
040 Streng vertraulich: Die Lage in Hamburg· Folge 58
Bürgermeister- Spezial: Teil 3: Claudia Kalisch aus Lüneburg
Dienstag, 5. Mai 2026 · 41 min
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Shownotes
In dieser Sonderausgabe von „040 – Hamburg streng vertraulich“ zum Tag des Lokaljournalismus begrüßt Lars Haider die Oberbürgermeisterin der Hansestadt Lüneburg, Claudia Kalisch. Erfahren Sie, wie aus einer leidenschaftlichen Kampfsportlerin eine strategische „Denksportlerin“ an der Stadtspitze wurde. Claudia Kalisch spricht offen über ihren ungewöhnlichen Weg in die Politik – vom Engagement gegen Kitagebühren bis zur Leitung einer Verwaltung mit über 1700 Mitarbeitenden. Warum ist Lüneburg für so viele ein Sehnsuchtsort? Wie realistisch ist das Ziel der Klimaneutralität bis 2030? Und welchen persönlichen Preis zahlt man eigentlich für ein solches Spitzenamt?
Ein Gespräch über die Herausforderungen einer grünen Oberbürgermeisterin ohne eigene Ratsmehrheit, den täglichen Spagat zwischen Mobilitätswende und Parkplätzen und die Frage, warum Kommunalpolitik ehrlicher ist als die große Bundesebene.
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Herzlich willkommen, mein Name ist Lars Heider und diese Sonderausgabe von 040 Hamburg streng vertraulich ist zum Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai 2026 erschienen. Zu diesem Tag habe ich mit einem Dutzend Bürgermeister und Bürgermeisterinnen kleiner und größerer Städte rund um Hamburg gesprochen, um mal zu erfahren, wie das eigentlich ist, wenn man Politik da macht, wo Politik wirklich auf Wirklichkeit trifft, Wie es ist, die Entscheidung aus Berlin umsetzen zu müssen, die Entscheidung aus den Hauptstädten umsetzen zu müssen, wie sich diese Menschen fühlen, ob sie sich gesehen fühlen.
Ob sie sich von den Medien vernünftig behandelt fühlen und so weiter und so fort. Es sind zwölf wunderbare Gespräche geworden, die einen tiefen Blick in die Lebenswirklichkeit, in die Lebenswirklichkeit von Städten, in die Lebenswirklichkeit unserer Gesellschaft und unserer Demokratie ermöglichen. Und ich wünsche Ihnen und Euch viel Spaß dabei. Los geht's. Zwölf Gespräche.
In dieser Folge habe ich zu Gast. Mein Name ist Claudia Kalisch. Ich bin Oberbürgermeisterin der Hansestadt Lüneburg und 54 Jahre alt. Und ich freue mich sehr. Mein Name ist Lars Heider. Ich freue mich sehr, liebe Frau Kalisch, dass wir jetzt miteinander verbunden sind mit Lüneburg, was ja für viele, auch für viele Hamburgerinnen und Hamburger, für viele Menschen so eine Art Sehnsuchtsort ist.
War es das für Sie auch? Weil Sie kommen aus einer sehr schönen Stadt und sind in einer sehr schönen Stadt geboren, nämlich in Bonn. Richtig. Das hat sich entwickelt, als ich hier angekommen bin. Also ich bin in Bonn geboren, in St. Augustin, aufgewachsen, im Alter von zwölf ins Ruhrgebiet nach Unna umgezogen worden.
Dort habe ich auch meinen Schulabschluss gemacht. Mein Vater ist in Düsseldorf geblieben, also auch im Rheinland, nach der Wende nach Leipzig gezogen. Ich bin also zwischen verschiedenen Städten immer unterwegs gewesen und dann zum Studium tatsächlich vor über 30 Jahren hier in Lüneburg gelandet. Und Lüneburg war für mich so gleich von Anfang an und auch das erste Mal dieses Gefühl von, boah, zu Hause sein. Warum?
Diese Stadt hat einen sehr familiären Charme auf der einen Seite und auf der anderen Seite einen offenen, weiten Blick. Es gibt unglaublich viele Menschen, die nach Lüneburg gekommen und geblieben sind. Ich habe immer gesagt, Mensch, gibt es hier überhaupt Ureinwohner? Ja, es gibt sie. Aber dadurch, dass wir eine Universität haben, dadurch, dass wir Garnisionsstadt sind, Behördenstadt sind, sind viele Menschen von außen, die nach Lüneburg gekommen sind.
Und insofern ist die Stadt tatsächlich auch weltoffen, obwohl es ein kleines. Ja, sie macht einen beschaulichen Eindruck, als wenn die Welt hier noch in Ordnung ist, alleine durch das Ortsbild und den Charakter, den wir hier haben, durch diese historischen Gebäudebestand. Also Sie sind damals nach Lüneburg gekommen, an die Leuphana-Universität und studierten Umwelt. Was studierten Sie?
Genau, ich habe Umweltwissenschaften studiert, wobei ehrlicherweise, da war es auch noch nicht die Leuphana-Universität. Da waren wir noch in ganz alten Räumen und ich habe tatsächlich damals sogar begonnen mit Magister, angewandte Kulturwissenschaften, Ökologie und Umweltbildung. Und als dann zur Debatte stand, dass dieser Studiengang umgewandelt wird in Diplom Umweltwissenschaften, habe ich mich auch dafür eingesetzt.
Es gab eine Kampfabstimmung und am Ende konnte ich dann meine Zwischenprüfung als Vordiplom anerkennen lassen und habe tatsächlich dann mit Umweltwissenschaften auch abgeschlossen. Was wollten Sie werden damit ursprünglich und was sind Sie geworden? Ja, ich habe immer gesucht, wann kommt das Thema, wo so die Leidenschaft entspringt.
