
Andreas’ Nacht – Märchen und Hörbücher zum Einschlafen
9 STUNDEN Andersen Märchen zum Einschlafen | Die vergessenen 65 Geschichten 🌙
Sonntag, 6. September 2026 · 9 h 00
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Shownotes
Von mir neu erzählt nach Hans Christian Andersen – neun Stunden mit den Märchen, die kaum noch jemand kennt.
Ein Wichtel, der beim Krämer wohnt und sich zwischen Butter und Poesie entscheiden muss. Ein Flaschenhals, der sich an sein ganzes Leben erinnert. Zwölf Nächte, in denen der Mond durch ein Dachfenster erzählt, was er unterwegs gesehen hat. Ein Schneemann, der sich in einen Ofen verliebt. Und der letzte Traum einer dreihundertjährigen Eiche.
Von mir für die Nacht eingerichtet...
Mach es dir gemütlich. Es gibt jetzt nichts mehr zu tun.
Teil 1 mit den bekannten Märchen auf YouTube: youtu.be/e89Syyg4xRk
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📖 Das ganze Werk mit Kapiteln gibt es auch als Hörbuch bei Spotify: open.spotify.com/show/3xxDUTvhmxaSckFF09H5Kh
⏱️ Kapitel:
() Willkommen bei Andreas Nacht
() Der kleine Klaus und der große Klaus
() Tölpel-Hans
() Die Störche
() Der Rosenelf
() Die Glocke
() Der Engel
() Die glückliche Familie
() Der Halskragen
() Die Springer
() Der Wichtel beim Krämer
() Der Flaschenhals
() Das Geldschwein
() Die Lumpen
() Hofhahn und Wetterhahn
() Der Schneemann
() Im Entenhof
() Es ist ganz gewiß!
() Suppe von einem Wurstspeiler
() Was die ganze Familie sagte
() Die Nachbarfamilien
() Zwölf mit der Post
() Was der Mond sah — die erste Nacht
() Was der Mond sah — die zweite Nacht
() Was der Mond sah — die dritte Nacht
() Was der Mond sah — die vierte Nacht
() Was der Mond sah — die fünfte Nacht
() Was der Mond sah — die sechste Nacht
() Was der Mond sah — die siebente Nacht
() Was der Mond sah — die achte Nacht
() Was der Mond sah — die neunte Nacht
() Was der Mond sah — die zehnte Nacht
() Was der Mond sah — die elfte Nacht
() Was der Mond sah — die zwölfte Nacht
() Eine Geschichte aus den Dünen — erster Teil
() Eine Geschichte aus den Dünen — zweiter Teil
() Der Wind erzählt von Waldemar Daae und seinen Töchtern
() Am äußersten Meer
() Die große Seeschlange
() Vänö und Glänö
() Herzeleid
() Der alte Grabstein
() Aus einem Fenster in Vartou
() Das stumme Buch
() Die alte Kirchenglocke
() Ein Blatt vom Himmel
() Die Geschichte des Jahres
() Ib und die kleine Christine
() Alles am rechten Platz
() Was der Alte tut, ist immer richtig
() Ein Stück Perlenschnur
() Der Vogel Phönix
() Der Komet
() Die schönste Rose der Welt
() Fünf aus einer Schote
() Feder und Tintenfaß
() Das ABC-Buch
() Zwei Brüder
() Sonnenschein-Geschichten
() Welche war die Glücklichste?
() Zwei Jungfern
() Der Torwächtersohn — erster Teil
() Der Torwächtersohn — zweiter Teil
() Die Dryade — erster Teil
() Die Dryade — zweiter Teil
() Peiter, Peter und Peer
() Der Gärtner und die Herrschaft
() Der Elfenhügel
() Der Kobold und die Madame
() In der Kinderstube
() Die Schnellläufer
() Die Windmühle
() Was man erfinden kann
() Der Sturm zieht mit den Schildern um
() Der Goldschatz
() Der Traum vom kleinen Tuk
() Die Rose vom Grabe Homers
() Das Schwanennest
() Ole der Turmwärter
() Der letzte Traum der alten Eiche
() Zum Ausklang
🔎 Alle Kapitel zum Anspringen und alle Werke: andreasnacht.de
📺 Mit ruhigen Bildern: youtube.com/@andreasnacht
Erzählt mit dem KI-Klon meiner eigenen Stimme.
Hinweis: Diese Folge dient der Entspannung und ersetzt keine medizinische oder psychologische Behandlung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an einen Arzt.
🎁 Als Download zum Behalten und Verschenken: andreasnacht.gumroad.com/l/andersen-2
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Willkommen bei Andreasnacht es gibt ein Land aus Wasser und Wind, wo die Inseln wie schlafende Tiere im Meer liegen und der Mond jede Nacht in 1000 Fenster schaut. Aus diesem Land kommen die Geschichten dieser Nacht Hans Christian Andersen hat weit mehr geschrieben als die berühmten Märchen, die jeder kennt. Und heute Nacht öffnen wir die zweite Truhe über 60 Geschichten, die kaum jemand mehr erzählt, von 2 Bauern, die beide Klaus heißen, von Störchen auf dem Dach und einem Schneemann, der sich nach dem Ofen sehnt, von Dingen, die sprechen, wenn das Haus still wird und von dem, was der Mond sah, als er durch die Fenster blickte. Und du musst nichts festhalten und nichts verstehen. Schlaf ein, wo du einschläfst.
Die Geschichten wachen weiter die ganze Nacht und wenn dir solche Nächte gut tun, dann bleib in Verbindung und Folge Andreas Nacht, damit du jederzeit hierher zurückfindest. Mach's dir bequem, zieh die Decke ein wenig höher. Und lass die Augen zufallen. Andersen wartet schon der kleine Klaus und der große Klaus in einem Dorf wohnten 2 Männer, die trugen denselben Namen, beide hießen Klaus, der eine besaß 4 Pferde, der andere nur ein einziges, und damit die Leute sie auseinanderhalten konnten, nannten sie den mit den 4 Pferden. Den großen Klaus und den mit dem einen Pferd, den kleinen Klaus. Die ganze Woche über musste der kleine Klaus für den großen Pflügen und ihm sein einziges Pferd leihen. Dafür bekam er sonntags alle 4
Pferde des großen Klaus und der Sonntag war darum der schönste Tag seiner Woche. Wie knallte der kleine Klaus dann mit der Peitsche über allen 5 Pferden? Die Sonne schien, die Glocken läuteten zur Kirche, die Leute gingen festlich gekleidet vorbei und der kleine Klaus pflügte sein kleines Feld und rief vergnügt hü alle meine Pferde, das darfst du nicht sagen, brummte der große Klaus, der des Weges kam. Nur das eine Pferd ist deins.
Aber wenn wieder jemand vorüberging und dem kleinen Klaus freundlich zunickte, vergaß er es. Und wieder rief er über das Feld, Hü alle meine Pferde. Nun sage ich es dir. Zum letzten Mal sprach der große Klaus und sein Gesicht wurde dunkel wie ein Gewitter über flachem Land. Doch das Herz des kleinen Klaus war an diesem Morgen zu leicht und das Wort rutschte ihm noch einmal heraus. Da geschah, was nicht wieder gut zu machen war, der große Klaus fuhr in seinem Zorn auf das eine Pferd des kleinen Klaus Los und das Tier stürzte in die Furche und stand nicht mehr auf, so Stand der kleine Klaus da, ohne Pferd. Und weinte eine Weile still vor sich hin. Dann zog er dem Pferd die Haut ab, ließ sie im Wind trocknen, steckte sie in einen Sack und
machte sich auf den Weg in die Stadt, um sie zu verkaufen. Der Weg war weit, er führte durch einen großen dunklen Wald und unterwegs zog ein Unwetter auf, so dass sich der kleine Klaus verirrte. Als er wieder auf die Straße fand, war es Abend geworden. Zu spät, um die Stadt zu erreichen und zu spät, um Heimzukehren.
Am Weg aber lag ein stattlicher Bauernhof, und hinter den Fensterläden schimmerte Licht, die Bäuerin öffnete ihm, doch beherbergen wollte sie ihn nicht, ihr Mann sei nicht daheim und Fremde nehme sie nicht auf. So legte sich der kleine Klaus auf den Schuppen neben dem Haus, wo das Heu duftete und über dem Schuppendach konnte er gerade in die Stube sehen.
Und was er da sah, machte ihn sehr wach. Die Bäuerin hatte den Küster zu Gast, den ihr Mann nicht leiden konnte und auf dem Tisch standen Braten und Fisch und Wein und ein Kuchen, als wäre Festtag mitten in der Woche. In diesem Augenblick klapperten Hufe auf der Straße. Der Bauer kam früher heim als gedacht, da wurde es eilig in der Stube, die Bäuerin schob den Braten, den Fisch, den Wein und den Kuchen geschwind in den großen Backofen, und der Küster stieg in eine leere Truhe, die in der Ecke stand und der Deckel fiel zu. Als der Bauer eintrat, war der Tisch leer und seine Frau setzte ihm einen Napf Grütze vor, denn etwas anderes sagte, sie sei nicht im Haus.
Der Bauer aber hatte den kleinen Klaus auf dem Schuppen gesehen und holte ihn herein, ein Wandersmann solle nicht draußen liegen, wenn drinnen Grütze reiche, der kleine Klaus setzte sich. Und unter dem Tisch stand sein Sack mit der trockenen Pferdehaut. Und als er mit dem Fuß daranstieß, Knarrte die Haut still, sagte der kleine Klaus zu seinem Sack, aber so, dass der Bauer es hörte. Was hast du denn da, fragte der Bauer einen Zauberer, sagte der kleine Klaus, und.
Und der sagt eben, Wir sollen keine Grütze essen. Er habe den ganzen Backofen voll Braten und Fisch und Kuchen gezaubert. Der Bauer öffnete den Ofen und da stand alles, was die Frau versteckt hatte, warm und duftend und der Bauer wurde vor Freude ganz laut. Die Bäuerin sagte kein Wort und trug auf.
Und die beiden Männer aßen wie Könige. Dann Kniff der kleine Klaus seinen Sack noch einmal, dass es knarrte, was sagt er jetzt, fragte der Bauer, er sagt, sprach der kleine Klaus, er habe auch den bösen Herbeigezaubert, der Sitze in der Truhe dort in der Ecke, aber man solle ihn lieber nicht ansehen. Der Bauer wollte natürlich erst recht, hob den Deckel einen Finger breit und schlug ihn gleich wieder zu. Wahrhaftig flüsterte er, ich habe ihn gesehen und er sah ganz aus wie unser Küster, einen so mächtigen Zauberer wollte der Bauer um jeden Preis besitzen.
Und er bot dem kleinen Klaus ein ganzes Scheffelmaß voll Geld für den Sack. Der kleine Klaus ließ sich bitten, wie es sich gehört, und schlug dann ein, doch die Truhe, sagte er, die nehme er mit, damit der Böse aus dem Haus komme, so bekam er das Geld und zog davon, die Truhe auf einem Schubkarren am Fluss blieb er stehen und sagte laut zu sich selbst. Die alte Truhe ist mir zu schwer. Ich werfe sie am besten ins Wasser. Da rief es von innen ganz jämmerlich, laß mich heraus, ich gebe dir ein ganzes Scheffelmaß Geld. Das ließ sich hören, der Küster stieg heraus, blaß wie Quark, gab dem kleinen Klaus das Geld und lief nach Hause, so schnell ihn die Beine trugen.
Daheim Maß der kleine Klaus sein Geld mit dem Scheffel, und es war ein hübscher Haufen. Der große Klaus, der ihm das Maß geliehen und vorher heimlich Pech auf dem Boden gestrichen hatte, um zu sehen, was da gemessen würde, fand ein Silberstück daran kleben und kam sofort herüber. Woher hast du all das Geld für meine Pferdehaut?
Sagte der kleine Klaus Freundlich. Ich habe sie gestern Abend verkauft, da lief der große Klaus Heim, ließ alle seine 4 Pferde schlachten, zog ihnen die Häute ab und fuhr damit zur Stadt. Heute, heute, wer kauft heute, rief er und verlangte für jede ein scheffelmaß Geld, die Gerber lachten ihn aus.
Die Schuster jagten ihn mit den Schürzen davon und der große Klaus kam Zorniger nach Hause, als er je gewesen war. Was er sich in seinem Zorn ausdachte und wie er den kleinen Klaus dafür in einen Sack steckte, um ihn im Fluss zu versenken, das ging beinahe böse aus, der Weg zum Fluss aber führte an der Kirche vorbei, und drinnen sang die Gemeinde so schön. Dass der große Klaus den Sack am Wegrand abstellte und Hineinging, um erst noch eine Andacht mitzunehmen. Der kleine Klaus im Sack seufzte Tief, da hörte er Schritte und das Klappern vieler Hufe, ein alter Viehtreiber kam mit einer ganzen Herde prächtiger Rinder des Weges, ach, klagte der kleine Klaus laut.
Ich bin noch so jung und soll schon in den Himmel fahren und ich sagte, der Alte bin schon so alt und darf noch immer nicht hinein so tauschen wir, rief der kleine Klaus, Mach den Sack auf und kriech du hinein, dann fährst du Geradeswegs hin, der Alte war es zufrieden, doch der kleine Klaus, der ein gutes Herz hatte. Band den Sack nicht um ihn zu, sondern füllte ihn mit schweren Feldsteinen, half dem Alten auf den Weg zum nächsten Dorf und trieb dafür die Rinder davon, die der Alte ihm zum Dank überließ.
Denn wozu, sagte der Alte, brauche er noch Rinder, als der große Klaus aus der Kirche kam, hob er den Sack. Wunderte sich, wie schwer der kleine Klaus geworden war und warf ihn mit einem großen Bogen in den Fluss. Kaum war er auf dem Heimweg, da begegnete ihm der kleine Klaus mit einer ganzen Herde vor sich. Wie kommst du hierher, ich habe dich doch eben in den Fluss geworfen, eben darum, sagte der kleine Klaus und. Und Tätschelte das nächste Rind auf dem Grund des Flusses Weiden die schönsten Meerrinder und wer hinabkommt, darf sich eine Herde aussuchen.
Ich danke dir noch dafür, da wollte der große Klaus auch Meerrinder haben, und zwar eine größere Herde und er lief zum Fluss und sprang hinein, ehe ihn jemand fragen konnte, ob er denn schwimmen könne. Der Fluss schloss sich über ihm und im Dorf hat man ihn nicht wiedergesehen. Ob er unten seine Herde gefunden hat, weiß niemand zu sagen, der kleine Klaus aber trieb am Abend seine Rinder heim, die Sonne stand tief und machte das Fell der Tiere kupferrot, er.
Die Glocken am Hals der Leitkuh läuteten leise wie zu einem kleinen Fest, und vor seinem Haus blieb der kleine Klaus stehen und sah zu, wie eines nach dem anderen durch das Gattertor in den Abend trottete. Tölpel Hans draußen auf dem Land stand ein alter Herrenhof, und darin wohnte ein alter Gutsherr mit seinen Söhnen. 2 von ihnen galten als die klügsten Köpfe der ganzen Gegend, und beide wollten um die Königstochter freien, denn die hatte ausrufen lassen, sie werde den Mann nehmen, der am besten für sich zu reden wisse.
Der eine der beiden konnte das ganze lateinische Wörterbuch auswendig, dazu die Zeitung der Stadt von 3 Jahren, vorwärts und rückwärts. Der andere hatte alle Verordnungen der Zünfte im Kopf und konnte über den Staat reden. Dass die Balken sich Bogen. Außerdem verstand er sich darauf, Hosenträger mit Rosen zu besticken, denn er war fein und fingerfertig. Ich bekomme die Königstochter, sagte der eine, ich bekomme sie, sagte der andere, und der Vater gab jedem ein prächtiges Pferd. Dem Wörterbuchsohn ein Kohlschwarzes, dem Zunftkenner ein Milchweißes.
Nun hatten die beiden aber noch einen dritten Bruder, von dem sprach niemand gern, denn er war nicht gelehrt wie die anderen, und man nannte ihn nur tölpelhans. Wo wollt ihr hin im Sonntagsstaat, fragte der zur Königstochter, um sie uns zu erreden hast du nicht gehört, was im ganzen Land ausgerufen wurde?
Ei, sagte Tölpelhans da will ich mit. Die Brüder lachten ihn aus und der Vater gab ihm kein Pferd für einen wie ihn hieß es, lohne das nicht, aber tölpelhans ließ sich den Tag nicht verderben, bekomm ich kein Pferd, sagte er, so nehm ich den Ziegenbock, der ist mein eigener und trägt mich gut und er setzte sich Rittlings auf den Bock.
Stieß ihm die Hacken in die Seiten und jagte die Landstraße entlang, dass der Staub flog. Heisa rief er, hier komme ich und er sang dazu, dass es weit über die Felder schallte. Die Brüder Ritten schweigend voraus, sie sagten kein Wort, denn sie gingen im Kopf alle klugen Einfälle durch, die sie vorbringen wollten. Heda rief Tölpelhans hier bin ich und seht, was ich am Weg gefunden habe.
Und er zeigte Ihnen eine tote Krähe, die er im Graben aufgelesen hatte. Tölpel, sagten die Brüder, was willst du damit, die will ich der Königstochter schenken, da lachten sie und ritten weiter und tölpelhans lachte mit. Denn lachen konnte er am allerbesten. Ein Stück weiter hielt er wieder heda seht, was ich jetzt gefunden habe, so etwas findet man nicht alle Tage auf der Landstraße, es war ein alter Holzschuh, dem das Oberteil fehlte und noch ein Stück weiter rief er zum dritten Mal.
Und diesmal hob er eine Handvoll feinsten nassen Lehm aus dem Graben, füllte sich damit die Rocktasche und strahlte übers ganze Gesicht. Die Brüder schüttelten die Köpfe und gaben ihren Pferden die Sporen, denn sie wollten als erste am Stadttor sein. Vor dem Schloss der Königstochter standen die Freier in langer Reihe und bekamen Nummern, und in der Halle drängten sich die Leute an den Fenstern, um zuzuhören. Es war aber heiß in der Halle, denn die Königstochter hatte in alle Öfen einheizen lassen, und wer eintrat, dem stieg die Hitze in den Kopf.
Der erste Bruder trat ein und das ganze Wörterbuch war ihm auf der Stelle entfallen. Der Boden knarrte, die Decke war aus Spiegelglas, so dass er sich selbst auf dem Kopf stehen sah und an jedem Fenster schrieben 3 Schreiber alles mit, was gesagt wurde, es ist heiß hier, brachte er heraus. Ja, sagte die Königstochter. Mein Vater brät heute junge Hähne, da stand er und wusste nichts zu sagen.
Taugt nichts, sagte die Königstochter hinaus. Dem zweiten Bruder erging es kein bisschen besser, kaum stand er in der Hitze, waren die Zünfte fort und er starrt dazu, taugt nichts, sagte die Königstochter hinaus, dann kam Tölpelhans. Mitten auf seinem Ziegenbock bis in die Halle geritten. Es ist ja glühend heiß hier, sagte er vergnügt. Ja, sagte die Königstochter, mein Vater brät junge Hähne ei das trifft sich, sagte Tölpelhans, dann kann ich wohl meine Krähe mitbraten lassen, das kannst du, sagte die Königstochter.
Aber hast du auch etwas, worin man sie braten kann? Hier sind Töpfe und Pfannen knapp, da zog Tölpelhans den alten Holzschuh hervor und setzte die Krähe hinein, das gibt ein ganzes Gericht, sagte die Königstochter. Aber woher nehmen wir die Soße, die hab ich in der Tasche, sagte Tölpelhans Ich habe davon so viel, dass ich klecksen kann.
Und er ließ ein wenig von dem feinen Lehm aus der Tasche laufen. Das gefällt mir, sagte die Königstochter. Du weißt auf alles eine Antwort und du kannst reden, dich will ich zum Mann. Weißt du auch, dass jedes Wort aufgeschrieben wird und morgen in der Zeitung steht? An jedem Fenster stehen 3 Schreiber und ein alter Oberschreiber, und der Alte ist der Schlimmste. Denn er versteht nichts.
Das sagte sie, um ihn bange zu machen und alle Schreiber Wieherten und spritzten Tintenkleckse auf den Boden. Sind das die feinen Herren, sagte Tölpelhans, dann gebe ich dem Oberschreiber das Beste, was ich habe, und er kehrte seine Tasche um und gab ihm den ganzen Rest von seinem Leben. Das war gut gemacht. Sagte die Königstochter und lachte. Wie sie den ganzen Tag noch nicht gelacht hatte, das hätte ich nicht gekonnt, aber ich werde es schon noch lernen. So bekam Tölpelhans, die Königstochter, eine Krone und einen Thron dazu.
Am Abend zogen die Lichter im Schloss eines nach dem anderen auf, unten im Hof kaute der Ziegenbock zufrieden am Heu des Königlichen Stalls und. Und aus der Halle klang noch lange das Lachen der Königstochter warm und hell durch die Sommernacht. Wir haben die Geschichte übrigens aus der Zeitung des Oberschreibers, aber auf die ist nicht ganz Verlass, die Störche auf dem letzten Haus eines kleinen Dorfes war ein Storchennest gebaut, die Storchmutter saß darin bei ihren 4 Jungen.
Die ihre kleinen Köpfe mit den schwarzen Schnäbeln über den Rand streckten. Denn rot werden die Schnäbel erst später ein Stück entfernt stand der Storchvater auf dem Dachfirst, steif und still, das eine Bein unter sich gezogen, damit das Wache stehen wenigstens ein bisschen beschwerlich aussah, man hätte meinen können, er sei aus Holz geschnitzt. So still stand er da.
Vornehm sieht das aus, dachte er, dass meine Frau einen Wächter beim Nest hat, dass er ihr Mann war, konnte ja niemand wissen, unten auf der Straße spielte eine Schar Kinder, und als sie die Störche sahen, sang einer der ältesten Jungen ein altes Spottlied auf die Störche, und die anderen fielen ein.
