Terra X History - Der Podcast

250 Jahre USA - Die Geschichte der amerikanischen Revolution

Freitag, 3. Juli 2026 · 1 h 13

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Shownotes

„All men are created equal“ – alle Menschen sind gleich erschaffen. Dies ist vielleicht der berühmteste Satz aus der Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. Sie gilt als Geburtsstunde der Vereinigten Staaten. Am 4. Juli 2026 feiern die USA das 250. Jubiläum dieser Unabhängigkeitserklärung und damit auch das Ende der Herrschaft Großbritanniens über ihre damals dreizehn nordamerikanischen Kolonien. Aber woran wird da eigentlich erinnert? Für wen galten diese unveräußerlichen Rechte auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glückseligkeit? Und wie kam es zu diesem Unabhängigkeitskrieg, den eigentlich keiner wollte? Ein Podcast darüber, was bei der Boston Tea Party wirklich geschah, warum es einem preußischen Offizier zu verdanken ist, dass die Amerikaner am Ende gegen die britische Armee siegte und die Frage: Was ist eigentlich mit den Loyalisten passiert, die lieber britische Kolonie geblieben wären?

InterviewparterInnen:
• Rebecca Brückmann
• Michael Hochgeschwender
• Jan Jansen
• Charlotte Lerg
• Jennifer Raff
• Stefan Rinke

Literatur

• Brueckmann, Rebecca (2021): Massive Resistance and Southern Womanhood: White Women, Class, and Segregation. University of Georgia Press. Athens, 2021.
• Depkat, Volker (2026): Die Amerikanische Revolution, C.H. Beck Wissen. München.
• Ellis, Joseph (2026): 1776. Der Sommer der Revolution, C.H. Beck. München.
• Feuchtwanger, Lion (1946): Die Füchse im Weinberg, Aufbau Verlag. Frankfurt am Main.
• Hochgeschwender, Michael (2010): Der amerikanische Bürgerkrieg, C.H. Beck. München.
• Jansen, Jan C. / McKenzie, Kirsten (Hg.) (2024): Mobility and Coercion in an Age of Wars and Revolutions: A Global History. Cambridge University Press. Cambridge.
• Lerg, Charlotte (2022): Die Amerikanische Revolution, UTB. Stuttgart.
• Lerg, Charlotte (2011): Argument Amerika. Die Deutsche Amerika-Forschung im Vormärz und ihre politische Deutung in der Revolution 1848/49, transcript. Bielefeld
• Neitzel, Sönke (2000): Weltmacht oder Untergang. Die Weltreichslehre im Zeitalter des Imperialismus, Brill. Paderborn.
• Raff, Jennifer (2022): Origin: A Genetic History of the Americas. Twelve Books (Grand Central Publishing). New York.
• Rinke, Stefan (2022): Amerika - Amerikas: Zur Geschichte eines Namens von 1507 bis zur Gegenwart (Historamericana), Herder. Freiburg im Breisgau.

Internetquellen
verfassungsgeschichte.ch/US_1776_Declaration%2…
lexingtonma.gov/DocumentCenter/View/3887/Revol…
themayflowersociety.org/history/the-mayflower-…
verfassungsgeschichte.ch/US_1776_Declaration%2…
allthingsliberty.com/2014/01/sam-adams-signal
bostonteapartyship.com/wp-content/uploads/2018…
verfassungsgeschichte.ch/US_1776_Declaration%2…
yorku.ca/comninel/courses/3025pdf/Locke.pdf
heritage.org/progressivism/report/review-the-1…
nytimes.com/interactive/2019/12/20/magazine/16…

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Weitere Links

Terra X History-Folge zur Geschichte der Wikinger: open.spotify.com/episode/0ExMxg49CXnltdcspGtYi…

Zeitkapsel:
story.ndr.de/zeitkapsel/index.html

Team:
• Moderation: Mirko Drotschmann
• Sprecher*innen: Juana Guschl, Nils Kretschmer, Makke Schneider
• Buch und Regie: objektiv media GmbH, Janine Funke und Andrea Kath
• Technik: Sarah Fitzek
• Musik: Sonoton
• Produktion: objektiv media GmbH im Auftrag des ZDF
• Redaktion ZDF: Katharina Kolvenbach und Arne Peisker

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

ZDF, So hört sich der 4. Juli in den Vereinigten Staaten an. Nationalfeiertag. Auch in diesem Jahr wird dieser Tag zelebriert. Aber 2026 ist es kein gewöhnliches Jubiläum. Nein, es ist der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich, dass alle Menschen gleich geschaffen sind, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, dass zu diesen Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.

Ein Versprechen, das vor 250 Jahren aufgeschrieben wurde. Aber was bedeutet dieses Jubiläum in einem Amerika, das so gespalten scheint wie selten zuvor? Und für wen galt das, was die Gründerväter aufgeschrieben haben im Jahr 1776 und für wen nicht? Ich bin Mirko Drotschmann, ihr hört Terra Existory, der Podcast.

In dieser Folge geht es um die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Ihre lange Vorgeschichte und die Frage, was hat das alles mit uns zu tun? Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Soldaten der Unabhängigkeitsarmee von einem Preußen ausgebildet wurden? Oder dass die amerikanischen Revolutionäre es ohne Geld aus Frankreich und den Niederlanden vermutlich nicht geschafft hätten, sich 1776 vom kolonialen Mutterland Großbritannien erfolgreich zu befreien?

19. April 1775, kurz nach Sonnenaufgang, Lexington, Massachusetts, ein kleines Dorf westlich von Boston. Auf dem zentralen Dorfplatz versammeln sich amerikanische Angehörige der Revolutionsmiliz. Ihnen gegenüber stehen zahlenmäßig weit überlegen bewaffnete britische Soldaten. Und dann geschieht etwas, was den Lauf der amerikanischen Geschichte für immer verändern wird.

Wer diesen Gewehrschuss am frühen Morgen des 19. April 1775 abgefeuert hat, ist bis heute unklar. Trotzdem ist dieser Schuss einer der bekanntesten Momente der amerikanischen Geschichte. Der Dichter Ralph Waldo Emerson nannte ihn später den Schuss, der rund um die Welt gehört wurde. 1837 schrieb er seine Concord-Hymn, die wahrscheinlich jeder US-Amerikaner kennt, oder zumindest die Melodie.

Auf dem zentralen Dorfplatz von Lexington steht seit 1799 ein Denkmal für die acht Männer, die am Morgen des 19. April 1775 im Kugelhagel auf Seiten der amerikanischen Revolutionäre starben. In der Inschrift des Denkmals heißt es, die Freiheit und Unabhängigkeit Amerikas, besiegelt und verteidigt mit dem Blut ihrer Söhne.

Was damals in Lexington und Concord passiert ist und wie dieser erste Schuss den Lauf der amerikanischen Geschichte beeinflusst hat, genau das schauen wir uns nachher noch einmal genauer an. Aber erst einmal wollen wir hier klären, welche Menschen lebten denn auf dem nordamerikanischen Kontinent, als Anfang des 17. Jahrhunderts die ersten europäischen Siedler dort gelandet sind? Und seit wann ist der Kontinent überhaupt bewohnt?

Dazu forscht die US-amerikanische Anthropologin und Genetikerin Jennifer Raff. Es ist eine kompliziertere Frage, als man denken würde. Ich schaue mir die genetischen Befunde an. Das ist mein Fachgebiet. Und die legen nahe, dass sich die Vorfahren der amerikanischen Ureinwohner vor etwa 26.000 bis 19.000 Jahren von ihrer Ursprungspopulation getrennt haben und dass sie sich vor etwa 17.000 bis 14.000 Jahren südlich von Alaska durch Amerika bewegten.

Es ist möglich, dass Menschen noch früher hier waren. Sie haben nur keine genetischen Spuren hinterlassen. Das ist ein Bereich, den wir kontinuierlich erforschen und versuchen, genauere Antworten zu finden. Wir können inzwischen rekonstruieren, woher sie kamen und wie sie sich bewegt haben. Und es scheint, dass sie sich während der sogenannten glazialen Maximumperiode, also dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, von ihren Vorfahren getrennt haben.

Danach verbreiteten sie sich sehr schnell in ganz Amerika. Einige von uns sind der Ansicht, dass diese Isolation von ihrem Ursprungsstamm in Beringia stattgefunden haben könnte, dieser riesigen prähistorischen Region, als es noch eine Landverbindung zwischen Sibirien und Nordamerika gab. Anhand von genetischen Spuren können wir sehen, dass sich diese Populationen, als sie in Amerika ankamen, sehr schnell bewegten.

Vor allem, als sie dann südlich des riesigen Gletschers waren, der den größten Teil Nordamerikas bedeckte. Es ist wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil dieser Reise per Boot zurückgelegt werden musste, denn Menschen zu Fuß hätten sich nicht so schnell oder so weit verbreiten können, wie es die archäologischen und genetischen Befunde nahelegen.

Ja, als die europäischen Kolonisten ab dem späten 15. Jahrhundert auf den amerikanischen Kontinent trafen, lebten laut Schätzungen möglicherweise 100 Millionen Menschen in den beiden Amerikas, also in Nord- und Südamerika. Übrigens, auch die Wikinger haben es bis zum amerikanischen Kontinent geschafft.

Genau darüber haben wir schon eine eigene Podcast-Folge gemacht. Wir haben sie in den Shownotes verlinkt. Hört da gerne mal rein. Die Europäer hatten ein großes Interesse daran, Amerika als ein leeres Land darzustellen, das sie kolonisieren konnten. Denn wenn dort viele Menschen und große Zivilisationen existiert hätten, hätten sie das moralisch kaum rechtfertigen können und das Land für sich beanspruchen können.

Deshalb haben wir von europäischer Seite keine genauen schriftlichen Aufzeichnungen darüber, wie viele Menschen tatsächlich dort lebten. Gerade die Regionen, die später zu den Vereinigten Staaten von Amerika wurden, waren aber alles andere als leer. Wir haben so viele verschiedene Sprachen, deren Wurzeln weit tiefer reichen als bis zur Zeit des europäischen Kontaktes.

Es lebten Prärievölker in den Great Plains, die faszinierende und komplexe Kulturen pflegten, Bisonsjagden, aber auch Landwirtschaft betrieben. Daneben lebten Jäger und Sammler in der Arktis und jagten Robben, Wale und Meeressäuger. In Kalifornien wiederum gab es eine ganz andere Lebensweise. Und in den östlichen Wäldern lebten die Menschen von einer außerordentlich vielfältigen Nahrungsgrundlage und betrieben intensive Maislandwirtschaft.

