
Science Busters Podcast· Folge 147
Die Astronomie der Rauhnächte - SBP147
Montag, 2. November 2026 · 1 h 12
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Shownotes
Über die Zeit zwischen den Jahren, Gefrierbrand, die Wilde Jagd, Placebo-Esoterik, Wäschetrocknen in Rauhnächten & wissenschaftlichen Sex mit Delfinen
In Ausgabe 147 geht es um Astronomie und Rauhnächte, Tage und Nächte zwischen den jahren, Placebo-Esoterik und Zärtlichkeiten mit Delfinen.
Das ganz neue Buch von Florian heißt “Die Astronomie der Rauhnächte (hanser-literaturverlage.de/buch/florian-freist…) und ein Hörbuch (penguin.de/buecher/florian-freistetter-die-ast…) gibt es auch.
Die Supernacht der Weihnachtsstars (fm4v2.orf.at/pfister/65468/main.html) bzw. siehe auch (derstandard.at/story/2702507/kabarett-tipp-die…)
John Lilly (en.wikipedia.org/wiki/John_C._Lilly)
FBI und Bestiality (theguardian.com/us-news/2026/sep/15/kash-patel…)
Das Green Bank Treffen (spektrum.de/podcast/sternengeschichten-das-gre…)
Spenden an die Letzte Generation (letztegeneration.at/spenden), Systemchange not Climatechange (systemchange-not-climatechange.at/spenden), Fridays for Future (fridaysforfuture.at/spenden)
Info & Mitmachen bei Lobau bleibt (lobaubleibt.at)
Lektüre
Das neue Buch der Science Busters ist da!!! "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" (hanser-literaturverlage.de/buch/science-buster…) erschienen im Hanser Verlag.
Zeitgleich gibt es im Hörverlag auch ein neues Hörbuch selben Namens, gelesen von Ralph Caspers (penguin.de/buecher/science-busters-aus-/hoerbu…).
Unser Jubel-Buch, erschienen vor drei Jahren anlässlich 15 Jahre Sience Busters giltet noch immer: "Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt: Das große Jubelbuch der Science Busters" (amzn.to/3q8ZzWz). Erschienen bei Hanser (hanser-literaturverlage.de/buch/wissenschaft-i…).
Florian Freistetter "Die Farben des Universums" (hanser-literaturverlage.de/buch/florian-freist…)
Hörbuch (amazon.de/Audible-Die-Farben-des-Universums/dp…), gelesen von Armin Hauser
“Astronomie der Rauhnächte” Am 27. November in Heidelberg (kulturparkett-rhein-neckar.de/events/florian-f…), am 29. November in Wien (buchwien.at/programm/die-astronomie-der-rauhna…) und am 5. Dezember in Linz (posthof.at/event/lesung-mit-florian-freistette…).
Und zu Florians anderen Buch “Die Farben des Universums” auch, am 25. November in Mannheim (adticket.de/Die-Farben-des-Universums/Mannheim…)
Auftritte
Unsere aktuelle Live-Show “Weltuntergang für Fortgeschrittene” (sciencebusters.at/buehnenprogramme/weltuntergang)** mit Martin Moder, Florian Freistetter und Martin Puntigam berietet uns & unserem Publikum viel Freude, deshalb spielen wir sie so oft wie möglich vor:
10.1.27 Kulisse Wien (kulisse.at/programm/?p=Weltuntergang-f%C3%BCr-…)
18.12. VHS Kulturgarage Seestadt Wien (oeticket.com/event/science-busters-weltunterga…)
29.1.27 Papierfabrik Kleinneusiedl (shop.papierfabrik-variete.tixu.io/tickets/1/315)
11.2.27 (Stadtsaal Wien](stadtsaal.com/kuenstler/science-busters) (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters))
17.3.27. Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-weltuntergang…)
20.3.27.26 Helmut List Halle Graz (helmut-list-halle.com/event/science-busters-we…)
Ende des Jahres gibt es wieder Bauernsilvester mit Ruth Grützbauch, Florian Freistetter & martin Puntigam
am 28.12 in der Listhalle Graz (helmut-list-halle.com/event/science-busters-ba…)
und
am 30.12. im Stadtsaal Wien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters)
SB4Kids aktuell digital in der ORF-Kids App, jede Folge zirka 10 Minuten. Analog gibt es die Show mit Martin Moder & Martin Puntigam am
*10.1.27 Kulisse Wien (kulisse.at/programm/?e=Science-Busters-for-Kid…)
19.12. Theater Akzent (akzent.at/de/spielplan/kalender/10058/Science-…)
30.12. Stadtsaal Wien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters)
29.1. [Papierfabrik Kleinneusiedl(shop.papierfabrik-variete.tixu.io/tickets/1/314)
17. + 18.3.27. Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-for-kids-3)
20.3.27. Helmut List Halle (helmut-list-halle.com/event/science-busters-fo…) 16.00 Uhr
Infos & Tickets unter sciencebusters.at/termine & puntigam.at
Sternengeschichten Live (sternengeschichten.live) mit Florian Freistetter:
9.11. Erfurt
10.11. Leipzig
11.11. Dresden
Alle Termine unter
sternengeschichten.live
Premiere neues Solo "Superintelligenz oder Sautrottel" am 19.1.2027 in der Kulisse Wien
22.01.2027 | Posthof Linz
23.01.2027 | Kronenkino Mistelbach
02.04.2027 | Helmut List Halle Graz
Termine unter martinmoder.at
Das neue Solo v. & m. Martin Puntigam ab Herbst, Premiere am 10. November 2026 im Theatercafé Graz (hinwider.com/Veranstaltung/martin-puntigam-5/?…): Titel „Der Heilige Puntigam“.
Weitere Termine: 11. - 14.11. & 14. - 16.1.27
Wien-Premiere 19. - 21. 11. Kabarett Niedermair (niedermair.at/kuenstler/martin-puntigam)
Weitere Termine: 10. - 12.12.
Salzburg-Premiere 4.12. ARGEkultur (argekultur.at/Event/17488/martin-puntigam)
Vor-Premieren:
*4.11. Bettfedernfabrik Oberwaltersdorf (bettfedernfabrik.at/veranstaltung/martin-punti…)
6.11. Tischlerei Melk (wachaukulturmelk.at/de/programm/martin-puntiga…)
7.11. Bruno Brunn am Gebirge
Wer jedenfalls dabei sein möchte, wenn der Heilige Geist den MC der SB gebenedeit, kann schon jetzt Karten reservieren.
Alle Infos zu den Terminen unter sciencebusters.at und puntigam.at
Funk und Fernsehen
Die aktuelle Staffel ist seit Ende April fertig ausgestrahlt, jedoch noch ein halbes Jahr weltweit (!) abrufbar auf ORFON (on.orf.at/sendereihe/13886769/science-busters).
Die Science-Busters-Sendungen auf Radio FM4 findet man hier (radiothek.orf.at/podcasts/fm4/fm4-science-bust…).
Alle bisherigen TV-Folgen kann man hier auf DVD kaufen (shop.orf.at/orf/de/dvd/comedy/2482/science-bus…) oder bei Amazon (bit.ly/science_busters_amazon).
Kontakt und weitere Infos
podcast@sciencebusters.at| Homepage (sciencebusters.at)| Veranstaltungen (sciencebusters.at/termine)| Facebook (facebook.com/sciencebusters)| Instagram (instagram.com/science_busters)| Twitter (twitter.com/science_busters)| YouTube (youtube.com/channel/UCq5k8FpLlxHQFwTBfoZ3iDw)
Fragen zur heutigen Folge und andere Fragen, die wir beantworten sollen, und hoffentlich können, an podcast@sciencebusters.at oder über Instagram oder Facebook. Gern als Audiofile
Dank
Der Podcast wird produziert mit Unterstützung der TU …
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Martin Puntigam Ausgabe 147 des ScienceBusters Podcasts und heute fragen wir, darf man in Rauhnächten Wäsche am Ständer hängen lassen oder muss man sterben?
Florian Freistetter Beides.
Martin Puntigam Herzlich willkommen zur Ausgabe 147 des ScienceBusters Podcasts, wie immer produziert mit Unterstützung der Uni Graz und der TU Wien. Mir gegenüber wieder mal im Podcast der Astronom und Rauhnachtforscher Florian Freistädter. Hallo.
Florian Freistetter Hallo und Astronom reicht.
Martin Puntigam Vor mir aus in der letzten Ausgabe haben Hendrik Kranert, Journalist, Bergmann und Abteilungsleiter bei der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung in Deutschland und ich unter anderem gesprochen über vorläufige und letzte Ruhestätten für hochradioaktiven Atommüll, wo man Endlager findet, wie man sie sucht, was man dabei eigentlich sucht, was die Zwischenlager dazu sagen, ob Castor Pollux noch braucht, wie lange das alles dauern wird und dass, wenn ein Platz für ein Endlager gefunden ist, die Probleme eigentlich erst richtig beginnen.
Martin Puntigam Heute geht es um Rauhnächte. Diese ominösen Nächte am Ende des Jahres, also zumindest am Ende des Jahres, so wie wir es in unserem Breiten einteilen. Und wie jedes Jahr am Ende spielen Ruth Grützbauch, du und ich auch heuer, wieder unsere Show Bauern-Silvester. Am 28. Dezember in der Listhalle in Graz und am 30. Dezember im Stadtsaal Wien.
Martin Puntigam Und nicht ausgeschlossen, dass ich auch heuer wieder die Show damit eröffne, dass ich sage, In einer Rauhnacht, wenn man zu Mitternacht in den Stall geht, kann man die Sprache der Tiere verstehen. Sie verraten einem auch die Zukunft. Das ist toll. Leider muss man im selben Augenblick, in dem man die Zukunft erfährt, auch sterben. Das ist weniger toll.
Martin Puntigam Bei uns haben sie es besser. Bei uns können sie die Sprache der WissenschaftlerInnen verstehen und bleiben lebendig. Es gibt nämlich erstaunlich viele Bücher zu Rauhnächten, über Rauhnächte, sehr viel davon esoterischer Unsinn. Um diese Tautologie einmal mehr nicht auszulassen. und Lebenshilfeschmarrn, was an mir zum Glück bislang ziemlich formlos vorbeigegangen ist.
Martin Puntigam Jetzt hast du, Florian, im Hansa Verlag ein neues Buch herausgebracht, die Astronomie der Rauhnächte. Bevor wir aber Rauhnächte durchmachen, eine kurze Produktinformation.
Produktinformation Musik, Herr Doktor? Ja? Was ist unsichtbar und beginnt mit K? Was? Kein Elefant. Ersparen Sie mir bitte den Rest vom Alphabet. Ja, ich mache mir nur Eselsbrücken für die Buchstaben beim Sehtest. Da müssen Sie nichts auswendig lernen, aber wenn Sie eine Brille brauchen, bei Vielmann wird Ihre Sehstärke überprüft und der Test ist sogar kostenlos.
Produktinformation Aha, weil es wäre meine erste Brille, dann möchte ich natürlich eine finden, mit der ich gut ausschaue. Dafür gibt es bei Vielmann eine große Auswahl an stylischen Fassungen zu garantiert besten Preisen. Und welche? Würde mir stehen, weil Sie als Biologe kennen sich doch mit Artenvielfalt aus. Für Fassungen gibt's dort Fachleute. Mit persönlicher, kompetenter Beratung finden Sie heraus, welche zu Ihnen passt und gut sitzt.
Produktinformation Aha, also betreute natürliche Auslese? Quasi. Sie probieren in aller Ruhe aus, welche Fassung Ihnen gefällt. Aber was ist, wenn ich mich später doch anders entscheid? Weil Wissenschaft lebt ja vom Zweifel. Bei vielmann kaufen Sie risikofrei mit Zufriedenheitsgarantie und Geld-Zurück-Garantie. Da muss ich mir gar nichts merken. Eine Sache schon. Jetzt Termin vereinbaren auf vielmann.at oder spontan in einer Vielmann-Niederlassung vorbeischauen.
Produktinformation Bin fassungslos. Ja, noch, aber nicht mehr lange.
Martin Puntigam Bevor wir darüber sprechen, wann diese Nächte sind, wer sie erfunden hat, welche Nacht sich eigentlich Rauhnacht nennen darf, was es mit dem Wäscheaufhängen auf sich hat, wann man die Sprache der Tiere verstehen kann und wie, warum das möglicherweise gefährlich ist und was Delfine damit zu tun haben könnten, wollen wir darüber sprechen, dass es bereits ein zweites Buch heuer ist, nach die Farben des Universums. Wann kommt das nächste?
Florian Freistetter Ja, keine Ahnung. Irgendwann vermutlich, das kann man mit Sicherheit sagen. Es sei denn, ich verstehe die Sprache Satire und muss sterben, bevor ich das nächste geschrieben habe. Aber irgendwann werde ich schon wieder ein Schreiben. Aktuell geplant habe ich keines, weil zwei in einem Jahr ist eh schon zu viel.
Florian Freistetter Das heißt, jetzt kann ich mal kurz ein bisschen Pause machen, bis ich wieder ein neues Buch schreibe.
