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Shownotes
Du malst gerne Blumen und Schmetterlinge? Gefährlich! Zumindest wenn du eine Frau im 17. Jahrhundert bist. Gegen Aberglaube, Gesetze und Vorurteile behauptet sich Sibylla Merian damals als Künstlerin und Insektenforscherin und träumt von einer Reise zu ganz besonderen Schmetterlingen in den Urwald.
“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links (linktr.ee/behindscience), die gerade wichtig sind.
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Einen schönen Science-Samstag. Ach Gott, endlich sagen wir es wieder. Ja, es fühlt sich ganz hakelig und ungewohnt an und wir fühlen uns so ganz, als wäre es unser erstes Mal, dass wir hier aufnehmen. Also total verrückt. Wir sind zurück aus unserer kleinen Pause, es war ja keine Sommerpause, eher so eine Vorfrühlingspause und haben euch heute aber was besonders Frühlingshaftes mitgebracht.
Ich glaube, Frühling ist so ein bisschen unsere Lieblingsjahreszeit. Haben wir vielleicht auch schon mal erzählt, einfach diese Vorfreude und ich finde mit dieser Folge heute hier kann die nur ins Unermessliche wachsen. Denn die Tage werden wieder länger, die ersten Bäume blühen und die Vögel singen derartig laut.
Ich habe das Gefühl, sie haben noch nie so laut gesungen. Und man hat richtig das Gefühl, die Natur wird wieder wach. Also alles wacht irgendwie auf. Die Natur und ja, alle, alle Menschen auch, alles wacht wieder auf. Ja, man fühlt sich wieder richtig lebendig irgendwie und ich weiß nicht, habt ihr vielleicht unseren kleinen Gruß da am Weltfrauentag gehört, da waren wir ja auch im Wald und im Park unterwegs und haben da aufgenommen, da war auch schon so viel Gezwitscher im Hintergrund.
Bin ich jetzt einfach selber mehr draußen und aufmerksamer dafür oder sind die auch lauter? Also ich habe wirklich das Gefühl, vielleicht liegt es aber bei mir wirklich auch daran, dass ich sehr, sehr viele Mittagsschläfchen, Spaziergänge mit Kinderwagen mache und dann bin ich wirklich mehr draußen. Und dann denke ich immer so, boah, ist das schön, wow.
Ja, das ist auch wirklich ja nachgewiesenermaßen gesund. Also Vogelgezwitscher hat einen positiven Effekt auf die mentale Gesundheit, Leute, geht raus. Ja, wirklich. Vielleicht macht es auch meine bisschen Schniefnase hier, ich weiß nicht, ob ihr es hört, wieder gesund. Ich kämpfe noch mit den letzten Überbleibseln vom Winter.
Aber das wird auch jetzt langsam. Die pusten wir jetzt raus. Und wenn ihr diese kleine Spezialfolge am Weltfrauentag bis zum Ende gehört habt, dann habt ihr auch gehört, dass der 8. März für uns ein ganz besonderer Tag ist, denn damals, vor drei Jahren, am 8. März ging unsere allererste Folge online. Nee, gar nicht. Der Trailer.
Und quasi heute vor drei Jahren ging die erste Folge online. Ja, drei Jahre schon. Jede Woche, Science Samstag mit euch. Das ist so schön. Teilt voll gerne mal, was so eure liebsten Erinnerungen aus den drei Jahren sind. Und ab jetzt gibt es uns wieder mit ganz frisch produzierten Folgen. Und zwar gehen wir heute zusammen gedanklich, zumindest nach draußen, in die Natur.
Vielleicht spaziert der war ja auch gerade, während ihr das hört, oder ihr könnt euch dahin träumen. Denn dort hat die Forscherin, die wir euch heute vorstellen möchten, ganz viel entdeckt und auf eine ganz besondere Art für die Ewigkeit archiviert. Wir sprechen heute über Maria Sibylla Merian und die Entdeckung des Zykluses von Schmetterlingen.
Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider. Diese Folge ist ein Wunsch von Elli, die uns schon vor Ewigkeiten geschrieben hat und zwar über einen Kommentar bei Apple Podcasts. Und damit können wir jetzt mal beweisen, Leute, selbst wenn ihr das Gefühl habt, oh Gott, sie haben meinen Kommentar gar nicht gelesen.
