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5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 293

Streit um Hoeneß-These: Was, wenn die AfD sich beweisen müsste?

Dienstag, 26. Mai 2026 · 6 min

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Shownotes

Uli Hoeneß äußert sich nicht alle Tage zur Politik. Im „Spiegel“ hat der Ehrenpräsident des FC Bayern München nun eine steile These in die Welt gesetzt. Für ihn seien AfD-Politiker alles „Schaumschläger, die sich immer schön durchlavieren, aber noch nie bewiesen haben, dass sie es auch können“. Aus seiner Sicht müsse die AfD darum langsam mal regieren, „dann werden sie demaskiert“.

Kapituliert hier endgültig der Kampf gegen Rechts? Oder kann wirklich nur eine Regierungsbeteiligung die AfD entzaubern? Kurzum: Ist Hoeneß’ These wahnsinnig oder weitsichtig? Darüber streiten die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.

+++Anregungen, Wünsche, Kritik? Dann schreibt Veit Medick und Jan Rosenkranz eine Mail an 5mt@stern.de+++

+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz und Isa von Heyl+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Veit Medik. Und ich bin Jan Rosenkranz. Jan, das war ein langes Pfingstwochenende. Eine Sache hat mich dabei ganz besonders interessiert, muss ich sagen. Die ist jetzt schon ein paar Tage her, aber die wabert trotzdem seitdem so ein bisschen weiter. Und zwar Uli Hoeneß und seine Äußerungen zur AfD.

Er hat ja gesagt, wenn man ihn mal so ein bisschen übersetzt, hat er gesagt, also eigentlich müsste die AfD jetzt schleunigst mal regieren. Bayern-Legende Uli Hoeneß findet, das sind ja alles Schaumschläger, die sich immer schön durchlavieren können, aber noch nie beweisen mussten, dass sie es besser können.

Und deswegen hätte er überhaupt kein Problem damit, dass man die mal machen ließe, dann könne man sie, so hofft er zumindest, danach packen. Halt ich ehrlich gesagt für eine steile These. Ja, ist eine steile These, aber ich muss zugeben, dass mich diese Frage auch immer intensiver beschäftigt. Also müssen die nicht eigentlich langsam mal ran?

Weil die AfD ist ja eine Partei, die eigentlich bisher nur in der Fantasie von Leuten so richtig stattfindet. Also gilt als Truppe, die irgendwie alles anders machen kann und so ein bisschen politisch über Wasser laufen kann. Und wenn die AfD rankommt, dann ändert sich auf einen Schlag die Migrationspolitik und die Wirtschaftspolitik und sämtliche Probleme hören irgendwie auf.

Und da wissen wir ja alle, das ist nicht so. Und ich glaube, die AfD, die zieht man nur dann in den Bereich der Normalsterblichkeit, wenn sie eben mal regiert. Auch wenn das natürlich eigentlich eine kaum erträgliche Vorstellung ist. So und da bin ich eben explizit anderer Meinung, weil ich glaube, es ist grundsätzlich einfach zu gefährlich.

Du sagst, in der Fantasie der Leute ist es sozusagen die absolut bessere Partei, jedenfalls der, die sie wählen würden und ich glaube in der Fantasie aller anderen ist es natürlich ein ziemliches Graus, sich allein nur das vorzustellen. Denn man darf ja eines nicht vergessen, man ließe Rechtsextremisten an die Macht.

Das ist ja nun mal so, dass in vielen Bundesländern, wir reden jetzt vor allen Dingen von Sachsen-Anhalt, wo das demnächst passieren kann, dass die regieren. Diese Partei als gesichert rechtsextrem eingestuft ist. Und jetzt könnte man natürlich sagen, ja wofür gibt es denn den Kampf gegen Rechtsextremismus? Die Idee war doch, damit die keinen Einfluss, keine Macht und auch nicht Zugang zu irgendwelchen Ressourcen bekommen.

Also eigentlich das Gegenteil von lass die mal machen, oder? Absolut, hast du komplett recht, aber das ist ja sozusagen auch eigentlich letztlich die Methode der politischen Mitte aus den vergangenen zehn Jahren und Wo stehen wir gerade? Naja, wir stehen vor einer AfD, die in Sachsen-Anhalt möglicherweise sogar die absolute Mehrheit bekommt.

