Aufrechte Demokraten· Folge 17

Zwangsrekrutierungen: Die grausame Realität

Dienstag, 20. Januar 2026 · 47 min

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Shownotes

Warum wir über das erzwungene Schweigen der Männer reden müssen, die sich dem Kriegsdienst verweigernIm “Freitag” ist am 11. Januar ein in jeder Hinsicht erschütternder Bericht von Yevgenia Belorusets erschienen. Die ukrainische Autorin beschreibt die alltägliche Gewalt durch Rekrutierungskommandos, der ukrainische Männer ausgesetzt sind. Wir lesen aus dem Artikel – und sind manchmal auch einfach sprachlos.

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3210 wir starten. Hallo, lieber Ole. Hallo, lieber Simon. Ich erreiche dich aus meinem Kontrollzentrum. Erreiche ich dich in deinem Kontrollzentrum. Ist dein Wohnzimmer dein Kontrollzentrum? Ja, hier habe ich überall meine politischen und populistischen Belange, die vollste Kontrolle. Ich hab, ich hab kontrollmaxt. Ich habe gebetmaxt.

Und ist irgendwie Kakao n bisschen wie Gebettnässt. Nein, du weißt schon, aber ich muss ehrlich sagen, ich bin auf jeden Fall krasser bettmensch ich hab ja n 2 * 2 Meter Bett, ich würde sagen, dass ich eigentlich also sicherlich 50% meiner Bücher 50% meiner Skripte 50%, all meiner Gedanken und Gefühle im Bett habe und gehabt habe, und da wir festgestellt haben, dass ja unser Podcast dann eigentlich immer.

Transcuted wird und irgendwie, wenn wir zusammensitzen und ich dich von deiner Couch aussehen kann, also diese Cosy, wenn es der Sache gut tut, dachten wir, dass ich heute mal ausnahmsweise in meinem Bett aufnehme. Ich hab mir den heißen Kakao gemacht, deswegen muss ich leider ab und zu schlürfen, ich werd das später im Schnitt hoffentlich irgendwie rausbügeln aber. Nein, ich finde, du solltest es drin lassen, dass es so ne richtig cosy Atmosphäre wird.

Nee, sorry, also essensgeräusche in einem Podcast, so ASMA mäßig am Mikro. Also ich denke. Du isst ja, du isst ja nichts, du trinkst ja nur dein Kakao. Ja, aber diese Schluckgeräusche verstehst du das schlürfen? Aber das ist ja, das ist ja quasi Ambient Neues, das ist ja Ambient Neues für eine cosy aufrechte Atmosphäre.

OK, ich weiß nicht, ob wir heutzutage auf diesen Podcast Plattformen Umfragen machen können, aber ich möchte wirklich wissen, wieviel Leute Essens und trinkensgeräusche als cosy Atmosphären Sounds wahrnehmen und ich will da einfach nur abgrundtiefe. Also mein Bruder hasst ja. Schmatzgeräusche also wirklich abgrundtief.

Da gibt es sogar ein Wort, für das ich vergessen habe, und ich hab ja auch teilweise Bananen extra gegessen, wo ich Bananen gar nicht so gerne mag, einfach nur um ihn zu ärgern. Also ich, ich kann es schon verstehen. Ja, ich kann. Ich kann es auch verstehen, ich denk mir nur so, wenn man so schön so n Podcast hört von seinen beiden liebsten podcastern und dann vielleicht noch so Regen im Hintergrund und einer der Podcaster schlürft sein Kakao, das ist so so n Gesamtbild einfach schafft.

Ich seh, du bist nicht überzeugt, OK. Ja, vielleicht bin ich ja mehr überzeugt von dem, was du uns inhaltlich. Hast alle Menschen in diesem Land und darüber hinaus diesen Artikel lesen, weil er basiert auf dem Essay The Demand for Silence, also der ist schon mal auf Englisch irgendwo anders erschienen und ich les einfach mal so n bisschen aus dem Anfang vor als ich zu schreiben begann, Poppten ständig Nachrichten auf mein Handy Zitat Sie fahren die Vitradne hinunter und steigen aus einem schwarzen Auto aus.

Gattener autokontrollen es sieht schlecht aus. Razzia an der U Bahn Station Gnatta Juri direkt auf dem Bahnsteig, ein paar Auberginen mit einem Tablet, seid vorsichtig da draußen, diese Live Updates wurden auf Telegram gepostet in einem der vielen Kanäle, auf denen in Kiew Zivilisten einander vor Rekrutierungsrazien warnen.

Eine Aubergine ist ein Polizist oder Beamter eines territorialen Rekrutierungszentrums oder territorial Center of Recruitment and Social Services. Kurz TCR oder auch TCK herrscht sonniges Wetter, gibt es keine Kontrollen. Oft klingen die Nachrichten so vertraulich, als wende man sich an Verwandte, dann schleicht sich eine absurde Politnachricht dazwischen auf, auf Kreuzungen, nipro Ufer und Truska Vetzka Straße, alles sauber, keine Probleme, folgt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine, wird irgendwann enden, denke ich, Trump, binnen Stunden verschwinden die Nachrichten, ich kopiere sie für meinen Text. Das Verfolgen solcher Kanäle ist strafbar. Einige ihrer Gründer und Administratoren wurden festgenommen und könnten im

Gefängnis landen. Zur Einschüchterung werden immer wieder auf werden immer wieder Fotos von entsprechenden Verhaftungen veröffentlicht, aber sofort taucht ein neuer Kanal auf, also beginnt der Artikel und es ist wirklich ne, es ist eben nicht nur n Bericht sondern es ist ne Reportage von dieser ukrainischen Autorin die sich da offensichtlich auch.

Rumgetrieben hat in diesen höchst illegalen Gefilden, in diesen Kanälen, in diesen Chatgruppen, die offenbar die ganze Zeit gelöscht werden, die verfolgt werden, die natürlich verfolgt werden, weil das n bisschen so n Open Source System ist, wie man der Zwangsrekrutierung entkommt. Ich geh mal n bisschen weiter im Text im Mai 2024 wurde angesichts der neuen russischen Offensive das Wehralter von 27 auf 25 Jahre gesenkt und die eingeschränkte Wehrpflicht fast völlig abgeschafft. Alle Männer zwischen 18 und 60.

Mussten ihre Daten in einer staatlichen Datenbank aktualisieren. Alle im betreffenden Alter sind prinzipiell wehrpflichtig wer über 22 ist, darf das Land nicht verlassen, die Dienstbefreiung ist n Privileg, aber keine Garantie, der Status wird regelmäßig überprüft, die Demobilisierung nach 36 Monaten wurde gestrichen trotz hoher Geld darf. Ich ein eine Sache schon mal gleich einhaken, damit wir die Zahlen noch im Kopf haben.

Das heißt du sagst ab 25 geht es los. Genau. Aber ab 22 dürfen sie nicht das Land verlassen. Genau heißt, hier wird ja schon auf ne Dreijahresspanne hinweg gesehen, wir brauchen Soldaten und zwar Nachschub, das wollte ich nur. Genau, genau schon mal genau. Und die Regelung, dass die 18 bis 22 jährigen Männer überhaupt aus der Ukraine ausreisen dürfen, ist auch erst wenige Monate alt.

