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Shownotes
Wir machen nach 150 Folgen eine Pause! Damit ihr trotzdem gut versorgt seid, haben wir Pausenprogramm für euch organisiert. Jeden Samstag gibt's eine persönliche Folgenempfehlung von uns. Heute geht's um Jean Purdy und das erste Kind aus der Petrischale.
“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links (linktr.ee/behindscience), die gerade wichtig sind.
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Schön, sein Samstag mit einem lieben Gruß aus unserer Pausenzeit. Heute haben wir eine Folge aus unserer Podcast-Vorratsdose gekramt, die uns ganz besonders ans Herz gewachsen ist. Denn es geht in dieser Folge darum, Frauen eine Chance zu geben und auch dem Leben, könnte man sagen, gewissermaßen eine neue Chance zu geben, und zwar durch Wissenschaft.
Aber wird es gelingen oder wird die Erfinderin aus dieser Folge durch ihre Arbeit alles verdienen? Ganz sicher ist, dass sie sehr viel investiert und sich für ihre Erfindung sogar mit Gott höchstpersönlich anlegt. Wir sprechen heute über Jean Purdy und die erste künstliche Befruchtung. Vielleicht sollten wir direkt mal klären, was wir jetzt heute in dieser Folge meinen, wenn wir künstliche Befruchtung sagen.
Und zwar meinen wir damit eine IVF, also eine In-Vitro-Fertilisation. Fertilisation heißt Befruchtung und In-Vitro ist Latein für im Glas. Also es bedeutet übersetzt einfach Befruchtung im Reagenzglas. Das ist heute das Thema. Und erst mal müssen wir klären, für wen dieses Thema wichtig ist, also wen das überhaupt betrifft, wer das nutzt.
In Deutschland ist es so, dass fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos ist. Das bedeutet nicht, dass diese Paare alle eine künstliche Befruchtung brauchen, um ein Kind zu bekommen, aber um einfach mal ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen. Also das sind sehr, sehr viele Menschen, die vor dieser Herausforderung stehen.
Das deutsche IVF-Register hat von 1997 bis 2020 insgesamt 364.000 geborene Kinder dokumentiert. Das finde ich eine... Eine unglaubliche Größenordnung. Also die durch so eine IVF geboren wurden. Das sind so viele Babys, wie es ungefähr Einwohner in Wuppertal gibt. Solche Vergleiche finde ich immer stark.
Wenn ich mir da vorstelle, dass eine ganze Stadt mit diesen Babys bevölkert wird. Also einiges. Das ist sehr erfolgreich, dieses Verfahren. Es gibt von diesem Register immer so Jahresberichte. Wenn euch diese Statistik noch so ein bisschen ausführlicher interessiert, Wenn ihr da noch mal so reingehen wollt, dann verlinken wir euch auch das Register in unserer Beschreibung.
Heute nutzen diese IVF-Technik also sehr viele Familien. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen sogar 50 Prozent der Kosten von einer künstlichen Befruchtung. Und wenn ihr euch erst mal untersuchen lassen wollt, also untersuchen wollt, was sind eigentlich die Gründe, dass es bei uns nicht klappt, dann übernehmen die Krankenkassen das sogar zu 100 Prozent.
Also da hat sich echt was getan in den letzten Jahren. Und für diese Folge denken wir uns aber in eine Zeit zurück, eigentlich zeitlich nicht so weit zurück, so ungefähr 50 Jahre, ist ja noch gar nicht so lang her. Aber das war eine Zeit, in der es noch keine Methode zur künstlichen Befruchtung gab. Und so eine Technik, die war zu der Zeit auch wirklich unvorstellbar.
Aber trotzdem gab es natürlich die Paare, genauso wie heute, die ungewollt kinderlos waren. Und das Einzige, was die damals tun können, ist aber beten. Ja, also ... Medizinisch ist nicht so viel drin, aber der Glaube war groß, stark. Deswegen war das so die einzige Option. Also damals hat man auch gedacht, dass das eine Entscheidung von Gott ist, ob es mit den Kindern klappt oder nicht.
In der Bibel gibt es ja auch einige Geschichten, in denen Frauen scheinbar durch Gott schwanger werden oder so durch Gottes Wille. Prominentestes Beispiel ist natürlich Maria mit Jesus. Also sie ist ja irgendwie laut der Erzählung wirklich von Gott schwanger geworden. Und war sogar Jungfrau. Und war Jungfrau, also die hat es anscheinend richtig drauf.
