Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 128

Der junge Aleister Crowley: Schach, Sünde & die Sehnsucht nach Magie

Freitag, 12. September 2025 · 1 h 07

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Shownotes

Entdecke die frühen Jahre von Aleister Crowley: Von seiner Kindheit im viktorianischen England, geprägt von einer streng religiösen Familie, über Rebellion, Internatstraumata und erste poetische Experimente bis hin zu Schach, Bergsteigen und den ersten Begegnungen mit dem Okkulten. Unser Auftakt zur Biografie des „bösesten Mannes der Welt“.
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Quellen & Literatur:
• Perdurabo: The Life of Aleister Crowley by Richard Kaczynski
• Aleister Crowley: The Confessions of Aleister Crowley (Autobiographie)
• Aleister Crowley: Liber AL vel Legis (The Book of the Law) sacred-texts.com/oto/engccxx.htm
• Aleister Crowley: „Hymn to Pan“ hermetic.com/crowley/book-4/hymn

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Der Schauer im geschmeidigen Lustlicht, O Mann, mein Mann, Stürme her aus der Nacht des Pan, Iopan, Iopan, Iopan, Komm über das Meer aus Sizilien und Akkadien, Als Bacchus umher mit Faunen und Leoparden, Mit Nymphen und Satüren als Deiner Wache, Auf milchweißem Esel, komm über das Meer zu mir, zu mir. Komm mit Apollo im Brautgewand, komm mit Artemis seitenbeschut und wasch den weißen Schenkel schöner Gott im Mond der Wälder auf dem Marmorfels. Das war Hymn zu Pan von Alastair Crowley. Ja, herzlich willkommen zurück zu einer neuen Folge von Allerzeit der Welt. Heute wieder mit mir, Johannes und Jonas. Schöner euch zu...

Schön, dass du das jetzt zuhörst. So rum. Schön, euch wieder bei uns zu haben. Magie ist die Kunst, Veränderungen im Einklang mit dem eigenen Willen hervorzubringen, schrieb Alistair Crowley einmal. Abenteurer, Dichter, Okultist. Für die einen ein Genie, für die anderen ein Charlatan und für viele ganz objektiv betrachtet der berüchtigste Magier des 20. Jahrhunderts. Und wenn man heute den Namen Alistair Crowley hört, denkt man an viele Dinge. Es gibt Artikel über ihn, die ihn den bösesten Mann der Welt nennen, noch die noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden in den 1920er Jahren. An das große Tier 666, das er selbst als ironisches Wappentier wählte. Ein Menschen, der in der Okulten Szene des frühen

20. Jahrhunderts wie ein Komet einschlug und alles verändert hat für den Okultismus. Und Alisa Crowley ist ein bisschen für die magische Subkultur in Europa und Nordamerika das, was Nietzsche für die Philosophie oder Freud für die Psychologie war. So ein Zerstörer alter Gewissheiten und zugleich ein Bringer neuer radikaler Wahrheiten.

Crowley hat ja die Religion gegründet, die Telema heißt. oder seine Lehren in dieser Religion zusammengefasst. Das bedeutet der wahre Willen. Und hat seitdem auf jeden Fall auch die Leute sehr gespalten. Die Meinungen über ihn gehen in die Extreme, egal wen man fragt. Und wir kennen Crowley wahrscheinlich unbewusst vor allem aus der Gegenkultur der 1960er Jahre. Oder Jonas, wie geht es dir da? Ja, also ich musste ... tatsächlich an das Cover von den Beatles denken, wo viele dieser Persönlichkeiten aus der Zeit abgebildet sind. Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band, da ist er drauf unter anderem. Ganz oben lächelt ein so ein wütend schauender Mann, oder lächelt nicht, aber der guckt so ein wütend schauender, ernster Mann

einen Blick, der einem tief in die Seele dringt zwischen Marx und Marilyn Monroe. Und das ist eben Alistair Crowley. den die Beatles da als eine Koryphäe der Gegenkultur mit auf ihr Cover packen. Jimmy Page von Led Zeppelin war eine riesen Crowley -Fan und kaufte dann später auch sein altes Anwesen am Loch Ness. Bands wie Black Sabbath oder Iron Maiden haben sein Vermächtnis in Texten und Symbolen beschworen, ganze Lieder über ihn geschrieben. Und allgemein in der psychiatrischen Rockszene galt er eben als eine Ikone der Befreiung, als Vorläufer des Rock 'n 'Roll Lebensgefühls mit seiner Aussage, do what thou wilt, also dieser Idee, tu was du willst, als Grundannahme von Telemann, der Wildensreligion, die er gegründet

hat. Aber lange bevor er dieses Popidol wurde nach seinem Tod, bevor die Zeitungen ihn als Hexenmeister diffamierten und bevor seine Bücher von den Rock -Ikonen gelesen wurden, war er einmal ein Kind, das 1875 in einer streng gläubigen Familie in Warwickshire, in Warwickshire, wie spricht man das richtig aus? Ja, das hab ich mich gerade auch gefragt. Ich sag Warwickshire.

Warwickshire. Warwickshire. Warwickshire. Und es ist diese Kindheit, die wir zu uns zuerst anschauen werden, um zu verstehen, wie aus Edward Alexander Crowley das große Tier wurde, der böseste Mann der Welt, wird erst mal auch als Baby geboren, wie das immer so ist. Und eigentlich, und glaubt, dachte, so Markler kommen direkt als alte Männer auf die Welt. Ja, und da steigen wir jetzt gleich mit ein. Aber bevor wir uns die Kindheit von Alexander Crowley zu dem Zeitpunkt noch genauer anschauen, Ein kurzer Vorweis auf unsere Hauptquelle für die heutige Folge und auch die kommenden Folgen. Also, das ist der Start zu einer kleinen Reihe zum Leben von Crowley. Wird wahrscheinlich in fünf Teilen, so ich das gerade plan, wo wir

uns sehr detailliert durch sein Leben und durch sein Werk arbeiten. Und mit einer der Grundlagen dafür ist die Biografie, die tausendseitige, die ich jetzt gelesen habe, die letzten Wochen und Monate. Per Durabo, The Life of Alistair Crowley von Richard Kaczynski. Und falls ihr mehr dazu wissen wollt, empfehle ich euch auf jeden Fall, dieses Buch zu lesen als Startpunkt, weil das einen sehr umfassenden Überblick einfach über das Leben gibt. Und von dort aus kann man dann sich nebenbei immer kleine Exkursen machen und die Texte, die angeschnitten werden, sich im Original raussuchen. Sehr viel gibt es eben auch online von Crowley zu lesen. Dann kann man immer die Sachen, die in der Biografie referenziert

werden, die interessant klingen, direkt selber weiter vertiefen. Ein Blick hinter die Kulissen, wie diese Folgen mit entstanden sind. Und bevor wir tief eintauchen, was ich sonst immer vergesse, ein kleiner Hinweis darauf, dass ihr uns bitte eine Bewertung hinterlasst, wenn euch das heute hier gefällt oder generell gefällt. Hinterlasst uns gerne eine 5 -Sterne -Bewertung auf Spotify oder auf Apple Podcast. Das ist ganz wichtig, um den Podcast zu bewerben. Das kostet nicht ein paar Sekunden eurer Zeit. Und wir profitieren da sehr von. Also ein großes Danke an alle, die uns schon bewertet haben. Und an alle anderen die Erinnerung. Nehmt euch doch kurz ein paar Sekunden, um das zu machen. Und für alle, die

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Herbst im viktorianischen England. Im Oktober 1875 erblickt Edward Alexander Crowley, später weltbekannt als Annister Crowley, das Licht der Welt. Seine Eltern gehören einer erzkonservativen, evangelikalen Glaubensgemeinschaft an. den Exclusive Brethren, einem Zweig der Plymouth Brethren. Sein Vater, Edward Crowley, ist ein wohlhabender Brauereierbe, der seinen Beruf aufgegeben hat, um als Wanderprediger das Wort Gottes zu verkünden.

Jeden Morgen nach dem Frühstück versammelt der Vater die Familie, den kleinen Alec, so der Spitzname des Jungen, und die Mutter Emily und sogar die vier Hausangestellten, um gemeinsam ein Kapitel der Bibel laut zu lesen. Der Haushalt Crowley ist wohlhabend. Mehr Diener als Familienmitglieder kümmern sich um das komfortable Heim. In dieser Welt aus Frömmigkeit und Disziplin verlebt Alec seine ersten Jahre zunächst glücklich. Und jetzt hast du schon kurz erwähnt, dass die Eltern dieser sehr streng gläubigen Sekte einer Sekte angehören.