Und es war tatsächlich dann das Fach internationale Umweltpolitik. Und ich habe dann auch noch ein Jahr, ein knappes Jahr in Ghana verbracht und zu diesem Thema auch geforscht und meine Masterarbeit geschrieben. Und bin dann aber tatsächlich mit meinem zweiten Schwerpunkt, nämlich damals hieß es noch Umweltmanagement, also betriebliches Umweltmanagement.
Das hat mich auch gereizt. Da habe ich dann meinen zweiten Schwerpunkt gehabt und bin nach dem Studium zunächst auch in einer Hamburger Kommunikations- und Marketingagentur eingestiegen, und habe dort die ersten Umweltberichte auch für Unternehmen mitproduziert. Und nach der ersten Elternzeit in dem Bereich auch erstmal weitergemacht, zurückgekehrt an die Universität, die dann Leuphaner wurde und einen Master of Business Administration mit aufgebaut, dann zuständig für Marketing und Kommunikation, der Schwerpunkt zu Nachhaltigkeitsmanagement hat.
Und den durfte ich dann auch nach einer Zeit mit einer externen Klasse tatsächlich selber durchlaufen, sodass ich dann auch den MBA selber hatte. Das heißt, in all der Zeit war mit Politik noch gar nichts oder war das schon die Phase, wo Sie dann in Gemeinderat gekommen sind? Wann ging das los? Liegt das parallel?
Ja, das ging. Dann hatte ich eine zweite Elternzeit tatsächlich, als mein Sohn geboren wurde. Und ich bin nicht der Mensch, der dann nur zu Hause ist. Ich brauche auch immer eine Herausforderung. Ich will mich auch selber weiterentwickeln. Und da bin ich dann irgendwie bei uns vor Ort. Damals in Reppenstedt wohnte ich, in die Politik geraten.
Ich habe schon immer ein Herz für die Grünen gehabt, bin aber dort nie eingetreten. Und dann gab es da vor Ort, das ist oft ausschlaggebend, eine Diskussion um die Kita-Gebühren. Die sollten irgendwie in zehn Jahren 100 Prozent erhöht werden und da muss man sich natürlich mal damit befassen. So bin ich dann tatsächlich bei den Grünen gelandet. Es hängt ja auch immer von Menschen ab.
Die waren für mich wirklich so die sehr, sehr offen, mit beiden Beinen auf dem Boden. Und da bin ich gleich angekommen, war schnell im Vorstand, schwuppdiwupp auf irgendwelchen Listen. Und weil ich in der Nachbarschaft sehr gut vernetzt war, fand ich mich dann auf einmal nach gut einem Jahr im Gemeinderat von Reppenstedt und im Samtgemeinderat von Gellersen wieder.
Und in Reppenstedt war es sogar so, dass unser Frontmann Bürgermeister wurde. Da gab es nämlich eine grün-rote Mehrheit. Und weil ich die zweitmeisten Stimmen hatte, war ich dann plötzlich Fraktions- und auch Gruppensprecherin, ohne vorher je in der Politik gewesen zu sein. Das war eine sehr spannende Erfahrung.
Das habe ich dann so nebenbei gemacht und bin dann als die Elternzeit durch war wieder zurück an die Uni. Und habe aber immer überlegt, wie geht es weiter? Ich möchte jetzt auch nicht nur lehren, ich möchte jetzt auch was umsetzen und habe dann tatsächlich mit einem MBA-Kollegen gemeinsam mein Unternehmen gegründet.
Und zwar einen Ökostromdienstleister, der lokal verankert ist, der sichtbar ist, der sich auch lokal engagiert. Und das war mir wichtig, aber auch nicht nur diese Ökoenergie voranzutreiben, sondern wirklich auch die Energiewende damit voranzutreiben. Und ja, das war dann so der Stand, bis man tatsächlich auf mich zugekommen ist und mir angetragen hat, Mensch, wie sieht es aus in Amelinghausen zu 2016?
Willst du nicht Samtgemeindebürgermeisterin werden? Ich habe mir also in der Art und Weise, wie ich die Fraktion und auch die Gruppe in Reppenstedt geführt habe. Wo ich durchaus auch Anerkennung verdient und so, dass es eine überfraktionelle, breit getragene Gruppe gab, die gesagt hat, also sie als gemeinsame Kandidatin.
Und so bin ich da eins reingegangen 2016 und bin dann tatsächlich auch Samtgemeindebürgermeisterin geworden. Was schon was ein Schritt ist weil letztendlich war dann plötzlich wurde aus dem, was sie nebenbei wo sie so reingeraten sind, wurde auf einmal ein Beruf, Genau da wurde auf einmal ein, Das war für mich einfach auch die Chance, meinen bisherigen Weg.
Also ich wollte immer für die gute Sache wirken. Das hat immer mein Leben bestimmt. Und das war dann wirklich auch die Chance, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Und die Breite der Themen, die Gestaltungsmöglichkeiten fand ich halt absolut reizvoll. Und so konnte ich eben noch stärker und auch noch konkreter tatsächlich wirken.
Und es ist natürlich schon ein Riesenschritt. Das ist so ein Branchenwechsel. Also wenn man so aus der freien Wirtschaft kommt. Ich hatte so im Studium, habe ich auch Examen tatsächlich in öffentlichen Rechts geschrieben, eine Fünf-Stunden-Klausur, irgendwie eine Bümschanlage genehmigt. Das ist aber was anderes, als wenn man dann plötzlich in der Kommunalverwaltung sitzt und mit Fraktionen und Gremien zu tun hat.
Und das ist Amlinghausen, die Samtgemeinde mit rund 8.500 Einwohnern ist dann noch vergleichbar klein, aber die Probleme sind in den Kommunen doch überall ähnlich. Und das war eine gute Schule. Interessant ist, wir hätten ja auch den klassischen Politikerweg gehen können zu sagen, okay, ich versuche irgendwie in den Landtag zu kommen, ich vielleicht versuche sogar in den Bundestag zu kommen, was auch immer.
