Anmelden

Ab ins Bett - Die tägliche Gute-Nacht-Geschichte· Staffel 1· Folge 2188

#2188 Julia und das Lampenfieber

Sonntag, 23. August 2026 · 16 min

MP3

Shownotes

Heute nehme ich euch mit zu Julia, die am Abend vor ihrem großen Schulkonzert plötzlich Angst hat, krank zu werden. Ihr Bauch kribbelt, ihr Herz klopft schnell, ihre Finger zittern, und für sie fühlt sich das genau so an wie ihr Fieber letzte Woche. Sie ruft nach Papa und bittet ihn sogar um eine Medizin.

Papa setzt sich zu ihr aufs Bett und erklärt ihr in aller Ruhe, was wirklich in ihr vorgeht. Es ist keine Krankheit, es ist Lampenfieber, und dagegen gibt es tatsächlich keine Medizin, weil man es auch gar nicht wegmachen muss. In dieser Gute Nacht Geschichte erzählt Papa Julia etwas, das viele Kinder überraschen dürfte: Auch er, ein Erwachsener, spürt dieses Kribbeln bis heute, wenn er etwas Neues vor sich hat. Ob beim Aufbauen eines Möbelstücks oder auf einer unbekannten Straße mit seinem Camper, das Gefühl kommt immer wieder, und es hat mit Aufregung zu tun, nicht mit Krankheit.

Was diese Einschlafgeschichte für mich besonders macht, ist die Art, wie Julia nicht einfach beruhigt wird, sondern versteht, warum ihr Körper so reagiert. Papa gibt ihr ein Bild an die Hand, das Kribbeln als kleine Rakete im Bauch, die sich vor dem Start auflädt. Am nächsten Tag, kurz bevor Julia auf die Bühne tritt, spürt sie das Kribbeln wieder, aber diesmal lächelt sie, statt sich zu fürchten.

Diese Geschichte eignet sich wunderbar für Kinder, die selbst schon einmal aufgeregt vor einem Auftritt, einer Prüfung oder einem ersten Tag waren und nicht genau wussten, was mit ihrem Körper los ist. Sie hilft dabei, Aufregung als etwas Normales und sogar Wertvolles zu verstehen, statt sie als etwas Beängstigendes abzutun.

Wie jeden Abend wünsche ich euch und euren Kindern eine ruhige Nacht mit dieser Geschichte. Mehr Folgen findet ihr auf abinsbett.net, und wenn euch mein Podcast gefällt, freue ich mich riesig über eure Unterstützung auf abinsbett.net/support (abinsbett.net).

Ab ins Bett und träumt was Schönes.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Folge 2188: Julia und das Lampenfieber – Transkript

Ab ins Bett mit Marco König – Folge 2188: Julia und das Lampenfieber

Ende August und jetzt über einen Adventskalender nachdenken fühlt sich ein bisschen früh an, aber es gibt einen guten Grund dafür. Denn ab jetzt gibt es den neuen Ab ins Bett Adventskalender zum Vorbestellen. Also jetzt schon bestellen und ein Häkchen machen, schon wieder ein Punkt von der Weihnachtsliste erledigt. Jetzt vorbestellen auf abinsbett.net, der neue Adventskalender. Ab ins Bett.

Hier ist euer Lieblingspodcast, hier ist Ab ins Bett, ich bin Marco und ich begrüße euch heute Abend zur 2188. Gute-Nacht-Geschichte für Sonntagabend, den 23. August. Vorher aber das Recken und das Strecken. Nehmt die Arme und die Beine, die Hände und die Füße und reckt und streckt alles so weit weg vom Körper, wie es nur geht. Macht euch ganz, ganz lang. Spannt jeden Muskel im Körper an.

Und wenn ihr das gemacht habt, dann lasst euch ins Bett hineinplumpsen und sucht euch eine ganz bequeme Position. Und heute Abend, da bin ich mir sicher, findet ihr die bequemste Position, die es überhaupt bei euch im Bett gibt.

Hier ist die 2188. Gute-Nacht-Geschichte für Sonntagabend, den 23. August. Julia und das Lampenfieber.