Martin Puntigam Wie bist du denn überhaupt darauf gekommen, über die Raunächte zu schreiben? Weil das ist ja an sich kein für einen Astronomen naheliegendes Thema, zumindest in erster Näherung.
Florian Freistetter Ja, aber in zweiter Näherung und wie sie dann rausstellen wird, in nullter Näherung sind die Rauhnächte ein sehr, sehr astronomisches Thema. Aber ja klar, war mir nicht so bewusst, weil die Rauhnächte, wenn man sich in den Buchgeschäften umschaut, ja eigentlich wirklich mittlerweile fast ausschließlich in der Hand der Esoterik sind.
Florian Freistetter War es jetzt nicht so das Thema, das ich am Schirm gehabt habe, aber ich habe mit meiner Lektorin vom Hansa Verlag gesprochen und wir haben darüber diskutiert, dass Bücher schreiben eh schön ist und Bücher verlegen auch schön ist und Bücher lektorieren ebenso, aber dass man so mit Sachbüchern über Astronomie halt jetzt nicht unbedingt die Mega-Bestseller landet und so.
Florian Freistetter Tausende, Zehntausende, Hunderttausende Exemplare verkauft. Gut, Tausende kriegt man schon hin, wenn man es halbwegs gut macht, aber darüber hinaus wird es schon schwierig im deutschsprachigen Raum mit Naturwissenschaft. Und dass wir durchaus auch gerne mal Lust hätten, ein Buch zu schreiben, das sich wirklich, wirklich gut verkauft, wo man dann auch wirklich ein bisschen Geld verdienen kann damit, was man mit den Sachbüchern nicht so tut.
Florian Freistetter Und ich habe mit Annika dann geredet, ja, das war auch letztes Jahr, glaube ich, gerade so die Vorweihnachtszeit. Ich habe gesagt, ja, man müsste so den ganzen Quatsch schreiben, den diese ganzen Esoterik- und Raunachtleute schreiben, weil jedes Buchgeschäft ist voll mit irgendeinem großen Tisch, auf dem alle möglichen Bücher aber Raunächte liegen. Und Annika hat gemeint, also die Lektorin, das wäre genau das Buch, weil...
Florian Freistetter Die verkaufen sich wirklich, wirklich erstaunlich gut, also überraschend, erschreckend gut, diese Bücher.
Martin Puntigam In der Preisklasse wie im Mondkalender, oder?
Florian Freistetter Ja, so ungefähr. Die haben durchaus Spiegel-Bestseller-Aufkleber drauf und die kriegt man auch nicht umsonst. Also ja, muss auch nichts großartig heißen, aber die verkaufen sich schon gut.
Martin Puntigam Diese Dinge.
Florian Freistetter Also deutlich besser als das, was ich sonst so schreibe.
Martin Puntigam Und du hast da gedacht, Trittbrettfahrer bei den Raunacht-Esoterik-Büchern, das ist genau das, was dir vorschwillt für 2026 zum Jahresende.
Florian Freistetter Nicht mal das habe ich mir gedacht. Ich habe nur aus Scherz gesagt, naja, müsste man so etwas schreiben wie die Astronomie der Raunechte, so als Scherz. Und das war es dann eigentlich auch. Und dann habe ich ein bisschen länger darüber nachgedacht. Und dann sind mir ein paar Dinge eingefallen, wo die Astronomie tatsächlich eine sehr, sehr wichtige Rolle bei den Raunechten spielt.
Florian Freistetter Und als ich dann meiner Lektorin ein E-Mail geschrieben habe, um zu sagen, du, vielleicht könntest du das wirklich schreiben, hatte sie mir vorher schon ein E-Mail geschrieben. Sie hat das mit dem Verlag besprochen und sie fände es auch eine gute Idee. Und jetzt habe ich dann halt ein unerwartetes Buch schreiben müssen dieses Jahr.
Martin Puntigam Dann ist zusammengewachsen, was zusammengehört. Wenn du sagst, über die Rauhnächte kann man natürlich volkskundlich einige Sinnvolle schreiben, aber aus astronomischer Sicht, was ist denn das Interessante? Oder fangen wir mal ganz grundsätzlich an, was ist denn eine Rauhnacht für alle Menschen, die nicht genau wissen, was das ist, beziehungsweise kann man sehr leicht nicht genau wissen, was das ist, weil es ja ganz viele verschiedene Definitionen und Möglichkeiten gibt, Rauhnächte zu bestimmen?
Florian Freistetter Ja, wir werden dann gleich sehen, dass es zumindest eine halbwegs exakte Methode gibt, die Raunächte zu bestimmen, weil die Frage nach den Raunächten ist auch gleich die Frage, wo die Astronomie da die wichtigste Rolle spielt. Ja. Im Brauchtum sind Rauhnächte die Nächte um den Jahreswechsel herum, vor dem Jahreswechsel.
Florian Freistetter Das wechselt von Region zu Region, ist immer so grob der Bereich zwischen der Winteranfang, wenn man so will, also 20. Und 21. Dezember, der Bereichrunde rum, bis zum Jahresende oder auch zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Also es sind dann meistens so zwölf Nächte. Das kennt man auch so aus dem angelsächsischen Raum, dieses 12 days of Christmas, das ist diese zwölf Weihnachtstage, das ist da was sehr Populäres. Also ganz allgemein.
Florian Freistetter Zeit im Winter zwischen den großen Festen, Winteranfang, Weihnachten, Silvester, Dreikönig. Das ist so der Bereich, wo die Raunächte sich aufhalten. Wie viele es dann genau sind, ist unterschiedlich. Manchmal sind es alle zwölf Nächte von Winteranfang bis Silvester oder von Weihnachten bis Dreikönigstag.
Florian Freistetter Manchmal sind es nur bestimmte Nächte, also die Weihnachtsnacht, die Silvesternacht, die Nacht zum Dreikönigstag. Das ist dann wirklich von Region zu Region unterschiedlich. Aber das ist genau der Zeitraum, um den es geht und da steckt auch schon gleich die Astronomie drin.
Martin Puntigam Also das ist quasi ein Quantenphänomen, also Raunächte. Je nachdem, wer schaut, gibt es unterschiedlich viele an unterschiedlichen Tagen.
Florian Freistetter Ja, aber gut, das ist klassisch Brauchtum. Es ist ja so, das haben wir Weihnachten genauso. Ich meine, bei uns ist Weihnachten am 24. Dezember und am 25. ist schon fast vorbei. In den USA ist am 24. passiert noch gar nichts weihnachtsmäßig, sondern am 25. In Italien ist wieder anders, da macht man es dann eher im Januar und so weiter.
Florian Freistetter Also Brauchtum ist halt etwas, was sehr, sehr an den Menschen dranhängt und die Rauhnächte sind altes Brauchtum und da haben sich die Menschen halt dann, mal hier, mal dort jeweils was rausgesucht. Aber der Ursprung, den kann man wirklich schön astronomisch erklären.
Martin Puntigam Aber was ist denn so rau an den Rauhnächten?
Florian Freistetter Ja, jetzt willst du schon wieder weg von der Astronomie.
Martin Puntigam Also gut, dann bleiben wir bei der Astronomie.
Florian Freistetter Ja, das kann man schon noch erzählen. Also da kommen wir dann auch drauf. Das spielt auch eine Rolle, wo das Rau herkommt. Es kommt nicht von der Rauheit. Das ist nicht dabei bei den Bezügen. Es geht um was anderes. Das kann man dann nachher noch besprechen, wenn wir über die einzelnen Braunachtsbrauchtümer sprechen.
Martin Puntigam Erstklassig angeteasert, aber jetzt einmal zur Astronomie.
Florian Freistetter Ja, genau. Das heißt ja, die Astronomie der Raunächte und nicht die Etymologie der Raunächte, die ich geschrieben habe. Also geht es um die Astronomie. Einen Begriff, auch wenn man mit Rauhnächten überhaupt nichts zu tun hat und sich dann, finde ich, interessiert. Einen Begriff haben vermutlich alle, die das hier hören, verwendet oder gehört, nämlich die Zeit zwischen den Jahren.
Martin Puntigam Ja, das gibt es noch nicht so lange. Also in meiner Kindheit hat es zwischen den Jahren noch nicht als Redewendung gegeben. Das ist dann erst später breitenwirksam bekannt geworden. Was ist denn zwischen den Jahren?
Florian Freistetter Naja, also das muss dann vielleicht ein spezifisches Erlebnis in der Kindheit sein, weil das zwischen den Jahren, das gibt es schon länger. Also zwischen den Jahren, das ist halt genau das, worum es geht, weil eigentlich macht der Begriff zwischen den Jahren ja keinen Sinn, weil das eine Jahr hört auf am 31.
Florian Freistetter Dezember um kurz vor Mitternacht bzw. um Mitternacht und in der Sekunde fängt das nächste auch schon an. Also es gibt in unserem Kalender kein zwischen den Jahren. Da ist kein Platz für irgendwas, was zwischen den Jahren ist. Aber, und genau das ist der Punkt, das ist unser moderner Kalender. Der gregorianische Kalender, den wir heute verwenden, der hat keine Zeit zwischen den Jahren.
Florian Freistetter Aber andere Kalendersysteme hatten das durchaus. Und wenn wir beim Kalender sind, dann steckt man schon direkt in der Astronomie drin, weil ohne Astronomie gibt es auch keinen Kalender. Denn natürlich man könnte sich einen kalender irgendwie ausdenken ja es ist, kann sagen ich fange mit tage eins an und zähle einfach weiter, das ist aber halt ja relativ unlustig also muss man dann irgendwann je nachdem man anfängt zu zählen hat man dann sehr große zahlen man kann nie geburtstag feiern weil sie der tag nie wiederholt und so weiter also das, macht alles wenig sinn kalender so zu machen wir wollen einen kalender schon haben und, in einer Form, die irgendwie die natürlichen Rhythmen abbildet.
Florian Freistetter Also Jahreszeiten und sowas, das wollen wir als Rhythmus im Kalender einfangen, weil es macht ja Sinn zu sagen, okay, jetzt haben wir Sommer und dann dauert es eine gewisse Zeit und dann kommt der Sommer wieder. Das ist ja gut zu wissen. Das ist der Grund, warum wir sowas im Kalender machen, dass wir irgendwie einen Überblick über die Zeit kriegen und auch ein bisschen, wenn man so will, Kontrolle über die Zeit kriegen.
Florian Freistetter Das ist aus heutiger Sicht, wünscht man sich oft, man bräuchte keinen Kalender und man will nicht wissen oder müsste nicht wissen, welcher Wochentag ist und so weiter. Es sind dann immer so, wenn die klassisch Selbstständigen, die sagen, ja, ach, ich weiß gar nicht, welcher Wochentag ist, ja, das ist mir egal.
Florian Freistetter Und dann sind die Angestellten angefressen. Das ist, Aus unserer heutigen Sicht, für die Menschen früher und früher, ich werde im Verlauf des Gesprächs wahrscheinlich noch sehr oft früher sagen und meine damit irgendein unspezifisches früher, das aber weit in der Vergangenheit liegt. Also wirklich jetzt so, keine Ahnung, drei, vier, 5000 Jahre zurück ungefähr.
Martin Puntigam Okay, so früher, ja.
Florian Freistetter Ja, und früher war das aber wichtig für die Menschen. Ich meine, die Menschen haben wissen müssen, wann der Winter kommt oder zumindest grob wissen müssen, wann der Winter kommt und auch wie lange er dauert, wann er wieder aufhört. Haben grob wissen müssen, okay, jetzt kommt demnächst der Winter, dann müssen wir unsere Vorräte einlagern, weil sonst haben wir nichts zum Essen und verhungern.
Florian Freistetter Und wir müssen auch wissen, wie lange dauert das ungefähr. Wann kommt der Frühling wieder? Wann kann man wieder was aussehen? Wann müssen wir ernten? Allein aus Überlebensgründen war es wichtig, sowas wie einen Kalender zu basteln. Dazu kommen dann natürlich die ganzen gesellschaftlichen und religiösen Gründen, aus denen man auch einen Kalender haben will, um halt irgendwelche Feste zu feiern und so.
Florian Freistetter Das heißt, aus all diesen Gründen war es wichtig, einen Kalender zu haben, der irgendwie an den natürlichen Rhythmen dranhängt. Und da haben wir halt nicht so viele Auswahlmöglichkeiten. Wir müssen mit dem arbeiten, was das Universum uns hingestellt hat. Und das ist halt Und die Erde, so wie sie ist, die Erde dreht sich um ihre Achse.
Florian Freistetter Das ist der erste Rhythmus ein Tag. Der ist relativ leicht zu bemerken. Da muss man gar nicht großartig wissenschaftlich arbeiten, um festzustellen, dass es alle 24 Stunden hell und dunkel wird. Das merkt man schnell. Aber wie gesagt, der Tag allein reicht nicht als Kalendergrundlage, weil dann sind wir wieder beim Abzählen. Dann haben wir noch Monate.