Warum haben Sie den anderen Weg genommen? Also wir kommen gleich noch darüber, inwieweit Bürgermeister, das finde ich eine interessante Freistellung, inwieweit Bürgermeister eigentlich wirklich Politiker sind in der Wahrnehmung der Bevölkerung. Ist es so? Ich bin mir da gar nicht mehr so sicher, aber warum haben sie diesen anderen Weg nicht eingeschlagen?
Genau deshalb. Also ich habe das versucht auszudrücken. Es geht mir um das konkrete Wirken. Also ich kann hier auch sehen, was ich tue. Also es hat ja eine Folge, wenn man es schafft, einen Platz umzugestalten, wenn man es schafft, neue Verkehrswege zu, was mich damals reingetragen hat. Wenn es um Kita-Gebühren geht, Beitragssätze für Eltern, das ist das, was in der Kommune bestimmt wird.
Wir bestimmen das Leben der Menschen vor Ort, wird da maßgeblich mitgestaltet. Und das fand ich ungemein reizvoll. Und natürlich Politik auf Landes- und Bundesebene gestaltet genauso, aber man hat die Auswirkungen nicht mehr sofort. Also anders bei den Diskussionen, die wir gerade führen, auch um die Gefahr unserer Demokratie.
Ich sage immer, das hier unten, hier vor Ort sieht man, ob der Staat noch funktioniert oder eben auch nicht. Ja, wenn die Bürger bei uns im Rathaus am Empfang stehen und sagen, ich brauche einen neuen Perso, mein Gullideckel wackelt, dann sind das Dinge, die geklärt werden müssen, die aber auch geklärt werden können.
Also man sieht, dass der Staat funktioniert und nicht nur noch, sondern wirklich, und das ist das, was auch Freude macht. Sie haben gerade auch, als ich sagte, Bürgermeister sind vielleicht keine Politiker, vehement mit dem Kopf genickt, das ist so. Sie sehen sich nicht als Politikerin, auch nicht als Oberbürgermeisterin von einer jetzt gar nicht so kleinen Stadt wie Lüneburg?
Ich sehe mich weniger als Parteipolitikerin. Ich finde, dass wir hier unten auf lokaler Ebene sind wir gewählt von den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt, um die Stadt zu entwickeln und gemeinsam, wirklich nach vorne zu bringen. Da braucht es eine Meinungsvielfalt im Rat. Das ist ungemein wichtig und ist auch das, was ich oft sage.
Also, und da kann ich nicht, nur weil jemand nicht meine Meinung ist, den auch gleich zum persönlichen Feind erklären. Das ist etwas, sehen Sie schon, was mich gerade auch sehr umtreibt. Wir brauchen diese Vielfalt und dann ist doch von unserer Verantwortung, wirklich eher den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, der doch bitte möglichst groß sein soll, um in dieser Stadt etwas nach vorne zu bringen und zu gestalten.
Ich spreche jetzt auch als eine Oberbürgermeisterin, die keine Mehrheit im Rat hat. Wir haben als Grüne die größte Fraktion, aber es gibt keine Gruppe. Das heißt, es wird eben auch nicht, es ist schon von vornherein klar, ich habe eine Idee und dann bekomme ich das auch durch. Sondern man muss halt wirklich für jedes Thema auch wieder mit allen sprechen.
Tatsächlich mit allen? Ja, also um eine Mehrheit zusammenzubringen. Aber heißt das auch mit allen, also würden Sie auch mit Parteien, mit populistischen Parteien sprechen, mit der AfD, wenn es nötig wäre? Es ist bei mir nicht nötig. Also sie haben nicht die Stimmenzahl, sodass ich mit ihnen sprechen müsste.
Ich weiß tatsächlich nicht, ob es tun würde. Am Ende geht es um die Sache und auch das ist meine Verantwortung. Meine Verantwortung ist hier mehr halten, zu finden und wie die am Ende stimmen, kann ich ja auch gar nicht beeinflussen. Also manches Mal ist es so, da kommt es auf zwei, drei Stimmen an, dann lasse ich es drauf ankommen und gucke mal, wie es am Ende ausgeht.
Sie haben ja auch dieses Jahr im September Wahlen, das heißt, Sie stellen sich wieder zur Wahl. Wie ist der Moment, wie viele Gegenkandidaten gibt es jetzt schon? Also wir sind schon wieder acht. Tatsächlich? Also es gibt sieben Gegenkandidaten. Sechs davon kenne ich, einen siebten habe ich noch nicht kennengelernt, habe aber gehört, dass er wohl antritt und beim letzten Mal waren wir auch acht Kandidierende.
Naja, und die Frist ist noch nicht abgelaufen, also mal gucken, was doch passiert. Das ist interessant, ich habe gerade gesprochen mit dem Kollegen aus Winsen, da sind es drei, Ich glaube, in der Gemeinde Seevetal waren es auch drei. Acht, weil das so eine attraktive Stadt ist. Würden Sie aus Ihrer Sicht sagen, das verstehe ich, weil dieser Posten als Oberbürgermeisterin von Lüneburg ist wirklich ein Traumjob?
Für mich ja. Ich glaube aber, dass auch nicht jedem bewusst ist, was tatsächlich alles daran hängt. Und ich würde einfach sagen, es ist toll für unsere Demokratie, wenn die Bürger in unserer Stadt so eine große Auswahl haben. Und am Ende ist entscheidend, wer hat die besten Perspektiven, um die Stadt weiterzuentwickeln.