Doch, wir sehen euch, wir speichern eure Ideen und sammeln die alle. Und wir sind einfach nur dankbar für euren Input, auch wenn es manchmal dann ein bisschen länger dauert, ob es eure Idee drankommt. Aber wir freuen uns einfach, dass wir durch euren Input wachsen können. Und deswegen teilen wir auf jeden Fall auch eure Ideen. Ja.
Und Elli hat uns geschrieben, dass sie den Podcast mega cool findet. Vielen Dank dafür schon mal, weil sie beim Hören so gut entspannen kann. Das freut uns sehr. Das ist ja wirklich das schönste Kompliment, liebe Elli. Und deshalb machen wir uns jetzt eine entspannte Zeit mit deinem Themenwunsch. Elli hat sich gewünscht, dass wir über Sibylla Merian sprechen.
Und nichts lieber als das tun wir jetzt hier. Und ich finde, es passt wirklich ganz perfekt zur Jahreszeit. Ja, unsere Reise in die Wissenschaftsgeschichte beginnt heute in Frankfurt. Da wird Maria Sibylla Merian am 2. April 1647 geboren, also vor 380 Jahren. Das ist schon sehr lange her und in ihrer Familie spielte Kunst immer schon eine größere Rolle, zumindest bei den Männern in der Familie.
Denn ihr Vater ist ein berühmter Kupferstecher, Matthäus Merian der Ältere hieß der. Er stirbt aber früh und der Stiefvater, der dann in die Familie kommt, Jakob Marell, der ist ebenfalls künstlerisch tätig und er malt Stillleben, vor allem besonders schöne Blüten. Also da lässt sie sich auf jeden Fall schon mal inspirieren, denn Blumen malt auch Sibylla sehr gerne, aber das weckt auch Interesse an Botanik, also nicht nur daran, das Schöne herauszukitzeln, sondern quasi auch das Wissen dahinter zu verstehen.
Und um sich damit noch besser auseinandersetzen zu können, bringt sie sich selbst Latein bei. Ich hatte nie Latein, aber ich stelle mir das extrem schwierig vor und ich kenne viele, die sich da richtig durchgebissen haben. Boah, ich verrate dir was. Du hast Latein geliebt. Ich habe sogar mal ein bisschen Latein-Nachhilfe gegeben. Ja, wow.
Vielleicht können wir da mal ein bisschen was zusammen machen. Ja, irgendwie kommt mir das bekannt vor, weil irgendwie hätte ich auch gedacht, dass du Latein gut konntest. Ja. Ich weiß auch nicht warum. Ich fand das ganz gut eigentlich. Man muss halt gut organisiert sein. Puh. Ja, das war so sehr, irgendwie eine sehr konstruierte Sprache, so kam es mir immer vor.
Aber diese Texte dann über irgendwelche Kriege da im Römischen Reich oder so, das war jetzt nicht so der Hit für mich. Hätten wir vielleicht botanische Sachen gelesen, hätte ich das vielleicht toller gefunden. Ja, zumindest verstehst du da jetzt noch das eine oder andere, weil du dieses Latein damals gemacht hast.
Und Latein ist ja damals die Wissenschaftssprache in Europa und vieles ist heute noch auf Latein in der Wissenschaftssprache geschrieben, vor allem in der Botanik. Es zeichnet sich also schon ab, Sibylla möchte nicht nur schöne Pflanzen malen, sie möchte es richtig wissen und sie möchte es ganz genau wissen, also wie diese Pflanzen auch so schön werden können.
Ja, super gute Motivation und ihr Schwiegervater findet das auch toll und möchte sie deshalb dabei unterstützen, aber ihre Mutter ist nicht so überzeugt davon. Und dafür muss man jetzt als Hintergrund wissen, damals dürfen nur Männer mit Ölfarben auf Leinwand malen, zumindest laut der Malerordnung, die gilt.
