Behind Science

Kurz die Welt messen - Lieblingsfolge

Samstag, 28. Februar 2026 · 35 min

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Shownotes

Wir machen nach 150 Folgen eine Pause! Damit ihr trotzdem gut versorgt seid, haben wir Pausenprogramm für euch organisiert. Jeden Samstag gibt's eine persönliche Folgenempfehlung von uns. Heute geht's um Abu Rayhan Al-Biruni. Wir reisen zusammen in den Orient des 10. Jahrhunderts. Riecht ihr schon den Duft von Jasmin? Dann hört gerne im Anschluss unsere Folge über Rahaf Aziz (open.spotify.com/episode/3oxfpn71xE8Bk3q4yDx9S…), eine Kinderbuch-Erfinderin mit Geschichten aus Syrien.

“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links (linktr.ee/behindscience), die gerade wichtig sind.

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Schön's sein Samstag und Machaba, ihr Lieben. Wir grüßen euch aus unserer Pause mit einer Lieblingsfolge, die uns heute ins islamische Mittelalter führt. Und zwar in einer Zeit, in der in Europa die Zeit der Römer noch nachwirkt und die Menschen eigentlich kaum sich Zeit nehmen, Zeit haben für wissenschaftliche Studien.

Und gleichzeitig blüht die Wissenschaft in der arabisch-islamischen Welt auf. Mittendrin ist ein ganz besonders wissbegieriger Schüler, der Wissen wirklich aufnimmt wie ein Schwamm. Und so kommt es, dass er eines Tages anfängt, als einer der Ersten die gesamte Welt zu vermessen. Und da kann ihn gar nichts aufhalten, auch nicht Gefangenschaft, Kriege oder die Grenzen des Universums.

Wir sprechen heute über den universalgelehrten Abu Rayhan el-Berouni und die Vermessung der Welt. Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider. Wir sagen es jetzt direkt mal vorab, wir geben uns allergrößte Mühe, die Namen in dieser Folge richtig auszusprechen.

Wir haben auch extra hier so einen kleinen Arabisch-Crash-Kurs vorher gemacht. Aber ihr müsst ein bisschen nachsichtig mit uns sein und ihr dürft uns gerne korrigieren. Ich habe auf jeden Fall in diesem Mini-Kurs Arabisch auch gelernt, dass dieser Name eine ganz lustige Bedeutung hat. Und zwar bedeutet dieses Abu, also in dieser Folge kommen ganz viele Menschen vor mit Abu vorne.

Das kann wohl bedeuten Vater von. Und wenn man aber keine Kinder hat, dann heißt das sowas wie Besitzer von. Und dann kann man das so ergänzen mit Besitzer von einem großen Schnurrbart oder so. So wurden die Damen damals gebildet. Und Abu Raihan bedeutet... Besitzer des Basilikums. Ach krass, okay, das hast du mir vor der Folge freundhalten.

Ist auch ein anderes Wort für, das arabische Wort für eine Basilikumsorte. Und das passt, finde ich, ganz gut zu dem Menschen, den wir euch heute vorstellen. Denn er war ja auch jemand, der gerne Pflanzen beobachtet hat. Ja, und alles andere auch. Also er war wirklich jemand, der eigentlich alles beobachtet hat.

So ein bisschen wie unser guter Freund Leonardo da Vinci, den wir hier vorgestellt haben, mit dem wir auch mal live vor Publikum aufgetreten sind, der war ja in Europa so der Universalgelehrte oder gilt immer noch als der Universalgelehrte und El-Biruni ist sowas wie das Pendant dazu in der islamisch-arabischen Welt, könnte man sagen.

Aber er ist bei uns in Europa tatsächlich viel unbekannter. Und das wollen wir heute ändern, weil den Namen Leonardo da Vinci, den hat man ja auf jeden Fall schon mal gehört. Während El Beroni wäre mir jetzt noch nicht begegnet, wenn ich nicht quasi für diesen Podcast recherchiert hätte. Ja, und auch können wir mal sagen bei der Suche, wir haben ehrlich gesagt bis auf zwei Podcast-Folgen, die wir euch auch hier als Quellen verlinken.

Nichts Deutsches gefunden zu ihm. Keine große deutsche Quelle. Stimmt, das muss sich dringend ändern, weil das ist einer, über den man auf jeden Fall noch mehr sprechen und Dinge herausfinden muss, finden wir. Vielleicht denkt ihr nach dieser Folge genauso wie wir. Und das Krasse ist, er hat sogar noch viel früher als Leonardo da Vinci gelebt und hat seine naturwissenschaftlichen Studien teilweise wirklich mit super einfachen Mitteln durchgeführt.

