040 Streng vertraulich: Die Lage in Hamburg· Folge 13

Warum sich die Bahnen bei den Hamburger entschuldigt

Freitag, 25. Juli 2025 · 39 min

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Shownotes

Was passiert mit den wichtigen Bahnprojekten in Hamburg? Matthias Iken hat sich für euch umgesehen und bringt ernüchternde Nachrichten mit. Erfahrt außerdem, was Wolfgang Schmidt, einst Vertrauter des Kanzlers, heute ohne Olaf Scholz macht.
Parallel dazu trifft Co-Gastgeber Lars Haider zwei echte Schwergewichte: Holger Hübner, den Gründer des Wacken Open Air, und OMR-Macher Philipp Westermeyer. Was diese beiden Ikonen verbindet, hört ihr exklusiv in dieser Folge!
Und nicht zuletzt: Männer unter sich im Kanzleramt – ist Friedrich Merz hier auf eine PR-Strategie hereingefallen? Wir beleuchten die Hintergründe in der neuesten Ausgabe des 040 Podcasts!

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Music. Herzlich willkommen, ich bin Lars Haider. Und ich bin Matthias Iken. Und wir freuen uns wieder sehr, heute hier zu sein, für euch da zu sein. Wir haben natürlich aus der letzten Woche vor den Ferien in Hamburg ein paar spannende Themen mitgebracht. Matthias, worüber wollen wir sprechen? Du hast gesprochen und das finde ich als jemand, der sehr viel mit der Bahn unterwegs ist und an sich ein großer Fan des Deutschland-Tickets.

Du hast mit der Bahnchefin sozusagen für Hamburg gesprochen. Das ist wahr, in meinem aktuellen Podcast. Wer also diesen zu Ende gehört hat, kann gleich weiterschalten. Und was wird aus Hamburg hören? Und gibt es einen kleinen Einblick da mal, das ist das erste Thema. Das zweite Thema, du hast auch Wolfgang Schmidt getroffen, als einer der ersten Journalisten in Deutschland, die ehemalige rechte und linke Hand von Olaf Scholz, dem ehemaligen Bundeskanzler, dem Altkanzler. Mal hören, was der macht.

Zweites Thema. Drittes Thema, wir wollen über Wacken sprechen und was Wacken mit den OMR, mit der Digitalmesse OMR gemeinsam hat und was man eigentlich aus Wacken für die Ticketpreise lernen kann, die für große Kunst, für Pop, aber auch für andere Konzerte im Moment verlangt werden. Und dann wollen wir natürlich nochmal darauf eingehen, das hat viel Resonanz gegeben.

Vergangene Woche haben wir darüber gesprochen, dass es in Hamburg so viele Menschen gibt, Schülerinnen und Schüler gibt, die Abitur mit der Note 1 machen. Nämlich etwa jeder Dritte. Vor allem viele junge Menschen. Die älteren Menschen haben ja noch ein richtiges Abitur gemacht. Das sagst du. Und ich habe mir mal die Zahlen besorgt. Darüber sprechen wir.

Und ganz am Ende, wenn noch Zeit sein sollte, sprechen wir über Frauen und Männer in der deutschen Wirtschaft. Und da geht es dann auch wieder um deinen Lieblingskanzler Friedrich Merz. Der hat sich nämlich mit ganz schön vielen Männern fotografieren lassen. Also Matthias, legen wir los. Thema Nummer 1, Bahn.

Ich habe in der Vorbereitung auf diese Sendung noch überlegt, wann zuletzt. Ich tatsächlich in Hamburg, eine Bahn, also wir reden jetzt nicht über S-Bahn, sondern wir reden über Regionalbahn, sonstige IC, hatte, die pünktlich war, in diesem Jahr und mir ist nichts eingefallen. Was sagt die Bahnchefin denn dazu? Entschuldigt sie sich oder wird das irgendwann mal besser?

Beides. Sie sagt beides. Also sie spricht sehr, sehr offen, wie ich fand, über die katastrophale Situation, so hat sie es auch genannt. Sie entschuldigt sich auch im Namen aller Beschäftigten und sagt, ja, das, was wir leisten, ist derzeit nicht ausreichend, aber erklärt auch ein wenig, woran das liegt.

Das hat natürlich viel mit dem Thema der Dauerbaustellen zu tun, dem längeren Vernachlässigen der nötigen Infrastruktur. Das hat mit Personalengpässen zu tun, aber sie sagt halt ganz klar, damit können wir nicht zufrieden sein und es muss und es wird sich auch ändern, aber da brauchen wir ein bisschen Geduld.

Ich habe sie so gefragt, sind wir denn schon am Ende des Tunnels? Nein, wir sind noch mittendrin. Das sind so Sachen, die man immer wieder hört und das hat mit Baustellen zu tun. Dann sitzt man aber am Bahnsteig, so wie ich gestern und dann geht es darum, Personal ist nicht rechtzeitig gekommen oder Personal ist ausgefallen.

Menschen im Gleis, auch ein sehr beliebtes Thema in Hamburg, Weichenstellungen, die nicht funktionierten, Signalstörungen. Das klingt nicht danach, als könnte man dieses Problem grundsätzlich überhaupt lösen, sondern... Als sei das so verfahren im wahrsten Sinne des Wortes, dass man, und das hat ja mal die HVV-Chefin gesagt, die glaube ich früher bei der Deutschen Bahn war, die hat auch gesagt in einem Gespräch, man könnte überhaupt glücklich sein, dass überhaupt Bahnen fahren.

Das ist doch schön, mit der Haltung ist man dann immer viel zufriedener, wenn man mit einer Stunde zu Hause ankommt. Und dann fragt man sich immer, wenn man dann wieder in Österreich ist, ich war in Österreich am Bahnhof in Innsbruck und guckte auf die Anzeigetafel und dachte, das stimmt nicht. Und es war eine Anzeigetafel, es gab keine einzige Verspätung.

Hättest du fotografieren müssen. Aber jetzt mal ernsthaft, kommen wir da jemals mit, also angesichts des Systems, wie es jetzt ist, da reden wir doch nicht von 10 Jahren, von 20 Jahren, dann reden wir doch wahrscheinlich von, du nickst auch noch, von 30, 40 Jahren. Ja, also Frau Plamberg war jetzt klug genug, da nicht eine Jahreszahl ranzukleben.

