Stay Forever - Retrogames & Technik· Folge 433

SFT Bits: Sega Nomad

Donnerstag, 19. Dezember 2024 · 1 h 22

MP3

Shownotes

Ein Technik-Happen
(Tag zwei der Weihnachtswoche)

Stay Forever Technik Bits ist eine Kurzversion des beliebten Technik-Formats von und mit Henner Thomsen und Fabian Käufer. Bits erscheint für Unterstützer vier Mal pro pro Jahr und will sich nicht ganzen Plattformen oder anderen großen Technikthemen widmen, sondern in kurzen Folgen interessante Peripheriegeräte oder kleinere Plattformen ins Scheinwerferlicht zerren.

Dies ist eine neue, bisher unveröffentlichte Folge, es geht um um den Sega Nomad (Codename „Venus“). Der ist eine tragbare Version der Sega-Mega-Drive-Konsole, die im Oktober 1995 ausschließlich in den USA erschien.

Der Nomad kann alle Genesis- und Mega-Drive-Spiele ohne Regionalschutz abspielen und lässt sich per AV-Kabel an Fernseher anschließen. Mit einem zweiten Controller-Port ist er auch als Mini-Heimkonsole nutzbar.

Die Veröffentlichung fiel in die Ära moderner 32-Bit-Konsolen wie PlayStation und Sega Saturn. Die kurze Akkulaufzeit von etwa zwei Stunden und die Positionierung als tragbarer Mega Drive verhinderten jedoch einen größeren Markterfolg.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Einspieler Genesis does! 16-Bit-Arcade-Graphics. We can't do this on Nintendo! Genesis does! 16-Bit-Sports-Action. We can't do this on Nintendo!

Henner Hallo liebe Hörerinnen und Hörer und moin Fabian.

Fabian Hallo Henner und hallo an euch da draußen.

Henner Fabian, sagt dir der Hyperkin-Superboy etwas?

Fabian Ja, natürlich sagt mir der was. Das haben wir nicht vorbereitet, das ist ungeprobt gerade und das hat ein Henner mir auch nicht gesagt vorher, dass er mich das fragen würde. Das steht aber auf meinem schlauen Zettel drauf. Auf dieses Gerät war ich vor einigen Jahren richtig heiß. Und vor einigen Jahren heißt es so ungefähr Anfang der 10er Jahre, da ist das nämlich erschienen, das ist eine Handheld-Konsole von einer amerikanischen Firma namens Hyperkin, die Super Nintendo-Module schlucken und abspielen konnte.

Fabian Mein richtiger Klopper, ein großes Ding, aber ich sage mal, mein kindliches Ich, 20 Jahre vorher, nee 30 Jahre vorher, das wäre komplett ausgeflippt angesichts dieses Wunders, unterwegs Super-Nintendo-Spiele spielen zu können.

Henner Ja, ich finde auch, das ist ein sehr kurioses Konzept. Also eine stationäre Konsole in einen Handheld zu packen, weil ja die Hardware überhaupt nicht dafür gedacht ist, auch die Software nicht. Und vor allem diese riesigen, klobigen Steckmodule, vor allem verglichen mit so einem kleinen Gameboy-Modul, die sind ja niemals dafür gedacht gewesen, dass man sie mitnimmt und in so ein Handheld-Gerät reinschiebt.

Henner Ja, also wirklich ein sonderbares Konzept.

Fabian Wer macht denn sowas? Das ist ja kompletter Quatsch. Gleichwohl, ich sage es ganz offen, Henner, ich habe diesen Hyperkin Superboy natürlich damals gekauft und kurzzeitig besessen, bis ich dann gemerkt habe, ja, das mit den Modulen so für unterwegs, nee, genau die Gründe, die du schon genannt hast, das macht das einfach riesig. und diese Module unterwegs dabei zu haben.

Fabian Wir sind ja jetzt mittlerweile in einem Zeitalter, wo jedes Gerät, was die Größe einer Streichholzschachtel hat, Super Nintendo oder vielleicht auch Megadrive-Spiele abspielen könnte, ohne dass man die Module bräuchte.

Henner Das stimmt. Ja, du sagst schon, wer macht denn sowas? Das macht, wie du gesagt hast, nicht Nintendo selbst, sondern dieser Superboy, der stammt ja von Hyperkin. Und so stammen solche Geräte, es gibt ja nicht nur den Superboy, sondern auch Handheld-Varianten anderer Konsolen wie der Dreamcast, immer von kleinen Drittherstellern. Oder es sind Einzelanfertigungen von Fans.

Henner Es gibt ja auch eine mobile Xbox, die ein Tüftler vor kurzem selbst zusammengebastelt hat. Aber es gibt Ausnahmen und hier passt dieser berühmte alte Slogan aus der US-amerikanischen Sega-Werbung, Sega does oder Genesis does what Nintendo don't. Denn Sega hat so etwas selbst gemacht, was Nintendo sich nicht getraut hat.

Henner Damals in den 90ern, als die Mega Drive Konsole, also das Genesis in den USA, noch aktuell war, da erschien der Sega Nomad. Ein tragbares Mega Drive mit einem richtigen, vollwertigen, riesigen Modulschacht für ganz normale Mega Drive Spiele. Und darüber wollen wir heute reden.

Fabian Das ist richtig und wie gesagt, prinzipiell wäre ich damals auch darauf neidisch gewesen. Wir kommen aber vielleicht im Verlauf dieses Gesprächs dazu, warum es dann für mich doch nicht mehr so schlimm und vielleicht auch nicht mehr so relevant war, als der Sega Nomad erschienen ist. Und du hast es schon gesagt, es ist eine tragbare Variante des Gerätes, was wir bei uns als Mega Drive kennen, was in Amerika eben Sega Genesis hieß.

Fabian Und das ist eine Konsole, die ist vergleichsweise alt im Vergleich zum Super Nintendo, erscheint nämlich noch ein bisschen früher. 1988 schon in Japan auf den Markt gekommen, Sega 16-Bit-Konsole, 1989 dann in Amerika unter dem Namen Genesis und 1990 dann auch bei uns in Europa.

Henner Ja, wo sie dann wieder Mega Drive heißt. Wir werden beide Namen heute wahrscheinlich immer mal wieder verwenden. Das ist aber dasselbe Gerät. Die ganze Vorgeschichte, die Gründung Segas, die frühen Jahre der Firma Sega, die haben wir in einer eigenen Folge, in einer Stay Forever Technik Folge schon mal ganz ausführlich erzählt, als es um das Master System ging.

Henner Für das Mega Drive gibt es bislang keine eigene Folge, aber du hast ja das Wesentliche gerade schon gesagt, ab 88 auf den Markt gekommen, ein 16-Bit-Gerät, Konkurrenz zum Super Nintendo, das allerdings erst später erschien und in den USA ist dieses Mega Drive respektive Genesis auch sehr erfolgreich gewesen und über die gesamte Lebenszeit der Konsole hinweg auch ungefähr gleich auf mit dem Super Nintendo, was die Stückzahlen angeht.

Henner In Europa, das hat mich etwas überrascht in der Recherche, war Sega sogar Nintendo voraus. Also es wurden hier in Europa ungefähr acht Millionen Mega Drive Konsolen verkauft, gegenüber etwa fünf Millionen verkauften Super Nintendo Konsolen. Das gilt allerdings nicht in Deutschland. Deutschland ist immer schon Nintendo Land gewesen.

Henner Hier war es Verhältnis umgekehrt, aber insbesondere in Großbritannien, auch in Frankreich, da war das Mega Drive unabhängig. Populärer als das Super Nintendo und insgesamt wurden über die gesamte Lebensdauer des Mega Drives 30 Millionen Stück verkauft und dafür sind weltweit mehr als 900 Spiele erschienen.

Henner Mittlerweile sind es glaube ich sogar über 1000, aber da sind natürlich ein paar Homebrew-Neuentwicklungen dabei, aber zur Lebzeit, zur ursprünglichen Mega Drive-Ära sind ungefähr 900 Spiele erschienen.

Fabian Du hast gerade schon gesagt, es gibt auch Homebrew-Spiele, es gibt wirklich viele moderne Spiele, die in den letzten Jahren noch für das Mega Drive erschienen sind und da kommen auch weiter noch welche hinzu. Ich habe erst letztens gesehen, dass da jemand eine Webseite extra für ins Leben gerufen hat, um sich eben diesen neuen Mega Drive Spielen zu widmen, damit man da auch einen Überblick hat und sieht, was kommt denn da noch raus, wenn ich mir da noch Module heute kaufen will.

Fabian Geräte, auf denen man diese Module abspielen könnte, die gibt es zuhauf. Und damit meinen wir jetzt nicht nur die von dir angesprochenen verkauften Stückzahlen, sondern es gibt eben auch verschiedene Modelle des Mega-Drives, die über die Jahre veröffentlicht wurden von Sega. Natürlich auch aus dem Grund, damit man das ein bisschen kostengünstiger oder kosteneffizienter produzieren konnte.

Fabian Deswegen gab es verschiedene Modelliterationen und dazu eben auch Hardware-Erweiterungen. Es kam auch schon 1991 ein CD-Laufwerk auf den Markt, das Mega-CD. Haben wir ja schon besprochen, Henner, ne?

Henner Hm, stimmt.

Fabian Genau, und 1994 folgt noch eine 32-Bit-Erweiterung namens 32X. Beide Geräte hatten dann nochmal ihre eigenen Spielebibliotheken, die sind aber nicht sonderlich groß, denn beide dieser Zusätze waren nicht sehr erfolgreich.

Henner Genau, aber vorher ist Sega auch schon in den Handheld-Markt eingestiegen. Und damit müssen wir kurz über ein weiteres Gerät von Sega sprechen, denn es gab eben nicht nur das Master-System und dann das Mega Drive, sondern ab 1990 auch den Game Gear, ein Handheld, einen Gegner für den Game Boy, der ja 1989 kurz zuvor rausgekommen ist.

Henner Und der Game Gear war dem Nintendo-Gerät auch ein bisschen voraus, auf technischer Ebene zumindest. Der hatte einen Farbbildschirm, im Gegensatz zu diesem Monochrom-Bildschirm von Nintendo mit seinen vier grünen Stufen, hatte dieser hier richtige Farben zu bieten und er war auch Hintergrund beleuchtet.

Henner Das ist ja etwas, was man bei Nintendo bis ins neue Jahrtausend hinein nicht bekommen hat. In dieser Kombination zumindest Hintergrund beleuchtet und Farbe. Technisch ist der Game Gear recht eng verwandt mit dem Master System, also mit der stationären 8-Bit-Konsole und kann auch deren Spiele abspielen mit einem optionalen Adapter.

Henner Also wenn man so will, ist der Game Gear ein mobiles Master System. Das Ganze ist trotzdem nicht so erfolgreich wie der Game Boy. Insgesamt werden ungefähr 11 Millionen Stück von diesem Game Gear verkauft. Damit hat Sega mehr Erfolg als diverse andere Mitbewerber, die Nintendo im Laufe der Jahre besiegt und aus dem Markt drängt, wie Atari und diverse andere.

Henner Aber an den Game Boy reichen sie trotzdem nicht ran.

Fabian Sega lässt sich davon aber nicht einschüchtern und plant dennoch einen Nachfolger für den Game Gear. Denn in den frühen 90er-Jahren sieht man, auch der Game Boy verkauft sich nicht mehr so gut, vor allem in Japan und von Pokémon, was dann viele Jahre später kommen wird und dem Game Boy noch ein sehr langes weiteres Leben bescheren wird, da weiß man natürlich zu der Zeit noch gar nichts.

Fabian Und deswegen ist Sega da frohen Mutes, denkt darüber nach, ein 16-Bit-Handheld zu machen mit höherer Auflösung, vielleicht sogar mit dem Touchscreen, aber es stellt sich dann raus, so ein Gerät, das ist einfach zu teuer zur damaligen Zeit. Das lässt sich nicht für einen vernünftigen Preis umsetzen und deswegen stellt man dieses Projekt ein. Das ist aber nicht das Ende der Sega-Handheld-Bemühungen.

Fabian Es geht mit einem etwas kuriosen Gerät weiter, was du, Johanna, gerne mal erklären darfst, was ich auch gar nicht mehr so auf dem Schirm hatte, nämlich der Sega Megajet oder das Sega Megajet.

Henner Ja, das ist auch ein sehr eigentümliches Gerät.

Fabian Total.

Henner Das Mega Drive war im Heimatmarkt in Japan nie so erfolgreich wie die Konkurrenz von Nintendo. Und so hat Sega damals einiges versucht, um diese Plattform stärker zu verbreiten und bekannter zu machen und Werbung für die eigene Spielebibliothek zu machen. Und das auch mit einem sehr merkwürdigen Projekt, das im Sommer 93 begonnen wurde.