Also bei Leonardo da Vinci war das ja schon alles sehr basic im Vergleich irgendwie zu heute, aber das damals war nochmal ein Problem. Ein paar Jahre, Jahrhunderte davor. Und so entwickelte er sich wohl zu einem der bedeutendsten Gelehrten des islamischen Mittelalters. Gehen wir mal rein, in was für einer Zeit er so gelebt hat.

Also wir haben ja schon ein bisschen von den Gerüchen geschwärmt und von den Märkten und so weiter. Natürlich war da noch viel mehr los in dieser Zeit. Damals herrschte Mohammed, der die islamische Religion gegründet hat, über riesige Landflächen. Also sein Einflussbereich erstreckte sich im 10. Jahrhundert von der iberischen Halbinsel über Nordafrika und Vorderasien bis zur indischen Grenze.

Also Wahnsinn, was er da für ein Gebiet erschlossen hat. Und das Wissen aus diesen Gebieten, die Mohammed zu seiner Religion ja bekehrt hat, war total interessant für die islamischen Gelehrten. Also die haben sich quasi ja da bedient, wo sie dann eben ja manchmal auch eingefallen sind und haben aber dieses Wissen gesammelt und wie so ein Schwamm aufgesogen, weil das halt total wichtig war.

Ja, genau, wie ein Schatz gesammelt, neben den tatsächlichen Schätzen. Zum Beispiel ja auch alles Wissen der Griechen, der Inder und der Iraner aus der vorislamischen Zeit haben sie aufgenommen und notiert und auch die Erkenntnisse der Chinesen, weil sie da eine große Schlacht gewonnen haben. Und da haben sie zum Beispiel von Kriegsgefangenen Chinesen gelernt, wie man Papier herstellt und konnten quasi dann diese Papierherstellung nutzen, um da...

Wissen festzuhalten und das ist natürlich total wichtig, um das Ganze weiterzugeben und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und so weiter. Also sie haben total viel Wissen gesammelt und das lag auch daran, dass Wissen damals in der arabisch-islamischen Welt ganz viel wert war. Es haben sich so richtige Zentren gebildet, also im islamisch-arabischen Raum gab es so geistige und kulturelle Zentren und dadurch brachten die muslimischen Länder auch immer mehr Gelehrte hervor, die ganz wesentlich dann zum wissenschaftlichen Fortschritt beigetragen haben.

Also so ein bisschen wie wir ja hier in Deutschland schon oft euch von Göttingen erzählt haben, gab es auch dort so richtige wissenschaftliche Zentren. Und mittendrin war Al-Berouni, der auch in der arabischen Welt lange erstmal ein Unbekannter war. Er ist der französische Orientalist Joseph Renaud und der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt. Die verbreiteten Mitte des 19.

Jahrhunderts dann seinen Namen und seine Werke in Europa. Aber bis heute gibt es keine vollständige deutsche oder englische Ausgabe seiner Werke. Es gibt nur eine russische Übersetzung. Und eben seine originalen arabischen Schriften. Also wer sich da nochmal berufen fühlt, das vielleicht aus dem Russischen für uns zu übersetzen, feel free.

Das ist ja doch mal eine Aufgabe. Ja, das könnten wir jetzt leider heute nicht als Kölle verwenden. Nee, obwohl es mich so interessieren würde, wobei ich mich immer bei so ganz alten Schriften frage, ob man die dann überhaupt noch verstehen würde, so grammatikalisch. Also man bräuchte wahrscheinlich jemanden, der das erstmal übersetzt und dann in unsere heutige Kramatik nochmal übersetzt, sozusagen.

Du meinst wie so Poesie oder so, wo man dann auch erstmal interpretieren muss, wie es damals gemeint war. Genau, genau. Und man musste die ganzen Gegebenheiten da quasi kennen. Aber auf jeden Fall ja sehr interessant und irgendwie auch spannend. Ihr werdet gleich wissen, warum, dass der immer noch nicht so bekannt ist, obwohl er so viel geleistet hat.

Und es ist irgendwie auch ein bisschen traurig, dass man seine Gedanken nur so unvollständig nachlesen kann. Aber ein bisschen was wissen wir schon und das können wir euch erzählen. El Beruni wird im September 973 in Kaas geboren, also vor 1051 Jahren. So weit sind wir noch nie zurück. Also das erstmal sich auszurechnen, auch schon eine Challenge.

Mensch, Kars liegt südlich des Aralsees und war zu der Zeit die Hauptstadt des damaligen Reiches Choresmien oder Marie, wie wird es richtig ausgesprochen, wenn es sich eindeutscht? Also mein Kurs hat ergeben, es heißt ungefähr Huarism. Und das ist interessant, weil aus diesem Ort kommt auch der Mathematiker Al-Huarisma.