Aber das wird Jahrzehnte dauern, und das finde ich wichtig, um es auch zu verstehen. Es hat auch Jahrzehnte gedauert, um die Bahn quasi so vor die Wand zu fahren. Und das fand ich ganz plausibel. Sie hat halt den Blick zurückgeworfen zu Beginn der 90er Jahre, wie das Land da tickte und was da wichtig war.

Und da gehört so weit dazu, und das ist keine Erfindung von ihr, dass die Bahn, abgesehen von ein paar Bahn- und Ökologiebegeisterten, keine große Rolle spielt. Denn Deutschland war Autoland, die Menschen sind Auto gefahren. Und es gab ein Ziel, man wollte, dass die Bahn ohne große Defizite zurechtkommt.

Deshalb wurde sie fit gemacht für die Börse und sollte am Ende mit profitablen Strecken für sich selbst und von sich selbst leben können. Denn das große Defizit, was sie damals immer eingefahren hat, war der Politik zu teuer. Es gibt den schönen Satz von Helmut Schmidt, auch ein guter Kanzler. Der sagte, wir können uns entweder die Bundeswehr oder die Bundesbahn leisten.

Beides zusammen ist zu teuer. Das beschreibt so ein bisschen diese Dimension. Aber damals hatte man ein großes Streckennetz. Man hatte einen sehr, sehr großen Personalstamm. Andere würden sagen Wasserkopf. Man hatte halt an vielen Stellen auch das Zugpersonal, von dem du sprichst, was dann mal einspringen konnte, wenn das vorgesehene Personal nicht zur Stelle war.

Und das ist alles sukzessive, wie die Weichen zurückgefahren, teilweise sogar abgeschafft worden, um einfach die Bahn börsenfähig und profitabel zu machen. Und das Ergebnis sehen wir heute mit 30 Jahren Verzögerung. Und deshalb deine Frage, werden wir wahrscheinlich noch zwei, drei Jahrzehnte brauchen, um wieder eine so gut funktionierende Bahn zu haben, wie wir das aus unseren Kinderzeiten kennen.

Verrate uns, was aus den großen Hamburger Projekten wird, beziehungsweise was nicht daraus wird. Das hast du ja auch recherchiert. Ja, das ist natürlich auch. Also Hamburg hat ja so viele Bahnprojekte gerade am Laufen, dass man fast den Überblick verliert. Das geht los bei der Elbbrückensanierung über die Sternbrücke, die ja auch schon seit einigen Jahren hier bei uns in Hamburg eine große Rolle spielt, der wohl ehemalig.

Das größte Vorhaben ist ja der Umzug des Bahnhofs Altona nach Diebsteich, ursprünglich auch angedacht, muss man sagen, eher als Stadtentwicklungsmaßnahme. Nämlich zu sehen, das ist ja auf Luftbildner wunderbar zu erkennen, ein riesiges Areal im Herzen der Stadt, wo halt quasi Gleise liegen. Und da hat man gedacht, Menschenskinder, das können wir doch auch wunderbar bebauen und der Bahnhof zieht dann irgendwie zwei Kilometer Richtung der Friedhöfe.

Als diese Idee aufgetischt wurde, war auch, muss man sagen, die Kritik eher verhalten. Jetzt wird sie immer lauter. Und dieses Projekt ist durch ein weiteres Bahnprojekt jetzt auch noch so ein bisschen in Schieflage geraten. Das ist der Verbindungsbahnentlastungstunnel. Tolles Wort, VET nennen wir ihn besser.

Der soll ja den Bahnhof entlasten, der ja chronisch, den Hauptbahnhof, chronisch übernutzt ist. Es ist ja von den Passagieren der zweitgrößte Bahnhof in Europa nach dem Gardenoir in Paris. Und der soll da einfach ein bisschen Platz schaffen. Zwei Gleise zusätzlich zur Verfügung stellen, damit dort auch Fernseher gehalten können.

Deshalb gab es die Idee, Mensch, wir bauen noch eine zweite S-Bahn vom Hauptbahnhof nach Diebsteich. Das hat aber alle Planungen in Diebsteich wiederum gestoppt und verzögert, sodass man jetzt, wenn man 2027, so der Plan. Den Bahnhof nach Diebsteich verlagert, man zwar Gleise hat und wahrscheinlich auch einen Fahrstuhl, aber kein Bahnhofsgebäude, das wir ja schon im Jahr 2018 den Lesern im Abendblatt gezeigt haben.

Wie, und dann hat man einen Bahnhof ohne Bahnhofsgebäude? Ja. Und das heißt aber, da fahren dann schon Züge? Züge fahren, auch ganz normal. Ich bin auch mal gespannt, wie man das hinbekommt, wie das im Wetter ist wie in dieser Woche. Weil überdachen muss man ja die Gleise auch. Und das wird jetzt alles, wir haben jetzt 2025 schon ganz ambitioniert.

Aber da war die Bahnchefin sehr zuversichtlich. Wir werden das adäquat hinbekommen. Aber das, was wir mit Bahnhof verbinden, also ein großes, durchaus auch repräsentatives Gebäude, wo man sich noch irgendwie eine Pommes holen kann oder eine Zeitung. All das wird es erstmal nicht geben und ich vermute auch für die nächsten Jahre nicht.

Und dieser schöne Plan von den Hochhäusern, die du wahrscheinlich auch im Kopf hast, die dort entstehen sollen, da rückt sie auch schon vorsichtig von ab. Aber das klingt ja wieder so ein bisschen irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Also wenn du mich fragst, aber da müssen wir uns selber auch irgendwie kritisieren, ist eigentlich diese ganze Idee, einen Bahnhof von A nach B zu verlagern, in meinen Augen schon ein bisschen beknackt.

Natürlich gibt es Probleme mit Kopfbahnhöfen, man hat da auch diese irre Platzverschwendung, aber wo muss ein Bahnhof stehen? Da, wo die Menschen leben, wo sie zum Beispiel auch zu Fuß hingehen können oder wirklich Diebstteich? Bist du mal in Diebstteich gewesen? Nein. Musst du auch nicht hin. Und so wird es natürlich auch sein, wenn da die Züge fahren.