Und vielleicht war sie deswegen so ein bisschen vorsichtig und hat gedacht, ich weiß jetzt nicht, weil meine Tochter sich jetzt hier mit Kunst beschäftigt und das ihre Zukunft sein soll, weiß ich jetzt nicht, ob das die beste Idee ist. Vielleicht hatte sie aber auch wirklich richtig Angst um sie und die Angst wäre wahrscheinlich sogar noch gewachsen, wenn sie gewusst hätte, was Sibylla heimlich gemacht hat, denn sie hatte so eine Art, wir nennen es mal geheimes Forschungslabor auf dem Dachboden bei ihrer Mutter und da sammelt Sibylla etwas, das heimlich macht.
Als echtes Teufelszeug damals gilt. Oh ja, das ist ja schon richtig spannend. Auch so Dachboden einfach irgendwie schon ein mystischer Ort und dass sie sich da zurückzieht, um ihren Forschungen nachzugehen. Jetzt erwartet ihr wahrscheinlich sonst was hier für Forschungen. Sibylla interessiert sich aber einfach tatsächlich für Insekten.
Und am Anfang hatte sie eher so als Deko mit in ihre Blumenbilder zum Beispiel gemalt. Aber auch da möchte sie mehr drüber wissen. Und um Insekten ranken sich damals sehr viele Mythen, viel Aberglaube und so weiter. Man denkt zum Beispiel, dass Schmetterlinge verwandelte Hexen sind. Ja, also es ist wirklich lange her, diese Geschichte. Und man hat damals gedacht, dass diese verwandelten Schmetterlinghexen Butter und Sahne stehlen wollen, also das, was sehr, sehr kostbar damals war.
Und Frauen werden damals auch immer noch als angebliche Hexen tatsächlich verfolgt. Und ja, sie ist jetzt eine Frau, die diese... Verwandelten Hexen, so glaubt man, eben sammelt. Also sie muss da richtig aufpassen. Trotzdem traut sich Sibylla heimlich, ein paar Seidenraupen zu Hause mit Maulbeerblättern zu füttern und sie ganz genau zu beobachten.
Und damit geht es gerade erst los. Ihr könnt euch vorstellen, ihre Mutter findet das jetzt nicht so den Hit. Ich weiß nicht, wie viel sie davon mitbekommen hat. Aber alleine, dass sie sich dafür interessiert hat, fand sie schon gar nicht gut. Und sie möchte, dass Sibylla vor allem eine gute Hausfrau wird.
Und deshalb, ja, fügt sich Sibylla da auch ein bisschen und heiratet schon mit 18 Jahren. Und zwar den Assistenten ihres Stiefvaters, Johann Andreas Graf. Der kommt aus Nürnberg und da ziehen die zwei jetzt hin und da gründet Sibylla etwas, das vielleicht ja was ist, was sie auch so ein bisschen für sich selber mitgründet und zwar gründet sie eine Stick- und Malschule explizit für Frauen.
Also für junge Patrizierinnen und Töchter aus Künstlerfamilien ein Ort, an dem Frauen Kunst betreiben und lernen können. Und so Kunstschulen für Frauen, das ist was, was es damals eigentlich gar nicht gibt. Also alleine das ist schon toll. Ja, ich finde das immer so verrückt und das ist für mich eins der schönsten Sachen eigentlich hier bei dem Podcast, gerade wenn wir Geschichten auch von Frauen oder ja auch Menschen aus dem Ausland, die nach Deutschland zum Beispiel gekommen sind, vorstellen, die aufgrund dessen diskriminiert wurden oder aufgrund ihrer Religion oder so, dass man erstmal merkt, wie viel in der Zeit passiert ist.
Also dass Frauen das Malen mit Ölfarben untersagt war, ist wirklich so... Dass man jetzt einfach sich als Frau hinstellen kann und mit Ölfarben malen kann, ist nicht selbstverständlich. Das war nicht immer so. Das ist krass. Und das finde ich so irre. Also natürlich, man weiß viele Sachen, dass Frauen nicht arbeiten durften oder nicht arbeiten durften ohne Einverständnis des Ehemannes, dass sie irgendwie heiraten mussten, dass sie Kinder kriegen mussten.