Und ich würde auch sagen, am Ende ist entscheidend, wem traut man die nötige Erfahrung und auch Ehrlichkeit dafür zu. Wie anstrengend ist dieser Job? Sie haben gerade gesagt, es ist ein toller Job, aber ich habe es jetzt in Gesprächen mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern schon erfahren. Also da mit 40 Stunden Woche wird es schwer.
Ja, das ist so. Das muss man wissen. Und dieses Amt hat auch bei allem, was Freude macht, auch einen hohen Preis. Und den zahlt man meist persönlich und familiär. Und dieses Amt schreckt nach meiner Einschätzung auch gerade Frauen deshalb ab. Also ich muss auch sagen, mein Amt als Oberbürgermeisterin, das hat mein Privatleben stark verändert.
Inzwischen lebe ich eben nicht mehr in Reppenstedt, sondern mit meinem neuen Partner in der Altstadt von Lüneburg. Ich habe mit meinem Ex-Mann, seiner neuen Partnerin, unseren Kindern, wir sind jetzt eine fidele Patchwork-Familie. Das weiß man aber auch nicht immer, wenn man auf dem Weg dahin ist. Und ich habe auch für meine Hobbys aktuell weniger Zeit. Ich habe also früher gerne Judo-Karate gemacht, Nordic Walking oder Spinning.
Judo seit Kindesbeinen an tatsächlich, auch im Leistungssport und als Trainerin und ich sage immer gern aus der Kampfsportlerin ist inzwischen eine Denksportlerin geworden. Ist es das wert? Weil das beschreiben ja viele Politiker, also Menschen, die in ihren, Ämtern wie ihrem sind, die sagen, ja ich muss auf sehr viel verzichten, aber das, was ich dafür beruflich kriege, was ich machen kann, ist halt so großartig, weil ich tatsächlich was gestalten kann, weil ich selber sehe, was daraus wird, dass es das wert ist?
Ja, also für mich ja. Zumal ich jetzt eine Amtszeit von fünf Jahren hinter mir habe, in der nächsten Amtszeit, die haben ja in Niedersachsen ja die Wahlzeiten verlängert, werden es acht Jahre und fünf Jahre sind einfach auch unglaublich kurz. Um wirklich etwas auf den Weg zu bringen. Also wir alle hier in Niedersachsen sind 2016 ja auch eingestiegen.
Da war erst Corona, dann kam der Angriffskrieg auf die Ukraine, Energiekrise mit all seinen Folgen. Wir haben uns ja tatsächlich lange erst mal auch mit Krisenmanagement beschäftigt. Und um dann wirklich sichtbare Projekte umzusetzen, das braucht eben auch Zeit. Und jetzt geht das so langsam los mit mal Spatenstichen oder mal Einweihung.
Aber es ist natürlich noch viel mehr auf den Weg gebracht. Und man möchte dann gerne auch mal erstens das einsammeln, was man mal gesät hat. Und zweitens habe ich auch noch viel mehr Ideen, was ich natürlich auch mit anschieben möchte. Das heißt, Sie finden tatsächlich diese Verlängerung, das ist ja für viele überraschend, dass sozusagen diese Wahl, die jetzt kommt im September und dann ist die nächste Wahl, der ist 20, wenn ich nicht recht verstanden habe, 20,34.
So lange ist das... Also ist das aus Ihrer Sicht, man würde sagen, oh, das ist aber für eine Demokratie eine extrem lange Zeit, wüsste man. Aber Sie sagen, es ist richtig, weil diese fünf Jahre unglaublich schnell vergehen und man schiebt ein bisschen was an und man erntet gar nicht das, was man angeschoben hat.
Ja, und wir sind ja eben auch nicht nur Politiker, um wieder auf diese Frage zu kommen. Wir sind hier, also ich habe ja im Grunde drei Jobs. Ich bin ja auch, also im allerersten Male bin ich Verwaltungsleitung. Die Hansestadt hat in der Kernverwaltung 1700 Beschäftigte. Wir sind im Konzernstadt, also mit den ganzen Tochterunternehmen, rund 25, habe ich über 5000 Beschäftigte. Also allein da überall auch mal reinzukommen, dieses Ankommen braucht ja auch Zeit.
Das ist mal das eine und dazu kommt dann das ganze politische Geschäft mit dem Rat und dazu kommen dann auch noch die ehrenamtlichen Tätigkeiten, auch in Gremien mitzuwirken. Ich bin ja auch mit beim Städtetag aktiv und außerdem die Repri-Tätigkeiten, wie wir sie nennen, Repräsentationen, Grußworte, das ist schon sehr, es ist sehr ausfüllend, es macht wirklich auch Spaß, aber das braucht auch Zeit, um da wirklich etwas zu bewegen.
Und da sind jetzt acht Jahre, da hat man dann auch den Raum, vielleicht mal wirklich richtig was anzuschieben und auch umzusetzen von dem, was man, also wenn man, wir müssen sich überlegen, fünf Jahre, man braucht bestimmt zwei Jahre, um überhaupt richtig anzukommen, mit dem Krisenmanagement waren es drei und nach einem Jahr ist man schon wieder im Wahlkampf.
Also was soll man in der Zeit bewegen? Insofern finde ich, also ich hätte es mir tatsächlich in meiner ersten Amtszeit gewünscht, nicht erst in der zweiten, aber ich finde es auf jeden Fall richtig. Wie ist es? Sie haben es gerade gesagt, also da ist viel zu tun. Es macht Spaß, man hat viele repräsentative Aufgaben.
Man sieht ja auch viel die Menschen, mit denen man zu tun hat. Da gibt es immer die furchtbaren Schlagzeilen von Menschen oder Geschichten von Politikern, die bedroht werden, die bepöbelt werden. Und das frage ich auch jetzt in dieser Bürgermeister-Runde und stelle fest, ja, das gibt es in den sozialen Medien, aber alle ihre Kolleginnen und Kollegen, ich bin gespannt, was sie sagen, sagen mir, im direkten Kontakt ist der Respekt vor diesem Amt und vor dem, was wir tun, nach wie vor vorhanden. Ist das so?