Henner Da erschien nämlich eine weitere Variante der Mega Drive Konsole, aber nicht für den typischen Kunden, der das zu Hause an seinen Fernseher anschließt, sondern für einen ganz speziellen Kundenkreis. Dieses Mega Jet Gerät wurde nämlich gemeinsam entwickelt mit der Fluglinie Japan Airlines und ist auch gedacht für den Einsatz im Flugzeug.

Henner Ja, das lässt sich dann an diesen ausklappbaren LCD-Bildschirmen nutzen, die bei einigen Flugpassagieren in der ersten Klasse zur Verfügung stehen. Üblicherweise werden auf diesem Bildschirm wahrscheinlich Filme gezeigt, nehme ich mal an, aber jetzt gibt es eben in einigen Flugzeugen auf einigen Plätzen die Option, da auch so einen Megajet anzuschließen und das ist eben ein Megadrive.

Henner Aber im Gegensatz zum handelsüblichen Mega Drive, das jeder Mensch kaufen kann, vereint dieses Modell nicht nur die Hardware in einem Gehäuse, sondern auch den Controller und den Modulschacht. Das ist alles in einem Gerät. Also man hat ein sehr großes, klobiges Gerät in der Hand, viel größer als ein üblicher Controller.

Henner Aber dieses Gerät enthält eben die gesamte Hardware und eben auch den Modulschacht. Allerdings keinen Bildschirm, denn dafür gibt es ja diese im Sitz integrierten, ausklappbaren LC-Bildschirme. Dafür stehen den Flugpassagieren dann vier Spiele zur Auswahl. Es ist nicht genau überliefert, welche, aber ich nehme mal an, es wird ein Sonic dabei gewesen sein.

Fabian Davon gehe ich aus.

Henner Ja, und natürlich können die Passagiere auch ihre eigenen Spiele mitbringen, denn es ist ja ein ganz normaler Modulschacht integriert. Das sind also keine vorinstallierten Spiele oder so. Die lassen sich ganz normal austauschen. Das heißt, wenn man eigene Spiele hat, dann kann man sie auf den Flug mitnehmen und unterwegs spielen.

Henner Und man kann sogar an einen Controller-Port einen weiteren Controller anschließen und so zu zweit an einem kleinen Bildschirm spielen. Eine wirklich schöne Idee, ob das jetzt großartig dazu beigetragen hat, das Mega Drive als Plattform populärer zu machen, ob sich jetzt Leute extra Spiele gekauft haben, um gelegentlich mal im Flugzeug spielen zu können.

Henner Das glaube ich jetzt nicht unbedingt, aber eine schöne, kuriose Idee ist es auf jeden Fall.

Fabian Das ist es und das Ding bringen sie tatsächlich ja dann 1994 auch in den Handel in Japan mit einem Netzteil dabei oder einem Adapter für die Zigarettenanzündersteckdose im Auto. Das ist auch notwendig, denn Batterien kannst du nicht benutzen, um den Megajet zu betreiben. Jetzt frage ich dich, Henna, wofür ist dieser Adapter für die Zigarettenanzündersteckdose im Auto?

Fabian Also prinzipiell weiß ich es natürlich, er ist für die Zigarettenanzündersteckdose im Auto, aber wo kommt denn das Display im Auto her?

Henner Das musst du halt haben.

Fabian Ja, und wo kriegt das deinen Strom her? Über Batterien. Weil die Zigarettenanzünder-Steckdose ist ja belegt.

Henner Nein, es gibt, nehme ich mal an, damals in Japan auch Autos, wahrscheinlich eher aus der Luxusklasse mit integrierten Bildschirmen, wo man auch Filme gucken kann. Vielleicht auch Video-CD, die gab es ja schon seit 1993.

Fabian Ah, okay. Also das war auch für die erste Autoklasse nur gedacht. Nicht für das Auto, was der Otto-Normalbürger gefahren ist, sondern schon eins mit dem Bildschirm drin.

Henner Ja, ohne Bildschirm kann man damit wenig anfangen.

Fabian Das ist wohl wahr. Dieses Ding, ihr könnt es euch schon denken, das ist natürlich für eine ganz dolle Nische konzipiert worden. Das ist nicht in großer Auflage erschienen und heute sehr selten. Es gibt keine genauen Anzahlen zur Stückzahl, die von diesem Megajet existieren. Es gibt so Schätzungen im Internet, die sprechen von einigen tausend Exemplaren.

Fabian Also wenn ihr da noch eins zu Hause bei euch in eurem Jet zufällig drin habt, dann könnte das heute relativ viel wert sein. Es ist ansonsten natürlich aber auch echt ein schräges Sammlerstück. Es ist auch nicht mal besonders schön, das Gerät. Es sieht aus wie so ein Kinder-Kassettenrekorder oder sowas in der Art.

Fabian Mir fällt da gar kein passender Vergleich ein für. Naja, dieses Experiment macht Sega und man gibt auch danach noch nicht die Idee auf, einer wirklich tragbaren Mega Drive-Konsole mit Bildschirm. Sondern man verfolgt das noch weiter und das setzt sich fort in einem Projekt namens Venus. Ob die Entwicklung dieses sogenannten Venus-Projekts schon vor der Veröffentlichung des Megajets beginnt oder erst danach, das konnten wir nicht zweifelsfrei klären.

Fabian Aber auf der technischen Basis von diesem Megajet entsteht in den frühen 90ern bei Sega eben eine weitere tragbare Megadrive-Konsole, die aber eben mobil und somit völlig autark nutzbar sein soll. Da kommen dann Batterien rein und da kommt auch ein Bildschirm rein und ein TV-Ausgang ist da auch vorhanden.

Fabian Ich sagte eben schon mal den Projektnamen, das Ganze nennt sich Venus und das ist das Gerät, was später dann nochmal umbenannt wird in Nomad und unter diesem Namen auch auf den Markt kommen wird.

Henner Sega hatte damals ein Fable für Planetennamen. Schon vor der Saturn-Konsole gab es nicht nur diesen Venus-Prototyp, sondern auch einen Neptun. Und der Game Gear, der hieß während der Entwicklung Mercury, Merkur. Aus Venus wurde schließlich der Nomad, der mit vollem Namen Sega Genesis Nomad heißt, was einerseits klarstellt, dass es sich hier um eine Genesis-Variante handelt und andererseits die Portabilität unterstreicht.

Henner Denn der Nomade, das ist ja ein nicht sesshafter Mensch. Diese Mobilität erreicht der Nomad dadurch, dass er nun noch einen Bildschirm enthält und Batterien aufnimmt. Er ist also, anders als der Megajet, aus dem er hervorgegangen ist, völlig autark. Er ist nicht mehr auf eine Steckdose oder auf einen Fernseher angewiesen.

Henner Trotzdem steckt auch hier die vollständige Mega Drive Hardware in einem kompakten, portablen Gehäuse. Die Idee ist schon ein bisschen verrückt, aber nicht ganz ohne Beispiel. NEC hat nämlich auch schon mal so etwas versucht und die Hardware einer stationären Konsole in einen Handheld verfrachtet. Es gibt ja seit 1987 schon die Konsole PC Engine, die in den USA Turbo Graphics 16 heißt.

Henner Und diese Hardware hat NEC 1990 in ein Handheld-Gehäuse gesteckt und das ganze PC Engine GT genannt in den USA, allerdings Turbo Express. Das heißt, auch hier haben wir vollwertige stationäre Konsolen-Hardware mit Modulschacht in Handheld-Form. Allerdings ist das ganze Gerät etwas schwächer als das Megadrive.

Henner Das ist trotz dieses Namens TurboGrafx16 eigentlich eine 8 und 16-Bit-Hybrid-Konsole und man kann dieses Gerät auch nicht an den Fernseher anschließen, anders als den Nomad, zu dem wir gleich dann ja noch im Detail kommen werden. Aber immerhin, NEC war da seiner Zeit voraus und hat schon 1990 sowas gemacht, was später dann Hyperkin mit dem Superboy auch nochmal machen wird.

Henner Wir haben also schon sehr früh einen kleinen Trend gesetzt.

Fabian Man kann generell sagen, dass die PC Engine so ein bisschen ihrer Zeit voraus war. War eine wirklich schöne Konsole, leider bei uns verhältnismäßig unbekannt. Vielleicht widmen wir uns der auch mal irgendwann, Henna. Da gibt es nämlich auch wirklich viele tolle Spiele für. Und das Handheld, was du eben gesagt hast, ist auch interessant.

Fabian Und hier gab es auch später eine CD-Erweiterung übrigens, und da gibt es einige richtig tolle Spiele für. Ich würde fast sagen, dass die CD-Variante der PC Engine mehr gute Spiele hatte als das Mega-CD. Aber das werden wir überprüfen irgendwann mal in einer eigenen Episode.

Henner Zurück zum Venus-Prototyp. Der ist schon sehr nah dran am finalen Nomad. Es gibt nur kleine Unterschiede. Das Gehäuse ist hier noch grau, die Tasten sind rund. Der Nomad hingegen, der ist schwarz und hat ovale Tasten. Aber die Grundform ist dieselbe. Sie ähnelt kaum noch dem Megajet. Stattdessen erinnert sie jetzt deutlich an den Game Gear. Denn der Nomad ist wie dieser Game Gear horizontal ausgerichtet.

Henner Er geht in die Breite, die Steuerelemente sind links und rechts vom Bildschirm angeordnet, anders als beim vertikalen Game Boy. Die Ähnlichkeit zum Game Gear ist also nicht zu übersehen, aber trotzdem gibt es damals offizielle Aussagen von Sega im Vorfeld der Veröffentlichung des Nomads, denen zufolge dieses neue Gerät den Game Gear gar nicht ersetzen soll, sondern die beiden Säulen koexistieren.

Henner Mir gegenüber hat jedoch Tom Kalinske, dem ich kurz darüber sprechen konnte, der war damals Präsident von Sega of America, gesagt, dass doch durchaus der Nomad den Game Gear langfristig ersetzen sollte. Der Game Gear ist zu dieser Zeit Mitte der 90er Jahre auch schon einige Jahre alt. Der ist ja 1990 auf den Markt gekommen und hat immer noch diese alte 8-Bit-Technik als technische Basis.

Henner Das heißt also, langfristig ist das schon so gedacht, dass dieser Nomad eine Art Game Gear 2 werden wird, obwohl Sega das natürlich damals nicht zugeben will, damit die Leute gerne noch ein bisschen Geld in Game Gear-Spiele investieren.

Fabian Klar, du beerdigst ja ansonsten dieses alte System, wenn du was Neues hast. Es sei denn, der Preisunterschied wird sehr, sehr hoch ausfallen. Und du hast es schon gesagt, der Game Gear ist zu der Zeit, wo der Nomad dann mal fertig ist und auf den Markt kommt, relativ alt. Das Dumme ist, als der Nomad auf den Markt kommt, im Oktober 1995, ist das Megadrive-Genesis auch schon sehr alt.

Fabian Das kommt Ende 1995 raus, in limitierter Stückzahl bei ausgewählten Händlern. Es dauert sogar bis 1996, bis der landesweite Verkauf beginnt. Und ich kann hier jetzt schon mal sagen, natürlich habe ich das noch wahrgenommen damals, dass es jetzt diesen Sega Nomad gibt, Aber ganz ehrlich, 1996 war mir 16-Bit einigermaßen egal.

Fabian Da war ich natürlich längst in einer anderen Generation des Konsolenspiels angekommen, und hab dann gedacht, ja, schön, dass es das jetzt gibt. Ein paar Jahre früher hätte mich das tatsächlich auch gereizt. Vielleicht hätte es mich auch geärgert, weil ich ja ein Super-Nintendo-Kind war und keine Mega Drive-Spiele gehabt hätte, denn die brauchte man ja.

Fabian Ein Spiel hat dem Nomad selbst auch gar nicht beigelegen. Die haben ursprünglich mal geplant, ein Spiel namens The Oath beizulegen. Das war so eine Mischung aus einem Top-Down-Actionspiel und Puzzle-Elementen. Aber auch wenn die Gründe nicht genau bekannt sind, ist es dazu nie gekommen. Also der Nomad war ein loses Gerät ohne Spiele und Henne auch nicht ganz billig, oder?

Henner 180 US-Dollar. Das wäre heute ein sehr fairer Preis. Aber damals für einen Handheld, der ja primär noch als Kinderspielzeug betrachtet wurde, war das eine Menge Geld. Das entspricht inflationsbereinigt etwa 340 Euro.

Fabian Das wäre heute eine Switch OLED ungefähr.

