Aktien fürs Leben

Solidität in unsicheren Zeiten

Mittwoch, 7. Oktober 2026 · 31 min

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Shownotes

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In dieser Woche sprechen Petra Ahrens und Timo Pache über diese Aktien:
Deal or no deal: Die angestrebte Übernahme des Spezialchemieherstellers Evonik durch den größten Chemiekonzern der Welt, BASF, rüttelt die kriselnde Chemieindustrie auf. Wie sinnvoll wäre so eine Übernahme – und wer profitiert?
Wahre Größe: Aus der aktuellen Liste der „50 Aktien fürs Leben“ von Capital: Der irische Aromenhersteller Kerry, der ein sehr solides und rentables Geschäft betreibt.
Nachgehört: Und zu guter Letzt mal wieder ein Hörerwunsch: Aus der boomenden Infrastruktur- und Bauindustrie der französische Mischkonzern Vinci, der gerade sehr vom Ausbau der Energieinfrastruktur profitiert.
Um diese Aktien geht es: BASF (BASF11), Evonik (EVNK01), Kerry Group (886291), Vinci (867475).
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Bevor es losgeht, ein wichtiger Hinweis. Dieser Podcast ist keine Anlageberatung oder Empfehlung. Alle Angaben sind ohne Gewehr. Diese stellen keinen Ersatz für eine professionelle und individuelle Beratung dar. Werteentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklung. Ja, hallo und herzlich willkommen. Die Börse ist etwas nervös, aber nicht unbedingt pessimistisch. Wir schwanken in der letzten Woche wieder etwas mehr. Die alten Themen sind im Grunde genommen auch die neuen Themen.

Steigende Renditen bei den Anleihen, ein wieder hoher Ölpreis. Und dann gab es am Ende der Woche unerwartet schwache Arbeitsmarktzahlen in den USA. Wir sprechen aber gleich noch darüber. Genau das macht es momentan aber auch so wichtig, nicht jeden einzelnen Börsentag zu bewerten, sondern die einzelnen Unternehmen, die dahinter stehen.

Und wir haben heute wieder interessante und unterschiedliche Storys im Podcast. Timo, fang bitte an. Ja, wir sprechen in dieser Woche über die angestrebte Übernahme des Spezialchemieherstellers Evonik durch den größten Chemiekonzern der Welt, BASF. Die Chemieindustrie insgesamt steckt ja seit einigen Jahren schon in der Krise, BASF insbesondere.

Aber nun will man sich in Ludwigshafen verstärken durch das etwas krisensichere Spezialchemie. Geschäft und wir werden diskutieren, ob das sinnvoll ist und für wen. Und obwohl wir die Produkte ständig konsumieren, kennt kaum jemand das Unternehmen und die Aktie dahinter. Deswegen reden wir heute über die Carry Group, der unsichtbare Gewinner hinter unseren Lebensmitteln.

Übrigens, die haben nichts zu tun mit der Carry Gold Butter. Und zu guter Letzt mal wieder ein Hörerwunsch. Und zwar haben wir ja schon häufiger in diesem Jahr über boomende Infrastruktur- und Baukonzerne gesprochen. Und der Kollege, der uns immer sehr regelmäßig hört, machte uns aufmerksam auf den französischen Industrie-, Infrastruktur- und Mischbaukonzern Vinci.

Ich weiß gar nicht, ob man eher Vinci sagt oder Vinci. Auf jeden Fall, dieses Unternehmen besticht durch deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen jedes Jahr, was auch nicht überraschend ist, wenn man sich den Zustand der Infrastruktur so anschaut. Und wie immer an dieser Stelle der Hinweis, wer zu einem dieser drei Unternehmen direkt springen möchte, kann dies gerne tun und orientiere sich an den Timecodes in den Shownotes.

Ja, gehen wir zurück in die vergangene Woche. Ich war zwar viel unterwegs in der Türkei und in Portugal, aber natürlich habe ich die Börse verfolgt. Und der DAX startete letzte Woche, er startete noch relativ stabil, geriet dann aber deutlich unter Druck und fiel am Donnerstag erstmals seit Juli wieder unter die Marke von 25.000 Punkten.

Steigende Energiepreise und höhere Anleiherenditen belasteten natürlich die Aktienmärkte. Der große Gegenspieler der Aktienmärkte waren dabei einmal mehr die Zinsen. Und in den USA stiegen die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen zeitweise auf den höchsten Stand seit vielen Jahren. Und natürlich leiden unsere Aktien deutlich darunter. Denn je höher die Renditen sogenannter sicherer Staatsanleihen steigen, desto attraktiver werden die Anleihen im Vergleich zu den Aktien.