Im direkten Kontakt ist es zumeist so, aber ich sage ehrlich, ich habe kein Klingelschild mehr, ich habe keinen Briefkasten mehr, meine private Post geht ans Rathaus und ich wechsle alle halbe Jahr mein Autokennzeichen. Also es ist schon so, dass das, was nicht face-to-face läuft, was auch an Post hier reingeht und auf anderen Ebenen, das macht nicht nur Freude.
Aber ich habe unglaublich schöne direkte Kontakte. Also gerade das Gespräch mit dem Menschen, es macht mir unglaublich Spaß, auch so verschiedene Charaktere immer wieder kennenzulernen, Lebenssituationen, dass das auf jeden Fall überwiegt. Hat das was damit zu tun, verschiedene Punkte, dass Sie eine Grüne sind, dass Sie die erste Frau an der Spitze sind, dass Sie eine junge Frau sind?
Sind das so Dinge, die dazukommen? Ich gehe davon aus. Ich habe spaßeshalber gesagt, ich vereine wahrscheinlich so alles Mögliche in meiner Person. Genau der Punkt. Erstens, ich bin eine Grüne. Zweitens, ich bin eine Frau. Drittens, ich bin kein Verwaltungsgewächs. Ich komme aus der freien Wirtschaft.
Das ist hier auch nochmal ein Umsprung. Und dann habe ich eben auch ein Haus übernommen, was über 30 Jahre in einer Hand war. Das ist natürlich ein riesenhafter Einschnitt und zwar nicht nur für die Verwaltung, sondern natürlich auch für die Politik und die Stadtgesellschaft. Gesellschaft. Und als Frau kommuniziere ich auch anders.
Und vielleicht der oder ich als Clown, der bin eben auch natürlich anders als, die Person, die man hier gewohnt war. Veränderungen, Das ist nicht immer für jeden was. Bei mir ist das immer noch verrückt. Ich bin jetzt so froh, dass bei diesen zwölf Bürgermeistern und Bürgermeistern, wenn ich spreche, ist das Verhältnis etwa 50-50 Männer-Frauen.
Aber dann staunen wir und denken, in Lüneburg sind sie. In Lüneburg ist ja so eine Stadt, die für mich jetzt immer so als sehr progressiv. Und dann stellst du, wow, die erste Frau an der Spitze. Das ist schon ungewöhnlich. Dass ich die anderen Kolleginnen immer frage, ist, welche Rolle die Nähe zu Hamburg spielt. Nun ist die Nähe zu Hamburg bei Lüneburg gar nicht so ausgeprägt einerseits.
Andererseits ist man relativ schnell vor einer Stadt in der anderen, hängt immer so ein bisschen mit der Bahn zusammen und ich will sie gar nicht zur Bahn fragen. Es gibt Kollegen von Ihnen, die, wenn ich Metronomen gesagt habe, angefangen haben, Schreikrämpfe zu kriegen. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist. Aber die Nähe zu Hamburg, was ja nicht die Hauptstadt ist des Landes, in dem sie sind und die Entfernung zu Hannover dazwischen, wie gut ist das?
Ist das auch eine der Stärken von Lüneburg, also nah genug an Hamburg zu sein, aber auch gar nicht so weit weg von Hannover? Welche Rolle spielt Hamburg? Ich würde gerne das andere Thema kurz abschließen. Also in Deutschland sind es 9 Prozent der Hauptverwaltungsbeamten sind Frauen. Neun. Wow, das haben wir hier eine tolle Situation mit 50 Prozent in dieser Reihe jetzt mit zwölf. Ja genau, mit denen Sie jetzt sprechen.
Vielleicht haben Sie die gezielt auch so ausgesucht. Nee, gar nicht. Okay, dann ist es Zufall. Jedenfalls, wir sind 9 Prozent und ich bin es auch gewohnt, oft die einzige Frau in irgendwelchen Gremien zu sein. Ich habe deswegen auch für den Niedersächsischen Städtetag gemeinsam mit dem gesetzten Städte- und Gemeindebund und gemeinsamen Frauennetzwerk gegründet, weil man erlebt schon interessante Situationen.
Aber jetzt zurück nach Hamburg, was ja nur auch sehr progressiv ist. Und ich danke für die Frage, weil ich das auch toll finde, dass sie jetzt diese Offenheit auch haben für das Umland und wie das Umland auf Hamburg blickt. Also für uns ist Hamburg schon sehr entscheidend. Also Lüneburg ist auch deshalb so attraktiv, wenn man jetzt die Augen zumacht und sich vorstellt, drumherum sei nur Fläche, dann wäre es, glaube ich, schwierig.
Allein zu wissen, ich könnte in 20 Minuten in Hamburg sein, gibt eine unglaubliche gedankliche Freiheit. Und das Thema Bahn ist natürlich schon wichtig. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, dass ich vor zwei Tagen vom Bundesverkehrsausschuss auch in einer Anhörung dazu war. Ich kämpfe ja. Also erstens habe ich schon vorher in Amelinghausen für eine Bahnreaktivierung gekämpft von Lüneburg Richtung Soltau. Die wird jetzt kommen.
Auch das ist so etwas, was halbes Freude macht. Das hieß von Anfang an, das ist völlig unmöglich, brauchst du dich gar nicht für stark machen. Jetzt kommt sie in 1929 zusammen mit der Generalsanierung und wir kämpfen gerade, und das tue ich auch gemeinsam mit Hamburg, für diese Neubautrasse von Hamburg nach Hannover, nämlich um damit Kapazitäten freizukriegen zwischen Hamburg und Lüneburg, um die dann für den endlich notwendigen Nahverkehr auch zur Verfügung zu haben.