Es war einfach unglaublich viel los. So viele verschiedene Kulturen und Lebensweisen, zu denen die heutigen Stämme ihre Wurzeln direkt zurückverfolgen können. Als die Europäer damit begonnen haben, den nordamerikanischen Kontinent im 17. Jahrhundert dauerhaft zu besiedeln, kamen sie genau mit dieser Vielfalt an Kulturen in Kontakt.

Es ist das Jahr 1607. Drei kleine Schiffe ankern in der Chesapeake Bay an der Ostküste Nordamerikas. An Bord etwa 100 Männer. Sie kommen im Auftrag der Virginia Company of London. Es sind Goldsucher, die hier eine Kolonie gründen sollen. Nun machte sich jeder Mann ans Werk. Der Rat entwarf die Festung.

Die übrigen fällten Bäume, um einen Platz für ihre Zelte zu schaffen. Die erste Siedlung heißt Jamestown, benannt nach dem damaligen englischen König James I. Aber das unbekannte Land stellt die Engländer vor große Herausforderungen. Krankheiten brechen aus, innerhalb eines Jahres ist fast die halbe Besatzung tot.

Die Kolonie überlebt nur, weil die mächtigen Pro-Huttern-Stämme, die das Land seit Generationen bewohnen, ihnen helfen zu überleben. 13 Jahre später macht sich im November 1620 ein anderes Schiff auf den Weg von England über den Atlantik. die Mayflower. An Bord eine 37-köpfige religiöse Pilgergruppe, die sich von der Kirche von England abgewendet hat und fast 70 weitere Passagiere.

Ihr Ziel ist die englische Kolonie Virginia. Die Neuankömmlinge landen allerdings weiter nördlich davon, an der Küste des heutigen Massachusetts. Bevor sie von Bord gehen, geschieht etwas Ungewöhnliches. 41 der männlichen Passagiere schließen noch auf dem Schiff einen Vertrag miteinander. Ein Selbstregierungsvertrag, den sie den Mayflower Compact nennen.

Er beginnt mit den Worten Im Namen Gottes, Amen. Wir verbinden uns gemeinsam zu einem bürgerlichen Staatskörper für unsere bessere Ordnung und Erhaltung und verpflichten uns, gerechte und gleiche Gesetze zum allgemeinen Wohl der Kolonie zu erlassen. Aus diesen ersten Siedlungen an der nordamerikanischen Ostküste wurden im Laufe des 17. Jahrhunderts und des frühen 18. Jahrhunderts 13 Kolonien, jede mit ihren eigenen Interessen.

Wie sich diese zersplitterte Gruppe schließlich zusammengeschlossen hat und eine Einheit gegen die britische Krone gebildet hat und wie es am Ende zur Revolution kam, darüber spreche ich jetzt mit Charlotte Lerck. Sie ist Professorin für nordamerikanische Geschichte und geschäftsführende Direktorin des Lasky Center für transatlantische Studien der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Charlotte, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Hallo. Wenn wir über die amerikanische Revolution sprechen, dann sprechen wir meistens über das Jahr 1776, was ja auch irgendwie nachvollziehbar ist, das Jahr der Unabhängigkeitserklärung. Aber du beschreibst in deinem Buch, dass das eigentlich vielmehr der Abschluss einer langen Vorgeschichte war.

Wann beginnt denn die Geschichte der amerikanischen Revolution wirklich und warum? Da gibt es verschiedene Daten, die man nehmen könnte. Aber in der Regel spricht man vom Ende des sogenannten Siebenjährigen Kriegs oder des French and Indian Wars. Das war 1763. Man könnte allerdings auch sagen, 1776 ist mittendrin, denn es geht danach ja auch noch weiter mit dem Unabhängigkeitskrieg.

Also eigentlich ist die Unabhängigkeitserklärung zwischen zwei Kriegen die Revolution. Bevor wir jetzt da tiefer in die politischen Konflikte einsteigen, woher kamen denn überhaupt die ersten europäischen Kolonisten? Was waren das für Menschen und warum haben sie die Reise ins Ungewisse auf sich genommen?

Ja, das ist natürlich schwierig zu verallgemeinern. Es wird oft so ein bisschen dargestellt, dass die auf der Suche nach religiöser Freiheit waren und das war ein Thema. Sie waren aber auch auf der Suche nach Ressourcen. Die kamen vor allen Dingen zunächst natürlich aus Großbritannien und von den britischen Inseln.

Aber wir haben auch aus den deutschen Staaten damals Auswanderer in diese Regionen gehabt. Und natürlich auch von anderswo in der Welt. Also wir haben aus der Karibik und natürlich die unfreiwilligen Einwanderer. Die Sklaven, die in die Kolonien gebracht wurden. Jetzt hast du gerade schon gesagt, die kamen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Was waren das denn für Menschen? Wie gut gebildet waren sie zum Beispiel? Welche Sozialisierung hatten sie?

Also die, die zuerst kamen, am Anfang lief das auch nicht so gut, vor allen Dingen im Süden unten, weil das waren dann so Wirtschaftsunternehmen. Da war dann eine Person, die war vielleicht adelig und hatte vom König das Land bekommen und hatte sich dann irgendwie ein paar Leute gesucht. Meistens entweder Leute, die investiert hatten, Aber meistens waren das dann, die dann tatsächlich fuhren, waren Bauern, waren Handwerker und die waren aber auf die Gegebenheiten da gar nicht so eingestellt.

Nachdem sozusagen die erste Ansiedlung funktioniert hatte, kamen dann vor allen Dingen eben auch Leute, die keine Chance auf Land in Großbritannien hatten, oft dritte Söhne von Familien, solche Sachen. Es gab natürlich auch dann später die Auswanderung als Alternative zum Gefängnis. Als wir dann zur Revolution kommen oder in die Zeit vor die Revolution, hat sich das natürlich schon ein bisschen verändert. Da hat sich das konsolidiert.

Und wir haben eine Gesellschaft, die im Grunde ähnlich ist wie in Europa, aber natürlich sich selber auch als Provinzieller sieht, auch natürlich Provinzieller ist, weil man einfach nicht die gleichen Verbindungen hat. Und das ist aber auch so ein Teil dieser Unabhängigkeitsbewegung, dass man sich selbst behaupten möchte als eine eigene Gesellschaft, mit einer eigenen Identität auch.

Wie können wir uns denn das Leben der Menschen vorstellen, vor allem der ersten Menschen, die angekommen sind? Wie haben die es geschafft, sich da was aufzubauen? Ja, also es ist immer schwierig, so eine Heldengeschichte zu erzählen, wie es in den USA gerne passiert, wobei das inzwischen da ja auch kritischer gesehen wird.

Denn vor allem muss man natürlich sagen, sie kommen dahin und das Land ist ja besiedelt. Da leben indigene Völker und das ist tatsächlich auch eines der ersten Dinge, die stattfinden, ist Konflikte in dieser Richtung. Und die ersten Ansiedlungen funktionieren auch genau aus diesem Grund nicht, weil sie eben diese Konflikte unterschätzt haben. Und dann kommt tatsächlich der Twist sozusagen, dass die indigene Bevölkerung ihnen hilft beim Überleben.

Das ist ja diese Legende von Thanksgiving auch, die auch nicht ganz unproblematisch in der Erinnerung ist. Aber es gibt schon dieses Miteinander für einen kurzen Moment, auch weil es für die indigene Bevölkerung teilweise hilfreich war, sich so auf diese Weise strategisch zu verbünden. Und so schafft man dann die dauerhafte Ansiedlung in dieser unbekannten Flora und Fauna.

Und das ist praktisch sozusagen einer der Schritte. und der Handel, der dann auch mit dem Mutterland anfängt stattzufinden, denn es gibt ja Ressourcen in diesem Land, die dann auch sehr schnell angebaut und abgebaut werden. Du hast es vorhin schon angesprochen, dass die Indigenen auch eine Rolle gespielt haben in dem Konflikt zwischen den Kolonien und London. Welche Rolle war das genau?

Da kann man zwei Dinge zu sagen. Also zum einen waren sie natürlich immer eine Bedrohung für die Siedler oder wurden als Bedrohung auch wahrgenommen, natürlich, weil ja eigentlich ihr Land bedroht war. Und gleichzeitig haben wir eben vor allen Dingen nach dem sogenannten French and Indian War, also dem Siebenjährigen Krieg in Nordamerika, der 1963 zu Ende geht, ein Grund für diesen Krieg war, dass man eben weiter in Richtung Westen gehen wollte.

Und da waren aber eben indigene Territorien und da hatten auch die Franzosen ihre Autorität ausgebreitet. Und deswegen waren die Briten und die Franzosen in Konflikt gekommen und die Franzosen hatten sich dann mit den Indigenen verbündet. Und als jetzt die Franzosen weg waren, war natürlich die Sorge da, dass jetzt erst recht der Drang nach Westen und noch mehr Landnahme stattfinden würde.

Und da haben sich mehrere indigene Gruppen zusammengeschlossen und haben Krieg geführt gegen die britischen Siedler in der Zeit zwischen 1763 und 1767 etwa. Und daraufhin hat die britische Krone reagiert und hat gesagt, wir können uns das gerade nicht leisten, da jetzt auch noch Krieg zu führen. Und hat gesagt, man darf nur bis zu diesem bestimmten Punkt gen Westen gehen und der Rest ist Indigenous Land.

Und das hat aber dann wiederum die Siedler gegen die britische Krone aufgebracht. Denn ein Grund, warum sie sich vorher für die britische Krone gegen die Franzosen eingesetzt hatten, war ja, dass sie eigentlich gen Westen gehen wollten. Du hast jetzt schon häufiger den Siebenjährigen Krieg erwähnt. 1763 ist der zu Ende gegangen. Einige sprechen auch davon, dass es der erste Weltkrieg sozusagen gewesen ist. Großbritannien hat gewonnen.

Vielleicht kannst du uns ganz kurz auf den Punkt sagen, was so die großen Linien dieses Kriegs waren und was der Sieg Großbritanniens bedeutet hat für die amerikanischen Kolonien. Der Siebenjährige Krieg ist ja eigentlich ein Krieg, der in Europa angesiedelt wird, vor allem ein Konflikt zwischen Preußen und Österreich.

Da fragt man sich jetzt, was haben die Franzosen und die Engländer damit zu tun? Es ist aber natürlich ein Krieg, der sich dann ausweitet und tatsächlich aufgrund der Partizipation von Frankreich und Großbritannien zu so einem weltumspannenden Krieg wird, weil sie eben alle beide große Kolonien haben, sowohl in Nordamerika, aber eben auch zum Beispiel in Asien.

Und der wird eben auf allen Kontinenten im Grunde geführt. Und in Nordamerika geht es zum einen um Land. Wir haben zu dem Zeitpunkt noch Neu-Frankreich als große Kolonie im Norden oben, das was heute Kanada ist. Und da entstehen Konflikte, weil die Franzosen wollen gerne auch die sogenannte Ohio-Region.

