Capital – der Wirtschaftspodcast· Folge 371

„Die Bundesregierung darf sich jetzt nicht zurücklehnen“ – Christian Rödl

Freitag, 10. Juli 2026 · 34 min

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Shownotes

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Mit ihrem Reformpaket für Rente, Gesundheit und Steuern will die schwarz-rote Bundesregierung vor allem Unternehmen das Leben leichter machen. Aber wie kommen die Pläne bei denen an? „Ich halte das Signal für wichtig und ermutigend, dass die Regierung Handlungsfähigkeit beweist“, sagt Christian Rödl im Capital Wirtschaftspodcast. Der Chef der weltweit aktiven Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl hofft, dass das auch die Stimmung bei seinen Kunden hebt, die vor allem aus Familienunternehmen kommen. „Der Eindruck, dass sich so viel aufstaut, dass alles verstopft und wir im Stillstand ersticken, löst sich zumindest teilweise auf“, sagt er. „Aber die Bundesregierung muss das Tempo aufrechterhalten und darf sich jetzt nicht zurücklehnen.“ Skeptisch ist Rödl vor allem mit Blick auf Pläne für weniger Bürokratie. So soll künftig die Genehmigungsfiktion gelten, der zufolge ein Antrag als genehmigt gilt, wenn er nach vier Monaten noch nicht bearbeitet ist. „Wir haben allerdings die Beobachtung gemacht, dass am Ende solcher Fristen dann neue Dokumente angefordert werden und Nachfragen gestellt werden – um die Fristen zu verlängern“, sagt Rödl. „Hier müssen Bund und Länder darauf achten, dass die Ziele der Regelungen nicht torpediert werden.“

Eine Produktion von RTL+ Podcast.Host: Nils Kreimeier.Redaktion: Lucile Gagnière.Produktion: Andolin Sonnen. +++Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: linktr.ee/diestundenull +++60 Tage lang kostenlos Capital+ lesen - Zugriff auf alle digitalen Artikel, Inhalte aus dem Heft und das ePaper. Unter Capital.de/plus-gratis
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Wirtschaftspodcast. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge dieses Podcasts. Ich bin Nils Kreimeyer und ich arbeite beim Wirtschaftsmagazin Kapital. Die Bundesregierung hat, das werden Sie alle mitbekommen haben, jetzt ein Reformprogramm auf den Tisch gelegt, das gelinde gesagt ein gemischtes Echo gefunden hat.

Zum Teil gab es Lob, unter anderem für den Plan gegen bürokratische Regeln vorzugehen oder gegen bürokratische Überregulierung, die den Unternehmen das Leben schwer macht. Und dann gab es aber auch heftige Kritik. Zum Beispiel, als es darum ging, dass Arbeitnehmer künftig ab dem ersten Arbeitstag ein Attest vorlegen sollen, was zu einem Sturm in den Arztpraxen führen dürfte.

Nun ist das Ganze ja vor allem erdacht worden, um es den Unternehmen in diesem Land ein bisschen leichter zu machen. Und deshalb habe ich für diese Folge mit jemandem gesprochen, der sich vor allem mit den Unternehmen auskennt, von denen es immer heißt, dass sie das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden.

Also Familienunternehmen und Mittelständler. Unter denen sind ja auch diese verborgenen Champions, diese ominösen Unternehmen, die es mit irgendeinem Produkt zum Weltmarktführer gebracht haben. Mein Gesprächspartner ist Christian Rödel. Er leitet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödel, die seit Jahrzehnten ihr Geld damit verdient, dass sie deutsche Familienunternehmen bei ihren Aktivitäten im Ausland hilft, also sozusagen, bei ihrer internationalen Expansion begleitet.

Rödel ist deswegen auch selbst international sehr aktiv und hat nach eigenen Angaben 117 eigene Standorte in 50 Ländern. Und da arbeiten dann 6000 Beraterinnen und Berater für das Unternehmen. Das ist eine ganz schöne Truppe, die da zusammenkommt. Christian Rödel selbst ist der Sohn des Firmengründers und promovierter Jurist.

Er beschäftigt sich nicht nur in der Praxis als Steuerberater mit den Fallstricken der Gesetze, sondern ist auch an den Hochschulen ziemlich aktiv. Er lehrt zum Beispiel als Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg. In unserem Interview spricht Rödel über das Reformprogramm der Bundesregierung und über die generelle Lage des deutschen Mittelstands.

