Swisslectures· Staffel 2· Folge 1

Sucht verstehen: Warum Einsicht allein nicht heilt | Dr. med. Pauchard (Lecture)

Mittwoch, 7. Oktober 2026 · 28 min

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Shownotes

Dr. med. Esther Pauchard ist Psychiaterin und hat über 18 Jahre in der Suchtpsychiatrie gearbeitet, stationär und ambulant. Ihr Schwerpunkt lag zunächst bei Alkohol und Beruhigungsmedikamenten, später vor allem bei illegalen Substanzen wie Heroin und Kokain sowie bei Mehrfachabhängigkeiten.In diesem Beitrag erklärt sie, was Sucht aus medizinischer Sicht überhaupt ist und warum die trockenen Diagnosekriterien allein wenig darüber verraten, wie Abhängigkeit im Alltag funktioniert. Anhand von drei anschaulichen Modellen zeigt sie, was im Gehirn passiert: das Gleichgewicht der Neurotransmitter, das erklärt, warum ein Entzug am Tag null noch längst nicht vorbei ist; das Bild vom Trampelpfad im Wald, das zeigt, warum Sucht auch eine tief eingeschliffene Gewohnheit ist; und das Belohnungssystem, das nicht durch Genuss, sondern durch Sehnsucht angetrieben wird und von Suchtmitteln regelrecht in Geiselhaft genommen werden kann.Ein zentraler Gedanke: Viele Betroffene glauben, die Sucht verschwinde, sobald sie deren Ursache verstanden haben. Warum das ein Irrtum ist und warum eine Abhängigkeit, einmal etabliert, ein Eigenleben entwickelt, ist eine der Kernaussagen dieses Beitrags.Sie gibt zudem einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten, vom medikamentös begleiteten Entzug über die Substitution, bei der die Schweiz eine Vorreiterrolle einnimmt, bis zu psychotherapeutischen Zielen wie Abstinenz, kontrolliertem Konsum und Schadensminderung. Dabei spricht sie offen darüber, welche Haltung es im Umgang mit Suchtkranken aus ihrer Sicht braucht: Sucht ernst nehmen als Krankheit, ohne Betroffenen jede Eigenverantwortung abzusprechen.Zum Schluss geht es um Prävention, Risikofaktoren und neue synthetische Substanzen sowie um eine Form der Abhängigkeit, die uns alle betrifft: das Smartphone und digitale Medien, besonders bei Kindern und Jugendlichen.Dieser Beitrag dient der Einordnung von Praxiswissen aus der Suchtmedizin und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung. Bei Suchtproblemen empfehlen wir, sich an eine Fachperson oder eine Suchtberatungsstelle zu wenden.Viel Freude mit der Folge!Gastvorschläge für zukünftige Swisslectures-Podcasts gerne in die Kommentare oder an info@swisslectures.ch

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Viele Leute haben so das Gefühl, hey, wenn ich nur den Grund für meine Sucht begreife, wenn ich es begriffen habe, dann ist es wieder weg und wieder gut und das ist leider ein Irrtum. Es gibt auch Verhaltensabhängigkeiten, Spielsucht und Kaufsucht und Sexsucht und online Abhängigkeit und da haben wir ein Suchtmittel, das ist das hier das Thema meines heutigen Beitrages ist sucht, das heißt Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen, das ist.

So mein heimthema ich habe über 18 Jahre lang in diesem Bereich in der Psychiatrie gearbeitet, zu Beginn im Bereich Alkohol und Beruhigungsmedikamente, später dann aber vor allem auch illegale Substanzen, Heroin, Kokain und Polytoxikomanien, also die Abhängigkeit von diversen Substanzen sowohl im stationären wie im ambulanten Rahmen.

Das ist so ein bisschen mein Hintergrund, wenn wir mal schauen, was. Ist sucht überhaupt, dann können wir mal die trockene ICD 10, also die, die die Diagnosekriterien des Klassifikationssystems, mit dem Wir arbeiten, hervorholen und dort lesen wir dann sucht. Das ist, wenn man einen übermächtigen Drang, fast einen Zwang hat, eine Substanz zu konsumieren.