Aber es gibt auch die Geschichte von Isaac, dessen Frau Rebecca nicht schwanger wird. Und Isaac betet dann zu Gott und zack, klappt es auf einmal mit den Kindern. Und es werden sogar Zwillinge, also es hat da nochmal doppelt gewirkt. Also in gutem Kontakt mit Gott zu sein, scheint entscheidend zu sein, um schwanger zu werden.
Und es ist auch für den Fall, dass es nicht klappt, die gesellschaftlich anerkannteste Erklärung, also nach dem Motto, Die hat jetzt hier nicht genug gebetet oder hat sich irgendwas zu Schulden kommen lassen, deswegen klappt das mit Kindern nicht. Auch wenn es damals eigentlich schon möglich ist, genauer zu diagnostizieren, warum es nicht klappt, wird über diese Diagnosen nicht öffentlich gesprochen und das ist natürlich sehr, sehr schwierig, kann man sich vorstellen, wenn vor allem Frauen dann so an den Pranger gestellt werden, warum es eben bei ihnen nicht klappt.
Dass das was damit zu tun hat, wie sie zum Beispiel ihr Leben führen oder ihr Leben früher geführt haben oder nicht gottesgläubig sind oder so. Und man konnte damals zum Beispiel schon sowas diagnostizieren wie eine Endometriose. Das ist ein häufiger Grund, warum Frauen nicht schwanger werden können.
Das ist so eine gutartige, aber meist sehr schmerzhafte Wucherung aus Gewebe, das so außerhalb der Gebärmutter in benachbarte Organe und Gewebe wächst und dann verhindert, dass da ein Baby heranwachsen kann. Und darüber wird aber halt gar nicht gesprochen, obwohl es schon diese Diagnosen gibt. Also es wird immer die Schuld dann mehr bei der Frau gesucht.
Oder vielleicht auch so wirklich so dieses, okay, dann hat die es vielleicht nicht verdient. Das ist ja dann auch echt so, das Gefühl über sich einschleicht. Ja, und vor allem ist ja auch nicht immer nur, liegt das medizinische Problem nicht immer nur bei der Frau, sondern ja auch häufig beim Mann. Es gibt so viele Gründe. Genau, es gibt tausende Gründe und da wurde aber das häufig auf die Frau abgewälzt.
Also Gott sollte da alles regeln, das war damals die einzige Hoffnung. Das war die einzige Hoffnung, bis ein britisches Forschungsteam alles daran setzt, dass das nicht mehr so bleibt. Und zwar wagt sich dieses Team in einen Forschungsbereich vor, der eigentlich ja, also habt ihr jetzt schon gehört, Sache von Gott ist.
Das heißt, ihr müsst euch vorstellen, wenn man jetzt versucht, in dem Bereich zu forschen... Spielt man eigentlich selber Gott? Zumindest wirkt es nach außen für viele so genau. Das könnte auch jetzt diesem Forschungsteam sehr zum Verhängnis noch werden. Denn gesellschaftlich stößt das auf sehr große Bedenken.
Kopf der Forschungsgruppe ist Robert Edwards. Sein Spitzname ist Bob. Er ist Biologe und Genetiker an der Universität in Cambridge. Und sein Spezialgebiet ist Reproduktionsmedizin. Und er wird der sein, der die Idee hat für... Diese Technik der künstlichen Befruchtung. Aber er macht es nicht alleine.
Ja, wir haben es ja mit einem Trio zu tun und Unterstützung bekommt er unter anderem von Patrick Stepstone. Das ist ein Gynäkologe aus Oldham und er ist der Erste, der damals die Methode der Laparoskopie in der Gynäkologie anwendet. Umgangssprachlich wird das auch Bauchspiegelung genannt. Und das ist eine Operationstechnik, bei der man nur drei kleine Schnitte in den Bauch machen muss.
Einen unterhalb vom Bauchnabel und zwei weiter unten. Und durch die Öffnungen kann man Gas in den Bauch leiten, meistens Kohlenstoffdioxid. Und dadurch dehnt sich die Bauchdecke auf und man sieht alles richtig gut im Bauch, weil einfach mehr Platz geschaffen wurde. Und über diese kleinen Öffnungen, die ja wirklich mini, mini klein sind, gegen so eine große Bauch-OP, bei der halt alles geöffnet werden muss.
Also vielleicht so groß wie so ein Fünf-Cent-Stück. Ja, genau. Oder so ein Daumen oder so. Aber nur der Nagel. Nur der Nagel. Richtig, richtig klein. Wird dann eine Kamera in den Bauch gehalten und über diese Kamera weiß man dann halt, wo man hin muss. Und da können dann auch andere Instrumente in den Bauchraum gelangen und so weiter. Also eine super Technik, um OPs so, ja, um sie so wenig invasiv wie möglich zu machen.