Und er sagt auch, was er von der AfD hält, der sogenannten Alternative für Deutschland. Herzlich willkommen, Christian Rödel, in unserem Podcast. Guten Morgen, Herr Kralmeier. Freut mich sehr, bei Ihnen zu sein. Herr Rödel, Ihr Unternehmen hat ja deutsche Familienunternehmen und Mittelständler immer dabei begleitet, auf den Weltmarkt zu kommen und dort auch erfolgreich zu sein.

Und jetzt kann man ja sagen, dass Deutschland, was das angeht, durchaus einige sehr erfolgreiche Jahrzehnte hinter sich hat, in denen sich die Unternehmen auch international behauptet haben und sich Märkte erschlossen haben. Ist diese erfolgreiche Phase jetzt vorbei? Nach meiner Überzeugung ist diese erfolgreiche Phase nicht vorbei.

Die deutschen Unternehmen sind jetzt natürlich mit einigen neuen, starken Wettbewerbern konfrontiert, insbesondere aus Asien, aus China. Aber die deutschen Unternehmen haben die letzten Jahre und Jahrzehnte genutzt, sich international sehr nachhaltig, sehr stark zu organisieren. Sie haben Märkte erschlossen.

Natürlich ist viel Bewegung, viel Dynamik momentan in vielen Branchen geschehen. Aber die deutschen Unternehmen sind immer noch innovativ. Sie sind in der Lage, neue Technologien wie künstliche Intelligenz mit ihren Produkten, mit ihren Dienstleistungen zu verknüpfen. Und die deutschen Unternehmen würde ich auf gar keinen Fall im internationalen Wettbewerb abschreiben.

Es wird natürlich, wie das eben in der Wirtschaft so ist, einige geben, die ins Hintertreffen geraten und von Wettbewerbern überholt werden. Aber es gibt sehr viele deutsche Unternehmen aus vielen Branchen, die ihre starke Position auf den Weltmärkten weiter halten können, sich weiterentwickeln können, sich immer wieder neu erfinden können und die Stärken der Vergangenheit auch in Zukunft nutzen können.

Aber würden Sie denn tatsächlich sagen, dass das jetzt so eine Phase ist, wie es sie immer schon mal gegeben hat, dass es halt ein bisschen Gegenwind gibt? Da muss man dann halt sich umorientieren und dagegen halten. Oder ist es nicht tatsächlich so, wie man ja von manchen Stellen hört, dass es selten so viel Druck und so viel Gegenwind auch gab aus verschiedensten Richtungen wie derzeit.

Ich denke, dass es zumindest in den letzten etwa 30 Jahren, die ich überblicke, sicherlich die schwierigste Phase ist. Vor allem, weil es jetzt keine vorübergehende Entwicklung ist, wie vielleicht. Die Wirtschafts- und Finanzkrise oder Covid, sondern weil die Wettbewerber aus, China insbesondere dauerhaft auf den Märkten den deutschen Unternehmen Konkurrenz machen.

Weil sie technologisch stark aufgeholt haben, natürlich auch, weil sie, das ist aber vielleicht vorübergehend, das weiß ich nicht, stark vom Staat gestützt werden durch. Währungsmanipulation, muss man sagen, durch Subventionen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass innerhalb Chinas zwischen den Unternehmen ein sehr, sehr starker Wettbewerb besteht und die Unternehmen dadurch auch schon gewöhnen.

Gestellt werden, trainiert werden, um auf dem Weltmarkt dann umso besser abzuschneiden. Also diese neuen starken Wettbewerber, insbesondere aus China, werden die deutschen Unternehmen auf den Weltmärkten dauerhaft. Begleiten und mit ihnen in Konkurrenz stehen. Das ist etwas, was wir natürlich vor zehn Jahren so noch nicht hatten.

Und das ist ja auch ein Problem, das sich nicht so leicht durch eine Bundesregierung oder selbst durch eine Europäische Union nicht so leicht wegregulieren lässt. Also da trifft man ja so ein bisschen auf ein größeres, auf ein härteres Brett. Also wir reden viel darüber, dass bei uns Bürokratieabbau stattfinden muss, dass wir ans Steuersystem ran müssen, vielleicht auch an die Sozialsysteme.

