
Tatort Niedersachsen - der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung· Folge 90
Tatort Niedersachen: ABC des Todes – Blick in die Täterpsyche – Profiler Carsten Schütte (Teil 1)
Mittwoch, 26. November 2025 · 52 min
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Shownotes
Das „ABC des Todes“ ist eine Frage-und-Antwort-Debatte entlang der Buchstaben des Alphabets. Im Gespräch mit Polizei- und Gerichtsreporter Hendrik Rasehorn erklärt Schütte die moderne Arbeitsweise der OFA. Er berichtet außerdem spannende Hintergründe aus den Ermittlungen zu herausragenden Kriminalfälle in seiner Dienstzeit, bei denen sein Team die Arbeit von Polizei und Justiz entscheidend unterstützen konnte.
Schon vor seiner Pensionierung begann Schütte eine zweite Karriere als Autor. In seinem aktuellen Roman „Eiskalt – Wenn Kinder morden“ (2024) greift er das sensible Thema „Wenn Kinder zu Mördern werden“ auf. Seine Erkenntnisse teilt der Fallanalytiker beim Live Crime Talk der Braunschweiger Zeitung am 22. Januar 2026 im Medienhaus in Braunschweig. Karten gibt es im Vorverkauf unter eventim.de/noapp/event/20649253/?affiliate=NDZ…. (eventim.de/noapp/event/20649253?affiliate=NDZ)
Im Rahmen von „Tatort Niedersachsen“ ist dies der siebte „ABC des Todes“. Bereits erschienen sind:
Episode 50: „Der Leichenflüsterer“ – Rechtsmediziner Klaus Püschel gibt Einblicke in außergewöhnliche Fälle und seine Arbeit im Sektionssaal.
Episode 57: „Der Mindhunter“ – Axel Petermann berichtet von Cold Cases und modernen Methoden der Fallanalyse.
Folge 62: „Der Knastarzt“ – Joe Bausch schildert das harte Leben hinter Gittern aus der Perspektive eines Gefängnismediziners.
Episode 71: „Der Mörder-Jäger“ – Jürgen Schmidt, Ex-Chef der Gifhorner Kriminalpolizei, erläutert die psychologischen Herausforderungen von Mordermittlungen.
Episode 74: „Der Profiler“ – Axel Petermann ist erneut zu Gast und spricht über die tiefere Analyse von Gewaltverbrechen.
Episode 80 und 81: „Entführerjäger und Konzernwächter“ - Dieter Langendörfer war Soko-Leiter im Fall Jan Philipp Reemtsma und Sicherheitschef von VW
Was gefällt Ihnen gut an Tatort Niedersachsen? Haben Sie Anregungen, was wir noch besser machen können oder einen Vorschlag zu einem Fall, den wir im Podcast vorstellen sollen? Oder Kritik? Schreiben Sie uns an tatort.niedersachsen@funkemedien.de
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Tatort Niedersachsen, der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Alles rund um spannende Kriminalfälle in der Region. Wir blicken gemeinsam mit unseren Redakteuren auf die Hintergründe der spektakulärsten Verbrechen zwischen Harz und Heide. Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, herzlich willkommen bei Tatort Niedersachsen, dem Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung.
Mein Name ist Hendrik Raseron und ich habe hier einen besonderen Gast in unserem Studio, auf dem ich ganz besonders freue. Schon das Vorgespräch hat sehr viel Spaß gemacht. Es handelt sich um Carsten Schütte. Schönen guten Tag. Ja, schönen guten Morgen. Ich freue mich. Herr Schütte, ich stelle Sie das mal vor, Jahrgang 1960, Kriminalhauptkommissar AD, 43 Jahre lang im Polizeidienst und davon mehr als zwei Jahrzehnte im Bereich der Tötungs- und Sexualdelikte.
1992 sind Sie zum Land Niedersachsen gewechselt als Polizeibeamter, waren dann unter anderem FK1 in der Region Hannover im Kriminaldauerdienst tätig, also den ersten Angriff sozusagen dann immer erledigt. Und 1999, das war ein besonderes Jahr in Niedersachsen, wurde dann begonnen, die operative Fallanalyse beim LKA aufzubauen.
Und da haben sie sich dann erfolgreich darauf beworben, auf eine Stelle, 2002 war das dann, haben sie dort angefangen. Ja, und danach nie was anderes gemacht. Und am Ende ihrer beruflichen Karriere sogar diese besondere Einheit geleitet für, ich weiß gar nicht, vier Jahre? Sechs Jahre. Sechs Jahre, genau. Ja, 2022 in den Ruhestand gegangen.
Schon vorher dann eine weitere Profession entdeckt. Sie sind Autor. Autor von Krimis, unter anderem der AIDA-Krimis. Ganz bekannte Reihe. Acht Bücher haben sie schon mittlerweile geschrieben. Das letzte beschäftigt sich mit einem ganz tragischen Thema, das aber auch in ihrer Arbeit in der operativen Pfananalyse immer wieder eine Rolle gespielt hat.
Es geht um das Thema, wenn Kinder morden. Da haben Sie ein Buch zugeschrieben und vor diesem Hintergrund haben wir Sie auch eingeladen zu unserer Live-Veranstaltung im Medienhaus in Braunschweig am 22. Januar beim Live-Crime-Talk. Da gibt es jetzt ab sofort die Karten, Sie sind unser Gast. Ja, wer Interesse hat, die Karten gibt es an allen bekannten V-Verkaufsstellen.
Ja, Herr Schütte, Sie sagten mal über Ihre Zeit bei der UFA, mein Alltag ist nicht der Alltag der Gesellschaft. Das lässt ja schon ein bisschen tief blicken, was Sie da erlebt haben. Wir wollen ein bisschen darüber reden. Wir wollen über Fälle reden. Wir wollen aber auch über Methoden reden. Ich will Sie aber erst mal ein bisschen warm bekommen für unser Gespräch.
Und dafür habe ich mir mal so ein paar Entweder-oder-Fragen überlegt. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen da spontan zu einfällt. Okay. Okay, Einsatz- und Streifendienst oder Kriminalpolizei? Kriminalpolizei. Warum? Ja, man gibt die Fälle nicht ab, man kann sie zu Ende bearbeiten und beim Einsatz- und Streifendienst ist es ja so, man kommt an den Tator und gibt das dann, je nachdem was es ist, an die Spezialisten ab und das ist immer schade, weil man dann nicht mehr erfährt, wie es weiter und wie es ausgeht.
Wollten Sie immer Polizist sein? Ja, ich glaube, das war so eine embryonale Fantasie. Schach oder Kampfsport? Kampfsport. Warum? Ich habe es, ich glaube, 40 Jahre lang gemacht. Was für Kampfsport? Von Jiu-Jitsu über Taekwondo. Ja, von daher. Was haben Sie für ein Grad? Blau. Irgendwann sind wir in eine Truppe gekommen beim Taekwondo.
Wir sind erst zusammengekommen, da war ich über 40. Und da ging es nicht mehr um Graduierung. Wir haben uns zweimal getroffen. Die Sportkollegen kamen aus allen möglichen Disziplinen. Und von daher haben wir uns jetzt nicht mit Pommsen, das sind so diese, beim Karate sagt man Katas, die Figuren, diese Schattenboxen, das hat uns weniger interessiert, sondern wir haben wirklich Spaß gehabt, haben uns zweimal in der Woche auf die Glocke gehauen und sind danach noch ein Trinken gegangen und das war eine tolle Sache.
Musst du ja auch mal in Ihrer Dienstzeit die Techniken anwenden? Ja, was heißt Techniken anwenden? Es ist schon, ich sag mal, förderlich, wenn man gerade im Streifendienst, wo man den Kontakt hat, da einigermaßen fit ist in dem Bereich, ja. Okay, Malerei oder Fotografie? Fotografie. Was machen Sie? Ich bin leidenschaftlicher Fotograf. Ich war fast 30 Jahre lang Hochzeitsfotograf. Glocken gar nicht.
Ja, es ist aus dem Hobby entstanden und ist eine Leidenschaft geworden, die ich dann auch wirklich professionell umgesetzt habe. Das ist ja auch ein krasser Gegensatz, sage ich mal, wenn man so zur Arbeit geht und dann wirklich mit dem Grauen der Gesellschaft konfrontiert wird. Und dann andererseits, gerade Hochzeiten, das ist ja so die schönste Zeit im Leben, die schönsten Momente, das ist schon ein krasser Gegensatz.