Also wir brauchen von Lüneburg dringend, also meine Idee ist wirklich, ich möchte eine Viertelstundentakt Anbindung nach Hamburg. Ob das Ding am Metronom S-Bahn oder sonst wie heißt, ist am Ende egal. Und da gehen wir ja d'accord. Ich bin natürlich auch im engen Austausch mit Agnes Tjaks. Hamburg ist ja sehr nach Norden angebunden und nach Süden ist es wirklich schwierig für uns hier in der südlichen Metropolregion.
Und da hängen wir uns jetzt auch wirklich rein. Da braucht es dringend eine Verbesserung. Denn Hamburg ist für uns elementar wichtig. Wir sind ja auch Teil der Metropolregion Hamburg. Das ist ja ganz spannend. Unsere Landeshauptstadt Hannover ist in die eine Richtung, eine Stunde. Aber wir sind Metropolregion Hamburg. Und auch da in entsprechenden Vernetzungen und Gremien mit drin.
Und das nicht ohne Grund. Also wir ziehen ja auch gegenseitig. Ich habe ja vorhin erzählt, ich habe auch in Hamburg gearbeitet. Zwei Jahre bin ich gependelt und habe dann gedacht, jetzt musst du irgendwann mal in die Stadt ziehen. Aber dann kam eben ein neuer Lebensabschnitt und mit Familie bin ich dann hier geblieben.
Und umgekehrt haben wir einen unglaublichen Zuzugsdruck aus Hamburg auch. Ich weiß jetzt gar nicht, wie der Mietspiegel bei Ihnen ist. Wir liegen irgendwie bei 13,50 den Quadratmeter. Und es ist wirklich deswegen auch für uns wiederum wichtig, die Menschen mit auch in die Fläche zu bekommen, weil... Eine Stadt hat halt Grenzen. Irgendwann ist die Fläche einfach auch zu.
Und das hat etwas mit Attraktivität zu tun. Und alles, was ich in Lüneburg nicht kriege, das kriege ich als nächstes in Hamburg. Und umgekehrt haben wir aber schon unglaublich viel hier, sodass die Menschen eben auch nach Lüneburg kommen und so hier unser Einzelhandel, unsere familiengeführten, inhabergeführten Einzelhandel und die Stadt mit dem Rote-Rosen-Charme dann tatsächlich genießen, hier auch zu wohnen.
Da sind wir schon mitten in Lüneburg. Wir hören uns mal an, vielleicht zwei Minuten 40, was Lena Thiele, meine Kollegin, über Lüneburg zusammengetragen hat. Ich hoffe, Sie können das jetzt gleich hören. Lüneburg ist bekannt für seine Altstadt mit dem historischen Rathaus, den imposanten Kirchen und dem Flüsschen Ilmenau, das durchs Wasserviertel fließt.
Mit den Kneipen am Stint, zahlreichen Cafés und Restaurants, kleinen inhabergeführten Geschäften und der nahegelegenen Lüneburger Heide begeistert die Stadt nicht nur Touristen und Ausflügler. Auch viele Menschen, die hier leben, arbeiten oder studieren, schätzen Lüneburg und die hohe Lebensqualität.
Und trotzdem gibt es auch hier Unstimmigkeiten, wie sich die Stadt bestmöglich weiterentwickeln kann. Unter der grünen Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch seit 2021 im Amt sind Klimaschutz, Mobilitätswende und eine starke Stadtgesellschaft in den Vordergrund gerückt. Zuletzt wurden millionenschwere Investitionen in Schulen beschlossen und das Theater gerettet. Das Krankenhaus und das Psychiatrische Klinikum, beide Teile der städtischen Gesundheitsholding, werden mit Neubauten fit für die Zukunft gemacht.
Kontroversen gibt es vor allem um die Themen Radwege und Innenstadtentwicklung. Auch einige Bauprojekte, die dringend benötigten Wohnraum bringen sollen, sind umstritten. Dem ambitionierten Ziel, einen Fahrradring rund um die Innenstadt verlaufen zu lassen, nähert man sich nur langsam. Das Ringen um moderne Radwege einerseits und ausreichend Autoparkplätze andererseits ist zäh.
Händler beklagen, dass Kunden ihre Geschäfte schlechter erreichen können. Die Innenstadt ist seit langem weitgehend Fußgängerzone. Unter anderem am Marktplatz wurden zuletzt grüne Oasen mit Sitzbänken, Tischen und Pflanzkübeln errichtet. Auch eine neue Toilettenanlage und stillfreundliche Orte machen den Stadtbesuch komfortabler.
Eine große Herausforderung aber bleibt der Leerstand im Zentrum. Das drängende Thema Wohnen soll durch Neubauprojekte wie am Wiener-Büttler-Weg, im wachsenden Hanseviertel und im dörflichen Rettmar entschärft werden. Doch klar ist auch, die Stadt Lüneburg zählt bei den Immobilien- und Mietpreisen zu den eher teuren Lagen im Hamburger Umland.
Das hält den Zuzug nicht auf. Rund 79.000 Menschen leben in Lüneburg, fast genau 10.000 mehr als noch Anfang des Jahrtausends. Dank der Leuphana-Universität kommen jedes Jahr neue Studierende in die Stadt. Viele andere Neubürger pendeln zum Arbeiten nach Hamburg. Sie leiden jedoch darunter, dass die Anbindung mit dem Metronom seit Jahren an Zuverlässigkeit einbüßt.
Ja, da ist eigentlich fast alles und vieles dabei. Es klingt so ein bisschen tatsächlich wie Hamburg in klein. Also es ist so ein bisschen so dieses ganze, ich war auch erstaunt, wobei Sie ja sagen, das müssen Sie uns erklären, wie das gehen soll. Sie wollen klimaneutral sein, nicht bis 2045, auch nicht bis 2040, wie Hamburg sich das jetzt vorgenommen hat, sondern, habe ich das richtig gelesen, bis 2030. Mhm.
