kennt, in Räumen, die niemand sieht. Das ist keine Ausnahme, so funktioniert der Prozess. Die Ufa selbst beschreibt die Castingsendungen so in den 12 unterhaltsamen Castingshows lernt der Zuschauer die ganze Bandbreite der Bewerber kennen, die ganze Bandbreite, als wären wir von Anfang an hautnah dabei, vom ersten Vorsingen bis zum Superstar.

Was dabei nicht mitgeteilt wird, dass vor diesen 12 Sendungen ein kompletter forcasting Prozess stattgefunden hat, bei dem eine unbekannte Jury entschieden hat, wer überhaupt zur prominenten Jury vorgelassen wird. Was wir sehen, ist also nicht der Beginn des Prozesses, es ist eine sorgfältig aus für gewählte Version davon, ich habe diese Woche mit 2 Menschen gesprochen, die selbst die Anfangsstadien solcher Casting Prozesse erlebt haben, die Erste eben bereits erwähnte war als Teenager beim DSDS Forcasting in Stuttgart. Von ihrer Mutter hingebracht, mit der besten Freundin da den ganzen Tag in einer Hotel Lobby gewartet. 4 Stunden schätzt sie, dann wurde sie von ihrer Freundin getrennt, ein winziges Zimmer, 3 Stühle, 2 andere

Bewerberinnen miteinander sprechen war strengstens verboten. Noch mal eine Stunde warten allein still in einem fremden Raum ohne eine einzige vertraute Person, das ist kein Zufall, Isolation und warten sind Druckmittel. Wer so in ein Casting geht, ist bereits am Limit, bevor er auch nur einen Ton singt.

Dann rein DSDS Logo im Hintergrund, Kamera 3 Songs dabei, sie konnte nicht singen vor Aufregung, die Jury war okay damit, sie ging wieder raus und dann noch mal 3 Stunden warten um zu sehen wer weiterkommt von allen die da waren bei einem offenen Casting wurden vielleicht 5 Weitergelassen zur richtigen Jury ihr Fazit? Super unspektakulär.

Es ist überhaupt kein Erlebnis, was einem Spaß macht, vielmehr klingt ihre Schilderung nach dem kompletten Gegenteil. Aber 11 Jahre später hat sie es noch mal versucht, bei The Voice in Frankfurt 2017, diesmal vom jetzigen Mann überredet, sie hat ein youtube Video eingeschickt, Konferenzraum 5, Stuhlreihen, eine halbe Stunde Wartezeit und dann zu 10 vor 6 Jurorinnen in einem Raum, keine Namen, nur ein Nummernkleber die.

Acapella singen sie hat angefangen und dann aufgehört und wurde dann zurechtgewiesen. Wir sagen, wann du aufhörst. Sie wollte also noch mal anfangen und dann hieß es, NÖ, jetzt wollen wir auch nicht mehr, sie sagt darüber, ich war halt einfach viel zu unsicher für dieses ganze Business, das ist einfach völliger Quatsch gewesen.

Da müssen halt andere Leute hin. Ihr Mann hat sie danach direkt abgeholt, er war gerade mal um den Block gefahren und sie sind direkt wieder nach Hause gefahren. In meiner Umfrage hab ich auch gefragt, was glaubt ihr warum bewerben sich Menschen für Reality Shows? Die häufigsten Antworten, Ruhm, Geld, das Format selbst.

Das sind natürlich die offensichtlichen Gründe, aber dann gibt es noch eine andere Kategorie in den Antworten, spontaner Impuls ohne groß nachzudenken oder von jemandem überredet worden, mitgezogen. Das deckt sich mit dem, was ich aus Gesprächen und Interviews mit Reality Kandidatinnen kenne. Die meisten, mit denen wir gesprochen haben, haben sich nicht irgendwann hingesetzt und bewusst entschieden, an einer Reality Show teilzunehmen, es war eher die Freundin hat n Link geschickt, man hat das Formular aus einer Schnapslaune ausgefüllt, man dachte die melden sich sowieso nicht und dann haben sie sich doch gemeldet.