Da kommt man eigentlich nur mit der S-Bahn hin oder sonst mit dem Taxi. Da lebt kaum ein Mensch in dem Umfeld. Wie kommt man denn dann von da wieder weg? Mit der S-Bahn. Mit der S-Bahn. Aber das ist natürlich, muss man schon sagen, so ein bisschen eine Kopfgeburt. Die Bahn kann jetzt nicht mehr sagen zurück.

Aber die S-Bahn ist dann auch rechts. Das ist dann auch alles rechts. Die S-Bahn fährt da ja schon. Die S-Bahn ist jetzt als erster Schritt auch schon mit einer anständigen Haltestelle versehen, aber das ist alles noch, also das ist so tiefstes Industriegebiet, total rough, wo man wirklich denkt, das ist doch nicht der Fernbahnhof der schönsten Stadt der Welt.

Stimmt es eigentlich, dass du dein Deutschland-Ticket irgendwie nicht mehr hast? Nein. Du warst zwischenzeitlich? Ja, ich habe mich wieder besänftigen lassen. Ich bin und da ist die Bahn ausnahmsweise mal völlig schuldlos mit dem Metronom gefahren. Das ist ja diese tolle... Das tolle Verkehrsunternehmen, was uns nach Bremen oder Lüneburg bringt und es ja geschafft hat, bei Trustpilot, bei diesem Bewertungssystem im Internet von fünf möglichen Sternen, wie viel zu bekommen?

Ein. 1,1 im Durchschnitt. Man muss dazu aber wissen, null geht nicht. Der Service ist wirklich so grotesk, aber das liegt natürlich auch ein bisschen an den Ausschreibungen, denn es ist am Ende nicht auskömmlich. Der Zuschlag gegen eine Firma, die halt Dienstleistungen abliefern muss, nämlich die Verbindung, aber das zu einem Preis, zu dem man eigentlich nur mit Verlusten fahren kann.

Und da gilt dann auch wieder am Ende, ob die Politik nicht diese Ausschreibung ändern müsste. Denn das, was da passiert auf dieser Strecke, ist wirklich dazu geeignet, noch die letzten Menschen wieder zurück ins Auto zu treiben. Es ist wirklich, ich habe das neulich nur beobachten können, wie die Leute da reingequetscht werden.

Unglaublich. Und ich fahre ja in die andere Richtung Norden, wo es auch manchmal ein bisschen voll sein kann, aber das fand ich war unglaublich. Und du hast deswegen mal dein Deutschland-Ticket zwischenzeitlich nicht abonniert. Genau, aber das ist eine andere Geschichte, kann ich gerne hier erzählen.

Das Schöne ist ja, dass in der App, da ist die Bahn wieder gefragt, das dauerhaft gebuchte, abonnierte Ticket aufgrund eines Softwarefehlers, wie mir das Internet vorriet, schon mal verschwinden kann. Das stimmt. Und dann sitzt du da, hast du ja glaube ich auch mal erlebt. Habe ich auch erlebt, genau. Dann sitzt du da im Zug und dann kommt dann der Schaffner vorbei und sagt, wo ist denn die Ticket?

Du machst das Handy auf und ups, eben war es noch da, jetzt ist es weg. Woraufhin er sagte, ja, ja, macht nichts, irgendwie sie zahlen einfach jetzt die erhöhte Beförderungsgebühr und dann gehen sie zum Schaffner und zeigen das Ticket und dann ist alles wieder gut. Dann habe ich also alles ausfüllen lassen und ging dann später zum Schaffner, der sagte, dafür sei er nicht zuständig.

Das war dann anderer Schaffner, woraufhin ich irgendwie eine Mail an den Service schrieb, der dann auch nett antwortete, vielen Dank, jetzt sind wir am Zug. Unternehmen Sie nichts. Das habe ich auch gemacht und gedacht, okay, Sie haben es mit dem Screenshot der neuen Karte dann auch verstanden, aber weit gefehlt, dann kam erst mal ein Inkasso-Schreiben.

Und das Inkasso-Schreiben war natürlich schon irgendwie mit einer heftigen Gebühr versehen, was ich dann erstmal mit einer neuen Mail beantwortet habe. Und dann kam das zweite Inkasso-Schreiben, was dann noch teurer war. Und dann kam die Idee, das einfach zu kündigen. Und am Ende hat das Unternehmen aber davon abgesehen.

Das Inkasso-Unternehmen war übrigens eine Tochter von Bertelsmann. Früher haben die tolle Zeitschriften gemacht, heute machen die Inkasso. Da kann man auch mal sehen, wie man als Unternehmen absteigen kann. Ja, mir ist das auch so passiert und das war wirklich peinlich, weil du stehst dann ja mit diesen Fahrkartenkontrolleuren, stand ich dann in Altona und dann ging tatsächlich ein Ehepaar vorbei und der Mann drehte sich um und sagte, ich glaube das war der Chefredakteur vom Abendblatt.

Und peinlich, obwohl einfach dieses Deutschland-Ticket verschwunden war, mir schrieb dann aber auch die Bahn nach hin und her, aus Kulanzgründen verzichten wir darauf, wo ich dachte, nee, ihr habt ja die Kohle auf eurem Konto, ihr wusstet ja, dass ich dieses... Vor allem, Sie haben die App programmiert.

Das heißt, es ist ja ein digitaler Fehler, weil es ja so häufig vorkommt, dass man gleich mit irgendwie quasi Deutschland-Ticket weg sofort verschiedene, auch von der deutschen Bahn-Seiten ausgespuckt bekam, dass es ein häufiges Problem ist. Also das war schon wirklich ein Stück aus dem Fall. Das ist das Schlimme, wenn man einmal mit der Bahn anfängt, dann kommt man nicht mehr weg.

Im wahrsten Sinne des Wortes. Thema abgehakt, keine guten Nachrichten. Ich bin sehr gespannt. Das klingt für mich Diebstreich so ein bisschen provinziell, aber irgendwie passt das auch zu Hamburg. Du hast als einer der ersten Journalisten Wolfgang Schmidt getroffen. Das war lange Jahre, Jahrzehnte, die rechte und linke Hand von Olaf Scholz, der wichtigste Vertraute.

