
Andreas’ Nacht – Märchen und Hörbücher zum Einschlafen
8 Stunden - Sherlock Holmes | 34 Fälle sanft erzählt zum Einschlafen 🔍
Mittwoch, 16. September 2026 · 8 h 19
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Shownotes
Von mir neu erzählt nach Arthur Conan Doyle – die Fälle ohne den Nervenkitzel, dafür mit dem ganzen Nebel.
Entspannt einschlafen mit den bekanntesten Fällen von Sherlock Holmes 🔍
Tauche ein in das nebelverhangene London des viktorianischen Zeitalters und begleite den berühmten Detektiv und seinen treuen Freund Dr. Watson durch ihre bekanntesten Ermittlungen. In diesem großen Hörbuch erwarten dich die Fälle der Baker Street – von „Eine Studie in Scharlachrot" über „Der Hund von Baskerville" bis zu den klassischen Kurzgeschichten.
Ein Krimi zum Einschlafen klingt zunächst widersprüchlich – und genau darin lag die Arbeit. Ich habe die Fälle so erzählt, dass die Atmosphäre bleibt und die Anspannung geht: kein Cliffhanger am Kapitelende, keine plötzliche Wendung, die dich hochschrecken lässt. Was bleibt, ist das viktorianische London bei Gaslicht, das Knistern im Kamin der Baker Street und eine ruhige Stimme, die dich durch die Nacht begleitet.
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⏱️ Kapitel:
() Intro
() Eine Studie in Scharlachrot
() Das Zeichen der Vier
() Ein Skandal in Böhmen
() Die Liga der Rothaarigen
() Eine Frage der Identität
() Das Rätsel von Boscombe Valley
() Die fünf Orangenkerne
() Der Mann mit der entstellten Lippe
() Der blaue Karfunkel
() Das gefleckte Band
() Der Daumen des Ingenieurs
() Der adelige Junggeselle
() Das Beryll-Diadem
() Die Blutbuchen
() Silberstern
() Das Musgrave-Ritual
() Der griechische Dolmetscher
() Das gelbe Gesicht
() Der Flottenvertrag
() Der Hund von Baskerville
() Das letzte Problem
() Die leere Villa
() Die tanzenden Männchen
() Die sechs Napoleons
() Die drei Garridebs
() Charles Augustus Milverton
() Die Bruce-Partington-Pläne
() Der Teufelsfuß
() Der zweite Fleck
() Die Abtei Grange
() Der Vampir von Sussex
() Der Rote Kreis
() Die einsame Radfahrerin
() Seine Abschiedsvorstellung
() Gute Nacht aus der Baker Street
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📺 Mit ruhigen Bildern: youtube.com/@andreasnacht
Erzählt mit dem KI-Klon meiner eigenen Stimme.
Hinweis: Diese Folge dient der Entspannung und ersetzt keine medizinische oder psychologische Behandlung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an einen Arzt.
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Ein Abend in der Baker Street. Sherlock Holmes, Sanft erzählt zum Einschlafen auf diesem Kanal findest du beides, die 3 großen Romane in voller epischer Länge und die klassischen Kurzgeschichten kompakt und sanft erzählt. Wenn ich diese Stimme durch die Nacht begleiten soll, dann bleib in Verbindung und abonniere. So findest du jede Nacht wieder zurück, wenn neue Geschichten auf dich warten.
Sei willkommen, mach es dir bequem, so bequem wie es nur geht, zieh die Decke ein wenig höher, lass die Schultern schwer werden und atme einmal langsam aus, ganz ohne Eile du musst dieser Geschichte nicht folgen, du musst dir nichts merken. Nichts lösen, nichts verstehen. Du darfst dich einfach tragen lassen von der Stimme durch eine Nacht in einer fernen, freundlichen Stadt. Stell dir das alte London vor, vor vielen, vielen Jahren, draußen liegt der Nebel weich über den Gassen, die Gaslaternen tauchen alles in ein mildes goldenes Licht. Und ab und zu hört man das gedämpfte Klappern eines Pferdewagens auf nassem Pflaster, das langsam in der Ferne verklingt.
Es ist Abend, die Stadt kommt zur Ruhe in einer ruhigen Straße in der Baker Street im 1. Stock eines gemütlichen Hauses, brennt noch ein Licht. Hier wohnt ein Mann, dessen Namen die ganze Welt einmal kennen wird. Sherlock Holmes, der berühmte Detektiv, und bei ihm sitzt sein treuer Freund, der gute Doktor Watson, der all seine Abenteuer aufgeschrieben hat. Im Kamin knistert ein kleines Feuer, ruhig und warm, 2 tiefe Sessel stehen davor, es duftet nach Tee. Und nach altem Papier.
Wir werden heute Nacht ein wenig hier verweilen in diesem warmen Zimmer und Doktor Watson wird uns mit leiser Stimme von seinen Fällen erzählen, von klugen Rätseln und verborgenen Geheimnissen, von Nebel und Gaslicht und von Menschen, die an die Tür der Baker Street klopften. Keine dieser Geschichten wird dich erschrecken, sie sind nur dazu da, dich sanft hinüberzutragen in den Schlaf, also lass den Tag nun los, du bist an einem sicheren, warmen Ort, das Feuer wacht, die Stadt schläft und wann immer dir die Augen zufallen wollen, lass es geschehen.
Du darfst jederzeit einschlafen, die Geschichten erzählen ruhig weiter. Hör nun, wie Doktor Watson beginnt eine Studie in Scharlachrot im Jahre, da meine Geschichte beginnt, war ich John Watson, ein junger Militärarzt eben aus dem Krieg in Afghanistan, nach England zurückgekehrt. Eine Verwundung und eine schwere Krankheit hatten mich gezeichnet.
Man hatte mich für Dienstuntauglich erklärt und Heimgeschickt. So kam ich nach London, jener großen Stadt, in der sich, wie ich gern sage, alle Müßiggänger und Tagediebe des Weltreichs sammeln. Ich wohnte in einem Hotel, führte ein Ziel und Zweckloses leben. Und gab mehr Geld aus, als mir lieb sein konnte. Bald wurde mir klar, dass ich entweder die große Stadt verlassen oder meine ganze Lebensweise ändern müsse. Ich beschloss, mir eine Bescheidenere, billigere Bleibe zu suchen, an eben dem Tag, da ich diesen Entschluss fasste, traf ich in einer Gaststätte einen alten Bekannten. Den jungen Stamford, der einst unter mir als Gehilfe im Krankenhaus gearbeitet hatte, ein vertrautes Gesicht in der großen, fremden Stadt, ist eine
wahre Wohltat. Und so lud ich ihn herzlich zum Essen ein und wir plauderten über alte Zeiten. Im Gespräch erzählte ich ihm von meiner Not, eine erschwingliche Wohnung zu finden. Das ist seltsam, sagte Stamford. Sie sind heute schon der zweite, der mir das sagt. Und wer war der Erste, fragte ich. Ein Mann, der im chemischen Laboratorium des Krankenhauses arbeitet. Er hat eine hübsche Wohnung gefunden, die ihm allein zu teuer ist, und sucht jemanden, der sie mit ihm teilt, dann füllen sie mich doch zu ihm, rief ich. Stamford aber zögerte und sah mich von der Seite an. Sie kennen diesen Sherlock Holmes noch nicht, sagte er, vielleicht möchten Sie ihn nicht zum ständigen Gefährten haben, warum, was ist mit ihm?
Oh, nichts Schlimmes, nur er ist ein wenig sonderbar, ein Fanatiker in mancher Wissenschaft, soweit ich weiß, ein anständiger Mensch, aber seine Art ist eigen, er ist kühl. Voller seltsamer Kenntnisse und manche seiner Studien sind, nun ja, ungewöhnlich. Das alles machte mich nur neugieriger und so gingen wir gleich nach dem Essen hinüber zum Krankenhaus, zum Laboratorium, in dem dieser Herr Holmes zu finden war.
Wir traten in einen weiten, stillen Raum voller Glaskolben, Flaschen und Geräte in einer Ecke. Über einen Tisch gebeugt saß ein hochgewachsener, hagerer junger Mann ganz versunken in eine Untersuchung, als er uns bemerkte, sprang er auf und sein Gesicht leuchtete vor Begeisterung. Ich hab es gefunden, ich hab es gefunden, rief er und eilte mit einem Reagenzglas in der Hand auf uns zu. Ich habe ein Mittel entdeckt, das sich nur durch Blutfarbstoff niederschlägt und.
Und durch nichts anderes einen untrüglichen Nachweis für Blut. Begreifen Sie, was das bedeutet, wie viele Verbrechen sich damit aufklären lassen, erst dann schien er zu bemerken, dass Stamford nicht allein gekommen war. Stamford stellte uns einander vor, und nun geschah etwas, das ich mein Leben lang nicht vergessen habe.
Kaum hatte Holmes meine Hand ergriffen. Da sah er mich mit seinen klaren, durchdringenden Augen an und sagte ruhig, beinahe beiläufig, sie sind in Afghanistan gewesen, wie ich sehe. Ich starrte ihn verblüfft an, woher in aller Welt wissen Sie das, fragte ich. Holmes lächelte nur leise vor sich hin, das tut nichts zur Sache, sagte er, die Frage war ja, ob Blut sich nachweisen lässt.
Und das lässt es sich nun doch. Mir ging diese kleine rätselhafte Bemerkung nicht mehr aus dem Kopf. Wie konnte dieser Fremde auf den ersten Blick wissen, woher ich kam? Mir kamen ins Gespräch über die Wohnung und es zeigte sich, dass wir uns wohl vertragen würden, ich sollte ihnen wohl meine schlechten Eigenschaften beichten. Sagte Holmes freimütig.
Ehe wir uns zusammentun. Ich rauche starken Tabak, ich spiele zu ungewöhnlichen Stunden Geige, und es kommt vor, dass ich tagelang kein Wort spreche, wenn eine trübe Stimmung mich befällt, nehmen Sie mir das dann nicht übel, ich musste lächeln und ich erwiderte, ich halte mir vielleicht einen jungen Hund.
Ich vertrage keinen Lärm, weil meine Nerven angegriffen sind, und ich stehe zu unmöglichen Zeiten auf und bin überaus faul, wenn ich gesund bin, kommen noch andere Untugenden hinzu, aber das sind im Augenblick die wichtigsten. Wir lachten beide und damit war die Sache im Grunde besiegelt. So kam es, dass ich John Watson. Und Sherlock Holmes am nächsten Tag gemeinsam die Wohnung besichtigten, jene berühmten Zimmer in der Baker Street Nummer 221 B.
Es waren 2 behagliche Schlafzimmer und ein großes, luftiges, freundlich möbliertes Wohnzimmer mit 2 breiten Fenstern. Die Räume gefielen uns so gut und der Preis geteilt war so erschwinglich, dass wir sie auf der Stelle nahmen. Noch am selben Abend brachte ich meine habe aus dem Hotel herüber und am nächsten Tag folgte Holmes mit seinen Kisten und Koffern.
Eine Weile waren wir beide damit beschäftigt, uns einzurichten und unsere Siebensachen unterzubringen, doch bald hatten wir uns eingelebt und gewöhnten uns an die neue Umgebung und aneinander, so begann ganz schlicht und beiläufig. Die längste und merkwürdigste Freundschaft meines Lebens. Ich ahnte damals noch nicht, was für ein außergewöhnlicher Mann mein neuer Hausgenosse war, welch seltsame Gaben in ihm schlummerten und in welche Abenteuer er mich führen würde.
Vorerst war er mir nur ein höflicher, ein wenig wunderlicher Mensch, er. Dessen rätselhafte Bemerkung über Afghanistan mir noch immer im Sinn, lag in den ersten Wochen unseres Zusammenlebens wurde mein hausgenosse Sherlock Holmes mir mehr und mehr zu einem Rätsel. Sein Tageslauf war höchst sonderbar, manchmal arbeitete er von früh bis spät in einem fieberhaften Eifer, dann wieder lag er tagelang reglos auf dem Sofa.
Sprach kaum ein Wort und starrte zur Decke. Sein Wissen war ebenso merkwürdig verteilt, in manchen Dingen war er erstaunlich gelehrt, in anderen vollkommen unwissend. Ich war verblüfft, als ich entdeckte, dass er nicht einmal wusste, dass die Erde um die Sonne kreist. Und als ich es ihm sagte, erklärte er, er werde sich Mühe geben, es sogleich wieder zu vergessen. Das menschliche Gehirn, sagte er, ist wie eine kleine leere Dachkammer.
Ein Tor füllt sie wahllos mit allem Kram. Der kluge Mensch aber nimmt nur das hinein, was ihm bei seiner Arbeit nützt. Aus reiner Neugier versuchte ich, mir einen Reim auf seinen Beruf zu machen, eines Tages stieß ich in einer Zeitschrift auf einen Aufsatz. Mit dem hochtrabenden Titel das Buch des Lebens er behauptete, ein geübter Beobachter könne aus den kleinsten Kleinigkeiten, einem Blick, einer Handbewegung, einem Fleck am Ärmel die ganze Lebensgeschichte eines Menschen ablesen.
Ich fand das Vermessen und sagte es offen, reiner Unsinn, erklärte ich. Und warf die Zeitschrift hin. Holmes lächelte still. Den Aufsatz habe ich geschrieben, sagte er ruhig, es ist keine Theorie, sondern mein täglich Brot, ich bin ein beratender Detektiv, wohl der einzige seiner Art auf der Welt. Und nun erklärte er mir endlich seinen Beruf. Wenn die Polizei oder Privatleute mit einem Rätsel nicht weiterkämen, so kämen sie zu ihm und er löse es oft, ohne den Sessel zu verlassen.
Allein durch das Denken. Aber jene Sache mit Afghanistan, sagte ich, die lässt mir keine Ruhe. Wie konnten Sie das wissen? Holmes schmunzelte, es war ganz einfach, sagte er. Mein Verstand zog die Schlüsse so rasch, dass ich zum Ergebnis kam, ohne der einzelnen Schritte gewahr zu werden. Doch ich kann sie ihnen nennen.
Ich sah einen Herrn vor mir, der etwas von einem Arzt an sich hatte, zugleich aber die Haltung eines Soldaten, also ein Militärarzt, sein Gesicht war tief gebräunt, doch das war nicht seine natürliche Hautfarbe, denn die Handgelenke waren hell, er war also in einem heißen Land gewesen. Sein müdes, abgezerrtes Gesicht sprach von Ausgestandener Krankheit und Entbehrung. Den linken Arm hielt er steif und unnatürlich. Eine Verwundung.
Nun frage ich Sie, wo in den Tropen mochte ein englischer Militärarzt sich solche Strapazen geholt und am Arm eine Wunde davon getragen haben, offenkundig in Afghanistan. Wenn sie es so erklären, sagte ich lachend, klingt es lächerlich einfach. Das ist es immer, sagte Holmes, bis man es erklärt. Von diesem Tag an sah ich meinen sonderbaren Hausgenossen mit ganz anderen Augen.
Ich begann zu begreifen, dass hinter seiner kühlen, wunderlichen Art ein außergewöhnlicher Geist verborgen lag, eine Beobachtungs und Schlusskraft. Wie sie mir nie zuvor begegnet war. Oft kamen nun Besucher zu ihm, bald ein vornehmer Herr, bald ein einfacher Bote, bald ein Beamter der Polizei, sie alle, so verschieden sie waren, brachten ihm ihre Rätsel, und er hörte sie an, stellte ein paar knappe Fragen und gab ihnen Bescheid, das sind meine Klienten, erklärte er mir.
Sehn Sie Watson, diese beiden, die so oft kommen, Grxon und Lestrade, das sind Beamte der Geheimpolizei, tüchtige Männer auf ihre Art, aber sie stecken bisweilen fest. Dann holen Sie mich an eben einem solchen Morgen, als Sie beim Frühstück saßen, brachte der Bote einen Brief, Holmes überflog ihn. Und ein Funke trat in seine Augen. Es ist von Gregson.
Dem Polizeibeamten, sagte er, hören Sie nur, er las mir vor, in einem leerstehenden Haus an einem Ort namens Loreston Gardens habe man am Morgen einen toten Mann gefunden, einen gut gekleideten Herrn ohne sichtbare Wunde. Doch unter höchst rätselhaften Umständen Gregson bat Holmes sogleich zu kommen und ihm mit seinem Rat beizustehen, wollen sie mitkommen. Watson fragte Holmes und sprang auf plötzlich ganz Leben und Tatkraft, frische Luft und ein hübsches Rätsel, das ist genau das, was wir beide brauchen.
Ich war nur zu gern bereit und wenige Minuten später saßen wir in einer Droschke auf dem Weg zum Schauplatz meines allerersten gemeinsamen Falls mit Sherlock Holmes. Unsere Droschke hielt vor einem düsteren, leerstehenden Haus in einer stillen Vorstadtstraße, es machte einen unheimlichen, verlassenen Eindruck. Mit blinden Fenstern und einem kleinen, verwilderten Vorgarten an der Tür erwarteten uns bereits 2 Beamte der Polizei. Der hochgewachsene blonde Gregson und sein hagerer, Rattengesichtiger Kollege Lestrade. Die beiden, von denen Holmes mir erzählt hatte. Sie begrüßten ihn höflich, doch mit jener leichten Herablassung. Die Fachleute einem Außenseiter gern entgegenbringen. Eine merkwürdige Sache, sagte
grxon Ich dachte mir, das wäre vielleicht etwas für sie, Herr Holmes. Ehe wir eintraten, tat Holmes etwas, das die beiden Beamten ungeduldig machte, statt rasch ins Haus zu gehen, schlenderte er bedächtig über den Gartenweg, den Blick fest auf den Boden geheftet. Und betrachtete den aufgeweichten Lehm, die Pfützen, die Gleise im Schlamm. Mehrmals blieb er stehen, einmal sah ich ihn sogar zufrieden lächeln, man hat den Boden zwar schon zertrampelt, murmelte er, aber es ist noch genug zu lesen, erst dann gingen wir hinein durch einen leeren, staubigen Flur in ein verlassenes Zimmer, in dem der Tote lag.
In dem öden, möbellosen Raum auf den nackten Dielen lag ein gut gekleideter Herr von etwa 40 Jahren. Sein Gesicht trug einen Ausdruck, den ich als Arzt selten so deutlich gesehen hatte, nicht Schmerz, sondern Entsetzen und Hass, als habe er in seinen letzten Augenblicken etwas Furchtbares erblickt und doch.
Das war das Sonderbare an seinem Körper war, keine Wunde zu finden, kein Tropfen seines eigenen Blutes. Wie also war er gestorben? In seiner Tasche fanden sich Visitenkarten mit dem Namen Inoch Drebber und einer Stadt in Amerika, ein Fremder also, sagte Gregson erst kürzlich aus Übersee gekommen. Nun begann Holmes seine eigentliche Arbeit und ich sah ihm zum ersten Mal bei jener stillen Kunst zu, die ihn berühmt machen sollte.
Mit einem Maßband und einer großen Lupe bewaffnet kniete er nieder und durchmaß das ganze Zimmer, bald kroch er über die Dielen, bald lag er beinahe flach am Boden, prüfte den Staub, ein paar Aschereste. Die Spuren im Leben an den Stiefeln des Toten. Er murmelte vor sich hin, stieß kleine Rufe der Befriedigung aus, ganz versunken in seine Untersuchung, als seien wir anderen gar nicht vorhanden.
Die beiden Beamten sahen einander an, halb spöttisch, halb verwundert über dieses seltsame Treiben, da rief Lestraat, der in einer dunklen Ecke gestöbert hatte, plötzlich aus. Hierher sehen Sie sich das an, in der Ecke, wo der Verputz von der Wand blätterte, stand mit roter Schrift ein einziges Wort geschrieben mit Blut, wie sich zeigte, von einer Hand in groben Buchstaben an die Mauer gemalt.
Rache. Was halten Sie davon, fragte Lestra triumphierend. Es war zu dunkel, der Mörder wollte wohl einen Frauennamen schreiben. Rachel kam aber nicht dazu. Passen Sie auf eine Frau namens Rachel, steckt dahinter Holmes, der eben wieder in seine Untersuchung vertieft war, lachte leise in sich hinein, Rache, sagte er ruhig, das ist kein Frauenname.
Rache ist das deutsche Wort für Vergeltung, und ich rate Ihnen, verlieren Sie keine Zeit damit, nach einer Rachel zu suchen. Als Holmes seine Untersuchung beendet hatte, richtete er sich auf und in seinen Augen lag jene stille Gewissheit, die ich später so gut kennenlernen sollte. Nun sagte Gregson halb spöttisch, können sie uns auch sagen? Wer der Täter war, das kann ich in der Tat, sagte Holmes gelassen und zählte ruhig auf, als lese er es von einem Blatt ab.
Es war ein Mann, er war groß gewachsen in den besten Jahren, hatte für seine Größe auffallend kleine Füße, trug grobe, Vorneckige Stiefel. Und rauchte eine besondere Zigarrensorte er kam mit seinem Opfer in einer vierrädrigen Droschke hierher, gezogen von einem Pferd mit 3 alten und einem neuen Hufeisen. Der Mann hatte ein rotes, blühendes Gesicht und ungewöhnlich lange Fingernägel an der rechten Hand, es sind nur ein paar Anhaltspunkte, aber sie könnten ihnen helfen. Die beiden Beamten starrten ihn ungläubig an. Und woran ist der Mann gestorben, wenn er keine Wunde hat, fragte Gregson an Gift, sagte Holmes ruhig, man hat ihn gezwungen, ein Gift zu nehmen und noch etwas, das Verbrechen geschah aus einem alten, tiefen
Hass, aus Liebe und Rache. Sehen Sie diesen Ring? Er hielt einen schlichten goldenen Reif empor, einen Frauen Ehering, den er am Boden gefunden hatte. Der lag neben dem Toten, wo eine Frau im Spiel ist. Da liegt das Herz des Rätsels, finden Sie, die Frau, der dieser Ring gehörte, und sie sind dem Mörder nahe, damit reichte er den Beamten die wichtigsten Fäden in die Hand und.