Und das ist relevant, denn wer nicht bewusst entscheidet, prüft auch nichts nach, liest keine Verträge, fragt nicht, was auf sie zukommt. Das ist nicht Naivität, sondern eine völlig normale menschliche Reaktion auf ein System, was darauf ausgelegt ist, dass man nicht nachfragt. Kommen wir aber noch mal zurück zu den Formularen, denn die sind nicht nur Bürokratie, sie sind das erste Casting Tool in meiner Umfrage habe ich gefragt, was produzentinnen beim Casting wirklich suchen und was Sie sagen, dass Sie suchen.

Die Antworten waren sich bemerkenswert einig, was gesagt wird. Authentische Menschen, echte Persönlichkeiten, Menschen, die sich zeigen, wie im wahren Leben, was aber wirklich gesucht wird in den Worten der Community, Menschen, die polarisieren, die Anecken, die an Narzissmus kaum zu überbieten sind.

Krawallbürsten schreibt tatsächlich nicht nur eine Person. Das ist ein Wort, das ich nicht zufällig erwähne, weil es fast ausschließlich für Frauen verwendet wird, aber weiter normschöne Attraktivität, kontroverse Haltungen, jemand bringt es am Präzisesten auf den Punkt. Der Cast besteht immer aus denselben Charakteren, die nur durch neue Gesichter ersetzt werden, die Rollen sind also vorher da.

Gesucht wird, wer sie ausfüllt. Ich habe auch gefragt, was an der Branche grundsätzlich stört, was öffentlich kaum diskutiert wird, die Antworten gehen weit über das Casting hinaus. Das vermittelte Frauenbild taucht mehrfach auf. Misogynie, Abilismus, Klassismus, die fehlende Einordnung von problematischem Verhalten, dass Dinge passieren, die weder im Format noch im Nachgang kommentiert werden.

Die Wirkung auf Jugendliche, die diese Formate konsumieren und dabei lernen, was als normal gilt, was erstrebenswert ist, was eine Frau sein darf und was ein Mann die Aufmerksamkeit und Reichweite, die provokante und fragwürdige Menschen durch diese Formate gewinnen. Und immer mehr Influencerinnen in den Casts, was die Frage aufwirrt, ob überhaupt noch nach Persönlichkeit gecastet wird oder längst nach Followerinnenzahl. Jemand schreibt nur ein einziges Wort, Männer, das kann vieles bedeuten, wie Frauen in diesen Formaten dargestellt werden, welche Rollen ihnen zugewiesen werden, wer hinter der Kamera die Entscheidungen trifft, aber auch wie Männer, die in diesen Shows auftreten, aktiv Teil des

Systems werden, die den Konflikt mitproduzieren, die Rollenbilder bedienen. Die das Spiel mitspielen und damit reproduzieren, was das System von ihnen erwartet. Das verformt alle, die darin auftauchen, nur nicht gleich und nicht auf dieselbe Art, aber dazu kommen wir auch in einer späteren Folge. Was bräuchte es, damit jemand überhaupt mitmachen würde, hab ich gefragt, eine Antwort aus der Umfrage lautet schlicht ein sicheres Umfeld und das ist so unaufgeregt formuliert, dass es fast untergeht und trifft dabei genau das, was im System strukturell fehlt.