Florian Freistetter Also der Zeitraum zwischen zwei Vollmonden zum Beispiel. Zwei Neumonden ist es wurscht. Aber das ist ein Rhythmus, den wir haben. Und natürlich halt der Zeitraum, in dem sich die Jahreszeiten wiederholen. Also von Frühlingsanfang zu Frühlingsanfang, Winteranfang zu Winteranfang, also ein Jahr. Wir wissen heute, was die Grundlage dafür ist. Ein Jahr, das ist die Zeit, die die Erde um die Sonne herum braucht.
Florian Freistetter Ein Monat ist die Zeit, die der Mond um die Erde herum braucht. Und Tag ist die Zeit, die die Erde sich um ihre Achse dreht. Haben die Menschen früher nicht gewusst, aber sie waren natürlich trotzdem in der Lage, diese Zeiträume zu bemerken, festzustellen und auch aufzuzeichnen, wie lange die dauern.
Florian Freistetter Ich kann mir hinsetzen und jeden Tag einen Strich irgendwo oder eine Markierung auf einem Stein machen und dann sehe ich, wie viele Tage vergangen sind, bis wieder Vollmond ist. Das kann man machen, genauso mit den Jahreszeiten. Also das geht. Das heißt, die Menschen haben das damals schon gewusst und jetzt muss man da irgendwie einen Kalender draus basteln. Die Frage ist, wie mache ich das?
Martin Puntigam Und wie mache ich das?
Florian Freistetter Ich hätte gedacht, du machst mal einen Vorschlag. Wie würdest du einen Kalender bauen?
Martin Puntigam Einfach zu schauen, wann die Tage wieder länger und kürzer werden. Oder jemanden fragen, wann die Tage wieder länger und kürzer werden und danach den Kalender bauen.
Florian Freistetter Ja gut, das ist ein sehr rudimentärer Ansatz.
Martin Puntigam Oder meinen Geburtstag als den höchsten Feiertag und alles rundherum grobieren.
Florian Freistetter Ja, da kommen wir dann später noch dazu, weil es gibt ja einen Geburtstag, um den gerade in den Raunächten viel herumgruppiert worden ist und der hat auch durchaus viel Auswirkungen auf das ganze Raunachtsbrauchtum gehabt, aber es war nicht dein Geburtstag und wir sind immer noch beim Kalender. Wir brauchen erstmal einen Kalender, wo wir Geburtstage eintragen können.
Florian Freistetter Das Problem ist, okay, wie mache ich das jetzt? Wie definiere ich jetzt etwas wie ein Jahr? Klar, ich kann das messen und das haben die Leute damals auch schon gewusst. Die haben festgestellt, wenn ich quasi jeden Tag ein Strichl mache, bis der Frühlingsanfang wieder ist oder bis halt der längste Tag kommt, das kann ich alles messen, kann man irgendeinen, Nullpunkt quasi nehmen, entweder die Tag- und Nachtgleiche oder halt den längsten Tag, den kürzesten Tag und so weiter.
Florian Freistetter Aber wurscht, was ich mir aussuche, wenn ich das mache und dann wirklich Stricherl mache quasi für jeden Tag, sehe ich, es sind 365 Stricherl, aber nicht ganz. Das geht hier nicht ganz aus, weil die Erde tatsächlich 365 Tage, 6 Stunden und ein bisschen was braucht rundherum. Und das bisschen was, das spielt dann später noch in der Geschichte der Raunechte, in der Geschichte der Menschheit eine Rolle, in der Kalenderkunde eine Rolle.
Florian Freistetter Wir ignorieren das bisschen was jetzt und sagen, okay, machen wir einfach mal ein Jahr mit 365 Tagen. Das ist die Zahlen, auf die ich quasi gekommen bin. Jetzt ist das auch nicht optimal, weil 365 ist eine große Zahl. Die Mathematik war damals noch nicht so ausgebildet. Die meisten Menschen werden gar nicht so weit zählen haben können. Das heißt, es ist auch kompliziert, ein Jahr mit so einem großen Zeitraum zu machen. Das heißt, wir brauchen irgendwo Monate auch noch mittrennen. Wir brauchen irgendwie noch eine Untereinheit, damit wir das Ganze irgendwie halbwegs im Griff haben mit dem Kalender.
Martin Puntigam Ganz kurz, wer ist denn das Wir? Weil ihr habt dunkel in Erinnerung, dass Kalenderwissen ja sehr stark auch Herrschaftswissen war, weil die Leute, die das gewusst haben, die Vorhersagen treffen haben können, die haben natürlich deutlich mehr Macht besessen.
Florian Freistetter Ja, da gibt es natürlich keine irgendwie gearteten, überlieferten Namen oder sowas. Das ist die Prähistorie. Da gibt es keine Aufzeichnungen, wer wann irgendwas gemacht hat. Wir haben halt nur die Produkte derer, die es gemacht haben. Also sowas wie Stonehenge oder noch viel, viel früher, zum Beispiel die Kreisgrabenanlage von Goseck, die ist glaube ich 6.000 Jahre alt in Sachsen-Anhalt.
Florian Freistetter Also da sehen wir, dass Menschen dieses Wissen gehabt haben. Ich darf auch nicht verwechseln, es wird immer oft gesagt, ja Stonehenge ist, rein astronomische Anlage und so weiter. Auch Quatsch, da war ganz viel anderes auch mit dabei. Aber tatsächlich sind auch Anlagen, wo man dann eben dieses Wissen drin verwendet und auch kodiert hat.
Florian Freistetter Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, aber ganz, ganz simpel, wie mache ich das konkret, wenn ich jetzt herausfinden will, wann ist der längste Tag? Dann muss ich oder kann ich die Sonne aufgehen sehen, ich stelle mich jeden Tag an denselben Punkt in der Landschaft und klopfe jeden Tag irgendwie ein...
Florian Freistetter Ein Holzpfahl irgendwo in die Erde, wo die an dem Punkt am Horizont, wo ich die Sonne von meiner Position gerade aufgehen sehe. Wenn ich das mache, werde ich sehen, okay, dieser Punkt verschiebt sich mal in die eine Richtung, mal in die andere Richtung, je nachdem, ob der Tag länger oder kürzer dauert.
Florian Freistetter Und dann sehe ich halt irgendwie an einem bestimmten Tag im Jahr kehrt sich quasi der Punkt immer um. Dann wandert die Sonne nicht mehr nach Westen oder nach Osten, sondern kriegt wieder zurück. Dann haben wir halt dann sowas wie Wendepunkte und ich kann genauso gut mit, diversen anderen Holzpflöcken anpeilen, wie hoch die Sonne zum Mittag am Himmel steht. und werde auch sehen, ich brauche unterschiedlich hohe Pflöcke, je nachdem, ob wir Winter haben und die Sonne tief steht oder Sommer haben und die Sonne hoch steht.
Florian Freistetter Und wenn ich das mache, dann kriege ich zwangsläufig irgendwie so komische Kreise mit Pflöcken raus, die mir irgendwas sagen. Und dann kann ich dann natürlich da meine ganze Religion und Gesellschaft und alles andere auch noch mit reinbauen in diese Bauwerke. Aber so ungefähr jetzt sehr, sehr, sehr verknappt dargestellt haben die Menschen sich damals mit dem Thema beschäftigt. Und wer das war, naja, kann man nur spekulieren.
Florian Freistetter Das wären halt auch irgendwelche Priester, Astronomen, gibt es das Konzept, also Leute, die einfach zum Himmel geschaut haben und sich Gedanken gemacht haben und die Gedanken, die sie sich gemacht haben, waren zwangsläufig damals halt sowohl proto-wissenschaftlich als auch religiös. Das heißt, es wird so eine Art Priestergruppe gewesen sein, die sich das da gedacht hat, die dann wahrscheinlich auch mit den Herrschern der jeweiligen Stämme zusammengearbeitet hat, aber für das kannst du irgendwelche Leute einladen, die sich mehr mit der Vorgeschichte auskennen.
Martin Puntigam Aber solche wie du wären das quasi gewesen, die dann Priester, Schamanen, Medizinmänner, was auch immer, geworden wären, weil sie sich für Astronomie interessieren und sie gedacht haben, pa, erstens interessiert mich das und dann mache ich das Hobby zum Beruf und habe ganz viele Privilegien gleichzeitig auch noch.
Florian Freistetter Vielleicht, so einer wie ich wäre das nicht geworden, weil ich habe seit meinem sechsten Lebensjahr eine Brille. Ich wäre dann schon längst von irgendeinem komischen Tier gefressen oder irgendein Loch gefallen oder sowas und schon längst tot. Aber ja, im Prinzip Leute, die sich... Das ist etwas, was sich das ganze Thema der Raunechte durchzieht, wenn man darüber diskutiert.
Florian Freistetter Man darf nicht der Vorstellung liegen, dass die Menschen früher alle Trotteln waren. Das waren die nicht. Das sind Siehe heute ja auch noch. Ja, das auch. So kann man es auch sehen. Aber andererseits sind wir auch heute nicht alle trotteln. Aber das waren dieselben Menschen wie damals. Wir haben halt einfach nur mehr Möglichkeiten als die Menschen damals.
Florian Freistetter Aber das, was wir heute wissen wollen, wenn solche wie ich, wie du sagst, zum Himmel schauen und darüber nachdenken, was geht da alles ab. Und das ist faszinierend. Ich will das rausfinden. Dann habe ich halt heute ganz, ganz andere Möglichkeiten als die Menschen damals. Aber die Menschen damals haben sich das genauso gedacht. Die waren nicht blöder als wir.
Florian Freistetter Die haben halt nur andere Möglichkeiten gehabt. Und mit den Möglichkeiten, die sie hatten, mussten sie halt irgendwas tun. Und da ist es rausgekommen, was rausgekommen ist. Und die haben diese Zeiträume vermessen und sich jetzt überlegt, wie machen wir einen Kalender. Und jetzt habe ich das Problem, habe ich schon gesagt, 365 Tage, ein Jahr, wenn wir das mal so hernehmen, ist okay, kann ich machen.
Florian Freistetter Aber ich brauche halt noch eine Unterhaltung. Ich muss meine Monate auch noch mit reinbringen. Weil natürlich Sonne und Mond sind die spektakulärsten Himmelskörper, die wichtigsten Himmelskörper, die religiös am stärksten konnotierten Himmelskörper. Das heißt, es ist klar, dass die überall eine Rolle spielen, auch in der Art und Weise, wie man die Zeit einteilt.
Florian Freistetter Beim Mond weiß ich auch, die Zeit, die der Mond braucht, um einmal sich um die Erde zu bewegen oder der Zeitraum von Vollmond zum Vollmond, das sind. 29,5 Tage. Und für die, die sich auskennen, es gibt ganz, ganz viele Definitionen. Es gibt irgendwie anomalistische Jahre, siderische Jahre, drakonitische Jahre und Monate.
Florian Freistetter Das steht im Buch alles drinnen, aber auch da noch in der Fußnote, für die, die es wirklich wissen wollen, das ist alles jetzt für das, was wir erzählen.
Martin Puntigam Das restliche Buch muss man kaufen, wenn man an der Fußnote interessiert ist.
Florian Freistetter Ja, genau. Also wir haben einen Monat, der im Schnitt 29,5 Tage dauert. Und das ist schon mal das erste Problem, weil einen halben Tag tue ich mir schwer im Kalender, weil die müssen schon idealerweise alle gleich lang sein, aber das kann man auch vergleichsweise einfach lösen, wenn man sagt, okay, der eine Monat hat 29 Tage, der nächste 30, dann wieder 29, wieder 30, das mittelt sich dann raus am Ende.
Florian Freistetter Das Problem, und damit kommen wir jetzt wirklich zu den Raunechten, das Problem, das ich habe, ist, wenn ich mir jetzt meine Monate hernehme, meine Monate aneinanderreihe, Monat 1, Monat 2, Monat 3, dann stelle ich fest, wenn ich 12 Monate durch habe, dann komme ich, kann man ausrechnen, 12 mal 29,5, komme ich auf 354 tage.
Florian Freistetter Und weil das ja dass diese die erde um die sonne braucht 365 tage, und jetzt habe ich ein problem ja ich kann jetzt okay dann tue ich da halt noch immer so einen halberten monat dazu irgendwie aber ist auch blöd ja also gibt doch kalender wurde es gemacht wurde es muss dann quasi so schalten monate und sowas gab aber, man kann das auch machen in dem einfach okay wir haben jetzt quasi.
Florian Freistetter Ein Jahr. Unser Jahr basieren wir jetzt auf dem Mond. Der Mond ist quasi unser Haupttaktgeber. Die Sonne dürfen wir nicht ignorieren, aber wir fangen mal mit dem Mond an und ein Jahr dauert zwölf Monate. Dann ist dieses Jahr aus, nach 354 Tagen ist es zu Ende. Aber ich weiß, wenn ich jetzt direkt am nächsten Tag mit dem nächsten Jahr anfangen würde, also mit Tag 1 des Monats, 1 des nächsten Jahres, kriege ich ein Problem.