Und das heißt, die Rivalität zwischen Großbritannien und Frankreich, die wir ja auch in Europa dann zu dieser Zeit immer wieder sehen und die immer wieder aufbricht, spielt sich jetzt sozusagen auch in der Kolonie ab. Und neben Land geht es auch um Handelsrechte, es geht um solche Fragen. Es geht auch ein bisschen um Religion, weil natürlich die Franzosen vor allen Dingen katholisch sind und die englischen Siedler sind vor allen Dingen protestantisch.

Wenn auch in vielen verschiedenen Schattierungen. Und mit dem Kriegsende verzichtet Frankreich auf all seine Ländereien in Neu-Frankreich oder in Nordamerika, bekommt dafür andere Kolonien zurück in anderen Regionen der Welt. Und damit haben die Briten im Grunde für sich diese nordamerikanischen Kolonien endgültig erobert.

Man spricht dann von Britisch-Nordamerika und das ist eben wirklich der entscheidende Moment, weil damit auch die Möglichkeit entsteht, dass da langsam sich eine gemeinsame Identität entwickelt, was dann ja später für die Revolution auch wichtig ist. Zwei Jahre nach Ende des Siebenjährigen Kriegs verabschiedet das britische Parlament etwas, das große Bedeutung hat für die Kolonien, nämlich den sogenannten Stamp Act.

Was steckt denn dahinter und warum reagieren die Kolonisten so heftig darauf? Der Stamp Act war eigentlich ein Versuch, ein bisschen Geld zu machen, denn dieser Siebenjährige Krieg war auch ziemlich teuer. Und Großbritannien ist zu diesem Zeitpunkt in mehrfacher Hinsicht auch in einer Krise. Also sie haben eine Finanzkrise, sie haben aber auch eine Regierungskrise, Weil während des Krieges ist der König gestorben. Der neue König versucht sich jetzt mit dem Parlament ein bisschen anzulegen, also versucht seine Autorität da etwas stärker durchzusetzen.

Das heißt, wir haben eine britische Regierung, die immer wieder neu versucht. Auch Geld zu generieren und dann feststellt, dass sie ja da diese Kolonien haben, wo eigentlich bestimmte Gesetzgebungen ihnen bestimmte Zolleinkommen garantieren sollen, die aber in der Vergangenheit eigentlich nie konsequent eingetrieben worden waren.

Und das soll jetzt geändert werden. Und der erste Schritt ist, dass man sagt, wir besteuern jetzt mal Papier. Das ist dieser Stamp Act. Das heißt, jedes Papier musste gestempelt werden. Stamp Act. Und das regt die Kolonisten aus zwei Gründen auf. Zum Ersten, weil es zum ersten Mal kein richtiger Zoll ist, sondern eine richtige Steuer.

Das hat es bis dahin nicht gegeben. Und zum Anderen, weil sie nämlich zugestimmt hatten. Denn sie sind ja nicht vertreten im britischen Parlament und das regt eben Unmut. No Taxation without Representation ist später dann ja auch das Motto. Da kommen wir gleich noch drauf zu sprechen, wenn es um die Boston Tea Party geht.

Jetzt wurde tatsächlich dieser Stamp Act wieder zurückgenommen, interessanterweise. Aber warum hat das die Lage nicht entspannt? Also es hat die Lage zunächst ein bisschen entspannt, allerdings auch nur in Maaßen, denn die britische Regierung hat schon gemerkt, dass das nicht so eine ganz gute Idee ist, das Ding zurückzunehmen, weil man damit natürlich einen Präzedenzfall schafft.

Und genauso kommt es dann auch, weil damit natürlich sichtbar wird, wenn wir nur ausführlich und ausgiebig demonstrieren und protestieren, dann können wir auch die Regierung zur Änderung zwingen. Denn es hatte den ganzen Sommer über wirklich extreme Proteste gegeben in den Kolonien und daraufhin wird er zurückgenommen. Und zusammen mit der Rücknahme dieses Stamp Acts erlassen sie einen zweiten Act, der oft vergessen wird, der Declaratory Act. Der klingt ein bisschen seltsam.

Der deklärt nämlich etwas, nämlich dass die britische Regierung immer noch die Autorität hat. Also es ist eigentlich mehr so eine Erklärung. Damit ist eigentlich klar, dass das zwar eine Rücknahme ist, aber nicht wirklich eine Veränderung der Grundeinstellung. Und es eskaliert immer weiter. Du hast ja schon angedeutet Townsend Acts, Boston Massacre und ganz besonders bekannt die sogenannte Boston Tea Party.

Was müssen wir uns darunter genau vorstellen unter dieser Party in Anführungszeichen und welche Rolle haben die sogenannten Söhne der Freiheit dabei gespielt? Also erstmal war es eigentlich keine Party und es war auch kaum so, wie es auf diesen Bildern oft dargestellt wird. Es war auf jeden Fall kein öffentliches, großes Ereignis mit jubelnden Zuschauern, denn es war eigentlich eine Geheimaktion in der Nacht.

Was auch gut so war, denn wenn das nicht so gewesen wäre, diejenigen, die da wirklich an Bord waren und den Tee ins Wasser geschmissen hätten, die wären sofort verhaftet worden, denn es richtete sich ja gegen britischen Eigentum. Die Söhne der Freiheit oder Sons of Liberty sind tatsächlich eine Gruppe, die sich in dieser Zeit von den Stamp Act Protesten auch besonders gründet und dann anfängt auch diese Protestaktionen zu koordinieren.

Zunächst vor allen Dingen in Massachusetts und dann später in anderen Kolonien. Und die sind auch diejenigen, die diese Tea Party organisieren. Das ist eine schwierige Geschichte, weil man schickt da ja keine Einladungen, auch wenn es sich anhört wie eine Party, sondern man muss das heimlich die Leute mobilisieren.

Man muss den Leuten trauen können, die man damit reinzieht, denn das war im Grunde ein krimineller Akt. Wie hat denn Großbritannien darauf reagiert und was hat das konkret im Alltag der Kolonisten verändert? Nach der Tea Party war Großbritannien wirklich rigoroser. Es hatte auch erneut einen Regierungswechsel gegeben und es werden neue Gesetze erlassen, die schon vom Namen her eigentlich zeigen, dass es jetzt darum geht, wirklich mal härter durchzugreifen. Also die werden als coercive acts zusammengefasst.

To coerce heißt also eigentlich zwingen oder beugen. Und die Kolonisten haben ihrerseits reagiert und haben gesagt, es sind die intolerable acts, also sie sind nicht tolerierbar. Was die letztlich gemacht haben, sind bestimmte Rechte, die eigentlich in den sogenannten Kolonialcharters garantiert worden waren. Also zum Beispiel das Recht auf Selbstregierung in diesen Lokalversammlungen, aber auch das Recht auf lokale Rechtsprechung.

Solche Sachen wurden alle aufgehoben und das alles in die Autorität nach London verlegt. Hinzu kamen dann aber auch Dinge wie die Schließung des Hafens von Boston, was natürlich ein großer wirtschaftlicher Schlag war. Und auch die Stationierung von mehr britischen Truppen, vor allen Dingen in der Stadt Boston. Und die sich dann wirklich anfingen anzufühlen wie eine besetzte Stadt.

Und das hat natürlich die Gemüter zusätzlich auch aufgeheizt. Hinter all diesen Konflikten steckt ja auch eine ganz grundsätzliche Frage, nämlich wofür haben die Menschen damals gekämpft? Es ging um diese Selbstständigkeit, die Selbstverwaltung. Zum einen mit Bezug auf Steuergesetzgebung, aber natürlich auch darüber hinaus.

Man muss natürlich schon auch sehen, dass die britische Regierung versucht hat, die Kolonien klein zu halten, denn für die waren es vor allen Dingen Ressourcenlieferanten. Man durfte zum Beispiel in den Kolonien keine Manufakturen aufbauen und so weiter. Das heißt aber, all das sind natürlich letztlich vor allen Dingen wirtschaftliche Gründe.

Und das ist auch wirklich nicht zu unterschätzen, dass das ein wichtiger Teil dieser Revolution war, zumindest des Auslösers. Das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem ein revolutionäres Potenzial freigesetzt hat, was nicht zuletzt auch eine längerfristige Veränderungsprozess mit sich gebracht hat, gerade weil diese istialistische Rhetorik damit einherging, auch wenn sie nicht immer ganz der Realität entsprach.

Also das öffentlichste Beispiel ja die Tatsache, dass in der Unabhängigkeitserklärung, von der Gleichheit aller Menschen gesprochen wird und man aber in einer Gesellschaft lebt, in der es Sklaverei gibt. Sehr interessant der Blick von heute auf das Damals und danke dir. Sehr gerne, vielen Dank. Die Geschichte des jetzigen britischen Königs ist eine Geschichte wiederholter Verletzungen und Missbräuche.

Alle mit dem direkten Ziel, eine absolute Tyrannei über diese Staaten zu errichten. Ja, wiederholte Verletzungen und Missbräuche. Auch dieses Zitat stammt aus der Unabhängigkeitserklärung von 1776. Mehr als ein Jahrzehnt hat sich der Konflikt zwischen den Kolonien und der britischen Krone langsam aufgeschaukelt.

Vom Stamp Act über den Deklaratory Act bis zu den Townsend Acts. Und dann gab es 1773 dieses eine Ereignis, das fast jeder aus dem Geschichtsunterricht in der Schule kennt, die Boston Tea Party. Aber was genau passiert da in dieser Nacht des 16. Dezember im Hafen von Boston? Tausende Menschen treffen sich an diesem Abend im Old South Meeting House.

Es ist die größte politische Versammlung, die die Stadt je gesehen hat. Es geht um drei Schiffe, die im Hafen liegen. An Bord 342 Kisten Tee der britischen Ostindien Company. Tee, auf den die britische Krone Steuern erhebt, ohne die Zustimmung der Kolonien eingeholt zu haben. Samuel Adams, einer der Anführer der radikalen Untergrundorganisation Sons of Liberty, soll gesagt haben, Diese Versammlung kann nichts mehr tun, um das Land zu retten.

In diesem Moment stürmt eine Gruppe verkleideter Männer der Sons of Liberty in den Saal. Sie tragen Kostüme, die an die Kleidung der Mohawk erinnern, einem indigenen Stamm, der für seine rücksichtslose Kriegsführung bekannt und gefürchtet war. Die Botschaft? Wir sind keine Untertanen der britischen Krone mehr.