Und das klappt? Wenn wir sehen. Also es ist noch ein bisschen was zu tun. Aber warum dieses Sehen? Das ist ja ein extrem ambitioniertes Ziel. Ich finde, es für mich passt es zu dem, was ich über Lüneburg denke, höre. Und die Leute, die ich aus Lüneburg kenne, gibt es da nicht. Aber in Hamburg gibt es darüber eine Riesendiskussion über 2040.
Und Sie wollen nochmal zehn Jahre früher dabei sein. Ja, das ist tatsächlich auch eine Ratsentscheidung. Gleich nach meiner Amtsübernahme im Frühjahr 2022 ist der Rat dem Klimaentscheid beigetreten und hat sich damit die Ziele zu eigen gemacht. Und natürlich unter Machbarkeitsmöglichkeitsvorbehalt. Und am Ende geht es ja auch um eine rechnerische Klimaneutralität und das hat viel mit unserer Energieversorgung zu tun.
Und wir haben eben auch mit als Eiste einer der ersten Kommunen und vor der Frist unsere Wärmeplanung tatsächlich verabschiedet und sind jetzt in Diskussion zur Umsetzung und machen eben dann auch Projekte wie eine große Wärmepumpe zu planen, wo wir dann Abwässer, die bei uns bei dem Klärberg entstehen, dass man da die Abwärme nutzen kann.
Wir haben zusammen mit der Avacon, es geht um eine Pilotanjage, um vielleicht sogar auch bei Trinkwasser Wärme zu nutzen. Wir planen gerade Freiflächen-PV-Anlagen. Also da ist viel unterwegs, aber auch noch viel zu tun. Und ein großer Teil sind natürlich die Verkehrsemissionen, um zu dem Mobilitätsbereich zu kommen.
Also wir haben ja gerade viele Themen angerissen. Das ist jetzt die Frage. Dieser Radring erhitzt hier tatsächlich die Gemüter, aber es hat ja viel mit Verkehrssteuerung zu tun und auch der Angst, dass wenn man mal fünf Parkplätze wegnimmt, die Innenstadt plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Das habe ich jetzt schon ein bisschen überspitzt formuliert.
Sie sehen, da hängen tatsächlich auch im Moment Emotionen drin, auch in der aktuellen politischen Debatte. Vielleicht lassen Sie mich so viel dazu sagen, dass wir diesen Radring, der wurde im Grunde schon vor meiner Zeit beschlossen. Aber die Beschlüsse zur Umsetzung, die hängen halt, die haken alt. Und damals gab es auch noch keine konkreten Planungen.
Dann haben wir mit der Stadtgesellschaft einen sogenannten nachhaltigen urbanen Mobilitätsplan entwickelt, also ein neues Verkehrskonzept mit breiter Beteiligung. Und am Ende der Rat, der dieses Konzept beauftragt hat, hat es dann nur noch zur Kenntnis genommen. Und da wird so ein bisschen deutlich, jetzt sind wir auch im Wahlkampf, wieso unterschiedliche Stimmungen sich dann auch durch die Stadtgesellschaft ziehen.
Und natürlich müssen wir unsere Innenstadt immer erreichbar halten und zwar für alle. Und das ist das Entscheidende. Was es voranzubringen gilt, ist eine Neuaufteilung unseres Verkehrsraums, eine gerechte Aufteilung, sodass ich rede, ich will gar nicht das Auto verteufeln und ich will auch nicht sagen, es geht nur ums Fahrradfahren, sondern es geht darum, dass wirklich alle, ob zu Fuß, ob mit dem Fahrrad, ob mit dem Auto oder auch mit dem Bus, ihre Ziele in den Stadtteilen und auch in der Innenstadt erreichen können.
Und dafür brauchen wir eine gerechte Verteilung des Verkehrsraums. Jetzt müssen Sie sich vorstellen, wir haben in der Innenstadt Parkhäuser, wir haben insgesamt in der Innenstadt über 4000 Parkplätze und während meiner Amtszeit sind 254 davon eingezogen worden, wobei nur 41 für Verkehrsberuhigung waren.
Alles andere hatte andere Gründe, weil eine Unterbringung gebaut wurde, weil illegales Parken bereinigt wurde, aus Brandschutzgründen, weil die Feuerwehr sonst nicht mehr durchgekommen ist. Also es gab wirklich nur 41 davon. So, wir haben über 4.000. 41 sind jetzt für Verkehrsberuhigungsmaßnahmen dann tatsächlich kassiert worden.
Und unsere Parkhäuser, die direkt angrenzenden Parkhäuser in der Innenstadt. Haben immer Kapazitäten, bis auf vier Tage in der Woche. Das sind nämlich die Adventsamstage. Dann sind auch mal die Parkhäuser voll. Und ansonsten haben die städtischen Parkhäuser eine Auslastung von in Spitzenzeiten bis 48 Prozent, habe ich mir jetzt geben lassen im Durchschnitt, und die privaten unter 75 Prozent.
Es ist ja eine Frage, wie man Verkehrsströmungen lenkt. Man muss wirklich jeder mit seinem Auto mitten in die Stadt reinfahren. Oder behält man die Seitenparkplätze am Straßenrand eben wirklich für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder irgendwie Brötchentaste oder sowas und macht die Parkhäuser dann aber so attraktiv, und das braucht es natürlich auch, dass man die dann eben auch gerne ansteuert.
Aber es ist ja wahrscheinlich wie in Hamburg, es ist dann eine zutiefst ideologische Frage. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es dann darum um Fahrradfahren oder ÖPNV oder Auto geht, sondern dahinter steckt ja so ein bisschen, wir haben es auf Bundesebene jetzt erlebt, aus mit dem Verbrenner aus. Und da steckt ja eine ganze, einfach eine politische Richtung hinter.