Und desto stärker wird gleichzeitig die Bewertung insbesondere von hochbewerteten Wachstums- und Technologieunternehmen hinterfragt. Das haben wir auch deutlich gesehen. Und der zweite Faktor war dann natürlich auch wieder der Ölpreis. Der stieg dann wieder über die 100 Dollar Marke je Barrel. Ursache, wie immer, waren natürlich wieder neue geopolitische Spannungen rund um den Iran und die Unsicherheiten über die Ölversorgung sorgten teilweise wirklich dann natürlich wieder für immense Preise.

An der Tankstelle geht es ein bisschen runter durch unseren Tankrabatt, aber so viel ist das momentan dann auch wieder nicht. Also, das weckt natürlich wieder die Sorgen vor Inflation und das wird, glaube ich, dann auch das Dauerthema sein, Timo, oder? Ja, das glaube ich auch. Petra, ich würde dich gerne mal eine Sache fragen, die mir immer wieder bei den Zinsen und den Renditeanstiegen durch den Kopf geht.

Auf der einen Seite werten das ja ganz viele Analysten und Marktteilnehmer als Krisensignal. Die Sorge vor den hohen Schulden sowohl in den USA als auch in Europa. Frankreich gerät ja gerade auch ganz stark in den Fokus dazu. Noch diese ganzen Tech-Konzerne, die sich gerade so horrend verschulden für ihre KI-Rechenzentren und so weiter und so fort.

Also ein Krisen- und ein Sorgensignal im Grunde genommen, dieser Anstieg bei den Renditen und die hohen Zinsen. Auf der anderen Seite sagst du jetzt auch, naja, für die Aktienmärkte ist der hohe Zins irgendwie eine Konkurrenz. Da geraten die Aktien unter Druck, weil die Zinsen machen die Anleihen attraktiver.

Ist das am Ende für jetzt so Profi-Investoren, und du bist ja eine Profi-Investorin, dann so eine Wahrscheinlichkeitsabwägung? Was fällt mir eher auf die Füße, die Schuldenkrise oder wo profitiere ich am ehesten noch von und da nehme ich noch ein bisschen die Zinsen mit oder wie geht man mit dieser Unsicherheit und dieser Ambivalenz, die in diesem Thema drin steckt, um als Investor?

Ja, die Märkte und die Marktteilnehmer versuchen gerade wirklich herauszufinden. Wie weit die Notenbanken in Zukunft mit den Zinsen gehen und ob sie diesen Schritt gehen. Wobei, ob sie den Schritt gehen, stelle ich gar nicht in Frage. Ich glaube, die Inflation ist einfach da, um zu bleiben und die Zinsen werden entsprechend auch angehoben werden.

Wie gehen wir als Börsenprofis damit um? Wir schaffen zum einen, haben wir schon seit längerer Zeit eine erhöhte Liquidität geschaffen, um natürlich den Zeitpunkt der Korrektur, den wir noch nicht gesehen haben, auszunutzen, um dann in die Objekte unserer Begierde wieder günstig einzusteigen. Das sind die Aktien und in der Zwischenzeit guckst du halt an, wo du auf der Rentenseite Geld parken kannst.

Also für mich ist natürlich der Anleihensektor nie ein Bereich, wo ich wirklich nachhaltig gute Rendite mit erzielen kann. Aber bei der hohen Bewertung der Aktien ist es eine durchaus attraktive Parkposition, die ich dazu nutzen kann, die nächste Korrektur vielleicht sogar einen Crash abzuwarten, um mich dann günstiger in die Märkte zurück einkaufen zu können.

Das heißt, du würdest sagen, du splittest, also man zieht sich ein bisschen aus Aktien zurück und splittet das Geld, was da frei wird, auf. Ein Teil legst du zurück für Cash und ein Teil parkst du in irgendwie einigermaßen soliden Anleihen oder Anleihenfonds, die eine gewisse Rendite abwerfen von 4, 5 Prozent.

Ja, oder auch natürlich, also wir fangen auch, wir haben seit geraumer Zeit angefangen, einfach breiter zu streuen. Die Technologieaktien zeigen immer noch Stärke, das haben wir gesehen. Also die Nasdaq 100 ist deutlich besser gelaufen als der DAX und der Eurostox. Nichtsdestotrotz halte ich also momentan auch starke und solide Dividendenaktien, die vielleicht nicht was unbedingt mit Technologie zu tun haben, auch als eine sehr seriöse Beimischung im Portfolio.