Das ist keine subjektive Einschätzung, es ist dokumentiert. Der kanadische klinische Psychologe Steven Steen arbeitet seit 1999 als Berater für Reality Produktion, Survivor, Big Brother, The prentis er beschreibt Casting explizit als das Besetzen eines Broadway Stücks, Man braucht den Bösewicht, die naive, den Underdog, und man sucht gezielt nach Persönlichkeiten, die diese Rollen ausfüllen können. In Deutschland gibt es äquivalente Figuren. Thomas Spielmann, ein ehemaliger TV Psychologe, der unter anderem für Big Brother tätig war, sagte 2020 gegenüber web.de Executive Producers casten ohne Psychologen ausschließlich Leute mit hoher Anfälligkeit für psychische Zusammenbrüche und den zynischsten Satz, den er in

seiner Zeit beim Fernsehen gehört hat. Ein Suizid bringt Quote. Was passiert also, nachdem das Formular abgeschickt wurde? Meistens nichts, die meisten Bewerbungen landen alle in einer Datenbank, bei Big Brother gingen für die letzte Staffel fast 7000 Bewerbungen ein, bei DSDS sind es pro Staffel 10 Tausende, genommen werden einige 100 für die Forecastings ins Fernsehen kommen einige Dutzend wer eine positive Rückmeldung bekommt, wird also zum Forecasting eingeladen, das ist der Schritt, den die meisten Zuschauerinnen nie sehen. Wie das aussieht, hat eine Person, die beim DSDS Forecasting dabei war, so beschrieben. Wir mussten vor dem Eingang warten und es war nicht kurz, es regnete und es gab nichts zum

unterstellen, dann wurden wir in getrennten Räumen nach Farben aufgeteilt, dort wartete ich circa eine Stunde, dann ging es in einen Gang vor dem Raum, wo das Vorsingen stattfand, noch mal 10 Minuten, die Tür ging auf, ich ging rein, stellte mich vor und schaute die beiden Personen an. Es war ein Mann, der überhaupt kein Interesse an meiner Person zeigte, mich nicht einmal anschaute und eine Frau, die einen nichtssagenden Blick drauf hatte.

Das ist ein Erfahrungsbericht aus dem Talkteria Forum, also keine Jury aus dem Fernsehen, keine bekannten Gesichter, leider kein Dieter Bohlen, sondern ein Raum, 2 Menschen, kaum Augenkontakt, das ist das Forecasting und das ist kein Zufall. Die Sendung erweckt den Eindruck, alle Kandidatinnen würden direkt vor der prominenten Jury auftreten. RTL hat selbst bestätigt, dass das aus logistischen Gründen nicht möglich sei.

Es gibt eine Vorjury, die eine Vorauswahl trifft und diese Vorjury sieht man nie, wer diese Runde übersteht, kommt in die nächste Stufe bei Big Brother zum Beispiel folgten auf die Telefoncastings Kameracastings in mehreren Städten und alle Bewerberinnen in der engeren Auswahl mussten an einem psychologischen Test teilnehmen. Das klingt erstmal nach Fürsorge und das ist es manchmal auch. Aber Thomas Spielmann hat beschrieben, wie sich das über die Staffeln verändert hat.

Er teilte die Bewerberinnen in 3 Gruppen ein, Gruppe a Personen mit massiver Selbstwertproblematik, oft mitten in Lebenskrisen, mit der Hoffnung, Ruhm werde alle Probleme lösen, Gruppe B ausgeprägt, narzisstische Persönlichkeiten überzeugt vom Star sein, nur noch nicht entdeckt worden zu sein, Gruppe C stabile, reflektierte Menschen Spielmann achtete in den ersten Staffeln darauf, nur Gruppe C zu nehmen. Ab der 2.

Staffel übernahmen die Produzentinnen den Auswahlprozess und wollten explizitgruppe a. Und B. Spielmann dazu diese bevorzugten Personen, die manipulierbar waren, beispielsweise zum Sex vor der Kamera. Die offene Aggressionen zeigten Intrigen gegen andere Kandidaten in die Wege leiteten oder Zusammenbrüche erlitten. Das interne Motto für die zweite Big Brother Staffel öffentlich dokumentiert, war weg vom auf der Couch sitzen, hinzu mehr Intrigen, verrückten Charakteren und verschärften Regeln, das ist kein Zynismus von außen, sondern die Produktionslogik, die sich selbst beschreibt, dazu kommen psychologische Tests. Standardisierte Assessments, die Persönlichkeitsprofile erstellen was mit diesen Profilen

passiert, hat ein ehemaliger Kandidat in einem amerikanischen Medienbericht so beschrieben. Sie fragen euch nach euren größten Ängsten, damit sie euch 40 Stockwerke hoch auf ein Gebäude stellen können, die Information gehört nicht dir, sie gehört der Show, denn Verletzlichkeit bringt Quote und wer das Casting besteht, wird zu einem Gespräch eingeladen, hier laufen die Erfahrungen auseinander.