Im Schutz der Dunkelheit bewegt sich eine Gruppe von Männern Richtung Hafen. Ein Augenzeuge erinnert sich. In etwa drei Stunden, nachdem wir an Bord gegangen waren, hatten wir jede Teekiste auf dem Schiff aufgebrochen und über Bord geworfen, während die Männer auf den anderen Schiffen dasselbe taten.

Als die Sonne aufgeht, schwimmen unzählige Teekisten im Wasser. Ein Schaden von etwa 10.000 Pfund Sterling, heute umgerechnet rund eine Million Euro. Um zu verhindern, dass auch nur ein Teil davon gerettet werden konnte, wurden mehrere kleine Boote von Matrosen und Bürgern bemannt, um die Kisten mit Rudern und Paddeln unterzutauchen, damit sie wirklich zerstört sind.

Der britische König hat seine Zustimmung verweigert bei Gesetzen, die gut und nötig für die öffentliche Wohlfahrt sind. Er hat die Regierung hier aufgegeben, indem er uns außerhalb seines Schutzes stellt und Krieg gegen uns führt. Was in Boston passiert war, das hat Schule gemacht. Die anderen der 13 Kolonien haben sich mit Boston und der Kolonie Massachusetts Bay solidarisiert.

Ihre Namen werden euch bekannt vorkommen. New Hampshire, Rhode Island, Providence Plantations, Connecticut, New Haven, New York, New Jersey, Pennsylvania, Delaware, Maryland, Virginia, North Carolina, South Carolina und Georgia. Das Netzwerk der Sons of Liberty, der Korrespondenzgesellschaften, der Kontinentalkongresse war dicht genug, um die Nachricht überall zu verbreiten.

Wenn wir zusammenhalten, dann können wir die mächtigste Kolonialmacht der Welt herausfordern. Die Zeit war reif für Veränderungen in den nordamerikanischen Kolonien. Aber was steckte hinter dieser Revolution? Wie kam es dazu, dass 13 Kolonien ihre Unabhängigkeit erklärt haben? Und wessen Revolution war das überhaupt?

Darüber habe ich mit Michael Hochgeschwender gesprochen. Er ist Professor für nordamerikanische Kulturgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Und ich freue mich sehr, dass Sie heute hier bei uns im Podcast sind. Hallo, Herr Hochgeschwender. Grüß Gott. Sie sprechen in Ihrem Buch von einer Frage, Sie beginnen dieses Buch mit der Frage, welche Revolution, wessen Revolution, was meinen Sie damit?

Die amerikanische Revolution waren im Grunde mehr Revolutionen unter einem Deckel oder unter einem Dach, könnte man auch sagen. Da ist zum einen die Revolution der kolonialen Eliten, der Großgrundbesitzer im Süden, der Fernhändler und Kaufleute im Norden, bei denen es vor allen Dingen auch um Fragen der Steuergerechtigkeit ging, beziehungsweise ob man überhaupt Steuern und Abgaben bezahlen soll.

Daneben war die Revolution der radikalen urbanen Unterklassen, insbesondere der Handwerkergesellen, die sehr stark auf mehr politische Teilhabe drängten. Und neben diesen beiden Revolutionen, die sie im Laufe der Zeit miteinander verknüpft haben, gab es weitere Revolutionen, die zum Teil gegen die Revolution gerichtet waren.

Zum Beispiel Aufstände von schwarzen Sklaven, die zu den Briten übergelaufen sind, weil sie wussten, dass sie von den Pflanzern im Süden nicht freigelassen werden und nun auf den Monarchen setzten. Relativ viele Indianerstämme, die sich auch auf Seiten der britischen Krone geschlagen haben, weil sie Angst vor den expansiven Landinteressen der Siedler hatten.

Und daneben immer wieder Aufstände auch von Kleinbauern, vor allen Dingen im Süden und an der Westgrenze, die sich gegen die Revolution gerichtet haben. Und da kommt dann auch die Frage ins Spiel Wessen-Revolution. Also wer setzt sich letztlich durch? Sind das die Eliten und tatsächlich in der Verfassung, die Verfassung hat einen eher elitären Charakter oder sind es die Teilhabewünsche der urbanen unteren Klassen, die dann erst im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Zuge kommen.

Das kann man auch innerhalb der Gründerväter festmachen, dass etwa Alexander Hamilton war ein Vertreter der Wirtschaftseliten in den USA, Thomas Jefferson selber Großgrundbesitzer, war eher jemand, der für eine breitere Partizipation eingetreten ist. Jetzt haben Sie schon einen großen Namen genannt, Thomas Jefferson.

Der immer wieder in Zusammenhang mit dieser amerikanischen Revolution heute im Rückblick auftaucht. Natürlich auch Leute wie George Washington, Benjamin Franklin, John Adams. Es klingt alles so ein bisschen auch nach Heldenverehrung, was man hört und liest in den USA zu diesen Personen, aber wer waren diese Menschen wirklich?

Ja, die meisten von ihnen waren tatsächlich Vertreter bestimmter Eliten. Also wenn Sie John Adams nehmen, der kam aus Boston, einer der unruhigsten Städte des britischen Empire, repräsentierte dort das gehobene Bürgertum. Anders George Washington und Thomas Jefferson, die aus Virginia kamen, beide Sklavenhalter und Großgrundbesitzer waren, die auch sehr ausgeprägte Landinteressen hatten, gerade auch im Westen.

George Washington hatte ja schon in den 1750er Jahren im Westen gewissermaßen gearbeitet, um dort neues Land für die britischen Kolonien damals noch zu erwerben oder in Besitz zu nehmen. Also es sind ganz unterschiedliche Leute. John Hancock zum Beispiel war ein bekannter Schmuggler. Also auch die gehören mit dazu, denn viele aus den Hafenstädten des Nordens waren am Schmuggel beteiligt, was die Briten ganz enorm geärgert hat, weil ihnen dadurch Abgaben und Zölle entgangen sind.

Und Paul Revere, der relativ bekannt geworden ist durch seinen berühmten Ritt, wo er vor den britischen Truppen warnte nach Concord und Lexington, der war Kunsthandwerker, aber auch Publizist. Also das kommt da. Thomas Paine war ebenfalls Publizist. Benjamin Franklin war einer der bekanntesten, auch international renommiertesten Publizisten und Naturwissenschaftler, einer Art Intellektueller im transatlantischen Raum.

Jetzt haben Sie schon häufiger angesprochen, dass einige dieser Menschen Sklavenhalter waren. Das hat dann ungefähr 100 Jahre später eine große Rolle gespielt. Beim amerikanischen Bürgerkrieg, der andere oder andere wirft das vielleicht durcheinander, aber das muss man vielleicht an der Stelle auch nochmal zeitlich einordnen.

Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg wiederum, der beginnt im April 1775. Sie haben jetzt schon einige Rahmenbedingungen skizziert. Es ist ja oft auch die Rede von einem Krieg, den eigentlich keiner führen wollte. Warum denn? Am Anfang war es tatsächlich niemandes Interesse, diesen Krieg zu führen.

Die Briten wollten Ruhe in ihren Kolonien haben und die Kolonialbevölkerung wollte keine Steuern bezahlen. Das ist tatsächlich einer der zentralen Gründe. Und gleichzeitig mehr Mitspracherecht gegenüber dem britischen Parlament haben. Denn in der Anfangsphase war das keine Auseinandersetzung um die Monarchie.

Die Monarchie stand eigentlich außer Frage, sondern es ging in erster Linie um das Problem, dass das Westminster-Parlament für sich beanspruchte, das Parlament des gesamten Empire zu sein. Die Amerikaner ihrerseits, also die Kolonisten, hatten Assemblies, die auch für sich beanspruchten, jeweils das Parlament für Virginia, New York, New Jersey, Pennsylvania zu sein und da kollidierten zwei Interessen und zwei Vorstellungen von der Organisation des britischen Empire.

Das heißt, am Anfang ging es eigentlich gar nicht so sehr darum, wir wollen Unabhängigkeit oder wir wollen eine Republik sein, sondern wir wollen unseren Ort innerhalb des britischen Empire haben. Wir wollen gleichberechtigt auch in unseren parlamentarischen Vertretungen sein. Das heißt, die Amerikaner wollten ihre eigenen Parlamente und die sollten über Steuern beschließen.

Und das wiederum war klar, dass die keine Steuern erheben würden. Also das war schon ein ganz zentrales Problem. Und erst im Laufe der Zeit spitzt sich das zu durch Radikalisierung auf beiden Seiten. Und bevor wir gleich weiter darüber sprechen, was in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung eigentlich genau drinsteht und auf wessen Ideen sie beruht, wollen wir an dieser Stelle doch mal kurz darauf schauen, was am 19.

April 1775 in Lexington genau passiert ist. Zumindest was man anhand von Quellen rekonstruieren kann. Wir haben darüber schon kurz am Anfang dieser Folge gesprochen. Was wir wissen ist, dass an diesen Morgenstunden des 19. April 1775 in Lexington, Massachusetts, der erste Schuss fiel im Unabhängigkeitskrieg der amerikanischen Kolonisten gegen das britische Mutterland.

Aber was passierte genau in dieser Nacht? Der Silberschmied Paul Revere, der Gerber William Dawes und andere Reiter galoppieren durch die schlafenden Dörfer westlich von Boston. Revere ist einer jener Männer aus dem Netzwerk der Kolonisten, die seit Monaten die britischen Truppenbewegungen beobachten.

Jetzt schlagen sie Alarm. Macht euch bereit! Macht euch bereit! Auf Befehl des britischen Generals Gage sind bis zu 900 Soldaten auf dem Weg nach Lexington und Concorde. In Lexington wird John Parker unsanft mitten in der Nacht geweckt. Der 46-Jährige ist Befehlshaber der Milizionäre. Aber er hat Tuberkulose und ist todkrank. Er quält sich aus dem Bett, zieht sich an, ergreift sein Gewehr und marschiert zum Dorfplatz.

Dort stehen schon um die 70 Männer. Bauern, Handwerker, Veteranen früherer Kriege. Die Übermacht der britischen Soldaten, der sogenannten Rotröcke, ist erdrückend. Milizenführer John Parker soll zu seinen Männern gesagt haben, Steht euren Posten. Schießt nicht. Es sei denn, man schießt auf euch. Aber wenn sie Krieg wollen, dann sollen sie ihn hier beginnen.

Was dann passiert, darüber streitet die Forschung bis heute. Wahrscheinlich geben die Kolonisten einige Schüsse ab, woraufhin die britischen Soldaten die Nerven verlieren. Auch im benachbarten Concorde hören die Milizen von den ausrückenden Gegnern. Hunderte Männer versammeln sich, um gegen die Briten ins Feld zu ziehen.