Und vielleicht habt ihr es jetzt schon ein bisschen bemerkt bei dem Wort, wenn man das so... Eindeutsch, wollte ich schon was sagen. Also wenn man aus diesem arabischen Wort ein lateinisches macht, dann wird daraus aus Al-Hurisme Algorithmus. Und das ist kein Zufall. Also tatsächlich kommt dieser Mathematiker, nachdem der Algorithmus benannt ist, aus dieser Stadt.

Und auch unser Wissenschaftler, über den wir heute sprechen, Al-Biruni, der ist damals in dieser Region, in der also scheinbar mehrere bedeutende Wissenschaftler sind. Total spannend, da werden wir bestimmt nochmal hinreisen. Auf jeden Fall ist diese Region, wo er aufwächst, wo er geboren wird, gehört heute zu Usbekistan, das kann man sich auf der Karte ja mal angucken.

Und El-Biruni stammt offenbar aus einfachen Verhältnissen, zumindest das, was man so weiß. Aber aus nicht überlieferten Gründen wuchs er mit dem Prinzen der in Khoresmien regierenden Irakiden-Dynastie auf. Also ja, wir wissen nicht genau warum, aber er ist da sehr eng an sehr wohlhabenden Menschen aufgewachsen und ein Angehöriger dieses Fürstenhauses hat sich sehr gut um ihn gekümmert, schon als Kind und das war wirklich ein ziemlicher Glücksfall.

Nur in der Nähe dieser Fürstenhöfe, die ja einfach sehr, sehr viel Geld hatten und sehr viel Einfluss und eben dieses ganze Wissen sammeln konnten, konnte sich so eine kreative Begabung ja überhaupt entfalten. Und nur da konnte man sich das überhaupt eben leisten, sich mit Wissen zu beschäftigen oder mit Wissenschaften zu beschäftigen.

Und weil unser Elberuni eben so jemand war, der da sehr empfänglich für war, also er war wirklich wie so ein Schwamm, der das Wissen alles aufgesaugt hat, war das ein perfektes Match damals für ihn. Und deswegen gibt es auch schon relativ schnell die ersten Erkenntnisse von ihm. Schon mit 17 Jahren bestimmt Elberuni selbstständig die geografische Breite seiner Geburtsstadt, dass die Erde eine Kugel ist. Das ist für ihn nämlich damals schon selbstverständlich.

Ein halbes Jahrtausend vor Martin Beheim, der 1492 in Nürnberg seinen Erdapfel konstruierte, baut unser Alberuni schon seinen Erdglobus und der hat natürlich... Durchmesser von fünf Metern. Also er baut so eine gigantische Kugel und das ist damit schon ein viel größeres Modell, als es eben in Deutschland später Martin Beheim baut.

Allerdings kann er die Erde noch nicht komplett rekonstruieren. Also er schafft es ihm erst mal nur die eine Halbkugel zu bauen und nachzustellen und zwar die nördliche Hemisphäre. Das hat wahrscheinlich auch technische Gründe, aber über die Länder jenseits des Äquators ist auch einfach zu der Zeit noch nicht so viel bekannt.

Und auf dieser Oberfläche dieser Kugel trägt Elberuni dann die Positionen von Städten ein, von denen er zum Teil gehört hat, von Menschen, die da schon hingereist sind. Zum Teil hat er die durch astronomische Verfahren bestimmt und er erschließt sich so, welche Städte da sein müssten und in welchen Entfernungen er die auf dieser Kugel anordnen muss.

Das ist echt so interessant, also das stelle ich mir dann so vor, da kommt dann ein Reisender an und der macht erstmal Notiz so, von wann, von wo nach wo bist du heute gereist, wie lange hat das gedauert, welche Berge er gabst. So, warte, bevor du zu deiner Frau gibst, sag mir kurz, an welchen Städten bist du vorbeigekommen.

Das ist wieder dieser nervige... 17-Jährige, der alle austragt. Aber ja, deswegen konnte er das halt irgendwie so genau anfertigen. Und natürlich ging das auch nur, weil da halt viele Reisende und wissbegierige Menschen auch rumgelaufen sind, die dann auch Verständnis dafür hatten. Also er war da wirklich zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Aber er will es jetzt noch genauer wissen. Um die genauen Längen gerade von Städten herauszufinden, wendet er dann ein Prinzip an, das heute noch funktioniert. Und was er dafür braucht, ist eine Mondfinsternis, also ein Ereignis. Hat man ja immer mal da. Hat man immer mal zur Hand. Und wenn ihr seine Messung jetzt nachstellen wollt, am 14.