Henner Ja, und die kann ein bisschen mehr. Damit kostet der Nomad natürlich auch mehr als ein Game Gear. Der kostet zu dieser Zeit mit beiligendem Spiel etwa 110 US-Dollar. Und er kostet auch deutlich mehr als eine reguläre stationäre Genesis-Konsole, denn die kostet mit Spiel ungefähr 130 US-Dollar, ohne Spiel sogar nur 100.

Henner Klar, beim Nomad ist auch noch ein Bildschirm mit drin, also dieser Vergleich mit der stationären Genesis-Konsole hinkt ein kleines bisschen, aber trotzdem, das ist einfach eine große Investition, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Game Boy, also die marktführende Handheld-Konsole, für unter 50 Dollar zu haben ist.

Henner Aber selbst zu diesem sehr hohen Preis von 180 Dollar verkauft Sega den Nomad noch mit Verlust. Das ist ja das typische Geschäftsmodell auf dem Konsolenmarkt, dass die Geräte subventioniert werden. Also damit macht man allein noch keinen Gewinn als Hersteller. Die Gewinne kommen dann rein über die Spiele, die man zusätzlich verkauft und über das Zubehör.

Henner Und so werden auch für diesen Nomad mehrere Zubehörteile ganz prominent auf der Verpackung, groß auf der Rückseite schon beworben. Man soll doch bitte noch einen Akku dazu kaufen, ein Netzteil und ein Videokabel für den Fernseheranschluss, denn das liegt alles nicht bei. Damit hat Sega also geplant, Geld zu verdienen.

Fabian Ja, jetzt muss ich dich mal fragen, Henner, wie hat man denn geplant, das Ding dann über Spieleverkäufe noch profitabel zu machen? Weil wenn wir Werbung anschauen, die damals geschaltet wurde zu diesem Gerät, das gibt Printanzeigen, die haben das Ganze als portables Genesis beworben und sich relativ klar an Leute gerichtet, die eben schon eine Spielesammlung zu Hause hatten und nicht an Leute, die sich vom Game Gear kommen, ein neues Gerät und dafür neue Spiele kaufen wollten oder sollten.

Fabian Also ich finde, hier fangen die Probleme schon so ein bisschen an. Und du zum einen sagst, wir sprechen Leute an, die die Spiele eh schon haben. Aber wir verkaufen das Gerät dummerweise mit Verlust. Wir sind eigentlich darauf angewiesen, dass Leute sich auch neue Spiele kaufen. Und das ist halt wahnsinnig spät in der Lebensspanne der Megadrive-Plattform.

Fabian Sowas wie Fernsehwerbung zum Beispiel haben sie gar nicht gemacht. Also du hast ja mit Herrn Kalinski gesprochen. Es gab auch Sega-Antenne-E-Mails zwischen ihm und dem Marketing-Team, die belegen, dass generell für die Genesis-Reihe 1996 nur noch ein echt kleines Werbebudget zur Verfügung stand, eben weil der Fokus längst auf der Saturn-Konsole lag, also dem Nachfolgegerät des Mega Drive, das eben mit der PlayStation konkurrieren sollte.

Fabian Und das kleine Budget, was sie dann eben hatten, das wollten sie dann auch nicht mehr in den Nomad stecken. Und so hat es das Gerät von Anfang an natürlich sehr, sehr schwer, überhaupt aus den Startlöchern zu kommen.

Henner Ja, das hätte unbedingt Werbung gebraucht. Das ist wirklich eine vertane Chance. Denn wenn man erst mal sieht, was dieses Gerät kann, dann ist das ja begeisternd. Man muss es nur richtig in Szene setzen. Dafür braucht man keine Spezifikationen vorzulesen oder so, sondern man muss das zentrale Produktversprechen demonstrieren. Dafür braucht man ja nicht viel Fantasie.

Henner So ein Werbespot, der schreibt sich doch von selbst. Ich stelle mir das so vor, zwei typische Zielgruppenmitglieder, also coole Jungs, spielen am Fernseher. Mortal Kombat 3, das ist gerade rausgekommen. Aber oh nein, der Schulbus kommt, Fernseher aus, Schnitt, die beiden sitzen im Bus und dann nicken sie sich zu, öffnen ihre Rucksäcke und einer holt seinen Controller raus für seinen Megadrive, was soll das denn?

Henner Und der andere, ja, was ist das denn, ein tragbares Megadrive? Holy Shit, da ist ein Bildschirm drin, das Spiel war nur pausiert, der Kampf läuft im Bus weiter. Tja, unglaublich, Fanfaren, Feuerwerk, irgendjemand rappt, sind halt die 90er, Nomad, 16-Bit-Power entfesselt, Sega macht, was Nintendo nicht macht, zack, gleich noch eine Million mehr verkauft.

Henner Also so ein Spot schreibt sich doch selbst, warum macht man das nicht? Haben sie halt nicht, sie haben nur ein paar Anzeigen geschaltet in der Spielepresse und sonst nichts.

Fabian Wir haben auch die Verpackung uns mal angeschaut, in der das Gerät damals ausgeliefert wurde. Hier übrigens auch ein bisschen eine unglückliche Message noch mit drin. Da läuft nämlich ein Spiel auf dem Display dieses Geräts, was man da sieht. Das ist Comic Zone. Das ist so ein Actionspiel, was in seiner Geschichte innerhalb einer Comic-Welt stattfindet, die entsteht, während man das spielt, um das jetzt mal vereinfacht zu erklären.

Fabian Und da sieht man auf dem Spielhintergrund, wo der Protagonist gerade durch die Luft springt, so eine Hand mit einem Stift, die in dieser Welt rummalt. Vielleicht war das damals noch nicht so üblich, aber heute wäre die erste Assoziation auf jeden Fall, dieses Gerät hat ein Touchscreen, ne?

Henner Stimmt.

Fabian Also wenn ich da drauf schaue, ich sehe da, ah okay, die wollen mir gerade erzählen, ich kann darauf mit einem Stylus irgendwas machen auf diesem Bildschirm, das ist natürlich Quatsch und generell ist auch die Frage, ich glaube Comic Zone war in einem sehr, sehr kurzen Zeitfenster mal ein für Sega wichtiges Spiel, das dann da drauf zu packen, kann man machen, muss man vielleicht aber auch nicht.

Henner Nee, also sie hatten mehr und anderes Marketing, glaube ich, gebraucht, um den Nomad zu einem Erfolg zu machen. Wir reden die ganze Zeit, Fabian, vom US-Markt. Das hat auch einen guten Grund, denn das Gerät bleibt zeitlebens US-exklusiv. Es gibt ganz geringe Stückzahlen, die es wohl auch nach Asien und auch nach Russland geschafft haben.

Henner Aber offiziell ist dieses Gerät nie aus den USA rausgekommen in größeren Mengen, nie nach Europa und auch nicht nach Japan. Und das ist erstaunlich, denn das Gerät wurde ja in Japan entwickelt. Und da hatte die US-Abteilung von Sega, also Sega of America auch gar nichts mit zu tun. Das kam nicht auf deren Wunsch oder so, sondern es gibt da Interviews mit einigen Sega of America Mitarbeitern, die sich dazu geäußert haben und die überrascht waren davon damals, dass plötzlich irgendwann Mitte der 90er dieses Gerät auftauchte aus Japan und man das jetzt auch noch verkaufen sollte als weitere Mega Drive Variante.

Henner Aber Japan selbst hatte überhaupt kein Interesse daran. Denn da war ja das Mega Drive nie wirklich erfolgreich. Und auch in Europa ist der Nomad eben nie erschienen. Aber warum haben sie es überhaupt entwickelt, wenn sie offenbar gar nicht vorhatten, es zu verkaufen? Nun, wahrscheinlich lag es einfach nahe, die vorhandene technische Basis des Mega Jets weiterzuentwickeln, vor dem Hintergrund des eingestellten Game Gear Nachfolgers.

Henner Aber warum hat Sega Japan das Gerät dann nicht verkauft? Das habe ich auch Kalinske gefragt und er weiß es auch nicht. Er vermutet aber, dass es an einer Eigenheit des japanischen Marktes liegt, schneller zu einer neuen Hardware-Generation überzugehen. Und so hat sich Sega eben sehr früh schon voll auf die Saturn-Konsole konzentriert.

Fabian Ich glaube, man kann da den Leuten bei Sega gar nicht so richtig einen Vorwurf machen, weil ich denke, man hat die Dynamik falsch eingeschätzt, mit der der Konsolenwechsel damals stattgefunden hat, weil der ganze 16-Bit-Markt geht ja relativ schnell. Den Bach runter zugunsten der nachfolgenden Konsolen, weil alle wollen dann die tollen 3D-Polygonspiele haben.

Fabian Die Leute wollen dann nicht mehr die alten 2D-Pixel-Spiele und das Interesse schwindet einfach sehr, sehr schnell. Und jetzt ist diese Hardware ja nicht binnen vier Wochen entstanden, sondern da werden von Konzeption bis zur Produktion schon einige Monate ins Land gegangen sein, vielleicht auch ein, zwei, drei Jahre. Man weiß es nicht so genau.

Fabian Und Nintendo ist ja auch nicht ganz frei davon, sich da etwas vertan zu haben. Es gibt ja einige späte Super-Nintendo-Spiele, die dann nicht mehr rauskommt, weil es einfach wirtschaftlich sich nicht mehr als sinnvoll darstellt. Zum Beispiel Star Fox 2, was dann gecancelt wird, obwohl es quasi fertig ist und dann viele, viele Jahre später von Nintendo an anderer Stelle auch nochmal veröffentlicht wurde.

Fabian Das ist so ein Beispiel dafür. Oder auch viele große Titel, zum Beispiel ein Mario RPG oder ein Chrono Trigger, die bringt man auch nicht mehr nach Europa, weil man einfach sieht, okay, dieses ganze Geschäft bricht weg, da muss jetzt Geld eingespart werden. Und deswegen hat man wahrscheinlich auch darauf verzichtet, den Nomad überhaupt noch auf andere Märkte als in die USA zu bringen.

Henner Ja, denn insbesondere in Japan selbst ist ja die Saturn-Konsole, also das Nachfolgesystem, noch länger auf dem Markt. Das gibt es da schon seit Ende 94 und wir sind hier im Oktober 95. Also da ist die 16-Bit-Generation wirklich ein alter Hut. Und seit Mai 95 gibt es die Saturn-Konsole auch schon in den USA.

Henner Ja, Sega muss sich voll und ganz darauf konzentrieren, gegen diese neue Playstation zu kämpfen mit der Saturn-Konsole. Da hat die Saturn schon schwer genug, da kann man nicht auch noch so viel Marketing-Geld investieren oder Vertriebskosten und Aufwand in eine sterbende Plattform. Kann man schon verstehen.

Fabian Und es ist eigentlich schade, dass das Gerät von Anfang an nur so ein extremes Nischendasein auf einem Markt fristet und eigentlich auch so ein bisschen von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Denn im Grunde genommen ist das Gerät per se schon ziemlich interessant und es ist ja nicht nur einfach nochmal ein neues Mega Drive Modell, sondern es bringt schon ordentlich viel mit an Features und wirkt auch einigermaßen durchdacht, auch wenn es sich natürlich am Ende technischen Realitäten der damaligen Zeit stellen muss, die dem Gerät auch einige Nachteile einbringen.

Fabian Aber erstmal ist da ja einiges geboten. Du hast es eben schon mal gesagt, es ist ein Gerät im horizontalen Format, was eher wie ein Game Gear wirkt oder auch wie der Game Boy Advance, den Nintendo viele Jahre später rausbringen wird. Der Nomad ist etwa 19 Zentimeter breit, rund 11 Zentimeter hoch und stellenweise bis zu 5 Zentimeter dick.

Fabian Das ist schon natürlich ein Klopper, um das mal ganz deutlich zu sagen. Es passt auch nicht mehr wirklich in die Hosentasche.

Henner Ja, aber eine Switch auch nicht.

Fabian Das stimmt, ja, warst du recht. Es ist ja schon eine Hybridkonsole im Grunde genommen. Und das Batteriefach musst du sogar noch zusätzlich andocken an den Sega Nomad. Und dann bist du bei einer Tiefe von fast sieben Zentimeter. Das liegt natürlich alles auch daran, dass der Modulschacht groß ist. Da müssen ja die Mega Drive Module reinpassen.

Fabian Und mit so einem Modul eingelegt und dann auch noch Batterien drin, da landen wir bei einem Gewicht von 670 Gramm. Ein Game Boy Pocket wiegt damals ungefähr 150 Gramm, also weniger als ein Viertel. So 670, ich habe das mal nachgeschaut, entspricht ziemlich genau dem, was wir heute in der Hand haben, wenn wir ein Steam Deck uns zum Beispiel nehmen.