Eine Abspaltung, eine Abspaltung, eine freigeschüssige Bewegung. Diese Brüdergemeinden sind ein ganz spannendes Phänomen. In dem Fall geht die Linie bis in die 1820er -Jahre in Irland zurück spannenderweise, wo in irischen Hauskreisen die Erwartung der Wiederkunft Jesus immanent war und die immer wieder zusammen kam in so selbst organisierten Hauskreisen ohne externe Autorität oder im Bibelstudium gemacht haben und selber auch Abendmahle veranstaltet haben ohne Priester oder Pfarrer. Und das ist quasi so eine radikale Zurück zur Schrift. Nur die Schrift allein zählt. Und alles, was wir brauchen, ist in der Bibel selbst. Wir brauchen keine anderen kirchlichen Autoritäten. Und eben diese selbstorganisierte in kleinen Hauskreisen

mit dann den Leuten, die in den Hauskreisen den Ton angeben, natürlich als Zentrum der Bewegung. haben sich immer weiter abgespaltet, weil es dann natürlich über alle möglichen theologischen Fragen Diskussionspunkte gab. Und anstatt sich zu einigen, wurden dann oft einfach die Bewegungen geteilt. Und Crowley's Eltern sind ja schon bei den Exclusive Brethren, also einer Abspaltung der Plymouth Brethren. Es ist eine einzige Sammlung von Schismen in Kleinsgruppen, die sich dann wieder teilen. Ganz spannend. So muss das frühe Christentum auch gewesen sein, so stell ich mir das jedenfalls auch vor. Und so haben sie sich das auch vorgestellt. Für sie war das natürlich auch eine Rückkehr zum Ursprung. Aber die Eltern

waren sehr, sehr religiös. Das müssen wir festhalten. Und nicht einfach nur Anglikanen irgendwie streng religiös, sondern eben von der Bewegung, die von der anglikanischen Kirche abgelehnt wurde. Das zeigt sie auch an den extremen Meinungen, die da vertreten wurden. Also dieser scheinbar idyllische, fromme Alltag, den Crowley dadurch lebt hat, hatte eben seine dunklen und strengen Seiten. Die Brethren betrachteten jegliche weltlichen Vergnügen als Sünde und predigten einen kompromisslosen Bibelglaub. Alex Vater Edward war in seinem Eifer selbst auch unermüdlich. Er schrieb über 100 religiöse Traktate und verteilte tausende Kopien davon auf der Straße oder per Post, immer darauf bedacht, Seelen für Christus zu retten. Augen

des kleinen Crowley ist der Vater ein Held, ein unerschütterlicher Mann Gottes und tatsächlich bewundert ihn sehr. Die Mutter Emily hält sich eher in seine Erinnerung jedenfalls, die er später über seine Kindheit aufschreibt, im Hintergrund für Alec, wie er damals genannt wird. Ja, ist sie quasi kaum unterscheidbar, hat er geschrieben, von den Dienstboten, die im Haus unterwegs sind.

Trotzdem hinterlässt sie tiefe Eindrücke natürlich auf ihn. Erstens, weil es seine Mutter ist, und zweitens, weil sie ihn, wenn sie von ihm genervt ist und immer wieder nicht hört, ihnen das Tier ruft. Und als quasi den Anzichristen aus der Offenbarung, das Tier 666, was Crowley selber dann später zu seinem Wappentier machen wird, wird ihm eben hier von der Mutter nahegelegt quasi. Er selber schreit später darüber, dass die erste Person, die ihn so genannt hat, seine Mutter war. Ja, spannend das zu psychologisieren.

Ja, aber passt auf, wie ihr eure Kinder nennt. Es könnte sein, dass es eines Tages mal ernst wird. Bei Kafka haben wir ja so was Ähnliches, dass sein Vater ihn ... immer als Rabachol bezeichnet hat, einen dieser frühen anarchistischen Terroristen in Europa, der damals eben durch die Medien gab, ging. Und das war für Kafka Jahre später hat er da auch darüber geschrieben, wie sein Vater ihn eben mit diesen in den Medien populären Terroristen verglichen hat, am Küchentisch, wenn er nicht gehört hat. Also das hinterlässt anscheinend doch noch Eindrücke. Verstohlen habe er damals dann in der Familienbibel eben nachgeschlagen, was denn das heißt und gebannt vom großen Tier 666 und der Hure Babylon gelesen. Engel mit Posaunen

in der Offenbarung, ein Drache, all diese schildernden Schreckensvisionen haben ihn damals schon fasziniert und magisch angezogen. Foreshadowing, ganz ganz klassisches. Und ein prägendes Erlebnis aus dieser frühen Zeit erzählt viel über Crowley's Wesen, nämlich Eines Tages warnt der Vater den etwa fünfjährigen Alec vor einer dichten Stelle Brennnesseln am Wegrand. Wirst du mir aufs Wort glauben, dass sie brennen, oder willst du es selbst herausfinden, fragt der Vater wohlmeinend. Der Junge schaut trotzig zu seinem Vater auf und erwidert, ich würde es lieber am eigenen Leib erfahren. I would rather learn by experience. Ehe der verblüffte Vater ihn zurückhalten kann, stürzt sich der kleine Crowley kopfüber in das Nesseldickicht.

Natürlich brennen die Nesseln fürchterlich auf der Haut. Doch Alec hat bekommen, was er wollte. Eigene Erfahrung. Ja, auch das wieder ein Muster, was wir später wiedersehen werden. Diese Kindheitsfolge habe ich ganz bewusst so aufgebaut, dass wir in den Folgen im Teilen immer mal wieder ... Wenn wir uns seine Lebensentscheidungen angucken, uns zurückerinnern können und sehen, ah ja, okay, vielleicht war das auch schon früh angemüxt mit diesem Charakter. Das ist der Vorteil, den wir hier haben, vielleicht zu Jesus bei dem Religionsgründer.

Wir wissen das über seine Kindheit. Selbst wenn er selber der größte Zeuge dafür ist und selbst darüber geschrieben hat, Jesus hat nie über seine eigene Kindheit geschrieben. Das wäre sehr spannend. ganze neue Religionszweige daraus erwachsen können, hätte er das getan damals. Falls er denn schreiben konnte. Ja, genau, großes Problem. Aber da schreiben konnte dieser Religionsgründer auf jeden Fall.

Diese Familienwelt, die zwar sehr eng ist, aber die quasi von keinen finanziellen Sorgen, keine finanziellen Sorgen kennt. Die Familie kommt aus einer Brauereifamilie und obwohl sie diesem Brethren angehören und ganz... Aktiv gegen Alkoholismus und gegen harten Alkoholsinn war Bierbrauen nicht verpönt und war quasi erlaubt in diesen religiösen Zirkeln. Und die haben sehr viel Geld verdient und hatten eine sehr erfolgreiche Brauerei. Die Crowleys haben angefangen, ein Bier und ein Sandwich zusammen zu verkaufen. Und waren quasi mit die Begründer dieser klassischen Idee, die dann auch später aufkam, dass man eben so in einer Kneipe oder in Bars so eine Art kleine Gastronomie mit aufbaut und so einfaches Fastfood fast schon

dazu bekommt. Und da konnten wir eben schnell auf dem Weg irgendwo hin sich ein Bierchen und ein Sandwich für einen festen Preis, quasi einen sehr günstigen festgelegten Preis kaufen. irgendwie ein Pens oder fünf Pens oder was das jetzt auch als war. Und das wurde eben zum Kassenschlager. Und tatsächlich haben die dann so ein bisschen verweitert und hatten dann in ganz England, in ganz Mittelengland jedenfalls, ihre Bars und Restaurants, auch oft in der Nähe von Bahnhöfen, ich müsste das wirklich so ein bisschen Subway mäßig nur mit Bier vorstellen, oder? Und wurden dann namen, war eine sehr, sehr reiche Familie.

Da war Geld kein Problem, die hatten mehrere Hausangestellte und der Hauptfokus, worauf immer alles lag, war eben die Religion. Das war das große Thema. Dann, aber 1880, kommt die kleine Schwester von Alec zur Welt und stirbt am Tag nach ihrer Geburt. Der Verlust erschüttert die Eltern tief und die Familie zieht aufs Land nach Red Hill, um den traurigen Erinnerungen zu entfliehen.