Und das ist selbst Teil des Arguments. Ich habe ja bereits erzählt von der Person aus meiner Community, die mir von dem DSDS und The Voice Casting erzählte, Nummernkleber statt Namen zu 10 vor der Jury abgebrochen werden, wenn man von selbst aufhört, kein Gespräch, keine Wärme, kein Interesse an der Persönlichkeit hinter der Stimme rein, bestenfalls singen, raus das Love is blindcasting war ein anderes Erlebnis, davon hat mir auch eine Teilnehmerin der Umfrage erzählt, eine Recruiterin, ein echtes Gespräch, Interesse an der Person.

Und das ist n hochbudget Netflix Format, das auf wochenlange emotionale Investition der Kandidatinnen angewiesen ist. Da macht Wärme im Casting auch wirklich Sinn und trotzdem kamen natürlich auch in diesem sympathischen Gespräch dieselben Fragen. Schauen wir uns das noch mal genau an, das Gespräch war nett, in dieser Atmosphäre kamen dann die Fragen, wie die letzte Beziehung war, welche anderen Beziehungen noch wichtig waren, ob die Person hetero sei.

Sie sagte, sie sei bisexuell. Daraufhin wurde sie gefragt, ob es ein Problem wäre, am Ende einen Mann zu heiraten, dann ob sie eine besondere politische Gesinnung hätte. Die Recruiterin hat ein bisschen rumgedruckst und dann direkt gefragt, ob sie recht sei, sie sagte, nein, ich bin das Gegenteil davon und dann, ob es okay sei, Aufnahmen in Badebekleidung zu machen und sie dürfe die auch selbst aussuchen, ob sie tätowiert sei und wenn ja, müssten dann Fotos von allen Tattoos eingeschickt werden. Das wurde damit begründet, dass vermieden werden will, dass im Fernsehen später irgendwelche Tätowierungen mit verbotenen Symbolen wie zum Beispiel Nazi Symbolen zu sehen sind. Das möchte ich positiv

hervorheben, dann ging es um die Bezahlung, Fixkosten, ja mehr nicht und dann ob sie es sich mental und körperlich zutraue, es gäbe ein psychologisches Team, man sei also nicht allein, das wurde explizit erwähnt und sie fand das gut. Nach dem Gespräch kam ein Dokument, eine offizielle Anleitung für das Bewerbungsvideo, die nächste Stufe des Prozesses, darin ganzkörper und Profilfotos, nicht älter als ein Jahr, ein Vorstellungsvideo, in dem man vor und zurückläuft, draußen im Querformat eine Roomtour durch die eigene Wohnung, die Bereiche und Dinge, die besonders gut zeigen, wer man ist und was einem wichtig ist.

Videos bei Hobbys und Fragen, die beantwortet werden sollen was bedeutet die Ehe für dich, warum willst du heiraten? Wie lange bist du Single und warum? Oben auf dem Dokument steht, bitte verstelle dich nicht, sondern sei einfach du selbst. Wir lachen gerne mit dir, wir weinen auch gerne mit dir direkt darunter, optisch von der besten Seite zeigen bitte nicht verschlafen, angeschlagen oder im Gammel Look Authentizität, aber von der besten Seite und natürlich mit Deadline der Unterschied zu den Gesangscastings ist real und er ergibt Sinn Love is blind, braucht Menschen die sich über Wochen emotional öffnen.