Jetzt ist das so ein bisschen, um auf einen Gedanken zu kommen. Ja, vielleicht ein Teil so das Bullerbüh, des Gegensatzes, mit dem ich es sonst zu tun hatte. Und ich habe ein tolles Kompliment gekriegt. Das ist ein bisschen makaber. Aber eine Kollegin, die mich dann einer Freundin empfohlen hat als Hochzeitsfotograf.
Die sagte, der fotografiert sogar die Leichen so extrem ästhetisch. Den Nimm mal. Okay. Riesling oder Primitivo? Primitivo. Sind Sie Italien-Fan? Nein, aber ich hätte mich im Sommer vielleicht sogar für Riesling entschieden. Aber jetzt in den Herbsttagen und bei Kaminfeuer ist es dann doch der Primitivum. Okay. Insel oder Meer?
Ach, mehr. Wegen Aida? Nein, nicht wegen Aida. Insel ist man halt begrenzt. Je nachdem, wie groß die Insel ist. Aber wenn ich jetzt an die Nordseeinseln denke, wo ich sicherlich auch sehr gerne bin, aber wenn man da einen Urlaub erwischt mit Schiedwetter und man ist wirklich nur auf der Insel beschränkt, bin ich doch gern am Meer und habe dann mehrere Möglichkeiten und kann ja kreativer sein. Okay.
Jetzt eine Filmfrage. M, eine Stadt sucht einen Mörder oder Adoleszenz? Was jetzt gerade dieses Jahr bei Netflix rausgekommen ist. Na gut, Adolescence ist gerade thematisch viel, viel näher dran. Von daher entscheide ich mich dafür. Und gut gemacht? Gut gemacht, ja. Real? Real. Und interessant ist ja die Reaktion, die Reaktion der Zuschauer und Zuschauerinnen und die Reaktion der englischen Regierung, die das sofort zum Anlass genommen haben, wirklich was zu tun und das schnell umzusetzen.
Und ich hoffe, da kommen wir noch drauf. Das vermisse ich hier ein bisschen. Einzelgänger oder Team? Team. Nicht ohne mein Team? Nicht ohne mein Team. Sie sind ja auch nicht, sage ich mal, das habe ich im Vorgespräch gemerkt, Sie verkaufen sich ja nicht sozusagen als den, Anführungsstrichen, Superbullen, sondern betonen ja immer, geht nicht ohne mein Team.
Und auch, was ich ganz interessant fand, sage ich mal, dass Sie auch immer betont haben, Sie sehen sich zu Ihrer Zeit, als Sie bei der UFA waren, eher als Dienstleister sozusagen. Absolut, genau. Als Dienstleister für die ermittelnden Kollegen. Das heißt, tritt man dann einen Schritt auch zurück und überlässt den Kollegen dann die Lorbeeren, Ja, es geht glaube ich gar nicht um die Lobby, sondern es geht darum, dass wir an einem Strang ziehen, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen und dass jeder so seinen Teil leistet zu einem hoffentlich, ja für uns im Nachhinein guten Ermittlungsende, nämlich einer Verurteilung eines Täters.
Bürokratie oder Freifahrt? Freifahrt. Ich glaube, das muss man nicht weiter kommentieren. Profiler oder Pfeilanalytiker? Ach, anfangs habe ich mich mal gewehrt, Profiler, aber es ist Frieden mitgeschlossen. Ich habe Frieden mitgeschlossen und jetzt in meiner medialen Welt des Autors entscheide ich mich für den Profiler. Okay.
Ja, das ist dann auch der Übergang zu unserer ersten Frage, zum ABC des Todes. Ich habe mir ja schon im Vorgespräch erklärt, worum es geht. Fragen entlang des ABCs. Zu jedem Buchstaben habe ich mir Fragen überlegt, die ich Ihnen gerne stellen möchte. Und mal schauen, wie weit wir in die Thematik kommen, wie weit wir in die Tiefe kommen, wie viel sie auch verraten können.
Darüber gesprochen, aktuelle Fälle, Fälle, wo sie auch bei den Ermittlungen tief dran beteiligt waren, dann die lassen wir mal außen vor. Aber möglicherweise kommen wir ja doch bei dem einen oder anderen Fall auf interessante Neuigkeiten, die so noch gar nicht so bekannt waren. Buchstabe A, Aufkommen.
Was muss man sich denn mal vorstellen bei einer O-Vereinheit? Was passiert denn da so pro Jahr? Hat man da täglich mit was Neuem zu tun? Hat man monatlich mit was Neuem zu tun? Was, geben Sie mal so einen Einblick in diesen Arbeitsalltag? Es gibt häufig Antworten von mir, die heißen, es kommt drauf an.
Es kommt auf den Fall an, es kommt auf die Schlagzahl an, es kommt auf die Begleitung in der Regel der Mordkommission, Sonderkommission an. Wie lange dauert die? Von daher kann man nie sagen, wir haben Summe X, was für Polizei oder für ein Beamtenapparat schon schwierig ist, weil man da ja auch in Zahlen gemessen wird. und das konnten wir nie liefern.
Es ist so, dass wir im LKA Niedersachsen ist die operative Fallanalyse, OFA, also OFA abgekürzt, Teil der Zentralstelle Gewaltdelikte. Und zu meiner Zeit, ich kann es heute nur ahnen, dass es noch weiter so ist, sitzen da alle Kollegen und Kollegen zusammen aus der Vermisstenstelle, häusliche Gewalt, Kurs, das ist ein Konzept im Umgang mit rückvergefährdeten Sexualstraftätern, sitzen zusammen und schauen sich jeden Morgen eine sogenannte Tageslage an für Tötungssexualdelikte in gesamten Niedersachsen.
Und dann schauen wir, wo wir unterstützen können mit Manpower aus der gesamten Zentralstelle und gehen proaktiv auf die Kollegen zu. Und da ergeben sich natürlich auch entsprechende Kooperationen, die jetzt nicht unbedingt für uns in einen Bereich von kompletten Fallanalysen münden müssen. Aber haben wir ein Tötungsdelikt, bieten wir unsere Arbeit an und wenn sie dann angenommen wird, und das ist in der Regel so, steigen wir schnell ein in eine aktuelle Mordkommission und unterstützen die mit einem Zeitraum, den wir nicht bestimmen können.
Wir wissen anfangs nicht, wie intensiv es wird, das können wir nicht absehen. Von daher kann es sein, dass wir pro Jahr nur einen haben oder auch mal sieben oder acht. Aber das ist schon die Grenze. Wenn Sie von dieser Morgenlage sprechen, was muss man sich denn vorstellen? Wie viel sind denn das? Auch da variieren die Zahlen. Und man muss natürlich auch schauen, was sind das für Intensitäten der Taten.
Aber das Gute ist, dass wir ein sogenanntes Vorgangsbearbeitungssystem haben und wirklich reingehen. Das heißt, wir können schon Fotos vom Tatort sehen. Wir können schon die ersten Vernehmungen mitlesen und schauen, in welcher Intention wir wirklich unterstützen können. Und da ist alles dabei. Ich nehme mal an, so dieser klassische Beziehungsmord, Trennungssituation, Mann schnappt sich Messer, greift die Frau an, Femizid, ganz tragisch.
Aber das werden ja wahrscheinlich nicht so die Fälle sein, die so das Interesse ihrer Einheit dann geweckt haben, oder? Ja, es kommt immer darauf an. Also Beziehungsdelikte per se, was ja, sagen Sie ja genau richtig, was der Großteil der Tötungsdelikte ausmacht, werden in der Regel auch relativ schnell aufgeklärt durch die Mordkommission.
Im besten Fall findet man den Täter noch mit der Tatwaffe am Tatort. Ja, natürlich. Auch das kommt vor. Oder nach Wochen, Monaten, was ja ein Zeitraum ist, mit denen, glaube ich, auch eine Mordkommission ganz gut leben kann. Interessant wird es, wenn zwischen Opfer und Täter keine andere Beziehung besteht.
Dann ist das sicherlich eine Spielwiese, wo wir ... Und was noch ein weiterer Aspekt ist, besondere Tatumstände, besonderes Täterverhalten. Und das kann natürlich auch Beziehungsdelikte mal eine große Rolle spielen oder auch Geständnisse eines Täters, die augenscheinlich nach unserer Fachlichkeit, wenn wir das begleiten, vielleicht nicht ganz richtig sind und einer Tätermotivation, einem Mordmerkmal völlig untergeht.
Und dann kann es durchaus sein, dass wir trotz eines Tätergeständnisses der Ermittlung eines Täters nochmal in Absprache mit der Mordkommission nochmal einsteigen und versuchen, da noch mehr rauszuholen. Wie ist denn das? Sie lesen die Morgenlage. Sie sehen, oh, da ist was, was uns interessieren könnte.