Vom Hängen und brennen sangen sie, wie es in dem Lied nun einmal heißt, und lachten dazu die jungen Störche im Nest erschraken sehr. Hörst du, was sie singen, flüsterten sie, wir sollen gehängt und gebrannt werden, kümmert euch nicht darum, sagte die Storchmutter ruhig, seht gar nicht hin, dann schadet es nichts.
Aber die Jungen sahen doch hin. Und jedes Mal, wenn die Kinder sangen, duckten sie sich tiefer ins Nest. Nur ein kleiner Junge unten, er hieß Peter, sagte, es sei Unrecht, Tiere zu verspotten und wollte nicht mitsingen. Die Storchmutter tröstete ihre Kinder, denkt lieber daran, was kommt, im Herbst fliegen wir alle in die warmen Länder, weit fort von hier. Über Berge und Wälder nach Ägypten, wo es dreieckige Steinhäuser gibt, die in einer Spitze bis über die Wolken ragen.
Sie heißen Pyramiden und sind älter als ein Storch sich denken kann. Dort gibt es einen Fluss, der über die Ufer tritt und das ganze Land zu Schlamm macht, die. Man geht im Schlamm spazieren und isst Frösche, so viele man mag. Oh, sagten die Jungen, und ihre Augen glänzten. Ja, sagte die Mutter, aber erst müsst ihr Fliegen lernen.
Und als der Sommer voll geworden war, begann der Unterricht. Erst mussten die Jungen auf dem Dachfirst balancieren, dann mit den Flügeln schlagen. Und beim ersten Sprung fielen sie beinah, denn die Flügel wussten noch nicht recht, wozu sie da waren. Ich will nicht fliegen lernen, sagte das eine Junge und kroch ins Nest zurück, ich will lieber hier bleiben, willst du denn erfrieren, wenn der Winter kommt, fragte die Mutter, da kam es doch wieder heraus, und am dritten Tag flogen alle 4 leicht und sicher.
Einmal um den Kirchturm herum. Von da an übten sie jeden Tag, und bald konnten sie über das ganze Dorf segeln, hoch über den Gärten, wo die Äpfel schwer wurden, und über dem Teich, in dem die Abendwolken lagen. Wenn unten die Kinder ihr Spottlied sangen, ärgerten sich die jungen Störche noch immer, wollen wir uns nicht rächen, fragten sie.
Die Mutter schwieg eine Weile, dann sagte sie, Ich weiß etwas Besseres, ihr wißt doch, dass wir Störche es sind, die den Familien die kleinen Kinder bringen, wir holen sie aus dem Teich, wo sie liegen und träumen. Nun merkt auf der Junge, der das Lied angefangen hat, der bekommt in diesem Jahr kein Geschwisterchen gebracht.
Aber der kleine Peter, der gesagt hat, es sei unrecht, Tiere zu verspotten, dem bringen wir eine kleine Schwester, das lieblichste Kind, das im Teich zu finden ist. Und so geschah es. Die Störche flogen zum Teich und für Peter suchten sie das Kind aus, das im Schlaf am schönsten lächelte. Dann kam der Herbst.
Die Störche sammelten sich auf den Dächern und Wiesen hunderte aus dem ganzen Land probten ihre Flügel und warteten auf den rechten Wind. An einem klaren Morgen erhoben sie sich alle zugleich, ordneten sich zu einem großen Zug und flogen davon über die Wälder, die schon golden wurden, den warmen Ländern zu. Und der schönste und stärkste der 4 jungen Störche, so erzählten es sich die Störche später, wurde nach dem kleinen Jungen unten im Dorf genannt.
Peter hieß er, und so heißen die Störche in den Geschichten noch heute unten im Dorf aber stand Peter am Zaun und sah dem Zug nach, bis er nur noch ein dünner Strich am Himmel war und. Und dann gar nichts mehr. Nur der weite, Stille Herbsthimmel über den Dächern der Rosenelf mitten in einem Garten blühte ein Rosenstrauch, und in der schönsten seiner Rosen wohnte 111 so winzig, dass kein Menschenauge ihn je gesehen hat, hinter jedem Blatt der Rose hatte er eine Schlafkammer.
Und erkannte jede Ader in jedem Blatt, wie man daheim die Wege kennt. Den Tag über flog er von Blüte zu Blüte, tanzte auf den Flügeln der Schmetterlinge und Maß zum Zeitvertreib, wie viele Schritte er auf allen Straßen und Stegen eines einzigen Lindenblatts zu gehen hätte. Es waren viel mehr, als man denkt.
Abends, wenn die Rose sich schloss, saß der 11 in seiner innersten Kammer, wo der Duft am dichtesten ist, und lauschte auf den Garten. Er kannte alle seine Geräusche, das Klopfen des Nachtfalters an den hellen Blüten, das Rascheln des Igels unter den Johannisbeeren, den Brunnen, der nachts deutlicher spricht als am Tag.
Und wenn der Tau kam, rückten die Blütenblätter enger zusammen und der 11 schlief ein wie ein Kind zwischen lauter warmen Wänden aus Seide, so gut wohnte niemand im ganzen Garten, und er wusste es eines. Abends blieb er länger aus als sonst, und als er heimkam, hatten sich die Rosen längst geschlossen, die. Und schliefen.
Da flog er zur Geißblattlaube am Ende des Gartens, um dort zu übernachten und in der Laube saßen 2 Menschen, das schöne Mädchen, dem der Garten gehörte, und ihr liebster Freund, der noch in dieser Nacht Fortmußte weit fort über Berge und Meere, denn ihr Bruder wollte den Fremden nicht dulden. Zum Abschied schenkte sie ihm eine Rose und ehe sie sie ihm reichte, drückte sie einen Kuss in die Blüte.
So fest und innig, dass sich die Blätter öffneten und der Kleine 11 schlüpfte hinein. Sie sprachen noch lange in der Laube, die beiden und der 11 saß im Geißblatt und hörte alles mit an. Im Frühjahr komm ich wieder, sagte der junge Mann. Wenn die Rosen zum ersten Mal blühen, dann steh ich unter diesem Geißblatt und dann frag dein Bruder nicht mehr, dann frag ich selbst.
Und er sagte es so fest und leise, wie man nur Dinge sagt, die man ganz meint. Über ihnen fing eine Nachtigall an, als hätte sie auf ihr Stichwort gewartet. Und das Mädchen lachte unter Tränen und sagte, nun habe er auch noch Musik zu seinem Versprechen. So schön kann ein Abschied sein, wenn keiner weiß, was der Wald schon weiß. So reiste der 11 in der Rose an der Brust des Wanderers durch den dunklen Wald, der Bruder aber war ihm leise gefolgt, und im dunkelsten Teil des Waldes geschah in dieser Nacht ein Unrecht.
Von dem nur die alten Bäume wussten und ein sehr kleiner 11, der unter einem zusammengerollten Blatt saß und zitterte. Der Wanderer kehrte aus dem Wald nicht mehr zurück, ein trockenes Blatt aber wehte dem Bruder auf den Hut, als er heimging und unter dem Blatt saß der 11 und musste mit den ganzen Weg bis in das Haus, in dem das Mädchen schlief und. In der Nacht schlüpfte der 11 zu ihr, setzte sich an ihr Ohr und erzählte ihr alles wie einen Traum, den Wald, den Weg, die alte Linde und die Stelle darunter, an der die Erde frisch aufgeworfen war.
Und damit sie nicht glaube, es sei nur ein Traum gewesen, legte er ihr ein welkes Blatt auf die Bettdecke. Als sie erwachte, lag es da. Als der Morgen kam, wachte das Mädchen auf und wusste zuerst nicht, warum ihr Herz so schwer war. Dann sah sie das Welke Blatt auf der Bettdecke liegen und der Traum stand wieder vor ihr Bild für Bild, deutlicher als Träume sein dürfen, sie sagte niemandem im Haus ein Wort, sie nahm ihr Tuch.
Ging hinaus durch die Taunassen Felder, in denen die Lerchen schon hoch standen und der Weg kam ihr vor wie im Traum gegangen die Wegbiegung, der Bach, die alte Linde, es stimmte alles Schritt für Schritt und sie hätte gern gehabt, dass es nicht stimmte, an der stillen Stelle unter der Linde nahm sie eine Handvoll Erde und ein Zweig des Jasmins, der daneben blühte.
Trug beides Heim und pflanzte den Zweig in einen großen Blumentopf an ihrem Fenster. Sie begoss ihn mit ihren Tränen jeden Abend und der Jasmin wuchs und trieb Knospe um Knospe, und sie saß darüber gebeugt, Abend für Abend, und der Bruder verstand nicht, warum sie weinte über einem grünen Zweig. Und Schalt sie dafür der Jasmin am Fenster wurde ihr ein und alles, sie sprach mit ihm morgens und abends, wie man mit einem spricht, der nicht antworten kann und doch alles versteht und der kleine 11, der längst aus der welken Rose in die weißen Jasminblüten umgezogen war, saß darin und hörte ihr zu, er hätte ihr gern etwas tröstliches zugeflüstert.
Aber Elfen können nur in Träume sprechen. Also wartete er auf ihren Schlaf jeden Abend und flüsterte ihr dann die einzigen Worte, die er hatte, dass nichts verloren ist, was geliebt wurde und dass die Wurzeln des Jasmins tiefer reichten als ihr Bruder je begreifen würde. Eines Abends legte sie den Kopf an den Rand des Topfes und schlief ein. Still und tief, mitten im Duft der weißen Blüten. Und aus diesem Schlaf wachte sie nicht mehr auf. Sie war dorthin gegangen, wo der auf sie wartete, den sie lieb hatte, der Jasmin aber blühte in dieser Woche schöner als je ein Jasmin zuvor, und der Bruder stellte den blühenden Topf in sein eigenes Schlafzimmer.
Denn der Anblick war prächtig und der Duft süß. Der Bruder hatte den Topf zu sich geholt, weil das blühen ihm gefiel, und er Verstand selbst nicht, warum es ihm von Abend zu Abend weniger gefiel, der Duft war ihm zu viel und die Stille auch, und wenn er das Fenster öffnete, wurde es nicht besser.
Denn in jeder der weißen Blüten wohnte eine kleine Seele, die alles wusste. Und sobald das Licht gelöscht war, begannen sie untereinander zu flüstern, leise wie Blätter, und der 11 flüsterte mit, und was sie flüsterten, gingen seine Träume ein wie Wasser in Sand. So schliefen in derselben Kammer der Schuldige und die Wahrheit. Und die Wahrheit hatte den längeren Atem. Nacht für Nacht ging das nun so, und was die Blütenseelen Flüsterten, träumte der Bruder, die alte Linde, den weg, alles, was dort geschehen war, bis er keinen Schlaf mehr fand, beim ersten Licht eines Morgens verließ er Haus und Land, und niemand im Dorf hat je erfahren, wohin er gegangen ist. Der 11 aber erzählte die ganze
Geschichte der Bienenkönigin und die Bienen summen sie seither weiter. Jeden Sommer über allen Jasminblüten denn hinter dem kleinsten Blatt wohnt einer, der alles sieht und im Garten blühte der Rosenstrauch weiter, Jahr um Jahr, als hätte er alle Zeit der Welt, die Glocke. In den engen Straßen der großen Stadt am Abend, wenn die Sonne unterging und die Wolken zwischen den Schornsteinen wie Gold glänzten, hörte bald der eine, bald der andere einen seltsamen Ton wie von einer Kirchenglocke, tief und feierlich, aber nur für einen Augenblick.
Dann rollten die Wagen wieder und die Stimmen der Gassen deckten ihm zu. Draußen vor den Toren, wo die Häuser weiter auseinander standen und die Gärten größer wurden, war der Klang deutlicher zu hören, die Glocke läutet im Wald, sagten die Leute und sahen zu den Bäumen hinüber. Und es wurde ihnen feierlich zumute.
Jeder hörte den Klang ein wenig anders. Das war das Merkwürdige, der Schuster meinte, er komme aus dem Osten, der Bäcker schwor auf den Westen und die Kinder, die Abends auf den Dächern saßen, weil man von dort die Sonne länger sieht, sagten, er kommt nicht aus einer Richtung, er kommt aus allen. Sonntags, wenn die Stadt Stiller war, hörte man ihn am deutlichsten und manche Leute nannten ihn darum den Sonntagsklang und meinten, wer ihn höre, dem sei der Tag geraten.
Nur woher er kam, konnte niemand sagen, und das ließ vielen keine Ruhe, viele gingen hinaus, sie zu suchen. Sie fanden den Wald und die Abendsonne und den Duft des Laubes, aber eine Glocke fanden sie nicht. Manche sagten, es sei nur eine Eule, die in einem hohlen Baum rufe, und einer schrieb sogar eine gelehrte Abhandlung darüber, die viel gelesen wurde. Die Glocke aber läutete weiter an jedem stillen Abend, tief im Wald, und wer sie hörte, ist dachte an Dinge, für die es keine Worte gibt.
Nun kam ein Frühlingssonntag, an dem die Kinder der Stadt konfirmiert wurden, es war ein feierlicher Tag, die Orgel klang lange nach, die Sonne schien, und als die Kinder aus der Kirche traten, hörten sie alle zugleich klar wie nie den tiefen Ton aus dem Wald. Da beschlossen sie noch in ihren Festkleidern, die Glocke endlich zu finden.
Alle bis auf 3. Eines musste heim sein Ballkleid anprobieren, das zweite hatte sein Festgewand nur geliehen und das Dritte durfte nicht, die anderen aber wanderten los und die Sonne wanderte mit. Es war ein ganzer fröhlicher Zug in Festkleidern. Und der Wald nahm sie freundlich auf. Es roch nach Maiengrün, die Buchenblätter waren noch so neu, dass sie durchschienen wie grünes Glas und über den Wipfeln riefen die Kukuke die ersten Schritte, gingen sich leicht und alle waren sich einig, dass man die Glocke heute finden würde, aber Wälder sind lang und festkleider sind empfindlich und.
Und schon nach einer Weile blieb der erste zurück, weil ihm der Weg zu feucht wurde. Und ein Zweiter erinnerte sich an dringende Dinge daheim, und beide sagten die Glocke, nun ja, sie läutet ja morgen auch noch. So beginnt jedes Suchen mit vielen, und so geht es weiter mit wenigen. Am Waldrand stand eine kleine Hütte, in der ein Zuckerbäcker seine Waren aufgebaut hatte. Und da war es hübsch und roch nach Mandeln und viele blieben dort und meinten, weiter gebe es ohnehin nichts, das Läuten sei nur der Wind in den Wipfeln, ein Paar gingen tiefer hinein und der Wald nahm sie auf Moos unter den Schuhen, Anemonen am Weg. Vogelruf über den Kronen, aber der Wald wurde Dichter und der Weg beschwerlicher.
Und einer nach dem anderen kehrte um, bis zuletzt nur noch der Sohn des Königs weiterging, denn er hatte gesagt, und wenn es bis ans Ende der Welt geht, ich will die Glocke sehen, der Königssohn ging, bis der Weg aufhörte und der Wald selbst die Führung übernahm. Hier wuchsen wilde Äpfel und Schlehen, das Licht fiel in schrägen Säulen zwischen den Stämmen herab und in den Säulen tanzten die Mücken wie Goldstaub. Es wurde stiller und stiller, aber es war keine leere Stille, es war die Art Stille, in der man das eigene Herz gehen hört und mittendrin immer wieder tief und fern die Glocke. Sie wurde nicht lauter, je weiter er ging, sie wurde näher. Das ist nicht dasselbe, und der Königssohn spürte den Unterschied, ohne ihn erklären
zu können, ein Stück hinter ihm, auf der anderen Seite des Waldes, ging noch einer der arme Junge in den Holzschuhen, der gleich nach der Kirche heimgelaufen war, die geliehene Jacke zurückzugeben und der nun allein hinterherkam. In seinen eigenen, zu kurzen Ärmeln. Der Königssohn wandte sich rechts, der arme junge links und der Wald lag groß und still zwischen ihnen.
Dornen rissen an den Kleidern, Bäche mussten überschritten werden und der Abend legte sich schräg und golden durch die Stämme, aber keiner von beiden kehrte um. Und die Glocke klang vor Ihnen her. Immer eine Wegbiegung, weiter. Der arme Junge hatte den schwereren Weg erwischt, durch Brombeergestrüpp und über moorige Stellen, und seine Holzschuhe wurden ihm bald zu schwer, da Band er sie zusammen, hängte sie über die Schulter und ging barfuß weiter, wie er den Sommer über ohnehin ging.
Die Dornen rissen an seiner zu kurzen Jacke, aber er sang leise vor sich hin ein Lied aus der Kirche von heute morgen, und es half gegen die Kratzer, wie singen eben hilft und die Glocke klang auch für ihn keinen Deut leiser als für den Königssohn. Glocken kennen keine Stände, das ist das Königliche an ihn, und dann, als die Sonne den Rand der Welt berührte.
Trat der Königssohn aus den letzten Bäumen und stand auf hohen Felsen über dem Meer, da lag es weit und leuchtend, und der Himmel darüber stand in Gold und Rot, und das Ganze war eine einzige große Heilige Kirche, das Meer, der Boden, der Himmel, das Gewölbe und die sinkende Sonne. Der glühende Altar und im selben Augenblick trat von der anderen Seite zwischen den Felsen hervor, der arme Junge in den Holzschuhen. Er war auf seinem eigenen Weg gekommen, und er war zur selben Stunde am selben Ziel, da standen sie nun hoch über der Brandung, und die große Kirche schlug ihre Gewölbe über ihnen auf.
Das Meer sang mit 1000 stimmen sein Tiefes, immer gleiches, das wie Orgelgrund unter allem liegt. Die Möwen zogen ihre weißen Bögen wie Chorknaben durchs Gestühl, und am Rand des Himmels wurden eine nach der anderen die ersten Sterne angezündet, und je dunkler es wurde. Desto deutlicher hörten die beiden, dass das Läuten nicht aufgehört hatte. Es kam nicht vom Waldmeer und nicht vom Wasser, es kam von überall und es kam von innen und es war jetzt gar nicht mehr fern, man muss nur weit genug gehen, dann ist die Glocke da, wo man selber ist.
Da liefen die beiden einander entgegen und reichten sich die Hände. Der Königssohn und der arme Junge mitten in der großen Kirche der Natur, und keiner sagte ein Wort, denn es war keines nötig, über ihnen, aber unsichtbar, und überall klang die heilige Glocke ruhig tief. Und ohne Ende wie das Atmen der Welt.
Und der Abend wurde dunkler und weicher und das Meer schlug leise unten an die Felsen und die beiden standen still nebeneinander und hörten zu, der Engel jedesmal wenn ein gutes Kind stirbt, kommt ein Engel Gottes auf die Erde herab. Nimmt das Kind auf die Arme, breitet die großen weißen Flügel aus und fliegt mit ihm noch einmal über alle Orte, die das Kind lieb gehabt hat. Und unterwegs pflücken die beiden eine ganze Handvoll Blumen, um sie mit hinauf in den Himmel zu nehmen, wo sie noch schöner weiter blühen als hier die Blume aber die. Die Gott am liebsten ist.
Die küsst er. Und von dem Kuss bekommt sie eine Stimme und kann mitsingen. In der großen Seligkeit. Der Flug beginnt immer über den vertrauten Dächern, ganz langsam steigt der Engel zuerst, damit das Kind noch einmal alles sieht, den Hof, in dem es gespielt hat, das Fenster der Großmutter, hinter dem immer Licht war.
Dem Zaun, auf dem die Katze saß, den kleinen Garten. Sieh es dir ruhig an, sagt der Engel dann, du darfst dich umsehen, solange du willst. Wir haben keine Eile, wir haben von jetzt an nie mehr Eile und das Kind sieht hinunter und komisch, es ist kein bisschen traurig dabei. Von oben sieht alles aus, als winke es, so erzählte es ein Engel Gottes. Während er ein Kind gen Himmel trug und das Kind hörte zu, wie im Traum.
Sie flogen über die Gegenden, in denen das Kind gespielt hatte, über Gärten voller Rosen und alter Bäume, nimm den Rosenstock dort mit, bat das Kind, den mit den vielen Knospen und der Engel nahm ihn, und sie nahmen auch Butterblumen mit. Und wilde Stiefmütterchen. Denn auch das einfache blüht im Himmel weiter. Nun haben wir Blumen, sagte das Kind, und der Engel nickte, aber er flog noch nicht hinauf.
Beim Rosenstock geschah etwas Besonderes, der Engel nahm nicht nur die Blüten, erhob den ganzen Stock behutsam aus der Erde, mit allen Wurzeln. Und aller Erde daran, so macht er es mit dem, was ganz besonders geliebt worden ist. Das wird nicht gepflückt, das wird Umgepflanzt. Droben, sagte der Engel, wächst er weiter, und du wirst sehen, dort blüht er das ganze Jahr, warum fliegen wir hier hinunter?
Fragte das Kind, als der Engel tiefer ging, hinab zwischen die hohen dunklen Häuser, wo die Gasse so schmal war, dass kaum der Abendhimmel hineinsah, weil hier etwas liegt, das mit hinauf soll, sagte der Engel, und man muss dorthin gehen, wo es liegt. Das Beste liegt selten am hellen Weg. Unten glänzte trübe der Rinnstein, es roch nach Kellern und am Kehrichthaufen Scharrte eine einsame Taube.
Genau dorthin flog der Engel so behutsam, als Lande er in einem Garten, sie flogen tiefer in die engste Gasse der Stadt, wo an einem Kehrichthaufen ein zerbrochener Blumentopf lag und daneben ein Klumpen Erde. Aus dem eine verwelkte Feldblume hing. Die nehmen wir mit, sagte der Engel, und während sie weiter flogen, will ich dir erzählen, warum dort unten im Keller sagte, der Engel wohnte einmal ein kranker Junge, der an Krücken ging und in manchem Sommer gar nicht hinaus konnte. Sein ganzer Garten war ein einziger Blumentopf auf dem Fensterbrett.