Fabian Und da glaube ich auch nur das Ausgangsmodell. Das Steam Deck OLED ist ja ein bisschen leichter und ist somit auch leichter, als es damals der Nomad mit Batterien und Modul drin war. Ich finde aber, Größe und Gewicht sind jetzt erst mal gar nicht das Auffälligste an diesem Gerät, wenn man das das erste Mal sieht oder auch in die Hand nimmt.

Fabian Ich finde das Design, wie sage ich das denn jetzt?

Henner Ich bin gespannt.

Fabian Originell, originell. Du kannst mal beschreiben, wie das Ding ansonsten designt ist, Henner.

Henner Naja, es ist schwarz, wie alle Sega-Geräte zu dieser Zeit schwarz sein müssen. Im Gegensatz zum Venus-Prototyp, der ja noch so grau-silbrig war. Aber das augenfälligste Design-Element ist, glaube ich, diese Gehäuseform, die, naja, sie ist nicht rechteckig, sondern das ist, was ist denn das für eine geometrische Form?

Fabian Ein Trapez vielleicht?

Henner Ja, auf jeden Fall ist die obere Kante von links nach rechts abfallend. Die verläuft nicht parallel zum Bildschirm und auch nicht parallel zu den eingesteckten Spielen, sondern halt ein bisschen schräg. Und dadurch ist das ganze Design ein bisschen unruhig, ein bisschen asymmetrisch. Das ist eine sehr eigenwillige Entscheidung.

Henner Das gibt dafür auch keinen technischen Grund, den ich erkennen könnte. Aber es sieht irgendwie immer aus wie ein Fehler, als würden die Module nicht richtig drinstecken, weil... Weil sie eben nicht parallel zum Gehäuse verlaufen. Aber davon abgesehen, ist das, naja, schön ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber es sieht doch sehr gefällig aus.

Fabian Ja, ich finde dieses Asymmetrische irgendwie irritierend, weil auch der Bildschirm in der Mitte nochmal so eingefasst ist und auch dessen Rahmung ist halt auch nicht rechteckig oder quadratisch, sondern folgt auch diesem etwas dynamischen Verlauf, nenne ich das jetzt mal. Also ich finde es nicht so richtig schön, muss ich sagen.

Henner Beschreiben wir doch mal, was es da alles zu sehen und zu ertasten gibt. Das ist ja, wie wir es beschrieben haben, ein horizontal gehaltenes Gerät. Also rechts und links vom Display sind sehr viele Elemente angeordnet und nicht darunter wie beim Game Boy. Links sitzt das D-Pad, das ist kein Steuerkreuz, weil es hier rund ist, wie man es von Sega kennt.

Henner Und rechts sitzen die Feuertasten. Beim Mega Drive sind das ursprünglich ja drei Haupttasten. Aber später, 93, ist ja noch ein weiterer Controller, eine neue Controller-Generation erschienen mit sechs Tasten, wovon vor allem diese Kampfspiele wie Street Fighter 2 und Mortal Kombat profitiert haben. Da kann man die gut gebrauchen.

Henner Und auch der Nomad hat als ein Gerät von 95 natürlich schon diese modernere Controller-Generation integriert. Also auch der hat sechs Tasten. Es gibt allerdings einige alte Spiele, die nur mit dem Dreitasten-Controller funktionieren. Da gibt es Kompatibilitätsprobleme. Und genau wie bei dem Sechstasten-Gamepad kann man deswegen umschalten über einen kleinen Mode-Schalter auf den Dreitasten-Modus, damit auch diese Spiele funktionieren.

Henner Ich habe mal eine Liste gefunden irgendwo im Netz von Spielen, die wirklich diesen Dreitasten-Modus verlangen. Das ist sehr überschaubar. Also da betreibt Sega erstaunlichen Aufwand dafür, dass diese sehr wenigen Spiele auch funktionieren. Dann gibt es noch einen Controller-Port, genau wie beim MegaJet, für einen zweiten Controller, damit man auch zu zweit an einem Gerät spielen kann.

Henner Und dann gibt es natürlich eine Start-Taste und einen Ein-Aus-Schiebeschalter. Auf der linken Seite neben dem Bildschirm ist der kleine Monolautsprecher platziert. Die Lautstärke kann man auch regeln. Dafür gibt es einen stufenlosen Regler und einen Kopfhöreranschluss, wie es sich für ein Handheld gehört.

Henner Wenn man am Fernseher spielen will, dann gibt es dafür oben rechts den AV-Ausgang. Das ist der gleiche Ausgang, den auch das Mega Drive in der zweiten Generation benutzt. Und wenn man das tut, wenn man den Fernseher anschließt und auf dem Fernseher spielt, auf dem großen Bildschirm, dann bleibt aber der integrierte kleine LC-Bildschirm aktiv.

Henner Das heißt, beide Bildschirme laufen gleichzeitig. Also einer kann an seinem Bildschirm spielen und der andere auf dem großen Fernseher entweder zugucken oder über den zweiten Controlleranschluss auch mitspielen. Und dieser AV-Ausgang, der ist ganz entscheidend. Das ist das Alleinstellungsmerkmal. Soweit ich das ermitteln konnte, gibt es keinen anderen Handheld in dieser Ära, der sich am Fernseher betreiben ließe.

Henner Das macht ja, wie gesagt, dieser Turbo Express Handheld von NEC nicht. Und das ist diese eine Option, dieser Fernseherausgang, der den Nomad zu einer richtigen Hybrid-Konsole macht. Also eine Konsole, die gleichzeitig wie eine stationäre Konsole funktioniert, aber eben auch als Handheld. Und das mehr als 20 Jahre vor der Switch.

Henner Und ich habe es ja auch ausprobiert. Ich habe ja ein Nomad-Gerät hier geliehen von Winnie Forster. Vielen Dank dafür. Das funktioniert auch im laufenden Betrieb. Also ich kann spielen und zwischendurch kommt jemand zu Besuch und dann kann ich im laufenden Betrieb den Fernseher dazuschalten. Oder umgekehrt, wenn ich mitten in der Partie bin und gerade am Fernseher spiele, dann kann ich das Kabel rausziehen und unterwegs weiterspielen, ohne dass ich das Gerät neu starten müsste oder so.

Henner Und das fühlt sich sehr modern an.

Fabian Ja, man muss fairerweise sagen, du hast ja eben schon den Vergleich mit der Nintendo Switch genannt. Da ist das ja nicht so. Wenn du die Switch in diesen Docking-Modus begibst, also wenn du sie in das Dock packst, dann ist der Bildschirm aus des Geräts. Also da hast du nur noch die Ausgabe auf dem Fernseher, was mich jetzt noch nie wirklich gestört hat, bin ich ehrlich.

Fabian Aber wo du das gerade sagst, das ist schon eigentlich cool damals, dass beide Bildschirme dann in Betrieb sind bei dem Sega Nomad.

Henner Ja.

Fabian Jetzt würde man normalerweise natürlich, wenn man das Gerät dann zu Hause an den Fernseher packt, das wahrscheinlich mit dem Netzteil betreiben. Im Unterwegs-Modus als Handheld musst du natürlich Batterien einsetzen und dafür dockst du eben hinten ein Batteriefach an. Und da müssen nicht zwei Batterien rein, da müssen auch nicht vier Batterien rein, sondern da müssen sechs AA-Batterien rein.

Fabian Und jetzt würde man denken, ja gut, sechs Batterien, dann wird der wahrscheinlich auch sechs Wochen damit halten.

Henner Optimist.

Fabian Dem ist nicht ganz so. Es sind offen gesagt auch keine sechs Tage und auch keine sechs Stunden, sondern der Nomad frisst diese Batterien in etwa zwei bis drei Stunden. Das ist einigermaßen krass. Und auch ein bisschen mit der Grund, das haben wir gleich an anderer Stelle auch schon mal erwähnt in dem Podcast, warum der Game Boy einfach technisch schwach ist, weil Nintendo will damals auch was haben, was einfach lange durchhält und das ist ihnen da nicht so wichtig, da die modernste Technik reinzustecken.

Fabian Hier bezahlt man eben diese mobile 16-Bit-Leistung damit, dass man eben eine wirklich kurze Laufzeit hat. Man kann sich alternativ eben einen Akku kaufen, der kostet damals etwa 60 Dollar oder, ich habe es schon gesagt, ein Netzteil anschließen, aber dadurch limitiert man natürlich sehr die Mobilität dieses Geräts.

Fabian Als Vergleich nochmal, ich habe es eben schon mal gesagt, dass es bei Nintendo ein bisschen anders war. Der Game Boy Pocket schafft damals etwa zehn Stunden mit zwei AAA-Batterien, also den noch kleineren. Das heißt, wenn ich das jetzt mal hochrechne, sagen wir mal, der Nomad hält zwei Stunden mit sechs Batterien und zehn mit zwei Batterien.

Fabian Das ist jetzt so ein bisschen so eine Mittelstufen-Matte-Aufgabe. Wie lange würde der Game Boy dann mit sechs Batterien dann laufen? 30 Stunden? Also der Nomad schafft im Grunde 10 Prozent dessen, was der Game Boy schafft mit seinen Batterien. Das hat natürlich seine Gründe. Also da ist ein Farbdisplay drin und natürlich auch die ganze aufwendige Mega Drive Hardware, die ja rund um diesen damals recht verbreiteten 16-Bit Prozessor von Motorola, den 68.000er gebaut wurde.

Henner Ja, denn es ist ja keine spezielle Mobilhardware, kein ARM-Chip oder sowas, irgendetwas, was auf besonders niedrige Leistungsaufnahme getrimmt wäre. Das ist der ganz normale 16-Bit Motorola-Prozessor, der eben auch im stationären Mega Drive steckt oder im Atari ST oder im Amiga. Das erklärt natürlich zumindest zum Teil, warum der Energiebedarf so hoch ist.

Henner Aber die Hauptschuld trägt das Display. Die Display-Technik ist damals einfach noch nicht so weit wie heute. Die verbrauchen noch sehr viel Strom. Und dann kommt ja auch noch eine Hintergrundbeleuchtung dazu. Das ist ja auch noch keine LED-basierte Hintergrundbeleuchtung. Und so braucht dieses Display einfach sehr viel Strom.

Henner Dafür ist es aber auch recht schön. Es ist einfach ein Riesenmehrwert, eine Bildschirmbeleuchtung zu haben. Das ist heute so selbstverständlich auf dem Smartphone. Das vergisst man sehr leicht, dass das in den 90ern nicht selbstverständlich war. Die Menschen, die am Game Boy spielen mussten oder auch am Game Boy Advance vor der SP-Version, die können ein Klaglied davon singen, dass sie viele externe Lampen zuschalten mussten, um irgendwas sehen zu können.

Henner Und hier einfach diese Hintergrundbeleuchtung dabei zu haben, die sich auch regulieren lässt noch am Gerät, ist wirklich toll. Und dann kommen die schönen Farben hinzu. Der Nomad zeigt bis zu 64 Farben gleichzeitig aus einer Palette von 512 Farben verglichen mit den vier Grau- oder Grünstufen des Gameboys. ist es auch ein großer Sprung und das auf 320 mal 224 Pixeln.

Henner Das ist auch ziemlich hoch aufgelöst für so ein kleines Display. Das hat nämlich 3,25 Zoll im Durchmesser. Das sind ungefähr 8,2 Zentimeter. Das ist schon recht groß, ungefähr genauso groß wie beim Game Gear, aber mit 3. Ungefähr dreifacher Auflösung. Also was Besseres kriegt man damals unterwegs nicht zu sehen.

Fabian Wenn man genügend Batterien dabei hat, dann bekommt man das zu sehen.

Henner Ja, um kurz die Freunde im Schulbus zu reindrücken, reicht das vielleicht. Danach muss man es ausmachen.

Fabian Ja, der eine hatte den Nomad und der andere hat einen Rucksack voller Batterien dabei.

Henner Ja.

Fabian Der Nomad unterstützt sogar Peripherie damals, die es für das Mega Drive gibt. So was wie die Mega Maus, also die nicht in der Praxis sehr verbreitete Maus, die man verwenden konnte. Oder auch den Adapter für den Online-Dienst, den Sega Channel. Auch was, was eher Nischendasein gefristet hat, funktioniert auch am Nomad.

Fabian Was nicht funktioniert, sind die eingangs von uns schon erwähnten Hardware-Erweiterungen, die das Mega Drive, also das ausgewachsene Mega Drive bekommen hat, das Sega Zyklus. CD, die 32-Bit-Erweiterung, also das 32X und der Powerbase-Converter für Master-Systemspiele, der funktioniert auch nicht auf dem Sega Nomad, aber ich denke, das war zu verschmerzen, denn das Sega CD oder das 32X, das waren ja einfach auch wieder Klopper und die hättest du, wenn, dann ja auch nur in Kombination mit dem Heimeinsatz überhaupt verwenden können und wollen.