Dort in einem Herrenhaus, auch das The Grange heißt, mit großem Garten verlebt Alec unbeschwerte Spiele mit seinen Cousins Gregor und anderen Kindern der lokalen Brethrengemeinde. Also er spielt tatsächlich auch nur mit anderen Kindern, die auch in dieser christlichen Sekte sind. Aber auch diese Idylle wird sich wieder als kurzlebig erweisen, denn im Frühjahr 1887 erkrankt dann der Vater Edward an Zungenkrebs. Die Ärzte, darunter unter anderem der ehemalige Hofchirurg der Queen Sir James Padgett, empfehlen eine sofortige Operation.

Aber wegen der Frömmigkeit wollen die Glaubensgeschwister in der Brüdergemeinde den Willen des Herrn abwarten. Alec wird aus der Schule heimgeholt. In der Zeit war er auf dem ersten Internat, um in den schweren Tagen beim Vater zu sein. Man sucht. sogar Hilfe bei einem dubiosen Wunderheiler, dem italienischen Grafen Mattei, der mit der Elektro -Hömiopathie gegen den Krebs vorgehen will. Also da sehen wir hier, wie, ich verweise unsere Hymiopathiefolge, dass eben sich immer weiter durchzieht und hier jemand quasi seine eigene Elektro -Hömiopathie, damals eben auch mit der aufkommende Elektrizität ein sehr en voguees Thema. In allen möglichen Zeitschriften werden Wunderapparaturen, die dich vor allem möglichen heilen, eigentlich nur kleine

Elektroschokker sind oder größere Elektroschokker beworben. Der Graf Martell springt hier auf diesen Zug. Und die Religiosität führt eben dazu, dass man sagt, eigentlich braucht man doch keine Operation. Das ist eigentlich der Wille Gottes. Und da warten wir jetzt lieber ab. Anstatt das Leben dieses Mannes in die Hände eines Chirurgen zu legen, lassen wir es in den Händen Gottes liegen. Die Elektro -Höme -Operative unter Wasser nicht funktioniert und in der Nacht vom 5. März 1887 hat der 11 jährige Alik dann einen furchtbaren Albtraum vom Tod seines Vaters. Am nächsten Morgen erhält die Familie die Nachricht, dass Edward Crowley genau in jeder Nacht verstorben ist, im Alter von nur 52 Jahren. Der Vater hinterlässt der

Familie ein beträchtliches Vermögen von rund 150 .000 Pfund Sterling, was heute etwa 6 Millionen Dollar entspräche. Ein Drittel davon fällt dem einzigen Sohn Alec zu, jedoch wird er es erst mit der Volljährigkeit antreten können, das Erbe. Aber damit ist Alec schon Millionär. Ich muss sagen, ich finde es auch Ironie des Schicksals, dass der Predigervater mit Zungenkrebs bestraft wurde vom Gott. Es gab ja in den 2000ern Die Phase, wo es sowohl im Internet als auch in anderen Medien quasi dieser Streit zwischen Hawkins und Hitchens und so, es gab so voll große Vertreter von atheistischem Materialismus oder so, die sich ja immer mit Religionsvertretern gestritten haben, war damals ein großes Medienereignis,

weil sonst wenig los war, schätze ich. Also eine Phase, durch die wir alle durchgehen mussten. Und Hitchens ist ja später auch an Zungenkrebs gestorben. Und da gibt's Interviews von ihm, wo quasi, als die Diagnosischen raus ist, er ja dann mit Leuten drüber redet, dass er jetzt nicht mehr lang zu leben hat, und wo er auch drüber redet, dass seine Feinde das eben als Strafe Gottes interpretieren und sagen, klar, diese Zunge, die so viel lügen und über Gott verbreitet hat, die wird jetzt von Gott mit Zungenkrebs bestraft. Ja, sehr metaphorisch und sehr brosezeitlich.

Vom Krankheitsverständnis her. Und für Crowley zerbricht dann aber All dem Tag, an dem sein Vater stirbt, eine Welt. Er schreibt selber später über seine Kindheit. Meine Kindheit in der Hölle begann nach dem Begräbnis. Also das ist für ihn eine große Zersur. Die so geliebte Vaterfigur, die moralische Richtschnur seines Lebens ist fort. Und mit ihr jede milde, im strengen religiösen Legiment. Emily Crowley, die nun 41 -jährige Witwe verfällt in einen fanatischen Eifer, um das Erbe ihres Mannes vorzuführen. Sie verschickt unablässig Diepeltraktate an alle Kontakte aus AdWords Adressbuch und stürzt sich in neue innerreligiöse Streitigkeiten der Brüdergemeinde. Also, diese Frau, ihr könnt euch alle vorstellen, wie dieses

Verhalten ist, weil ihr habt alle Familien -WhatsApp Gruppen. So, die hat einfach angefangen alles zu spammen. Die Frau hat sehr viel Geld, sehr viel Zeit und fängt jetzt einfach an per Brief Bibel -Zitate an alle Bekannten zu schicken, kennens man das. Kommt dann aber auch in, es gibt interne Streitigkeiten über die Auslegung der Bibel wieder und ich glaube über Abendmahl Fragen, wie so oft. Da steht die Mutter auf der Seite der radikaleren Gruppe und spaltet sich dann damit auch von einem Großteil des Umfelds der Familie ab. Weil jedes dieser Schismen führt eben dazu, dass man mit sehr vielen Leuten nicht mehr redet, mit denen man vorher sehr viel Zeit verbracht hat. einfach auf einer praktischen

Ebene. Und die isoliert sich damit zunehmend. Da wurde der Tod auch nicht ordentlich verarbeitet. Es wurde nicht, also scheint zumindest so. Nee und genau, sie hält dann halt auch, es war dann vielleicht doch eine Strafe Gottes, wer weiß, man muss noch religiöser sein. Und die Raven Division von 1887, die eine große Spaltung in der Gemeinschaft ist, sorgt dann dafür, dass die Mutter Emily eben alle Leute, die einen abweichenden Glauben haben, für ketzerisch hält und diese Leute, die gestern eben noch als fromm galten, jetzt vom Heil ausgeschlossen sind. Also bis vor ein paar Wochen vor diesen Diskussionen waren die alle noch gemeinsam im Himmel und ewiges Paradies und kleine Diskussionen noch einmal

sind die, die die auch ewig in der Hölle schmoren. Und das fällt Alik natürlich auf. Diese bigotte Härte, wie er selber geschrieben hat, war für ihn schockierend und unverständlich. Und dieses Dieses plötzliche Aburteil der eigenen Leute, mit dem man gerade noch, das war schon eine kleine Gemeinde, zwei schon eine kleine eingeschworene Sekte, die gesagt hat, wir sind die Rechtgläubigen, wir wissen, wie es besser geht. Und das gesamte Umfeld, in dem er aufgewachsen ist, hat sich darauf gestützt und daraus rekrutiert. Und jetzt auf einmal sind die alle nicht mehr da. Sind alles auf einmal in der Hölle schmoren der Heretiker.

In seinen Augen wird seine Mutter zu Zitat einer hirnlosen Fanatikerin von Ern... engstirnigsten, logischsten und unmenschlichsten Schlag. A brainless bigot of the most narrow, logical and inhuman type. Crowley selbst kommentiert später, bis sich auch Emily Seyfum widmen waren, getrieben worden. Ne, ja, sarkastische Erklärung dafür, was du eben gesagt hast, Jonas, dass sie eben sich mit dem Verlust des Gatten in einen religiösen Fanatismus hat abgleiten lassen. Nach dem Tod des Mannes zieht die Mutter dann auch mit ihrem Sohn rastlos von Hotel zu Hotel. Das Zuhause in Redhill mit all den schmerzhaften Erinnerungen wird verkauft. Eine gewisse Zeit wohnt sie auch beim Onkel mütterlicheresseits, also dem Bruder

von Emily in London, Tom Bond Bishop, der sich als gläubiger Christ und seinen Neffen kümmern soll. Doch dieser Onkel entpuppt sich als noch strenger und freudloser als der Vater je war und auch als die Mutter ist. Tom Bond Bischop leitet eine strenge Sonntagsschule und ist Mitbegründer der Children's Scripture Union, einer Organisation zur Bibelerziehung von Kindern. Er personifiziert all das, was Crowley bald am Christentum zu hassen anfängt. Scheinheiligkeit, verknöcherte Moral und Unterdrückung natürlicher Instinkte. Zitat.