Und überließ es ihnen, zunächst auf ihre Weise damit zu verfahren. Auf der Heimfahrt war Holmes bester Laune und erklärte mir, wie er zu jedem seiner Schlüsse gekommen war, aus der Länge der Schritte im Lehm, aus der Höhe der Schrift, an der Wand, aus der Asche, aus den Spuren der Räder. Sehen Sie Watson, sagte er so vieles, was geheimnisvoll erscheint, wird einfach, sobald man es nur richtig liest. Die meisten Menschen sehen aber, sie beobachten nicht. Ich hörte ihm gebannt zu und mir dämmerte, dass ich an der Seite eines wahrhaft außergewöhnlichen Mannes lebte und dass dies erst der Anfang war, wieder daheim in der Baker Street wollte Holmes noch jenen Schutzmann sprechen, der den Toten in der Nacht gefunden hatte, einen gewissen
John Rance. Wir ließen ihn zu uns bitten und der gutmütige, etwas schwerfällige Mann erzählte bereitwillig, was er erlebt hatte. Er sei in jener Nacht seine Runde gegangen, berichtete er, und habe in dem leeren Haus ein Licht bemerkt, was ihn stutzig machte. So habe er nachgesehen und den Toten gefunden, und sonst, fragte Holmes beiläufig.
Ist ihnen sonst nichts begegnet auf Ihrer Runde? Nur ein Betrunkener, sagte Rance, ein großer Kerl, der torkelte am Zaun entlang und grölte ein Lied, ich half ihm noch auf die Beine, dann ließ ich ihn ziehen, mit so einem hat man ja nur Scherereien. Bei diesen Worten sprang Holmes auf und in seinem Gesicht stritten Verdruss und Belustigung. Mein guter Mann, rief er.
Dieser Betrunkene war der Schlüssel zum ganzen Rätsel. Das war kein Trunkenbold, das war der Mörder selbst. Rance starrte ihn mit offenem Mund an. Der Mann erklärte, Holmes hatte beim Verlassen des Hauses etwas verloren, das ihm überaus wichtig war. Er kam zurück, um es zu suchen. Und um nicht aufzufallen, gab er sich als harmloser Betrunkener und sie, mein Freund, haben ihm noch auf die Beine geholfen und ihn freundlich ziehen lassen.
Der arme Rance wusste nicht, wohin er blicken sollte, Holmes seufzte und winkte ab, dem Mann war nun nicht mehr zu helfen, was aber hatte der Mörder verloren, fragte ich, als Rance gegangen war. Holmes hielt den schlichten goldenen Ehering empor, den er am Tatort gefunden hatte. Diesen Ring Watson sehen sie, wie sehr er ihm bedeuten muss ein Mann begibt sich noch einmal in tödliche Gefahr, kehrt an den Ort seiner Tat zurück, nur um ihn wiederzubekommen dieser Ring ist das Herz des Geheimnisses, an ihm hängen liebe, Verlust und Rache. Und wie wollen Sie ihn nutzen, fragte ich mit einer kleinen List sagte Holmes lächelnd, ich werde in den Zeitungen eine Anzeige aufgeben, ein goldener
Ehering sei in der Nähe von Lorreston Gardens gefunden worden, der Eigentümer möge ihn abholen, der Mörder oder einer seiner Helfer wird, so hoffe ich, nicht widerstehen können, ihn zurückzuholen. Die Anzeige erschien und am Abend warteten wir gespannt. Holmes hatte sich vorsichtshalber einen zweiten, ganz ähnlichen Ring besorgt, um den Echten, nicht aus der Hand geben zu müssen.
Tatsächlich läutete es bald und hereinkam eine alte gebeugte Frau, in ein Tuch gehüllt, die mit zittriger Stimme erklärte, dass. Der Ring gehöre ihrer Tochter Sally, die ihn verloren habe. Holmes gab ihr freundlich den vertauschten Ring und die Alte humpelte dankend hinaus, doch kaum war sie fort, da griff Holmes nach Hut und Mantel, ich folge ihr, flüsterte er mir zu, sie wird mich zu ihrem Auftraggeber führen und schon war er verschwunden.
Eine ganze Weile später kehrte Holmes zurück. Mit leeren Händen und einem Verdrießlichen, doch zugleich beinahe bewunderndem Lächeln überlistet Watson, sagte er und ließ sich in seinen Sessel fallen. Ich bin der Alten in einer Droschke gefolgt, doch als der Wagen hielt und ich nachsah, war sie verschwunden, wie in Luft aufgelöst. Verschwunden, fragte ich.
Ich vermute, sagte Holmes, dass die alte Frau gar keine alte Frau war, sondern ein flinker junger Bursche in geschickter Verkleidung, ein Helfer des Mörders, der mir das Stück vorspielte und sich im rechten Augenblick davon machte. Wir haben es mit einem klugen und gut unterstützten Gegner zu tun. Doch Holmes ließ sich nicht entmutigen, macht nichts, sagte er heiter.
Die Spur ist gelegt, ich weiß nun mehr als unser Gegner ahnt. Am nächsten Tag erschien der Polizeibeamte Gregson bei uns, hoch aufgerichtet und strahlend vor stolz. Ich habe den Fall gelöst. Herr Holmes, verkündete er, während sie noch über Asche und Fußspuren grübeln. Habe ich den Täter bereits hinter Schloss und Riegel?
Er erzählte, der ermordete Drabba habe in einer Pension gewohnt, geführt von einer würdigen Frau der Witwe Charpentier, die eine hübsche junge Tochter hatte, Drabba, ein roher, dem Trunk ergebener Mensch. Habe das Mädchen belästigt, bis der Bruder, ein junger Marineoffizier namens Arthur Charpentier, ihn empört aus dem Haus warf und ihm zornig Nachsetzte.
Verstehen Sie, rief Graxon der junge Charpentier verfolgte Drebber in der Nacht und brachte ihn um, ich habe ihn verhaftet, der Fall ist klar. Holmes hörte ihm höflich zu. Doch in seinen Augen lag ein feiner Zweifel. Eine saubere Arbeit, sagte er trocken. Nur frage ich mich, wie ihr junger Offizier dem Toten das Gift eingeflößt haben soll, ehe grexon Antworten konnte, stürzte ein Zweiter herein, der hagere Listrat, doch nicht triumphierend wie sonst, sondern bleich und verstört.
Es ist ein neues Unglück geschehen, stieß er hervor. Ein zweiter Mord. Wir sahen ihn betroffen an, der Sekretär des Toten, berichtete Lestraat, ein gewisser Joseph Stangerson, der Drebber auf seinen Reisen begleitete. Auch er ist nun tot, man hat ihn am Morgen in seinem Hotelzimmer gefunden, und wie starb er, fragte Holmes rasch und gespannt. Durch einen Stich.
Diesmal, sagte Lestraat, und über ihm an der Wand stand wieder dasselbe Wort in roter Schrift Rache. Gregson sank sichtlich in sich zusammen, sein schöner Verdacht war mit einem Schlag zerstört, denn sein Gefangener, der junge Charpentier, saß ja längst sicher verwahrt und konnte unmöglich diesen zweiten Mord begangen haben.
Ihr Fall, lieber Gregson, sagte Holmes nicht ohne Milde, ist soeben in sich zusammengefallen. Die beiden Toten gehören zusammen und ihr Mörder ist noch frei, da ist noch etwas, fügte Lestraat hinzu und zog ein kleines Schächtelchen hervor, das fand ich neben dem Toten. Ich verstehe nicht, was es bedeuten soll. Holmes öffnete das Schächtelchen. Und darin lagen 2 kleine Pillen.
Sein Gesicht leuchtete auf, als habe er einen Schatz gefunden. Endlich rief er leise das meine Herren, ist das fehlende Stück mit diesen 2 kleinen Pillen halte ich den Schlüssel zum ganzen Geheimnis in der Hand. Die beiden Beamten sahen ihn verständnislos an ihnen waren es nur 2 unscheinbare Pillen.
Holmes aber betrachtete sie mit ruhiger Gewissheit. Sehen sie, sagte er, beide gleichen einander aufs Haar, und doch wette ich, dass die eine völlig harmlos ist und die andere ein tödliches Gift enthält. Darin liegt das ganze dunkle Wesen dieses Verbrechens, lassen Sie mich es Ihnen beweisen. So fügten sich allmählich die Teile zusammen. 2 Tote, beide aus Amerika gekommen, beide von derselben Hand gerichtet. Das blutige Wort an der Wand, der Ehering und nun diese 2 rätselhaften Pillen.
Während Grxon und Lestrate noch ratlos dastanden, war für Holmes das Bild beinahe vollständig. Geben Sie mir nur ein wenig Zeit, sagte er, und ich werde Ihnen nicht nur sagen, wer der Mörder ist, sondern ihn ihnen leibhaftig in dieses Zimmer bringen. Die Beamten lächelten ungläubig, doch ich, der ich Holmes schon ein wenig kannte.
Ahnte, dass er sein Wort halten würde. Holms wollte den beiden Beamten beweisen, dass eine der 2 Pillen ein Gift barg und die andere harmlos war. Bei unserer Wirtin lebte ein alter kranker kleiner Hund, ein treues Tier, das schon lange litt und dem die gute Frau ohnehin von seinem Leiden erlösen lassen wollte.
Sanft nahm Holmes das müde Tier auf den Schoß. Ich werde ihm seinen Frieden bringen, sagte er leise und uns zugleich die Wahrheit. Er löste die eine Pille in etwas Milch auf und gab sie dem Hund. Nichts geschah, das Tier blieb ruhig liegen wie zuvor die also ist harmlos, sagte Holmes, dann reichte er ihm einen Teil der zweiten Pille.
Kaum hatte das Tier davon genommen, da streckte es sich, atmete ein letztes Mal tief und schlief friedlich und ohne Schmerz für immer einsehen sie, sagte Holmes leise, die eine Pille tötet die andere nicht, genau so hat es der Mörder eingerichtet, begreifen sie nun, das furchtbare Spiel, fuhr Holmes fort. Unser Mörder ist kein gewöhnlicher Räuber. Er hasste seine Opfer aus tiefem altem Grund und er wollte ihnen nicht einfach den Tod geben, sondern ein Urteil, ein gottesgericht er hielt ihnen die beiden gleichen Pillen hin und ließ sie wählen.
Die eine bringt den Tod, die andere das Leben. So legte er die Entscheidung gleichsam in eine höhere Hand und überließ es dem Zufall oder dem Schicksal, den Schuldigen zu treffen. Ein Schauer lief mir über den Rücken bei dem Gedanken an einen Mann, der seine Rache in eine solch düstere Form goss. Wer aber ist dieser Mensch, fragte Gregson. Sein Name, sagte Holmes ruhig, ist Jefferson Hope. Und er ist von Beruf droschkenkutscher. Die Beamten sahen ihn verblüfft an. Ich habe ihn längst aufspüren lassen, erklärte Holmes, sie wissen, ich habe meine kleinen Helfer auf den Straßen. Eine Schar flinker Gassenjungen, die für mich Augen und Ohren offen halten, Sie haben mir die Droschke und ihren Kutscher gefunden, und ich habe diesen
Kutscher hierher bestellt unter dem Vorwand, ich brauche einen Wagen. Kaum hatte er das gesagt, da klopfte es auch schon. Das wird er sein, sagte Holmes gelassen. Bitte, meine Herren, halten Sie sich bereit. Ein kräftiger, wettergegerbter Mann trat ein, die Mütze in der Hand, ganz der harmlose Kutscher, der gekommen war, um einem Fahrgast das Gepäck zu tragen, sie wünschten einen Wagen, fragte er.
Ja, sagte Holmes freundlich, helfen Sie mir nur mit diesem Koffer. Der Mann beugte sich arglos hinab, und in eben diesem Augenblick mit einer raschen, geübten Bewegung ließ Holmes die Handschellen um seine Gelenke schnappen. Meine Herren, sagte er ruhig, darf ich Ihnen Jefferson Hope vorstellen?
Den Mörder von Drebber und Stangerson einen Augenblick stand der Gefangene wie versteinert, dann durchfuhr ihn die Erkenntnis und mit der Kraft eines verzweifelten Mannes versuchte er sich loszureißen und zum Fenster zu stürzen. Doch wir waren zu viert, nach einem kurzen, heftigen Ringen war er überwältigt und gab den Kampf auf.
Schwer atmend, doch seltsam ruhig ließ er von sich ab. Und nun geschah etwas Merkwürdiges. Der gefasste Mann wehrte sich nicht länger und leugnete nichts, im Gegenteil, eine große Ruhe kam über ihn, beinahe Erleichterung. Es ist gut so, sagte er schwer atmend, ich habe getan, was ich tun musste.
Und nun ist es vorüber. Ich will Ihnen alles erzählen, jedes Wort, denn ich bin kein gewöhnlicher Mörder, und meine Geschichte ist lang und reicht weit zurück bis in ein fernes Land und in längst vergangene Tage. Holmes nickte ernst. Erzählen sie, sagte er ruhig, wir hören Ihnen zu. Und so begann Jefferson Hope, der gefasste Kutscher, seine seltsame und traurige Geschichte. Die Geschichte von einer großen Liebe, einem schweren Unrecht und einer Rache, die ihn um die halbe Welt getrieben hatte, um Jefferson Hopes Geschichte zu verstehen, müssen wir weit zurückgehen, über viele Jahre und über das weite Meer hinweg. In die endlosen Einöden des amerikanischen Westens. Dort dehnt sich eine gewaltige
Lebensfeindliche Salzwüste, in der nichts wächst und in der schon mancher Wanderer den Tod gefunden hat, in dieser Einöde vor langer Zeit kämpften 2 Menschen ums nackte Überleben, ein hagerer, erschöpfter Mann namens John Farrier. Und ein kleines Mädchen, die fünfjährige Lucy. Sie waren die letzten Überlebenden einer großen Auswanderergruppe, die in der Wildnis zugrunde gegangen war, an Hunger, Durst und Entkräftung.
Nun saßen sie allein in der glühenden Weite, ohne Wasser, ohne Hoffnung und warteten still auf das Ende, doch in der Stunde der höchsten Not. Kam Rettung am fernen Horizont, erschien eine ungeheure Staubwolke und bald sah man, dass sie von einem gewaltigen Zug von Menschen herrührte. Tausende von Siedlern mit ihren Wagen, ihrem Vieh und Ihrer habe die durch die Wüste zogen, um sich in einem fernen, fruchtbaren Land eine neue Heimat zu gründen.
Es war eine große Gemeinschaft gläubiger Menschen, geführt von einem strengen, ernsten Anführer, den sie ihren Propheten nannten. Sie fanden den sterbenden Mann und das Kind, gaben ihnen zu trinken und Nahrung und nahmen sich ihrer an, doch der Anführer knüpfte an die Rettung eine Bedingung, wer mit ihnen ziehe, der müsse sich auch ihrem Glauben. Und ihren Gesetzen fügen John Farrier um des Kindes willen, das er nun wie eine eigene Tochter liebte, willigte ein. So wurden die beiden in die große Schar aufgenommen und zogen mit ihr weiter durch die Wüste, nach langer, beschwerlicher Wanderung erreichte der Zug endlich sein Ziel, ein weites Tal an einem großen Salzsee. Fruchtbar und schön von Bergen
umrahmt hier ließen sich die Siedler nieder und mit unermüdlichem Fleiß verwandelten sie die Wildnis in blühendes Land. Felder wurden bestellt, Häuser gebaut und bald wuchs mitten in der einstigen Einöde eine ordentliche, lebendige Stadt heran. John Ferrier erwies sich als tüchtiger, fleißiger Mann.
Er erwarb Land, baute einen stattlichen Hof und brachte es mit den Jahren zu Wohlstand und ansehen. Die kleine Lucy aber wuchs unter seiner liebevollen Obhut heran, behütet und glücklich, das Sonnenlicht in seinem Leben, so vergingen die Jahre in Frieden und Mühe. Und aus dem geretteten Kind wurde allmählich eine junge Frau. Und welch eine junge Frau.
Lucy Farrier wuchs zu einer Schönheit heran, anmutig und frisch, mit klaren Augen und einem fröhlichen, gütigen Herzen in der ganzen Gegend nannte man sie nur die Blume von Jutta, und mancher junge Mann blickte ihr sehnsüchtig nach. Faria sah es mit Stolz und Zärtlichkeit. Sie war ihm Tochter und ganzes Glück zugleich.
Eines aber Unterschied die beiden stets ein wenig von den anderen, obwohl sie äußerlich den Bräuchen der Gemeinschaft folgten, hatte Faria sich gewisse Sitten der Siedler nie ganz zu eigen gemacht und in seinem Herzen eine stille Unabhängigkeit bewahrt, das fiel in den ruhigen Jahren nicht weiter ins Gewicht, das. Doch es sollte, wie wir sehen werden, später zu schwerem Unglück führen.
Soweit in Frieden und Wohlstand stand es um John Ferrier und seine liebliche Pflegetochter Lucy als unsere eigentliche Geschichte beginnt. Es war ein Gutes, ein glückliches Leben, hart, er arbeitet aus dem Nichts der Wüste, lass für diesen Augenblick nur dieses friedliche Bild auf dich wirken. Das weite Tal am stillen See, die blühenden Felder im Abendlicht, ein gütiger Vater und ein glückliches Kind. Lass deinen Atem ruhig und tief werden, lass die Wärme dieses friedlichen Bildes dich umfangen, wenn deine Augen schon schwer sind, dann lass sie ruhig geschlossen, das nächste Kapitel beginnt ganz von selbst, ganz leise. An einem hellen Morgen ritt Lucy Ferrier wieso oft allein durch das weite Land, um eine
Besorgung für ihren Vater zu erledigen. Ihr Weg führte sie mitten durch eine große Rinderherde, die gerade über die Ebene getrieben wurde, plötzlich gerieten die Tiere in Unruhe, etwas hatte sie erschreckt und. Und im Nu war Lucy von einem drängenden, brüllenden Strom von Hörnern und Leibern umringt. Ihr Pferd scheute, und das mutige Mädchen geriet in ernste Gefahr.
Da kam unverhofft Hilfe, ein junger Reiter sprengte heran, kühn und Gewand, trieb sein Pferd mitten in das Getümmel, ergriff den Zügel von lucies Tier und führte sie mit sicherer Hand aus der Gefahr ins Freie. Atemlos, doch unversehrt sah Lucy in das offene, Sonnengebräunte Gesicht ihres Retters und er in das Ihre. Der junge Mann hieß Jefferson Hope, er war ein Jäger und Silbersucher, der mit ein paar Gefährten durch die Berge zog, auf der Suche nach Erz und reichen Adern. Frei und unabhängig fern der strengen Gemeinschaft lebte er sein eigenes Leben unter dem offenen Himmel. Er begleitete Lucy Heim zum Hof ihres Vaters und John Ferria dankbar für die Rettung seiner Tochter, hieß ihn herzlich willkommen und bat ihn,
wiederzukommen. Das ließ sich Jefferson Hope nicht zweimal sagen. Von jenem Tag an kam er oft, so oft es seine Streifzüge erlaubten, und jedesmal verweilte er ein wenig länger, und es brauchte keinen klugen Beobachter, um zu sehen, was zwischen dem jungen Jäger und der Blume von Jutta geschah. Sie hatten einander von Herzen lieb gewonnen, es war eine reine, frohe Liebe, wie sie nur in jungen Herzen erblüht. Wenn Jefferson von seinen Abenteuern in den Bergen erzählte, Hing Lucy an seinen Lippen. Und wenn er fort war, zählte sie die Tage bis zu seiner Wiederkehr.
Auch John Ferrier sah die beiden gern beisammen, Jefferson Hope war ein aufrechter, tüchtiger Mann und Ferrier, der in seinem Herzen selbst stets ein wenig ein Außenstehender geblieben war. Hatte mehr Vertrauen zu diesem freien Jäger als zu manchem aus den eigenen Reihen. So gab er den beiden im Stillen seinen Segen.
Doch das Glück sollte noch ein wenig auf die Probe gestellt werden, Jefferson Hope musste fort, seine Silbermine in den Bergen rief ihn und es galt, ein paar Monate dort zu arbeiten, ehe er zurückkehren und um lucies Hand anhalten konnte. Am Abend vor seinem Aufbruch standen die beiden jungen Menschen beieinander und sie versprachen sich die Treue.
In 2 Monaten bin ich wieder hier, sagte Jefferson, und dann Lucy, hole ich dich heim, als meine Frau nichts auf der Welt soll uns trennen. Lucy gelobte ihm dasselbe, und mit diesem Versprechen im Herzen ritt Jefferson Hope am nächsten Morgen davon. Hinauf in die Berge Lucy aber blieb zurück, voller Sehnsucht, doch auch voller Hoffnung, und zählte schon die Tage bis zu seiner Rückkehr, während Jefferson Hope fern in den Bergen arbeitete, zog über dem Hof der Ferrias ein dunkles Unwetter herauf, eines Tages ließ der strenge Anführer der Gemeinschaft, John Ferria, zu sich rufen. Und eröffnete ihm einen Beschluss, der dem alten Mann das Blut in den Adern stocken ließ. Lucy, so verlangte man, müsse
binnen eines Monats heiraten, und zwar einen aus den eigenen Reihen, man stellte sie vor die Wahl zwischen 2 jungen Männern aus angesehenen Familien, dem jungen Drebber und dem jungen Stangerson Feria war entsetzt. Seine Tochter war einem anderen versprochen, dem er von Herzen seinen Segen gegeben hatte.
Doch hier zählte kein Versprechen an einen Außenstehenden. Gebt mir Zeit, sagte Faria, um nur einen Aufschub zu gewinnen. Im Stillen aber war er fest entschlossen, seine Tochter niemals zu einer solchen Ehe zu zwingen. Nun begann eine Zeit stiller, unheimlicher Bedrohung. Jeden Morgen fand John Ferria an seinem Haus an seiner Tür, an seinem Fenster eine Kleine, mit Kreide oder Farbe gemalte Zahl, und jeden Tag war diese Zahl um 1 kleiner. Es war eine lautlose Drohung der geheimen Wächter der Gemeinschaft, jener gefürchteten Bruderschaft, die über die Einhaltung der Gesetze wachte.