März 2025 gibt es wieder eine totale Mondfinsternis. Aber die kann man hier in Europa leider nicht so gut beobachten. Wir müssten zum Beispiel nach Nordamerika reisen und könnten sie dann da beobachten. Also da könnte man das nachstellen. Aber vielleicht hört ihr euch erst mal an, was genau er da versucht hat, bevor ihr jetzt euer Flugticket nach Nordamerika bucht.

Wobei ich mir das schon ziemlich spannend vorstelle. Also er wollte jetzt da irgendwie noch genauer die Erdoberfläche vermessen und nimmt sich jetzt diese Mondfinsternis quasi als das Ereignis, um das zu tun. Ja, ihr habt ungefähr noch ein halbes Jahr, um das jetzt vorzubereiten. Denn man muss das schon ein bisschen planen.

Ihr müsstet euch mit jemandem verabreden, der die Mondfinsternis an einem anderen Ort sieht, der schon relativ weit entfernt sein muss. Der Trick bei Alberuni ist jetzt, zwei Beobachter sehen die Mondfinsternis über verschiedene Positionen ihres Horizonts. Und in dem Moment, in dem sie sehen, dass der Schattenrand den Mondrand berührt, müssen sie ihre Ortszeit aufschreiben. Und die vergleicht man dann.

Heute ist das ja so mit den Uhrzeiten, unsere Erde ist in Zeitzonen aufgeteilt und alle Uhren in Deutschland zum Beispiel zeigen die Zeit von Görlitz an. Egal, ob ich jetzt gerade in München, in Köln oder in Berlin bin, dabei unterscheidet sich die lokale Ortszeit eigentlich schon in diesen verschiedenen Städten.

In Berlin weicht sie zum Beispiel vier Minuten von Görlitz ab und in Köln ist es fast eine halbe Stunde. Es macht schon einen Unterschied, wenn man auf die Ortszeit guckt. Und um die Unterschiede in der Ortszeit zu finden, verabredet sich Al-Biruni jetzt mit einem Freund, der in Bagdad lebt und der auch Astronom ist.

Und der heißt Abu Wafar al-Bhusjani. Ja, sehr gut ausgesprochen, würde ich mal sagen. Guck mal, ob die Community das auch sagt. Ja, ich hoffe, es ist jemand dabei, der das beurteilen kann. Meldet euch mal. Auf jeden Fall, die beiden verabreden sich für den 24. Mai 997, an dem eine Mondfinsternis angekündigt ist.

Also solche astronomischen Phänomene wie eine Mondfinsternis konnte man da zum Glück schon vorhersagen. Auch wenn in einigen Teilen der Welt noch davon ausgegangen wurde, dass das so eine Bestrafung Gottes ist, wenn so ein Ereignis eintritt, hat man in der arabisch-islamischen Welt schon gewusst, wann das kommt und dass es einfach ein astronomisches Phänomen ist.

Und während dieser Mondfinsternis schreiben die beiden ihre Ortszeiten auf, also in Qas und Bagdad und finden heraus, dass sie sich genau um eine Stunde unterscheiden. Und daraus kann El-Beruni berechnen, wie viel östlicher Qas im Vergleich zu Bagdad ist und kann so die Längen gerade der Städte bestimmen.

Schaut euch das mal auf der Karte an, also wo die da gesessen haben. Wir hängen euch aber auch auf jeden Fall nochmal ein paar Quellen an, wo man das sehen kann, wie genau das funktioniert. Ja, das heißt, sie können durch so zwei Uhrzeiten eigentlich jetzt schon was sehr Spektakuläres rausfinden über die Orte, über die Anordnung auf der Erde.

Aber was jetzt natürlich der Oberknaller wäre, wenn er auch noch ausrechnen könnte, wie groß die Erde ist. Denn auch das ist damals noch ein Rätsel. Es gibt zwar einen griechischen Astronomen, der schon vor Elberuni ein Experiment gemacht hat und der schon auch erfolgreich war, muss man sagen. Erastotenes heißt er. Das Experiment ist bekannt als das Schattenstab-Experiment, weil er die Schatten eines Stabs zur Mittagszeit beobachtet hat in zwei unterschiedlichen Städten.

Und aus den Längen der Schatten konnte er die Krümmung der Erde und ihren Umfang berechnen. Das klappt schon gut. Relativ genau und alle sind davon auch beeindruckt, aber es ist noch nicht so wirklich praktisch und Alberuni möchte es eben auch gerne selber nochmal machen. Genau, also er hat dieses Schattenexperiment auch studiert, hat sich das angesehen.

Also er hat ja wie gesagt so jedes Wissen irgendwie aufgesaugt, eben auch vieler griechischer Astronomen und Wissenschaftler generell. Und er fand dieses Schattenexperiment eben ja unpraktisch und er hätte halt die Schatten an zwei Orten messen müssen, die weit voneinander entfernt sind, aber am gleichen Längengrad liegen.