Darinnen eine kleine Feldblume, die ein Nachbarskind ihm gebracht hatte. Sie stand im einzigen Sonnenstrahl, der in den Keller fiel, und sie war ihm Duft und Sommer und Wald in einem, er drehte ihr die Blätter dem Licht zu und schlief abends mit dem Gesicht zu ihr hin, als der Junge starb, blieb die Blume am Fenster stehen, Verwelkte.
Und wurde am Ende mit dem Topf auf die Gasse geworfen. Und darum kommt sie mit, denn diese kleine, unscheinbare Blume hat mehr Freude geschenkt als die reichste Blume im Garten einer Königin. Den ganzen Sommer stand die kleine Feldblume auf dem Fensterbrett im Kellerloch und Tat still ihren großen Dienst. Der kranke Junge drehte ihr jeden Morgen als erstes das Gesicht zu und wenn der eine Sonnenstrahl kam, er kam immer erst am Nachmittag und blieb nie lange. Dann rückte die Mutter das Bett, so dass der Junge und die Blume beide etwas davon hatten.
Für ihn war sie der ganze Sommer Wald und Wiese und Garten in einem einzigen Topf. Er kannte jedes neue Blatt und begrüßte jede Knospe mit Namen. Und wenn er nachts nicht schlafen konnte, sah er im Dunkeln dorthin, wo sie stand, und das genügte ihm. Man braucht nicht viel, um reich zu sein, man braucht nur etwas, das lebt und einen kennt.
Als der Junge dann nicht mehr da war, wurde es still in dem Kellerstübchen und die Blume stand noch eine Weile am Fenster. Und blühte für niemanden. Aber ganz umsonst war auch das nicht, sagte der Engel, die Mutter des Jungen sah sie jeden Morgen an, und es war ja ein Trost, dass etwas von dem, was er lieb gehabt hatte, noch da war und lebte. Erst als auch sie fortzog, kam der Topf mit dem Kehricht auf die Gasse, ein trauriger Weg, könnte man meinen, aber du siehst ja.
Genau dort haben wir sie gefunden. Es gehen wunderliche Wege durch die Welt und die Staubigsten führen manchmal am weitesten hinauf. Woher weißt du das alles, fragte das Kind, ich weiß es, sagte der Engel, denn ich war selbst der kranke Junge, der an Krücken ging, meine Blume erkenne ich wohl. Da machte das Kind die Augen weit auf und sah in das schöne, frohe Gesicht des Engels. Und im selben Augenblick waren sie im Himmel, wo Freude und Frieden war.
Gott drückte die Blumen an sein Herz, aber die arme, verwelkte Feldblume küsste er, und sie bekam eine Stimme und sang mit allen Engeln. Die in großen seligen Kreisen schwebten und mit ihnen sang ganz leise ein gutes Kind und eine kleine Blume, die einmal in einem Kellerfenster gestanden hatte. Die glückliche Familie, das größte grüne Blatt, das hierzulande wächst, ist das Klettenblatt hält man es vor den Leib, ist es eine ganze Schürze.
Und legt man es bei Regen auf den Kopf, ist es beinah ein Regendach bei einem alten Herrenhof. Nun gab es einen ganzen Wald von solchen Kletten, hoch und dicht, und niemand mähte ihn je, denn er war gepflanzt worden für die großen weißen Schnecken, die darin wohnten. Wer je an einem Regentag unter einem Klettenblatt gesessen hat.
Und die Schnecken taten nie etwas anderes. Der weiß, wie es dort klingt. Das Blatt ist ein grünes Dach, und jeder Tropfen schlägt seinen eigenen runden Ton, darauf dunkel die großen, Hell die kleinen, und darunter bleibt man vollkommen trocken und hört dem Wetter zu wie einem Konzert. Das nur für einen selbst gegeben wird.
Dazwischen zogen die silbernen Straßen der Schnecken durchs Grün, hierhin und dorthin, ohne Eile und ohne Ziel, denn wer es schön hat, muss nirgends ankommen. Hinter dem Klettenwald schlief das alte Herrenhaus mit geschlossenen Läden, und das war auch gut so und. Herrschaften stören nur in den vornehmen alten Zeiten, so hieß es, hatte man diese Schnecken auf dem Herrenhof hoch in Ehren gehalten und die besten von ihnen auf silbernen Schüsseln aufgetragen und die Schnecken selbst waren fest überzeugt, das sei die höchste Ehre gewesen, die es auf der Welt gibt.
Genau wusste das freilich keiner mehr. Denn es war sehr lange her. Jetzt lebten in dem Wald nur noch 2 von dem alten Geschlecht, ein uraltes Schneckenpaar, würdevoll und langsam. Und die beiden wussten genau, dass der ganze Wald allein ihretwegen dastand, vom Glanz der alten Zeiten erzählte das Schneckenpaar einander an langen Nachmittagen. Und die Geschichten wurden mit jedem Erzählen ein wenig herrlicher.
Damals, hieß es, seien die Besten des Geschlechts ins Herrenhaus getragen worden, in Sänften aus Rhabarberblättern gewissermaßen, und man habe sie auf Silber gebettet und ihnen kränzlein, aus Petersilie gewunden. Was danach kam, wusste keine Überlieferung mehr so genau. Und die beiden alten waren stillschweigend übereingekommen, dass es etwas sehr ehrenvolles gewesen sein müsse, eine Art Erhebung in den Adelsstand, von der man nicht zurückkehrt, weil es einem dort zu gut geht. So kann man die Dinge auch sehen, und die Kletten rauschten dazu und widersprachen nicht, eigene Kinder hatten sie nie gehabt, aber sie hatten ein kleines, ganz gewöhnliches Schneckchen angenommen und.
Und zogen es auf wie ihr eigenes. Es wollte nicht recht wachsen, denn es war eben von schlichter Art, aber die alte meinte, es gedeihe doch ganz vortrefflich, man müsse ihm nur Zeit lassen, und sie klopfte ihm zärtlich ans Häuschen und sagte, ein gutes Haus sei die Hauptsache im Leben und ein gutes Haus habe es. Das kleine Schneckchen bekam eine Erziehung, wie sie gründlicher nicht sein konnte.
Eile dich nie, lehrte der alte, wer eilt, ist schon so gut wie kein Schneck mehr, bleib auf dem Blatt, lehrte die Alte die Welt ist der Klettenwald, und was dahinter liegt, geht uns nichts an, denn es ist ja nicht der Klettenwald das. Und das Wichtigste, sagten beide, trag dein Haus in Ehren. Man kann im Leben alles verlieren, nur das Haus nicht, das wächst mit, und darum ist unsereins nirgends in der Fremde. Das Schneckchen hörte zu, wie Kinder zuhören, halb, aber das Richtige blieb hängen, wenn es regnete, war das Glück am größten.
Hörst du, wie es auf den Blättern trommelt, sagte der Schneckenvater rum, dumm, dumm rum, dumm, dumm, das ist ein Wetter ganz für uns gemacht, sagte die Schneckenmutter. Die Blätter Tropfen gleich so schön nach und sie zogen sich tief in ihre Häuser zurück und lauschten dem Regen, und der Regen trommelte den ganzen Nachmittag und.
Und es war ein sehr guter Nachmittag einmal. Es muss im dritten oder vierten Sommer gewesen sein, kam sogar ein Mensch in den Klettenwald, ein Gelehrter aus der Stadt mit einer grünen Botanisiertrommel, der sich vor Freude über die riesigen Blätter gar nicht fassen konnte und in ein kleines Buch schrieb, so schnell die Feder lief.
Die Schnecken beobachteten ihn von ihren Blättern aus mit größter Ruhe. Er notiert uns, sagte der Alte anerkennend, man kennt uns also auch draußen, dass der Mann nur die Kletten notierte, konnte er ja nicht wissen, und es hätte ihn auch nicht angefochten. Wer überzeugt ist, der Wald sei seinetwegen da, den kränkt so leicht keine Fußnote.
Als das junge Schneckchen herangewachsen war, wollten die alten es verheiraten, wie es sich für das letzte große Geschlecht gehört. Sie schickten die Mücken als Boten aus und die Mücken wussten Bescheid 100 Menschen Schritte weiter, an einem Stachelbeerstrauch säße ein kleines Schneckenfräulein mit eigenem Haus, gerade im rechten Alter. Die Braut machte sich auf den Weg und brauchte 8 volle Tage bis zum Klettenwald.
Aber gerade daran, sagte die Schneckenmutter, erkenne man die rechte Art. Eile hat nur, wer nicht weiß, wohin er gehört vor der Hochzeit wurde der Wald festlich gemacht, so festlich wie Schnecken es verstehen. Die alten krochen die Hauptwege zweimal ab, damit sie ordentlich glänzten. Der Tau wurde in den größten Blattmulden gesammelt, das war der Festtrunk und die Johanniswürmchen hatten zugesagt, in der Dämmerung auf den untersten Blättern Aufstellung zu nehmen, was einer Illumination gleichkam. Es regnete zur Feier des Tages sogar ein wenig. Rum.
Dumm, dumm auf allen Blättern und die Schneckenmutter weinte vor Rührung, wie es sich bei Hochzeiten gehört und sagte immer wieder, so ein Fest habe der Wald nicht gesehen, seit sie selbst hier eingeheiratet habe und da mag sie recht gehabt haben, dann wurde Hochzeit gehalten, still und festlich.
Die Johanniswürmchen leuchteten wie versprochen von den untersten Blättern und die alten Schnecken übergaben dem jungen Paar den ganzen Wald und sagten, was sie immer gesagt hatten, dass es der beste Ort der Welt sei. Dann zogen sich die beiden alten in ihre Häuser zurück und kamen nicht wieder heraus, sie schliefen.
Das junge Paar aber regierte den Klettenwald und bekam eine große Nachkommenschaft. Und da sie niemals gekocht wurden und niemals auf die silberne Schüssel kamen, schlossen sie daraus, dass der Wald wohl noch lange stehen würde und dass sie sehr glücklich waren. Der Regen trommelte auf die Klettenblätter ihnen zur Freude.
Und die Sonne schien dem Wald zuliebe, und so waren sie glücklich und die ganze Familie war es, der Halskragen es war einmal ein feiner Herr, dessen ganzer Hausstand aus einem Stiefelknecht und einer Haarbürste bestand, aber er besaß den schönsten Halskragen der Welt, und von diesem Halskragen handelt die Geschichte.
Der Kragen war gerade alt genug, um ans Heiraten zu denken. Und wie es der Zufall wollte, kam er in der Wäsche mit einem Strumpfband zusammen. Der feine Herr selbst trug den Kragen nur sonntags, aber der Kragen war der Meinung, es sei umgekehrt, der Herr werde von ihm getragen, jeden Sonntagmorgen, wenn er frisch gestärkt vor dem Spiegel saß, fand er sich unwiderstehlich. Diese Haltung sagte er zu sich, diese Weiße, dieser Schwung an den Ecken.
Es ist ein Wunder, dass ich noch frei bin. In der Woche lag er in der Schublade und ruhte sich von seiner Schönheit aus, und auch das Tat er mit Bedeutung. Es gibt Halskragen, die sind einfach nur sauber, er war gepflegt, der Unterschied war ihm wichtig. Mein Fräulein sagte der Halskragen nie sah ich etwas so feines und zartes. Darf ich fragen, wie Sie heißen?
Das sage ich nicht, sagte das Strumpfband, dann sage ich es für sie, sagte der Halskragen sie sind ein Gürtel, ein Untergürtel für die Taille. Und sie sind nicht nur zum Nutzen da mein Fräulein, sondern auch zur Zierde. Sie sollen nicht mit mir sprechen, sagte das Strumpfband, Ich habe Ihnen dazu wahrhaftig keinen Anlass gegeben, und es rückte von ihm fort, so weit die Wäscheleine reichte, das Strumpfband blieb dabei, es rückte fort und schwieg.
Aber der Halskragen rief ihm über die Leine nach, er verstehe schon Zurückhaltung, sei die Zierde der feinen und gerade dieses Schweigen, dieses beredte Schweigen gebe ihm Hoffnung, die anderen Wäschestücke auf der Leine kannten ihn schon, jetzt verlobte er sich wieder, flüsterte das Taschentuch der Serviette zu. Und der Wind wehte dazu und die Leine Wippte, als lache sie leise.
Nur der Halskragen merkte nichts. Wer sich selbst zuhört, hat die Ohren voll danach kam das heiße Plätteisen verehrte Frau, sagte der Halskragen sie sind gewiss eine Witwe von Stand, mir wird ganz warm in ihrer Nähe. Das Plätteisen sagte gar nichts. Es fuhr mit der ganzen Würde seines Amtes über den Halskragen hinweg vorwärts und zurück, bis auch die letzte kleine Falte seiner Eitelkeit glatt gebügelt war. So dachte der Halskragen, als er wieder zu Atem kam. Die war zu stolz für mich.
Nach dem Plätteisen lag der Halskragen eine Weile sehr flach und sehr still. Dann hängte man ihn zum Trocknen über den Stuhl und in der warmen Nachmittagsluft kam seine Zuversicht zurück. Falte um falte, sie war zu heiß für mich, sagte er zu der Stuhllehne, ein feuriges Temperament, das gebe ich zu, aber auf die Dauer, man will ja auch einmal zur Ruhe kommen. Nein, es war klüger so.
Die Stuhllehne sagte nichts. Sie trug seit Jahren jeden Sonntag seine Reden und war das Gegenteil von neugierig. Dann kam die Schere um die Ausgefransten Kanten zu beschneiden. O. Sagte der Halskragen sie müssen die erste Tänzerin des Landes sein, wie sie die Beine strecken können. So etwas Anmutiges habe ich nie gesehen.
Das weiß ich selbst, sagte die Schere, die das Schmeicheln kannte, und schnitt ihm ein Stück zu viel ab, nur damit er es sich merke. Zuletzt versuchte er es noch bei der Haarbürste, sie haben ein wunderschönes Gebiss, mein Fräulein, sagte er danke, sagte die Bürste, Ich bin schon versprochen mit dem Stiefelknecht.
Und damit war auch diese Tür zu. So blieb der Halskragen allein und mit der Zeit wurde er dünn und grau und kam schließlich in den großen Kasten beim Papiermüller, wo die alten Stoffe liegen und darauf warten, weißes Papier zu werden und dort unter all den Lumpen, erzählte der Halskragen seine Geschichten. Von dem Strumpfband, das seine Braut gewesen sei, von der glühenden Witwe, von der Tänzerin und von der, die ihn bis heute nicht vergessen könne.
Die Lumpen sahen einander an und schwiegen höflich, denn sie wussten alle, wie es auf der Wäscheleine wirklich zugeht im großen Kasten des Papiermüllers lagen sie nun alle beieinander. Die alten Stoffe und jeder hatte etwas hinter sich, das Leinenhemd, manchen Arbeitstag, das Kinderkleidchen, manches Spiel, das Bettzeug, manchen guten Schlaf und manche lange Nacht. Sie erzählten es einander, ohne Prahlerei, wie alte Leute auf einer Bank.
Und je einfacher einer erzählte, desto lieber hörten ihm die anderen zu. Nur bei dem Halskragen mit seinen Verlobten wurden die Lumpen still und ein wenig verlegen, wie man eben wird, wenn einer nicht merkt, dass ihn alle längst kennen in den Nächten, wenn der Kasten still war, erzählte der Halskragen trotzdem weiter.
Denn erzählen war nun einmal seine Art zu leben. Die Bürste raunte er, die mit dem wunderschönen Gebiß, die habe seinetwegen den Stiefelknecht genommen, aus purem trotz, das habe doch jeder gesehen. Neben ihm lag ein altes Nachthemd, das in seinem langen Leben viel Wahres gehört hatte und darum Unwahres sofort erkannte. Es sagte nichts, es dachte nur, morgen sind wir alle Papier, du prahlhans.
Und dann schreibt vielleicht jemand etwas Wahres auf dich, das wäre dir zu wünschen, es wäre deine erste wahre Geschichte. Dann wurde aus dem Halskragen und allen seinen Geschichten weißes Papier, still und glatt und geduldig. Und wer weiß, vielleicht ist es gerade das Blatt, auf dem diese Geschichte steht.
So geht es den großen Worten, am Ende liegen sie ganz still und das Papier ist weiß und weich, und die Nacht kann kommen, die Springer, der Floh, der Grashüpfer und die kleine Springgans. Aus einem Gänseknöchelchen wollten einmal sehen, wer von ihnen am höchsten Springen könne. Sie luden die ganze Welt dazu ein, und wer wollte, durfte zuschauen.
Es waren 3 berühmte Springer, als sie sich in der Stube versammelten, wer am höchsten springt, sagte der König, der bekommt meine Tochter, denn es wäre kahl. Wenn um nichts gesprungen würde zum Wettspringen war die ganze Stube voll. Der König saß auf seinem Thron, die Prinzessin auf ihrem goldenen Schemel daneben und an der Wand standen die Höflinge in Reihen und machten wichtige Gesichter, denn bei Hofe weiß man nie, ob nicht auch ein flohsprung Staatsangelegenheit wird.
Ganz vorn aber lag der alte Hofhund, die Schnauze auf den Pfoten und Blinzelte. Er hielt von Wettspringen nicht viel und von Urteilen um so mehr, und er hatte sich seines schon gebildet, noch ehe gesprungen war. Alte Hofhunde sind so, der Floh trat zuerst an. Er hatte feine Manieren und grüßte nach allen Seiten, denn er hatte Kammerjungfernblut in den Adern und war gewohnt, nur mit Menschen umzugehen. Dann kam der Grashüpfer in seiner grünen Uniform, er stamme, sagte er, aus einer sehr alten Familie aus dem Morgenland, und man habe ihm ein eigenes Kartenhaus gebaut, 3 Stockwerke hoch.
Alles aus Bildkarten, die kleine Springgans aber sagte gar nichts. Sie war aus einem Gänsebrustknöchelchen gemacht, mit 2 Zwirnsfäden und einem Tropfen Wachs, und der alte Hofhund beschnupperte sie und behauptete, sie habe etwas im Kopf. Es wurde auch vorher noch ausgiebig geredet, wie bei jedem Wettkampf. Der Floh, erzählte, er Springe grundsätzlich nur in bester Gesellschaft und deutete an, mit wessen Wangen er bereits Bekanntschaft gemacht habe.
Namen, versteht sich, nannte er nicht, das verbiete die Diskretion, der Grashüpfer trug ein Lied über sein Kartenhaus vor, 3 Stockwerke lauter Herzdamen, nach innen gekehrt, und ließ durchblicken, dass man in Ägypten seinesgleichen heilig gehalten habe. Die Springgans schwieg weiter, aber sie schwieg so gründlich, dass die Leute anfingen, sich etwas dabei zu denken. Und das ist die stärkste Rede, die es gibt. Der Floh sprang zuerst und er sprang so hoch, dass ihn niemand mehr sah, und da behaupteten die Leute, er sei gar nicht gesprungen, was eine große Kränkung für ihn war. Der Grashüpfer sprang halb so hoch, aber er sprang dem König gerade ins Gesicht und der König sagte, das sei geschmacklos. Die kleine Springgans stand
lange still und die Leute dachten schon, sie könne überhaupt nicht springen, dann sprang sie. Einen kleinen, schiefen, bescheidenen Sprung geradeswegs in den Schoß der Prinzessin, die auf ihrem goldenen Schemel saß, über den Sprung des Flohs entstand übrigens noch eine gelehrte Debatte. Die Höflinge stritten, ob ein Sprung, den niemand gesehen habe, als Sprung zu werten sei, und einer schlug vor, die Höhe amtlich zu schätzen.
Und ein anderer verlangte ein Gutachten. Der alte Hofhund öffnete während der ganzen Verhandlung nur ein Auge und schloss es wieder, und das war das vernünftigste Gutachten des Abends, was zu hoch hinaus will, sagte, sein Auge ist zuletzt einfach nicht mehr da, aber auf Hundegutachten gibt man ja bei Hofe nichts, da sprach der König.
Der höchste Sprung ist der zu meiner Tochter hinauf, denn darin liegt das feine. Aber um darauf zu kommen, muss man einen Kopf haben und die Springgans hat gezeigt, dass sie einen Kopf hat. So bekam die Springgans die Prinzessin und die beiden saßen fortan nebeneinander auf dem goldenen Schemel, und wer die Springgans besuchte, musste leise sein. Denn viel geredet wurde dort nicht. Die Springans nahm ihre Erhöhung an. Wie sie alles nahm, still, Sie verbeugte sich vor dem König, so gut man sich mit einem Gänsebrustknöchelchen verbeugen kann, und nahm ihren Platz auf dem goldenen Schemel ein, als hätte sie nie woanders gesessen, die Höflinge, die eben noch über sie gelächelt hatten, fanden nun
einhellig. Man habe es immer geahnt, in der Stille liege Tiefe und in Zwirnsfäden mehr Haltung, als man denke. So schnell dreht sich der Hof die Springgans hörte sich alles an und sagte auch dazu nichts, vielleicht war das ihr ganzes Geheimnis, es ist jedenfalls noch keinem geschadet. Die Prinzessin übrigens war mit dem Urteil ihres Vaters sehr einverstanden und.
Und das will bei Prinzessinnen etwas heißen. Sie hatte die lauten Springer den ganzen Abend ein wenig anstrengend gefunden, und als ihr die kleine Springgans in den Schoß gehüpft war, leicht wie ein Hüsteln, hatte sie gelacht wie seit Wochen nicht, etwas, das aus einem Gänseknöchelchen, 2 zwirnsfäden und einem Tropfen Wachs besteht und trotzdem den Mut hat, bei Hofe zu springen. Das, fand sie, sei genau die Sorte Gesellschaft, die einem die langen Winterabende rettet.