Das sind alles Dinge, die liegen noch so in so einem Bereich, den eine Bundesregierung machen kann. Aber das Problem eines großen chinesischen Wettbewerbers auf dem Markt, der auch nach ganz eigenen Regeln spielt, zu lösen, ist ja dann doch deutlich schwieriger. Also ich erwarte hier auch von der EU-Kommission, dass sie Maßnahmen entwickelt und dann auch Maßnahmen trifft, die wieder zu einem fairen Wettbewerb führen.

Ja, das ist immer das Stichwort, das Level Playing Field. Ich meine, wenn wir immer bergauf spielen müssen und die Chinesen bergauf spielen können, dann ist das ein ungerechtfertigter Nachteil. Ja, wir sprechen jetzt vom China-Schock 2.0. Entweder durch Gespräche und Druck, sofern wir dazu in der Lage sind, auf die chinesische Regierung, das wird ja auch versucht, oder eben auch durch Gegenmaßnahmen, ein...

Ein fairer Wettbewerb zeichnet sich dadurch aus, dass die Startchancen und die Spielregeln für die Wettbewerber gleich sind, zumindest vergleichbar sind. Und da bin ich der Meinung, dass die EU-Kommission hier gegensteuern müsste und Gegenmaßnahmen treffen muss, wenn die chinesische Regierung unfaire Vorteile für ihre Unternehmen schafft.

Ich bin zwar ein großer Freund des freien Welthandels, des freien Wettbewerbs, aber wenn die gesellschaftliche Mannschaft nach anderen Spielregeln spielen darf, dann müssen wir dagegen halten. Das ist sozusagen die politische Seite. Was können denn Unternehmen tun, um sich in dieser raueren Weltlage zu behaupten?

Ja, in erster Linie liegt es natürlich an den Unternehmen, sich hier zu behaupten. Ja, es hilft ja nichts, auf die Politik zu schimpfen und dann im Wettbewerb nicht zu bestehen. Wichtig für die Unternehmen ist es, dass sie global denken. Das machen auch viele Unternehmen, sehr, sehr erfolgreich. Ich saß gestern erst mit dem Inhaber, Mitinhaber eines großen Familienunternehmens zusammen mit über 30 Werken weltweit.

Die sind natürlich hervorragend aufgestellt. Sie sind nah an Ihren Märkten, können für die lokalen Märkte produzieren, können auch die Vorteile nutzen, die die jeweiligen lokalen Rechtssysteme, Steuersysteme, auch Subventionsregelungen für Unternehmen bereithalten. Es wird vielleicht unterschätzt in Deutschland, wie global viele Unternehmen, auch Familienunternehmen, große Familienunternehmen schon aufgestellt sind und auch denken.

Sie fühlen sich natürlich dem Standort Deutschland schon auch verpflichtet, aber sie denken global grenzüberschreitend. Und das ist ein wichtiges Erfolgsrezept. Ich beobachte auch, dass viele Unternehmen zunehmend in China ihre Forschung und Entwicklung ansiedeln, in den USA auch, auch in anderen Ländern, vielleicht in Korea.

Weil sie eben dort bestimmte Produkte entwickeln oder auch Grundlagenforschung betreiben, wo sie sich den größten Output erhoffen. Und auch dort haben sich viele Länder ja deutlich weiterentwickelt, haben hervorragende Wissenschaftler. Also die globale Denke der deutschen Unternehmen ist hier wirklich wichtig, um selbst die, den Wettbewerb zu bestreiten und die Wettbewerber, die ja auch global aufgestellt sind, dann möglicherweise auch in ihren lokalen Märkten unter deren Bedingungen stellen zu können.

Und wir müssen natürlich innovativ bleiben, aber die erfolgreichen deutschen Unternehmen sind innovativ. Sie entwickeln ihre Produkte weiter und was wichtig ist, entwickeln auch neue Produkte, haben neue Ideen. Sie haben die USA gerade erwähnt als Standort und auch als Absatzmarkt. Jetzt waren wir immer gewohnt, die USA als ein Partnerland zu begreifen, das mehr oder weniger nach den gleichen Regeln und nach den gleichen Werten, tickt und spielt wie wir auch.