Jetzt ist Olaf Scholz nicht mehr Bundeskanzler, sondern einfacher Bundestagsabgeordneter. Und Wolfgang Schmidt nicht mehr Kanzleramtsminister. Den Posten hat er an Thorsten Frey abgegeben von der CDU. und macht jetzt was, er klang in dem Interview, was ich sehr gern gelesen habe, relativ entspannt und auch so, als ob das Kapitel Politik für ihn zu Ende wäre.

Ja, man muss ja immer ein bisschen gucken, also wie viel redet man sich davon auch schön. Das ist ja eine menschliche Verhaltensweise, aber ich hatte den Eindruck, wir saßen in Berlin, es war auch mal schönes Wetter, aßen eine Pizza und kamen ins Plaudern, dass er wirklich nicht mehr hadert, sondern dass er sich abgeschlossen hat, dass er auch ein sehr, sehr positives Echo bekommt, will also heißen, er bekommt verschiedene Angebote, gerade aus dem Ausland, von Thinktanks, von möglichen Aufsichtsratsposten, von wirklich ganz spannenden Aufgaben, wo er seine Expertise einbringen kann.

Und er merkt jetzt erstmals ja, er hat sowas wie ein Leben, also tausche also quasi Freiheit, gegen den Job und da muss man sagen, hat er schon glaube ich jetzt für sich also auch so viel Urlaub gemacht, wie er glaube ich früher nie gemacht hat, also wenn ich mal mit ihm spreche, was hin und wieder vorkommt, ist er gerade hier oder da, ist jetzt viel.

Und fühlt sich, glaube ich, rundum wohl und was ich wirklich interessant fand, ich habe ihn ja auch gefragt, du hast es ja gelesen, wie oft der Olaf Scholz getroffen hätte. Genau, wie hätte es gekommen? Und da hat er gesagt, zweimal seit dem Ausscheiden aus der Bundesregelung, das war nun im Mai, also über zwei Monate her und zweimal, da muss man wissen, einmal war Parteitag, da konnten sie sich nicht treffen und einmal hatte dann Olaf Scholz ihn in sein Büro eingeladen.

Aber das finde ich ist schon, wenn man zwei Jahrzehnte jeden Tag zusammengearbeitet hat, auf den ersten Blick schon überraschend, da ist jetzt kein Groll. Also sie haben sich jetzt nicht irgendwie überworfen, aber ich glaube beide sind auch ganz froh, dass sie jetzt ein anderes und neues Leben haben.

Auch für Olaf Scholz wird es ja etwas ruhiger. Ich glaube, das ist auch nach der Taktung der vergangenen Jahre, die er hatte, also spätestens seit 2011, als er Bürgermeister war, hatte er eigentlich nie einen Job, der unter einer 80-Stunden-Woche war. Vielleicht hat er den jetzt mal. Vielleicht hat er den jetzt.

Und ich fand interessant, Olaf Scholz hat ja ein eigenes Büro als Altkanzler, das ihm zusteht, mit acht Mitarbeitern. War da niemand dieses Gespräch? Wolfgang, kommst du mit in das Büro? Offenbar nicht, aber das finde ich auch nachvollziehbar, dass er da sagt, also ich habe hier wirklich Möglichkeiten um die Welt zu reisen und als Abgeordneter, Für Potsdam, als Mitarbeiter eines Abgeordneten für Potsdam, das ist schon, muss man sagen, ja, Altkanzler, aber das ist schon echt ein relativ freier Fall und dazu hat er sich ja auch, und das fände ich auch ganz spannend, ja in den vergangenen Monaten auch doch sehr emanzipiert von seinem langjährigen Führungsoffizier.

Gut, also freuen wir uns. Schöne Grüße an dieser Stelle an alle die, die dann aus der Politik plötzlich ausscheiden und merken, es gibt auch noch ein Leben jenseits der Politik. Während du dich mit Wolfgang Schmidt in Berlin getroffen hast und Pizza gegessen hast, habe ich mich auch mit einem wichtigen Menschen getroffen, mit Holger Hübner. Sagt dir was? Ja, Wacken.

Ich lese ja das abends. Und das fand ich übrigens sehr, sehr interessant, was du da zu Tage gefördert hast. Nämlich, was fandest du interessant? Ja, also erstmal, das passt ja wieder schön zu unserem letzten Thema dann auch, als er so über die Komfortjugend sprach, die nicht aus ihrer Komfortzone will und Zelten gar nicht mehr campt, da muss alles schon irgendwie Hightech-Camping sein.

Da muss ich ein bisschen schmunzeln. Muss man erzählen, was er gesagt hat. Also Wacken, das Festival auf dem Acker in diesem kleinen Dorf Wacken, normalerweise 2000 Einwohner, in der nächsten Woche werden es dann 85.000. Eigentlich, wenn man sagt, 85.000 Fans, die 2.000 Einwohner in Wacken und 5.000 Mitarbeiter, also über 90.000 Menschen.

Damit wird Wacken in der nächsten Woche zu einer der größten Städte Schleswig-Holsteins, also größer als Flensburg. Und die coolste. Ja, und vielleicht auch die coolste. Und er sagte, früher seien halt so die älteren Heavy-Metal-Fans, die gesagt haben, du, immer im Schlamm. Nee, ist nicht meine. Heute kämen halt auch gerade die Jungen und sagen, nee, wir hätten gern ein eigenes Dixi-Klo. Wir hätten gerne kurze Wege, habt ihr auch ein bisschen stabile Unterkunft.

Also die würden das alles dazu buchen und würden die Vokabel Zelten halt gar nicht mehr kennen. Genau, deshalb bin ich ja auch konservativ, weil ich natürlich noch das Zelten als Zelten kenne. Und ich war ja früher auch auf vielen Festivals und natürlich ist das Zelten auch Teil dieses Gesamterlebnisses.

Und vielleicht auch das Anstehen irgendwie an den Dixi-Klos. Und das will ich eigentlich in meiner Erinnerung nicht missen, dieses Absaufen im Zelt, dieses Rumlungern im Schlamm, und das ist halt Teil dieses Gesamterlebnisses und wenn ich jetzt höre, dass da nicht mehr gekämmt, sondern geklemmt wird, wo es einem gut geht, dann kann man auch fast irgendwo in feste Unterkunft gehen und da ein bisschen.