Der Floh ging in fremde Dienste weit fort, und man hat lange nichts von ihm gehört, der Grashüpfer aber setzte sich draußen in den Graben, ins grüne Gras und dachte darüber nach, wie es zugeht in der Welt und sang dazu sein altes, gleichmäßiges Lied. Dass man an Sommerabenden hören kann, wenn alles andere still wird von ihm haben wir die Geschichte. Er hat sie an einem solchen Abend erzählt, zwischen 2 Liedern, und die Wiese hat zugehört und langsam ihre Gräser schlafen gelegt.
Der Wichtel beim Krämer, Es war einmal ein richtiger Student. Er wohnte in der Dachkammer und besaß nichts. Und es war einmal ein richtiger Krämer, der wohnte im Erdgeschoss und besaß das ganze Haus, bei dem Krämer aber wohnte, noch ein dritter, der kleine Wichtel, denn dem gab es jeden Weihnachtsabend eine Schüssel Grütze mit einem großen Stück Butter darin, und das konnte der Krämer sich leisten.
Und darum blieb der Wichtel im Laden und hielt zum Krämer, wie man eben hält, wo die Butter ist. Der Wichtel hatte es beim Krämer wirklich nicht schlecht. Nachts, wenn der Laden geschlossen war, ging er zwischen den Schubladen auf und ab wie ein kleiner Hausherr, probierte hier eine Rosine und dort ein krümchen Kandis, rückte die Bindfadenrolle gerade und. Und sah nach, ob die Mäuse sich an die Abmachungen hielten und einmal im Jahr, am Weihnachtsabend, stand dann die Schüssel für ihn bereit, dampfende Grütze mit dem großen Stück Butter in der Mitte, das langsam zerging und goldene Straßen durch die Grütze zog.
Der Wichtel aß feierlich und gründlich, wer so eine Grütze bekommt, dachte er dabei stets, dass. Der weiß, wo er hingehört. Eines Abends kam der Student durch die Hintertür, sich Käse und ein Licht zu kaufen, der Käse wurde in ein Blatt Papier gewickelt, das aus einem alten Buch gerissen war, einem Buch voller Gedichte.
Der Student las das Blatt, und dann las er es noch einmal. Und dann sagte er, da liegt ja noch mehr davon. Gebt mir das Buch für den Käse. Ich kann mein Brot auch ohne Käse essen, aber das Buch dürft ihr nicht zerreißen. Der Krämer lachte und gab es ihm, und der Student stieg mit dem Buch unterm Arm in seine Dachkammer hinauf.
Den Wichtel ließ das nicht in Ruhe, in der Nacht schlich er die Treppe hinauf und sah durchs Schlüsselloch in die Dachkammer. Und da saß der Student und Las in dem zerrissenen Buch. Aber wie hell es in der Kammer war, aus dem Buch stieg ein heller Schein auf, der wurde zum Stamm, und der Stamm wurde zu einem mächtigen Baum aus Licht, der seine Zweige weit über den Studenten breitete, und jedes Blatt war grün und lebendig und in den Zweigen saßen singende Stimmen wie Vögel.
So etwas hatte der Wichtel nie gesehen. Er blieb auf den Zehen am Schlüsselloch stehen, bis das Licht in der Kammer erlosch, und schlich erst lange danach wieder hinunter zu seiner Ecke im Laden. Was da drinnen sang, das waren keine gewöhnlichen Stimmen, es klang, als Sängen alle guten Dinge auf einmal.
Die Wälder und das Meer. Die alten Helden und die kleinen Kinder. Und über allem lag ein Glanz wie von 1000 Kerzen, die nicht heiß werden. Der Wichtel stand auf den Zehenspitzen auf der kalten Treppe und die Zehen froren ihm und er merkte es nicht, er hatte in seinem langen Wichtelleben viel Gutes gesehen, volle Speisekammern. Ehrliche Wagen, gestapeltes Winterholz, aber so etwas wie diesen Baum aus Licht hatte er nicht gewusst. Und das wunderlichste er wuchs aus einem zerrissenen Buch, das beinahe als Käsepapier geendet hätte. Von da an ging es ihm wie einem der 2 zu Hause, hat jeden Abend, wenn der Laden still war.
Zog es ihn die Treppe hinauf ans Schlüsselloch, und je öfter er hindurchsah, desto größer wurde der Baum aus Licht. Aber jeden Weihnachtsabend roch es unten nach Grütze und zerlassener Butter, und dann saß der Wichtel wieder beim Krämer und war dem Krämer treu, damit das gewissen Ruhe gab, arbeitete der Wichtel unten im Laden. Nun doppelt so gewissenhaft wie zuvor. Er hielt die Mäuse strenger zur Ordnung, er rückte nachts die Gewichte an der Waage zurecht, dass sie aufs Gran stimmten, und wenn ein Sack Rosinen ein Loch hatte, stopfte er es, ehe eine einzige verloren ging.
Der Krämer wunderte sich in jenem Winter, wie gut der Laden lief und schrieb es seiner eigenen Tüchtigkeit zu, wie Krämer das tun er. Der Wichtel gönnte es ihm. Es war ja auch eine Art Miete, die er da abzahlte für ein Schlüsselloch im 1. Stock, das mehr wert war als der ganze Laden. So lebte der Wichtel den Winter über sein doppeltes Leben, unten gehörte er dem Krämer, er wachte über den Laden, wie es sein Amt war, und tat es ehrlich, denn Grütze verpflichtet und. Oben aber, am Schlüsselloch, gehörte er niemandem oder allem, je nachdem, wie man es nimmt, manchmal auf der Treppe dazwischen, blieb er stehen und dachte über sich selbst nach, was Wichtel selten tun. 2.
Zu Hause, dachte er, das ist eines zu viel für einen kleinen Kerl, aber welches soll ich hergeben? Und weil er darauf keine Antwort fand, ging er eben weiter, treppauf, Treppab. Und darin war er nicht der erste und nicht der letzte in dieser Welt, mitten in einer Winternacht ging draußen der Lärm los, Feuer riefen die Leute Feuer in der Straße, es brannte beim Nachbarn, das ganze Haus kam auf die Beine und jeder griff nach dem Liebsten, das er hatte der Krämer nach seinen Papieren.
Die Krämersfrau nach ihren goldenen Ohrringen und der Wichtel, der war mit 2 Sprüngen die Treppe hinauf und in der Dachkammer und hatte das Gedichtbuch vom Tisch. Das rettete er hoch hinauf bis auf den Schornstein und dort saß er, das Buch im Arm und wusste nun, wem sein Herz gehörte. Das Feuer beim Nachbarn wurde bald gelöscht und es war niemandem etwas geschehen. Auf dem Dach war es kalt und klar, unten lief der Lärm der Menschen durch die Gasse und der Feuerschein vom Nachbarhaus leckte Rot über die Schornsteine, der Wichtel saß auf dem Schornsteinrand das gerettete Buch fest unter dem Arm.
Und sein kleines Herz klopfte bis in die Mütze hinauf. Er sah auf seine leeren Hände, keine Grütze hatte er gegriffen, keinen Rosinensack, nicht einmal das Kassenbuch des Krämers, das doch amtlich sein Schutz befohlener war. Das Gedichtbuch hatte er gegriffen, ohne zu überlegen, so wie man im Feuer eben nach dem Liebsten greift.
Da wusste er es also so genau hätte er es lieber gar nicht gewusst. Als alles wieder still war, dachte der Wichtel auf seinem Schornstein lange nach. Dann teilte er sich die Sache ehrlich ein. Der Student sollte das Herz haben und jeden Abend das Schlüsselloch, aber beim Krämer wollte er wohnen bleiben wegen der Grütze, und das war sehr menschlich gedacht.
Wir anderen gehen ja auch zum Krämer. Unten wurde der Laden dunkel, oben brannte noch eine Weile das kleine Licht des Studenten und dazwischen auf der Treppe saß ein Wichtel und war mit der Welt zufrieden. Der Flaschenhals in der engen Krummen Gasse stand am Giebelfenster, ein Vogelbauer, und darin hüpfte ein kleiner Hänfling. Und statt eines Wasserglases hing ein umgedrehter Flaschenhals im Gitter, mit einem Korken unten drin und hielt das Wasser für den Vogel der alten Jungfer. Am Fenster war das Ding lieb und der Flaschenhals selbst fand, man könne es im Alter schlechter treffen, er hatte nämlich ein ganzes Leben hinter sich, und wenn der Hänfling sang, dachte er daran zurück.
Die Stube der alten Jungfer war klein und blitzblank, ein Bett mit hoher Kante, eine Kommode mit Gehäkeltem Deckchen am Fenster der Lehnstuhl und auf dem Fensterbrett in einem grün glasierten Topf ein Myrtenstock, den sie pflegte wie ein Kind. Der Hänfling im Bauer sang den halben Tag und. Und wenn er trank, nickte er dem Flaschenhals zu und der Flaschenhals hielt still sein Wasser und dachte, singe nur, ich habe auch einmal Feste erlebt und was für welche.
Niemand sieht es mir an, aber ich bin weit herum gekommen, so fangen die besten Lebensgeschichten an, an einem Fenster, dem man nichts ansieht. Geboren war die Flasche im Feuer der Glashütte aus Sand und Asche, wie alle ihres Geschlechts noch warm und weich war sie geformt worden, dann hatte man sie ins Kühle gestellt, Reihe an Reihe mit ihren gläsernen Schwestern, und sie hatte geglaubt, das Leben bestehe aus Warten in Reih und Glied.
Dann kam der Weinhändler. Und sie wurde gefüllt und Verkorkt und bekam ein Kleid aus Papier mit goldenen Buchstaben. Und im Keller lernte sie die Geduld der guten Jahrgänge bis zu jenem Morgen, an dem eine junge Hand sie aus dem Regal nahm und in einen Picknickkorb legte, zwischen Brot und kaltem Braten hinaus ins Grüne, zum schönsten Tag ihres Lebens.
Von dem sie noch nichts wusste. Er war einmal eine ganze Flasche gewesen, Jung und blank aus der Glashütte gekommen und sein erster großer Tag war ein Ausflug in den Grünen Wald, da wurde er entkorkt, es gab kalten Braten auf dem Waldboden, und der junge Steuermann hob die Flasche und schenkte ein.
Denn an diesem Tag verlobte er sich mit der Tochter des Kürschners, die er von Kindheit an gern gehabt hatte. Als der Wein getrunken war, warf einer die Flasche hoch in die Luft und sie blitzte in der Sonne und das Mädchen lachte und der Wald war voller Sommer, es war der schönste Augenblick seines Lebens, und er wusste es damals noch nicht einmal.
Dann fuhr die Flasche mit dem jungen Steuermann zur See hinaus in die weite Welt. Sie stand in der Kajüte, wenn draußen die Wellen wanderten, und hielt manchen guten Schluck für müde Männer, aber es kam eine Nacht mit schwerem Wetter, und in dieser Nacht schrieb der junge Mann bei schwankendem Licht einen Gruß an seine Braut, steckte das Blatt in die Flasche. Preßte den Korken fest darauf und vertraute sie dem Meer an, denn das Meer, dachte er, kommt am Ende überall hin. Das Schiff ist nie in seinen Hafen zurückgekehrt, die Flasche aber trieb dahin, monatelang unter Sternen und Regen und trug den Gruß, den niemand las.
Wie er den Zettel schrieb in jener Sturmnacht, das hätte keiner ruhig mit ansehen können. Das Schiff stieg und stürzte, die Lampe schwang und der junge Steuermann hielt das Papier mit einer Hand fest und schrieb mit der anderen in großen, fahrigen Buchstaben seinen Gruß an die Braut daheim, dass er sie lieb habe. In guten Wassern und in schweren. Und dass, wenn dieser groß sie erreiche, sie nicht bange sein solle.
Denn was das Meer auch tue, was zwischen ihnen sei, das könne es nicht nass machen. Dann preßte er den Korken auf die Flasche, so fest wie ein Handschlag, und übergab sie der See. Es war das Zärtlichste, was je mit ihr Geschehen war, und sie hat es nie vergessen. Sie wurde an einen fremden Strand gespült und aufgehoben und Leute, die ihre Sprache nicht kannten, drehten das Blatt hin und her und legten es fort und die Flasche begann ein neues Leben und dann noch eines, sie hielt Wein und hielt Brunnenwasser. Sie stand in einem Wirtshaus und auf einer Festtafel. Sie diente einem Apotheker und wurde mit Respekt behandelt und einem Trödler und wurde geduzt.
So gingen die Jahre Besitzer um Besitzer und keiner ahnte, was für einen Gruß sie einmal getragen hatte, das Blatt war längst verloren, die Erinnerung nicht, Glas vergisst langsamer als Menschen. Und dann kam der große Tag mit dem Ballon. Der Luftschiffer brauchte sie für seine Kunststücke, und sie fuhr mit hinauf, höher als die Vögel, und sah die Welt wie sonst nur der Mond.
Sie sieht die Stadt wie ein Spielzeug, die Felder wie ein Tuch aus lauter Grünen Flicken, einen Herzschlag lang dort oben. Dachte sie an den jungen Steuermann? Der hätte gestaunt, dachte sie, so hoch sind nicht einmal seine Masten gewesen. Bei der Landung freilich ging es schief, sie stürzte, schlug auf ein Dach und zerbrach, und von der ganzen weiten Reise blieb nur der Hals übrig, den fand jemand, der. Steckte einen Korken hinein und so kam er umgedreht und mit Wasser gefüllt in das Vogelbauer am Giebelfenster, die alte Jungfer am Fenster.
Aber das ist das Stille an dieser Geschichte, war niemand anderes als die Tochter des Kürschners, der man vor vielen Jahren im Grünen Wald einen Ring angesteckt hatte. Ihr Steuermann war nicht wiedergekommen. Und sie hatte keinen anderen genommen. Und nun wohnte sie hier mit ihrem Hänfling und einem blühenden Myrtenstock und war eine freundliche alte Frau geworden. Dass in ihrem Fenster der Hals eben jener Flasche hing, die am schönsten Tag ihres Lebens in der Sonne geblitzt hatte, das wusste sie nicht, und der Flaschenhals wusste nicht. Wessen Fenster ihn beherbergte?
Die alte Jungfer hatte ihre eigenen Reisen hinter sich, nur waren es Stillere gewesen. Aus dem Elternhaus in die Dienstjahre, aus den Dienstjahren in die kleine Stube und durch alle Jahre hindurch die eine, die nie zu Ende ging. Die Reise des Wartens. Den Myrtenstock am Fenster zog sie aus einem Zweig jenes Myrtenstrauchs, der einmal vor langer Zeit für ihren Brautkranz bestimmt gewesen war.
Sie begoss ihn jeden morgen und erblühte ihr jedes Jahr weiß und geduldig, und wenn die Leute fragten, wozu sie ihn halte, sagte sie nur, er ist von daheim. Mehr muss man über manche Pflanzen nicht sagen und über manche Menschen auch nicht. Aber vielleicht ist es gerade so gut, der Hänfling sang, die Abendsonne fiel schräg in die Gasse und machte das alte Glas noch einmal golden, und die alte Frau sah hinaus und dachte, wie sie es oft tat, an einen Grünen Wald. Und an ein Lachen in der Sonne.
So hatten die beiden denselben Sommer im Sinn, jeder auf seine Art an demselben stillen Fenster, und der Abend kam in die Gasse wie ein alter Bekannter, das Geldschwein in der Spielstube lag Spielzeug in allen Ecken und hoch oben auf dem Schrank stand das Sparschwein. Es war aus Ton, hatte einen Schlitz im Rücken und war so voll mit Münzen, dass es nicht einmal mehr klappern konnte.
Und das ist das höchste, was ein Sparschwein erreichen kann. Von seinem Schrank sah es auf alles herab, was in der Stube stand, und es wusste genau mit dem, was es im Bauch hatte, hätte es das ganze übrige Spielzeug kaufen können. Und das Spielzeug wusste es auch. Die Spielstube war um diese Stunde ein friedliches Land, auf dem Teppich lag das Bilderbuch, aufgeschlagen, wie es am Abend hingelegt worden war, das Schaukelpferd stand mit vorgebeugtem Hals, als Grase es in der Puppenstube, lehnte die kleine Puppe am Esstisch, und im Regal saßen der Bär und der Hampelmann. Einträchtig nebeneinander, obwohl sie tagsüber verfeindet waren.
Wenn die Kinder es so wollten, nur das Sparschwein oben auf dem Schrank stand über den Dingen im Wörtlichsten Sinn und sah auf alle herab, es konnte nicht anders, es war so aufgestellt worden, aber es hatte sich mit der Zeit auch innerlich daran gewöhnt. Und das ist bei hohen Standpunkten das eigentliche Risiko eines nachts, als das Mondlicht durch die Ritzen der Läden fiel, schlug die Puppe vor, Menschen zu spielen, denn das sei doch immer etwas und gleich kam leben in die Stube, das Schaukelpferd Galoppierte auf der Stelle, die Puppen rückten, die Möbel im Puppenhaus zurecht. Und man beschloss, Theater zu spielen und danach Tee zu trinken und gescheite Gespräche zu führen, ganz wie die Großen. Auch das Sparschwein wurde
eingeladen, von unten mit einer tiefen Verbeugung, es antwortete von oben herab, es werde der Vorstellung wohl von seinem Platz aus Folgen. Man möge so freundlich sein, es schriftlich einzuladen, wenn man wert auf sein kommen lege. Gespielt wurde ein Stück aus dem Puppenkasten eine Verwechslungsgeschichte mit einer Hochzeit am Ende, wie es sich gehört, die große Puppe gab die Braut, der Hampelmann den Bräutigam und das Schaukelpferd stellte gleich 4 Kutschpferde auf einmal dar, was ihm niemand nachmachte.
Nach dem Theater wurde Tee getrunken, aus den kleinsten Tassen der Welt. Und dann kam das gescheite Gespräch, das die Puppen von den Menschen gelernt hatten. Man sprach über die Erziehung der Zinnsoldaten und über die Frage, ob der Mond aus Silberpapier sei, und alle sagten kluge Dinge und hörten einander nicht zu, ganz wie die Großen. Das war ja der Sinn des Spiels.
Das Theaterstück war schön, alle Puppen saßen in der 1. Reihe, weil sie sich dort am besten sahen und das Schaukelpferd Wieherte an den spannenden Stellen das Sparschwein sah von oben zu, wie es versprochen hatte, aber mit halbem Ohr, denn es dachte an Höheres, es dachte an sein Testament und daran, was es dereinst alles stiften würde.
Und wie dankbar man ihm sein würde und das auf seinem Begräbnis gewiss viel Schönes gesagt würde, so voll war es von diesen Gedanken und von seinen Münzen, dass es vom Schrank nicht mehr sah, wie schön unten gespielt wurde. Das Testament des Sparschweins wurde übrigens von Nacht zu Nacht großartiger, erst wollte es nur den Puppen etwas hinterlassen, ein Andenken versteht sich, keine Barschaft.
Dann kam eine Stiftung dazu für bedürftiges Spielzeug mit einer Tafel, auf der sein Name stehen sollte. Und zuletzt plante es ein Denkmal seiner selbst. Oben auf dem Schrank aus feinstem Ton, nur größer. Es sind schon viele über Ihrem Testament eingeschlafen, die das verschenken bei Lebzeiten verlernt hatten, aber wir wollen nicht streng sein. In einem vollgestopften Bauch ist wenig Platz fürs Herz. Das ist bei Sparschwein so und nicht nur bei denen. Und dann mitten in der Nacht, kam es, wie es kommen musste, ein kleiner Ruck, vielleicht ein Windzug, vielleicht ein Traum, und das Sparschwein kippte, fiel vom Schrank und zersprang unten auf den Dielen in lauter Scherben. Die Münzen aber rollten und
tanzten in alle Ecken der Stube, als wären sie endlich in die Ferien entlassen. Und noch Wochen später fand man hier einen Schilling und dort einen Groschen und jeder wurde ausgegeben und kam unter die Leute und er lebte mehr in einem Monat als vorher in all den Jahren im dunklen Bauch. Die Scherben kamen in den Kehricht und damit war das alte Sparschwein zu Ende, erzählt. Von den Münzen könnte man eigene Geschichten erzählen, der blanke Schilling kam schon am nächsten Tag zum Bäcker und roch fortan nach frischem Brot, der Groschen mit dem Loch bekam ein Band und wurde einem Kind umgehängt als Glücksgroschen. Und hat sein Amt ernst genommen.
Einer rollte unter die Diele und blieb dort wohnen, bei einer stillen Familie aus Staubflocken, die ihn für einen Mond hielt und der älteste Taler kam in den Klingelbeutel der Kirche und war am Ziel seiner Wünsche, denn er war fromm geprägt worden und hatte es im dunklen Schweinebauch immer ein wenig weltlich gefunden und. So kam jede Münze dorthin, wo Münzen hingehören, unter die Leute nur gespart hatte sie vorher jemand anderes, am nächsten Morgen aber stand auf dem Schrank schon ein neues Sparschwein aus Ton, es war noch ganz leer, und wenn man es schüttelte, klapperte nichts, und darin glich es dem alten aufs Haar.
Das war ein Anfang und mit einem Anfang wollen wir aufhören. Die Spielstube atmete ruhig im Mondlicht, das Schaukelpferd stand wieder still und in allen Ecken schliefen die Münzen. Ihren ersten freien Schlaf, die Lumpen vor der Papiermühle lagen die Lumpen in großen Ballen. Von nah und Fern zusammengekauft jeder Lumpen hatte seine Geschichte und jeder erzählte sie gern. Aber man kann nicht allen zugleich zuhören. Ganz obenauf lagen 2 beieinander, ein Lumpen aus Norwegen und einer aus Dänemark, der eine Rauh und fest wie Fels und Fjord.