Und die Frauen bekommen bei der Operation zwar eine Vollnarkose, aber es ist halt trotzdem viel ungefährlicher, als wenn man den gesamten Bauch öffnen würde. Also das ist eine Technik, die er sehr voranbringt und dann halt auch in der Gynäkologie anwendet. Vor allem in der Gynäkologie, da ist er echt der Erste, der das so als Chance sieht.
Das ist ja auch so als Eingriff viel leichter zu verarbeiten für den Körper. Also ihr könnt euch vorstellen, diese drei kleinen Narben können natürlich viel schneller heilen und deswegen wird das bis heute ständig gemacht. Blinddarm-OPs kann man damit machen, aber eben auch in der Gynäkologie wird das eingesetzt.
Er war am Anfang der Einzige, der das so macht. Viele andere sind noch skeptisch, auch von seinen Kollegen. Sie können sich nicht vorstellen, dass man über so kleine Öffnungen jetzt wichtige Eingriffe machen kann. Sie beschreiben das so ein bisschen wie, ja, das ist doch wie Stochern im Dunkeln. Aber Patrick ist ganz überzeugt davon. Er sagt, nee, wieso?
Wir können doch auch hier mit der Kamera reingucken. Wir können über Röhrchen auch so Licht mit da reinbringen. Also ich sehe da schon was und das ist definitiv besser, als alles aufzuschneiden. Und Bob, der liest jetzt von Patricks Methode und ist total begeistert davon. Also er ist einer von den wenigen Fans, fährt sofort zu Patrick und versucht ihn zu überzeugen, dass er mit ihm zusammenarbeitet, denn Bobs Plan ist, Patrick könnte ja die Eizellen von Probanden entnehmen, er könnte dann versuchen sie im Reagenzglas zu befruchten und Patrick könnte sie dann wieder, wenn sie befruchtet sind, bei den Frauen einsetzen.
Und dieses im Reagenzglas befruchten, das hat bei Tieren schon geklappt. Also sie haben es schon mit Mäusen und Hamstern zum Beispiel probiert. Aber mit menschlichen Eizellen konnte Bob das noch nicht testen. Und das ständigt jetzt eigentlich mal dringend an. Das steht dringend an. Der Bedarf ist da groß.
Und da wollen sie sich jetzt reinstürzen. Und Patrick lässt sich tatsächlich überzeugen von Bob. Ich glaube, der war auch ein sehr überzeugender Typ, weil er da wirklich sehr, sehr fest dran geglaubt hat. Ja, und wenn du natürlich so, die waren ja beide irgendwie Einzelkämpfer. Und wenn du dann so die einzige andere Person findest, die auch daran glaubt.
Ich glaube, der war erst mal im ersten Moment skeptisch, weil er es gar nicht fassen konnte, aber hat sich dann natürlich gefreut. Ja, klar. Ja, und einfach auch bei sowas dabei zu sein, was so zum allerersten Mal gemacht wird, ist natürlich auch super, super spannend. Aber wir brauchen hier noch das Bindeglied quasi, die dritte im Trio.
Das ist die Namensgeberin unserer heutigen Folge und zwar Jean Purdy. Spitzname Jeannie. Sie ist 20 Jahre jünger als Bob und mehr als 30 Jahre jünger als Patrick. Also sie ist so ein bisschen das Nesthäckchen da in der Gruppe. Sie wird 1945 in Cambridge geboren, also heute vor 79 Jahren. Und sie macht nach der Schule eine Ausbildung zur Krankenschwester und bewirbt sich bei Bob dann im Labor.
Das heißt, sie geht aktiv auf Bob zu, und zwar erstmal als Assistentin und Managerin für sein Projekt. Das sucht er da in dem Moment und sie ist die geeignete Frau dafür, sie wird da ausgewählt. Das ist 1968 und da ist sie gerade mal 23 Jahre alt. Macht quasi ihren ersten Job da, könnte man sagen. Und schon sehr initiativ.
Ich glaube, das hast du gut beschrieben. Die war so eine, die ist dann auch irgendwie da reingesteppt ins Labor. Also in dem Netflix-Film ist die erste Szene auch, dass da eine Maus abhanden kommt in diesem Labor. Ausgerechnet die Maus, die schwanger war. Und Jean ist dann die, die die einfangen kann. Und in dem Moment hat sie den Job natürlich.