Das weiß man irgendwie. Aber diese ganzen kleinen Verbote, die es halt irgendwie gab, oder dass sie nichts publizieren durften oder so, Aber dass man das Malen quasi auch zu einem männlichen Beruf oder dann auch Hobby, war es ja auch in dem Fall, macht, ist absurd aus heutiger Sicht. Dass man richtig die Kreativität bremst. Total, Kreativität und natürlich auch irgendwie so Forschergeist.
Also da war ich bei der Geschichte auch irgendwie nochmal so, wow, man muss das alles wertschätzen, was die Menschen, die Frauen und auch Männer, in der Vergangenheit erkämpft haben, dass wir das heute einfach so machen dürfen. Das nur als kleiner Gedanke am Rande. Ja, voll. Und dann auch, um sich klarzumachen.
Dass eben alleine diese Kleinigkeit ein Kampf war damals. Also das ist halt ein wichtiger Teil ihrer Geschichte jetzt auch. Ja, ja, Wahnsinn. Also Sibylla traut sich, ihr Forschungslabor wächst. Sie beginnt jetzt wirklich jede Raupe, die sie finden kann, einzusammeln. Ihre Sammlung wächst, sie hat auf diesem Dachboden, oder nee, mittlerweile ist ja nicht mal auf dem Dachboden, sie hat jetzt ihr eigenes Reich mit ihrem Mann. Aber da wächst die Sammlung an Schachteln, in denen Raupen leben.
Und sie beobachtet da wirklich vom Ei bis zum Schmetterling. Wie diese Schmetterlinge schlüpfen. Und beobachtet da jeden einzelnen Schritt und malt jeden einzelnen Schritt. Also so ein klassischer Fall, wo man heute einfach einen Zeitraffer hinstellen würde. Oder ein Foto damit lauten lassen würde. Genau.
Muss sie jeden Schritt zeichnen und schlafen. Schafft so eine Dokumentation von der Metamorphose der Schmetterlinge. Also Metamorphose bedeutet, vielleicht kennt ihr das auch noch aus dem Bio-Unterricht, dass ja aus einem Ei eine Larve wird und die Larve ist eben die Raupe, die dann ganz lange frisst und irgendwann sich verpuppt und das sieht man dann auch manchmal wie so Puppen an Blättern hängen und dann schlüpft daraus der Schmetterling.
Und ich finde, das ist wirklich manchmal so unfassbar, wie dann aus so einer kleinen, haarigen, unscheinbaren Traube so ein bunter Schmetterling wird, der fliegen kann und so ganz hart ist. Das ist wirklich eine heftige Verwandlung. Ja, total. Schmetterlinge sind einfach auch so wunderschön. Also das ist ja unglaublich, was die Natur da sich hat einfallen lassen.
Dazu nochmal eine ganz kleine Geschichte aus dem Botanischen Garten in Kopenhagen, den ich übrigens nicht so sehr empfehlen kann. Also da waren wir ein bisschen underwhelmed und dann lieber nach Bonn in den Botanischen Garten fahren. Jedenfalls gibt es ein Schmetterlingshaus, das war schön und da gab es einen ganz großen Schmetterling, jetzt ist mir natürlich der Name gerade entfallen, großen blauen Schmetterling, riesig, also gibt es auch in Australien.
Ganz besonders. Und wir haben die ganze Zeit nach diesem blauen Schmetterling geguckt und uns gefragt, wo er da rumfliegt und ihn nicht gefunden. Und dann waren wir fast so ein bisschen enttäuscht und sind dann da raus. Da geht man ja durch diese doppelte Tür, ne? Also wo dieser Vorhang und dann Tür und nochmal Tür, damit die Schmetterlinge nicht abhauen können. und wirklich, wir stehen draußen und was fliegt an uns vorbei?
Dieser riesige blaue Schmetterling und hat einfach irgendwie, wahrscheinlich irgendwie auf der Jacke von einem Besucher oder so, den Weg nach draußen geschafft und das war wirklich wie so ein Wunder, weil sowas natürlich in Europa jetzt so erstmal nicht vorkommt, dass der da so durch die dänische. Karge Natur fliegt.