Julia und das Lampenfieber

Julia ist ein ganz normales Mädchen. Es ist ein ganz normaler Tag. Es kann sogar heute sein. Julia sitzt auf ihrem Bett und hält sich den Bauch, und zwar ganz fest, denn in ihrem Bauch kribbelt es, als würden hundert kleine Ameisen im Kreis laufen. Auch ihr Herz klopft schneller als sonst, und sogar ihre Finger zittern ein bisschen. „Papa!", ruft sie, als sie ihre Bettdecke glatt streicht.

„Ich glaube, ich werde krank." Papa kommt ins Zimmer und setzt sich auf die Bettkante. „Du fühlst dich aber gar nicht heiß an. Was fehlt dir denn?", sagt er. „Mein Bauch kribbelt ganz komisch, mein Herz klopft ganz schnell. Es ist genauso wie letzte Woche, als ich Fieber hatte. Ich glaube, ich brauche Medizin."

Morgen ist das große Schulkonzert, und Julia singt zum ersten Mal ein Lied ganz allein oben auf der Bühne, vor der ganzen Schule, vor allen Eltern. Sie hat wochenlang geübt, sie kennt jeden Ton auswendig, aber jetzt am Abend davor fühlt sich ihr Körper so seltsam an, und sie ist sich sicher, da stimmt etwas nicht. Papa denkt kurz nach und lächelt dann.

„Ich glaub nicht, dass du krank bist, Julia. Ich glaub, du hast Lampenfieber." „Lampenfieber? Ist das eine Krankheit? Gibt's dafür Medizin?" „Nein", sagt Papa und schüttelt den Kopf. „Dagegen gibt es keine Medizin, weil es keine Krankheit ist. Lampenfieber bekommt man, wenn etwas Aufregendes passiert, etwas, das einem wichtig ist. Und morgen passiert etwas Aufregendes."

„Aber es fühlt sich an wie Fieber", meint Julia. „Das Kribbeln fühlt sich ähnlich an, ja, aber es kommt von etwas anderem. Als du letzte Woche Fieber hattest, da war dein Körper krank und musste dagegen kämpfen. Aber heute bist du nicht krank. Dein Körper macht sich bereit für morgen." „Bereit wofür?" „Na, für etwas Neues, für etwas Großes. Weißt du, ich kenne dieses Kribbeln auch. Ich hab es heute noch, obwohl ich kein Kind mehr bin."

Julia setzt sich auf. „Du, aber du bist doch schon groß, du weißt doch alles." Papa lacht ein bisschen. „Nein, ganz und gar nicht. Erst letzte Woche musste ich ein neues Regal in der Küche aufbauen. Es war so kompliziert, mit vielen kleinen Schrauben und einer Anleitung, die nicht deutlich war. Weißt du, was mein Bauch da gemacht hat?" „Gekribbelt?", fragt Julia.

„Ganz genau. Und als ich Herrn Wiedinski neulich zum ersten Mal in seiner Werkstatt besucht habe, da wollte er mir neue Erfindungen zeigen, und mein Herz war auch ganz schnell. Jedes Mal, wenn ich etwas Neues mache, wenn mir etwas wichtig ist, kommt dieses Kribbeln zurück."

Julia überlegt. „Also du machst doch so viele neue Dinge, und jedes Mal hast du ein Kribbeln?" „Ja, fast jedes Mal. Als ich mit dem Wohnwagen das erste Mal gefahren bin, ohne zu wissen, wo wir ankommen, hat mein Bauch auch gekribbelt. Ich habe mich gefragt, ob wir den richtigen Weg finden und einen schönen Platz zum Schlafen. Und trotzdem bin ich mit euch losgefahren, weil ich wusste, dass etwas Schönes auf uns wartet." „Und es war schön", meint Julia. „Ja. Aber hätte ich das nicht gewusst, wäre ich vielleicht zu Hause geblieben, nur weil mein Bauch gekribbelt hat."