Es kommt zu einem Feuergefecht, das erst am Abend endet. Auf britischer Seite gibt es 273 Tote und Verwundete. Die Verluste auf amerikanischer Seite sind deutlich geringer. Was an diesem 19. April 1775 in Lexington und Concord begann, war mehr als ein Feuergefecht. Es war der Moment, in dem aus einem Steuerstreit ein Unabhängigkeitskrieg wurde.

Noch in derselben Nacht verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Innerhalb weniger Tage sprach sich in den 13 Kolonien herum, was in Massachusetts Bay passiert war. Und innerhalb von Wochen hatte sich der Aufstand auf die anderen Kolonien ausgebreitet. Interessant ist, dass es am Anfang gar nicht unbedingt um die Unabhängigkeit ging.

Und daher jetzt wieder eine Frage an Michael Hochgeschwender. Es soll sogar ein Friedensangebot an den britischen König gegeben haben. Die sogenannte Olive Branch Petition vom 5. Juli 1775. Aber das ist heute so gut wie vergessen, oder? Nun muss man sagen, die ist nicht zu Unrecht vergessen. Denn im Nachhinein kann man davon ausgehen, dass die nicht so richtig ernst gemeint war.

Es ging allerdings darum, dass innerhalb des Zweiten Kontinentalkongresses, also der parlamentarischen Vertretung der Kolonien, die jetzt als interkoloniale Vertretung agierte, was es vorher eigentlich nicht gegeben hat, es gab den Ersten Kontinentalkongress, aber der Zweite war der entscheidende, da gab es noch viele Abgeordnete, die überhaupt keine Unabhängigkeit wollten.

Die wollten auch keinen Krieg mit Großbritannien. Einer der führenden Leute war ein Veteran der Stamp Act Krise von 1765, der damals schon gegen die Abgaben und Steuern protestiert hatte. Jetzt aber sagt er, ich habe mal einen Loyalitätseid auf den König geschworen und den kann ich nicht einfach über Wort werfen. Das war John Dickinson, einer der reichsten Männer in Nordamerika.

Und dadurch, dass Dickinson so reich war, war er auch durchaus einflussreich. Und das führte dann dazu, dass man diese Olive Branch Petition erließ. Gleichzeitig hat man bereits den Angriff auf Kanada begonnen. Und man wollte dann auch Kanada befreien, was jetzt kein wirklich friedlicher Akt war. Diese Befreiung Kanadas ist allerdings auch kläglich schief gegangen.

Und hier haben die britischen Gruppen sich das überlegen erwiesen. Vor allem hatte eines nicht stattgefunden, worauf die Revolutionäre gerechnet hatten, nämlich, dass die frankokanabischen Katholiken sich der Revolution anschließen würden. Aber die hatten sehr deutlich begriffen, dass es in der Propaganda der Revolutionäre, vor allem um rechte freier Engländer ging.

Und mit rechten freier Engländer konnten Franzosen nicht besonders viel anfangen und sie wussten auch um den Antikatholizismus in den südlichen Kolonien. Deswegen haben, wie gesagt, also interessiert uns nicht, kämpft das unter euch aus, ihr Briten, und wer am Ende gewinnt, ist uns egal. Auf der anderen Seite standen dann Leute wie John Adams, der bereits damals gegen die Olive Branch Petition war und sich ganz deutlich dafür aussprach, wir wollen in Richtung Unabhängigkeit gehen.

Aber das blieb noch für ein weiteres Jahr umstritten. Der 5. Juli 1775, das war es genau ein Jahr vor der Unabhängigkeitserklärung. Und noch Anfang 1776 gab es relativ viele Revolutionäre, die noch keine Unabhängigkeit wollten. Man kämpfte nämlich offiziell gegen das Parlament und nicht gegen den König.

Das dreht sich erst nach Februar 1776. Und auch hier ein ganz interessanter Aspekt für viele ist mit der Unabhängigkeitserklärung dann auch der Krieg vorbei, aber das ist ja überhaupt nicht so, der geht noch eine ganze Weile weiter. Wie kommt es denn überhaupt zu dieser Unabhängigkeitserklärung? Ja, das zieht sich eine Weile hin, also vom Frühjahr 1776 bis in den Sommer 1776.

Da beginnt auch das Blatt sich insofern zu wenden, als es jetzt gegen den König geht. Das hängt mit mehreren Dingen zusammen, insbesondere auch mit dem Eingreifen der Royal Navy. Bei der britischen Armee konnte man immer sagen, dass die Armee des Parlaments die Royal Navy, aber wie der Name sagt, ist die Flotte des Königs.

Und damit wurde der König allmählich zum Hauptgegner und dazu trug dann auch eine Schrift von Thomas Paine, Common Sense, bei. In der er auf der einen Seite stark naturrechtlich argumentierte, die Rechte von freien Individuen hervorhob und gegen die Monarchie insgesamt antrat. Zum anderen aber auch vor allen Dingen persönliche Invektiven gegen den Monarchen einstreute. Also man muss schon sagen, wenn man Common Sense durchliest, das ist ein ziemlich übles Propaganda-Wachwerk.

Also voller Beleidigungen, auch Lügen gegen den König. Da werden also die schrägsten Dinge über ihn berichtet, die Thomas Paine überhaupt nicht wissen kann. Wir wissen nicht ganz genau, wie einflussreich diese Schrift war, die auch auf eine Anregung von Thomas Jefferson zurückging. Aber dann sammelten sich allmählich ab Frühjahr 1776 diejenigen im Kontinentalkongress, die die Unabhängigkeit wollten.

Vor allem wurden sie etwas von den Ereignissen überrollt, weil jetzt plötzlich Kolonie und Kolonie begannen sich unabhängig zu erklären. Zum Teil haben sich einzelne Städte unabhängig erklärt. Einzelne Gewerkschaften, die es bereits gab, haben sich unabhängig erklärt. Da sieht man dann auch die Radikalisierung von unten. Das heißt, diese sehr elitären Herrschaften, die im Kontinentalkongress sahen, bekamen nun allmählich Angst, dass sie die Kontrolle über die Revolution verlieren.

Das heißt, sie mussten sich wieder an die Spitze der Revolution stellen. Gleichzeitig gab es das Bedürfnis, weil man ja im Grunde pleite war, finanzielle Unterstützung und auch Waffenlieferungen aus dem Ausland zu bekommen. Das war aber leichter, wenn man sich unabhängig erklärt hatte und spannenderweise konnten diese Waffen nur aus Frankreich kommen.

Ausgerechnet das katholisch-absolutistische Frankreich sollte einen gegen die britische konstitutionelle Monarchie unterstützen, um eine eigene Republik aufzubauen. Und im Laufe dann, vor allem des Juni, Juli, nachdem am Anfang noch etwa ein Drittel der Abgeordneten für die Revolution ein Drittel gegen die Unabhängigkeitserklärung und ein Drittel neutral war, Ende Juni, Anfang Juli waren die Mehrheitsverhältnisse dann so, dass die Unabhängigkeitserklärung eine Mehrheit bekommen hat.

Die Unabhängigkeitserklärung. Kongressschutzung 4. Juli 1776. Einstimmige Erklärung der 13 Vereinigten Staaten von Amerika. Unterzeichnet von John Hancock, Josiah Bartlett, William Whipple, Matthew Thornton, Samuel Adams. Ja, und was diese Waffenlieferungen aus Frankreich angeht, von denen Michael Hochgeschwender eben gesprochen hat, das schauen wir uns jetzt nochmal etwas genauer an, denn das ist sehr spannend.

Der deutsche Schriftsteller Leon Feuchtwanger hat dieser Geschichte ein ganzes Buch gewidmet. Waffen für Amerika ist Teil 1 seiner Trilogie Füchse im Weinberg. Jedenfalls haben die amerikanischen Revolutionäre alles Mögliche unternommen, um in Europa Unterstützung für ihre Sache zu bekommen. Figaros Hochzeit spielt dabei indirekt auch eine Rolle.

Hollands Handelskapital ist so groß, dass es gleichsam immer überfließt. Einmal in die öffentlichen Wertpapiere anderer Länder und ein andermal in Kredite an private Händler und Unternehmer fremder Länder. Schreibt der englische Ökonom Adam Smith 1776 in seinem grundlegenden Werk Wealth of Nations. Diese Geldquelle wollen die jungen Revolutionäre in den 13 britischen Kolonien für ihren Unabhängigkeitskampf anzapfen.

Doch bis es soweit ist, wird es noch einige Jahre dauern. In den 13 Kolonien wächst seit 1775 auch das außenpolitische Selbstbewusstsein. Noch vor der Unabhängigkeitserklärung sucht man den Kontakt zu anderen europäischen Staaten. John Adams, Jurist und Abgeordneter für Massachusetts, sagt im Kongress im März 1776, worum es gehen soll. Keine politische Verbindung, keine militärische Verbindung, nur Handelsbeziehungen.

Frankreich unterstützt er allerdings schon länger im Geheimen die Kolonien in ihrem Unabhängigkeitskampf. Auch mit Tarnfirmen wie der des als Geheimagent tätigen Schriftstellers Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. Er ist der Autor der Komödie Figarus Hochzeit und damals schon berühmt. Beaumarchais soll die französische Unterstützung organisieren.

König Ludwig XVI. schenkt den jungen Revolutionären mehrere Millionen Livre für ihren Kampf gegen seinen Erzfeind England. Beaumarchais kauft davon über seine Tarnfirma Waffen und Munition für Amerika. Auch aus Spanien kommt Geld. Hinzu kommen noch Anleihen und Darlehen, die mit Lieferungen von Tabak an Frankreich zurückgezahlt werden sollen.

Doch in Frankreich sind die Staatskassen leer. Mehr Geld ist vom französischen König nicht zu erwarten. Aber stattdessen vielleicht von den reichen Niederländern? Der in geheimer Mission nach Europa entsandte Abgeordnete des Kontinentalkongresses, Seiles Dean, schreibt schon Anfang 1776, Holland ist derzeit das Zentrum für Geld und Kredite in Europa.

Es gibt keine Macht in Europa, vielleicht vom preußischen König einmal abgesehen, das einen Krieg anzetteln kann, ohne sich in größerem oder kleinerem Umfang Geld von Holland zu leihen. John Adams ist es zu verdanken, dass irgendwann tatsächlich Geld aus den Niederlanden nach Amerika fließt. Der Jurist und Kongressabgeordnete für Massachusetts ist seit 1782 erster Botschafter in den Niederlanden und ein unermüdlicher Werber für die amerikanische Sache.

Adams kann einige der anfangs noch zögerlichen Amsterdamer Bankhäuser davon überzeugen, dass die USA ein vertrauenswürdiger Finanzpartner sind. Am 11. Juni 1782 schließt ein Konsortium von drei Amsterdamer Finanzhäusern mit Adams einen Vertrag ab. Es ist das erste direkte Darlehen an den amerikanischen Kongress.