Nie wandelte ein grausamerer Fanatiker oder gemeinerer Schurke auf Erden. Zitat. Crowley später voller Bitterkeit über seinen Onkel. Also dieser, dieser schlimmste Mensch der Welt, zu dem die Presse Crowley 1920 erklärt war, für Crowley selbst sein Onkel. Die Abneigung ist aber auch gegenseitig, also es ist nicht nur so, als würde Crowley den Onkel nicht mögen, der mag ihn auch nicht. Und als Crowley dann Jahre später seinen berüchtigten erotischen Gedichtband White Stains veröffentlicht, gibt er als fiktiven Autor einen gewissen George Archibald Bishop an, eine hämische Verhöhnung des Onkels, das quasi seinen pornografischen Gedichte quasi fast unter dem Namen des Onkels zu eröffnen als Alias. Das heißt, als Seitenhieb.

Finde ich kreativ. Ja, sehr gut vermutet. Und für den jungen Alik brechen nun eben generell rebellische Zeiten an. Mit elf Jahren verliert er nicht nur seinen Vater, sondern auch ... Ja, so ein bisschen die Unschuld seiner Kindheit, die Wärme, die Geborgenheit, die Sicherheit, all das fällt weg. Die nächste Umgebung, die ihm bleibt, die Mutter, der Onkel, die engeren Kreise der Brüdergemeinde, findet er als feindselig und heuchlerisch und sind ja auch untereinander zutiefst verstritten. Und gefühlt gibt es eben niemanden, dem man sich anvertrauen kann, auch ohne zurechtgewiesen oder verurteilt zu werden.

Und so reagiert er, wie viele traumatisierte Jugendliche reagieren. Mit Auflehnung, mit Rebellion. Kurz nach der Rückkehr ins Internat fällt Crowley dann auch zum ersten Mal durch Regelverstöße auf. Es ist ganz auffällig, dass er eigentlich ein unauffälliger Schüler war bis zum Tod seines Vaters. Es gab diese große Umwälzung, dieses große Trauma. Danach geht er zurück zur Schule und fängt an, Stress zu machen. Binnen drei Wochen nach dem Begräbnis muss er bereits beim Schildirektor vorstellig werden. Alles noch harmlose Sachen, aber es steigert seinen Lust, die Grenzen auszuloten.

Dieser verschüchterte, sehr behütete Predigersohn, der es allen recht machen will und die ganze Zeit eigentlich über die Bübel nachdenkt, entwickelt sich jetzt zu einem aufsässigen Teenager, der das Gegenteil von dem tut, was eben die Jahre davor gepredigt wurde. Ja, und damit kann ich mich persönlich auf jeden Fall gut identifizieren.

Mit diesem frühpuppertären Jungen, der gegen Religion rebelliert. Und der dann ein bisschen rausfinden will, wo denn die Grenzen dessen sind, was einem da erzählt wurde. Und die Mutter, Emily, reagiert. Na, ich weiß es nicht. Nicht optimal. Aber wie kann man da auch optimal reagieren? Ist natürlich auch schwierig. Anders. Sie versucht ihren zu ihm schwer erziehbaren Sohn eben auf den rechten Fahrzeug zu führen, indem sie ihn in maximal fromme Internate packt. Ja, das scheint mir die richtige Lösung zu sein. Erst geht er nach Hastings und dann auf das renommierte, aber von ihm gehasste Malvern College und am Ende dann in die Tonbridge School in Kent. Keinen der Aufenthalte hält er lange durch. Er leidet

unter dem strengen und teils sadistischen Regiment der Internate zu der Zeit. Er ist nicht nur seelisch gestresst, sondern bekommt dann auch physische Krankheiten tatsächlich. Tatsächlich ist er so gestresst, dass er mit 15 an einer schweren Nierenkrankheit, dann 1891, erkrankt. Der Albuminorie. Und man befürchtet, er würde das Erwachsenenalter nicht erleben, hat Blutimmurien damals schon mit 15.

Und wenn du im 19. Jahrhundert mit 15 Blut pinkelst, nicht gut. Da kommt dann vielleicht der Elektro Hilmiopath und ... Elektroschock, dich noch ein bisschen, bis du dieses Leben ganz verlässt. Die Ärzte verordnen absolute Schonung und Landluft. Viel besser als Adderlass, immerhin. Aber er pekelt ja schon Blut, da muss man keinen Adderlass mehr machen. Das ist ja auch immerhin fast im 19. Jahrhundert. Meine Medizinreferenzen beziehen sich gerade eher auf die Folge zu Hahnemann und der Hymiopathie. Das war da ein bisschen deutlich früher. Und hier wird einfach Ruhe und Sandluft verordnet und dann nimmt Emily ihn eben aus den Internaten und schickt ihn mit einem privaten Tutor in London, vor Art Street, da wo das Land

gerade so anfängt. Und da kann Crowley, das ist immer so ein bisschen persönliche, echte Freiheit schmecken. Das wird so der Anfang seiner Emanzipation. Der Hauslehrer, ein gewisser Mr. Douglas, ist selbst früher Missionsprediger. und wird deswegen auch von der Mutter eingestellt, als eben eine sehr religiöse Option. Aber er ist zu Alex Überraschungen viel lebenslustiger und von Schimpftiger, als er das von den anderen Brüdern aus der Brüdergemeinde kennt. Der Tutor raucht, trinkt in Maaßen, spielt Karten und Billard und er verteufelt Frauen nicht als Wurzel der Sünde, sondern genießt ihre Gesellschaft.

alles Dinge, die Alester bis dahin in seinem Umfeld so nicht erlebt hat. In den Schulen, da hatte ich vorher auch längere Ausführungen drüber drin, wird einfach auch unter den Jugendlichen sehr, sehr viel gehänselt. Es gibt eben diese ganzen klassischen Sachen. Ihr könnt die Leiden des jungen Törles lesen. Und quasi alles, was damals, zu der Zeit ungefähr, in Galicien auf der österreich -ungarischen Internatsschule passiert ist, eins zu eins in ... die Erfahrung von Alesters Schulzeit übertragen. Also vom Hasing, vom sich gegenseitig ganz auf die Klöten hauen, was er spezifisch beschrieben hat als Dinge, die passiert sind zur Prostitution, dass sich Mitschüler prostituiert haben und es da so ein System gab. Aus der einen

Schule kam er nur raus, weil er gedroht hat, dass er offenbart, dass sich jüngere Mitschüler und ältere prostituiert haben. Das ist crazy. Dann durfte er gehen. Ja, es gab auch einen, einen von den drei Schulen hatte auch so einen Schulmeister, der quasi selber so eine ganz komische, also ganz komisches Verhältnis zu Frauen hatte und dann eben die ganze Zeit mit den Schülern rumgehangen hat, wo es dann eben auch so Missbrauchsvorwürfe gab. Also es ist ein einziges Sammelsurium an Schrecken, die er da quasi von 11 bis 15 in den verschiedenen Schulen durchleift, bis er dann die Nierenkrankheit hat und wirklich nicht mehr kann. Und dann darf er aufs Land und trifft das erste Mal einen Mann, eine Bezugsperson für ihn.

Ein Tutor, den er irgendwie respektieren und ernst nehmen kann und den er interessant findet. Und den beobachtet er dann eben fasziniert, dass es Menschen gibt, die gütig und gebildet sein können, obwohl oder gerade weil sie sich weltlichen Vergnügen erlauben. Und Mr. Douglas zeigt ihm einfach, dass Rauchen und Kartenspielen den Menschen nicht automatisch verderben, solange man das eben in Maßen hält. Selber schreibt Crowley dann sehr dankbar in seiner Autobiografie. Er lehrte mich Vernunft und Männlichkeit und ich werde meine Schuld im Gegenüber nicht vergessen. Noch wichtiger, in dieser Atmosphäre bricht Crowley's obsessive Angst vor der Sünde in sich zusammen mit den Karten aus. Mit 15, dieser Moment, wo

er erkennt, ich zünde ist nicht, muss nicht das bestehende Thema meines Lebens sein. beziehungsweise wird es das bestehende Thema seines Lebens bleiben, aber ich muss sie nicht vermeiden, ich muss keine Angst davor haben. All das, was mir als Sünde quasi verboten wurde bisher, der Reiz, den ich daran empfinde, den kann ich ausleben. Das macht er dann auch. Genau, denn er verliebt sich mit 15 aus dem ersten Mal in ein Mädchen aus dem örtlichen Theater und verliert mit ihr dann in einem heimlichen Treffen auf einer Sommerwiese seine Unschuld. Sehr schön. Sehr mittelalterlich.

