
Schlafreise durch vergessene Welten· Staffel 5· Folge 1
Der Supervulkan in der Eifel - Der schlafende Riese
Montag, 13. April 2026 · 25 min
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Shownotes
In dieser Folge reisen wir in die stille Eifel – und entdecken, was unter ihrer grünen Oberfläche verborgen liegt. Vor 12.900 Jahren erschütterte einer der gewaltigsten Vulkanausbrüche Mitteleuropas die Region rund um den heutigen Laacher See. Der Ausbruch hinterließ Spuren von Irland bis zum Schwarzen Meer – und das Magmasystem darunter ist bis heute nicht erloschen.
In dieser Folge erfährst du:
• Was den Laacher See zu einem der bedeutendsten Vulkanseen Europas macht
• Wie Maar-Seen entstehen und warum sie wertvolle Klimaarchive sind
• Was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute unter der Eifel beobachten
• Welche Rolle Eifel-Vulkangestein in römischen Straßen und mittelalterlichen Kathedralen spielt
Wissenschaftlich fundiert, ruhig erzählt – zum Einschlafen und Staunen.
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Eine stille grüne Mittelgebirgslandschaft im Westen Deutschlands, bekannt für ihre Seen, ihre Wälder und ihre Ruhe. Menschen wandern dort, radeln durch sanfte Hügel, stehen am Ufer klarer Seen und hören dem Wind zu. Es ist ein Ort des Friedens. Und doch verbirgt diese Landschaft eines der bemerkenswertesten geologischen Phänomene Mitteleuropas.
Unter ihr schläft ein Supervulkan, nicht im dramatischen Sinne, nicht unmittelbar bedrohlich, aber tatsächlich vorhanden, geologisch aktiv und wissenschaftlich hochspannend. Lass dich auf diese Reise ein, du musst nichts tun, nichts festhalten. Einfach nur zuhören und vielleicht dabei ein wenig loslassen. Die Eifel liegt zwischen Rhein, Mosel und der belgisch luxemburgischen Grenze, wer durch sie fährt, sieht Hügel bedeckt Mitbuchen und Fichten, kleine Dörfer mit Fachwerkhäusern, Felder im sanften Licht des Nachmittags, nichts an dieser Landschaft lässt auf das Schließen, was unter ihr ruht.
Doch die Form der Landschaft selbst erzählt, wer genau schaut. Eine alte Geschichte, runde, unscheinbare Seen ohne sichtbare Zuflüsse, kleine Kegelberge, die aus der Umgebung herausragen, breite, flache Mulden, die zu tief für bloße Erosion sind, dies sind die Spuren vergangener Vulkanausbrüche, und sie sind nicht allzu alt.
Zumindest nicht nach geologischem Maßstab. Die Eifel gehört zu einer der jüngsten Vulkanregionen Mitteleuropas, man unterscheidet 2 Hauptvulkanfelder, die Westeifel mit Zentrum um Daun und die Osteifel mit dem Laacher See als Herzstück. Es sind diese beiden Regionen, die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen seit Jahrzehnten aufmerksam beobachten.
Und die in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus vulkanologischer Forschung gerückt sind. Der Laacher See ist der bekannteste und wissenschaftlich bedeutendste Ort der Eifelvulkanologie er liegt im Landkreis Mayen, Koblenz, nicht weit von Andernach entfernt, eingebettet in bewaldete Hänge. Mit einer Fläche von rund 3,3 Quadratkilometern und einer Tiefe von bis zu 53 Metern ist er einer der größten natürlichen Seen Deutschlands.
Aber er ist kein gewöhnlicher See, er füllt die Caldera eines erloschenen oder besser ruhenden Vulkans, entstanden durch einen der gewaltigsten Ausbrüche der letzten 100000 Jahre in Mitteleuropa. Vor etwa 12900 Jahren, während des Übergangs von der letzten Eiszeit in das Holozän, brach der Lacher Seevulkan aus. Der Ausbruch war gewaltig, wissenschaftliche Schätzungen gehen von einer freigesetzten Energie aus, die dem mehrfachen der Krakatau Explosion von 1883 entspricht. Einem Ausbruch der damals weltweit zu spüren war. Die Eifelregion war in dieser Zeit bereits von frühen Menschen bewohnt, Jägerinnen und Jägern der späten Altsteinzeit, die die Katastrophe miterlebten und fliehen mussten. Der Ausbruch schleuderte
gewaltige Mengen vulkanischer Asche und pyroklastischen Materials in die Luft. Schätzungen zufolge wurden bis zu 16 Kubikkilometer Magma ausgestoßen, ein Wert, der den Ausbruch in die Kategorie der sogenannten Supervulkane einreiht, wobei dieser Begriff in der Vulkanologie spezifisch definiert ist. Ein Ausbruch gilt dann als Supervulkanereignis, wenn der vulkanischen Explosivitätsindex, kurz vei. Den Wert 8 erreicht oder übersteigt der Laacher Seeausbruch erreichte nach aktuellen Einschätzungen einen Vei von 6, was ihn zu einem außergewöhnlich großen, aber nicht ganz im strengsten Sinne des Wortes als supervulkan klassifizierten Ereignis macht.
Dennoch wird er in der. Öffentlichen Wahrnehmung und auch in Teilen der Fachliteratur zu den Supervulkanphänomenen Europas gezählt, weil er ein Magmasystem besitzt, das prinzipiell zu solchen Ausbrüchen fähig wäre. Was macht einen Supervulkan aus? Die Definition ist zunächst unromantisch, technisch. Ein Supervulkan ist ein Vulkan, der mindestens einen Ausbruch der feei Klasse 8 erlebt hat oder das tektonische Potential dazu besitzt.
Das bedeutet, es wurden mindestens 1000 Kubikkilometer pyroklastisches Material ausgestoßen. Zum Vergleich der Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980, der das Bewusstsein einer ganzen Generation für vulkanische Kraft schärfte und. Erreichte gerade einmal einen Vei von fünften. Bekannte Supervulkane weltweit sind der Yellowstone in den USA, der Toba auf Sumatra, dessen Ausbruch vor etwa 74000 Jahren womöglich die Weltbevölkerung auf wenige 10000 Menschen reduzierte, sowie der Campi Phlegrai bei Neapel in Italien.
Die Eifel steht nicht in dieser Liga der absoluten Superlative. Aber sie ist ein aktives, Magmatisch gespeistes System, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ernst nehmen. Unter dem Laacher See liegt eine sogenannte Magmakammer, ein Reservoir geschmolzenen Gesteins in der Erdkruste. Dieses System ist nicht tot. Wer am Ufer des Sees sitzt und genau schaut, sieht gelegentlich kleine Gasblasen aufsteigen.
Kohlendioxid, das aus dem Boden entweicht und als Relikt des unterirdischen vulkanischen Systems gilt. Diese Entgasung ist eine subtile, aber messbare Erinnerung daran, dass hier etwas unter der Erde noch immer in Bewegung ist. Wie aktiv ist die Eifel wirklich? Diese Frage beschäftigt die Forschungsgemeinschaft seit Jahrzehnten und die Antworten sind differenziert. Das Bundesamt für Seismologie und Geomagnetismus sowie das GF z Deutsches GEO Forschungszentrum in Potsdam überwachen das Gebiet kontinuierlich, seismische Netze, GPS, Sensoren und Gasmonitoringstationen liefern rund um die Uhr Daten.
In den vergangenen Jahren gab es tatsächlich Beobachtungen, die Aufmerksamkeit erregten zwischen 2013 und 2018 registrierten Forscherinnen und Forscher eine leichte Hebung des Geländes in der Eifel, ein Phänomen, das in der Vulkanologie als Uplift bezeichnet wird und auf Bewegungen im Magmasystem hindeuten kann. Die gemessenen Werte lagen im Bereich weniger Millimeter pro Jahr.
Und sind damit äußerst gering. Aber sie waren statistisch signifikant und reproduzierbar. Hinzu kamen Schwarmbeben, also Serien kleiner Erdbeben, die in der Westeifel beobachtet wurden. Schwarmbeben können verschiedene Ursachen haben, auch nicht vulkanische, aber in Kombination mit dem Upliftsignal erzeugten sie in der Fachwelt ein erhöhtes Interesse.
Es ist wichtig zu betonen. Keiner dieser Befunde deutet auf einen bevorstehenden Ausbruch hin. Die Vorläufer eines echten Vulkanausbruchs wären wesentlich deutlicher, massive Seismizität, rapide bodendeformation, erhöhte Gasemissionen nichts davon ist in der Eifel derzeit zu beobachten, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wissen, das System ist nicht erloschen.
Es hat eine thermische Anomalie unter sich, einen Bereich erhöhter Wärme in der Erdkruste und es gibt Anzeichen dafür, dass die Mantelwurzel unter der Eifel, also das Gebiet im oberen Erdmantel, das das System speist, immer noch aktiv genug ist, um über geologische Zeiträume schmelze nach oben zu fördern. In wie vielen Jahrhunderten oder Jahrtausenden das relevant werden könnte, lässt sich nicht sagen, die. Die Erde denkt in anderen Maßstäben als der Mensch. Die Westeifel ist vulkanisch ebenfalls bedeutsam, wenngleich sie weniger bekannt ist als der Laacher See. Hier liegen zahlreiche Mar Seen, die durch freatomagmatische Ausbrüche entstanden, also durch Ausbrüche, bei denen aufsteigendes Magma auf
Grundwasser trifft und eine explosive Dampfexplosion auslöst. Das Ergebnis sind kreisrunde, tiefe Kraterseen, die wie mit einem Stempel in die Landschaft gedrückt wurden. Der bekannteste ist das Pulvermaar bei Gillenfeld mit einer Tiefe von 74 Metern gehört es zu den tiefsten Maren Deutschlands, es entstand vor etwa 11000 Jahren geologisch gesehen praktisch gestern in.
In den Sedimentschichten des Pulvermars haben Forscherinnen und Forscher ein unschätzbar wertvolles Klimaarchiv gefunden. Die feinen Jahresschichten, Warven genannt, erlauben eine nahezu jahrgenaue Rekonstruktion des Klimas der letzten 12000 Jahre, jede Schicht erzählt von Temperatur, Niederschlag, Vegetation. Es ist, als könnte man in der Stille eines Sees die Geschichte der Welt lesen.
Das Dauner Mar Gebiet, auch bekannt als die 3. Dauner Mare Schalken, Mährener Mar, Weinfelder Mar und Gemündener Mar, ist ein weiteres Zentrum der Marlandschaft der Westeifel. Diese Seen liegen so nah beieinander, dass man in wenigen Minuten von einem zum anderen wandern kann. Jeder hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Alter, seine eigene chemische Zusammensetzung. Für Vulkanologinnen und Vulkanologen sind sie wie aufgeschlagene Bücher.
Was passiert eigentlich bei einem Marausbruch? Der Prozess beginnt, wenn heißes Magma aus der Tiefe aufsteigt und auf Wasser gesättigtes Gestein oder direkt auf Grundwasser trifft. Die Temperatur des Magmas liegt bei 1000 bis 1200 Grad Celsius. Das Wasser verdampft schlagartig das Volumen des Wassers dehnt sich beim Übergang in Dampf auf das etwa 1700 fache aus. Diese explosionsartige Ausdehnung zerreißt das umgebende Gestein, es entsteht ein Trichter, eine kreisrunde Vertiefung, die sich mit Grundwasser füllt, ein Mar. Das alles geschieht nicht in einer einzigen Explosion. Mar Ausbrüche bestehen oft aus Hunderten oder Tausenden solcher freatomagmatischer Impulse über Tage, Wochen oder Monate hinweg. Jeder Impuls wühlt das Gestein
weiter auf, vertieft den Krater, schleudert Lavabrocken und Aschewolken in die Umgebung, am Ende bleibt eine Wunde in der Landschaft. Die mit der Zeit zu einem stillen, glasklaren See wird. Die Eifel ist nicht die einzige Vulkanregion Europas, aber sie ist eine der am besten erforschten. Das liegt auch an ihrer Lage inmitten dicht besiedelten Gebiets, Millionen von Menschen leben im Umfeld des Laacher Sees und der Mare Köln, Bonn, Koblenz sind keine 100 Kilometer entfernt.
Das macht eine fundierte Risikoabschätzung zur gesellschaftlichen Verantwortung. Im Jahr 2021 veröffentlichte das GFZ Potsdam gemeinsam mit internationalen Partnern und Partnerinnen eine Studie, die erstmals systematisch das Risiko einer zukünftigen Eifeleruption modellierte. Das Ergebnis, das. Ein Ausbruch ähnlich dem des Laacher Sees vor 12 900 Jahren würde große Teile Mitteleuropas mit Asche bedecken, den Luftverkehr lahmlegen und Ernten vernichten.
Nicht weil ein solcher Ausbruch unmittelbar bevorsteht, sondern weil die Konsequenzen bei einem Eintreten so weitreichend wären, dass Vorsorge und Monitoring absolut sinnvoll sind. Diese Risikoforschung ist keine Schwarzmalerei, sie ist vernünftige Wissenschaft. Sie sagt, wir wissen nicht wann, aber wir können lernen, was dann, und das ist das Klügste, was eine Gesellschaft tun kann, Vorausdenken, beobachten, lernen für die frühen Menschen der Eifel war der Laacher Seeausbruch eine existenzielle Katastrophe.
Archäologische Funde zeigen, dass die Siedlungsgebiete der sogenannten Federmesserkultur, einer Gruppe von Jägerinnen und Jägern, die nach der Eiszeit in die Region vorgedrungen waren, abrupt enden. Die Ascheablagerungen des Laacher Sees finden sich in Schichten von Irland bis zum Schwarzen Meer, von Skandinavien bis in den Mittelmeerraum, ein stummes Zeugnis der Reichweite dieses Ereignisses.
In Phänoskandinavien, dem heutigen Skandinavien und Teilen Nordrusslands wurden Ablagerungen des Laacher Seeausbruchs als sogenannte Tephraschicht identifiziert. Ascheschichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Zeitmarker dienen, um Sedimentkerne aus Seen und Mooren zu datieren. Die Tephra des Laacher Sees ist ein isochrones Ereignis. Sie fiel überall gleichzeitig, bietet damit eine präzise stratigraphische Referenz für die Zeit um 10 900 vor Christus. Der Ausbruch hinterließ auch eine chemische Signatur in grönländischen Eiskernen diese Kerne, gebohrt aus dem Inlandeis Grönlands, enthalten Schicht für Schicht die Atmosphäre vergangener Jahrtausende der Laacher Seeausbruch. Hinterließ darin eine Spur von
Schwefeldioxid. Ein weiterer Beweis für die globale Wirkung eines Ereignisses, das vor fast 13000 Jahren in der beschaulichen Eifel stattfand. Heute kann man am Laacher See spazieren gehen, im Biergarten der Benediktinerabtei Maria Laach sitzen und über das ruhige Wasser blicken, die Abtei, die 1993 gegründet wurde, wurde.
Steht seit über 900 Jahren am Ufer dieses vulkanischen Sees. Ihre romanische Architektur spiegelt sich im Wasser, es ist ein Bild der Beständigkeit, und doch wer die Gasblasen kennt, die gelegentlich aus dem Seegrund aufsteigen, wer weiß, was unter dem Wasser liegt, der sieht diesen Ort mit anderen Augen. Die Gasaustritte am Ufer des Laacher Sees, besonders in der Nähe des sogenannten Wingertsberges, wurden jahrzehntelang untersucht.
Das austretende Kohlendioxid stammt aus dem Magmasystem in der Tiefe, es ist kein gefährliches Gas in diesen Mengen, aber es ist ein Fingerabdruck der Erde, ein Zeichen, dass das System nicht erloschen ist, sondern nur schläft, schlafen. Ein Wort, das wir in unserem Podcast oft benutzen. Auch Vulkane schlafen nicht tot, aber ruhend, und vielleicht ist das eine schöne Metapher.
Schlaf ist nicht stille, er ist keine Abwesenheit, er ist tiefe Prozess, Regeneration, was schlafen scheint, ist oft in vollem Gange, aber die Eifel ist nicht nur ein Thema für katastrophenszenarien, sie ist ein Lehrbuch der Erde. Aufgeschlagen für alle, die hingehen und schauen, Vulkanologinnen und Vulkanologen nennen das Gebiet ein natürliches Labor. Nirgendwo in Mitteleuropa lassen sich die verschiedenen Phasen vulkanischer Aktivität so anschaulich studieren wie hier, da sind die Lavaströme, die vor rund 200000 Jahren die Eifel durchflossen.
Das Gestein, das dabei entstand, ist Basalt, ein dunkles, schweres, feinkörniges Gestein, das heute in Steinbrüchen abgebaut wird. Basalt aus der Eifel wurde verwendet, um Straßen im Römischen Reich zu pflastern, die alte Römerstraße via Agrippa, die Köln mit Trier verband, war zum Teil mit Eifelbasalt belegt, so alt und gleichzeitig so gegenwärtig ist dieses Material.
Da sind die Tuffsteinvorkommen in der Osteifel besonders in der Umgebung des Laacher Sees. Tuffstein ist verfestigte Vulkanasche leicht und porig leicht zu bearbeiten, die Römerinnen und Römer erkannten seinen Wert früh, der Kölner Dom enthält Tuffstein aus der Eifel, ebenso zahlreiche andere mittelalterliche Kirchen und Kathedralen am Rhein.
Der Baustoff für Gotteshäuser Europas lag buchstäblich in einem erloschenen Vulkankrater. Und da ist das Rheinische Schiefergebirge, in das die Eifel eingebettet ist. Ein uraltes Gebirge, entstanden vor etwa 400000000 Jahren, als die Region noch unter dem Meer lag. Die Varistische Gebirgsbildung hob es an, Erosion formte es um auf. Und der junge Vulkanismus der letzten Millionen Jahre legte sich darüber, wie eine jüngere Geschichte über eine Ältere in der Eifel überlappen sich geologische Epochen, stehen Kapitel direkt nebeneinander, die Vulkanologie ist eine Wissenschaft, die Geduld braucht, Vulkane arbeiten in Zeitmaßstäben, die dem menschlichen Verstand schwer fallen, 12900 Jahre.
Das ist für uns Geschichte, für die Erde ein Augenblick, der nächste Ausbruch in der Eifel mag in 100 Jahren kommen oder in 10000 oder nie in der Form, die wir uns vorstellen. Niemand kann das heute sagen, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagen können, ist das System existiert es atmet, wir beobachten es. Und das ist beruhigend in einem merkwürdigen Sinne. Nicht, weil kein Risiko besteht, sondern weil Menschen klug genug waren, dieses Risiko zu erkennen, zu benennen und mit aller wissenschaftlichen Sorgfalt zu beobachten. Das GFZ, die Universität Mainz, die RWTH Aachen, das Leibniz Institut für Troposphärenforschung. Sie alle arbeiten daran, die Eifel besser zu verstehen. Seismometer lauschen, in die
tiefe, GPS Antennen messen den Boden auf dem Bruchteil eines Millimeters genau, Satelliten kartieren das Gelände aus dem Weltraum, die Erde wird gelesen wie ein Text, den wir noch nicht ganz verstehen. Die Eifel ist auch ein Ort der Biodiversität. Die vulkanischen Böden, Reich an Mineralien, haben über Jahrtausende fruchtbare Landschaften entstehen lassen. Die Mare sind Hotspots für Amphibien, Libellen, Wasservögel, der Nationalpark Eifel, gegründet im Jahr 2004, schützt einen Teil dieser Wildnis, wo einst Vulkane feuerten, wächst heute Urwald in langsamer Rückkehr, buchen treiben aus.
Totholz wird zur Heimat für Käfer und Pilze, Bäche suchen sich ihre alten Wege. Es ist ein stilles Wachsen, kaum zu sehen in einem Menschenleben, deutlich in einem geologischen. Die Landschaft der Eifel ist das Ergebnis von Millionen Jahren Prozess, Gebirgsbildung, Vulkanismus, Erosion, leben, jede Schicht, jeder Stein, jeder See.
Erzählt davon. Und während du jetzt zuhörst, vielleicht schon halb träumend, liegt die Eifel irgendwo da draußen, still und grün, unter ihr atmet die Erde langsam in Zeitmaßstäben, die uns übersteigen, Magma in Kammern, Gase, die aufsteigen, Wasser, das durch heißes Gestein sickert. Wir Menschen haben das Glück, das zu wissen. Wir können die Erde belauschen, können Seismometer aufstellen und ihre Bewegungen lesen, wir können in Sedimenten des Pulvermars 12000 Jahre Klimageschichte entschlüsseln, wir können in Eiskernen Grönlands den Atem eines Vulkans von vor 13000 Jahren finden, das ist keine Selbstverständlichkeit, es ist das Ergebnis von Jahrhunderten des Forschens und Fragens und.
Und vielleicht ist das der wichtigste Gedanke, den wir mit in den Schlaf nehmen können. Diese Erde, auf der wir leben, ist unvorstellbar komplex, unvorstellbar alt und unvorstellfi reich, kein Ort ist wirklich uninteressant, wenn man genau genug schaut unter der stillen Oberfläche eines Grünen Mittelgebirges schläft ein Supervulkan.
In den Sedimenten eines kleinen Sees liegt das Klimaarchiv einer Epoche in Gasblasen auf einem Bergsee zeigt sich das Innenleben der Erde. Diese Erde ist das einzige, was wir haben, sie trägt uns, ernährt uns, bringt uns Wälder und Seen, Vulkane und Jahreszeiten, sie hat Katastrophen überstanden, die wir uns kaum vorstellen können, und sie hat jedes Mal das Leben zurückgebracht.
Wir sollten ihr das zurückgeben, was sie braucht. Aufmerksamkeit, Respekt und die Bereitschaft, für Sie einzustehen. Denn so wie der Laacher See nach einem unvorstellbaren Ausbruch zu einem stillen, klaren See wurde, in dem sich Abteien und Himmel spiegeln, so hat auch diese Erde immer wieder gefunden, was sie braucht.
Wir sind Teil dieser Geschichte. Es liegt an uns, ein würdiger Teil zu sein. Wenn dir diese Folge gefallen hat, freue ich mich sehr über eine Bewertung, das hilft uns weiter folgen wie diese zu produzieren und neue Zuhörerinnen und Zuhörer zu erreichen bis zur nächsten Reise Schlaf gut.