Wie ist denn das auf der anderen Seite bei den ermittelnden Beamten? Oh, da meldet sich jetzt die U-Vereinheit, die will uns sozusagen unterstützen. Wie sehr wird denn das angenommen? Ja, es ist so, dass wir seit 2000 eine Menge Arbeit geleistet haben. Arbeit, um unsere Arbeit transparent vorzustellen. Dass wir Vertrauen gewonnen haben, fachliches Vertrauen gewonnen. Das war ein langer Weg.
Aber wir sind zuständig in Niedersatzung für 26 Fachkommissariate für Tötungssexualentwickle. Und natürlich gibt es mal den oder die einen oder andere, die entsprechende Erfahrungen mit uns gemacht haben. Gute, vielleicht auch mal nicht gute. Es gibt neue Kolleginnen und Kollegen in diesen verantwortungsvollen Bereichen.
Und wir müssen ständig immer wieder auch auf Kooperation pochen und beweisen, das hatten wir im Vorgespräch ja schon, dass wir auf Augenhöhe fachlich einen Beitrag leisten können. Die Frage ist immer, ist es ein Mehrwert, wenn wir eingesetzt werden? Und das ist dann unsere Aufgabe, diesen Mehrwert im Erstgespräch zu begründen.
Und das Gute ist, dass wir kein Personal kosten für eine Mordkommission, sondern wir arbeiten autark parallel und unterstützen. Das heißt, wir sind jetzt auch nicht die, die den ins Handwerk pfuschen. Und ich glaube, das ist ein großer Aspekt und dass wir da vertrauensvoll zusammenarbeiten und die Kollegen im Laufe ihrer Ermittlungsarbeit auch nicht enttäuschen.
Dann kommen wir mal zum Buchstaben B. Braunschweig. Bienenroder Weg, da gab es eine Verbindung. Ja, absolut. Das heißt, es gibt sicherlich ein Lokalkolorit. Und zwar habe ich 1979 angefangen beim damaligen Bundesgrenzschutz. Ich war damals in der 10. Klasse, hatte keine Lust auf Schule mehr und habe damals zwei Bewerbungen geschrieben zur Polizei Niedersachsen und zum Bundesgrenzschutz, der aus meiner damaligen Brille auch Polizei war.
Und ja, die waren viel schneller und ich wurde eingestellt, da hatte ich noch nicht mal die Einladung zur Polizei Niedersachsen und fand mich dann in der Ausbildung. Und fand mich dann im zweiten Ausbildungsjahr in Braunschweig am Bienenroder Weg. Da war nämlich eine Kaserne, eine Unterkunft des damaligen Bundesgrenzschutzes.
Und bin da nach der Ausbildung auch hingekommen, war dort in einer Einsatzabteilung am Bienenroder Weg. Von daher verbindet mich das eine oder andere mit Braunschweig. Na schön, ich hoffe, Sie haben Braunschweig mit der Erinnerung behalten. Ja, es war ja so, dass wir es von Braunschweig an sich wenig gesehen haben, weil wir natürlich immer unterwegs waren.
Aber jeden Tag nach Braunschweig zu fahren und von Braunschweig wieder in Richtung Hannover zu fahren, war damals vor 89 ja auch ein Katzensprung auf der A2 war nicht viel los, also da gab es auch kaum Staus, das war schneller als von einem Stadtteil in anderen. So ist es, aber B habe ich auch wegen was anderem ausgesucht, nicht nur wegen...
Braunschweig und Biedenroder Weg, sondern auch wegen Banküberfall. Und da gibt es ja auch eine Verbindung. Ich habe mal bei uns im Archiv geguckt und festgestellt, dass sie 2007 in einer Bankraubserie in Braunschweig nicht ermittelt haben, aber ihre Expertise mit reingebracht haben. Es ging um eine Serie von verschiedenen Bankrauben, Volksbanken.
Und die Täter haben ja ein ganz besonderes Auftreten an den Tag gelegt, dass dann gesagt wurde, kann man sich das nicht mal genauer angucken. Was sind das für Typen? Erzählen Sie doch mal, was waren das für? Sehr gerne. Ich erinnere mich auch noch relativ gut daran, weil es auch eine prägende Analyse war, wobei Banküberfälle eigentlich ins Portfolio der Apportifahlanalyse kaum vorkommen.
Aber interessant ist, wenn Bankräuber ein besonderes Verhalten an den Tag legen, was vielleicht auch unter Bankräubern ungewöhnlich ist. Aber sie marschieren ja rein, jetzt alles hört auf mein Kommando. Sie hatten ein besonderes Outfit, traten sie ungewöhnlich auf. Und da ist das Fachkommissionär 2 aus Braunschweig auf uns zugekommen.
Und es ist immer so, dass es ein Sondierungsgespräch gibt. Wir setzen uns erst mal zusammen und schauen, was können wir für euch tun. Und dann kam auch schon der nächste Überfall, sodass wir mit eingestiegen sind. Wie betraten sie denn auf, weil sie es gesagt haben gerade? Sie hatten ein besonderes Auftreten? Die Täter. Ach so.
Also nicht wir, sondern die Täter hatten ein besonderes Auftreten, waren vom Äußerlichen. Einer war, soweit ich mich erinnere, sehr, sehr, sehr adipös und dominant, der andere eher zurückhaltend. Also es war schon auch von der Konstellation dieses Zweierteams schon sehr interessant. Und wir brauchen immer Täterverhalten, das wir einschätzen können.
Und das haben die beiden uns doch in sehr hoher Ausprägung gezeigt, sodass wir uns dann wirklich von Überfall zu Überfall gehangelt haben, waren vor Ort, haben mit den Bankmitarbeitern gesprochen. Und interessant ist, wenn man so die Fotos, die Videos, die es auch damals gab und auch die Schilderungen der Mitarbeiter der Banken nachverfolgt hat, hatte das, ja ich will nicht sagen, fast so einen Slapstick-Anteil.
Aber erschreckend war, dass dieser Slapstick-Anteil doch die Bankenmitarbeiter derart traumatisiert haben, dass man das durchaus ernst nehmen muss. Und Slapstick hat immer so eine Gefahr von nicht planbar, harmlos. Und Täter, die nicht vernünftig planen, sind gefährlich. Sind vielleicht nicht vorbereitet auf Situationen, die dann plötzlich eintreten auf Kunden, auf wehrhafte Bankmitarbeiter.
Und da muss man fragen, okay, wie wäre es in einer Stresssituation? Wie gehen die damit um? Oder eskaliert es? Das war damals so die Gefahr, die wir gesehen haben. Und Gott sei Dank wurden sie ja, ich weiß gar nicht, wie viele Fälle es waren, Auch nach einem XY-Aktenzeichen, den ich damals mit dem Kollegen zusammen hatte, ist die Bankserie aufgeklärt worden.
Und danach ist es ja auch so, dass wir überprüfen unsere Arbeit. Das heißt, wir schauen vom Täterprofil, von der geografischen Einsetzung, wie nah waren wir da dran? Und gerade bei Seelentaten ist immer die Frage der Tatortauswahl. Und das war hinterher so ein Aha-Effekt, wo wir dann auch mal feststellen, auch wir geraten mal unter unseren Grenzen und man überlegt sich, wie wählen die die Taten aus, was sind die Kritikpunkte, sind es öffentliche Verkehrsmittel, sind es besondere verkehrliche Anbindungen.
Und hinterher stellt sich raus in der Vernehmung, es gab ein Geständnis der beiden, dass sie das derart gestaltet haben, damals gab es ja noch das Telefonbuch gelbe Seiten, sie haben Volksbank aufgeschlagen, sind mit dem Bleistift mit zu und Augen einfach draufgetippt und dann kam die Filiale raus, die sie sich ausgesucht haben.
Und da kann man noch so ein Superprofiler sein. Nein. So legt man den Fallanalytikern ein Schnippchen. Also wenn das ein Plan war, war der gut. Ich habe ja aus einem Artikel aus der damaligen Zeit, 2007, bei uns in der Zeitung erschienen. Da werden sie auch zitiert. Wir haben es nicht mit erfahrenen Tätern zu tun, die kalt und berechnend vorgehen.
Wir glauben, die beiden sind sozial eingebettet. Es können die netten Nachbarn von nebenan sein, denen man es eigentlich nicht zutraut. Und so war es ja dann auch. So war es auch, ja. Ein spannender Fall. Vielleicht stelle ich den auch mal hier bei Tatort Niedersachsen vor. C. Cold Case. Ich lese jetzt mal ein bisschen was vor.