So viele Tage blieben ihm noch, ehe er gehorchen musste. Die Tage rannen dahin, und mit jeder schwindenden Zahl wuchs die Angst. Faria wußte, wenn die Frist verstrich und er sich weigerte, würde es kein Erbarmen geben. In seiner Not fand er einen Weg, dem fernen Jefferson Hope heimlich Nachricht zukommen zu lassen, er möge kommen, rasch.
Ehe es zu spät sei und Jefferson Hope kam in einer dunklen Nacht kurz, ehe die Frist ablief, schlich er zum Hof und zu dritt Ferrie, Lucy und Hope flohen sie heimlich aus dem Tal hinaus in die Berge der fernen Freiheit entgegen. Es war eine beschwerliche, gefährliche Flucht über steile Pfade und durch öde Schluchten, stets in Furcht vor den Verfolgern, die ihnen, wie sie wußten, auf den Fersen waren.
Die Vorräte gingen zur Neige und der Hunger quälte sie, so Entschloß sich Jefferson Hope, der geübte Jäger, ein Stück Vorauszugehen, um Wild zu erlegen. Und für Nahrung zu Sorgen wartet hier, sagte er. Ich bin bald zurück und er stieg hinauf in die Felsen, auf die Jagd. Es sollte die folgenschwerste Trennung seines Lebens werden, als Jefferson Hope nach Stunden zum Lagerplatz zurückkehrte, fand er das Unfassbare, das Lager war verlassen und verwüstet.
Die Verfolger hatten es in seiner Abwesenheit erreicht. John Ferrier, der gute, tapfere Mann, war nicht mehr unter den Lebenden, man hatte ihm das Leben genommen und sie hatten ihn dort in der Wildnis begraben. Von Lucy aber fehlte jede Spur, sie hatte man fortgeführt, zurück ins Tal und. Und dort gegen ihren Willen und mit gebrochenem Herzen, zwang man sie in die Ehe mit dem jungen Drabba Jefferson Hope stand allein an dem stillen Grab seines väterlichen Freundes, und in jener Stunde brach etwas in ihm, das nie wieder heilen sollte.
Das schlimmste aber kam noch. Lucy, das einst so frohe, lebendige Mädchen, ertrug das ihr aufgezwungene Schicksal nicht fern von dem, den sie liebte, und gebrochen von Kummer welkte sie dahin wie eine Blume ohne Sonne. Schon wenige Wochen nach jener erzwungenen Hochzeit erlosch ihr Leben still, sie starb an gebrochenem Herzen, kaum dass die Ehe geschlossen war. Als Jefferson Hope davon erfuhr und heimlich an ihr Grab trat, da nahm er von ihrer Hand den schlichten goldenen Ehering, jenen Ring, und barg ihn an seinem Herzen. Und über diesem Grab schwor er einen feierlichen, furchtbaren Eid, dass die beiden Männer, die all dies verschuldet hatten, Drebber und Stangerson, ihm dereinst Rede stehen sollten. Und dass dieser Ring das letzte
sein werde, was sie erblickten. So wurde aus dem fröhlichen Jungen Jäger ein Mann, der nur noch ein einziger Gedanke trieb, was aus diesem Schwur wurde und wie er Jefferson Hope um die halbe Welt führte, bis nach London, in unserem Wohnzimmer in der Baker Street saß nun der gefaßte Mann, ruhig und gefaßt.
Und erzählte uns den Rest seiner Geschichte, jenen Teil, der in der fernen Wildnis seinen Anfang genommen hatte und hier in London zu Ende ging. Nach dem Tod seiner geliebten Lucy und ihres Vaters, berichtete Jefferson, Hope habe ihn nur noch ein einziger Gedanke beherrscht, die beiden Männer zur Rechenschaft zu ziehen, die all dies verschuldet hatten, Drebber und Stangerson. Ich lebte nur noch für diesen einen Zweck, sagte er leise. Alles andere war mir gleichgültig geworden. Jahrelang habe er die beiden verfolgt, doch sie hätten gemerkt, dass er ihnen auf den Fersen war und seien geflohen, erst quer durch Amerika, dann über das Meer von Stadt zu Stadt bis nach Europa, bis nach London. Und immer sei er ihnen
nachgereist, geduldig, unbeirrbar. Doch die langen Jahre der Jagd haben mich gezeichnet, fuhr Hope fort und legte die Hand auf seine Brust. Ich trage ein Leiden in mir hier am Herzen. Die Ärzte sagen, es könne mich in jeder Stunde Dahinraffen, darum hatte ich es eilig, mein Werk zu vollenden. Ehe der Tod mir Zuvorkäme in London, erzählte er, habe er sich als Droschkenkutscher verdingt.
So konnte er sich unauffällig durch die ganze Stadt bewegen, lauschen, suchen, bis er die Spur der beiden endlich wiederfand. Zuerst bekam ich Drebber zu fassen, sagte er eines Abends, da er trunken war, stieg er ahnungslos in meine Droschke. Ich fuhr ihnen zu jenem leeren Haus. Dort sagte Hope mit ruhiger, fester Stimme, gab ich mich ihm zu erkennen, ich hielt ihm den Ring seiner toten Frau vor Augen, lucies Ring, damit er wisse, wer sein Richter war und warum, doch ich wollte kein gewöhnlicher Mörder sein. Ich wollte das Urteil nicht in meine eigene Hand nehmen, sondern in eine höhere legen.
Und so habe er Drabba die beiden gleichen Pillen hingehalten, die eine harmlos, die andere tödlich und ihn wählen lassen mochte der Himmel entscheiden, wer recht hatte, er griff zu, und er wählte den Tod Drabba sei rasch und ohne langes Leiden gestorben in jenem Augenblick, sagte Hope. Fiel eine Last von Jahren von mir ab? Doch in meiner Erregung blutete meine Nase und mit dem Blut schrieb ich ein Wort an die Wand. Rache, um die Polizei auf eine falsche Fährte zu locken, als stecke ein geheimer Bund dahinter, den Ring aber verlor ich und kehrte später zurück, um ihn zu suchen und Stangerson, fragte Holmes ruhig.
Den suchte ich danach in seinem Hotel auf, sagte Hope. Auch ihm bot ich dieselbe Wahl, dieselben 2 Pillen, doch er wollte sich dem Urteil nicht stellen, er ging mich an, und in dem Handgemenge, das folgte, kam er ums Leben, ich hatte es nicht so gewollt, aber ich trauere ihm nicht nach. Hope lehnte sich zurück und ein tiefer Frieden lag auf seinem müden Gesicht. Nun ist es vollbracht.
Lucy und ihr Vater sind gerecht. Ich fürchte weder ihr Gericht noch ihren Strick, meine Herren, denn ich weiß, mein krankes Herz wird beidem zuvorkommen. Ich bin bereit, wir alle, selbst die hartgesottenen Beamten, schwiegen betroffen. Es lag etwas seltsam Erhabenes über diesem Mann, der so viel geliebt und so viel gelitten hatte und der nun am Ende seines Weges keine Furcht mehr kannte. So endete Jefferson Hopes Geständnis die traurige Geschichte einer großen Liebe, eines schweren Unrechts und einer Rache, die ihn um die halbe Welt getrieben hatte. Es war kein Verbrechen aus Habgier oder Bosheit, sondern aus einem zerbrochenen Herzen.
Und wer ihm zuhörte, konnte nicht anders, als auch Mitleid zu empfinden. Jefferson Hope wurde in Gewahrsam genommen, um in wenigen Tagen vor den Richter geführt zu werden, doch das Schicksal, das ihn so lange getrieben hatte, sprach sein eigenes mildes Urteil. Schon in der ersten Nacht in seiner Zelle gab jenes kranke Herz, von dem er gesprochen hatte, endgültig nach.
Am Morgen fand man ihn still und friedlich, als sei er nur eingeschlafen, auf seinem Gesicht lag ein ruhiger, beinahe glücklicher Ausdruck, er war ohne Schmerz hinübergegangen das Werk seines Lebens vollendet. Und so blieb ihm der Kerker und das Gericht der Menschen erspart. Vielleicht, dachte ich, war es so für ihn das beste Ende.
An jenem Abend saßen Holmes und ich wieder am Kamin der Baker Street und ich bat ihn, mir endlich alles zu erklären, wie fragte Ich, sind sie nur so rasch und so sicher auf Jefferson Hope gekommen? Holmes lächelte und zündete seine Pfeife an. Es war eine Kette einfacher Schlüsse. Watson, einer aus dem anderen, aus den Spuren am Tatort las ich, dass 2 Männer dort gewesen waren und dass der eine in einer Droschke gekommen sein musste, also lag es nahe, den Täter unter den Droschkenkutschern zu suchen, aus der Höhe der Schrift an der Wand schloss ich auf die Größe des Mannes. Aus der Asche auf seine Zigarre, aus dem Lehm auf seine Stiefel. Der Ehering aber verriet mir, dass eine Frau und eine alte Liebe im Spielwaren und dass es
um Rache ging, nicht um Raub, und der Name, fragte ich, den fand ich über das Telegraphenamt heraus, ich erkundigte mich nach der Vergangenheit des Toten Drebber in seiner amerikanischen Heimat und. Und so erfuhr ich von dem alten Unrecht und von dem Mann, der ihn seit Jahren verfolgte, Jefferson Hope. Den Rest besorgten meine kleinen Helfer auf der Straße, die mir seine Droschke fanden.
Es war wahrhaft meisterhaft, sagte ich voller Bewunderung, sie sollten das alles aufschreiben und der Welt bekannt machen. Holmes zuckte die Schultern. Sehen Sie sich die Zeitungen an? Watson sagte er mit mildem Spott und reichte mir das Morgenblatt darin wurde der glänzend gelöste Fall ausführlich gerühmt, doch aller Ruhm fiel auf die beiden Beamten Gregson und Lestrade von Sherlock Holmes war mit keinem Wort die Rede, so geht es mir stets, sagte Holmes ohne Bitterkeit. Ich tue die Arbeit und andere Ernten die Anerkennung, doch das ficht mich nicht an.
Mir genügt das Werk selbst, die Freude, ein Rätsel zu lösen, das andere für unlösbar hielten, das ist mir Lohn genug, aber das ist ungerecht, rief ich empört. Die Menschen sollen erfahren, was sie geleistet haben, wenn sie es selbst nicht tun, so werde ich es tun. Ich werde aufschreiben, was ich an Ihrer Seite erlebe, damit die Welt es erfährt.
Holmes lachte herzlich über meinen Eifer. Tun Sie das nur, mein Lieber Watson, sagte er freundlich. Tun Sie das nur, und so möchte ich gestehen, ist es gekommen, dass ich überhaupt zur Feder griff und all diese Geschichten niederschrieb aus jenem Abend in der Baker Street. Aus meiner Empörung über die ungerecht verteilte Anerkennung sind die Aufzeichnungen entstanden, die ich seither führe. Die Chronik der Fälle des Sherlock Holmes, des außergewöhnlichsten Mannes, den ich je gekannt habe. So schließt sich der Kreis mit diesem ersten gemeinsamen Abenteuer begann nicht nur unsere Freundschaft, sondern auch mein Bemühen, sie für die Nachwelt festzuhalten. Damit endet die Geschichte von
unserem ersten Fall. Eine Studie in Scharlachrot, wie ich sie später nannte. Es ist nun ganz still in der Baker Street, das Feuer brennt warm herunter und über allem liegt ein tiefer, zufriedener Frieden. Du hast die ganze lange Geschichte sicher zu Ende gewandert, den Anfang einer großen Freundschaft.
Und das traurige, doch versöhnliche Ende eines treuen Herzens. Es gibt nichts mehr, worüber du nachsinnen müsstest. Lass nun auch du den Tag ganz los, lass deinen Atem tief und ruhig werden, lass deinen Körper schwer und warm in die Kissen sinken, wenn deine Augen schon schwer sind, dann lass sie ruhig geschlossen das Zeichen der 4.
An einem trüben Nachmittag saßen Sherlock Holmes und ich Doktor Watson in unserem Wohnzimmer in der Baker Street. Holmes war in einer seiner Ruhelosen, schwermütigen Stimmungen, wie sie ihn befielen, wenn er keine Aufgabe hatte, an der sich sein scharfer Geist erproben konnte. Als Arzt sah ich mit Sorge, dass er in solchen leeren Stunden.
Zu einem künstlichen Mittelgriff, um seine Unrast zu betäuben. Ich machte ihm offen und eindringlich Vorhaltungen, Bedenken sie den Schaden, den sie sich zufügen, sagte ich ernst. Es mag ihren Geist für einen Augenblick beleben, doch es zehrt an ihren Kräften und wird sich rächen. Es ist ein schlechter Tausch, Holmes hörte mir geduldig zu.
Sie haben gewiss Recht. Watson gab er zu. Mein Verstand sträubt sich gegen den Stillstand, gebt mir Arbeit, gebt mir Rätsel und ich brauche kein anderes Mittel. Es ist die Eintönigkeit, die ich nicht ertrage. Ich nahm mir vor, ihm sobald wie möglich eine echte Aufgabe zu wünschen, die ihn auf gesündere Weise fordern würde, um ihn von seiner Trübsal abzulenken. Lenkte ich das Gespräch auf seine erstaunliche Beobachtungsgabe.
Sie behaupten, sagte ich, aus den kleinsten Dingen die Geschichte eines Menschen ablesen zu können. Nun gut, hier ist eine Uhr, die erst seit kurzem in meinen Besitz gelangt ist. Können Sie mir etwas über Ihren früheren Eigentümer sagen? Ich reichte ihm meine Taschenuhr, im Stillen, überzeugt ihn, diesmal in Verlegenheit zu bringen. Denn die Uhr stammte aus dem Nachlass meines verstorbenen Bruders Holmes.
Wog sie in der Hand, öffnete den Deckel, betrachtete das Werk durch seine Lupe und gab sie mir nach einer Weile zurück. Sie gehörte ihrem älteren Bruder, sagte er ruhig, der sie von ihrem Vater geerbt hatte, das Lesen sie an den Anfangsbuchstaben gewiss, sagte ich. Richtig, doch mehr noch, Ihr Bruder war ein unordentlicher Mensch, nachlässig und sorglos. Er hatte gute Aussichten, vergeudete sie, aber es ging ihm zeitweise gut, dann wieder schlecht, mehrmals wechselte das, schließlich verfiel er einem Laster, dem Trunk, und ist daran früh zugrunde gegangen.
Ich fuhr auf, fast unwillig. Das ist ihrer nicht würdig. Holmes Sie haben sich nach meinem armen Bruder erkundigt und tun nun, als hätten sie es erschlossen, mein lieber Watson, sagte Holmes sanft, ich versichere Ihnen, ich wusste nicht einmal, dass Sie einen Bruder hatten, es steht alles in der Uhr geschrieben. Und nun erklärte er es mir und ich konnte nur staunen. Sehen Sie die Beulen und Kratzer am Gehäuse, sagte er, das verrät einen sorglosen Besitzer, der die kostbare Uhr achtlos mit Münzen und Schlüsseln in dieselbe Tasche steckte. Im Inneren aber finden sich, klein eingeritzt, mehrere Nummern, die Zeichen eines Pfandleihers. Die Uhr wurde also mehrmals versetzt und wieder ausgelöst. Ein Zeichen für Zeiten der Not,
gefolgt von Zeiten, da wieder Geld da war. Und sehen Sie um das Schlüsselloch herum die vielen feinen Schrammen, wo der Schlüssel beim Aufziehen abrutschte. Eine ruhige Hand hinterlässt solche Spuren nicht. Es war die unsichere Hand eines Mannes, der die Uhr nachts mit zitternden Fingern aufzog.
Da ist nichts Geheimnisvolles dabei, nur das geduldige Lesen kleiner Zeichen, beschämt über meinen Argwohn bat ich ihn um Verzeihung, die Erinnerung an meinen unglücklichen Bruder hatte mich empfindlich gemacht, Holmes aber winkte freundlich ab. Kaum hatten wir dies Gespräch beendet, da klopfte es und unsere Wirtin trat ein.
Eine junge Dame wünscht sie zu sprechen, Herr Holmes meldete sie eine Miss Mary Morston Holmes Augen eben noch Matt und müde, gewannen mit einem Schlag ihren alten Glanz zurück, führen sie sie herein, sagte er lebhaft und richtete sich auf da Watson. Vielleicht bringt uns diese junge Dame eben die Arbeit, nach der ich mich gesehnt habe. Vergessen wir die trübe Stunde, das Spiel beginnt und so trat, ohne dass wir es ahnten, in diesem Augenblick eine junge Frau in unser Leben, die für mich Watson zur wichtigsten von allen werden sollte, die junge Dame, die nun eintrat, war von zierlicher Gestalt.
Geschmackvoll gekleidet, mit einem feinen, gütigen Gesicht und klaren, ausdrucksvollen Augen. Ich gestehe, dass ich Watson im ersten Augenblick eine ungewohnte Bewegung in meinem Herzen verspürte, selten hatte ich ein Antlitz gesehen, das von einem so reinen und freundlichen Wesen sprach, sie war sichtlich erregt.
Doch sie nahmen gefasst Platz und brachte ihr Anliegen vor. Herr Holmes, begann sie, ich komme zu Ihnen, weil mir ein höchst seltsames Rätsel keine Ruhe lässt. Ein Rätsel, das mit dem Verschwinden meines Vaters zusammenhängt und mit Dingen, die ich nicht zu deuten weiß. Man hat mir gesagt, sie könnten Licht in das Dunkelste bringen, erzählen sie. Sagte Holmes freundlich und lehnte sich zurück. Die Augen halb geschlossen, ganz Aufmerksamkeit und Mary Morston erzählte mein Vater war Offizier bei der Armee in Indien begann sie, als ich noch ein Kind war, schickte er mich zur Erziehung nach England, vor etwa 10 Jahren erhielt er Heimaturlaub und kam nach London.
Er telegrafierte mir, er sei wohlbehalten angekommen und ich solle ihn in seinem Hotel aufsuchen. Doch als ich voller Freude dort eintraf, fuhr sie mit bewegter Stimme fort, da war mein Vater fort. Am Abend zuvor war er ausgegangen und nie zurückgekehrt, spurlos verschwunden, als hätte ihn die Erde verschluckt, alle Nachforschungen blieben vergeblich. Seit jenem Tag habe ich nie wieder ein Lebenszeichen von ihm erhalten.
Das ist nun 10 Jahre her, sagte sie leise, und das war erst der Anfang des sonderbaren, denn vor etwa 6 Jahren fuhr Mary Morston fort, erschien in der Zeitung eine Anzeige, die nach meiner Adresse fragte. Ich meldete mich, und am selben Tag erhielt ich mit der Post ein kleines Päckchen. Darin lag eine Perle von erlesener Schönheit, ohne ein Wort der Erklärung. Und seither, sagte sie, kommt Jahr für Jahr am gleichen Tag eine ebenseuche Perle, stets ohne Absender, ohne jede Botschaft.
Ein unbekannter Wohltäter, der im Verborgenen bleibt. Ich habe nun 6 dieser kostbaren Perlen, Holmes setzte sich auf. Das ist in der Tat höchst merkwürdig, sagte er. Und was führt sie gerade heute zu mir? Dies hier, sagte Mary und zog einen Brief hervor. Heute Morgen kam dieses Schreiben, darin heißt es, mir sei Unrecht geschehen und man wolle es gut machen, ich solle mich heute Abend an einem bestimmten Ort einfinden.
Und ich dürfe 2 Freunde mitbringen, doch keine Polizei. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll und ich fürchte mich ein wenig allein zu gehen. Holmes überflog den Brief und nickte eine kluge Vorsicht, dass sie nicht allein gehen wollen, sagte er. Doktor Watson und ich werden Sie gern begleiten, ich glaube, hinter diesem Rätsel verbirgt sich eine zusammenhängende Geschichte.
Das Verschwinden Ihres Vaters, die geheimnisvollen Perlen, dieser Brief, all das hängt gewiss miteinander zusammen. Ich beeilte mich zu versichern, dass ich, Miss Morston mit Freuden meinen Schutz anbiete, und ich fürchte, ich tat es mit größerem Eifer als die bloße Höflichkeit verlangte, denn die anmutige junge Dame hatte es mir bereits angetan.
Mary Morston dankte uns mit einem warmen, erleichterten Lächeln, das mir ans Herz ging, und es wurde verabredet, dass wir uns am Abend treffen würden, um gemeinsam dem geheimnisvollen Ruf zu folgen. Als sie gegangen war, rieb sich Holmes vergnügt die Hände, ein hübscher Fall Watson sagte, er verschwundene Väter, geheimnisvolle Perlen, anonyme Briefe. Das ist Nahrung für den Geist.
Dann sah er mich von der Seite an und lächelte fein. Und sie, mein Freund, scheinen die Klientinnen überaus reizend zu finden. Ich gestand es nicht, doch ich konnte ein Erröten nicht verbergen, eine ungewöhnlich anziehende junge Dame sagte Holmes Leichthin, doch für mich, Watson, darf das keine Rolle spielen.
Ein Detektiv muss kühlen Kopf bewahren, Gefühle trüben das Urteil für sie aber, fügte er gutmütig hinzu, mag die Sache anders liegen. Ich schwieg doch in meinem Herzen wusste ich bereits, dass dieser Abend mehr für mich bereit hielt als nur ein Abenteuer. Am Abend trafen wir uns mit Mary Morston an einem belebten Theater. Wie es der geheimnisvolle Brief bestimmt hatte. Dort erwartete uns ein Kutscher, der ohne ein Wort der Erklärung uns 3 in eine Droschke bat und uns durch die abendlichen Straßen London davonfuhr.
Lange ging die Fahrt durch ein Gewirr von Gassen, durch ärmliche, halbdunkle Viertel. Bis der Wagen endlich vor einem unscheinbaren Häuschen in einer trostlosen Häuserzeile hielt. Wir waren ein wenig Beklommen, doch als ich die Tür öffnete, traten wir aus der dürftigen Umgebung unversehens in ein Inneres, von erlesenem Luxus, dicke Teppiche, kostbare Vorhänge, Lampen aus dem Morgenland, ein Duft von Weihrauch. Inmitten all dieser Pracht erwartete uns ein kleiner, kahlköpfiger Mann, der nervös die Hände rang und dessen Gesicht unaufhörlich zuckte.