Also das wurde Ende August beschlossen, dass das geht und nachdem das wieder erlaubt wurde, dass Männer in dieser Alterskohorte das Land verlassen dürfen. Sind 100 Tausende davon aus dem Land gegangen, sind geflohen, einfach weil sie vielleicht auch gedacht haben, gut, das ist vielleicht irgendwann demnächst nicht mehr möglich, deshalb müssen wir jetzt diese diese Möglichkeit nutzen, weiter im Text trotz hoher Geldstrafen haben laut berichten 1,5 Millionen Männer ihre Daten nicht aktualisiert.

Eine enorme Anzahl von Menschen versucht, die Mobilisierung zu vermeiden. Viele Misstrauen dem Verfahren. Die Größenordnung spricht für sich, es gibt einen riesigen Raum des inoffiziellen für Ahnungen, Meinungen, Zweifel und Entschlüsse, die öffentlich nicht zum Ausdruck kommen. Ich hab das nicht nur so mitgebracht den Text, sondern ich hatte vor ein paar Tagen, nämlich am Freitag, eine Diskussion im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin, und zwar vor einem. Journalistenverband, dem Verband der ausländischen Presse, also im Prinzip N Journalistenverband für Auslandskorrespondentinnen, die in Berlin stationiert sind.

Und dann wurd ich da eingeladen und es gab quasi in diesem Verein eine interne, ja also Einladung für die Journalistinnen, die da Mitglieder sind, und diskutiert hab ich mit Arthur Weigand. Arthur Weigand ist auch Autor, Publizist. Kennst du den zufällig? Nee. Genau also der, der Macht viel schreibt viel über über die Ukraine, der hat 2 Bücher geschrieben, einmal über seine eigene, so Post sowjetische Herkunft und dann sein jüngstes Werk heißt ich würde für euch kämpfen, mein Bruch mit. Dem.

Genau, wer dieses Antwortbuch, der doch eigentlich drauf auf das Buch von Ole Nymon geschrieben hat. Also es hat auch eigentlich n gleiches oder n ähnliches Cover, das ist so n bisschen flexchance oder? Genau das ist schon draußen. Und wurde auch krasser Bestseller, oder? Auf jeden Fall also mindestens so erfolgreich wie Oles Buch hast du.

Das gelesen oder hast hast du da Ole das gelesen? Nee, ich hab mir tatsächlich die ne digitale Version davon schicken lassen im Vorfeld von der Diskussion und hab da so n bisschen drin rumgescrollt ich hab doch ne ich hab auch ne Review gelesen in der Berliner Zeitung von Kevin Gensheimer über das Buch, weil er hat das gelesen und es ist halt einfach ja also es ist. Der das Argument ist einfach Nationalismus, also der Untertitel von dem Buch ist mein Bruch mit dem Pazifismus, und da geht es eigentlich darum, in dem Buch, ja, ich dachte früher, Gewalt lässt sich, also Gewalt reproduziert nur weitere Gewalt, und jetzt glaub ich das nicht mehr, jetzt glaub ich, Staaten müssen sich eben, müssen eben

wehrhaft sein und. Müssen im Zweifelsfall auch, und das ist nicht schön. Und ja, dann gibt es zwangsrekrutierungen, aber das gehört dann irgendwie dazu und wir müssen ja alle die. Kämpfen ja, und die Widersprüche aushalten. Die genau, die immer ganz viele Widersprüche und so weiter und da komm ich jetzt auch noch mal gleich drauf. So und Arthur Weigand ist auch häufig anscheinend in der Ukraine gewesen, hat da Gedolmetscht für Truppen. Beziehungsweise hat Gedolmetscht für ukrainische Truppen, die an deutschen Panzern ausgebildet wurden, so wie wenn ich das richtig verstanden hab und schreibt da so n bisschen eben drüber.

Also dieses Buch ist keine wirkliche theoretische Abhandlung, so wie Ole eben über die Wehrpflicht geschrieben hat in seinem Buch, sondern es ist eigentlich n Erfahrungsbericht so und dass er es halt wichtig findet, dass sich die Ukraine irgendwie verteidigt und für ihn gibt es halt auch. Die Ukraine einfach so n Ding und nicht vielleicht n Staat der Halt aus wo die Bürger eventuell irgendwann andere Interessen haben als der Staat und das sehen wir halt in diesem Artikel so, von den ich grad wo ich grad Teile draus vorgelesen hab und dann ne. Diskussion also.

Genau. Wir waren dann noch teildiskussion und dann ist. Man nur wie ich find das ja immer. Es waren nur wir beide und halt der Moderator war der Vorsitzende von diesem Presseverband. Und dann waren ungefähr 10 Journalistinnen eingeladen. So klein, ja. Ja genau, es war halt wirklich. Es war im Prinzip ne Pressekonferenz. Ah OK.

Ne Pressekonferenz mit den eingeladenen Journalistinnen aus diesem Presseverband. Also man konnte da auch nicht einfach so hin und es war zum Beispiel, also es war ein Korrespondent aus den Niederlanden, da ich glaub einer aus Japan, einer aus Mexiko, eine aus Norwegen, einer aus Italien, und dann haben Arthur und ich jeweils quasi unsere kurzen Statements gemacht und dann?

Ging es in die Fragerunde mit den anwesenden Journalistinnen? Es war interessant, mit einfach Leuten aus verschiedenen Ländern mal so zu reden, wie die die Berichterstattung auch auch wahrnehmen und es ging dann halt ganz schnell in so ne Richtung, wo ich dann immer wieder gefragt wurde, ja was soll die Ukraine denn machen, ja was sollen sie denn machen, sollen sie jetzt weiterkämpfen, sollen sie aufgeben, sollen sie blablabla also ich wurde eigentlich direkt immer in so ne Militärstrategische. Rolle gedrängt so.

Was soll die? Genau, was soll, was soll die Ukraine denn jetzt machen? Und ich hab eigentlich die ganze Zeit nur geantwortet. Ja, es ist ja schön, dass ich hier mal vor der quasi versammelten westeuropäischen oder Westen westlichen Presse so sitze und deshalb wäre meine Antwort eben, ich bin kein Militärstratege, ich fühl mich nicht wohl in dieser Rolle, aber vielleicht sollte man halt einfach mal Situation so beschreiben wie sie ist.

Und nicht immer nur von der Ukraine schreiben, die sich verteidigt und die Ukraine, die auch unsere Freiheit verteidigt, sondern es ist nicht die Ukraine, die das verteidigt, sondern es ist der ukrainische Staat oder die ukrainische Regierung, die ihre Bürger in die in Anführungszeichen Pflicht nimmt. So, und dann hatte ich auch diesen Artikel ausgedruckt dabei und hab immer wieder Textstellen daraus vorgelesen, also die schockierendsten Textstellen auf, zu denen ich noch noch kommen werde, einfach um diesen.