Oder dass es einen Kontrollverlust gibt. Das heißt, dass die Patientinnen und Patienten nicht mehr die Wahl haben, nicht mehr nach freiem Willen entscheiden können. Will ich konsumieren oder nicht, sondern das sind höhere Kräfte am tun, es gehört auch der körperliche Entzug dazu, bei vielen Substanzen, nicht bei allen. Also wenn ich konsumiere und konsumiere und dann abrupt abbreche, dann macht das was mit mir, es gibt entzugssymptome. Es gehört auch die Toleranz dazu und damit ist jetzt hier nicht die erstrebenswerte Charaktereigenschaft gemeint, sondern ein ein Effekt, der nichts anderes bedeutet, als auch wenn ich immer mehr und mehr und mehr Substanzen nehme, habe ich nur habe ich nicht mehr

Wirkung, das heißt um die gleiche Wirkung zu erzielen, brauche ich immer höhere und höhere Dosis, das ist diese Toleranzentwicklung. Dann gehört auch noch dazu, dass ich andere wichtige Dinge in meinem Leben mehr und mehr vernachlässige und dass ich immer weiter konsumiere, egal welche Schäden ich mittlerweile verzeichne.

Das sind Sie, diese Diagnosekriterien jetzt, das sagt uns noch nicht wahnsinnig viel, das ist etwas spröde und trocken, und deshalb arbeite ich gerne, gerade wenn ich mit Patienten zusammenarbeite, mit Modellen, mit Bildern, die ein bisschen anschaulicher erklären, wie sucht funktioniert. Zum Beispiel das Modell des Neurotransmittergleichgewichts.

Es ist ja manchmal erstaunlich, wenn wenn ich einen Menschen gegenüber habe, der regelmäßig viel Alkohol konsumiert, dann kann es sein, dass ich mit dem ganz normal spreche und dann irgendwann mache ich einen Alkohol, Atemtest und merke, Hey, der hat 3 Promille Alkohol, also es ist ein Wert, der würde einen normalen Menschen fast umhauen.

Und trotzdem sitzt dieser Mensch mir gegenüber und spricht ziemlich normal mit mir jetzt. Das hängt damit zusammen, dass wir uns an sowas gewöhnen können und das wiederum hat mit diesem Neurotransmitter Gleichgewicht zu tun. Wir haben sehr vereinfacht in unserem Gehirn. Botenstoffe, Neurotransmitter, die am Werk sind und auf der einen Seite, das kann man sich wie ein Mobile vorstellen, haben wir aktivierende, anregende, handlungsvermittelnde Neurotransmitter, und auf der anderen Seite dämpfende Neurotransmitter, die runterfahren.

Das ist ein Gleichgewicht jetzt, wenn ich als Patient mit einer Suchterkrankung permanent mir von außen dämpfende Mittel zuführe. Dann kommt er, das eigentlich in ein Ungleichgewicht und das merkt der Körper. Und der rüstet nach und der sagt, AH, OK, jetzt muss ich mehr körpereigene aktivierende Neurotransmitter produzieren, dann komm ich wieder ins Gleichgewicht, obwohl da von außen immer mehr dämpfende Substanz dazu kommt, und so kommt es dann zu diesen Gewöhnungseffekten jetzt, warum ist das wichtig? Wenn ich dann einen Patienten in die Klinik schicke und der Macht einen Entzug, der nimmt also diese Substanz, die er sich sonst immer zugefügt hat, relativ schnell weg, dann kommt das plötzlich relativ schnell zu

einem Ungleichgewicht. Also wenn ich jetzt zum Beispiel lange Alkohol getrunken habe und dann in einer oder 2. Woche das entziehe. Dann habe ich plötzlich in meinem Hirn zu viele aktivierende Neurotransmitter. Das heißt, ich bin nervös, ich bin aufgekratzt, ich kann nicht schlafen, ich habe vielleicht Angst, ich bin gestresst, mein Körper reagiert und das sind die Entzugssymptome, das sind die, die man merkt und wichtig ist dort auch zu merken, bis der Körper das wieder merkt und Gegenreguliert das dauert Wochen. Das ist auch wichtig, denn man muss den Patienten erklären. Schauen Sie an dem Tag, in dem sie, an dem sie mit dem Entzug auf Dosis 0 sind, ist der Entzug noch nicht vorbei, sondern dann sind wir so, wir stehen schräg

