
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 355
Warum Jens Spahn der Politik bald ganz den Rücken kehren könnte
Dienstag, 29. September 2026 · 5 min
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Shownotes
Jens Spahn klingt frustriert. Alles rund um seine Person sei derart politisiert, dass ein normales Arbeiten kaum mehr möglich sei, schrieb er in einer internen Nachricht. Und begründete damit am Montag, dass er seinen Sitz im mächtigen Haushaltsausschuss niederlegt. Es ist für ihn der dritte Rückzug innerhalb weniger Monate. Erst trat Spahn vom Fraktionsvorsitz zurück, dann legte er den Bezirksvorsitz der CDU Münsterland nieder, jetzt den Sitz im Ausschuss. Ist er bald ganz raus aus der Politik?
Das vermuten manche Christdemokraten. Selbst seine Gegner aber halten den Fall für tragisch. Spahn war lange ein Schwergewicht in der CDU, der einzige Profi in einem Team voller Christdemokraten ohne Regierungserfahrung. Was sein Sturz über die CDU verrät und was darauf hindeutet, dass Spahn bald ganz das Handtuch werfen könnte – darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.
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+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz und Isa von Heyl+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Veit Medik. Und ich bin Jan Rosenkranz. Und es gibt einen Paukenschlag in der Union. Oder vielmehr gab gestern Jens Spahn. Es geht schon wieder um den früheren Gesundheitsminister, früheren Fraktionsvorsitzenden. Er hat seinen Sitz im Haushaltsausschuss abgegeben nach riesigem Unmut in der Fraktion. Worüber eigentlich, Jan?
Naja, Auslöser war natürlich, dass er in der vergangenen Woche statt im Haushaltsausschuss mitzuarbeiten auf Sardinien gesehen worden ist. Und das hat einen großen Unmut in der Arbeitsgruppe der Union hervorgerufen. Die wollten ihn vergangene Woche sogar schon rauswerfen. Das konnte die Fraktionsführung mit Ach und Krach verhindern.
Nun hat er sich übers Wochenende überlegt, das hat offensichtlich keinen Sinn. Ich verlasse diesen Ausschuss. Das ist, wenn man so will, jetzt schon der dritte Rücktritt von Jens Spahn in den vergangenen Monaten. Du erinnerst dich, vor dem Sommer, da ist er zurückgetreten als Fraktionsvorsitzender, weil er seinen Kinderwunsch über eine Leihmutter sich selbst erfüllt hat.
Das hat zu einem riesigen Aufruhr in der Union gesorgt. Dann ist er kürzlich als Bezirksvorsitzender der CDU Münsterland zurückgetreten und jetzt gibt er auch noch den Sitz im wichtigen Haushaltsausschuss auf. Also es ist so ein Rückzug auf Raten. Jetzt ist er noch einfacher Abgeordneter. Ich höre aus der CDU.
Bis Ende des Jahres wird sich Jens Spahn überlegen, ob er überhaupt noch in der Politik bleibt. Möglicherweise geht er auch einfach ganz raus. Ja, es ist so ein bisschen Frust, auch in der Erklärung rauszulesen, die er gestern an die eigenen Abgeordneten verschickt hatte. Da ist die Rede davon, dass alles rund um meine Person aktuell so politisiert sei, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sein wird, ist natürlich wieder mal ein typischer Jens Spahn.
Da steht nichts drin von Fehlern, die er da begangen hat, dass er da eben praktisch auf Sardinien gesehen worden ist während einer Sitzung. Da steht auch nicht drin, was er hätte besser machen können. Das ist jetzt erstmal nur eine Anklage, aber auch das Eingeständnis, dass es so halt offensichtlich nicht weitergeht.
Klingt ein bisschen so raus, als ob er sich jetzt langsam zurückzieht und möglicherweise auf Raten. Ich muss sagen, ich finde es schon ein bisschen tragisch, ehrlich gesagt, auch menschlich. Ich meine, Jens Spahn ist ja nicht irgendjemand in der CDU. Das ist schon ein absolutes Schwergewicht und gewesen muss man jetzt ja eigentlich fast sagen.
