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Reformatio

Stille Zeit vs. Gottesdienst? (#396)

Mittwoch, 21. Oktober 2026 · 25 min

MP3

Shownotes

Was ist wichtiger: die Stille Zeit zu Hause oder der Gottesdienst in der Gemeinde? Frieder Kuhs und Lukas Strauß gehen dieser klassischen Spannung nach und zeigen, warum beides untrennbar zusammengehört.
Zentrale Erkenntnisse:
• Persönliche Frömmigkeit und Gemeindeleben sind keine Konkurrenten – sie ergänzen sich.
• Das Herz entscheidet: Wahre Frömmigkeit zielt nicht auf eine Checkliste, sondern auf ein auf Christus ausgerichtetes Herz.
• Historische Extreme (nur Kirche oder nur „ich und Jesus“) führen beide in die Irre.
• Gebet, Bibel lesen und der gemeinsame Gottesdienst dienen demselben Ziel: der Berufung würdig zu wandeln.
• Wer die persönliche Andacht vernachlässigt oder den Gottesdienst abwertet, schwächt sein ganzes geistliches Leben.
Stille Zeit und Gottesdienst sind Gottes Gaben – keine Gegensätze, sondern Weggefährten auf dem Weg der Nachfolge.
Hör rein und entdecke, wie beides dein geistliches Leben stärken kann. 🎧
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Intro-Musik: David Klautke
Outro-Musik:
Heartwarming by Kevin MacLeod
Link: incompetech.filmmusic.io/song/3864-heartwarming
License: filmmusic.io/standard-license
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Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Reformatio. Ich freue mich, Frieda, dass du heute wieder da bist. Freue ich mich auch. Und wir sprechen heute über das Thema geistliches Leben, persönliche Frömmigkeit. Ja, das christliche Leben besteht ja aus dem Leben in der Gemeinde, aus dem Gottesdienst, aus den Veranstaltungen in der Gemeinde, die Bibelstunde, die Gebetsstunde und was sonst noch dazugehört.

Aber das christliche Leben besteht ja nicht nur aus diesen Veranstaltungen, die wir in der Gemeinde haben, die wir gemeinsam begehen, sondern es besteht eben auch aus dem persönlichen Leben.

Genau, also zum Leben als Christ gehört ja auch dazu, dass du zum Beispiel jetzt mal, bezogen auf die Frömmigkeit, Bibel liest und betest, dass du über Gottes Wort nachsinnst, aber ja auch dein ganz normales Leben ist ja eigentlich dein christliches Leben. Also du als Arbeitnehmer, du als vielleicht Familienvater oder Sohn, du als Mutter, das ist dein Leben als Christ, dass du eben einfach als Christ lebst in deinem Alltag.

Genau, und wenn wir über dieses christliche Leben sprechen, im Alltag, in der Gemeinde, im persönlichen, im Öffentlichen, könnte man sagen, dann kommt ja schnell die Frage auf, was von beidem jetzt wichtiger ist. Worauf sollen wir unsere Priorität setzen? Was ist das, was den ersten Rang haben sollte und was den zweiten Rang haben sollte?

Wie schaffen wir es, beides gut unter einen Hut zu bringen? Und das ist die Frage, über die wir heute mal sprechen wollen.

Ja, genau. Besonders ja bezogen auf die persönliche Frömmigkeit. Also, wie gestalte ich mein konkretes Glaubensleben zu Hause? Und die Frage, wie wichtig ist das im Vergleich zur gemeintlichen oder öffentlichen Frömmigkeit? Und da ist ja schon interessant, da gab es immer wieder unterschiedliche Sichtweisen drauf, was da wichtiger ist, was weniger wichtig ist.

Die Kirchengeschichte hat darüber auch gestritten in gewisser Hinsicht. Und die Frage ist ja so ein bisschen, worauf muss ich die Priorität legen? Also sollte ich lieber mehr in die Gemeinde gehen oder sollte ich lieber mehr beten, mehr Bibel lesen? In gewisser Hinsicht wahrscheinlich beides, aber das ist eine Frage, der man schon nachgehen sollte.