Das ist ein Artikel auch von 2018. Lüchow. Seit fast 18 Jahren sucht die Polizei mit dem gleichen Foto nach der Schülerin Katrin Konert. Ein hübsches, ungeschminktes Mädchen mit kinnlangen, dunklen Haaren und einem strahlenden Lächeln. Am Neujahrsabend 2001 verschwand die damals 15-jährige spurlos. Zuletzt gesehen wurde sie an einer Bushältestelle in Bergendumme im Wendland.
Zitat, die Polizei geht davon aus, dass Katrin Kona tot ist, sagt der Leiter des zentralen Kriminaldienstes, Stefan Grimme, am Freitag in Lüchow. Mit einer neuen Ermittlungsgruppe und Unterstützung von Profilern des Landeskriminalamts LKA in Hannover wollen die Beamten endlich das mutmaßliche Gewaltverbrechen aufklären.
Die Angehörigen wissen nicht, wo sie trauern können, sagte Grimme. Am Tag des Verschwinden gab es Blitzeis. Das letzte Lebenszeichen der Jugendlichen war eine SMS an ihre Schwester. Möglicherweise stieg sie, weil kein Bus fuhr, zu einem Fremden ins Auto, um nach Hause ins 13 Kilometer entfernte Großgadau zu kommen.
Zitat, die bisherigen Ermittlungen haben sich sehr stark im persönlichen Umfeld von Katrin bewegt, sagt der Chef der Kriminalpolizei. Jetzt überstränge ich mal ein Stück. Wir stehen an einem Punkt, wo wir alles auf Null stellen, sagte Carsten Schütte, Leiter der Abteilung operative Fallanalyse beim BKA.
Die mehr als 630 Spuren seit Katrins Verschwinden sollen mithilfe der Profiler aus Hannover neu gelesen werden. Ja, das ist ja so ein ganz klassischer, auch ein sehr bekannter Fall, ein bis heute ungelöster Fall, der aber vielleicht auch ganz gut auf den Punkt bringt, was so Cold Case Ermittlungen bedeuten, auch vor dem Hintergrund oder mit dem Blick einer operativen Fallanalyse. Vielleicht wollen Sie das mal erklären.
Ja, Vermisstenfälle muss man sagen, fallen eigentlich nicht unbedingt ins Portfolio der OFA, denn wir brauchen für unsere Arbeit drei Säulen. Das ist ein Opferbild, das heißt, wir sollten das Opfer kennen, damit wir Routinehandlungen der letzten Tage, des relevanten Tages nachvollziehen können. Das würde ja hier vorgehen. Das würde hier passen.
Ein Tatort, interpretierbaren Spuren und ein Leichnam mit einem entsprechenden rechtsmedizinischen Gutachten, haben wir nicht. Es ist ja immer so, ich hatte ja erwähnt, dass wir Dienstleister sind und wenn ein solcher Fall unter einer Anfrage auf uns zukommt, dann versuchen wir natürlich alles auch zu unterstützen.
Und wir sind ja nicht die, die die Ermittlungen leiten, sondern wir sind die, die in dem Bereich ja unsere Aspekte mit einbringen. Und Cold Cases bedarf erstmal eines großen Aktenstudiums. Das heißt, man geht alles nochmal durch, was in den Akten steht, schaut sich die Handlungsorte an, die Tatorte, den mutmaßlich verschwindenden Ort. So ein Pfeil wie bei Katrin Kuhner. Wie viele Akten sind denn das dann?
Das sind manchmal Hunderte. Es können auch mal tausend oder zweitausend sein. Das ist also ein irrer Aufwand. Es sollte digitalisiert werden, sollte entsprechend auch nachvollziehbar mit Erkennung, Texterkennungssoftware digitalisiert werden. Das sind alles so Vorarbeiten. Und dann fiel uns in dem Kontext auf, dass wir objektiv bis auf die SMS eigentlich gar nichts hatten.
Und es gab Aussagen zum Verschwindezeitpunkt von einem Freund, den sie besucht hatte, der erwähnt hat, dann und dann hat Katrin die Wohnung verlassen. Und es gab einen Zeitpunkt, wo ein Busfahrer, der an der Bushaltestelle, wo sie zuletzt gesehen wurde, gesagt hat, da war sie nicht mehr. Und schon hat man ein Zeitfenster, ein tatrelevantes Zeitfenster von bis.
Und da sind wir sehr kritisch. Und eine Aussage eines Busfahrers, sie war nicht mehr da, ist schwierig. Die Aussage muss sein, ich habe sie nicht gesehen. Und schon müssen wir dieses Zeitfenster in Frage stellen. Das heißt, es kann eher passiert sein, es kann auch später passiert sein. Und alle Ermittlungen, die damals getroffen wurden, mit Zeugen, mit Tatverdächtigen, persönlichen Umfeld, die damals auch im Beschuldigtenstatus waren.
Und wenn man das heute hinterfragt und wirklich auf Null stellt, können diese Beschuldigten, die sich natürlich komplett zurückgezogen haben aus einer aktiven Unterstützung der Polizei, aus guten Gründen aus ihrer Sicht, die können heute wichtige Zeugen sein. Und deswegen müssen wir alles umkehren. Und 2018, das war gerade der Zeitpunkt, wo wir die Cold-Case-Sachbearbeitung in Niedersachsen komplett umgestellt haben.
Inwiefern? Das heißt, wir haben in den Polizeidienst, Polizeidirektion Cold-Case-Units installiert. Und wir mussten das einfach tun, weil gerade solche komplexen Fälle in der Regel auch durch die Fachkommissarierte 1, die auch mit aktiven Tötungsdelikten beschäftigt waren. Die haben gar keine Zeit. Ja, und wenn sie es angefangen haben, kam ein aktuelles Delikt dazwischen und dann haben sie wieder zur Seite gelegt. Und da kann man dann nach eineinhalb Jahren bearbeiten und nicht sagen, fang mal da, wo ihr aufgehört habt.
Das heißt, es geht wieder von vorne. Die müssen dranbleiben. Und deswegen haben wir in Niedersachsen beschlossen, dass das extra, ja auch personell neu eingesetzte Cold Case Units sein müssen, die auch die Zeit haben, es zu Ende zu bringen. Und was bei Katrin Konert wirklich auch ein Fall war, dass wir gesagt haben, die damals verantwortlichen Kollegen der Soko, Katrin, dürfen nicht hier verantwortlich sein.
Weil die natürlich subjektiv geprägt waren. Das heißt, sie haben ihre Ermittlungsergebnisse alle im Hinterkopf. Und wenn wir alles resetten, dann funktioniert das nicht. Ist das leicht, sage ich mal so? Nein, es ist nicht. Ist es nicht mehr Mittler zu sagen, du bist jetzt nicht mehr dabei? Nein, natürlich ist das nicht.
Aber ich hoffe, wir haben auch Verständnis gebaut. Und natürlich waren gewisse Dinge, dass die Kollegen auch wirklich mit im Team waren, aber nicht in der Verantwortung. Und das war uns ganz, ganz wichtig. Und es ist traurig, wenn man da so viel Manpower reinsteckt. Es wurde noch öffentlich durch den NDR begleitet.
Die da entsprechend mit Anouk Cholet in einem bestimmten Verfahren das auch öffentlich gemacht haben. Es ist traurig, wenn das nicht zum Erfolg führt. Und wir haben wirklich, glaube ich, alles versucht mit einer sehr proaktiven Öffentlichkeitsarbeit und haben da auch, wir sagen immer, die Hosen runtergelassen.
Das heißt auch vor den Medien, die uns unterstützt haben, es gibt jetzt keine Tabus, sondern wir haben nicht mehr viel. Und ich hoffe, und vielleicht hilft uns irgendwann Kommissar Zufall, dass wir die Tat irgendwann auffinden und dass Kathrins Eltern auch einen Ort zum Trauen haben und jemanden, den sie beerdigen können.
Es gibt natürlich auch immer wieder Fälle, wo jemand auch verschwindet aus. Aus guten Gründen, aus schlechten Gründen, ich weiß es nicht. Glauben Sie an eine Tat in diesem Fall, in diesem speziellen Fall Katrin Konert? Oder könnte es auch ein Verschwinden sein? Ich gehe von einem Tötungsdelikt aus. Natürlich kann es auch immer so ein Strohhalm für die Angehörigen sein.
Vielleicht ist sie irgendwo, aber gerade wenn man realistisch ist, zumindest ich und die Polizei, glaube ich, kann ich da auch für in dem Namen sprechen, gehen von einem Tötungsdelikt aus. Buchstabe D. Okay, jetzt kommen wir zu einem schwierigen Fall, weil das wirklich ein heftiges Verbrechen ist, der Doppelmord in Bodenfelde.