in der Landschaft und dann dauert es noch ein paar Wochen, bis das dann wieder auf normal und Gleichgewicht gestellt ist. Und diese Zeit, da muss man aufpassen, denn da ist die Rückfallgefahr sehr hoch, das ist so ein Modell. Das hilft. Und ein anderes Modell ist auch, dass man so nicht nur als Krankheit versteht, sondern auch als Gewohnheit. Das ist, sie müssen sich das so vorstellen, wenn wir sagen, unsere gesamte Hirnaktivität, das ist quasi wie ein wie ein großer Wald mit ganz viel dichtem Unterholz, und wenn ich dort in diesem Wald, in diesem Unterholz einen neuronalen Pfad immer wieder gehe.

Dann können Sie sich vorstellen, da wird mit der Zeit quasi ein ein Trampelpfad freigetrampelt. Und je häufiger ich den nehme, desto breiter und etablierter ist dieser Pfad. Und wenn ich über Jahre konsumiere, dann ist mein Suchttrampelpfad ein ausgearbeiteter, etablierter Weg. Jetzt, wenn ich mich entschließe, nein, ich will das anders machen, ich will nicht mehr konsumieren. Dann leg ich einen neuen Pfad und sie können sich jetzt vorstellen, wie häufig ich diesen neuen Pfad durchs Unterholz gehen muss, bis das auch nur annähernd so breit und etabliert rauskommt wie der Suchtrampelpfad. Das sind hunderte male, tausende Male. Und viele Leute haben so das Gefühl, hey, wenn ich nur den Grund für meine Sucht begreife

oder oder, oder oder quasi begreife, warum ich hier zu den Mitteln greife, welches welche Probleme ich zudecke, wenn ich es begriffen habe, dann ist es wieder weg und wieder gut und das ist leider ein Irrtum, denn. Auch wenn zum Beispiel eine andere Störung wie eine Depression eine Ursache sein kann für eine Suchterkrankung. Sobald die da ist und sich etabliert hat, entwickelt die ein Eigenleben.

Ich sage gerne, wie wie Löwenzahn im Garten, wenn man den mal hat, dann muss man regelmäßig jeden um ihn wegzukriegen, egal woher der gekommen ist. Und etwas gemein ist halt auch das mit der Zeit. Also wenn wenn ich jetzt quasi einen neuen Pfad etabliert habe und der alte ist immer noch da, der überwuchert sehr langsam, dann stellen sie sich vor, plötzlich taucht ein Wildschwein hinter mir auf und ich komme in den Stress, ja welchen Weg nehme ich wahrscheinlich den Altvertrauten, den Bekannten und das ist der Rückfall, das kann passieren, dass ich dann rückfällig werde. Und das dritte Modell, das ich gerne vermittle, bei dem geht es ums Belohnungs, ums Anreizsystem. Das wurde mir einmal in in

meinen jungen Jahren vermittelt. Von Peter Schlebusch, einen deutschen Psychologen, der hat das sehr gut erklärt, das haben wir ja so n bisschen im Ohr mit diesem Belohnungssystem bei sucht, dass das irgendwie mit Dopamin dopaminärgen Belohnungssystem zu tun hat und viele gerade. Langjährige Suchtkranke sagen ja, aber es macht schon lange keinen Spaß mehr. Es ist schon lange keine Belohnung mehr. Am Anfang war das toll, etwas konsumieren, das wird ein Yeah. Aber jetzt jetzt komm ich mit viel Mühe vielleicht noch auf die 0.

Linie und ich kämpfe und und es geht mir nicht gut, hat nichts mit Belohnung zu tun. Gemein ist, dass dieses Belohnungssystem, das wird eben nicht. Quasi getriggert durch die Belohnung, durch die Sättigung, durch die Erkenntnis, ah, das funktioniert, sondern durch die Sehnsucht auf Berndeutsch, würden wir sagen, vom vom Glust, also ich stehe quasi an der Pommesbude oder an der Eiscremebude, und ich freue mich, wenn ich es dann krieg.

Das ist ein ganz anderes Gefühl, diese Sehnsucht, dieses nicht abwarten können. Als dann, ah, jetzt habe ich den Bauch voll, das sind dann andere neuronale Netzwerke, und das Belohnungssystem funktioniert über diese Sehnsucht und diese Sehnsucht, wenn die einmal quasi etabliert wurde, wenn ich einmal das Gefühl habe, Hey, wow, das funktioniert super, das stillt meine Sehnsucht, dann wird es gespeichert in meinem Bedürfnissystem. Und ist dann quasi löschungsresistenz. Egal was für Erfahrungen ich in der in der Zukunft noch mache und gemein ist das Suchtmittel psychoaktive Substanzen, die nehmen das eigentlich ganz gesunde Bedürfnis und Anreizsystem in Geiselhaft, denn die sind einfach stärker als normale gesunde Reize, wenn.

Etwas Normales, was mir gut tut, ein gutes Essen, ein Kontakt, eine eine Aktivität. Wenn ich das als Wert 1 nehmen würde, dann ist Alkohol schon doppelt so stark und bei Kokain, ich habe diese Zahl mal gehört, sagt, man sei 34 mal so stark wie ein normaler Reiz, da können Sie sich vorstellen, wenn man das mal erlebt hat, dann ist das wie bei Google, die ersten 1000 anzeigen sind dann Kokain, Kokain, Kokain und das macht es schwierig, also wir merken. Das ist, es ist ein ernstzunehmender Gegner, diese diese sucht.

Das ist nicht so einfach mit der umzugehen. Jetzt ist die Frage, wie was kann man tun medizinisch, wir können einerseits mit Medikamenten behandeln, das heißt zum Beispiel im Entzug, ich hab das schon erwähnt, jetzt Entzug, das heißt, dass ich ein ein Entzugsgeschehen nicht einfach ablaufen lasse, sondern dass ich das medikamentös Stütze. Das kann ich durch allgemeine Beruhigende, zum Beispiel Reserve Medikation machen, aber auch durch spezifische Substanzen, zum Beispiel beim Opioidenzug gebe ich Opioide. Jetzt gibt es interessanterweise Substanzen, bei denen braucht es keine spezifischen Substanzen, Kokain zum Beispiel oder Cannabis oder Amphetamin, die kann man beherzt zu 0 absetzen und das gibt schon ein bisschen

psychische Symptome, aber körperlich passieren nicht viel. Es hat dann andere Aspekte, die wichtig sind. Aber der Entzug ist nicht mal so das Problem. Dann gibt es andere Substanzen, die Opioide wie Heroin zum Beispiel oder viele Schmerzmittel, da kann man ohne spezifische Medikamente den Entzug machen, aber es ist nicht lustig, es gibt dort schon starke körperliche Symptome, die die sind unangenehm, das vermeidet man lieber, und dann gibt es noch entzugsgeschehen. Bei denen ist es besser, wenn man es wirklich nicht ohne spezifische Medikation macht.

Spezifisch Alkohol und Beruhigungsmedikamente Benzodiazepine, wenn man das einfach so ein eigener Regie entziehen möchte, dann kann es problematisch werden, weil es gibt 2 Komplikationen, die gefährlich sind, einerseits die Epilepsie entzugsepilepsien. Ich kann an Krampfanfälle kriegen und zweitens das Delir. Das ist eine schwerwiegende organische Psychoerkrankung, die im Entzug auftreten kann und sehr gefährlich ist. Mit einer Sterblichkeit von 10%, also so viel zum Entzug und deshalb gerade bei Alkohol und Benzodiazepinen ist es auch besser, manchmal diese entzüge Entzüge stationär zu machen, in der Klinik, gerade wenn es um hohe Dosen und Kombinationen geht.

Dann haben wir die Substitution. Substitution heißt, dass ich nicht im in in der Absicht zu entziehen, sondern zu stabilisieren einem Patienten medizinisch reines Präparat Hinzugebe, um seine Sucht zu stabilisieren, und das funktioniert besonders gut bei den Opioiden Heroin und Konsorten, da haben wir gerade in der Schweiz ein sehr breit etabliertes. Angebot Wir haben dort eine Vorreiterrolle, wir haben auch unterschiedliche Substanzen, das funktioniert recht gut und das ist auch wirklich etabliert.

Haben wir eine klare Indikation als Ärzte, dass wir das machen können bei anderen Substanzen, ist es schwieriger, Benzodiazepine Beruhigungsmedikamente versucht man das manchmal, aber mehr so improvisiert Off Label, sagen wir, funktioniert nicht so gut, weil bei den Benzodiazepinen. Meiner Erfahrung nach die Toleranzentwicklung.

Viel höher ist. Das heißt es braucht immer höhere Dosen und und es das quasi der der Himmel ist die Grenze da ist die Stabilisierung, die Stabilisierung schwierig und schlussendlich haben wir Kokain, da ist es ganz schwierig bis fast unmöglich, denn der Witz an der Substitution, das ist die Stabilisierung, quasi das anhaltende. Aber Kokain ist auch.

Es gibt einen Tick und dann kommt man wieder runter und das kann man kaum abbilden. Dort haben wir ein Problem, also kurz gesagt Opioide gute Angebote mit den Medikamenten in der Substitution, andere Substanzen problematisch bis sehr schwierig, das ist jetzt mal das medikamentöse Psychotherapeutisch, da haben wir natürlich mehr Möglichkeiten, wir können uns schon Gedanken machen, ja was ist denn überhaupt das Therapieziel unserer Patienten, früher war klar. Nur Abstinenz, hundertprozentige Abstinenz, also ganz, ganz den Konsum sein lassen.

Alles andere gibt es nicht. Heute ist man weicher geworden und hat gemerkt, viele Wege führen nach Rom, man kann auch über eine Teilabstinenz reden, also ich entziehe die eine Substanz, die andere bleibt noch drin, dann ist ein wichtiges Konzept der kontrollierte Konsum, und das Wünschen sich viele Patienten. Oh, wenn ich.

Nur normal Alkohol konsumieren könnte wie die anderen auch n gutes Glas Wein beim Essen. Das Problem, Sie erinnern sich vielleicht eines der Diagnosekriterien versucht ist der Kontrollverlust. Deshalb ist die Herstellung einer einer Kontrolle extrem schwierig, wenn man mal süchtig geworden ist. Es gibt Konzepte, die das zum Ziel haben, aber die sind kompliziert.

Das sind häufig so Gruppenangebote, da sitzt man einmal in der Woche zusammen, man macht Tagebücher, wann werde ich wieviel trinken, wann habe ich frei trinkfreie Tage, dann dokumentiert man, wann ist was geschehen, was hat geklappt, das ist recht aufwendig, und dann winken viele Leute ab und sagen, Nein, nein, ich habe nicht das gemeint, ich habe einfach normales konsumieren gemeint, das ist schwierig.

Und dann muss man noch unterscheiden zum Konsumieren und Kontrolle. Wenn ich als Patient in der Klinik bin und immer, wenn ich aus dem Ausgang zurückkomme, einen Alkoholatentest oder eine Urinprobe abgeben muss, dann kann es sein, dass wenn ich am Samstag in Urlaub gehe, weiß ich, heute Abend kann ich was trinken, dann zeigt es am Sonntagabend nicht mehr an und das klappt manchmal.

Und viele Leute machen dann den Denkfehler, dass sie finden, ah, ich kann hier kontrollieren. Aber das ist ein Irrtum, denn wenn diese externe Kontrolle wegfällt, diese Urinprobe, dann wird schwierig. Die interne Kontrolle ist schwieriger zu gewährleisten, aber man kann den Effekt nutzen und sagen okay, ich fühle mich nicht sicher, also gehe ich regelmäßig zum Hausarzt und mache Alkoholat und Tests, das kann helfen und dann gibt es noch Konzepte, die gehen weiter.

Moderate Use da geht es darum, einen moderaten Konsum anzustreben. Nicht alles oder nichts, sondern einen Mittelweg zu finden oder wenn wirklich jemand lang krank ist. Harm reduction schadensminderung, da geht es dann nicht mehr ums Heilen und ums wegmachen, sondern wie schaffen wir es, dass dieser Mensch irgendwo Autonomie und würde bewahren kann und das für den Menschen und die Umgebung der Schaden minimiert wird.

Etwas ganz Wichtiges in der Psychotherapie ist die, die quasi die Motivation und Veränderungsprozesse. Das ist so ein wichtiges Thema, das kopple ich aus, das kommt in einer in einem nächsten Beitrag, da sage ich dann etwas dazu. Grundsätzlich kann man zur Psychotherapie aber einfach noch sagen, es ist nicht ganz einfach, Psychotherapie mit Suchtpatienten zu machen, gerade im ambulanten Rahmen, denn.

Häufig konsumieren sie und dann kommen sie nicht oder sie kommen Intoxikiert und sind irgendwie nur halb präsent. Und das macht schon mal sehr schwierig und weiter schwierig ist das ein bisschen blöd gesagt, viele Patienten, die haben ja ihre Lösung für ihre Probleme schon gefunden, das ist der Suchmittelkonsum sie möchten nur, dass man ihnen denn die Konsequenzen wegmacht, und da gibt es dann manchmal haltungsunterschiede, das muss man zuerst sehr gut ausdiskutieren, ja, das sind so ein bisschen die.

Die therapeutischen Möglichkeiten wichtig finde ich auch, dass wir uns Gedanken dazu machen. Welche Haltung haben wir denn gerade als Therapeuten, aber vielleicht auch als Angehörige gegenüber Suchtpatienten. Es hat ja viel Arbeit gekostet, deutlich zu machen, Hey, sucht ist auch eine Krankheit, das ist nicht einfach ein Charakterfehler oder fehlender Wille, sondern das ist eine Krankheit mit einem Eigenleben. Jetzt ist es aber wichtig, dass man aus dieser Erkenntnis nicht quasi ins andere extrem schwappt und sagt, Ja, Süchtige können gar nichts selbst machen, die haben keinerlei Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Das stimmt auch nicht, der Wille allein reicht nicht, aber dennoch ist Wille natürlich etwas hilfreiches und nein, man kann nicht 100% der Situation quasi beeinflussen, aber auch nicht 0. Für mich heißt das, dass ich mein Gegenüber ernst nehme. Auch ein Suchtpatient ist ein erwachsener Mensch, der etwas beitragen kann, der Ressourcen hat und der sich auch an Regeln halten kann.

Und für mich ist wichtig, zu fördern und zu fordern, also quasi von meinem Gegenüber etwas zu verlangen. Es ist für mich auch wichtig, dass ich klar bin und transparent und und verlässlich in in alle Richtungen. Also dass man sich auf mich verlassen kann. Aber auch wenn ich sage, hier ist meine Grenze und wenn die überschritten wird, dann hören wir auf und wenn es dann so weit ist, muss ich auch dort verlässlich sein.

Wichtig ist auch, dass ich Ressourcenorientiert auf diesen Menschen, der mir gegenüber sitzt, schaue, das heißt, dass ich auch ein bisschen eine Vision habe, dass ich ihm etwas zutraue und nicht denke, der ist einfach krank, der kann leider gar nichts und gerade in der Suchtmedizin braucht es. Auch ein bisschen Humor, Flexibilität und vielleicht, ich könnte auch sagen, Lebenserfahrung und Reife.

Denn häufig haben wir es mit Situationen zu tun, die Laufen nicht nach Leitlinien. Zum Beispiel habe ich Patienten, die kommen mit Medikamentendosierungen zu mir, die überschreiten alles, was gemäß der ärztlichen Kunst erlaubt wäre, aber ich muss irgendwas mit dem machen oder meine Patienten machen halt nicht das, was ich für richtig halte, und ich muss irgendeinen Weg finden.

Also so das Manövrieren auch durch Grauzonen gehört eben auch dazu. Und wichtig für mich ist auch, mir immer zu überlegen, Hey, wo bin ich einfach nur bequem und biete eine Dienstleistung und wo nutze ich den Patienten wirklich und das heißt eben auch manchmal Grenzen zu setzen und Nein zu sagen, man muss sich schon Bewusstsein eben so, das ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, das kann man nicht mit einem Fingerschnitten wieder wegmachen und deshalb lohnt es sich, dass Wirklich zu überlegen, Hey, wie können wir vorbeugen, denn die Geister, die ich rief, wenn man sie mal hat, dann kriegt man sie nicht mehr los.