Ah, okay. Also sie ist so eine Macherin und sie geht da rein und sagt, ich bin hier die Richtige und keine andere als ich würde euch hier gut ergänzen. Ja, und wirklich genau das ist ja das, was Bob braucht. Auch wenn die drei jetzt am Anfang erstmal keine Geldgeber von ihrem Projekt überzeugen können, starten sie eine Versuchsreihe und machen das immer so ein bisschen noch neben der Arbeit.
Bob und Jean fahren dafür jedes Mal dreieinhalb Stunden von Cambridge zu Patrick rüber nach Oldham. Also das ist eine richtige Strecke. Jean ist übrigens meistens die Fahrerin. Und in dieser gynäkologischen Klinik rekrutieren sie jetzt eine Gruppe an Patientinnen. Diese Gruppe, die gibt sich später auch selber einen Namen, die nennt sich so der Ovum Club. Diese Frauen verbindet einfach sehr, sehr viel.
Vor allem eine große Leidensgeschichte. Und diese Gruppe an Patientinnen, zu denen vor allem Patrick ja den Kontakt herstellt an seiner Klinik, die stellen jetzt ihre Eizellen zur Verfügung. Auch wenn am Anfang erstmal wirklich noch gar nicht klar ist. Ob man denen jetzt irgendwas versprechen kann. Also die fragen natürlich die ganze Zeit so, ist das jetzt die Chance, dass ich doch noch ein Kind bekomme?
Und da müssen die dann echt in diesem ersten Gespräch immer erstmal sagen, boah, Keine Ahnung, also wir wissen wirklich noch gar nicht, ob es klappt, aber trotzdem sind diese Frauen natürlich an einem Punkt, an dem sie schon seit Jahren versuchen Kinder zu bekommen und sagen, okay, dann machen wir es halt erstmal hier nur für die Forschung.
Ja, das finde ich auch immer so beeindruckend, wenn man bei so Grundlagen, medizinischer Grundlagenforschung quasi, sich als Patientin oder Patient zur Verfügung stellt und meistens, hast du ja schon gesagt, geht da eine lange Leidensgeschichte voraus. Also man sagt halt irgendwie, das ist die einzige Chance jetzt hier und ich mache das jetzt, auch wenn ich nicht weiß, ob mir das vielleicht sogar schadet oder ob es am Ende klappt oder was auch immer.
Also es ist ja wirklich so das allererste Mal, dass da Versuche mit Menschen dann gemacht werden. Ja, also ich glaube, von deren Gefühl war so, schaden wird es nicht, weil also der schlimmste Fall, den sie, glaube ich, gesehen haben, war, ich kriege keine Kinder und den Fall hatten sie ja eigentlich schon in ihrem Leben und ich glaube, bei einigen war aber auch so, okay, selbst wenn ich es jetzt nicht mehr für mich mache.
Vielleicht gibt es dann wenigstens eine andere Generation an Frauen, denen es helfen wird. Also schon krass, was sie da auf sich genommen haben. Und Jean betreut dann die Gruppe der Frauen und spritzt ihnen die Hormone, die ihre Eizellenproduktion anregen sollen. Also das ist so der erste Schritt. Und sie kümmert sich auch viel um die Laborarbeit.
Das Entnehmen der Eizellen klappt dann zum Glück dank Patricks Technik ziemlich gut. Also da ist der Plan auf jeden Fall aufgegangen, den Bob sich da zurechtgelegt hat. Und jetzt müssen sie es halt nur noch schaffen, die Eizellen im Reagenzglas mit Spermien zu befruchten. Das ist sozusagen dann das In-Vitro, wovon wir am Anfang gesprochen haben.
Und Jean wird jetzt die erste, die unter dem Mikroskop eine menschliche Blastozyste beobachtet. Das ist das Bläschen, das so drei bis vier Tage nach der Befruchtung entsteht und aus dem sich im besten Fall ein Embryo entwickelt. Ich kann mir vorstellen, dass sie da so richtig aufgeregt war. Also ich habe hier tatsächlich gerade so die ersten Schritte sehen können, da ist eine Blastozyste entstanden, das klappt irgendwie, aber es geht halt nur weiter mit dieser Blastozyste, wenn die Zelle wieder zurück in den Körper der Frau kommt.
Also ja, nur weil man das jetzt beobachtet hat, ist es noch nicht die Lösung für dieses Problem. Nee, genau. Um das zu lösen, arbeiten sie da jetzt wirklich mit hunderten Frauen Tag und Nacht. Bob und Patrick, die haben wohl auch wirklich noch andere Jobs gemacht parallel, um irgendwie das am Laufen halten zu können, weil sie ja einfach immer noch kein Geld für diese wertvolle Forschungsarbeit bekommen haben.