Der andere weich und glatt und von feiner Lebensart. Ein Lumpenhaufen ist, wenn man es recht bedenkt, eine Versammlung von lauter gedienten Leuten. Da lag das Segeltuchstück, das Stürme gesehen hatte, neben dem Kinderhemdchen, das nur Wiegenlieder kannte, da lag der Rest einer feinen Tischdecke, die von Festen erzählen konnte.
Neben dem Arbeitskittel, der von allem anderen erzählen konnte und alle zusammen warteten sie auf dasselbe, noch einmal gebraucht zu werden. Das ist der Trost der Lumpen und vielleicht nicht nur ihrer, dass das Mühlrad sich dreht und aus Abgetragenem unbeschriebenes Macht, wie die beiden hergekommen waren. Wusste jeder von ihnen noch genau, denn die letzte Reise vergisst kein Lumpen.
Der Norweger war mit einem Küstenschiff Gefahren, in einem Ballen zuunterst und hatte unterwegs durch eine Ritze das Meer gerochen. Der Däne war auf einem Leiterwagen gekommen, zwischen lauter Landsleuten und hatte den ganzen Weg die Lerchen gehört. Beide hatten unterwegs dasselbe gedacht, nämlich was nun wohl kommt und beide hätten es nie zugegeben, denn bange sein passte weder zum Fels noch zur feinen Lebensart. Dabei ist es das Verbindendste, was es gibt, nichts macht so schnell zu Nachbarn wie dieselbe leise Sorge im selben Wagen. Ich bin norwegisch, sagte der Norweger. Und wenn ich sage, ich bin Norwegisch, dann ist damit alles gesagt.
Fest von Faser, wie das alte Gebirge, ein Lumpen mit Charakter. Der Däne sagte Mild, Wir haben eine feine Art, höflich zu sein, und wir sprechen leise und meinen es freundlich. Das ist auch etwas. So redeten sie hin und her, jeder von seinem Land, der eine wie ein Wasserfall im Frühjahr, der andere wie ein Bach durch Buchenwald. Und jeder war fest überzeugt, das Beste zu sein, was auf einem Lumpenhaufen je gelegen hatte.
Dabei muss man sagen, ganz Unrecht hatten ja beide nicht, sie hatten nur jeder bloß die halbe Wahrheit und jeder. Die eigene Hälfte der Norweger erzählte von Wasserfällen, die im Frühjahr donnern, dass man das eigene Wort nicht hört, von Felsen, an denen die Wolken hängen bleiben, und von Menschen, die wenig sagen und es halten.
Der Däne erzählte von Buchenwäldern, in denen das Licht grün wird, von Inseln, die im Sund liegen wie ausruhende Tiere. Und von Menschen, die freundlich Fragen und gern lachen. Wer beiden zuhörte, bekam 2 schöne Länder geschenkt und wunderte sich nur, warum daraus ein Streit werden musste, aber so ist das mit den Nachbarn, der Zaun macht den Lärm, nicht der Garten, dann kamen sie beide in den großen Bottich der Mühle, wurden gewaschen und gewalkt.
Und immer heller und immer stiller. Und aus dem alten Streit wurde weicher weißer Brei und aus dem Brei wurden 2 schöne Bogen weißen Papiers. Und wie es der Zufall liebt, auf den Bogen aus dem norwegischen Lumpen schrieb ein Däne sein Gedicht über die Schönheit Norwegens und auf den dänischen Bogen schrieb ein Norweger eine Ode auf Dänemarks Buchenwälder. In der Mühle geht es gründlich zu und es ist gut, dass Lumpen kein Heimweh haben.
Erst wurden sie sortiert, dann geschnitten, dann kamen sie in den großen Bottich und das Wasser nahm ihnen Farbe und Staub und alle alten Flecken und die Stampfen klopften dazu ihren geduldigen Takt, tagein, tagaus. Aus grob wurde fein, aus Grau wurde hell und zuletzt Floß ein weicher weißer Brei über die Siebe, in dem Norwegen und Dänemark nicht mehr zu unterscheiden waren und auch gar nicht mehr unterschieden werden wollten. Dann kam die Presse, dann die Trockenstube und dann lagen sie da. 2 neue Bogen still und glatt mit nichts als Zukunft darauf, was einmal auf ihnen stehen würde, das wussten die neuen Bogen noch nicht und gerade das war das Feierliche an ihnen, vielleicht ein Liebesbrief,
sagte die Presse, die romantisch veranlagt war, weil sie ihr Leben lang Dinge zusammenfügte. Vielleicht ein Kaufvertrag über 3 Kühe, sagte das Sieb, das nüchterner dachte. Vielleicht sagte der Alte Müller, der zufällig vorbeikam und gern das letzte Wort hatte, vielleicht auch ein Märchen für Kinder, das Abends vorgelesen wird, 100 Jahre lang, da wurden die beiden Bogen ganz still vor Ehrgeiz.
Es soll ja vorgekommen sein, dass genau das geschah. Man munkelt, du hörst gerade den Beweis, die beiden Blätter kamen in dasselbe Buch, unterliegen sie noch Seite an Seite und vertragen sich gut, denn was auf ihnen steht, ist freundlich, und was in ihnen steckt, ist rein, so enden die alten Streitereien am besten. Als 2 weiße Seiten in einem stillen Buch, dass jemand abends zuklappt und neben das Bett legt und die Mühle rauschte, weiter am Bach geduldig wie der Bach selbst und machte aus allem, was müde und zerschlissen war, etwas Weißes auf dem Neues stehen darf.
Hofhahn und Wetterhahn. 2 Hähne gab es auf dem Hof, einer ging unten zwischen den Hühnern auf dem Mist, der andere saß oben auf dem Dachfirst, aus Blech geschnitten, und drehte sich mit dem Wind. Beide waren auf ihre Art ansehnlich und die Frage, wer von beiden mehr gelte, wurde auf dem Hof jeden Tag mindestens einmal erörtert.
Hauptsächlich von den Hühnern. Der Morgen auf dem Hof gehörte dem Hofhahn und er verwaltete ihn gewissenhaft. Noch vor dem ersten Licht reckte er sich auf dem Zaunpfahl, prüfte den Himmel mit einem Auge und legte dann los, dass es über die Dächer rollte, dreimal, wie es Vorschrift war, und ein viertes Mal aus reiner Freude danach kam die Morgenrunde.
Der Misthaufen wurde bestiegen und besichtigt. Die besten Körnerstellen wurden den Hennen zugewiesen, die Küken wurden gezählt, obwohl der Hahn nur bis zu einer gewissen Zahl zählen konnte und darüber hinaus einfach sagte, alle da, es waren immer alle da, das machte die Zählung so verlässlich, der Hofhahn war prächtig anzusehen, er trug seinen Kamm wie eine Krone. Stolzierte, als gehöre ihm das ganze Land bis zum Zaun. Und wenn er in der frühe Krähte, dann krähte er, als müsse er die Sonne höchstpersönlich heraufholen und die Sonne kam ja auch jedesmal, was die Hühner sehr für ihn einnahm. Er fand für jedes Huhn ein Korn und für jedes Küken einen Rat, und die Hühner sagten untereinander. Ein stattlicherer Hahn sei nie
über einen Hof gegangen. Die Hennen wussten, was sie an ihm hatten und sagten es einander oft, besonders die alte Gesprenkelte, die schon 3 Hähne erlebt hatte und vergleichen konnte. Der frühere sagte, sie habe schöner Gekräht, aber nur für sich, dieser hier Krähe für den Hof. Und abends? Das war die schönste Stunde, saßen alle auf der Stange und die Küken durften unter die Flügel, wo es warm war und nach Sommerstaub roch und der Hahn blieb als Letzter wach und Horchte in die Dämmerung, bis auch das leiseste Glucksen verstummt war. Erst dann erlaubte er sich selbst den Schlaf, so machen es die, die etwas lieb haben, sie schlafen zuletzt ein. Der Wetterhahn oben auf dem First fand das alles sehr gewöhnlich.
Er saß am höchsten, das Stand fest, und er hatte Aussicht, nach allen 4 Winden und eben deshalb, sagte er, könne ihn nichts mehr überraschen und nichts mehr freuen, das Krähen da unten sei Lärm, das Scharren sei Staub. Die ganze Welt sei, wenn man sie erst von oben gesehen habe, eine ziemlich langweilige Einrichtung.
So sprach er in den Wind, drehte sich, weil der Wind es wollte und Rostete dabei still vor sich hin, denn wer sich nur drehen lässt und nichts lieb hat, den Frißt der Rost von innen. Dabei hätte der Wetterhahn wirklich etwas zu erzählen gehabt. Das muss man ihm lassen. Er sah als Erster die Wolkenberge im Westen, er wusste vor allen, wenn der Wind drehte, er sah die Wildgänse ziehen und die Gewitter anmarschieren und das Abendrot, ehe es den Hof erreichte, aber er erzählte es niemandem, wozu sagte er?
Sie verstehen es ja doch nicht und außerdem ändert es nichts und so drehte er sich stumm über einem Hof voller Leben und ließ seine ganze Aussicht verkommen. Das ist das traurige an dem Blasierten, sie haben oft die besten Plätze und machen nichts daraus. Einmal versuchte es ein junger Spatz mit ihm aus reiner Gutmütigkeit.
Er setzte sich auf den First in gebührendem Abstand und fragte höflich, wie denn das Wetter von morgen aussehe. Der Wetterhahn drehte sich langsam zu ihm hin und sagte Wetter, es sieht aus wie Wetter, es sieht immer aus wie Wetter, da flog der Spatz wieder und man kann es ihm nicht verdenken. So vergrätzt man sich, die Gesellschaft eine nach der anderen bis zuletzt nur noch der Wind übrig bleibt und der Wind bleibt nicht aus Anhänglichkeit, der bleibt aus Dienst in einer herbstlichen Nacht mit viel Wind gab es oben auf dem First ein kleines müdes Knarren, und am Morgen lag der Wetterhahn unten im Gras. Er war nicht heruntergeweht worden, sagten die Sperlinge, die alles wissen.
Er war einfach abgebrochen, denn er war innen längst mürbe geworden. Der Knecht hob ihn auf und trug ihn in die Scheune, und dort hatte er es fortan trocken und still, und man kann nicht sagen, dass ihn jemand vermisste, nicht einmal der Wind. Auf dem Hof wurde das Ereignis mit Maßen besprochen, wie es sich gehört, wenn jemand nicht mehr da ist. Die alte Gesprenkelte Henne sagte, hochmütig sei er gewesen, aber ein schönes Profil habe er gehabt, das müsse man lassen. Der Erpel meinte, von ganz oben falle man am tiefsten und war mit diesem Satz den Rest des Tages zufrieden. Nur die Küken fragten noch eine Weile, wer ihnen jetzt sage, woher der Wind komme.
Da reckte der Hofhahn den Kamm und erklärte, das rieche er ihnen künftig und siehe, er roch es beinah immer richtig. Man kommt gut durchs Leben mit einem, der unten steht und alles lieb hat, besser jedenfalls als mit einem, der oben sitzt und nichts. Der Hofhahn aber Krähte am selben Morgen die Sonne herauf wie an jedem morgen und die Sonne kam wie an jedem Morgen und danach gab es Körner, denn das ist der Unterschied. Der eine saß hoch und hatte nichts lieb, der andere ging unten im Staub und hatte alles lieb, was um ihn her Gackerte und pickte und lebte.
Am Abend saßen die Hühner auf ihrer Stange, eng aneinandergerückt die Küken tief im warmen Gefieder und der Hofhahn hielt Wache, bis auch das letzte Huhn die Augen zugemacht hatte. Dann steckte er den Kopf unter den Flügel und der Hof schlief, der Schneemann, es knackt und knistert in mir, so herrlich kalt ist es, sagte der Schneemann. Der Wind kann einen wirklich beleben und wie die Glühende dort drüben glotzt, damit meinte er die Sonne, die eben unterging.
Mich soll sie nicht zum Wackeln bringen, ich stehe fest. Der Schneemann hatte 2 Dachziegelstücke als Augen und den Rest eines alten Rechens als Mund und darum konnte er sogar lächeln, wenn auch etwas zackig. Die Jungen hatten ihn am Morgen gebaut, mitten im Hof, und er war ihnen gut gelungen. Als die Sonne fort war, stieg auf der anderen Seite der Mond herauf, rund und blank, da kommt sie schon wieder, sagte der Schneemann, ich habe sie mir nur eben abgewöhnt.
Nun mag sie dort hängen und leuchten, damit ich mich selber sehen kann. Der alte Kettenhund vor seiner Hütte hob den Kopf, die Sonne wird dich schon laufen lehren, sagte er heiser. Das da oben ist der Mond und das vorhin, das war die Sonne, und wenn sie wiederkommt, wirst du es merken. Der Schneemann verstand das nicht, aber es klang, als wüßte der Hund Bescheid.
Die Nacht war hoch und klar und der Schneemann bekam seinen ersten Sternenhimmel zu sehen. Er fand ihn gelungen, das da oben sagte er zum Kettenhund, sind wohl auch so kleine Glühende, das sind die Sterne, sagte der Hund, die sind weit weg und tun keinem etwas. Weit weg und tun keinem etwas, wiederholte der Schneemann zufrieden.
Das nenne ich eine gute Einrichtung und dann standen sie beide still und sahen hinauf, der eine, weil er zum ersten Mal sah, der andere, weil er es nie müde geworden war und der Frost knisterte dazu im Zaun wie ein kleines Feuer. Das nicht wärmt. In der Nacht kam Frost und am Morgen war die Welt ein Wunder. Jeder Zweig stand weiß und glitzernd, der ganze Garten war wie ein Wald aus Korallen und als die Sonne aufging, funkelte es über allen Bäumen, als sei Diamantstaub gestreut. Ein junges Paar ging durch den Hof. Blieb stehen und sah den Schneemann an. Sie sagte das Mädchen, ein Prächtigerer, steht in diesem Winter nirgends, der Schneemann hörte es wohl und fühlte sich noch einmal so fest.
Am Tag kamen die Jungen, die ihn gebaut hatten, und besserten ihn aus, der eine drückte ihm die Dachziegelaugen fester, der andere brachte ihm einen alten Hut. Und ein dritter opferte einen halben Schal. Nun bist du der feinste Mann im Hof, sagten sie. Und der Schneemann glaubte es aufs Wort. Er stand den ganzen Nachmittag ein wenig gerader als vorher, der Kettenhund sah zu und sagte nichts, er kannte das mit den Hüten, sie machen stolz. Aber sie halten nicht warm und gegen das, was kommen sollte, half kein Schal der Welt.
Aber warum soll man einem glücklichen Schneemann den Winter verderben? Der Hund war alt genug, um schweigen zu können, gegen Mittag aber sah der Schneemann durch das Kellerfenster des Hauses in die Stube der Haushälterin, und da stand der Ofen, schwarz und blank. Mit einem Feuerschein im Bauch ein wunderliches Gefühl überkam, den Schneemann. Einziehen und sehnen, dass er sich nicht erklären konnte. Da hinein muss ich, sagte er da hinunter zu ihr, der Kettenhund sagte, dahin kommst du nie, und wenn du zum Ofen kommst dann bist du weg, weg, weg, aber der Schneemann stand von da an so, dass er das Kellerfenster im Auge behalten konnte und abends, wenn drinnen die Flamme schien, wurde ihm ganz feierlich zumute von seinem Platz aus konnte der
Schneemann genau in die Kellerstube sehen und abends, wenn drinnen angezündet wurde. Begann für ihn die schönste Stunde. Erst kam der kleine Feuerschein, dann das warme Rote Glühen, das über die Stubendecke lief, und manchmal öffnete jemand die Ofentür und dann leuchtete es bis über den Hof herauf und lag rosig auf dem Schnee.
Der Schneemann fühlte dann etwas, wofür er kein Wort hatte. Es zog in ihm, es sehnte sich, es war beinah wie schmelzen und doch süß. So etwas Schönes, dachte er, und so etwas fernes, und er konnte die Augen nicht abwenden, denn dachziegelaugen können das nicht, die sind immer offen. Der Kettenhund wusste, wovon er sprach.
Denn er hatte in jungen Jahren selbst hinter diesem Ofen gelegen, damals, als er noch drinnen wohnen durfte. Und er erzählte dem Schneemann davon in den langen blauen Abendstunden. So verging der Winter Tag um kalten Tag und der Schneemann sehnte sich, und der Hund erzählte, und nachts knackte der Frost in den Zäunen und.
Und das war eine Gesellschaft, mit der sich leben ließ. Ich habe hinter so einem Ofen gelegen, erzählte der Kettenhund in einer dieser blauen Stunden damals, als ich jung war und Ami hieß und drinnen wohnte. Auf einem Samtkissen, habe ich gelegen, gnädige Hände haben mich gekrault und der Ofen schnurrte die ganze Nacht wie ein großes schwarzes Tier, das es gut mit einem meint. Und warum bist du nicht mehr drin, fragte der Schneemann. Ich habe gebissen, sagte der Hund ehrlich einmal den falschen Menschen am falschen Tag seither die Kette siehst du, sagte er dann, das ist der Unterschied zwischen uns, ich darf nicht mehr zum Ofen, du kannst nicht zum Ofen. Aber das Sehnen, das ist bei uns
beiden dasselbe und es wird abends schlimmer. Dann drehte der Wind und das Tauwetter kam. Es tropfte von den Dächern, der Schnee wurde grau und müde und der Schneemann wurde von Tag zu Tag kleiner und sagte kein einziges Klagewort. Eines Morgens war er in sich Zusammengesunken. Und wo er gestanden hatte, ragte nur noch ein Besenstiel auf. Der Stiel eines alten Ofenkratzers, um den die Jungen ihn gebaut hatten.
Sieh an, sagte der Kettenhund, ein Ofenkratzer hat in ihm gesteckt, darum also die Sehnsucht, nun hat sie ein Ende, und er legte den Kopf auf die Pfoten. Bald darauf war auch der Winter zu Ende. Die Mädchen sangen im Hof das alte Frühlingslied vom Waldmeister und vom Weidenbaum, und die Sonne bekam wieder warme Hände. An den Schneemann dachte dann niemand mehr, nur der Kettenhund vielleicht an manchen kühlen Abenden, wenn er die Schnauze nach dem Keller drehte, in dem der Ofen leise Bullerte. Aber so ist es mit den Schneemännern. Sie kommen mit dem ersten Schnee, Sie gehen mit dem letzten und dazwischen stehen Sie still im Hof und sehen freundlich in die Welt im Entenhof auf dem Entenhof lebte eine Ente aus Portugal.
Jedenfalls sagte sie das von sich. Und niemand konnte das Gegenteil beweisen. Sie war die vornehmste im ganzen Hof, denn sie war von portugiesischer Abstammung und alles, was sie tat, tat sie mit Abstammung. Die anderen Enten waren gewöhnliche Enten, dazu kamen die Hühner, der Hahn und 2 chinesische Hennen. Die die Portugiesin beinahe gelten ließ, weil sie wenigstens von weit her waren.
Woher die portugiesische Abstammung eigentlich kam, wusste im Hof niemand mehr genau, sie selbst am allerwenigsten, es hieß, ihre Großmutter sei einst mit einem Schiff gekommen und Schiff und Portugal, das lag für den Entenhof nah beieinander. Jedenfalls hatte die Portugiesin aus der Herkunft ein Amt gemacht.
Sie ging voran, wenn es zum Wasser ging, sie schnatterte zuerst, wenn etwas zu beurteilen war, und sie beurteilte alles, der Hahn ließ sie gewähren, denn er war für die Zeit zuständig und nicht für den Ton und die gewöhnlichen Enten hatten sich daran gewöhnt, wie man sich an Wetter gewöhnt. Eines Tages flatterte etwas über den Zaun.
Ein kleiner Singvogel, zerzaust und mit einem lahmen Flügel, dem eine Katze zugesetzt hatte. Der arme Kleine sagte, die Portugiesin kommt her zu mir, ich habe ein Herz für das feine, Ich bin selbst aus einem fernen Land, und sie nahm den Singvogel unter ihre Fittiche. Ordnete sein Gefieder mit dem Schnabel und erklärte dem ganzen Hof, was Barmherzigkeit sei.
Die anderen Enten Schnatterten dazu die chinesischen Hennen sagten Pi und Pi und der Singvogel bedankte sich leise und höflich, denn das Herz tat ihm noch weh. Die ersten Tage im Hof taten dem kleinen Vogel gut. Der Flügel heilte das Herz auch und abends, wenn der Hof zur Ruhe kam, erzählte er ein wenig von seiner Welt, vom Garten hinter dem Zaun, wo die Kirschen so dicht hängen, dass sich die Zweige biegen, vom Fliegen über den Teich, wenn das eigene Spiegelbild unten mitfliegt, und vom Morgenlied, das man hoch oben in der Linde singt, wo der Wind die Töne gleich mitnimmt und verteilt. Die jungen Enten hörten mit offenen Schnäbeln zu. Sie waren noch nie höher gewesen als der Gartenzaun und auch das nur im Traum.
Ein paar Tage ging alles gut, der Singvogel bekam von den besten Körnern und die Portugiesin erzählte jedem, der es hören wollte und auch jedem, der es nicht hören wollte, wen sie da aufgenommen habe und was das sie koste. Als es dem kleinen Vogel besser ging, wurde ihm das Herz leicht und da tat er, was Singvögel tun.
Er setzte sich auf den Zaunpfahl und sang hell und süß mitten in den Nachmittag hinein, da wurde es still auf dem Hof, die Enten hoben die Köpfe, die Hühner vergaßen das Scharren und sogar der Hahn ließ das Krähen sein. Die beiden chinesischen Hennen führten in diesen Tagen lange Gespräche unter 4 Augen, das heißt, sie sagten abwechselnd PI und meinten jedes Mal etwas anderes. Übersetzt lief es ungefähr darauf hinaus, dass der kleine Sänger ohne Zweifel von guter Herkunft sei, vermutlich aus einem Garten mit Springbrunnen, mindestens, man höre das am Vortrag.
