
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 291
Rotstift beim Elterngeld: Wen es treffen könnte
Donnerstag, 21. Mai 2026 · 6 min
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Shownotes
Es ist der größte Posten im Haushalt des Familienministeriums: 7,5 Milliarden Euro sind für 2027 für das Elterngeld geplant. Aber weil der Spardruck hoch ist, drängt Finanzminister Lars Klingbeil darauf, in dem Posten zu kürzen. Karin Prien, zuständige CDU-Ministerin, tut sich schwer. In ihrer Partei gilt das Elterngeld, eingeführt von Ursula von der Leyen, als eigene Errungenschaft.
Was waren die Ziele? Was hat es gebracht? Und wen könnten die Einsparungen treffen? Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz ziehen eine kritische Bilanz des Elterngeldes.
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+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz und Isa von Heyl+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Veit Medik. Und ich bin Jan Rosenkranz. Sag mal, Jan, hast du eigentlich damals, als deine Kinder geboren worden sind, hast du da Elterngeld bekommen? Ja, habe ich gemacht. Also ich habe Eltern Zeit genommen, auch länger als zwei Monate, viel Geld bekommen.
Viel Geld bekommen, ja. Ich habe auch Elterngeld bekommen, auch länger als zwei Monate ausgesetzt tatsächlich. Fand es auch gut. Total. Ist ein tolles Instrument. Die Frage ist nur, können wir uns das noch leisten als Staat? Die Frage wirft unter anderem auch der Bundesfinanzminister auf. Der will jetzt nicht explizit sagen, dass wir uns das Elterngeld nicht mehr leisten können.
Aber er hat auch der Familienministerin wie allen Ressortchefinnen der Bundesregierung den Auftrag gegeben, Geld einzusparen. Und ausgerechnet für das Haushaltsjahr 2027, wo das Elterngeld 20 Jahre alt werden würde, könnte es herbe Einschnitte geben. So, und Karin Prien, die Familienministerin, Familienministerin wehrt sich da natürlich gegen, weil in ihrer Partei, nicht nur in ihrer Partei, aber auch in ihrer Partei, ist die Kritik an möglichen Kürzungen ziemlich groß.
Das liegt auch daran, dass die CDU seinerzeit das Elterngeld eingeführt hat, nämlich Ursula von der Leyen, die damalige Familienministerin. Es war eigentlich eine SPD-Idee, war auch ein legendärer Abteilungsleiter, der das damals entworfen hat, aber sie war die erste Ministerin, die das tatsächlich eingeführt hat.
Und seitdem reklamiert diese Partei das so ein bisschen für sich und deswegen stößt das auf, ich sag mal, gewisse Hemmnisse, diese Diskussion. Ja, man könnte jetzt auch nochmal eine kurze Bilanz einführen oder einfügen und mal fragen, war das überhaupt erfolgreich bisher, was dort mit dem Elterngeld bisher passiert ist.
Eingeführt wurde es ja auch mit der Idee, es sollen nicht immer nur Menschen am unteren Ende der sozialen Skala viele Kinder bekommen, sondern auch Akademikerpaare, die sich seinerzeit eher durch Zurückhaltung beim Kinderbekommen ausgezeichnet haben. Und da muss man sagen, das ist hier da, 20 Jahre später fast jedenfalls, war vielleicht kein Gamechanger, aber insgesamt gibt es eine leicht positive Tendenz bei jungen Akademikerinnen.
Insgesamt wissen wir klar, ein Negativrekord bei Geburtenraten. Würde ich jetzt schon auch mal ein bisschen akzentuieren tatsächlich. Zum vierten Mal in Folge ist die Geburtenrate in Deutschland gesungen. Also ich glaube unterm Strich. An diesem Punkt kein riesiger Erfolg. Wo das Elterngeld ein Erfolg war, war bei der Väterbeteiligung. Die ist nämlich massiv gestiegen.