Und es geht um mehrere Millionen Gulden. Am 13. Juni 1782 verschickt das Bankhaus Van Starpost, das dem Konsortium angehört, die ersten Bündel von Anteilsscheinen zur Unterschrift an Adams. Der ist über den Erfolg dieser Aktion noch skeptisch, als er Anfang Juli an den amerikanischen Außenminister schreibt.

Wenn wir bis Weihnachten anderthalb Millionen zusammenbekommen, dann ist das mehr, als ich erwartet hätte. An Weihnachten 1782 ist diese Summe tatsächlich fast erreicht. Es ist ein unerwarteter Erfolg. Die junge Nation finanziert damit vor allem den Aufbau ihres Staatswesens. Die Niederlande unterstützen die amerikanischen Patrioten mit Geld und mit Anleihen.

Frankreich ging sogar noch weiter und griff militärisch in den Krieg ein. Mit Truppen, mit Schiffen und auch mit Generälen. Und dann gab es noch einen ehemaligen preußischen Offizier, der eigentlich gar nichts mit Amerika zu tun hat. Er wurde trotzdem zu einem wichtigen Unterstützer der Revolution. Valley Forge, Pennsylvania. Winter 1777-1778. Die amerikanische Kontinentalarmee ist geschwächt.

Ausgehungert, schlecht ausgerüstet, kaum ausgebildet. Ihr Oberbefehlshaber, General George Washington, braucht ein Wunder. Ein Teil der Armee hat seit einer Woche keinerlei Fleisch mehr gegessen. Der Rest seit drei oder vier Tagen. So nackt und ausgehungert sie auch sind, können wir die unvergleichliche Geduld und Treue der Soldaten nur bewundern.

Dass sie sich trotz ihrer Leiden noch nicht zu einer allgemeinen Meuterei oder Flucht hinreißen ließen. Das Wunder kommt aus Preußen, und zwar in Gestalt von Friedrich Wilhelm von Stäuben. Der Offizier hat unter Friedrich dem Großen gedient. Er ist kriegserfahren, aber in seiner Heimat Preußen hat er ein Problem.

1777 beantragt die Kirche eine Untersuchung gegen ihn wegen schwerer sittlicher Verfehlungen. Gemeint sind homosexuelle Beziehungen. Stäuben verlässt fluchtartig Süddeutschland. Benjamin Franklin, damals Gesandter in Paris, vermittelt ihn nach Amerika. Auf dem Schlachtfeld trifft er Ende Februar 1778 ein.

In Europa sagt man zum Soldaten, tu dies. Und er tut es. Aber ich bin gezwungen, dem Amerikaner zu sagen, dies ist der Grund, warum du das tun solltest. Und erst dann tut er es. Was dann in Valley Forge folgt, ist militärgeschichtlich bemerkenswert. Stäuben spricht kaum Englisch. Wenn er flucht, dann flucht er auf Deutsch oder Französisch.

Trotzdem bringt er die erschöpfte Armee mit 12.000 Mann in Form. Er schreibt ein sogenanntes Drillhandbuch, das die amerikanische Armee noch mehr als ein Jahrhundert lang benutzen wird. Friedrich Wilhelm von Stäuben hat die amerikanische Kontinentalarmee in wenigen Monaten in eine schlagkräftige Truppe verwandelt.

Ohne ihn hätten die amerikanischen Soldaten den Briten in offener Feldschlacht sicher nicht so erfolgreich standhalten können. Am Ende gewinnen die Amerikaner ihren Befreiungskrieg gegen die Briten. Auch mit preußischem Militär-Know-how. Und die Unabhängigkeitserklärung schließt erstmal alle mit ein.

In den folgenden Jahrzehnten geschehen in den jungen Vereinigten Staaten viele Dinge, die so gar nicht dazu zu passen scheinen. Ausrottung und Vertreibung der indigenen Bevölkerung, Bürgerkrieg der Südstaaten gegen die Nordstaaten, Sklaverei, imperialistische Bestrebungen. Alles das widerspricht im Kern dem, was in der Unabhängigkeitserklärung steht.

Und deshalb die Frage an Sie, Michael Hochgeschwender, wie ist das denn zu erklären? Zum einen ist das Bild vielleicht etwas zu schwarz gemalt. Also denn die Unabhängigkeitserklärung, man kann es, wenn man es positiver formulieren will, sie bietet eine Dynamik an, die Möglichkeit einer dynamischen Universalisierung.

Das heißt, Gruppen, die eigentlich nicht mitgemeint waren, können sich aufgrund der universalistischen Semantik auf diese Unabhängigkeitserklärung berufen. Die ersten, die das machen, sind die Frauen. 1848 kommt es zur Seneca Falls Declaration der Frauenrechte und die ist fast wortgleich identisch mit Jeffersons Unabhängigkeitserklärung.

In der nun Frauen überhaupt nicht mit gemeint waren, weil auch in der Philosophie von John Locke Frauen eben als nicht so besonders rational gehalten. Zentrales Kriterium bei Locke war immer die rationale Bearbeitung des Bodens. Und Frauen, Kinder, Wahnsinnige und Wilde, Klammer auf und Katholiken, Klammer zu, waren von dieser Gleichheit ausgeschlossen. Aber die Frauen berufen sich darauf, auch die Abolitionisten, die Gegner der Sklaverei berufen sich darauf.

Später auch Kolonialvölker, wenn Sie sich die Unabhängigkeitserklärung von Vietnam 1946 anschauen, von Ho Chi Minh, der schreibt praktisch bei Thomas Jefferson ab. Das heißt, da ist ein Potenzial, das dann von sozialen Bewegungen auch ausgeschöpft werden kann. Gleichzeitig hat man aber dann, das ist auch schon bei Jefferson selber angelegt, er redet vom Empire of Liberty, hat man eine Art expansionistische.

Republik gegründet, was bei Jefferson völlig folgerichtig ist, weil für ihn waren große Städte, Banken, Kapitalismus, das waren alles Horte der Amoral. Vor allem große Städte. Und in seinen Augen war der wehrhafte, freie Bauer, war das Rückgrat einer tugendhaften Republik. Deswegen brauchte man Land. Die Louisiana Purchase, der Kauf des Louisiana Territoriums von Napoleon I., das ist dann so ein erster Schritt in Richtung Expansion und dann kommen all diese Begleiterscheinungen, der Aufstieg zur Weltmacht.

Damit bewegt man sich in einem ständigen Spannungsfeld zwischen den Idealen der Unabhängigkeitserklärung und den Realitäten einer globalen Supermacht. In der Vergangenheit haben sich US-Präsidenten immer wieder sehr feierlich auf diese Unabhängigkeitserklärung bezogen und haben das immer in den Mittelpunkt gestellt. Bei Donald Trump hat man den Eindruck, dass es ihm eigentlich immer nur um sich selbst geht und die Geschichte dann eine Rolle spielt, wenn sie ihm dient.

Wie wird denn dieses Jubiläum in den USA begangen und was sagt das über das Land heute aus? Also bei Trump kann man davon ausgehen, dass es Pompers begangen wird. Also er liebt Pomp-Protz, also auch die Vergoldung des Weißen Hauses, der große Ballroom und ähnliche Dinge. Also mit sehr viel militärisch Pop, das war früher oft auch so.

Also es ist ja nicht so, dass die Amerikaner keine Militärparaden gekannt hätten. Und der 4. Juli war oft eine Gelegenheit, sich auch selber sehr patriotisch zu inszenieren. Wobei man vielleicht in Klammern dazufügen muss, dass diese Feiern schon immer stark parteipolitisch geprägt waren. Wir wissen im 19. Jahrhundert, dass auch in kleineren Städten zum Teil separate Feiern der beiden Parteien stattgefunden haben.

Das heißt, an einem Ende des Ortes feierte die eine Partei und am Ende des Ortes feierte die andere Partei, weil man nichts miteinander zu tun haben wollte. Also man darf nicht sagen, die amerikanische Gesellschaft sei es heute gespalten, die war schon immer gespalten. Aber bei Trump kommt natürlich dann tatsächlich der Faktor, den Sie benannt haben, hinzu.

Er weiß ja nichts von Geschichte. Er kennt sich überhaupt nicht aus. Er versucht ein bestimmtes Geschichtsbild durchzudrücken, da stehen aber andere Kräfte dahinter, also etwa das American Enterprise Institute oder die Heritage Foundation. Da sind konservative Intellektuelle, die geben ihnen gewissermaßen das Programm, welches idealisierte Amerika der Vergangenheit man da zu feiern hat.

Und insofern dürfte bei Trump eher nicht zu erwarten sein, dass das eine besondere historische Tiefenschärfe hat. Man hat ja auch im Vorfeld bei verschiedenen Ausstellungen versucht, etwa das Gedenken an die Sklaven eines George Washington oder eines Thomas Jefferson loszuwerden und die dort herauszuschreiben aus der Geschichte.

Und das ist also ein Punkt, wo man momentan auch versucht, im akademischen Bereich durchzusetzen, dass eine ganz bestimmte, sehr enge Sicht der amerikanischen Geschichte, eine sehr rosa-rot gezeichnete Sicht der amerikanischen Geschichte sich durchsetzt und alle Schattenseiten, die auch über der Revolution liegen.

Bei allen positiven Errungenschaften, dass alle diese Schattenseiten einfach herausgestrichen werden. Also wenn Sie zum Beispiel nach Annapolis in West Point gehen, da sind alle Bücher, die irgendetwas mit Gendergeschichten der Revolution zu tun hatten, sind aus der Bibliothek entfernt worden. Ganz herzlichen Dank für diesen sehr, sehr weiten Ritt von der amerikanischen Unerkönlichkeitsbewegung. Bis hin zu Donald Trump. Dankeschön für Ihre Zeit. Gerne.

Dass, wenn irgendeine Regierungsform sich für diese Zwecke als schädlich erweist, ist das Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen und sie auf solchen Grundsätzen aufzubauen, wie es zur Gewährleistung ihrer Sicherheit und ihres Glücks geboten zu sein scheint.

Ja, als die 56 Vertreter der 13 Kolonien die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 unterzeichnet haben, war das auch so etwas wie die Kündigung eines Lehnsvertrags mit der britischen Krone. Interessant ist, dass sich die Gründerväter der USA vor allem auf den britischen Philosophen John Locke bezogen haben.

Der Vertreter der frühen Aufklärung hat das Naturrecht des Menschen vertreten, was dann später auch in etwas abgewandelter Form in der Präambel aufgenommen wurde. Nämlich dass die Menschen mit unveräußerlichen Rechten auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück von Gott ausgestattet worden sind. Sie sind sein Eigentum, denn sie sind sein Werk, von ihm geschaffen, dass sie so lange bestehen, wie es ihm gefällt, nicht aber wie es ihnen untereinander gefällt.

