Wieder was gelernt - der ntv-Podcast

Schwarzes Meer als Vorbild: Öffnet die Ukraine die Straße von Hormus?

Donnerstag, 9. April 2026 · 8 min

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Die Ukraine ist auf dem besten Weg, der heimliche Gewinner des Iran-Kriegs zu werden. Das von Russland angegriffene Land hat mehr Expertise in der Drohnenabwehr als jedes andere. Auch mit der Öffnung von Seewegen kennt sich die Ukraine aus. Wird das Know-how zur Geheimwaffe im Iran-Krieg?

Text und Moderation: Kevin Schulte (x.com/SchulteKev)
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Die Ukraine ist auf dem besten Weg, der heimliche Gewinner des Irankriegs zu werden. Das von Russland angegriffene Land hat mehr Expertise in der Drohnenabwehr als jedes andere Land. Auch mit der Öffnung von Seewegen kennt sich die Ukraine sehr gut aus. Wird das Know-how der Ukraine zur Geheimwaffe im Irankrieg? Darum geht es in dieser Folge von Wieder was gelernt.

Das ist der Podcast von NTV. Ich bin Kevin Schulte. Danke fürs Zuhören. Abonnieren Sie den Podcast gerne und hinterlassen Sie 5 Sterne bei Spotify und bei Apple Podcasts. Vielen Dank dafür und jetzt geht's rein in die neue Folge. Die Straße von Hormuz bleibt das Sorgenkind der Weltwirtschaft. Der Iran hat sich grundsätzlich dazu bereit erklärt, die Meerespassage wieder für die Schifffahrt zu öffnen.

Allerdings will das Mullah-Regime in Teheran die alleinige Kontrolle über die Wasserstraße behalten und künftig sogar Gebühren für die Durchfahrt kassieren. US-Präsident Donald Trump brachte ein Joint Venture ins Spiel zwischen dem Iran und den Amerikanern. Dieses könnte dann Mautgebühren erheben und beide könnten davon profitieren.

Für Europa ist das alles eine inakzeptable Vorstellung. Bei der Straße von Hormuz handelt es sich um internationales Gewässer. Dieses kann normalerweise nicht mit Gebühren belegt werden. Das alles zeigt, wie vertrackt die Situation trotz der angekündigten Waffenruhe ist. Niemand weiß, ob diese hält. Ohne Garantien werden Redereien die Straße von Hormuz auch in Zukunft meiden. Zu groß die Gefahr, wertvolle Fracht oder ein ganzes Schiff zu verlieren, von der Crew ganz zu schweigen.

Die Rolle des Sicherheitsgaranten fiel in der Vergangenheit immer den USA zu. Doch Donald Trump scheint daran kein Interesse mehr zu haben. Anfang des Monats hat sich deshalb ein anderes Land für die Aufgabe in Stellung gebracht. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky bot an, bei der Öffnung der Straße von Hormuz und ihrer Freihaltung zu helfen.

Mit europäischen und anderen Partnern über die Situation der Wormuz-Protokse, über die Probleme, die. Die Freiheit der Schifffahrt sei wichtig für die globale Sicherheit. sagt Zelensky. Sofern gewünscht, könne die Ukraine prüfen, wie man die eigene Expertise und das eigene technologische Potenzial einbringen könnte.

Denn die Ukraine hat Erfahrung mit der Öffnung und dem Schutz von Seewegen für den Schiffs- und Warenverkehr. Die ukrainische Armee konnte die russische Marine aus Teilen des Schwarzen Meeres verdrängen und für ukrainische Exporte offenhalten, ohne ein einziges Kriegsschiff zu besitzen. Die Expertise des ukrainischen Militärs könnte ein wertvoller Baustein sein, um den Golfstaaten dabei zu helfen, Öl- und Gaslieferungen wieder aufzunehmen.

Das sehen viele Staaten in der Region offenbar genauso. Ob Saudi-Arabien, ob Katar oder die Vereinigten Arabischen Emirate, ob die Türkei oder Syrien, sie alle suchen den Kontakt und eine Zusammenarbeit mit der Ukraine. Es ist die logische Folge des Irankriegs. Der Iran-Krieg verläuft für die Ukraine überraschend gut, so titelte das amerikanische Wirtschaftsportal Bloomberg Anfang des Monats.

Volodymyr Zelensky sei schwer in Bedrängnis, wirke aber trotzdem unbeeindruckt. Der ukrainische Präsident hat aus der Not im Schatten des Nahostkrieges vergessen zu werden, eine Tugend gemacht. Zelensky habe in den vergangenen Wochen einen regelrechten Reisemarathon durch den Nahen Osten und die Umgebung hingelegt, berichtet etwa auch NTV-Reporterin Nadja Kriwald.

