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Shownotes
Worauf gründet deine persönliche Frömmigkeit? Auf Gefühlen, Pragmatismus oder dem, was „für dich funktioniert“? Frieder Kuhs und Lukas Strauß zeigen: Die 5 Soli der Reformation sind nicht nur historische Formeln – sie sind das Fundament für ein bibeltreues geistliches Leben.
Zentrale Erkenntnisse:
• Sola Gratia, Sola Fide und Solus Christus legen das Evangelium als Grundlage: Rechtfertigung allein aus Gnade durch Glauben an Christus.
• Heiligung ist kein Selbstrettungsprojekt, sondern dankbare Antwort auf Gottes Gnade – mit klarer menschlicher Verantwortung.
• Sola Scriptura befreit: Persönliche Glaubenspraxis muss bibelzentriert sein, nicht methodenzentriert.
• Soli Deo Gloria ist das Ziel: Alles dient der Ehre Gottes, nicht unserem geistlichen Selbstgefühl.
• Die Fünf Soli schützen vor Moralismus und Gesetzlosigkeit und führen zu echter Nachfolge Jesu.
Die reformatorische Theologie wird konkret – für deinen Alltag und dein geistliches Wachstum. Hör rein und entdecke, wie die 5 Soli deine persönliche Frömmigkeit prägen können. 🎧
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Intro-Musik: David Klautke
Outro-Musik:
Heartwarming by Kevin MacLeod
Link: incompetech.filmmusic.io/song/3864-heartwarming
License: filmmusic.io/standard-license
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Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Reformatio. Frieda, ich freue mich, dass du wieder da bist heute. Ich freue mich, dass ich jeder da sein darf. Und wir sprechen weiter über das Thema Frömmigkeit. Beim letzten Mal haben wir darüber gesprochen, wie Frömmigkeit im Persönlichen im Vergleich zu der Frömmigkeit in der Gemeinde aussehen sollte, was die persönliche Frömmigkeit ausmacht und warum beides eben sehr wichtig ist und sich sehr gut ergänzen sollte.
Und heute wollen wir über die Prinzipien sprechen, die bei der Frömmigkeit, gerade bei der persönlichen Frömmigkeit gelten sollten. Und dazu müssen wir uns am Anfang ja erstmal überlegen, worauf muss die Frömmigkeit basieren. Was ist die absolute Grundlage der Frömmigkeit? Und wenn wir da mal in die Welt schauen, wie man das vielleicht machen könnte, dann begegnen uns immer wieder Trends, die wir sehen, die sich bei Christen in das geistige Leben einschleichen.
Überlegungen, die zur Grundlage der Frömmigkeit werden, die ja nicht gut sind.
Ja. Und ja, wir schauen vielleicht in die Welt und sehen das, aber eben wie du es eigentlich sagst, nicht nur in der Welt herrscht das immer wieder vor, sondern auch wir als Christen übernehmen oft, vielleicht auch mehr, als es uns jetzt auf den ersten Blick bewusst ist, diese Grundlagen und versuchen darauf, unseren Glauben zu basieren.
Die absolute Grundlage dieser Welt heutzutage ist wahrscheinlich, dass die meisten Leute denken, dass es sowas wie objektive, absolute Wahrheit nicht gibt. Also, naja, wer sagt denn, dass das jetzt richtig ist oder nicht richtig ist? Wer sagt denn, ob das jetzt gut ist oder nicht so gut ist? Und wenn du diese Grundlage hast, dann kann die ja auch niemand in dein Leben hineinsprechen.
Und eine Sache, die damit verbunden ist, wahrscheinlich, ist dieser Gedanke, dass ich mache das, was eben für mich gut ist. Ich habe so viele Wahlmöglichkeiten, die ganze Welt ist voll von, wie kann ich meinen Glauben ausleben und ich mache dann einfach das, was für mich gut ist, was für mich passt. Ich überlege mir einfach, das, was ich will, das wird schon das Richtige sein.
Darauf baue ich meinen Glauben auf.
Und ein anderer Punkt ist ja ein sehr pragmatischer Ansatz, zu sagen, ich nehme einfach das, was funktioniert. Ganz klassisch, wenn mich das gefühlt näher zu Gott bringt, dann ist das richtig. Wenn mich das Geistlicher macht, dann ist das gut. Aber auch dieses Denken kann ja nicht funktionieren. Weil dieses Denken ja letztendlich wieder mich in den Mittelpunkt rückt und nicht danach fragt, was Gott eigentlich will.