Insgesamt ist ja aber der Zustand der US-Wirtschaft und die dominiert ja einfach die Märkte, der Zustand relativ fragil. Du hast ja die unterschiedlichen Komponenten gerade schon angesprochen. Starker Anstieg bei den Anleiherenditen, Ölpreis, Inflation, weiß man alles nicht, sieht irgendwie alles nicht gut aus.

Was macht die US-Notenbank? Dann kam, du hast es eingangs gesagt, Ende vergangener Woche, ja noch Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, die, lustigerweise schwach waren, schwächer als erwartet, was dann aber an den Finanzmärkten wiederum für Erleichterung gesorgt hat, weil man davon ausgeht, dass die US-Notenbank FED jetzt vielleicht doch nicht so viele Zinsschritte in den kommenden Monaten machen muss.

Was hältst du von solchen Spekulationen? Das ist kurzfristig betrachtet. Also ich glaube, wir befinden uns gerade auf einer monate, jahrelangen, wunderschönen Aktienparty. Und im Moment hat noch kein Mensch Bock darauf, diese Party zu verlassen. Aber jeder hat schon den Blick auf die Tür. Wann gehen wir hier raus? Und das sehen wir gerade. Und ich glaube einfach, dass der Schritt zur Tür momentan immer näher kommt. Und so kurze, auflackernde Dinge wie schlechte Arbeitsmarktzahlen, die bringen mal kurz wieder unseren DAX.

Wir sehen es ja auch in dieser Woche wieder über die 25.000-Punkte-Marke. Die geben einen Schritt weit wieder Hoffnung für nicht allzu hohe Zinserhöhungen. Aber ich glaube, das ist sehr kurzfristig gedacht. Da wird auch die Luft wieder rausgehen und deswegen immer vorsichtig bleiben. Da könnte in den kommenden Monaten noch einiges mehr auf uns zukommen.

Oder Noa-Deal. Endlich ist mal wieder was los in der deutschen Industrie und zumal in der krisengeschüttelten chemischen Industrie. Der Chemieriese BASF aus Ludwigshafen, das wurde Ende September bekannt, will den deutschen Spezialchemiekonzern Evonik übernehmen. Das erste Angebot soll bei 22,15 Euro je Aktie gelegen haben.

Das war so ein unverbindliches, indikatives Angebot. Wollen wir mal sprechen, so nach dem Motto. Und Ivonek hat sich dieses Angebot angeschaut und danach aber gesagt, so nö, haben wir kein Interesse. Aber es heißt, BASF arbeitet weiter an einer Übernahme. Die wollen das wohl wissen und wären dafür bereit, in Summe etwa 10 Milliarden oder möglicherweise auch ein bisschen mehr Euro in die Hand zu nehmen.

Das ist natürlich wahnsinnig spannend, weil BASF und Ivonek sind einerseits Einerseits zwei Industrie-Ikonen aus Deutschland und auf der anderen Seite sehr unterschiedlich aufgestellt. Nochmal ganz kurz, BASF, einer der größten, vielleicht der größte Chemiekonzern der Welt immer noch. Über 100.000 Mitarbeiter, riesige Verbundstandorte, einer der berühmtesten, wie gesagt, in Ludwigshafen.

An denen wird ganz viel chemie, chemische Produkte, Grundstoffe nennt man das immer in der Chemie, hergestellt. Das sind jetzt nicht so die ganz sofistizierten Produkte, ganz spezielle Produkte, sondern es ist wirklich Basischemie, was BASF produziert, aber da zählen sie zu den ganz, ganz großen Playern.

Auf der Welt. Und Evonik ist ein bisschen anders positioniert. Ist ein Spezialchemie-Unternehmen, ebenfalls weltweit aktiv, aber produziert sehr viel kleinere Mengen, sehr viel individuell dazugeschnitten auf die einzelnen Kunden. Und da machen sie irgendwie Zusatzstoffe für Beschichtungen, für Klebstoffe, für Dichtstoffe, Schmierstoffe, aber auch für die Kosmetikbranche, für die Reinigungsindustrie, für die Pharmaindustrie.

Das ist alles sehr, sehr viel spezieller, ist ein bisschen krisenfester, muss man sagen, kommen wir gleich noch drauf und ist im Prinzip auch deutlich lukrativer. Ja, hast du recht, wobei ich bei BASF so ein bisschen Licht am Ende des Tunnels sehe. Ja, du hattest es eben schon angesprochen. Sie sind unglaublich breit aufgestellt. Das ist aber gleichzeitig halt Stärke und Schwäche.

