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AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie· Staffel 2· Folge 96

Späher von fernen Sternen: Was verbirgt Oumuamua?

Donnerstag, 25. Juli 2024 · 1 h 39

MP3

Shownotes

Für AstroGeo recherchieren wir regelmäßig eine ganze Geschichte. Nur wenn du uns finanziell unterstützt, bleibt der Podcast weiter kostenfrei. Danke! (astrogeo.de/unterstuetze-uns)

Am 25. Oktober 2017 finden Forschende in den Daten von vier Teleskopen auf Hawaii ein merkwürdiges Objekt: Es ist ein Lichtpunkt, dessen Umlaufbahn um die Sonne irgendwie seltsam ist. Schnell ist klar: Man hatte den ersten interstellaren Besucher entdeckt. Ein Komet, so vermuten die Astronomen, der aus einem anderen Sternensystem stammt.

Karl erzählt in dieser Folge die Geschichte des Objekts 1I/Oumuamua. Obwohl er nach wenigen Wochen bereits aus dem Sichtfeld der meisten Teleskope verschwunden war, konnten einige Daten über ihn gesammelt werden. Diese Daten scheinen aber bis heute nicht gut zusammenzupassen: Zwar beschleunigte Oumuamua nach seinem Vorbeiflug an der Sonne wie ein Komet, der einen Schweif bildet. Aber Teleskope fanden keinen Hinweis auf empor geschleuderten Staub oder austretendes Gas. Auch seine eigenartige Form gibt Rätsel auf, denn die ähnelt entweder einem flachen Pfannkuchen oder einer Zigarre.

Die Studienlage ist vielfältig und die Zahl der Hypothesen über den Ursprung und die Entstehung von Oumuamua ist groß. Bekannt wurde der erste interstellare Besucher allerdings durch eine Hypothese des Harvard-Physikers Avi Loeb: Er hält es bis heute für möglich, dass Oumuamua von Außerirdischen gebaut worden ist. Doch seine Herangehensweise, mit der wir uns am Ende dieser Geschichte beschäftigen, schadet der Wissenschaft vielleicht mehr, als dass sie nutzt.

Weiterhören bei AstroGeo

• Folge 62: Pluto – ein Herz und vier Sorten Eis (astrogeo.de/plutos-herz-und-vier-sorten-eis)

• Folge 76: Das Nizza-Modell – Chaos zwischen jungen Planeten (astrogeo.de/nizza-modell-chaos-zwischen-planeten)

Weiterführende Links

• WP: Minor Planet Center (de.wikipedia.org/wiki/Minor_Planet_Center)

• WP: de.wikipedia.org/wiki/Pan-STARRS

• WP: 1I/Oumuamua (de.wikipedia.org/wiki/1I/%CA%BBOumuamua)

• WP: Avi Loeb (de.wikipedia.org/wiki/Avi_Loeb)

• WP: Oortsche Wolke (de.wikipedia.org/wiki/Oortsche_Wolke)

• WP: de.wikipedia.org/wiki/Komet

• WP: Banards Pfeilstern (de.wikipedia.org/wiki/Barnards_Pfeilstern)

• WP: de.wikipedia.org/wiki/2I/Borisov

• WP: de.wikipedia.org/wiki/Spitzer-Weltraumteleskop

• WP: Vera-Rubin-Teleskop (de.wikipedia.org/wiki/Vera_C._Rubin_Observatory)

• WP: Comet Interceptor (de.wikipedia.org/wiki/Comet_Interceptor)

• WP: Dyson-Sphäre (de.wikipedia.org/wiki/Dyson-Sph%C3%A4re)

Quellen

• Minor Planet Center: Comet C/2017 U1 (PANSTARRS) (minorplanetcenter.net//mpec/K17/K17UI1.html)

• Fachartikel: Bialy & Loeb: Could Solar Radiation Pressure Explain ‘Oumuamua’s Peculiar Acceleration?, The Astrophysical Journal Letters (2018) (doi.org/10.3847/2041-8213/aaeda8)

• Fachartikel: Mamajek: Kinematics of the Interstellar Vagabond 1I/’Oumuamua (A/2017 U1), Research Notes of the AAS (2017) (arxiv.org/abs/1710.11364)

• Fachartikel: The ‘Oumuamua ISSI Team: The natural history of ‘Oumuamua, Nature Astronomy (2019) (doi.org/10.1038/s41550-019-0816-x)

• Fachartikel: Do et al.: Interstellar Interlopers: Number Density and Origin of ‘Oumuamua-like Objects, The Astrophysical Journal Letters (2018) (doi.org/10.3847/2041-8213/aaae67)

• Fachartikel: Seligman & Laughlin: The Feasibility and Benefits of In Situ Exploration of ‘Oumuamua-like Objects, The Astrophysical Journal (2018) (doi.org/10.3847/1538-3881/aabd37)

• Fachartikel: Fraser et al.: The tumbling rotational state of 1I/‘Oumuamua, Nature Astronomy (2018) (nature.com/articles/s41550-018-0398-z)

• Fachartikel: Trissi et al.: Spitzer Observations of Interstellar Object 1I/‘Oumuamua, The Astronomical Journal (2018) (doi.org/10.3847/1538-3881/aae88f)

• Fachartikel: Bergner & Seligman: Acceleration of 1I/‘Oumuamua from radiolytically produced H2 in H2O ice, Nature (2023) (arxiv.org/pdf/2303.13698)

• Fachartikel: Moro-Martín: Could 1I/‘Oumuamua be an icy fractal aggregate?, The Astrophysical Journal Letters (2019) (iopscience.iop.org/article/10.3847/2041-8213/a…)

• Fachartikel: Levine et al.: Constraints on the Occurrence of ‘Oumuamua-Like Objects, The Astrophysical Journal (2021) (doi.org/10.3847/1538-4357/ac1fe6)

• Fachartikel: Hoang & Loeb: Implications of Evaporative Cooling by H2 for 1I/’Oumuamua, The Astrophysical Journal Letters (2023) (doi.org/10.3847/2041-8213/acdf57)

• Fachartikel: Ligterink: Accelerating ‘Oumuamua with H2 is challenging, Nature (2023) (doi.org/10.1038/s41586-022-05687-w)

• Fachartikel: Cowie: The ‘Oumuamua Controversy, Nature Astronomy (2021) (nature.com/articles/s41550-021-01387-z)

• Fachartikel: Siraj et al: Physical Considerations for an Intercept Mission to a 1I/’Oumuamua-Like Interstellar Object, Journal of Astronomical Instrumentation (2023) (dx.doi.org/10.1142/S2251171723400019)

• Buch: Avi Loeb: Außerirdisch, Deutsche Verlags-Anstalt, ISBN 978-3-641-26336-2 (2021) [Deutsche Nationalbibliothek (d-nb.info/1226635679)]

Hinweis zum Episodenbild

Oumuamua hat möglicherweise die Form einer langgestreckten Zigarre, wie hier künstlerisch dargestellt. Als wahrscheinlicher gilt mittlerweile die eines oblaten Spheroids, also eines flachen Eierpfannkuchens. Anders als im Bild dargestellt, konnten weder Staub noch Gas eines Kometenschweifs nachgewiesen werden. Doch es könnte nicht nachweisbare Gase wie Wasser, Stickstoff oder Wasserstoff gegeben haben oder groben Staub, der ebenfalls für die genutzten Teleskope unsichtbar gewesen wäre. Deshalb haben wir uns für dieses Episodenbild entschieden.

Bildquelle: ESA/Hubble, NASA, ESO, M. Kornmesser (eso.org/public/images/eso1820a/https://www.eso…)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Franziska Konitzer 3, 2, 1, go!

Karl Urban Franzi, was wäre die spektakulärste Entdeckung, die eine Astronomin heute machen könnte?

Franziska Konitzer Aliens. Hallo bei Astrogeo, dem Podcast der Weltraumreporter. Ich bin Franzi Konitzer.

Karl Urban Und ich bin Karl Urban.

Franziska Konitzer Und wir sind zwei Wissenschaftsjournalisten. Karl ist Geologe, der noch nie einen Stein auf den Kopf bekommen hat, jedenfalls soweit er sich erinnern kann. Und ich bin Astrophysikerin, die ungern einen Meteoriten oder einen Asteroiden auf den Kopf bekommen würde. Und auch in dieser Folge erzählen wir uns gegenseitig eine Geschichte, die uns entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert haben oder die wir in den Tiefen und Untiefen des Universums aufgestöbert haben.

Karl Urban Und heute ist Ausgabe 96 dran und letztes Mal hatten wir einen Gast, da war die Martina da. Das heißt, heute gibt es noch eine Folge von mir, bevor wir das nächste Geplänkel machen. Und das bedeutet, Franzi, dass du von mir eine Geschichte erzählt bekommst.

Franziska Konitzer Von einer Astronomin und oder von Aliens?

Karl Urban Wir werden sehen. Sagen wir, es ist umstritten. Also, wir fangen vorne an, Franzi. Am 25. Oktober 2017 veröffentlicht das Meine Planet Center der Internationalen Astronomischen Union einen knappen Bericht oder wie sie es nennen, ein elektronisches Rundschreiben. Und das Minor Planet Center kümmert sich um alles, was bei Kleinplaneten, also bei Asteroiden und Kometen derzeit los ist.

Karl Urban Und dazu gehören neu entdeckte Objekte, Veränderungen bei bekannten Objekten und auch mögliche Nahvorbeiflüge an der Erde. Was das Minor Planet Center aber am 25. Oktober 2017 meldet, klingt total technisch, ist aber etwas, was nie zuvor berichtet wurde. Es ist eine Entdeckung, die mit einem System aus vier Teleskopen auf Hawaii gelungen ist, nämlich mit dem Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System, kurz PANSTARS.

Franziska Konitzer PANSTARS klingt fetziger, ja.

Karl Urban Ja, gute Akronyme, da muss man immer die Augen aufmachen. Und der Bericht lautet übersetzt folgendermaßen, ist natürlich auf Englisch, ich habe ihn hier übersetzt, und nicht wundern, er fängt etwas unvermittelt an. Weitere Beobachtungen dieses Objekts sind sehr erwünscht. Solange es keine ernsthaften Probleme mit der unten aufgeführten Astrometrie gibt, sind stark hyperbolische Bahnen die einzigen praktikablen Lösungen.

Karl Urban Obwohl es angesichts des sehr kurzen Beobachtungsbogens wahrscheinlich nicht sehr sinnvoll ist, aussagekräftige ursprüngliche und zukünftige baryzentrische Bahnen zu berechnen, hat die nachstehende Bahn für beide Werte E ungefähr gleich 1,2. Und jetzt kommt der entscheidende Satz. Wenn weitere Beobachtungen die ungewöhnliche Natur dieser Bahn bestätigen, könnte dieses Objekt der erste eindeutige Fall eines interstellaren Kometen sein.

Franziska Konitzer Ah ja, I know, okay.

Karl Urban Jetzt weißt du, auf welcher Bahn wir sind.

Franziska Konitzer Ich weiß, auf welcher Bahn und auf wessen Bahn. Von Pan-Stars, was es da entdeckt hat. Ja, aber ich verrate auch nichts. Warum eigentlich?

Karl Urban Genau, ich rolle das mal so nacheinander aus. Franzi, ich möchte dir nämlich heute die Geschichte des ersten interstellaren Objektes erzählen, das jemals gefunden wurde. Also einem kleinen Körper, der von außerhalb des Sonnensystems stammt. Es geht, wie du schon ahnst, um das Objekt, manche sagen auch den Kometen, der dann später den Namen 1I Oumuamua erhalten wird.

Franziska Konitzer Jawohl. Wir können ja das 1i weglassen. Wobei 1i, 1 steht ja für, ja und i für Interstellar, aber ja.

Karl Urban Ja, also ich finde Umuamua ist Zungenbrecher genug. Ich werde mich heute auch ganz stark anstrengen, auf dem Boden wissenschaftlicher Fakten zu bleiben. Ich glaube, ich habe auch noch nie für eine Astrogeo-Folge so viele Paper gelesen. Das sind nämlich 19 Stück. Ja. Dennoch kommen wir natürlich an einem Mann nicht vorbei, der dieses Thema für viele Astronominnen und Astrophysiker über Gebühr aufgeladen hat.

Franziska Konitzer Ich muss, bevor du seinen Namen nennst, muss ich einen stärkenden Schluck Kaffee hier nehmen. Verzeihung. Oder Baldrian, Berührungstropfen, ja.

Karl Urban Genau, ich fange auch ganz vorne an und es fing damit an, dass dieser Mann ungefähr ein Jahr nach der Entdeckung von Oumuamua gemeinsam mit einem Kollegen ein kurzes Paper geschrieben hat und der Titel dieses Papers lautet erstmal unverdächtig, übersetzt, könnte der solare Strahlungsdruck Oumuamuas merkwürdige Beschleunigung erklären? klären? Fragezeichen.

Karl Urban Und dann rechnen die beiden vor allem aus, wie Oumuamua an der Sonne beschleunigt wurde. Und recht am Ende kommen dann die folgenden zwei Sätze. Der eine Satz lautet, wenn der Strahlungsdruck die beschleunigende Kraft ist, dann stellt Oumuamua eine neue Klasse von dünnem interstellaren Material dar, das entweder auf natürliche Weise durch einen noch unbekannten Prozess entstanden ist oder es ist künstlichen Ursprungs.

Karl Urban Und ein bisschen weiterhin Dahinten kommt dann noch der zweite Satz. Ein exotischeres Szenario ist, dass es sich bei Umurmur um eine voll funktionsfähige Sonde handelt, die von einer außerirdischen Zivilisation absichtlich zur Erdkugel geschickt wurde.

Franziska Konitzer Drumroll.

Karl Urban Ja, Franzi, du musst heute schwer atmen. Ich muss tapfer sein.

Franziska Konitzer Ich muss ganz tapfer sein, aber ich bewahre.

Karl Urban Aber ich kann dir schon mal sagen, es wird heute nur am Rand um Avi Löb gehen, von dem diese Sätze stammen. einen theoretischen Physiker an der Harvard University, der es für wahrscheinlich hält, dass Oumuamua ein außerirdisches Raumschiff ist. Aber erstmal und vor allen Dingen soll es darum gehen, was wir heute fast sieben Jahre nach seiner Entdeckung über 1E Oumuamua wissen und was an ihm auch immer noch merkwürdig erscheint.

Franziska Konitzer Das finde ich gut, weil immerhin ist Oumuamua tatsächlich das erste Objekt, was von außerhalb des Sonnensystems oder Sonnensystem besucht hat und Und ja, es ist ja eigentlich schon spektakulär geschluckt, sollte es sein. Genau. Ohne dass man irgendwie vermutet, dass es gleich von Aliens irgendwie geschickt worden ist. Ja, nee, von daher.

