Wieder was gelernt - der ntv-Podcast

Russland geht offline - und die Menschen sind wütend

Montag, 13. April 2026 · 10 min

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Russland ist offline. In Moskau kommt es zum Bezahlchaos, weil der Kreml das mobile Internet abschaltet. Auch andere Regionen im Land sind immer häufiger offline, angeblich wegen der nationalen Sicherheit. Tatsächlich geht es der russischen Regierung um die volle digitale Kontrolle. Das hat aber auch negative Auswirkungen für die Soldaten an der ukrainischen Front.

Darum geht's in dieser Folge des NTV-Podcasts Wieder was gelernt. Abonnieren Sie den Podcast gern. Sie finden uns auf allen Plattformen und in der NTV-App. Wenn Sie unsere Push-Nachrichten abonnieren, dann wissen Sie immer, wenn eine neue Folge fertig ist. Ich bin Caroline Amme. Schön, dass Sie mit dabei sind. Hallo und willkommen.

Die Umfragewerte von Wladimir Putin sind so schlecht wie lange nicht. Nur noch 71 Prozent der Russinnen und Russen vertrauen dem Kreml-Chef, steht in der aktuellen Umfrage des staatsnahen VOM-Instituts. Der tiefste Stand seit sieben Jahren. Der Grund dafür ist aber nicht der Krieg gegen die Ukraine, auch nicht die schwere Wirtschaftskrise in Russland.

Einige Russen sind sauer, weil das Internet nicht richtig funktioniert. Die russische Regierung schränkt Messenger-Dienste immer weiter ein. Vor allem die beliebtesten Apps des Landes, WhatsApp und Telegram. Audio- und Videoanrufe sind dort seit vergangenem Sommer schon nicht mehr möglich. Auch Signal ist seitdem blockiert. Andere westliche Dienste wie X, Instagram, YouTube, Snapchat, Facebook oder LinkedIn sind schon seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 nicht mehr erreichbar.

Man kann sie nur noch über VPN-Dienste nutzen. Damit kann man so tun, als wäre man in einem anderen Land und anonym surfen. Ganz generell wird es immer schwieriger, mit dem Handy ins Internet zu kommen. Das mobile Internet ist seit vergangenem Jahr in vielen Regionen gestört. Auch in der Hauptstadt Moskau sind die Menschen seit März immer wieder offline.

Eigentlich unvorstellbar im Jahr 2026 in einer digitalisierten Stadt. Manchmal funktioniert die Navigation nicht und die Routensuche schlägt fehl. Man muss anhalten und fragen, wo sich ein ganz bestimmtes Gebäude befindet. Ich habe schon ein paar peinliche Situationen erlebt. Das sind keine Ausfälle. Es gibt hier einfach kein Internet.

Ausfälle hieße ja, dass es einen Moment da ist und im nächsten weg. Wir konnten gerade im Laden nicht bezahlen. Wir haben es 20 Minuten lang versucht. Dann sind wir wieder gegangen. Am Karfreitag war es in Moskau zu einem Bezahl-Chaos gekommen. Viele Banking-Apps sind ausgefallen. Die Moskauer U-Bahn musste Fahrgäste zeitweise ohne Bezahlung durch die Drehkreuze lassen.

In Läden, an Tankstellen und in einem Zoo mussten die Menschen bar bezahlen. Bargeld sei kurzzeitig landesweit die einzige Zahlungsmethode gewesen, hat der Telegram-Gründer Pavel Durov gepostet. Das könnte daran liegen, dass der Staat VPN blockiert, berichten russische Medien wie das unabhängige Exilmedium The Bell.

Deshalb könnten die Filtersysteme der russischen Telekommunikationsaufsichtsbehörde überlastet gewesen sein. VPNs nutzen viele Russen, um die Sperren zu umgehen, unter anderem bei Telegram oder WhatsApp. Telegram ist eine der wichtigsten Apps für Russen. Sie wird monatlich von über 100 Millionen Menschen genutzt.