Und Jean betreut vor allem die Frauen, die alle ja sehr bewegende Geschichten haben. Und Jean kann sich auch gut in diese Frauen hineinversetzen, denn auch sie hat eine sehr persönliche Verbundenheit zu diesem Thema, denn sie ist selbst unfruchtbar. Sie hat Endometriose und zwar so stark, dass sie definitiv keine Kinder kriegen kann.
Und das ist aber was, das vertraut sie nicht vielen Menschen an. Sondern eigentlich nur Patrick, der spricht sie mal drauf an. Ja, daran sieht man eigentlich auch, dass die jetzt nicht nur Kollegen waren, sondern auch schon eine sehr enge Verbindung zueinander hatten. Also wenn sie ihnen es anvertraut hat. Ja, eine enge Verbindung, aber ich glaube, sie waren vor allem durch ihre Vision verbunden und haben sich gar nicht so viel von ihren Vergangenheiten erzählt.
Weil sie saß ja eigentlich mit Bob total auf dreieinhalb Stunden im Auto und hat es ihm trotzdem nicht erzählt. Also soweit man weiß. Ich glaube, die haben sich oft so ihren Teil auch gedacht, aber deren persönliche Geschichten spielten halt in diesem Forschungsprojekt jetzt nicht die größte Rolle. Aber zumindest wissen wir das sozusagen aus heutiger Sicht, dass das vielleicht ein Antrieb von ihr war.
Und sie hält das wirklich richtig geheim und daran sieht man, finde ich, auch so ein bisschen was für ein Tabuthema. Das ist, was natürlich auch echt das Ganze nicht einfacher macht für diese Frauen. Also nicht mal ihrer Mutter sagt sie das am Anfang, denn mit der verkracht sie sich ohnehin schon ganz extrem, weil die Mutter ja irgendwann herausfindet, woran Jean forscht und total entsetzt ist.
Also das geht mit ihrem Glauben überhaupt nicht einher. Also sie kommt da einfach noch aus der Generation, die wir am Anfang beschrieben haben und kann das überhaupt nicht fassen, woran ihre Tochter da arbeitet. Und auch Jean selbst ist eigentlich sehr gläubig, aber in dem Punkt gerät sie mit ihrem Glauben und ihrer Mutter wirklich so aneinander, dass sie durch ihr Forschungsprojekt beides irgendwie so ein bisschen verliert erstmal, ihren Glauben und das gute Verhältnis zu ihrer Mutter oder überhaupt ein Verhältnis zu ihrer Mutter.
Oder und wir haben das am Anfang so gesagt, dass das natürlich Aufgabe Gottes ist, so Glaube und daran zu glauben, dass die Medizin Dinge regeln kann, schließen sich natürlich überhaupt nicht aus. Also das kann man beides unter einen Hut bekommen, aber in dem Moment ist das für Gene etwas... Ja, was sich so ein bisschen auch widerspricht. Ja, es wirkt wie so ein unüberwindbarer Konflikt.
Weil wenn das das Einzige ist, erst mal was dir Hoffnung gibt, dann hältst du natürlich sehr doll daran fest. Und es wurde dann auch noch ein bisschen komplizierter, als rauskam, dass in dieser gynäkologischen Klinik in Oldham auch Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt wurden. Das war dann natürlich noch mal doppelt tragisch. Also dann war sie quasi nicht nur die, die gerade versucht, künstlich Babys herzustellen, sondern auch noch die, die an Morden von Kindern, so wird das ja dann oft von dieser fundamentalistischen Szene betrachtet, beteiligt ist.
Und ja, also ihr könnt euch vorstellen, da war ein Konflikt im Gange, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in Jeans Familie und auch in Jeans selbst. Also sie ist da echt so eine Beispielfigur auch für die Zeit. Und angestachelt wird das Ganze dann auch noch durch die Medien, die mit Schlagzeilen auch immer noch so diese Bilder extrem verstärken.
Also die sagen jetzt nicht nur, die drei spielen da eigentlich Gott in ihrem Forschungsprojekt, sondern die nutzen auch so Worte wie Frankenstein, also als würden die da jetzt irgendwelche unnatürlichen Babys produzieren. Und das ist wirklich auch so eine Frage, die den Menschen sehr viel Angst macht.
Wie groß ist eigentlich das Risiko, wenn wir jetzt so eine künstliche Befruchtung machen, dass das Kind am Ende eine Fehlbildung hat? Das ist natürlich was, wo man verstehen kann, dass solche Gedanken erst mal kommen. Und es kursieren aber auch lauter Falschinformationen zu dem Thema. Sogar so große berühmte Forscher wie James Watson, wo ich mich auch frage, was hatte da nichts Besseres zu tun? Wir mischen sich jetzt in diese Debatte ein.