Karl Urban Ich wollte es mal in eine Geschichte verpacken, weil ich finde tatsächlich, es ist ein ziemlich einzigartiges Objekt und nicht nur deshalb, weil es von außerhalb gekommen ist. Und alles, was wir darüber wissen, zeigt einfach, Ja, dass es merkwürdig ist und dass aber vielleicht auch unser Wissen begrenzt ist und darum soll es ein bisschen gehen.

Karl Urban Die Einzigartigkeit steckt übrigens auch im Namen und sollte da in Hawaiianisch etwas eingerostet sein, denn Oumuamua ist ja ein hawaiianisches Wort und bedeutet dort Anführer in einer Schlacht oder auch Speer. Damit sollte vermutlich kein außerirdischer Ursprung angedeutet werden oder eine anstehende Invasion oder sowas, sondern lediglich, dass es ein Objekt ist, der ein Boot aus einer räumlich und zeitlich fernen Vergangenheit ist und hawaiianisch natürlich wegen des auf Hawaii beheimateten Teleskops.

Karl Urban Und was dieser Speer aus der ferner Oumuamua so einzigartig, was diesen Speer so einzigartig macht. Und was wir bis heute über ihn wissen, das habe ich dir mal in sechs Merkwürdigkeitsfragen mitgebracht.

Franziska Konitzer Okay, das sind aber noch nicht die Quizfragen, oder soll ich mitschreiben?

Karl Urban Nein, das sind nicht die Fragen, sondern ich will vor allen Dingen erst mal sagen, ja, was wissen wir und was wissen wir nicht? Und da passen diese Merkwürdigkeitsfragen ganz gut. Und die erste Frage lautet, warum existiert er überhaupt?

Franziska Konitzer Warum existiert überhaupt ein Objekt aus was?

Karl Urban Also warum existiert dieses Objekt? Also warum haben wir es gefunden? Warum ist es da gewesen? Das klingt komisch, ist aber tatsächlich eine Frage, die bis heute diskutiert wird. Und das, was einige Forscher irritiert, ist, wie schnell man Oumuamua gefunden hat. Und dafür muss man sich Folgendes überlegen. Also das Pan-STARRS-Teleskop-System, also diese vier Teleskope auf Hawaii, waren bei ihrer Inbetriebnahme ziemlich einmalig, weil sie weite Teile des von dort aus sichtbaren Himmels kontinuierlich beobachten, übrigens mit einem...

Karl Urban 1,4 Milliarden Pixel CCD-Sensor, also mit einer ziemlich guten Digitalkamera. Und Pan-STARRS ist seit 2010 in Betrieb. So richtig viele erdnahe Objekte fand es dann seit 2011. Also erdnahe Objekte im Sinne von alles Objekte aus unserem Sonnensystem. Also gewöhnliche Asteroiden und Kometen. Und Oumuamua wurde von Pan-STARRS 2017 entdeckt.

Karl Urban Also nach gut sechs Jahren Betrieb. Und jetzt kann man sich überlegen, wie viele Brocken so zwischen den Sternen herumfliegen sollten, also außerhalb der Sternensysteme. Und dann kann man die Entstehungsmodelle von Planetensystemen nehmen, die wir bis heute haben. Da geht es ja schon mal drunter und drüber. Große Planeten können wandern, alle möglichen Asteroiden und Kometen können dabei weggeschleudert werden.

Karl Urban Und auf der anderen Seite ist aber der Raum zwischen den Sternensystemen natürlich auch ziemlich groß. Also selbst zwischen uns und unserem Nachbarn Alpha Centauri liegen 4,3 Lichtjahre oder 7000 Mal die Distanz zwischen Sonne und Pluto. Und dieser Raum ist ja noch dazu dreidimensional, also Objekte können ja in alle Richtungen weggeschleudert werden.

Karl Urban Und auf deren Basis kann man abschätzen, wie viele interstellare Kometen es geben könnte oder sollte. Ja, und da gab es für die Pan-STARRS-Teleskope vorher die Schätzung, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass das Teleskop ein einzelnes interstellares Objekt in seinem ersten Jahrzehnt des Betriebs finden würde.

Franziska Konitzer Okay, okay, okay. Also der Raum ist so groß. Und Panzers kann nicht so viel absuchen und deshalb sollte es.

Karl Urban Und so viel, so viel, dachte man, kann es auch gar nicht geben. Also das spielt alles zusammen. Was bedeutet es jetzt, dass er trotzdem entdeckt wurde und zwar schon nach sechs Jahren? Das bedeutet einfach, dass es ein statistisches Problem gibt. Also im Fachjargon klingt das so, die Mars Ejection Rate, also die Massenauswurfrate von Sternensystemen, müsste völlig unrealistisch groß sein, um den interstellaren Raum ausreichend mit ihnen zu füllen, sodass wir ein Objekt wie Oumuamua schon nach sechs Jahren nach Inbetriebnahme von Pan-STARRS finden.

Franziska Konitzer Gut, dagegen würde ich dann argumentieren, dass da halt die Stichprobengröße weiterhin nur zu dem Zeitpunkt 1 war oder ist und ich ja also nicht so auf meinen Modellen rumreiche. Ich weiß ja noch gar nicht, bei einer Stichprobengröße von 1, wie unwahrscheinlich das wirklich ist.

Karl Urban Ja, also letztlich ist das Problem, ich wohne hier so ein bisschen, ich habe gestern darüber nachgedacht, einen kleinen Spaziergang gemacht, ja, hier sind rundum so Streuobstwiesen und wenn ich mir jetzt vorstelle, ich bin hier gerade hergezogen und ich gehe das erste Mal auf so eine Streuobstwiese, und ich sehe eine Honigbiene, dann sage ich mir, naja, gibt es hier wahrscheinlich viele.

Karl Urban Und wenn ich das erste Mal auf diese Wiese gehe, ist es trotzdem ja nicht so unwahrscheinlich, dass ich eine Honigbiene sehe. Aber wenn ich auf diese Wiese gehe und das erste, was ich sehe, ist ein Braunbär, dann kann es natürlich sein, dass der einzige Braunbär, der gerade durch Deutschland oder durch Süddeutschland streift, zufällig gerade vor mir steht.

Karl Urban Aber der Zufall wäre schon sehr, sehr, sehr groß, dass das passiert. Und viel wahrscheinlicher ist es, dass es wahrscheinlich noch einige mehr Braunbären gibt. Und das ist das Problem, was hier besteht. Also die Stichprobe ist klein, aber es ist tatsächlich merkwürdig, unrealistisch merkwürdig. Okay. Also in Zahlen ausgedrückt.

Franziska Konitzer Ich nehme das mal so hin.

Karl Urban Damit die Zahl von URMUR-artigen Objekten im interstellaren Raum irgendwie hinkommt und das nicht völlig extremer Zufall ist, müssten unsere Schätzungen, wie viele Objekte es da draußen gibt, ungefähr um acht Größenordnungen daneben liegen. Also die Spannbreite ist groß, hier steht zwei bis acht Größenordnungen.

Karl Urban Also es gibt 100 bis 100 Millionen Mal mehr solcher Objekte als bisher gedacht. Und man könnte jetzt sagen, das ist so unwahrscheinlich, Das war vermutlich einfach ein außerirdisches Raumschiff. Aber ich möchte hier mal zwei Es-Sei-Dens ergänzen.

Franziska Konitzer Ja, ich atme schon tief ein.

Karl Urban Nummer eins, es könnte, ich stiche hier die ganze Zeit, du musst es einfach ertragen, Franzi.

Franziska Konitzer Achso, du willst, dass ich irgendwann quasi das Mikrofon weiße. Genau.

Karl Urban Also ich habe ja auch gesagt, das basiert ja alles auf Papern von sehr vielen verschiedenen Menschen. Also ich arbeite mich hier nicht an diesem Herrn von der Harvard University unbedingt ab, obwohl er natürlich diese Argumente auch verwendet, sondern es sind tatsächlich weit diskutierte Probleme. Zu diesem statistischen, zu dieser statistischen Herausforderung gibt es dieses zwei es sei denn's.

Karl Urban Das eine ist, es könnte sein, dass die Sonne viel weniger solcher Objekte als andere Sterne hat. Vielleicht ist unser Sonnensystem einfach ein schlichtes Beispiel und ist ist unterdurchschnittlich von dem, wie viele solcher Objekte es hat, hatte und nach draußen geschmissen hat. Das könnte natürlich sein, weil wir kennen natürlich vor allem unser Sonnensystem, und extrapolieren von dessen Eigenschaften, wobei acht Größenordnungen natürlich dann schon eine Hausnummer ist.

Karl Urban Aber es sei denn, Nummer zwei gibt es auch noch. Vielleicht ist die Verteilung solcher Objekte in der Milchstraße nicht homogen und isotrop. Also es gibt die Vermutung, es könnte in der Galaxis Zonen mit mehr dieser Brocken geben oder weniger Brocken. Also es gibt so Wolken von denen, die sammeln sich. Es gibt sowas wie interstellare Kometenschauer.

Karl Urban Und wenn die Sonne gerade durch so einen Schauer fliegt, dann wird auch der Vorbeiflug eines Oumuamua wahrscheinlicher. Das ist auch Spekulation. Wir wissen das nicht. Wir konnten sowas bis jetzt nicht messen.

Franziska Konitzer Die große Variante, wie wenn wir einen Sternschnuppenregen haben, weil sich die Umlaufbahn der Erde gerade mit der Dreckspur von einem Kometen kreuzt. Das wäre dann….

Karl Urban Genau, also ja, da gibt es Unwissen, aber es gibt auf jeden Fall Auswege zu dieser ersten Frage, warum er überhaupt existiert.

Franziska Konitzer Ja, wobei die Frage ja dann nicht, warum existiert er überhaupt, sondern warum ist er überhaupt bei uns vorbeigekommen? Also wie kam es dazu?

Karl Urban Genau, das könnte man auch sagen. Die zweite Frage, ich habe ja gesagt, es gibt sechs, ist, wo kam er her? Und die offensichtliche Hypothese lautet folgendermaßen, vielleicht ist alles ganz gewöhnlich und Moa Moa kam einfach aus unserem eigenen Sonnensystem. Irgendwas hat ihn auf die schiefe Bahn gebracht, zum Beispiel ein zu naher Vorbeiflug an einem großen Planeten.

Karl Urban Das hat man am Anfang gedacht, ja, aber sein Tempo ist dafür viel zu hoch. Das liegt relativ zum Planetensystem bei sportlichen 26 Kilometern pro Sekunde. Und das schließt schon mal aus, dass er einfach durch einen Flyby zum Beispiel am Jupiter zur Sonne gelenkt worden ist. So schnell kann dabei nämlich kein Komet werden.

Karl Urban Die nächste Hypothese ist, er kam vielleicht aus der Orchenwolke eines anderen Planetensystems. Und hier mache ich eine kleine Klammer auf. Das ist nämlich eine ganz interessante Idee. Die Orchenwolke ist ja grob so eine kugelförmige Sphäre aus Schutt aus der Entstehungszeit des Planetensystems, bevor unter anderem unsere Sonne geleuchtet hat.

Karl Urban Dieser Schutt ist dann in alle Richtungen davongeschleudert worden, aber ist noch noch gravitativ zum Beispiel an die Sonne gebunden. Und von der Ortschen Wolke wissen wir überhaupt nur, weil es da eine bestimmte Klasse von unseren eigenen heimischen Kometen gibt, sogenannte langperiodische Kometen, deren Orbits eben nicht in der Bahnebene der Planeten liegen.

Karl Urban Und diese langperiodischen Kometen verbindet, dass sie aus allen Raumrichtungen zu kommen scheinen. Also die sind zwar langsam, deswegen wissen wir, die sind noch an die Sonne gebunden, aber die fliegen sehr weit nach draußen. Und deswegen glauben wir, dass die Ortsche Wolke eben eine Kugel von Objekten aus solchen sehr eisreichen Brocken ist und die Sonne in sehr großer Entfernung umgibt.

Karl Urban Und wenn dort draußen mal zwei dieser Brocken zusammenstoßen oder ein Stern etwas zu nah an der Sonne vorbeifliegt, dann gerät eben die Ortsche Wolke in Unordnung und dann kann es immer mal wieder den ein oder anderen langperiodischen Kometen geben, der bei uns vorbeikommt. Das ist jetzt nur mein kleiner Einschub.

Karl Urban Vielleicht nur noch zum Thema langperiodisch. Diese Kometen haben halt wirklich lang erstreckte Bahnen und Modellrechnungen sagen, dass sich die Ortsche Wolke grob über 50.000 bis 100.000 astronomische Einheiten erstreckt. Das ist also eine sehr große und sehr diffuse Hohlkugel. Eine astronomische Einheit ist der Abstand Erde-Sonne.

Karl Urban Und die äußere Grenze unserer Ortschen Wolke, diese 100.000 astronomischen Einheiten, heißt auch, das sind schon 1,6 Lichtjahre.

Franziska Konitzer Also könnte, ja, braucht auch Voyager 1 noch eine Weile.

Karl Urban Bis es da mal vorbeikommt. Genau. Und eben habe ich ja gesagt, vielleicht kommt Oumuamua nicht aus unserer eigenen Ortschenwolke, sondern aus einer der vielen Ortschenwolken anderer Sternsysteme in unserer Umgebung. Und diese Idee stammt aus einem der ersten Paper zu Oumuamua von Eric Mamajek vom Jet Propulsion Laboratory der NASA.

Karl Urban Und sein Paper war auch für mich das erste Mal, dass ich dieses Wort im Plural gelesen habe, Ortsche Wolken. Anderswo stand da auch Exo-Ortsche Wolken, fand ich auch sehr schön. Und der Kernpunkt ist der, also Oumuamua, wenn der aus der Nachbarschaft der Sonne kommt, das ist ja nicht so abwegig, unser Nachbarsystem Alpha Centauri besteht ja eigentlich aus drei Sternen und dürfte entsprechend eine ziemlich große Ortsche Wolke haben, die sogar 5,5 Lichtjahre ins All hinausreicht.

Karl Urban Und das würde bedeuten, dass sich die Ortschen Wolken der Sonne und die von Alpha Centauri teilweise überlappen.

Franziska Konitzer Ja stimmt, weil wenn Alpha Centauri 4,3 Lichtjahre weg ist, aber die Orchewolke 5,5 Lichtjahre Radius hat, dann wird sich das überschneiden mit der Erde, also nicht mit der Erde, mit unserem Sonnensystem plus Orchewolke.

Karl Urban Genau, also das ist eigentlich eine schöne Idee, das kann man aber ziemlich leicht nachprüfen und man konnte direkt feststellen, von Alpha Centauri kommt Oumuamua schon mal nicht, Nicht, denn seine Relativgeschwindigkeit zu unserem Nachbarsystem, also die Relativgeschwindigkeit von Oumuamua zu unserem Nachbarsystem liegt bei über 36 Kilometern pro Sekunde.