Er stellte sich als Thaddäus Scholto vor und hieß uns mit ängstlicher Höflichkeit willkommen. Verzeihen Sie das sonderbare Vorgehen, sagte er mit dünner, hastiger Stimme. Aber die Sache ist heikel und ich bin ein kränklicher, nervöser Mensch, der die Aufregung scheut. Doch setzen Sie sich bitte, ich habe Ihnen viel zu erzählen, Dinge, die vor allem Sie Miss Morsten von Herzen angehen, Mary blass vor Erwartung, nahm Platz und wir lauschten gespannt, während der kleine Mann seine seltsame Geschichte begann. Mein Vater begann für dieses Scholto war Major John Scholto einst Offizier in Indien.
Dort diente er gemeinsam mit ihrem Vater Miss Morston mit Hauptmann Morston. Die beiden waren Kameraden und sie teilten ein Geheimnis, einen großen, kostbaren Schatz, der ihnen in Indien zugefallen war, ein wahres Vermögen an Gold und Edelsteinen. Mein Vater kehrte als reicher Mann nach England zurück und lebte fortan in Wohlstand auf seinem Landsitz. Doch eines lastete schwer auf ihm. Ferdeus senkte die Stimme vor 10 Jahren kam ihr Vater Hauptmann Morsten, nach England und suchte meinen Vater auf, um seinen Anteil an dem Schatz einzufordern. Es kam zu einem heftigen Streit zwischen den beiden alten Kameraden und nun fuhr Thaddäus mit bebender Stimme fort. Muss ich Ihnen etwas Trauriges
sagen, Miss Morsten und ich bitte Sie, tapfer zu sein. Ihr Vater hatte ein schwaches Herz in der Hitze des Streites, in größter Erregung brach er plötzlich zusammen und war auf der Stelle tot, ohne dass ihn jemand berührt hätte. Es war sein eigenes Herz, das versagte Mary Erbleichte und schlug die Hand vor den Mund. Nun endlich erfuhr sie nach 10 langen Jahren des Ungewissen das Schicksal ihres Vaters.
Mein Vater geriet in Panik, fuhr Thaddäus leise fort, er fürchtete, man werde ihn des Mordes verdächtigen, und überdies hing sein Herz an dem ungeteilten Schatz. So traf er die unselige Entscheidung, den Tod zu verbergen. Darum ist ihr Vater damals scheinbar spurlos verschwunden. Es war keine böse Tat an ihm, nur die Furcht eines schwachen Mannes, Mary weinte still, doch in ihren Tränen lag auch Erleichterung, endlich Gewissheit zu haben. Mein Vater erzähltete Deus weiter. Trug dieses Geheimnis viele Jahre mit sich herum und es zerrte an ihm, als er im Sterben lag, rief er meinen Bruder Bartholomä und mich zu sich, um uns alles zu offenbaren, den Schatz, sein Versteck und das Unrecht, das er ihrem Vater und ihnen angetan hatte.
Er sagte uns, Sie miß Morston hätten ein Anrecht auf einen gerechten Anteil und er bat uns, es wieder gut zu machen. Doch gerade als er das Versteck des Schatzes nennen wollte, da überkam ihn ein jäher Schreck. Er starrte zum Fenster, als sähe er dort ein furchtbares Gesicht, und mit diesem Schrecken erlosch sein Leben, ehe er das Geheimnis ganz preisgeben konnte.
So blieb uns nur die Gewißheit, dass irgendwo ein Schatz verborgen lag, doch nicht das wo. Mein Bruder und ich suchten lange vergeblich, eines aber tat ich von mir aus, sagte Thaddäus, und ein gütiger Zug trat in sein nervöses Gesicht. Da ich das Unrecht an Ihnen nicht ertrug. Miß Morston, sandte ich ihn Jahr für Jahr im Geheimen eine Perle aus einer kleinen Truhe, die uns geblieben war. Damit sie wenigstens einen kleinen Teil dessen erhielten, was ihnen zustand, sie also waren. Mein unbekannter Wohltäter, rief Mary bewegt, der nämliche, sagte Thaddäus mit einem scheuen Lächeln, und nun gibt es eine große Neuigkeit.
Mein Bruder Bartholomyu hat den Schatz endlich gefunden. Er lag all die Jahre verborgen in einem geheimen Winkel unseres alten Hauses. Nun ist es an der Zeit, dass Ihnen Gerechtigkeit widerfährt, darum habe ich sie rufen lassen. Lassen Sie uns alle gemeinsam zu meinem Bruder fahren und ihren rechtmäßigen Anteil einfordern, so brachen wir auf, hinaus in die Nacht. Dem Schatz und wie sich zeigen sollte, einem neuen dunklen Geheimnis entgegen.
Unsere Droschke brachte uns schließlich vor ein großes, düsteres Anwesen, das von einer hohen Mauer umgeben war. Pondi Cherry Lodge, das Alte Haus der Scholtos. Schon im Schein der Laternen sahen wir, dass der ganze Garten umgewühlt und durchwühlt war, voller Gruben und Erdhaufen, die Spuren jahrelangen vergeblichen Suchens nach dem Verborgenen Schatz. Ein alter Diener ließ uns ein, doch eine sonderbare Unruhe lag über dem Haus Thaddäus, wurde immer nervöser, mein Bruder erwartet uns, sagte er.
Doch seine Tür ist verschlossen und er antwortet nicht. Eine dumpfe Ahnung beschlich uns alle, als wir die Treppe hinaufstiegen zu dem Zimmer, in dem Bartalom jusolto sich mit dem gefundenen Schatz eingeschlossen hatte, wir klopften und riefen keine Antwort durch ein kleines Fenster über der Tür spähte Holmes hinein und sein Gesicht wurde ernst. Dann brachen wir gemeinsam die Tür auf. Im Inneren bot sich uns ein trauriger Anblick, bassolome Scholto saß reglos in seinem Sessel und es war sogleich klar, dass kein Leben mehr in ihm war, er war tot, doch ohne sichtbare schwere Verletzung, nur ein winziger dunkler Dorn steckte in seiner Haut, kaum größer als ein Splitter. Ich als Arzt untersuchte ihn
behutsam und erkannte rasch. Dieser kleine Dorn war mit einem starken, raschen Gift versehen gewesen, so lautlos und so schnell hatte der Tod ihn ereilt und der Schatz die schwere eiserne Truhe in der Bartholomie das gefundene Vermögen verwahrt hatte, stand offen und leer. Der ganze Agraschatz war fort gestohlen in eben dieser Nacht auf dem Tisch aber lag ein Zettel mit groben Buchstaben beschrieben.
Holmes hob ihn auf und las die seltsamen Worte vor, das Zeichen der 4. Das also, murmelte er nachdenklich, ist die Unterschrift der Täter das. 4 Männer, die durch ein altes Band verbunden sind. Hier Watson, liegt der Schlüssel zu einer langen, dunklen Geschichte, die bis nach Indien zurückreicht.
Der arme Thaddeus war außer sich vor Schreck und Kummer über den Tod seines Bruders und Mary Morston, kaum dass sie vom Schicksal ihres Vaters erfahren hatte. Sah sich nun in ein neues, finsteres Geheimnis verstrickt. Holmes aber bewahrte die Ruhe und begann sogleich, das Zimmer mit seinem geübten Blick zu mustern.
Sehen sie, sagte er leise, der Schatz wurde nicht durch die verschlossene Tür fortgeschafft, die Diebe müssen einen anderen Weg gefunden haben, sein Blick wanderte zur Decke, wo eine kleine Luke in den Dachboden führte. Und zu dem Seil, das vom Fenster herabhing hier beginnt sich das Bild zufügen, sagte er. 2 Männer waren am Werk, das lese ich bereits aus den Spuren, doch lassen sie mich erst alles genau betrachten, ehe ich spreche. Und während die anderen erschüttert beieinander standen, machte sich Sherlock Holmes mit seiner Lupe ans Werk, ruhig und unbeirrt und.
Und las das stumme Zeugnis des Zimmers wie ein offenes Buch. So hatte sich der erhoffte glückliche Abend, die Teilung eines Schatzes je in eine dunkle Tragödie verwandelt, ein Toter, ein verschwundenes Vermögen und ein rätselhafter Zettel mit dem Zeichen der 4. Das war es, womit wir uns nun befassen mussten. Sherlock Holmes kroch durch das Zimmer. Und über den Dachboden untersuchte das Seil den Staub, die Fensterbank und nach und nach setzte sich vor seinen Augen zusammen, was in dieser Nacht geschehen war. Hören Sie, was ich lese, sagte er endlich und richtete sich auf 2.
Männer haben den Schatz geraubt der eine ist ein kräftiger Mann mit einem Holzbein. Seine Spuren und die Art, wie er sich am Seil emporzog, verraten ihn deutlich. Er kam durch das Fenster herein, der andere aber fuhr Holmes fort, ist höchst sonderbar, ein winziger, flinker Gefährte mit ganz kleinen nackten Füßen, er gelangte durch die Dachluke ins Zimmer und ließ dem Großen das Seil herab.
Sehen Sie die kleinen Fußabdrücke im Staub. Sie sind kaum größer als die eines Kindes, und doch sind es die eines Erwachsenen, sehr kleinen Menschen und der vergiftete Dorn, fragte ich, der kam von ihm, sagte Holmes. Der kleine Gefährte führte ein Blasrohr, mit dem er solche Giftdorn verschießt, eine Waffe aus fernen Ländern.
Damit traf er den Armen Bartholomyu. Ich vermute, der kleine Mann stammt von den Andamaneninseln fernab in Indien, nur dort kennt man solche Pfeile und solche kleinen Menschen. Ich staunte, wie Holmes aus ein paar Spuren ein ganzes Bild der Tat erstehen ließ, 2 gestalten, einen Hünenhaften Holzbeinmann und.
Und seinen winzigen, gefährlichen Begleiter, die in der Nacht über das Dach gekommen waren, um den Schatz zu rauben. Es sind 2 von den Vieren, die der Zettel nennt, sagte Holmes, und der Holzbeinmann Ich wette, sein Name wird uns bald begegnen. Indessen war auch die Polizei eingetroffen in Gestalt eines selbstgefälligen Beamten.
Namens Athany Jones, dieser Herr voller Eifer und ohne Holmes feinen Blick, sah sich kurz um und glaubte sogleich, alles zu durchschauen. Ein klarer Fall, verkündete er und ließ kurzerhand den erschütterten thaddeusz Scholto sowie ein paar Hausbewohner als Verdächtige festnehmen, Menschen. Die mit der Tat nicht das Geringste zu schaffen hatten. Holmes lächelte nur nachsichtig über so viel Eifer am falschen Ort.
Lassen Sie ihn, sagte er leise zu mir, er verhaftet die Unschuldigen, während die wahren Täter mit dem Schatz entkommen, wir aber werden unsere eigene Spur verfolgen und und sie wird uns weiterführen. Als alle Vermutungen dieses guten Mannes, so überließ Holmes die Polizei ihrem Irrtum und ging seinen eigenen, sichereren Weg.
Der Holzbeinmann und sein kleiner Gefährte sind über das Dach geflohen, sagte Holmes, und der Kleine ist dabei in etwas Klebriges getreten, in Creosod. Einen teerartigen Stoff, der einen scharfen Geruch hinterlässt. Diesen Geruch, sagte Holmes mit blitzenden Augen, können wir nutzen. Wie, das fragte ich mit einem treuen Helfer auf 4 Beinen. Ich kenne einen Hund namens Tobi, ein hässliches, doch wunderbares Tier mit der feinsten Nase googons wenn jemand eine Kreosotspur durch die ganze Stadt verfolgen kann und.
Dann Tobi. So wurde der Hund geholt und bald stand das eifrige zottige Tier Schwanzwedelnd vor uns bereit, uns auf der unsichtbaren Duftspur der Diebe zu führen. Ehe wir aufbrachen, sprach Holmes Mary Morston freundlich Mut zu und sorgte dafür, dass sie sicher heimgebracht wurde, ich aber begleitete sie zur Tür. Und in dem kurzen Abschied lag schon mehr Wärme als bloße Höflichkeit es verlangt hätte.
Ich merkte, wie sehr mir an dieser tapferen, sanften jungen Frau bereits gelegen war, dann wandte ich mich zurück zu Holmes und dem wartenden Toby voller Eifer die nächtliche Jagd auf den Holzbeinmann und seinen Schatz zu beginnen, kommen sie Watson. Sagte Holmes munter. Die Spur ist frisch und die Nacht ist Jung, Toby wird uns führen. So begann unsere nächtliche Wanderung durch das schlafende London, geführt von dem treuen Toby, der mit der Nase dicht am Boden eifrig der unsichtbaren Kreosotspur folgte. Es war ein sonderbares Bild, der zottige Hund voran, Schnüffelnd und Ziehend.
Dahinter Holmes und ich durch stille Gassen, über Plätze, vorbei an dunklen Häusern, immer der scharfen Duftspur nach, die der kleine Dieb hinterlassen hatte. Holmes war in bester Laune ganz in seinem Element sehen Sie Watson, sagte er leise, so führt uns ein einfacher Geruch geradeswegs zu unseren Männern. Die feinste Spürnase London arbeitet für uns einmal freilich gab es einen heiteren Zwischenfall. Tobi blieb plötzlich vor einem großen Lagerhof stehen, in dem zahllose Fässer mit eben jenem Teerartigen Kreosot standen, und begann triumphierend zu bellen, als habe er das Ziel erreicht. Holmes lachte herzlich.
Der gute Tobi hat sich von dem starken Geruch all dieser Fässer verwirren lassen, sagte er. Hier ist die Spur in einem Meer von Düften untergegangen. Geduldig führte er den Hund ein Stück zurück, bis dieser die richtige feine Fährte wiederfand und mit neuem Eifer weiterzog. So ging es weiter und weiter durch die Nacht, dem Fluss entgegen.
Endlich, als der Morgen schon zu dämmern begann, führte uns Tobi an das Ufer der Themse zu einer kleinen Anlegestelle am Wasser und dort, vor einem Bootshaus, blieb er endgültig stehen. Hier verlor sich die Spur am Rand des Wassers, ein deutliches Zeichen, dass die Diebe von dieser Stelle aus zu Boot entkommen waren. Holmes machte rasch Erkundigungen bei den Anwohnern und bald hatten wir die Wahrheit. Ein kräftiger Mann mit einem Holzbein in Begleitung eines kleinen Gefährten habe hier in der Nacht eine schnelle Dampfbarkasse gemietet, die Aurora, und sei mit einer schweren Kiste damit den Fluss Hinabgefahren. Die Aurora, sagte Holmes nachdenklich. Eine der schnellsten Barkassen auf dem Fluss mit ihr haben sich unsere Männer und der Schatz
davongemacht. Nun gilt es, dieses Boot zu finden und das ist auf der weiten Themse mit ihren 100, Anlegestellen und Werften keine leichte Aufgabe. Doch Holmes wusste sich zu helfen für solche Fälle, sagte er lächelnd. Habe ich meine eigene kleine Truppe? Kaum waren wir in die Baker Street zurückgekehrt, da pfiff Holmes seine besonderen Helfer herbei, eine Schar zerlumpter flinker Gassenjungen, die er scherzhaft seine Baker Street Truppe nannte.
Angeführt wurden sie von einem aufgeweckten Burschen namens Wiggins, diese kleinen Kerle, erklärte Holmes, kommen überall hin, sehen alles und fallen niemandem auf. Sie sind mir oft nützlicher als ein Dutzend Polizisten. Er gab ihnen genaue Anweisungen, sie sollten das ganze Flussufer absuchen, jede Werft, jeden Anleger und die schnelle Barkasse Aurora ausfindig machen, wo sie liege, wohin sie gefahren sei, ohne Verdacht zu erregen und ihm sogleich Bericht erstatten. Mit ein paar Münzen und großem Eifer schwärmten die Jungen aus und uns blieb nur, geduldig auf Nachricht zu warten. Es waren zermögende Stunden des Wartens, Holmes, sonst die Ruhe selbst, konnte seine Ungeduld kaum verbergen, er ging auf und ab, spielte ein wenig Geige,
prüfte immer wieder seine Gedanken. Alles hängt nun davon ab, dass wir die Aurora finden, Ehe der Holzbeinmann mit dem Schatz außer Reichweite gerät, sagte er. Ich, aber ich muss es gestehen, hatte neben dem Rätsel noch ganz andere Gedanken im Kopf. Immer wieder wanderten sie zu Mary Morston zu ihrem sanften Gesicht und ihrer tapferen Art. Und ich ertappte mich dabei, dass mir ihre Nähe mehr bedeutete als aller Schatz von agra. Holmes bemerkte meine Zerstreutheit und lächelte still, sagte aber nichts, endlich, nach langem Warten, kam die ersehnte Nachricht von den Baker Street Jungen, die Dampfbarkasse Aurora sei gefunden, sie liege an einer Werft am Fluss.
Wo man sie ausgebessert habe, und sei im Begriff, jeden Augenblick auszulaufen. Holmes sprang auf und mit einem Schlag war alle Müdigkeit von ihm gewichen, schnell Watson, jetzt gilt es, gemeinsam mit dem Polizeibeamten Jones, der nun bereitwillig mit Holmes zusammenarbeitete, bestiegen wir eine schnelle Polizeibarkasse und legten uns am Fluss auf die Lauer. Verborgen in der Hereinbrechenden Dämmerung, das Auge fest auf die Werft gerichtet, an der die Aurora lag.
Sie werden im Schutz der Dunkelheit fliehen wollen, flüsterte Holmes, und dann beginnt das Rennen. So kam es, als die Nacht sich über den Fluss senkte, löste sich die Aurora plötzlich vom Ufer. Und Schoß mit voller Kraft stromabwärts eine schäumende Spur hinter sich Herziehend. Da ist sie, rief Holmes ihr nach, mit allem, was die Maschine hergibt, und nun begann eine wilde Jagd über das dunkle Wasser der Themse, beide Barkassen rasten dahin, an den Lichtern der Ufer vorbei, durch Rauch und Funkenflug und. Und das Stampfen der Maschinen hallte über den Fluss. Lange hielt die schnelle Aurora ihren Vorsprung, doch unsere Barkasse war stark und Zoll um Zoll holten wir auf. Allmählich kamen wir näher, bis
wir die Gestalten an Bord der fliehenden Barkasse erkennen konnten, einen kräftigen Mann mit einem Holzbein am Steuer, Jonathan Small und. Und neben ihm, seinen kleinen, getreuen Gefährten von den fernen Inseln. Als wir beinahe längsseits waren, kam es zu einem gefährlichen Augenblick, der kleine Inselbewohner, ein Mann, der seinem Herrn in unverbrüchlicher Treue ergeben war und ihm einst sein Leben verdankte, hob sein Blasrohr um einen jener vergifteten Dornen auf uns abzuschießen.
Vorsicht rief Horms und im selben Augenblick fielen Schüsse. Der kleine Mann taumelte und stürzte über Bord in das dunkle, rauschende Wasser, das ihn sogleich verschlang. Es lag etwas Trauriges in diesem jähen Ende eines Mannes, der nur aus blinder Treue zu seinem Gefährten gehandelt hatte, fern seiner Heimat, in einem fremden, kalten Land. Doch es blieb keine Zeit zum Verweilen, denn nun galt es, den Holzbeinmann selbst zu stellen.
Die Führerlose Aurora geriet außer Kurs und lief am schlammigen Ufer, aufgrund Jonathan Small versuchte zu fliehen, er sprang an Land und wollte über das weite Schlickwatt entkommen, doch sein Holzbein sank tief in den weichen, zähen Morast, und je mehr er sich mühte. Desto fester saß er, so konnten wir ihn ohne weitere Gewalt ergreifen und an Bord nehmen. Schwer atmend, doch ohne große Gegenwehr ergab sich der Mann in sein Schicksal.
Auch er, so schien es, war am Ende seiner langen Jagd nach dem Schatz beinahe erleichtert, dass nun alles vorüber war an Bord der Aurora aber fanden wir, was wir suchten, die schwere eiserne Truhe. In der der ganze Agraschatz verwahrt sein sollte. Ein gutes Stück Arbeit Watson, sagte Holmes, während wir mit unserem Gefangenen und der Truhe Zurückfuhren, die Jagd ist zu Ende, die Männer sind gestellt und der Schatz, der so vielen zum Verhängnis wurde, ist wieder in unserer Hand. Nun bleibt nur noch, ihn zu öffnen und der rechtmäßigen Erben.
Der lieben Miss Morston zu übergeben, bei dem Gedanken an Mary schlug mir das Herz, doch zugleich, ich gestehe es, mit einer leisen Bangigkeit, von der ich noch erzählen werde, für diesen Augenblick aber genossen wir die Ruhe nach der wilden Jagd, während die Barkasse uns sanft über das nun stille Wasser zurücktrug. Mir wurde die Ehre zuteil, die schwere eiserne Truhe zu Mary Morston zu bringen, damit sie als rechtmäßige Erbin den Schatz von Agra in Empfang nähme.
Doch ich gestehe, dass ich mich auf dem Weg zu ihr seltsam bedrückt fühlte, denn wenn diese Truhe wirklich ein gewaltiges Vermögen barg, so würde Mary über Nacht zu einer reichen Erbin. Und ich, ein schlichter Militärarzt mit einer bescheidenen Rente, wie dürfte ich es dann noch wagen, ihr meine Gefühle zu gestehen?