Und das ist ja das, was wir brauchen. Wir müssen hin zu der Frage, was möchte Gott? Wie wir unsere Frömmigkeit gestalten, letztendlich, wie wir unser Leben als Ganzes leben, wie wir alles machen, was wir machen, aber gerade eben auch bei der Frömmigkeit, welche Prinzipien gibt uns Gott an die Hand in seinem Wort, die wir umsetzen sollen in unserer persönlichen Frömmigkeit?
Ja, ich glaube, du sagst es sehr gut. Es ist dieser Gedanke von wir zentrieren uns auf uns selbst sehr oft und denken, ja, was ist, was bin ich? Das ist, glaube ich, der Kern von allen diesen Sachen, die wir gerade gesagt haben, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Und die biblische Wahrheit ist aber, nein, Gott muss im Mittelpunkt stehen und das, was Gott sagt, das muss beeinflussen, was ich dann mache.
Und das heißt eben auch, meine Theorie, meine Theorie muss eigentlich richtig sein, damit meine Praxis auch richtig ist. Das heißt, ich muss in Gottes Wort schauen, ich muss mir überlegen, was ist denn Gottes Wille? Und daraus muss ich dann ableiten, was ich mache. Ich habe mir da ein absurdes Beispiel mal.
Wenn ich mir überlege, ich will, dass ich jeden Tag möglichst Gott nahe komme, von Gott lerne. Und ich schaffe das am besten, habe ich mir jetzt überlegt, indem ich jeden Tag einfach Gottes Namen tanze. Das ist meine stille Zeit. Das ist natürlich ein komplett absurdes Beispiel. Ich denke auch nicht, dass es irgendjemand macht.
Aber niemand von uns glaubt, dass du tatsächlich dadurch irgendwie Gott näherkommen kannst. Wenn du, wenn das das Fundament deines Glaubenslebens ist, darin wirst du keine Erfüllung finden. Da wirst du nicht Gott kennenlernen und Gott erkennen. Wenn du nicht eben Gottes Wort selbst liest und das machst, was er will.
Ich glaube, hier sieht man einfach, wie eng uns das, was wir glauben, unsere Theorie, mit unserer Praxis zusammenhängen muss und wie sehr unsere Theorie, das, was wir glauben, unsere Theologie am Ende, eben auch unsere Praxis bestimmen sollte. Und deswegen wollen wir jetzt eben diese grundlegenden Prinzipien einmal durchgehen, bevor wir dann in den nächsten Episoden die praktischen Schritte näher anschauen.
Wenn wir uns in den nächsten Episoden wollen wir uns anschauen, wie genau sollen wir denn unsere Bibel lesen, wie genau sollten wir beten, wie genau sollten wir auch unsere Sünden bekennen und so weiter. Aber wir können eben all diese praktischen Schritte gar nicht gehen, wenn wir uns nicht vorher mal über die theoretischen, theologischen Glaubenssätze unterhalten haben, die zugrunde liegen sollten und die ja letztendlich das Gerüst und das Fundament für all unsere Praxis bilden.
Und deswegen wollen wir damit mal daran einsteigen und wir wollen das machen, indem wir die fünf Soli durchgehen. Die fünf Soli, das sind ja so diese fünf Glaubenssätze, die wahrscheinlich den christlichen Glauben am besten zusammenfassen, die alles kurz und knackig auf den Punkt bringen. Solla Scriptura, Sola Gratia, Sola Fide, Solus Christus und Soli Deo Gloria.
Und gerade die mittleren drei, also die Gnade, der Glaube und Christus, die drei bringen eigentlich das Evangelium zentral auf den Punkt und bilden somit die Grundlage auch für unser geistliches, für unser persönliches, frommes Leben.
Ja, genau. Allein durch Glauben können wir gerecht werden und diese Gerechtigkeit, die kommt allein durch Christus. Und ja, dieser Glaube, der ist nicht durch uns gewirkt. Das ist nicht, weil wir so gut sind oder so toll und weil wir uns so super entschieden haben, weil irgendwas Gutes in uns ist. Nein, das ist allein aus Gnade.
Das fasst das Evangelium zusammen, dass eben Christus das Fundament von unserer Gerechtigkeit ist und das baut auf der Gnade Gottes auf und wird uns zuteil durchglauben. Und genau da ist wahrscheinlich auch der Übertrag zur letzten Folge, wo es um diese Berufung ging, der wir würdig wandeln sollen. Wenn ich eben diese drei Punkte zusammenfasse und das Evangelium verändert hat, dann soll ich jetzt so leben, wie es Gott will.