Karl Urban Ist also sogar noch größer als zur Sonne. Ja, aber es ist viel verzwickter. Also Eric Mamajek hat sich nämlich die Geschwindigkeit so einiger sonnennaher Sterne angeschaut und stellte dabei fest, dass seine Geschwindigkeit auch nicht zu Sirius passt. Nicht zu Ross248, nicht zu Ross128, nicht zu Ross154, nicht zu Wolf359, an dieser Stelle einen schönen Gruß an die Borg aus Star Trek.

Karl Urban Ah, das waren tolle Folgen.

Franziska Konitzer Das müsste ich mir mal wieder angucken.

Karl Urban Umuamuas Geschwindigkeit passt übrigens auch nicht zu Lalonde21185, nicht zu Lakai9352, nicht zu Gliese65, nicht zu Luhmann16. Und Franziv, wenn du dich fragst, was ist mit Banars Pfeilstern, von dem kommt Umur Muar auch nicht.

Franziska Konitzer Sehr gut, wenn der überhaupt.

Karl Urban Ja.

Franziska Konitzer Okay, also die Nachbarschaft ist raus, höre ich damit.

Karl Urban Die sind raus. Es gab dann noch ein späteres Paper und da haben Astronomen sogar ganze 200.000 der nächsten Sternensysteme untersucht und fanden keinen einzigen überzeugenden Kandidaten, zu dem Oumuamuas Geschwindigkeit auch nur ansatzweise passt.

Franziska Konitzer Okay.

Karl Urban Vielleicht mit einer Einschränkung, zumindest was die Richtung angeht, aus der er kommt, könnte es vor ungefähr 820.000 Jahren einen Vorbeiflug an Gliese 876 gegeben haben, einem Zwergstern im Sternbild Wassermann, der 15 Lichtjahre von uns entfernt ist. Aber die Autoren sagen, die Distanz ist schon zu groß, um wirklich sicher sagen zu können, dass ein Vorbeiflug passiert ist.

Karl Urban Also das hier ist ein bisschen ein anderes Argument. Ich habe davor über Relativgeschwindigkeiten geredet und hier geht es jetzt um die Richtung. Und hier gibt es ein großes Grundproblem, nämlich das galaktische Schwerkraftpotenzial ist nicht so richtig gleichförmig und die Flugbahn von interstellaren Objekten wird innerhalb einiger Dutzend Jahrmillionen durch alles Mögliche gestört.

Karl Urban Und wir können somit eigentlich nur sagen, die Geschwindigkeit passt nicht zu den bekannten Nachbarsystemen, aber die Flugbahn zurückzurechnen zu einem einzelnen Stern, das scheint sowieso gar nicht möglich zu sein. Ja. Es gibt allerdings noch einen anderen möglichen Ursprung, der möglicherweise auch erklärt, warum wir keinen passenden Stern finden.

Karl Urban Vielleicht ist es die Ortsche Wolke eines Sterns, den es gar nicht mehr gibt. Denn eine Ortsche Wolke ist ja nur während der aktiven Kernfusion eines Sterns an ihn gebunden, aber wenn ein Stern in sich zusammenfällt, weil sein Brennstoff aufgebraucht ist und er seine letzten Gashöhlen abwirft, sinkt seine Anziehungskraft.

Karl Urban Und dann dürfte auch die Bindung an dessen Ortsche Wolke verloren gehen, das heißt, vielleicht stammt Oumuamua von einem weißen Zwerg, also einer kleinen Sternenleiche.

Franziska Konitzer Das finde ich aber, aber warum hat er dann so viel Bums? Also ich meine, ich würde dann erwarten, wenn auf einmal die gravitative Anziehung, weil der Stern irgendwie seinen planetarischen Nebel natürlich vorher abstößt und den ganzen Kram, dass dann die Ortsche Wolke sich eher auflösen würde, aber dann würde das ja nicht irgendwie so ein Kick kriegen, womit es dann irgendwie, naja gut, aber ich kenne mich da auch nicht.

Karl Urban Ja, also good point, in Bewegung gesetzt werden muss er natürlich auch, Aber dann ist natürlich auch die Frage, wenn sich so eine Ortsche Wolke auflöst, wenn das ein Stern war, der relativ zu uns irgendwie sehr schnell unterwegs ist. Also Banars Fallstern ist ja auch so einer, der ist recht schnell unterwegs.

Karl Urban Die Zahl habe ich gerade nicht im Kopf. Kann es natürlich trotzdem sein, dass der dann mit seinem Stern, den wir nicht sehen, weil es halt nur ein weißer Zwerg ist und der sehr unauffällig ist, einfach jetzt so durch die Gegend zieht.

Franziska Konitzer Ich finde das immer noch super spannend, weil es ist ja auch nicht, also ich meine, wir sagen jetzt Ortsche Wolke und langperiodische Kometen und Pipapo, aber wenn man es streng nimmt, ist ja auch die Ortsche Wolke in unserem eigenen Sonnensystem immer noch, also muss hypothetisch sein, weil es wurde ja noch nichts beobachtet.

Franziska Konitzer Das ist ja jetzt nicht so wie bei den transneptunischen Objekten, also da, wo Pluto rumdümpelt, wo man dann immer mehr gefunden hat und festgestellt hat, oh, da ist was, dieser Kuipergürtel und so. Die Ortsche Wolke, da hat man ja noch nie hingeschaut und gesagt, oh, da sind ganz viele kugelförmige Objekte, sondern es ist einfach nur aufgrund dieser langperiodischen Kometen.

Franziska Konitzer Und deshalb, wenn man sagt, okay, die Ortsche Wolke von einem anderen Stern, den wir nicht kennen und dann passiert das, wenn jetzt so ein weißes, ist halt echt so, dass es ein Einsprung zu einem anderen, was schon….

Karl Urban Ja, es ist halt dieses Wissenschaftsgebäude letzten Endes, viele Postulate, auf denen wir auch irgendwie fußen. Wobei ich sagen würde, die Ortsche Wolke ist schon relativ gut belegt, dass die existiert, einfach durch die langperiodischen Kometen. Und es gibt ja noch die kurzperiodischen Kometen, die aus diesem Kuipergürtel kommen, der in der Planetenebene plus minus liegt, wie auch Pluto und einige andere große.

Karl Urban Aber ich glaube, also Pluto hat man glaube ich schon vorher entdeckt, aber die Postulierung des Kuipergürtels passiert da auch auf Basis von Kometen. Und bevor man da größere Zahlen von Objekten gefunden hat.

Franziska Konitzer Nein, also verstehe mich nicht falsch. Ich zweifle jetzt nicht tatsächlich an die Existenz der Orgenwolke unseres Sonnensystems an. Es ist nur so, wenn du quasi Schlüsse über das Verhalten einzelner Objekte in dieser Wolke machen, dann müsstest du ja erstmal mehr Teile der Wolke an sich kennen, weil du weißt ja auch im Moment nicht, okay, Ortsche Wolke, aber wie viel Prozent davon sind denn langperiodische Kometen in unserem Sonnensystem und wie viele Objekte dümpeln da einfach dann nur da aus, das meine ich eher damit.

Franziska Konitzer Also du musst ja Detailwissen, worauf du deine Annahmen dann aufbaust und basierst und Schlüsse ziehst, aber wenn du halt die Eigenschaften dieses Objekts nur sehr ungenügend kennt, wird das halt schwammig.

Karl Urban Würde ich sagen. Genau. Und damit ist, das umreißt eigentlich auch das Problem, um das es heute geht. Also welches Wissen haben wir? Ich kann ja mal zur dritten Frage kommen. Also die dritte Frage lautet, was sagt uns die Rotation von Oumuamua? Und das ist ein Punkt, der auch bis heute so ein bisschen perplex macht. Und zwar…, Erstmal die Frage, wie konnten wir überhaupt die Rotation von Oumuamua bestimmen?

Karl Urban Denn der ist ja ein ziemlich kleines Objekt, der hat so einen Durchmesser von ein paar Zehnermetern, glaube ich. Und der war eigentlich zu jedem Punkt in den Teleskopen, die ihn beobachtet haben, nur ein Punkt. Aber bei so kleinen Objekten kann man eben über die Zeit bestimmen, wie sich seine Helligkeit verändert.

Karl Urban Und diese Helligkeitsveränderungen entstehen dadurch, dass während seiner Rotation mal mehr und mal weniger seine Oberfläche von der Sonne beschienen wird und in unsere Richtung zeigt. Und wenn diese Helligkeit stark oder in einem komplexen Muster schwankt, spricht das eher für eine unförmige Gestalt.

Karl Urban Und was das angeht, hat Umua Mua so richtig geliefert und ich zitiere mal aus einem Paper dazu, die Schätzungen für die Rotationsperiode sind inkonsistent und variieren zwischen 6,9 und 8,3 Stunden.

Franziska Konitzer Ah, also wir wissen es nicht.

Karl Urban Doch, wir wissen schon was.

Franziska Konitzer Also wir wissen aber nicht wie.

Karl Urban Also was genau bedeutet das? Das ist Physik, Mechanik, erstes Semester, diese Vorlesung habe ich sogar besucht, bevor ich mein Studienfach gewechselt habe.

Franziska Konitzer Ich habe sie verdrängt.

Karl Urban Also ein frei rotierender Körper hat demnach eigentlich genau eine Hauptdreckheitsachse, also die Achse, um die der Körper rotiert, ohne dass eine Unwucht auftritt. Und diese Hauptdreckheitsachse verläuft durch den Schwerpunkt. Und wenn sie das nicht tut, das ist auch möglich, dann verschiebt sich die Richtung der Achse fortwährend und in diesem Fall spricht man von einem taumelnden Objekt.

Karl Urban Und diese inkonsistente und variierende Rotationsperiode von Oumuamua bedeutet, dass er taumelt. Ist das jetzt irgendwie überraschend, denn taumelnde Objekte neigen dazu, wenn sie gedämpft werden, nach einer bestimmten Zeit wieder um eine ihrer Hauptdreckheitsachsen zu rotieren, weil das einfach mechanisch stabiler ist.

Karl Urban Und naja, es ist nicht so richtig überraschend bei Umua Moa. Wir hatten den zwar erst entdeckt, als er seinen Sonnennächstenpunkt schon durchschritten hatte und man könnte sich überlegen, ob irgendwie in der Nähe der Sonne irgendwie so eine, Unwuchtkraft auf ihn gewirkt hat und ihn irgendwie in komische Rotation versetzt hat. Das ist aber nicht anzunehmen.

Karl Urban Also das ist nicht so wahrscheinlich. Dafür reicht die Kraft der Sonne nicht. Um ihn zum Taumel zu bringen, müsste schon deutlich mehr passieren, irgendwas einschlagen oder so. Man kann aber ausrechnen, wie lange ein Körper im interstellaren Raum braucht, um durch die dort zum Beispiel auftreffenden Teilchen, das sind jetzt nicht so wahnsinnig viele, so gedämpft zu werden in seiner Rotation, dass sich aus einem Taumeln eine reguläre Rotation um eine der Hauptträgheits oder um die Hauptträgheitsachse verwandelt.

Karl Urban Und diese Dämpfungszeit, es liegt so überschlagsmäßig bei über einer Milliarde Jahre. Oh, ja, und das ist schon völlig im Rahmen für die Reisezeit, die Uumuamua zwischen verschiedenen Sternensystemen zurückliegt. Und eine andere Berechnung ergab sogar, die Dämpfungszeit könnte länger als das Alter des Universums sein.

Franziska Konitzer Also es ist nicht erstaunlich, dass Muamua taumelt.

Karl Urban Es ist deshalb nicht erstaunlich und zweitens ist es auch deshalb nicht erstaunlich, weil wir kennen auch taumelnde Asteroiden und Kometen aus unserem eigenen Sonnensystem. Und gerade bei so kleinen Objekten ist das eher die Normalität.

Franziska Konitzer Dass sie taumeln.

Karl Urban Es klingt auch irgendwie sinnvoll, so ein großes Objekt. Das ist gar nicht so leicht zum Taumeln zu bringen, aber so ein kleiner Kläffer, der ist leicht mal irgendwie, trudelt mal gerne so wild durch die Gegend. Das heißt, das Taumeln ist nicht ungewöhnlich, aber, auch wenn wir nicht genau sagen können, woher es stammt, aber die genaue Beschreibung der Rotationsbewegung hat für etwas anderes geholfen, denn damit konnten sich dann die Modellierer hinsetzen und ausrechnen, welche Form Oumuamua hat.

Karl Urban Und wie das geht, kann man sich auch recht leicht überlegen. Also wäre Oumuamua rund, würde seine Helligkeit viel weniger schwanken, als wenn er zum Beispiel lang gestreckt ist und er ab und zu seine schmale Seite in unsere Richtung zeigt und dabei sozusagen fast unsichtbar wird.

Franziska Konitzer Und wenn das sphärisch wäre, dann würde er sowieso überhaupt nicht taumeln.

Karl Urban Ja, genau. Aber das spielt natürlich irgendwie beides zusammen. Also weil auch die Helligkeit der Oberfläche, wenn die sehr heterogen ist, also an manchen Stellen sehr hell, an anderen sehr dunkel, muss man das natürlich auch noch einberechnen. Aber wenn man diese Taumelbewegung mal hat und diese Perioden, dann kann man sozusagen diese zwei Effekte ein bisschen auseinanderrechnen.

Karl Urban Deswegen muss man es modellieren. Und das Ergebnis ist, ja, Umur-Muah ist gelinde gesagt ziemlich merkwürdig geformt. Also eine Aussage ist, das Verhältnis seiner längsten zur kürzesten Seite liegt bei mindestens 5 zu 1. Manche sagen sagen auch 6 zu 1, also Mua ist eine Zigarre. Und vielleicht nur zu dieser Zigarre, wie so eine Form entsteht, ist völlig unklar.

Karl Urban Also möglicherweise ist die Form das Resultat von Abnutzung ausgelöst durch eine lange Passage durch ein mehr kleiner Partikel. Das ist auch ein Zitat aus einem Paper. Klingt sehr komisch. Da steht auch nicht genauer, was die sich darunter vorstellen. stellen. Alternativ könnte Umoamoa auch ein Contact Binary sein, also ein Kontaktbinärsystem, das aus zwei weniger extrem ausgedehnten Komponenten mit unterschiedlicher Zusammensetzung besteht.

Karl Urban Beides ist denkbar, allerdings haben wir in unserem eigenen Sonnensystem bisher kein einziges Objekt mit einem Seitenverhältnis von 5 zu 1, geschweige denn 6 zu 1 gefunden. Und es gibt noch eine andere mögliche Lösung, die vielleicht sogar wahrscheinlicher ist für die Form Auf die wolltest du gerade hinaus vermutlich.

Karl Urban Die ist aber auch nicht wirklich besser. Also Oumuamua könnte demnach ein abgeplattetes Oval sein. Man sagt dazu einfach Pfannkuchen. Ob Lata, Spheroid. Und ich sage dazu Pfannkuchen. Nein, ich komme aus Berlin. Ich sage dazu Eierkuchen.