Jetzt hat man das Gefühl, das hat sich so ein bisschen geändert. Wie viel schwieriger ist das jetzt geworden, wenn Sie Unternehmen auch in den USA begleiten bei der Markteroberung oder beim Bespielen des dortigen Marktes? Ich sehe die USA immer noch als unseren Partner. Wir haben jetzt eben eine Phase mit einem schwierigen Präsidenten, vielleicht mit dem Nachfolger auch noch, aber, ich denke, das Wertegerüst der amerikanischen Gesellschaft hat sich weniger stark verändert und auch der Wirtschaft, als es hier immer propagiert wird. Ich denke, Ich bin häufiger in den USA und beobachte jetzt da keine grundlegende Veränderung, in der Denkweise, im Wirtschaftsleben.

Natürlich machen die Maßnahmen, die wechseln ja auch immer wieder, wie Zölle den Unternehmen auch immer branchenspezifisch zu schaffen. Wir beobachten immer noch viele Unternehmen, die in den USA Geschäft aufbauen, die Produktion aufbauen. Wir haben da eine hohe Nachfrage nach unseren Dienstleistungen.

Und die deutschen Unternehmen, die in den USA aktiv sind, vielleicht auch schon länger, schon seit Jahrzehnten. Und die sich dort eine gewisse Marktstellung erarbeitet haben, die sind oft sehr, sehr erfolgreich. Deutsche Produkte, deutsche Dienstleistungen, deutsche Unternehmen haben immer noch einen sehr hohen Stellenwert in den USA und auch in anderen Ländern auf der Welt.

Die USA sind nun mal der größte Markt der Welt, wenn ich den europäischen Binnenmarkt als doch nicht ganz so einheitlichen Markt sehe. Aber die USA sind der größte und der stärkste und auch ein sehr dynamischer Absatzmarkt. Und deutschen Unternehmen ist anzuraten, dass sie den US-Markt auch für sich prüfen und für sich erschließen.

Aber vielleicht tatsächlich nochmal an dem Punkt, weil Sie die Zollpolitik erwähnt haben. Das ist ja so ein Bereich, wir waren gewohnt über Jahrzehnte, dass die USA ein Verfechter des globalen Freihandels sind. Jetzt kommt ein Präsident, der aus unserer Sicht vergleichsweise, zufällig Zollsätze vergibt, die sich dann auch nach drei Wochen wieder ändern können, die dann wieder zurückgenommen werden, das muss doch die Arbeit auch, deutlich schwieriger machen, sowohl für die Unternehmen als auch für Sie, als jemanden, der die Unternehmen dort berät und begleitet, oder?

Da haben Sie recht. Ja. Das ist ein zusätzlicher Aufwand, das sind zusätzliche Hindernisse, die hier entstehen. Erfordert eine noch stärkere Anpassungsgeschwindigkeit und Flexibilität und führt auch immer wieder zu Ärgernissen, zu Unverständnis, weil eben auch. Die Änderungen der Rahmenbedingungen oft nicht nachvollziehbar sind, willkürlich sind.

Und das ist ein zusätzliches Ärgernis, das ist richtig. Aber den Unternehmen bleibt nichts anderes übrig, als diese Rahmenbedingungen in den USA anzunehmen und, sich anzupassen und das Beste daraus zu machen. Und die Produktion in den USA, local for local, ist da ein sehr guter Weg, um mit diesen Einfuhrbeschränkungen umzugehen, weil sie dann eben im US-Markt ja schon sind.

Sie müssen vielleicht Vorprodukte einführen und darauf möglicherweise Zölle bezahlen, aber das Endprodukt wird dann schon in den USA hergestellt. Wenn wir jetzt mal so ein bisschen zum Standort Deutschland kommen, man hört von Unternehmern, auch gerade im Mittelstand, bei Familienunternehmen höre ich auch in diesem Podcast immer häufiger fast so eine Art fatalistische Einstellung, was auch daran liegt, dass wir jetzt mehrere Jahre der ökonomischen Stagnation hinter uns haben.

Da wird jetzt nichts Gutes mehr draus. Jetzt liegen immerhin Vorschläge der Bundesregierung ja vor, zur Rentenpolitik, zur Steuerpolitik, zur Gesundheitspolitik. Wie schauen Sie da drauf? Sehen Sie da eine positive Entwicklung? Ich bin sehr froh, dass die Bundesregierung es endlich und erleichtert, dass es die Bundesregierung endlich schafft, unter dem hohen Druck, der besteht, jetzt sich zusammenzuraufen und gemeinsame Reformpakete zu verabschieden.