Heavy Metal, was ja auch, also das waren ja früher die übelsten Vögel, das war jetzt zwar kein Heavy Metal, aber ich war einmal auf einem oben eher in Schäsel, da war Rammstein der Top-Liner und Rammstein hat er auch schon so ein Volk angezogen, sag ich mal, was eher etwas rustikaler unterwegs war. Und so rustikal, wie die unterwegs waren, wenn ich mir dann vorstelle, dass heute Heavy-Metal-Fans es gemütlich haben wollen, interessant.

Dazu passt übrigens auch, dass Holger Hübner, der Macher von Wacken, erzählt hat, dass die Headliner, so heißt das ja in diesem Fall Guns N' Roses, die großen Superstars, die wohnen natürlich nicht auf dem Acker, sondern die würden dann natürlich nach Hamburg gehen. Und da hätte in den vergangenen Jahren doch das Fontenay große Zuspruch erhalten, vor dem Vierjahreszeit.

Vor 20er Kühne. Und dann fragte ich, was ist mit dem Atlantik? Nee, also das sei jetzt schon nicht mehr, das ist schon eine Kategorie, wo dann der Heavy-Metal-Superstar nicht so gern absteigt. Dazu passt auch... Die spannende Frage ist ja, das müssen wir vielleicht nochmal nacharbeiten, ob die Heavy-Metal-Superstars von heute noch wie ihre Vorfahren Hotelzimmer zerlegen.

Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich nicht, nee. Also wenn die auf W.E. Publikum, sage ich mal, seriös geworden sind, dann werfen die nicht mal mehr ein Glas um. Also das ist ja auch interessant, dann kommt so eine Gruppe wie Guns N' Roses, die kommen mit 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und die Wackenmacher müssen dir eigentlich nur sagen, wann sie auftreten sollen und wann der Soundcheck ist.

Selbst die Getränkelisten, sagte er, sei halt bei einigen Gruppen nur noch Wasser, weil die auch älter geworden sind. Dazu passt auch eine schöne Frage, mit der man an jedem Abend jetzt in der nächsten Woche punkten kann, einfach mal so nebenbei fragen. Sag mal, wem glaubst du gehört eigentlich Wacken? Und du kennst die Antwort?

Ich kenne die Antwort, die war jetzt suggestiv. KKR, Investmentgesellschaft aus den USA. Auch kein Kind von Traurigkeit. Die steht hinter Wacken und dann kann man auch gerne noch dazufügen, das ist die bis vor kurzem der Springer Verlag. Zur Hälfte ungefähr gehörte, die stecken hinter Wacken. Das finde ich übrigens, muss ich auch sagen, wirklich interessant, dass so die wirtschaftlichen Kenntnisse unserer, linksgrünen Jugend gegen Null tendieren, denn die Zusammenhänge, die mich ja in meinem Studium immer auf die Barrikaden getrieben hat, also ich wäre niemals auf die Idee gekommen, zu einem Open Air zu fahren, hinter dem KKR steckt.

Das wäre völlig außerhalb der Vorstellungswelt gewesen und das ist heute so, also die Leute bestellen ja sogar ihre Rebellion- oder Anarchie-T-Shirts bei Amazon, wo ich mir auch die Frage stelle, ist das jetzt so konsequent? Antikapitalismus über Amazon. Aber gut, nicht meine Baustelle. Du bereitest schon gleich das nächste Thema vor. Oder das wollen doch die Zuhörer.

Noch ein Hinweis, auch das passt natürlich dazu. Ich habe dann herausgehört, dass Holger Hübner, der Chef von Wacken, sehr gut offensichtlich den Chef der OMR, der Digitalmesse OMR, Philipp Westermeyer, kennt, hab die beiden dann zusammengebracht. Das kann man sich auf unserem YouTube-Kanal angucken. Hochinteressant.

Wacken hat OMR in der Anfangsphase unterstützt und Philipp Westermeyer, der OMR-Chef, sagt, ohne Wacken wären wir heute nicht da, wo wir sind. Und die beiden hängen eng miteinander zusammen, also das lohnt sich, das nochmal anzugucken. Junge Leute, das ist ja so dein Lieblingsthema. Vor einer Woche haben wir gesagt, Abinoten in Hamburg.

Jeder Dritte hat einen Abiturschnitt, wo eine Eins davor ist. Und jetzt hab ich tatsächlich nochmal geguckt und das war interessant. Sind das denn wirklich so viel mehr als früher? Und tatsächlich, ich habe Zahlen. 1996 gab es in Hamburg 16,1% der Abiturienten, die eine Einzelkomme hatten. Also 30 Jahre her.

2008 waren es gut 19%. Und jetzt sind es halt 30%. Und jetzt kommt es, das ist aber kein Hamburger Phänomen. In allen Ländern ist die Zahl der Abiturienten mit einer 1 von dem Komma angestiegen. In Thüringen waren es zuletzt sogar 40,7. Also da sind wir schnell bei, dass bald jeder Zweite, noch nicht ganz, aber bald jeder Zweite eine 1 vom Komma hat.

Naja, wenn das Gymnasium und das Abitur quasi die Regelschule werden. Dann ist natürlich klar, dass die, die ja so früher, sage ich mal, so gerade eben mit Ach und Krach aufs Gymnasium kamen, jetzt schon im oberen Mittelfeld sind und die, die früher auf dem Gymnasium performten, natürlich dann mit Einsernoten sich abheben.

Das ist eigentlich ein eher mathematischer Prozess, aber ich weiß, ich habe auch viel Prügel bekommen. Es gibt auch viele Lehrer, ich habe drolligerweise, um mich quasi vorzubereiten, nein, weil ich ihn zufällig traf, beim Abiball meines Sohnes mit Markus Weinberg, der ja lange im Bundestag war und sich ja auch mit Bildungspolitik, Gut ausgehend, er ist ja Lehrer.

Auch mal Bürgermeisterkandidat war. Auch mal Bürgermeisterkandidat, inzwischen nicht mehr in der CDU. Und er sagte wirklich, nein, die Schüler haben heute Qualitäten, die sie früher nicht hatten. Und er kann es ja vergleichen, weil er war ja vor seiner Zeit im Bundestag auch schon Lehrer. Das ist interessant. Wir haben natürlich nochmal geguckt, was sind eigentlich die Gründe dafür.