Als Messenger und als Nachrichtenquelle. Auf der Plattform verbreiten die Regierung und staatliche Propagandisten Informationen, aber auch unabhängige Journalisten und Kriegsblogger. Im Ukraine-Krieg spielt Telegram eine wichtige Rolle. Die App ist für die russischen Truppen an der Front ein informelles Kommunikationsinstrument.

Die Soldaten sprechen sich darüber ab und halten Kontakt zu ihren Familien. Die Militärgeheimdienste geben per Messenger Informationen an die Artillerie und die Luftwaffe weiter. Seit Ende März ist die App für Soldaten allerdings offiziell verboten und die russische Telekommunikationsaufsichtsbehörde hat sie seit Februar gedrosselt.

Angeblich, weil der Messenger-Dienst nicht genug gegen Inhalte vorgeht, die in Russland verboten sind. Ein großes Problem für die Verständigung an der Front. Auf Störungswebsites gab es Beschwerden von Russen, dass Telegram gar nicht mehr erreichbar war. NTV-Reporter Rainer Munz hat im Februar bei NTV gesagt, durch Land wehe mehr als ein Hauch China und Nordkorea.

Man kann schwer anrufen, kann keine Bilder mehr verschicken. Die Nachrichten, die man verschickt, kommen etwas später. Und es ist der Kanal, den eigentlich die meisten hier in Russland benutzen. Auch Behörden, Propagandisten, vor allem die russischen Pro-Kriegsblogger nutzen das. Und Russland will die Kontrolle über diesen Messenger haben, denn darauf hat man keinen Zugriff. Man weiß nicht, wer dahinter steckt.

Man kann die Nachrichten nicht lesen. Sie sind verschlüsselt, wenn man von einer Person zu einer anderen verschickt. das alles passt im russischen staat nicht deswegen versucht man so wie wir das bei whatsapp erlebt haben so wie wir es bei youtube erlebt haben. Die russische Regierung schottet das Internet immer mehr ab.

Im Februar hat die Staatsduma in Moskau eine Änderung vom Kommunikationsgesetz beschlossen. Putin kann das Internet in einzelnen Regionen oder sogar im ganzen Land abschalten lassen, ohne das näher zu begründen. Wer VPNs nutzt, soll nicht mehr ohne weiteres surfen können. Die größten russischen Internetplattformen müssen bis Mitte April Nutzer mit aktiviertem VPN blockieren.

Russland hat inzwischen über dreieinhalb Millionen verschiedene Websites, Domains oder IP-Adressen blockiert, sagt ein IT-Rechtsanwalt im Interview mit der Wirtschaftswoche. Das seien mehr gesperrte Internetseiten als in China. Das russische Modell sei in mancher Hinsicht härter als das chinesische, sagt er.

Die Regierung begründet die Internetsperren im ganzen Land mit der nationalen Sicherheit. Dadurch sollen ukrainische Drohnen gestört werden, die das russische Internet für ihre Navigation nutzen. Der russische Journalist Andrei Soldatov sieht einen anderen Grund dafür. Der Kreml hat erkannt, dass das größte Problem nicht etwa von Aktivisten, Journalisten oder der Opposition ausgeht, sondern von ganz normalen Menschen, die Zeugen eines dramatischen Ereignisses, wie etwa eines Drohnenangriffes werden und das dann sofort online veröffentlichen.

Denn dadurch entsteht eine Informationswelle, die dem Kreml schaden könnte. Der Frust wegen der Internetsperren und Telegram-Blockaden wird immer größer. Die Russen wollten dagegen Ende März in mehreren Städten protestieren. Die Demonstrationen waren laut Medienberichten erst genehmigt, dann aber wieder verboten worden.

So kurzfristig, dass die Demonstranten teilweise schon auf der Straße waren. In mehreren Städten wurden Menschen festgenommen. Inzwischen kritisieren sogar einige ansonsten Kreml-treue Medien die Netzblockaden. Auch Kreml-nahe russische Propagandisten und Militärblogger sind sauer, dass der Kreml Geld für die Zensur verschwendet.