Ja. Genau, und um das zu machen, müssen wir uns ja erstmal fragen, was eigentlich Frömmigkeit wirklich ist. Wir müssen erstmal in die Bibel reinschauen und sagen, was da dazugehört oder was auch mit einem zugegebenerweise ein bisschen sperrigen Begriff Frömmigkeit eigentlich gemeint ist. Und wir haben uns mal ein paar Bibelstellen ausgesucht, die wir gemeinsam lesen wollen, um darüber zu sprechen und das besser in Erfahrung zu bringen, was die Bibel dazu sagt.

Und die erste Bibelstelle, die da relevant ist, ist Epheser 4.

Ja, ich lese es mal vor, in Epheser 4, Vers 1, schreibt Paulus: so ermahne ich euch nun, ich, der gebunden im Herrn, dass ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen worden seid. Dann führt er danach aus, wozu diese Berufung, was dazu gehört, zum Beispiel Demut und Sanftmut und Langmut. Aber der Grundgedanke hier, diese Berufung, zu der wir berufen worden sind, dass wir der würdig wandeln.

Wozu sind wir berufen? Wir sind dazu berufen, Christus nachzufolgen. Wir sind dazu berufen, das zu tun, wofür wir gerettet wurden. Und das ist eben, wie wir es schon letztes Mal hatten, als wir über ein anderes Thema geredet haben, Gott zu verherrlichen. Das ist unsere Berufung.

Genau, und die Frömmigkeit besteht eben darin, der Berufung würdig zu wandeln und eben die Dinge anzustreben, die dazu passen. Die Dinge, die du gerade ja auch aufgezählt hast. Und in einer gewissen Weise ist das eben das, was es bedeutet, Christus ähnlicher zu werden, ihn mehr zu erkennen und mehr so zu leben, wie es ihm Ehre macht, wie es ihm entspricht, wie es eben zu ihm passt.

Ja, genau. Und warum ist das wichtig? Weil wir in dieser Welt von allen möglichen Dingen davon abgehalten werden, das zu tun, dieser Berufung würdig zu wandeln, als fromme Menschen, fromme Christen zu leben. Und deswegen ist ein weiterer Vers, wahrscheinlich im Epheserbrief, wichtig, den wir rausgesucht haben.

Und zwar in Epheser 6, da schreibt Paulus weiter, im Übrigen, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr standhalten könnt gegenüber den listigen Kunstgriffen des Teufels. Und dann redet ihr noch weiter, woraus diese Waffenrüstung besteht.

Aber was unglaublich Wichtiges ist eben, wir leben in einer Welt, das ist nicht neu in dieser Zeit jetzt, dass das was ganz Außergewöhnliches ist, dass ganz viele Dinge uns vom Glauben abhalten wollen. Nein, wir leben in einer Welt, in der der Teufel versucht, durch alle möglichen Dinge, schon immer zur Zeit, als Paulus geschrieben hat, hat er Kunstgriffe benutzt und heute benutzt er Kunstgriffe, die sich vielleicht ein bisschen unterscheiden, aber der Teufel möchte uns davon abbringen.

Und in diesem Kampf des Glaubens gibt uns Gott eine Waffenrüstung, gibt er uns die Möglichkeit, ihm nachzufolgen, indem wir bestimmte Dinge machen.

Er rüstet uns eben aus zu diesem Kampf und fordert uns dazu auf, diesen Kampf auch anzunehmen, diesen Kampf zu sehen. Ich glaube, das ist ein ganz zentraler Aspekt davon. Und dann eben diesen Kampf auch zu führen, um eben nicht in die Sünde zu fallen, sondern gemäß der Berufung zu wandeln. Und wir haben es gerade gelesen, dieser Kampf ist kein Kampf gegen Fleisch und Blut.