Und einmal kann ich beruhigen, ein Grund dafür ist auch, es ist ein Tick leichter geworden. Offensichtlich das Abitur. Aber, und das fand ich interessant, ein entscheidender Grund ist. Es machen heute viel, viel mehr Mädchen-Junge-Frauen-Abitur und Mädchen-Junge-Frauen sind in der Regel im Schnitt besser in schulischen Leistungen als jung, deshalb ziehen sie die Abiturnoten nach oben.

Dann, auch das ein interessanter Grund, die Schüler sind tatsächlich besser geworden, also sie sind leistungsorientierter, weil sie gute Noten haben wollen und weil der Druck der Eltern auch so ist, dass sie sagen, wenn du Arzt werden willst, dann brauchst du einen 1,0-Schnitt. So und dann lernen die viel und das ist wohl gerade in Hamburg besonders hervorzuheben, es gibt sehr, sehr viele Förderungsmaßnahmen.

In Hamburg gibt es ja sogar Nachhilfe kostenlos, wenn man irgendwo ein Defizit erkennt, werden die Schüler gefördert und das zahlt sich dann offensichtlich in diesen Noten aus. Ich glaube, es ist beides. Es ist auf der einen Seite wirklich auch die Bereitschaft, was zu leisten. Daher finde ich auch dieses ewige Rumgehacke auf der Generation Z ein bisschen albern.

Also das, was die da machen müssen, das ist schon ambitioniert. Ich kann auch verstehen, dass sie danach erstmal ein Gap hier brauchen. Aber natürlich, wenn du so manche Anforderungen in einigen Fächern mit den Anforderungen vergleichst, wo du es noch machen kannst, ich habe es ja letztes Mal schon gesagt, Also in Germanistik oder in Deutsch ist das schon ein echter Verfall.

Also wir hatten noch die Möglichkeit wirklich verschiedene... Gattungen und verschiedene Epochen sauber zu unterscheiden, hatten für alles viele Beispiele kennen und lesen gelernt und da ist heute wirklich echt Schmalspur-Abitur angesagt. Aber gut, in anderen Fächern, Englisch ist ja sicher eins, wo es besser läuft, da zeigt sich schon, dass da auch vielleicht inzwischen durch die Internationalisierung, Globalisierung durchs Internet, die einfach andere Fähigkeiten mitbringen, die früher nicht gefragt waren.

Das sagt, ich habe da mit einer Deutsch- und einer Englischlehrerin mal gesprochen und die Deutschlehrerin sagt, die Leistungen der Schüler sind in den vergangenen fünf Jahren eher schlechter geworden und die Englischlehrerin guckt, die Deutschlehrerin sagt, bei mir ist es genau umgekehrt. Und wahrscheinlich hat da das Internet und YouTube und so hat da auch mit dazu beigetragen.

So, jetzt wird es wahrscheinlich ganz bunt werden, aber wir haben einen guten Übergang dank so vieler Mädchen, die Abitur machen. Hier sind die Abiturnoten gestiegen und offensichtlich ist das ja ein gutes Zeichen dafür, dass man in Deutschland immer darauf achtet, dass das so ganz gut ausgeglichen ist zwischen Männern und Frauen.

Und da ist ja in der vergangenen Woche etwas passiert, was zunächst irgendwie keinem so richtig aufgefallen ist, aber in der Zwischenzeit so ein paar Wellen geschlagen hat. Aber ich will noch weiter gehen. Ich will noch weiter zurück gehen. Es ist, glaube ich, vor drei Jahren oder ein bisschen her schon.

Da gab es bei der Münchner Sicherheitskonferenz ein Foto, das hat der liebe Kollege Michael Bröker heute bei TB Media gemacht, ein Foto, eine Besprechung, ein Raum und es waren nur Männer in diesem Raum. Und darauf angesprochen, gelobten alle, das muss besser werden. Dann gab es am Anfang der Bundesregierung ein Foto, wir erinnern uns.

Ein Foto, wo es um Verhandlungen ging, um diese neue Regierung. Und ich glaube, die Frau, die das Foto gemacht hat, das war Dorothee Bär, aber die war nicht auf dem Foto, sondern hinter der Kamera. Und man sah nur Männer und alle sagten, oh peinlich, das darf nicht passieren. Da gab es den schönen Gag irgendwie, wo sind die Frauen, die haben den Tisch gedeckt. Genau, also ganz schlimm und alle Vorteile gegenüber Friedrich Merz und der CDU wurden bestätigt.

Dann hat er ein Kabinett vorgestellt, was relativ paritätisch besetzt war. Also das muss man sagen, da waren wir jetzt nicht. Also nahezu paritätisch besetzt. Und diese Woche nun eine ganz tolle Nachricht, über die wir gleich auch noch sprechen wollen. Eine ganz tolle Nachricht, eine Initiative Made for Germany.

Verspricht, frag mich nicht, 680 Milliarden Euro zu investieren. Das ist schon interessant, weil die Zahl kennt kaum einer, aber alle reden über das Foto. Nee, pass auf, wir kommen auch noch gleich zu der Zahl. 680 Milliarden Euro zu investieren bis zum Jahr 2028 und die 60 so schrieb es glaube ich eine große deutsche Teilhabe, die 60 wichtigsten Wirtschaftsbosse waren im Kanzleramt eingeladen.

Und auf diesem Foto waren exakt zwei Frauen. Eine war Katharina Reiche, die ja nun keine Unternehmerin ist, sondern Wirtschaftsministerin und die andere war die CEO von der Commerzbank. Und dann habe ich ja Da haben wir ja auch fast was gestritten. Da habe ich gesagt, Leute, das Jahr 2025, das kann doch nicht sein, dass ernsthaft da der Kanzler sich mit 59 Männern trifft. Und ich muss mich, Matthias, entschuldigen.

Weil das war gar nicht der Kanzler. Es war die Initiative Made for Germany. Eine Initiative, die im Wesentlichen oder stark geprägt wurde, auch von einem ehemaligen Chef von uns beiden. Nämlich Matthias Töpfner. Der hat diese Initiative offensichtlich zusammengestellt. Ganz geschickter Schachzug. Weil wer ist der Medienpartner der Initiative? Ja.