Da investiert die Produktion ins Gespräch, aber die Fragen sind dieselben. Der Unterschied ist nicht, was gefragt wird, sondern wie. Im Casting geht es nie darum, ob jemand interessant ist. Es geht darum, welche Rolle die Produktion mit ihr besetzen kann. Kommen wir zum Kleingedruckten, denn wer genommen wird, unterschreibt einen Vertrag, für die meisten ist das der erste Moment, in dem konkret wird, worauf sie sich eingelassen haben, sofern sie den Vertrag überhaupt lesen.

Wer zu dem Zeitpunkt bereits ein Management hat, ist klar im Vorteil. Jemand der solche Verträge kennt, der weiß, welche Klauseln verhandelbar sind und welche nicht, wer das nicht hat, und das ist die Mehrheit der Kandidatinnen, unterschreibt meistens, was vorgelegt wird. Medienrechtlerinnen in Deutschland beschreiben diese Kandidatinnenverträge konsistent als extrem einseitig weitreichende Klauseln zur Rechtsübertragung, Exklusivität, Dauer, Schweigepflicht. Ein konkretes Beispiel aus dem DSDS Kontext, analysiert von einem Medienanwalt.

Der Kandidat überträgt dem Produzenten das gesamte Material aus dem Casting zur ausschließlichen beliebigen häufigen Nutzung inhaltlich, zeitlich und örtlich uneingeschränkt. Rechtsanwalt Christoph Müller in der Abendzeitung München das heißt, ein kurzer Auftritt vor der Jury und die Aufnahmen aus dem Casting gehören für immer der Produktion, die. Wie sie verwendet werden, wann in welchem Kontext, das entscheidet nicht die Person, die darin zu sehen ist. Eine Szene kann Jahre später in einer Compilation auftauchen, international lizensiert werden als Social Media Clip kursieren dagegen gibt es keinen Hebel.

Medienrechtler Martin Hofert ist so eingeordnet, die Menschenwürde sei als Teil des Persönlichkeitsrechts nicht dauerhaft und vollständig abtretbar. Das heißt, es gibt eine rechtliche Grenze, ab der ein Vertrag sittenwidrig wird, egal was draufsteht und egal, was unterschrieben wurde. In der Praxis ist diese Grenze schwer zu ziehen und die Hürde, sie vor Gericht geltend zu machen, ist hoch. Wer keine Ressourcen hat, das Durchzufechten, ist de facto schutzlos, wer das trotzdem versuche, so Huff, mache die Kandidatin zur Ware.

Der Rechtsrahmen ist klar und er schützt die Produktionsfirmen, nicht die Kandidatinnen. Daran ändert sich nichts durch das sympathische Gespräch vorher. Jetzt könnte man sagen, wenn das alles so ist, warum macht es dann überhaupt irgendjemand? Die einfache Antwort wäre, die Leute wissen es nicht besser, aber das stimmt so nicht zwangsläufig. Es gibt eine interessante Erklärung, Forschung zur Motivation von Reality Kandidatinnen zeigt, es ist vor allem extrinsische Motivation, also der Wunsch nach externen Belohnungen wie Ruhm und Aufmerksamkeit. Und diese Motivation ist klebrig. Wer einmal im System ist, kommt nur schwer wieder raus. Das Ausbleiben des Ruhms nach der Show kann sich anfühlen wie ein Zug, das System weiß das,

und es nutzt es, und dann gibt es noch den, nennen wir ihn mal, ach, warum nicht Moment, die meisten Menschen, die ich zu diesem Thema gesprochen habe, sind nicht morgens aufgewacht und haben entschieden, ich will jetzt Reality Star werden, sie haben gedacht, die rufen eh nicht an und dann haben sie doch angerufen. Und genau das ist das Design.