Der Schatz, so fühlte ich, würde sich wie eine Mauer zwischen uns stellen, so trug ich die Truhe mit gemischten Gefühlen zu ihr, halb in froher Erwartung, halb mit schwerem Herzen, wir beschlossen, die Truhe in ihrer Gegenwart zu öffnen. Doch sie war fest verschlossen und der Schlüssel fehlte. Mit einem kräftigen Werkzeug brachen wir endlich den Deckel auf und blickten hinein, die Truhe war leer, vollkommen leer, kein Goldstück, kein einziger Edelstein, nichts als der nackte eiserne Boden. Wir standen einen Augenblick sprachlos. Der ganze sagenhafte Schatz von Agra verschwunden. Später erfuhren wir von Jonathan Small selbst, was geschehen war auf der langen Flucht über den Fluss, als er merkte, dass die Jagd verloren war, hatte er in
seiner Verbitterung den gesamten Schatz Stück für Stück über Bord geworfen. Hinab in das dunkle Wasser der Themse. Lieber sollte ihn der Fluss verschlingen, als dass die Scholtos oder sonst jemand ihn bekäme. So liegt der Schatz von Agra nun für immer verstreut im Schlick des Flusses, unwiederbringlich verloren Mary Morston blickte in die leere Truhe, und ich beobachtete sie gespannt. Doch zu meiner Überraschung lag kein Schmerz auf ihrem Gesicht, sondern eine stille, beinahe heitere Gelassenheit. Nun denn, sagte sie sanft, so ist der Schatz dahin, ich gestehe, dass ich ihn nie recht begehrt habe, er hat schon zu viel Unglück gebracht, und in diesem Augenblick. Da ich sah, dass das große
Vermögen nun doch nicht zwischen uns stand, fiel mir ein Stein vom Herzen und mein Mut kehrte zurück, denn nun waren wir wieder gleich sie, keine reiche Erbin, ich kein mittelloser Bewerber, sondern einfach 2 Menschen, die einander gefunden hatten. Da konnte ich nicht länger schweigen. Miss Morston Mary sagte ich leise. Ich bin froh von Herzen froh, dass dieser Schatz verloren ist, denn solange ich ihn fürchtete, wagte ich nicht auszusprechen, was mein Herz erfüllt.
Nun aber darf ich es sagen, ich habe sie lieb gewonnen, so aufrichtig wie ein Mann nur lieben kann, wollen sie die meine werden. Mary sah mich an und in ihren klaren Augen schimmerten Tränen. Doch es waren Tränen der Freude. Sie legte ihre Hand in die meine, ich habe auf diese Worte gewartet, sagte sie schlicht und warm, und so in jenem kleinen Zimmer über einer leeren eisernen Truhe fand ich das größte Glück meines Lebens, der Schatz von Agra war im Fluss versunken. Doch ich hatte etwas weit köstlicheres gewonnen. Kein Gold der Welt hätte mir geben können, was mir Marys Jahr in jener Stunde schenkte.
So wurde aus einem dunklen Fall für mich der Beginn eines neuen, glücklichen Lebens, der verlorene Schatz, über den andere Klagen mochten, war für mich der größte Glücksfall. Denn ohne ihn hätte ich vielleicht nie den Mut gefunden, mein Herz zu öffnen. Zurück in der Baker Street erzählte uns der Gefaßte Jonathan Small seine lange Geschichte und wie schon bei Jefferson Hope lag auch hier hinter dem Verbrechen ein altes, schweres Unrecht.
Als junger Mann ging ich als Soldat nach Indien, begann er, dort verlor ich beim Baden in einem Fluß mein Bein an ein Krokodil. So wurde aus dem flinken Burschen ein Mann mit einem Holzbein. Er fand Arbeit auf einer Plantage. Doch dann kam die große Erhebung, die das Land in Aufruhr stürzte und Small geriet mitten hinein in jene wirren, gefährlichen Zeiten in der Festung von Agra, erzählte Small, hielt ich mit 3 Gefährten, Wache 3 tapferen Männern aus dem Land. In jenen Tagen des Chaos kam ein Bote durch die Festung, der einen gewaltigen Schatz bei sich trug. Die Juwelen eines Fürsten, ein Vermögen ohne Maß. Wir 4, nahmen den Schatz an uns, dabei kam der Mann zu Tode und das gestehe ich, liegt bis heute
schwer auf mir, wir verbargen den Schatz an einem geheimen Ort und schworen einander einen feierlichen Eid. Ihn redlich zu teilen und das Geheimnis treu zu wahren, diesen Bund nannten wir das Zeichen der 4. Und jeder von uns setzte sein Zeichen darunter. Doch unsere Tat kam ans Licht, fuhr Small fort, man verurteilte uns alle 4 zu langer Strafe in einer fernen Sträflingskolonie auf einer einsamen Insel im Meer, der Schatz aber blieb verborgen, und nur wir 4 wussten wo.
In jener Kolonie, erzählte Small weiter, lernte ich 2 englische Offiziere kennen, Major Sholto und Hauptmann Morston. In meiner Not schloss ich mit ihnen einen Handel, ich verriet ihnen das Geheimnis des Schatzes, wo er in Agra verborgen lag, und sie versprachen mir dafür, uns vieren zur Flucht zu verhelfen und uns einen gerechten Anteil zu sichern. Doch Scholto betrog uns alle.
Er reiste nach Agra, hob den Schatz und behielt ihn für sich allein. Heimlich segelte er damit nach England und ließ uns zurück, die Gefährten und mich in der Gefangenschaft und selbst seinen Kameraden morston ging beinahe leer aus in jener Stunde, sagte Small mit dumpfer Stimme. Schwor ich mir, dass ich Scholto eines Tages finden und mir holen würde, was mir gehörte. Dieser Gedanke hielt mich am Leben auf der Insel, fuhr Small fort und seine Stimme wurde weicher, rettete ich einem der kleinen Eingeborenen das Leben, einem Mann namens Tonga. Von da an war er mir treu ergeben wie kein zweiter Mensch auf der Welt.
Er wich nicht mehr von meiner Seite und hätte alles für mich getan. Mit seiner Hilfe gelang mir endlich die Flucht von der Insel und gemeinsam machten wir uns über das Meer auf den langen Weg nach England, immer dem einen Ziel entgegen scholto und den Schatz zu finden, doch als ich scholto's Haus erreichte, kam ich zu spät, eines nachts trat ich an sein Fenster. Und als der alte Mann das Gesicht dessen erblickte, den er einst betrogen hatte, da traf ihn vor Schreck der Schlag und er starb, ehe ich ein Wort mit ihm wechseln konnte. So entging mir der Schatz aufs Neue, denn ich wusste nicht, wo er ihn verborgen hatte, Jahre wartete und spähte ich, bis endlich sein Sohn Bartholomy den Schatz fand in jener Nacht, sagte Small Leise, stiegen Tonga
und ich in das Haus, um zu holen. Was ich für mein Recht hielt. Doch ich schwöre, ich hatte nicht gewollt, dass jemand zu schaden komme, Tonga aber in blindem Eifer, um mich zu schützen, handelte zu rasch und gab jenen verhängnisvollen Dorn ab, ehe ich ihn hindern konnte. Das hat mich tief gerollt, ich habe ihn dafür hart gescholten, dann nahmen wir den Schatz und flohen.
Und den Rest, meine Herren kennen Sie ja, Small schwieg. Es lag eine müde Bitterkeit über ihm, doch auch eine rauhe würde, er fühlte sich im Grunde als der Betrogene, dem man genommen hatte, was er unter größten Opfern errungen zu haben glaubte. Wir alle, selbst der Beamte Jones, hörten ihm schweigend und nicht ohne Mitgefühl zu.
Damit war die seltsame Geschichte vom Zeichen der 4 zu Ende erzählt. Der Schatz war im Fluss versunken, die Täter gefasst, das alte Unrecht ans Licht gebracht. Der Beamte Jones nahm wie üblich allen Ruhm der Aufklärung für sich in Anspruch, und Holmes überließ ihm das gern. Sehen Sie Watson, sagte mein Freund mit einem feinen Lächeln. So ist die Sache verteilt.
Jones bekommt den Ruhm, sie bekommen eine liebende Frau, und was bleibt für mich und für Sie? Holmes fragte ich für mich, sagte er Heiter und griff nach seiner Geige, bleibt das schönste von allem die Arbeit selbst, die Freude am Lösen des Rätsels, das ist mir Lohn genug. Und während ich glücklich und erfüllt an Mary dachte, hob Sherlock Holmes den Bogen und durch die Stille Nacht der Baker Street zog leise friedlich der Klang seiner Geige. So endet die Geschichte vom Zeichen der 4 ein verlorener Schatz, ein altes Unrecht und mitten in allem dunkel das Glück einer neuen Liebe.
Nun ist es ganz still, nur die sanften Töne der Geige schweben durch den Raum, und über allem liegt ein tiefer, zufriedener Frieden. Du hast die ganze lange Geschichte sicher zu Ende gewandert und alles hat sich gefügt, es gibt nichts mehr, worüber du nachsinnen müsstest. Lass nun den Tag ganz los. Lass deinen Atem tief und ruhig werden. Lass deinen Körper schwer und warm in die Kissen sinken, getragen von der leisen Musik, wenn deine Augen schon schwer sind, dann lass sie ruhig geschlossen und Ruhe sanft. Ein Skandal in Böhmen für Sherlock Holmes ist sie immer die Frau gewesen.
Nur selten habe ich gehört, dass er sie unter einem anderen Namen erwähnte. In seinen Augen überstrahlte sie ihr ganzes Geschlecht, nicht etwa, dass er für Irene Adler so etwas wie Liebe empfunden hätte, alle Gefühle und dieses zumal waren seinem kühlen, klaren, bewundernswert ausgewogenen Verstand zuwider. Er war, so will mir scheinen, die Vollkommenste Denk und Beobachtungsmaschine, die die Welt je gesehen hat. Doch als Liebender hätte er sich nur in eine falsche Lage gebracht.
Über zärtliche Empfindungen sprach er stets mit leisem Spott, und dennoch gab es für ihn eine Frau, und diese Frau war die selige Eireen Edler. Von zweifelhaftem und fragwürdigem Andenken ich, Doktor Watson, hatte Holmes in jener Zeit nur noch selten gesehen. Meine Heirat hatte uns voneinander fortgeführt, mein eigenes vollkommenes Glück und die häuslichen Sorgen, die einen Mann umgeben, der zum ersten Mal seinen eigenen Hausstand führt, nahmen mich ganz in Anspruch, Holmes dagegen.
Der jede Form von Geselligkeit mit seiner ganzen Künstlerseele verabscheute, blieb in unserer alten Wohnung in der Baker Street vergraben unter seinen Büchern, abwechselnd zwischen ruheloser Tatkraft und den langen, träumerischen Tagen jener seltsamen Schwermut, die ihn zuweilen überkam. Noch immer war er wie eh und je tief versunken in das Studium des Verbrechens. Und richtete seine außergewöhnlichen Gaben darauf, jene Rätsel zu lösen, welche die Polizei als hoffnungslos aufgegeben hatte.
An einem Abend im März, es war im Jahr 1888, führte mich mein Heimweg durch die Baker Street. Als ich an die wohlbekannte Tür kam, die in meiner Erinnerung für immer mit meiner Werbung und mit den dunklen Vorfällen jener ersten gemeinsamen Zeit verbunden ist, überkam mich ein starkes Verlangen, Holmes wiederzusehen und zu erfahren, womit er seine außergewöhnlichen Kräfte gerade beschäftigte. Seine Zimmer waren hell erleuchtet. Und während ich Emporblickte, sah ich seine hohe, hagere Gestalt zweimal als dunklen Schatten hinter dem Vorhang vorüberziehen.
Er Schritt rasch und eifrig im Zimmer auf und ab, den Kopf auf die Brust gesenkt, die Hände auf dem Rücken verschränkt, mir, der ich jede seiner Stimmungen und Gewohnheiten kannte, sagten seine Haltung und seine Art alles. Er war wieder bei der Arbeit. Ich läutete und wurde in eben jenes Zimmer geführt, das einst zur Hälfte mein eigenes gewesen war. Sein Empfang war wie gewöhnlich ohne viele Worte, doch ich glaube, er freute sich, mich zu sehen. Mit einem Wink lud er mich ein, Platz zu nehmen, schob mir seine Zigarrenkiste hin und deutete auf eine Karaffe in der Ecke. Dann stellte er sich vor den Kamin und musterte mich auf jene eigentümlich prüfende Weise, die ihm zu eigen war. Die Ehe bekommt ihnen, bemerkte
er, ich glaube Watson, sie haben dreieinhalb Kilo zugelegt, seit ich sie zuletzt sah. 3 entgegnete ich wirklich, ich hätte eher ein wenig mehr geschätzt. Und wieder in ärztlicher Praxis wie ich sehe. Sie sagten mir nicht, dass sie ins Geschirr zurück wollten, aber woher wissen Sie das? Ich sehe es, ich schließe es, wie sollte ich sonst wissen, dass sie sich vor kurzem gründlich nass gemacht haben und ein höchst ungeschicktes und unachtsames Dienstmädchen haben, mein lieber Holmes, sagte ich, das ist zu viel. Vor ein paar Jahrhunderten hätte man sie gewiss verbrannt. Es stimmt, ich war am Donnerstag auf dem Land und kam in einem fürchterlichen Zustand heim, aber da ich die Kleider gewechselt habe, kann ich mir
nicht denken, wie Sie darauf kommen. Holmes lächelte still in sich hinein, es ist die Einfachheit selbst, sagte er an der Innenseite ihres linken Schuhs, gerade dort, wo das Kaminlicht hinfällt. Ist das Leder von 6 beinahe parallelen Einschnitten gezeichnet? Offenkundig sind sie von jemandem verursacht worden, der Recht achtlos den Rand der Sohle entlang Geschabt hat, um getrockneten Schmutz zu entfernen. Daraus sehen Sie, schließe ich das schlechte Wetter und das besonders ungeschickte Dienstmädchen und was die Praxis betrifft.
Wenn ein Herrin mein Zimmer tritt und nach Jodoform riecht, an seinem rechten Zeigefinger einen schwarzen Fleck von Höllenstein trägt und an seinem Zylinder eine Beule, die verrät, wo er sein Hörrohr verstaut hat, dann müsste ich recht stumpf sein, wollte ich ihn nicht als tätiges Mitglied der ärztlichen Zunft erkennen. Ich musste über die Leichtigkeit lachen, mit der er seine Schlussfolgerung erklärte.
Wenn ich Ihre Gründe höre, sagte Ich, kommt mir die Sache stets so lächerlich einfach vor, dass ich es selbst leicht könnte, und doch bin ich bei jedem neuen Beispiel aufs Neue verblüfft, bis sie mir den Gedankengang erklären. Ganz recht, sagte Holmes und zündete sich eine Zigarette an. Sie sehen aber, Sie beobachten nicht.
Der Unterschied ist klar, zum Beispiel, Sie haben die Stufen, die vom Flur in dieses Zimmer heraufführen, oft genug gesehen, häufig, wie oft nun viele 100 Mal, wie viele sind es denn, wie viele, das weiß ich nicht ganz richtig, sie haben nicht beobachtet und. Und doch haben Sie gesehen. Genau das meine ich nun. Ich weiß, dass es 17 Stufen sind, denn ich habe sie sowohl gesehen als auch beobachtet, er reichte mir ein dickes rosagetöntes Blatt Briefpapier, das auf dem Tisch gelegen hatte, dies kam mit der letzten Post, sagte er. Was halten Sie davon?
Es war ein Brief ohne Datum. Ohne Unterschrift und ohne Anschrift. Heute Abend Punkt 08:00 Uhr, so hieß es darin, wird ein Herr Sie aufsuchen, der Ihren Rat in einer höchst bedeutsamen Sache wünscht. Tragen Sie keine Bedenken, sollte Ihr Besucher eine Maske vor dem Gesicht tragen. Holmes hielt das Papier Prüfend gegen das Licht. Es ist in Böhmen gefertigt, sagte er. Ruhig sehen Sie das Wasserzeichen und der ganze Ton des Schreibens, die etwas steife Wortstellung verrät den Deutschen, Wir werden gleich erfahren, was unser maskierter Freund von uns will.
Kaum hatte er ausgesprochen, da hörten wir den scharfen Hufschlag und das Knirschen von Rädern, das sich an den Randstein drängte. Gefolgt von einem heftigen Läuten an der Glocke. Holmes pfiff leise ein Zweispänner dem Klang nach sagte er wenige Augenblicke später öffnete sich die Tür und ein Mann von gewaltigem Wuchs trat ein, er war reich, ja beinahe verschwenderisch gekleidet, in einen tiefblauen Mantel mit einem Besatz aus Kostbarem Pelz und in der Hand hielt er einen breitkrempigen Hut er.
Über das obere Drittel seines Gesichts reichte eine schwarze Maske, die er offensichtlich erst im Eintreten zurecht gerückt hatte. Sie erhielten meine Nachricht, fragte er mit tiefer, rauher Stimme und starkem deutschem Akzent. Ich kündigte meinen Besuch an, er blickte unschlüssig von einem zum anderen, ungewiss, an wen er sich wenden solle. Bitte nehmen Sie Platz, sagte Holmes. Dies ist mein Freund und Mitarbeiter Dr. Watson. Wen habe ich die Ehre anzureden.
Sie dürfen mich Graf von Kramm nennen, einen böhmischen Edelmann, die Angelegenheit, in der Ich komme, ist von solcher Tragweite, dass ich sie nur ihnen allein anvertrauen kann. Reden Sie ruhig vor uns beiden, sagte Holmes und ließ sich wieder in seinen Sessel sinken. Was Sie dem einen sagen können, das können Sie auch dem anderen sagen.
Der Graf zuckte mit den breiten Schultern, dann muss ich zunächst um Verschwiegenheit für 2 Jahre bitten, danach wird die Sache ohne Belang sein. Im Augenblick aber ist sie wichtig genug, um den Lauf der Geschichte Europas zu berühren. Holmes hatte den Besucher die ganze Zeit ruhig betrachtet, nun sagte er gelassen. Wenn Eure Majestät sich herablassen wollten, Ihren Fall darzulegen, könnte ich sie besser beraten. Der Mann sprang auf und ging in heftiger Erregung im Zimmer umher, dann riss er sich mit einer Gebärde der Verzweiflung die Maske vom Gesicht und schleuderte sie zu Boden. Sie haben Recht, rief er, ich bin der König, warum sollte ich es zu verbergen suchen?
In der Tat. Warum murmelte Holmes, Eure Majestät hat noch kein Wort gesprochen, da wusste ich bereits, dass ich Wilhelm Gottsreich Siegesmund von Ornstein vor mir hatte, Großherzog von Kassel, Feldstein und erblichen König von Böhmen. Der König setzte sich wieder und strich sich über die hohe weiße Stirn.
Sie werden begreifen, sagte er, dass ich nicht gewohnt bin, solche Geschäfte mit eigener Hand zu führen. Doch die Sache war so heikel, dass ich sie keinem Vertrauten überlassen konnte, ohne mich in seine Gewalt zu begeben. Ich bin in tiefster Verschwiegenheit von Prag hergereist, um sie um Rat zu fragen.
So bitte ich fragen Sie, sagte Holmes und schloss erneut die Augen. Die Sache ist kurz erzählt, vor etwa 5 Jahren, während eines längeren Aufenthalts in Warschau, lernte ich die wohlbekannte Abenteurerin Eireen Adler kennen, der Name ist ihnen gewiss vertraut, schlagen sie sie bitte in meinem Verzeichnis nach, Doktor das.
Murmelte Holmes, ohne die Augen zu öffnen. Seit Jahren legte er ein System an, in dem er alles über Menschen und Dinge festhielt. Ich fand ihren Eintrag, geboren in New Jersey, im Jahr 1858 Altistin, einst an der Mailänder Skala Primadonna der Kaiserlichen Oper zu Warschau. Nun von der Bühne zurückgezogen und in London lebend.
Ganz recht, sagte der König. Ich ließ mich, wieso mancher junge Mann zu unbedachten Briefen hinreißen, und es gibt ein Lichtbild, eine Fotografie, wir sind beide darauf abgebildet, oh weh, sagte Holmes, das ist allerdings misslich. Eure Majestät haben sich zu einer ernsten Unbesonnenheit hinreißen lassen.
Ich war damals nur Kronprinz, Ich war jung, ich bin heute kaum 30, das Bild muss zurückerlangt werden, wir haben es versucht und sind gescheitert, Eure Majestät müssen zahlen, es muss gekauft werden, sie will nicht verkaufen, dann muss es entwendet werden. Fünfmal wurde es versucht, sagte der König müde, zweimal ließ ich auf meine Kosten in ihr Haus einbrechen und es durchsuchen. Einmal entwendeten wir ihr Reisegepäck, zweimal wurde sie auf der Straße abgefangen, es war alles umsonst, keine Spur. Und weshalb fürchten Eure Majestät das Bild so sehr, fragte Homs.
Weil ich vor der Verlobung stehe. Ich soll Klothilde Lothmann von Sachsen Meiningen zur Frau nehmen, die zweite Tochter des Königs von Skandinavien, eine Familie von strengsten Grundsätzen. Sie selbst ist die Zartheit in Person, der leiseste Schatten an meiner Lebensführung würde die Sache zunichte machen.
Und Irene Adler? Sie droht Ihnen das Bild zu senden und Sie wird es tun. Ich kenne diesen eisernen Willen am Tag, da meine Verlobung bekannt gegeben wird, will sie es absenden, da bleibt uns noch Zeit, sagte Holmes ruhig Eure Majestät verweilen vorerst in London, ich werde mich umgehend der Sache annehmen, nur eines noch, wo wohnt die Dame?
In Briany Lodge in der Serpentine Avenue, draußen in St. John's Wood Holmes notierte es sich. Eine letzte Frage, war das Bild eine Kabinettaufnahme das war es dann, gute Nacht Majestät und ich hoffe wir werden bald gute Botschaft haben. Am nächsten Tag fand ich mich zur verabredeten Stunde wieder in der Baker Street ein. Doch Holmes war nicht da.
Erst gegen Mittag kehrte er heim und ich hätte ihn beinahe nicht erkannt. Er kam herein in der Gestalt eines etwas heruntergekommenen, gutmütigen Stallknechts mit Backenbart, abgewetzten Kleidern und. Und jenem unbekümmerten Gang, der zu seiner Rolle gehörte. Er verschwand im Schlafzimmer und trat nach wenigen Minuten, als er selbst wieder hervor, sittsam und gediegen wie immer, mit einem behaglichen Lachen ließ er sich in den Sessel fallen und streckte die Beine zum Feuer, sie ahnen ja nicht, womit ich den Vormittag zugebracht habe, begann er, er erzählte. Er habe sich als Müßiger Stallbursche verkleidet. In der Nähe von Briani Lodge unter das Gesinde gemischt. Bei den Pferdeknechten der
Umgebung plaudere es sich leicht, ein paar Handgriffe, ein freundliches Wort und schon erfuhr er alles über die Dame des Hauses, dass Irene Adler ein ruhiges, zurückgezogenes Leben führe, schön anzusehen, beliebt. Dass sie jeden Tag um 5 Ausfahre und um 7 zum Diner Heimkehre nur einen einzigen Herrn empfange sie häufig, und zwar sehr häufig.