Es geht um Pädophilie, Vampirismus, Sadismus, Kannibalismus, Necrophilie, um es mal anzudeuten, ohne ins Detail zu gehen. Es geht Tobias 13, Nina 14 und Jan O. 26. Das ist auch ein Fall, der von der Vateranalyse begleitet worden ist. Erzählen Sie mal. Ja, das war, also wenn ich nach Top Ten gefragt werden würde, wäre das sicherlich einer, der da zugehört.
Ich erinnere mich noch relativ genau, es war ein Sonntag, als es medial hochkam, dass in Bodenfelde zwei Leichen, zwei Kinder gefunden wurden. Und wir haben einen guten Draht und haben schon viel mit den Kollegen des Fachkommissarzt 1 in Nordheim unternommen. Das heißt, wir kennen uns persönlich, vertrauen uns.
Und ich habe an einem Sonntag angerufen, ich sage, was habt ihr denn da? Können wir euch unterstützen? Und ja, die Antwort war dann entsprechend, dass ich den Sonntag noch hingefahren bin, war direkt bei der Obduktion der beiden Opfer und da tat sich einfach eine Dimension auf, wo wir gesagt haben, boah, das ist einfach anders und das sieht man nicht so oft.
Interessant war, dass schon während der Obduktion die Ermittlungen begleitet wurden und man Jan Oh schon im Visier hatte, weil es da auch schon entsprechende Vorerkenntnisse gab und er war jetzt polizeilich, ich drücke es mal diplomatisch aus, auch nicht unbekannt. Jan O. hat bei seiner Festnahme die Tötung von Nina sofort gestanden.
Und hat Angaben gemacht zur Tötung von Tobias. Wir waren erst involviert und haben den Fall mit unserer Methodik schon mal angegangen. Aber dann ist es häufig so, dass man von der Staatsanwaltschaft oder der Polizei sagt, wir haben einen Täter, wir haben ein Geständnis. Schönen Dank, dass ihr angefangen habt, aber wir brauchen euch nicht mehr.
Dann lesen wir ein Geständnis und sehen die Tat. Und sagen, wir würden da gerne noch mal reingehen, weil wir glauben, das Geständnis hat mit den Tathandlungen, die der Täter da vorgenommen hat, nichts zu tun. Ist das ein Bauchgefühl? Nein, das ist kein Bauchgefühl. Es gibt ja eine gewisse Methodik und gerade eine Rekonstruktion.
Und wenn man mit Rechtsnitzinern spricht und eine Fundsituation sieht und dann ein Geständnis, die objektiv allein schon komplett widerlegt werden kann. Und sodass wir uns dann geeinigt haben mit dem Fachkommission, mit der Mordkommission und auch der Staatsanwaltschaft, dass wir nochmal komplett reingehen.
Und ja, gerade bei Tobias konnten wir, glaube ich, da noch deutlich Akzente setzen, was der Täter wirklich vorhatte. Und was? Ja, das ähnlich. Ich will da jetzt gar nicht ins Detail gehen, um da jetzt nicht noch Wunden aufzureißen. Also genau diese Handlung, Mikrophilie und wer weiß was noch. Ich zitiere mal aus einem Artikel.
Jan Oh selbst wirkte während des Prozesses teilnahmslos und startete die meiste Zeit auf den Tisch vor sich. Er fand auch bei seinem Schlusswort kaum Worte. Er wolle sich entschuldigen, auch wenn die Nebenkleber sagten, eine Entschuldigung wäre nicht angenommen. Zitat, ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat. Nehmen Sie ihm das ab?
Ja, schwierig. Ich sage mal so, wir sind Polizeibeamte, Kriminalbeamte. Und wenn ich von Team spreche, ist in der Regel auch gerade bei solchen Fällen und einem solchen Täter immer eine Psychologin dabei. Und das sind genau die Fachleute, auf die ich verweisen würde. Und ob wir ihm das abnehmen. Wichtig ist, ob das Gericht es ihm abnimmt.
Und was mich ein bisschen beruhigt hat, dass er die höchstmögliche Strafe erhalten hat. Und von daher gab es da, ob man das gerechtes Urteil nennt, das bringt die beiden Kinder auch nicht zurück. Aber das Gericht hat entsprechend reagiert und auch der Anwalt hat mich sehr beeindruckt. Das war nämlich so, dass uns der NDR begleitet hat, sodass wir, der Redakteur hatte sogar, womit wir nie gerechnet hatten, eine Drehgenehmigung während der Hauptverhandlung.
Und wir wurden hineingeführt von den Justizbeamten und wir haben gedacht, Gott, im Zuschauerraum. Nein, wir saßen direkt im Prinzip auf der Anklagebank, die Psychologin und ich. Und was eine sehr skurrile Begegnung war und ich saß dann direkt neben seinem Anwalt, der schaubt mich an und vor uns waren so zwei Schilder LKA Niedersachsen und schaubt mich an und sagt, wer sind Sie?
Ich sage so und so, ach, Sie haben ja die Rekonstruktion gemacht, hat mich enorm beeindruckt, hätte mein Mandant jetzt nicht in der Form gestanden, denn wäre das ja Gegenstand der Verhandlung geworden. und hat ihn beeindruckt und hat ein Plädoyer gehalten, was ich jetzt hier hoffentlich gar nicht preisgeben will, was mich aus seiner Position sehr beeindruckt hat.
Angehörige haben in dem Zusammenhang den Täter als Monster bezeichnet. Sie werben aber immer wieder dafür, Täter nicht als Monster sozusagen hinzustellen. Stichwort Entmonsterung. Ja, betroffene Eltern haben da eine völlig andere Perspektive, sodass die Bezeichnung, weil auch die haben erfahren, im Gerichtsprozess, was passiert ist.
Von daher kann ich Ihre Formulierung da durchaus verstehen. Für uns und für die Ermittlungen ist sie kontraproduktiv. Insbesondere, wenn diese Begriffe in den Medien verbreitet werden. Denn jeder... Die Bestie, das Monster. Ja, und jeder potenzielle Zeuge, der vielleicht einen Beitrag leisten kann, der vielleicht jemanden im Visier hat, das könnte er sein.
Aber wenn ich die Konstellation habe, Bestie, Monster, und es ist der nette junge Mann von gegenüber, es ist mein Versicherungsvertreter, mein Hausarzt, mein, wer auch immer, also sympathische Menschen. Dann bringe ich diese beiden Begriffe. Das heißt, Monster und Bestie bringe ich mit der Person zusammen, die ich da eigentlich im Visier habe.
Und schon sage ich, Monster, eine Bestie ist das nicht. Und deswegen melde ich mich bei der Polizei nicht. Und das wäre völlig kontraproduktiv. Von daher gibt es auch ja medienstrategische Ansätze, die wir da unterstützen, um Täter zu entmonstern. Das ist wirklich ein fachlicher Begriff in den Kreisen der O-Verdienststellen, um das medial so darzustellen, dass wir doch noch die möglichen Zeugen vielleicht dazu bringen, sich bei der Polizei zu melden. Der Jan O.
Hatte ja ein 19-seitiges Entgeständnis abgelegt. Ich will da jetzt gar nicht im Detail drauf abheben, sondern die Frage stellen, kann man aus sowas als O-Vereinheit etwas lernen? Ja, ich habe damals, glaube ich, in der Reportage, die wir uns natürlich auch mal wieder angeguckt haben, mich verleiten lassen und habe gesagt, er hat uns dadurch ein kriminalistisches Geschenk bereitet, weil wir selten solche Einblicke haben.
Natürlich wird ein, er hat das Endgeständnis genannt, wird das nochmal überprüft durch Experten, Psychologen, aber er hat natürlich auch Aussagen getroffen zu rechtsmedizinischen Aspekten, die dann auch bestätigt wurden. Von daher ist es, glaube ich, einer der wenigen Täter, der auch gerade in solchen, auch für Tätersensiblen Bereichen, wenn es um Sexualität geht, um Abnorme Neigungen, die er da gezeigt hat, da hat er auf gut Deutsch die Hosen runtergelassen.
Und einfach mal die Perspektive wahrzunehmen. Denn auch für unsere O-Vereinheit war es, glaube ich, eine der schlimmsten Analysen, die wir haben machen müssen. Denn er hat die Taten auf Video aufgezeichnet, auch die nekrophilen Taten. Er hat sich über eine Woche mit ... Zumindest dem Opfer von Nina beschäftigt. Und das gehört zu unserer Aufgabe, das natürlich entsprechend zu schauen, zu interpretieren.