Vielleicht erinnert ihr euch, der ist einer der Ersten, die am Thema DNA gearbeitet haben. Also selbst Kollegen sind damals erstmal kritisch gegenüber diesem Verfahren. Das ist natürlich bei allem, was irgendwie neu ist, ist man am Anfang erstmal kritisch. Ist ja vielleicht auch gar nicht so verkehrt, aber...
In dem Fall bringt das die Forschung halt überhaupt nicht voran und Bob, Patrick und Jean wissen das und glauben an ihre Experimente und glauben an einen guten Ausgang ihrer Experimente und deswegen halten sie durch, vor allem auch dank Jeans Beharrlichkeit. Sie möchte halt Frauen wirklich eine Chance geben, Kinder zu bekommen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen oder auch Paaren diesen Wunsch zu erfüllen.
Deswegen bleibt sie weiter dran und überzeugt wahrscheinlich vielleicht auch immer wieder ihre zwei Partner, die durch diese ganzen Medien, diese ganze negative Aufmerksamkeit vielleicht dann auch mal Zweifel haben. Die werden natürlich auch ständig dann gefragt, für Interviews angefragt und so. Und es ist so aufgeladen, dass so ein bisschen auch egal geworden ist, was die sagen, aber Bob ist auch noch so ein emotionaler Redner und ach, da wird ihm irgendwie dann alles im Mund verdreht und ja, es ist wirklich eine sehr aufgeheizte, unglückliche Situation, aber es geht darum, dass Frauen neue Chancen bekommen sollen, sie sollen wenigstens die Chance haben zu entscheiden, ob sie Kinder bekommen möchten oder nicht und ihr wisst ja schon aus anderen
Folgen hier, Ich muss hier auch sehr denken an die Folge zur Erfindung der Pille mit Margaret Sanger. Das war ja irgendwie so gesellschaftlich so eine ähnliche Diskussion. Immer wenn Frauen mehr Entscheidungsmöglichkeiten bekommen sollen, vor allem über ihren eigenen Körper, dann wird es irgendwie kompliziert.
Oder ist auch direkt ein Skandal. Ja, genau. Oder auch Margaret Crane, die ja den ersten Schwangerschaftstest für zu Hause entwickelt hat. Da ging es ja auch dann erstmal in der Diskussion darum, ob Frauen das denn überhaupt verkraften könnten, wenn sie ganz alleine in ihrem eigenen Zuhause von ihrer Schwangerschaft erfahren, ohne dass da ein Mann dabei ist.
Also früher haben das ja dann irgendwie Apotheker oder Ärzte durchgeführt und haben quasi der Frau gesagt, so, sie sind schwanger oder nicht. Und mit dem Schwangerschaftstest konnten die es dann selber erfahren und ja, die erste Diskussion hat sich erstmal drum gedreht. Verkraften das denn die sensiblen Frauen überhaupt? Also es ist jedes Mal, und das zieht sich wirklich durch einige unserer Geschichten.
Ein Skandal, wenn Frauen, ja wie du schon gesagt hast, über ihren eigenen Körper entscheiden sollen, mehr Freiheiten über ihren Körper bekommen sollen und so eben auch beim Thema künstliche Befruchtung. Das ist schon echt krass. Ja, das mit dem Schwangerschaftstest Das war übrigens unsere allererste Folge.
Das Thema verfolgt uns hier schon eine Weile. Das stimmt. Man kriegt es ja auch heute mit. Man muss ja nur heute auch mal die Medien verfolgen. Dass es in vielen Ländern einfach immer noch Thema ist. Ja, auch in Deutschland. Ja, auch in Deutschland. Ja, es ist immer noch... Die Realität auf jeden Fall. Um zurückzukommen jetzt mal zu dem Forschungsprojekt.
Die drei sind ja auf jeden Fall weiterhin dran. Aber es klappt leider auch nicht sofort. Als sie den Frauen nämlich das erste Mal die befruchteten Eizellen wieder versuchen einzusetzen, geht es die ersten Male auch schief. Also das liegt einfach daran, dass sie es ja zum allerersten Mal machen und dann entwickelt sich das Baby mal einer falschen Stelle. Mal verwenden sie eine falsche Nährlösung für die Spermien und bringen die aus Versehen um.