Einen gewissen Godfrey Norton, einen Anwalt vom Innertempel. Und während ich noch sann, was dieser Herr ihr bedeuten möge, fuhr Holmes fort. Wurde es plötzlich höchst lebendig? Eine Droschke sei in voller Eile vorgefahren, erzählte er, und Godfrey Norton sei herausgesprungen, ins Haus geeilt und nach wenigen Minuten wieder herausgestürzt, noch erregter als zuvor.
Er habe dem Kutscher zugerufen, zur Kirche Sankt Monika zu fahren und ihm einen halben Sowün versprochen, käme er in 20 Minuten hin. Kaum sei er fortgewesen, da sei auch Irene Adler in ihrem Wagen aus dem Tor geeilt, in dieselbe Richtung, da packte mich die Neugier, sagte Holmes lächelnd. Ich sprang in eine vorüberkommende Droschke und ließ mich gleichfalls zur St. Monika Kirche bringen, dort, im Halbdunklen, menschenleeren Kirchenschiff, habe sich das Sonderbarste zugetragen, die beiden und.
Eireen Adler und Gott für Norton hätten den Geistlichen bedrängt, sie auf der Stelle zu trauen. Es fehlte nur an einem Zeugen und so sagte Holmes und lachte herzlich, wurde ich der Stallknecht kurzerhand an den Altar gewinkt und Stand Pate bei der Hochzeit der Dame, die ich überlisten soll Eireen Adler ist nun eireen Norton. Das ändert die Lage erheblich, sagte er dann wieder ernst. Doch heute Abend Watson brauche ich Ihre Hilfe. Sind Sie bereit, ein kleines Gesetz zu beugen, wenn nichts Unrechtes dabei geschieht und kein Mensch zu Schaden kommt? Ich versicherte es Ihnen gern, er legte mir seinen Plan dar, fein erdacht und durchaus harmlos. Gegen Abend werde Irene Adler heimkehren. In dem Augenblick wolle er als
friedfertiger, betagter Geistlicher verkleidet vor ihrer Tür einen kleinen gestellten Auflauf herbeiführen, in dessen Getümmel er scheinbar verletzt werde, so dass man ihn in ihr Wohnzimmer trage. Das Fenster wird offen stehen sie Watson halten sich davor bereit. Auf mein Zeichen, wenn ich die Hand hebe, werfen sie dies hier durch das Fenster und rufen mit allen anderen Feuer.
Er gab mir eine längliche Rolle, eine Rauchpatrone, wie die Installateure sie verwenden, erklärte er. Sie macht viel Qualm, aber keinerlei Schaden, es wird nichts brennen, es wird nur so aussehen und so riechen. Und welchen Zweck soll das alles haben, fragte ich den wichtigsten von allen, sagte Homs.
Bedenken Sie, was ein Mensch in der ersten Schrecksekunde eines Brandes tut, er eilt unwillkürlich zu dem, was ihm das teuerste ist, und greift danach, um es zu retten, eine Mutter zu ihrem Kind, ein Geizhals zu seiner Kassette. Unsere Dame hat in ihrem Haus nichts, das ihr kostbarer wäre als jenes Bild. Beim Ruf Feuer wird sie ohne Überlegung dorthin stürzen, wo sie es birgt und mir so das Versteck mit eigener Hand verraten.
Am Abend zogen wir aus Holmes nun ein milder, weißhaariger Geistlicher mit gütigem Gesicht und ich an seiner Seite. In der stillen Straße der Serpentine Avenue standen wie zufällig einige müßige gestalten umher. Kleine Helfer, die Holmes für ein paar Münzen bestellt hatte. Pünktlich fuhr Irene Adlers wagen vor, und als sie ausstieg, entstand im Nu ein Gedränge, die Burschen drängten heran, scheinbar um ihr die Tür zu öffnen.
Gerieten in Streit und mitten hinein eilte der gütige alte Geistliche, als wolle er der Dame Schutz bieten. Im Getümmel sank er, scheinbar getroffen sanft zu Boden, das Gesicht von einer kleinen harmlosen Schminke gerötet. Voll Mitleid ließ Eileen Adler den verletzten alten Mann in ihr Haus tragen und auf das Sofa des Wohnzimmers Betten.
Das Fenster zur Straße stand offen. Genau dort hatte sie ihn haben wollen. Holmes hob auf dem Sofa liegend unmerklich die Hand, das war das Zeichen, ich schleuderte die Rauchpatrone durch das offene Fenster und rief aus voller Kehle Feuer, und im selben Augenblick fiel die ganze Straße ein. Dichter weißer Qualm quoll auf, der Ruf lief durch das Haus.
Und genau in diesem Moment tat Irene Adler, was Holmes vorausgesehen hatte. Sie fuhr herum und eilte mit einem raschen, Untrüglichen griff zu einer bestimmten Stelle der Wand zu einem Schiebefach hinter der Täfelung, gleich über dem rechten Klingelzug dort. Das verriet ihre Hand, lag ihr Kostbarstes. Mehr brauchte Homs nicht.
Mit ruhiger Stimme rief er bald, es sei nur ein falscher Alarm gewesen, kein Feuer, keine Gefahr, die Aufregung legte sich, der Qualm verzog sich, der gütige Geistliche erholte sich und verabschiedete sich höflich, auf dem Heimweg war Homs bester Laune. Morgen früh, sagte er, gehen wir mit dem König hin und holen das Bild.
Ich weiß nun genau, wo es liegt, doch als wir die Baker Street erreichten und Holmes eben den Schlüssel suchte, ging eine schlanke Gestalt in einem langen Herrenmantel rasch an uns vorüber. Gute Nacht, Herr Sherlock Holmes sagte eine helle, freundliche Stimme im Vorübergehen und die Gestalt verschwand in der Dunkelheit.
Holmes blickte ihr verdutzt nach. Diese Stimme habe ich schon einmal gehört, murmelte er. Nur wüßte ich gern, wer das war. Am nächsten Morgen brachen wir früh auf. Holmes, der König und ich, doch als wir Briany Lodge erreichten, stand das Tor offen und eine ältere Dienerin empfing uns mit einem sonderbaren, beinahe spöttischen Lächeln. Ihre Herrin sagte, sie sei am frühen Morgen mit dem 05:15 Uhr Zug von Sharing Cross abgereist.
Gemeinsam mit ihrem Gatten auf den Kontinent, fort aus England. Holmes eilte ins Wohnzimmer, schob die Täfelung über dem rechten Klingelzug beiseite und griff hinein, doch das Bild des Königs war fort. Stattdessen fand er 2 andere Dinge. Eine Fotografie, die Irene Adler allein zeigte, in vollem Abendstaat und einen Brief, adressiert an Herrn Sherlock Holmes, persönlich abzuholen.
Holmes riss ihn auf, und wir lasen ihn gemeinsam in freundlichem, fast heiterem Ton, schrieb Irene Adler. Sie habe ihn vollständig durchschaut. Schon als der gütige Geistliche so geschickt in ihr Haus gelangt sei, habe man sie gewarnt, dass der König den berühmten Sherlock Holmes mit der Sache betraut haben könnte, also habe sie ihn auf die Probe gestellt und siehe da, mit dem Trick des falschen Feueralarms habe er sich selbst verraten.
Ich bin als Schauspielerin ausgebildet, schrieb sie. Männerkleidung ist mir nichts Neues, ich zog die Sachen an, die ich oft genutzt habe, ging ihnen nach bis vor ihre Tür und wünschte Ihnen gute Nacht. Ja, der schlanke junge Mann war ich selbst. Der König brauche nichts zu fürchten, schrieb sie weiter, sie Liebe und sei geliebt und.
Von einem besseren Mann, als der König es sei und sei mit ihm fortgezogen. Das Bild behalte sie allein zu ihrem eigenen Schutz als Waffe für den Fall, dass man ihr je Nachstelle verwenden aber werde sie es nie unterzeichnet, war der Brief hochachtungsvoll. Irene Norton, geborene Edler. Was für eine Frau. Oh, was für eine Frau, rief der König, als er gelesen hatte, sagte ich ihnen nicht, wie rasch und entschlossen sie ist, wäre sie nicht von so anderer Herkunft, wäre sie nicht eine bewundernswerte Königin gewesen, nach allem, was ich von der Dame gesehen habe, scheint sie in der Tat von ganz anderem schlage zu sein als Eure Majestät, sagte Homs Kühl. Es tut mir leid, dass ich die Angelegenheit Eurer Majestät nicht zu einem glücklicheren
Ende führen konnte. Im Gegenteil, Mein lieber Herr, rief der König, es konnte gar nicht glücklicher enden. Ich weiß, dass ihr Wort unverbrüchlich ist. Das Bild ist nun so sicher, als wäre es im Feuer, es freut mich, Eure Majestät so sprechen zu hören. Ich stehe tief in Ihrer Schuld, sagen sie mir, womit ich Sie belohnen kann, dieser Ring. Und er zog einen Smaragdring von schlangenförmiger Fassung vom Finger.
Eure Majestät besitzen etwas, das ich höher schätze als diesen Ring, sagte Homs, Sie brauchen es nur zu nennen, diese Photographie. Der König starrte ihn verwundert an. Das Bild Irenes rief er gewiss, wenn sie es wünschen. Ich danke Eurer Majestät, dann ist in dieser Sache nichts weiter zu tun.
Ich habe die Ehre, Ihnen einen sehr guten Morgen zu wünschen. Er verneigte sich und ohne die ihm hingehaltene Hand zu beachten, wandte er sich ab und ging mit mir nach Hause. So kam es, dass ein großer Skandal das Königreich Böhmen bedrohte und dass die feinsten Pläne des Sherlock Holmes durch den Verstand einer Frau zunichte gemacht wurden.
Früher hatte er über die Klugheit der Frauen gern seinen Spott getrieben, in der letzten Zeit habe ich ihnen das nicht mehr tun hören, und wenn er von Irene Adler sprach oder ihr Bild zur Hand nahm. Dann geschah es stets unter jenem einen ehrenvollen Wort. Die Frau für Sherlock Holmes wird sie immer die Frau bleiben, die Einzige, die ihn je übertroffen hat. Soweit dieser erste Fall das Feuer im Kamin ist kleiner geworden und über der Baker Street liegt nun tiefe Ruhe. Wenn deine Augen schon schwer sind, dann lass sie ruhig geschlossen.
Du musst dir nichts merken. Die nächste Geschichte beginnt ganz von selbst. Ganz leise die Liga der Rothaarigen an einem milden Herbsttag besuchte ich Doktor Watson, meinen Freund Sherlock Holmes in der Baker Street, Ich fand ihn in ein ernstes Gespräch, vertieft mit einem älteren Herrn. Der breit und behäbig in einem Sessel saß und dessen auffälligstes Merkmal sein Haar war. Ein leuchtendes, beinahe flammendes Rot. Holmes bat mich, freundlich zu bleiben, Sie kommen wie gerufen. Watson sagte er, Herr Wilson hat mir gerade eine höchst sonderbare Geschichte zu erzählen begonnen, der rothaarige Herr, ein Pfandleiher namens Javis Wilson. Nickte mir zu und fuhr in seinem Bericht fort, er führe, so erzählte er, ein kleines,
ruhiges Pfandleihgeschäft. Vor einiger Zeit habe er einen neuen Gehilfen eingestellt, einen jungen Mann namens Vincent's Balding. Dieser sei tüchtig und obendrein billig, denn er arbeite für den halben Lohn, nur habe er eine Eigenheit, er verschwinde oft in den Keller hinunter, um zu fotografieren. Einer Leidenschaft, der er mit großem Eifer nachgehe. Eines Tages nun fuhr Herr Wilson fort, habe ihm dieser Spalding eine Zeitung gezeigt mit einer höchst merkwürdigen Anzeige darin wurde verkündet, es gebe eine Liga der Rothaarigen, gestiftet von einem Reich verstorbenen Amerikaner. Und diese Liga suche einen rothaarigen Mann für eine leichte, gut bezahlte Tätigkeit.
Spolding habe ihm eifrig zugeredet, sich zu bewerben, schließlich sei sein Haar von einem so prächtigen Rot, wie man es selten finde. So sei er also hingegangen, erzählte Wilson, und er habe gestaunt vor dem kleinen Büro habe sich eine ganze Menschenmenge gedrängt. Lauter Männer mit rotem Haar in allen Schattierungen, Feuerrot, Ziegelrot, Sandfarben, ein freundlicher Herr namens Duncan Ross habe die Bewerber gemustert und am Ende ihn javis Wilson ausgewählt, weil sein Rot das Allerleuchtendste gewesen sei.
Man habe ihm zur Stelle gratuliert und ihm die Bedingungen erklärt, die Arbeit war eigentümlich einfach. Er solle jeden Tag von 10 bis 02:00 Uhr im Büro der Liga sitzen und die große Enzyklopädie abschreiben. Band für Band mit eigener Hand dafür erhalte er 4 Pfund die Woche, ein schönes Geld für so wenig Mühe, nur eine Regel gebe es während dieser 4 Stunden dürfe er das Büro unter keinen Umständen verlassen. Nicht einmal für einen Augenblick, sonst verliere er die Stelle.
Und so habe er es getan, erzählte Wilson. 8 Wochen lang sei er jeden Tag erschienen und habe fleißig abgeschrieben, von Abt über Armbrust bis Architektur. Während Duncan Voss anfangs hin und wieder hereinschaute und später gar nicht mehr, das Geld sei pünktlich gekommen. Und er habe sich an die wunderliche, aber angenehme Beschäftigung gewöhnt. Bis heute morgen, sagte Herr Wilson und zog ein kleines Stück Pappe hervor, als er wie gewohnt zum Büro gekommen sei, habe er die Tür verschlossen gefunden, und an ihr habe ein Zettel gehangen mit nur einer Zeile die Liga der Rothaarigen ist aufgelöst.
Ratlos sei er im Haus Herumgefragt. Niemand habe je von einer solchen Liga gehört. Der Mann, der das Büro gemietet hatte, sei verschwunden und nun, Herr Holmes, Schloss Wilson, weiß ich nicht, ob ich betrogen worden bin oder ob ich nur einen üblen Scherz erlebt habe, aber sonderbar ist es allemal. Sherlock Holmes hatte mit geschlossenen Augen und aneinander gelegten Fingerspitzen zugehört. Nun stellte er ein paar ruhige Fragen. Wie lange Spawling schon bei ihm sei. Etwa einen Monat, ehe die Anzeige erschien, wie der Gehilfe aussehe, klein, kräftig, sehr flink, ohne Bart, mit einem weißen Spritzer auf der Stirn, als sei einmal Säure darauf gelangt.
Holmes richtete sich ein wenig auf und seine Ohren. Sind sie für Ringe Durchstochen? Ja, das sind sie, sagte Wilson verwundert. Holmes lehnte sich wieder zurück und um seinen Mund, spielte ein feines Lächeln. Ich danke Ihnen, Herr Wilson, lassen Sie mir ein 2 Tage Zeit, ich denke, die Sache wird sich klären als der gute Pfandleiher gegangen war, sprang Holmes auf. Was halten Sie davon, Watson, fragte er. Ich gestand, ich verstünde gar nichts. Eben, sagte Holmes vergnügt.
Je seltsamer eine Sache aussieht, desto harmloser ist sie oft am Ende, und je gewöhnlicher, desto schwerer zu durchschauen kommen sie. Machen wir einen kleinen Spaziergang. Wir fuhren in jenen Stadtteil, in dem Herr Wilsons Geschäft lag. Es war eine ruhige, leicht heruntergekommene Straße. Holmes betrachtete das Pfandhaus, dann tat er etwas merkwürdiges, er klopfte mit seinem Stock mehrmals kräftig auf das Pflaster vor dem Laden, als Horche er auf etwas unter der Erde, danach klingelte er, ein junger Mann mit flinkem Gesicht öffnete Spalding, der Gehilfe.
Oms fragte ihn nur höflich nach dem Weg, dankte und ging. Ein bemerkenswerter Mann, dieser Gehilfe, sagte Holms leise, als sie um die Ecke Bogen, haben sie seine Knie gesehen, Watson ich hatte nichts Besonderes bemerkt, die Knie seiner Hose waren Abgewetzt, verschmutzt, Knittrig, sagte Holms vom Knien.
Und ich wollte wissen, was er da unten so eifrig tut. Dann führte er mich um den Blog, hier zeigte sich, dass die Rückseite von Wilsons Geschäft unmittelbar an ein großes vornehmes Gebäude grenzte, eine Bank Holmes betrachtete sie lange und nickte still vor sich hin. Ich glaube, ich habe genug gesehen.
Heute Abend, Watson wird sich entscheiden, ob ich recht habe. Kommen sie um 10:00 Uhr wieder her und bringen sie sicherheitshalber ihren alten Dienstrevolver mit. Am Abend fanden wir uns ein, Holmes hatte 2 weitere Herren mitgebracht, einen Beamten von der Polizei und den Direktor der Bank, einen Herrn Mary Weather. Dieser führte uns durch das stille, dunkle Gebäude hinab in ein tiefes Kellergewölbe.
Überall standen schwere Kisten fest verschnürt. In diesen Kisten, flüsterte der Direktor, lagert im Augenblick ein großer Vorrat an Gold, viele 1000 Goldstücke, die wir uns von einer anderen Bank geliehen haben. Wir haben uns schon gewundert, ob das ganz sicher ist. Das wird sich gleich zeigen, sagte Homs ruhig.
Nun aber müssen wir vollkommen still sein und das Licht löschen, setzen wir uns und warten wir, so saßen wir im Dunkeln, ganz reglos und lauschten. Es verging eine lange stille Zeit, man hörte nur den eigenen Atem und das Ferne schlagen einer Uhr dann. Ganz plötzlich sah ich am Boden des Gewölbes einen schwachen Lichtschein. Eine der Steinplatten begann sich zu heben. Lautlos klappte sie zur Seite und aus dem Loch darunter stieg ein Mann herauf, kein anderer als vincent's Balding, der flinke Gehilfe hinter ihm tauchte ein Zweiter auf, sie hatten, wie Holmes vermutet hatte, einen langen Gang gegraben.
Vom Keller des Pfandhauses bis hierher in den Tresor der Bank. In diesem Augenblick trat Holmes aus dem Dunkel hervor. Alles ging rasch und ohne großes Getümmel, die beiden Männer wurden gestellt und der Polizei übergeben. Spalding, so erfuhren wir, war in Wahrheit ein weithin bekannter und besonders schlauer Verbrecher, der sich nur als harmloser Gehilfe ausgegeben hatte.
Herr Mary Weather, der Bankdirektor, schüttelte Holmes überschwänglich die Hand. Sein Gold war gerettet, später wieder in der Baker Street, erklärte mir Holmes die ganze List, in aller Ruhe die Liga der Rothaarigen sei von Anfang an nur ein Vorwand gewesen, Spolding habe sich beim ahnungslosen Henry Wilson als Gehilfe eingeschlichen.
Um Zugang zu dessen Keller zu bekommen, der so günstig nah an der Bank lag. Doch um ungestört graben zu können, habe er den Hausherrn loswerden müssen, verlässlich für mehrere Stunden am Tag. Und was hält einen Rothaarigen, einen wenig eitlen Mann sicherer fern als die Aussicht auf leichtes Geld, nur weil er rotes Haar hat, sagte Holmes lächelnd.
Die ganze Enzyklopädie Abschreiberei diente einzig dem Zweck, Herrn Wilson Tag für Tag aus dem Haus zu locken, während unten gegraben wurde und als der Tunnel fertig war, sagte Ich, lösten sie die Liga einfach auf. Ganz recht, sagte Homs, da brauchten sie den guten Wilson nicht mehr, es war Zeit zuzuschlagen. Und genau darauf habe ich gewartet. Er gähnte und streckte sich behaglich solche kleinen Rätselwotzen, das ist es, wofür ich lebe, sie vertreiben die Langeweile des Alltags, so endete der wunderliche Fall von der Liga der Rothaarigen, das Feuer im Kamin glüht nur noch leise, und die Nacht liegt still über der Stadt. Wenn deine Gedanken schon ganz ruhig geworden sind, dann lass sie treiben.
Die nächste Geschichte wartet schon ganz sanft, eine Frage der Identität an einem stillen Abend saßen Sherlock Holmes und ich, Doktor Watson, einander am Kamin der Baker Street gegenüber. Mein lieber Freund, sagte Holmes nachdenklich. Das Leben ist unendlich seltsamer als alles, was der menschliche Geist sich auszudenken vermag.
Was wir uns niemals zu erfinden trauten, das ist in Wahrheit oft nur das Alltägliche, und doch bin ich nicht ganz überzeugt, erwiderte ich. Die Fälle, die in den Zeitungen stehen, sind meist recht nüchtern und wenig erbaulich. Man muss eben mit Auswahl und Verstand vorgehen, sagte Holmes lächelnd. Doch still, wenn ich mich nicht irre, kündigt sich gerade ein neuer kleiner Fall an.
Vom Fenster aus hatte er eine Dame erspäht, die unten auf der anderen Straßenseite stand und unschlüssig zu unseren Fenstern hinaufsah dieses Zögern murmelte Holmes. Dieses Schwanken zwischen Hinaufgehen und umkehren, das verrät eine Herzensangelegenheit. Sie sucht Rat, ist sich aber nicht sicher, ob die Sache nicht zu heikel ist, um sie einem Fremden anzuvertrauen.
Doch sehen Sie, nun hat sie sich entschlossen, wenige Augenblicke später wurde Fräulein Mary Sutherland gemeldet. Eine kräftige junge Frau mit gutmütigem Gesicht, etwas kurzsichtig, sorgfältig, wenn auch ein wenig überladen gekleidet. Homes hieß sie freundlich, Platz nehmen, fällt es ihnen, begann sie zögernd bei ihrer Kurzsichtigkeit, nicht beschwerlich, so viel mit der Schreibmaschine zu arbeiten, sie fuhr erstaunt auf, woher wissen sie, dass ich Maschine schreibe? Daran gewöhnt man sich, sagte Holmes. Mild.