Der Mensch hat nicht die Freiheit, sich selbst oder irgendein ihm unterworfenes Lebewesen zu zerstören, es sei denn, ein edlerer Zweck als bloße Erhaltung fordere es. Aus Gott machte Thomas Jefferson dann Schöpfer, um religiös neutral zu bleiben. Und aus Locke's Streben nach Eigentum wurde Streben nach Glück.

Das klang moderner und universeller. Und was diese unveräußerlichen Rechte anbelangte, die galten natürlich nicht für alle. Michael Hochgeschwender hat ja gerade schon die Frauen erwähnt, die in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gar nicht mit gemeint waren. Nach den Vorstellungen John Locke, auf denen sich Tom Jefferson berief, befanden sich die Wilden, damit waren die Indigenen und die Schwarzen gemeint, noch im Naturzustand und mussten erst zivilisiert werden.

Und wer hatte nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, das zu machen? Klar, natürlich weiße Männer, die auf der höchsten Stufe der Zivilisation standen in dieser Ansicht. Das klingt alles ziemlich schräg, aber man muss sich in das 18. Jahrhundert hineinversetzen und in das Denken der Menschen damals.

Da waren solche Ansichten völlig normal, auch wenn das heute natürlich absolut abwegig ist. Mit Demokratie im modernen Verständnis hatte das, was John Locke da über Freiheit formuliert hat und was die Gründerväter in ihrer Unabhängigkeitserklärung aufgenommen haben, also wenig zu tun. Indigene, Frauen oder Kinder galten nicht als vollwertige Menschen.

Genauso wenig wie schwarze Sklaven. Interessant ist, dass es vor einigen Jahren ein Projekt gab, das die New York Times initiiert hat und das 1619 hieß, auf Deutsch 1619. Die Initiatoren des Projekts haben argumentiert, dass nicht 1776, sondern das Jahr 1619 der Anfangspunkt der US-amerikanischen Geschichte sein sollte.

Da kann man sich die Empörung vor allem rechtskonservativer Amerikaner schon sehr gut vorstellen. Unter anderem zu den eben schon erwähnten Widersprüchen in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in Bezug auf die Sklaverei forscht Rebecca Brückmann vom Carlton College in Northfield, Minnesota. Ja, es ist die zentrale Frage letztlich von US-amerikanischer Geschichte.

Das ist ein Widerspruch, der sich nicht auflösen lässt. Und Thomas Jefferson war quasi der Leitautor der Unabhängigkeitserklärung. Ursprünglich schrieb er tatsächlich einen Paragrafen in den ersten Entwurf der Unabhängigkeitserklärung, der auch die Versklavung von Afrikanerinnen und Afrikanern, durch die Briten anprangerte.

Das wurde aber gestrichen durch den Kontinentalkongress und das liegt an handfesten politischen und ökonomischen Interessen. Die ersten 20 Sklaven kamen 1619 nach Nordamerika. Sie stammten aus Angola. Britische Piraten überfielen ein portugiesisches Schiff und haben die Sklaven an Bord im heutigen Virginia verkauft.

Später wurden auch Menschen aus Ländern Westafrikas, wie dem heutigen Sierra Leone, Benin oder Togo in die britischen Kolonien verschleppt. Besonders ab Ende des 18. Jahrhunderts ist dann gezieltes Kidnapping auch gibt. Selbst Ende des 17. Jahrhunderts schon gezielt, das Kidnapping gibt von Menschen aus afrikanischen Regionen mit bestimmten landwirtschaftlichen Know-how.

Zum Beispiel werden Menschen aus dem heutigen Sierra Leona importiert, in Anführungszeichen, da die sehr spezielles Wissen haben bezüglich der Reiskultivation, die man dann beginnt in South Carolina und in North Carolina, den Carolinas zum Beispiel. Die Sklaven sind der Willkür ihrer Besitzer ausgeliefert.

Und da gibt es mehr oder weniger kaum große Unterschiede, ob es um die Südstaaten oder um die Nordstaaten geht. Und deshalb ging es für die Sklaven vor allem um eins, um Freiheit. Großbritannien hat diesen Freiheitswunsch schon 1775 ausgenutzt, also in dem Krieg vor der Unabhängigkeitserklärung. John Murray, besser bekannt als der vierte Earl of Dunmore und letzter britischer Gouverneur von Virginia, hat jedem schwarzen Sklaven die Freiheit nach dem Ende des Krieges versprochen, wenn er sich dem Militär angeschlossen hat.

Geschätzt 800 schwarze Sklaven haben sich tatsächlich gemeldet. Dieses Regiment bestand ausschließlich aus schwarzen Soldaten. Und Dagmar nannte es äthiopisches Regiment, das beruhte auf dem damaligen Gebrauch des Wortes. Also das war eine Bezeichnung für afrikanische Menschen, nicht speziell für Menschen aus Äthiopien per se.

Dazu muss man sagen, es war weniger letztlich eine humanitäre Mission durch. Als ein politisches, militärisches Kalkül. Die Idee war, den sogenannten Patriots, also der Kontinentalarmee, und insbesondere den Südstaaten, Arbeitskräfte zu entziehen. In die Uniform der Schwarzen Soldaten war sogar das Motto des äthiopischen Regiments eingenäht. Freiheit für Versklavte.

Allerdings gab es dieses Regiment nur etwa ein halbes Jahr, bis August 1776. Es war aber sehr wichtig, trotz dieses kurzen Bestehens, dass das äthiopische Regiment die erste Militäreinheit war, die ausschließlich aus ehemalig versklavten schwarzen Menschen bestand. Und es führte auch tatsächlich dazu, dass die Patriots, also die Kontinentalarmee unter George Washington, ihre Strategie ändern musste.

Denn bis dahin konnten schwarze Menschen nicht Soldaten in der amerikanischen Kontinentalarmee werden. Aber nachdem man gesehen hat, wie erfolgreich diese Rekrutierung war von Dunmore, hat dann die Kontinentalarmee beschlossen, freien schwarzen Männern ebenfalls den Dienst zu ermöglichen, weil sie Sorge hatten, dass sie sonst überrannt werden.

Die zentrale Frage für schwarze Menschen in Nordamerika war nicht die nationale Einheit, war nicht eine geopolitische Strategie, sondern schlicht die Frage, wie sie Freiheit erreichen konnten. Und schwarzen Menschen, die in der Kontinentalarmee kämpfen, auch denen wurde oftmals Freiheit versprochen. Es gab aber keine zentrale Verkündung oder Proklamation wie bei Dunmore.

Aber was war mit den schwarzen Sklaven, die in den Wirren des Unabhängigkeitskrieges einfach geflohen sind? Es sollen geschätzt bis zu 100.000 von den Tabakplantagen, den Indigo-Plantagen und den Reisplantagen verschwunden sein. Was die meisten gemacht haben, war in die Nordstaaten zu fliehen und zu versuchen, sich in die schwarze, in die freien schwarzen Communities einzubinden.

Also es gab freie schwarze Menschen, vor allem in Philadelphia, in Boston, in New York. Da war die Idee, man verschmilzt, man verschwindet in dieser existierenden schwarzen Community. Da gab es auch bereits bestehende Hilfsnetzwerke für entflohende Versklavte. Da war das Problem, dass natürlich immer die Gefahr des Erkannt- und Gefangenwerdens präsent war.

Also es gab nirgendwo ein Eden oder ein Paradies für schwarze Menschen, aber es war natürlich ein großer Unterschied, ob man weiter auf einer Reißplantage versklavt war oder ob man in einer freien schwarzen Community in Philadelphia gelebt hat. Man schätzt heute, dass zum Beispiel der transatlantische Sklavenhandel und Sklaverei selbst einen Gewinn von 14 Billionen gemacht hat nach Inflationsangleichung.

Das heißt, ganz viel des Reichtums der USA beruht genau auf der Sklavung. Und das hat Nachwirkungen bis in die heutige Zeit. Offiziell abgeschafft wurde die Sklaverei in den USA erst am 18. Dezember 1865 mit dem 13. Zusatzartikel der Verfassung. Wenn man afroamerikanische Menschen fragt oder indigene Menschen oder Menschen mit einem nicht-weißen Migrationshintergrund würden sagen, die Ziele der Unabhängigkeitserklärung sind noch nicht realisiert.

Aber sie sind weiterhin Inspiration von Menschen her. Sie dienen immer noch der Idee, wie die USA im Ideal sein könnten, woraufhin man arbeiten möchte und wie die USA sein könnten im Idealfall. Und das ist ein Ideal, das man weder aufgeben möchte noch aufgeben kann. Im Namen und Kraft der Autorität des rechtlichen Volkes dieser Kolonien erklären wir feierlich, dass diese Vereinigten Kolonien freie und unabhängige Staaten sind.

In der Geschichte waren die 13 Kolonien, die sich am 4. Juli 1776 unabhängig von Großbritannien erklärt haben, natürlich nicht die einzigen Kolonien, die im ausgehenden 18. Jahrhundert und dann vor allem im 19. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit erkämpft haben. In Mittel- und Südamerika begann das zum Beispiel offiziell im Jahr 1811.

Da erklärte sich nämlich Venezuela als erstes Land in Lateinamerika für unabhängig, in diesem Fall von Spanien. Und das hatte auch etwas mit den Pionieren in Nordamerika zu tun. Stefan Rinke ist Professor für lateinamerikanische Geschichte an der FU Berlin. Das war ein starkes Vorbild, vor allem für die gebildeten Eliten.

Die Idee der Republik, einer Verfassung von Bürgerrechten, auch der Unabhängigkeit von einer europäischen Krone, all das hatten die Nordamerikaner ja durchexerziert. Die Ideen der Aufklärung, die Ideen von unveräußerlichen Rechten als Naturrecht der Menschen, kamen mit den Handelsschiffen über den Atlantik aus Europa in die spanischen Kolonien.

Auf einmal waren sie auch hier in den Köpfen, diese Ideen von Freiheit und Unabhängigkeit. Seit 1501 war Venezuela schon im Besitz der spanischen Krone. Ähnlich wie in Nordamerika wollten auch hier die Menschen endlich über sich selbst bestimmen. Vor allem die kreolische Elite, also die in Venezuela geborenen, nahefahren spanische Einwanderer, hatte im Laufe der Jahrhunderte ein neues Selbstbewusstsein entwickelt.