Franziska Konitzer Solange wir nicht die Buletten, Frikadellen, Fleischpflanzer-Debatte aufmachen.

Karl Urban Ich habe da irgendwann mal am Duden geguckt, weil ich mich hier mit meinen süddeutschen Bekannten gestritten habe, was jetzt der hochdeutsche Begriff ist. Und der Duden sagt, das Ding heißt Eierpfannkuchen. So viel dazu, das sagt wahrscheinlich kein Mensch irgendwo.

Franziska Konitzer Nein, einfach nur nein. Aber gut, also wir können uns also für Mumma merken, entweder Zigarre oder abgeflachter Oblatasferoid oder halt dann Eierkuchen.

Karl Urban Wie Avi Löb sagt, ein extrem dünnes Objekt wie ein Sonnensegel. Ja, bestimmt. Genau, du darfst wieder schwer atmen. Also fassen wir zusammen, um Moa Moa taumelt, was man schon irgendwie erklären kann. Er hat eine Form, entweder eine Zigarre oder einen Pfannkuchen und solche Objekte gibt es natürlicherweise eigentlich nicht, kennen wir jedenfalls nicht.

Karl Urban Oder, genau, wir kennen sie nicht, jetzt kennen wir eins. Und damit komme ich zur vierten Frage. Und diese vierte Frage ist sozusagen der Kern der Merkwürdigkeit, die lautet, warum gab es keinen Gasausbruch? Eigentlich zusammen mit der fünften Frage, aber ich habe das hier mal getrennt. Also reden wir erstmal über den Gasausbruch oder den keinen Gasausbruch.

Franziska Konitzer Du musst erstmal sagen, was ein Gasausbruch überhaupt, glaube ich, ist.

Karl Urban Ja, das sage ich jetzt. Also Oumuamua wurde ja schon in diesem ersten Bericht von diesem Minor Planet Center elektronisches Rundschreiben.

Franziska Konitzer Habe ich gemerkt.

Karl Urban Elektronisches Rundschreiben, genau. Komet genannt. Obwohl er schon in der, genau, also dort wurde er so genannt. Damals, 2017, wurde er so genannt, weil man geglaubt hat, so ein interstellares Objekt müsste eigentlich ein kometenartiges Verhalten zeigen. Und was genau heißt das? Schweif, der der aus dem sublimierten Gas und davon mitgerissenem Staub besteht.

Karl Urban Und da Oumuamua ja nun wirklich, wirklich von weit draußen kommt, war davon auszugehen, dass das Objekt, wenn es nah an unserer Sonne vorbeifliegt, auch eine Koma, das heißt die Koma, glaube ich, und einen Schweif ausbildet. Und übrigens fand ja der Amateurastronom Gennady Borisov im Jahr 2019, also zwei Jahre nach Oumuamua, das zweite interstellare Objekt, den später nach ihm benannten 2i Borisov.

Karl Urban Und der entwickelte einen wunderschönen Schweif, verhielt sich auch in allen anderen Aspekten vorbildhaft wie ein Komet, wie die Kometen, die wir kennen aus unserem Sonnensystem. Und waren Sie schon, Franzi, genau das tat Oumuamua eben nicht.

Franziska Konitzer Ja, aber gerade Borisov ist für mich ein Beispiel dafür, also nicht um dem Amateurastronomen nahezutreten, Aber wenn es ein Amateurastronom schafft, mit seinem Teleskop ein interstellares Objekt auszuspüren, dann können sie ja wohl doch nicht allgemein so selten sein, wie das bei Oumuamua noch angenommen wurde.

Karl Urban Ja, aber wir gucken ja schon sehr, sehr intensiv. Können wir am Ende noch mal diskutieren.

Franziska Konitzer Statistik mit kleinen Stichproben. Okay, also Borisov, Bilderbuch, Kobet, wenn auch Interstellar, Oumuamua, komisch mit super komischer Form.

Karl Urban Genau, und Oumuamua, da hat man folgendes gemacht, um ganz sicher zu gehen, wurde nämlich am 21. Und 22. November 2017, also fast vier Wochen nach dessen Entdeckung, das Spitzer-Weltraum-Teleskop auf Oumuamua gerichtet. Spitzer ist ein Infrarot-Teleskop, mit dem man besonders gut kühle Gase und feinkörnigen Staub beobachten kann und spektroskopisch auch untersuchen kann, woraus all das besteht.

Karl Urban Und Spitzer hat man, genauer gesagt, nicht auf Oumuamua gerichtet, sondern auf die Stelle am Himmel, wo sich das Objekt befinden sollte. Denn da war es schon so leuchtschwach, dass er gar nicht mehr direkt erkennbar war. Und was macht man mit einem Teleskop, wenn ein Objekt sehr leuchtschwach ist? Ist, man hält es länger drauf.

Karl Urban Und Spitzer hat über 30 Stunden lang den korrekten Himmelsausschnitt belichtet, da ist man sich sicher. Und das Ergebnis dieser Mammutbeobachtung lautet folgendermaßen, jetzt noch mal ein Zitat aus einem Paper zur Abwechslung, mal auf Englisch. We did not convincingly detect Oumuamua. Also Spitzer hat von Oumuamua nichts gesehen.

Franziska Konitzer Wow. 30 Stunden Teleskopzeit mit dem Spitzer-Weltraumteleskop.

Karl Urban Das ist eine Ansage.

Franziska Konitzer Auch eine Nicht-Entdeckung ist ja in dem Sinne eine Entdeckung, aber ich stelle dir mal vor, 30 Stunden lang und dann guckst du auf die Daten und siehst nichts. Da würde ich ja auch erstmal, da würde ja platzen, ne?

Karl Urban Genau, die Frage ist, bedeutet das, dass es keine Gase gab, die entwichen sind? Und die Antwort lautet, nicht ganz, aber fast. Also die Forschenden kennen ja die Empfindlichkeit von dem Spitzer-Teleskop sehr gut. Und die sagen, sie haben mit ihrer Beobachtung ein oberes Limit für solche möglicherweise entweichenden Gase gesetzt.

Karl Urban Speziell für Kohlenmonoxid und Kohlendioxid. Und die kann man nämlich ziemlich gut feststellen. und das liegt deutlich unter dem, was man für einen Feld-, Wald- und Wiesenkometen erwarten würde.

Franziska Konitzer Aber es ist nicht großartig, immer wenn man nichts findet in der Physik, dann macht man entweder ein oberes Limit für irgendwas fest oder ein unteres Limit. Man sagt eigentlich nie, oh, wir haben nichts gefunden, sondern es gibt ein Upper Limit und ich so, okay. Also, macht ja Sinn, warum man das macht, aber ich, äh.

Karl Urban Ein Negativbeweis ist meistens schwierig, ne?

Franziska Konitzer Ja.

Karl Urban Ja, also Oumuamua ist ein interstellares Objekt, zeigt aber kein kometenhaftes Verhalten, was für sich vielleicht nicht so ungewöhnlich ist, denn auch unsere Kometen bilden nicht alle einen ausgeprägten Schweif. Es gibt auch welche, die machen es nicht. Es gibt übrigens auch Asteroiden, die bilden Schweife aus, ein anderes Thema.

Karl Urban Also nicht ungewöhnlich, nicht ganz ungewöhnlich, wenn da nicht noch die folgende zweite Merkwürdigkeit in diesem Zusammenhang wäre oder meine fünfte und die lautet so, warum zum Henker wurde Umua Mua an der Sonne schneller.

Franziska Konitzer Ah ja, die Sonnensegel-Hypothese.

Karl Urban Genau. Also, was genau bedeutet das? Wenn man sich seine Geschwindigkeit relativ zum Abstand von der Sonne anschaut, da stimmte nämlich was nicht. Normalerweise ist es so, wenn ein Objekt auf einer exzentrischen Bahn, also einer sehr weit erstreckten Bahn zur Sonne hinfliegt, wird der schneller. Dann geht er über seinen sonnennächsten Punkt, da ist das Tempo in der Regel maximal und dann entfernt er sich wieder von der Sonne und dann wird er wieder etwas langsamer mit der Zeit.

Karl Urban Und Oumuamua tat etwas anderes. Sein Tempo deutet auf eine zusätzliche Beschleunigung nach dem Vorbeiflug hin, die dann quadratisch zum Abstand wieder abnahm.

Franziska Konitzer Ich frage dich jetzt nicht nach den Details, warum das so ist, wie man das überhaupt wissen kann, weil ja Oumuamua sowieso erst entdeckt wurde, nachdem es schon längst einmal um die Sonne rum war.

Karl Urban Es ist eine Beschleunigungskomponente. Die Beschleunigungskomponente, man hat ihn, ich glaube, mehrere Wochen nach dem Sonnenlistenpunkt beobachtet und da war die noch nicht wieder auf Null gefallen und man hat sie sozusagen in der Entwicklung beobachtet und dann zurückgerechnet. Also so stelle ich mir das vor, also man hatte ja schon so ein bisschen Beobachtungszeit, einige Wochen.

Karl Urban Und was war das für eine Beschleunigung? Man spricht ja auch von einer nicht-Newtonischen Beschleunigung, also einem Verhalten, das nicht voll durch die Gravitationsgesetze erklärt wird. Und das bedeutet nicht automatisch Star Trek-Technologie, denn so ein Verhalten kann einfach natürlich auftreten, nämlich bei Kometen.

Karl Urban Und auf einem Kometen, der der Sonne nahe kommt, sublimiert Eis. Es gibt eben diese Ausbrüche auf der Oberfläche. Es bildet sich zeitweise diese Koma, also die dünne Atmosphäre und der Schweif. Und so ein aktiver Komet ist eigentlich so eine Art natürliche Rakete. Und tatsächlich war Oumuamua auch vergleichsweise hell, was für einen Kometen spricht, aber leider zeigte er eben weder Koma noch Schweif, denn beides hätte man bei diesem 30-Stunden-Beobachtungsmarathon des Spitzer Weltraumteleskops gesehen. sehen.

Karl Urban Tja, also wenn er keinen Schweif hatte, stellt sich die Frage, wie zum Henker soll man das erklären, dass er trotzdem zeitweise schneller gewesen ist oder geworden ist. Und das ist tatsächlich nicht so einfach ohne außerirdisches Segel, aber es geht. Dazu kommen wir aber später.

Franziska Konitzer Okay. Ich hab so, ich hab so, ich hab so Angst, also ich glaube, ich weiß ja hoffentlich, wie es ausgeht, aber ich hab so Angst, dass du dann mir das jetzt alles erzählst und am Ende sagst, es waren Aliens. Oh weh. Wait for it. Ich strick schon immer enger vor lauter Anspannung.

Karl Urban Keine Maschen verlieren.

Franziska Konitzer Wenn das Oberteil am Ende zu klein ist, Karl, dann ist das, ja genau. Weißt du, dann will ich mich wenden. Okay, also.

Karl Urban A wie Löw, ja. Also, sechste, letzte Merkwürdigkeitsfrage noch. Ähm. Noch so eine Kleinigkeit, nämlich die Frage, woraus besteht die Oberfläche von Umoamoa eigentlich und warum war da kein Eis, das in Gas verwandelt werden konnte? Das hängt so ein bisschen mit der davor zusammen. Da gibt es tatsächlich ein paar Ideen, also vielleicht ist Umoamoa mal nah an einer Supernova vorbeigeflogen. Finde ich interessant.

Franziska Konitzer Zuerst an einer Supernova und dann auch noch ums Sonnensystem, weil warum nicht?

Karl Urban Warum nicht? Ich meine, Supernovae passieren, in der Erdgeschichte gibt es, auch Vermutungen, dass da durchaus mal Einwirkung aufs Leben passiert ist und wenn so ein Objekt viele Millionen bis 100 Millionen bis Milliarden Jahre durch die Milchstraße fliegt, ja, warum soll er nicht auch mal an so einem Ding vorbei, an so einer Explosion vorbeikommen und die Helligkeit von Supernovae liegt ja kurzzeitig über der Leuchtkraft ganzer Galaxien und wenn da ein interstellares Objekt eben ein paar Lichtjahre entfernt vorbeifliegt, ist es tatsächlich so, die Strahlung wäre so intensiv, dass schon mal ratzfatz das oberflächliche Eis komplett verdampft worden Es gibt noch eine andere Möglichkeit und die ist,

Karl Urban wir schauen uns mal unsere eigene Ortsche Wolke an, beziehungsweise die Kometen, die von dort kommen. Und ist da denn alles eisig? Und tatsächlich ist das nicht so. Also es gibt schweiflose Kometen, die wahrscheinlich auch noch nie an der Sonne vorbeigeflogen sind oder nicht oft, aber die darauf hindeuten, dass diese Objekte von unserer Ortsche Wolke kommen.

Karl Urban Unter denen gibt es tatsächlich einige wenige sehr trockene Objekte. Also hier geht es wieder um Wahrscheinlichkeiten. Das spricht so ein bisschen dagegen, dass ausgerechnet Oumuamua so einer ist. Aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht null. Also schon denkbar. Es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Vielleicht besitzt Oumuamua eine besonders dicke Kruste und einen noch unbekannter Prozess, der die Sublimation dauerhaft verhindert. Das wäre natürlich auch denkbar.

Karl Urban Das erklärt aber dann wiederum nicht die Beschleunigung. Genau, also... Also, Zusammensetzung ist unklar, aber immerhin gibt es ein paar Erklärungsansätze, also es ist nicht alles völlig merkwürdig, aber der Zusammenhang mit der Beschleunigung ist nach wie vor komisch. So, und jetzt komme ich zu einem Punkt, ich habe den überschrieben mit Oumuamua kann man ganz natürlich erklären.

Franziska Konitzer Okay, ohne Aliens und Sonnensegel.

Karl Urban Ja, genau. Aber mit so ein paar Fußnoten. Aber ich fasse es nochmal kurz zusammen. Also erstens ist es merkwürdig, dass wir ihn so schnell gefunden haben, denn das deutet darauf hin, dass da unrealistisch viele solcher Objekte rumsausen. Zweitens ist es unklar, wo er hergekommen ist. Drittens hat er eine merkwürdige Zigarren- oder Pfannekuchenform, die wir ihm jetzt vorgesehen haben.

Karl Urban Viertens entwickelt er keinen messbaren Kometenschweif. Fünftens, was umso merkwürdiger ist, weil er gleichzeitig eine nicht-newtonische Beschleunigung zeigte, was für einen Komet mit Schweif spricht. Sechstens, woraus seine Oberfläche besteht, ist auch nicht so klar. Und dann kann man natürlich sagen, das ist da so viel ungewöhnlich, dass man durchaus auch zu außergewöhnlichen Erklärungen greifen kann.