Florian Freistetter Ich kann natürlich machen, ist kein Problem. Das Problem ist nur, dass dann mein Mondkalenderjahr aus dem Takt der Jahreszeiten geht, weil das fängt ja dann zwölf Tage, elf Tage zu früh an. Und im nächsten Jahr fängt es dann nochmal elf Tage zu früh an und ich bin schon 22 Tage außer Dritt. Und wie das funktioniert, kann man sich beim islamischen Kalender anschauen.
Florian Freistetter Das ist genau so ein reiner Mondkalender, der funktioniert genau so. Und die haben da auch ihre religiösen Feste, sowas wie Ramadan zum Beispiel. Und dieser Fastenmonat Ramadan, der ist jedes Jahr, wenn man es jetzt quasi mit unserem Kalender vergleicht, jedes Jahr woanders. Das heißt, 2026 war der Ramadan am 18. Februar, also hat er begonnen.
Florian Freistetter 2027 beginnt der Ramadan am 8. Februar. Am 2028 beginnt der Ramadan am 28. Jänner und so weiter. Also im islamischen Kalender ist der Ramadan immer der neunte Monat, immer Monat Nummer 9. Aber dieser Monat Nummer 9 findet im Laufe der Zeit immer zu einem anderen Zeitpunkt im Rhythmus der Jahreszeiten statt.
Martin Puntigam Aber kann es ja sein, dass er im Oktober ist oder so? Ist das so beweglich? Weil Ostern ist ja auch ein bewegliches Fest, aber verhältnismäßig in einem engen Rahmen.
Florian Freistetter Ostern ist ein anderes bewegliches Fest. Das hat mit etwas Anderem zu tun. Auch da, die Folge wird vermutlich zu lang werden, wenn wir über alles reden. Aber auch darüber könnte man reden. Auch das spielt eine Rolle bei den Raunechten. Aber Ramadan ist kein bewegliches Fest, sondern Ramadan ist ein fixes Fest.
Florian Freistetter Es ist immer fix der neunte Monat im Kalender. Der Kalender ist nur einfach nicht an die Jahreszeiten gekoppelt. Er ist nicht an den Lauf der Erde um die Sonne gekoppelt. Dazu bräuchte man einen Sonnenkalender, aber der islamische Kalender ist ein Mondkalender und das ist genau das Problem, was ich habe, wenn ich jetzt den Mond nehme als Kalendertaktgeber und meine zwölf Monate durch habe.
Florian Freistetter Da fehlt mir was. Wenn ich das ignoriere, kriege ich sowas wie den islamischen Kalender, der halt quasi nicht an die Jahreszeiten gekoppelt ist, was einem ja auch egal sein kann. Das muss einen ja nicht stören. Das muss mich ja nicht stören, wenn mein, keine Ahnung, Ramadanfest oder was auch immer ich da gerade in meinen Kalender verfestet drin habe.
Florian Freistetter Wenn die mal sind, wenn es heiß ist und mal sind es, wenn es kalt ist, das kann ja mir wurscht sein, wenn man das will. Das Problem ist, wenn ich jetzt den Kalender für irgendwas Praktisches verwenden will, wie Landwirtschaft, dann ist es blöd, wenn das sich an dort noch die Jahreszeiten schiebt. Das heißt, man muss das irgendwie ausgleichen und eine Möglichkeit, das zu tun, ist eben zu sagen, okay, das Jahr ist zu Ende nach dem letzten Tag des zwölften Monats, wir fangen aber noch nicht mit dem nächsten Jahr an.
Florian Freistetter Wir warten noch zwölf Tage, elf Tage. Es sind zwölf Tage, ich bringe das immer docheinander, weil es immer zwölf Tage, elf Nächte und so weiter sind, aber wir warten einfach noch, wir warten noch, bis wir das nächste Jahr anfangen und diese Zeit, die wir warten, das gehört nicht zu irgendeinem Jahr. Das eine Jahr ist aus, aber das andere Jahr hat noch nicht angefangen.
Florian Freistetter Es dauert noch ein bisschen, bis das andere Jahr anfängt. Das ist dann tatsächlich eine Zeit, die keinem Jahr zugeordnet ist, wenn man so will. Das ist eine Zeit, die zwischen den Jahren liegt.
Martin Puntigam Und so ist das entstanden?
Florian Freistetter Ja, das kann man so historisch nicht sagen, aber das ist die astronomische Grundlage, wie halt dann, warum diese Zeit, hängt ja auch davon ab, dass das Ende des Jahres jetzt gerade im Dezember liegt. Das ist auch wieder eine ganz andere Geschichte, die auch im Buch drin steht. Wenn man eben Kalender machen will, dann muss man sich zwangsläufig am Mond und Sonne orientieren und wenn man das macht, dann wird man zwangsläufig feststellen, dass da eben ein Unterschied zwischen elf Tagen ist, die zwischen einem Mondjahr und einem Sonnenjahr stattfinden, wenn man so will.
Florian Freistetter Und mit diesen elf Tagen muss man irgendwie umgehen. Und es gibt ganz viele Möglichkeiten, damit irgendwie umzugehen. Und diverse Kalendersysteme der Welt sind damit auch umgegangen. Wir haben halt unsere Monate vom Mond losgekoppelt, weitestgehend. Die dauern halt unterschiedlich lang. Deswegen kommen wir mit unseren zwölf Monaten ziemlich genau auf die 365 Tage.
Florian Freistetter Wir müssen ab und zu noch einen Schalttag irgendwo dazwischen schieben, dass sie das ausgeht. Aber man kann es halt auch einfach sagen, okay, unser Kalender ist aus. Nächste Jahr geht los erst, wenn wir wieder synchron mit dem Sonnenlauf sind. Das heißt, wir müssen elf Tage abwarten. Und diese elf Tage, die sind halt, die zählen quasi jetzt nicht dazu. Das sind die Tage zwischen den Jahren.
Florian Freistetter Und das sind auch, das ist keine mysteriösen Tage, das sind auch ganz normale Tage, die vergehen halt einfach, aber klar, die sind halt quasi nicht offiziell, die sind oder im Kalender, also das den Leuten, ja für die war das halt irgendwie vermutlich irgendwie ein bisschen, mysteriös, ein bisschen komisch, so eine Zeit, die nicht so wirklich gerade zählt, haben wir sowas halt immer noch ein bisschen so im Fasching, im Karneval, das ist ja auch so, wo die Regeln nicht gelten, die normalen und so, ja und darum hat man da halt auch viele einerseits mythologische Vorstellungen reingepackt in diese, Tage zwischen den Jahren, wo halt die Grenzen zwischen den Welten der lebenden und Toten ein bisschen durchlässig werden, wo man vielleicht auch halt ja dann ein bisschen in den,
Florian Freistetter Die Zukunft schauen kann, was passiert, wo die Götter besonders aufmerksam sind, was die Welt angeht, wo wir uns nicht mehr an die üblichen Gesetze halten müssen, da kann man dann viele Feste reintun in diese Zeit. Also das war kulturhistorisch halt schon eine Zeit, die sich halt dann ja vermutlich. Deswegen so entwickelt hat, wie sie es getan hat, weil die halt dann nicht so offiziell zu den normalen Kalendertagen gehört hat.
Florian Freistetter Und dann haben sich halt im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Bräuche entwickelt, Rituale entwickelt, Traditionen entwickelt, die im Laufe der Jahrtausende dann zu dem geworden sind, was wir heute als so das Rauhnachtsbrauchtum sehen. Und ein bisschen ist es ja immer noch so, also diese für uns so diese Zeit zwischen den Jahren, wo wir jetzt heute eben eher die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester meinen, das ist ja immer noch so die Zeit, die ist auch selbst in der Welt, die so modern ist.
Florian Freistetter Wie sie heute ist, ist das für viele Menschen immer noch ein bisschen so komisch. Ja, also es ist halt, auch da gelten die normalen Regeln nicht. Man hat da irgendwie gleich drei Feiertage hintereinander. Und wenn es blöd kommt, hat man am Wochenende auch noch, dass es draufkommt. Dann haben die Geschäfte nicht offen. Man muss irgendwie, fährt herum, besucht die Verwandten. Man verliert vielleicht wirklich den Überblick darüber, welcher Wochentag gerade ist, weil alles so außergewöhnlich ist. Andern ist Feiertag.
Florian Freistetter Dann kommt schon wieder der nächste mit Silvester. Also selbst da spürt man doch ein bisschen was davon, dass das irgendwie so eine leicht komische Zeit ist, diese Zeit zwischen den Jahren. Und das ist jetzt, wie gesagt, im Buch ausführlicher dargestellt, aber das ist wirklich so die zutiefst astronomische Grundlage der Raunächte.
Florian Freistetter Die Raunächte gibt es, weil die Himmelskörper im Sonnensystem sich so bewegen, wie sie es tun und wir mit der Bewegung der Himmelskörper irgendwie die Zeit definieren müssen.
Martin Puntigam Und weil es auch dunkel ist und kalt ist und man so viel Zeit drinnen und miteinander verbringen muss, hat man sich halt unter anderem Feste ausgedacht oder eben Bedeutungen für die Rauhnächte. Was kann denn in so einer Rauhnacht passieren? Oder wenn es in der Erzählung, mit der ich aufgewachsen bin, ist eben der Heilige Abend das sogenannte Silvester und drei Könige, da hat es drei Rauhnächte gegeben, es gibt aber eben viel mehr, ich glaube zwölf kann man maximal zusammenbekommen und da, passiert in jeder Rauhnacht dasselbe oder die Rauhnächte haben unterschiedliche Programme?
Florian Freistetter Nein, das ist wie gesagt auch nicht fixiert, da gibt es auch alles mögliche. Es ist nicht so, dass in der Raunacht muss das passieren. Also so klar definiert ist es nicht. Wie gesagt, das wäre auch überraschend, wenn das über die Jahrtausende, die Brauchtümer der unterschiedlichsten Regionen in Europa sich alle irgendwo da an sowas gehalten hätte.
Florian Freistetter Also es gibt einfach Dinge, die halt in den Raunächten gemacht werden und nicht alles, was irgendwelche Leute irgendwo in einer Raunacht als Tradition haben, muss anderswo auch Tradition sein. Also das ist alles komplett, ja durcheinander will ich nicht sagen, aber halt ja divers. Aber eins, was zum Beispiel immer bei den Raunächten eine Rolle spielt, sind so, ja wenn man so will, Also Schutz- und Wissensrituale kann man es vielleicht nennen.
Florian Freistetter Also einerseits Schutzrituale, man muss sich irgendwo schützen vor dem Einfluss böser Geister, Dämonen, was auch immer. Darum hat man zum Beispiel auch viele Räucherrituale, wo man dann Ställe ausräuchert zum Beispiel oder Wohnungen ausräuchert, weil die Viehhaltung ist durchaus wichtig für die Menschen, die eigene Wohnung auch.
Florian Freistetter Das heißt, man will sich und sein Vieh, seine Tiere, seine Familie alles schützen vor dem Einfluss und dann, gibt es ganz viele Räucherrituale und das ist eine der Möglichkeiten des Ursprungs des Wortes Raunächte, dass es wirklich vom Rauch, vom Räuchern kommt.
Martin Puntigam Aber wieso hat man denn die eigene Küche zum Beispiel geräuchert, weil diese Rauchkucheln, wie sie auch heißen, die waren ohne dies derartig voller Rauch und für die Lungen so ungesund. früher, da hat man dann extra räuchern müssen.
Florian Freistetter Naja, erstens mal hat man sich damals nicht so dramatisch viele Gedanken über Lungengesundheit gemacht, also das war jetzt nicht das vorherrschende Thema, zu der Zeit und ja, natürlich, weil Rauch ist nicht gleich Rauch, ich meine, das ist ja, du warst Ministrant, du wirst wissen, dass Weihrauch kann ja auch nicht einfach eine Zigarette anzünden, sondern das muss der richtig, der religiöse richtige Rauch sein.
Florian Freistetter Und der Rauch, der beim Kochen entsteht, das ist ein profaner Rauch, aber dann muss ich halt bei den speziellen, wie auch immer gearteten Rauch erzeugen, der halt dann das macht, was ich in den Raunächten haben will davon. Also das hat jetzt nichts damit zu tun, wenn es da nur rumqualmt den ganzen Tag, wir kochen, brauche ich nicht mehr räuchern. Also das war schon ein spezielles Ritual, das man gemacht hat. Und so Rituale funktionieren nur, wenn es entsprechend richtig durchgeführt wird. Also das Räuchern ist ein Punkt zum Beispiel, Und da können wir jetzt gleich den Rest auch noch machen von den Wörtern.
Florian Freistetter Man weiß nicht genau, wo das Wort Raunacht wirklich herkommt. Der andere mögliche Ursprung, der kommt vom Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, weiß ich jetzt gerade nicht mehr genau, aber vom Wort, das so viel bedeutet wie ruchhaarig. Pelzig. Ja genau, weil und das kennen vielleicht auch viele zumindest die, die sich im Alpenraum umtun, die Perchtenläufe, Perchtenumzüge und Krampus und so weiter spielt auch eine Rolle damit.