Aber Bob, Patrick und Gene forschen weiter und zwar zehn Jahre lang. Das sind auch in so einem bisschen so einem selbst gebastelten Labor. Also sie sind da ja in dieser Klinik von Patrick, aber machen das ja so ein bisschen low budget und ja, so ein bisschen in Eigenregie. Und deswegen sind auch eigentlich ist diese Ausrüstung, die sie da haben, so ein bisschen zusammengestückelt.
Aber schließlich wird ein Schrei zu hören sein und zwar am 25. Juli 1968. Es ist wirklich zehn Jahre, nachdem Jean sich beworben hat bei Bob. Und es ist der Schrei von Louise Brown. Oh, endlich mal eine Louise. Es ist fast eine Luisa. Wir kommen hier dem Namen noch ein bisschen näher. Für alle, die es nicht verfolgt haben. Wir hatten schon viele Folgen, in denen Maries vorkam, aber noch keine, in denen nur Luisa vorkam.
Aber Luise, damit kann ich leben. Da sind wir doch jetzt nah dran. Ja. Doppelt schön. Vor allem bei dieser freudigen Nachricht, die wir euch jetzt hier erzählen werden. Und zwar ist das der erste Schrei ihres Lebens. Luise ist das allererste Baby, das aus einer künstlichen Befruchtung hervorgegangen ist.
Und das ist wirklich eine Sensation. Ja. Niemand kann das so richtig glauben, dass das jetzt geklappt hat. Und Bob, Patrick und Jean geben Louise dann den Zweitnamen Joy Freude. Also auch sie sind total aus dem Häuschen, dass das jetzt nach zehn Jahren endlich geklappt hat. Und ja, sind richtig begeistert davon, dass das jetzt erst, also dass es einfach aufgegangen ist, wie sie sich das überlegt haben.
Spektakuläres Ereignis und sehr rührend auch in diesem Moment. Ja, richtig schön. Und das ist also wirklich so bedeutend, dass die britische Regierung auch sagt... Das ist hier jetzt Wissenschaftsgeschichte, das müssen wir mal aufzeichnen. Also das wird auch einfach mitgefilmt. Auf einmal waren sie dann alle wieder Fan. Ja, habe ich mir auch gedacht.
Jetzt wollt ihr das festhalten, ist klar. Ja, ist auch schön, dass hier die Eltern von der kleinen Louise, ja dann, das wurde einfach mitgefilmt so. Alles klar. Ja, ja, genau. Datenschutz. Who cares? Naja, wobei man auch sagen muss, die Eltern, die hatten nicht besonders viel Geld und die konnten sich auch diese Behandlung, Also das mussten sich die Paare auch selber ein bisschen leisten können.
Die mussten da schon auch für bezahlen, weil es war ja einfach nicht so viel Geld in diesem Forschungsprojekt vorhanden. Und die konnten sich das überhaupt nur leisten, weil sie wohl kurz vorher im Lotto gewonnen hatten. Also das ist auch schon der erste krasse Zufall. Doppelt im Lotto geworden. Genau, und dann hat es ausgerechnet bei denen mit dem Kind geklappt und die hatten es wirklich, ich glaube schon über zehn Jahre probiert.
Es wurde der Mutter Leslie diagnostiziert, dass ihre Eileiter verstopft wären und sie auf keinen Fall Kinder bekommen könnte. Also das war wirklich ihre letzte Chance und nur durch diesen Geldgewinn hatten sie auf einmal die Gelegenheit und sie nutzen dann auch noch eine Gelegenheit oder werden da reingedrängt, man weiß es nicht so genau.
Sie verkaufen die Rechte an dieser gesamten Geschichte an so einem Boulevard-Magazin und nachdem die die Rechte hatten, ging das gerangelnd aber erst richtig los, weil dann alle anderen natürlich versucht haben, trotzdem darüber zu berichten und zum Teil vorher dann Berichte gemacht haben wie, es wird ein Junge, weil sie irgendwo gehört hatten, es wurde mal R gesagt und so.
Die Spekulationen waren dann auf einmal ganz wild. Die ganze Welt guckt auf dieses Kind und zwar auch so ein bisschen ihr Leben lang. Ja, auf einmal 360-Grad-Wendung aller Medien, die dann auf einmal völlig begeistert waren. Jean und Bob gründen jetzt die erste IVF-Klinik. Sie müssen jetzt ihre Technik aber selbst vermarkten, weil sie immer noch keine externe Finanzierung bekommen.