Karl Urban Ich sage das ganz wertfrei. Eine andere außergewöhnliche Erklärung wäre eben dieses außerirdische Raumschiff, eine Boje, eine Sonde und irgendein anderes Alien-Weltraum-Schrottstück mit einem Sonnensegel. Über all diese Dinge spekuliert Avi Loeb ausgiebig und zwar weniger in seinen Papern tatsächlich als in seinem populärwissenschaftlichen Buch von 2021 mit dem Titel Außerirdisch.

Franziska Konitzer Ich glaube, das ist das einzige Buch, was ich je rezensiert habe, ohne es zu Ende zu lesen. Ich habe das auch in der Rezension thematisiert, dass ich das leider Gottes nicht geschafft habe, aber ich habe es tatsächlich nicht, ja, ja, doch, doch, das war dieses Buch.

Karl Urban Ja, alles klar. Ich habe es zu Ende gelesen. Was?

Franziska Konitzer Warum?

Karl Urban Ich musste mich ja auch vorbereiten.

Franziska Konitzer Du bist ein größerer Mensch mit niedrigem Blutdruck als ich.

Karl Urban Es war nicht leicht, kann ich dir sagen. Es gibt, um das jetzt noch dazu zu sagen, außerhalb der Arbeitsgruppe von Avi Loeb kaum seriöse Astronomen, die zu diesen Schlussfolgerungen kommen.

Franziska Konitzer Du musst nicht kaum sagen, du kannst eigentlich sagen, gar keine.

Karl Urban Ja, ich würde kurz über die anderen Astronomen reden, denn es ist interessant. Also wir haben hier sozusagen so Messwerte, die man nicht so gut versteht und einige Widersprüche. Und was man jetzt machen muss, und das tut Avi Lüb letzten Endes auch, das tun aber auch andere, ist, dass man sich über Unknown Unknowns Gedanken macht.

Karl Urban Also über Dinge, über die man einfach noch nicht nachgedacht hat, weil man noch kein anderes Objekt wie Oumuamua gesehen hat. Und da gibt es ein paar Ideen, wie man auf die Eigenschaften dieses interstellaren Objekts, wie man die Eigenschaften auch natürlich erklären kann. Und die Argumentation beginnt meistens so, wir wissen und vermuten schon lange, dass es interstellare Kometen und Asteroiden geben muss, weil wir die Prozesse verstehen, die zum Rauswurf aus planetaren Scheiben oder Ortschenwolken führen.

Karl Urban Zum Beispiel Planetenmigration, die es ja auch in der Frühzeit unseres Sonnensystems gegeben hat, siehe Astrogehefolge 72, Chaos zwischen jungen Planeten.

Franziska Konitzer Ja genau, das ist unser Modell, wie die großen Planeten gewandert sind.

Karl Urban Und die große Frage ist, ob es wirklich viel zu viele interstellare Objekte gibt, also aus dieser ersten Merkwürdigkeitsfrage. Das ist keinesfalls klar, denn wir haben ja seit 2017 eben nur diese zwei gefunden, Oumuamua und Borisov und vielleicht ist die Rate, mit der wir sie bisher sehen, tatsächlich großer Zufall.

Karl Urban Dann ist da die Sache mit der Geschwindigkeit. Warum passt Oumuamua zu keinem unserer vielen Nachbarsysteme? Das ist auch gar nicht mal so ungewöhnlich, denn auch die Sterne der lokalen Gruppe, also der größere Nachbarschaft der Sonne, haben sich längst von der Geschwindigkeit ihrer Entstehungszeit, sie sind ja alle irgendwie aus einer Gaswolke oder die meisten von denen aus einer gemeinsamen Gaswolke entstanden, und die haben sich von dieser Geschwindigkeit, die sie damals hatten, die damals sehr ähnlich war, vor vier, fünf, sechs Milliarden Jahren entfernt.

Karl Urban Und Avi Loeb argumentiert, dass Oumuamua sehr weit vom lokalen Ruhesystem entfernt ist, also von der mittleren Geschwindigkeit der Sterne in Sonnennähe, was ja dafür spreche, dass ihn jemand bewusst auf eine hohe Relativitätgeschwindigkeit beschleunigt hat, jemand oder etwas. Aber vielleicht ist auch dieses abweichende Tempo gar nicht so ungewöhnlich, weil Oumuamua weicht zwar um 9 km pro Sekunde von dieser mittleren Sterngeschwindigkeit ab, aber die durchschnittliche Abweichung aller sonnennahen Sterne von diesem Rohrsystem liegt bei über 50 km pro Sekunde.

Karl Urban Das heißt, die Schwankungsbreite zwischen den Sternen ist sehr groß. Und da ist Oumuamua überhaupt kein Ausreißer eigentlich. Dann ist da noch die Frage mit dem Vorbeiflug an der Sonne und der zunehmenden schwer erklärbaren Geschwindigkeit bzw. Beschleunigung. Und diese Beschleunigung entspricht rein rechnerisch einem Masseverlust von einem Kilogramm pro Sekunde, was ganz prinzipiell zu einem Kometen von Oumuamuas Größe passen würde, wenn er denn ein Komet war.

Franziska Konitzer Also das ist nicht außergewöhnlich. Genau.

Karl Urban Wenn es ein Masseverlust war, entspricht das während der Beobachtung immerhin 10% der Masse von Oumuamua, die wie in einer Rakete oder in einem Kometenschweif weggeschleudert wurde. Man hat ja keinen Gasschweif und auch keinen Feinstaub gesehen, was aber überhaupt nicht heißt, dass die nicht da waren, sondern nur, dass man sie nicht messen konnte.

Karl Urban Und eine Möglichkeit ist, und das klingt jetzt korinthenkackerisch, dass es kein feiner Staub war, sondern grober Staub.

Franziska Konitzer Und den kann Spitzer da nicht sehen.

Karl Urban Denn feiner Staub erzeugt den Löwenanteil der Reflexion, den man im Teleskop sieht. Grober Staub ist dagegen quasi unsichtbar. Und tatsächlich gibt es Kometen, die solche Staubteilchen im gröberen Bereich von, grob heißt hier ein Millimeter bis runter zu einem zehnten Millimeter, absondern. dann. Aber leider bewegte sich Oumuamua in einer Distanz, in der man solchen Staub methodisch gar nicht feststellen konnte.

Karl Urban Und jetzt habe ich nur über Staub gesprochen. Da sind ja noch die Gase. Und die häufigsten Kometengase sind tatsächlich Kohlenmonoxid und Kohlendioxid. Die konnte man mit Spitzer nicht spektroskopisch nachweisen, obwohl Spitzer sowas sehr gut sehen kann. Aber es gibt einige Gase, die lassen sich aus der Ferne eben so schwer nachweisen wie grober Staub. Dazu gehört z.B.

Karl Urban Wasserdampf. Man würde zwar erwarten, dass zuerst kohlenstoffhaltiges Eis verdampft, weil deren Sublimationspunkt liegt unter dem von Wassereis. Aber vielleicht hat Oumuamua aus irgendeinem Grund nie welches besessen, also kein CO und CO2. Oder er hat es schon vorher irgendwo verloren. Und immerhin kennen wir einzelne unserer eigenen Sonnensystem-Kometen, die sehr wenig kohlenstoffhaltiges Eis und dafür deutlich mehr Wassereis besitzen.

Karl Urban Also, ja, denkbar.

Franziska Konitzer Oder es ist vorher eine Supernova vorbeigeflogen.

Karl Urban Ja, die Supernova muss dann aber irgendwie was noch übrig gelassen haben. Es gibt noch ein paar abseitigere Theorien. Und ich spreche immer noch nicht, längst noch nicht von Alien-Technologie. Es gibt nämlich noch zwei Gase, die hier entwichen sein könnten und die man in der entsprechenden Entfernung und mit den verfügbaren Teleskopen nicht gesehen hätte. Eines davon ist Wasserstoff, also nicht Wasser, sondern Wasserstoff.

Karl Urban Und die These ist, Oumuamua ist ein interstellar reisender Eisberg aus Wasserstoff. Denn Wasserstoffgas, das in Sonnennähe sublimiert wäre, mit dem verwendeten Teleskopen im optischen Radio- und Zentimeterwellen- und Diffrarotbereich nicht messbar gewesen. Warum das eine abseitige Theorie ist, ist recht schnell erklärt.

Karl Urban Und damit unter der Temperatur der kosmischen Hintergrundfläche. Grundstrahlung.

Franziska Konitzer Unwahrscheinlich. Würde man denn denken, oder ist es wirklich, dass es ein massiver Klopper aus gefrorenem Wasserstoff ist, oder dass es halt ein Klopper ist, wo gefrorener Wasserstoff drinnen ist?

Karl Urban Zu dem Wasserstoff drinnen komme ich gleich noch. Diese Hypothese sagt tatsächlich, hauptsächlich Wasserstoffeis. Und das Problem ist halt, ja, kälter als das umgebende Universum. Und um sowas irgendwie herzustellen, also natürlich entstehen zu lassen, müsste man thermodynamisch ziemlich herumrödeln und da gibt es eine Idee, in der Worte wie Abschirmung vor elektromagnetischer Strahlung in einer dichten Staubwolke und, adiabatische Expansion auftauchen und alles in allem weiß niemand, ob und wo solche Prozesse passieren und vor allem haben wir halt auch nie zuvor einen frei fliegenden Wasserstoffeisberg gesehen.

Franziska Konitzer Also ich muss sagen, da finde ich, da klingen die Alien-Sonnensegel auf einmal ein, leuchtender als ein massiver Wasserstoffberg, der durchs Universum dümpelt.

Karl Urban Jetzt argumentierst du wie Avi Loeb, das ist dir klar, ne?

Franziska Konitzer Ja, das tut mir voll weh, aber ein massiver, also ich würde, gut, ich bin, wie gesagt, keine Expertin, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass in irgendeinem Klopper so ein bisschen gefrorener Wasserstoff drin ist, der natürlich auch sublimiert, aber dass ein massiver Wasserstoff, also ein massives Objekt aus gefrorenem Wasser ist so ein bisschen far out, also das ist, weil da allein die Gesetze der Physik, wie du selber sagst, kälter ist, die Mikrowellenhintergrundstrahlung, da sagt halt die Physik irgendwann nein.

Franziska Konitzer Aber ja, würde ich sagen.

Karl Urban Ich habe noch eine andere interessante Hypothese und ich zitiere hier mal aus einer Studie. Alternative, also das ist ein Review, die fassen hier diese Studie zusammen, um die es geht. Alternative Erklärungen, die den solaren Strahlungsdruck untermauern, legen nahe, dass Oumuamua eine niedrige Dichte hatte, die auf eine fraktale Aggregatstruktur zurückzuführen ist, die entweder durch die Entgasung eines kometenähnlichen Körpers vor seiner Entdeckung oder durch die Bildung eines sehr großen Aggregats aus eisigen Staubpartikeln entstanden ist.

Karl Urban Und auf Hochdeutsch bedeutet das Oumuamua könnte doch aus dem fluffigsten Zeug bestehen, das man sich nur vorstellen kann. Also irgendwelche exotischen, fraktalen Schneeflocken, die mit sehr viel Hohlräumen zwischen ihnen zusammengepappt sind. Und das Ergebnis wäre, dass Oumuamua ganz natürlich durch das Sonnenlicht angetrieben worden wäre und sozusagen ein natürliches Sonnensegel in Pfannkuchenform ist.

Karl Urban Und die Frage ist, wie fluffig müsste dieses Material denn sein, damit alles zu den Messdaten passt? Und das hat ein Forscherteam ausgerechnet und das kam auf 0,0001 Gramm pro Kubikzentimeter. Und nur damit du dir diese Zahl einordnen kannst.

Franziska Konitzer Ja genau, wie viele Nullen brauche ich, um das Vakuum des Weltraums zu kriegen?

Karl Urban Also Kork, ja, also immerhin ein fluffiges Material, das auf Wasser schwimmt, ist noch 24.000 Mal dichter. Luft, unsere Luft am Erdboden ist noch 120 Mal dichter. Und Aerografit, eines der leichtesten Materialien, was wir Menschen künstlich herstellen können, ist immer noch 20 Mal dichter.

Franziska Konitzer Oh Gott, über Aerographie habe ich, glaube ich, auch einen Beitrag gemacht, da hatte ich das doch damals an der Uni. Aber irgendwie wurde mir auf einmal ein bisschen schlecht, als du Aerographie gesagt hast. Ich glaube, das war kein guter Beitrag, aber ja gut.

Karl Urban Also sehr geringe Dichte und da sagen die Forscher selbst, naja, so richtig wahrscheinlich ist es nicht. Aber vielleicht kann man sich da spekulativ was überlegen, irgendwas mit Ausgasungen, Körnern von Kometen, die sich sehr lose zusammenfinden und die, wenn sie existieren, den Vorteil hätten, dass man mit ihnen auch gleich erklären könnte, warum Objekte wie Oumuamua recht häufig sein könnten.

Karl Urban Also diese erste Merkwürdigkeitsfrage beantworten, denn sie würden ja dann quasi nichts wiegen und deswegen kann es auch viel mehr von ihnen geben.

Franziska Konitzer Okay.

Karl Urban Ja, und hier sagt bei weitem nicht nur Avi Löb, sondern auch einige andere Forscher, das ist schon sehr spekulativ, zumal wenn Oumuamua daraus besteht, müsste er sich an der Sonne eigentlich aufgelöst haben. Und wie bei den Wasserstoffgletschern ist da noch das Problem, dass wir sowas nicht zuvor gesehen haben.

Karl Urban Ja, und dann komme ich noch zu einer damit verwandten, ich hatte ja von zwei Eistypen gesprochen, eine damit verwandte Hypothese, aber eine, die nicht ganz so spekulativ ist. Und auch diese Idee sagt, Oumuamua ist ein Eisberg gewesen, allerdings einer aus Stickstoffeis.

Franziska Konitzer Ah.

Karl Urban Weil Stickstoffeis gibt es immerhin auf einzelnen Objekten unseres Planetensystems, zum Beispiel auf dem Neptun-Mond Triton oder auf dem Pluto in der herzförmigen Region Sputnik Planitia. Und nun könnte man sich ja vorstellen, dass irgendwo auf einem fernen Sternensystem mal ein großer Einschlag stattgefunden hat, auf einem Mond oder einem Zwergplaneten und dabei einen relativ großen homogenen Block Stickstoffeis auf Nimmerwiedersehen in den interstellaren Raum geschickt hat.

Karl Urban Und warum ist das eine Erklärung für Oumuamua? Weil auch ausgasendes Stickstoffeis bei den verwendeten Teleskopen quasi unsichtbar gewesen wäre. Und schön an der Hypothese ist wirklich, wir brauchen keine exotischen Stoffe zu postulieren.

Franziska Konitzer Und es muss nicht kälter sein als der kosmische Mikrobenhintergrund. Ist super.