Die Profitabilität bei BASF steht weiterhin unter Druck. Die Marge sinkt kontinuierlich. Aber es gab jetzt auch in 2026 einen Schritt nach vorne, den das Unternehmen gemacht hat. Also wir sehen einfach Steigerungen im Umsatz im zweiten Quartal 26 bei BASF um 16 Prozent. Und dann wurde gleichzeitig auch die Prognose für 2026 auf 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro EBTA vor Sondereinflüssen erhöht.

Deswegen finde ich BASF recht interessant. Und dann natürlich jetzt auch noch mit der Nachricht der eventuellen Übernahme von Evonik, die natürlich völlig anders ausgerichtet sind. Das könnte strategisch natürlich supergut zu BASF passen. Der Konzern könnte seine Position so als bei den Spezialchemikalien stärken, die Kosten senken und natürlich entsprechend die Synergien nutzen.

Jetzt haben die Aktien ja beide reagiert, als das Angebot bekannt wurde. Interessanterweise die BASF-Aktie hat leicht nachgegeben, ist jetzt auch nicht ins Bodenlose gestürzt, Aber es ging immerhin runter von so knapp 54, 53 Euro auf um die 50 Euro aktuell. Umgekehrt ist klar, wenn für Evonik auf einmal 22 Euro ungefähr auf den Tisch gelegt werden sollen, dann geht die Aktie erstmal nach oben.

Die Aktie stand vorher irgendwo so zwischen 17 und 18 Euro, liegt jetzt aber auch nicht bei 22 Euro, sondern eben bei etwas über 20 Euro, was ja schon signalisiert, irgendwie so ganz glaubt der Markt noch nicht da an diesen Deal. Aber man kann jetzt, glaube ich, auch noch nicht daraus ablesen, wenn die BASF-Aktie fällt und Evonik steigt, dass automatisch BASF der Verlierer in diesem Deal wäre, oder?

Ja, das glaube ich auch nicht. Also langfristig glaube ich das überhaupt nicht. Und ich glaube tatsächlich, wir kommen noch gleich auf die Besonderheit der Rack-Stiftung zu sprechen. Ich glaube schon, dass eine Übernahme hier wahrscheinlich sein wird. Bei BASF wird halt momentan das Risiko eingepreist, dass bereits der Konzern hochkomplex ist und eine milliardenschwere Übernahme eines weiteren Chemiekonzerns natürlich die Verschuldung erhöhen könnte, gleichzeitig aber natürlich auch erhebliche Integrationsrisiken schafft.

Und das wird gerade bei BASF deutlich. Bei Evonik springen jetzt natürlich die Anleger drauf, aufgrund dieser Spekulationen, wo sehen wir den Übernahmepreis. Und wir haben es auch gesehen, dass das erste Angebot gerade für den Großaktionär von Evonik, nämlich die RAK-Stiftung, scheinbar zu niedrig war.

Und hier fängt es jetzt an, ganz, ganz interessant zu werden. Es ist halt so, dass wirklich der Großaktionär nämlich mit 43,8 Prozent, das ist die Rack-Stiftung, an Evonik beteiligt ist. Und für BASF ist das besonders interessant, weil sie können halt auf einem Schlag, natürlich mit dem richtigen Preis und da wird es interessant, einen Großteil der Aktien erwerben. Und das ist die Spekulation, auf die man durchaus bei Evonik setzen kann.

Und wenn du jetzt aber davor stehst und sagst, okay, was ist für dich dann die interessantere Aktie, dann ist es langfristig eher die BASF-Aktie. Oder würdest du sagen, nee, nee, ich spekuliere jetzt auf den vielleicht noch 10-prozentigen Gewinn, den ich bei der Evonik-Aktie machen kann? Ja, Timo, unsere Hörer kennen uns ja mittlerweile. Und wir sind jetzt ja hier nicht im Podcast, hey, kurzfristige Spekulationen machen uns reich, sondern wir sind im Podcast Aktien fürs Leben.

Und da gucken wir langfristig hinweg. Und diese kurzfristige Spekulation bei Evonik kann funktionieren, ist aber auch das hohe Risiko, dass ich auch mal kurzfristig wieder falle. Wenn wir langfristig das Ganze betrachten, ist für mich ganz klar BASF der Gewinner, wenn die Integration geschafft wird und BASF ist gerade auch meines Erachtens relativ günstig bewertet.

Wir haben KGV von knapp 17, wir haben eine Dividendenrendite von 4,55 Prozent. Wir liegen hier also im Kurs, wir waren im Hoch irgendwann mal bei knapp 100 Euro, aktuell liegen wir bei knapp 50 Euro. Dann ist für mich langfristig BASF durch diese Übernahme ein Gewinner, ein noch größerer, komplexerer Konzern, der dann auch meines Erachtens langfristig seinen Weg machen wird, vielleicht auch wieder zu alten Höchstkursen.

Ja, Cary Group ist ein irisches Unternehmen und wurde im Jahr 1972 als kleine Molkerei Genossenschaft gegründet. Und aus diesem kleinen Unternehmen entwickelte sich ein weltweit tätiger Anbieter von Geschmacks-, Ernährungs- und Biotechnologielösungen. Und das Geschäftsmodell ist dabei ziemlich clever.

Cary Group verkauft nicht unbedingt die fertigen Marken im Supermarkt. Stattdessen liefert das Unternehmen Lebensmittelherstellern die Zutaten, die Aromen, die Texturen und Technologien, die deren Produkte besser, gesünder und haltbarer machen. Also wenn ein Hersteller beispielsweise einen Joghurt mit weniger Zucker haben möchte oder einen Fleischersatz mit einem noch besseren Geschmack oder ein Getränk mit bestimmten funktionalen Eigenschaften entwickeln möchte, Carrie liefert dafür die entsprechenden Lösungen.

Und damit sitzt Carrie gewissermaßen hinter den Kulissen dieser gesamten Lebensmittelindustrie. Genau. Und wir sind auf dieses Unternehmen gekommen, weil es Teil der 50 Aktien fürs Leben ist. Jetzt muss ich ein bisschen Werbung in eigener Sache machen. Wir machen einmal im Jahr. Bei Capital ja eine Auswahl, eine Aktienauswahl aus 1800 Aktien weltweit, wo wir gucken, welche Aktien sind einerseits noch relativ günstig bewertet und haben trotzdem aus der Vergangenheit, bewiesen, dass sie ein wahnsinnig solides Geschäftsmodell haben und in der Lage sind trotzdem zu wachsen und ihre Aktionäre auch noch immer wieder an den Ausschüttungen und Gewinnen zu beteiligen.

Und genau diesen sehr, sehr strengen Filter, den wir seit vielen Jahren schon bei Capital einmal im Jahr anwenden, hat Cary und die Cary Group hier geschafft. Und deswegen hatte ich gesagt, komm, lass mal über dieses Unternehmen sprechen. Das ist, glaube ich, ein Klassiker, aber viele kennen es eben gar nicht.

Ja, das Interessante, du hast es jetzt schon das Geschäftsmodell so ein bisschen skizziert. Es geht um Aromen. Auch wenn sie mal Molkerei waren, haben sie mit der Butter nichts zu tun. Das Interessante ist, wir hatten ja schon an dieser Stelle zwei andere Unternehmen, die auch genau das machen, nämlich Simrise aus Deutschland und Guy Vaudon, aus der Schweiz, auch ein großer Aromenproduzent, im Grunde genommen der weltweite Marktführer.

Carry Group macht auch das, ist ein bisschen kleiner. Etwa 7 Milliarden Umsatz werden im laufenden Geschäftsjahr erwartet. 2025 waren es 6,8 Milliarden Umsatz. Immer auch ein relativ profitables Geschäft. Da bleiben am Ende etwa 10 Prozent Nettomarge übrig. Das waren 2025. Etwa 660 Millionen Euro und für 2026 werden über 700 Millionen Euro Nettogewinn erwartet.

Und man sieht schon, dass in diesem ganzen Lebensmittelzusatzstoffegeschäft sehr viel Marge und Gewinn drinstecken kann. Ja, absolut. Und wir haben natürlich auch neue langfristige Trends, wovon Cary Group profitieren wird. Entsprechend hat man auch neue Finanzziele bis 2030 vorgestellt und das Unternehmen profitiert natürlich auch von der Entwicklung hin zu einer gesünderen Ernährung, also weniger Zucker, proteinreiche Ernährung.

Die funktionalen Lebensmittel, Convenience natürlich und auch bei den pflanzenbasierten Produkten liegt Cary Group wirklich ganz, ganz weit vorne. Also die Lebensmittelhersteller müssen natürlich auch ständig neue Produkte entwickeln und das geht halt ohne Unternehmen wie die Carry Group nicht. Weshalb wir dieses Unternehmen jetzt auch besprechen, ist natürlich die Lage an der Börse und der Aktienkurs der Aktie.

Wenn man sich nämlich die im etwas längeren Vergleich anschaut, dann stellt man fest, dass die Aktie schon deutlich runtergekommen ist über die vergangenen fünf, sechs Jahre. Das hat mit Sicherheit etwas zu tun. Einerseits mit dem Konzernumbau. Man hat sich vom alten Molkereigeschäft getrennt, weil das nicht so wahnsinnig viel Gewinn abgeworfen hat.

Man konzentriert sich jetzt auf die margenträchtigeren Geschäftsbereiche. Und auf der anderen Seite, das hatten wir bei den anderen beiden, Simrise und Givondon auch, man hat schwankende Rohstoffpreise. Man bewegt sich hier auch so ein bisschen schon am Rande der Chemieindustrie. Und das verändert dann eben die Rohstoffpreise, die Kostenkalküle und dann eben auch die Gewinnmargen. Das löst Druck auf den Aktienkurs aus.

Der ist runtergekommen von mal 100, 10, 120 Euro im Maximum auf aktuell etwa 85 Euro. Was dann aber auf der anderen Seite das KGV mit etwa 20. 17, 18 aktuell ziemlich attraktiv macht. Ja, also die Carry Group ist nicht unbedingt eine klassische Schnäppchenaktie, aber du hattest es eben gesagt, Qualität hat halt an der Börse auch ihren Preis.

Und wir sehen die Korrektur halt, weil auch selbst die Lebensmittelhersteller momentan oder in den vergangenen Jahren durch die Rohstoffkosten auch wesentlich mehr unter Preisdruck standen. Also daher könnte das auch hier dann die Einstiegsmöglichkeit sein zu einem günstigeren Preis. Sie sind auch relativ profitabel. Der Rosy liegt bei 15 Prozent.

Das finde ich auch recht interessant. Und die Konkurrenz schläft zwar nicht. Ich halte die Carry Group für einen recht defensiven Qualitätswerk. Nicht spektakulär, nicht sexy, aber genau das ist an der Börse manchmal der große Vorteil, wie wir ja auch im Intro gesprochen haben. Das stimmt. Und wer jetzt Interesse hat an den anderen 49 Aktien fürs Leben in diesem Jahr, Der kann sich natürlich jederzeit noch die aktuelle Ausgabe von Kapital besorgen oder im Netz findet man auch alles, die Listen und alle Analysen zu den Unternehmen.

Ich habe es eingangs gesagt, ein treuer Leser hat sich gemeldet und gesagt, ihr sprecht so häufig über Infrastruktur und Baukonzerne. Schaut euch doch mal diesen französischen Konzern an, Vinci oder Vinci. Ich denke immer Vinci, wenn ich in Frankreich unterwegs bin. Ich finde Vinci auch schöner. Ja, ich finde Vinci auch schöner.

Sagen wir also Vinci und tatsächlich, wenn man in Frankreich unterwegs ist und wir sind, wenn wir unterwegs sind, gerne in Frankreich unterwegs, An den Autobahnen zum Beispiel, dann steht man an diesen Mautzahlstellen und da steht ganz oft Vinci eben dran. Oder eine dieser Tochterunternehmen von Vinci, die dann die französischen Autobahnen zum Beispiel, Stichwort Kofirut ist sowas, betreibt.

Ja, ich war zum Beispiel, wenn ich da kurz einhaken kann, ich hatte es mir gar nicht so auf dem Schirm, aber ich war am Wochenende in Lissabon und auch am Flughafen sah ich dann ein Schild mit der Aufschrift Airport Lissabon supported by Vinci. Also überall tätig. Genau, wollte ich auch gerade sagen. Ansonsten bauen sie nicht nur Autobahnen und betreiben die, sondern sie bauen auch Flughäfen und betreiben die.

Sie bauen Schienen- und Straßeninfrastruktur, Parkhäuser, Stadien. Also die machen schon so die richtig großen Brocken, die man so in der Welt da draußen sieht. Und da kommen wir vielleicht auch gleich nochmal drauf. Sie gehen ganz stark, in den Bereich Energieinfrastruktur. Und da wissen wir, hat Europa, aber da gibt es auch auf vielen anderen Bereichen.

Und in vielen anderen Ländern der Erde viel Bedarf. Da bauen sie eben dann auch, gehen viel stärker in Energieinfrastrukturlösungen und den Ausbau hinein. Ja, und was ich so interessant finde, dass Vinci halt nicht nur diese Infrastruktur baut, sondern Vinci betreibt auch die Infrastruktur. Und damit verdient das Unternehmen teilweise über Jahrzehnte Geld mit den Anlagen, die es halt zuvor gebaut oder übernommen hat. Und du hast es gerade gesagt, gutes Beispiel dafür sind die Autobahnen.

Also wenn Vinci eine Autobahnkonzession besitzt, bekommt das Unternehmen Einnahmen aus dem Verkehr, beispielsweise über die Mautgebühren. Und natürlich funktioniert das auch ähnlich bei den Flughäfen. Also das Faszinierende finde ich ja, wir haben ja häufig hier Unternehmen, wo wir immer, sozusagen, wenn wir zurückblicken auf die letzten, sage ich mal, sieben bis zehn Jahre, dann sehen wir immer so ein Auf und Ab.

Das war ja eine ziemlich bewegte Zeit. Wir hatten die Pandemie, wir hatten den Russlandkrieg. Wir haben jetzt aktuell die Krise am Golf mit dem steigenden Ölpreis und ganz oft sieht man ja in den Unternehmensgeschäftszahlen in den letzten sieben, acht Jahren irgendwo diese Krisen. Das sind entweder massive Sprünge, wie bei den Ölkonzernen, oder es sind massive Einbrüche.

Beides haben wir gesehen, auch in der Chemieindustrie, bei BASF würde man das sehen. Denn hier bei diesem Unternehmen sehe ich eigentlich immer nur Wachstum, Wachstum, Wachstum, Wachstum. Das finde ich total faszinierend. Also 2018 haben die 44 Milliarden Umsatz gemacht. Es ging dann mal 2020 im ersten Corona-Lockdown-Jahr ein bisschen runter.

Da waren es auch so knapp 44 Milliarden. Ansonsten seit 2020 nur Anstieg und zwar massiv. Also da reichen 10, 15 Prozent kaum auf, um diesen Anstieg zu beschreiben. Aktuell im letzten Geschäftsjahr waren wir bei 75,4 Milliarden Euro Umsatz. Und was ich dann auch wieder interessant finde, bei vielen dieser Konzernen stellt man dann ja fest, naja, das ist ein total rohstoffkapitalintensives.

Geschäft, da muss viel auch vorgeleistet werden und ob die dann am Ende wirklich immer so profitabel ihre Projekte kalkulieren, sei mal so dahingestellt. Hier bei diesem Unternehmen, aber das liegt wahrscheinlich auch an diesem Betreiber- und Konzessionsgeschäft, was sich ja sehr sicher kalkulieren lässt, sehen wir, das ist einfach hochrentabel. Die machen dabei auch noch 5,3 Milliarden Nettogewinn.

Ja, absolut. Also diese Zusammensetzung des Gewinns zeigt halt die Stärke dieser Konzessionsaktivitäten, die auch relativ krisensicher sind, wenn jetzt nicht gerade Corona reinscheppert bei den Flughäfen. Also aus dem Konzessionsgeschäft erwirtschaftet das Unternehmen 60 Prozent ihres Gewinns. Im Energiebereich kommen sie schon auf 21 Prozent und das Baugeschäft ist dann sogar der kleinste Part mit 16 Prozent.

Und das läuft halt unglaublich solide. Und davon gibt auch noch Vinci einen erheblichen Teil aus dem Cashflow dann die Aktionäre zurück. Für 2026 wurde eine Zwischendividende von 1,10 Euro je Aktie beschlossen. Und im ersten Halbjahr Aktien im Wert von rund einer Milliarde Euro zurückgekauft. Und auch Anfang Oktober wurde ein weiteres Aktienrückkaufprogramm umgesetzt.

Ja klar, es gibt natürlich auch Risiken, die darf man nicht vergessen. Autobahnen und Flughäfen sind kapitalintensiv. Vinci hatte Ende 2025 eine konsolidierte Nettoverschuldung von rund 19,1 Milliarden Euro durchgeführt. Das braucht man aber natürlich, das zählt halt einfach zu diesem Business und dann gibt es diese politischen Risiken, die wir haben.

Denn wenn ein Unternehmen Autobahnen und Flughäfen betreibt, können Mautsysteme, Konzessionsbedingungen, Steuer, staatliche Eingriffe einen sehr großen Einfluss natürlich auch auf deren Rendite haben. Ja und der Ölpreis zum Beispiel, man sieht ja gerade in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang im Aktienkurs, der ist runtergekommen von etwa 140 Euro zu Jahresbeginn auf jetzt noch knapp über 100, 107 Euro aktuell.

Da wird wahrscheinlich die Krise am Golf, Stichwort Flughäfen. Sinkendes Passagieraufkommen, aber auch vielleicht weniger Verkehr auf diesen Autobahnen in Frankreich und damit vielleicht auch geringere Konzessionseinnahmen. Das wird damit reinspielen in den aktuellen Aktienkurs. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die aktuellen Geschäftszahlen fürs erste Halbjahr 2026 ziemlich gut aussehen müssen.

Und jetzt kommen wir vielleicht doch noch mal auf den Energiebereich. Ja, wir dürfen aber auch nicht in diesem, bei den Risiken, Timo, noch eins, natürlich auch die zuvor steigenden Zinsen sind relevant, weil die Infrastrukturprojekte natürlich häufig langfristig finanziert werden müssen. Das bedeutet auch, Vinci ist ein Unternehmen, was unter diesen Entwicklungen wirklich entsprechend belastet werden könnte.

Total, hast du recht. Wenn ich mir jetzt aber die Zeit 2022, 2023 angucke, dann würde ich sagen, haben sie das trotzdem ganz gut weggesteckt. Da war ja der große Zinsanstieg und die Umsätze sind gestiegen. Die Gewinne sind trotzdem auch noch einigermaßen stabil geblieben bzw. gestiegen. Also sie scheinen da trotzdem resilient zu sein. Aber ich gebe dir recht, auch natürlich der Zinsanstieg reflektiert wahrscheinlich dieser Rückgang des Aktienkurses.

Ja, ich wollte nur kurz sagen, also die aktuellen Geschäftszahlen im ersten Halbjahr 2026 durchaus ordentlich, trotz dieser ganzen aktuellen Krisen, die wir gerade angesprochen haben. Und es lief vor allen Dingen eben gut im neuen oder im relativ jungen Bereich noch Energieinfrastruktur und Energielösungen. Ein bisschen Mauer war das Geschäft, wie zu erwarten, im ganzen Verkehrsbereich und an den Flughäfen.

Aber trotzdem haben die ganzen Analysten danach gesagt, wow, was sind das für Geschäftszahlen, Erwartungen deutlich übertroffen. Trotzdem springt die Börse da bisher nicht so richtig drauf an, Petra. Woran liegt das? Ja, wir haben hier halt, wir haben eine super Entwicklung über die letzten Jahre gesehen.

Du hattest es eben auch schon angesprochen. Seit 2012 geht es ständig bergauf. Wir hatten mal natürlich den Dip dann zur Corona-Zeit. Aber wir haben bei dem Höchstkurs von knapp 143, 145 Euro haben wir einen Höchstkurs erreicht und sind jetzt etwas zurückgekommen auf 106. Das kann natürlich ein bisschen damit zu tun haben, dass man auch mal erkennt ...

Wachsende Mobilität, steigender Flugverkehr. Wir sind da so ein bisschen an unsere Kapazitätsgrenzen gelangt. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass natürlich gerade der Bereich Vinci Energies zukünftig davon profitieren wird, dass wir den Ausbau von den Stromnetzen haben, von natürlich Rechenzentren und Energieinfrastruktur.

Da werden wir auch wieder nach oben kommen. Im Moment, glaube ich, war so ein bisschen die Luft raus. Daher für uns möglicherweise ein günstiger Einstieg. Wir haben eine tolle Dividende von 5 Prozent. Ich hatte es eben gesagt, wir hatten eine Zwischendividende. Dividendenrendite momentan bei 5 Prozent. KGV liegt momentan bei 11,6 und Rossi bei 26 Prozent.

Also auch hier sind die Kernzahlen äußerst attraktiv. Und Vinci ist für mich die Cashflow- und Infrastrukturaktie per se. Sie ist weniger abhängig von einem einzelnen Produkt und profitiert halt von diesen langfristigen Trends. Also ich kann unseren Hörern und Hörerinnen nur raten, sich das Unternehmen mal näher anzuschauen.

Ja, und dem Hörer, der uns den Tipp gegeben hat, einen herzlichen Dank für diesen guten Hinweis. Und wer solche Tipps hat, immer her damit. Wir freuen uns über Anregungen. Das war mal wieder Aktien fürs Leben, der Vermögenspodcast von Capital mit Petra Ahrens aus Köln und Timo Pache in Berlin, wir sagen vielen Dank fürs Zuhören und bis nächste Woche, tschüss bis dann, tschüss.

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