Nur eine Ente könne dergleichen nicht hören, setzten sie hinzu und sahen dabei sehr nach der Portugiesin hin, ohne hinzusehen. Eine Kunst, in der chinesische Hennen unerreicht sind so hatte der Hof seine feinen Fronten, wie jeder Hof, der kleine Vogel sang derweil und ahnte nichts, Sänger ahnen selten etwas, dafür singen sie.
Wie er sang, es war nur ein kleines Lied, aber es hatte den Garten darin und den Teich und das Morgenlicht, und es machte etwas mit dem Hof, das der Hof nicht gewohnt war. Es machte ihn still, die alte Gesprenkelte Henne vergaß ein Korn, das schon vor ihr lag. Der Erpel stand auf einem Bein und wusste es selbst nicht. Und die beiden chinesischen Hennen sahen einander an und sagten diesmal gar nichts, was bei ihnen das höchste Lob war. Sogar oben auf dem Dach saß ein Spatz und hörte zu und Spatzen sind schwer zu beeindrucken, die Hören in der Stadt allerhand, nur die Portugiesin war gekränkt. Erst ist er von meinen Körnern, sagte sie, und dann singt er, ohne mich zu fragen, und alle
sehen ihn an, statt mich. Das nenne ich keine Erziehung, und sie kam mit gerecktem Hals über den Hof, um dem Kleinen die Meinung zu schnattern, aber der Singvogel spürte den Wind davon. Und da probierte er zum ersten Mal wieder seinen heilen Flügel. Und siehe, der Flügel trug, erhob ihn über den Zaun über den Holunderbusch hinauf in die freie Luft und von dort oben sang er noch einmal zum Abschied, und es klang kein bisschen böse, es war ein guter Augenblick zum Fliegen.
Und der kleine Vogel nutzte ihn klug erst auf den Zaun, dann, als die Portugiesin Schnatternd anrückte, ein Probeschlag, ein zweiter, und dann trug ihn der Flügel wirklich erst schief, dann rund hinauf über den Holunder und mit jedem Schlag wurde er sicherer. Und das Schnattern unter ihm kleiner vom Kirschbaum im Nachbargarten sang er dann sein Abschiedslied, und wer genau hinhörte, fand darin keine einzige Spitze Note. Er bedankte sich sogar auf Singvogelart für Körner und Obdach, nur die Erziehungsfrage, die ließ er offen. Die klärt jeder Vogel am besten in der Luft. Da war er nun fort und der Hof beruhigte sich wie ein Hof sich eben beruhigt.
Undankbar sagte die Portugiesin, aber was will man erwarten, er war ja nicht aus Portugal. Die chinesischen Hennen sagten PI. Der Erpel sagte, nun sei auch gut, es gebe gleich Futter, und darin hatte er recht. Am Abend saß der ganze Hof satt und rund in der Dämmerung und aus dem Garten hinter dem Zaun kam ganz fern und frei noch einmal ein kleines Lied, die Enten steckten die Köpfe unter die Flügel, es hörte sich gut an beim Einschlafen und.
Das musste sogar die Portugiesin zugeben. Es ist ganz gewiß, es war eine ganz kleine Geschichte, und sie geschah in einem Hühnerhaus am Abend, als die Sonne unterging und die Hühner auf ihre Stange flogen, eine weiße Henne, ehrbar und Wohlgelitten. Putzte sich vor dem Schlafen die Federn, wie es sich gehört, und dabei löste sich ihr eine einzige kleine Feder und segelte zu Boden.
Je mehr ich mich putze, sagte die Henne im Scherz, desto schöner werde ich wohl und damit schlief sie ein, denn es war ein langer Tag gewesen und ein guter. Es war ein Abend wie jeder andere im Hühnerhaus. Die Stange war voll besetzt, man rückte und ruckelte sich zurecht, die alte Legende bekam wie immer den Platz am Pfosten, weil sie es am Rücken hatte, und von draußen kam durch die Bretter ritzen der Geruch des Abends, Gras, Staub und ein wenig Regen, der noch überlegte, man erzählte sich die Neuigkeiten des Tages. Und es waren keine.
Der Habicht war nicht dagewesen, das Futter war gewesen, wie immer, ein Wurm war besonders lang gewesen, es war mit einem Wort Frieden und mitten in diesen Frieden hinein war nun diese eine kleine Feder gesegelt, aber die Henne daneben hatte es gehört, und ehe sie einschlief, sagte sie zu ihrer Nachbarin, hast du gehört? Ich nenne keine Namen, aber hier ist eine Henne, die sich die Federn ausrupft um schön zu sein. Oben unterm Dach saß die Eule und Eulen hören alles, sie flog noch in derselben Stunde zur Nachbareule hinüber, im Hühnerhaus drüben, sagte sie, Rupft sich eine Henne alle Federn aus dem Hahn zuliebe, sie wird sich noch erkälten. Wenn sie es nicht schon ist.
Hu HU sagte, die andere Eule. Und wo drüben, sagte die erste und beide sahen bedeutend in die Nacht. Von den Eulen kam es zu den Tauben, von den Tauben zum Nachbarhahn und jeder gab ein Federchen dazu. Aus einer Henne wurden 2, aus 2 wurden 3 und. Und gegen morgen wusste die ganze Straße, 5 Hühner haben sich sämtliche Federn ausgerupft, um zu zeigen, wer von ihnen sich am meisten vor Kummer um den Hahn verzehrt habe. Und nun stehen sie nackt und bloß und es ist ein Jammer. Und weil es so ein erstaunlicher Fall war, wurde er aufgeschrieben und gedruckt, und am Ende stand in der Zeitung Schwarz auf Weiß und.
Es ist ganz gewiss. Den letzten Schliff bekam die Geschichte beim Nachbarhahn, der sie am Morgen von den Tauben übernahm und Kraft seines Amtes verkündete. Ein Hahn, der etwas verkündet, prüft nicht mehr, er verkündet, dafür ist er Hahn, und weil im Ort gerade ein Blättchen gedruckt wurde, das für solche merkwürdigen Begebenheiten immer eine Ecke frei hatte. Stand die Sache tags darauf wirklich gedruckt da, mit allem, was inzwischen dazugewachsen war? Die 5 Hühner, die ausgerupften Federn, der Gram um den Hahn gedrucktes aber glaubt man das, ist eine alte Sache, was gestern noch ein Abendscherz auf einer Hühnerstange war, hatte nun Buchstaben und war damit Wahrheit geworden, schwarz auf weiß, mit Ausrufezeichen.
Die Zeitung kam auch in das Hühnerhaus, in dem alles angefangen hatte und die Hühner steckten die Köpfe zusammen und waren ehrlich empört über diese 5 fremden Hühner. Die weiße Henne war am aller Empörtesten, denn sie ahnte nicht, dass sie selbst die Geschichte war, sie hatte ja alle ihre Federn, sie hatte immer alle gehabt, bis auf die eine Kleine. Die beim Putzen gefallen war.
Solche Hühner, sagte sie, gibt es bei uns zum Glück nicht. Im Hühnerhaus wurde die Zeitungsstelle dreimal vorgelesen, denn die jüngste konnte es am besten und nach jedem Vorlesen war die Empörung um eine Federbreite gewachsen, man beschloss, sich von derartigen Hühnern öffentlich zu distanzieren. Was dadurch geschah, dass man den ganzen Vormittag besonders würdevoll scharrte.
Die weiße Henne schlug außerdem vor, dem bedauernswerten Hahn jener 5 ein Beileid zu senden, und nur weil niemand wusste wohin, unterblieb es, so viel Anteilnahme war selten im Hof, und alles wegen einer Geschichte, die keinen Schritt weit wahr war. Aber das sind ja oft die Rührendsten. Nur die alte Legende am Pfosten, die älteste im Haus, beteiligte sich nicht an der Empörung, sie hatte in ihrem langen Leben zu viele Geschichten wachsen sehen und kannte die Rasse Kinder, sagte sie, als ich die Aufregung gelegt hatte, merkt euch eines eine Feder, die zu Boden fällt, macht keinen Lärm. Aber eine Feder, die von Schnabel zu Schnabel geht, wird unterwegs zum Federbett und am Ende erstickt die Wahrheit darunter, redet also über eure
Nachbarn, wie ihr über euer eigenes Gefieder redet. Erst putzen, dann urteilen, dann steckte sie den Kopf unter den Flügel, denn mehr Weisheit gibt eine Henne an einem Abend nicht her, und das war auch genug. So war am Ende niemandem etwas geschehen, kein Huhn war nackt, keines war krank, alle saßen warm und vollzählig auf ihrer Stange, nur eine kleine Feder lag unten im Stroh und wusste nicht, was sie angerichtet hatte. Aber das ist der Lauf solcher Geschichten, aus einer Feder werden über Nacht 5 Hühner.
Im Hühnerhaus wurde es dunkel und still. Ein letztes Glucksen, ein Rascheln im Stroh und dann schliefen sie alle, die ehrbaren und die neugierigen, und draußen stand der Mond überm Dach und behielt die Geschichte für sich. Suppe von einem Wurstspeiler tief unter den Dielen im Reich der Mäuse. Hatte der Mäusekönig ein Wort ausgegeben, wer die beste Suppe von einem Wurstspeiler zu kochen verstehe? Von so einem dünnen Holzstäbchen also, wie es in der Speisekammer bei den Würsten liegt, die solle Königin werden. 4 junge Mäuse zogen daraufhin in die weite Welt, eine nach Norden, eine nach Westen, eine nach Süden.
Eine in die große Stadt, um die Kunst zu erlernen. Ein Jahr und einen Tag blieben sie fort, und dann war großer Empfang in der Halle unter den Dielen und 3 von ihnen waren wiedergekommen. Das Reich der Mäuse unter den Dielen war ein ordentliches Reich, es hatte seine Straßen und seine Plätze, seine Vorratskammern hinter der Speisekammer der Menschen. Die Lage war ausgesucht günstig und seine große Halle unter dem Wohnzimmer, wo es warm von oben herunterkam. Der Mäusekönig regierte milde und mit Appetit, und sein Wort galt viel, seit er einmal einer Falle nicht nur entkommen war, sondern den Speck auch noch mitgebracht hatte. Ein König, der Speck mitbringt, hat leichtes Regieren. Aber nun war er in die Jahre
gekommen, in denen Könige an Königinnen denken. Und so kam es zu dem berühmten Ausschreiben. Die erste Maus erzählte vom hohen Norden, sie war mit ihrem Wurstspeiler durch große Wälder gereist und in einer hellen Sommernacht hatten die Elfen dort ein Fest gefeiert und keinen Maibaum gehabt. Da hatten sie sich ihren Wurstspeiler geliehen, ihn mit Spinnweben und Tautropfen geschmückt und um ihn getanzt, bis er glänzte.
Wie Silber, seht ihn an, sagte die Maus, so schön kam er zurück, aber Suppe, das gestehe ich, ist daraus nicht geworden, nur die Erkenntnis. Dass auch ein Wurstspeiler glänzen kann, wenn man ihn feiern lässt. Von ihrer Reise in den Norden erzählte die erste Maus noch mehr und man ließ sie, denn sie erzählte gut von der Fahrt im Heuschiff über den Sund, vom Wald, in dem es nach Harz und Erde roch und die Nächte nicht dunkel werden wollten, und von der Elfenwiese. Die man nur findet, wenn man nicht danach sucht. Die Elfen, sagte, sie seien so leicht gewesen, dass das Gras unter ihnen nicht einmal nickte, und ihre Musik habe man nicht mit den Ohren gehört, sondern mit dem Fell, da hätten alle jungen Mäuse in der Halle das
eigene Fell gespürt und ein Schauer lief die Reihen entlang, der beste Beweis, dass. Dass die Geschichte stimmte. Die zweite Maus war im Westen bei den Dichtern gewesen, sie hatte Verstand gegessen, einen ganzen Ameisenhaufen voll, dazu Phantasie und Gefühl, und sie erklärte nun die wahre Suppe von einem Wurstspeiler sei die Geschichte, die man darüber erzählen könne. Denn davon werde das ganze Volk satt. Das gefiel den jungen Mäusen sehr und dem Mäusekönig gar nicht, denn von Geschichten, sagte er, sei noch kein Topf voll geworden.
Die dritte Maus war nicht wieder gekommen, sie hatte unterwegs, so hieß es, den Speiler gegen ein Stück Speck getauscht. Und war in der Fremde glücklich geworden. Und vielleicht war das auch eine Art Antwort. Auch die Zweitmaus bekam ihre Zugabe, denn die Halle wollte wissen, wie man Dichterin wird. Zuerst, sagte sie, esse man verstand, davon werde man klug, aber trocken, dann Fantasie, davon werde man bunt. Aber haltlos und zuletzt Gefühl, davon werde alles warm und richte sich von selbst.
Und dann müsse man hungrig bleiben, das sei das wichtigste, denn satte Dichter erzählten nur noch vom Essen, die Halle nickte tief, nur der Mäusekönig Murrte. Ihm sei eine satte Köchin lieber als eine hungrige Dichterin. Und auch das wurde später oft zitiert, die vierte Maus aber, die aus der großen Stadt, trat vor und sagte, Ich habe bei der Eule im Turm gewohnt und die Eule ist der klügste Vogel, den es gibt, und die Eule hat gesagt, Suppe von einem Wurstspeiler ist eine Redensart der Menschen. Und heißt so viel wie etwas aus nichts machen und darum, Herr König, braucht es zu dieser Suppe nur heißes Wasser, einen Topf und euch selbst.
Ihr taucht den Schwanz hinein und rührt um, und was dann im Topf ist, ist königliche Suppe, denn ihr habt sie gerührt und mehr war nie darin, bei der Eule im Turm erzählte die vierte Maus, die. Gehe es zu wie in einer sehr alten Schule, man sitze im Dunkeln, schweige und warte. Und irgendwann, wenn man das Warten gelernt habe, spreche die Eule. Sie habe 3 Nächte gewartet, in der ersten habe die Eule geschlafen, in der zweiten habe sie gefressen und in der Dritten habe sie das eine gesagt, weswegen die Maus gekommen war. Den Satz von der Redensart und vom etwas aus nichts große Weisheit sagte, die Maus ist immer kurz, nur der Weg zu ihr ist lang und man muss die Mäusebeine dafür in die Hand nehmen.
Das war eine Antwort nach dem Geschmack des Königs, denn sie machte ihn selbst zur Hauptzutat. Die vierte Maus wurde Königin und die Suppe, so wurde beschlossen. Solle zur goldenen Hochzeit gekocht werden? Bis dahin habe sie Zeit, ein paar alte Mäuse murrten hinterher, das Ganze sei doch nur mäuseschwanzsuppe, aber sie sagten es leise und erst auf dem Heimweg unten in der Halle wurden die Lichter aus Speckstückchen gelöscht, das Volk trippelte in seine Gänge.
Und im Vorratsraum lag der Silberglänzende Wurstspeiler aus dem Elfenwald und hatte von allen die schönste Reise hinter sich. Die Hochzeit wurde gefeiert wie unter den Dielen noch keine gefeiert worden war, es gab Speckseiten und Käserinden, einen Brotkrumenberg, der 3 Tage vorhielt und zum Nachtisch für jeden ein Stückchen Zucker.
Dass die Brautmäuse eigenhändig aus der Dose im Küchenschrank befördert hatten, ein Kunststück, von dem noch die Enkel erzählen sollten. Getanzt wurde bis in den Morgen im Kreis und in der Kette, und der Mäusekönig tanzte mit seiner klugen Königin voran und trat ihr nur zweimal auf den Schwanz, was bei Königen als ausgesprochen gelungen gilt.
Von der Suppe sprach an diesem Abend niemand mehr, wozu auch, es war ja etwas aus nichts geworden, und zwar das Beste, was daraus werden kann, ein Fest, was die ganze Familie sagte. Es war Geburtstag im Haus und die kleine Marie wurde gefeiert, sie bekam eine Puppe, ein Bilderbuch und einen Kuchen mit Lichtern darauf und.
Und sie klatschte in die Hände und rief. Es ist schön zu leben, das war das Erste, was an diesem Tag über das Leben gesagt wurde, und es kam von der Jüngsten im Haus. Der Geburtstag hatte schon am Morgen angefangen, wie sich das gehört mit Flüstern hinter der Tür, mit einem gedeckten Tisch, auf dem die Geschenke unter einem Tuch lagen.
Und mit dem Lied, das die Familie mehr mit Herz als mit Kunst sang. Marie saß dabei auf dem Ehrenplatz, dem Stuhl mit dem geschnitzten Rücken, und ließ die Beine baumeln, die noch lange nicht bis zum Boden reichten und als das Tuch gelüftet wurde, vergaß sie vor Freude das Atmen für einen Augenblick, es waren gar keine großen Geschenke. Aber für Geburtstagsaugen gibt es keine Kleinen. Die Puppe hatte ein Kleid aus echtem Samt und Augen, die Zugingen, wenn man sie hinlegte.
Marie probierte es gleich 20 mal, und es wurde nicht langweiliger, das Bilderbuch hatte goldene Kanten und auf der ersten Seite stand mit Tinte ihr Name von der Hand des Vaters in seiner schönsten Schrift. Die er sonst nur für wichtige Papiere nahm. Das war vielleicht das Größte an diesem Morgen, der eigene Name, so feierlich geschrieben, als sei man selbst etwas Wichtiges, ist man ja auch an seinem Geburtstag ganz besonders. Marie fuhr mit dem Finger die Buchstaben nach und beschloss, nie wieder auf diese Seite zu malen, ein großes Versprechen für 6 Jahre.
Sie hat es sogar beinahe gehalten, ihre beiden Brüder, der eine 9, der andere 11 Jahre alt, fanden dasselbe, jeder auf seine Art leben, das hieß für sie Rennen und Raufen und Ranzen in die Ecke werfen, im Sommer schwimmen und im Winter Schlittschuhlaufen. Es ist schön zu leben, sagten sie und meinten die Ferien. Die großen Brüder, die schon beinahe erwachsen waren, meinten es auch, aber sie meinten die weite Welt, damit die Schiffe und die fremden Städte, in die sie bald hinaus wollten, und die Eltern sahen einander an und lächelten, denn sie hörten aus jedem Mund dasselbe Lied in einer anderen Tonart. Der Sommer der Brüder Roch nach Fluss und Heu. Sie hatten eine Stelle am Wasser, die außer ihnen niemand kannte.
Glaubten sie wenigstens. Und der halbe Ort ließ ihnen den glauben, und dort wurde geschwommen, gebaut, getaucht und Weltrekord gehalten. Jeden Tag ein neuer, Abends kamen sie heim, mit nassen Haaren und großem Hunger, und wenn die Mutter fragte, wie es gewesen sei, sagten sie. Gut, mehr war aus ihnen nicht herauszubringen und mehr braucht es auch nicht in dem einen Wort war der ganze Fluss drin, oben in der Mansarde aber wohnte der Pate, der älteste von allen, und zu ihm zog es Marie am Nachmittag hinauf, mit einem Stück Geburtstagskuchen in der Hand, in seiner Stube roch es nach altem Papier, an den Wänden hingen Bilder aus seinem langen Leben. Und auf dem Tisch lag das große Buch der Bücher. Der Pate nahm Marie auf die Knie
und blätterte mit ihr durch die Bilder, und zu jedem wusste er eine Geschichte, und manche war lustig, und manche war still in der Mansarde des Paten hatte jedes Ding seine Geschichte, und Marie kannte die Rituale. Erst durfte sie die Muschel ans Ohr halten, in der das Meer wohnte. Dann das Schiff in der Flasche ansehen, das der Pate als junger Mann von einer weiten Reise mitgebracht hatte und zuletzt die Spieluhr aufziehen, die ein Menuett spielte.
Ein wenig müde, inzwischen, aber tapfer zu jedem Stück gab es die Geschichte dazu, und Marie kannte sie alle auswendig und wollte sie trotzdem jedesmal wieder hören. Das ist das Geheimnis der guten Geschichten. Sie nutzen sich nicht ab, sie werden eingewohnt weißt du, sagte Der Pate zuletzt, deine Brüder haben Recht und deine Eltern haben Recht und du hast am meisten recht, das Leben ist das schönste Märchen, das es gibt, man ist selbst mitten darin und weiß nie, was auf der nächsten Seite kommt.
Und das Schöne daran ist, es liest uns jemand vor, der die Geschichte gut mit uns meint. Das Verstand Marie ungefähr zur Hälfte, aber die Hälfte war die Richtige und wer liest uns vor, wollte Marie noch wissen und wie geht die Geschichte aus? Der Pate Wiegte den Kopf, das vorlesen, sagte er. Merkt man erst mit den Jahren und das Ende.
Sieh das ist das Feine daran, in einem guten Märchen fürchtet man sich mittendrin manchmal, aber man weiß die ganze Zeit, dass es gut ausgeht, genau so darfst du es mit dem Leben halten. Mittendrin darf einem bange werden, nur das Vertrauen aufs Ende, das gibt nicht her. Das Verstand Marie wieder ungefähr zur Hälfte, aber es war wieder die richtige Hälfte und sie nahm sie mit hinunter zum Abendbrot wie ein Geschenk.
Mehr am Abend saß die ganze Familie noch einmal um den Tisch, die Lichter vom Kuchen brannten ein letztes Mal und jeder sagte auf seine Weise, was alle meinten, es ist schön zu leben. Sagte Marie und Gähnte dabei so herzlich, dass alle lachten und die Mutter sie zu Bett brachte. Und während das Haus dunkel wurde, Zimmer um Zimmer, blieb der Satz noch ein wenig wach und ging von Tür zu Tür und zuletzt legte er sich zum Paten in die Mansarde, wo das große Buch lag, und schlief dort ein. Die Nachbarfamilien am Dorfteich stand ein Bauernhaus und an seiner Mauer blühte ein großer Rosenstrauch und über dem Rosenstrauch in einem alten Schwalbennest wohnten die Sperlinge.