Es ist ein Kampf gegen geistige Realitäten. Und in diesem Kampf ist auch unser Herz ganz zentral. Das, was unsere Motivation ist, das, was unser Antrieb ist, das, was ja unser ganzes Sein letztendlich auch ausmacht, das Herz. Und über dieses Herz spricht auch das Sprüchebuch. Und da ist ein Vers, der eigentlich dieses ganze Thema der Frömmigkeit ziemlich gut auf den Punkt bringt.

Ja, genau, das lese ich auch mal vor. In Sprüche 4, Vers 23 steht: Mehr als alles andere, behüte dein Herz. Denn von ihm, vom Herz, geht das Leben aus. Gottes Wort ist ganz klar: die Listen des Teufels, die Kunstgriffe, diese Dinge, die du tun sollst, das sind nicht alles Äußerlichkeiten, sondern das Entscheidende, worum es geht, ist dein Herz.

Jesus erzählt einmal die Geschichte davon, wie eben das Äußere eines Bechers versucht man reinzumachen, aber das Innere ist doch das, was rein sein muss. Und was er damit sagen will, ist, das Herz ist das Entscheidende, weil aus dem Herz kommt das heraus, was eben wirklich einen Menschen ausmacht. Das heißt, unser Herz muss richtig ausgerichtet sein.

Unser Herz muss auf Christus ausgerichtet sein, damit wir eben wahre Frömmigkeit leben können. Das heißt, die äußerlichen Dinge, die sind wichtig. Da sagt uns Gottes Wort auch, was wir machen sollen und können. Aber diese persönliche Frömmigkeit, die zielt auf das Herz. Das Herz muss getroffen werden.

Ja. Genau, also um es ganz konkret zu machen, sowohl in der persönlichen als auch in der öffentlichen Frömmigkeit geht es nicht nur um, dass wir bestimmte Dinge tun und einen Haken hintermachen können, wie bei so einer To-Do-Liste, sondern es geht darum, dass wir die richtige Motivation haben und dass wir die Dinge mit der richtigen Herzenseinstellung machen.

Und das betrifft eben die öffentlichen Frömmigkeitsaspekte, das betrifft den Gottesdienst, das betrifft die Gemeinde, das betrifft aber eben auch das persönliche Glaubensleben, die persönliche stille Zeit, das persönliche Bibellesen. Und das zeigt uns ja letztendlich, gerade wenn wir nochmal diesen Gedanken des Herzes aufgreifen, dass die Frömmigkeit nichts ist, was wir auf einen Lebensbereich beschränken können, sondern die Frömmigkeit ist, was alles durchdringt, dass unser ganzes Leben ausmacht und das alles wie so eine große Klammer zusammenhält.

Ja, voll. Das ist ein guter Gedanke. Und trotzdem kann man die Frömmigkeit unterscheiden in gewisser Hinsicht. Es wird auch immer wieder gemacht. Deswegen lass uns mal mit der Gemeinde anfangen. In der Gemeinde, wie Frömmigkeit aussieht, wir denken wahrscheinlich sofort an die Predigt, die wir hören.

Wir denken sofort, wir denken sofort daran, dass wir in der Gemeinde Gemeinschaft haben, dass wir in der Gemeinde auch Gemeinschaft haben, indem wir das Abendmaiern und indem wir Menschen taufen und dabei sehen, wie eben diese Gemeinschaft auch erweitert wird. Und dazu gehört natürlich auch das ganze Miteinander in dieser Gemeinschaft, also dass wir als Gemeinde einander ermutigen und ermahnen, dass wir Trost zusprechen, wenn schlimme Dinge passieren.

Und das alles kann man in gewisser Hinsicht darunter fassen, was eben öffentlich passiert. Wenn du eben in die Gemeinde gehst, dann lebst du da deine Frömmigkeit eben auf so eine Art und Weise aus.