Das finde ich auch unglaublich. Aufmerksamkeit war da, Geld immer noch nicht. Geld, nein, Fehlanzeige. Und tatsächlich wird unsere Jean die technische Direktorin der Klinik und ist an der Entstehung von 360 weiteren Kindern durch künstliche Befruchtung beteiligt. Also das war ein voller Erfolg. Ja, wobei das am Anfang auch lange dauert. Es gibt 78 das erste Kind durch künstliche Befruchtung, 79 gibt es das nächste, 80 das nächste.
Und dann gab es den Boom quasi. Dann war es so verfeinert, dass es dann wirklich geklappt hat. Aber am Ende gibt es sogar den Nobelpreis für diese Technik, für die Entdeckung der künstlichen Befruchtung. Allerdings erst, als Patrick und Jean beide schon gestorben sind. Und das ist jetzt echt nochmal ein Dämpfer in der Geschichte.
Ja, ihr fragt euch jetzt vielleicht, Moment, auch Jean? Ja, auch Jean, denn sie stirbt mit 39 Jahren an Krebs. Und deshalb bekommt 2010 nur Bob den Nobelpreis. Er wird aber trotzdem nicht aufhören, überall, wo er sprechen kann, immer wieder zu betonen, dass es eine Erfindung von drei Leuten war. Vor allem, dass Gene nicht vergessen wird, war ihm wichtig und vor der Klinik gibt es zum Beispiel, das ist jetzt ein Beispiel, wo er sich sehr eingesetzt hat, so eine Plakette und da standen eine Weile lang immer nur Bob und Patrick drauf und er hat gesagt, nein, Gene muss da mit draufstehen und mittlerweile, also wann ist das passiert? 2015.
Wow. Hat ein bisschen gedauert. Ja, oh Mann. Also mittlerweile steht Gene da mit drauf, aber es war ein Prozess. Ja, aber ich rechne ihm das hoch an, dass er sich dafür eingesetzt hat, weil wir haben ja mehrere Geschichten schon erzählt, bei denen Nobelpreise vergeben wurden, wo offensichtlich andere, meist Frauen, mitbeteiligt waren und die Nobelpreisträger haben keine Sekunde daran verschwendet, dass da vielleicht auch noch ein anderer Name irgendwie mit Erwähnung finden sollte.
Übrigens ist das Problem beim Nobelpreis, dass der nicht posthum, also nach dem Tod verliehen werden kann. Wie gesagt, Bob hat sich da sehr für stark gemacht. Und ein interessantes Beispiel noch, um noch mal zu betonen, wie entscheidend Jean in dieser ganzen Geschichte war, ist, sie musste mal für eine Weile aussetzen, weil ihre Mutter so krank war, dass schon klar war, oh, Die ist wirklich sterbenskrank. Und da ist sie so für ein paar Monate aus dem Projekt raus.
Und in der Zeit ist einfach alles stehen geblieben. Dann haben die anderen beiden auch aufgehört. Ja, es brauchte dieses Trio einfach. Also es brauchte diese Dreierkonstellation, damit das klappt. Ich glaube, sie war da so ein bisschen der Kleber. So der Kleber und aber auch der Motor, der Antrieb in diesem Trio.
Vielleicht könnt ihr uns ja auch mal schreiben, ob es solche Menschen in eurem Arbeitsleben gibt. Beim Arbeitsleben oder vielleicht auch privat. Also Leute, die so euch dazu bringen, durchzuhalten. Also wir hatten das ja auch, wir waren ja lustigerweise auch ein Trio im Studium. Am Ende, ja, nur noch ein Trio. Ja, also unser Studiengang war sehr, sehr klein und am Ende waren quasi nur noch, war so ein fester Kern noch da und das waren wir drei. Mara ist der dritte Name.
Tatsächlich haben wir, glaube ich, alle drei nur deswegen durchgezogen, weil wir uns da so durchgeschleift haben. Würde uns sehr interessieren, ob ihr das auch hattet und was ihr vielleicht auch von dem Dreiergespann um Gene haltet. Ja, schreibt das vielleicht mal in den Kommentar direkt bei Spotify, dann können wir das unter der Folge teilen.
Und dann lesen das auch die lieben Menschen, denen ihr das sagen wollt. Denn ich finde, das ist auch so eine Geschichte, die zeigt jetzt mal, es kommt nicht immer nur auf die Ergebnisse an oder dass man darauf achtet, mit welchen Erfolgen kommt man durchs Leben, sondern auch mit welchen Menschen. Also passt auf die Leute auf, die euch helfen, da durchzukommen.
Ja, wir sind schon so ein bisschen in Weihnachtsstimmung, merke ich. Also so ein bisschen versöhnlich. Wir hören uns auf jeden Fall am nächsten Science Samstag wieder, wie immer. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss.