
Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 132
Aleister Crowley: Das Kloster der Thelema, Magie und ein Todesfall
Freitag, 24. Oktober 2025 · 1 h 16
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Shownotes
In Teil 4 unserer Serie über Aleister Crowley begleiten wir die „Große Bestie“ auf ihrem Weg von London über New York bis nach Sizilien.Wir erzählen, wie Crowley Telema in die Praxis umsetzt, seine Do-it-Yourself-Orden gründet, Sexualmagie systematisiert und mit Theodor Reuss den OTO reformiert. In der „Abtei von Thelema“ auf Sizilien lebt er mit seinen Schülern und Geliebten eine radikale Form spiritueller und sexueller Freiheit – bis Hygiene, Drogen und Tod das Experiment beenden. Eine Episode über Vision und Wahnsinn, über Freiheit und Manipulation und darüber, wie aus dem okkulten Rebellen eine Skandalfigur wurde, die noch heute fasziniert.
#AleisterCrowley #Thelema #Magie #Okkultismus #Geschichte
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Quellen & Literatur:
• Perdurabo: The Life of Aleister Crowley by Richard Kaczynski
• Crowley, Aleister: The Book of the Law (Liber AL vel Legis). London 1904.
• Crowley, Aleister: The Equinox: The Review of Scientific Illuminism. Vol. I–X, London 1909–1919.
• Crowley, Aleister: The Confessions of Aleister Crowley: An Autohagiography. London 1929.
• Crowley, Aleister: Magick in Theory and Practice. London 1929–1930.
• Crowley, Aleister: The Book of Lies. London 1913.
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London um 1907. Alister Crowley ist zurück in der Alten Welt, doch er ist nicht mehr derselbe. Im Gepäck hat er das unheilige Evangelium des Liber Al. Eine zerrüttete Ehe liegt hinter ihm und sein Ruf in okkulten Kreisen ist ambivalent. Er wird bald als der große Bruchpilot des Golden Dawn bekannt. Aber auch als jemand, der tatsächlich etwas Neues in Händen hält. Eine potentiell revolutionäre Offenbarung. In Teil 4 begleiten wir Crowley dabei, wie er Telema in die Praxis umsetzt. Mit neuen Orden, skandalöser Sexualmagie, wilden Experimenten und der Gründung einer eigenen Klosterkommune.
Herzlich willkommen zurück zu Teil 4 unseres ausgiebigen Deep Dives in das Leben und die Geschichte und das Werk von Aleister Crowley. Während Crowley die Jahre 1905 bis 1907 mit Reisen und der Publikation verschiedener Schriften verbringt, spricht sich in der Okulten Unterwelt langsam herum, dass da jemand am Werkeln ist. Und 1907 gründet Crowley dann seinen Orden. Da hatten wir letztes Mal kurz angeschnitten und nicht weiter vertieft und ich würde heute gerne damit einsteigen, dass wir uns doch mal diese Selbstlärm -Organisation, diese Do -It -Yourself -Magic -Vereinigung, die Crowley da gründet, genauer anschauen zum Einstieg.
Mit dabei ist heute wieder Jonas. Hallo Jonas. Hi zusammen. Schön wieder hier zu sein. Diesmal sprechen wir Crowley richtig aus, den alten Krähenland. Das ist die Frage, ob wir es richtig oder falsch aussprechen. Aber wir haben ja bis jetzt eigentlich relativ konsequent Crowley gesagt, wenn wir jetzt nach unserer Debatte Ende letzter Folge manchmal ins Crowley abrutschen, dann verzeiht uns das bitte. Oder andersrum, wenn wir ihn jetzt nicht konsequent gleichnennen, wir arbeiten dran. Wir versuchen unser Bestes auf jeden Fall. Was Crowley hier 1907 mit diesem Orden Gründet ist nicht eine weitere Winkelloge oder ein weiteres Abbild des Order of the Golden Dawn oder einer anderen Geheimorganisation, sondern es ist eine relativ
revolutionäre Idee für den Okkultismus, nämlich eine Idee in den Orden ohne richtigen Orden zu gründen. Also okkultes Wissen dezentral zu verbreiten und das zu einem möglichst günstigen Preis, dass wirklich auch alle sich beteiligen können, die Lust haben. Also eine Art Demokratisierung des Okkultismus. Da gab's noch kein Internet damals.
Heute ist das anders. Gab's noch nicht. Das heißt, man musste das über Zeitschriften damals machen. Und er hat dann als so eine Art Do -It -Yourself Rock -Wars eben die Zeitschrift Die Equinox gegründet, in der er dann Band für Band, Schritt für Schritt Anleitungen publiziert hat, die man eben fast zum Druckpreis erwerben konnte zu der damaligen Zeit. Und das Also das Ukulte an sich ist ja das Verborgene. Und da jetzt das so öffentlich zu publizieren und zu sagen, statt geheimen Riten und einem geheimen Aufnahmeritual, könnt ihr euch einfach nur die Zeitschrift bestellen. Und dann kriegt jeder Schüler, der aufgenommen wird.
Also du kannst einfach so bestellen, dann musst du eine Prüfung, einen Test bestehen und ein magisches Tagebuch führen und bekommst den Lehrer zugewiesen. Das heißt, es war immer so eine Einzelbeziehung. Es gab immer einen Schüler und einen zugewiesenen Lehrer und der Lehrer hat dann das magische Tagebuch vom Schüler zugesandt bekommen und hat das dann aufgearbeitet und geschaut, ob er ernsthaft gearbeitet wurde. Und in diesen Tagebüchern ging es dann um Meditationsübungen, um rituelle, magische Rituale, um alles Mögliche, was da aufgeschrieben werden musste, dokumentiert und aufgezeichnet und fotografisch sogar schon, wenn möglich, dokumentiert werden. Und ich habe jetzt mal rausgesucht, wie
diese Tests aussahen, Jonas. Weil ich das ein ganz interessantes Detail fand. dass wir doch mal schauen könnten und ihr vor allem auch, liebe Hörerinnen und Hörer, ob ihr es jetzt aus einem Stehgreif in Crowley's AA -Orden schaffen würdet. Die Tests verändern sich auch über die Zeit. Als erstes mal hier den Test von 1912. Schreibe die wichtigsten Entsprechungen der Zeichen Zwillinge, Skorpion, Marus und der Sephira binar auf. Untersuche alle Vielfachen der Zahl 11 unter 1000 und versuche eine Verbindung zwischen ihnen herzustellen.
Untersuche die verschiedenen von der AA empfohlenen Methoden und versuche sie unter möglichst wenigen Überschriften zu klassifizieren. Gib eine Interpretation von Tannhäusers Adonis und Sir Palamedes, dem Sarazenen im Sinne der Kabbalah. Schreibe einen Aufsatz über die mystischen Bedeutungen der Vesika Pisces, des rechtwinkligen Dreiecks und der Hyperbil.
Analyse die Visionen in Liber 418 und klassifiziere sie gemäß den Angaben in The Psychology of Haschisch. Geben Sie einen Überblick über die hinduistische Vorstellung von den Teilen des Körpers und der Seele. Vergleichen Sie die von Eliphaz -Levi Abrameliden, dem Autor von De Götia und Frater Perdurabo beschriebenen Zauberstäbe und geben Sie an, welchen Sie bevorzugen würden und warum.
Entwerfen Sie ein Pantakel, das die Zahl 777 zusammenfasst. Entwerfen und bereiten Sie einen Talisman vor, der den Bau eines Tempels für den Orden bewirkt. Schreiben Sie eine geeignete Zeremonie zu dessen Weihe auf. Geben Sie das grundlegende Ziel der in Buch 4 Teil 1 befürworteten Praxis mit möglichst wenigen Worten an. Geben Sie entweder a. einen vollständigen und sorgfältigen Kommentar zu fünf beliebigen aufeinander folgenden Kapiteln aus dem Buch der Lügen, oder b. einen Kommentar auf eine Kritik zu die Psychologie des Haschischs, die Schulung des Geistes oder der Soldat und der Buklücke. Hinweis. Der Student darf bei der Beantwortung dieser Frage seine Nachschlagewerke zu Rate ziehen. Er sollte bedenken, dass eine
vollständige und zufriedenstellende Antwort ihm, was seine intellektuellen Leistungen angeht, den Grad eines Exempt Adepts einbringen würde, sodass er nicht denken sollte, dass zu viel von ihm erwartet wird. Bevor ihr denkt, dass zu viel von euch erwartet wird, das ist so ein bisschen ein Alptraumtest. Ich weiß jetzt nicht, wie viele Fragen du aus dem Stegreif hättest beantworten können. Keine einzige. Es wird auf jeden Fall erwartet, dass man sich intensiv mit dem Werk von Frater Perdurabu, das war ja der Spitzname, den sich Crowley im Order of the Golden Dawn ausgesucht hat, den Bruder der Dorabu ist, der bis zum Ende aushält, der Durchhaltende. Diesen Namen verwendet er hier als Synonym für sich
selber und viele der Texte, also die Psychologie des Haschisch, die Schulung des Geistes, der Soldat und der Buklig sind alles Texte von ihm, die er hier mit ein Pflicht in die Klassiker. Auch besonders schön fand ich, dass man Eliphas Levi, Abramelin und den Autor der Goetia und ihn selber jeweils die Zauberstabbeschreibung vergleichen sollte und er sich da quasi auf eine Ebene mit diesem großen magischen Meistern auch stellt, weil er sich da als gleichwertigen Zauberstabexperten präsentiert. Natürlich in dieser Aufzählung.
Aber ja, für alle, die gedacht haben, man kann da einfach rein. in die AA. Man konnte sich die Zeitschriften einfach bestellen in den Equinox. Der Equinox ist natürlich auch eine Anspielung auf die kommende Zeitenwende, die er im Book of Law ankündigt, also diese Idee, dass das Aeon des Horus anbricht. Und es gibt da spannenderweise auch einen Bezug zu dieser Idee, dass eben das Age of Aquarius anbricht. Diese dann in der Hippie Bewegung. Ihr habt ja bestimmt alle Herr gesehen.
Den großen Film aus den 70ern. Wo die alle so tanzen in San Francisco. The Age of Aquarius. Der berühmte Lied aus dem Musical. Und natürlich so ein Thema, was damals groß in esoterischen Hippie -Kreisen kursierte. jetzt eben die neue Zeit anbricht tatsächlich und bei Crowley ist es eben die Vorstellung, dass das Aeon des Horus mit dem Equinoxes anbricht und diese Vorstellung mit dem Age of Aquarius wird aber von Crowley selber auch mit erwähnt schon und es gibt da anscheinend eine ideengeschichtliche Verbindung zwischen dem Glauben der Hippies an diese neue anstehende Zeit und Crowley ist auch Astrologie Vorstellung. Ich habe das nicht ganz... Wenn jemand das genau herstellen kann, bitte in die
Kommentare schreiben. Ich habe es leider jetzt nicht ganz konkret, aber da gibt es eine Verbindung. Ja, let the sunshine in. Die Equinox ist interessanterweise auch online verfügbar. Wenn ihr da viel digitalisiert, wenn ihr da mal reinschauen wollt, am Ende waren das glaube ich 3000 Seiten Equinox -Publikation.
Also sehr, sehr viel, was da publiziert wurde. Zum Vergleich zur ersten Prüfung, die etwas reduzierte und veränderte Version, die da 1945 verwendet wurde. Also deutlich später, wir machen jetzt einen großen Sprung in die Zukunft, aber nur um Kunst zu vergleichen, wie der Fragebogen, wie der Test zur Einstellung sich verändert hat.
Danach springen wir direkt wieder zurück ins frühe 20. Jahrhundert. Der Buddhismus lässt sich in folgende Klassen unterteilen. Erstens Hinayana. 2. Das Mahayana in Tibet 3. 12 Sekten in Japan 4. Zen Buddhismus in Japan 5. Chinesischer Buddhismus Welche Unterteilungen des Christentums entsprechen diesen Klassen und warum? Was bedeuten die folgenden Zahlen und warum? 148 210 831 Versöhne die beiden scheinbar widersprüchlichen Bedeutungsreihen der Zahl 65. Berechne die Gleichung 3 gleich 4, insbesondere in Bezug auf die Sphyrot und die Planeten. Nenne den Unterschied zwischen Vedantismus, Sufismus und Molinismus. Können Sie eine historische Abfolge in diesen Zweigen der Mystik nachverfolgen? Die Kühe eines Freundes
leiden an einer epidemischen Krankheit. Wie würden sie vorgehen, um die Ursache zu finden? Wenn es sich um einen Fluch handelt, wie würden sie den Verursacher aufspüren? Und wie würden sie vorgehen, um das Übel abzuwenden? Beschreiben Sie eine Frau mit Uranus in Konjunktion mit Luna im Trigon zu Venus, die im achten Grad des Steinbox aufsteigt. Ja, also ein ganz anderer Test, aber trotzdem nicht weniger kryptisch vielleicht.
Lies sich erstmal ein bisschen einfacher. Lies sich nahbar, aber liest sich, als könnte man hierauf eher Antworten finden, abgesehen von was bedeuten die folgenden Zahlen und warum. Das ist tatsächlich eine sehr lustige Idee. Da ist natürlich so viel so, weil Crowley auch sehr auf Zahlenmystik und Kawala -Stand geht es da um die Berechnung von irgendwelchen Zahlenwerten.
auf kapalistischer Ebene. Sehr unterhaltsam fand ich die Kühe des Freundes, die an einer epidemischen Krankheit leiten. Wie würden sie vorgehen, die Ursache zu finden? Und dann, wenn es ein Fluch ist, wie würde man den Verursacher aufbühren? Das sind so richtige 14 des Jahrhunderts -Fragen vor der Einstellung vom Lokalmagier in der Stadt Echsepilern. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich relativ schnell die richtige Stelle in der Goetia oder bei Abram Elin finden würde, das richtige Wortquadrat, um Seuchen zu verursachen und Seuchen zu heilen, habe ich auf jeden Fall gelesen. Und ob da auch eine dabei ist, den Verursacher aufzuspüren, bestimmt. Bestimmt. Ich habe sogar noch mal ein Buch gefunden, das versucht hat,
die abramilinischen Wortquartate zu korrigieren, weil die anscheinend in den Abschriften korrumpiert wurden und manchen immer so gut funktioniert haben. Was zu besonders viel Aufsehens in der Okulten Szene führt, ist, dass in The Equinox unter anderem auch geheime Ritualen des Golden Dawn veröffentlicht werden. Das ist seine Rache jetzt dafür, dass er aus dem Verein geworfen wurde. Und das erregt die Aufmerksamkeit von einer Gestalt aus Deutschland, die wir aus früheren Folgen kennen. Theodor Reuss, dem Oberhaupt eines obskuren Ordens namens Ordo Templi Orientis Oto.
Otto. Otto. Genau, die Abkürzung ist Otto. und Theodor Reuss ist uns schon mal untergekommen in den Freimauerfolgen, als wir über die Freimauerrei geredet haben und über Winkellochen. Da ist Reuss erstmal aufgetaucht mit dem Verweis damals unseres Gastes, dass es seine eigene Folge wert wäre. Dann haben wir also über die Illuminaten geredet haben in der zweiten Folge und die Neugründung des Illuminatenordens, also nicht das Original von Reuss, sondern dann eben der späteren Neugründung in der Winkellochenzeit. ist Reuss eben einer der zwei Gründer gewesen, die den Illuminaten Orden neu begründet haben. Und jetzt taucht er schon wieder auf, weil er sich tatsächlich persönlich mit Crowley zusammengetan hat. Reuss
ist eine kurzfassende, extrem schillernde Figur, ehemaliger Sänger, Kriegsreporter, Freimaurer, Theosoph. möglicherweise Geheimdienstspitze und bastelt seit Jahren an einem eigenen Netzwerk von esoterischen Logen, in denen er Freimauerei, Theosophie und Sexualmystik zu kombinieren versucht. Reuss meint die offizielle Berechtigung zur Gründung des Ordens auf ein gewisses hat hänstützen zu können, dass durch den Prinzen vom Rosenkreuz, was auch immer das bedeuten soll, Louis -Gabriel Le Bosch aus Besset bei Sedan in seinen Besitz gekommen sei. Das ist so konkret, es muss wahr sein. Und dieser soll ein Hochgrad -Maurer im 18. Grad des Memphis -Ritus beziehungsweise im 46. Grad des Misraim -Ritus gewesen sein. Wir
erinnern uns, die Freimaurer haben, nachdem sie am Anfang, glaube ich, drei Ränge hatten, dann in späteren Fassungen immer mehr Ränge erfunden, um cooler zu sein als die anderen Systeme. Weil je mehr Ränge man hatte, desto mehr Aufstieg konnte man den Leuten auch suggerieren und desto mehr Geheimniswissen, das irgendwo in den ganz hohen Rängen versteckt ist. Weil sonst hast du den dritten Rang erreicht und dann bist du noch 40 Jahre Freimaurer. Das folgt zum Reinahmen und demisch prüfen. Eben. Und deswegen, wenn man da den Misraimritus 46 Grad hat, oder vielleicht sogar 48, wer weiß, dann ist da noch Platz nach oben. Das Patent soll Lebosch während eines Besuchs am 19. November 1786 von Adam Weishaupt in Regensburg
persönlich erhalten haben. Es soll eine Berechtigung für seinen Eigentümer und seine Nachfolgenden Inhaber dazu gewesen sein, das Licht in schottische Logen einzubringen. Also Illuminaten, die Erleuchtung in sogenannte schottische Logen, der schottische Ritus ist eben auch einer dieser Freimauer Riten.
Engel, der am Anfang Reuss Partner gewesen war, der eigentlich der eigentlich Experte für die Geschichte des Illuminatenordens von Adam Weishaupt war, trennte sich dann aber 1901 von Reuss und warf ihm vor Betrug hinsichtlich des Patentes. begangen zu haben und das alles der Streit brach quasi groß zwischen ihnen aus. Nach dem Reuss Pläne abgelehnt wurden seinen Orben unter der großen Freimauer Lusche von Deutschland aufzuziehen.
Das wollten die nicht. Er hatte keinen besonders guten Ruf. Und jetzt platzt quasi gerade seine Illuminaten -Orben -Sache. sein Projekt Illuminatenorden wieder auferstehen lassen. Er hat diesen Ordo Tempeli Orientis, aber ist unter den Freimauern nicht anerkannt und er ist so ein illegitimer Winkellogen -Kundler. Und jetzt ist er in London.
Im Sommer 1912. Im Sommer 1912 steht Reuss unvermittelt für Crowley's Wohnungstür in London. stellt euch die Szene vor, Crowley öffnet und vor ihm steht ein Herr mit zwirbelndem Schnurrbart mit funkelnden Augen hinter einem Kneifer. Reus verschwendet keine Zeit auf Höflichkeiten, erwedelt mit einem Büchlein. Crowley's Book of Lies, gerade frisch erschienen und schimpft auf Deutsch -Englisch.
Sie haben das Geheimnis des neunten Grades veröffentlicht, Herr Crowley. Crowley ist verdutzt. Was für ein Geheimnis des neunten Grades. Er hatte von Reus zwar vor Jahren mal aus Höflichkeit eine Ehrenmitgliedschaft, den siebten Grad, im Ordo Templis Orientis erhalten, kannte aber kaum deren Inhalte. Reus' Vorwurf lautet jedenfalls, Crowley habe in seinem Buch der Lügen einen zentralen sexuellen Schatz des OTO ausgeplaudert. Royce plafft, und dafür müssen sie jetzt die entsprechenden Eide leisten. Crowley lässt den aufgebrachten Deutschen eintreten und versucht zu verstehen, was eigentlich los ist.
Royce schlägt Crowley das Buch auf einer bestimmten Seite auf. Es ist Kapitel 36, betitelt Das Star Sapphire. Oder eine andere verrätselte Allegorie Die genauen Details bleiben eingeweiht und vorbehalten. Crowley hatte dort in poetischen Versen etwas angedeutet, das Royce als Beschreibung des höchsten sexualmagischen Rituals seines Ordens erkennt.
Plötzlich begreift Crowley. Der Oto rütet ein Mysterium. Offenbar die Verwendung der Sexualkraft in der Magie. und er selbst hatte aus purem spielerischen Genius etwas sehr ähnliches geschrieben, ohne zu ahnen, dass er ins Schwarze traf. Broly lacht vielleicht auf. Das magische Geheimnis des Geschlechts?
Natürlich kenne ich das. So jedenfalls beschreibt er später den Dialog. Royce ist beeindruckt. Broly hatte, ohne es beim Namen zu nennen, Die Idee, dass der Geschlechtsakt und seine Energie rituell eingesetzt werden können, bereits intuitiv erfasst. Was als zornige Konfrontation begann, endet in gegenseitiger Faszination. Die beiden Magier diskutieren zwei Stunden lang angeregt.
Am Ende dieses Treffens macht Royce Crowley ein Angebot, das dessen okkulte Laufbahn entscheidend erweitert. Er initiiert Crowley formell in den höchsten Grad seines Ordens. verleiht ihm den Titel eines OTO -Mitglieds, 9. Crades, und er nennt ihn sogar zum Leiter einer britischen OTO Sektion. Proly soll die spärlichen, skitzenhaften Rituale des Ordens überarbeiten und mit Leben füllen. Im Gegenzug darf er die Equinox zur offiziellen OTO -Zeitschrift in Großbritannien machen. Proly nimmt an. Er erkennt die Chancen. Hier bietet sich ihm ein bereits internationales Netzwerk und ein Mysterium Sexualmagie, das nahtlos zu seiner Telemafilosophie passt. schwingt die Feder und entwirft dann Initisationsrituale, die Freimaurosymbolik
mit seinen telemischen Ideen verbinden, schreibt Abhandlungen mit lateinischen Titeln wie De Arte Magica, sehr mittelalterlich Grimoire mäßig, De Nubtis Secretes Deurum Cum Cuminibus, über die Geheimvermählung der Götter mit den Menschen und der Homunculo Epistola, worin Erordnung über Sexualmagie als Kern des Okkutismus spricht.
Da haben sich wirklich zwei gefunden zwischen Royce und Crowley. Sein Konzept, also... Crowley und auch das von Royce wahrscheinlich, wie viel da quasi vorher da war und dann später von Crowley dazu erfunden wurde oder entwickelt wurde, sagen wir so, ist eine andere Frage. Aber diese Idee war eben Magie durch sexuelle Extrasse. Die Idee hat auch nicht von Royce neu erfunden worden.
Es gab vorher schon amerikanische Okkultisten wie Paschal Beverly Randolph, die mit Liebesmagie experimentiert hatten. Aber Crowley selber systematisiert das Ganze eben zu so einem Kern. Vielleicht können wir auch hier einschieben. Jemand der ein bisschen näher dran ist an unserer Zeit jetzt, aber Wilhelm Reich führte diese Tradition so ein bisschen fort, oder? Konkret Sexualmagie, aber... Doch, da hatte er schon diese Vorstellung von diesen Orgons. War Reich nicht der, der auch gemeint hat, dass sexuelle Verklemmung das große Problem ist und man eine kommunistische Gesellschaft nur aufbauen könnte, wenn alle Leute in der Lage wären, Orgasmus zu haben? Und dann, dafür glaube ich von Freud, ein bisschen abgewatscht wurde
und gemeint hat, das kann jetzt nicht alles nur um... Also es kann nicht alle psychischen Probleme nur auf sexuelle Vergleichenteil zurückzuführen sein oder so. Aber ja, der hatte auf jeden Fall... Hat Reich auch mit Sexualmagie konkret experimentiert oder hat er nur seine Orgasmusboxen dann später gebaut in den USA? Das weiß ich nicht. Aber ich dachte mir, das ist so eine Linie, die vielleicht Sinn ergeben würde. Also zu Reich muss ich unbedingt auch mal eine Biografie lesen und mir noch mal einlesen. Und da könnte man auch eine tolle Folge zu machen, glaube ich, weil das, glaube ich, auch sehr viel hergibt. Und so eine spannende Überschneidung von einem linken Psychoanalytiker ist, die dann ja auch in so, im Endeffekt in
so Orgunkumulatoren, genau heute in so esoterischen. Ich glaube, Burroughs saß da auch in einem drin. Der da fand Reich auch gut. Reich hat das ja an Einstein geschickt. Wir haben den Briefwechsel zwischen den beiden und wie Einstein den da in seinem Kellerstück hatte zwei Wochen und die dann halt erklärt hat, wie so ein Drittglässler, warum das halt oben wärmer ist, wie der Rest der Raum. Und das ist halt kein Beweis für die Orgonauten sind, die sich da drin ansammeln, oder die organische Energie, sondern dass das halt so, ja, Grundlagenphysik -Sachen sind, dass es wärmer ist, in der so die im Box oben drinnen wie außen oben. Genau. Und da einfach mal den Briefwechsel vorzulesen, wäre schon sehr unterhaltsam.
Ein Stein, der Reich so eine nette Watsche schickt. Okay. Das kommt dann mal in einer separaten Folge. Jetzt zurück zum eigentlichen Thema. Crowley hatte erst schon seine persönlichen Erfahrungen mit Sexualität als was Befreiendem und überträgt es jetzt eben hier zunehmend in so eine Systematik, wo das Teil oder Kern seiner Idee von Magie ist.
Und da gab es jetzt aus dem Umfeld des Kreises, aus dem Golden Dawn zum Beispiel, ganz unterschiedliche Vorstellungen und Leute, die in ganz unterschiedliche Richtungen gegangen sind. Und Sexualmagie war jetzt da... Nicht das Standard Credo, die Standardform. Aber über Reus wird das zunehmend zu einem zentralen Bestandteil. Der sexuelle Akt selbst wird zu einer Art heiligem Ritual. Die Elemente, die bei traditionellen christlichen Messen vielleicht Brot und Wein symbolisieren, ersetzen Crowley und seine Adepten durch das, was er Liebeselixier nennt. Also die tatsächlichen sexuellen Sekrete, sei das Sperma - oder Menstruationsblut, je nach Grad und Ausrichtung des Rituals, werden zu was Heiligen und werden da verwendet. Klingt schockierend
für uns. War wahrscheinlich noch schockierender für Leute vor 120 Jahren. Wir sehen ja auch, warum Crowley auch so als Vater des modernen Satanismus, dann die späteren Church of Satan und wo immer ganz stark im Satanismus die Idee im Vordergrund stand, so dieses klassische christliche Messenbild immer auf den Kopf zu kehren. Also man feiert trotzdem dann die schwarze Messe.
Im Endeffekt macht man all die Dinge, die ja auch dann ... in den Hexen -Prozessen teilweise vorgeworfen wurden, wo man sich dachte, ihr könnt euch nichts anderes vorstellen als das, was ihr lebt, und stellt euch dann ein verkehrtes, böses Gegenteil davon vor, was ihr macht. Ihr geht in die Kirche, also gehen die anstatt Sonntag vormittags, gehen die Samstag nachts zur Schwarzen Messe. Das ist ja auch ein Zeichen von so ein bisschen begrenzter Fantasie auf eine Art. Und hier, finde ich, sieht man schon diese Wurzeln bei Crawley, wie er eben versucht, ganz konkret diese Sachen ... Und er hat ja ganz viele Ritualmagische Konzepte jetzt. Er hat ja vorher im Order of the Golden Dawn auch versucht, so selber zu konstruieren
aus anderen Quellen, sei das Abramillin oder sonst wer. Aber hier wird es eben sehr auf eine Verkehrung von christlichen Idealen plus Sexualmagie. Also da sehe ich diesen Term von den Sachen, die sie früher praktiziert und versucht haben zu dem, was es jetzt wird. Er hat dann auch, er erklärt dann auch so eine Scarlet Woman. So seine Bezeichnung, sein Codename für die aktuellen rituellen Sexualpartnerinnen und auch männlichen Schüler. Alles wird von Crowley erforscht. Heterosexuelle Magieakte ordnet er dem neunten Grad zu. Homosexuelle Akte einen geheimen höheren Grad, der später als elfter Grad angedeutet wird. Nur damit ihr Bescheid wisst, welchen Grad eurer sexuellen Handlung angehört. Das kann jeder für sich selber
beantworten. Das ultimative Sakrament für ihn, diese Vorstellung von einer wahren heiligen Kommunion, diese Vereinigung von männlich und weiblich, mystischen Sinnen, so dieses Gegensatzpaar und die Kanalisierung der dabei freigesetzten Lebenskraft auf ein ganz konkretes magisches Ziel. Also diese Idee, dass beim Sex quasi magische Energie frei wird und man die dann eigentlich in dem Moment nur richtig Channel muss in die richtige Richtung leiten, um magische Rituale auszuführen in irgendeiner Art und Weise. Und er selber nennt das später auch so eine Art verbesserte Freimaurerei. Also während die alten esoterischen Systeme wie die Freimaurerei eben ihre Geheimnisse symbolisch versteckt hätten, hätte er den Kern diese sexuelle
Formel enthüllt und würde die jetzt anwenden. Diese Vorstellung, dass die meisten Rituale um zu funktionieren eben Mann und Frau brauchen und dass bei den Freimaurern damit schon daran scheitert, dass sie keine Frauen zulassen in den meisten Systemen. Also das war für ihn so die Weiterentwicklung der Freimaurerei. Wir machen Freimaurerei plus Sexualmagie mit Frauen. Auch mit Frauen, nicht nur. Das klingt für die Zeit auf eine Art und Weise sehr ... feministisch diese Idee, dass man beide Geschlechter braucht, irgendwie als gleichwertig auch, um Magie zu praktizieren und es kein reiner Männerklub sein sollte von alten Sauberern. Aber auch der anderen Seite wird dadurch die Rolle der Frau wird zu
so Insbesondere dann der Partnerin im Ritual, den Scarlet Woman. Der wird so einer göttlichen Verkörperung. Aber diese Verkörperung ist eben Babylon, die heilige Hure, die im Liberale auftaucht als so ein Urbild entfesselter Weiblichkeit. Und die muss ein Scham los sein vor den Menschen. Es ist das Zitat lauter Ehebrecherisch, das Tier 666 reitend. kurz eben all das, was viktorianische Ideale von einer Frau nicht waren. Es ist so eine extremes Abwerfen aller seltschaftlichen Konventionen, aber natürlich auch wieder eine Festlegung. Also das ist natürlich auch die Rolle, die dann die Frau einzunehmen hat im Ritual.
Ja, vor allem die Frau Lee ihr auch zuschreibt in den Büchern, die er geschrieben hat. Genau, er konstruiert da halt quasi den Verein, dem er gerne vorstehen würde. Und es hat diesen Aspekt von sexueller Befreiung, der irgendwie mitschwingt. Auf der anderen Seite fühlt es sich ein bisschen an, als würden alle in Crawleys Fantasie leben.
Dieses Zwischending zwischen, wir erleben hier eigentlich so eine Proto -Hippie -Kommune, die auch so ein bisschen bei ... diesen Bewegungen, die mit den Wandervögeln und so besprochen hatten, die die ganzen Jesusgestalten, die dann im späten 19. Jahrhundert aufgetaucht sind, Vegetarismus gepredigt haben und in Sandalen durch Bayern gezogen sind, der Kohlrabi -Jesus zum Beispiel, über den wir geredet hatten, schon. Also diese vielen Reformbewegungen. Das ist so der Überbegriff dafür. Und da passen die irgendwie rein hier mit ihrem Ausbruch aus dem Leben im späten 19.
Jahrhundert und den kompletten Ablehn der Sozialkonvention und all dem, was quasi gelebt wurde und auf der Suche nach Alternativen. Aber es hat ja wieder auch immer so eine gewisse Zweischneidigkeit. Auf jeden Fall verschlägt es Crowley für die Zeit des ersten Weltkrieges nach New York, wo er eine wichtige Frau nach seiner gescheiterten Ehe kennenlernt, die ihn die ... als Scarlet Woman, als schalarote Frau und Partnerin in seiner sexualmagischen Phase begleiten wird. New York, 1918. Crowley, inzwischen 42 Jahre alt, hat den ersten Weltkrieg überwiegend in den USA verbracht.
Dazu gleich mehr. Hier begegnet er Anfang 1918 einer 35 -jährigen Schweizer -amerikanischen Lehrerin. Namens Lea Hersick. Die Szene ihres ersten Treffens hat Crowley plastisch beschrieben. Lea begleitet ihre Schwester zu einem Lunch mit Crowley. Als er Lea sieht, eine große, schlanke Frau mit burschikoser Figur und eindringlichen Augen, überkommt ihn sofort der Drang, sie zu küssen. Lea ist davon keineswegs pikiert. Im Gegenteil, sie erwidert den Kuss leidenschaftlich.
Die beiden sind augenblücklich von einer elektrisierenden Anziehung gepackt. Legas Schwester muss sie am Ende beinahe auseinanderziehen. Trolley glaubt, ein Zeichen zu erkennen. In seinem Lieberal stand doch, gehe mit der Scarlet Woman, das ist unerlässlich, so wirst du wahre Macht erlangen. Vielleicht denkt er, hat die im Aiwas nun diese Frau geschickt.
Crowley entkleidet Lea noch am selben Tag in seinem Appartement feierlich und zitiert dabei aus lieber all. Lass sie schamlos sein vor den Männern. Lea lässt es geschehen. Sie scheint wie geschaffen für diese Rolle. Bald darauf vollzieht Crowley ein Ritual, um sie offiziell als Scarlet Woman zu weinen. Lea erhält den magischen Namen Alostrael, die Affenfrau des ... Tod. Thought.
So beginnt eine der intensivsten und bizarrsten Liebes - und Arbeitsbeziehungen in Crowleys Leben. Ja, und diese Lea Hirsig lässt quasi ihr gesamtes Leben zurück, den Sohn aus einer früheren Ehe und den Job, also den Sohn hinterlässt sie bei den Verwandten, den Job kündigt sie und widmet sich danach absolut Crowleys Mission. Sie wird in den nächsten Jahren seine engste Vertraute, geliebte Priesterin und Mitdenkerin sein und steht quasi Tilema neben Crowley mit intellektuell und spirituell vor. Crowley nennt sie meinen Schatz und meinen Stab, malt Porträts von Lea und bleibt dabei aber eben auch Crowley. Sie versuchen ein magisches Kind zu erschaffen, nachdem sie gerade ihr tatsächliches echtes Kind zurückgelassen
hat. Weißt du, was ein magisches Kind ist? Ein Homunculus. Ja, quasi. Also sie versuchen tatsächlich ein Astralwesen zu schaffen, das aus den Riten geboren werden soll. Crowley schreibt dazu auch einen kurzen Essay de Homunculo, also über Homunculusse. Homunculi. Homunculi, danke. In dem er eben die Möglichkeit eines künstlich geschaffenen Bewusstseins durch Sexualmagie diskutiert. Ob das jetzt hier gelangen ist dahingestellt, das sagt er auch in seinem Essay nicht, aber er und Lea versuchen es eifrig. Sagen wir so. Das ist aber eigentlich nicht das Spannende, dass Crowley viel Sex hat in der Zeit des ersten Weltkrieges in den USA.
Viel spannender sind seine verwirrenden Propagandatätigkeiten für deutsch -freundliche Zeitungen, unter anderem mit dem Namen The Fatherland. Das Vaterland. In den USA der Kriegsjahre 1914 bis 1918 führen Crowley und Lea ein rastloses Leben. Crowley hält sich viel in New York auf, zeitweise in New Orleans und Florida. Offiziell gibt er sich als Schriftsteller, Journalist, manchmal gar als Exzentriker vom Dienst. Dabei hat er eine geheime Agenda, politische Propaganda. Ausgerechnet Crowley, der Brite, arbeitet während des ersten Weltkriegs als Autor für deutsch -freundliche Zeitungen in Amerika. Zum Beispiel schreibt er regelmäßig für George Sylvester 4X -Magazin The Fatherland, das die deutsche Sache in den USA
propagiert. Unter Pseudonymen oder als angeblicher irischer Freiheitskämpfer publiziert Crowley teils haarsträubende Artikel. Er vergleicht den deutschen Kaiser Wilhelm mit dem heiligen Parzival auf Grails Quest, während England als böser Drache erscheint. Oder er ruft humoristisch -terroristisch dazu auf, Britannien den Erdboden gleich zu machen.
Höhepunkt dieser theatralischen, anti -britischen Auftritte ist eine Inszenierung am 22. Juli 1915. Crowley besteibt in New York ein kleines Boot und fährt zur Freiheitsstatue hinaus. Dort, auf dem Liberty Island, erklärt er symbolisch Großbritanniens Herrschaft über Irland für beendet und zerreißt sein britisches Patent. Alles im Rahmen einer okkult angehauchten Messe, bei der er auch sein eigenes Blut mit ins Spiel bringt. Die New Yorker Presse hält es für eine bizarre Posse, aber in The Fatherland wird diese Aktion als heldenhafter Akt eines irischen Patrioten gefeiert. Crowley genießt die Rolle des Provokateurs in vollen Zügen. Und selbstverständlich bringt ihm das nach Kriegsende großen Ärger ein. In London wird
er halt als Vaterlandsverräter verschrieben nach Ende des Krieges. Aber wie so oft bei Crowley steckt da vielleicht mehr dahinter. Jahrzehnte später kommt ans Licht, dass Crowley nicht nur selbst behauptet, er habe die ganze Zeit als inoffizieller Agent im Dienste Großbritanniens gehandelt, sondern dass es dafür sogar einige Beweise gibt. Sein Ziel sei es nach Eigenaussage gewesen, die deutsche Propaganda durch maßlose Übertreibung zu sabotieren. Er sollte so seine Darstellung die Deutschen dazu bringen, sich selbst lächerlich zu machen und die Amerikaner gegen sie so aufzubringen durch dieses Überzogene.
In einem Brief fasste er seine Strategie folgendermaßen zusammen. Ich wurde vom Geheimdienst beschäftigt. Mein Hauptziel war, Amerika in den Krieg zu bringen. Meine Hauptmethode war, die Deutschen dazu zu bringen, sich wie die letzten Esel aufzuführen, indem ich ihre Schreckenstaten noch anfeuerte, bis selbst die Amerikaner die Nase voll hatten.
Ja, und dafür gibt es ein paar Belege. 1919, als er dann nach England zurückkehrt, droht ihm tatsächlich zuerst mal eine Untersuchung wegen Hochverrats. Doch ein wohlwollender britischer Admiral, Sir Guy Gond, schreibt an die Behörden, lasse Crowley in Ruhe, ich habe ihn vollständig unter Beobachtung und kenne die The Fatherland Geschichte. Also er entgeht einen Anklag und kann heimkehren. Dieser Sir Guy Gond war Marine Attaché in Washington während des Krieges und könnte also durchaus da irgendwas geheimdienstlich angeleitet oder danach wenigstens die Person gewesen sein, die offiziell die Hand drüber hält.
Aber das Stigma des Volksverräters war natürlich in der Presse weiterhin da und das ist ein Makel, der ihn ja zu einem noch schwerzeren Schaf macht, als er es sowieso schon war in deren Augen. Und jetzt, nach dem Krieg, geht's eigentlich jetzt richtig los. Nach dem Krieg steht Crony vor einem Neuanfang. Er ist 44 Jahre alt, gesundheitlich angeschlagen, er leidet seit seiner Jugend an schwerem Asthma, gegen Amorphium und Heroin nimmt und längst abhängig ist. und finanziell ruiniert.
Doch er hat einen kühnen Plan. Er will eine Kolonie oder Kommune gründen. Einen Rückzugsort, an dem er seine Lehre mit ausgewählten Schülern leben kann. Frei von den bürgerlichen Zwängen der Nachkriegszeit. Ganz im Geiste des Renaissance, Satirikans François Rabelais, der im Gargantua die fiktive Abbey de Telem mit dem Motto Ra, tu, was du willst, beschrieben hatte, will Crowdy nun eine reale Abbey of Thelma erschaffen. Das fand ich ganz spannend, dass das tatsächlich den Bezug zur ersten Utopie der französischen Literatur hat.
Wir haben ja schon mal über Utopien ein bisschen geredet vor anderthalb Jahren oder so im Podcast. Kennst du Francois Rabelais? Mehr war's, aber gedesen hab ich noch nicht. Er hat Gargantua und Pantacool geschrieben. Und das ist so ein Klassiker aus dem 16. Jahrhundert, glaub ich, aus dem Französischen, wo es eben um so einen Riesen geht. Und was, so eine satirische, was könnte das deutsche Äquivalent dazu sein? Hier, die Till -Eulenspiegel -Sachen aus der frühen Neuzeit oder so, keine Ahnung. Also ein bisschen vom Stil her ... Oder nicht Till Eulenspiegel?
Wen gab's denn da noch? Was ein preisigerer Krieg. Irgendwas, was sich halt gut verkauft hat und damals so eine Bestseller wurde. Da gab's mehrere Nachfolger. Und da drin wird aber unter anderem eben auch dieses Kloster von Telemar genannt. Und Telemar, Telem leidet sich eben hier auch vom griechischen Telemar ab, das im Neuen Testament den göttlichen Willen bezeichnet. Ja, manchmal auch ein Aspekt vom menschlichen Willen, in der es sich unüberlegt manifestiert. Und in dem Rahmen hat es damals eben Rabeleer eingebaut und verwendet in seiner Satire. Und Crowley hatte die auf jeden Fall gelesen und bezieht sich ja mit seiner gesamten Religion auf diesen Willen, diesen Neu -Testamentlichen, und macht jetzt quasi ernst, was da der Satiriker
Jahrhunderte vorher sich so überlegt hatte. Die Kommune des Tu -Was -So -Willst wird gegründet. Gemeinsam natürlich mit seinem Scarlet Woman und mit anderen Mitstreitern. Gemeinsam mit Lea Hirsik und einer zweiten Frau, Ninette Shumway, die sich eben angeschlossen hat, begebt sich Crowley 1920 auf die Suche nach dem idealen Ort.
Shumway ist eine Französin mit kleinem Kind, die Lea auf der Überfahrt nach Europa kennengelernt hat. Wie es der Zufall will, haben Lea und Ninette beide gerade je ein Kleinkind. Leas Tochter heißt Anne, Poupée, französisch für Puppe. Ninette hat einen kleinen Sohn namens Howard. Diese Patchwork Familie plus Meister Crowley lässt sich schließlich im Frühjahr 1920 auf Sizilien nieder, in dem abgelegenen Küstendorf Kefalou. Für wenig Geld mieten sie eine einfache, weißgetünchte Villa namens Via Santa Barbara. Hier am 2. April 1920 ruft Crowley offiziell die Abbey of Philema aus.
Ja, und hier haben wir eben diesen spannenden Versuch eine magische Lebensgemeinschaft zu etablieren. 1920, nach dem ersten Weltkrieg. Die drei hauchen dann dem Landhaus ihren eigenen Geist ein, gleiden sich in bunte Roben oder laufen halbnackt oder ganznackt herum, je nach Laune. Jeden Tag bei Sonnenaufgang, Mittag - und Sonnenuntergang und Mitternacht führen sie Rituale zu Ehren des Sonnengottes Ra durch. Der lieber Reschritus wird streng eingehalten.
Und gelegentlich zelebriert Crowley auch eine gnostische Messe, eine von ihm geschriebene Opulent Rituelle Zeremonie, die Elemente der katholischen Messe parodiert und sexualmystische Symbole enthält. Das ist das, was ich gemeint habe, wo es dann eben sehr viel darum geht, das, was in der christlichen Messe praktiziert wird, vor allem der katholischen, eben genauso aber ganz anders zu machen. Ansonsten jedoch gilt in der Abtei weitgehendes Prinzip, tu was du willst, jeder soll seinem eigenen Willen nachgehen dürfen. Crowley ist kein strenger Abt, sondern eher so ein inspirierender, ständig troffer, gelegentlich spanischer Lehrer und schreibt in dieser Idylle eben Kommentare zum Buch des Gesetzes
und arbeitet an seinem Manuskript über Magic mit CK. Gleichzeitig gibt es sich der Malerei hin. Es wird große, bunte Fresken werden, überall an die Wände gemalt, teils erotisch, teils dämonisch. Das wurde später sehr beeindruckend. Ich habe Bilder gefunden von der heutigen, da sind keine Malerei mehr zu sehen, das alles ist sehr zerfallen.
Also wenn ihr da mal hin pilgern wollt und aktuell Bilder machen, tut das sehr gerne. Ich würde mich freuen, zu sehen, wie es aktuell 2025 dort aussieht. Es gibt ja eben auch die Kinder, von denen wir eben schon gehört haben. Da wird generell alles sehr anti -autoritär gehalten in der Erziehung. Auch da wieder was, was sich sehr an die 60er Jahre und die 70er Jahre erinnert. Also teilen können eigentlich machen, was sie wollen. rennen den ganzen Tag nackt durch den Garten, spielen mit irgendwelchen Ziegen und sehen aber halt auch die sexuellen Riten der Erwachsenen. Also wir haben ja auf jeden Fall diese sehr transgressive Vorstellung, dass das jetzt nicht vor den Kindern geheim gehalten wird. Es stimmt jetzt ein bisschen
so nach hippiehafter Kommune -Romantik, aber vor 100 Jahren war das natürlich ein Stück weit skandalöser. Zum dem Zeitpunkt waren aber noch keine Reporter anwesend und die kleine Gemeinschaft konnte da eigentlich ungestört machen, was sie wollten. Allerdings gab es, wie in jeder Hippie Kommune, auch weniger idyllische Seiten. Nämlich, es fehlt halt generell an Hygiene und Ordnung.
Das schlägt halt dann doch schnell. Ich habe schon mal ein paar Hippie -Kommunen besucht in meinem Leben. Es war jetzt nie besonders sauber. Es war immer nett, aber nie besonders hygienisch. Liebe Grüße an alle Hippie -Kommunen, die ich bis jetzt besucht habe in meinem Leben. Und das ist eben auch ... Das Problem ist, dass dort keiner so richtig Bock hat zwischen den ganzen Messen und ritualen Führer, sich um so profane Sachen wie Putzen konsequent zu kümmern. Es gibt wilde Hunde und Katzen, die durch die Räume streuen.
Kinder und Erwachsene lassen ihren Müll und Unrat, wie man so schon sagt, einfach überall liegen. Und dadurch gleicht die Abtei eben sehr schnell eher in einem verwahrlosen Hof als irgendeinem spirituellen Zentrum. Crowley's Drogenabhängigkeit wird in der Zeit und auch in dieser Umgebung zunehmend schlimmer. Und die war schon recht gut. Ein Arzt hatte ihm ein paar Jahre davor Heroin als Asthmamittel verschrieben und nun dominiert die Sucht zunehmend sein Leben. Heroin ja auch eine Erfindung, quasi eine Mordedroge, die in dieser Zeit dann erst entwickelt wurde von Bayer. Das war da auch die Erfindung. Methamphetamin, Heroin, haben alles wir in die Welt gesetzt.
Vielen Dank. Und zu dem Zeitpunkt injiziert er sich täglich an Heroin. Und wenn es knapp wird, schnupft der Kokain so viel, dass seine Straßenscheidewand zu zerfallen beginnt. Mit glasigen Augen doziert er dann tagsüber Magie, über Magie. Nachts ringt er nach Atem mit seinen Asthmaanfällen und nach dem nächsten Schuss. Lea ist eine Schwester im Suff, wie er sie liebevoll nennt, da sie auch gerne Drogen nimmt, versucht ihm irgendwie beizustehen, aber ist natürlich auch eher, hat eher den gegenteiligen Effekt, weil sie natürlich auch Jetzt, wenn nichts abhält, sagen wir so. In seinem Tagebuch aus der Zeit notiert er trotzdem, ich bin vollkommen glücklich. Das ist jetzt meine Vorstellung vom Himmel. Das hat er wahrscheinlich gerade nach
dem Heroinenschuss gesagt. Vermutlich. Aber da haben wir eben diese Abtei, dieses Experiment, dieser Versuch der spirituellen Freiheit. Es ist auch ganz lustig, dass es an sich die gleiche Entwicklung durchmacht wie der Summer of Love auch. Großer Summer of Love und alles endet mit ... dem ersten Herointoten und Messerstechereien der ersten Reihe vom Konzert der Rolling Stones, die gerade frisch erfolgreich werden. Und die Hells Angels haben die erste Messerstecherei ihrer Geschichte um Heroin in der ersten Reihe.
Und damit war das Summer of Love dann auch relativ schnell wieder beendet und wurde zum Jahrzehnt der Kokain - und Opiate -Abhängigkeiten. Und so ähnlich ist es ja auch bei Crowley hier. Der ist ja schon ganz schön am Abstürzen. Und auch dieses unkontrollierte Leben, wo er hier so glücklich ist, bringt ihn um, denke ich. Es ist wie so ein Student, der nicht nach Berlin hätte kommen sollen zum Studieren. Und grundsätzlich ist das total lieb. Und trotz all dieser Menge, den Hunden ... den Drogen, den Hygieneproblem. Trotz all dem strahlt die Abi in eine gewisse Anziehungskraft auf Suchende in dieser Zeit aus. Und schon im Sommer 1920 stößt die erste Schülerin dazu, die Hollywood -Stummfilm -Schauspielerin Jane Wolfe,
die in die Abtei kommt als spirituell. Rückzugsort. Es war wahrscheinlich eine kurze Zeit, um sich zurückzuziehen als Sturmfilm -Schauspielerin, wenn der Sturmfilm seinem Ende zugeht. Heute nennt man sowas einfach Retreat. Retreat. Sie wird an Crowley's Sekretärin und hält in Briefen fest, was sie dort erlebt. Weitere aspiranten Folgen der australischen Theosoph Frank Bennett verbringt einige Monate dort und lässt sich in die Feinheiten der Magie einweihen. Ein junger amerikanischer Okkultist Cesar Frederick Russell.
kommt ebenfalls, gerät aber bei dem Konflikt mit Crowley. Insbesondere missfällt ihm Crowleys Forderung auch homosexuelle Sexualmagie auszuprobieren. Was Russell moralisch wie psychologisch überfordert. Nach hitzigen Streitereien verlässt Russell die Abtei wieder. Doch die meisten Schüler bleiben ganz beeindruckt von Crowleys Charisma und gehorchen seinen teils bizarren Anweisungen und wie bizarr diese Anweisungen seiner Schule mitunter waren, zeigt die Schule wer Schläge. Ja, in der Abtei entwickelt Crowley manche Rituale zu voller Blüte.
Hier führt er zum Beispiel aus, was er die Schule der Schläge nennt. Jedes Mal, wenn jemand versehentlich das Wort Ich sagt, Was im Sinne der Egoüberwindung verpönt ist, muss er oder sie sich selbst mit dem Rasiermesser einen kleinen Schnitt zufügen, zur Bewusstwerdung der Egoanhaftung. Selbst die Kinder sollen das lernen. Es klingt grausam und bizarr, doch Crowley hält solche drastischen Methoden für nötig, um das Ego zu zerstören und wahre spirituelle Freiheit zu erlangen. Seine Schüler ertragen viel, um ihm zu gefallen. Ja, da wird's eben jetzt sehr sektenhaft und geht in den Bereich der eindeutigen Kindesmisshandlung, wenn das tatsächlich auch mit den Kindern gemacht wurde. Und es war davor auch schon Teil von so
Konzentrationsübungen, die im AA, im DQNUX publiziert wurden, wo es darum ging, sich jedes Mal, wenn man in den gewissen Gedanken, die man vermeiden wollte oder so eben das Ich oder so hat, ausspricht, dass man dann sich eben in den Unterarm schneidet und dann Bilder davon gemacht wurden und in die magischen Tagebücher mit eingeklebt wurden, um zu dokumentieren, wie man da Fortschritte gemacht hat bei dieser Übung. Dieser Wille, das Ego zu zerstören, das glaube ich nicht mit dem Rasiermesser an dem Unterarm irgendwie erreichbar. nicht so wie Crowley es sich vorgestellt hat. Schicksalsschläge bleiben in diesem Umfeld natürlich nicht aus.
Im Oktober 1920 stirbt Crowley und Leas geliebte kleine Puppe mit gerade zwei Jahren einer Darmererkrankung. Und ich muss jetzt wirklich sagen, dieser Mann hat so viele Kinder verloren, weil er die in den ersten zwei Jahren oder drei Jahren ihres Lebens an extrem problematische Orte für Dreijährige gebracht hat, Wenn das vermeidbar gewesen wäre.
Weißt du, das waren Hygiene -Vorpass, die hätten vermieden werden können. Und stattdessen ... Wie viele Töchter müssen sterben, bevor du merkst, dass das hygienisch nicht optimal ist? Wie viele Kinder müssen an Darmeekrankungen sterben? Ja. Und die hygienischen Verhältnisse und die Hitze in Sizilien waren eben ... sowieso schon riskant für die Kinder. Und dann die Zustände konkret in dieser Appei doppelt. Und gleichzeitig gibt es aber auch Kinder, die dort geboren werden.
Also Ninetshamwe bringt dann noch eine Tochter zur Welt. Irgendwie ein paar Wochen nach dem Tod von Puppe. Und erst das Pass an die Hygiene. Problem zu ändern, liest Crowley aus diesen Ereignissen eben okkulte Bedeutung. In Leas Tagebuch meint er negative Gedanken und eifersucht, sich Eifersucht zu finden, die Puppe ist totmagisch verursacht hätten. Also er liest das Tagebuch von Lea und er hält es dann für eine gute Idee der trauenden Mutter zu sagen, dass wahrscheinlich ihre Schuld war, weil sie war eifersichtig. Und er hatte negative Gedanken und dann ist natürlich unsere Tochter dort reingestauben. Crowley selber beginnt dann auch nicht mehr zu misstrauen, und hält sie, also der anderen Frau, und hält sie dann
sogar für eine unheilvolle Hexe, die den Tod in die Abtei gebracht hätte. Und da sehen wir schon, dass die Harmonie ganz schön Risse bekommt nach dem ersten Jahr. Im Februar 1922 reist Crowley nach Frankreich, um einen Entzugsversuch zu starten. Er verbringt Wochen isoliert in Fontainebleau bei Paris, um sich von Heroin zu kurieren. Erfolglos.
Ohne das Gift geht es nicht. Er steht schließlich ein, geht nach London zurück und veröffentlicht dort seinen ersten Roman. Er verarbeitet da autobiografisch seine Sucht mit dem etwas schönfärberischen Ende, dass er Protagonist durch Willenskraft und Magie am Endsitz Drogen überwindet. In Wahrheit schafft Crowley das nie. Bis zum Ende seines Lebens.
Und er kehrt auch als abhängiger Mann nach Kefalu zurück. Aber eben mit neuer Entschlossenheit die Abtei jetzt weltberühmt zu machen. Und das wird sie, Jonas, nur nicht so wie er wollte. Die wohl dunkelste Episode der Abbey of Philema beginnt im Herbst 1922. Ein junges englisches Paar, Raoul Loveday, 23, und seine Ehefrau Betty May, kommen nach Kefalu. Loveday ist begeistert von Crowley. Er verehrt ihn wie einen Propheten.
Betty jedoch hasst Crowley vom ersten Moment an. Sie empfindet ekel vor dem Schmutz, den Ritualen, den angeblichen Ausschweifungen. Love Day hingegen folgt Crowley's Regeln aufs Wort. Er trinkt etwa strikt nur vom Bergbrunnen oberhalb der Abtei, weil Crowley das Wasser der tieferen Quellen für verschmutzt erklärt hat. Er fastet, meditiert, vollzieht skurrile Aufgaben, etwa die erwähnten Rasiermesserschnitte, wann immer ihm ein Ich herausrutscht. Jolie findet Gefallen an Lovedays hingebungsvollem Eifer, doch Loveday übertreibt es in Bettys Augen mit dem blinden Gehorsam.
Eines Tages im frühen Februar 1923 kommt es zu einem ominösen Ritual mit einer Katze. Die Details sind widersprüchlich überliefert, hauptsächlich aus Betty Mays späteren Erzählungen. Angeblich opfert Crowley eine Katze in einem magischen Experiment und Loveday soll, der Legende nach, das Blut dieses Tieres getrunken haben. Ob dies tatsächlich Beschar oder eine Übertreibung ist, bleibt ungewiss. Fest steht Raoul Loveday erkrankt kurz darauf schwer. Höchstwahrscheinlich liegt es an einer Leberinfektion, verursacht durch verunreinigtes Wasser, das Loveday aus einem Bach getrunken hatte. Er bekommt hohes Fieber.
Crowley versucht mit okkulten Mitteln zu helfen, aber Loftays Zustand verschlechtert sich rapide. Am 16. Februar 1923 stirbt Raoul Loftay in der Abtei. Das Crowley generell die Katzige opfert, halte ich schon für sehr glaubwürdig. Er hat in seinen eigenen Schriften ja auch für diese kanostische Messe zum Beispiel für die Herstellung von den Obladen. Die sollen mit Blut hergestellt werden. Und ich glaube, die Auflistung, wenn ich jetzt aus dem Gedanken richtig hinbekommen ist, am besten ist es Blut eines Feindes, dann das eigene Blut, dann Periodenblut, dann das allerletzte, also das niedrigste Blut eines Biestes, eines Tieres, egal welches quasi. Und von daher ist die Vorstellung, dass er jetzt irgendwas
mit Katzenblut hier gemacht hat, nicht so unerwartet für mich oder nicht so unglaubwürdig. dass es wahrscheinlich nicht so gesund ist, Katzenblut rot zu trinken und generell, ja, da die, ja, also nicht nur die Kinder sind gestorben an dem dreckigen Wasser dort, sondern eben auch Erwachsene, wie Raoul. Eddie May ist natürlich nachvollziehbarerweise voller Trauer und Zorn und gibt Crowley die Schuld auch am Tod ihres Mannes. Er hat ihn umgebracht, wird sich dann später in der Presse berichten, allzu gut nach London. Und sagt eben in London direkt beim berüchtigten Boulevard, Titel der Boulevard -Zeitschrift John Bull, die eben für seine reißerischen Enthüllungen bekannt ist, für ihre reißerischen Enthüllungen bekannt ist,
und erzählt dort diese Geschichte. Und sagt auch er, er hat gesagt, ich soll verrecken gehen. Und was dann folgt, ist eine Pressekampagne, die Crowley über Nacht zur internationalen Schreckensfigur macht. John Bull war so ein bisschen die Bildzeitung der 20er Jahre in London. Im Mai 1923 erscheinen Schlagzeile um Schlagzeile. Der schlimmste Mann der Welt, John Bull, Alistair Crowley. Ein Mann, den wir hängen möchten, sekundiert das Blatt, als wäre Crowley ein gemeingefährlicher Verbrecher.
Betty Mays Inside Story liefert all die Zutaten, die die sensationshungrigen Leser lieben. Sexorgien, Drogenrituale, blutige Opfer von Tieren, Kinder in Gefahr und Crowley als teuflischer Herrscher mit Peitsche. Tatsächlich wirft sie Crowley Dinge vor, die teils völlig erfunden sind, teils übertrieben.
Aber wer konnte das überprüfen? Crowley selbst ist zu arm, um gegen die Verleumdung zu klagen. Er ließ machtlos wie die Zeitung ihn zur scheußlichsten Bestie stilisieren. Deswegen muss er das ja auch genossen haben. Er wollte ja die ganze Zeit das Beast sein. Und jetzt wird er zum Beast, auch für die Ausländer. Er ist nicht mehr nur Vaterlandsverräter, sondern der schrecklichste Mensch der Welt quasi.
Auf einmal für die englische Presse. und sein Identifikationssymbol, die 666 und so weiter. Er wird jetzt eben hier auch zu einer Art erste Panic zum Satanisten erklärt. Er ist auch nicht ganz, wie gesagt, nicht ganz unerwartet, dass es passieren würde, später nach all den Schriften von ihm. Der Effekt lässt nicht auf sich warten.
In Europa und Amerika machen sich die Schlagzeilen die Runde. Aus dem obskuren Okkultisten wird über Nacht der Inbegriff des dunklen Magiers. Empirikisten -Vereinigungen fordern, dem Irren das Handwerk zu legen und auf die Behörden reagieren. Insbesondere die neue faschistische Regierung Italiens unter... Auch mal wieder jemand, der uns wiederbegrüßen aus dem Podcast Benito Mussolini, kann negative Publicity nicht leiten. Sobald Rom von den Vorgängen in Cefalu Wind bekommt, wird gehandelt. Im April 1923 erhält Crowley eine Ausweisungsverfügung. Man wirft ihn kurzerhand aus Italien raus. Als Polizisten in der Abtei erscheinen, muss Crowley sein Paradies räumen.
Ohne große Diskussion. Der Dutsche duldet keine Teufelsglöster. Die Abbe von Telema schließt damit nach nur drei Jahren für immer ihre Tore und Crowley und die verbleibenden Gefolgsleute packen ihre Parapsälichkeiten und verlassen Sizilien. Zurück bleibt ein verfallenes Haus mit obszönen Wandbildern. Ein Ort, der noch Jahrzehnte danach Reisende angezogen hat. Wie gesagt, ich glaube, es ist komplett verfallen mittlerweile. Crowley selbst steht wieder vor den Nichts. Die Presse hat ihn erledigt, seine Kommune ist zerstört und seine treuesten Anhänger sind tot, wie Loveday, oder mit ihm komplett am Ende. Lea Hirsik hat all das mit ansehen müssen, den Tod ihres gemeinsamen Babys, den Todesfall Loveday, Crowleys öffentliche
Demontage. Nach der Ausweisung gehen Crowley und Lea ins Exil nach Tunis in Nordafrika. Dort versucht Crowley dann 1923 erneut einen Drogenentzug und beginnt an seinen Memoiren zu schreiben, mit Lea an seiner Seite als Krankenschwester und tatsächlich der Person, die es verschriftlich hat, der er diktiert hat. Da zeigt sich, dass auch ihre Beziehung, kein Wunder, unter all dem, was geschehen ist, gelitten hat. In Tunis verbringt Crowley Ende 1923 viele Wochen in einem prekären Zustand. Körperlich ist er ausgelaugt, heroinabhängig.
und von Tropenkrankheiten geschwächt. Geistig hingegen ist er so aktiv wie eh und je. Er nennt seine Autobiografie trotzig eine Auto -H -Geografie, eine heiligen Vita von sich selbst, und beginnt sie als The Confessions of Alastor Crowley zu verfassen. Claire Hursick unterstützt ihn zunächst aufopferungsvoll. Doch bald ziehen Wolken auf am Horizont ihrer Beziehung. In Tunis scharrt Crowley neue Bewunderer um sich. darunter den englischen Telemiten Norman Mudd und später eine junge Amerikanerin namens Dorothy Olson. Lea spürt, dass Crowley's Aufmerksamkeit und Zuneigung nicht mehr allein ihr gehören. Sie hatte so vieles ertragen, um Crowleys Werk zu dienen, doch nun wächst in ihr bittere Eifersucht. Anfang 1924
entfremden sich Lea und Crowley zunehmend. Er hat Dorothy Olson die er jetzt Astrid nennt, zum neuen Geliebten erhoben und plant sogar mit Dorothy eine Zeit lang ohne Lea in die Wüste zu gehen, um magisch zu arbeiten. Lea ist verzweifelt. Sie, die sich als Scarlet Woman sah, spürt, dass ihr Status zerfällt. In einem Brief im Sommer 1924 zieht sie schließlich die Konsequenz. Ich verzichte hiermit auf den Titel der Scarlet Woman und gebe ihn weiter an die scharlachrote Konkubine seiner Begierde, die Tochter Barbalons. Mit diesem dramatischen Satz entthont Lea sich selbst und erkennt Dorothy als neue Scarlet Woman an. Doch in Wahrheit ist dies ihr Abschied von Crowley.
Ihr Herz ist gebrochen. Sie trennt sich von dem Mann, dem sie ihre Seele verschrieben hatte. Dann Krolli reagiert wie üblich mit nicht besonders viel Verständnis. Nachdem Lea gegangen ist, schreibt er in sein Tagebuch bittere Worte über sie und verflucht sie gewisserweise magisch. Er entweilt sogar feierlich eine einst heilige Schrifttafel, die er Lea gewidmet hatte. Lea versucht ihr Leben wiederzubeleben, sie geht so später in die Schweiz, führt ein einfaches Dasein als Sprachlehrerin und vollbringt das Kunststück doch noch alt zu werden und stirbt erst 1975 als Über -90 -Jährige.
Crowley jedoch muss ohne sie weitermachen. 1924, mittlerweile wieder in Paris, ruft er dann offiziell Sein neues Scarlet Woman aus, doch innerlich fühlt er sich zunehmend leer. In einem der seltenen Momente der Ehrlichkeit gesteht er sich gegenüber Norman Mudd eine furchtbare Frage ein, die laut ausspricht. Habe ich jemals irgendetwas von Wert getan, oder bin ich nur ein Schwätzer, der von einem Trick zum nächsten lebt? Ein Nichts nutzt ein Feigling, ein Strohmann. Und diese erschütternden Selbstzweifel kommen von einem Mann, der sich gleichzeitig eben für den Propheten der ganzen neuen Ära hält, der es heiligen Wieten über sich selber schreibt. Und das zeigt eben diese tiefen Drisse in Crowley's Seele, wie er gerne von außen
wahrgenommen werden würde und wie er selber schon an sich und seinem Werk zweifelt. Ja, und Mats, der eben überzeugter Telemit ist. lässt das jetzt nicht stehen und erinnert Crowley stattdessen an sein eigenes Gesetz. Du hast kein Recht außer dein Wille, tue ihn und kein anderer soll Nein sagen dürfen. Also Zitat aus dem Liberall. Und daraus schöpft er dann tatsächlich wieder Kraft, denn Noch ist er nicht bereit, sich schlagen zu geben. Die Geschichte von ihm endet noch nicht, obwohl es gute Gründe gäbe, jetzt irgendwann nach all dem, was er gelebt hat, nach den vielen Leben, die er gelebt hat, den vielen Vereinen, aus denen er geworfen wurde, und Ländern, aus denen er geworfen wurde, jetzt irgendwann ein
bisschen ruhiger und kürzer zu treten. Aber das ist nicht Crawleys Stil. Er hat bis jetzt in den 20ern unglaublich viel erlebt. Er hat Orden gegründet und zerbrochen. Gipfelerklommen, Abstürze erlebt, sowohl physisch am Berg und moralisch im Leben, hat Bücher geschrieben, die die Leute die nächsten Jahrzehnte inspirieren werden, sehr viel Heroin genommen und andere Drogen und Leute mit sich in den Abgrund gezogen. Seine Töchter waren ganz abgesehen und seine Beziehungen, die er immer wieder so führt. Und jetzt in den 30er Jahren wird er seinen Weg fortsetzen. wird nach Berlin gehen, bevor er nach London zurückkehrt, neue Schüler finden und wieder verlieren und wird dann bis zu seinem Tod 1947 nie auf dem
Telemark zu predigen. Aber dazu mehr. In der nächsten Folge werden wir auch ganz konkret darüber reden, was Crowley jetzt im zweiten Weltkrieg so gemacht hat. Da gibt es auch eine sehr spannende Debatte drüber. Und wir ... haben vor allem die Freude, Crowley in Berlin uns noch ein bisschen genauer anzugucken, weil er natürlich bei der gesamten Avantgarde der 30er Jahre auch Kontakt hatte, hier in der Stadt. Ja, das wird spannend.
Was hältst du denn bis hierhin von unserer kleinen Reise durch sein Leben, Jonas? Ja, wird es schon ein bisschen dunkler. seine Beziehung zu Frauen, das ist gerade auch mit dieser Hippie -Bewegung, die daraus entstanden ist. So diese sexuelle Befreiung. Aber das war es ja auch nicht wirklich. Zumindest nicht für die Frau. Ja, und für ihn ja irgendwie auch nicht so wünschlich. Ja, dauerhaft.
Das ist ja auch das, was hier ... So richtig erfolgreich scheint die Sexualmagie nicht gewesen zu sein, so hätten sie ja die Abtei nicht zugemacht, oder? Ich mein ... Der stärkste magische Zauberspruch war, eine skandalöse Geschichte der Regenbogenpresse zu erzählen. Das ist der größte Fluch, den du auf das Leben von jemandem werfen kannst. Und genau das hat ihn auch nicht getroffen. Im nächsten Teil wird er versuchen, sich in sein Image wieder reinzuklagen vor Gerichten. Und wird dabei sehr bloß gestellt werden im fünften Teil. Aber ja.
Er hat das Ganze schon noch ein bisschen heraufbeschworen. Man kann bestimmt viele Bücher über rituelle Magie und Blutopfer publizieren, bis irgendjemand ein Foto aus dem Hart Blutopfer verbracht. Das ist das klassische Problem des mittelalterlichen Gelehrten. Ja, ich hänge immer noch ein bisschen an diese Beziehung von ihm und Lea. Weil letztendlich war sie für ihn dann wieder die Hure Babylon's Krankenschwester später und Schreiberin. Er hat sie sehr geschätzt, aber ich weiß nicht. Sie wird trotzdem auf diese typischen weiblichen Rollen reduziert. Keine Ahnung. Selbst in der Befreiung, das ist ja immer so ein bisschen das Problem. Wenn die Befreiung quasi nur das Unkehren des Bestehenden ist und gesagt hat, wir machen
das genaue Gegenteil davon, da bist du ja immer noch in diesem Konstrukt und da bist du immer noch in dem Gefangen. Nur das genaue Gegenteil von dem machst, was du ablehnst, bist du immer noch in diesen Virolismus gefangen. Und das finde ich auch das, was mich an der Gnostischen Messe und solchen Sachen irgendwie stört, dass ich so den Eindruck habe, geht es denn nur darum, quasi die Kirche zu provozieren, weil man genau das macht andersrum. Ist das die Befreiung, die notwendig ist, oder die einen wirklich weiterbringt, oder ist das ein bisschen petty? Aber schreibt gerne mal drunter, wie auch wenn eine zirkanostrische Messe so lief, euch im Keller, an alle Telemieten, die uns hier hören. Wir haben ja einige in der
Hörerschaft, erstaunlich viele. Wenn wir da was ganz Wichtiges übersehen, sagt uns gerne Bescheid. Was ich bei den Telemiten, wenn ich über Glaubensgrundsätze und sowas recherchiert habe, jetzt immer wieder gesehen habe, ist, dass eigentlich immer quasi das sehr groß gemacht wird, was gesagt wird, wir legen die Schriften von Crowley nicht für euch aus oder ich sage nicht, was das für mich bedeutet, zwingend dieser Satz, aber jeder hat quasi seine persönliche Beziehung zu dem Heiligen Text und es gibt keine offizielle Theologie, wie das auszulegen ist. Und das ist natürlich auf der einen Seite genau das. natürlich eine einfache Art sich zu verteidigen und zu sagen, wir haben kein Dogma. Jeder kann da führen, was
er will, wenn er das liest. Auf der anderen Seite ist erfrischend, eine Religion zu haben, die versucht, auf diese theologische Richtschnur eindeutig zu verzichten. Vielen Dank, dass ihr uns zugehört habt. Nächste Woche oder in zwei Wochen dann wahrscheinlich der letzte Teil zu Crowley Teil 5. Wenn ihr unsere Arbeit hier unterstützen wollt, die wir im Podcast machen oder uns einfach nur werbefrei hören zum Beispiel, dann kommt auf patreon .com patreon .com slash allezeitderwelt.
Ich mach den Link auch immer in die Beschreibung zu den Folgen. Da könnt ihr die Folgen ein bisschen früher hören, bekommt sie werbefreie, ab und zu extra Content und Hintergrundinformation zum Podcast. Und vor allem könnt ihr uns damit unterstützen, ab dem gegen, also ab drei Euro im Monat, glaube ich. Ab und zu gibt es Bonusfolgen auch, die da kommen. Und ihr könnt euch in eine Liste eintragen lassen, als unsere Produzentinnen und Produzenten, damit wir uns am Ende der Folgen, so wie jetzt, bei euch bedanken. Vielen lieben Dank an den cooleren Herr Fischer vom Ardennes Gymnasium.
Fanny Dietrich, Freier Stuart, Onkel Didi, Katharina, Fernando, Brigitte, Petrusilius Zwakelmann, Miauzetung, Spinoza369, Sylvie, Die Schmaus und Tamaroor. Neu dabei. Vielen Dank Tamaroor. Und wir freuen uns über alle, die neu dazukommen und uns auch unterstützen. Ihr könnt auch auf YouTube eine Premiummitgliedschaft machen. Das funktioniert genauso. Ansonsten, wenn ihr gerade kein Geld über habt und uns trotzdem unterstützen wollt, dann empfehlt uns gerne weiter an alle Leute, die sich über solche Themen freuen würden, die auch ein bisschen tiefer in echte Magie, Esoterikgeschichte, Ideengeschichte allgemein einsteigen wollen.
Ja, empfehlt uns gerne weiter. Schreibt uns ein Kommentar, lasst uns eine gute Bewertung da. Das hilft uns auch sehr, sehr viel weiter. Das brauchen wir unbedingt. Wir brauchen noch ein paar 5 -Sterne -Bewertungen auf Spotify und ein paar... Abonnenten bei YouTube. Ja, genau. So viel dazu. Ich denke, wir haben alles erwähnt.
Ich denke auch. Bis nächste Woche. Bis nächstes Mal, oder? Bis zum nächsten Mal. Teil 5. Abrakadabra. Abrakadabra. Macht's gut.