Hier lohnt sich ja die Frage, was wie, wie kommt es überhaupt zu Suchterkrankungen, welche Risikofaktoren tragen da dazu bei und da könnte man als Erstes nennen schon mal die Erblichkeit, also wenn meine Eltern süchtig waren, hab ich ein höheres Risiko selber auch süchtig zu werden, einerseits wegen der Genetik, Biologie. Aber auch wegen dem Modelllernen, weil ich quasi sehe, was die machen und und und das vielleicht nachahme und dann ist auch die Frage, wie sind denn diese Suchtmittel überhaupt verfügbar bei uns zu Hause oder in der Gesellschaft. Mein Mann hat kürzlich wirklich sein Gesundheitsbewusstsein extrem verbessert und früher hatte ab und zu gerne mal ein Glas Wein getrunken.

Heute macht er das fast nie mehr und er hat sich überlegt, hey, wie bringe ich meine Kundenaustauschpartner dazu, dass die mir zu Weihnachten nicht immer flaschenweise Wein schenken, das ist so etabliert, da muss man sich schon fast erklären, wenn man nicht Alkohol konsumiert, mit Heroin passiert das relativ selten, also das ist auch wichtig, wie ist eine Substanz verfügbar? Und dann natürlich, wenn Belastungen dazu kommen, Traumas, stressoren, dann macht das was aus und die Gefahr ist höher.

Aber es kommt auch darauf an, wie stehe ich als Mensch denn schon vorab da, psychisch, körperlich, was habe ich für eine Ausrüstung, bringe ich vielleicht schon Krankheiten mit und was habe ich für eine Einstellung, für eine Haltung dem Leben gegenüber. Habe ich zum Beispiel ein externalisierendes Weltbild, bei dem ich ohnehin davon ausgehe, ich kann hier nichts machen, andere müssen das für mich erledigen, dann ist natürlich das Risiko, dass ich süchtig werde, höher und wir merken nicht, alle diese Aspekte können wir kontrollieren, unsere Genetik zum Beispiel, die liegt nicht in unserer Hand, oder ob von außen stressoren kommen, kann ich häufig nichts machen. Aber gerade in unserer

Einstellung, unserer Haltung, da können wir einiges rausholen, solange wir davon ausgehen, dass das Leben immer hundertprozentig richtig und sicher sein muss und bequem und dass wir alles unangenehme vermeiden können und und Unangenehmes auch delegieren können, dann ist das Risiko hoch, dass wenn was daher kommt, dass ich irgendwo außen Nachhilfe suche und greife, das kann dann eben ein Suchtmittel sein.

Wenn ich früh lerne, mich selbst zu regulieren, eigene Werkzeuge zu entwickeln und wenn ich dann Wege finde und mich darin übe, selbst und miteinander mit schwierigen Lebensumständen fertig zu werden, dann habe ich eine bessere Chance, dass ich nicht süchtig werde. Das ist einfach schon zu beachten während den Anfängen, oder vorbeugen ist besser als heilen, man muss ja immer auch schon ein bisschen drauf schauen, ja, was was passiert an neuen Süchten, neuen Suchtmitteln. Da ist immer mal wieder Neues, was auftaucht auf dem Drogenmarkt.

Ich hab mir sagen lassen, dass aktuell ganz viele synthetische Substanzen auf den Markt kommen, synthetische Opioide, Cannabinoide, Catinone, Catinone, verwandt mit Amphetamin und Kokain, und das ist ein Riesenproblem, weil diese synthetischen Substanzen häufig viel, viel Hochpotenter noch sind als die natürlichen und die Konsumenten im Alltag gar nicht wissen, was sie da kriegen, das kann sehr gefährlich sein. Also dort muss man ein Auge drauf haben und immer wieder wach bleiben und neue Konzepte haben. Und eben wenn wenn es um sie um mich geht, Finger davon nicht ausprobieren.