Ja, genau. Der Gottesdienst, das Singen, das Beten, all die Dinge gehören dazu. Und gleichzeitig gibt es eben dann noch das, was im Privaten stattfindet. Das, was man klassischerweise mit dem Begriff, ich habe ihn vorher schon genannt, stille Zeit zusammenfasst. Das ist das Bibellesen im Persönlichen, das ist das persönliche Gebet.

Aber es ist ja eben auch, und hieran sieht man, dass man das zwar unterscheiden kann, dass man sagen kann, das eine ist öffentlich, das andere ist privat, aber dass man es auch nicht komplett voneinander trennen kann. Die persönliche Frömmigkeit umfasst ja schon auch Aspekte der öffentlichen Frömmigkeit.

Nämlich das, was eben die persönliche, das, was die öffentliche Frömmigkeit im Persönlichen auslöst. Der persönliche Nutzen der Taufe. Sowohl wenn man selbst getauft wird, als auch wenn man Zeuge wird von einer Taufe, von jemand anderem. Das gleiche gilt fürs Abendmahl. Auch das sind ja Aspekte, die die persönliche Frömmigkeit ausmachen, dass man über diese Dinge nachdenkt in einer gewissen Weise.

Ja, auf jeden Fall. Also du gehst ja nicht in den Gottesdienst und dann verschwindest du als Person, sondern du bist ja als einzelne Person tatsächlich da und erlebst auch die Predigt, angewendet auf dich und erkennst, ja, hier, da werde ich wirklich gerade getroffen von Gottes Wort. Eine Sache, die man wahrscheinlich sehr beachten muss bei diesem ganzen Gedanken von meiner Frömmigkeit, ist, dass wir sehr leicht in ein Denken rutschen können, von wegen, ich bin privat in dem, wie ich eben lebe, versuche ich ein Christ zu sein, indem ich in den Gottesdienst gehe, indem ich Bibel lese.

Aber wenn ich das gemacht habe, dann fängt das normale Leben an. Und dann bin ich nicht mehr Christ. Und gerade dieses Denken von wegen, ich muss meine stille Zeit machen und dann lebe ich eben ganz normal, das fährt da ganz extrem rein in diese Schiene. Oder zumindest, da kommt man sehr in die Gefahr, dass man so denkt, dass man das Leben als Christ auftrennt, dass man sagt, ja, ich bin zum einen Christ, aber ich bin natürlich auch ein ganz normaler Arbeitnehmer, der zur Arbeit geht.

Und das müssen wir uns wirklich fragen, inwieweit können wir das so sagen? Inwieweit gibt es irgendwelche Dinge, die ich mache, die nicht mit meinem Christsein verbunden sind? Also, auch als Arbeitnehmer habe ich die Verantwortung, ein christlicher Arbeitnehmer zu sein. Einer, der Dinge anders macht, weil er eben aus seiner Frömmigkeit, aus seinem Herz heraus anders lebt.

Ich kann als Beispiel sagen, wenn ich meine stille Zeit morgens mache und dann stört mich dabei meine Frau und dann fange ich an, mich über sie zu beschweren, dann verneine ich, indem ich das mache, sofort ja eigentlich das, was ich gerade machen wollte, dass ich mich auf Gott ausrichten wollte. Und so müssen wir da wirklich vorsichtig sein, denke ich.

Und ich glaube, die Schwierigkeit hier ist nicht nur das, was wir denken, sondern vor allem auch das, was wir tun und wie wir uns verhalten. Ich glaube, die wenigsten Christen würden sagen, naja, am Sonntag bin ich eben Christ und von Montag bis Freitag bin ich dann Arbeiter oder Geschäftsführer oder was auch immer.

Aber ich glaube, viele Christen verhalten es sich schnell so, weil es eben in unserer Welt so verführerisch ist, weil unsere Welt nicht so christlich ist, wie wir uns das vielleicht manchmal wünschen, eben weil in der Arbeitswelt der Kontakt mit anderen Christen eher selten ist, weil man eben nicht so stark daran erinnert wird, sich auch in diesen Zeiten, auch bei diesen Tätigkeiten auf Gott auszurichten.