Also es war wirklich so witzig und er war wirklich so, hey, hey, guckt mal, ich bin frei. Wow. Wie kalt war es? Da ist er. Also es war schon warm für unser Gefühl jetzt, aber jetzt nicht so wieder in diesem tropisch erzeugten Klima. Es war wirklich so, alles klar, da ist er. Den musste wieder jemand einfangen dann mit so einem riesigen Kescher.
Vielleicht wartet man dann einfach, bis da wieder neue geschlüpft sind. Wow. Boah, tolle Begegnung. Ja, das ist doch richtig lustig. Naja, das ist nur ganz kurz am Rande. Ja, weil ich glaube, genauso geflasht wie du war Sibylla halt auch von Schmetterling und deswegen dokumentiert sie das in wunderschönen Zeichnungen, die sie unter anderem dann irgendwann in ihrem ersten Raupenbuch veröffentlicht.
Das heißt, der Raupen Wunderbare Verwandlung ist von 1679. Das heißt, sie war da so Anfang 30. Und dass sie dieses Buch veröffentlicht, ist wirklich was Besonderes. Denn Nürnberg ist im 17. Jahrhundert zwar ein Zentrum für botanische Malerei, aber insgesamt ist die Malerei einfach sehr männlich dominiert.
Also historische Malerei war zum Beispiel eine Gattung, die nur Männer machen sollten. Und botanische Malerei war so eins der wenigen Schlupflöcher, die Sibylla da finden konnte. Sie hat sich da schon immer versucht, so ein bisschen durchzuwurschteln und wir haben ja eben schon darüber gesprochen, dass Frauen nicht mit Ölfarben malen durften, weil das den Männern vorbehalten war.
Zumindest war das in Nürnberg so. Da gab es dann auch ganz viele unterschiedliche regionale Regeln und Sibylla hat deshalb vor allem mit Aquarellfarbe gemalt, was ich auch so schlau finde. Okay, dann nehme ich halt andere Farben. Mir geht es ja um die Sache. Und eine richtig gute Ausbildung für Frauen in der Kunst gibt es, wie man sich denken kann, natürlich auch nicht. Sie muss sich das alles selbst beibringen.
Und wer jetzt ihre gemalten Blüten und Schmetterlinge anschaut, der wird sehen, das hat verdammt gut funktioniert. Also sie ist da wirklich absolut talentiert gewesen. Ganz zarte Bilder. Und das selber beibringen macht sie aber auch in der Naturforschung. Ihr wisst, sie wird da jemand, die traut sie. Autodidakt. Ja, Autodidaktin und auch irgendwie, sie macht einfach, sie lässt sich davon nicht stoppen, dass andere sagen, du darfst das nicht oder du kannst das nicht.
Und deswegen macht sie auch schon 1681 den nächsten relativ radikalen Schritt. Und zwar verlässt sie Nürnberg und verlässt auch ihren Mann. Und das nach 20 Ehejahren. Das ist natürlich jetzt nach außen wieder ein richtiger Skandal. Aber ich glaube, sie hat sich da auch einfach nicht genug unterstützt gefühlt, so in dem, was sie vorhatte. Und deswegen ist ihr das egal.
Sie geht weiter, sie zieht weiter mit ihren zwei Töchtern und zwar nach Amsterdam. Und da findet sie jetzt endlich einen starken Unterstützer und zwar niemand anderen als den Bürgermeister von Amsterdam, der zufällig auch der Direktor des Botanischen Gartens ist. Und der findet total super, was Sibylla macht.
Ja, also kleiner Ortswechsel und die Welt sieht schon wieder ganz anders aus für Sibylla. Und es trifft sich jetzt gut, dass der da so begeistert von ihr ist, denn Sibylla ist schon länger auf der Suche nach einem Förderer für ihren Traum. Sie hat so viele Blumen, Vögel und Insekten gemalt, aber als sie die Sammlungen von anderen Forschungsreisenden sieht, beginnt sie davon zu träumen.
Selbst ja auch in ferne Länder zu reisen und die Insekten in ihrer Umgebung zu beobachten. Also da wird richtig so nochmal ein neuer Traum in ihr wach. Das Problem ist halt, sie ist erstens eine Frau, da ist alleine reisen schon schwierig und auch keine anerkannte Wissenschaftlerin, also sie konnte ja nie eine ordentliche Ausbildung erzielen.
Genießen und deshalb gibt es jetzt nicht so richtig jemanden, der Potenzial sieht, dieser Frau Geld zu geben. Und das bringt sie jetzt aber da eben nach Amsterdam. Ja, und ein bisschen auf neue Ideen. Sie verkauft einfach alles, was sie hat, um so Geld einzutreiben und sie versucht eben ganz aktiv Förderer zu gewinnen.
Und das macht sie, indem sie denen zum Beispiel verspricht, ja gut, wenn ich jetzt auf Reise gehe, ich bringe euch dann auch Schmetterlinge und Käfer mit. Ja, das kann ich mir schon gut vorstellen, wenn da irgendwie so reiche Leute waren, die nicht so richtig wussten, wohin mit ihrem Geld. Ja, oder andere Forschende. Ja, stimmt.
Das ist natürlich auch. Leider klappt es nicht so richtig. Ich glaube, sie wird da einfach nicht richtig für voll genommen. Aber zum Glück lernt sie ja dann den Amsterdamer Bürgermeister kennen und der finanziert ihr eine Studienreise nach Südamerika und zwar genauer genommen nach Surinam. Das ist damals eine niederländische Kolonie, das heißt es gibt auch einige Konflikte mit Indigenen, weil da jetzt eben der Wald gerodet wird, um Zuckerrohr anzubauen und diese Konflikte spürt auch Sibylla, als sie mit Indigenen.
Ü50, müssen wir mal hier kurz betonen, mit ihrer jüngeren Tochter jetzt nach Surinam kommt, aber sie selber möchte vor Ort ja gar nichts verändern, sondern sie möchte einfach das beobachten, was da ist, die Insekten, die dort leben. Sie will ja vor allem halt ihren Traum leben, auf Reisen die Insekten zu beobachten.
Und tatsächlich wird dieser Traum jetzt wahr. Sie ist da ja wirklich auch hartnäckig geblieben. Zwei Jahre lang sammelt sie im Urwald Käfer, Raupen, Schmetterlinge und alles, was dann noch so umherläuft. Sie wird eine echte Insektenforscherin und hält alles, was sie sieht, mit dem Pinsel auf Pergament fest.
Sie verbindet also Kunst und Naturforschung. Ein bisschen wie in der Folge mit Alexander von Humboldt, der ja teilweise auch seine Abenteuerreisen oder das, was er da gefunden hat, in Bildern festgehalten hat. Und auch Leonardo da Vinci natürlich, der ja zum Beispiel auch menschliche Körper gemalt hat, aber auch sowas wie Wasser und sich da ja auch sehr, ja, drin verloren hat.
Also sie verbindet da wirklich diese zwei Fächer. Ich stelle mir das auch unglaublich schwierig vor, wenn du so einen Schmetterling hast, der so eine Sekunde auf einer Blüte sitzt, die vielleicht in unmittelbarer Nähe ist, aber den dann schon direkt so... Ja, vor dem inneren Auge zu haben, um ihn zu zeichnen zu können, finde ich gar nicht so leicht.
Aber natürlich hat sie wahrscheinlich auch tote Insekten gesammelt oder auch Insekten so seziert, dass sie die dann ruhig stellen konnte. Aber ja, auf jeden Fall stelle ich mir das toll vor, dass sie da endlich ihren Traum erfüllen kann. Ja, und Sibyllas Zeichnung auf Pergament, also Pergament ist ja auch so eine ganz dünne Tierhaut, die getrocknet wird, das ist nochmal so ein ganz besonderes Material auch und diese zarten Zeichnungen, die werden jetzt echte Forschungsdokumente, weil es zu der Zeit.
Einfach noch ganz wenig über Insekten gibt. Es ist ganz wenig darüber bekannt. Wir haben es euch gesagt, das war ja auch so Teufelszeug. So wurde es abgetan. Aber Sibylla findet die einfach nur schön und erkennt auch, wie wichtig sie für das Ökosystem sind und zeichnet sie deshalb für die Nachwelt auf.