Der Springer Verlag, offiziell auch und hat die zusammen getrommelt und trotzdem denkt man sich doch, und dahinter steht eine PR-Agentur, die das Ganze begleitet. Die auch sozusagen schon das Wording, wenn es dann heißt, ja diese 681 Milliarden Euro, wären die denn sowieso ausgegeben worden oder ist da jetzt irgendwas zusätzlich?

Nee, da ist auch was zusätzlich und so, aber ernsthaft, wenn man das vernünftig machen will, im Jahr 2025. Wie kann es dann passieren, ernsthaft, dass da wenigstens 3, 4, 5, 6 mehr Frauen sind? Das ist meine Frage. Also da liegen wir nicht weit auseinander, wenn du es so als quasi PR-Geschichte erzählst, muss man schon sagen, 6 Sätzen. Das darf natürlich nicht vorkommen.

Was mich nur ärgert an dieser Debatte ist, das ist halt ein klassisches Beispiel und deshalb habe ich da auch eine große Freude gehabt, das zum Kolumnenthema zu machen, dieses What's-about-tism. Also einfach abzulenken von der ursprünglichen Frage, wir sind in einer Wirtschaftskrise, jetzt machen wir was dagegen, hin zu einer ganz anderen Frage, um eigentlich die Initiatoren nochmal rechts und links eine zu verpulen und das war halt die Geschichte und so ist sie ja erzählt worden, du hast sie jetzt ja differenziert erzählt, bei den Leuten ist hängen geblieben durch soziale, auch klassische Medien, Merz, der alte Männerbündler lädt irgendwie nur Männer ins Kanzleramt ein und das finde ich ist eigentlich doppelt gemein und auch wirklich gefährlich für dieses Land,

weil es erstmal die zentrale Frage nicht adressiert, die nämlich da lautet, wir sind seit drei Jahren in einer Rezession. Wir machen die schwerste Wirtschaftskrise, zumindest von der Dauer, aber auch von der Zukunft durch, die dieses Land je gehabt hat. Und worüber reden wir? Über X- und Y-Chromosomen. Und das ist natürlich, muss man sagen, eine völlige Verdrehung der wirklich wichtigen Fragen.

Dass es so irgendwie dein Haus brennt, aber die Feuerwehr darf erst dann löschen, wenn sie geschlechterneutral aufgestellt ist. Da könnte ich jetzt viel zu sagen. Ja, musst du auch. Wir wollen doch jetzt streiten, weil wir wollen ja auch zeigen, dass wir nicht immer einer Meinung sind. Davon lebt ja eine Redaktion, dass gestritten wird.

Genau, aber vor allen Dingen ist es doch so, und da tut mir Friedrich Merz fast so ein bisschen leid, weil er immer wieder in die gleiche Falle tappt. Wenn da so eine Initiative ist, die offensichtlich, ja. Das alles bewusst geplant hat, in diesen PR-Unterlagen, die glaube ich auch der Kollege Bröker veröffentlicht hat oder die Süddeutsche Zeitung, steht halt drin, dass der Kanzler die Initiative im Bundeskanzleramt empfängt.

Und da muss ich doch als Berater des Kanzlers sagen, sag mal, wer kommt da alles hin, können wir mal die Liste sehen und sagen. Leute, das Bild ist doch verheerend, sorgt dafür, dass es entweder weniger Männer sind und ein paar mehr Frauen. Aber irgendwie, dieses Bild kann doch Friedrich Merz nicht gebrauchen. Erster Punkt.

Zweiter Punkt, wenn man sich das so anguckt und sich da so ein bisschen einliest, denkt man, tatsächlich, also da sind diese ganzen Wirtschaftsbosse, ja, von SAP, Deutsche Bank bis Siemens, die ganz viele tolle Investitionen zusagen. Und es klingt natürlich so, diese Investitionen kommen jetzt, weil diese Bundesregierung da ist und so.

Und ich bin mir gar nicht sicher, wenn da jetzt Olaf Scholz gestanden hätte, der sie vielleicht so nicht empfangen hätte, ob es nicht trotzdem die gleichen Investitionen gegeben hätte. Ob das nicht auch schlicht ein PR-Trick ist, wir zählen mal alles zusammen, was wir sowieso investiert hätten in Deutschland und stellen uns im Kanzleramt hin und freuen uns, dass der Kanzler uns empfangen hat.

Ja, aber nochmal, dass wir jetzt wieder über dieses Bild reden, zeigt, dass wir schon wieder diese Transfergeschichte gemacht haben vom wirklichen Problem auf ein Nebenproblem. Ich rede nicht über das Bild. Meine These ist eine andere. Meine These ist, diese 681 Euro, 680 Milliarden Euro. Die kommen auch so, da bin ich nicht.

Nee, glaube ich nicht. Die kommen, da ist es aber, wenn schon die PR, pass auf, wenn schon die PR-Abteilung sagt, sollte die Frage kommen, wären die auch so gekommen, sagen Sie bitte, eine dreistellige Zahl wäre nicht gekommen. Hoffentlich eine dreistellige Milliardenzahl und nicht 150 Euro. Ja, also man kann an dieser Initiative viel, viel quasi, also viele Haare in der Suppe finden.

Aber du musst ja eins sehen, Wirtschaft ist total psychologiegetrieben. Wir haben auch eine Wirtschaftskrise, weil sich keiner mehr traut zu investieren, weil jeder irgendwie so eine Doomsday-Erwartung hat. Und der Regierung ist daran gelegen, 50 Prozent der Konjunktur ist, Also Stimmung, hat Ludwig Erd mal gesagt, diese Stimmung zu drehen, ein bisschen mehr Optimismus zu sehen und da versucht man einfach natürlich auch Werbung zu machen.

Ja, es stimmt, die Werbung hätte professioneller sein können, auch mit mehr Frauen, aber überhaupt mal dieses Thema zu adressieren, halte ich für hilfreich. Aber nochmal, auch das übrigens, Aufbruch, wenn ich eine Aufbruchstimmung suggerieren möchte und ich möchte alle mitnehmen, dann hilft es natürlich, dass der Teil der Bevölkerung, der etwa die Hälfte, ein bisschen mehr als die Hälfte ausmacht, irgendwie auch da vertreten ist, wäre ich eine, selbst als Mann fühle ich mich, wäre ich eine Frau, würde ich denken, hä?