Und da ist es dann eben ganz schnell, dass man zwar verstanden hat, naja, ich bin Christ und das macht mein ganzes Leben aus, das gibt mir eine neue Identität. Ich bin nicht nur Sonntagschrist und ich bin immer Christ, aber man verhält sich eben schnell so, als wäre man nur Sonntagschrist, eben weil es herausfordernd ist.

Und hier ist es, glaube ich, ganz wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind und dass wir versuchen, in allem als Christen zu leben. Und das beginnt damit, dass wir uns das bewusst machen, dass wir dieses Denken eben immer wieder prüfen und das falsche Denken dann auch entlarven. Aber das Denken allein reicht eben hier nicht aus, weil gerade die Praxis oft das Problem ist.

Jetzt haben wir vorhin gesagt, die über dieses Themenfeld öffentliche und private Frömmigkeit, da wurde schon in der Kirchengeschichte, gab es unterschiedliche Ansichten zu. Wahrscheinlich das Bekannteste, wie es ganz lange, gerade vor der Reformation unter Luther war, war eben dieses Denken in der katholischen Kirche, und das, denke ich, spiegelt sich auch heute noch interessanterweise in den Gebäuden wider.

Da gibt es ein Kirchengebäude, und dieses Kirchengebäude, das steht halt für sich allein. Da gibt es nicht noch irgendwas anderes dabei. Und die Menschen gehen am Sonntag in die Kirche und sie gehen aus der Kirche raus und sie hören auf, in gewisser Weise Christen zu sein. Sie gehen in die Kirche und dort findet meine Frömmigkeit statt.

Ich gehe in die Kirche und da werde ich zum Christ oder da bin ich Christ. Und das ist das Wichtigste, was ich mache am Sonntag, da in die Kirche zu gehen in gewisser Hinsicht, das macht mich sehr aus, aber sonst findet eigentlich keine wirkliche Frömmigkeit statt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass es damals eher keine verbreiteten Bibeln gab, dass man das nicht unbedingt machen konnte.

Aber es war jetzt auch nicht Gang und gäbe, dass man sich unter der Woche ganz viele Gedanken über Gottes Wort gemacht hat, sondern eben weil die Frömmigkeit so auf den Sonntag, auf den Gottesdienst zentriert war, deswegen hat das persönliche geistliche Leben nicht so einen großen Wert gespielt.

Und gleichzeitig kam ja auch dazu, dass man das Verständnis hatte, dass man ohne die Kirche, ohne den Priester, ohne die Sakramente gar keinen Zugang haben kann zu Gott. Also es war nicht nur, dass man keine Bibeln hatte oder dass man sich darüber nicht wirklich Gedanken gemacht hat, sondern eben auch der Gedanke, ich brauche das absolut notwendig, um Zugang zu Gott zu haben.

Und das war eben der Punkt, wo dann die Reformatoren angesetzt haben und gesagt haben, Zugang zu Gott hast du aufgrund von Christus. Nicht aufgrund des Priesters, nicht aufgrund der Heiligen, die Fürbitte für dich einlegen, nicht aufgrund irgendwelcher traditioneller ritueller Handlungen, sondern aufgrund von Christus.

Und das hat eben dazu geführt, dass die Persönlichkeit, äh, die Frömmigkeit ins Persönliche verlagert wurde, eben durch die Reformation. Die persönliche Frömmigkeit wurde immer wichtiger, sie hätten immer größere Rolle gespielt, dann auch im Verlauf der Kirchengeschichte. Und das hat dann dazu geführt, dass es auch Strömungen gab, die das genaue Gegenteil von dem gemacht haben, was die katholische Kirche vor der Reformation gemacht hat.