Mit den Augen des Täters. Er hat es kommentiert. Von daher war es der Fall, der uns am meisten Einblicke in die Perspektive des Täters gebracht hat. Schrecklich. Buchstabe E. Ethnische Faktoren. Was ich mir dabei denke bei der Frage. Ich, alter weißer Mann, würde ich jetzt noch nicht sagen. Aber wir sind ja beide sozusagen aus der gleichen Ethnie.
Wie ist das, wenn man mit Tätnern zusammen hat, die aus einer ganz anderen Ethnie da jetzt kommen, die möglicherweise Handlungen machen, die so für uns gar nicht so zum Alltag gehören, weil wir uns gar nicht so verhalten würden. Aber vielleicht in der anderen Ethnie ist das ganz normal. Wie kann man das bei den Ermittlungen im Hinterkopf behalten?
Dass man auch möglicherweise, ich sage jetzt mal kein Deutscher, möglicherweise ist es ein Ausländer, der ganz anders tickt. Wie kriegt man das überein? Ich war in meiner aktiven Zeit als Ermittler in einer Mordkommission. Da ging es um fremde Kulturen, die wir als deutsche Ermittler nicht nachvollziehen können.
Dass wir, wenn wir mit unserer deutschen Polizeikultur dorthin kommen und belehren Menschen als Zeugen, mit unseren strafprozessuellen Belehrungen, die eigentlich niemand versteht, auch wenn wir sie übersetzen, die uns ganz klar gesagt haben, da ging es auch um Blutrachen, solche Geschichten, nach dem Motto, ja, natürlich kommt das von denen.
Aber was steckt ihr euch da rein? Wir regeln das schon. Und das waren wirklich sehr skurrile Begegnungen. Und die Erfahrung habe ich natürlich auch mit in die OFA genommen und wir hatten ja auch öfter Tötungsdelikte in unterschiedlichen kulturellen Bereichen und haben es etabliert, dass wir Experten sind.
Sofort in die Mordkommission stecken. Das heißt, wir haben relativ gute Netzwerke. Bundesweit, oberweit, und holen uns Experten aus dem Kulturkreis rein. Kulturwissenschaftler, die uns genau erst mal die Kultur erklären. Man muss es so sehen, es gibt eine Besprechung der Mordkommission in einer frühen Phase.
Und dort tritt dann ein Experte ein, ein Professor für. Und der erklärt erst mal, was ist da kulturell? Was sind auch die Fettnäpfchen für Polizei? Wie müssen wir da rangehen? Oft ist es so, dass es ein Kastensystem gibt. Das heißt, wenn wir einen Zeugen vernehmen wollen, müssen wir jemanden fragen, einen Familien überhaupt, ob der mit uns sprechen kann.
Erst wenn der grünes Licht gibt und solche Dinge. Dann haben wir ja oft auch Dolmetscher, die aus dem Kulturkreis kommen und mit den Experten zusammen. Sind das dann interessante Aspekte, wie wir da vorgehen müssen. Wenn wir das nicht machen, wenn wir nach unserer deutschen Polizeikultur da reingehen und glauben, dass wir da ein Millimeter weiterkommen.
Nein, nein, es funktioniert nicht. Okay. Buchstabe F. Der zirkuläre Prozess der Pfandanalyse. Ich habe Ihnen ja mal was hier mitgebracht. Sie werden es sicherlich kennen. Ja, ich kenne ihn relativ gut und auswendig. Wir werden das auch einblenden an dieser Stelle. Was sehen wir denn da eigentlich? Was geht es denn da?
Ja, das ist ein Schema, was auf der BKA-Seite wirklich transparent abrufbar ist. Das ist der zirkuläre Prozess der Fallanalyse. Das ist die Methodik, wie wir vorgehen. Das sind die Schritte, die wir entsprechend einhalten müssen. Um auch irgendwann vor Gericht, wenn wir dort stehen und die Methode darstellen und natürlich auch Verteidigern, die lückenlose Einhaltung dieser Methodik entsprechend transparent aufzeigen müssen. Das ist genau der Punkt.
Und das ist, glaube ich, auch sehr erkenntnisreich, was es überhaupt braucht. Und jetzt kommen wir zum Profiler. Und wenn wir hier wirklich mal raufgucken und sehen, dass Täter-Profilerstellung an Platz sechs ist. Und dass vorher eine Menge Arbeit geleistet werden muss, um da vielleicht die ersten Erkenntnisse zum Täter wirklich herauskristallisieren können.
War das zu der Zeit, als Sie bei der UFA eingefangen haben, schon das Schema, nachdem gearbeitet wurde oder hat sich das erst entwickelt? Ein ähnliches, aber es hat sich durch die Praxis einfach entwickelt. Und es war ja so, dass das BKA sehr intensiv mit einer Arbeitsgruppe sich damit beschäftigt hat, weltweit Dienststellen aufgesucht hat und dann wissenschaftlich mit Psychologen, mit Sozialwissenschaftlern, Wer da nicht alles bei war, also wirklich diese Methodik entwickelt hat, die auch heute nach wie vor Bestand hat.
Aber natürlich in den Facetten wurde an der einen oder anderen Schraube nochmal optimal gedreht. Was würden Sie denn sagen, wenn Sie jetzt auf diesen Kreislauf hier drauf schauen können? Was ist relativ sicher und wo kommt man langsam in den Bereich, wo es möglicherweise auch unsicher wird? Wo es so Unwägbarkeit ist? Also sicher ist alles das, was wir objektiv belegen können.
Und wo wir wirklich relativ sicher sind, weil wir es sehr, sehr aufwendig betreiben, ist im Prinzip der Part der Rekonstruktion. Und das ist die Basis des Ganzen. Wenn die schlecht läuft, wenn wir da Fehler machen, zieht sich das durchs ganze System. Und die Rekonstruktion ist, bei uns in Niedersachsen haben wir sehr, sehr einen hohen Schwerpunkt draufgelegt, dass wir, wenn wir rekonstruieren, das möglichst am Original-Tatort machen, möglichst zur Original-Tatzeit, wenn wir sie denn kennen, und möglichst unter den Bedingungen, die Täter und Opfer vorgefunden haben.
Und da gab es schon sehr skurrilere Konstruktionen. Aber sie waren in der Regel dadurch, dass wir ... Ich denke mal, sie deuten an, mitten in der Nacht wahrscheinlich. Ja, natürlich. Aber das sind ja auch Dinge, die wir auch mit Behördenleitungen abstimmen müssen. Weil in der Nacht fallen Überstunden an, in der Nacht fallen Dienst zu ungenständigen Zeiten an.
Bürokratie. Ich habe mich da oft, oder wir haben uns oft wirklich auch ... Ja, es hat viel Papier gekostet. Denn oft kommt das Argument, ja, warum fahrt er denn im Winter nicht um 17 Uhr? Das ist auch dunkel. Ja, nein, es ist schön, aber die Verhältnisse sind völlig anders. Aber da haben wir uns, glaube ich, mittlerweile auch so ein LKA, so einen Status erarbeitet, wo wir dann auch wirklich die Freiheiten bekommen haben, die wir einfach benötigen.
Und vielleicht, es hört sich wirklich makaber an, aber wenn wir Taten hatten mit anschließender Leichenzerteilung, dann haben wir das rekonstruiert und haben uns im Prinzip die Leichenteile nach den Angaben der Rechtsmedizin portionieren lassen und haben mit Schweinehälften aus dem Schlachthof Hannover agiert.
Und haben auch damit agiert wie der Täter. Und nur das kann eine Rekonstruktion sein, die ja hinterher auch Bestand hat. Und wie gesagt, das ist die Basis von allem. Und das ist auch, ich sag mal, ein Punkt, wir nennen das Fallverständnis vertiefen. Auch für die Mordermittler. Denn oft ist es ja so, dass Mordermittler nicht mal am Tatort waren.
Weil da arbeiten die Kollegen und Kolleginnen in weißen Anzügen und da kommt keiner rein, wie im Tatort, der mal kurz in Straßenkleidung reingeht und mal ein Augenlid hebt und sagt, tot. Nein, das gibt es nicht. Ganz am Ende steht ja auch die Evaluation. Kann man aus jedem Fall was lernen? Evaluation gehört zum Thema und zwar ist das sogar ein mathematischer Prozess, den das BKA entwickelt hat.
Es ist so, dass bundesweit der Trend ist, dass wir dieses mathematische System nicht umsetzen. Denn die Evaluation oder die Basis der Bewertung der Arbeit ist ein Tätergeständnis. Und die Frage ist halt immer, was gesteht denn der Täter? Und ich provoziere jetzt einfach mal, wer gesteht denn? Die wenigsten. Ja, und manchmal wird es halt formuliert von dem Verteidiger.