Florian Freistetter Und die sind ja dann oft sehr haarig, also die Menschen drunter, da weiß man es nicht, aber zumindest außen die Kostüme, die sind sehr haarig und pelzig und irgendwelche grauslichen Dämonen und so weiter. Und das war halt auch sehr viel Brauchtum. Also genauso wie man sich durch das Räuchern geschützt hat, hat man sich halt auch geschützt, indem man diese Umzüge gemacht hat, um dann halt, einerseits die ganzen Dämonen und Geister darzustellen und dann symbolisch zu vertreiben oder mit dem ganzen Lärm irgendwelche nicht sichtbaren Geister zu vertreiben und dafür zu sorgen, dass der Frühling wiederkommt und so weiter.
Florian Freistetter Also auch da gibt es unzählige Variationen, warum man diese Pärchtenläufe macht. Die übrigens, sage ich auch nicht dazu, bevor es sich erschwert, wir haben keine wirklich historische, durchgehende Tradition von vor Jahrtausenden bis in die Gegenwart. Also all die ganzen Pärchtenläufe, die bei uns stattfinden, die lassen sich so historisch maximal so bis ins 19. oder 18. Jahrhundert zurückverfolgen.
Florian Freistetter Aber die Tradition dahinter, die ist schon älter.
Martin Puntigam Aber es ist nicht ganz so schlimm wie Bauernsilvester. unsere Show, das ja erst, glaube ich, in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts erfunden worden ist, wo auch behauptet wird, die Bauern hätten Silvester früher feiern müssen, damit sie in der Raunacht beim Vieh im Stall sein können, um eben zu räuchern.
Martin Puntigam Und in Wirklichkeit ist es nur ein Sauffest, damit man die Zeit zwischen Weihnachtsfeiern und Silvester besser überbrücken kann. Aber die Berchtenläufe und sowas, das ist erst später eingeführt, erfunden worden oder hat sie entwickelt, auch wenn es eine Grundlage dafür gibt?
Florian Freistetter Also später auch da wieder jeder einzelne Pärchtenlauf, der irgendwo in einem Ort stattfindet, hat seine eigene Tradition und wann und wie sie sich genau entwickelt hat, ist schwer zu sagen, aber die hat schon früher auch gegeben, also wir wissen schon auch aus dem Mittelalter und davor von solchen ähnlichen festen Umzügen, Ereignissen und so weiter, aber das hat sich dann halt vielleicht irgendwie aufgehört, verändert und dann irgendwann so im 19.
Florian Freistetter Jahrhundert hat man halt da wieder angefangen, irgendwelche so angeblich alte Traditionen wieder aufzugreifen und wieder Pärchtenläufe zu machen, die aber jetzt dann so, so, so wie beim Mondkalender halt, nur halt nicht. Unangenehm esoterisch untermauert, wie man will. Da heißt es ja auch immer, das ist wie das alte, überlieferte Wissen, das da in den Mondkalendern drinsteht.
Florian Freistetter Das kommt auch maximal aus dem 19. Jahrhundert, das Zeug, was in den Mondkalendern drinsteht. Und hat nichts mit alten Bauernwissen zu tun. Aber man sagt es halt, weil es schön klingt, wenn es alt ist und genauso erweckt man auch gerne den Anschein, diese Perchtenumzüge wären uralte Tradition, aber ja. Und wie gesagt, Im Fundament sind sie das auch, aber halt nicht in der Form, wie es jetzt stattfindet.
Florian Freistetter Das sind alles so Dinge, die in den Raunechten stattfinden und die haben auch alle auf die eine oder andere Art mit Astronomie zu tun, weil, wie gesagt, wenn ich nicht weiß, zum Beispiel, wann der Winter kommt und wann der Winter aufhört und wie lange der Winter dauert, dann kann ich mir auch nicht sicher sein, ob der Frühling wiederkommt.
Florian Freistetter Und selbst wenn ich dann meinen Kalender habe, der mir sagt, ja, ungefähr zu der Zeit kommt er eh meistens wieder, aber wir wissen alle, wie Wetter und Klima funktioniert, das kann auch mal länger dauern, das kann auch mal kürzer dauern, so ein Winter. Und solange ich die dahinterliegenden Grundlagen nicht kenne, warum wir sowas wie Frühling haben, warum Winter unterschiedlich lang dauern und so weiter, solange ich das nicht verstanden habe, dann muss ich irgendwie anders klarkommen mit der Welt und dem, was dort passiert.
Florian Freistetter Und dann muss ich mir was anderes ausdenken, um eben dafür zu sorgen, dass der Frühling wirklich wiederkommt und dann mache ich halt solche Raunachtsrituale, wo ich dann halt irgendwie durch die Gegend ziehe und viel Lärm schlage, damit der böser Winter sich verzieht und sicher ist, dass der Frühling wiederkommt.
Florian Freistetter Also das ist schon auch alles Brauchtum, Tradition, aber es entstammt halt schon auch in dem Fall nicht dem Wissen über das Universum, sondern dem damals noch zwangsläufig vorhandenen Unwissen über das Universum. Und kann man ganz viel erklären, auch so etwas wie Weiße Weihnachten zum Beispiel. Ja, das ist ja auch was, was wir mit den Raunichten verbinden, mit der Zeit.
Florian Freistetter Da muss immer Schnee sein, in jedem Film, in jeder Fernsehserie, in jeder Abbildung. Überall ist Weihnachten immer weiß. Dabei, wenn man sich die Daten anschaut, Weihnachten hierzulande bei uns ist selten weiß, wenn man nicht gerade irgendwo auf dem 3000er-Gipfel in den Alpen wohnt oder sowas. Dann ist Weihnachten eigentlich öfter nicht weiß als schon.
Florian Freistetter Und auch das kann man erklären. Auch da gibt es naturwissenschaftlich-gastronomische Erklärungen, warum das so ist, dass wir wirklich im Weihnachten tendenziell keinen Schnee haben. Also da gibt es Unmengen Geschichten, die man zu all diesen diversen, Raunachtsbräuchen erzählen kann. Und die habe ich halt in meinem Buch probiert zu erzählen, dass man halt auch ein bisschen was über die Raunächte lernen kann und die Traditionen ohne die Esoterik, aber mit Wissenschaft.
Florian Freistetter Und wer die Esoterik vermisst.
Martin Puntigam Der reichhaltiges Angebot, oder?
Florian Freistetter Nein, nein, wer die Esoterik vermisst in dem Buch. Ich habe quasi so Placebo-Esoterik mit reingegeben.
Martin Puntigam Weil Cebo-Esoterik, da bin ich gespannt, was Placebo-Esoterik sein soll.
Florian Freistetter Ja, das ist mir gerade eingefallen, der Begriff. Nein, aber wenn du dir irgend so ein Raunacht-Buch besorgst, also eines von den esoterischen, das ist ja voll mit allen möglichen Ritualen, die du durchführen sollst. In jeder Nacht kannst du irgendwelche Rituale machen. Das ist ein Klassisches, das kennen vielleicht einige ist, das mit den Wünschen. Du sollst dir auf zwölf Zettel Wünsche schreiben, was du dir wünschst fürs nächste Jahr.
Florian Freistetter Und die schreibst du drauf und in jeder Raunacht verbrennst du einen davon. Mhm. Und einer bleibt dann übrig am Ende.
Martin Puntigam Und der geht in Erfüllung?
Florian Freistetter Die zwölf, die du verbrennst, die sollen dann alle entsprechend in Erfüllung gehen. Und der eine, der übrig bleibt, das ist dann quasi dein Job. Da musst du dich dann kümmern, dass der wirklich in Erfüllung geht. Das ist so ein Brauch zum Beispiel.
Martin Puntigam Das heißt, die anderen Wünsche werden ausgelagert und da ist man dann nicht selber schuld und verantwortlich dafür, wenn es nicht gelingt?
Florian Freistetter So ungefähr, ja. Oder du kannst auch so Prognosen. Das ist auch was Klassisches, was man früher gemacht hat. Und ja, so Lostage, ich weiß nicht, ob der Begriff was sagt.
Martin Puntigam Ja, selbstverständlich. Für die Aussaat war das früher sehr oft wichtig oder für die Ernte.
Florian Freistetter Ja, ganz viele Möglichkeiten gibt es. Also man hat gesagt, man nimmt einen Tag im Jahr und dieser eine Tag sagt mir irgendwas über die Zukunft. Ganz viele Bauernregeln basieren darauf. Mir fällt gerade keine Bauernregel ein, aber ist das Wetter an St. Martin heiß, dann gibt es im Sommer weniger Eis. Oder keine Ahnung, irgendwie so funktionieren die Dinger.
Florian Freistetter Aber das war auch in den Raunechten relevant. Also man hat gesagt, okay, man schaut sich an, Das Wetter in der ersten Rauhnacht oder am ersten Rautag, je nachdem, das wird so die Großwetterlage, das wird das Wetter im ersten Monat sein. Also wenn es in der ersten Rauhnacht irgendwie warm ist, dann wird der Jänner warm.
Florian Freistetter Und in der zweiten Rauhnacht ist das Wetter für den zweiten Monat und so weiter. Und das hat sie dann auch irgendwie umgesetzt ins Individuelle, dass man halt auch so für jede Raunacht seine eigenen Rituale macht, die dann bestimmen sollen, wie es im nächsten Jahr geht. Also all diese Dinge habe ich probiert aufzugreifen, diese Rituale, beziehungsweise nicht aufzugreifen, sondern ich habe ja auch für jede Raunacht ein Ritual entworfen, weil ja tatsächlich…, Wenn man wissen will, wie die Zukunft ist, hat man ein Problem, weil das geht nicht.
Florian Freistetter Aber da, wo es geht, also man kann natürlich die Zukunft vorhersagen, in gewissem Sinne, in manchen Sinne sehr, sehr gut, wenn ich Sonnenfinsternisse vorhersagen will, das geht ganz einfach, das können wir wirklich sehr, sehr gut vorhersagen. Für Jahrtausende im Voraus können wir das vorhersagen mit Wissenschaft, aber auch alles andere.
Florian Freistetter Ich kann auch wissenschaftlich halbwegs gesagt zum Beispiel vorhersagen, was passiert, wenn ich jetzt mich ein Jahr lang nur von Pommes und Keksen ernähre. Ist auch eine Vorhersage, die ich machen kann, dann werde ich nämlich im nächsten Jahr deutlich dicker sein als jetzt. Und genauso gut kann ich vorhersagen.
Martin Puntigam Was ja auch... Ja, kommt auf die Menge drauf an. Wenn du sehr wenig Pommes und sehr wenig Kekse isst, dann lässt du die zwangsläufig dicker sein.
Florian Freistetter Genau, ja, aber im Prinzip sowas, ich kann jetzt, wenn jetzt mein Wunsch quasi ist, ich möchte endlich abnehmen, dann kann ich das auf einen Zettel schreiben und verbrennen oder aber ich kann mir quasi die wissenschaftlichen Vorhersagen suchen und sagen, okay, man kann es jetzt nicht exakt sagen, wie es geht, aber man kann zumindest halbwegs gut erklären, wie man denn wirklich was abnimmt.
Florian Freistetter Noch schwieriger ist es, wenn ich so Vorhersagen machen will oder Fragen an die Zukunft habe, wie werde ich irgendwie meinen Traumpartner treffen im nächsten Jahr. Da ist die Wissenschaft schon eher gefordert, da was zu sagen. Aber auch da gibt es zumindest ein bisschen Möglichkeiten herauszufinden, wissenschaftlich, was könnte denn helfen, um einen guten Partner zu finden.
Florian Freistetter Was kann ich machen, um nicht auf irgendwelche Trotteln reinzufallen. Was ich hinaus will, ist, wenn ich wirklich irgendwie, auf welcher Art auch immer, was über die Zukunft wissen will oder über mich oder andere oder die Welt verstehen will, dann führt kein Weg an der Wissenschaft vorbei. Das ist die einzig verlässliche Methode, die wir haben, um die Welt objektiv zu verstehen.
Florian Freistetter Es gibt eh ganz viele andere Methoden auch und viele davon findet man in esoterischen Büchern, aber die funktionieren halt nicht. Die Wissenschaft funktioniert und weiß halbwegs auch, wo sie nicht funktioniert, also kann ihre Grenzen angeben. Diese Methode der Wissenschaft, die ja vielen Menschen, die nichts mit der Wissenschaft am Hut haben, was ja viele haben, weil es sind ja nicht alle, die wenigsten sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für die ist die wissenschaftliche Methodik an sich nichts, was man so im Kopf parat hat.
Florian Freistetter Das hat man auch in der Corona-Zeit zum Beispiel gemerkt, wo dann plötzlich sehr viel Wissenschaft im Mainstream unterwegs war und wo Leute halt sich dann gesagt haben, warum sagt sie jetzt das und letzte Woche hat sie das anderes gesagt, das ist ja Quatsch. Und aber ja, Wissenschaft ist halt so. Wissenschaft ändert die, je nach Datenlage ändern sich Dinge und so weiter.
Florian Freistetter Also wissenschaftliche Methodik funktioniert auf eine ganz besondere Art und Weise und ich habe halt probiert, die Grundprinzipien der wissenschaftlichen Methodik in Raunachtsrituale zu übersetzen, die man auch tatsächlich selbst durchführen kann, und dann ja am Ende, wenn man die macht, dann tatsächlich vielleicht ein bisschen bessere Werkzeuge an der Hand hat, sich selbst durchführen.