Und das Problem war, er konnte gar nicht so weit reisen, weil es in seiner Region damals viel zu unsicher war und deshalb muss jetzt eine andere Lösung her. Ja, er sucht sich jetzt einen Berg und misst, wie hoch der ist. Und jetzt ist es wichtig, dass er vom Berg aus einen freien Blick hat auf den Horizont, denn er muss bestimmen, in welchem Winkel man vom Berg auf den Horizont guckt. Und ihr müsst euch das jetzt vorstellen wie eine Zeichnung.

Also es gibt eine Linie, die geht von der Bergspitze runter auf die Erde, eben zum Horizont. Und von da, von diesem Punkt, den die Linie trifft, geht jetzt eine weitere Linie zum Erdmittelpunkt. und auch von der Bergspitze gibt es noch eine Linie zum Erdmittelpunkt. Das heißt, wir haben jetzt so ein großes rechtwinkliges Dreieck.

Da können wir euch so eine Beispielzeichnung mal zu verlinken. So sieht das jetzt aus. Und wenn er herausfinden möchte, wie lang die Linie zum Erdmittelpunkt ist, denn das wäre ja genau der Radius der Erde. Um das rauszufinden, braucht es jetzt so ein bisschen Mathe-Magic. Also er nutzt da jetzt einfach Rechenregeln, die es damals schon gibt, unter anderem den Satz des Pythagoras.

Und kann damit tatsächlich herausfinden, wie lang diese Seite des Dreiecks ist, die zur Erdmitte führt. Und so kann er den Radius der Erde berechnen. Und sein Ergebnis ist, die Erde hat einen Radius von 6339,6 Kilometern. Und das ist tatsächlich super nah am wirklichen Erdradius. Es unterscheidet sich nur um ein Prozent.

Also er hat da eine Methode entwickelt, die eigentlich, es klingt jetzt vielleicht kompliziert, aber was er dafür gebraucht hat, war ja nicht viel. Und mit der Methode kommt er so nah an die Wirklichkeit daran. Das ist schon sehr cool. Ja, total beeindruckend. Ich weiß nicht, ob wir es gesagt haben, aber natürlich wusste er, dass die Erde keine Scheibe ist.

Das hätten wir vielleicht von Anfang an sagen sollen. Also ihm war das schon von Anfang an bewusst, auch wenn... Andere, ja teilweise auch eher religiös geprägte Menschen das anders vermutet haben, hat er daran schon immer festgehalten. Und auch bei den Griechen gab es ja da auch schon bei vielen Wissenschaftlern den Konsens, dass das so ist.

Und genau, nur anhand dessen konnte er quasi seine ganzen wissenschaftlichen Experimente ableiten. Also das hätten wir vielleicht vorweg schicken sollen, aber ihr habt es wahrscheinlich auch schon rausgehört. Ja, das hat, genau, ist bei diesem Erastoten ist auch mit rausgekommen, dass die Erde eben gekrümmt ist. Genau.

Und nur deshalb hat der versucht, den Umfang zu berechnen. Auch wenn er sich da manchmal auch was anhören musste eben von anderen Menschen, die zu der Zeit gelebt haben, die das nicht so ganz glauben konnten. Kann man sich vorstellen. Denken noch ein ganz, ganz anderes und dass er da einfach schon so weit war, finde ich absolut beeindruckend.

Und er hat also da jetzt noch eine genauere Methode gefunden als die Griechen eben vor ihm, die auch noch ziemlich praktisch ist. Er braucht ja nur einen Berg, einen guten Blick zum Horizont und sonst eigentlich nichts. Ein bisschen eben Mathe-Magic, wie du schon gesagt hast. Genau, aber das ist eigentlich was, was man da jetzt irgendwie gut finden konnte.

Und es ist schon cool, dass er so die Natur berechnen konnte. Ja, total. Da bin ich dann auch wieder fasziniert von der Mathematik und dass die einfach auch schon so früh so weit war. Also ja, richtig, richtig beeindruckend. Also wenn ihr das noch genauer verstehen wollt, empfehlen wir euch die Folge 293 des Podcast Sternengeschichten von unserem Kollegen Florian Freistetter.

Er ist Astronom und war ja auch schon unser Gast, also Podcast-Kollege hier am Start, der da echt eine interessante Folge zu gemacht hat. Wir haben damals mit ihm ja über den Stern von Bethlehem gesprochen, aber er hat eben auch eine Folge zu El Beruni gemacht und war auch voller Bewunderung in der Folge. Also man hört ihm da auch an, dass er sehr beeindruckt war.