Henner Ja, oder mit 15 weiteren Batterien vielleicht noch.

Fabian Weiß nicht, wie viele Batterien damals so ein Discman gebraucht hätte, das können wir wahrscheinlich dann ungefähr auf das Mega-CD hochrechnen.

Henner Ja, genau. Ich denke, der Nomad ist auch so groß genug, ohne noch zusätzliche Hardware-Erweiterungen dieser Art. Und er ist wirklich klobig. Aber das hat mich beim Spielen eigentlich kaum gestört. Auch dieses aufgesetzte Batteriefach, was hinten dran hängt, das stört eigentlich nicht. Er ist trotz seiner Größe und trotz seines Gewichts doch einigermaßen handlich.

Henner Ja. Das hat mich positiv überrascht.

Fabian Stimme ich dir zu. Ich habe den ja auch in der Hand schon gehalten, den Nomad. Ich habe hier auch einen Kollegen, der einen besitzt bei mir in Hamburg. Das ist schon okay. Also wir haben jetzt sicherlich schon ein paar Mal wahrscheinlich gesagt, dass der groß und klobig war. Ich finde das an sich auch gar nicht so nachteilig. Das Steam Deck, um das nochmal zu nennen, ist auch, Kein kleines oder leichtes Gerät, das liegt trotzdem gut in der Hand.

Fabian Also das per se ist erstmal kein Nachteil. Ich finde allerdings, in den Relationen mutet der Nomad natürlich etwas seltsam an heutzutage, weil dieser 3,25 Zoll Bildschirm einfach zu klein ist, angesichts dessen, wie groß das Gerät außenrum einfach nochmal ist. Also der nimmt ja in der Breite vielleicht nur ein Drittel des gesamten Geräts ein und vielleicht die Hälfte der Höhe.

Fabian Also ist ein wirklich kleiner Bildschirm und da ist viel Freifläche außenrum. Auch noch, wenn man die vielen Buttons und das D-Pad noch abzieht.

Henner Ja, und dieser kleine Bildschirm ist auch tatsächlich eins der größeren Probleme. Wie gesagt, das Format, das Gewicht, das hat mich nicht gestört. Aber dieser kleine Bildschirm, der ist problematisch mit alten Augen, wie ich sie habe. Denn die Spiele sind ja nun mal für eine stationäre Konsole und damit auch für einen großen Fernseher entwickelt worden und nicht für einen kleinen Handheld mit 3-Zoll-Bildschirmen.

Henner Und das merkt man einigen Spielen an. Der Text ist einfach zu klein in manchen Fällen. Das hängt auch davon ab, wie der Hintergrund gerade gefärbt ist zum Beispiel. Aber ich habe dieses Terminator-2-Spiel gespielt. Da kann ich einige Texte wunderbar lesen. Aber dann im nächsten Level, da hat der Hintergrund eine andere Farbe, schon kann ich kein Wort mehr entziffern.

Henner Nicht, dass der Text besonders relevant wäre in dem Spiel, aber es mag ja Spiele geben, in denen der Text tatsächlich nicht ganz unwichtig ist.

Fabian Ja, spiel mal so ein Fantasy-Star oder sowas darauf, ein Rollenspiel, was ständig von dir verlangt, Texte zu lesen, die dann auch nicht im Vollbild sind, sondern in kleinen Textfenstern am unteren Bildschirmrand. Da kommt man dann schon an die Grenzen. Das ist ja ein Problem, was der Game Boy später auch noch hat.

Fabian Da werden ja viele Spiele, die ursprünglich für NES und Super Nintendo erschienen sind, auch für Gameboy-Varianten portiert und dann merkt man schon auch so, ah, ist vielleicht nicht der Bildschirm, den die Entwickler eigentlich mal im Sinn hatten, als sie das Spiel gemacht haben.

Henner Und selbst wenn man die Texte alle ignoriert und unterwegs im Bus halt nur Action-Spiele spielt, das geht ja auch, kann man trotzdem Probleme bekommen, denn dieses besagte Terminator 2 Spiel, da fliegen durchaus viele Projektile rum, denen man ausweichen sollte nach Möglichkeit, die sind aber zu klein, die sind ungefähr ein Pixel groß gefühlt und das ist auf diesem Mini-Bildschirm praktisch nicht zu sehen.

Henner Egal, wie viel man da am Helligkeitsregler rumdreht, man sieht die einfach nicht. Und so wird man ständig getroffen. Naja, bei anderen Spielen war das auch wieder kein Problem. Also man muss die Spiele halt gut auswählen, die man mitnimmt, neben den Batterien.

Fabian Oder man müsste auch Sega-seitig die Spiele gut auswählen, die man für diese Konsole auf den Markt bringt. Und jetzt würde man denken, naja, am Launch Line-Up der Snowmat, da waren bestimmt nur Spiele drin, die optimal auf diesem kleinen Bildschirm funktioniert haben. Aber dann fällt uns ein, es gab ja gar keine eigenen Spiele dafür.

Henner Nee.

Fabian Die Verpackung spricht davon, dass man eben die über 500 Megadrive-Spiele darauf spielen kann. Die Pressemitteilung spricht sogar von über 600 Titeln, die kompatibel sind. Das ist natürlich toll, wenn du erstmal darauf guckst, dass andere Geräte wie zum Beispiel der Game Boy viele Jahre vorher mit vier Spielen gestartet sind, die man darauf spielen konnte. Aber das waren eben Spiele, die für dieses Gerät gemacht waren.

Fabian Und so ein Tetris, so simpel wie das auch ist, das hat einfach gut funktioniert auf diesem Game Boy. Bei dem Nomad musst du gucken, okay, was funktioniert denn darauf? Das habe ich vielleicht auch schon da an Megadrive-Spielen. Und dann schauen, was sich da besonders gut eignet.

Henner Man könnte aber mit etwas Fantasie doch von inoffiziellen Launch-Titeln sprechen. Denn im gleichen Monat wie der Nomad, also im Oktober 1995, sind ja in den USA auch ein paar Genesis-Spiele rausgekommen. Eben nicht speziell für den Nomad, aber auch für den Nomad. Zum Beispiel Mortal Kombat 3. Das war eine große Nummer. Ich glaube, der dritte ist nicht unbedingt der beliebteste Teil, aber es wird trotzdem einiges an Aufmerksamkeit in der Spielebranche gegeben haben für dieses Spiel.

Fabian Ja, der Dreier ist halt auch schon auf neueren Plattformen dann. Ich würde sagen, so zu 16-Bit-Zeiten war das zweite Mortal Kombat das Spiel, was alle haben wollten für Mega Drive von Super Nintendo, aber dennoch ein relativ großer Titel, der hier noch kommt.

Henner Und das profitiert ja auch stark von den sechs Feuertasten. Und die hat der Nomad, ja. Also hätte man durchaus bewerben können als einzige Handheld-Konsole, auf der man Mortal Kombat 3 anständig spielen kann. Und dann kommt noch ein wichtiges Spiel im gleichen Monat raus, Vectorman von Sega selbst. Das ist angeblich Segas Antwort auf Donkey Kong Country.

Henner Das hat auch wie dieses Nintendo-Spiel diese vorgerenderten Sprites. Sieht dadurch ganz hübsch aus. Und davon ist Sega damals offensichtlich ziemlich überzeugt. Wir können mal kurz einen Werbespot einspielen. Ja, das revolutionärste Spiel aller Zeiten. Geht's auch eine Nummer kleiner vielleicht? Ich meine, das ist ein 2D Jump'n'Run.

Henner Das ist weit weg von der Revolution. Aber der Spot ist interessant, weil er zeigt, dass Sega damals in den USA durchaus noch investiert hat in neue Spiele und auch in Megadrive-Werbung. Aber davon hätte der Nomad doch gerne vielleicht was abbekommen können, oder? Also zumindest eine kleine Erwähnung am Ende solcher Spots wäre doch drin gewesen.

Henner Vectorman, die Revolution, übrigens jetzt auch mobil auf dem Nomad. Aber machen sie nicht. Die Werbung ignoriert dieses Gerät vollständig, zumindest die Fernsehwerbung.

Fabian Ja, es schadet. Es war ja wirklich noch mal ein großes Sega-Spiel. Also da hätten sie das machen können. Bei Mortal Kombat wäre es Quatsch gewesen, damit zu werben, weil das ist ja sogar auch noch für den Game Gear erschienen. Also du hast eben schon mal gesagt, man hat sicherlich die vernünftigste Handheld-Variante damals auf dem Nomad spielen können.

Fabian Aber auch hier sagen sie noch, das bringen wir auch noch für den Game Gear raus. Und das wird vielleicht Leute auch, die ein Game Gear hatten, nicht gerade dazu motiviert haben, zu sagen, ja, ich gehe jetzt los und hole mir den Nomad, um darauf Mortal Kombat zu spielen. Ich kann es ja auch auf dem Game Gear spielen. Wenn auch schlechter, aber ich spare mir ein großes Invest einfach.

Henner Es gibt keine speziellen Nomad-Spiele, es gibt nur die Genesis-Bibliothek, nur in Anführungszeichen, die ist ja groß genug. Du hast es schon erwähnt, 32X und Sega CD oder Mega CD, diese Erweiterungen haben ja noch ihre eigenen Spiele, die laufen hier nicht, aber die große Genesis-Bibliothek aus den USA ist eigentlich auch groß genug.

Henner Es gibt darüber hinaus natürlich auch einige japanische und europäische Megadrive-Titel, die nur funktionieren, wenn sie keinen Regiolog haben. Den haben einige Spiele, sodass also nicht jedes importierte Spiel aus Japan oder aus Europa auf diesem Nomad funktioniert, aber sehr viele tun es doch. So oder so, es reicht eigentlich, die Bibliothek ist groß genug.

Henner Es gibt da auch sehr wenig Kompatibilitätsprobleme, die man ja erwarten könnte bei so einer eigenwilligen Variante, einer mobilen Variante einer stationären Konsole. Das läuft eigentlich alles problemlos. Selbst sowas technisch eher aufwendiges wie Virtua Racing funktioniert auf dem Nomad. Das ist ein besonderes Spiel, weil es einen eigenen 3D-Chip hat, der im Modul sitzt.

Henner So wie das bei dem Super Nintendo auch passiert mit dem Super FX-Chip in Star Fox. Sowas gibt es hier auch mit Virtual Racing. Und das funktioniert wunderbar, auch mit dem Nomad.

Fabian Das ist sicherlich damals ganz schön cool, dieses Virtual Racing spielen zu können auf dem Handheld, weil das wirklich beeindruckend aussieht für die damaligen Technikverhältnisse auf den 16-Bit-Konsolen. Ist nur unglaublich teuer. Ich glaube, das hat sowas wie um die 200 Mark gekostet Deswegen wird es auch nicht zur Regel, dass da solche Zusatzchips in Megadrive-Spiele reinkommen.

Henner Das läuft also problemlos. Es gibt allerdings auch einige Spiele, die auf dem Nomad nicht funktionieren. Sehr, sehr wenige Ausnahmen sind es allerdings. Zum Beispiel X-Men. Das kann man nur durchspielen, wenn man in einer bestimmten Szene in irgendeinem Level mal die Reset-Taste drückt. Und eine Reset-Taste hat der Nomad nicht. Also da kommt man an der Stelle nicht weiter.

Fabian Das Risiko, dass dann viele weitere Spiele noch auf den Markt kommen, bei denen es Kompatibilitätsprobleme geben könnte, das nimmt zunehmend ab. Denn wir sind hier schon quasi in der ersten Kurve einer rasanten Talfahrt. Wir haben es schon gesagt, der 16-Bit-Markt geht dem Ende entgegen. 1995 erscheinen zwar in den USA noch über 100 Module, die man theoretisch auf dem Nomad spielen könnte.

Fabian 1997 sind es dann nicht mal mehr 10. Und bei Sega intern ist man natürlich dann längst schon dabei, irgendwie die Nachfolgegeneration am Leben zu halten. Denn auch der Saturn schlägt sich ja mehr schlecht als recht gegen die Playstation. Dennoch versucht man das eine ganze Weile. So ab 96 erscheinen dann eben ganz viele Saturn-Spiele, also hunderte buchstäblich, aber eben kaum noch was fürs Mega Drive und somit auch für den Sega Nomad.

Henner Wir müssen noch ein kleines bisschen beim Thema Spiele verharren. Normalerweise sprechen wir an dieser Stelle über die besten Spiele für die Plattform. Das können wir heute nicht machen. Wir können nicht die besten Nomad-Spiele küren, denn das wäre automatisch das beste Mega Drive-Spiel. Und darüber müssen wir an anderer Stelle mal sprechen, wenn wir eine Technikfolge zum Mega Drive machen.