Also was ist denn hier Aufbruchstimmung? Offensichtlich werden wir, und das ist doch das Fatale, werden wir nicht mitgedacht in dem Moment. Zwei Frauen, 59 Männer. Ja, das ist schon ein krasses Verhältnis. Das will ich auch nicht kleinreden. Aber guck mal in die BWL-Seminare der 80er Jahre. Das ist genau die Generation oder vielleicht der 90er, die heute am Ruder ist.

Wie viele Frauen waren da und wie viele Männer? Das war jetzt nicht 60 zu 1 oder 59 zu 1, aber es war schon, würde ich sagen, zwei Drittel zu ein Drittel. Also ein deutliches Übergewicht. und dass sich das natürlich später abbildet. Ich glaube, in 20, 30 Jahren wird das komplett anders sein. Wir haben vorhin drüber gesprochen, immer mehr Mädchen, das war eine Zeit, als auch noch mehr Jungs als Mädchen Abitur gemacht haben.

Das dreht sich jetzt, das braucht seine Zeit und es hilft ja auch nicht nur der Quote wegen, jetzt eine 30-Jährige in den Vorstand zu berufen, die dann einen guten Eindruck macht. Das hat sich ja auch damit zu tun, dass da die starken Männer, ich sage es jetzt bewusst, die starken Männer auch Lust daran hatten, Lars Klingbeil und Friedrich Meher zu treffen und auch gesagt haben, Da gucken wir nicht, dass es ein bisschen bunter wird, sondern da will ich aber hin. Hauptsache ich bin dabei.

Genau, Hauptsache ich bin dabei und das führte dann zu diesem Foto, aber hätte da jetzt drin gestanden in der Choreografie und sie ist ja durchgestochen worden, bitte achten Sie darauf, dass auch Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund kommen, hätten sich auch wieder alle das Maul zerbissen. Aber das meine ich ja, das ist ja so ein bisschen so, genau was du sagst, ich glaube so war es auch, dass die alle, jeder wollte dabei sein und wollte im Kanzleramt sein und dann ist es so ein Buddy-Netzwerk gewesen.

Also es hätte ja Menschen gegeben, es gibt immerhin ja vier CEOs von DAX-Unternehmen, es gibt von großen Unternehmen, also die Otto-Chefin ist eine Frau gerade und so weiter und so weiter. Es hätte es ja ein paar gegeben und es zeigt, finde ich, auch so ein bisschen so, wer das Geistes kennt, die Organisatoren sind, dass ihnen das durchrutscht.

Wenn du morgen auf eine Podiumsdiskussion gebeten wirst und du sagst, lieber Herr Icken, Sie moderieren so toll, wir würden gern, dass Sie dieses Podium, dann guckst du sie doch an und wenn da fünf Männer auf dem Podium sind, so wie ich dich kenne, sagst du... Also ich sag dann, mach ich nicht, fünf sind eh zu viel und nur Männer, es geht gar nicht, also mindestens zwei Frauen, am besten Hälfte, Hälfte.

Also ich bin ja nicht der Einladende, wenn ich selber einladen würde, würde ich da drauf achten. Wenn ich der Moderator bin, dann würde ich erstmal dem Organisator das überlassen. Aber würdest du nicht mal einen Tipp geben und sagen, vielleicht irgendwie. Ja, vielleicht im Vorgespräch, aber meist ist ja so, die Diskutanten stehen schon fest und dann bist du angefragt.

Also mir geht es wirklich nicht um die Chromosomenverteilung, sondern mir geht es um Kompetenz. Aber auch schon ein schwieriger Satz, oder? Dass man nämlich das sozusagen unterstellt, wenn man dann sagt, mir geht es um Kompetenz, wenn dann 59 Männer stehen, ach die Frauen sind doch nicht kompetent genug.

Das meine ich ja, das passiert ja in den Köpfen dann. Also wie gesagt, ich habe eben ein bisschen versucht zu erklären, warum einfach das auch ein aufgewachsenes Problem ist, das sich verwächst. Und manchmal ist es auch Zufall. Und du kannst ja auch nicht ableiten, also nein, Männer sind nicht besser, aber Frauen sind auch nicht besser.

Und insofern kann es schon sein, Ingenieursfragen hast du einfach. Oder wenn du ein Gründerpanel machst, 85% der Unternehmensgründer in diesem Startup-Bereich sind Männer. Das ist einfach Fakten. Und da kann ich nicht sagen, beim Panel mit irgendwie 5 KI-Unternehmern, es müssen aber 3 Frauen dabei sein. Weil dann habe ich auch die echte Lage nicht abgebildet. Also es ist schwierig.

Ich finde, wir haben da einen totalen Nachholbedarf. Und wir müssen wirklich uns die Frage in allen Unternehmen stellen, wie schaffen wir es, dass wir vielfältiger werden. Aber Quoten halte ich nicht für die richtige Lösung. Das gilt sowohl bei Podiumsdiskussionen als auch in der Politik. Matthias, vielen Dank.

Liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank, dass ihr heute wieder zugehört habt. Wir machen, wie so viele Podcasts, weil der Kollege Icken ja unglaublich lange Urlaub macht, machen wir jetzt eine kleine, klitzekleine Sommerpause. Nicht gar nicht so lang, sondern Ende August sind wir wieder da. Die Wahrscheinlichkeit, dass in der Zeit in Hamburg so viel Großes, Wichtiges passiert, ist auch gering, Weil ehrlich gesagt auch die meisten Politikerinnen und Politiker und sonst wie alle aus der Stadt rausgehen. Übrigens sehr spät.

So spät wie lange nicht, dass die Sommerferien beginnen. Wobei wir haben ja auch schon die Ferientermine gestritten. Ich bin ja heilfroh, dass wir so spät Ferien haben. Wenn hätte ich jetzt in den letzten beiden Wochen meine Ferien gehabt, dann wäre das glaube ich einer der feuchtesten Urlaube überhaupt geworden.

Weil wir ja gerne ökologisch im Land bleiben. Natürlich und jetzt sind wir gespannt, ob es im August besser wird. Wir hören uns dann Ende August, in der letzten Augustwoche wieder mit einer neuen Folge von 040. Bis dahin, tschüss und einen schönen Sommer. Tschüss und einen schönen Sommer.

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