Der hat schon wahnsinnig viele Episoden dieser Partei natürlich durchgemacht, auch Kanzler erlebt, in Angela Merkels Zeit eine maßgebliche Rolle. Gespielt und hatte immer ein schwieriges Verhältnis zu Friedrich Merz, aber schien sich ja eigentlich so zu Anfang des Jahres echt gefangen zu haben und auch eingefunden zu haben in diese Rolle des Fraktionsvorsitzenden.
Und dann kam der Schlag kurz vor dem Sommer mit der Leihmutterschaft und alles war irgendwie vorbei. Also dieser Absturz von einem, dem man auch potenziell zutraut, Kanzler zu werden oder zumindest es nicht ausschließen würde, weil irgendwie ist er ja immer sitzen geblieben, trotz aller Skandale und so weiter.
Jetzt plötzlich als einfacher Abgeordneter möglicherweise bald ganz raus aus der Politik. Also das ist schon so viele, so häufig gibt es so eine Geschichte nicht in der Politik. Ne, es gibt noch eine zweite Geschichte in dieser Geschichte und das ist die Geschichte über das Standing der neuen Fraktionsführung, denn man kann ja schon die Frage stellen, wieso es eigentlich so rumort in der Arbeitsgruppe der Haushälter, wo doch die neue Fraktionsführung, namentlich Thorsten Frei, der das Amt übernommen hat von Jens Spahn, dafür gesorgt hat, dass der dort einen Posten bekommt, dafür auch jetzt noch gesorgt hat, dass er eine Schonfrist bis zum Ende des Jahres bekommt, dass man ihn jetzt deswegen nicht gleich rauswirft und dass da trotzdem weiter
so rumort wurde in dieser Runde der Unionsabgeordneten und die Stimmung weiterhin so schlecht ist. Also offensichtlich hat das gar nichts genützt und das wirft natürlich auch ein ungünstiges Licht. Naja, es ist auch für den Kanzler überhaupt keine gute Nachricht, ehrlich gesagt. Weil es ja zeigt, dass sich da so eine Eigendynamik, ein Eigenleben auch unter den Abgeordneten entwickelt.
Und die sich einfach nichts mehr sagen lassen von der Fraktionsspitze, die letztlich selbst Fakten schaffen. Also das ist jetzt im Falle Spahn so gewesen, als es die Abgeordneten waren, die ihm signalisiert haben, nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten zu wollen. Das ist aber auch in der Reformdebatte sichtbar. Also das ist ja, da zerfleddert ja auch alles auf CDU-Seite.
Jetzt stellen manche Abgeordnete den Haushalt infrage. Andere wollen die Zuckersteuer rauskriegen. Andere sagen, wir brauchen eine ganz andere Art von Einkommenssteuerreform. Wieder andere wollen sozusagen die neuen Regeln für die Minijobs kippen. Also das ist ein riesen Tohuwabohum. Man fragt sich so ein bisschen, hat Thorsten Frei, der Fraktionsvorsitzende, eigentlich gerade schon ein Autoritätsproblem, obwohl er erst zwei Monate im Amt ist? Ich würde sagen.
Das ist keine besonders gute Nachricht. Dabei ist die Unionsfraktion seit Beginn der Koalition eigentlich als Hort der Rebellion bekannt. Wir erinnern uns an verschiedene Rentenstreits, an den Streit um die Besetzung im Bundesverfassungsgericht. Überall war immer der Hort des Widerstands sozusagen die Unionsfraktion.
Da könnte also noch einiges auf den Kanzler zukommen. Das war der 5-Minuten-Talk. Wenn er euch gefallen hat, schaltet gerne morgen wieder ein. Wir sind immer da von montags bis freitags um 5 Uhr morgens überall da, wo es Podcasts gibt.