Also mittelalterlicher Literatur. Wenn Leute Sex haben, wird immer von dem da niedergelegenen Gras geredet. Also das flachgedrückte da niedergelegene Gras ist immer die Metapher, der Code, wo alle dann wissen, was da passiert ist, ohne dass man es wirklich beschreiben muss. So wie in Bollywood Filmen, wenn Leute Sex haben, immer so ein Schleier aus Blumen runter geregnet ist früher, wo man dann wusste, ah ja. Jetzt wissen alle, was passiert.

Das sind die pornografischen Blumen, die hier wieder runter regnen. Und ja, so romantisch und schön verliert auch Crowley seine Unschuld, unter freiem Himmel vom Wind umspielt. Und ja, das ist so schön, dass sich alle danach fragen, ist Sexualität jetzt wirklich so sündig und teufelisch, wenn es so viel Freude und Schönheit ... da drin gibt. Und das war so der letzte Punkt, den er gebraucht hat. Er hat einen Mann gesehen, den er bewundert hat, der Kappen gespielt hat und geraucht hat und getrunken hat. Und jetzt hatte er noch Sex und fand es toll und hat sie überhaupt nicht sündig oder schlecht angefühlt, wie eigentlich die normalste, beste Sache der Welt. Dementsprechend wirft er nach dieser sexuellen Erfahrung dann

auf vollen Ernst diese Sündenvorstellung ab, wie so ein Witterwandel. Und Crowley beschreibt es später als ein erstes spirituelles Erwachen in die umgekehrte Richtung. Nicht Gott, sondern die Natur und der Körper haben ihn erlöst. Diese quasi religiöse Offenbarung verleiht Crowley neue Selbstbewusstsein. Aus dem kränklichen Jungen wird binnen kurzer Zeit dann in den kommenden anderthalb Jahren ein stattlicher junger Mann mit dunklem, kurz geschonenen Haaren. intensiven Augen, markante im Kinn und kräftigen Schultern.

Es gibt ein, zwei Bilder von Crowley aus seiner Jugend, wo wir da diese Entwicklung vom kränklichen Kind mit Nierenkrankheiten zu einem dann florierenden jungen Pubertären nachvollziehen können. Wir werden uns später dann auch damit beschäftigen noch in den späteren Folgen, wie wichtig Sexualmagie für Crowley wurde. Und wenn wir hier auch sehen, wie seine persönliche Befreiung von diesen auferlegten Sündenkatalog durch die praktische Handlung von Sexualität geschieht. Das ist auch etwas, was wir im Hinterkopf bewahren können, warum dieser Mann so besessen von Sex und Sünde ist. Im gleichen Jahr, nachdem er seine Jungfreundlichkeit verliert, verführt er ihn oder sie ihn, das Hausmädchen auf jeden Fall, im Schlafzimmer seiner frommen

Mutter, also im Ehebett seiner Eltern, Und das ist quasi für ihn der nächste Schritt. Nach der Wiese und der romantischen Sommermachnacht ist das auf jeden Fall das Upgrade im Sündenbrechen. Die nächsten drei Stufen des Verbotenen. Dieser doppelte Tabubruch ist natürlich so ein Akt der Rebellion gegen die prüde Moral seiner Mutter.

Die Affäre fliegt jedoch relativ schnell auf. hat das Dienstmädchen versucht, noch irgendwas aus der Sache kapital zu schlagen, in der Hoffnung auf eine Abfindung und beschwert sich beim Onkel Bischop und gibt vor Alec, habe ich verdorben. Und Crowley, der aber da schlau genug ist, die Empörung seines Onkels abzusehen, leugnet zunächst alles, schließlich hängt er dann aber ein und ich sehe treu mütig eine kleinere Verfehlung.

Er habe an den Abenden doch gar keine Frau getroffen, sondern nur mit schlechten Schulkameraden einen Tabakladenzigarren geraucht. Der strenge Onkel ist dann erleichtert, dass er sich nur rauchen war und lässt den Neffen mit einer Verwarnung davon kommen. Das Dienstmädchen wird hingegen umgehend entlassen, ohne Arbeitszeugnis und ohne Abfindung. Und Crowley hat sich hier zwar aus Affäre gezogen, aber es hinterlässt trotzdem Spuren, diese ganze Geschichte. Zum einen hat er gelernt, wie verlogen die Sexualmoral seiner Umwelt ist, zum anderen nagt an ihm, dass er das Mädchen gewisserweise verraten hat, um sich selber zu retten und nicht die Wahrheit erzählt hat über die Gegenseitigkeit. Später reflektiert

er diese gesamte Episode selbst kritisch folgendermaßen. Solange Sexualbeziehungen durch religiöse, gesellschaftliche und finanzielle Überlegungen kompliziert werden, werden sie weiterhin feiges, ehrloses und widerwärtiges Verhalten hervorbringen. Bis er 16 wurde, kam er an diesen Punkt, dass er diese Heuchelei der viktorianischen, nicht nur der Moral der Brüder gemeint ist, sondern ja auch darüber hinaus der viktorianischen Moral durchschaut und sie fortan jeder Faser seiner Existenz herausfordert. Wird.

Später, 1904, schreibt Crowley im Lieber al belleges, also dem Buch der Gesetze, was so zur Gründungsschrift, zur Art Bibel der Telemareligion wird, folgend ist. Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern. Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz. Das Wort der Sünde ist Beschränkung. Du hast kein Recht, außer dem deinen Willen zu tun. Denn reiner Wille, ohne Zweck, befreit vom Verlangen nach Ergebnis, ist in jeder Hinsicht vollkommen.

Liebe ist das Gesetz. Liebe unter Willen. Ich fand das einen sehr schönen Gegensatz zu dem, wie er mit 16 seine Umwelt erlebt, wie er dann später seine eigene Moralvorstellung konzipiert. Aber zurück ins späte 19. Jahrhundert. Onkel Tom erkennt nach diesen ganzen Episoden, dass der den Neffen nicht mehr zu Hause unter Kontrolle halten kann und schickt dann Alec 1892 zurück auf eine Schule, diesmal nach Melbourne. Ein sehr strenges evangelikales Internat, wo die Brutalität des viktorianischen Erziehungswesens am eigenen Leib erfahrbar war. Also er wird da eben Opfer, wie ich vorhin schon erklärt habe, von diesen mobbigen Praktiken. Die älteren Mitschüler matrixieren schwächere Jungen mit Ritualen wie

Creasing, also dass sie den ins Gesicht gespuckt haben, oder Pillragging, das Quetschen der Genitalien. Und das ist eben die Schule, wo ich vorhin eingedeutet habe, wo er entlassen wurde, weil er die Misshandlungen offenbaren will und der Öffentlichkeit mitteilen würde, dass diesen Prostitutionsring innerhalb der Schule gab, also sein eigener Zimmer genau so prostituierte sich zum Beispiel heimlich.

Und mit dieser Drohung durfte er Melbourne dann 1893 nach einem Jahr wieder verlassen. Und in der nächsten Schule, der Tonbridge School, geht es dann gerade so weiter, wo er es auch nur wenige Trimester aushält, bis er dann wieder einen Zusammenbruch hat und die Mierenerkrankung wieder aufkommt. Mit 17 darf er dann diese Internate, die ihn jedes Mal fast umbringen, in sich hinter sich lassen und darf nach Eastbourne. Und dort lebt dann der 17 -jährige Alistair Crowley eben mit seinem Privatlehrer Archibald Douglas Lombard jetzt, also einem anderen wie vorher, der auch ein Mitglied der Plymouth Brethren war. Doch Lombard ist eben ja auch entspannter und verständnisvoller als die anderen Brethren, die er erlebt hat,

ähnlich wie der Tudor in Streetham bevor, der Douglas. In Eastbourne findet Crowley dann Zeit und muße, seine wahren Talente und Leidenschaften endlich zu entfalten. Er schreibt in dieser Zeit seine ersten ernsthaften Gedichte und schickt sie in einige lokale Zeitungen. Seine Lektüre umfasst nun auch nicht mehr nur die Bibel, sondern er vertieft sich auch zunehmend in weltlicher Literatur. Vor allem die Werke des Romantikers Percy Shelley und die grünen Übersetzungen orientalischer Dichtung von Sir Richard Burton beeindrucken ihn. Und er beginnt wie seine literarischen Vorbilder mit provozierenden Themen und Formen zu experimentieren.