Und dass wir da gesagt haben, wenn das die Basis ist, unsere Arbeit zu bewerten, nein. Also wir sprechen von Reflexion. Wenn wir ein Geständnis haben oder zumindest eine Aufklärung der Tat, dann setzen wir uns zusammen und gehen noch mal unsere Arbeitsschritte durch. Wir sprechen mit der Mordkommission natürlich.
Wo können wir unsere Arbeit optimieren? Was hat euch gefallen? Wo sind wir? Zu forscht, zu schlapp. Was habt ihr erwartet? Haben wir die Erwartungen erfüllen können? Und hat es einen Mehrwert gegeben, uns einzusetzen? Das ist uns eigentlich viel, viel wichtiger und für unsere Arbeit viel, viel lohnender als ein mathematischer Prozess mit einer Punktezahl.
Das deutet ja auch hin, dass das ein ganz wertvoller Erfahrungsberuf ist. Dass wir in jedem Fall irgendwas lernen. Und wie leicht oder wie schwierig ist denn das? Da kommt jemand Junges ins Team. Wie führt man den denn an dieses Wissen heran? Na gut, die Ausbildung beim BKA ist sehr langwierig. Die kann also auch wirklich mal fünf Jahre lang dauern, bis man fertig ist oder zum Verantwortlichen, Fallanalytiker berufen wird.
Das ist ein langer, langer Weg und zwischendurch sind halt Praxiserfahrungen. Bei uns in den Analysen teilweise Hospitationen in anderen Bundesländern, das heißt, man kriegt sehr, sehr viel Input. Und junge Kollegen, oder es ist ja auch so, dass unsere Teams ja auch interdisziplinär besetzt sind. Mal eine Psychologin, Rechtsmediziner, wir holen Experten für jede Konstellation hinein, die mit Fallanalysen, mit Polizei oft nichts zu tun haben.
Und die stellen manchmal Fragen oder werfen Begriffe in den Raum, die uns sehr hilfreich sind, weil wir natürlich auch eingefahren sind und ja, manchmal so Querdenker. Ja, absolut, absolut. Und dann kommen manchmal gerade von jungen Kollegen und Kolleginnen so Dinge und Vokabeln rein, wo wir schmunzeln müssen.
Zum Beispiel? Das ist doch nicht logisch. Nein, ist es nicht, weil Täter nicht logisch handeln. Das würde ich doch nie so machen. Nein, du nicht, wir nicht, aber der Täter zuzt. Und das sind manchmal so erfrischende Dinge, wo auch das System einfach verstanden werden muss. Und auch wenn ich bedenke als Ermittler, das war eine völlig andere Herangehensweise.
Und wichtig ist, und da haben wir auch in der Ausbildung, ist es so, dass das Fallanalyse-Team besetzt werden muss mit einer Kollegin oder einem Kollegen, So eine Art Gegensprecher, der alles, was wir sagen, infrage stellt. Antagonisten. Genau, wo hast du das her? Zeig mir die Quelle. Und das ist ganz, ganz wichtig. Und oft ist es auch so, dass wir, wenn wir Präsentationen vor den Mordkommissionen geben, natürlich die auch strukturieren.
Und Präsentationen auch vor Mordkommissionen sind immer schwierig, wenn wir nicht ihre Ermittlungsrichtung vertreten, sondern einen alternativen Weg aufzeigen. Und wir natürlich da immer schauen, ob die Fragen vorbereitet sind und die einfach beantworten müssen. Damit wir da kompetent stehen, damit man uns vertraut. Jetzt müssen wir diese Fragen beantworten.
Da können wir nicht rumeiern. Und da ist es eigentlich immer ganz gut, wenn wir die Rolle eines Konfliktverteidigers im Team entsprechend besetzen. Wie würdest du vorgehen? Was wäre deine Verteidigerstaktik? Und ja, von daher sind auch die ganzen Vorbereitungen der Präsentationen ein wichtiger Aspekt, um natürlich auch unsere Arbeit, die ja auch Wochen, Monate dauert, wirklich auch in die Mordkommission zu bringen.
Denn was hilft die Arbeit, wenn man sich da wirklich tagtäglich über viele, viele Stunden, und das bleibt nicht nur mal acht Stunden, so engagiert und wir das nicht auf die Straße kriegen. Spannend. Aber da schließt sich auch gleich die Anschlussfrage ran. Buchstabe G, Grenzen der operativen Fallanalyse.
Es wird ja in den Medien, in Filmen insbesondere oft dargestellt, die Superbullen, die alle Fälle lösen können. So ist es ja nun nicht. Es wird ja sicherlich Grenzen geben. Natürlich. Wo sind die denn? Wo liegen die denn? Das kann ich jetzt schon mal wegnehmen. Genau, Sie fragten ja schon, was ist das Sicherste? Und das Sicherste ist das, was wir objektiv belegen können.
Kommen wir zum Täterprofil, erstellen wir Hypothesen. Das heißt, da sind wir unsicher. Und man muss einfach bedenken, dass das nicht so nach dem Motto, okay, Rasta, Rasta, Rasta, jetzt machen wir Täterprofil, Rasta, Rasta, Rasta, 1,80 groß, blonde Haare, blaue Augen, fährt ein rotes Auto. Nein, es funktioniert nicht. Das heißt, der Täter muss uns in seinem Täterverhalten Ansatzpunkte geben.
Und wir beschreiben vielleicht eine Situation von Minuten, manchmal Sekunden. Und da sollen wir ihn beschreiben, wie er im Leben tickt. Das ist irre, schwierig. Und insbesondere Täteralter. Ich habe noch so ein Beispiel, passt ja ganz gut, Braunschweig, zwischen Braunschweig, Hannover, Gifffern, Hannover, B188, Prostituierte am Straßenrand.
Da hatten wir einen Fall, da ging es um ein Tötungsdelikt. Und dann ging es auch darum, wie alt könnte der Täter sein? Im Prinzip, wie alt könnte ein Freier sein, der eine Straßenprostituierte aufsucht? Und wenn wir nichts anderes haben, wo wollen wir da anfangen? 18 bis 95? Und da müssen wir uns mit breiter Brust auch vor die Mordkommissionen stellen und sagen, hier können wir seriös nichts beitragen.
Und das Fatale ist, man erwischt sich ja auch mal, wir können doch da nicht hinkommen und haben nichts. Ja, dann müssen wir doch sagen, dass wir nichts haben. Viel fataler wäre es, wenn wir irgendeine Struktur aufbringen, wo wir uns unsicher sind, die wir selber nicht vertreten können. Und dann marschieren alle hinterher. Das wäre fatal. Von daher breite Brust und wirklich unsere Grenzen aufzeigen und da ganz offen mit umgehen.
Buchstabe H, historischer Fall. Gibt es so einen historischen Fall aus Van-Analytiker-Sicht, der Sie besonders interessiert hat oder begeistert ist vielleicht das falsche Wort, aber wo Sie sagen können, da kann man richtig viel draus lernen, kann man viel Honig draus sorgen? Okay, historisch heißt, wann?
Was heißt das, wo? Wo ziehen wir die Grenze? Das müssen Sie mir sagen, wo es Sinn macht. Ich weiß nicht, ob ein Fall aus Mittelalter jetzt unbedingt Sinn macht, um heutige Kriminalfälle zu bewerten. Aber vielleicht nach Kriegszeit? Ja, oder vor Kriegszeit. Als Hallow-Weraner natürlich muss man Harman nennen, der wirklich viele Jungen getötet hat, zerteilt teilweise.
Also kann man so einen Fall wie Harman, möglicherweise auch Produkt seiner Zeit, auch heute noch heranziehen? Ja, heranziehen. Und jetzt komme ich wieder auf die drei Säulen. Tatorte haben wir nicht mehr. Wir haben Abtmaterial, von dem wir nicht wissen, ob es vollständig ist, ob es Dinge enthält, die wir für unsere Arbeit brauchen, die wir nicht haben.
Wir haben natürlich keinen Täter mehr. Wir haben vielleicht auch nicht den Zugriff auf die Opferpersönlichkeiten. Von daher wird es schwammig. Es wird schwierig, da wirklich seriös vorzugehen methodisch. Aber die Frage war, welcher Fall hat es interessiert? Das wäre sicherlich einer gewesen. I wie Information. Informationen sind ja Sie und Ihre Kollegen Informationssammler.