Und sie ist zum Beispiel die erste, die Insekten auch auf den Pflanzen abbildet, auf denen sie leben. Also da kann sie quasi schon so oder entdeckt sie schon, dass da ein Zusammenhang besteht und die nicht einfach auf jede Pflanze gehen. Und dadurch kann sie dann Zusammenhänge zeichnen, die bis dahin halt komplett unbeachtet waren und es sind unabhängig von ihrer Bedeutung dadurch einfach auch extrem schöne ästhetische Zeichnungen, also wir haben uns hier ein paar angeguckt, verlinken wir euch auch nochmal, also das ist einfach unglaublich, mit wie vielen Details sie da gearbeitet hat, also quasi wie ein Foto.
Ja, aber sehr bunt, einfach eine Malerei. Ich habe wirklich schon gedacht, ob ich mir da so einen Kunstdruck bestelle. Ja, das könnte man wirklich machen. Das sind halt auch so Raupen, die Blätter zerfressen haben. Da hat sie dann auch die angefressenen Blätter so ganz detailgetreu gemalt und die dazugehörigen Schwetterlinge, die quasi dann später geschlüpft sind.
Und also, ja, sie hat das sehr, sehr schön gemacht. Hudrige Art irgendwie. Ich glaube, vielleicht, weil das auch auf diesem Pergament gemalt war. Es ist irgendwie, ach, ein Budd ist ganz, ganz schön. Wobei, jetzt reden wir auch schon so viel darüber, wie schön das einfach nur ist. Es wäre auch sehr schön gewesen, wenn damals...
Gesehen worden wäre, das sind nicht nur nette, schöne Zeichnungen hier, sondern Sibylla ist wirklich eine Naturforscherin. Und das ist was, was erst so richtig nach ihrem Tod anerkannt wurde. Gestorben ist Sibylla mit 70 Jahren, als sie wieder zurück war in Amsterdam. Sie war nämlich schon mit gesundheitlichen Problemen aus Surinam zurückgekehrt, wahrscheinlich wegen der Hitze dort, aber sie wurde auch wohl infiziert mit Malaria.
Und als sie dann wieder in Amsterdam ist, veröffentlicht sie noch ihr erfolgreichstes Buch, das bis heute sehr berühmt ist, die Metamorphose der Insekten von Surinam. Und da sind eben auch ihre Zeichnungen drin. Ja, also falls ihr da Interesse habt, könnt ihr euch da die Zeichnungen nochmal anschauen. und sie ist dafür tatsächlich bis heute berühmt.
Sie konnte mit ihren Zeichnungen im 17. Jahrhundert eben zeigen, wie aus Raupen Schmetterlinge werden und wie sie in der Natur leben. Und mit der Kupferstichtechnik hat sie ihre Zeichnungen dann auch gedruckt und das hatte sie ja von ihren Vätern gelernt. Also sie war da in dem Sinne schon im richtigen Haushalt geboren.
Und die meisten Bücher sind schwarz-weiß, aber ein paar hat Sibylla dann mit ihrer Tochter auch bunt gemalt und die sind natürlich ganz besonders beeindruckend. Also da könnte man sich wirklich eins von an die Wand hängen. Aber wie gesagt, das sind eben, ja, sie wollte da jetzt keine Deko machen, sondern sie hat da Wissenschaft betrieben.
Nee, genau. Auch wenn es die Kunstdrucker heute in irgendwelchen Etsy-Shops gibt. Eigentlich die Originale sind sehr, ja, auch sehr, Sehr selten. Also es gibt ja dann nur diese wenigen Unikate und dadurch, dass das ja auch jetzt nicht gedacht war als Gemälde, sondern sie das eben in diesen Büchern veröffentlicht haben, ist sie auch gar nicht so richtig, richtig bekannt geworden sofort.
Also es ist schon so ein bisschen so eine Künstlerin, Forscherin in so einer Nische, die aber eigentlich ganz tolle Dinge dokumentiert hat. Auf jeden Fall. Und jetzt kennt ihr sie definitiv. Nächste Woche machen wir mit einer Folge aus der Natur weiter, könnte man so sagen. Aber dafür gehen wir noch ein bisschen höher, als Insekten es können.
Es wird um ganz besondere Sterne gehen, die eigentlich gar keine Sterne sind. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.