Florian Freistetter Vielleicht ein bisschen besser zu verstehen, wenn man das gerne möchte, die Welt ein bisschen besser zu verstehen, wenn man das gerne möchte. Und vielleicht, wenn man das wirklich möchte und so die klassischen Neujahrsvorsätze macht und sowas, was man alles macht, so am Ende des Jahres, dass man dann vielleicht eine bessere Chance hat, die umzusetzen, als wenn man es einfach nur so gemacht hätte.
Florian Freistetter Das war so die Idee hinter den zwölf Raunachtsritualen, die ich so mir ausgedacht habe.
Martin Puntigam Also Placebo, Esoterik ist in Wirklichkeit ein von dir ausgedachter Begriff für Wissenschaft.
Florian Freistetter Genau, ja, ich habe es halt so getan, als wäre es, man merkt schon, man merkt in dem Buch schon, es ist keine Esoterik, aber ich habe es halt nicht so formuliert, dass Leute, ihr seid alle trocken, die ihr das bisher geglaubt habt, so geht es richtig. Also so habe ich es nicht formuliert, sondern ich habe halt schon so formuliert, dass ich habe schon immer dazu gesagt, das ist Wissenschaft, ja, aber ich habe halt so formuliert, dass es für Leute, die vielleicht mit Wissenschaft nichts am Hut haben, die sie das vielleicht wirklich gekauft haben, weil sie gern gedacht hätten, sie kriegen da jetzt irgendwie sowas über die Esoterik der Raunächte, dass die nicht massiv abgeschreckt werden davon.
Florian Freistetter Das habe ich mit Placebo-Esoterik gemeint. Es sollte auch für Leute mit Hang zur Esoterik verträglich sein, sagen wir es mal so.
Martin Puntigam Also wolltest du einen neuen Markt erschließen?
Florian Freistetter Nein, nicht einen neuen Markt erschließen, aber die Astronomie ist ja per se jetzt nicht unfreundlich. Also jemand, der sich für Astrologie interessiert zum Beispiel oder irgendwer, der keine Ahnung, jetzt so Raunachtsrituale mit Räuchern und Wünsche verbrennen macht, Und diese Menschen, die können sich ja durchaus auch für Astronomie interessieren.
Florian Freistetter Das muss ich ja nicht mal ausschließen. Also ich meine, es schließt sich halt aus, wenn man wirklich dem wissenschaftlichen Weltbild, dem esoterischen Weltbild gegenübersteht. Aber ich kann genauso da sitzen und meine Raunachtswünsche verbrennen und gleichzeitig denken, ja hier, also die Sache mit den, keine Ahnung, jetzt hier die astronomischen Bilder von dem Kometen oder sonst was, die finde ich auch toll.
Florian Freistetter Also prinzipiell muss ich das nicht ausschließen. Also für die Leute, die halt, die mit Raunächten eher sozialisiert sind als mit Astronomie. Und das Buch lesen, die können dann quasi trotzdem das mit Gewinn lesen, auch wenn sie, Vielleicht jetzt nicht unbedingt dem wissenschaftlichen Weltbild so anhängen, wie man es, ja, wie ist denn die Hörerschaft des Podcasts hier vermutlich der Fall ist. Aber für die ist halt die Wissenschaft drinnen. Und die kriegen dann, ja vielleicht mal einen anderen Blick auf die Wissenschaft, als man ihn sonst bekommt. Also es sollte eigentlich für alle was drin sein.
Martin Puntigam Der Rauhnachtsbrauch, mit dem ich am vertrautesten bin, weil ich damit aufgewachsen bin und weil der noch immer teilweise in meiner Familie praktiziert wird, ist der mit dem Wäsche aufhängen. Dass man ihm Wäsche während einer Rauhnacht nicht hängen lassen darf, weil sonst muss im kommenden Kalenderjahr jemand aus der Verwandtschaft sterben.
Martin Puntigam Vor vielen Jahren haben ausgehend von einem Tourprogramm von Thomas Maurer und mir haben wir dann daraus entwickelt, das Theaterstück oder den, Weihnachtsschwank, die Supernacht der Weihnachtsstars, die wir jedes Jahr am Ende gespielt haben im Theater und das auch thematisiert dort, dass das eben quasi russisches Roulette mit Verwandten sei.
Martin Puntigam Wie kommt man denn auf die Idee, dass Wäsche hängen lassen in einer Rauhnacht, dass das tödlich für die Verwandtschaft sein kann?
Florian Freistetter Naja, ich hätte gedacht, du weißt das, weil du hast das ja gesagt, in deiner Familie wird das gemacht. Weiß keiner, warum er das macht in deiner Familie.
Martin Puntigam Ich glaube, die wilde Jagd fährt dann durch die Wäsche und wenn das passiert, dann werden die irgendwie böse und dann muss er sterben.
Florian Freistetter Das ist eine der Möglichkeiten zum Beispiel, dass die wilde Jagd, die auch sehr, sehr wichtig ist für die Rauhnächte.
Martin Puntigam Aber wo kommt die her, die wilde Jagd?
Florian Freistetter Das weiß man auch nicht. Auch da, wir reden ja wirklich von früher.
Martin Puntigam Und früher illegale Pferderennen sind das in der Raunach.
Florian Freistetter Also wilde Jagd, die Geschichten von der wilden Jagd gibt es überall in Europa. Das sind immer irgendwelche, ja, es können irgendwelche Dämonen sein. Es können irgendwelche mythologischen Gestalten sein. Es können die mal einen Job haben, mal nicht. Also die können einfach nur so wild durch die Gegend fliegen und alles kaputt machen, wenn sie wollen.
Florian Freistetter Es können dann aber auch sein, dass die zum Beispiel die Seelen der verstorbenen, der unschuldig verstorbenen Kinder einsammeln. Weil das weißt du, das kann ich dich gleich wieder testen in deinem obskuren Kirchenwissen. Weißt du, welches Fest die katholische Kirche am 28. Dezember macht?
Martin Puntigam Naja, das unschuldige Kinderfest ist das. Kindermord zu Bethlehem, den Herr Rudes angeordnet haben soll, aber der war damals gar nicht König.
Florian Freistetter Jaja, eben, aber unschuldige Kinder und es heißt auch, dass zum Beispiel die wilde Jagd dadurch die Welt wandert, um die Seelen der Kinder einzusammeln, die ungetauft verstorben sind. Und angeführt wird die wilde Jagd auch je nach Tradition von allen möglichen unterschiedlichen Gestalten. Eine ist die Frau Perchter zum Beispiel, da haben wir wieder das Perchter und das Perchten, Perchtenläufe mit drinnen.
Florian Freistetter Die Frau Perchter ist bei uns auch die Grundlage für die Märchengestalt der Frau Holle. Und wo das die auch, wenn man es so interpretiert, eine Art von Wintergottheit ist, weil die kann es schneien lassen und so weiter. Und das sind alles Vermischungen von allen möglichen mythologischen, traditionellen Geschichten.
Florian Freistetter Aber ja, wenn die Frau Perchter dann durch die Weltwander mit ihrer wilden Jagd um die Kinder einsammelt, dann ist es blöd, wenn sich die Seelen und Geister der Kinder in den Wäschestücken verheddern. Darum zollt man zum Beispiel, das ist ein Grund, warum man den nicht aufhängen soll. Andere sagen ja, die wilde Jagd selbst will sie nicht verheddern, wenn die durch die Gegend jagt. Und wenn sie sich verheddert, dann wird es böse und dann gibt es auch Ärger.
Martin Puntigam Das ist so, wie wenn ein Holz in die Speichen kommt beim Fahrradfahren. Also das wollen die dann nicht.
Florian Freistetter Genau, genau. Oder wenn du vor allem Bettwäsche waschst. Also in manchen Traditionen gilt das auch nur für Bettwäsche. Wenn du die ganzen Leintücher aufhängst, die schauen aus wie Leichentücher. Also es gibt viele Möglichkeiten. Und auch da, wer das Buch liest, was ich geschrieben habe, Ich habe dann auch da die Wissenschaft dahinter erklärt, also Wissenschaft, aber man kann sich ja schon irgendwie überlegen, warum man gerade auf sowas wie eine wilde Jagd kommt, die in den Wintermonaten über den Himmel stürmt.
Florian Freistetter Dann kommt man sehr schnell zum Wetter und dann ist man da sehr schnell bei der Frage, warum gibt es eigentlich im Winter mehr Stürme und stärkere Stürme als im Sommer. Und auch da ist man dann gleich wieder bei der Astronomie und bei der Planetologie und so weiter. Also auch da gibt es eine astronomische Grundlage. Aber ja, die Sache mit dem Waschen, das ist etwas, ja wahrscheinlich, weil wir heute immer waschen.
Florian Freistetter Also wir haben früher gewaschen, wir waschen jetzt Zeug. Also das ist etwas, was…, Jahrtausenden eine Rolle in unserem Alltag spielt, darum wird sich das auch heute noch immer halten. Der braucht, dass man halt nicht waschen soll, aus welchen Gründen auch immer. Und heute wird er sich, abgesehen von irgendwelchen, unbewussten Aberglauben, dass man sagt, ja, macht man halt nicht.
Florian Freistetter Ein Grund, und den kann ich absolut nachvollziehen, ist, man hat ja in der Zeit zwischen den Jahren, zwischen Weihnachten und Silvestern, man hat eh schon so viel Stress. Man hat davor urviel Stress gehabt, man hat danach, muss man Verwandte besuchen, man hat urviel Stress. Da kann ich mal auf die Hausarbeit verzichten. Das kann ich mal bleiben lassen ein paar Tage. Das tut ja keinem weh.
Florian Freistetter Also insofern bin ich voll dafür, dass man in den Raunächten nicht Wäsche wäscht. Aber wenn man es trotzdem tut, muss man deswegen nicht sterben. Also nicht wahrscheinlicher sterben, als man sonst vielleicht gestorben wäre.
Martin Puntigam Weil es ist ja genau die Zeit, wo sich die Menschen eben Neujahrsvorsätze fassen. Und wenn man dann zu Weihnachten geföllert hat, dann fangen die Leute genau zwischen den Jahren an, schwimmen zu gehen, ins Fitnessstudio zu gehen, laufen zu gehen und so weiter. Was auch immer man machen kann, um ein Fitnessprogramm zu starten, dann hat man die Schwitzwäsche und die darf man dann bis nach drei König nicht waschen.
Florian Freistetter Man kann sie, wie gesagt, problemlos waschen, aber man kann es auch bleiben lassen, wenn man sich keinen Stress machen will. Aber wenn man eh schon irgendwie spontan vollgefressen mit Sport anfängt, dann hat man eh schon wieder einen Stress, dann kann man waschen auch gleich. Aber wie gesagt, man könnte es sogar wissenschaftlich angehen.
Florian Freistetter Also wer jetzt wirklich beunruhigt ist, dass Waschen vielleicht doch gefährlich ist, weil was es gibt zu Weihnachten auf der ganzen Welt sind Menschen, die auf Urlaub fahren. Also nicht alle zu Hause, fahren ganz viele auf Urlaub, ganz viele sind in den Hotels und in den Hotels wird wirklich, wirklich viel Bettwäsche gewaschen, auch zu Weihnachten, auch in den Raunächten.
Florian Freistetter Das heißt, wenn das so ist, müsste es eigentlich über die Feiertage in Hotels beim Hotelpersonal überdurchschnittlich wieder Todesfälle geben und das gibt es nicht.
Martin Puntigam Also ist nicht der Fall, okay, dann bin ich ruhig. Ich habe es ja ähnlich auch beobachten können, dass die Ausfällungsrate in meiner Verwandtschaft war nicht so hoch, wie ich heimlich Wäsche hängen habe lassen, um das auszutesten.
Florian Freistetter Genau.
Martin Puntigam Und im Wesentlichen stellen wir uns ja vor, dass man Wäsche, wenn man sie wäscht, drinnen trocknen lässt. Zumal wenn man jetzt in der Stadt wohnt und nur eine Wohnung hat, dann hat man selten die Möglichkeit, das draußen hängen zu lassen. Aber du schreibst im Buch, dass man im Winter die Wäsche auch draußen trocknen lassen kann und manchmal sogar soll. Wieso das?
Florian Freistetter Naja, das ist vielleicht auch ein weiterer Grund, warum man sagt, im Winter lassen wir es mit der Wäsche waschen ein bisschen weniger. Machen wir es ein bisschen weniger, weil es ist ja schon nervig, wenn ich die ganze Wohnung voll mit nasser Wäsche habe. Dann kann ich, wenn ich nicht regelmäßig lüfte, was jetzt kalt draußen ist, auch unangenehm ist, dann kann ich mir leicht vielleicht ein Schimmelproblem einfangen.