Dann soll ich jetzt so handeln, wie es Gott will. Und dafür ist eben die Frage entscheidend: Wie will das Gott? Wie soll ich das machen?
Und wir haben auch gestern schon davon gesprochen, dass wir gemäß unsere Berufung wandeln sollen. Und diese Berufung, die wir haben, die ist eben auf diesem Evangelium basierend. Eben auf dieser Gerechtigkeit, die wir bekommen haben. Und deswegen ist ja der Wandel als Christ, wenn man so will, gar nicht anders zu denken als auf der Grundlage des Evangeliums, als auf der Grundlage der Rechtfertigung durch den Glauben allein, durch die Gnade allein.
Und hier sehen wir wieder, wie diese beiden Dinge ineinander greifen. Das Evangelium als Grundlage und das geistige Leben sozusagen als Antwort darauf.
Ich kann mir diesen Stand eben nicht erarbeiten. Ich kann nicht, indem ich so gut handle, na, dann zeigt mir Gott die Gnade und dann macht er mich gerecht. Nein, weil ich gerecht bin, weil er mich gerecht gemacht hat. Deshalb kann ich jetzt auch leben. Und das liegt alles eigentlich darin, eben, dass wir mit Christus vereint worden sind.
Dass in der Einheit mit Christus, wie man das nennen kann, eben diese intime Beziehung, die wir zu Christus haben, weil er uns zu sich gezogen hat, weil er uns errettet hat. Deswegen bringt er uns in eine Beziehung zu sich selbst, in der wir dann auch leben können und in der wir dann auch zu seiner Ehre leben können.
Und in der wir eben zu ihm hinwachsen sollen. Also das Ziel davon ist, dass diese Einheit mit Christus uns dazu bringt, ihm ähnlicher zu werden und mehr so zu leben, wie es ihm auch entspricht. Mehr so zu leben, wie es auch unsere Berufung entspricht.
Eine Sache, die man da sehr beachten muss, ich denke, in gewisser Hinsicht haben wir es schon angeschnitten, aber man muss es, glaube ich, ganz bewusst nochmal sagen, ist, dass wir bei dieser Frage nicht die Rechtfertigung, also unseren gerechten Stand vor Gott, den wir bekommen haben, weil wir in Christus gerecht erklärt werden.
Gott erklärt uns gerecht, weil wir Christi Gerechtigkeit bekommen. Die dürfen wir nicht vermischen mit unserer Heiligung. Eben das, wenn wir gerecht erklärt sind, dann macht uns Gott heilig und diese Heiligung ist aber ein Prozess. Das ist nicht was, wo ich von dem ersten Punkt an als perfekter Heiliger jetzt in diesem Leben bin.
Nein, ich habe immer noch Sünde. Gott sieht mich als dieser Heiliger, weil ich wirklich gerecht erklärt bin. Aber ich lebe in einem Prozess, in dem Gott mich immer heiliger macht. Auch durch Christus, auch aus Gnade. Aber in diesem Prozess spielen wir irgendwie auch mit.
Ja, und das ist ja dieser spannende Punkt, dass die Rechtfertigung eben allein Gottes Werk ist. Da haben wir keinen Anteil. Aber bei der Heiligung, da hat der Mensch eine Verantwortung, der er nachkommen soll. Und gleichzeitig passiert auch die Heiligung aus Gottes Gnade. Und hier finde ich Philippa 2, Vers 12 und 13 eigentlich sehr hilfreich, um das zu verstehen.
In Philippa 2, Vers 12 kommt die menschliche Verantwortung gut zum Ausdruck. Dort steht: Darum, meine Geliebten, wie ihr alle Zeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch vielmehr in meiner Abwesenheit, verwirklicht eure Rettung mit Furcht und Zittern. Das ist der ganz klare Aufruf von Paulus hier an die Philippa, dass sie ihre Rettung mit Furcht und Zittern erwirken sollen.
Und damit ist nicht gemeint, dass sie sich diesen gerechten Stand vor Gott erarbeiten müssen. Oder dass sie sich darum sorgen müssen, den nicht zu verlieren. Sondern damit ist gemeint, dass sie eben in dieser Berufung wandeln, dass sie das christliche Leben verantwortlich leben, in der Verantwortung, in die sie Gott reingestellt hat.
Und gleichzeitig finden wir ganz am Anfang des Verses eben ja auch das Lob von Paulus, dass es eben gut ist, dass sie alle Zeit gehorsam waren. Und hieran sieht man ja auch schon, wie wichtig das ist, was wir Menschen tun als Teil unserer Heiligung. Wir sind in dieser Sache nicht unbeteiligt, wir können uns nicht aus der Affäre ziehen, wir können nicht sagen, Gott muss das an mir wirken, ich kann nur da sitzen und Däumchen drehen.
Aber gleichzeitig dürfen wir, und das sehen wir dann, wenn wir einen Vers weiterlesen, in Vers 13, eben dass Gott aktiv in uns wirkt. Das steht dann, denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt, nach seinem Wohlgefallen. Also wir können uns dann auch nicht hinstellen und sagen, all unser Gehorsam, all unser Erwirken der Rettung in Furcht und Zittern, ist mein Werk, mein Verdienst, das, was ich getan habe, sondern es ist trotzdem durch Gottes Gnade in uns gewirkt.
Es ist also diese Zusammenarbeit von Gott und Mensch in der Heiligung. Nicht in der Rechtfertigung, aber in der Heiligung.
Genau, das heißt, die Heiligung ist in gewisser Weise der gottgewirkte Prozess, wie er uns seinem Sohn ähnlicher macht. Und man könnte jetzt sagen, die Frömmigkeit, also dieses persönliche Glaubensleben, das ist dann unser Ausdruck in dieser Heiligung. Also, das ist das, was wir tun, um selbst heilig zu werden.
Das heißt, es ist auch eine unglaublich große Sache. Unser ganzes Leben soll zur Ehre Gottes passieren. Unser ganzes Leben muss ausgerichtet sein. Und wenn wir das tun, dann tun wir eben das, was Gott von uns verlangt. Dann erwirken wir unser eigenes Heil mit Furcht und Zittern.
Und ich glaube, wenn wir sola gratia, sola fide, solus Christus richtig verstehen und verstehen, wie Rechtfertigung und Heiligung zusammenhängen, dann verstehen wir in Bezug auf unser eigenes persönliches Frömmigkeitsleben, dass es weder ein Moralismus ist, noch eben eine komplette Gesetzlosigkeit im Sinne davon, dass ich nichts tun muss oder nichts tun sollte oder gar nichts tun kann.
Sondern es ist ein Aufruf an uns, die Verantwortung wahrzunehmen, die uns gegeben ist. Und es ist gleichzeitig ein Aufruf, darauf zu vertrauen, dass Gott in seiner Gnade in uns die Heiligung wirkt.
Ja, der Heidelberger Katechismus fasst es auf eine geniale Art und Weise zusammen. Der hat ja bekanntlicherweise drei Teile. Am Anfang wird unsere Sünde beschrieben, dann wie Christus uns von dieser Sünde erlöst. Und dann im dritten Teil geht es darum, wie wir jetzt ihm dankbar leben können. Da ist die erste Frage vom dritten Teil Da wir nun aus unserem Elend, ganz ohne unser Verdienst, aus Gnade durch Christus erlöst sind, warum sollen wir gute Werke tun?
Und der Heidelberger Katechismus antwortet Wir sollen gute Werke tun, weil Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, damit wir mit unserem ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohltat erweisen, und er durch uns gepriesen wird.
Danach auch, dass wir bei uns selbst unseres Glaubens und aus seinen Früchten gewiss werden und mit einem Leben, das Gott gefällt, unsere Nächsten auch für Christus gewinnen. Also, was der Katechismus sagt, ist so ein bisschen das, was wir angesprochen haben. Christus hat uns gerecht gemacht, gerechtfertigt, und jetzt wirkt er in uns die Heiligung und formt uns zu seinem Ebenbild.
Und dadurch wird Gott gepriesen. Dadurch erweisen wir uns Gott dankbar, indem wir dann heilig leben. Und das Geniale ist, das zeigt der Heidelberger Katechismus schön, dadurch bekommen wir sogar auch Gewissheit unseres Glaubens, weil wir eben an den Früchten des Glaubens sehen, ja, ich gehöre wirklich zu Gott, ja, Christus hat mich wirklich errettet, und andere Menschen sehen das und erkennen.
Christus regiert. Gott ist der Herr, zu ihm muss ich.
Das ist die absolute Grundlage, auf der unsere Frömmigkeit steht. Das ist das, was uns drei der fünf Sodis sagen. Lass uns jetzt weitergehen zum vierten Soli. Das ist das, was meistens als erstes genannt wird und das, was hier eben auch sehr zentral steht, das Sola Scriptura. Also allein die Schrift.
Und in Bezug auf die Frömmigkeit ist das eben ein ziemlich simples Prinzip. Die Frömmigkeit von uns sollte bibelzentriert sein.
Ja, genau. Also die Schrift muss das Zentrum sein von dem, wie wir unseren Glauben ausleben. Das ist schon die ganze Zeit angeklungen, glaube ich, in unserem Gespräch bis jetzt, dass wir immer wieder darauf verwiesen haben: ja, guck mal in der Schrift, schau mal die Schrift, weil es so fundamental wichtig ist.
Und trotzdem muss auch da die Grundlage eigentlich schon sein, und deswegen haben wir das davor hingestellt: das Evangelium brauchst du. Du musst gerettet werden und dann fängst du an zu leben. Dann fängst du an, zu Gott nachzufolgen. Und dafür brauchst du dann die Schrift. Dann muss die Schrift im Mittelpunkt von deinem Fremdigkeitsleben stehen.
Ja. Und ich glaube, hier ist ein wichtiger Punkt, dass wir verstehen, welchen Stellenwert die Schrift eben einnimmt in der Geschichte von Gott mit seinem Volk. Und wenn wir mal in die Bibel reinschauen, dann sehen wir von Anfang an, dass das Volk Gottes ein Volk des Hörens war. Es war kein Volk, das sich Bilder machen sollte, es war kein Volk, das sich Götzenstatuen gebildet hat, sondern es war ein Volk, zu dem Gott gesprochen hat, manchmal ganz direkt als Stimme, manchmal durch einen Menschen, den er benutzt hat, einen Propheten, dann später durch einen Apostel.
Und das, was Gott zu uns gesprochen hat, zu seinem Volk, das hat er eben in der Bibel als sein Wort festgehalten, aufschreiben lassen, damit wir als sein Volk heutzutage seine Worte haben können und auf seine Worte hören können. Und das unterscheidet ja eine protestantische Frömmigkeit von den Frömmigkeiten anderer Religionen, in einer gewissen Weise auch von einer katholischen und orthodoxen Frömmigkeit, eben dass wir diesen Fokus auf das Hören des Wortes Gottes, auf das Lesen des Wortes Gottes legen und eben nicht auf das Sehen von irgendwelchen Bildern, auf das Sehen von irgendwelchen Götzenstatuen oder auf das Anfassen von irgendwas, sondern dass im Zentrum wirklich das, ich höre auf das,
was Gott zu mir spricht.
Ja, genau. Und das bedeutet dann aber ja, wenn ich auf das höre, was Gott zu mir spricht, dann muss meine Frömmigkeit, dann muss das, wie ich als Christ lebe, von den Prinzipien, die uns die Bibel selbst gibt, geprägt sein. Und das heißt, in gewisser Hinsicht ist eine Frömmigkeit, die biblisch ist, einfach.
Da gehört nicht zu arg viel dazu. Man könnte jetzt da wieder die Abgrenzung zum vielleicht zum Katholischen machen und sagen, ja, da braucht man eben im Gottesdienst alle möglichen anderen Sachen zum Wort dazu. Und da könnte man sagen, ja, nein, die Bibel selbst will, dass wir auf das Wort Gottes hören.
Aber man könnte auch sagen, in unserer persönlichen Frömmigkeit kann das eine Rolle spielen. Wir haben oft das Denken in uns drin, dass wir sagen, ich brauche das und das und das Programm. Ich muss mir all, ich muss all diese Sachen machen. Ich muss vielleicht auf einen Berg steigen und nur dann kann ich wirklich Gott hören.
Ich muss diese Methode anwenden und die und die und die und nur dann bin ich quasi gut genug in meiner Frömmigkeit. Das heißt jetzt nicht, auf einen Berg zu steigen, um auf Gott zu hören, ist was grundlegend Falsches. Das heißt nicht, Journaling zu machen oder bestimmte Methoden anzuwenden, ist was grundsätzlich Falsches.