Henner Dafür sind es einfach zu viele, um jetzt in einem Nebensatz mal eben zu behaupten, dieses oder jenes wäre das beste Spiel der Plattform. Oder hast du einen Favoriten im Kopf, den du gerade einwerfen willst?

Fabian Es gibt ganz, ganz viele tolle Megadrive-Spiele. Also wir haben auch schon ganz viele bei Super Stay Forever besprochen. Das kann ich mit meiner Weisheit von heute ja auch ganz offen sagen, auch wenn ich als Kind eher Super Nintendo-Lager war, ist Megadrive eine ganz tolle Konsole. Also Sonic 2 mag ich sehr gerne, ich mag die Shining Force-Spiele sehr gerne, das sind so rundenbasierte Fantasy-Strategie-Spiele und es gibt noch viele, viele tolle Titel mehr, die man darauf spielen kann.

Henner Ja, ich finde es aber vor allem erwähnenswert, dass mit dem Nomad ganze Genres zum ersten Mal auf einen Handheld gekommen sind, die also vorher schon auf der Mega Drive Konsole verfügbar waren, aber eben jetzt zum allerersten Mal mobil verfügbar. Zum Beispiel die Echtzeitstrategie, die hat ja 1995 ihren ersten frühen Höhepunkt, da kommt ja auch Command & Conquer raus.

Henner Das kommt nicht aufs Megadrive, sondern nur auf die Saturn. Das braucht ja ein CD-Laufwerk. Aber zumindest den Vorgänger von Command & Conquer, Dune 2, auch von Westwood, gibt es für das Megadrive und damit auch auf dem Nomad. Und dessen geistigen Vorgänger, Herzog 2, gibt es auch auf dem Megadrive. Kann man also auch unterwegs im Bus spielen.

Henner Was ein bisschen schade ist, dass Dune 2 die Sega-Maus nicht unterstützt. Aber naja, die wäre wahrscheinlich unterwegs im Bus ohnehin eher unpraktisch.

Fabian Ja, Herzog 2, schön, dass du es ansprichst. Haben Christian und ich auch mal besprochen bei Super Stay Forever. War sehr interessant für mich, das mal nachzuholen.

Henner Ja, Populous ist ein weiteres Spiel, was man hier nennen kann. Also es gibt durchaus einige Echtzeit-Strategie-Spiele. Aber es gibt ja damals Mitte der 90er Jahre ein noch populäreres Genre auf dem PC vor allem. und dieses Genre schafft es dank des Nomads erstmals auf einen Handheld und das ist der 3D-Shooter, der First-Person-Shooter.

Henner Ja, das Genre-definierende Spiel Doom, das ist nicht fürs Mega Drive erschienen, das gab es auf dem Super Nintendo.

Fabian Stimmt.

Henner Aber immerhin Duke Nukem 3D, das kam 1998 erst in etwas kruderer Form auch aufs Mega Drive. Das ist in Brasilien erschienen und ich glaube nicht weiter der Rede wert. Aber zumindest gab es damit einen First-Person-Shooter auf einem Handheld und nicht nur diesen. Es gibt auch einen, der noch weitaus populärer ist. Der wahrscheinlich populärste und bekannteste Megadrive-Shooter ist Zero Tolerance von 1994.

Henner Und das habe ich mit großer Freude in der Vorbereitung auf diese Folge gespielt. Das ist exquisit. Das erinnert technisch an Wolfenstein 3D. Das hat so eine typische 2,5D-Engine. Das hat Sprachausgabe. Das unterstützt Strafing, was nicht selbstverständlich ist für so frühe Shooter. Und es hat über Wolfenstein 3D hinaus auch zum Beispiel verschiedene Charaktere, die man wählen kann, mit verschiedenen Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenständen, mit denen man dann allerhand Aliens bekämpft.

Henner Hören wir mal kurz rein, wie dieses Spiel klingt. Ja, dies ist ja nicht die Super Stay Forever-Folge zu Zero Tolerance, die du wahrscheinlich in diesem Moment gerade ganz eilig planst für nächsten Monat oder so.

Fabian Die liegt ja schon in meiner Schublade. Ich muss da ganz kurz nochmal einhaken, weil es mich wirklich interessiert. Ich habe dieses Spiel natürlich auch mal gesehen. Es freut mich, dass du da jetzt so eine Freude dran findest. Wie strafet man denn da? Das heißt, das unterstützt dann auch die sechs Buttons wahrscheinlich, weil ansonsten, wie kommst du da mit drei Tasten dann aus?

Henner Man strafet, indem man die, ich weiß gerade nicht, wie sie beschriftet ist, eine der Tasten gedrückt hält und währenddessen mit dem D-Pad rechts und links geht. Also anstatt sich zu drehen, strafet man dann eben.

Fabian Ja, aber du verschwendest ja eine der drei Tasten. Du brauchst dann mindestens nochmal schießen und irgendwas benutzen oder aufmachen und that's it.

Henner Ja, schießen und Waffenwechsel gibt es sonst noch. Man kann auch springen und sich ducken. Das funktioniert dann aber alles, während man diese Strafen-Taste gedrückt hält.

Fabian Ah ja, okay.

Henner Das ist ein bisschen schade, dass hier der 6-Button-Controller nicht unterstützt wird, obwohl das Spiel ja 94 rauskam, als es diesen Controller schon gab. Aber naja, es funktioniert trotzdem. Wie gesagt, dies ist ja nicht die Folge zu Zero Tolerance, deswegen will ich jetzt auf das Spiel gar nicht im Detail eingehen.

Henner Das machst du dann eines Tages noch viel kompetenter. Aber es ist erwähnenswert und für den Nomad relevant, weil eben das eine neue Erfahrung unterwegs ist, auf einem Handheld einen First-Person-Shooter zu spielen. Und Zero Tolerance ist aus noch einem Grund themenrelevant, denn das hat einen Zweispielermodus.

Henner Nicht zu zweit an einem Gerät, sondern über zwei verbundene Mega Drive Konsolen. Wusstest du, dass das möglich ist, Fabian?

Fabian Das muss ich jetzt offenstehen, wusste ich nicht. Gab es da ein spezielles Link-Kabel für?

Henner Ja, genau. Aber nicht von Sega selbst. Das ist keine herstellerseitig unterstützte Funktion. Also anders als beim Game Boy gibt es da nichts vom Plattformhersteller. Das macht auch kein anderes Spiel. Das macht, soweit ich das ermitteln konnte, nur dieses eine Zero Tolerance. Und zwar lag der Packung damals ein Coupon bei und mit dem konnte man beim Publisher bei Accolade dieses Link-Kabel bestellen.

Henner Das wurde einem dann zugeschickt und das verbannt zwei Mega Drive Konsolen oder zwei Genesis Konsolen und zwar über den zweiten Controller Port. Denn diese Controller Anschlüsse, die lassen sich bei Mega Drive nicht nur für Eingaben nutzen, also für Steuerbefehle, die aus dem Gamepad kommen, sondern auch in der anderen Richtung für Ausgaben. Da können also Daten in beide Richtungen fließen.

Henner Und genau das macht Zero Tolerance. Die Steuerbefehle, die ich an Port 1 via Controller an die Konsole gebe, die schickt das Spiel dann per Kabel weiter über den zweiten Port an die zweite Konsole, sodass dann meine Bewegungen dort auch angezeigt werden, nur eben in der dritten Person und nicht mehr in der ersten.

Henner Also läuft meine Figur auf dem Bildschirm des zweiten Spielers rum. Und so spielt man Zero Tolerance zu zweit kooperativ. Also man kann die Kampagne gemeinsam durchspielen. Und das mit zwei verschiedenen Charakteren mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Das ist bahnbrechend. Also ein Koop-3D-Shooter, so was ist 95 selbst noch auf dem PC selten.

Fabian Und jetzt sagst du mir wahrscheinlich noch, dass das Nomad das auch unterstützt hat und dass man da auch zwei Nomads koppeln konnte und dann Zero Tolerance spielen konnte.

Henner Ja.

Fabian Das ist natürlich ziemlich cool.

Henner Genau, deswegen ist das für unser Thema so relevant, weil dieser logistische Aufwand, damals zwei Genesis-Konsolen nur für dieses eine Spiel zu vernetzen, der ist natürlich enorm, weil ich muss zweimal das Spiel besitzen, klar, ich muss dieses Kabel haben, ich muss zwei Mega Drive Konsolen verkabeln, vor allem aber muss ich zwei Röhrenfernseher nebeneinander stellen, das dürften nicht allzu viele Leute gemacht haben. Aber der Nomad, der löst ja das Problem.

Henner Ich muss keinen Fernseher mehr schleppen. Ich muss nur meinen Nomad aus dem Rucksack holen und dieses Kabel anschließen und fertig. Ist das nicht fantastisch? Und mehr noch, ich kann ja eben auch zwei Nomads zusammenschließen. Und während die anderen im Schulbus ihre Gameboys und Linkkabel haben und damit maximal Tetris gegeneinander spielen, kannst du mit deinem Freund gerade mal eben einen 3D-Shooter im Bus spielen.

Henner Ich kann nicht in Worte fassen, wie mich das 1995 umgehauen hätte.

Fabian Ja, mich würde es interessieren, ob dieses Szenario wirklich irgendwann irgendwo von jemandem umgesetzt wurde, also ob wirklich zwei Teenager 1995 irgendwo in den USA in einem Bus saßen und mit zwei Nomad Zero Tolerance mit diesem Link-Kabel gegeneinander gespielt haben. Ich halte es für eher unwahrscheinlich, aber es ist natürlich eine ganz schöne Idee und auch beeindruckend, dass das prinzipiell damals möglich war.

Henner Ja, das konnte ich auch nicht nachstellen. Ich konnte nur einen Nomad mit einer Megadrive-Konsole kombinieren auf diese Weise und das ausprobieren. Das funktioniert auch ohne Lag, also ganz wunderbar und problemlos. Ohne die Probleme, die man damals auf dem PC hatte, wenn man eine LAN-Party organisiert hat.

Henner Das geht einfach per Plug and Play, sodass ich mich wundern muss, dass das nicht häufiger gemacht wurde. Aber ja, das mit zwei Nomads wäre natürlich noch großartiger gewesen, zumindest für zwei Stunden und dann wären halt die Batterien leer.

Fabian Also grundsätzlich, der Nomad hätte schon toll sein können. Der hätte wahrscheinlich noch ein erfolgreiches Gerät werden können, wenn er viel früher dran gewesen wäre und wenn auch die Batterietechnik und sowas alles schon ein bisschen weiter gewesen wäre, dass man da länger damit hätte spielen können.

Fabian Aber das Gerät kommt einfach sehr spät. Grundsätzlich schlägt man den Game Boy technisch natürlich in ganz vielerlei Hinsicht, aber das reicht per se natürlich nicht, weil das hat auch der Atari Lynx zum Beispiel schon gemacht. Aber für den gab es eben kaum Spiele und dann noch weniger gute Spiele. Und für den Nomad gibt es ja alle der tollen Mega Drive Spiele.

Fabian Nur das Gerät ist teuer, es hält nicht lange und es kommt eben sehr, sehr spät, wo niemand gerade sagt, ach geil, Mega Drive, da habe ich jetzt richtig Bock drauf und dafür nochmal richtig viel Geld ausgeben, um diese Spiele zu spielen. Der Bedarf ist halt einfach nicht da zu der Zeit.

Henner Trotzdem sind einige in der Branche damals optimistisch. Wir haben uns mal angesehen, was die US-Presse damals darüber geschrieben hat. Wie gesagt, außerhalb der USA ist das Gerät ja nie erschienen, deswegen müssen wir uns hier auf US-Presseorgane beschränken. Und zum Beispiel hat die Electronic Gaming Monthly damals im Oktober 95 geschrieben, solange Sega den Preis niedrig hält, wird der Nomad ein Erfolg.

Henner Ja, gerade der Preis ist halt das, was sie am meisten kritisieren. Also die beklagen sich gar nicht darüber, dass das jetzt veraltete Technik wäre oder so, sondern sie kritisieren vor allem den Preis. Aber es ist klar, wenn man das Gerät mit dem Game Boy vergleicht, dann kann es auf der Ebene nur verlieren.

Henner Gameplayers, ein anderes US-Magazin, die schreiben das Gleiche damals. Die sagen auch, der Preis sei doch ein bisschen hoch. Trotzdem geben sie eine Empfehlung ab für den Nomad und sagen, der wäre halt eine gute Alternative zur stationären Genesis-Konsole. Wäre diesem Gerät überlegen und darüber hinaus ganz klar der beste Handheld auf dem Markt.

Henner Ich kann nichts dagegen sagen, bis auf die Sache mit der Portabilität, die nicht so ganz relevant ist. Aber auf technischer Ebene, wie du schon gesagt hast, gibt es nichts Besseres.

Fabian Die EGM, also die Electronic Gaming Monthly, schaut sich das Ganze nochmal Ende 97 an. Und auch da wird der Nomad wieder als das Beste im Bereich des portablen Gamings angepriesen. Also vor allem das Spieleangebot und der Bildschirm werden gelobt, auch wenn der Bildschirm klein ist, was hier auch so gesagt wird.

Fabian Das Gerät ist mittlerweile deutlich günstiger und dennoch wird der Preis von mittlerweile 100 Dollar als zu hoch bewertet. Ganz interessant finde ich, die bewerten da auch die Rubrik Staying Power, also die Zukunftsaussicht, wie lange wird dieses Gerät noch auf dem Markt relevant sein. Da bekommt der Nomad 6 von 10 Punkten. Ende 97 finde ich das erstaunlich hoch.

Fabian Es ist dennoch einen Punkt schlechter als der Game Boy, aber, und das ist natürlich bitter für Sega an der Stelle, das ist einen Punkt besser als beim Sega Saturn, von dem man da einfach schon weiß, dass dieses Gerät ziemlich gescheitert ist.

Henner Ja, es ist glaube ich schon angeklungen, dass auch dieses Nomad-Gerät kein großer Erfolg war. Dabei sieht er auf dem Papier ja aus wie ein fast sicherer Erfolg. Wir haben es ja alles beschrieben. Die Größe ja okay und die Batterielaufzeit ist verbesserungswürdig, aber in allen anderen Belangen ist er dem Game Boy weit überlegen.

Henner Ich würde sogar sagen, der Nomad ist dem Game Boy zwei Generationen voraus sogar. Also diese Einteilung der Konsolen in Generationen, das ist ja keine ganz exakte Wissenschaft. Aber rein subjektiv würde ich sagen, das sind schon zwei Generationssprünge, die zwischen den beiden Geräten liegen. Erstens der Sprung vom Monochrom-Display zum beleuchteten Farbdisplay.

Henner Das gibt es ja bei Nintendo erst, wie gesagt, mit dem Game Boy Advance SP von 2003. Da ist also Sega weit voraus. Und dann kommt ja beim Nomad auch noch die 16-Bit-Architektur hinzu. Und nicht zu vergessen die sechs Controller-Tasten. So was gibt es bei Nintendo auch für einige Jahre noch nicht. Also alles in allem ist Sega weit, weit voraus, aber es hat leider nicht geholfen.

Henner Denn weit voraus, haben wir auch schon genannt, war zum Beispiel ja auch der Atari Lynx, aber der hat es trotzdem nicht geschafft gegen den Game Boy. Der Game Boy ist einfach nicht zu schlagen. Der ist billig, er hat eine große Spielebibliothek, er ist sehr portable, die Batterien halten sehr lange durch, er hat Tetris, also für den spricht sehr vieles.

Henner Und dagegen kommt der Nomad trotz dieser großen 16-Bit-Bibliothek und trotz Zero-Tolerance einfach nicht an. Obwohl der Nomad ja theoretisch auch ein stationäres Genesis-Gerät ersetzen kann. Also es ist ja eigentlich nicht ganz fair, ihn nur mit einem Game Boy zu vergleichen, weil ich damit ja zu Hause auch auf eine weitere stationäre Konsole verzichten kann.

Henner Ich habe ja beides in einem. Aber das reicht nicht.

Fabian Das stimmt. Und fairerweise, wenn wir diesen Vergleich jetzt ziehen zwischen dem Game Boy und dem Nomad, du hast natürlich mit dem Nomad nochmal eine stationäre Konsole zu Hause, das ist aber eben ein Mega Drive. Und der Game Boy war ja schon eine eigene Konsole neben dem Super Nintendo. Du hattest natürlich auch exklusive Spiele auf dem Game Boy.

Fabian Und die hat man dann vielleicht nicht so sehr unter technischen oder audiovisuellen Gesichtspunkten bewertet, sondern du hattest ja die eigenen Final Fantasies drauf, die eigenen Mario-Spiele, später die eigenen Pokémon-Titel. Und das hat natürlich auch geholfen, jetzt mal abgesehen von den technischen Aspekten, wie Game Boy hat eine längere Batterielaufzeit gehabt und sowas und war auch billiger zu haben.

Fabian Es spielt da schon auch mit rein, klar, die Spiele waren technisch primitiver, aber das waren exklusive Spiele und die haben diese Hardware natürlich mitverkauft. Und so toll das ist, die 16-Bit-Bibliothek von Megadrive dann spielen zu können auf einem Handheld, sind eben die gleichen Spiele. Und von daher wirkt das nicht so stark wie ein Exklusiv-Lineup auf einem Handheld.

Henner Finde ich interessant, dass du das sagst, weil ich hatte eigentlich den gegenteiligen Gedanken. Du sagst, das wäre ein Vorteil, dass hier die Handheld-Konsole ihre eigene Spielebibliothek hat, aber man kann das ja auch als Nachteil werten, dass man zusätzlich Spiele kaufen muss, nur weil man unterwegs auch mal spielen will und dass diese Spiele, die man dann unterwegs spielt, einfach eine Stufe schlechter sind als das, was man zu Hause spielen kann.

Henner Technisch einfach deutlich reduziert. Man denke an so was wie eben Mortal Kombat, was es ja auch auf dem Game Boy gibt. Das ist unspielbar. Oder na ja, das ist etwas zu viel gesagt. Natürlich kann man es spielen. Es ist aber ungenießbar. Das taugt einfach nichts. Das heißt, wenn man in dieser Nintendo-Welt ist, dann muss man, wenn man unterwegs ist, Abstriche machen.

Henner Man muss verzichten. Die Handhelds sind einfach Spielkonsolen zweiter Klasse. Aber wenn ich einen Nomad habe, dann habe ich die erste Klasse in meinem Rucksack. Und ich muss keine Abstriche machen. Das kann doch ein großer Vorteil sein, oder nicht?

Fabian Also hier könnten wir jetzt einen Seitenarm aufmachen, Henner, eine zweistündige eigene Spin-Off-Folge dieser Folge. Weil ich finde das super interessant, was du sagst. Und ich verstehe total deine Argumentation. Aber ich finde nicht, dass das stimmt. Klar, wenn du sowas wie Mortal Kombat nimmst, das ist ein Spiel, das lebt davon. Das kommt aus der Spielhalle. Das sieht super toll aus.

Fabian Und das macht den Appeal dieses Spiels aus. Und dann wird das für die Heimkonsolen immer weiter runter gedampft und für den Game Boy am Ende nochmal. Natürlich zieht der Game Boy da den Kürzeren gegenüber einem Mortal Kombat, was auf dem Sega Nomad läuft, aber per se zu sagen, Handheld-Spiele, die für den Game Boy kamen, waren immer mit Abstrichen verbunden, das würde ich so nicht sagen, weil du hast ja auch Spiele gehabt, die einfach dafür ausgelegt waren, dass man sie mal eben eine Runde unterwegs gespielt hat.

Fabian Das war dann vielleicht was, wo du zu Hause gesagt hättest, ah, das ist mir zu simpel oder ich möchte was anderes haben, was ich zu Hause spiele, vielleicht die großen Rollenspiele. Aber der Gameboy hatte eben Spiele, die darauf zugeschnitten waren, die man vielleicht auch in kürzeren Sessions mal auf einer Busfahrt spielen konnte und sowas.

Fabian Und würdet ihr da nicht pauschal zustimmen, dass so eine Minderwertigkeit damit einhergeht, wenn Spiele für eine simple Handheld-Konsole entwickelt wurden?

Henner Ja, es hängt natürlich auch stark von den Spielen ab, die man betrachtet, wie du es schon sagst. Mortal Kombat ist ein Extremfall. Die Nintendo-eigenen Mario-Spiele hingegen sind natürlich ganz fantastisch. Auch die auf dem Game Boy, da hat man nicht unbedingt das Gefühl, jetzt Spieler zweiter Klasse zu sein.

Henner Ja, trotzdem finde ich, das ist wegweisend, was Sega damals gemacht hat, die Spielewelten zu vereinen, die mobile und die stationären Spielewelten. Das ist ja heute selbstverständlich, wenn wir an die Switch denken oder an die Steam-Decks und die anderen PC-Handhelds, da gibt es ja diese Unterscheidung zwischen Mobilspielen und stationären Spielen nicht mehr.

Henner Die Spiele sind Hardware-agnostisch. Natürlich gibt es noch den Handyspiele-Sektor, aber auf dem Markt der klassischen, der dedizierten Spielgeräte ist diese Zweiteilung passé. Das ist also ein sehr modernes Konzept, dass die Spiele überall dieselben sind. Das macht Sega eben schon 1995. Also ich finde, es ist eigentlich ein Vorteil.

Henner Aber ja, ich kann deinen Punkt auch verstehen. Aber wie hat denn der Markt das damals gesehen? Ich glaube, es ist recht klar rübergekommen, dass der Nomad kein großer Erfolg war. Und jetzt müssen wir mal über konkrete Stückzahlen sprechen. Es gibt keine offiziellen Ansagen von Sega dazu, aber es gibt Schätzungen, die besagen, dass ungefähr eine Million Stück verkauft wurden und das ist verglichen mit den 11 Millionen Game Gears oder natürlich insbesondere im Vergleich mit dem Game Boy kein Erfolg.

Henner Das ist eher ein Flop. Und das, obwohl Sega im Laufe der Jahre den Preis senkt, sehr schnell von 180 auf 100 Dollar, wie du es beschrieben hast, später dann auf 80. Und am Ende, wahrscheinlich so zum Ende der 90er Jahre, werden die Restbestände für 40 US-Dollar verramscht. Und das ist einer der Momente, in denen man sich immer eine Zeitmaschine wünscht.

Henner Da hätte ich mich gerne mit eingedeckt. Ich kaufe zehn. Ja, und dazu ein paar Zero-Tolerance-Kabel. Die sind nämlich heute sehr selten. Also das war eigentlich ein super Schnäppchen, aber damit hat Sega natürlich erst recht nichts mehr verdient und so den Verkauf aller Megadrive-Varianten in den USA schließlich ganz eingestellt.

Fabian Es ist traurig, dass sie selbst zu diesen Ramschpreisen am Ende dann in der Summe nur eine Million Einheiten erreicht haben. Also wir können hier nochmal diese Handheld-Variante der PC Engine-Turbographics heranziehen, die du ja schon genannt hattest, die von NEC kam. Selbst die hat 1,5 Millionen verkauft, was tatsächlich gar nicht mal so schlecht ist, wenn man sich anguckt, dass die auch von ihren stationären Konsolen nur 5,5 Millionen verkauft haben.

Fabian Und das Ding, diese Handheld-Variante davon, die war sogar am Anfang noch teurer in den USA als der Nomad, ist aber natürlich auch deutlich früher erschienen. Also ich habe da jetzt auch schon viel drauf rumgeritten. Der späte Erscheinungstermin ist schon auch eines der ganz, ganz großen Probleme der Sega Nomads gewesen.

Henner Ja, geben wir die Gründe für diesen Misserfolg nochmal durch. Klar, der hohe Preis, ganz klar, insbesondere im Vergleich mit der Nintendo-Konkurrenz. Auch wegen der Tatsache, dass ein Spiel nicht enthalten ist und dass so was Wichtiges wie das TV-Kabel nicht dabei ist. All das schreckt natürlich ab. Denn man stand ja damals vor der Wahl, nehme ich jetzt einen Nomad oder nehme ich einen Game Boy und dazu noch eine komplette Genesis-Konsole, die beide auch noch ein Spiel enthalten. Ich glaube, da fällt die Wahl recht leicht.

Henner Und dann kommen ja noch die Mehrkosten hinzu wegen des enormen Batteriebedarfs. Ich konnte nicht genau ermitteln, wie teuer Batterien damals waren, aber so viel steht fest, sie waren noch teurer als heute. Und wenn man alle zwei Stunden sechs Stück von diesen Batterien austauschen musste, möglicherweise von einem Schülertaschengeld bezahlt, ja, dann ist man sehr schnell arm geworden.

Henner Oder man hat das Gerät eben nur noch zu Hause am Netzteil benutzt und damit verliert es ja aber seinen wesentlichen Vorteil. Also dieser Preis ist ein Riesenproblem, aber es gibt noch weitere Probleme. Denn ich glaube, über diesen Preis könnten viele hinwegsehen durchaus, wenn sie dafür die allerneueste Technik bekämen.