Karl Urban Man kann die Materialien nehmen, die wir auch kennen. Aber auch hier ist tatsächlich die Wahrscheinlichkeit leider etwas im Weg. Denn wir kennen zwar einzelne Kometen, in denen ein Stickstoff nachgewiesen wurde, aber das ist ein äußerst winziger Teil aller Kometen unseres Sonnensystems, während die meisten Kometen aus der Ortschen Wolke zum Beispiel sehr viel gewöhnlichere Eissorten besitzen, zum Beispiel hauptsächlich CO und CO2.

Karl Urban Aber da wäre es eben ein ziemlich großer Zufall, wenn gerade unser erster interstellarer Komet so ein Stickstoffexot ist. Aber ausgeschlossen ist es nicht, nur halt leider auch recht unwahrscheinlich.

Franziska Konitzer Also die Kurzfassung lautet doch eigentlich, wir wissen es nicht, oder?

Karl Urban Wir wissen es nicht, ja, wir stochern halt. Und ich komme jetzt noch zur allerneuesten Theorie. Ich habe gestern noch mal geguckt, was du zu dem Thema schon getan hast. Ich glaube, du hast darüber schon geschrieben bei Spektrum.

Franziska Konitzer So muamua.

Karl Urban Ja, und diese Theorie, Hypothese ist eigentlich das richtige Wort, die wurde immerhin für so herausragend gehalten, dass sie in Nature veröffentlicht wurde.

Franziska Konitzer Wurde, die Sache mit dem Stickstoff.

Karl Urban Nee, das ist jetzt eine Kombination, nämlich erdacht wurde die von Jennifer Bergner von der University of California Berkeley und Daryl Seligman von der Cornell University. Und die sagen, dass Oumuamua vielleicht doch aus normalem Wassereis besteht. Aber dieses Wassereis ist so lange im interstellaren Raum von kosmischer Strahlung und hochenergetischen Photonen beschossen worden, dass diese Wassermoleküle zum Teil zerbrochen sind.

Karl Urban Und von diesem zerbrochenen Wasser blieben dann vielleicht tief in seinem Inneren Wasserstoffmoleküle bestehen, in so einer Matrix aus altem Wassereis. Und als dann Oumuamua der Sonne nahe kam, hat das Wasser Eisrisse bekommen und dann ist vor allem dieses Wasserstoffgas freigesetzt worden, das wir dann nicht gesehen haben, weil eben ja dieser Wasserstoff nicht so gut nachzuweisen ist.

Karl Urban Eine Voraussetzung für diesen hypothetischen Prozess ist, dass dieser Komet zur Entstehung des Wasserstoffgases sehr kalt war, also unter 10 Kelvin, aber eben tatsächlich ein kleines Stück wärmer als das, was man für diese Wasserstoffgletscher bräuchte und vor allem ist man über der Temperatur des Universums immer gut.

Karl Urban Kann nie schaden und für die Speicherung dieses Wasserstoffs hätte es sogar deutlich wärmer sein können, also 140 Kelvin wie in minus 133 Grad Celsius auf dem Weg dann durch den interstellaren Raum wäre dann auf Dauer auch kein Problem gewesen. Dazu kommt, dass gerade die galaktische kosmische Strahlung, in der ein solcher Komet ja lange gebadet hätte, sehr tief eindringen kann, nämlich einige Dutzend Meter unter die Oberfläche.

Karl Urban Das spricht auch für diese Hypothese. War es jetzt so, also ist Oumuamua ein Wassereiskomet mit in der Tiefe zu Wasserstoff gespaltenem Wassereis? Können wir leider nicht sagen, aber diesen Prozess müsste man tatsächlich auch erst mal noch experimentell und durch Beobachtung nachweisen. Also auch da stehen wir am Anfang und können nicht so richtig einschätzen, wie wahrscheinlich das ist und ob es überhaupt stattfindet.

Karl Urban Jetzt bin ich schon relativ lange, aber jetzt komme ich eigentlich nur noch dazu zu sagen, das ist jetzt sieben Jahre her. Viele der Hypothesen, die ich dir geschildert habe, sind in den ersten Jahren nach der Entdeckung publiziert worden, mit Ausnahme der letzten Hypothese, die ist tatsächlich vom letzten Jahr, 2023.

Karl Urban Und alles zusammen kommen wir jetzt vor allem noch zu der Frage, sind wir in den letzten sieben Jahren irgendwie schlauer geworden?

Franziska Konitzer Über Oumuamua.

Karl Urban Über Oumuamua, im Speziellen und was wir darüber vielleicht auch im Besonderen oder im Allgemeinen lernen können. Es ist erstaunlich viel geschrieben worden, also es beschäftigen sich viele Planetenforscher und auch ein gewisser theoretischer Physiker von der Harvard University mit dem Objekt, das nur eine sehr schnelle, sehr kurze Stippvisite in der Nähe der Sonne gemacht hat.

Karl Urban Eine weitere große Frage ist, können wir oder sollten wir überhaupt irgendwelche verallgemeinenden Schlüsse daraus ziehen? Das fragte zum Beispiel Aaron Doe von der University of Hawaii schon direkt nach der Entdeckung von Uumuamua und ich zitiere ihn, With only one detection, any inferred rate carries intrinsic uncertainty.

Karl Urban Also mit einem Objekt, einem Messwert hat jede daraus abgeleitete Rate, wie viele dieser merkwürdigen Objekte es überhaupt gibt, einen großen Fehlerbalken. Ich glaube, an einem Punkt kann man sowieso keinen Fehlerbalken so richtig anlegen.

Franziska Konitzer Du kannst eben an einem Punkt keinen Fehlerbalken anlegen. Mich erinnert das ein bisschen, also ich meine, das ist anders gelagert, aber das ist tatsächlich ein Punkt, das erinnert mich an, Die Entdeckung von Pluto damals, dann wurde Pluto entdeckt und dann hat man gesagt, oh ja, das ist der gesuchte neunte Planet im Sonnensystem und erst Jahrzehnte später hat sich herausgestellt, dass Pluto eins von tausenden Objekten sind, die genauso sind und halt kein Planet, sondern ein TNO, so ein transneptunisches Objekt ist.

Franziska Konitzer Und das ist halt so, ja, eine Stichprobengröße von 1 ist tatsächlich schwierig. Wobei ich natürlich auch verstehen kann, dass man natürlich anfängt zu spekulieren und sich zu überlegen.

Karl Urban Aber ja, das tun ja auch irgendwie die meisten. Und die große Frage ist, war es einfach Zufall? Und da hieß es ja am Anfang, die Pan-Stars-Teleskope haben Omoa recht schnell gefunden. Warum sollte ausgerechnet da so ein Sonderling auftauchen, den es nur einmal gibt? Und deswegen hofft man jetzt auf weitere Funde. Und da gibt es einige Anlässe, dass man die auch erwarten kann.

Karl Urban Und das ist eigentlich die spannende Botschaft, finde ich. Denn es gibt ja dieses neue US-Teleskop, das Vera Rubin-Teleskop in Chile mit einer absurd großen Kamera, nochmal viel größer als die von Pan-STARRS, das jetzt endlich, also die bauen schon einige Zeit, ab 2025 den Südhimmel nochmal viel genauer beobachten wird als Pan-STARRS auf Hawaii das konnte.

Karl Urban Es gibt Schätzungen, dass mit dem Vera Rubin Teleskop mehrere solcher Objekte pro Jahr gefunden werden. Und dann hätten wir wirklich eine Statistik und vertrauenswürdige Fehlerbalken und wir können sagen, war Oumuamua ein Ausreißer oder gab es da irgendwelche beobachtungstechnischen Artefakte, die uns vielleicht irgendwas haben übersehen lassen oder fehlinterpretieren lassen.

Karl Urban Ideal wäre natürlich auch mal zu einem dieser neu entdeckten interstellaren Objekte hinzufliegen, was herausfordernd ist, weil man ja im Moment der Entdeckung meist nur ein paar Wochen hat, bevor es wieder aus dem Sonnensystem herausgerauscht ist. Aber es gibt ja tatsächlich schon eine Mission, die sowas dennoch könnte, nämlich die ESA plant ja für 2029 die Raumsonde Comet Interceptor, die an einem Lagrange-Punkt an der Erde geparkt werden soll und dort warten soll, bis ein spannendes Objekt vorbeikommt.

Karl Urban Das heißt, interstellare Objekte, Kometen, Asteroiden, Wasserstoffeisberge, Stickstoffeisberge, Raumschiffteile oder Waches, auch immer, von denen werden wir in Zukunft in den nächsten ein, zwei Jahrzehnten definitiv häufiger hören und sicher auch deutlich schlauer werden.

Franziska Konitzer Und hoffentlich ein Foto haben. Da würde sich auch klären, ob das Ding jetzt, naja gut, vor Mua Mua nicht mehr, aber dann weiß man, ob es eine geformte Zigarre oder wie ein Pfannkuchen, ich sag einfach Pfannkuchen.

Karl Urban Ja. Das wäre schön. Und hier könnte ich jetzt meine Folge enden, aber ich ende sie noch nicht. Und Franzi, du musst jetzt deine Maschen festhalten.

Franziska Konitzer Geht jetzt um Avi Loeb.

Karl Urban Apropos außerirdische Raumschiffe. Was ich für heute eigentlich vorgehabt habe, war Avi Löb nur ganz am Rande zu erwähnen und ich glaube, bis jetzt ist es mir gelungen. Und ich finde auch, das Rätsel um die Beschaffenheit von Umo Amor ist ja an sich schon ziemlich spannend, aber so richtig an ihm vorbeigekommen und seiner Arbeit bin ich auch nicht. Und.

Karl Urban Auch wenn das vielleicht in dieser Folge nicht so klingt, finde ich es tatsächlich immer noch ziemlich schwer, eine Haltung zu ihm zu entwickeln. Denn einerseits ist er ja immer schnell mit seinen Alien-Hypothesen, gerade in öffentlichen Vorträgen und in dem, was er populärwissenschaftlich tut. Andererseits schreibt er mit seinen DoktorandInnen und Postdocs Papers, die gepierreviewt werden und setzt sich darin mit wissenschaftlichen Gedanken, mit Rechnungen, mit Modellen, mit seinen Kollegen auseinander.

Karl Urban Und manche sagen auch, Löw ist eigentlich schon immer und der ist ja schon länger im Feld unterwegs und ist ja theoretischer Physiker, hat ganz andere Sachen früher gemacht. Er war immer aber ein totaler Querkopf, aber ein sehr cleverer, der zum Beispiel in den 90er und 2000er Jahren viele gute Vorhersagen zur Plasmaphysik und Kosmologie gemacht hat, von denen sich viele heute bewahrheitet haben, die man dann später nachgewiesen hat.

Karl Urban Und da dachte ich mir, wäre es doch eigentlich fair, ja ganz am Ende zu meiner Folge zu Oumuamua einfach mal Avi Loeb selbst Gelegenheit zu geben, zu sagen, was er heute sieben Jahre nach der Entdeckung denkt. Und das habe ich getan. Denn wie es der Zufall wollte, war Avi Loeb Mitte Juli, also jetzt von unserem Aufnahmezeitpunkt letzte Woche, auf einer Konferenz in Mainz.

Karl Urban Und da habe ich ihn angeschrieben und wir haben uns verabredet. Und er hat sich dann direkt nach seinem Vortrag richtig viel Zeit genommen und wir haben uns über eine Stunde unterhalten. Und das Interview habe ich für eine andere Recherche geführt, aber ganz am Ende habe ich ihn exklusiv für Astrogeo gefragt, wie er denn heute dazu steht, immerhin sieben Jahre nach der Entdeckung von Oumuamua, nach all diesen publizierten Hypothesen von ihm und seinen Kollegen, also dem gesamten Forschungsfeld, also was glaubt er denn wirklich, was am wahrscheinlichsten war?

Karl Urban Und es gibt von ihm eine kurze und eine lange Antwort, die ich dir mitgebracht habe und ich würde dir gerne beide vorspielen. Und hier kommt erstmal die kurze. Das war die kurze Antwort.

Franziska Konitzer Das war keine Antwort. Du hast ihn gefragt, was er darüber denkt. Und er hat gesagt, ja, ich habe das Paper damals geschrieben über das und das.

Karl Urban Nee, das ist, glaube ich, er bezieht sich auf eine neue Idee. Also er antwortet auf die ganzen Spekulationen mit einer neuen eigenen Spekulation, die das Ganze nochmal weiter dreht. Also wir hatten neulich einen Kommentar, dass wir englische O-Töne zu selten übersetzen. Insofern mache ich das mal nochmal kurz.

Karl Urban Ich denke zwar, wir machen es meistens, aber er Er referenziert hier auf eine Idee, die er kürzlich hatte und ich glaube, es ist kein Paper, was er geschrieben hat, sondern das ist ein populär wissenschaftlicher Text in dem Fall, dass es der Teil einer Dyson-Sphäre ist und das ist eine Hypothese von Freeman Dyson von vor über 60 Jahren, dass eine sehr weitentwickelte Zivilisation eine Struktur um einen Stern baut, die diese Sonnenenergie weitgehend nimmt, aufnimmt, um sie selber zu verwenden.

Karl Urban Und wenn so eine Struktur irgendwann kaputt geht, weil sie nicht gewartet wird, dann gibt es halt sehr viele so dünne Strukturen, die in alle Richtungen davon geblasen werden von dem Stern. Und genau, wenn es mal solche Zivilisationen gab, sagt Avi Loeb, dann ist es ja nicht so unwahrscheinlich, dass sowas mal vorbeifliegt.

Karl Urban Ja, setzt natürlich voraus, dass es mal jemand getan hatte, also dass es solche Zivilisationen gab, die es gemacht haben. Und er bringt hier, finde ich auf jeden Fall interessant, eine weitere Spekulation mit ins Rennen. Womit er sagt, er hält es definitiv noch für denkbar oder sogar wahrscheinlich, dass Oumuamua ein künstliches Objekt war.

Karl Urban Allerdings liegt das vor allem ja daran, und das liegt es vor allem daran, und das sagt er mir gleich noch in der längeren Antwort, dass er nach wie vor nicht davon überzeugt ist, dass Oumuamua ein natürliches Objekt gewesen sein kann. Und da gab es zuletzt ja diese Hypothese von Jennifer Bergner und Daryl Seligmann von 2023 mit diesem Wasserstoff, der sich aus Wasser gebildet hat. Und hier sagt Avi Loeb.

Karl Urban Eine schöne Idee, aber die beiden haben leider übersehen, dass die Evaporation des Wasserstoffs aus diesem Kometen die Oberfläche von Oumuamua stark gekühlt hat. Und zwar über eine Million Mal stärker, als die Sonne ihn hätte erwärmen können. Und dann funktioniert das eben nicht mehr als Antrieb oder als Schweifbildungsprozess, weil zu wenig Wasserstoff freigesetzt worden ist. Ich kann nicht beurteilen, ob dieses Gegenargument stichhaltig ist. Es ist publiziert worden.