Die Formulare sind niedrigschwellig, die Bewerbungssprache ist einladend. Itv Studios Germany schreibt auf der Casting Webseite Dein Weg vor, die Kamera beginnt genau hier, wir sind stets auf der Suche nach spannenden Persönlichkeiten, die unsere Formate bereichern oder für die Initiativbewerbung du hast etwas Außergewöhnliches zu erzählen oder eine besondere Fähigkeit, es hat dich schon immer ins Rampenlicht gezogen. Das sind keine Beschreibungen, das sind Spiegel. Die Formulare sagen dir, wer du sein könntest und wer du vielleicht schon immer warst, ohne es je zeigen zu können. Das erklärt auch, warum so ziemlich jeder Reality Star irgendwann in einem Interview sagt, sie oder er habe endlich zeigen wollen, wer oder sie

wirklich ist. Das Versprechen steckt schon im Bewerbungsformular, die Ironie daran, was im Casting als wahres Ich verkauft wird, ist längst eine Konstruktion. Die Produktion hat entschieden, welche Version von dir interessant ist und wer dann nach der Sendung sagt, das sei gar nicht er oder sie gewesen, hat damit nicht unrecht.

Nur war die Rolle nicht im Schnitt entstanden, sondern sie war schon beim Casting vergeben, was ich dir heute mitgeben möchte ist nicht, bewirb dich auf gar keinen Fall, ich bin nicht hier, um dir das auszureden, aber wenn du das nächste Mal eine Reality Show schaust und denkst, warum verhalten die sich alle so, warum gibt es immer dieselben Charaktere? Denselben Konflikt, dieselbe Eskalationskurve. Dann weißt du jetzt, wo das herkommt, nicht vom Set, nicht nur vom Schnitt, sondern von einem Formular, das du in 10 Minuten ausgefüllt hast, von einem Gespräch mit einer sympathischen Recruiterin, von einem psychologischen Test, dessen Ergebnisse nie wirklich dir gehört haben. Die Show wird also schon im

Casting entschieden, was du auf dem Bildschirm siehst, ist das Ergebnis eines Konstruktionsprozesses, der Monate vorher begonnen hat. Mit Fragen nach deinen offenen Wunden, deiner Körpergröße, deiner ex Beziehung, deiner Reichweite auf Instagram. All das fließt in die Entscheidung, die du nicht kennst, nach Kriterien, die dir niemand nennt. In der nächsten Folge geht es dann um den nächsten Schritt, die Produktion.

Was passiert am Set, was landet im Schnitt und was nicht, wie aus Hunderten Stunden Material eine Geschichte wird und wer entscheidet welche? Warum manche Kandidatinnen als Bösewicht aus einer Sendung rausgehen, obwohl sie sich an ganz andere Szenen erinnern? Und was will and edit, Hero, Edit und Confessionals wirklich bedeuten?

Als Machtinstrument, nicht als Stilmittel? Am Donnerstag gibt es dann erstmal eine neue Folge mit Laura zusammen, wir schauen uns Folge 6 von Promis unter Palmen an und wir berichten vom Survivor Event, auf dem wir letzte Woche waren. Wenn dir der Podcast gefällt, folg uns dort, wo du uns hörst. Hinterlass einen Daumen hoch oder eine 5 Sterne Bewertung. Das hilft wirklich mehr Menschen zu erreichen. Schreib mir außerdem in die Kommentare oder auf Instagram. Dort findest du uns unterreality.tv Punkt Check, ich freue mich über jede Nachricht und bin gespannt was du zu dieser Folge zu sagen hast.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch mal ganz herzlich bei allen bedanken, die an der Umfrage teilgenommen haben und ihre persönlichen Geschichten mit mir geteilt haben. Ohne euch hätte ich die Folge so nicht machen können. Das ist auch noch mal ein kleiner Hinweis auf Instagram. Wenn ich so was mache mit Umfragen und ihr euren Teil dazu beitragen könnt, dann findet ihr dazu auch immer die Aufrufe dort. Also folgt uns auf jeden Fall rein, damit ihr so was nicht verpasst.

Bis zum nächsten Mal.

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