Wenn wir die Reformpakete dann im Detail analysieren, dann werden wir sehen, dass es wahrscheinlich für alle Seiten nicht weit genug geht. Aber ich halte das Signal für sehr, sehr wichtig und auch für ermutigend, dass. Die Regierung hier doch Handlungsfähigkeit beweist und ins Machen kommt. Ja, das ist wirklich sehr, sehr wichtig.

Ich hoffe jetzt auch, dass die, Reformpunkte, die jetzt in den verschiedenen Segmenten kommuniziert werden, dass sie auch wirklich umgesetzt werden, dass sie in Gesetz gegossen werden, dass die Bundestag und auch den Bundesrat passieren. Das sehe ich als positives Zeichen. Also dieser Eindruck, es staut sich so viel auf, alles verstopft sich, nichts mehr geht voran, wir ersticken in Stillstand.

Dieser Eindruck, der löst sich zumindest teilweise jetzt ein bisschen auf, hoffe ich. Aber die Bundesregierung muss das Tempo aufrechterhalten und darf sich jetzt nach diesen paar Reformen nicht zurücklehnen und sagen, schau mal, jetzt haben wir geliefert. Gibt es denn etwas, was Ihnen besonders am Herzen liegt, also besonders wichtig ist aus Ihrer Sicht?

Besonders wichtig ist der Bürokratieabbau, eine viel pragmatischere Herangehensweise an Verwaltungsentscheidungen, auch an Gesetzgebung. um, Das halte ich für sehr, sehr wichtig. Es gibt ja die Statistik, dass die deutschen Unternehmen in den letzten fünf Jahren über 300.000 Personen eingestellt haben, nur, um die erhöhten bürokratischen Anforderungen, beispielsweise Berichtsanforderungen, zu erfüllen.

Damit verdienen sie natürlich keinen Cent, sondern haben nur zusätzliche Kosten. Wenn wir auf andere Länder und Regionen schauen, die schlagen die Hände vom Kopf zusammen. Wenn sie nach Deutschland oder nach Europa kommen und wundern sich, was wir denn hier machen. Ja, warum ist es in Deutschland beispielsweise ehrgeizigen jungen oder auch älteren Arbeitnehmern.

Die was erreichen wollen, die aufsteigen wollen, die Geld verdienen wollen, nicht erlaubt, so viel zu arbeiten, wie sie wollen. Das verstehen viele Menschen überhaupt nicht. Ja, da geht es nicht um Detail des Arbeitszeitgesetzes, sondern um die Frage, warum wir überhaupt Menschen in ihrer Leistungsfähigkeit und in ihrem Leistungswillen hier beschneiden.

Also das sind viele Einzelpunkte, mit denen wir uns abgefunden haben, die aber andere Leistungskulturen nicht verstehen. Also Bürokratieabbau wäre ganz wichtig. Da sind ja auch einige Ansatzpunkte in dem Reformpaket enthalten und da muss die Bundesregierung und auch die Landesregierungen weiter, die müssen weiter daran arbeiten.

Vielleicht, wenn ich da mal kurz dazwischenfragen darf, wie optimistisch sind Sie denn, dass sich das tatsächlich dann am Ende, oder dass das dann tatsächlich am Ende auch wirklich umgesetzt wird in dieser Form? Weil über Bürokratieabbau reden wir in Deutschland ja, also seit ich politisch, oder seit ich lesen kann eigentlich.

Und ich kann mich erinnern, wie viele Ansätze es dafür schon gab. Und man fragt sich immer, warum wird es eigentlich dann doch immer verkrusteter? Ja, ja. Ich muss zugeben, dass ich jetzt da nicht besonders optimistisch bin. Jetzt soll es eine Genehmigungsfiktion geben. Es soll eingeführt werden, wenn ein Antrag nach vier Monaten nicht bearbeitet ist, soll der Antrag als genehmigt gelten, aber dann wieder mit bestimmten Vorbehalten.