Aber die Bibel befreit uns da in gewisser Hinsicht auch, dazu zu sagen, ich kann einfach Christ sein, indem ich Gottes Wort lese, indem ich mir morgens Gottes Wort nehme und darin lese, darüber nachdenke und darüber bete. Das ist die Grundlage, wie wir auf Gottes Wort hören können und wie wir eben fromm leben können, so dass es wie es Gott gefällt.
Also das Sola Skriptura auf unsere persönliche Frömmigkeit anzuwenden, ist eine Befreiung für uns, um ein Leben Soli Deo Gloria zu leben. Das ist das Letzte der fünf Solis, das wir jetzt noch nicht besprochen haben. Und das ist letztendlich der Höhepunkt von diesen fünf Solis, darin endet alles. Das ist der Zweck von allem und das zeigt uns eben auch, dass die Heiligung, dass die Frömmigkeit, dass all das, über das wir gerade gesprochen haben, eben kein Selbstzweck ist, sondern dass es einen höheren Zweck hat, nämlich die Ehre Gottes.
Also wir tun all diese Dinge nicht, weil die Dinge an sich so schön oder so gut sind, sondern wir tun sie, weil sie uns näher hinbringen zu Gott und ihn verherrlichen.
Ja, und das sagt wieder der Heidelberger auf eine wunderschöne Art und Weise. In der Frage, die wir gelesen haben, da kommt es schon zum Ausdruck, dass wir Gott ehren durch das, was wir dann tun. Und der ganze dritte Teil vom Heidelberger, wo es eben um die Dankbarkeit, die wir Gott zeigen, dafür, dass er uns in Christus gerettet hat, genau das bringt ja genau diesen Gedanken zum Ausdruck.
Und zwar, dass eben das, was wir tun, das, wie wir handeln auf dieser Erde, dass das dem Ziel dienen sollte, dass wir Gott verherrlichen, dass wir Gott ehren, dass ihm die Ehre am Schluss gehört. Deswegen erlöst er uns, weil er seine Ehre wiederherstellen will und sich verherrlichen will.
Und ich glaube, das ist das, was wir eben nicht vergessen dürfen, wenn wir über all die praktischen Aspekte der Frömmigkeit nachdenken. Weil ich glaube, wir sind schnell dabei, dass wir dann in der Praxis darüber nachdenken, wie soll ich jetzt ganz genau Bibellesen, damit das besonders gut ist, damit das richtig ist, damit das so ist, wie Gott das will.
Und das sind gute Fragen und das sind Fragen, über die wir wirklich nachdenken sollten. Deswegen machen wir auch in den nächsten Wochen ein paar Episoden dazu. Aber wir sollten das eben immer mit dem Hintergedanken machen, ich mache das nicht wegen des Bibellesens. Ich frage mich nicht, wie ich gut beten soll, wegen des Betens, sondern ich mache das, weil ich dadurch Gott verherrlichen will und weil ich es für ihn tun will.
Ich glaube, das ist sehr wichtig, gerade dann, wenn wir über die Praxis nachdenken, weil wenn wir diesen Hintergedanken nicht haben, dann wird unsere Praxis schnell losgelöst von dem, was wir eigentlich glauben. Und das ist das, was wir am Anfang gesagt haben, was wir eben nicht tun wollen. Wir wollen die Praxis wirklich gründen auf unserer Theologie.
Deswegen haben wir über diese drei großen Prinzipien oder über die fünf Solis nachgedacht. Das Evangelium, die Rechtfertigung allein aus Glauben, die Heiligung, die daraus folgt, die Schrift, die die Grundlage ist und eben dann halt das Ziel, das diesen Höhepunkt dieser Prinzipien bildet.
Ja, so ist das. Und so können wir auch nur fromm Leben. Ich glaube, wenn wir irgendwie versuchen, ein anderes Fundament aufzubauen, da sind wir wieder beim Anfang, wenn wir irgendwie versuchen, aus uns selbst heraus, aus dem Menschen selbst heraus uns etwas aufzubauen, wie wir Gott ehren können, das können wir in der Bibel sehen, wie das fatal scheitert immer wieder.
Wie das Volk Gottes, immer wenn es anfängt, auf sich selbst zu schauen und zu sagen, ja, wie sieht ein menschgemachter Gottesdienst aus? Genau dann scheitert es und genau dann kommt es ab von dem Weg der Nachfolge Gottes.
Vielen Dank, Friede, dass du da warst und dass wir diese Prinzipien zusammen angeschaut haben, eben weil sie so zentral sind für alles, was wir in unserer Frömmigkeitspraxis machen.
Sehr gerne.