Journalistinnen, die würd ich sagen alle jetzt keine unbedingt staatskritische Position hatten denen mal so zu zu sagen, hier guck mal, so kann man auch berichten, also man muss nicht immer nur schreiben. Ja toll, die Ukraine wünschen sich mehr Waffen und wir müssen alle n bisschen kriegstüchtig werden und die Ukraine verteidigt auch unsere Werte und so weiter und sofort, sondern man kann halt auch actually mal.

Genau das beschreiben. Was ist also, dass der. DNO ich will ja auch gar nicht sagen, dass es nicht auch Ukraine innen gibt, die ja wirklich sagen, wir wollen kämpfen, wir müssen kämpfen, wir brauchen dafür also wirklich auch in in größeren Gruppen und Verbänden und so weiter jetzt nicht nur staatstragend von mysterialer Seite aus, sondern oder präsidialer Seite aus, aber wenn halt nur diese Stimmen vorkommen und die vielen 100 Tausenden oder Millionen von vor allem jungen Männern, aber auch mit anderen Personen, die Halt fliehen und da keine Lust drauf haben.

Die halt kaum vorkommen. Dann hat man ein ähnliches Missverhältnis wie oft, wenn es um so ne Kriegsberichterstattung geht, wo du halt auf nöcher auf Panels sitzt, wo n Großteil der Bevölkerung sich auch hierzulande gegen Wehrtüchtigkeit und gegen das ja ja du weißt schon ausspricht, ja, aber auf den Panels davon nichts zu hören und nichts zu sehen ist. Also das war auch eigentlich immer nur das einzige Argument, was Arthur Weigand so n bisschen gemacht hat, nämlich dass er meiner grundsätzlichen Analyse darüber. Was das Verhältnis zwischen Staat und Bürger ist, nämlich dass der Staat nicht lieb fragt, ob die Bürger ihn verteidigen wollen, sondern dass, wenn der Staat seine Souveränität verteidigt, dann werden die

Leute halt einfach reingezogen. Dem hat er auch gar nicht so richtig zugestimmt, er findet es halt nur gut, also das daran hat er gar nicht so viel auszusetzen und ja, das ist schlimm mit diesen ganzen Zwangsrekrutierungen, aber es gibt, er hat dann auch mal gesagt, ja, es gibt ja auch die andere Seite und wir müssen die auch sehen und es gibt ganz viele, die das noch freiwillig machen, ich denk mir immer so, ich hab dann auch gesagt. Ja, das mag ja sein, das bestreit ich auch gar nicht, aber wenn das, wie du gerade gesagt hast, wenn das die einzige, wenn das die einzige ja Seite ist, die da groß seit fast 4 Jahren Gehör findet und immer nur geschrieben wird von der Ukraine, als wär das so ein

Monolith und als wär das so alles OK, wenn der Staat da halt seine Bürger einfach wirklich zu 100 Tausenden in den Krieg zwingt, dann dann ist es halt einfach so. Das ist so unfassbar. Es gibt hier eine Stelle im Text, wo es keine Worte gibt, gibt es einerseits doch taten, sich verstecken, das Vermeiden oder Nichtbefolgen des Befehls zu kämpfen, andererseits ist das ukrainische Internet inzwischen voller Videos von Zwangsrekrutierungen und Widerstand dagegen, sie werden von Passanten gefilmt und hochgeladen, internationale Medien ignorieren sie weitgehend. Es war toll, weil ich saß am Freitag eben vor internationalen Medien und konnte es ihnen einfach mal so vorlesen. Es geht dann weiter in die

Beispiele und das ist eigentlich das, was ich um um was es mir ging und um was es mir auch jetzt geht. Ich les vor. Ein Video stammt aus dem Gebiet Venezia, es wurde von einer Frau aufgenommen, die auf dem Beifahrersitz eines Autos saß, das auf einer Straße angehalten hatte, sie dreht sich um, um ihre beiden dünnen Töchter auf dem Rücksitz zu filmen, vielleicht 7 oder 8 Jahre alt, zarte Gesichter, blondes Haar, zuerst wirken sie neugierig, aber dann schreien die Eltern, schau, was passiert, ruft die Frau, sie schlagen. Unser Auto, ein ein TCR Typ.

Die Mädchen schreien, bekreuzigen sich und beten, Oh Herr, bitte hilf uns, oh Herr, bitte hilf uns, die Frau die Mutter versucht zu erklären, was passiert ist. Der Vater hatte nicht angehalten, als er vom TCR dazu aufgefordert wurde, Soldaten verfolgten sie. Als sie dann stoppen, beginnt einer von ihnen auf das Auto einzuschlagen, die Scheibe neben dem Fahrersitz geht zu Bruch, die Kinder sehen, wie ihr Vater gewaltsam zur Mobilisierung abgeführt wird, wie werden sie damit leben?

Ein Freund, der an Epilepsie leidet, floh mit seiner zehnjährigen Tochter zu Fuß. Sie versuchte, die Soldaten abzulenken, damit ihr Vater entkommen konnte. Im Herbst kursierte ein Video, in dem Schulkinder die Abholung ihres Sportlehrers filmten, sie waren verängstigt und empört, die Schule verbot, das Video zu posten, aber jemand trat es trotzdem im Oktober verbrachte die Schauspielerin Elena Repina, die seinerzeit an der Seite des heutigen Präsidenten Bolodymyr Selinsky. In der Fernsehserie Diener des Volkes spielte eine Nacht vor einem TCR Amt.

Darin wurde ihr Mann festgehalten. Beide sind 59 Jahre alt, Sie postete zornig auf Facebook und nannte das TCR Faschisten, Medien griffen die Geschichte auf, ihr Mann wurde entlassen, aber das ist der einzige mir bekannte Fall, das ist so unfassbar, das ist ne Schauspielerin die in der Serie mit Wolodymyr Selinsky gespielt hat, wo er ja den Präsidenten der Ukraine spielt, das war ja die. Origin Story eigentlich von Selensky, dass er den Präsidenten gespielt hat, von dieser Popularität quasi seine Kandidatur als Präsident gestartet hat und dann eine Partei gegründet hat, nachdem er erfolgreich gewählt wurde, die er Diener des Volkes genannt hat, also ne seine Partei, weil er ist quasi solo in die

Präsidentschaftskandidatur gestartet, wurde dann gewählt gegen Poroschenko, also hat gewonnen. Und hat dann eine Partei gegründet für die Parlamentswahlen, die er dann veranlasst hat, weil er halt genau genau sehr smart nur er hat halt seine Partei Diener des Volkes genannt nach der Serie, wo er den Präsidenten spielt.

Also das ist so, also ja, es ist so viel so Levels an nicht Surrealismus, aber an eigentlich Vermengung von Fiktion und Realität, wie man, wie man sie sonst irgendwie nur so von keine Ahnung Jean Bodrillard oder so kennt, auch dass die diese Schauspielerin dann da. Der der einzige mir bekannte Fall ist, wo jemand dann tatsächlich freigelassen wurde.