Also da können wir uns jetzt mit unserem Kampf gegen Rechts natürlich hinstellen und trotzdem regiert die AfD dann sogar ganz allein. Also sie überholt uns letztlich. Während wir hier noch argumentieren und diskutieren, sitzen die schon an den Schaltstellen der Macht. So, da müssen wir uns ja irgendwie mit umgehen.

Da ist ja irgendwas falsch gelaufen. Und mein Gefühl ist, dass wir uns eigentlich zu lange von so einer Angst haben treiben lassen. Also, dass wir immer sozusagen vom Allerschlimmsten natürlich ausgehen. Das liegt ja auch ein bisschen in der Natur der Sache, weil wir diskutieren ja nicht über eine normale Partei, sondern eben über die AfD.

Aber diese Angst der Mitte, die ist ja spürbar, auch bei Menschen. Und ich glaube, Menschen wählen keine politische Kraft, wenn sie den Eindruck haben, die ist verängstigt. Sondern es braucht einen neuen Ton der Souveränität und auch des Selbstvertrauens, auch in der Ausnahmesetzung mit der AfD. Und das kann in so einem Satz liegen, den Uli Hoeneß gesagt hat.

Jetzt sollen sie eben wirklich mal machen. Ich glaube, dass es passieren kann, aber wünschen kann sich das ja keiner, weil ehrlich gesagt halte ich diese Haltung, what could possibly go wrong, für so ein bisschen naiv. Dafür kann natürlich so eine Regierungspartei AfD ganz schön viel Mist bauen. Also jetzt anzunehmen, naja, dann scheitern sie vielleicht in dem, was sie da machen, dann ist das ein ziemlich gewagtes Experiment, weil auf dem Weg bis dorthin können die natürlich Zugriff auf Sicherheitsapparate bekommen.

Sie können die konkrete Kultur, Bildungspolitik oder die Polizeiarbeit einfach mal beeinflussen und neu ausrichten. Und am Ende muss man sagen, naja, das könnte zu einer Normalisierung führen, weil die Leute sagen, guck mal, KZs haben sie nicht eingeführt, die Juden werden auch nicht verfolgt. Ist ja alles vielleicht gar nicht so schlimm und ich glaube, es kann eine Menge kaputt gehen. Auf jeden Fall hast du recht.

Ich glaube aber trotzdem, dass wenn wir nicht an unsere Institutionen glauben, dass die auch für einen solchen Fall halten, dann sind die Institutionen vielleicht auch wirklich nicht so stark. Also mein Eindruck ist, die Demokratie, die muss es, wenn sie stark ist, dann muss sie es aushalten, dass die AfD in einem Bundesland mal gewinnt.

Weil erst dann zeigt sich ja auch die Resilienz. Der Föderalismus, der ist genau für solche Fälle eingeführt worden. Die Gerichte, wenn wir nicht daran glauben, dass Gerichte sozusagen mit ihren Urteilen durchdringen, in einem solchen Fall, hui, dann zeigt das, dass wir eben überhaupt kein Vertrauen darin mehr haben. Ich glaube tatsächlich, dass es wesentlich fragiler ist, als wir so glauben.

Und ich glaube, dass man diesen Test nicht unbedingt wagen müsste. Weil am Ende das Problem ja sogar sein könnte, lass sie mal scheitern. Lass sie scheitern und dann werden sie sagen, ich glaube, darin liegt die größte Gefahr. Das lag gar nicht an unserem Unvermögen, das lag an diesem verdammten System.

Also das müssen wir auch noch überwinden. Und dass die Menschen dann das Gefühl haben, ja, vielleicht ist dieses System falsch. Weißt du, was das allerbeste wäre, Jan? Wenn die Partei in der Mitte, also natürlich vor allem Union und SPD, dieser Tage... Von der Performance her einen Eindruck machen würden, dass sich die meisten Leute gar nicht hingezogen fühlen zur AfD.

Das wäre natürlich eine schöne Sache. Und weißt du, was ein gutes Zeichen über Pfingsten gewesen ist? Nochmal. Es gab praktisch kein Wort des Streits aus der Großen Koalition. Die scheinen sich wirklich an die Arbeit gemacht zu haben. Das wäre immer was Verrücktes. Das war der Fünf-Minuten-Talk für heute. Wir werden nicht nur über dieses Thema immer wieder diskutieren müssen und endlos diskutieren müssen.

Wir machen es auf jeden fall ab morgen fünf uhr in einer neuen folge des fünf minuten talks und wenn ihr uns schreibt.

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