„Aber wenn es doch keine Krankheit ist", fragt Julia, „warum fühlt es sich dann so komisch an?" „Weißt du", sagt Papa, „dein Körper ist klug. Er merkt, dass morgen etwas Besonderes passiert, und er sammelt heute Abend schon mal Kraft. Das Kribbeln, das Herzklopfen, das ist deine Kraft, die sich auflädt." „Auflädt wie eine Batterie?" „Nein, eher wie eine Rakete."

Papa hebt die Hand, formt sie zu einer Spitze in der Luft und sagt weiter. „Stell dir vor, in deinem Bauch ist eine Rakete. Den ganzen Tag über hat sie schon leise vor sich hingebrummt, aber du hast es kaum bemerkt. Doch jetzt, vor dem großen Start, zittert sie, sie kribbelt, weil sie weiß, bald geht es los." Julia stellt sich nun vor, wie eine kleine Rakete in ihrem Bauch steht. „Und was passiert, wenn die Rakete startet?", fragt sie.

„Dann fliegt sie los, morgen, wenn du auf der Bühne stehst. Und dann spürst du diese Kraft, die dich jetzt kribbeln lässt. Ohne das Kribbeln würde die Rakete nicht abheben."

Julia hält den Kopf schief. „Aber ich habe trotzdem noch Angst." „Das ist in Ordnung", sagt Papa. „Lampenfieber und Angst gehören zusammen. Aber weißt du, was ich mit meinem Lampenfieber mache, seitdem ich die Rakete verstehe? Ich versuche, mich ein bisschen darauf zu freuen. Wenn mein Bauch kribbelt, dann weiß ich, es kommt etwas, an das ich mich später bestimmt erinnern werde."

„Ich glaube", sagt Julia, „meine Rakete ist schon ziemlich aufgeladen." „Dann schlaf jetzt gut, denn du hast noch genügend Zeit, dass die Rakete genug auftankt." Er küsst sie auf die Stirn, macht das Licht aus. „Und Julia", sagt er noch, „egal wie es morgen klingen wird, egal wie es morgen ist, ich bin stolz auf dich, stolz, dass du dich überhaupt traust, dich dahin zu stellen."

Am nächsten Nachmittag steht Julia hinter einem roten Vorhang. Ihr Bauch kribbelt wieder, noch stärker als am Abend. Ihr Herz klopft, und schon ihre Hände sind ein bisschen feucht. Für einen Moment denkt sie wieder an eine Krankheit, an ein Fieber. Aber dann erinnert sie sich an das Gespräch mit Papa. Sie stellt sich vor, wie eine kleine Rakete in ihrem Bauch leise brummt und sich auflädt.

Und Julia lächelt. Als sie dann aufgerufen wird und auf die Bühne tritt, kribbelt es immer noch. Sie sieht die ganzen Menschen in der Schulaula. In der dritten Reihe entdeckt sie Papa.

Tief holt Julia Luft und beginnt zu singen. Das Kribbeln, es bleibt, aber es stört sie nicht mehr. Es ist so, als würde die Rakete endlich abheben und mit ihr die Töne durch den ganzen Raum tragen. Es ist richtig schön, das Kribbeln verwandelt sich in etwas Warmes, in etwas, an das sich Julia noch lange erinnern wird.

„Papa", sagt sie nach der Schulaufführung, „ich glaub, ich mag Lampenfieber fast ein bisschen."

Als Julia am Abend im Bett liegt, ist das Kribbeln schon fast ganz verschwunden. Sie hört nur noch ein zufriedenes Summen in ihrem Bauch. Es ist fast wie eine Rakete, die sicher gelandet ist und die schon jetzt von der nächsten Reise träumt. Julia weiß genau wie du: Jeder Traum kann in Erfüllung gehen. Du musst nur ganz fest dran glauben.

Und jetzt heißt's: Ab ins Bett und träumt was Schönes. Bis morgen, ab 18 Uhr, auf abinsbett.net.

Gute Nacht, und bitte vergesst nicht, den Podcast zu folgen und zu bewerten. Danke schön.

Anmelden oder registrieren

0:00 / 0:00