Aber lassen wir das, erzählen sie mir lieber alles über Herrn Hosma Angel und sein verschwinden. Die junge Frau Errötete und Nestelte nervös an ihrem Handschuh, doch dann fasste sie sich und begann ihre seltsame Geschichte. Sie lebe, erzählte Mary Sutherland, mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater zusammen.
Ihr leiblicher Vater, ein Klempnermeister, sei vor Jahren gestorben und habe ein hübsches Geschäft hinterlassen. Sie selbst aber besitze ein kleines eigenes Vermögen, eine Erbschaft sei für sie angelegt, die ihr jährlich etwa 100 Pfund an Zinsen einbringe, da sie im Haushalt lebe und mit ihrer Maschinenschreiberei noch ein wenig Dazuverdiene.
Brauche sie dieses Geld nicht für sich und überlasse die Zinsen großzügig ihrer Mutter und dem Stiefvater. Der Stiefvater, ein Herr namens James Windy Bank, sei deutlich jünger als ihre Mutter und Reise als Vertreter für ein Weinhandelshaus eben dieser Stiefvater, fuhr sie fort, halte sie sehr kurz, er sehe es nicht gern, dass sie ausgehe oder Bekanntschaften schließe. Und so habe sie zu Hause ein recht stilles Leben geführt. Nun aber habe einmal die Zunft der Gasinstallateure, der ihr verstorbener Vater angehört hatte, einen Ball gegeben, zu dem auch die Familie eingeladen war, gerade zu jener Zeit sei der Stiefvater geschäftlich in Frankreich gewesen, und so seien Mutter und Tochter.
Trotz seines Verbots zu dem Ball gegangen dort habe sie einen Herrn kennengelernt, Herrn Hosma Angel. Dieser Herr Angel erzählte sie mit leuchtenden Augen, sei überaus zuvorkommend und vornehm gewesen, er habe sie am nächsten Tag besucht und danach noch einige Male, stets jedoch nur, wenn der Stiefvater wieder verreist war.
Denn der hätte es nicht geduldet, Herr Angel sei Kassierer in einem Büro gewesen. Ein stiller, etwas Scheuer Mann. Er habe eine auffallend leise, fast flüsternde Stimme gehabt. Er sagte, er habe in der Jugend eine Halsentzündung gehabt, die ihm die Stimme genommen habe, stets habe er eine getönte Brille getragen, gegen das grelle Licht und.
Und einen kräftigen Backenbart. Seine Briefe habe er ihr alle mit der Schreibmaschine geschrieben, sogar seinen Namen darunter habe er getippt, nicht von Hand gesetzt, bald hätten sie sich verlobt, fuhr Mary fort, und zwar wieder in Abwesenheit des Stiefvaters, Herr Angel habe sie beschworen, ihm treu zu bleiben, was auch immer geschehe, ja.
Er habe sie schwören lassen, mit der Hand auf dem Buch, dass sie ihm ewig die Treue halten werde, komme, was wolle. Das habe sie sonderbar gefunden, aber auch rührend, schließlich sei der Hochzeitstag festgesetzt worden, an jenem Morgen seien sie in 2 Wagen zur Kirche gefahren, sie mit ihrer Mutter im ersten, Herr Angel, allein im Zweiten.
Doch als ihr Wagen vor der Kirche hielt und man die Tür des Zweiten öffnete, da war er fort. Der Wagen war leer, niemand hatte ihn aussteigen sehen, Hosma Angel war spurlos verschwunden, und seit jenem Tag habe sie kein Wort, kein Lebenszeichen mehr von ihm erhalten, und sie glauben, ihm sei ein Unglück zugestoßen. Fragte Holmes Sanft.
Ja, sagte sie unter Tränen, er war so gut und treu, er muss geahnt haben, dass ihm Gefahr drohte, warum sonst hätte er mich schwören lassen, irgendetwas ist ihm widerfahren und ihr Stiefvater, was sagt er dazu? Er nahm es leicht, fast zu leicht. Er meinte, die Sache werde sich von selbst aufklären und ich solle sie ruhen lassen. Holmes nickte langsam und stellte noch ein paar Fragen nach Herrn Angels aussehen und nach dem genauen Wortlaut seiner getippten Briefe.
Dann bat er die junge Frau, ihm einen dieser Briefe Dazulassen, versprach sich der Sache anzunehmen und riet ihr freundlich Herrn Hosma Angel aus ihren Gedanken und ihrem Herzen zu verbannen. Als Mary Sutherland gegangen war, lehnte sich Holmes zurück. Ein lehrreicher kleiner Fall, sagte er. Was halten Sie von der Dame?
Watson ich gestand, ich sehe nur ein bedauernswertes getäuschtes Mädchen, sehen Sie genauer hin, sagte Holmes, Bedenken Sie die Eigenheiten dieses Herrn Angel, die getönte Brille, die einen Teil des Gesichts verbürgt. Den mächtigen Backenbart, der einen anderen verbürgt, die leise geflüsterte Stimme, die die eigene verstellt und das peinlich genaue vermeiden, jemals etwas mit eigener Hand zu schreiben.
Selbst der Name war getippt, fügen sie hinzu, dass dieser Mann stets nur dann erschien, wenn ein gewisser anderer Mann gerade abwesend war. Und fragen Sie sich schließlich, wem nützt es, wenn das gutmütige Mädchen niemals heiratet? Dem Stiefvater sagte ich langsam, denn dann bliebe ihm das jährliche Geld erhalten. Genau, sagte Holmes 100 Pfund im Jahr sind ein hübscher Anreiz, ich vermute sehr stark, dass Herr Hosma Angel und Herr James Windy Bank.
Ein und derselbe Mann sind der Stiefvater hat die Rolle des Verehrers gespielt, mit Brille, falschem Bart und verstellter Stimme, um seine Stieftochter an einen Mann zu binden, den es nicht gibt. Durch den feierlichen Schwur, ihm ewig treu zu bleiben, hat er sie gewissermaßen für immer verlobt mit einem Phantom. Sie wird auf ihren verschwundenen Hosma warten und keinen anderen ansehen.
Und das Geld bleibt im Haus. Aber wie wollen Sie das Beweisen, fragte ich durch die Schreibmaschine, sagte Holmes und hob den Brief, den Mary dagelassen hatte. Jede Maschine schreibt so eigen wie eine Handschrift. Sehen Sie hier, das E ist leicht verwischt. Dem R fehlt der untere Strich und es gibt noch mehr solcher kleinen Merkmale. Ich habe Herrn Windibank unter einem Vorwand eine kurze Nachricht geschickt und ihn gebeten, mich aufzusuchen, antwortet er getippt und das wird er, denn ein solcher Mann schreibt ungern mit der Hand.
So werden wir sehen, ob seine Maschine die selben Eigenheiten zeigt wie die Briefe des verschwundenen Bräutigams. Und so geschah es. Am Abend traf Windy Banks Antwort ein, getippt und Buchstabe für Buchstabe trug sie dieselben kleinen Fehler wie Hosma Angels Liebesbriefe, kurz darauf wurde Herr James Windy Bank selbst gemeldet.
Ein glatter, mittelgroßer Mann von etwa 30 Jahren mit grauen Augen und einer leisen, einschmeichelnden Art. Holmes empfing ihn höflich, doch dann legte er ihm ruhig und unerbittlich die ganze Kette seiner Schlüsse dar, die Verkleidung, die verstellte Stimme, die getippten Briefe, das berechnende Spiel mit dem Herzen einer gutgläubigen Jungfrau. Einzig um ihres kleinen Vermögens willen. Der Mann wurde erst blaß, dann versuchte er zu lachen, doch das Lachen erstarb ihm auf den Lippen. Es ist kein Gesetz, das mich dafür belangen kann, sagte er schließlich frech, da haben sie wohl recht, entgegnete Holmes kühl, und doch war selten ein Streich so grausam, so selbstsüchtig und so herzlos
verschwinden sie. Und mit einem letzten verächtlichen Blick wandte er sich ab. Windy Bank schlich davon, ein kaltherziger Schurke, sagte Holmes, als die Tür ins Schloss gefallen war, doch das Gesetz kann ihn nicht fassen, und die Arme Mary Sutherland fragte ich, werden Sie ihr die Wahrheit sagen?
Holmes schüttelte langsam den Kopf, wenn ich es ihr sage, wird sie mir nicht glauben. Sie hängt zu sehr an ihrem Bild von dem treuen, verschwundenen Hosma. Es gibt ein altes Wort aus dem Morgenland, fügte er leise hinzu, dass Gefahr droht, wer einem Tiger das Junge nimmt, und Gefahr ebenso. Wer einer Frau ihre liebste Täuschung raubt, lassen wir ihr die Hoffnung.
Mit der Zeit wird das Warten sanft verblassen. Und vielleicht findet sie eines Tages doch noch ein stilles eigenes Glück. Mehr, so beschloss er, könne und wolle er in dieser Sache nicht tun. So endete der seltsame Fall um eine Frage der Identität, einer jener stillen Fälle ohne Lärm und ohne Gewalt und doch voll von der wunderlichen Verschlungenheit des menschlichen Herzens. Das Feuer im Kamin glüht nur noch leise und draußen ist es ganz still geworden.
Wenn deine Gedanken schon ruhig geworden sind, dann lass sie sanft treiben, die nächste Geschichte beginnt ganz von selbst. Ganz leise das Rätsel von Boscom Valley an einem Morgen erhielt Sherlock Holmes ein Telegramm, das ihn aufs Land rief. Nach Herfordshire in den Westen Englands, wo ein rätselhafter Todesfall die Gemüter erregte, wollen sie mitkommen. Watson fragte er die Luft und die Landschaft werden uns gut tun und der Fall verspricht nicht alltäglich zu sein. Meine gute Frau hatte nichts dagegen und so saßen wir bald im Zug, der durch sanfte grüne Hügel nach Westen rollte. Unterwegs legte mir Holmes die Sachlage dar, so wie er sie den Zeitungen und dem Telegramm des Polizeibeamten Listrat entnommen hatte.
In jener ländlichen Gegend, erzählte er, lägen 2 Anwesen nah beieinander, das eine gehöre einem wohlhabenden Mann namens John Turner, der vor langer Zeit in Australien zu vermögen gekommen sei und nun als angesehener Gutsherr lebe. Das andere, einen Pachthof, Bewirtschafte ein gewisser Charles mccarthy, ebenfalls ein alter Australien Heimkehrer, der einst mit Turner aus der Ferne zurückgekommen sei.
Auffällig sei, dass der Reiche Turner dem ärmeren mccarthy stets sehr entgegengekommen sei, er habe ihm den Hof überlassen und ihn auf mancherlei Weise begünstigt, ohne dass jemand recht wusste, warum. Nun aber sei MC Carthy tot. Man habe ihn am Bosskombteich gefunden, einem kleinen, schilfumstandnen Gewässer im Wald, leblos, mit einer schweren Verletzung am Kopf, und der Verdacht falle schwer auf seinen eigenen Sohn, den jungen James MC Carthy, denn man habe Vater und Sohn kurz zuvor in heftigem Streit gesehen.
Und der junge Mann sei wenig später sichtlich erschüttert in der Nähe der Leiche aufgegriffen worden. Der Straat hält ihn für schuldig, sagte Holmes, ich aber halte mein Urteil zurück, bis ich den Ort mit eigenen Augen gesehen habe. Es gibt da einige Kleinigkeiten, die mir zu denken geben. In Herfordshire angekommen, sprachen wir zunächst mit der jungen Alice Turner.
Der Tochter des reichen Gutsherrn, sie war voll Sorge und glaubte fest an die Unschuld des jungen James, den sie offensichtlich von Herzen gern hatte. Sie erzählte, die beiden Väter hätten gewünscht, dass James und sie einander heirateten, James aber habe sich seltsamerweise gesträubt, was den alten Macarthy erzürnt habe, glauben sie mir, sagte sie eindringlich. James könnte seinem Vater niemals etwas zuleide tun. Es muss anders gewesen sein.
Dann besuchten wir den jungen James mccarthy im Gefängnis, er war ein offener, ehrlicher Bursche, verzweifelt über den Tod des Vaters und über den Verdacht, der auf ihm lastete. Seine Aussage war merkwürdig, er sei an jenem Tag durch den Wald gegangen, ohne zu wissen, dass sein Vater am Teich war.
Da habe er aus der Ferne den Ruf Kuihi gehört, einen eigentümlichen, langgezogenen Ruf, mit dem sein Vater ihn manchmal gerufen habe. Einen Ruf, den die beiden noch aus Australien kannten. Er sei dem Ruf gefolgt und auf den Vater getroffen, es sei zu einem heftigen Wortwechsel gekommen, weil der Vater auf der Heirat mit Alice bestand.
James sei dann zornig fortgegangen, kaum aber sei er ein Stück entfernt gewesen, da habe er einen Schrei gehört, sei Zurückgeeilt und habe den Vater sterbend am Boden gefunden und seine letzten Worte fragte Holmes leise, mein Vater murmelte etwas, sagte der junge Mann, es klang wie eine Ratte. Mehr konnte ich nicht verstehen und er deutete schwach mit der Hand. Dann war er fort, Holmes Augen leuchteten auf, doch er sagte Nichts, James berichtete noch, er habe in der Nähe einen grauen Mantel am Boden liegen sehen, der einen Augenblick später wieder verschwunden gewesen sei.
Holmes hörte all dies mit größter Aufmerksamkeit und dankte dem jungen Mann freundlich. Am nächsten Morgen gingen Holmes und ich allein hinaus zum Bosskom Teich, während ich nur Schilf, Schlamm und niedergetretenes Gras sah, las Holmes den Boden wie ein offenes Buch auf Händen und Knien, das Vergrößerungsglas vor dem Auge verfolgte er Spuren, die mir völlig entgangen waren.
Nach einer Weile richtete er sich auf. Und in seinem Gesicht lag jene ruhige Befriedigung, die ich kannte, wenn er seiner Sache sicher war. Es war nicht der Sohn, sagte er schlicht, hier war noch ein anderer Mann, er zählte mir auf, was er gelesen hatte. Ein großer Mann sei am Teich gewesen, der mit dem linken Fuß fester auftrete als mit dem Rechten, also rechts ein wenig lahme. Er habe schwere, grobe Stiefel getragen und einen grauen Mantel an einer Stelle hinter einem Baum habe dieser Mann eine Weile gewartet und dabei eine Zigarre geraucht. Holmes fand sogar die Asche und den Rest. Und er kannte die Sorte, eine indische, die man mit einer Spitze raucht.
Dieser Mann, sagte Holmes er. Rief mit dem alten Ruf, den mccarthy zu sich, ehe der Sohn in der Nähe war. Und dieser Mann ist der wahre Täter. Den jungen James trifft keine Schuld, aber wer ist es, fragte ich, denken Sie an die letzten Worte des Sterbenden, sagte Holmes, eine Ratte glaubte der Sohn zu hören.
Doch der alte MC Carthy stammte aus Australien und in Australien gibt es einen Ort namens Balared. Der Sterbende sprach keine Ratte aus, er sprach die letzte Silbe eines Namens Balared er versuchte, seinen Mörder zu nennen. Holmes hatte bereits eine Vermutung, wer der große Rechtslahmende reiche Mann war, der. Der einst in Balared in Australien gewesen sein musste. Und es gab nur einen, auf den all das passte. Noch am selben Tag suchte Holmes diesen Mann auf, John Turner, den reichen Gutsherrn, und was ich nun zutrug, erzählte mir Holmes erst später mit ungewöhnlicher Ernsthaftigkeit. Der alte Turner sei ein gebrochener, todkranker Mann, dem die Ärzte nur noch wenige Monate gaben. Vor Holmes habe er alles
gestanden, in seiner wilden Jugend in Australien, in den rauen Tagen der Goldfelder von Balared sei Turner kein ehrenwerter Mann gewesen, er habe damals auf Unrechten wegen sein erstes Vermögen gemacht, Charles Mc Carthy aber habe ihn aus jenen alten Tagen gekannt. Und ihn seither sein Leben lang dafür ausgenutzt. Das war das Geheimnis hinter Turners Großzügigkeit es war kein Wohlwollen, es war ein stiller, jahrelanger Zwang, mccarthy hatte ihn in der Hand, zuletzt habe mccarthy verlangt, sein Sohn James solle Turners Tochter Alice heiraten, damit der Sohn des Erpressers eines Tages über Turners ganzes Vermögen.
Und über seine geliebte Tochter Gebieten würde. Das sei dem alten, sterbenden Mann unerträglich gewesen. Am Teich habe er maccasy noch einmal beschworen, von diesem Plan abzulassen, als der ihn höhnisch abwies und auch noch den eigenen Sohn vor ihm demütigte, da habe ihn in seiner Verzweiflung und seinem Zorn die Besinnung verlassen.
Es sei rasch geschehen und sogleich bitter bereut. Ich bin ein sterbender Mann, habe Turner gesagt, und ich möchte nicht als Mörder vor meinen Schöpfer treten, aber dass mein Kind glücklich wird, das war mein letzter Wunsch. Holmes stand vor einer schweren Entscheidung der unschuldige James mccarthy musste freikommen, das Stand außer Frage. Doch den alten, todkranken Turner ans Messer zu liefern, der seine Tat schon sobald mit dem Leben bezahlen würde, das brachte Holmes nicht übers Herz.
Er nahm Turner das vollständige Geständnis ab, schriftlich und verwahrte es vor Gericht trug er so viel vor, dass jeder Zweifel an der Unschuld des jungen James Zerstob. Der Bursche wurde freigesprochen. Das Geständnis des alten Turner aber hielt Holmes zurück, solange dieser noch lebte. Und Turner lebte nur noch wenige Monate. So blieb die ganze dunkle Wahrheit verborgen, James mccarthy und Alice Turner heirateten bald darauf, sie wurden ein glückliches Paar in Frieden und Wohlstand. Und ahnten nichts von der dunklen Wolke, die über der Vergangenheit ihrer Väter gelegen hatte. Manchmal sagte Holmes nachdenklich auf der Heimfahrt, ist es das Gerechteste, nicht alles ans Licht zu zerren. Das Gesetz hat seinen Lauf
genommen, der Unschuldige ist frei und der Schuldige steht vor einem höheren Richter, als ich es bin. Ich schwieg und sah hinaus auf die sanften grünen Hügel, die im Abendlicht vorüberzogen, friedlich und still, als hätten sie nie ein Geheimnis gehütet. So endete das Rätsel von Boscom Valley ein ernster Fall, doch einer, in dem am Ende die Unschuld gerettet und das Glück junger Menschen bewahrt wurde.
Nun ist alles gesagt, der Zug rollt sanft dahin. Und die Dämmerung legt sich weich über das Land. Wenn deine Augen schon schwer sind, dann lass sie ruhig geschlossen, es ist alles gut ausgegangen, die nächste Geschichte wartet ganz geduldig auf dich, die 5 orangenkerne es war an einem stürmischen Abend im Herbst.
Draußen heulte der Wind um die Häuser der Baker Street. Und der Regen schlug in langen Böen gegen die Fenster. Sherlock Holmes saß Sinnend am Kamin, ich Doktor Watson ihm gegenüber mit einem Buch, das ich längst nicht mehr las, so sehr lauschte ich dem Toben der Nacht in solchen Nächten, sagte Holmes. Leise klopfen die seltsamsten Geschichten an die Tür. Und kaum hatte er es ausgesprochen, da läutete unten die Glocke und wenig später trat ein junger Mann, ein Durchnäßt, vom Regen mit blassem Gesicht und ängstlichen Augen. Er nannte sich John Open Shaw und entschuldigte sich, dass er bei solchem Wetter störe.
Ich bin in großer Not, Herr Homs, sagte er, und ich weiß nicht mehr, an wen ich mich wenden soll. Holmes hieß ihn, ans Feuer treten reichte ihm ein Glas Wein und bat ihn, freundlich in Ruhe alles zu erzählen, von Anfang an. Und so begann der junge Mann seine sonderbare, düstere Familiengeschichte.
Sein Onkel, erzählte er, ein gewisser Elias Open Shaw, sei in jungen Jahren nach Amerika ausgewandert, dort in den Südstaaten. Habe er es als Pflanzer zu Wohlstand gebracht? Nach den großen Wirren des amerikanischen Bürgerkriegs aber sei er nach England zurückgekehrt und habe sich auf einem einsamen Landsitz niedergelassen, ein wortkarger, schroffer Mann, der die Menschen mied und seine eigenen Wege ging, den jungen John, seinen Neffen, habe er zu sich genommen und beinahe wie einen Sohn gehalten. Nur eines sei sonderbar gewesen.
Im Haus habe es eine verschlossene Kammer gegeben, eine Art Rumpelkammer, die der Onkel stets abgesperrt hielt und die niemand betreten durfte. Eines Tages fuhr John Openshaw fort, kam ein Brief für meinen Onkel, er trug einen fremdländischen Poststempel aus Indien, im Umschlag aber war kein Schreiben. Sondern nur dies. 5 kleine getrocknete Orangenkerne und außen auf der Klappe standen mit roter Tinte 3 Buchstaben KKK dazu.
Die Worte lege die Papiere auf die Sonnenuhr. Wie reagierte Ihr Onkel, fragte Holmes, der nun mit größter Aufmerksamkeit lauschte. Er erschrak zu Tode, sagte der junge Mann leise, sein Gesicht wurde grau, er schloss sich in jener Kammer ein, holte ein Bündel Papiere heraus und verbrannte sie im Kamin, von Stund an war er ein gehetzter, ängstlicher Mann. Und wenige Wochen später fand man ihn eines morgens leblos im kleinen Gartenteich.
Man sprach von einem Unglücksfall, und damit war es nicht zu Ende, fragte Holmes sanft. Nein, sagte John Open Shaw, der Besitz ging an meinen Vater über eine Weile blieb alles ruhig, doch dann, etwa 2 Jahre später, kam auch an ihn ein solcher Brief. Diesmal aus Schottland, aus Dundee wieder 5 Orangenkerne wieder die 3 Buchstaben wieder die Worte lege die Papiere auf die Sonnenuhr. Mein Vater lachte darüber, er hielt es für einen dummen Scherz und Tat nichts dergleichen, doch nur wenige Tage darauf verunglückte er auf einem Spaziergang tödlich an einer alten Grube.