Sie haben die persönliche Frömmigkeit als Non plus Ultra definiert und die öffentliche Frömmigkeit fiel eigentlich hinten runter, war, wenn überhaupt, noch ein Bonus oder sogar überflüssig.

Ja, Luther und andere, Luther hat diesen Satz geprägt, die Priesterschaft aller Gläubigen. Luther hat damit nicht gemeint, du musst am Sonntag nicht mehr in den Gottesdienst gehen. Und es ist viel wichtiger, dass du alleine zu Hause die Bibel liest und darüber nachdenkst. Nein, für Luther war das trotzdem unfassbar wichtig, dass du am Sonntag ausgerichtet wirst für die Woche.

Aber, und das ist wahrscheinlich vor allem heutzutage auch in weiten Kreisen der christlichen Welt verbreitet, gibt es dieses Denken, na, meine persönliche Frömmigkeit, ich und mein Jesus, das ist viel wichtiger, als in die Gemeinde zu gehen und in der Gemeinde Gemeinschaft zu haben. Wenn ich mich richtig fühle, dann gehe ich in die Gemeinde.

Wenn ich Bibel gelesen habe und mich gut fühle, dann kann ich das machen. Dann kann ich mich auch dem aussetzen, dass ich vor andere Leute komme. Aber dafür muss eigentlich meine persönliche Beziehung zu Hause mit Jesus richtig sein. Und das spielt eben diese zwei Dinge gegeneinander aus, was gefährlich ist, weil du brauchst eben die Gemeinschaft, um alleine zu sein.

Aber du musst natürlich auch alleine sein, um in der Gemeinschaft zu sein, aber du kannst eben nicht beides voneinander trennen.

Ja, ich glaube, das ist ein zentraler Punkt, den man sieht, gerade wenn man diese beiden Bewegungen anschaut, dass sie eines so sehr überhöhen, dass das andere hinten runterfällt. Und das führt aber eigentlich nicht dazu, dass das eine in seinem richtigen Platz ist, weil das andere zwingend nötig ist.

Also die beiden Dinge ergänzen sich, sie sind, man könnte sagen, komplementär, sie bedingen einander irgendwie. Eben weil die Gemeinde dich dazu und die Predigt und die Sakramente und die Gemeinschaft dazu ausrüstet, deine persönliche Schille Zeit gut zu machen. Und die persönliche Schille Zeit sollte dir die Notwendigkeit der Gemeinde zeigen und dich dazu bringen, dass du gern und mit Vorfreude in die Gemeinde gehst.

Und dieses Prinzip von wir spielen das nicht gegeneinander aus. Wir überhöhen das eine nicht so sehr, dass das andere hinten runterfällt, sondern wir verstehen den Wert von beidem und wir wollen beidem nachgehen, sodass beides richtig verstanden wird. Und seinen Platz hat, den Platz, den Gott beidem gegeben hat.

Ich glaube, das ist der wichtige Punkt, wenn wir uns fragen, was ist denn jetzt wichtiger? Und man könnte vielleicht sagen, was ist jetzt wichtiger? Beides ist wichtig und du musst beides richtig verstehen und du kannst nicht dein christliches Leben leben, wenn eins hinten runterfällt.

Ja, genau. Und eben beides dient ja auch einem Zweck. Das ist ja nicht Selbstzweck in die Gemeinde zu gehen, es ist nicht Selbstzweck, zu Hause Bibel zu lesen. Das Ganze, um wieder zum Start eigentlich zurückzukommen. Das Ganze soll ja dafür dienen, dass eben du der Berufung würdig wandelst, zu der du berufen bist, dass du eben Christus nachfolgst.

Und dafür brauchst du diese Dinge, du brauchst Gemeinschaft unter Gottes Wort. Du brauchst aber auch tatsächlich eine persönliche Beziehung zu Gott. Ja, du kannst nicht die ganze Woche dann alleine sein und so tun, als gäbe es Gott nicht. Du brauchst tatsächlich eine Beziehung. Aber das Beides kann nicht für sich allein stehen, sondern das Beides dient eben etwas.