Vater, Mutter und 3 Junge, das waren die Nachbarfamilien, die Rosen unten, die Sperlinge oben. Und sie hatten verschiedene Ansichten. Die Rosen sahen still ins Wasser und Dufteten und fanden, mehr müsse man vom Leben nicht verlangen. Die Sperlinge fanden, die Rosen brächten es zu nichts, kein Nest, keine Jungen, nur herumstehen und schön sein, Piep, sagten die jungen Sperlinge. Und das war ihr ganzes Urteil zwischen den beiden Familien wurde über die Gartenfragen hinweg durchaus verkehrt auf Nachbarschaftsart, wenn die Rosen am Morgen ihren Duft aufmachten, schnupperten die Sperlinge oben im Nest und sagten, nun ja, es riecht, als Nahrung taugt es nichts, und wenn die Sperlinge badeten im
Staub des Weges mit einem Eifer, dass es nur so Stob. Sahen die Rosen still zu und dachten, man kann sich auch mit Staub waschen. Es muss ja jeder wissen, aber wenn der Habicht über dem Teich stand, warnten die Rosen mit keinem Blatt zu rascheln. Zwar nicht, das können Rosen nicht, doch sie hielten den Atem an, das spürte man Nachbarn eben, man versteht sich nicht, aber man gehört zusammen, die Sperlingsmutter war eine tüchtige Frau.
Sie brachte ihren Dreien das Fliegen bei und das Fürchten der Katzen. Und dazwischen erzählte sie vom Dorf und von den Menschen, so gut sie es wußte. Eines Tages aber geriet sie den Knaben des Dorfes in die Hände, die allerlei Unfug im Kopf hatten, sie kam erst gegen Abend wieder frei und flatterte müde und zerzaust heim.
Und der Sommer war ihr in einem einzigen Tag lang geworden. Sie setzte sich unten in den Rosenstrauch, wo es weich war und gut roch. Ihr Rosen, sagte sie leise, Ihr habt es vielleicht doch am besten, und eines morgens, nicht lange danach, lag sie still zwischen den Rosen, als schliefe sie nur, und die Rosen hielten ihr die Blätter über den Kopf.
Ehe das geschah, hatte die Sperlingsmutter noch das Beste ihres Sommers erlebt, den Tag, an dem ihre 3 flügge wurden, eines nach dem anderen hatte sich auf den Nestrand gewagt, mit viel Geschrei und wenig würde, und war Hinuntergeflattert auf den Rosenstrauch, der die kleinen Poltergeister geduldig auffing und sich nicht einmal über die zerdrückten Blüten beklagte. An jenem Abend saß die Mutter lange auf dem Dachfirst und sah auf ihr Nest, das nun zu groß geworden war und auf den Strauch, in dem ihre Kinder schliefen. Und sie war müde und zufrieden, wie man nur nach gelungener Arbeit ist.
Die 3 jungen Sperlinge zerstreuten sich in die Welt wie junge Sperlinge das tun einer aufs Nachbardach. Einer an den Mühlbach, einer in die Stadt. Das alte Bauernhaus wurde später abgetragen, die Menschen zogen fort und nur der Rosenstrauch blieb stehen und blühte am Teich weiter, als hätte ihn jemand darum gebeten.
Die Schwalben kamen wieder, die Jahre gingen und der Strauch wurde von Sommer zu Sommer schöner, es erging ihn unterschiedlich. Wie Geschwistern eben, der auf dem Nachbardach heiratete früh und hatte bald selbst ein Nest voller Piep, der am Mühlbach wurde ein Original, das mit den Enten stritt und die Müllersleute imitierte.
Dass die Spatzen von den Dächern lachten, der in der Stadt aber lernte, das harte Brot der Straßen kennen und auch das gute, er wohnte am Marktplatz. Wofür einen wachen Sperling immer etwas abfällt? Und wurde ein grauer, kluger Stadtvogel, der die Menschen kannte wie kein Zweiter. Nur wenn irgendwo Rosen dufteten, saß er still und war eine Weile nicht anzusprechen, das trug er von daheim mit sich herum, so etwas verfliegt nicht, auch bei Sperlingen nicht, und dann geschah das Merkwürdige. Ein Maler fand den blühenden Strauch am Stillen Teich, malte ihn mit aller Sorgfalt und das Bild kam weit herum. Und weil der Strauch so schön war, wurde er am Ende behutsam ausgegraben und in die große
Stadt gebracht und dort in einem Museumshof neu gepflanzt, an einem Grab, in dem ein berühmter Meister ruhte, als schönster Schmuck, den man finden konnte. Da stand er nun zwischen Marmor und altem Gemäuer und duftete wie damals am Teich. Der Museumshof war ein stiller, feierlicher Ort, hohe Mauern in warmem Gelb, in der Mitte das schlichte Grab mit dem großen Namen und darüber der offene Himmel, denn der Meister hatte es so gewollt. Kein Dach zwischen ihm und den Wolken. Und mitten in dieser Stille nun der Rosenstrauch vom Dorfteich, der von all dem Nichts wusste und einfach tat, was er immer getan hatte, blühn die Besucher, die kamen, um Marmor zu sehen, blieben oft am längsten bei ihm
stehen, so weit kann man es bringen. Wenn man nur beharrlich an seiner einen Sache bleibt und die Sache schön genug ist und eines Frühlingstages saßen auf der Museumsmauer 3 alte Sperlinge, die einander lange nicht gesehen hatten und sahen auf die Rosen hinunter. Kennt ihr die, sagte der eine, das sind doch die Rosen von daheim, sagte der zweite. Die Nachbarsleute Piep sagte, der dritte, und das hieß ja und wie die Zeit vergeht, und sie erzählten einander den Nachmittag lang von der Mutter, vom Nest und vom Teich. Unten dufteten die Rosen in der Abendsonne still und reichlich, wie sie es immer getan hatten, und. Und wer von den beiden Nachbarfamilien es nun weiter gebracht hatte, das war auf
einmal keine Frage mehr, denn hier saßen sie ja wieder beieinander, 12 mit der Post. Es war in der Silvesternacht draußen vor dem Stadttor, und der Schnee lag frisch, da hörte der Wächter ein Posthorn und die große Postkutsche fuhr heran und Herausstiegen. 12 Reisende einer nach dem anderen, jeder mit seinem Gepäck und seinen Papieren 12 auf einen Schlag, sagte der Wächter. Und wer seid ihr, wir sind die 12 Monate, sagte der erste, und jeder von uns bleibt, bis sein Dienst um ist. Und dann stellten sie sich vor der Reihe nach. Dabei führte der Wächter am Tor über alles Buch, was nach Mitternacht ankam und in dieser Nacht hatte er eigentlich Ruhe erwartet, denn zu Silvester reist kein vernünftiger Mensch mehr, die Ankommenden sind da
und die gehenden sind gegangen, der Schnee fiel groß und langsam, wie er nur zu jahreswechseln fällt. Die Stadt hinter ihm feierte hörbar und der Wächter hatte sich gerade die Hände über der Kohlenpfanne gewärmt, als von fern das Posthorn kam. Hell und ordentlich wie ein Ruf, der seiner Sache sicher ist. Da wusste er, das ist keine gewöhnliche Fuhre. Gewöhnliche fuhren Blasen zu Silvester nicht so gerade, der Januar trug einen Bärenpelz.
Und hatte die Taschen voller Neujahrswünsche. Ihm gehörte der erste Monat, der Februar kam als lustiger Geselle mit Masken im Koffer, denn er hatte den Fasching bei sich, und außerdem, sagte er, sei er der kürzeste, das gleiche sich aus. Der März roch schon ein wenig nach Erde und trug ein Bündel Weidenkätzchen. Der April lachte und weinte in einem Atem und hatte Sonnenschein und Regenschauer im selben Sack. Und der Mai, der Mai kam ganz in Grün mit einem Buchenzweig am Hut und wo er stand, roch es nach Wald. Der Februar packte, während er wartete, schon einmal Proben aus, eine halbe Larve, eine Pritsche. Eine Tüte Konfetti, das er im Vorjahr übrig behalten hatte. Man muss die Leute zum Lachen
bringen, erklärte er dem Wächter, gerade wenn draußen das Wetter nichts taugt, dafür bin ich zuständig, und ich nehme es ernst. Ein kurzer Monat, der es ernst nimmt mit dem Lachen, schon deshalb lohnt sich der Februar. Der März daneben sagte wenig und Horchte nur immerzu in die Luft hinaus. Ob nicht schon irgendwo ein Star probte. Er war der Ungeduldigste von allen, was niemand von ihm dachte, weil er so leise auftrat. Der Juni trug einen Korb voller Erdbeeren und die längsten Tage des Jahres bei sich und in seinem Gepäck lag das Johannisfeuer.
Der Juli kam breit und warm mit Badezeug und heuduft und wischte sich die Stirn. Der August fuhr einen kleinen Wagen voll Korn und Obst und sagte nicht viel, denn er hatte zu tun, es war Erntezeit, der September brachte ein Jägerhorn und einen Farbkasten, denn er würde die Wälder anmalen, er. Gelb und Rot und Kupferbraun der Oktober kam mit Drachenschnur und Nebelmantel der Kastanien in den Taschen hatte und der November trug einen großen Schnupfen bei sich und einen noch größeren Vorrat an langen Abenden.
Der Wächter Besah sich pflichtgemäß auch das Gepäck, denn in Ordnung muss sein, sogar bei Monaten. Beim April beanstandete er, dass Sonnenschein und Regenschauer im selben Sack lagen. Das gäbe Wirrwarr, der April lachte und weinte gleichzeitig und sagte, genau so sei es gedacht. Beim Juli fand sich ein ganzes Gewitter, ordentlich verschnürt mit der Aufschrift Erst nach großer Hitze öffnen und beim September klapperte es verdächtig, es waren die Farbtöpfe für die Wälder.
Und der Wächter ließ sie durchgehen unter der Auflage, sparsam mit dem Rot umzugehen. Das sagte der September ernst, könne er nicht versprechen, da winkte ihn der Wächter durch, gegen Ehrlichkeit ist kein Dienstweg gewachsen zuletzt stieg der Dezember aus, ein alter, freundlicher Mann mit einem Kohlenbecken und einem kleinen Tannenbaum unterm Arm.
Und in seiner großen Tasche klapperte es geheimnisvoll. So sagte der Wächter und was wollt ihr alle hier Dienst tun, sagte der Januar, jeder von uns hat seine 4 Wochen ungefähr und wenn einer fertig ist, übergibt er dem nächsten. Es hat noch nie einer geschummelt und es ist noch nie einer zu früh gegangen. Mit dem Dezember wechselte der Wächter noch ein paar Worte. Denn der Alte hatte es nicht eilig, sein Dienst lag ja am weitesten hin, was in der großen Tasche so Klappere, fragte der Wächter.
Geschichten, sagte der Dezember, lauter Geschichten, die Klappern, wenn man sie lange nicht erzählt, ich öle sie dann am Ofen wieder gängig, und der kleine Baum. Der wächst unterwegs, sagte der Dezember. Bis zum Fest ist er groß genug, das macht die Vorfreude, die ist der beste Dünger. Dann trank er mit dem Wächter noch einen Schluck heißen Holunder aus der Blechkanne und die beiden Alten standen eine Weile schweigend im Schneetreiben. Wie Männer stehen, die dasselbe Handwerk achten. Der eine bewacht die Stadt, der andere die Zeit. Und wie wird übergeben, wollte der Wächter wissen. Mit Papieren mit einem Spaziergang sagte der Januar der scheidende und der Kommende gehen eine Stunde miteinander, meistens in der Dämmerung, und
der eine sagt dem anderen, was offen geblieben ist. Ein Nachtfrost, der noch aussteht, ein Vogelzug, der sich verspätet hat. Eine Knospe, die zu früh dran ist und Aufsicht braucht? Dann geben sie einander die Hand und der neue übernimmt und der Alte steigt in die Post und fährt dorthin, wo die Monate warten.
Es soll dort sehr ruhig sein und sie sollen dort alle gut miteinander auskommen, die Junis mit den Novembern, denn Streit gibt es nur unter Monaten, die im Dienst sind. Genauer weiß man es nicht. Die Post fährt ohne Fahrgäste zurück, da ließ der Wächter sie ein, einen nach dem anderen, und der Januar trat als Erster seinen Dienst an, während die anderen 11 im Gasthof zur Jahreszeit ihre Zimmer bezogen und es sich bequem machten. Sie hatten ja Zeit.
So wird das Jahr gebracht mit der Post in der Silvesternacht 12 Reisende und keiner drängelt, draußen fiel wieder Schnee, das Posthorn Verklang hinter den Hügeln und die Stadt schlief in das neue Jahr hinein, ohne zu merken, wie gut sie versorgt war, was der Mond sah. Die erste Nacht in einer großen Stadt unterm Dach wohnte ein armer junger Maler, der niemanden kannte. Seine Kammer war klein, sein Ofen oft kalt und das einzige, was ihn jeden Abend besuchte, war der Mond. Der sah durchs schräge Fenster herein und eines Abends, der Maler wusste selbst nicht, wie es zuging. Fing der alte Mond zu sprechen an? Ich kenne dein Land nicht erst seit gestern, sagte er. Und ich komme weit herum, ich
will dir erzählen, was ich sehe, jeden Abend ein wenig und du malst es, dann hast du am Ende ein ganzes Bilderbuch. So begann es, und was der Mond in jenen Nächten erzählte, das erzähle ich dir jetzt. Du musst wissen, wie der Mond erzählt, nicht der Reihe nach und nicht mit Anfang und Ende, sondern wie einer, der viel gesehen hat und das schönste Herausgreift, während es ihm einfällt.
Eine Nacht ist er über dem Meer, die nächste über den Bergen, dann wieder über den Dächern nebenan, und überall sieht er nur einen Augenblick lang hin. Aber in den richtigen Augenblicken. Ich sehe die Welt nur nachts, sagte er einmal zum Maler, und ich sage dir, es ist ihre bessere Hälfte. Nachts sind die Menschen bei sich, am Tag sind sie unterwegs. Gestern sagte der Mond, glitt ich über den heiligen Fluss der Inder.
Den breiten, langsamen Ganges, die Ufer Dampften noch von der Wärme des Tages und durch das hohe Gras kam ein Mädchen ans Wasser, vorsichtig wie ein Reh. Sie trug ein kleines Öllämpchen in der Hand, setzte es auf ein Blatt und ließ es auf den Fluss hinaus, denn so ist dort der Brauch. Brennt das Lichtlein, bis es außer Sicht ist, dann lebt der Liebste und denkt an einen. Das Mädchen stand ganz still und das Lichtlein schwamm und Schwamm und es brannte ruhig und klar, bis es hinter der Flussbiegung verschwand, da legte sie die Hände vors Gesicht, aber nicht vor Kummer.
Ich habe ihr Lächeln gesehen, sagte der Mond. Ich sehe so etwas auch durch Hände hindurch und in derselben Nacht sagte der Mond nur eine halbe Welt weiter schien ich auf das Eismeer im hohen Norden, da war kein Baum und kein Haus, nur Eis und schwarzes Wasser und ein Himmel voller flackernder grüner Schleier. Ein Jäger in seinem schmalen Boot aus Fellen ruderte still zwischen den Schollen nach Haus und vor ihm auf dem Eis lagen die Robben wie graue Steine und schliefen. Der Jäger hatte an diesem Tag nichts gefangen, aber er ruderte ohne Eile, denn über ihm brannte das Nordlicht und so ein Dach war.
Sagte, der Mond hat kein König über seinem Bett. In seiner Schneehütte wartete ein Licht so klein wie das Lämpchen auf dem Ganges und siehst du, sagte der Mond, das ist es, was ich meine, überall auf der Welt brennen abends die kleinen Lichter und überall wartet jemand auf dem Rückweg über das Meer ist. Sagte der Mond, kam ich noch an ein paar Fischerbooten vorbei, die weit draußen ihre Netze hoben. Die Männer arbeiteten schweigend, Handgriff um Handgriff, wie es Männer tun, die einander lange kennen und in den nassen Netzen zappelte mein Licht mit den Fischen um die Wette, lauter kleine Silberstücke. Einer von ihnen, der Jüngste, hielt einen Augenblick inne, sah zu mir herauf und pfiff leise 23
Töne so für sich. Das war sein ganzes Lied, und es war genug, ich habe es mitgenommen und unterwegs den Wellen beigebracht. Vielleicht hörst du es einmal an irgendeinem Strand, dann weißt du, woher es stammt. Und noch eines sagte der Mond, ehe ich Weiterziehe auf einer kleinen Insel, die so klein ist, dass sie auf den Karten nur ein Pünktchen hat, brannte gestern das Licht im Leuchtturm wie in jeder Nacht und der Wärter machte seine Runde.
Er ist ein alter Mann. Und lebt dort allein mit seinem Hund. Und wenn er das Licht angezündet hat, sagt er jeden Abend denselben Satz in die Dämmerung. So, nun kann kommen, wer will, er meint die Schiffe natürlich, aber es klingt jedes Mal, als lade er die ganze Nacht zu sich ein, das Meer, den Wind, die Sterne und mich.
Ich kehre darum gern dort ein. Man geht zu den Leuten, bei denen man sich willkommen weiß, das ist bei Monden nicht anders als bei euch. Der Maler saß lange über seinem Blatt, als der Mond weitergezogen war und zeichnete das Mädchen am Fluss und den Jäger unterm Nordlicht und zum ersten Mal, seit er in der großen Stadt wohnte.
Kam ihm seine Kammer nicht mehr einsam vor? Denn wer solchen Besuch bekommt, wohnt nicht allein. Draußen wanderte der Mond geduldig weiter über die Dächer und wo ein Fenster offen stand, sah er im Vorbeigehen hinein, ganz leise, wie es seine Art ist, was der Mond sah, die zweite Nacht. Am nächsten Abend kam der Mond früher als sonst und er war in bester Laune.
Heute, sagte er, habe ich einen Sieg gesehen, einen von den Kleinen, die niemand in die Bücher schreibt, in der Gasse hinter der Kirche, sagte er, wurde heute ein Junge zum ersten Mal in einen Schornstein geschickt, ein kleiner neuer Schornsteinfeger er. Ganz schwarz und ganz bange. Es war eng und dunkel und rußig und auf halber Höhe wollte ihm der Mut ausgehen, aber er kletterte weiter, griff um Griff und dann dann kam sein Kopf oben aus dem Schornstein heraus, mitten in den freien Abendhimmel, da saß er nun auf dem Schornsteinrand. Hoch über der ganzen Stadt sah die 1000 Dächer unter sich und mich über sich.
Und er schwenkte seinen kleinen Besen und rief sein Hurra über alle Dächer hin. So sehen Sieger aus, sagte der Mond, Ich habe Könige gesehen und Feldherren mit wehenden Fahnen, aber so froh wie dieser rußige kleine Kerl auf seinem Schornstein und. War lange keiner. Und weil wir bei den Siegen sind, sagte der Mond will ich dir noch einen zeigen, einen ganz leisen in der Schulstube am Markt saß gestern spät abends der alte Lehrer über den Heften seiner Kleinen und Las mit seiner müden Lupe Buchstabe um Buchstabe und bei einem Heft, das voller Fehler war, nickte er auf einmal und lächelte. Denn unter den Fehlern stand zum ersten Mal ein ganzer grader Satz von einem Kind, das den Winter über keinen Zustande gebracht hatte.
Der Lehrer schrieb etwas an den Rand, kein Zeichen, ein Wort, ein gutes, und dann schlief er über den Heften ein, die Lupe noch in der Hand, ich habe ihm mein Licht über die Schultern gelegt, sagte der Mond. Mehr konnte ich nicht tun und mehr brauchte er nicht. Einen dritten kleinen Sieg sah ich noch, sagte der Mond im Haus mit dem grünen Tor, da hatten 2 Schwestern seit Tagen einen Streit liegen so ein Zähn, bei dem keine mehr weiß, worum es ging und beide zu stolz sind, es zuzugeben. Gestern Abend nun lagen sie in ihren Betten, rücken an Rücken und es war ganz still.
Und dann sagte die eine in die Dunkelheit, schläfst du schon und die andere sagte Nein, mehr war es nicht, aber es war die Brücke, und heute Morgen haben sie zusammen gefrühstückt und dabei gelacht. Große Versöhnungen sagte der Mond, fangen fast immer mit 2 kleinen Worten an. Man muss sie nur sagen, bevor man einschläft.
Danach tragen sie sich schwerer. Und dann sagte der Mond sah ich noch etwas ein paar Straßen weiter durch ein niedriges Fenster, da stand ein kleines Kind in der Stube. Kaum ein Jahr alt und hielt sich am Stuhl fest und drüben, 3 Schritte weit, kniete die Mutter mit ausgebreiteten Armen. 3 Schritte, das ist nichts für dich und mich, aber für so ein kleines Menschenkind ist es eine Weltreise.
Es ließ den Stuhl los. Es schwankte wie ein Hälmchen es machte einen Schritt und noch einen, und beim Dritten fiel es der Mutter geradewegs in die Arme. Und dann wurde gelacht und geweint zugleich, wie das bei den Menschen so ist, wenn das Glück zu groß wird für ein einzelnes Gesicht. Der Maler zeichnete den Jungen auf dem Schornstein und das Kind zwischen Stuhl.
Und Mutterarm 2 Bilder vom selben Tag sagte der Mond im Gehen und beide Handeln vom selben von den ersten Schritten hinauf und hinüber und davon, dass am Ende immer jemand da sein sollte, der die Arme aufmacht. Dann zog er weiter und die Stadt unter ihm schlief ein Dach um Dach. Und meinte es gut mit ihren Kindern. Was der Mond sah.