Ja, und was bei euch jetzt auf jeden Fall bitter hängen bleiben sollte, ist, dass Alberuni ein Pionier der Erdvermessung ist. Er ist einer der Ersten, der die Erde vermisst. Das können wir auf jeden Fall schon mal hier festhalten. Und dieser Fachbereich der Erdvermessung, der wird heute übrigens Geodäsie genannt.

Das ist definitiv eine von Alberunis Lieblingsfachbereichen. Und das könnte auch an einem seiner Lehrer gelegen haben, und zwar an Abu Nasar Mansur. Ja, der hat nämlich sich so komplett... Der Geodäsie gewidmet. Aber das aus religiösen Gründen, das finde ich total spannend. Denn in der zweiten Suche des Korans steht, dass man beim Beten eine bestimmte Position beachten soll.

Und zwar soll man sich immer Richtung Mekka, Richtung der Heiligen Moschee wenden. Heute gibt es da natürlich Apps für. Oder man hat sich das mal gemerkt, wo das im eigenen Zuhause oder im Büro oder wo auch immer ist. In manchen muslimischen Ländern ist das dann auch zum Beispiel, wenn du im Hotelzimmer bist oder so direkt schon in der Ecke so eingezeichnet. Stimmt, ja klar.

Stimmt, habe ich in Marokko auch gleich ein paar Mal gesehen. Ja, genau. Deswegen, also da, jetzt ist es sehr, sehr einfach, aber damals ist es natürlich eigentlich überhaupt nicht möglich, genau zu wissen, wo Mekka liegt und Elberuni macht sich dann auch immer so ein bisschen über die lustig, die versuchen sich so an.

Windrichtungen oder am Mittagsstand der Sonne zu orientieren, weil sie zum Beispiel so ein bisschen daraus ablehnen, also sie wissen, dass die Sonne in Mekka zur Sommerzeit im Zenit steht, also zu der Ortszeit dann in Mekka und ihrer Meinung nach ist es dann auf der ganzen Erde zur gleichen Zeit Mittag.

Also das, was wir gerade versucht haben zu erklären, was genau nicht der Fall ist. Das stimmt eben nicht, deswegen kann man sich darauf nicht verlassen, aber insgesamt ist das Forschen zu Himmelsrichtungen, Breitengraden und generell die Vermessung der Erde eben im islamischen Raum genau deshalb, also aus religiösen Gründen, total wichtig, um genau das eben rauszufinden, damit man sich immer Richtung Mekka eben ausrichten kann. Also da lag ein Ganz besonderer Fokus drauf, eben auch von seinem Lehrer. Ja, deswegen gab es schon viele Fans seiner Forschung.

Aber weil es auch relativ viele Herrschaftswechsel in der Zeit gibt und Al-Biruni nicht immer in der Gunst der jeweiligen Herrscher steht, muss er auch immer mal wieder umziehen, sich in Sicherheit bringen und lernt so Wissenschaftler in der gesamten islamischen Welt kennen. Und das hat für ihn natürlich auch wiederum einen Vorteil. und irgendwann zieht es ihn dadurch zum Beispiel in die neue Hauptstadt des Choresmischen Reichs.

Dort haben sich einige gelehrte Männer zu so einer Art Akademie zusammengefunden und darunter ist jetzt auch sein Lehrer Abunasar Mansur. Ja, das stelle ich mir auch wirklich wie so einen super inspirierenden Ort vor. Also einfach die gesamte wissenschaftlich-akademische bewanderten. Leute aus der islamischen Welt waren da irgendwie vereint und haben das ganze Wissen ausgetauscht und so weiter.

Also das muss richtig aufregend gewesen sein. Da war er dann auch wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und da wechselt er tatsächlich nochmal sein Fachgebiet so ein bisschen und beschäftigt sich verstärkt mit physikalischen Problemen. Um die Dichte von Metallen und Edelsteinen messen zu können, konstruiert er zum Beispiel ein Überlaufgefäß, aus dem ein Körper mit einem bestimmten Gewicht eine bestimmte Menge Wasser verdrängt. Und kennt man aus der Badewanne, wenn man sich reinsetzt, dann verdrängt man Wasser.

Also ein gleich schwerer Gegenstand mit einer geringeren oder größeren Dichte bringt also entsprechend mehr oder weniger Wasser zum Überlaufen. Und mit diesem Verfahren hätten tatsächlich auch die Alchemisten. Die auch in der islamischen Welt so ein bisschen ihr Unwesen getrieben haben, ihr falsches Gold überprüfen können, was sie aber offenbar nie taten.

