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SWR Kultur lesenswert - Literatur

Friedenspreis für Philippe Sands: Was in seiner Rede wichtig war

Sonntag, 11. Oktober 2026 · 7 min

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Shownotes

Feierliche Stimmung in der Frankfurter Paulskirche

„Mit seiner Rede hat Philippe Sands zur feierlichen Stimmung beigetragen,“ beschreibt SWR Kultur Literaturredakteur Christoph Schröder die Atmosphäre in der Paulskirche.
Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht 2026 an den Völkerrechtler und Menschenrechtsanwalt Philippe Sands, in Frankfurt wurde dieser heute überreicht. Die Dankesrede Philippe Sands‘ stand unter dem Titel „Der Albatros des Schweigens“.
„Unser Schweigen war ein deutsches Schweigen“

Christoph Schröder saß im Publikum. Ihm fiel auf: Das Schweigen spielte eine besondere Rolle in Sands Ansprache. So führte der Preisträger in seiner eigenen Familiengeschichte aus:
„Unser Schweigen war ein deutsches Schweigen, geboren aus Schrecknissen, die meinen Großeltern und meiner Mutter widerfuhren. Die Konsequenz war: nichts Deutsches im Haus. Nun ja, nicht ganz: […] Ich habe noch heute eine Schwäche für Schnitzel und Strudel“.
Eine Art Comic Relief in einer nachdenklichen Rede, in der Sands seine deutschen Freunde im Publikum begrüßte – unter anderem Niklas Frank, Sohn des NS-Kriegsverbrechers Hans Frank.
Literarischer Anspruch und historische Präzision

„Das genaue Hinsehen macht ihn aus“, meint Schröder über den Preisträger.
Die Laudatio auf den britischen Juristen hielt die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Mirjam Zadoff, auch sie lobt diesen Aspekt seiner Arbeit: „Wir ehren einen Geschichtenerzähler, dessen Bücher hohen literarischen Anspruch mit historischer Präzision verbinden.“
Ein schwaches Ende

Tosenden Applaus erntete Philippe Sands für seine Betonung nach der Wichtigkeit, die Ukraine in ihrem Kampf während des russischen Angriffskriegs zu unterstützen. Dort würden die Prinzipien des Völkerrechts, die der Nürnberger Prozesse, verhandelt:
„Jetzt ist die Zeit, für sie einzutreten, nicht zu schweigen; Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen, unsere Prinzipien hochzuhalten, auf sie zu bauen. Zeit, um zu widerstehen, nicht um zu verzagen, denn für das Rechtsstaatsprinzip braucht man einen langen Atem.“
Die präzise Argumentation ließe jedoch zum Ende von Sands Rede nach, meint Christoph Schröder.
„Zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland ist das deutsche Schweigen bis heute laut“, so Sands. „Mir ist auch bekannt, dass einige deutsche Führungspersönlichkeiten in ihrer Kritik an den Handlungen Israels allmählich schärfere Töne anschlagen. Das ist richtig, auch wenn es noch sehr zögerlich und verhalten geschieht,“ betonte der 65-Jährige.
„Da wurde es sehr aktivistisch und der Applaus spärlicher, weil ihm die Präzision verloren gegangen ist,“ findet Christoph Schröder.
Trotzdem ist er sicher: „Er ist ein würdiger Preisträger!“
Der Friedenspreis

Seit 1950 vergibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem Albert Schweitzer, Astrid Lindgren, Václav Havel, Jürgen Habermas, Susan Sontag, Navid Kermani, Margaret Atwood, Serhij Zhadan, Salman Rushdie, Anne Applebaum und im vergangenen Jahr Karl Schlögel (swr.de/kultur/literatur/historiker-karl-schloe…). Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

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