Genau. Jäger- und Sammler, Informationssammler. Da kommt ja auch relativ viel zusammen. Wie geht man mit so einer Vielzahl an Informationen um? Wie ordnet man denn das ein? Was wichtig ist, was weniger wichtig ist? Ganz praktisch gedacht vielleicht auch, wie arbeitet man damit? Ja, muss sich verschiedene ansetzen. Erstmal ist ein großer Unterschied bei Informationslage Cold Case aktueller Fall.
Cold Case haben wir Aktenmaterial, haben wir Gutachten. Das müssen wir erst mal durchgehen, selektieren. Und es ist dann so, dass gerade bei Cold Cases die Akten erst mal durch den oder die Verantwortliche für die Fallanalyse durchgesehen werden. Das heißt, der oder die Kollegin liest alles. Und dann gibt es einen Aspekt, der ... Wir haben ja schon gehört, das können ja manchmal viele Akten sein. Das können viele Akten sein.
Dann sitzt man da erst mal. Genau, genau. Und da muss man schauen, wie strukturiert man das? Sind es zu viele Akten? Ist es gar nicht machbar? Müssen wir uns andere Lösungen suchen? Und interessant ist, dass wir in der Regel subjektive Angaben, das heißt Zeugenvernehmung, Berichte von den Kollegen damals.
Aber Zwischenberichte, Lieblingsverdächtige, wer ist im Fokus, wer ist nicht im Fokus, die werden im Prinzip geschwärzt. Das heißt, das Team sieht diese Unterlagen nicht, um sich davon nicht manipulieren zu lassen. Es ist so, da haben wir einen aktuellen Fall, wo wir eine Kollegin, einen Kollegen von uns sofort in die Mordkommission gehen.
Vielleicht die ersten Netzwerke, die ersten Unterstützungsleistungen. Und auch die oder die Kollegin bekommt alles mit aus den Besprechungen, die ersten Angaben. Und wenn wir dann in die Fallanalyse gehen, kann diese Kollegin oder der Kollege nicht im Team sein. Weil diese ganze subjektive Prägung würde sich bei uns wiederfinden, wenn wir da objektiv rangehen. Von daher müssen wir da auch einen Cut machen, was manchmal sehr, sehr weh tut.
Aber die Kollegin oder der Kollege bleibt dann so unser Verbindungsbeamter für die Mordkommission. Und dann müssen wir schauen, sprechen wir von Informationen von objektiven Spuren. Und bei Cold Cases haben wir das ja irgendwo. Wir können schauen, ob wir nochmal Untersuchungen nachreichen können durch die Entwicklung der ganzen kriminaltechnischen Fortschritte.
Oder sprechen wir von einem aktuellen Fall, wo noch nicht alle Spuren bearbeitet wurden, wo wir am Anfang stehen, wo wir das so früh begleiten, dass wir nicht wissen, welche Blutspur gehört zu wem, Täter, Opfer. Und erst mal eine Übersicht brauchen über die Spuren. Und dann ist natürlich die Frage. Welche Priorität setzt man? Und oft ist es so, dass gewisse Spuren oder objektive Spuren, die man anfangs vernachlässigt hat, die Top-Spur wird, wenn man es rekonstruiert hat. Das kommt vor? Ja, natürlich.
Und das sind dann spannende Geschichten, dass man dann sagt, oh, holla, wir hatten einen Fall, da ging es um ein Brandgeschehen, Tötungsdelikt, zwei Opfer, ein schwerverletztes Überlebendesopfer. Und der Täter hat hinterher das Haus in Brand gesteckt. Wir waren draußen. Und dann lag einer raus. Um Spuren zu verwischen. Oder auch die Person sozusagen zu beseitigen.
Ja, um Spuren zu verschwinden, genau. Da ging es um Spuren. Und wir sind also auch relativ schnell da gewesen. Und wir haben uns lang erarbeitet durch viele Diskussionen, dass wir relativ früh, wie die Kollegen, die im Vollschutz sind, auch an die Tatorte kommen. Das heißt, auch wir sind im Vollschutz in den Tatörtlichkeiten und können da unsere ersten eigenen Fotos, eigenen Videos machen.
Und wirklich so einen unverbrauchten Blick, wenn man das zu der Zeit schon sagen kann. Uns vom Tatort holen, den Eindruck, um den loszulegen. Und da lag ein Rauchmelder draußen auf dem Rasen. Ein Rauchmelder, der nicht verkohlt war. Und die Frage war, was macht ein Rauchmelder hier? Die Feuerwehr wird keinen Rauchmelder rauswerfen. Und das war dann auch erst mal nicht so im Fokus.
Aber das war Täterhandel, der natürlich die Rauchmelder abgeschlagen hat und einen nach draußen geworfen hat. Und das sind natürlich Dinge, die auch für die Beurteilung der Täter Handlungen, der Aktionen, vielleicht auch der Planungskompetenz eines Täters eine enorme Aussagekraft. Und wenn wir dann vielleicht noch DNA oder seine Fingerspuren drauf finden, bingo.
Stichwort auch nochmal Information. Alle Welt redet ja künstliche Intelligenz von den Möglichkeiten. Was denken Sie denn? Wird die künstliche Intelligenz die Fallanalyse voranbringen? Vielleicht sogar, sage ich mal, dass Experten sich da wochenlang einschließen, irgendwo in einem Büro und Aktenstudium beispielsweise dann betreiben, dass das irgendwann nicht mehr notwendig sein wird?
Ich bin kein KI-Spezialist, aber KI bedient sich ja großen Datensammlungen, Ansammlungen, um dann entsprechend da ihre Produkte zu präsentieren. Ich glaube, im Bereich von Datenbanken, auch wir nutzen eine Datenbank, die wir Täterverhalten vergleichen und hoffen, dass wir Tatsammenhänge, Weiklis, auch in anderen Ländern zu anderen Taten entsprechend verknüpfen können.
Da könnte ich meine Unterstützung sehr gut vorstellen. Aber in der Arbeit, in der Fallanalyse, in der Rekonstruktion, wo es um Interpretation geht, also da reicht meine Fantasie noch nicht auf, sodass ich nicht glaube, dass in den nächsten 10, 20 Jahren die Profiler arbeitslos werden. Okay. Buchstabe J, Jagdverhalten. Inwiefern können Täter als Jäger betrachtet werden und welche Rolle spielt ihr Jagdverhalten in der Analyse?
Ja, Jagdverhalten, es gibt ja unterschiedliche Tätertypen. Es gibt die, die Jäger, die Cruiser, die ja so eine latente Tatbereitschaft hatten und auch situativ vorgehen. Ich dachte, oh, Tat ist günstig, ich sehe einen Opfer. Links gucken, rechts gucken. Das ist eine latente Tatbereitschaft. Aber es gibt auch die, die bewusst cruisen, um sich Opfer zu suchen an bestimmten Stellen.
Da muss man gucken, wie ist das Opferbild? Was ist seine Präferenz? Aber das sind Jäger. Und ja, der Jäger bei der Polizei, würde ich erst mal sagen, fiel mir sofort der Zielfahnder ein, der Fahnder ein. Jäger sind wir natürlich auch. Und ich überlege gerade, wann sind wir denn echte Jäger? Wo auch vielleicht mal so ein bisschen, ja, so ein Jagdinstinkt auftritt.
Also eigentlich sind wir, die eigentlich ruhig im Hintergrund arbeiten. Aber mir fällt eine Konstellation ein, wo natürlich auch alle betroffen sind, wenn es um Serientäter geht. Wenn es um Serientäter geht und die bisherigen, der Druck ist hoch, allgemein, der Druck ist hoch. Die Frage, macht er weiter, macht er nicht weiter?
Wobei unsere Antwort ist, warum sollte er aufhören, wenn er erfolgreich ist? Man kann das ja oft aus Lebenssituationen auch im Alltag verknüpfen. Warum hören wir bei Erfolg auf? Das wird niemand tun. Und es ist unerträglich, wenn wir eine neue Tat brauchen, um das relevante Puzzleteil entsprechend einzufügen, um in einem Fall weiterzukommen. Und Jagdinstinkt, ja, da wird es hektisch und da werden wir, glaube ich, auch zu Jägern.
Ja, Herr Schütte, vielen Dank für das Gespräch bis hierhin. Wir sind jetzt bis zum Buchstaben J gekommen. An dieser Stelle machen wir jetzt eine Pause. Das ist jetzt der Teil 1 und in Teil 2 wird es dann weitergehen, wenn wir den Buchstaben K dann anfangen werden, das ABC des Todes aufzuarbeiten. Buchstabe K wird dann sein, wenn Kinder töten. Okay.