Karl Urban Es gab von den Autoren der ursprünglichen Hypothese keine Erwiderung dazu. Ich habe aber noch ein anderes Paper gefunden, was auch diese Hypothese von 2023 mit anderen Argumenten auseinandernimmt, nämlich dass dabei gar nicht so viel Wasserstoff frei werden könnte. Also da gibt es tatsächlich wohlberechtigte Kritik, soweit ich das nachvollziehen konnte.

Karl Urban Und damit erklärt sich vielleicht diese Linie von Avi Loeb, warum er der Arbeit der Kollegen gegenüber weiterhin skeptisch ist. Und das steckt dann auch in der langen Antwort. Also, Avi Löb sagt, ich finde ihn hier ein bisschen differenzierter. Er sagt nicht, es war sicher ein Objekt, das Außerirdische gebaut haben, aber er würde gern diese Option auf dem Tisch behalten. Und letzten Endes hat er alles zusammengefasst, was ich in dieser Folge erzählt habe.

Karl Urban Er sagt auch, was wir brauchen, sind mehr Daten, zum Beispiel vom Rubin-Teleskop. Und wenn Rubin, wie erwartet, mehrere interstellare Objekte pro Jahr findet, könnte man diese Objekte dann mit dem James-Webb-Teleskop sehr viel genauer anschauen, als es noch 2017 möglich war, als Webb noch nicht im Orbit war.

Karl Urban Und wenn es nun ein Wasserstoffeisberg ist oder was anderes, dann wäre Avi Loeb damit auch einverstanden. Und ja, Oumuamua ist weg, liebe Franzi, weshalb auch meine Geschichte hier endet. Unsere Versuche, diese seltsamen interstellaren Objekte wie Oumuamua zu finden und besser zu verstehen, die haben aber gerade erst angefangen.

Franziska Konitzer Danke dir.

Karl Urban Sind alle Maschen noch drin? Richtig, wie es gehört?

Franziska Konitzer Ich glaube, ich habe tatsächlich enger gestrickt. Das muss ich wahrscheinlich abnehmen, damit ich in das Shirt passe, aber ist okay. Ja. Nein, danke Karl für die Geschichte, aber ich kann natürlich auch nicht, ich habe eine dezidierte Meinung zu Avi Löb und seiner Forschung, die nicht jugendfrei oder podcast-tauglich ist.

Franziska Konitzer Das macht es so ein bisschen schwierig. Also ich könnte jetzt auf einen riesen Rant gehen, aber zu dieser Geschichte, das sind nur zwei Punkte, dass viele der Fachartikel, die aus der Forschungsgruppe von Avi Abraham Löb kommen, schlagen immer nur auf Archive auf, auf diesem Preprint-Server. Und werden dann auch oft nicht veröffentlicht in einem richtigen Fachjournal.

Franziska Konitzer Also sie sind auch nicht peer-reviewed dann.

Karl Urban Aber einige schon.

Franziska Konitzer Einige schon, nein, nein, nein, einige schon, natürlich. Aber eine große Anzahl dieser starken Opinion-Pieces, nicht nur zu Oumuamua, sondern auch zu anderen Themen mit Mhmm, ist eben so. Zu seinem längeren Erklärung kann ich nur sagen, natürlich hat er recht wenn er sagt wir haben auch solche objekte noch nicht beobachtet oder nicht genug also ob das jetzt ein stickstoffeisberg ist oder wasserstoffeisberg oder sowas und wo ich halt dann sage oder wo meine argument wäre ja gut wir haben weder eine fortgeschrittene zivilisation noch jene dyson sphäre beobachtet das eine ist jetzt ein bisschen mehr far out als das andere und zu guter letzt ist das auch schön dass er sich genauso wie alle anderen auf das wohnen Observatory freut, was wirklich dringend notwendig ist,

Franziska Konitzer aber er mit der, Hypothese, in Anführungszeichen, dass es ja auch Aliens gewesen sein könnte, jetzt zu diesem Zeitpunkt schon super viel Geld verdient hat und auch ein ganzes Buch darüber geschrieben hat und das auch dementsprechend vermarktet hat. So, also er hat sein Geld verdient und wenn das dann hinterher was ganz anderes war, dann ist das total Wumpe, aber es macht halt einen Unterschied, ob ich natürlich dann auch die wissenschaftliche Debatte.

Franziska Konitzer In Fachartikeln fortführe, natürlich wird das von den Medien auch aufgegriffen, Aber da ist halt ein Unterschied zwischen wissenschaftlichen Hypothesen, die natürlich auch kritikwürdig sind und ich schreibe ein populärwissenschaftliches Buch darüber, wo ich Aliens draufschreibe. Also das sind einfach ein unterschiedlicher Umgang mit einem Thema.

Karl Urban Also ich glaube, in meinem Kopf ist Löw so eine Art Wissenschaftspopulist, weil er so nach innen schon... Sinnvolle Wissenschaft macht und ja auch bisher getan hat, also bis 2017. Das hat sich ein bisschen geschifftet, glaube ich, tatsächlich. Er hat ja jetzt auch sich so ein bisschen auf die UIP-Untersuchungen gestützt, wo er irgendwie Geld einsammelt und so.

Karl Urban Er hat auch durchaus vielleicht nicht unbedingt nur persönlich, sondern auch mit seinem Forschungsfeld irgendwie, was er da etabliert, außerhalb anderer akademischer Strukturen vielleicht einen gewissen Vorteil. Aber ich glaube, er redet auch auch in die Wissenschaft ein Stück weit anders, als er zur Öffentlichkeit redet. Und das ist ein Stück weit auch unlauter.

Karl Urban Also wie laut und überzeugt er über diese außerirdische Hypothese redet in der Öffentlichkeit, steht nicht direkt in einem guten Zusammenhang zu dem, was in seinen Papern ist, wo es zumindest vorsichtiger formuliert ist meistens. Also ich fand dieses erste Paper, was das ja alles ins Rollen gebracht hat, hat da ein Jahr nach der Entdeckung von Oumuamua, da taucht es ja wirklich am Ende eigentlich auf.

Karl Urban Und er überlegt da mit seinem Co-Autor vor allem, was kann das gewesen sein, was diese Beschleunigung da ausgelöst hat. Also zu dem Zeitpunkt war noch alles normal. Und dann beschreibt er auch, wie dann ja so eine Medienwelle losging plötzlich, nachdem er dieses Paper veröffentlicht hat. Ja, da kann man ihm vielleicht Naivität vorwerfen oder so, dass er vielleicht damit nicht gerechnet hat.

Karl Urban Aber diese Welle reitet er halt auch seitdem. Es ist einfach ein Thema, was sich unglaublich gut verkauft und in die Öffentlichkeit tragen lässt. Und das tut er halt.

Franziska Konitzer Ja, aber ich finde es, also ganz abgesehen davon, dass es letztendlich pseudowissenschaftlicher Clickbait ist, den er mit, den er, seine Forschungsgruppe und er da produzieren und propagieren, finde ich es auf einem, es ist ein großes Wort, aber ich finde es tatsächlich gefährlich. Also natürlich, davon hängt es nicht der Weltfrieden ab, ob irgendwelche Wissenschaftler behaupten, dass irgendein Trumbass da mal vorbeigeflogen ist von Aliens war oder nicht.

Franziska Konitzer Aber für die Wissenschaft als Ganzes, weil ich finde es, ja, ich finde es tatsächlich gefährlich, weil das zieht diese ganze Debatte und auch wissenschaftlichen Diskurs und so in Richtungen, da gehört das eigentlich nicht hin. Und das hat natürlich auch mehr, du kannst ja auch die ganze Meta-Ebene, natürlich springen die Medien darauf auf, aber Medien springen ja auch darauf auf, weil man halt erstmal sieht, dass, Mensch, das ist aber ein Physikprofessor von Harvard.

Franziska Konitzer Harvard University ist die beste Universität der Welt. Natürlich nimmt man das eher ernst, als wenn jetzt, ich sag mal, eine Postdoc XY aus der Universität von Hintertupfingen so ein Paper auf Archive veröffentlicht. Also das hat sofort eine ganz andere Strahlkraft und deshalb finde ich das unterm Strich tatsächlich extrem kontraproduktiv.

Karl Urban Ja und nein. Also ich sehe deinen Punkt. Aber wenn man dann auf so Veranstaltungen ist, wie jetzt da in Mainz, das war auch keine wissenschaftliche Konferenz, sondern so eine Art TED-Talk-Veranstaltung zweitägig, wo viele sehr unterschiedliche Leute unterwegs waren, nicht nur Wissenschaftler. Und da sieht man halt, da gibt es viele junge Leute, die ihn vergöttern, ja, die irgendwie, wenn sie noch jünger sind, vielleicht auch anfangen Physik zu studieren, weil er einfach wahnsinnig inspirierend ist für sie, und insofern würde ich sagen, gibt es auch einen positiven Effekt und wenn du sagst pseudowissenschaftlich, er ist so auf der Grenze, ne?

Karl Urban Also ich finde, er ist ja jetzt keiner, der Wasser mit Gedächtnis verkauft, ja, was totaler Quatsch ist, sondern er sagt ja, wir müssen das wissenschaftlich untersuchen, wir müssen halt nur die richtigen Daten haben und er sagt nicht, das waren Aliens, sondern wir müssen es halt für möglich halten.

Franziska Konitzer Genau die Argumentation finde ich perfide. Ich finde es wirklich perfide. Ich finde es gefährlich, weil damit verwässerst du es eben, weil das ist ja natürlich, wenn er sich jetzt in Interviews hinstellt und sagt, oh, wir müssen warten und blühen und bla, damit hat er vollkommen recht. Aber ich meine, die ehrliche Antwort auf diese gesamte Oumuamua-Geschichte ist, das ist ein Objekt, das haben wir vier Wochen lang beobachtet, das war bis als einmal da.

Franziska Konitzer Natürlich auch jegliche Modelle, die wir jetzt über die Eisberge oder was es auch immer war aufstellen, die sind so fehlerbehaftet und die Stichprobe so klein, dass wir doch nicht mal wissen, welche Fehler wir da gemessen haben. Vielleicht hat er auch spitzer einen schlechten Tag oder wie gesagt die Fehler oder aufgrund der taumelnden Bewegung. Du weißt es einfach nicht.

Franziska Konitzer Und das wäre ehrlich zu sagen. Und natürlich kannst du auch in wissenschaftlichen Publikationen so viel rumspekulieren und Modelle entwerfen oder sowas. Aber unehrlich ist es. Und wie gesagt, ich finde es wirklich gefährlich zu sagen, ah ja, wir müssen auf die Methoden der Wissenschaft warten. Natürlich bin ich dafür offen, aber in der Zwischenzeit publiziere ich irgendwie ein Riesenbuch darüber, gehe auf eine Pressetour und halte meine Nase in jede Kamera, die nachfragt. Das ist das Gefährliche daran.

Karl Urban Ja, bin ich bei dir.

Franziska Konitzer Also eher in dem Sinne wird…, Wasser gepredigt und Wein gesoffen. Es wird davon profitiert. Und das ist das, was ich daran gefährlich finde. Tatsächlich, das ist einfach, aber das ist meine Meinung, das mögen andere Dinge ansehen. Aber ich habe auch was gegen so Personenkult. Ich fand es auch damals creepy, als ich während des Probestudiums Physik an der LMU ein paar Leute, die da mit mir bei diesem Probestudium waren, vor über 20 Jahren von Harald Lesch die Formelsammlungen signiert haben lassen.

Franziska Konitzer Ich habe mich dann gefragt, sind die dann auch fürs Abi zugelassen, wenn Harald Lesch darin unterschrieben hat, aber das ist ja jetzt nicht gefährlich oder creepy, das kommt da so rein, aber das ist das, was ich damit eigentlich meine, was ich daran gefährlich finde, dass wenn du vorne heraus sagst und auf Nachfrage, ja natürlich müssen wir warten, aber in der Zwischenzeit.

Karl Urban Es ist so die Gratwanderung zwischen Popularisieren, das ist das, was wir ja hier auch versuchen und Populismus treiben und sozusagen selber auch davon profitieren. Das kann ich auch nicht so ganz einschätzen, was der persönliche Vorteil von Löb hier ist oder ob er einfach, das toll findet, in diesem Rampenlicht zu stehen, aber es ist nicht mehr nur alleine dieses ich bin ein Wissenschaftler und will die Welt verstehen.

Karl Urban Das ist es überhaupt nicht.

Franziska Konitzer Das ist mein erster Kontakt mit Avi Löb, war tatsächlich für diese Umua Mua Geschichte. Das war, ich weiß nicht mehr in welchem Jahr, es ist eine ganze Weile her, auf jeden Fall bevor er dieses Buch veröffentlicht hat. Weil er, weil ich hab, ich hab, ich hab damals einen Artikel über Oumuamua geschrieben, kam natürlich auch über seine Paper, du kommst ja nicht drumrum.

Franziska Konitzer Und als Journalistin hab ich mir gedacht, gut, ich, ich, ich, ich möchte ja auch alle Sichtweisen irgendwie, ich möchte die abbilden und, und halt reden. Hab natürlich eine Interviewanfrage geschickt. Da kam sofort eine Antwort, sehr freundlich, wo es hieß, er schreibt da gerade ein Buch dazu und in einem halben Jahr, wenn es erschienen ist, meldet sich seine Publizistin bei mir. Wegen dem Interview.

Franziska Konitzer Und ich habe mir damals schon gedacht, ich bin überhaupt nicht böse, dass er mir das Interview gegeben hat, aber wo ich mir denke, aber ich frage dich als Wissenschaftsjournalistin, als den Wissenschaftler, den Physiker, Avi Löb von der Harvard University, warst du zu diesem wissenschaftlichen Paper?

Franziska Konitzer Und dann kommt als Antwort, ich schreibe ein Buch dazu, so, da ist meine Buchpublizistin vom Verlag XY, also der muss mir ja kein Interview geben, das ist auch überhaupt kein Ding, der braucht auch überhaupt nicht antworten, das verstehe ich auch immer, aber so.

Karl Urban Er ist schon auf einer anderen Schiene unterwegs.

Franziska Konitzer Das ist einfach eine andere Schiene und das ist wirklich keine, ich möchte das klarstellen, das ist keine persönliche Verschnupftheit, dass der mir kein Interview gegeben hätte, wäre ja willens gewesen oder dass ich sage so, oh, ich gönne ihm das nicht, überhaupt nicht, es ist nur so, naja, ich, Hä? Das hat ja gar nichts mehr mit Wissenschaftskommunikation zu tun oder irgendwie sowas, sondern es geht halt um Publicity.

Franziska Konitzer Und das ist auch okay, aber dann halt dann trotzdem immer, ne? Und das ist alles, das hat für mich alles ein, vielleicht abschließend ein Geschmäckle. Ja. Und gerade bei Oumuamua ist halt auch, finde ich, super einfach, da natürlich alles rein zu interpretieren, weil das ist ja sogar noch, Objekt ist ja sogar noch in unserem Sonnensystem, aber wir werden es nie wiedersehen.