Und zwar, dass eben dein Herz behütet wird, dass du auf Gott ausgerichtet bist. Und vielleicht noch ein anderer Aspekt, den man noch berücksichtigen muss, ist, dass diese beiden Dinge, so unterschiedlich sie sind, eben auch unterschiedlichen Zwecken dienen. Also die Gemeinde ist für was anderes da und hat auch andere Aufgaben bekommen, als jetzt du als persönlicher eigener Christ.

Nur ein Beispiel. In der Gemeinde gibt es das Abendmahl. In der Gemeinde, die Gemeinde ist dafür da, dass du dort Gemeinschaft am Tisch des Herrn hast. Gleichzeitig auf der anderen Seite, die Gemeinde ist nicht dafür da, dass du jetzt deine persönliche Sünde, mit der du gerade ringst und die vielleicht sogar niemanden aus der Gemeinde persönlich betrifft, also du hast nicht gegen jemanden aus der Gemeinde gesündigt.

Die Gemeinde ist nicht dafür da, dass du diese Sünde auf den Tisch bringst und in der Gemeinde sagst, ja, das muss ich jetzt vor Gott und der Welt bekennen. Dafür bist du persönlich vor Gott. Dafür brauchst du persönliche Frömmigkeit, weil wir sollen und müssen unsere Sünden bekennen.

Ja, und ich glaube, wenn wir das richtig verstehen, welchen Platz beide haben, dann hilft uns das eben, diese Prinzipien, die wir vorher genannt haben, umzusetzen. Dann können wir gemäß der Berufung leben, in der wir berufen sind. Dann kämpfen wir gegen die Sünde an, weil wir die Mittel benutzen, die Gott uns gegeben hat, um genau das zu tun.

Dann bewahrt das unser Herz davor, falsche Dinge zu tun, und es führt unser Herz oder richtet unser Herz darauf aus, Gott mehr zu lieben und ihm ähnlicher zu werden. Und genau deswegen wollen wir uns auch in den nächsten Folgen ein bisschen mehr damit beschäftigen, was eigentlich Frömmigkeit ist und wie die Frömmigkeit aussehen sollte, wie wir all diese Dinge tun, wie wir Bibel lesen, wie wir beten sollen, aber gerade auch, wie wir unsere Sünde bekennen sollen, warum es so wichtig ist, das Abendmahl zu nehmen, wie uns die Taufe auch hilft in unserem geistigen Leben.

Weil wir, wenn wir all das anschauen, sehen, wie wir Gottes Mittel, die er uns genau für diesen Zweck gegeben hat, benutzen können, um eben zu seiner Ehre zu leben, um eine bewusste Frömmigkeit zu leben, die aus einem aufrichtigen Herzen kommt, aber auch die richtigen Dinge tut.

Ja, das sollte unser Ziel sein. Und in gewisser Hinsicht kann das nur gelingen, wenn Gott wirkt. Gott muss in uns wirken, damit unser Herz wirklich verändert wird, Schritt für Schritt, dass wir Christus ähnlicher werden. Aber Gott gibt uns eben tatsächlich Mittel. Gott gibt uns tatsächlich Dinge, die wir tun sollen, dass wir uns unter sein Wort stellen sollen, dass wir das Abendmahl nehmen sollen, dass wir über sein Wort nachsinnen sollen.

Und diese Dinge, die sollten wir dann auch nutzen. Und deswegen finde ich das wirklich gut, dass du in den nächsten Wochen da mit einigen Pastoren und Ältesten drüber reden wirst und ihr diese Dinge erforschen werdet.

Ja, vielen Dank für diese Einführung in die Frömmigkeit, Friede. Und dann nächstes Mal legen wir nochmal ein paar Grundlagen dazu, zur Frömmigkeit, bevor wir dann ganz konkret und praktisch werden. Ja, sehr gerne.

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