Und das wird bei Ihnen wahrscheinlich jetzt auch im Wahlkampf so ähnlich sein. Ja, aber man muss eben auch dazu sagen, dieser Radring, über den hier gerade in der Stadt hoch diskutiert wird, der schon längst eigentlich beschlossen war, dieser Radring, da geht es gar nicht nur um diesen Vorrang fürs Fahrrad, einmal im Ring um die Stadt.
Der übrigens dann dazu beitagt, dass die Menschen nicht mehr durch die Fußgängerzone fahren, wo sich immer alle aufregen. Dieser Radbring hat Maßnahmen für Barrierefreiheit. Es geht auch um die Menschen, die zu Fuß sind, die mit dem Rollator, mit dem Kinderwagen unterwegs sind, Rollstuhlfahrende. Also es geht darum, Barrierefreiheit zu schaffen.
Es geht darum, Sicherheit herzustellen. Wir haben wirklich Verkehrspunkte mit Unfallschwerpunkten, die wir damit auflösen wollen. Also es geht wirklich um Sicherheit, nicht nur für Radfahrende und Fußgehende, sondern damit sind ja auch die Autos betroffen. Das sind maßgebliche Ziele. Das betrifft unsere Jüngsten und die Ältesten in unserer Gesellschaft, die uns eigentlich alle ein sollten.
Und mit in diesem Radring sind auch enthalten Umgestaltungen von Nebenräumen. Da geht es auch um Aufenthaltsqualität. Wenn wir um Attraktivität der Innenstadt reden, dann muss auch das das Ziel sein, dass sich die Menschen hier sicher fühlen, dass sie auch gerne am Verkehr teilnehmen. Und wir haben hier in der Ilmenau Straße, also Straße direkt an der Ilmenau, geht es auch um die Umgestaltung als Teil des Fahrradrings.
Und da dürfen auch Autos weiter durchfallen übrigens, nur es geht vorrangig für die Radfahrenden. Da diskutieren wir heiß über, wie viele Parkplätze dürfen denn da entnommen werden. Aber es geht um die Gestaltung auch der Nebenräume, die ja dann auch wieder zur Attraktivität der Innenstadt beitragen.
Dafür haben wir aktuell Fördermittel von über 80 Prozent. Also ich kann verstehen, dass man diskutiert. Wir stehen alle mit dem Rücken an der Wand finanziell. Wir kämpfen um unsere Handlungsfähigkeit weiter. Aber es ist jetzt der Moment, wo wir jetzt die Planung sind jetzt da. Die Fördermittel sind jetzt da.
Also wahrscheinlich kommen wir nie wieder in die Lage, gerade wenn ich in die Finanzen gucke, so etwas umzusetzen. Wir haben jetzt die Chance und ich hoffe, dass die Politik dann auch ihr Wort behält, weil wir sind nicht nur dem Klimaentscheid beigetreten. Wir haben uns auch die Ziele des Radentscheids zu eigen gemacht.
Der sagt, den Fahrradring umsetzen. Damit wurde ein Bürgerentscheid verhindert. Das jetzt nicht zu tun, das ist Wortbruch an den Menschen, die das damals auf den Weg gebracht haben. Das klingt nach einem spannenden Wahlkampf und das klingt nach genau dem, was in Hamburg ja auch erlebt wird. gerade mit der Umsetzung des Zukunftsentscheids, wo dann der Bürgermeister auch gerne mal sagt, naja, aber da müssen wir gucken und so.
Und dann die, die das durchgesetzt haben, dann sagen, nee, da müssen wir nicht gucken, das ist entschieden. Wir sind schon leider fast am Ende und ich stelle am Ende immer allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern dieselbe Frage. Wenn sie für einen Tag oder für eine Woche oder vielleicht auch für länger, können sie gleich sagen, mit einem Kollegen tauschen müssten, also entweder einem Kollegen einer Stadt rund um Hamburg oder meinetwegen einem Kollegen aus Hamburg.
Wer wäre das und warum? Uff. Sie kann nicht tauschen. Die müssten aber. Ich müsste. Ja, nur für einen Tag. Mal gucken, wie das ist. Einige haben gesagt, sie würden gerne mal zum Beispiel mit dem Hamburger Bürgermeister oder mit einer Senatorin tauschen, um mal zu gucken, wie der Blick von Hamburg zum Beispiel auf die Gemeinde Seevetal ist.
Das ist ja auch immer interessant, dass der Blick von Hamburg auf Lüneburg ist, glaube ich, ein sehr positiver. Da wird immer gesagt, Lüneburg, das schöne Lüneburg und toll und so. Das ist ja dann in anderen Bereichen, der Blick auf Winsen ist ein ganz anderer. Also gibt es da, wenn Sie sagen, nee, Leute, ich bin hier, Lüneburg ist mein Ein und alles, dann ist das natürlich auch okay.
Also ich würde nicht tauschen wollen. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, das Einzige, was ich mir vorstellen könnte, ist tatsächlich die Landeshauptstadt Hannover, weil man dort, ich bin ja auch im Präsidium vom Niedersächsischen Städtetag, weil man dort viel enger an der Landespolitik Ich glaube, dass es da noch mal einfacher ist, ein Gespür zu haben, in welche Richtung geht hier gerade das politische Geschehen und vielleicht auch noch mal Einfluss zu nehmen.
Da bin ich natürlich in Lüneburg sehr weit weg und bin froh, dass ich über meine Arbeit im Präsidium dadurch einen anderen Informationsfluss habe. Aber ansonsten bin ich hier in Lüneburg sehr glücklich. Das klingt gut. Liebe Frau Kadesch, vielen Dank. Ich danke Ihnen. Vielen Dank für das Gespräch.