Franziska Konitzer Also du kannst aus diesen wenigen Wochen der Datennahme, da kannst du dich, wirst du dich auf Jahrhunderte lang, wenn du möchtest, darüber debattieren, was nun wirklich war. Und weil du es nie wissen wirst, kannst du auch nach wie vor sagen, ja natürlich lassen wir uns alle Optionen offen. Aber in der Zwischenzeit bin ich übrigens ganz stark für Option A.

Franziska Konitzer Das ist für mich nicht wissenschaftlich.

Karl Urban Ja, ich meine, ich glaube, in dem Moment, wo wir eine Statistik haben, also in dem Moment, wo wir, keine Ahnung, 100 interstellare Objekte gefunden haben, können wir jetzt sagen, war es ein Ausreißer und wenn es dann wirklich einer von 99 nur so komisch war, dann kann man vielleicht auch, also da wird es immer noch die geben, die sagen, natürlich war es ein Raumschiff, aber dann kann man besser mit Wahrscheinlichkeiten und Fehlerbalken argumentieren und mit Messungenauigkeiten.

Franziska Konitzer Aber das ist ja allgemein, was diese Antwort, wir wissen es nicht und wir können es nicht wissen, ist eigentlich oft gerade in der Wissenschaft, aber auch im echten Leben, ist ja oftmals die einzige oder die richtige Antwort. Aber das ist natürlich nicht sehr, also es verkauft sich nicht gut. Als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin kriegst du mit so einer Antwort garantiert keinen neuen Forschungsantrag bewilligt und oder eine Festanstellung.

Franziska Konitzer Als Journalistin kann ich sagen, sowas klickt sich nicht gut, sowas klickt sich nicht gut, das möchte keiner hören. Null Ergebnisse.

Karl Urban Aber dieser Moment, wir sehen was, was wir nicht verstehen und es passt zu wenig von dem, was wir verstehen, ist halt auch immer mal wieder der Moment, wo man was Neues findet. Also wo man wirklich Fortschritte macht. Das ist die andere Seite, finde ich.

Franziska Konitzer Das ist richtig, aber das ist ja auch das Doofe bei der beobachtenden Astronomie, dass du dieses Experiment nicht wiederholen kannst, wie du selber sagst. Man muss von selber darauf warten, dass sich die Stichprobe erhöht. Aber was man ja im Labor machen kann, man kann Experimente immer wiederholen. Das ist ja auch der Grundpfeiler der Wissenschaft.

Franziska Konitzer Für eine Hypothese ist das Experiment dazu wiederholbar. Und das ist ein grundlegendes Problem der Astronomie, dass viele Dinge eben nicht so genau so wiederholbar sind. Also das könnte auch sein, natürlich kannst du sagen, Gesetze der Physik und Orbitmechanik und das ist ja alles klar, aber wenn Oumuamua jetzt nochmal vorbeifliegen würde.

Franziska Konitzer Würde sie sich vielleicht anders verhalten. Obwohl es dasselbe Objekt ist. Aus irgendwelchen Gründen, die auch wir nicht kennen. Aber das weiß man einfach nicht, weil es wird nicht nochmal vorbeifliegen. Und selbst wenn, ist ja dieser Vorbeiflug nicht derselbe wie der, wo es schon mal vorbeigeflogen ist.

Franziska Konitzer Aber das sind halt Feinheiten und das ist halt etwas komplexer und das verkauft sich halt nicht so gut. Es ist halt nicht so sexy wie entweder die wilden Spekulationen oder auch klare Antworten.

Karl Urban Wobei er löbt auch ganz stark seine ganzen Argumente auf Wahrscheinlichkeiten. Beruft. Also das ist das erste Objekt und das wäre doch großer Zufall, wenn nicht und so. Und insofern kann das ja alles in sich zusammenfallen. Also zumindest die Argumentationslinie, wenn wir eine Statistik haben, über ähnliche Objekte.

Franziska Konitzer Natürlich, aber ich kann dir auch genau sagen, dass auch ein populärwissenschaftliches Buch, was genau das zum Thema hat, sich lange nicht so gut verkaufen wird, wie eins, was außerirdisch heißt, Ausrufezeichen.

Karl Urban Das ist ein Dilemma der Medienarbeit. Ja, genau.

Franziska Konitzer Und damit ist die Meinung schon gebildet und nicht aus der Welt. Ich habe mit Martina eine Und-Oder-zum-Quadrat-Folge gemacht. Da ging es letztendlich um Erinnerungen und was man machen möchte, wenn man einfach, ja auch wenn Unwahrheit, letztendlich auch um Fake News und so weiter und so fort. Das ja auch eine Zeit lang war das ja auch dieses Debunking sehr populär, was jetzt ja auch noch immer teilweise zu unserem Job gehört, dass man das richtig stellt und das ist letztendlich auch wichtig, aber ich kann, wenn ich 5000 Artikel dazu schreibe, warum die Erde nicht flach ist, dann mache ich das Problem im Grunde nur noch schlimmer, weil ich damit festtrete und festrampele und wenn du möchtest,

Franziska Konitzer dass irgendetwas, also Bullshit verschwindet, auf gut Deutsch gesagt, dann schweigt man ihn am besten einfach tot. Man spricht gar nicht darüber.

Karl Urban Genau, und wenn das ein Thema ist, wo die Medien irgendwie so Reflexe haben, dann ist das einfach nicht möglich. Also ich meine, ich bin ja auch Teil davon jetzt geworden oder wir, aber spät im Spiel.

Franziska Konitzer Ich habe nach der, ich glaube, ich denke in den Artikeln, die ich über Oumuamua geschrieben habe, natürlich in dem ersten Hintergrundstück, da habe ich diese Hypothese schon aufgegriffen. Ich habe sie, glaube ich, in einem Absatz erwähnt. Aber danach, das ist, also es gibt auch wirklich einen Grund, warum ich, ich habe noch nie dezidiert über die Forschung von Avi Loeb berichtet.

Franziska Konitzer Darüber nicht geschrieben. Ich habe keine Meldungen darüber angeboten oder sonst was. Und das war von mir tatsächlich eine bewusste Entscheidung, weil ich selber es für so wenig wissenschaftlich halte, berichte ich darüber einfach nicht. Ich nehme das in dem Sinne dann nicht mehr ernst. Und deshalb kann ich es auch Menschen ersparen, die an wissenschaftlichen Nachrichten interessiert sind.

Franziska Konitzer Ja, aber nur so viel dazu. Den Megakonstellationen, Konstellationen zu kämpfen haben, dass gerade diese Beobachtungen, diese sehr weit entfernten, ja nicht weit entfernten, aber leuchtschwachen Objekte, schnelle Objekte, dass da die Arbeit ganz empfindlich gestört wird davon. Und das ist eigentlich meine Hoffnung, dass die Megakonstellationen, die dazu dienen, dass man sich im Netz noch schneller, diesen Quark reinziehen kann, nicht dazu führen, dass dann die echte Wissenschaft einfach komplett zerschossen wird, weil es ist doch schön, wenn wir Internet über eine Starlink-Schüssel haben. Aber ja.

Karl Urban Franzi, hast du denn noch Lust auf ein Quiz? Oder wollen wir Schluss machen? Ja, ja.

Franziska Konitzer Frage mich, Verzeihung. Du kannst auch alles rausschneiden, wenn du möchtest.

Karl Urban Nee, ich fand es gut. Es muss auch mal sein hier, so ein strittiges Thema. Und wie gesagt, das war ja eigentlich auch nicht Ziel meines Themas, diesen Herrn von der Harvard University Zentrum zu setzen. Aber mir war schon klar, dass wir am Ende genau dort landen müssen.

Franziska Konitzer Weil es ist auch wichtig.

Karl Urban Drüber mal zu diskutieren. Und das ist halt auch vielleicht Sinn unseres Podcasts, dass wir über sowas diskutieren, weil wir hier die Zeit dafür haben und irgendwie die Nuancen daraus zu arbeiten, die da problematisch sind. Und ich glaube, das haben wir getan.

Franziska Konitzer Ja, und wie auch mein Verständnis, du kommst um den Typen ja gerade bei dem Thema, du kommst halt einfach nicht drum rum.

Karl Urban Genau.

Franziska Konitzer Also, das ist ja auch das, was mich so fuchtig macht, dass du nicht drum rum kommst, weil das kann aber wohl nicht wahr sein, nur weil der den Mund weiter aufgesperrt hat als alle anderen. Aber gut, Quiz, Fragen.

Karl Urban Harte wissenschaftliche Fakten, soweit wir sie kennen. Du musst den Wecker noch aufziehen. Ja, der Wecker, ganz wichtig. Frage 1 Woran hat man sehr schnell erkannt, dass Oumuamua nicht aus unserem Sonnensystem stammt?

Franziska Konitzer An seiner Geschwindigkeit, Und an der exzentrischen Bahn und so weiter.

Karl Urban Ich glaube, die exzentrische Bahn, die ist ja auf jeden Fall in diesem elektronischen Dings am Anfang direkt als erstes genannt worden. Aber Geschwindigkeit hatte man vermutlich da auch schon, denke ich mal. Frage 2. Nenne mindestens drei Merkwürdigkeiten, die wir bisher nicht verstehen.

Franziska Konitzer Wir wissen nicht, warum Oumuamua überhaupt im Sonnensystem vorbeikam. Kam. Wir wissen nicht, wo es ursprünglich, also warum die Geschwindigkeit überhaupt zu groß ist. Und wir kennen diese Beschleunigung, also warum es an der Sonne, beim Vorbeiflug an der Sonne, auf nicht-Jutenschö-Art und Weise beschleunigt worden ist.

Karl Urban Genau. Und dann noch die Frage, warum hat er keinen Schweif trotzdem und wie er zusammengesetzt ist, wissen wir auch nicht so genau.

Franziska Konitzer Und wie die Form ist, wissen wir auch nicht. Genau.

Karl Urban Einiges offen. Frage 3. Nenne einige mögliche Erklärungen für die Beobachtung von Oumuamua. Und zwar, Franzi, Achtung, mit ansteigender Wahrscheinlichkeit aus deiner persönlichen Weltsicht.

Franziska Konitzer Also Aliens kriegen eine Ehrennennung. Möglichkeiten für die Beobachtung. Also der, der, gut, nee, ich würde im Moment da diesen massiven Wasserstoff-Eisberg, den würde ich noch unter den Aliens tatsächlich einsortieren. Dann kommt für mich der Stickstoff-Eisberg. Dann kommt das Modell von Jennifer Bergman, glaube ich, und Daryl Seligman tatsächlich.

Franziska Konitzer Wobei ich das nicht, ich würde das so ausfassen, dass es, es gab Ausgasungen, die dazu geführt haben, dass es beschleunigt ist, aber wir haben sie nicht beobachtet. Ich würde mich nicht festlegen, auf was genau diese Ausgasungen waren, aber ich denke eher, das ist für mich das Wahrscheinlichste. Tatsächlich.

Karl Urban Sehr gut. Gut. Irgendwo gab es ja noch diesen löpertes Fluffy Bunny genannt, also dieses hochgradig nicht dichte Material.

Franziska Konitzer Ja gut, das kommt für mich direkt, nach den... Also ich halte das immer noch für wahrscheinlicher als die Aliens, aber ja. Nein.

Karl Urban Würde ich auch so unterschreiben. Genau. Und Frage 4, letzte Frage. Was glaubst du, Franzi, worum es sich bei Objekt 1i um Uamoa gehandelt hat? Hast du eigentlich gerade gesagt.

Franziska Konitzer Wir wissen es nicht.

Karl Urban Ja!

Franziska Konitzer Ich bin immer für die ehrlichen Antworten, sobald sie möglich sind. Und die Antwort lautet, wir wissen es nicht und wir werden es nie erfahren. Und das ist vielleicht frustrierend, aber es ist halt dann einfach so.

Karl Urban Das ist doch auch in der Wissenschaft so eine Krankheit oder ein Geburtsproblem oder wie auch immer man das nennt, dass negative Ergebnisse nicht so gut zu publizieren sind oder überhaupt eigentlich selten publiziert werden. Und eigentlich müsste man das ehrlicherweise tun und eigentlich wäre das auch wissenschaftlich das Lauterste, aber damit gewinnt man halt keine Forschungsgrants und irgendwas.

Franziska Konitzer Ja, ne, damit kriegst du keinen Blumentopf, das ist so, aber ja, die Antwort, wir wissen es nicht und wir können es nicht wissen, ist für mich oft tatsächlich in der Wissenschaft eine, ja, eine ehrliche Antwort, die man zu selten hört. Aber ja, mei. Wir werden hier in der Folge nicht die Negativaspekte des Wissenschaftsbetriebes in unserer Welt erläutern.

Karl Urban Nee, also jedenfalls nicht mal zu dieser fortgeschrittenen Stunde in dieser Folge. Bevor wir die zweite auch noch anfangen, würde ich sagen, machen wir Schluss, ne?

Franziska Konitzer Ja, dann kann ich nämlich sagen, das war sie, wirklich, versprochen, die 96. Ausgabe von Astrogeo. Und wir danken allen, die unsere Arbeit unterstützen. Das sind die regelmäßigen AbonnentInnen der Riff Reporter. Und die Riffreporter sind eine Genossenschaft von über 100 freien und unabhängigen Journalistinnen und Journalisten, die zu vielen relevanten Themen arbeiten. Alles frei von Werbung und Trackern.

Karl Urban Und dort bei den Riffreportern könnt ihr auch den Weltraumreport bestellen, unser Newsletter, in dem wir euch über neue Folgen von Astrogeo und andere Astro-Texte informieren. Und der kostet nichts.

Franziska Konitzer Wir danken auch allen, die diesen Podcast direkt unterstützen. Eure Beiträge helfen uns schon, die Fixkosten dieses Podcasts zu decken, aber leider noch nicht mehr. Und deshalb freuen wir uns über eure Unterstützung auf Steady oder über direkte Überweisungen. Alle Möglichkeiten, uns finanziell zu unterstützen, findet ihr auf unserer Website astrogeo.de.

Karl Urban Und wenn euch die Folge gefallen hat, hinterlasst uns doch gerne einen freundlichen Kommentar oder eine Bewertung bei Apple Podcasts, Spotify, direkt auf unserer Webseite oder wo auch immer ihr diesen Podcast hört. Feedback oder Ideen für neue Themen könnt ihr uns auch auf Mastodon zukommen lassen. Dort findet ihr uns als astro-geo.chaos.social oder ihr könnt uns eine E-Mail schreiben an redaktion at astrogeo.de.

Franziska Konitzer Und zuletzt danken wir euch fürs Zuhören. Wir sagen Tschüss, Glück auf und ad Astra. Bis zum nächsten Mal.

Karl Urban Und lasst euch nicht von Aliens peißen. Oder schlagen.

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