Also es gab da quasi eine Möglichkeit, das zu überprüfen, ob es richtiges Gold ist, haben sie aber nicht getan. Das wollten sie, glaube ich, nicht. Wir wissen alle oder können alle denken, warum. Die Alchemisten sind nämlich damals der Meinung, dass chemische Elemente so ineinander umgewandelt werden können.

Das ist jetzt auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Daraus hat sich auch später tatsächlich so der Fachbereich der Chemie ergeben aus diesen alchemistischen Forschungen. Aber oft waren das eben so Quacksalver, würde man vielleicht sagen. Sie haben zum Beispiel versucht, aus Blei Gold herzustellen und haben da Experimente gemacht, die teilweise eben nicht so richtig wissenschaftlich sind, nur um Geld zu verdienen und darüber macht sich Elbruni halt auch so ein bisschen lustig, weil die nicht die Mittel nutzen, die es dann damals schon gibt oder die teilweise eher entwickelt, um sie aufliegen zu lassen, weil sie natürlich dann keinen Job mehr hätten.

Ja, das ist ja auch schon wieder fast nett, weil er könnte ja auch richtig sauer auf die sein oder so. Er hatte ja Methoden zu beweisen, dass sie da gerade Quatsch probieren. Er hätte sie richtig überführen können. Aber er war dann, glaube ich, dafür auch einfach zu sehr bei seiner Wissenschaft. Kann sein. Also er traut denen auf jeden Fall schon mal gar nicht und stellt grundsätzlich so in seinem Leben Experimente und Wissenschaft an die alleroberste Stelle, um näher an die Wahrheit heranzukommen.

Und das ist besonders, dass bei ihm wirklich ganz oben so Wissenschaftsexperimente steht und zum Beispiel keine Götter, wie es halt bei vielen anderen der Fall ist zu der Zeit. Er ist ein absoluter Vordenker dieses neuen Weltbilds und das, obwohl der Rest oder viele andere in der Gesellschaft eben sehr religiös, traditionell geprägt sind und auch von vielen Kriegen und Konflikten.

Ja, das ist ja auch schon unglaublich. Also wenn man sich das mal anguckt, wie viele Konflikte es da gab, wie oft er umziehen musste und so weiter, dass er da trotzdem noch die Zeit hatte, neben diesen ganzen Sachen wie die eigene Lebensgrundlage zu sichern, sich eben diesen Wissenschaftlern oder diesen wissenschaftlichen Experimenten so zu widmen.

Also das war einfach so seine Essenz im Leben. Aber tatsächlich ist die Zeit nicht ganz ungefährlich für El-Berouni. In den Jahren 1013, 1014 kommt es in Khorisem zu politischen Unruhen, die nicht nur für seinen weiteren Lebensweg bedeutend sind, sondern auch großen Einfluss auf den Verlauf der Wissenschafts- und Kulturgeschichten nehmen.

Damals regiert der Sultan Mahmud und sein Herrschaftsbereich erstreckt sich von Georgien im Westen bis in das Industal im Osten. Es liegt im heutigen Pakistan und Indien, also auch wieder ein Riesengebiet, was er da beherrscht hat. Und im Norden hat der Sultan dem dortigen Schar eine seiner Schwestern zur Frau gegeben, um die Region an sich zu binden. Klingt schon nach Klüngel irgendwie.

Ja, wirklich, kompletter Klüngel. Aber als sich der Adel dann gegen ihn auflehnt und den Schar ermordet, rächt er sich und erobert den kompletten Norden. Boah, ist ja auch schon wieder riesig dann. Alberuni ist damals ein enger Vertrauter des Schars, deswegen entgeht er nur knapp selbst einer Hinrichtung und wird aber mit den anderen Gefangenen dann von Huarizm nach Hasna verschleppt.

Also er kommt noch mal in eine neue Region, in eine neue Stadt. Hasna ist dann eher bei Afghanistan. Aber selbst in dieser Gefangenschaft lässt er seine wissenschaftlichen Studien nicht ruhen, denn auch der Sultan bemerkt, Obwohl er selber jetzt nicht so ein Mensch ist, dem Wissenschaft und Bildung besonders wichtig ist, sondern er macht.

Ja, so einen Gelehrten am Hof zu haben, kann manchmal ganz sinnvoll sein. Es gibt da zum Beispiel eine Anekdote, in der erzählt wird, dass einmal ein Gesandter der Bulgaren aus dem Volga-Gebiet zur Audienz, zu dem Sultan Mahmud, gekommen ist, der dann ganz beiläufig mal so erzählt hat, ja, im hohen Norden, da gibt es Gegenden, in denen im Sommer die Sonne nicht untergeht.