Bereits in diesem frühen Stadion will er eigentlich als Literat anecken und schockieren. Doch noch ahnt kaum jemand, welches Skandalpotenzial da wirklich in diesen Nachwuchspoeten schlummert. Gleichzeitig beginnt eine neue Leidenschaft oder die pflegt er hier in Isbo, nämlich das Schachspiel. Er tritt im örtlichen Schachclub bei und besiegt relativ schnell alle dortigen Schachspieler, auch die Besten des Vereins. Unter dem Pseudonym Ta Duib veröffentlicht er auch regelmäßig eine Schachkolumne in der Eastborne Gazette. Und diese Kombination aus Strategie, Psychologie und Wettbewerb im Schach fasziniert ihn. Zwischenseitig überlegt er sich sogar ein professioneller Schachspieler zu werden, das gibt dir erst ein bisschen später

auf, als er dann mal in Berlin zu einem Schachturnier tatsächlich ist als junger Schachspieler. Wenn man sich die ganzen alten Schachlehrer anschaut und merkt, es geht auch viel um auswendig lernen. Ich glaube, das ist doch nicht der richtige Lebensweg für mich. Ansonsten hätten wir vielleicht Crowley den Schachspieler bekommen, einfach nur als, ohne den Okkultisten und den Religionsgründer.

Und schließlich die dritte große Leidenschaft, die in diesen Jahren voll in die Blüte geht, nämlich das Bergsteigen und das Klettern. Schon als Teenager, war Crowley in den Sommerferien, so erste Klettertouren an der Küste entnommen mit seinem Cousin Gregor, war in Schottland unterwegs und an der Südküste Englands. Und jetzt steigerte er eben seine alpinen Ambitionen. 1894 und 1895 bereiste er in Wales. und er glimmt dort Dutzende Gipfel, ein nach dem anderen, alle paar Tage ein. Im Juli 1894 wagt er mit seinem Cousin sich dann an die gefährlichen Kreideklippen von Bidji Head. Und die britischen Alpinisten und Kletterraten vorher diese bröckelten weißen Klippen als unbesteigbar klassifiziert. Doch gerade das spornt dann Crowley

an. Wie aus wie so oft. Und zusammen mit Gregor nimmt er den höchsten Felsen, den sogenannten Devils -Gymne, in Angriff. sie dann auch in halsbrecherischer Manier tatsächlich besteigen erfolgreich und den Union -Check auf die bis dahin unerreichte Feldspitze pflanzen. Das ist ein Foto von und dieser Sport des Kreidefelsenskletterns hat dann zu der Zeit, in der Crowley das angefangen hat, so ein kurzes Revival. Ein paar Jahre nach machen das Leute, das wird kurz berühmt, aber ist halt sehr gefährlich, weil die die einfach auch wegbröckeln unter dir und du halt nie so richtig dich sicher verankern kannst irgendwo. Und ich glaube heute wird das nur so viel gemacht. Das ist wahrscheinlich verboten. Aber hier beginnt er eben sich so zu

entfalten. Da wird Crowley so ein bisschen zu der Person, die er später werden wird. So die Kreativität des Dichters, die Schachstrategie des Denkers und so die Furchtlosigkeit des Bergsteigers formen die Grundlagen für das, was was später kommen sollte. Es gibt noch eine ganz lustige Anekdote aus dieser Zeit, die seinen pubertären Charakter schön darstellt. Eines Tages erklärt ihm Onkel Tom, der Soll der Onkel der Crowley's Lebenswandel mit Argos Augen verfolgt. Er habe einen Artikel über die zwei größten Übel geschrieben, die einen Jungen verderben könnten. Rauchen und Trinken. Mein Junge, kennst du die zwei bösen Könige? fragt der Onkel bedeutungsvoll. Im Englischen ein Wortspiel. Drink King und Smoke King klingen

beide mit King am Ende. Crowley, der die moralisierende Geschichte schon gelesen hat, spielt unschuldig. Zwei böse Könige. Onkel, ihr habt den gefährlichsten, tödlichsten dritten König vergessen. But, uncle, you have forgotten to mention a third, the most dangerous and deadly of all. Onkel Tom tappt in die Falle und fragt verwirrt, was er meine.

Da grinst Alec frech und lässt die Bombe platzen. Im Original bleibt offen, ob er Fa -King oder Wang -King sagte. Beides bringt den Onkel zur Weißglut. Der Onkel ist sprachlos, entsetzt. Crowley hat mit einem derben Scherz gleich zwei Tabus gebrochen. Sexuelle Vulgarität und Respektlosigkeit. Doch Crowley geniesst seinen Triumph insgeheim.

Er hat dem Onkel die eigene prüde Logik vorgeführt und ihn blamiert. Für ihn ist die ganze Aufregung um die bösen Könige nur Heuchelei. Sein Vater hatte schließlich selbst Wein getrunken, argumentiert Alec. denn er predigte lieber zu elenden Betrunkenen als zu selbstgerechten Abstinenzlern, wie er sich erinnert. Und der Vater habe auch gescherzt, hätte Gott gewollt, dass der Mensch raucht, hätte er ihm einen Schornstein auf den Kopf gegeben.

Solche Geschichten zeigen Crowley's wachsende Abkehr vom engstürnigen Moralkodex seiner Herkunft. Er bildet sich seinen eigenen Willen, frei von religiösem Dogment. Ja und 1895 ist Crowley dann schließlich bereit für den nächsten Lebensabschnitt, nämlich das Studium an der Universität Cambridge. Die strenge Vormutschaft seiner Familie endet.

Sein Erbteil, er ist volljährig, sichert ihm finanzielle Unabhängigkeit und an der Universität eröffnet sich die Horizonte. Intellektuelle wie soziale, die er sich als Kind in der engen Welt der Brüdergemeinde nie hätte vorstellen können. Und so zieht unser Crowley jetzt nach Cambridge. Da, wo auch Newton studierte, will er eigentlich Philosophie, Moral Sciences belegen, wie passend, wechselt dann aber zur englischen Literatur ein Fach, das es offiziell gar nicht gibt, aber sein Tutor erlaubt es ihm trotzdem. Der 20 -jährige Student genießt die Freiheiten des Campuslebens in vollen Zügen. Niemand kontrolliert mehr seinen Kirchtgang oder seine Umgangsformen. Crowley gleitet sich sehr modisch, besucht Theateraufführungen,

Debatierklubs und natürlich die Meetings des Cambridge University Jazz Clubs. Denn Schach ist immer noch eine seiner großen Leidenschaften. Und in diesem Schachklub wird er rasch zu einer Berühmtheit. Gleich im ersten Primester besiegt er den Klubpräsidenten in einer Partie und wenig später wird Crowley selbst zum Präsidenten des Schachklubs gewählt. Er gewinnt dann irgendwie fast die Londoner Meisterschaft, aber wird nur vom Cousin des späteren Premierministers Winston Churchill nach einem langen Kampf matt gesetzt.

Crowley's Können im Schach beeindruckt alle, er trainiert täglich zwei Stunden, liest viel Schachttheorie und bereitet sich so ein bisschen nebenbei auf seine Profikarriere als Schachspieler vor. Nach dem Turnier in Berlin, zu dem er reist, kommt ihm die Schachwelt dann aber zunehmend eng und verstaubt vor und er empfindet, dass er die alten Großmeister als eben sehr pedantisch, die Turniersäle als sehr stickig und Schach bleibt dann eben fortan für ihn nur ein geliebtes Hobby, dass er ihn bis ins frohe Alter begleiten wird.