Zelensky sucht neue Verbündete, weil der größte Verbündete, der wichtigste, eben die USA komplett wegzubrechen drohen. Trump droht ja immer, damit insgesamt die Militärhilfen, die ja auch von den Europäern und von Kanada bezahlt werden, die komplett zu streichen. Außerdem verzettelt er sich selbst im Nahen Osten im Iran-Krieg.

Und jetzt aus taktischen Gründen sucht Zelensky eben neue Verbündete. Zum einen mag man vielleicht denken, die Drohnenabwehrspezialisten, die werden doch hier dringend an der eigenen Front benötigt. Ja, das werden sie auch. Aber zum anderen braucht das Land eben auch Geld und Energie und es erschließt auch neue Absatzmärkte.

Und mit Erdogan könnte es einen neuen Vermittler haben. Denn viel schlechter als die derzeitigen US-Vermittler, die ja gar nicht wirklich was auf die Reihe bekommen haben, sondern immer nur die Ukraine unter Druck gesetzt haben, nämlich Witkow und Kushner, kann Erdogan tatsächlich nicht sein. Der Reisemarathon war offenbar ein voller Erfolg, denn Zelensky hat ein Rüstungsdeal nach dem anderen geschlossen, mit Saudi-Arabien, mit Katar, mit den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Abkommen mit den drei Golfstaaten sind nach Angaben von Zelensky jeweils auf zehn Jahre ausgelegt, mit einem Gesamtvolumen von mehreren Milliarden Dollar. Es geht um Raketen und um Drohnenabwehr, gemeinsame Investitionen und um Zusammenarbeit in der Rüstungstechnologie. Anfang dieses Monats ging es für Zelensky dann weiter in die Türkei.

Hier hat sich der ukrainische Staatschef mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan ausgetauscht und, Zitat, neue Schritte in der Sicherheitskooperation vereinbart. Ein weiterer Stopp legte Zelensky dann auch in Syrien hin, um sich mit Übergangspräsident Ahmed Al-Sharah zu treffen. Vereinbart wurde ebenfalls, in Sicherheits- und Entwicklungsfragen zu kooperieren.

Weltweit verfügt keine Nation über mehr Erfahrung auf dem Gebiet der Drohnenkriegsführung. Das macht die Ukraine für die Staaten im Nahen Osten so attraktiv. Kurz nach Kriegsausbruch im Nahen Osten hatte Zelensky bereits rund 200 Ausbilder für den Drohnenabwehrkampf in die Golfstaaten geschickt. Sein Kalkül, die Ukraine hilft mit ihrem Know-how beim Abschuss iranischer Schahed-Drohnen.

Im Gegenzug bekommt Kiew nicht nur Geld, sondern auch Energie und andere knappe Ressourcen für den eigenen Kampf gegen die russischen Invasoren. Zelensky nannte zwar keine Einzelheiten nach den Terminen in den Golfstaaten, ließ jedoch durchblicken, dass er auch nach Raketenabwehrsystemen Ausschau halte.

Hier könnte Saudi-Arabien in den Fokus rücken. Das Königreich hat eines der größten Arsenale an Patriot-Abwehrraketen. Wenn Zelensky von Trump nicht mehr beliefert wird, holt sich der ukrainische Präsident also neue Partner. Für viele Staaten ist die Expertise der Ukraine gerade jetzt besonders wertvoll.

Das Geschäftsmodell der Golfstaaten funktioniert so lange nicht, wie die Straße von Hormuz nicht für die Ölexporte genutzt werden kann. Touristen kommen wegen des iranischen Drohnenfeuers ohnehin nicht mehr und von Entspannung ist die Nahostregion trotz der zweiwöchigen Waffenruhe auch noch meilenweit entfernt.

Vor allem ist völlig unklar, ob ein Deal zur langfristigen Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormuz realistisch ist. Vor einem Jahr wurde Zelensky von Trump in der historischen Pressekonferenz im Oval Office bloßgestellt. Zelensky habe keine Trümpfe in der Hand, warf ihm Trump damals an den Kopf.

Mittlerweile habe sich der ukrainische Präsident selbst welche geschaffen und ist nicht mehr nur auf die USA angewiesen, analysiert Bloomberg. Zitat, die Ukraine hat überraschend gute Karten, also spielt sie sie aus. Das war Wieder was gelernt, der NTV-Podcast über die Ukraine im Iran-Krieg. Ich bin Kevin Schulte, sage Danke fürs Zuhören. Tschüss und auf Wiederhören. Bis zum nächsten Mal.

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