Florian Freistetter Also das ist schon was, was tatsächlich, also ich kann es bei mir sagen, also bei mir meine Fenster sind nicht so super isoliert. Ich habe es durchaus feucht im Winter in der Wohnung und wenn ich dann die Wäsche auch noch aufhänge in der Wohnung, dann ist es ganz blöd. Aber draußen aufhängen ist auch blöd, weil es scheint kaum die Sonne im Winter, da wird es nicht gescheit trocken und so.
Florian Freistetter Aber, aber wenn man wirklich Frosttage hat in den Raunächten oder im Winter oder irgendwo sind ja nicht die Raunächte sein, keine Ahnung. Von mir ist es auch im Februar sein, das ist mir wurscht. Also solange es draußen wirklich frostig ist. Unter Null, dann kann ich die Wäsche auch raushängen, dann wird, und sie muss feucht sein natürlich, die Wäsche, dann wird das Wasser in der Wäsche gefrieren und wenn es dann gefroren bleibt, die Wäsche, das Wasser, und ich lasse das da vielleicht einen Tag, zwei Tage, drei Tage, kann aber dauern, hängen, im Frost auftauen darf es nicht dazwischen, dann wird das Eis und damit auch das Wasser trotzdem verschwinden und die Wäsche wird trocken, weil Wasser oder Eis eben nicht nur einfach schmelzen kann, sondern auch sublimieren kann.
Martin Puntigam Also von flüssig direkt gasförmig werden?
Florian Freistetter Genau, das kann es nicht nur, das macht es auch, das macht ständig. Also jedes Eis sublimiert, beziehungsweise nicht jedes Eis sublimiert, das hängt davon ab, wie die Luftfeuchtigkeit ist und so weiter. Also Gefrierbrand ist zum Beispiel eine Folge von Sublimation, weil ich eben Eis als Wassermoleküle in meinem Fleisch oder was auch immer drin habe.
Florian Freistetter Und je nachdem, wie mein Gefrierfach beinahnt ist, wie da die Luftfeuchtigkeit drin ist, kann das Eis, wenn es sublimiert, durch Wasserdampf auf der Luft nachgeliefert werden oder halt nicht. Und irgendwann kriege ich dann halt so ein ausgetrocknetes irgendwas in meinem Gefrierfach, wo das ganze Wasser weg ist, obwohl es eigentlich eh dann gefroren war.
Florian Freistetter Also das ist Sublimation. Das macht auch das Wasser in der Wäsche draußen. Irgendwann ist die Wäsche trockensublimiert und funktioniert wunderbar. Mein Gut, hängt vom Gewebe ab, das man hat. Manchen tut es vielleicht nicht ganz so gut, wenn es gefroren ist, aber normalerweise funktioniert es ganz gut, dass man es draußen trocknet.
Florian Freistetter Und das kann man dann auch, und habe ich im Buch gemacht, auch als Anlass nehmen, um über wirklich die Rolle der Sublimation in der Rau nachzuspielen, weil Kometen spielen ja auch eine wichtige Rolle. Gerade der Dreiködigstag, der oft die letzte Rauhnacht ist, da spielen Kometen eine ganz wichtige Rolle. Auch in vielen Rauhnachtsumzügen spielen Kometen eine Rolle und so.
Florian Freistetter Und generell in der Tradition und in dem Verständnis, das die Menschen von der Welt haben, spielen Kometen eine Rolle als Unglücksbringer und so weiter. Und Kometen sind auch deswegen so beeindruckend, weil sie sublimieren. Deswegen leuchten die Dinger. Also auch da haben wir eine Verbindung zwischen Rauhnacht und der Astronomie. und die.
Florian Freistetter Zieht sich tatsächlich, ich war beim Schreiben überrascht, die zieht sich durch die ganze Rauhnachtsthematik, ich war überrascht, dass man wirklich so ein Buch schreiben kann, wo ich so viel Astronomie gar nicht mal zwangsweise unterbringen musste, sondern das hat sich ganz natürlich ergeben.
Martin Puntigam Es ist tatsächlich ein faszinierendes Buch, soweit ich es schon gelesen habe. Wir wollen auch nicht alles verraten, aber zum Schluss natürlich noch die Einleitungsbemerkung auflösen, nämlich dass man die Sprache der Tiere verstehen könne in einer Rauhnacht um Mitternacht. Jetzt habt ihr bei euch im Garten Eichhörnchen.
Martin Puntigam Brecht ihr in Rauhnächten zu Mitternacht mit den Eichhörnchen? Wenden die sich an euch oder gilt es nur, wenn man zu den Tieren in den Stall geht?
Florian Freistetter Egal, ob eine Rauhnacht ist oder nicht, um Mitternacht liege ich meistens im Bett, da rede ich mit niemandem, auch wenn es Eichhörnchen zu reden gäbe. Nein, also ich rede nicht mit Tieren, beziehungsweise ich rede nur so mit Tieren, wie man halt mit Tieren redet. Also keine Ahnung, wenn da irgendwo mal ein Hund ist oder eine Katze, dann reden wir halt mit denen.
Florian Freistetter Aber es ist ja schon, prinzipiell kann man ja verstehen, warum Menschen Interesse daran hatten, mit Tieren zu reden. Ich meine, das ist ja nicht nur in den Rauhnächten, da gibt es ganze Filme und Filmgenres und so weiter. Viele Menschen, die Haustiere haben, reden ja wirklich mit denen. Also Tiere leben mit uns auf der Welt und schon immer.
Florian Freistetter Und wir wollen halt irgendwie eine Art, unsere Beziehung, die wir haben zu den Tieren, irgendwie auch halt so vertiefen. Wir würden gerne wissen, was die so tun und treiben. Und wir würden gerne mit ihnen reden. Das ist ja, was in uns Menschen drinsteckt. Und da ist es nicht überraschend, dass man die halt dann auch irgendwie einbaut in die ganzen Rauhnachtsmythen.
Florian Freistetter Weil früher waren die Tiere ja wirklich sehr, sehr viel mehr Teil des Lebens als heute. Da hatten wir nicht nur ein Hundsaus gehabt, sondern da haben wir wirklich das Nutzvieh, wenn man so will, hat er wirklich mit den Menschen gemeinsam gelebt. Da ist es wenig überraschend, dass man sagt, ja, hier in dieser mystischen Zeit, da können die reden.
Florian Freistetter Und da muss man sich irgendwie auch überlegen, warum kriegt das keiner mit, wenn sie reden? Das ist jetzt nicht überraschend, aber tatsächlich, natürlich macht sich die Wissenschaft Gedanken, wie man nicht zwingend, wie man mit Tieren redet, sondern wie Tiere reden, also tierische Kommunikation. Das ist durchaus ein Forschungsgebiet.
Florian Freistetter Es geht von dem Schwänzeltanz der Bienen, den der, wie heißt der, frisch erforscht hat, hin zu Wahlgesängen. Und Tierkommunikation ist wahnsinnig spannend. Auch das, was mit Schimpansen und Gorillas und so weiter passiert, die ja wirklich noch an den Nächsten an uns dran sind, wo man wirklich oft so das Gefühl hat, mit denen kann man wirklich eine Art von Kommunikation aufbauen.
Florian Freistetter Aber im astronomischen Kontext findet man das Thema überraschenderweise auch, weil. Genauso wie wir fasziniert davon sind, mit Tieren vielleicht reden zu können, sind wir fasziniert davon, dass wir vielleicht irgendwann mal mit Aliens kommunizieren könnten. Das denkt man uns ja auch schon ewig. Gibt es da andere Leute draußen im Universum? Kommen die zu uns?
Florian Freistetter Können wir zu ihnen? Können wir irgendwie kommunizieren? Also das überlegen wir uns als Menschheit schon seit Jahrtausenden. Das überlegt sich aber auch die Wissenschaft seriös, wie das funktionieren kann. Und in den 1960er Jahren hat sich die Wissenschaft, oder zehn Leute aus der Wissenschaft, das sehr, sehr intensiv überlegt.
Florian Freistetter Da gab es das berühmte Greenbank-Treffen. Das war so eine inoffizielle Zusammenkunft von durchaus sehr, sehr berühmten, gescheiten Leuten. Ich kann jetzt nicht alle aufzählen, aber ein Nobelpreisträger war auch dabei. Der hat den Nobelpreis bekommen, während er gerade auf der Konferenz war. Ich glaube für die, ach Gott, irgendwas mit Pflanzen und DNA, bin mir nicht ganz sicher, was er bekommen hat.
Florian Freistetter Aber es war zum Beispiel dabei Carl Sagan. Der war damals noch gar nicht so berühmt, aber der war dabei und den kennen sicher die meisten. Es waren Pioniere der Radioastronomie, waren mit dabei und so weiter. Also es waren jede Menge Leute mit dabei, die sich auch mit Sternen ausgekannt haben, Ingenieure.
Florian Freistetter Also zehn Leute insgesamt waren da dabei und die haben gesagt, okay, wir setzen das jetzt zusammen und überlegen, wie das wirklich wissenschaftlich seriös funktioniert mit den Außerirdischen. Gibt es die irgendwo? Wie wahrscheinlich ist es, dass es sie gibt? Könnte man mit denen reden? Wie würde man mit denen kommunizieren? Das haben die sich in dieser Konferenz da überlegt.
Florian Freistetter Da ist unter anderem die berühmte Drake-Formel entstanden, die ja auch vielleicht einige kennen. Ich bin überhaupt kein Fan von dieser Formel, weil sie halt den Anschein erweckt, man könnte damit irgendwas exakt ausrechnen, aber... Das hat er überhaupt nicht leistet, also man kann da alles ausrechnen, was man gerne möchte, aber...
Martin Puntigam Aber die Drake-Formel, um das ganz kurz zu sagen, wenn ich mich richtig erinnere, ist, man kann ungefähr überschlagsmäßig ausrechnen, wie viele außerirdische Zivilisationen es geben könnte oder müsste, oder?
Florian Freistetter Nein, also ja, aber nein, also die Formel sagt, sie tut das. Das Ergebnis der Formel, wenn man es ausrechnen, ist die Anzahl der kommunikationsfähigen, außerirdischen Zivilisationen, aber da muss man halt alle möglichen Parameter reinstecken und die muss man größtenteils raten. Und wenn ich gerne tausend Zivilisationen haben will, dann rate ich die Parameter so, dass da tausend rauskommt.
Florian Freistetter Wenn ich null haben will, rate ich, dass so das null rauskommt. Wenn ich eine Million haben will, rate ich, dass so das eine Million rauskommt. Also das meine ich damit, dass diese Formel den Anschein erweckt, man könnte damit irgendwas ausrechnen und das kann man auch, aber man kann halt alles ausrechnen, auf das man Lust hat.
Martin Puntigam Also Placebo-Isotherik quasi.
Florian Freistetter Naja, das Problem ist, diese Formel ist nicht dazu da, das auszurechnen, sondern diese Formel haben die entwickelt, um halt einfach zu denken, was sind die Dinge, die man wissen müsste, um das herauszufinden. Das haben die sich damals überlegt. Wir müssten das wissen, das wissen, das wissen, das wissen. Wir wissen halt nichts davon, aber das müsste man wissen zumindest.
Florian Freistetter Das ist das, was diese Formel quasi macht.
Martin Puntigam Das muss man wissen, wenn man die Formel heute beurteilen möchte.
Florian Freistetter Ja, genau. Man sollte man wissen, wenn man das macht, dass diese Formel nicht dazu da ist, irgendwas auszurechnen. Das sieht man auch auf YouTube oder sonst wo. Es gibt eine Million Alien-Zivilisationen und die Wissenschaft beweist das. Und dann kommt ihm so ein Kerl daher und tut mit der Dreckformel rum.
Florian Freistetter Also ja, das macht ihn nicht. Aber sowas haben die sich alles überlegt und unter anderem eben auch, wie man kommunizieren kann. Und einer der zehn Männer, in dem Fall waren es ausschließlich Männer, die da waren, war John Lilly. Und John Lilly, der hat mit Astronomie eigentlich nichts am Hut gehabt. Der war, ja, der war ganz viel.
Florian Freistetter Der war Biologe mal, aber auch Neurobiologe, Neurophysiologe. Er hat alles Mögliche gemacht und hat unter anderem die Sprache von Delfinen erforscht. Da wissen wir auch, dass die durchaus schlau sind, Delfine. Und miteinander kommunizieren.
Martin Puntigam Also wenn sie vor sich hinknattern, wollte er wissen, was sie sagen?
Florian Freistetter Genau, ja, weil wir wissen ja, dass die Delfine kommunizieren und sehr, sehr komplexe Sprache haben. Und er wollte halt verstehen, wie das funktioniert. Und vor allem hat er gesagt, er wollte nicht einfach nur verstehen, wie die Delfine kommunizieren, sondern er hat gesagt, und wir sind jetzt da in den frühen, 1960er Jahren, man darf das jetzt nicht, schon gesagt, die Menschen früher waren nicht dümmer als wir, die haben nur weniger gewusst und weniger Möglichkeiten gehabt.