Kleiner Verweis, wir haben zur Geschichte des Schachs eine Folge gemacht bei uns im Podcast, die ihr euch anhören könnt, wenn euch. wenn euch Schach interessiert und ihr auch leidenschaftliche Schachspieler seid. Ich hatte in meiner Jugend ja auch so eine Phase, wo ich im Schachklub war. Jonas, du erinnerst dich? Das erinnere ich. Ich war nicht dabei. Aber ja, da habe ich auch, glaube ich, schon von zwölf bis vierzehn oder elf bis vierzehn meine Samstage an einem der hinteren Bretter der vierten Mannschaft verbracht und habe dann Turnierspiele gemacht. in einer der niedrigeren Ligen gespielt für den Schachklub und dann ist man eben Samstag früh irgendwo hingefahren, stundenlang in irgendeinem Gasthof am Ende der

Welt und hat dann da sechs Stunden lang Schach gespielt oder länger mit ganz vielen alten Männern in sehr verstaubten, verrauchten Hinterräumen und ist dann wieder zurückgefahren. Und dass Crowley diese Welt damals schon nicht so sexy fand, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ja, das große Problem am Schach sind die Spieler. Aber das ist oft so, mit Sportarten. Stattdessen zieht Crowley dann immer stärker die Dichtung und die Literatur an. Cambridge ist in den 1890er Jahren intellektuelles Zentrum und Crowley taucht in die Bohem der Zeit ein. Er liest neueste Publikationen der literarischen Dekadorsbewegung, bewundert Autoren wie Oscar Wilde, Algernon Swinburne.

die mit Frivolen und bizarren Werken die prühte Gesellschaft schockieren. Crowley selbst beginnt auch intensiver zu schreiben. 1897 und 1898 veröffentlicht er etliche Gedichte in studentischen Zeitschriften, der Kranta, der Cambridge Magazine und anderen. Sein Stil ist dramatisch, symbolreich und oft provokant erotisch, wie er vielleicht im Eingangszitat oder in der Hymne die wir am Eingang vorgelesen haben, schon ein bisschen vermuten konntet. Er experimentiert mit homoerotischen Motiven, mit blasphemischen Anspielungen und mit der Ästhetik des Hässlichen. Cambridge bietet ihm dafür das perfekte Publikum. Eine kleine elitäre Schicht von Liebhabern, die sowas abseitiges zu schätzen wissen. Was ich einen sehr spannenden Punkt fand,

ist, dass in dieser Phase Edward Crowley auch beschließt, sich einen neuen Namen zu geben. Einen, der seiner aufkommenden künstlerischen und okulten Identität besser entspricht. Er hasst seinen alten Spitznamen Alec, den ihm die Mutter gab, denn er klingt ihm unangenehm und hässlich in den Ohren, wie er selber schreibt. Edward gefällt ihm ebenso wenig und die üblichen Kurzformen Ned oder Ted kann er nicht ausstehen. Ich mein, ist immer ehrlich, Ned Crowley führt keine Religion.

Auch Alexander, sein zweiter Vorname, sagt ihm nicht zu, zu lang und gewöhnlich. Doch Crowley hat irgendwo gelesen, der günstigste Name für Berühmtheit bestehe aus einem Dactylus, gefolgt von einem Spondeus. Zwei Fersfüßen, die klangvoll wie in einem antiken Hexameter klingen. Hast du es schon mal gehört, Jonas, diese Theorie?

Nee. Du solltest deinen Namen ändern, du hast einfach den falschen Rhythmus, ansonsten wärst du schon lang ein großer Autor. Also ein Beispiel für einen Namen, der eben diesem Dactylus Spandeus folgt, ist zum Beispiel Jeremy Taylor. Und er probiert dann ein bisschen rum und findet seine eigene Form davon mit dem gälischen Vornamen Alistair, also der gälischen Version von Alexander.

Und siehe da, Alistair Crowley erfüllt das Kriterium genau, passt perfekt. Und irgendwie hat der Name auch etwas mystisches und romantisches, was dem jungen Dichter imponiert. Zu der Zeit gab es auch eine Art Revival, wo das irische und das gälische generell erwohnt wurden unter den Jugendlichen. Es gab einige Familien, die quasi ihre Namen angliziert hatten, also die ursprünglich aus Nordirland kamen zum Beispiel und die dann ihre Namen geändert haben, um besser in die englische Gesellschaft zu passen und weniger auffällig zu sein, weil es eben gegen ihren sehr viele Vorurteile gab und dementsprechend gibt es da die Gegenbewegung in der jungen Bohem zu der Zeit, sich bewusst wieder die Namen zurückzuändern,

die in der Familiengeschichte immer angepasst wurden, um den original gälischen Wurzeln quasi so zu huldigen. Und deswegen wird zu dieser Zeit dann Aleister Crowley sein offizieller Name eine Hommage auch an die echten keltischen Vorfahren, die die Familie hatte. Und eben auch eine Branding Strategie, um cool zu wirken in den literarischen Zirkel der Zeit. Und dann reist er nach Schweden und hat eine mystische Erfahrung. Im Jahr 1897 erlebt Crowley in Stockholm eine mysteriöse, mystische Erfahrung, die sein Leben verändern sollte. Genauer gesagt in der Silvesternacht 1896 -97. In einem Hotelzimmer in Schweden verfällt er in eine Art Trance oder ekstatische Vision.

Er fühlt die Gegenwart des Göttlichen so intensiv wie nie zuvor. Biografen mutmaßen, diese Erfahrung sei ausgelöst worden durch Crowley's erste homosexuelle Beziehung, die er damals mit einem schwedischen Mann eingehen. Ein Tabubruch, der ihn zutiefst erschütterte, aber auch befreite. Tatsächlich erkennt Crowley zu dieser Zeit, dass er bisexuell ist. Er genießt weiterhin Affären mit Frauen, in London besucht er Prostituierte und zieht sich prompt eine Syphilis zu, doch auch zu Männern fühlt er sich hingezogen, trotz der Illegalität homosexueller Handlungen im viktorianischen England.

Ja, und eine besonders wichtige Verbindung geht er zu dieser Zeit eben mit Herbert Charles Pollitt ein, einem schillernden Cambridge -Kommiliton, der auch als Track -Artist unter dem Namen Jan de Rugy in Frauenleitern auf der Bühne steht. Pollitt ist ein ästhetischer Dandypar excellence, vier Jahre älter und in Cambridgesen Stadt bekannt für seine extravakanten Auftritte und seine Sammlung erotischer Kunst. Ja. Crowley lernt ihn im Oktober 1897 kennen und ist sofort fasziniert. Die beiden werden ein Liebespaar. Crowley lebt zeitweise, Zitat von Crowley, sechs Monate mit Pulit, wie dessen Ehefrau, wie er später selber schreibt.

Und Pulit führt ihn in die Londoner Bohemeien, macht ihn mit Künstlern und Verlegern bekannt, darunter auch Lennards Mütter, der Herausgeber der skandalumwitternden Werke von Oscar Wilde. Und durch Pulit begegnet Crowley vor allem aber vermittelt Pulit Crowley einen Sinn für Dekadenz als Lebenskunst. Zweitermals auch diese Kunstform, die Dekadence, also die bewusste Ästhetisierung von Sünde, Laster und Verfall. Crowleys Gedichte jener Zeit, oft Widmungen an Pulit, strotzen von Dekadenten Motiven. Er nennt Pulit in zärtlichen Versen seinen Liebhaber und Herrn, Lower and Lord, und genießt den Ruf Teil eines subversiven Künstlerkreises zu sein. Doch... Crowley hat auch noch eine andere Leidenschaft entdeckt,

die seine Zukunft bestimmen wird. Nämlich die Geheimnisse der Magie und des Okkulten. Spätestens seit seiner mystischen Erfahrung in Stockholm verspürt er ein brennendes Interesse an allem Übersindlichen. Er beginnt, okkulte Bücher zu sammeln. Im März 1898 erwirbte Arthur Edward Edward Wade's Book of Black Magic and of Pacts sowie Carl von Eckarts Hausens mystisches Traktat Die Wolke über dem Heiligtum. Er verschwingt beide Werke gierig. Gleichzeitig reift ihm in die Erkenntnis, dass er eine rein dandy -hafte Existenz an der Oberfläche ihn nicht erfüllen wird. Seine Beziehung zu Pulit zerbricht daran.

Pulit liebt die Künste, aber Crowley ist zunehmend besessen von der Suche nach spiritueller Erkenntnis. Crowley notierte später über Pulit, Jerome kämpfte verzweifelt gegen mein erwachendes Streben, indem er den Henker unserer Freundschaft erkannte. Im Sommer 1898 kommt es dann endgültig zur Trennung.

Crowley sackt Pulit unverblümt ins Gesicht. Ich habe mein Leben der Religion geweiht und du passt nicht in dieses Konzept. Eine ziemlich grausame Abfuhr, nach der Pulit ihn nie wieder mit ihm sprechen wird. Rowley bedauert diesen Ausgang später teilweise, schreibt auch sowohl liebevolle Erinnerungen als auch gehässige Sonette auf Polit, je nach Tagesform und Stimmung. Aber es hat ihn langjährig beschäftigt, diese Beziehung. Aber der weitere Weg ist vorgezeichnet und er hat sie entschieden. Rowley will den großen Stein der Weisen finden, sei es in der Magie, der Mystik oder wo auch immer er ihn vermutet. Reine Dekadance Kunst ist nicht für ihn. Er wird Magier. Während er das Schachspiel zunehmend zum Hobby werden

lässt, intensiviert er seine alpine Karriere. Im August 1898 bricht er dann zu einer Bergreise in die Schweizer Alpen auf. Und das ist eine Entscheidung, die sein Schicksal dann endgültig wenden und beeinflussen wird. Er ist 22 Jahre alt, hat Cambridge zu dem Zeitpunkt ohne Abschluss verlassen. Das Studium interessierte ihn weniger als seine privaten Studium, also das offizielle.