Der Industriellenverband hat sich direkt bei Präsident Wladimir Putin beschwert. Ihr Chef Alexander Schochin hat auf der Jahrestagung des Verbands die Internetsperren vorsichtig kritisiert, während Putin mit auf der Bühne saß. Der ist aber nicht darauf eingegangen. Die Einschränkung des mobilen Internets erschwert sowohl Unternehmen als auch Bürgern das Leben.

Wir verstehen natürlich, dass diese Maßnahmen mit der Sicherheit des Landes und der Notwendigkeit zusammenhängen, den Betrieb von Websites auf der Whitelist zu gewährleisten. Doch wegen der hohen Verbreitung mobiler Technologien in unserem Alltag hoffen wir, dass eine systemische und ausgewogene Lösung gefunden wird.

Der Staat will, dass die Russen eine staatliche Super-App nutzen. Max heißt sie. Sie ist dem chinesischen WeChat nachempfunden und soll die ausländischen Netzwerke ersetzen. Dort sollen auch staatliche Dienstleistungen integriert sein. Damit auch möglichst alle Russen sie benutzen, muss die App seit vergangenem August auf allen verkauften Smartphones und Tablets vorinstalliert sein.

Entwickelt worden ist die App von einem privaten Unternehmen, das aber staatstreuen Oligarchen gehört. WhatsApp kritisiert Max als eine staatliche Überwachungs-App. Kritiker warnen davor, dass die Regierung Russinnen und Russen damit beobachtet, kontrolliert und mit zensierten Inhalten und Propaganda versorgt.

Das aber haben die Menschen längst durchschaut, sagt Rainer Munz. Der Kreml will die Kommunikation und Information seiner Bürger kontrollieren. Dafür wurde Max erfunden. Der Messenger ist nicht verschlüsselt. Deswegen werden Kreml-Kritiker beobachtet. Auch auf diesem Kanal nichts veröffentlichen. Die Russen wissen, dass alles, was sie auf Max schreiben, mitgelesen werden kann vom Staat.

Aber der Messenger ist einfach auch schlecht gemacht. Videos ruckeln, Informationen kommen nicht an. Und jetzt war es auch noch so gewesen, dass Videos, die gar nicht für einen selber gedacht waren, plötzlich auf dem eigenen Mobiltelefon aufgetaucht sind. Auch deswegen mögen die Russen Max nicht. Auch bei den Internetseiten trifft Russland eine Vorauswahl. Es gibt eine weiße Liste von Seiten, die die Menschen besuchen dürfen.

Offizielle russische Nachrichtenportale und Plattformen wie die Suchmaschine Yandex, Websites von Banken und staatliche Internetseiten. Die weiße Liste sei ein Versuch, die Russen umzuerziehen, sagt Andrei Soldertow. Doch die finden kreative Wege, um zu chatten, ohne dass der Staat mitliest. Sie nutzen zum Beispiel die Chatfunktion von Online-Schach-Apps, berichtet Medusa. Oder benutzen Dating-Apps, Kleineinzeigenplattformen oder Sprachlern-Apps als alternative Messenger, schreibt das Portal Kommersant.

Die Menschen steigen sogar wieder auf analoge Kommunikationsmittel um, um die Internetblockaden zu umgehen. Walkie-Talkies, Pager, Oldschool-Mobiltelefone, MP3-Player und Festnetztelefone werden gerade zu Verkaufsschlagern in Moskau, berichtet der Guardian. SMS sind wieder sehr gefragt. Sogar Landkarten aus Papier feiern ein Comeback in Russland.

Das war Wieder was gelernt, der NTV-Podcast über die Internetabschaltung in Russland. Wir freuen uns über eine Bewertung von Ihnen. Das geht bei Apple Podcasts oder bei Spotify. Vielen Dank dafür und danke auch fürs Zuhören. Ich bin Caroline Amme. Bis zum nächsten Mal.

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