Auch hier sprach man von einem Unfall. Holmes Gesicht war sehr ernst geworden und nun sagte er, leise sind sie an der Reihe. Der junge Mann zog mit zitternder Hand einen Umschlag hervor und legte ihn auf den Tisch, heute früh kam er, sagte er, diesmal aus London, sehen sie selbst. Holmes neigte sich darüber, wieder lagen darin 5 getrocknete Orangenkerne, und wieder standen außen die 3 Buchstaben KKK und die unheilvolle Aufforderung, mit den Papieren auf der Sonnenuhr.
Und haben Sie irgendwelche Papiere Ihres Onkels, fragte Holmes Rasch. Fast nichts, sagte John. Er hat ja damals alles verbrannt, nur ein paar belanglose Blätter und ein altes Tagebuch sind übrig. In der Kammer hören Sie mir nun genau zu, sagte Holmes mit Nachdruck, sie sind in ernster Gefahr, und wir dürfen keine Zeit verlieren. Gehen sie sogleich heim, legen sie jene letzten Papiere zusammen mit einer kurzen Erklärung. Dass ihr Onkel alles Übrige verbrannt hat in eine Schachtel auf die alte Sonnenuhr im Garten, ganz so, wie es verlangt wird.
Vielleicht stellt das die Verfolger fürs Erste zufrieden und morgen früh sehen wir weiter. Der junge Mann versprach es und ging hinaus in die stürmische Nacht. Als ich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, saß Holmes lange schweigend da und starrte ins Feuer. Was bedeuten diese 3 Buchstaben? Holmes, fragte ich schließlich, und diese Orangenkerne die Buchstaben KKK, sagte Holmes Ernst, stehen für einen geheimen Bund, der einst in den amerikanischen Südstaaten sein Unwesen trieb. Eine verschworene Gesellschaft, gefürchtet und grausam, die ihre Opfer auf eben diese Weise warnte. Mit einem stummen Zeichen, ehe sie zuschlug. Die Orangenkerne waren ihr Sendbote des Schreckens und die Papiere, ich vermute, der alte
Elias Open Shaw hat dem Bund einst Schriften entwendet, als er aus Amerika floh. Listen, Namen, Geheimnisse, die ihm gefährlich wurden. Seither sucht man sie zurückzubekommen und straft jeden, der sie verwahrt. Und sehen Sie Watson, fuhr Holmes nachdenklich fort. Die Briefe kamen aus Pondicherry in Indien, aus Dundee in Schottland, nun aus London. Allesamt Hafenstädte oder Häfen an der Küste. Und stets verging zwischen der Ankunft des Briefes und dem Unglück nur eine knappe, gleichbleibende Frist. Daraus schließe ich die Verfolger reisen auf einem Segelschiff der Brief schneller mit der Post befördert, kündigt ihr Kommen an, das Schiff aber folgt. Und trifft wenig später im Hafen ein. So erklärt sich die unheimliche
Regelmäßigkeit. Er stand auf und trat ans Fenster, hinter dem der Sturm noch immer tobte, wenn ich recht habe, sagte er leise, dann liegt das Schiff dieser Männer bereits in einem englischen Hafen. Morgen früh werde ich Erkundigungen einziehen und sie aufspüren. Doch der nächste Morgen brachte eine traurige Nachricht.
Noch ehe Holmes seinen Plan ausführen konnte, las er in der Zeitung, dass der junge John Open Shaw in der Nacht nicht heimgekehrt war, man hatte ihn am Ufer des Flusses gefunden, bei dem Sturm und der Dunkelheit, so hieß es, sei er vom Weg abgekommen und ins Wasser geraten, wieder sprach man von einem Unglücksfall. Holmes aber saß sehr still und sehr bleich da, und in seinen Augen brannte ein kalter Zorn, wie ich ihn selten an ihm gesehen habe.
Sie sind ihm zuvorgekommen, sagte er leise in meiner eigenen Stadt, beinahe vor meinen Augen, das werde ich nicht auf sich beruhen lassen. Mit einer Hartnäckigkeit, die ich bewunderte, machte sich Holmes nun an die Arbeit. Aus den Verzeichnissen der Schiffe, die in jenen Tagen die fraglichen Häfen angelaufen hatten, suchte er Spalte um Spalte heraus, verglich Daten und Ruten, bis nur ein einziges Schiff übrig blieb, auf das alles passte ein Segler, der von einem Hafen der amerikanischen Südstaaten gekommen war und nun wieder hinaus aufs Meer wollte. Holmes ermittelte den Namen des Schiffes und seines Kapitäns und sandte ihm in einem schlichten Umschlag 5 getrocknete Orangenkerne, ein stummes
Zeichen, dass auch sie nun erwartet würden. Dass die Gerechtigkeit ihnen auf den Fersen war, mögen sie spüren, was sie anderen zugefügt haben, sagte er leise, doch das Schicksal nahm den Männern das Urteil aus der Hand. Jenes Schiff erreichte nie wieder einen Hafen auf der weiten See geriet es in einen jener gewaltigen Herbststürme, wie sie über dem Atlantik wühlten, und ging mit Mann und Maus unter. Lange Zeit später wurde nur ein einziges Trümmerstück an eine ferne Küste gespült, ein Stück Heck. Auf dem noch schwach die Anfangsbuchstaben jenes Schiffes zu erkennen waren.
Mehr fand man nie. Die Männer, die so viel Leid über eine ganze Familie gebracht hatten, waren in der Tiefe verschwunden, dorthin, wo kein Brief und kein orangenkern sie mehr erreichen konnte. Holmes saß lange schweigend, als die Nachricht vom Untergang des Schiffes ihn erreichte. Ich hätte ihn schützen müssen, den armen Jungen Open Shaw, sagte er leise. Das ist es, was mich bedrückt.
Doch das Meer hat zu Ende gebracht, was das Gesetz vielleicht nie erreicht hätte. Es war eine ernste, eine schwermütige Geschichte, und sie ließ uns beide an jenem Abend lange still und nachdenklich am Feuer sitzen. Während draußen allmählich der Sturm sich legte, so endet die dunkle Geschichte von den 5 Orangenkernen.
Doch nun ist der Sturm vorüber, der Wind hat sich gelegt, der Regen ist verklungen und über der Stadt breitet sich eine tiefe, ruhige Stille aus. Alles Schwere ist vergangen und darf nun ruhn. Wenn deine Augen schon müde sind, dann schließe sie ganz. Du bist hier in Sicherheit und Wärme und nichts Böses kann dich erreichen.
Die nächste Geschichte beginnt ganz leise, ganz sanft, wann immer du bereit bist. Der Mann mit der entstellten Lippe eines späten abends, ich Dr. Watson. Saß bereits friedlich mit meiner Frau daheim, klopfte es unerwartet und eine bekümmerte Nachbarin bat mich um Hilfe. Ihr Mann, ein gutmütiger, aber leider dem Opium verfallener Herr, sei seit Tagen verschwunden und sie wisse ihn in einer üblen Rauchhöhle unten am Fluss aus alter Freundschaft erklärte ich mich bereit, ihn von dort heimzuholen.
So fuhr ich in jener Nacht in einen finsteren Winkel der Stadt, in eine enge Gasse nahe den Docks, wo hinter einer niedrigen Tür eine jener traurigen Stätten lag, in denen die Menschen ihren Kummer im Rauch ertränken, im trüben Licht und beißenden Qualm fand ich den Vermissten und schickte ihn in einer Droschke nach Hause, doch als ich mich zum Gehen wandte.
Sprach mich ein gebeugter alter Mann an, der in einer dunklen Ecke kauerte und zu meinem größten Erstaunen war es kein anderer als Sherlock Holmes selbst. Auf das Vollkommenste verkleidet PST Watson, flüsterte er und lächelte fein, nicht so laut. Ich bin hier in einer Sache unterwegs, kommen Sie. Lassen sie uns gemeinsam hinausgehen, dann erzähl ich Ihnen alles draußen in der kühlen Nachtluft schälte er sich aus seiner Verkleidung und wir fuhren zusammen hinaus aufs Land, wo der Fall ihn hingeführt hatte. Unterwegs legte mir Holmes das Rätsel dar, es gehe, sagte er, um einen Herrn namens Neville Saint Claire. Einen angesehenen, wohlhabenden Mann, der mit Frau und Kindern in einem hübschen Landhaus lebe
und werktäglich in die Stadt zur Arbeit fahre. Eines Tages nun sei seine Frau zufällig durch eben jene üble Gasse am Fluss gekommen und habe zu ihrem Schrecken ihren Mann an einem oberen Fenster jener Rauchhöhle erblickt, er habe verstört und erschrocken ausgesehen. Habe die Arme nach ihr ausgestreckt, sei dann aber wie von unsichtbarer Hand zurückgerissen worden und verschwunden. Die erschrockene Frau habe um Hilfe gerufen, man habe die Polizei geholt und das Haus durchsucht. Was man fand, war höchst verwirrend von Nevilson Claire fehlte jede Spur, doch in jenem oberen Zimmer lagen seine Kleider bis hin zum Rock.
Dessen Taschen man mit Münzen vollgestopft hatte. Das Fenster ging auf den Fluss hinaus, man fürchtete das Schlimmste in dem Zimmer aber hauste ein abstoßend hässlicher Bettler, bekannt als Hugh Bun, ein Mann mit feuerrotem Haar und einer schauerlich entstellten, verzerrten Oberlippe, der tagsüber in der City sein Almosen erbettelte.
Diesen Bun habe man verhaftet. Denn man verdächtigte ihn, dem verschwundenen Herrn etwas angetan zu haben. Und doch, sagte Holmes nachdenklich, will mir die Sache nicht recht einleuchten. Mir kam zum Landhaus der Sankt Claires, wo uns die geängstigte Frau empfing, sie hielt einen Brief in der Hand, einen Brief, der eben erst eingetroffen war von der Hand ihres Mannes geschrieben, der ihr Versicherte. Es gehe ihm gut und sie solle sich nicht sorgen sehen. Sie Holmes, sagte ich, wenn der Mann noch schreiben kann, dann lebt er ja.
Holmes betrachtete den Brief lange und schweigend, etwas daran schien ihn zu beschäftigen, doch er sagte nichts. In jener Nacht tat Holmes, was er oft tat, wenn ein Fall ihn nicht losließ. Er legte sich nicht schlafen, sondern türmte alle Kissen und Polster zu einem Sitz auf, setzte sich im Schneidersitz darauf, eine Pfeife im Mund und versank stundenlang ins Grübeln.
Reglos saß er da, eine schweigende Gestalt im Mondlicht, und dachte und dachte, ich schlief darüber ein, und als ich im ersten Morgengrauen erwachte, saß er noch immer dort. Doch nun lag ein helles, zufriedenes Lächeln auf seinem Gesicht. Watson rief er munter, ich glaube, ich habe es stehen sie auf, wir fahren zur Stadt und reichen sie mir bitte jenen großen Schwamm dort verwundert folgte ich ihm, wir fuhren zur Polizeiwache, wo der hässliche Bettler Hugh Boon in seiner Zelle noch schlief, Holmes ließ sich einlassen.
Trat leise an den schlafenden Mann heran, tauchte den großen Schwamm in Wasser und fuhr ihm damit kräftig über das Gesicht und vor unseren Augen geschah etwas Erstaunliches, die Schauerlich entstellte Lippe, die rote Narbe, all die Hässlichkeit, sie wischten sich ab wie Farbe, denn nichts davon war echt, auch das feuerrote Haar war eine Perücke.
Und als der Mann erschrocken erwachte und sich aufrichtete, da saß dort kein abstoßender Bettler mehr, sondern ein Bleicher, Betretener durchaus gepflegter Herr Neville Saint Claire selbst. Nun kam die ganze wunderliche Wahrheit ans Licht. In jungen Jahren, so gestand Saint Claire, sei er zeitungsmann gewesen.
Und einmal habe er sich für einen Bericht als Bettler verkleidet, um das Leben auf der Straße aus eigener Anschauung zu schildern. Dabei habe er zu seinem Erstaunen entdeckt, dass er als geschickter mitleiderregender Bettler an einem einzigen Tag mehr verdiene als in einer ganzen Woche ehrlicher Schreibarbeit, so sei er, kaum dass er einmal Geld gebraucht habe, in Versuchung geraten.
Und schließlich, bei diesem heimlichen Doppelleben geblieben daheim der ehrbare Herr St. Claire in der City, der entstellte Bettler Hugh Bone in jenem Zimmer über der Rauchhöhle habe er sich stets verwandelt, vom einen ins andere, als nun an jenem verhängnisvollen Tag seine Frau ihn plötzlich am Fenster erblickte. Gerade mitten in der Verwandlung, da habe ihn die nackte Angst gepackt, entdeckt zu werden. In der hast habe er seine Herrenkleider versteckt und um die Spur zu verwischen, den schweren Rock mit den Münzen aus dem Fenster in den Fluss geworfen. Rasch habe er wieder die Bettlergestalt angenommen, es war also gar kein Verbrechen geschehen, kein Mord, kein Raub. Sondern nur die verzweifelte
Vertuschung eines beschämenden Geheimnisses. Mehr steckte nicht dahinter, sagte Holmes ruhig, nur die Scham eines Mannes, der nicht wollte, dass die Welt und vor allem seine Familie erfuhr, womit er sein behagliches Leben verdiente. Der zuständige Polizeibeamte, ein vernünftiger Mann. Sah ein, dass kein Verbrechen vorlag, das man verfolgen müsse. Und so kam man überein, die Sache still ruhen zu lassen unter der einen Bedingung, dass Hugh Boon der Bettler für immer von den Straßen verschwinde und Neville St. Claire künftig als ehrlicher Mann seinen Unterhalt verdiene. St.
Claire gelobte es von Herzen. Erleichtert und beschämt zugleich und durfte zu seiner Frau und seinen Kindern heimkehren. Sehen Sie Watson, sagte Holmes auf der Heimfahrt mit einem milden Lächeln. Nicht jedes Rätsel verbirgt ein finsteres Verbrechen, manchmal ist es nur die menschliche Schwäche, die sich hinter einer Maske versteckt. So endete der seltsame Fall vom Mann mit der entstellten Lippe. Ohne Bösewicht, ohne Gewalt, nur mit einem gelüfteten Geheimnis und einer Familie, die wieder vereint war. Es ist nun ganz still geworden, der Morgen dämmert sanft, und alle Sorge hat sich aufgelöst.
Wenn deine Augen schon schwer sind, dann lass sie ruhig geschlossen, du musst dir nichts merken, die nächste Geschichte beginnt ganz von selbst. Ganz leise der blaue Karfunkel. Es war in den ruhigen Tagen kurz nach Weihnachten, als ich Doktor Watson meinen Freund Sherlock Holmes besuchte, um ihm ein frohes Fest zu wünschen. Ich fand ihn behaglich auf dem Sofa in seinen Hausmantel gehüllt und neben ihm hing an einem Haken ein arg ramponierter alter Filzhut.
Holmes betrachtete ihn nachdenklich durch sein Vergrößerungsglas. Ein kleines Rätselwotzen, sagte er, heiter, harmlos, aber hübsch. Er erzählte mir, wie der Hut zu ihm gekommen war. Am frühen Weihnachtsmorgen sei ein Dienstmann namens Petersen, ein redlicher Bursche, durch die Straßen gegangen, dabei habe er gesehen, wie ein großer Mann mit einer prächtigen Weihnachtsgans über der Schulter mit ein paar Rüpeln Aneinandergeriet.
Im Gerange sei dem Mann der Hut vom Kopf gefallen, und als er mit seinem Stock zur Wehr ging, habe er aus Versehen eine Schaufensterscheibe getroffen. Erschrocken sei er davongelaufen und habe dabei sowohl die Gans als auch den Hut zurückgelassen. Der ehrliche Petersen habe beides aufgehoben und es Holmes gebracht, in der Hoffnung, der könne den Besitzer ausfindig machen. An der Gans war ein kleines Schildchen befestigt, sagte Holmes.
Mit den Worten für Frau Henry Baker auch im Hut stehen die Buchstaben HB, Henry Baker, also nur gibt es in dieser großen Stadt hunderte Männer dieses Namens. Holmes amüsierte sich damit allein aus dem alten Hut allerlei über seinen Träger zu schließen. Dass der Mann einst bessere Tage gesehen habe, nun aber verarmt sei, dass er ein kluger Kopf sei, dass er ergraut sei und in letzter Zeit wenig Glück gehabt habe.
Mir kam das verblüffend vor, doch als Holmes es erklärte, die Größe des Hutes, der gute, aber alte Stoff, der Staub, klang alles ganz einfach und vernünftig. In diesem Augenblick stürzte der Dienstmann Petersson herein, ganz außer Atem und mit glänzenden Augen die Gans. Herr Holmes, rief er, meine Frau hat sie eben zubereiten wollen und sehen sie nur, was sie im Kropf des Tieres gefunden hat, er öffnete die Hand und auf seiner Handfläche funkelte ein Edelstein von tiefem leuchtendem Blau, klein, aber von wunderbarer Schönheit. Der das Licht in 1000 Funken brach. Holmes setzte sich kerzengerade auf und pfiff leise durch die Zähne beim Zeus Petersen, das ist ein Fund, wissen sie, was sie da in der Hand halten?
Es war, wie sich zeigte, der berühmte blaue Karfunkel, ein kostbarer Edelstein, der erst vor wenigen Tagen einer hohen Dame der Gräfin von Morka. In einem vornehmen Hotel gestohlen worden war. In allen Zeitungen habe man darüber gelesen, sagte Holmes, und eine hohe Belohnung sei ausgesetzt. Ein Klempner namens John Horner, der im Hotel gearbeitet hatte, sei als Dieb verhaftet worden, da man ihn verdächtigte und nun, sagte Holmes nachdenklich, liegt dieser Stein plötzlich im Kropf einer Weihnachtsgans.
Die ein gewisser Henry Baker auf der Straße verloren hat. Das Watson ist ein hübsches Garn, das es zu entwirren gilt. Zunächst galt es, Henry Baker zu finden, Holmes gab eine kurze Anzeige in den Abendblättern auf, man möge den verlorenen Hut und eine Gans bei ihm abholen. Und tatsächlich erschien am Abend ein großer, ergrauter Mann mit gebeugten Schultern und freundlichem, etwas wehmütigem Gesicht.
Henry Baker Holmes empfing ihn höflich, gab ihm den Hut zurück und bot ihm da die ursprüngliche Gans längst zubereitet sei, eine andere frische Gans als Ersatz an. Herr Baker war sichtlich erleichtert und dankbar. Von einem Edelstein wusste er offenkundig nichts, er sprach nur von dem schönen Festtagsbraten, den er verloren glaubte. Beiläufig fragte Holmes, woher er die Gans denn gehabt habe, aus dem Gasthaus zum Alpha, ganz in der Nähe des Museums sagte Baker arglos, dort haben einige von uns übers Jahr ein paar Pfennige in einen Gänseclub eingezahlt, und zu Weihnachten bekam jeder seine Gans.
Er dankte noch einmal herzlich und ging zufrieden mit seiner neuen Gans davon. Ein ehrlicher Mann ganz ohne Schuld, sagte Homs, doch die Spur führt weiter, kommen sie Watson, der Abend ist jung, wir gingen zum Gasthaus zum Alpha und Sprachen mit dem Wirt, der erzählte die Gänse für seinen Club habe er von einem Händler namens Breckin Ridge auf dem großen Marktplatz bezogen. Also weiter zum Markt, wo die Stände sich allmählich für die Nacht leerten.
Wir fanden den Händler Brackenridge, einen mürrischen Mann, der auf Fragen nach seinen Gänsen zunächst sehr ungehalten reagierte, offenbar hatten ihn an diesem Tag schon andere danach gelöchert, Holmes aber lockte ihn mit einer kleinen scherzhaften Wette aus der Reserve, und so verriet der Händler im Eifer doch, woher die Tiere stammten.
Von einer Frau Oakshot, die draußen eine kleine Geflügelzucht betreibe, während wir noch dort standen, kam ein kleiner, schmächtiger Mann herbeigeeilt, ganz aufgeregt und fragte den Händler Atemlos nach eben jenen Gänsen. Breaking Rich fuhr ihn unwirsch an und der kleine Mann wandte sich enttäuscht ab. Holmes trat ruhig an ihn heran.
Sie suchen nach diesen Gänsen, fragte er freundlich. Vielleicht kann ich Ihnen helfen. Der Fremde fuhr zusammen und sah ihn mit ängstlichen Augen ankommen. Sie sagte Holmes sanft hier auf der Straße friert man, lassen sie uns an einem warmen Ort darüber sprechen. Der kleine Mann, der sich James Ryder nannte, folgte uns kleinlaut bis in die Baker Street. Dort, im Schein des Kaminfeuers, brach es schließlich aus ihm heraus.
Er sei Angestellter in jenem Hotel gewesen, in dem der Stein der Gräfin verschwand. Er habe von dem kostbaren Karfunke gewusst und in einem schwachen Augenblick habe ihn die Gier überwältigt, er habe den Stein an sich gebracht und es so eingerichtet, dass der Verdacht auf den unschuldigen Klempner Horner fiel. Dann aber sei ihm Angst und Bange geworden, wohin mit dem heißen Fund.
In seiner Not erzählte Ryder mit zitternder Stimme, sei er zu seiner Schwester gefahren, eben jener Frau Oakshot, die Gänse hielt, dort habe er heimlich einer Gans den Stein in den Kropf geschoben, in der Absicht, das Tier später in Ruhe zu schlachten und den Karfunkel wieder herauszuholen. Doch beim Greifen habe er die Tiere verwechselt, die Gans mit dem Stein sei mit den anderen zum Markt gewandert, ehe er es merkte. Seither sei er verzweifelt auf der Suche von der Schwester zum Händler, vom Händler hierher, immer der falschen Spur nach, nun sank er in sich zusammen und barg das Gesicht in den Händen. Ein Bild des Elends und der Reue. Sherlock Holmes saß lange schweigend da und betrachtete den zitternden kleinen Mann,