Und er verspürte eine gewisse innere Leere nach dem Ende der Beziehung mit Pulitt. Beziehungsweise wegen dieser inneren Lehre hat er die Beziehung ja auch beendet. Und in den Bergen hofft er, Klarheit zu finden. Unter Matterhorn lernt er dann eines Abends in einem Hotel zufällig einen älteren britischen Herren kennen, mit dem er ins Gespräch kommt. Der Mann stellt sich vor als Julian L. Baker vom Beruf Chemiker, doch als Crowley interessiert nachragt, entpuppt sich Baker als Kenner alchemistischer und okkulter Lehren. Crowley's Ruf als exzentrischer Denker mit obskuren Interessen scheint Baker bereits zu Ohren gekommen zu sein, womöglich hat er von gemeinsamen Bekannten in London von einem jungen

Mann gehört. Baker jedenfalls durchschaut schnell, dass hinter Crowley's arroganter Fassade ein ernsthafter Surer steckt. Die beiden Männer verbringen Stunden damit angeregt über Alchemie und mystische Geheimnisse zu diskutieren. Baker ist erstaunt über Crowley's belesendes Wissen. Crowley wiederum spürt, dass er einen Mentor gefunden haben könnte.

Auf dem Weg zurück zu Crowley's Hotel erklärt Baker schließlich offen, dass er einem magischen Geheimbund angehört, der sich der praktischen Mystik widmet. Er erwähnt den Namen Hermetic Order of the Golden Dawn. Eine Organisation, von der Crowley bislang nur Waage gehört hat, die aber unter Eingeweihten einen legendären Ruf genießt. Auch heute noch. Graulis Augen müssen geleuchtet haben. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Denn jetzt hat er endlich dieses Tor, diesen Weg gefunden, nachdem er gesucht hat. Nachdem er ein bisschen lang nur Bücher gelesen hatte zu dem Thema. Und das hat mich gerade erinnert.

Wir haben in unseren Folgen zu Genan ganz viel über Initiation gesprochen. Und wie wichtig eben Initiation als Ritus ist. ist, sobald es um okkultes Wissen geht. Sobald es Geheimwissen geht, ist immer die Frage, wer bekommt den Zugang und wer wird wie initiiert. Und Crowley hat hier diesen Schlüssel, diesen persönlichen Zugang gefunden, um in die höchsten Kreise des Okkulten seiner Zeit Eingang zu finden. Und Baker bietet dann auch tatsächlich an, Crowley in London jemandem vorzustellen, der ihn weiterführen kann. George Cecil Jones. ein ebenfalls ukulter interessierter Chemiker und Golden Dawn -Mitglied. Im Oktober 1898 zurück in England macht Baker sein Versprechen wahr. Er arrangiert dieses Treffen. Und Jones,

der Jahrgang 1873 ist und nur wenig älter als Crowley, arbeitet als Chemiker und gehört eben diesem inneren Kreis an. Der erkennt dann auch Crowleys Potential und wahrscheinlich auch Beeindruckt von Crowley's umfassender Bibliothek, Okulta Bücher, die der sich mittlerweile angelegt hat, sponsert Jones Crowley zu einer Mitgliedschaft im Hermetic Order of the Golden Dawn. Und damit hat unser junger Crowley den Punkt erreicht, wo er Magier trifft und Magier werden wird. Er hat sein persönliches Hogwarts quasi gefunden.

Das ist... Tatsächlich für die nächste Folge ein bisschen Harry Potter -mäßig. Es gibt Magier Duelle und viele Streitereien unter Zauberern im viktorianischen London des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Aber das ist die erste Etappe von Aleister Crowley's Weg. Ursprünglich eben als gänkliches Kind einer sehr religiösen Familie, dann als Dichter, Bergsteiger, Schachspieler.

Vor allem eben als Provokateur und restloser suchender, verborgener Wahrheiten, der jetzt scheinbar an sein Ziel angekommen ist und die verborgenen Wahrheiten gefunden hat. Mehr dazu nächste Woche. Jonas, wie fandest du den ersten Teil zu Crowley? Was denkst du über das Leben des frühen Alistar? Ich glaube, dass seine ganzen Hobbys und Stationen Dichtung, Bergsteigen, selbst Schach, das hat ihn alles zu diesem Punkt hin geführt jetzt. Also es war ihm alles irgendwo auch nützlich. Bergsteigen, Berge sind auch so ein Ort des übernatürlichen, wie Wüsten. Dann natürlich Literatur, das Wort als Magie. Ich meine Schach fällt da vielleicht ein bisschen raus, aber wenn man sucht, dann braucht man auch

einen analytischen Verstand, den er ja ganz offensichtlich hatte. Also... Tatsächlich dieses ständige Wiederholen von Stellungen, das genaue Positionieren von Figuren auf einem Brett und dann quasi das eine Figur steht woanders und du hast ein anderes Ergebnis. Das findet sich auf jeden Fall dann auch später, wenn ihr diese ganzen mittelalterlichen Fumas durcharbeitet und die, keine Ahnung, die Lesser Keys of Solomon versucht, alle Magiesprüche daraus zu machen. sich abrahemilischer Magie verschreibt. Er wird sehr viel mit John Dee.

Auch der Verweis nochmal hört unsere frühen Folgen zu John Dee. Das kommt jetzt alles wieder. Alessa Crowley ist riesiger John Dee Fan und will die ganze Zeit wie er mit Engeln reden und macht ganz viele Rituale dann auch nach, die er Praktiziert die aktiv auch. Also ganz spannend, wie das alles zusammenwächst jetzt in den Folgenden. Aber die Veranlagungen, denke ich, sind alle schon da.

Ja, und eine Sache, die mir auch noch aufgefallen ist, er kommt natürlich aus einer wohlhabenden Familie. Und ja, meistens sind das solche Leute, die dann am radikalsten werden. Also ich glaube, fände es oft bei Burroughs, der dann auch so in diese Schiene abdriftet, der auch aus einer sehr wohlhabenden Familie kam. Und ja, das ist wohl oft so ein Weg, der da vorgibt. Burroughs gibt es erstaunlich viele Parallelen tatsächlich.

Dieses der ältere Mannsein und diese jungen Akolyten um sich haben, auch eine Figur, die dann in den 60er Jahren mit der Gegenkultur groß wird und also richtig bemünft wird eigentlich noch. Und ja, also ganz viele Parallelen zwischen Borrows und Crowley hier. Ganz ohne Frage auch. Literalisch Leute, die beide schockieren wollten, die über Drogen und Homoerotik geschrieben haben und damit versucht haben, Grenzen zu sprengen, die zweifelhafte Dinge in ihrem Privatleben gemacht haben, die beide Zeit in Nordafrika verbracht haben und ihre Weltreisen gemacht haben und so weiter und so fort. Wir bedanken uns bei unseren Produzentinnen und Produzenten, die uns hier auf Patreon unterstützen und die sich in die Liste eingetragen haben,

dass sie gerne namenslich genannt werden wollen. Das könnt ihr auch tun, wenn ihr uns unterstützt. Wir bedanken uns ganz herzlich. Vielen Dank für die Unterstützung. Spinoza369, Sylvie und die Schmaus. Vielen lieben Dank euch und an alle anderen, wie ich eingangs erwähnt hatte. Wir brauchen noch ein paar gute Bewertungen auf Spotify und auf Apple Podcasts. Und wir freuen uns natürlich über alle, die bei Patreon dazukommen und uns auch unterstützen. Vielen lieben Dank. Ansonsten geht es magisch nächste Woche weiter. Wie gesagt, die Hogwarts -Zeit von Alistair Crowley wird Teil der nächsten Folge und Teil drei wird dann voraussichtlich seine Weltreise mit Unsichtbarkeitszaubern in Mexiko und vielem mehr. Und danach geht's

eben um Telemar, die Religionsgründung. Der fünfte Teil dann eher spätes Leben von Crowley und Tod. Ja, das ist so, was ich vorhabe, strukturmäßig. Tja, das war's. Dann bis bald. Bis zum nächsten Teil. Macht's gut, ihr Lieben. Bis zur nächsten Folge.

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