Und der Sultan ist darüber total empört und sagt, das ist Ketzerei, denn das fünfmalige Tagesgebet und das Fasten im Ramadan, das orientiert sich an Auf- und Untergang der Sonne. Deswegen war das eben so eine super wichtige Zeit und er war verwirrt und konnte sich das gar nicht vorstellen. Aber weil Alberuni auch anwesend ist und das zufällig hört, kann er dann begründen und erklären, doch, das Phänomen, das gibt es wirklich.

Dieser Gesandter aus Bulgarien hat recht und das war in dem Moment natürlich absolutes Glück für den Gesandten. Wer weiß, was sonst mit dem passiert wäre. Ja, wer weiß, was mit dem passiert wäre. Und es zeigt eben aber auch, dass Mahmoud Al-Berouni sehr vertraut hat, also ihm da... Sehr, ja, einfach geglaubt hat, obwohl er das Phänomen ja nicht mit eigenen Augen gesehen hat.

Und es ist auch nochmal gut für Elberuni, weil er dadurch an neues Wissen aus Bulgarien kommt. Also ihr merkt schon, auf seiner ganzen Lebensreise, die er sehr bewegt war, sammelt er sich überall, wie wirklich so ein Wissenssammler, überall sein Wissen ein. Und damit hört er auch nicht auf, als er im Jahr 1048 schon wirklich todkrank ist und ja kurz vor seinem Tod steht, auch da stellt er nochmal super komplizierte Fragen und tüftelt da an irgendwelchen Gedanken herum.

Und als er die mit seinem Freund irgendwie diskutiert, fragt der, warum kümmert dich das, wo doch das Ende deines Lebens nahe ist? Und El Veruni sagt, ist es nicht besser, dass ich ins Jenseits eintrete und dies gewusst habe, als dass ich ohne dieses Wissen die Welt verlasse? Und kurz nach diesem Gespräch ist er gestorben.

Also selbst auf dem Totenbett hat er noch alles Wissen aufgesaugt und wollte am liebsten nochmal 100 Jahre leben wahrscheinlich, um noch mehr Wissen sich aneignen zu können. Also diese ganzen Erkenntnisse, die Experimente, aber vor allem diese unfassbare Weitsicht, die Abu Rehan Al-Berouni damals hatte, sind einfach nur bemerkenswert.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass solche Erkenntnisse in Europa einfach noch extrem weit weg waren damals. Er hat insgesamt 146 Bücher geschrieben, sich in verschiedenste Phänomene gedanklich eingearbeitet. Er hat Pflanzen, Mineralien erforscht, die Neigung der Erde bestimmt. Anthropologische Studien durchgeführt und noch vieles mehr. Also kurz gesagt, er hat ...

Alles erforscht, was ihm in die Finger kam und seine Erkenntnisse kommen erst viele Jahre später über Nordspanien dann nach Europa. Also bis es hier ankam, dieses Wissen hat es noch gedauert. Oh ja, und jetzt habt ihr auch dieses Wissen. Auf jeden Fall sehr, sehr spannend, dass damals so viel Wissen schon in der Welt war, während einige Länder noch meilenweit davon entfernt waren.

Zum Beispiel hier auch in Deutschland waren wir da meilenweit, waren die Menschen meilenweit davon entfernt. Ich fand, das war ein ganz schöner, neuer Ausflug für uns hier bei Behind Science. Schreibt uns total gerne mal, wie euch die Folge gefallen hat, wie wir uns mit den doch sehr kompliziert auszusprechenden Namen geschlagen haben.

Ich finde, du hast es toll gemacht nach deinem Crashkurs. Und schreibt uns total gerne mal, ob ihr El Beruni schon kanntet. Also das würde uns sehr interessieren, weil wir wirklich nicht sehr viel über ihn gefunden haben. Sagt uns das gerne mal und auch alle anderen Gedanken, die ihr so habt, könnt ihr gerne mit uns teilen, wie ihr das macht, seht ihr in den Shownotes, da steht unsere Mailadresse und unser Instagram und so weiter.

Ja, und wir können den Namen auch noch, wir können euch nochmal einen Link hier reinpacken, wo der Name nochmal ganz professionell ausgesprochen wird. Oh ja. Dann könnt ihr den auch einmal noch richtig hören. Und dann nochmal vergleichen, wie wir uns so geschlagen haben. Ja. Nächste Woche geht es um einen Wissenschaftler, der aber auch Politiker war und der sehr viel Einfluss genommen hat.

Man würde aber nicht denken, dass er das unbedingt als Wissenschaftler getan hat. Also ein Name, den ihr sicherlich alle schon mal gehört habt, aber wir setzen ihn hier nochmal in einen ganz anderen Zusammenhang. Also, am Samstag gibt es eine neue Folge. Bis dahin, macht euch schön und tschüss, tschüss.

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