Florian Freistetter Er hat sich damals gedacht, okay, die Delfine sind zumindest rein physiologisch, sollten die in der Lage sein, nicht einfach nur in den komischen Knattertönern zu reden, sondern die sollten eigentlich auch in der Lage sein, sowas ähnliches wie die menschlichen Laute hervorzubringen. Und wenn die wirklich so schlau sind, dann müsste man Delfinen eigentlich beibringen können, nicht nur englische Worte zu verstehen, sondern englische Worte auch zu sprechen. Das heißt, sein Forschungsziel war es, mit Delfinen zu reden, wortwörtlich. Das hat er untersucht und ist dabei bei diesem Projekt tatsächlich eben auch von der NASA unterstützt worden.
Florian Freistetter Der hat ein paar Millionen bekommen für sein Forschungsprojekt von der NASA, weil die NASA sich gedacht hat, naja. Aliens wissen wir nicht, ob die da sind, Delfine wissen wir, die sind da und es ist schon mal eine gute erste Näherung, wenn wir lernen mit, nichtmenschlicher irdischer Intelligenz zu sprechen, bevor wir uns an die nichtmenschliche außerirdische Intelligenz machen.
Florian Freistetter Das heißt, es ist War durchaus und finde immer noch durchaus plausibel, das zu sagen, wir schauen mal, ob wir mit Tieren reden können, die gescheit sind, bevor wir uns überlegen, wie wir mit Aliens reden. Das ist einmal ein guter erster Schritt, weil die haben wir zumindest da. Mit denen können wir was machen. Mit Aliens können wir uns nur ausdenken, wie wir reden würden mit ihnen.
Florian Freistetter Aber machen können wir es nicht. Mit den Delfinen könnten wir es zumindest tun, wenn wir es zusammenbringen.
Martin Puntigam Also das ist ein bisschen weniger absurd, als es auf den ersten Blick klingt. Und wie ist es angegangen?
Florian Freistetter Ja, er hat halt dann so ein Forschungsprojekt auf einer Karibikinsel, glaube ich, gemacht, wo er dann wirklich mit Delfinen zusammengelebt hat, die da wirklich intensiv mit Menschen zusammengelebt haben, die halt dann ja im Prinzip sehr, sehr vereinfacht gesagt probiert haben, die Delfine so zum Sprechen zu bringen, wie wir auch Menschen zum Sprechen bringen.
Florian Freistetter Ja, also unsere Kinder, die ziehen wir auch auf, indem wir einfach mit ihnen reden und ihnen Dinge zeigen und irgendwann fangen die halt dann von selbst an zu reden. So sehr, sehr vereinfacht gesagt. Das war so das Ziel. Hat jetzt nicht so funktioniert am Ende, weil wir wissen, wir haben bis jetzt noch nicht mit Delfinen gesprochen und sie auch nicht mit uns. Also da hat es nicht funktioniert, aber damals waren die halt alle sehr begeistert davon.
Florian Freistetter Der war auch in dieser Konferenz mit dabei, weswegen sich diese Gruppe, die sie da getroffen hat, dann selbst auch als Orden des Delfins bezeichnet hat. Das war so, so haben sie, ja, die war halt so, nimm einen Haufen Wissenschaftler, sperrst irgendwo in eine abgelegene Ecke, gib ihnen coole Themen zum Diskutieren und ein bisschen Alkohol, dann kommen die auf so einen Quatsch drauf.
Florian Freistetter Und die 60er waren es auch noch, also da kommt sowas schon raus. Aber sie waren dann eh nicht mehr ganz so glücklich mit dem, weil dieser John Lilly ist dann so ein bisschen, ja, ähm, ja. Und hat die Wissenschaft, verlassen hat er sie nicht, aber es hat halt nicht so funktioniert. Er ist dann so ein bisschen abgeglitten, auch in den 1960er Jahren, Dinge abgeglitten. Also er hat dann mit LSD experimentiert, also er hat gedacht, ja vielleicht funktioniert es, wenn die nicht LSD nehmen, wenn die Delfine LSD nehmen, vielleicht können wir uns dann besser verstehen und so weiter.
Florian Freistetter Und die Umstände bei diesem Forschungsprojekt mit den Delfinen, die waren auch alle dann weniger wissenschaftlich, als man sich es ursprünglich gedacht hat. Irgendwann hat die NASA das Geld dann wieder abgezogen von dort und es ist dann nichts mehr draus geworden, außer dass da ein paar zugedröhnte Delfine durch die Karibik geschwommen sind.
Martin Puntigam Was heißt das, es war nicht mehr so, wie man sich das vorstellen kann? Was haben die dann aufführt mit den Delfinen, wie sie auf LSD waren?
Florian Freistetter Das kann ich im Detail nicht sagen, da gibt es Fernsehdokumentationen und es gibt auch Bücher dazu. Also man hat die Idee, eine der Forschungsmitarbeiterinnen, die war so eine Freiwillige, die dort gelebt hat, ist auch keine ausgebildete Wissenschaftlerin, die hat sich dann, auf die eine oder andere Art auch irgendwie sexuell auf den Delfinen beschäftigt und hier hingezogen gefühlt, beziehungsweise hat sie gesagt, den Sexualtrieb, den die Delfine ja auch haben, probiert irgendwie nicht zu unterdrücken, sondern quasi, weiß man ja vielleicht irgendwie, wenn der Sexualtrieb zu groß ist für manchen Lebewesen, sagen wir es so, dann lernt man nicht so gut, sagen wir es so.
Florian Freistetter Da können die meisten Teenager vermutlich viel davon erzählen, dass der Sexualtrieb einen beim Lernen hindert. Das hat die sich auch gedacht. Dann hat sie gedacht, ja, da müssen wir halt den Sexualtrieb ein bisschen befriedigen, damit die Delfine besser lernen können. Hat aber auch nicht funktioniert. Also für den Delfin wahrscheinlich schon, aber nicht beim Lernen.
Martin Puntigam Und dann hat die NASA da irgendwann die Notbremse gezogen. aber heute wäre sie vielleicht erstklassig qualifiziert, um beim FBI anzuheiern. Ganz zum Schluss noch die Verlautbarungen, die wir heute in Delfinisch knattern werden. Und wer es nicht verstehen kann, im ersten Anhören, der sollte LSD nehmen, dann versteht man das ganz tadellos.
Florian Freistetter Ja, oder in die Schon und Schon, da stehen sie auch noch drinnen. Da muss man auch kein LSD nehmen, dafür zu lesen. Und ich fange gleich an, denn zu dem Buch, das ich geschrieben habe, gibt es tatsächlich ein paar Veranstaltungen, also keine Lesungen, wo ich daraus vorlese. Das ist sehr langweilig. Ich habe es übrigens vorgelesen. Es gibt ein Hörbuch, habe ich auch gelesen dazu. Ist auch erhältlich.
Florian Freistetter Aber ich werde ein paar Veranstaltungen machen, wo ich aus dem Buch erzähle, Geschichten erzähle, mal vielleicht auch ein Experiment dazu, muss ich mal überlegen, was ich machen kann. Aber mal wird es moderiert sein von Leuten, mal nicht. Aber am 27. November bin ich in Heidelberg mit Astronomie der Raunächte am 29.
Florian Freistetter November auf der Buchmesse in Wien und am 5. Dezember im Posthof Linz. Und mein anderes Buch, die Farben des Universums, hat auch nochmal einen Auftritt. Da bin ich am 25. November in Mannheim im Technoseum und werde ein bisschen was zu den Farben des Universums erzählen und zeigen.
Martin Puntigam Also wer jeweils in der Gegend ist, unbedingt vorbeischauen. Oder wenn man das schon alles gesehen hat, was du feil bietest, kann man zu unseren Live-Auftritten kommen mit Weltuntergang für Fortgeschrittene. Unsere aktuellen Live-Show mit Martin Moda, dir und mir. Die wir natürlich nach wie vor und gerne und auch noch im restlichen Jahr und auch zwischen den Jahren, jetzt nicht, weil da spielen wir Bauernseelöster, aber dann nächstes Jahr wieder Pfeilbieten.
Martin Puntigam Heuer gibt es es noch zu sehen am 18. Dezember in der VHS-Kulturgarage in der Seestadt in Wien. Dann schon kommendes Jahr am 10. Jänner in der Kulisse in Wien, Ende Jänner am 29. in der Papierfabrik Klein-Neusiedel und Anfang Februar am 11. Februar im Startsaal Wien und, Eben am 28. Dezember, wie eingangs erwähnt, in der Listhalle Graz Bauernsilvester sowie am 30.12. im Stadtsaal Wien.
Martin Puntigam Und am 31. beschließen wir, wie immer, das Jahr mit unserem naturwissenschaftlichen Jahresrückblick mit zwei Vorstellungen im Schauspielhaus Wien.
Florian Freistetter Es gibt auch Science Busters für Kids, die Kindershow, die gibt es im Fernsehen. Wenn man einen Fernseher hat, wo man die ORF Kids App verwenden kann oder wenn man keinen Fernseher hat, ein anderes Gerät mit der ORF Kids App, kann man sich die kurzen 10 Minuten Folgen Science Buster for Kids anschauen oder die lange Bühnenshow Science Busters for Kids mit Martin Moda und Martin Puntigam am 18.12.
Florian Freistetter In der VHS-Kulturgarage Seestadt in Wien, am 19.12. Im Theater Akzent in Wien, am 30.12. im Stadtsaal und am 10.01.2027 in der Kulisse. Beides in Wien und die ganzen Termine unter sciencebusters.at slash Termine.
Martin Puntigam Weil wir spielen nicht nur in Wien unsere Kids-Show, gehen dann auch wieder auf Tour, aber in dem Zeitraum hat hauptsächlich in der Bundeshauptstadt Sternengeschichten live. Ein weiteres Projekt von dir, wo du deinen erfolgreichen Podcast Sternengeschichten, auf live getrimmt hast, kann man ebenso sehen. Demnächst schon von 9. bis 11. November.
Martin Puntigam Zu sehen in Erfurt, Leipzig und Dresden, wobei in Erfurt ist schon ausverkauft, aber es ist die Verkühlungszeit, die Zeit der grippalen Infekte. Viele Menschen werden auch wieder Corona haben und nicht kommen können oder der Babysitter, die Babysitterin sind krank geworden. Das heißt, wenn man nicht gerade zu 20 an die Abendkassa kommt, sondern allein oder zu zweit, hat man auch eine reale Chance.
Martin Puntigam In Leipzig gibt es noch wenige Karten, in Dresden noch ein bisschen mehr, aber das wird sich rasch ändern, den Sternengeschichten live zu erleben. Ist eine Empfehlung und sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man in der Gegend vorrätig ist.
Florian Freistetter Genau, und man kann gleich noch nach Bremen am 24.11., nach Osnabrück am 26.11. Und vor allem nach Graz am 3.12. bekommen. Da gibt es die volle Raunach-Power der Sternegeschichten live. Da sind wir schon in den Raunächten. Vielleicht mache ich auch noch Raunach-Action auf der Bühne mal schauen.
Martin Puntigam Alle Termine unter sternengeschichten.live. Dann gibt es noch eine Live-Podcast-Aufzeichnung von Das Universum. Ein Podcast von Ruth Grützbauch, Eva Freistetter und dir. Und zwar das nächste Mal am 16. Dezember in Wien im Radiokulturhaus.
Florian Freistetter Genau. Und du bist auch unterwegs mit deinem neuen Soloprogramm Der Heilige Puntigam. Der Heilige Puntigam wird ab 10. November zu sehen sein, wenn die Uraufführung im Theater Grafé Grad stattfindet. Und danach am 19.11. im Cabaret Niedermeier in Wien und am 4.12. In der Arge Kultur in Salzburg.
Martin Puntigam Das waren jeweils die Auftakte. Also in Salzburg war einmal in Wien und in Graz ist es oft zu sehen.
Florian Freistetter Genau, das waren die diversen Premieren. Und dann gibt es Vorpremieren, die man sich anschauen kann, bevor die Premiere stattfindet. Darum heißt es Vorpremiere und die gibt es am 4.11. in der Bettfedernfabrik Oberwaltersdorf, am 6.11. in der Tischlerei Melk und am 7.11. Im Bruno im Brunn am Gebirge. Und alle Infos und Tickets dazu findet man unter puntigam.at.
Martin Puntigam Martin Moder, der dritte im Bunde des Ensembles, das auf der Bühne zu sehen ist regelmäßig, hat auch einen Solabend in Vorbereitung. Super Intelligenz oder Sautrottl hat er ihn genannt. Premiere ist am 19. Jänner 2027 in der Kulisse Wien. Am 22. ist er im Posthof in Linz. Am 23. im Kronenkino Mistelbach.
Martin Puntigam Und am 2. April ebenfalls in Graz in der Listhalle. Seine Termine findet man unter martinmoder.at. Danke an die TU Wien und die Uni Graz, die die Produktion des Podcasts unterstützen. Danke an Florian Freistetter für die rauen und nicht so rauen Auskünfte. Danke an alle fürs Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen. Rauen, Nächten, Berchten, Waschen, Aufhängern, Delfine erleichtern und was man sonst noch alles mit einem Podcast anstellen kann.
Martin Puntigam Bis zum nächsten Mal. Tschüss und habe die Ehre.
Florian Freistetter Tschüss.