Manchmal reicht einmal ausprobieren und dann ist diese Substanz auf unserer Bedürfnispyramide und es ist schwer zu löschen, aber manchmal lohnt es sich auch ein bisschen nicht nur in die Ferne nach den neuen exotischen Substanzen zu schauen, sondern auch in die Nähe. Es gibt ja nicht nur Abhängigkeiten von psychoaktiven Substanzen, sondern es gibt auch Verhaltensabhängigkeiten, Spielsucht und Kaufsucht und Sexsucht und online Abhängigkeit. Und da haben wir ein Suchtmittel, das ist das hier an Smartphone, die digitale Medien, das ist nicht zu unterschätzen. Meine Erfahrung hat gezeigt, gerade in der Behandlung von Online Abhängigkeiten, Online Games, aber eben auch im Zusammenhang mit diesen Geräten.

Da ist die Behandlung häufig noch fast schwieriger als bei den substanzspezifischen Abhängigkeiten. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass bei den Substanzen, die die hängen, den Konsumenten dann irgendwann manchmal zum Hals raus und dann finden sie, hey, ich habe es so satt, ich mag es nie mehr anrühren an Anfassen, aber bei diesen Geräten oder bei den Programmen bei den Games ist es häufig so, dass dass das nach wie vor als etwas sehr Positives als mir nahes und wichtigste erlebt wird und dass das eigentlich nur die Konsequenzen mich stören, also die Nähe zum Suchtmittel ist sehr hoch, jetzt finden Sie vielleicht was erzählt die alte da, die übertreibt, doch nehmen sie sich mal eine Viertelstunde Zeit, setzen sie sich bei der in Stoß

verkehrszeiten irgendwo am Bahnhof in ein café und beobachten sie, beobachten sie die Leute. Wie viele der Passanten haben eine Bierdose in der Hand, trinken Alkohol, schwanken und Einfluss von Substanzen? Und wie viele sehen Sie, die so durchs Leben gehen, die, die ganz, ganz absorbiert sind, die aufs Gerät schauen, wenn sie miteinander reden, wenn sie Fahrrad fahren, wenn sie das Kind dabei haben? Sie verstehen, was ich meine, das sind Designerdrogen, die sind eigens konzipiert, um uns festzuhalten am Gerät, am Programm.

Und das fordert uns. Es fordert schon uns als Erwachsene. Hey, wie gehe ich mit dem um, wie schaffe ich es nicht, dass ich nicht dauernd nach diesem Gerät greife, dass das nicht meine ganze Aufmerksamkeit absorbiert. Besonders problematisch wird es bei jungen Gehirnen, bei jungen Menschen, Kindern und Jugendlichen, und wenn wir dort das Paradigma akzeptieren, dass das Designerdrogen und Suchtmick sind, bei allem Guten, was sie haben, ich will es nicht verteufeln, ich mag mein Smartphone auch. Aber wenn wir das akzeptieren, dann müssen wir ernsthaft über Konzepte wie Schutzhalter Regeln, Grenzen zu reden beginnen.

Da ist ja langsam etwas am tun. Langsam merkt man, oh, mit 9 Jahren das Smartphone in die Hand drückt, drücken, Entschuldigung, das ist keine gute Idee, aber wieso? Häufig dauert es bis die Politik hinterher kommt und das freut mich zu merken, dass es. Private gibt, die dort sich engagieren. Ich denke jetzt da in der Schweiz an den Verein Smartphone freie Kindheit, das wurde von besorgten engagierten Eltern quasi aufgebaut, das ist die Möglichkeit, dass Eltern sich zusammenschließen können, einander den Rücken stärken können, miteinander abmachen, hey, wir geben unseren Kindern erst ab 14 ein ein Smartphone und diese und diese Programme erst später.

Es gelingt einfach besser, wenn man sich vernetzt und nicht alleine dasteht. Und was ich auch toll finde an solchen Initiativen ist, wenn man sich nicht damit bescheidet zu sagen, ja, die Politik muss jetzt endlich mal die sollte, sondern sich überlegt, was können wir selbst. Und deshalb habe ich so Freude an dem Verein, der haben Eltern wirklich das Zettel in die Hand genommen und etwas ausprobiert.

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