Henner Aber es sehen damals einfach alle in diesem Gerät keinen Next Generation Handheld, sondern einfach nur ein weiteres Mega Drive. Das ist halt schon wieder 16-Bit-Technik. Ja, Sega macht mal wieder Neuaufguss des Mega Drives. Das ist damals so die Wahrnehmung. Aber genau das sagt ja auch das bisschen, was Sega an Werbung gemacht hat.

Henner Dies ist ein mobiles Mega Drive, nicht dies ist die nächste Generation des Gamings unterwegs. Und ja, das ist ein Problem, dieses Wahrnehmungsproblem. Es ist nichts Neues, sondern es ist etwas sehr, sehr Altes. Das wird dem Gerät nicht unbedingt gerecht, aber genau so wird es gesehen.

Fabian Ja, stimmt, das wird dann damals als alt wahrgenommen und ich glaube, man hätte echt gar nicht so viel früher damit dran sein müssen, aber sobald eben die ersten Bilder, Videos und so weiter von Playstation und Saturn in der Öffentlichkeit waren, schlagartig wirkte das nicht mehr wie, ach toll, 16-Bit-Spiele für unterwegs, sondern, ah, der alte Käse jetzt nochmal in anderer Form verpackt.

Fabian Und dann sind da ja auch nicht nur Nomad und Saturn, sondern es gibt ja auch weiterhin noch das 32X, was Sega noch theoretisch verkauft. Das Mega-CD ist dann noch und der Game Gear wird ja auch noch mit Spielen versorgt. Also auch als der Nomad raus ist, gibt es noch weitere Sonic-Spiele, die für den Game Gear erscheinen.

Fabian Teilweise auch nur dafür, also Exclusives tatsächlich. Und tatsächlich, Sega hat auch noch eine Lernspielkonsole auf dem Markt, damals namens Pico. Und irgendwo in so einer ganz kleinen Nische ohne Marketingbudget landet dann eben auch noch das Nomad Handheld.

Henner Ja, der Kalinski hat mir gegenüber das auch zugegeben. Ja, wir hatten eine Menge Hardware zu unterstützen und das war nicht nur für uns schwierig, das war auch schwierig für die Händler, all das zu unterstützen, denn das heißt ja, dass die sehr viele Regalmeter für sehr viele verschiedene Plattformen freiräumen müssen.

Henner Und Kalinski sagte dazu, ja, ich habe dem Handler gesagt, lass halt was von Nintendo weg oder von 3DO oder Sony. Aber das haben sie halt nicht getan. Die haben lieber Nintendo und Sony verkauft, als noch eine Megadrive-Variante oder ein Megadrive-Zubehörteil. Es wird auch ganz oft noch genannt als ein Grund für das Scheitern des Nomads, dass Sega CD und 32X damit nicht funktionieren. Aber wie wir schon ausgeführt haben, wir glauben nicht, dass das ein wesentlicher Faktor war.

Fabian Das ist, glaube ich, Quatsch.

Henner Ja, Sega hat beide Add-ons eigentlich Ende 95, Anfang 96 schon weitgehend abgeschrieben. Ich habe mir angesehen, wann überhaupt noch Spiele dafür erschienen. Also für das Sega CD kam nach dem Erscheinen des Nomads nur noch ein einziges Spiel raus. Also das war längst keine wirklich aktuelle, relevante Plattform mehr.

Henner Und dass die Spiele jetzt nicht für den Nomad verfügbar waren, ich glaube, das wird niemanden abgeschreckt haben. Also das können wir, glaube ich, abhaken. Das war kein wesentlicher Grund. Es war die Verspätung, es war die Wahrnehmung als weiterer Megadrive-Aufguss, es war der Energiebedarf und es war der hohe Preis.

Fabian Apropos abhaken. Sega hakt nach dem Nomad dann auch das Handheld-Geschäft ab, weil man eh auch ganz andere Probleme mittlerweile hat. Es gibt ja nach dem Saturn noch eine weitere Heimkonsole, die Dreamcast. An sich eine schöne Konsole mit einigen coolen Spielen. Auch die floppt vor allem gegen die PlayStation 2 und da kommen ja auch noch dann Microsoft, Xbox und der Gamecube hinzu.

Fabian Und dann ist der Dreamcast auch Geschichte und damit dann auch Segas Hardwaregeschäft generell. Das ist die letzte Sega-Konsole an der Stelle. Das heißt aber nicht, dass nicht andernorts die Idee eines tragbaren Megadrive noch weitergetragen wurde, nur eben nicht mehr von Sega. Es gibt so einen großen brasilianischen Sega-Lizenznehmer namens Tectoy.

Fabian Die verkaufen dann ab 2007 ein Megadrive Portable und das wird unter verschiedenen Namen auch außerhalb Brasiliens verkauft. Da sind Spiele vorinstalliert drauf. Man kann aber hier keine Module mehr reinstecken und die dann darauf spielen. Es gibt von einer Firma namens AT Games noch den Sega Genesis Arcade Ultimate Portable Player.

Henner Sehr handlich, also der Name.

Fabian Deswegen auch bekannt unter dem Namen als Sega Gopher, G-O-P-H-E-R. Was bedeutet das nochmal?

Henner Das ist irgendein Tier, ne?

Fabian Hätte ich ja auch gedacht, gerade so. Ich muss gerade an täglich grüßt das Mummeltier denken.

Henner Ja, ja, ich glaube, das ist sowas.

Fabian Das ist quasi nochmal eine Handheld-Version mit vorinstallierten Spielen. Hier aber dann auch mit TV-Ausgang, wie auch der Nomad das hatte. Und einem SD-Karten-Slot, der neu hinzugefügt wurde. Kurioserweise bringt AT Games danach ein Gerät, das noch näher am Nomad liegt, nämlich der Gen Mobile. Da kannst du auf einmal auch wieder die alten Module reinstecken.

Fabian Wie das aber leider häufiger ist bei den Geräten von der Firma AT Games, ist nicht besonders toll verarbeitet. Ich könnte das nicht unbedingt weiterempfehlen.

Henner Damit ist aber immer noch nicht Schluss, denn 2019 kommt ein weiteres Nomad-inspiriertes Gerät raus von der japanischen Firma Columbus Circle mit dem 16-Bit Pocket MD. MD steht natürlich für Megadrive und das ist ein weiteres tragbares Megadrive mit Modulschacht, mit TV-Ausgang, also sehr nah dran am Nomad.

Henner Und der bekommt sogar noch zwei verbesserte Nachfolger, den MD-Plus und den MD-HD, letzterer hat sogar einen HDMI-Ausgang und zwei Controller-Anschlüsse. Das ist schon sehr modern und sehr praktisch und ich war auch mehrfach in der Vorbereitung auf diese Episode in Versuchung so ein Gerät zu kaufen, denn das gibt es noch neu durchaus.

Henner Aber damit ist der Markt offenbar immer noch nicht gesättigt, denn Anfang 2024 hat Hyperkin, ja der Superboy-Hersteller, da schließt sich der Kreis, dieser Retro-Konsolen-Spezialist, ein weiteres Gerät angekündigt, den Mega 95. Ein modernes, mobiles Megadrive. Ebenfalls mit Modulschacht für die Originalspiele.

Henner Und mit so einer Switch-artigen Dockingstation, die dann auch den Fernseheranschluss erlaubt. Sieht sehr cool aus, mit einem deutlich größeren Bildschirm. Erinnert auch so ein bisschen an die Steam-Decks. Aber das Gerät ist bislang, also zum Zeitpunkt unserer Aufnahme, im Jahr 2024 noch nicht erschienen.

Henner Wirst du es dir kaufen, wenn es draußen ist?

Fabian Ich glaube nicht, ehrlich gesagt. Wir haben ja eingangs über diesen Superboy von Hyperkin gesprochen, also quasi die Super Nintendo-Variante dieser ganzen Idee. So schön wie das ist und so toll, dass vielleicht auch Leute finden, die eine riesige Modulsammlung haben, es ist halt doch eher unpraktisch.

Fabian Diese Module waren nie dafür gemacht, unterwegs verwendet zu werden, sowie teilweise auch die Spiele, die darauf enthalten sind, nicht dafür gemacht sind, auf kleinen Bildschirmen gespielt zu werden. Darüber kann ich noch hinwegsehen auf das Bildschirmproblem. Man muss ja nicht alles darauf spielen, aber ich brauche, glaube ich, kein Handheld-Gerät mehr, in das man Retro-Module selber reinstecken kann. Das ist Schön, dass das möglich ist. Ich freue mich für die Leute, die sowas gerne haben wollen, aber es ist einfach nicht sonderlich praktisch, weil sowas steht dann immer total über, sieht unförmig aus.

Fabian Und ich glaube nicht, dass du dich damit heute in einen Jet von Japan Airlines setzen könntest. Die würden dich auslachen, wenn du da mit so einem Handheld drin sitzt und würdest du in dem Megadraft-Modul drinstecken.

Henner Ja, ich glaube, die würden auch komisch gucken, wenn du fragen würdest, ob die vielleicht ein Mega-Jet haben. Du hast einen ganzen Koffer mit Modulen dabei, wo kannst du die reinstecken?

Fabian Ja, ich habe so einen kleinen Handgepäckskoffer, in dem nur Mega-Drive-Module drin sind.

Henner Wer hat das nicht? Also das wird natürlich auch eine Nische bleiben. Dieser Mega 95 richtet sich natürlich an Retro-Nerds und nicht so sehr an den Massenmarkt. Aber dass dieses Konzept Massenmarkt tauglich ist, das hat ja Nintendo mit der Switch bewiesen. Also die Idee einer Hybrid-Konsole, die stationär funktioniert am Fernseher, aber auch unterwegs als Handheld, das war wirklich eine wegweisende Idee, auch wenn das direkt keine großen Folgen und keine Auswirkungen auf den Markt hatte.

Henner Also Sega hat da jetzt nicht wirklich einen Trend gesetzt, dem Nintendo 22 Jahre hinterher hechelte. Das nicht, aber trotzdem war der Gedanke dahinter, bewusst oder unbewusst, das Konzept schon praktisch revolutionär. Also wir reden hier von 22 Jahren, die zwischen dem Nomad und der Switch liegen. Das muss man anerkennen, denke ich.

Fabian Ja, und teilweise hat die Nintendo Switch hier und da ja auch die gleichen Probleme. Wir haben ja da auch Spiele drauf, die dafür portiert werden, die ursprünglich von den anderen Konsolen kommen und nicht unbedingt dafür gemacht sind, auf einem Handheld gespielt zu werden. Dann hast du auch kleine Schriften oder kannst Sachen nicht richtig lesen, wenn du die Switch im Handheld-Modus benutzt. Also davon ist die Konsole nicht frei.

Fabian Aber sie hat natürlich ansonsten andere Parameter dann besser getroffen. Also heutzutage halten die Akkus länger bei solchen Geräten. Du hast Nintendo-Exclusives darauf, während die Nomad halt nie exklusive Spiele bekommen hat. Das sind alles Faktoren, die eben dazu beitragen, dass die Rahmenbedingungen für sowas auch stimmen müssen.

Fabian Also ich finde der Nomad, ich habe jetzt glaube ich diverse Male auch die und der Nomad gesagt, bin jetzt komplett irritiert, ob es nicht vielleicht auch das Nomad heißt. Was sagst du, Henne?

Henner Weiß ich auch nicht mehr. Bestimmt habe ich auch alle drei Varianten benutzt.

Fabian Ich finde es auf jeden Fall schön, dass es dieses Gerät gab und finde, dass es eine coole Idee war. Es war nur zur falschen Zeit da und das hat dem Gerät dann leider das Genick gebrochen.

Henner Ja, leider. Aber ich hatte großes Vergnügen mit diesem Gerät, auch mit der Vorbereitung auf diese Folge und mit diesem Gespräch mit dir über dieses kuriose Mega Drive. Vielleicht sprechen wir ja eines Tages noch über eine andere Megadrive-Variante. Sega hat da ja einige rausgebracht. Oder über noch ein Megadrive-Add-on wie das 32X, das auf jeden Fall nochmal eine eigene Folge verdient.

Fabian Da bin ich gespannt, wie wir das Spiele-Line-Up im Vergleich zum Sega CD bewerten werden. Ich glaube, es wird beim 32X noch ein bisschen kniffliger, da viele gute Spiele zu finden. Aber da lassen wir uns von überraschen. Ich sage auch vielen Dank dir, Henna, für dieses schöne Gespräch. Vielen Dank euch da draußen wie immer fürs Zuhören. und wir hören uns spätestens wieder bei der nächsten Folge SFT Bits, wo ich mir sicher bin, dass wir auch wieder ein sehr, sehr schönes Thema finden werden.

Henner Ja, da bin ich auch sicher. Irgendwas würde ich im Keller wieder aufstöbern. Ich freue mich drauf. Bis dahin.

Fabian Tschüss.

Henner Tschüss.

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