Die dritte Nacht heute sagte der Mond, komme ich aus dem Süden, ich habe auf Venedig geschienen, auf die Stadt, die im Wasser steht, da gibt es keine Wagen und keine Hufe auf dem Pflaster, da gibt es nur Boote und stille Kanäle. Und die Häuser steigen gleich aus dem Wasser auf Alt und müde und schön. Eine schwarze Gondel glitt unter mir dahin, ohne einen laut, nur das Ruder ging, und im Boot saß niemand, als der Gondoliere selbst.
Und der sang, er sang für keinen Zuhörer, nur für die Nacht und die Häuser und. Und die alten Paläste standen bis über die Fenster in ihren eigenen Spiegelbildern und hörten zu, wenn eine Stadt träumt, sagte der Mond, dann sieht es so aus. Vorgestern aber, fuhr er fort, war ich über der Wüste, da zog eine Karawane durch den Sand, Kamel hinter Kamel. Eine lange, dunkle Kette in der Weißen Nacht und der Sand hatte den Tag über in der Sonne geglüht und gab die Wärme nun langsam wieder her.
Die Treiber sangen leise, damit die Tiere den gleichen Schritt behielten und die Sterne standen so tief, dass die Wüste aussah wie ein zweiter Himmel, den man begehen kann. Am Rand des Weges aber ragten alte Steine aus dem Sand, halb versunken die Reste von Tempeln, älter als die Menschen zählen können und eine große steinerne Säule mit einem Gesicht in Rom sagte der Mond bin ich neulich durch die alten Trümmer gegangen, mit dem Licht, versteht sich, denn anders geh ich ja nicht, da liegen die Säulen der großen Kaiser im Gras. Und zwischen den Säulen Weiden, Ziegen und auf dem Sockel, auf dem einmal ein goldenes Standbild Stand, schlief ein Hirtenjunge den Hut überm Gesicht, seine Herde, um ihn wie ein atmender Teppich.
So lag das Kind auf dem Kaisersockel und schlief besser als je ein Kaiser darauf. Die Weltgeschichte sagte, der Mond hat einen langen Atem. Aber der Schlaf eines Hirtenjungen hat den längeren, denn ihn gibt es noch und die Kaiser sind fort. Und wenn wir schon im Süden sind, sagte der Mond in einem weißen Dorf am Mittelmeer, sah ich die Fischerfrauen, am Abend die Netze flicken, im Kreis um eine einzige Laterne, und dazu sangen sie eine begann.
Die anderen fielen ein Lied um Lied, während die Finger arbeiteten. Die Kinder schliefen ringsum auf den warmen Steinen ein, mitten im Singen, und keine Mutter trug ihres früher hinein als nötig, denn es schläft sich nirgends besser als dort, wo gearbeitet und gesungen wird, die. Das wissen die Kinder am Mittelmeer und eigentlich sagte der Mond, wissen es die Kinder überall.
Ihr baut Schlafzimmer und noch einmal Schlafzimmer, und das Beste bleibt ein warmer Stein neben einem Lied. Und als die Nacht zu Ende ging, sagte der Mond und ich blass wurde. Und die Sonne sich hinter dem Rand der Wüste dehnte. Da geschah das Alte, von dem die Reisenden erzählen. Der erste Sonnenstrahl traf die steinerne Säule, der Stein wurde warm und es ging ein Ton durch ihn hin, tief und leise, als Grüße etwas sehr altes, den neuen Tag, die Kamele hoben die Köpfe.
Die Treiber wurden still und dann zog die Karawane weiter und der Sand nahm ihre Spuren auf und strich sie hinter ihnen glatt. Der Maler malte in dieser Nacht mit beiden Händen, so voll war er von Bildern, die singende Gondel im schwarzen Wasser und die singende Säule im ersten Licht. Weit auseinander sagte der Mond und doch dasselbe. Die Welt redet mit sich selbst, wenn sie glaubt, dass niemand zuhört und wer nachts wach liegt und lauscht, der hört sie manchmal ein Singen unter den Fenstern, ganz fern, dass niemandem gilt und darum allen, was der Mond sah. Die vierte Nacht.
Nicht alles, was ich sehe, ist fern, sagte der Mond am vierten Abend. Manches liegt gleich um die Ecke. Gestern sah ich in eine Stube hier in der Stadt, 3 Straßen von dir, und da saß eine alte Dame am Ofen, sie hatte den Tag über aufgeräumt in einer Truhe, die viele Jahre nicht geöffnet worden war.
Und nun lag auf ihrem Schoß ein kleines Bündel Briefe mit einem verblichenen Band Umwunden. Sie las Sie noch einmal, einen nach dem anderen, ganz langsam, und ich schien ihr dabei über die Schulter, sagte der Mond, denn die Lampe war ihr zu, helfe so etwas, es waren alte Briefe von einer alten Liebe aus der Zeit, als ihre Haare dunkel waren.
Und zwischen den Blättern lag eine trockene Rose. Dann Band Sie das Band wieder, darum saß eine Langeweile still und legte das Bündel behutsam in den Ofen, in die milde Glut, nicht im Zorn. Verstehst du, es war eher, wie wenn man einen Vogel frei läßt, den man lange gehalten hat. Die Briefe wurden Licht und Wärme, ein kurzes helles Auflodern und die alte Dame hielt die Hände hin und wärmte sie daran. So kann man es mit der Vergangenheit auch machen, sagte der Mond sich zuletzt noch einmal die Hände an ihr wärmen beinahe dieselbe Kunst, sagte der Mond sah ich vor Jahren bei einem alten Gärtner.
Der Grub im Herbst seinen Apfelbaum um, der nicht mehr tragen wollte, und alle sagten ihm, es lohne nicht mehr, er werde die Äpfel nicht mehr erleben, da pflanzte er ihn erst recht, und dazu sagte er den Satz, den ich seither aufhebe, ich Pflanze ihn ja nicht für mich, ich pflanze ihn für den Sommer. Nun trägt der Baum seit manchem Jahr und unter ihm spielen Kinder, die den Gärtner nie gekannt haben. So kann man es also auch machen mit der Zeit, die einem nicht mehr gehört, man legt sie einfach in gute Erde und dann das Schiff, sagte der Mond, aber eines muss ich zu dem stillen Schiff noch nachtragen, ganz schlief es nämlich nicht. Vorn am Bug saß der Schiffsjunge, der eigentlich Wache hatte und sie auch hielt,
auf seine Art. Er hatte Heimweh, es war seine erste Reise, und er sah zu mir herauf und rechnete an den Fingern aus, wie viele Nächte es noch bis zum Heimathafen seien. Ich schien ihm dabei auf die Finger, damit er sich nicht verzählte es waren noch viele, aber als er fertig gerechnet hatte, Gähnte er und. Und war getröstet, denn eine Zahl, und sei sie groß, ist besser als das Ungewisse.
Dann weckte er den nächsten zur Wache und rollte sich ein, und das Meer schaukelte ihn in den Schlaf wie eine sehr große, sehr geduldige Mutter, und danach, sagte er, flog ich hinaus über das große Wasser mitten auf den Ozean, wo tagelang kein Land ist. Da lag ein Segelschiff in einer vollkommenen Windstille, die Segel schlaff, das Meer wie dunkles Glas. Die Wache Döste am Steuer, die Matrosen lagen an Deck in der lauen Nacht, und das Schiff spiegelte sich so ruhig im Wasser, dass man nicht sagen konnte, wo das echte aufhörte. Und das Gespiegelte begann. 2 Schiffe Kiel an Kiel und beide voller schlafender.
Kein Mensch tat etwas, kein Tau bewegte sich, und doch sagte der Mond, war es eines der schönsten Bilder dieser Woche, die ganze große weite See und mittendrin ein einziges schlafendes Haus aus Holz und Leinwand. Der Maler zeichnete die Alte Dame am Ofen und das stille Schiff auf dem Stillen Meer.
Und als er die Kreide Weglegte, wusste er selbst nicht recht, warum ihm beide Bilder wie ein und dasselbe vorkamen. Vielleicht, weil auf beiden Frieden geschlossen wurde, auf dem einen mit dem, was gewesen war. Auf dem anderen mit dem, was kommen mochte. Der Mond sagte dazu nichts mehr, er war schon hinter dem Kirchturm und die Nacht gehörte den Schläfern, was der Mond sah.
Die fünfte Nacht kennst du das kleine Theater in der Vorstadt, fragte der Mond am fünften Abend, dort spielt ein Mann den lustigen. Den Pulcinella, der die Purzelbäume schlägt und über den alle Lachen. Ich kenne ihn lange, er hat ein gutes, ehrliches Gesicht, wenn er es abends abschminkt und er hatte einmal die schöne Colombine lieb, die mit ihm auf der Bühne stand, aber colombine hat den eleganten Harlikin genommen, so ging das Stück nun einmal auf der Bühne wie im Leben er.
Pulcinella trug es, wie er alles trug, mit einem Purzelbaum obendrauf. Er blieb ihr Freund, er blieb der lustige, und wenn er abends besonders komisch war, wusste ich, sagte der Mond, dass er tagsüber besonders still gewesen war. Nun ist Columbine seit manchem Jahr fort aus der Stadt und von der Bühne weit fort.
Und heute Nacht sah ich ihn nach der Vorstellung allein über den leeren Platz gehen. Das weiße Kostüm unterm Mantel, er blieb am Brunnen stehen, sah zu mir herauf und nickte mir zu, als wären wir alte Kollegen, und das sind wir ja auch. Wir treten beide abends auf, jeder macht den Menschen die Nacht ein wenig leichter. Und was uns selbst beschwert, behalten wir hinter dem runden Gesicht.
Ich kenne sie alle, die abends auftreten, sagte der Mond, die großen Bühnen und die Kleinen. Ich kenne den alten Dorfmusikanten, dessen Geige nun an der Wand hängt, weil die Finger nicht mehr wollen, wenn ich durch sein Fenster scheine, streiche ich manchmal über die Saiten, nicht, dass sie klingen.
Dafür bin ich zu leicht. Aber sie glänzen dann und der Alte sieht im Halbschlaf hinüber und träumt von den Tanzböden seiner besten Jahre. Musik hört nicht auf, wenn sie verklungen ist, sagte der Mond, sie zieht nur um aus der Luft in die Erinnerung, dort ist sie vor jedem Wetter sicher. Apropos Bühne, sagte der Mond. In derselben Vorstadt wohnt ein kleines Mädchen, das jeden Abend vor dem Einschlafen für ihre Puppen Theater spielt, hinter einem Vorhang aus 2 Schürzen.
Gestern gab sie ein Stück, in dem eine Prinzessin nicht schlafen konnte, und alle Puppen mussten ihr der Reihe nach etwas vorsingen, und beim dritten Lied, da schlief die Theaterdirektorin selbst ein, mitten im Stück. Den Kopf auf der Bühnenkante die Puppen spielten nicht weiter, Puppen sind da sehr korrekt, sie blieben einfach sitzen und hielten die Stellung bis zum Morgen.
Ich habe das Licht über der ganzen Truppe gelöscht, so gut ich es vermag und bin auf Zehenspitzen weiter, es war die schönste Vorstellung des Abends und sie hatte kein Ende, nur eine Pause. Danach sagte der Mond wollt ich etwas Stilles sehen und ging hinaus auf die Heide an das kleine Moor, wo das Schilf steht, da lag ein Schwan zwischen den Halmen, den Kopf tief ins Rückengefieder gesteckt und schlief auf dem dunklen Wasser.
Er trieb ganz langsam mit einem Hauch von Wind wie ein weißes Boot, das keiner festgemacht hat. Und rundum rührte sich nichts, als ein Nachtvogel weit drüben und das Knistern im Schilf. Ich habe viele stolze Dinge weiß leuchten sehen, sagte der Mond, Marmor und Segel und Königsschlösser, aber das schönste, was ich kenne, ist ein schlafender Schwan auf schwarzem Wasser.
Der Maler zeichnete beides auf ein einziges Blatt. Den Mann im weißen Kostüm am Brunnen und den weißen Schwan im dunklen Schilf. Sie kannten einander nicht und gehörten doch zusammen, fand er 2, die still werden durften, als niemand mehr zusah und über beiden Stand derselbe Runde, freundliche Zeuge am Himmel und zog weiter seine Runde und.
Um die schlafende Welt. Was der Mond sah die sechste Nacht heute bleibe ich im Kleinen, sagte der Mond am sechsten Abend. Heute erzähl ich dir von einem Dorf im Schnee. Es lag zwischen weißen Hügeln, die Dächer dick verschneit und aus jedem Schornstein stieg gerade und ruhig der Rauch. Denn es war windstill und sehr kalt. Eine von den Nächten, in denen der Schnee unter den Schritten sinkt.
Der Nachtwächter ging seine Runde den Kragen hoch, und an jeder Ecke blieb er einen Augenblick stehen, nicht weil dort etwas war, sondern weil es so schön still war, und Stille muss man sich anhören, wenn man sie schon bekommt. In einem der Häuserbrand noch Licht sagte der Mond und Ich sah durchs Fenster in die Kinderstube.
Da lagen 2 Kinder in einem Bett und das kleinere konnte nicht einschlafen und sagte sein Abendgebet noch einmal, weil es beim ersten Mal, wie es meinte nicht richtig bei der Sache gewesen war. Das größere hörte mit einem Ort zu und schlief mit dem anderen schon. Und die Mutter saß auf der Bettkante und wartete, ohne zu drängen, als das Gebet zu Ende war, fragte das Kleine, hat er es gehört, und die Mutter sagte, er hat schon beim ersten Mal zugehört, aber er hört es gern zweimal.
Da drehte sich das Kind zur Wand und schlief ein, Ehe die Mutter an der Tür war, ich sah auch in den Stall, sagte der Mond. Durch die Luke überm Tor, da standen die Pferde warm beieinander und träumten mit zuckenden Ohren von Sommerweiden. Die Kühe lagen als große, ruhige Schatten im Stroh und Kauten sogar im Schlaf noch ein wenig weiter, aus alter Gewohnheit und zuoberst auf dem Balken saßen die Hühner in einer Reihe wie Aufgefädelt.
Zwischen allen, aber mitten im wärmsten Stroh, schlief die Stallkatze und ihr gehörte der ganze Stall. Das sah man sofort, Tiere schlafen gründlicher als Menschen, sagte der Mond, sie rechnen nachts nichts nach, das wäre auch für die Menschen eine Überlegung. Vor dem Dorf am Hang. Stand noch der alte Schäfer bei seiner Herde, der letzte Wache draußen, seine Schafe lagen im Pferch wie helle Steine im Dunkeln.
Sein Hund lag neben ihm, die Ohren auf Halbwacht und der Schäfer selbst stand auf seinen Stab gestützt und sah in die Nacht, wie er es seit 50 Jahren tut. Ich kenne ihn lange, sagte der Mond. Er redet nicht viel, auch mit mir nicht. Aber einmal vor Jahren hat er zu mir gesagt, du und ich, wir haben denselben Beruf, wir sehen nach, ob alle da sind, seither grüßen wir uns, es ist gut, einen Kollegen zu haben, wenn man nachts arbeitet, und sei er noch so weit unten auf seinem Hügel. Draußen ging der Nachtwächter vorbei und sang leise sein altes Stundenlied vor sich hin, mehr für sich als fürs Dorf und in den Ställen rührten sich warm die Tiere, und unter einem Dach schlug eine Katze im Schlaf mit
dem Schwanz. Und das war alles, sagte der Mond, das war die ganze Nacht in diesem Dorf. Es ist nichts geschehen und gerade das habe ich dir erzählen wollen. Die meisten guten Nächte sind so, es geschieht nichts und alle sind am Morgen noch da und der Schnee liegt eine Handbreit höher. Der Maler zeichnete das Dorf zwischen den weißen Hügeln, die geraden Rauchsäulen, das eine erleuchtete Fenster.
Es wurde das Stillste Blatt im ganzen Buch und später, als andere die Bilder sahen, blieben sie bei diesem am längsten stehen und keiner konnte sagen, warum. Der Mond hätte es ihnen sagen können. Man erkennt die Nächte wieder, in denen man selbst einmal gut geschlafen hat, was der Mond sah, die siebente Nacht heute.
Komme ich aus den Bergen, sagte der Mond am siebenten Abend, ich habe über das Hochgebirge Geschienen, wo die Menschen den Sommer über mit ihren Herden oben bleiben, in kleinen Hütten aus grauem Holz, die an den Hängen kleben wie Schwalbennester. Vor einer davon saß die alte Sennerin auf der Bank, die Hände im Schoß.
Den Tag in den Knochen und um die Hütte her lag ihre Herde im Dunkeln und von jedem Hals klang, wenn ein Tier sich im Schlaf bewegte, ein einzelner Glockenton tief und rund. So läuten die Berge nachts sagte der Mond nicht zur vollen Stunde und nicht nach der Uhr, immer nur. Wenn sich ein Traum umdreht, weiter unten am Bach stand die Mühle, und die hatte Feierabend, aber ihr Rad hatte es nicht ganz begriffen, es drehte sich im Nachtwasser langsam weiter leer und für sich und klapperte dazu ganz leise, wie einer, der im Schlaf weiter redet, weil der Tag so voll war.
Der Müller hörte es durchs offene Fenster und ließ es laufen. Das Klappern, sagt er, gehöre zum Haus wie der eigene Herzschlag, wenn es aufhöre, Wache er auf, so hat jedes Haus sein Nachtgeräusch, sagte der Mond, und Wer seines Lieb hat, schläft gut, der Müller sein Rad. Der Bauer seinen Brunnen und du vielleicht die Stimme, die dir gerade erzählt, in der Sennhütte selbst brannte noch ein kleines Feuer und die alte Sennerin tat, was sie jeden Abend tat. Sie stellte die Milchkannen für den Morgen bereit, schob den Riegel vor und sprach durch die Tür noch ein Wort zu den Tieren, wie man zu Kindern durch die Wand spricht. Dann löschte sie das Licht und die Hütte war dunkel wie die Berge ringsum, nur wärmer.
Der Mond, sagte, er kenne die Hütte seit Jahrzehnten und es sei eine von denen, bei denen er im Vorbeigehen langsamer werde, es gebe solche Häuser, an denen sogar das Licht gern hängenbleibe, unten im Tal antwortete um diese Stunde nur noch ein einziges Licht, das Pfarrhaus, in dem noch gelesen wurde. Zwischen Alm und Tal aber lag nichts als Hang und Stille und der lange, geduldige Atem der Berge. Täler schlafen früher als Höhen, sagte der Mond, Das ist eine alte Ordnung, und wer je auf einer Alm übernachtet hat, kennt ihr Geheimnis.
Oben ist man dem Schlaf näher, weil einem der Himmel beim Zudecken hilft. Dann sagte der Mond. Sah ich noch den schmalen Bergpfad, der von der Alm ins Tal führt und auf dem Pfad keinen Menschen, nur die Steinmännchen am Rand, die die Hirten aufgeschichtet haben, damit keiner den Weg verliert. Sie standen im Mondlicht wie kleine, geduldige Wächter, jedes an seinem Platz und hielten den Weg für den Morgen bereit. So sah das ganze Gebirge aus.
Aufgeräumt für die Nacht, bewacht von Glocken, Steinen und einem alten Licht. Mehr braucht ein Berg nicht und ein Mensch eigentlich auch nicht hoch über allem auf dem Grat stand der Adler auf seinem Felsen und schlief mit geradem Rücken wie Könige schlafen. Und der Mond strich ihm über die Federn, ohne dass er es merkte. Sogar die Könige der Lüfte sagte der Mond müssen nachts die Augen zumachen und dann sind sie nichts als große müde Vögel im Wind, das ist das freundliche an der Nacht, sie macht alle wieder gleich den Adler und die Henne.
Die Sennerin und die Königin der Schlaf trägt keine Kronen und darum sagte der Mond, schlafen alle unter derselben Decke gut unter meiner, nämlich ich breite sie jeden Abend über Berg und Tal, und sie reicht immer, was der Mond sah, die achte Nacht. Heute war ich im Hafen, sagte der Mond am achten Abend.
Die Schiffe lagen Rumpf an Rumpf und schliefen auf dem schwarzen Wasser, und ihre Masten standen so still, dass die Sterne sich daran festhalten konnten. Es roch nach Teer und Salz und fernen Ländern, und an einem der Schiffe brannte noch die kleine Lampe der Ankerwache. Ein alter Matrose saß dort und rauchte seine letzte Pfeife und Paßte auf den Schlaf der anderen auf. Wir nickten einander zu, er und ich, wir kennen uns aus vielen Häfen, wer nachts wacht, damit andere schlafen können, der gehört zu meinen Leuten, und ich schicke ihm immer ein Stück Licht aufs Deck, damit die Wache kürzer aussieht. Zwischen den Kisten am Kai ging der Hafen Kater seine Runde dick und würdevoll.
Er gilt dort viel und lässt es sich anmerken. Er inspizierte die Poller, er prüfte die Taue, er blieb vor jedem Schiff kurz sitzen, wie ein Beamter vor seinen Akten, zuletzt sprang er auf die wärmste Kiste, rollte sich zusammen und. Und war binnen 3 Atemzügen fort. So gründlich schlafen nur die ein, die vorher alles kontrolliert haben. Nimm es als Rat mit, sagte der Mond und lächelte sein rundes Lächeln erst die Runde machen, in Gedanken alles noch einmal ansehen, gut befinden und dann das Kissen suchen. Wie der Kater seine Kiste an der Mole draußen lag auch das älteste Schiff des Hafens, ein Veteran mit müden Planken, der schon lange nicht mehr hinausfuhr die jungen Schiffe wußten nicht recht, wozu er noch
da war, aber der Mond wußte es an ihm machten die Möwen ihre Schule, in seinem Schatten lagen die Boote der Jungen sicher. Und der Hafen sah mit ihm einfach fertiger aus, so wie eine Stube mit einem Großvater darin. Alte Schiffe sagte der Mond sinken nicht einfach, sie gehen langsam in den Hafen über, Jahr für Jahr, bis sie ein Stück von ihm sind, im Hafenbecken selbst schaukelten die kleinen Ruderboote an ihren Ketten, Bug an Bug.