Und überall am Ende des 18. Jahrhunderts wuchs der Unmut darüber, vor allem unter der kreolischen Elite, dass man zwar wirtschaftlich stark war, politisch aber von Spanien letztendlich begrenzt wurde, dass die Spanier nicht zuließen, dass die Kreolen ihr eigenes Geschick bestimmen. Es war ein langer Prozess von mehreren hundert Jahren, in dem die Spanier zunächst ihre Seehoheit verloren hatten, in denen sich andere Kolonialmächte in den Amerikas breitgemacht hatten und in denen dann praktisch auch, wie das Beispiel im Norden zeigte, plötzlich die Unabhängigkeit dieser Kolonien möglich und denkbar oder denkbar und möglich wurde.

Venezuela erklärt am 5. Juli 1811 seine Unabhängigkeit von Spanien. Und ähnlich wie im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beginnt auch hier ein jahrelanger Krieg mit der einzigen Kolonialmacht, den die Venezuelaner erst viele Jahre später für sich entscheiden können. Trotz der vielen Parallelen muss man aber sagen, Solidarität aus den jungen Vereinigten Staaten gab es für die Revolution in Lateinamerika nicht.

Eine wirkliche Freundschaft war das eigentlich nie. Zwar lösen sich Venezuela und Nordamerika mehr oder weniger im selben Zeitraum von europäischer Kolonialherrschaft. Es hat aber nicht dazu geführt, dass die Nordamerikaner sich verpflichtet gefühlt hätten, die Südamerikaner, die ja später dran waren, bei ihrer Unabhängigkeitsbewegung in irgendeiner Art größer zu unterstützen, sondern die haben sich da schön rausgehalten, weil sie wussten, sie sind selber noch schwach und man hatte immer die Sorge, dass die Europäer, sprich vor allem die Briten, zurückkommen könnten und da versuchen könnten, zurückzuerobern.

Da hielt man sich also raus und wartete ab, was dann passieren würde, um sozusagen die Früchte dann in irgendeiner Form auch zu ernten. Lateinamerikanische Unabhängigkeitskämpfer wie Simon Bolivar waren zwar von den Ideen der Aufklärung beeinflusst und sie nährten ihre politischen Visionen auch aus dem, was die nordamerikanische Unabhängigkeitsbewegung erreicht hatte, aber Skepsis gegenüber den politisch und wirtschaftlich immer stärker werdenden USA im Norden des amerikanischen Kontinents blieb.

Für die Lateinamerikaner, auch für so jemand wie Bolivar, die zwar sich aus den Ideen dieser Unabhängigkeitsbewegung auch näherten und natürlich auch der aufklärerischen Ideen insgesamt. War aber auch sehr früh schon klar, dass die USA nicht unbedingt ein Freund an der Seite sein würden, sondern dass es eher ein Rivale und auch eine große Gefahr sein könnte.

Mit dieser Skepsis gegenüber den USA sollte Bolívar am Ende richtig liegen. Denn schon 1823, als Venezuela und angrenzende Regionen sich endgültig von Spanien gelöst hatten, verfasste US-Präsident James Monroe die nach ihm benannte berühmte Doktrin. Sein Amerika den Amerikanern sollte die unabhängig gewordenen Länder wie Venezuela in Lateinamerika vor einer erneuten Kolonisierung durch europäische Monarchien schützen.

Eigentlich. Denn auf dieser Doktrin stützten die USA später ihren Anspruch, eine führende Rolle in den beiden Amerikas einzunehmen. Und besonders im 20. Jahrhundert betrachteten die USA dann die Mittel- und Südamerikanischen Staaten als ihren Hinterhof, in dem sie geglaubt haben, politisch und wirtschaftlich machen zu können, was sie wollen.

Sie bekämpften offen, meist aber verdeckt, jede Regierung, die nicht auf ihrer politischen Linie lag. Denkt nur an das sozialistische Kuba nach der Revolution von 1959 oder an Chile, wo die USA maßgeblich daran beteiligt waren, 1973 den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende zu stürzen. Und zur Stützung dieser Erklärung verpfänden wir alle untereinander in festem Vertrauen auf den Schutz der göttlichen Vorsehung, unser Leben, unser Gut und unsere heilige Ehre.

Am 4. Juli 1776 wird die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Aber Frieden kehrt erst sieben Jahre später ein, mit dem Friedensvertrag von Paris vom 3. September 1783. Damit endete der Befreiungskrieg gegen die Kolonialherrschaft Großbritanniens. Der damalige König George III. erkannte darin die Vereinigten Staaten von Amerika an.

Für gut 60.000 Menschen plus noch 15.000 versklavte Menschen bedeutete die Unabhängigkeit der USA dann, dass sie das Land verließen. Und dass für sie sozusagen ein Leben innerhalb der USA unter den gegebenen Bedingungen nicht denkbar war. Jan Jansen ist Professor für neuere Geschichte an der Universität Tübingen und forscht zur Geschichte von Flucht und Vertreibung im Zeitalter der Revolutionen.

Die Bedingungen, die letztendlich im Friedensvertrag niedergelegt wurden, waren für einige Menschen sehr schwer akzeptabel. Für gerade indigene Gemeinschaften kam der Vertrag als ein ganz besonderer Schock, da ihre Interessen in keinerlei Weise im Friedensvertrag berücksichtigt wurden. Das heißt, sie mussten bereits da Gebietsverluste einplanen, weil die Grenze zwischen dann Kanada und den künftigen USA entsprechend zu ihren Ungunsten gezogen wurden.

Über die Sklaven, die zur britischen Armee übergelaufen sind, haben wir ja schon mit Rebecca Brückmann gesprochen. Aber eine Gruppe fehlt noch, die Loyalisten der britischen Krone. Deren Besitz wurde konfisziert und der Friedensvertrag regelte nur, dass der Umgang mit ihnen dem jeweiligen Staat der USA überlassen werden sollte.

Erstmals flüchteten in dieser Zeit sehr große Mengen aufgrund politischer Konflikte und Gewalt und nicht aufgrund religiöser, konfessioneller Konflikte, wie es vor allem in der frühen Neuzeit in Europa der Fall war. Also es gab keinen international irgendwie verbürgten Status von Flüchtlingen. Es gab kein Recht, kein internationales Recht, das das entschieden hat.

Und auch gewisse Kategorien bilden sich in der Zeit heraus. Zum Beispiel das Loyalisten ist sozusagen eine, wenn man so will, Frühform von Flüchtlingskategorien. Die Loyalisten verteilten sich dann über sehr unterschiedliche Kolonien des Imperiums, wobei ganz verschiedene Faktoren dann entschieden, wo sie landeten.

Beispielsweise Sklavenbesitzende Loyalisten zog es stärker in die Karibik, wo nach wie vor Sklaverei-basierte Gesellschaften existierten. Und die versuchten sozusagen ihr Leben als SklavenbesitzerInnen wieder aufzubauen. Menschen, die sich aus der Sklaverei herausgearbeitet hatten im Rahmen der Revolution, wiederum für die war sozusagen die Karibik natürlich kein attraktiver Ort und die zog es teilweise nach England, teilweise nach Kanada.

Es herrschte lange Zeit in den nationalen Erinnerungskulturen ein klinischer Blick auf die Revolution, das waren sozusagen Heldengeschichten und, dieses Bild eines sehr gewaltsamen Bürgerkriegs passt da natürlich nicht so sehr hinein. Auch die chaotischen Szenen, die auf allen Seiten entstanden, aber auch die Konflikte, die innerhalb der entsprechenden Gruppen, innerhalb des patriotischen Lagers, innerhalb der Loyalisten.

Ich sehe zumindest in den derzeit gestaltannehmenden Jubiläumsvorbereitungen keinen größeren Raum für die Frage der loyalistischen Diaspora und eine, positive Art, diese einzubeziehen und deren Leid anzuerkennen oder deren Sache anzuerkennen. Jan Jansen bringt es auf den Punkt. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung kennt nicht nur Sieger, sondern auch viele Verlierer.

Das Versprechen, all men are created equal, also alle Menschen wurden gleich erschaffen, stimmte eben nur für einen bestimmten Teil der neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika. Ausgenommen waren Indigene, schwarze Sklaven, Frauen und all diejenigen, die während des Befreiungskampfes auf der falschen Seite standen.

Und damit sind wir hier am Ende dieser Folge. Wir machen jetzt eine Sommerpause und sind dann mit frischen Folgen im Gepäck im September wieder zurück. Herzlichen Dank, dass ihr wieder dabei wart und ein herzliches Dankeschön auch an unsere Expertinnen und Experten. Und wenn ihr Feedback für uns habt, dann schreibt uns sehr gerne per Mail oder auf Terra-X-History bei Instagram. Wir freuen uns sehr über eure Gedanken zur Folge, aber auch über neue Themenvorschläge.

Und jetzt wünschen die Redaktion und ich euch vor allem eins, einen wunderbaren Sommer, in dem es zwischendurch vielleicht auch die ein oder andere Abkühlung gibt. Und damit unsere Pause für euch nicht zu lange wird, haben wir noch einen ganz besonderen Podcast-Tipp für euch. Stellt euch vor, ihr seid Anfang 20 und dürft bestimmte Musik nicht hören, bestimmte Bücher nicht lesen und ihr seid eingesperrt im eigenen Land.

Achim Neumann ist in der DDR aufgewachsen, er hadert mit dem Regime und als 1961 in Berlin die Mauer gebaut wird, steht sein Entschluss fest. Er flieht in den Westen, mit einem falschen Pass. Und dann hat er nur einen Gedanken. Christa, seine Freundin. Wie kann er ihr zur Flucht verhelfen? Achim und eine Gruppe junger Männer schmieden einen verrückten Plan.

Man könnte doch einen Tunnel unter der Mauer graben. Im Podcast Zeitkapsel erzählt Achim genau diese Geschichte. Wie schon in der preisgekrönten ersten Staffel über die Holocaust-überlebende Irene Butter stellen zwei Jugendliche die Fragen. Eva und Josef sind 16 und 17 und damit im selben Alter wie Achim es damals war, als er sich erste Gedanken über die Ungerechtigkeiten in der DDR gemacht hat.

Der Podcast Zeitkapsel, Achim, hast du die Menschen aus der DDR geschmuggelt, ist ein spannender History-Podcast, bei dem ihr aus den Gesprächen echte Zeitgeschichte erfahrt und eine dramatische Liebesgeschichte noch dazu. Alle Folgen findet ihr in ARD Sounds und überall dort, wo es Podcasts gibt. Dieser Podcast hier ist eine Produktion von Objektiv Media im Auftrag des ZDF.

Die Autorinnen waren wie immer Janine Funke und Andrea Kahrt. Sie sind verantwortlich für Buch und Regie und für die technische Umsetzung und Gestaltung verantwortlich ist Sarah Fitzek. Redaktion im ZDF hatten Katharina Kolvenbach und Arne Peisker. Ich bin Mirko Trotschmann, sage danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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