Weil sie so eine Macht hatte, weil sie an der Seite des Präsidenten also eine Seite des Präsidenten, der den Präsidenten gespielt hat, als er nicht Präsident war. Na ja, du weißt schon, es geht weiter an die Gesellschaft des Spektakels denken ja, aber gut, ja, Mhm. Es geht weiter. Die Metro Woloshin, Kommandeur des achten Luftangriffskorps, gibt auf Facebook zu, dass praktisch alle seiner Männer buzifiziert wurden.

Sie kämpfen gut, sagt er, was sollen sie sonst tun? Das Wichtigste ist, die richtigen Bedingungen zu schaffen. Ein bitterer Kommentar unter seinem Posting Doppelpunkt die richtigen Bedingungen zu schaffen bedeutet, die Personen so hart zu schlagen und ihnen solche Angst einzujagen, dass sie sich mehr vor ihren Vorgesetzten fürchten als vor dem Feind.

Eines Morgens sah ich ein Video vom Strand bei Odessa. Kinder spielen TCR, 2 Jungs jagen einen dritten und schnappen ihn an den Armen. Er versucht sich zu befreien, aber sie führen ihn dem Schicksal zu. Jüngst kommt es vermehrt zu Zusammenstößen zwischen Zivilisten und mobilisierungseinheiten Veteranen und demobilisierte Soldaten stehen dabei oft auf der Seite der Zivilisten. Im August gab es spontane Demonstrationen in den Städten Kobel und Venezia.

Menschen versuchten, in Einberufungszentren einzudringen und die dort festgehaltenen Personen zu befreien. Aus irgendeinem Grund ignorierten die internationalen Medien diese eindrucksvollen Proteste, auch das konnte ich dann vorlesen und und auch auch diese, also allein diese Stelle mit den Kindern, die da am Strand quasi einberufungskommando spielen, es ist so, es ist also und da fehlen einem einfach die Worte das.

Das passiert 2 Staaten östlich von Deutschland. Und zwar einem Land, das ja noch als zumindest westlich orientiert gilt, als ja in Grundzügen demokratisch, also mit Einschränkungen, einfach wegen Korruption. Und man kennt ja die Geschichte und ne, aber ich meine, wenn wir dann noch weiter gucken nach Russland, wir dürfen uns ja nicht, also. Vormachen ist ja genau dasselbe in Russland, nur wahrscheinlich noch viel krasser, noch viel verdeckter, weil du hast ja keine Journalistinnen, die da einfach frei rum suchen können, sondern das muss alles über sehr verdeckte Kontakte ans ins Licht der Öffentlichkeit kommen, wahrscheinlich noch unter viel krasseren Verhältnissen als jetzt in der in der Ukraine, und dazu gab es auch

Veröffentlichungen und na ja, also dann hast du halt noch mal noch mal n anderen Turn beispielsweise so in Moskau, was ja einfach ne als riesige Metropole auch krass. Technifiziert ist, und da hängen halt überall Kameras mit Gesichtserkennung, alle Männer zwischen 18 und 30 müssen halt auch ständig, also werden überwacht, es gibt Akten davon, die müssen jeden Umzug melden, da gibt es genauso einberufungskommandos allein in, in, in Moskau haben die auch jetzt glaub ich letztes Jahr von 8000 Männern, die sie da eingezogen haben für n Wehrdienst.

Haben sie halt 500 gewaltsam widersetzt. Es gibt Berichte von Folter in diesen Sammelzentren, also wo die wirklich mit Elektroschocks und so dazu gebracht werden, sich entsprechend ja einrufen zu lassen, also die, die die Methoden um Menschen so ne krasse Angst einzujagen, wie du es gesagt hast, dass sie mehr Angst vor ihren Vorgesetzten oder von den Institutionen, die zu dem Staat gehören, den sie schützen sollen, haben, als vor dem Feind, also der sie dann im Schützengraben erschießt oder von irgendeiner Drohne anknallen lässt. Das ist doch krass.

Also ich finde sowieso, dass in diesen ganzen Diskussionen und Diskursen über Wehrpflicht so wenig darüber gesprochen wird, was eigentlich bedeutet, auf Befehl zu töten, was mit Menschen gemacht werden muss, wie Menschen psychologisch deformiert werden müssen, damit sie zu diesen Grausamkeiten fähig sind, also Grausamkeiten jetzt nicht allgemein, die weiß ich nicht, Grausamkeit des Krieges und das unnötige, sondern wirklich das ganz konkrete Töten von Menschen, das, das ist uns nicht. Ohne, also ohne Hemmungen gegeben. Das machen Menschen nicht ohne Hemmungen, das sind sehr große Hemmungen, und die müssen unter ganz krassen Bedingungen aufgebrochen werden, damit es auf Befehl hin funktioniert. Ist ja nicht so, dass man jetzt

in der Notwehr oder so ist. Da steht jemandem Messer dir gegenüber und so weiter, sondern du wirst ja schon darauf gepolt, gleich wird das passieren und du gehst da rein, also normalerweise weiß ich nicht, wenn da vorne jemand steht mit einem Messer, dann sagen alle Leute flieh so schnell du kannst, denn wer möchte dann da hingehen, weißt du, ich meine also? Vor allem, wenn du weißt, dass der sichere Tod ist und diese Form von Gewalt, die man diesen Menschen antun muss, damit sie Gewalt antun.

Das ist so unterrepräsentiert, wenn man Deutschland fragt, Ja, Wehrpflicht, was soll das und so, dann kommt so, ja, ich hab gelernt, mein Bett zu machen und pünktlich weiß ich nicht aufzustehen und zu einem Termin zu kommen, ich denk mir so Alter, also wenn du ein Jahr lang Wehrpflicht brauchst, was eben mit diesen Methoden des Drills dich auf langfristige Sichter zu erzieht, andere Menschen, die du nicht kennst zu töten. Und du nur daraus ziehst.

Ja, ich kann mein Bett machen und komm pünktlich zu einem Termin. Dann hast du wirklich ganz andere Probleme und ganz andere Baustellen, um die du dich vielleicht kümmern solltest, als jetzt hier Leuten die Wehrpflicht anzuempfehlen ist doch irre. Ich mein, Das ist ja auch. Nur ja auch nicht. Schadet ja schön und gut. Offensichtlich ja schon offensichtlich schon. Ich mein, das ist ja auch so ne Sache, die eigentlich in allen Militärfilmen und filmen über den Krieg so drin steckt, also auch.

Full Metal Jacket oder so. Voll, aber diese diese, diese öffentlichen Diskurs keine Rolle. Also man. Ja, also ganz abstrakt. Die Wehrpflicht und oder, ganz abstrakt irgendwie. Wir müssen Verteidigungsfähig sein, dass das das ganz reale Töten von Menschen enthält, das das. Sowieso das sowieso, aber auch diese, diese komischen, diese Rituale, die so bei der Bundeswehr oder auch bei anderen Armeen sicherlich stattfinden, die ja nur auf Erniedrigung abzielen. Also ich hab auch Freunde, die noch. Die Wehrpflicht hatten also die quasi vor 2011 das gemacht haben, die dann da Zeit verbracht haben in der Bundeswehr, wie auch immer, wie lang das damals war, dann in der Endphase, und die haben auch

erzählt, also du wirst halt morgens um 5 irgendwie aus dem Bett gescheucht und dann musst du da erstmal irgendwie n paar Kilometer rennen und dann wirst du den ganzen Tag einfach getriezt und dann gehst du spät ins Bett. Und dann wirst du wieder um 5 aus dem aus dem Bett geprügelt. Dann machst das Ganze noch mal. Klingt wie Lohnarbeit.

Genau. Und der Punkt davon ist aber nicht die körperliche Ertüchtigung, sondern die, die das mürbe machen, also das niedrigen, das ein Formen und und wirklich zusammenstauchen von jedem eigenen Willen. Also der Punkt davon ist halt nicht, dass man fähig sein muss. Früh aufzustehen und irgendwie lang zu laufen, also das gehört auch dazu. Diese körperliche Ertüchtigung, aber da geht es viel eher um dieses, um diesen Drill, um dieses wirklich zusammenstauchen von von jeder Form, von ja, also menschlicher Resistance dagegen, was einem da angetan wird, weil es halt eben. Also in jeder Phase offensichtlich widerstrebt. Genau.

Und was so unnatürlich ist, weil es so unnatürlich ist, muss diesen Leuten diese psychische Gewalt angetan werden. Und das ist, das ist der Punkt und was dieser Kommandant da auf Facebook geschrieben hat, was sollen sie sonst tun? Das Wichtigste ist, die richtigen Bedingungen zu schaffen, ja die richtigen Bedingungen sind ja genau das, was danach dann geschrieben wurde nämlich.

Dass die Leute vor dem eigenen Kompanieführer mehr Angst haben als vor dem Feind, weil sonst macht man das einfach nicht. Genau. Und wenn dann die das nächste Argument kommt, ja, aber das muss ja so sein, sonst würde das Prinzip Armee ja gar nicht funktionieren, dann würd ich sagen, ja ganz genau, ja genau will ich ja auch nicht, dass es funktioniert, ja weil es aufgrund, also weil diese Gewalt nur auf Grundlage von Gewalt verübt werden kann.

Ja, ja, na ja, ich geh mal Richtung Ende von einem Text. Ich kenne einen fünfundfünfzigjährigen Übersetzer mit chronischen Erkrankungen, der sich das Schlüsselbein gebrochen hat, um nicht eingezogen zu werden. Das sei die sicherste Methode. Ich kenne auch einen Designer, der sich eine Niere entfernen ließ, um für eine Befreiung wegen Behinderung in Frage zu kommen.

Auf Telegram erfuhr ich von einem Wehrpflichtigen in Kiew, der sich an Händen und Halsschnitte zufügte, um entlassen zu werden. Auf Instagram erzählte eine bekannte Freiwillige aus Saporicia sogar von einem Mord in einem Einberufungszentrum. Der Vater ihrer Freundin, ein zweiundfünfzigjähriger ehemaliger Kämpfer, sei zwangsweise erneut eingezogen worden und keine 24 Stunden später verstorben, als eine Leiche der Familie zurückgegeben wurde, habe sie Spuren von Schlägen gezeigt, die Freiwillige appelliert an Journalisten und Zivilgesellschaft, aber die Geschichte ist schon fast wieder vergessen, begraben unter anderen, die noch dramatischer erscheinen, einen Absatz weiter. Beiden wurden ihre Telefone

abgenommen. Gängige Praxis in Wehrpflicht und Ausbildungszentren manchmal hört man wochenlang nichts von mobilisierten, weiß nicht, ob sie noch leben, einige haben ein illegales Handy, Kameraden meines Freundes teilen mir Neuigkeiten mit, demnach wurde auch in dieser Ausbildungseinheit fast alle Zwangsmobilisiert auf der Straße, an der Haustür, bei alltagsaktivitäten, ich höre von Bestrafungsriten verweigert einer die Unterschrift, sich freiwillig gemeldet zu haben oder versucht er die Flucht, wird er an einen Baum gefesselt und gedemütigt.

Auch im Winter. Warum nur diese hart erzwungene Stille? Der Krieg hat die Illusion geschaffen, dass die Anerkennung einer Art von Erfahrung eine andere schmälert, als ob die Freiheit der Wahl die Entscheidung entwertet, sich dem militärischen Widerstand gegen die Invasion anzuschließen, als ob die Kritik innerer Gewalt in einer Gesellschaft, die sich verteidigt, nur bedeuten kann, für den Feind zu arbeiten. Dieses erzwungene Schweigen hilft der ukrainischen Gesellschaft nicht, es normalisiert und legitimiert eine abnormale kriminelle Situation. Es zwingt die Menschen zu akzeptieren, dass Gewalt natürlich und stets zu erwarten ist. Ein fester Bestandteil der Gesellschaft der Hilferuf jener Mädchen, deren Vater vor ihren

Augen verschleppt wird, verhallt ungehört. Und auch das ist eine Antwort, und damit endet der Artikel. Also das ist so sensationell. Krass. Also ich hab das richtig gehabt gerade. Ist richtig heftig. Also diese erzwungene Stille. Das ist, genau das ist eben eine erzwungene Stille, die in, also es ist ja nicht so, dass da jemand in diesen Redaktions.

Stuben anruft und sagt, ihr dürft da nicht darüber berichten oder so. Sondern. Es wird als vereinbar. Genommen genau. Es ist aber es ist ein ein ein so internalisierter Nationalismus, so ein Internalisierter, so ne Überzeugung von wegen, dass wir alle auf der richtigen Seite stehen und deswegen. Müssen die jungen Leute da oder die mittelalten Leute oder Männer in der Ukraine müssen da jetzt auch mal ran und Russland hat diesen diesen Krieg begonnen oder diese Invasion 2022 eben gestartet und da hat ja auch niemand, der irgendwie klar denkt, Zweifel dran, aber das legitimiert dann einfach alles und dann gibt es auch nur eine ukrainische Gesellschaft, es gibt eine Ukraine, die alle das

gleiche will, wo oder wo alle das gleiche wollen und. Diese, diese kleinen Geschichten, die dann eben in diesem Artikel mal so wirklich auf auf Länge ausgebreitet werden, die sind so, also die sind so verstörend und da hab ich die auch, also zum Teil vorgelesen am Freitag bei dieser Diskussion, und es ist auch nicht so, dass man dann irgendwelche Widerworte bekommen würde, weil natürlich nicht, was soll man dagegen sagen, selbst wenn man der größte Supporter von der Ukraine von dem ukrainischen Staat und der ukrainischen Armee ist. Das kann man sich nicht schönreden, das kann niemand schönreden.

Und dann kann man eigentlich nur betreten schweigen. Und ich hoffe, dass diese, dass dieses kurze, betretene schweigen wenigstens so n bisschen was gebracht hat. Also ich hab, ich hab danach auch noch nett mit einigen von den Journalistinnen da geredet, ich will denen nichts irgendwie, ich will nicht sagen, dass die alle irgendwie ideologisch verblendet werden oder so, ich kannte die auch alle nicht, ich weiß nicht wie die persönlich oder individuell da berichten bei ihren Zeitungen definitiv. Aber die waren in dem Moment halt der Repräsentant von einer weiteren Pressewelt, die bisher nicht nicht so großes Interesse an diesen einzelnen Schicksalen gezeigt hat. Und deshalb fand ich es sehr

wichtig, dass ich da diesen diesen Artikel mal so mitgebracht hab. Und das erinnert mich auch gerade noch mal an den Punkt, den hatten wir schon mal in einem anderen Podcast oder in einer anderen Folge unseres Podcasts besprochen, dass es ja einfach nicht sein kann, dass wir hier für die. Sogenannte Verteidigung der westlichen Werte alle westlichen Werte über Bord werfen, um genau das zu tun, um sie hochzuhalten. Was ist denn das für ne Farce oder für ne Scheinheiligkeit? Das kann nicht sein, also entweder sind sie gültig und zwar universell gültig oder sie sind es einfach nicht, dann sind sie einfach nur.

Pragmatische Mittel, um sich moralisch überlegen zu zeigen, oder opportunistische Weisen, eine Gesellschaft zu strukturieren, wenn es ihr gerade in den Kram passt, dann kann man es auch lassen mit den Menschenrechten und mit den Freiheitsrechten und mit den Friedensabhellen und so weiter. Ja, ja. Ja, krass.

Betreten. Schweigen. Kannst du vielleicht noch einmal sagen, wie der Artikel hieß, damit die Leute, die das nachlesen wollen, auch noch mal in Gänze tun können? Definitiv also der Artikel im Freitag heißt Buzifizierung in der Ukraine wie der Krieg spricht und wovon er nichts hören will und von Jewgenia Belorussets und den Essay gibt es auch auf Englisch mit dem Namen The Demand for Silence. Genau also da wird man find ich ist es ne Paywall glaub ich aber die da zähl ich auf die Zuhörerinnen, dass Sie das zu umgehen wissen, wenn Sie keine.

Kein Abo vom vom Freitag haben. Genau und vielleicht noch einen. Einen letzten Gedanken noch, der mir dazu kam, als ich das ja auch mal gesagt, dass in Russland der genauso ist und dann noch mal der Punkt, diese Form von Menschen in Busse zerren und abschleppen und irgendwo hinbringen, wo sie nicht sein möchten im Namen eines Staatsschutzes, das sehen wir in allen Ländern dieser Erde, ob sie demokratisch sind oder nicht. Ja, sofern der Staat sich in einer existenziellen Weise bedroht sieht.

Und da ist dieser Punkt, dass die Interessen eines Staates nicht die Interessen seiner Bürgerinnen sind, immer und immer wieder zu wiederholen, also sie können identisch sein, aber sie sind es oft und auch oft in krasser Weise nicht, und wer das nicht sieht und weiterhin so n Nationalismus für ne gerechtfertigte Position hält, die man von der linken Seite aus durchaus auch mal aushalten kann als Widerspruch würde ich sagen, sorry, da müsst ihr echt noch mal n bisschen.

Hinschauen, was ganz Real passiert mit diesen Menschen. Ja, ja, definitiv. Ich mein, Das ist ja, das wiederhole ich ja auch quasi gebetsmühlenartig in meinen Videos, dass die ne Demokratie und ne Diktatur, wenn Sie jeweils ihre Souveränität verteidigen, sich in ihren Mitteln und ihrem Zugang und ihrem Zugriff auf seine, auf auf ihre Bürger gar nicht so unterscheiden.

Und dann kann man da nicht mehr von. Der menschenliebenden Demokratie und der menschenfeindlichen Diktatur sprechen. Ich hab vielleicht noch n ganz finaler Punkt dazu. Ich hab am Wochenende mit dem Freund geredet, der sich viel so mit auch der Geschichte von Osteuropa beschäftigt hat und der da ziemlich viel Ahnung hat und der hat erzählt, dass die Rekrutierungen in Russland oft ja eben tatsächlich über ökonomischen Zwang laufen, also einfach gesagt wird, hey man bekommt bis zu irgendwie, ich glaub zweieinhalbtausend. Dollar, was einfach wahnsinnig viel Geld ist für zum Beispiel Familien, die Halt in irgendwo in Sibirien, in den entlegenen Regionen wohnen und dann für die Söhne dieser Familien auch einfach der, der der wahnsinnige

Druck da ist. Ich will ja meiner meiner Familie irgendwie eine Art von ja, Wohlstand, aber sozialem Aufstieg, Möglichkeit irgendwie n bisschen finanzielle Entspannung zu erleben, denen möchte ich ja diese Möglichkeit geben, also dass es dann eben nicht nur der Druck ist. Setz dich für deinen Staat ein, sondern deine Familie hat ganz materiell ganz große Vorteile davon und mein Kumpel meinte, dass eben die Rekrutierungen auch zum großen Teil nicht in den urbanen Zentren stattfinden, sondern eben im Hinterland und dass dahinter auch eine zu einem gewissen Grad auch ne eigentlich fast schon ne ethnische Säuberung stattfindet, indem man einfach die ethnischen Minderheiten in der großen Russischen Föderation. In die Armee holt, die dann da

verheißen und dadurch eigentlich an an ja so einem einem russischen, ethnisch nationalistischen Chauvinismus Ausdruck verleiht, indem man gewisse kulturelle, ethnische Minderheiten halt einfach n bisschen früher in den Krieg beordert. Und du hast dir ja so viele Ebenen und so viele Layers was das angeht, weil ich meine dadurch, dass sie in einer Minderheit sind und eben in einem. Russischen, wie gesagt, ethnischen Chauvinismus sowieso kein hohes Standing haben und kopiert oder wie auch immer kontrolliert werden sie eben in einer so krass marginalisierten Position sind auch ökonomisch, dass eben diese ökonomischen Hebel ziehen, dann werden sie noch im Krieg verheizt, wo kein Hahn nach kräht, weil sie

einfach sowieso nicht medial stattfinden, weil sie sowieso nicht von Interesse sind, also da kommen, also da kommt einfach so viel zusammen, was man einfach krass kritisieren. Kann und kritisieren muss ja ja, das ist vielleicht auch was, was dann echt noch mal n bisschen anders ist oder n bisschen besonders in in Russland, was jetzt so bei den ukrainischen Zwangsrekrutierungen so vielleicht nicht zu spüren ist.

Weil halt so ne so ne, weil Russland einfach so unfassbar groß ist und genau so viele verschiedene, ja ethnische und und kulturelle Minderheiten und Gruppen irgendwie in sich aufnimmt. Und deswegen ist ja auch wenn dann so die Frage kommt ja, was sollen wir denn jetzt machen? Gerade also aus einer deutschen Perspektive oder so.

Ist ja immer die Sache gut. Ja, was was heißt das denn? Also wenn wir uns dafür einsetzen, dass Menschen frei entscheiden können, ob sie an die Front gehen oder nicht, in der Menschen ihr Leben schützen dürfen, weil es ihr Leben ist, was sie mit ihnen durch ihre Geburt verliehenen Menschenrechte auch schützen dürfen vor einem Staat, der darauf Zugriff haben möchte, dann muss es doch selbstverständlich sein, dass alle Menschen, die fliehen und nach Deutschland kommen. Also einer der reichsten Länder der Welt. Auf jeden Fall Schutz finden auf jeden Fall jegliche Form von politischer Intervention, die sagt, jetzt müssen die ukrainischen Männer aber wirklich zurück in die Ukraine, das geht ja nicht so weiter,

oder die auch russische geflohene Männer nur unter schweren Bedingungen annehmen, das kann nicht sein, also da würde ich sagen, allererste Pflicht ist es also wie gesagt, ich bin es, ich bin auch gegen Waffenlieferungen wegen der Rüstungsindustrie und so weiter aber jetzt bin ich jetzt immer so ne sagen wir mal ne ne. Gemäßigte sozialdemokratische Position oder so was einnehmen würde ich sagen.

Ja, wir sind nun mal eben im Krieg und da muss man auch mal Rüstung liefern. Ja meine Güte, aber dann dann verlange ich aber wenigstens, dass im Gegenzug oder zumindest im gleichen Atemzug dieses unbedingte Fluchtrecht aller Menschen, die eben einen Krieg an einem Krieg nicht teilnehmen wollen, unter allen Umständen geschützt wird, also dass man das heute so sagen kann und so fordern kann, ohne dass es einen gewaltigen Schutzdauer in dieser Gesellschaft gibt, über die.

Also über die skandalöse oder moralische Bankrotterklärung solcher Statements. Das das ist eigentlich nicht anders zu erklären als dadurch, dass wir bereits in so einer Militarisierung oder so ein Einstimmen auf den Krieg schon sehr weit vorangeschritten sind in Deutschland. Ja, wahrscheinlich als finalen finalen Punkt.

Omid Noripur, der ehemalige Grünen Chef, meinte jetzt. Legst du aber noch mal raus hier. Der meinte vor n paar Wochen ich glaub auf dem Grünen Parteitag Menschenmaterial, das gibt es nur bei Putin. Hier wir sind eine Demokratie, hier gibt es kein Menschenmaterial. Und Markus Söder das. Ist ja interessant, also wie würde er es denn hier nehmen, wenn Leute oder du du hast doch jetzt letztens n Video gemacht wo du n Ausschnitt von einer, ich glaub in einer Phönixrunde oder so gebracht hast wo der wo dieser Heischberger oder Meischberger wo der eine Militärbedienstete keine Ahnung was der war noch mal so ganz klar gesagt hat im.

Verteidigungsraum werden alle eingezogen. Werden alle eingezogen? Punkt. Ja, da ist ja nicht mit Lotte, da gibt es keine Lotterie mehr, kein Lösverfahren. Mein Ah, wen trifft es, wen trifft es nicht an, wer denn alle eingezogen. Punkt, das war seine Aussage und er ist dann ein Vertreter der Institution Militär also. Ja, das das meinen die alle nicht so. Das ist alles nur und das hat nichts mit Menschenmaterial zu tun, rein gar nichts, das ist auch ganz populistisch, wenn man das sagt.

Na ja, auf jeden Fall. Markus Söder meinte dann kurz danach, ich glaub vor vor ein vor 2 Wochen oder so, meinte Markus Söder. Dass die jungen ukrainischen Männer in Deutschland quasi in die Ukraine mal zurückgeführt werden sollen, also abgeschoben werden, weil es ist ja deren Pflicht, das Land zu verteidigen.

So, und da muss ich dann schon auch fragen, gut, nicht nur hat gegenüber der deutschen Bevölkerung der deutsche Staat im Zweifelsfall ein ziemlich instrumentelles Verhältnis, was man durchaus mit dem Begriff Menschenmaterial beschreiben könnte, sondern eben auch zu jungen ukrainischen Kriegsgeflüchteten, weil man halt sagt, gut, ist doch eure.

Ist doch auch Pflicht, da das Land zu verteidigen und ich möchte an daran erinnern 2015, wo die Geflüchteten aus Syrien nach Deutschland kamen, da haben das nur die Allerrechtesten gesagt, von wegen es sind doch junge Männer, die sind doch vital aus sie sollen noch mal ihr Land verteidigen und wieder aufbauen und so weiter und sofort also das war da war ganz klar, das ist ein Talking Point, das sagen nur die Rechtsradikalsten der Rechtsradikalsten so.

Und mittlerweile? Ist ja. Aber in Syrien war das schon mehr wegen Bürgerkrieg und so weiter das war schon so n bisschen anders gelagert als jetzt n relativ. Krieg. Klar, das das war jetzt die Invasorischer. Krieg also. Das war jetzt kein Zwischenstaatlicher irgendwie Konflikt wo wo es um so Zwangsrekrutierungen geht. Aber dieser Punkt, dass Leute irgendwie kein Recht hätten zu fliehen, weil du mal eben nur gerade von von eben kriegsgeflüchteten gesprochen hast. Diese Menschen sind vor Krieg geflohen, vor Krieg, Zerstörung und und einfach ökonomischer Deprevation, und auch da kam eben.

Zum Teil dieser Talking Point. Von wegen die die sind, das ist doch deren Land, die sollen doch da mal bleiben, die sollen sich da quasi ertüchtigen. Es ist ja auch also ne ne patriotische Pflicht, das kam wirklich nur vom rechten Rand und mittlerweile ist es in ja leicht anders gelagerter Form, aber komplett angekommen in der Mitte, dass es Leute also die eigentlich, dass es so ne patriotische Pflicht gibt, gerade von jungen Männern. Sich für ihr Land zu betätigen, egal ob das jetzt quasi der Wiederaufbau nach einem Bürgerkrieg ist oder eben das Kämpfen in einem zwischenstaatlichen Krieg, und das finde ich schon schon heftig. Und ich finde auch noch mal wichtig darauf hinzuweisen, wenn du den Punkt machst, dass

Demokratien und Diktaturen gerade im Kriegsfall ein sehr ähnliches Gesicht zeigen, weil es eben auf Zwängen beruht. Und da kann man sich ja eben die Berichte von sowohl russischen Zwangsrekrutierungen anschauen wie von ukrainischen, und wenn man nur die Geschichten sieht, sind die Unterschiede nicht so wahnsinnig groß. Dann heißt ja nicht, dass man nicht jetzt hier n russischen Autoritarismus gleichsetzen muss mit dem, was noch von Demokratie in der Ukraine übrig ist.

So das find ich auch völlig vermessen. Also gut, da waren aber ganz andere Befugnisse und es gibt überhaupt gar keine Form von Gewaltenteilung mehr. Also das ist schon also ne ganz andere Ausschaltung auch von Opposition, das in jeder Hinsicht tausendmal krasser, aber gleichzeitig kann es doch nicht das Argument sein, dass nur weil ein Land eine. Mehr oder weniger funktionierende Demokratie ist, wie gesagt in der Ukraine eher weniger als mehr. Also jetzt gerade vor dem Krieg gab es ja auch viele Untersuchungen davon über die vielen Mängel auch in der ukrainischen Demokratie, was da noch zu tun gibt und so weiter das kann doch nicht der einzige ausschlaggebende Punkt sein, an dem man dann moralisch bemisst,

ob junge Männer in den Krieg ziehen müssen und ihr Land verteidigen müssen oder nicht. Also es kann es doch nicht sein, ja. Also sowohl weil eben Menschenrechte universal sind, muss man was wiederholen und vor staatlichem Zugriff schützen sollen, als auch eben gerade im Kriegsfall, wo Staaten auch sie demokratisch autoritär sind, ähnliche Methoden haben, um vor allem junge Männer in die Schlacht und damit in das Morden und in das Sterben hineinzuzwingen ja, weil was was wäre, wenn die Ukraine ein autoritär geführter Staat wäre, also keine Demokratie, sondern ähnlich autoritär wie wie Putin. Ich denke, das würde deutlich was verändern an der Art und Weise, wie wir hier vom hohen moralischen Ross des Westens über die Ukraine urteilen.

Und es wäre auch deutlich was anderes, wenn die Ukraine nicht prowestlich gewesen wäre. Ich glaube, das ist der viel größere Unterschied. Wahrscheinlich auch geopolitisch und so weiter aber ich mein jetzt wirklich so jetzt nicht auf so einer geopolitisch strategischen Ebene, sondern wirklich auf so einer moralisch ideologischen Ebene.

Es ist glaub ich n riesiges Argument, was ja auch hier in Deutschland ist. Der Staat sind wir alle. Der Staat sind wir alle, weil wir in einer Demokratie leben. Das wirst du ständig auf diesen Panels und Podcasts und Shows gefragt bei dir, was ist denn dein, deine Staatskritik, was soll das denn der Staat, das sind doch wir, denn wir können wählen und wir haben Parteien und Meinungsfreiheit.

Aber glaubst du, dass wenn die wenn die Ukraine n ähnlich autoritär geführter Staat wäre, der aber auch prowestlich ausgerichtet wäre? Glaubst du, dass man. Dass da die letzten 4 Jahre groß anders abgelaufen wären, also so hier in Deutschland auch medial und und diskursiv, ja. Das ist jetzt n bisschen. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Ja, ja. Klar, aber so? Also wer ist denn ne interessante offene Frage? Ja, na ja, wir vielleicht auch an dieser Stelle gar nicht beantworten können. Genau, OK, ja, Simon, jetzt stehen wir hier und haben ungefähr 50 Minuten über Ukraine gesprochen. Und ich hab so n bisschen das Gefühl, weil wir ja ungefähr sagen n Stündchen, mein Thema ist n bisschen zu umfangreich, aber auch zu wenig aktuell, als dass wir es jetzt bringen müssten.

Ich will sogar fast vorschlagen, lass es doch an dieser Stelle, weil ich finde auch gerade diese Themen sind so krass, also ich finde also es macht auch irgendwie was ich red die ganze Zeit da drüber ich nicht, ich find das irgendwie schon, also es geht mir auch irgendwie sehr nahe, weil ja also. Weil ich das so furchtbar finde, so unendlich furchtbar.

Und ich sehe gerade in so ich bei der großen Politik den großen Medienhäuser so erschreckend wenig Widerstand dagegen oder halt argumentativ n bisschen dürftig, ja, ja, so kleine kleine Richtung aufs BSW, dass ich da echt denke, dass das ja, das kann es nicht sein und deswegen würd ich fast vorschlagen, dass uns an dieser Stelle glaub ich n Cut machen und wir gehen. Nächsten, Wir haben ja auch letzten Podcast Überlänge gehabt und wir gehen nächsten Podcast in neuer Frische dann rein. Ja, irgendwie vielleicht nicht ganz so krass sind. Ja, ja, ja, damit kann ich mich anfreunden. Ich find es auch gut, wenn wir dem Thema so n bisschen mehr Raum geben, weil ja ich dachte, also ich dachte mir so, es ist einfach wichtig, dass man, dass

dieser Artikel wirklich möglichst weit und breit gestreut wird, weil es so. Also ich, ich mir fallen da gar keine anderen Worte außer unfassbar ein. Und gerade weil es halt eben so, weil es so Bilder sind und und Geschichten, die man, wo man überhaupt kein Problem damit hat, sich vorzustellen, dass die in irgendeiner finsteren Diktatur eben so passieren, und das ist halt in einem Staat, der ja die letzten. 4 Jahre also wo, wo überall die Flaggen hingen, vielerorts immer noch hängen, es die ganze Zeit von unverbrüchlicher Solidarität zwischen den westlichen liberalen Demokratien geredet wird und so weiter und sofort und dann einfach so wirklich Geschichten und kleine kleine Fetzen von so, also das ist ja immer nur so kleine Bruchstücke

von so einem Gesamtbild, das Gesamtbild ist ja noch viel brutaler, als was in diesem kurzen Artikel so dargestellt wird, ja. Das es fühlt sich so ja an wie wir, also aus einer anderen Zeit eigentlich, aber deswegen ist es halt doch gar nicht so glaub. Ich voll wichtig, dass so n Antimilitarismus auch immer wieder solche Sachen in den Blick nimmt, damit ne Zivilgesellschaft so stark auch antimilitaristisch geprägt wird und ideologisch gefestigt wird, dass man wirklich im Fall der Fälle einfach massenwirksam sagt. Nein.

Das machen, das lassen wir nicht mit uns machen. Ja, also in diesem Sinne der nächste Schulstreik gegen die Wehrpflicht ist am fünften. März, am 5. März. Am 5. März und bis dahin werde ich auch noch diverse Tätigkeiten in Preparation auf diesen Streik. Durchführen also. Ich bin, falls die Leute haben, die vielleicht n bisschen jünger sind, die vielleicht auch noch zur Schule gehen und die Lust haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, teilt unser Podcast gerne. Und wir versuchen ja schon irgendwie den so zu gestalten, dass der auch für ne breitere Masse hörbar ist und jetzt nicht nur so super spezialisierte Politikwissenschaftsstudies, das ist ja n bisschen oll.

Ja, ich bin ja, ich bin dann zum Beispiel am 30. Januar mit Ole Nymon gemeinsam bei 99 zu 1 und wir. Reden da über den kommenden Wehrpflicht wehrpflichtstreik, also Schulstreik gegen die Wehrpflicht. So und auch was wir da so an Strategien und Forderungen uns vorstellen könnten, also freut euch.

Ja, ich bin am 27. Januar mit Ole in Marburg, also nicht mit Ole im Sinne von, dass wir auf einer Bühne stehen, sondern er steht auf einer Bühne, stellt sein Buch vor, aber ich werde anreisen und klatschen deswegen. Falls ihr da auch Lust habt und in der Nähe von Marburg wohnt, im KFZ am 27. Könnten wir uns auch sehen.

In diesem Sinne Simon in diesem. Sinne. Vielen Dank. Fürs Vorstellen des Artikels und Dir noch eine schöne Woche. Das wünsche ich dir auch und das wünsche ich euch auch. Liebe Leute da draußen an den Radiogeräten. Also genieß den Tag, macht den den Abend oder wann auch immer ihr diesen Podcast hört, macht euch nen heißen Kakao und. Genau, macht euch nen heißen Kakao. Tschüss, Tschüss.

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