Die war vor Einführung des Elterngelds, lag die bei 3,5 Prozent, ein lächerlicher Wert. In den jüngsten Zahlen ist sie auf 46 Prozent geklettert. Heißt also, fast jeder zweite Vater nimmt auch eine Auszeit für die Kindererziehung. Und das zeigt sozusagen in Sachen Gleichberechtigung hat dieses Instrument funktioniert, kann man glaube ich sagen und jede Einschränkung muss man natürlich auch daraufhin abklopfen, ob das vielleicht negative Auswirkungen in dieser Hinsicht hätte.
Dann gibt es noch ein Argument, was für das Elterngeld spricht, denn aus wirtschaftspolitischer Sicht auch, durch das Elterngeld hat sich die Auszeit von Frauen vom Job messbar verkürzt. Also vor der Einführung des Elterngelds gab es das Erziehungsgeld, das gab es deutlich länger. Jetzt ist durch diese Framung von zwölf Monaten plus zwei, also maximal 14 Monaten, kommen die Mütter relativ gesehen früher zurück in den Job.
Das Problem ist, es ist ziemlich teuer. Mit 7,5 Milliarden Euro schlägt das Elterngeld im Bundeshaushalt zu Buch. Und deswegen gibt es gerade die Diskussion, müssen wir da nicht ran. Weil es der größte Posten im Haus der Familienminister. Zumal man ja durchaus sagen kann, das ist im Kern ja keine Sozialleistung, sondern eine Lohnersatzleistung. Und die ist irgendwie ja auch unsozial.
Denn man bekommt bis zu 1.800 Euro im Monat als Lohnersatzleistung, je nachdem, wie viel Geld man verdient. Und da wäre man jetzt bei einem Punkt mal angekommen, wo man sagen könnte, da könnte man ja sparen. Das gibt es bis zu einer Einkommens-Obergrenze von 175.000 Euro zu versteuerndem Einkommen. Brutto etwa 200.000.
Heißt bei beiden, die können bis zu 8.000 Euro im Monat verdienen. Das ist ja nun wirklich so viel Geld. Da ist man ja vielleicht nicht so richtig auf eine Leistung angewiesen. Also Einkommensgrenze könnte man runterfahren. Auf zum Beispiel 150.000 Euro würde einen gewissen Einsparbetrag bringen. Sparoption 2 ist, die Auszahlungssumme runterzuschrauben. Also im Moment ist ja der Maximalbetrag, den man bekommen kann, 1800 Euro, könnte man natürlich runterschrauben auf 1500, würde auch ein Einsparbetrag.
Man könnte auch an einer weiteren Stelle sparen und zwar, warum eigentlich 14 Monate? Man könnte es ja auch 12 Monate nur auszahlen. 14 liegt übrigens daran, dass man eben die Vätermonate damals einführte als quasi Bonus. Aber man kann auch auf 12 Monate runtergehen. Ist das schön? Nein. Im Familienministerium schwitzt man jetzt ein bisschen, weil da will man natürlich am liebsten gar nicht sparen. Wird es aber wahrscheinlich müssen.
Lars Klingmann hat gestern nochmal darauf hingewiesen, dass er da einen klaren Einsparbetrag erwartet. Und irgendwann die Tage muss Karin Prien jetzt ihre Vorstellung vorlegen. Man kann natürlich auch sagen, die Eltern könnten sich auch früher daran gewöhnen, dass Kinder nun mal echt eine richtig teure Angelegenheit sind.
Und weniger Kinder kriegen klar, dann würde es natürlich billiger für den Haushalt. Das war der 5-Minuten-Talk für heute. Vielen Dank fürs Einschalten. Wir sind morgen wieder da, wie jeden Wochentag, von Montag bis Freitag, ab 5 Uhr morgens circa mit einer neuen Folge. Und wenn ihr uns was mitzuteilen habt, dann schreibt uns gerne auf der Plattform oder per E-Mail an 5mt.