Und diese Beobachtung haben wir auch in der Vergangenheit gemacht, dass am Ende der Fristen dann neue Dokumente angefordert werden, Nachfragen gestellt werden, um die Fristen zu verlängern. Hier müssen die Gesetzgeber in Bund und Ländern im Detail darauf achten, dass die Ziele der Regelungen nicht torpediert werden, sondern dass die Verwaltungen wirklich unter dem Druck stehen.

Mit einer Genehmigungsfiktion dann zu erleben und die Umgehung der Verwaltungen da nicht zu weit gemacht werden. Also auch der Aufbau der Belegschaft in den staatlichen Institutionen, Beamte, öffentliche Angestellte bereiten mir auch Sorgen. Der Anstieg der Staatsquote, der bei uns viel höher ist, nicht nur in den USA, sondern auch in unseren Nachbarländern wie der Schweiz, muss zurückgeführt werden.

Den Politikern, aber auch der Bevölkerung, muss bewusst werden, dass Wachstum nicht der Staat schafft, sondern das Wachstum, die Unternehmen schaffen. Dass die Unternehmen, die bisher durch Bürokratie gefesselt sind, dass die entfesselt werden müssen, um die Wachstumspotenziale zu nutzen, auch in Deutschland zu nutzen, nicht nur in den anderen Ländern zu nutzen.

Wir müssen. Unserer Bevölkerung klar machen, dass Unternehmertum etwas Positives ist, dass wir alle davon profitiert haben in den vergangenen Jahrzehnten, letztlich seit dem Zweiten Weltkrieg und jetzt auch in den letzten Jahrzehnten, dass es Unternehmer gegeben hat, die Risiken eingegangen sind, die begeistert waren, die viel gearbeitet haben, die Arbeitsplätze geschaffen haben, die dann zusammen mit ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern den Wohlstand in Deutschland geschafft haben.

Also diese Unternehmerfreundlichkeit, die wir in Verwaltungen und auch in Bevölkerungen in anderen Ländern beobachten, die fehlt mir in Deutschland. Ich höre so eine gewisse Skepsis heraus, dass sich da so im großen Stil etwas tun wird. Aber Sie haben ja auch selbst gesagt, Sie sind nicht besonders optimistisch.

Ja, ich würde gerne noch zu einem Thema kommen, zu dem Sie sich auch schon häufiger geäußert haben. Wir erwarten wahrscheinlich in diesem Jahr ein Urteil des Verfassungsgerichts zur Erbschaftssteuer. Da geht es um die Ausnahmeregelung für Familienunternehmen, die bis jetzt sich, zumindest zu einem großen Teil von der Erbschaftssteuer befreien lassen können bei Vererbung des Familienunternehmens.

Was erwarten Sie da? Die Stimmung geht ja eher in Richtung, dass da die Basis ausgeweitet wird. Wenn ich mir die öffentliche Diskussion anhöre, habe ich den Eindruck, alle gehen davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht die Verfassungswidrigkeit der Erdbeifsteuer feststellt. Das ist für mich noch lange nicht ausgemacht.

Ich verstehe nicht, warum unsere aktuelle Verschonungsregelung für Unternehmen verfassungswidrig sein soll. Ja. Und unternehmerisches Vermögen wurde schon immer in der Erdkraftsteuer begünstigt, früher über Bewertungen und jetzt eben über die Verschonungsregelungen. Und zwar aus dem Grund, dass Arbeitsplätze geschaffen werden und vor allem erhalten werden.

Das steht ausdrücklich in der Entscheidung, der letzten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2014. Das Erbschaftssteuergesetz ist entlang dieser Entscheidung des Verfassungsgerichts, entworfen, geschrieben und entschieden. Und ich halte die aktuelle Verschonungsregelung des Abschaffungssteuergesetzes für verfassungsgemäß.

Es wird ja auch nichts geschenkt. Es sind hohe Anforderungen. Die Arbeitskräfte, ein bisschen vereinfacht gesagt, müssen ja erhalten werden. Wenn Unternehmen verkauft werden, dann wird die Arbeitskraftsteuer fällig, dann ist eben Geld da. Und möglicherweise gibt es ein paar Details, die dazu führen, dass es eben auch Mitnahmeeffekte gibt.

Darüber kann man reden, diese Details zu verändern. Aber vom Grundsatz her und in den großen Zügen ist die Verschonung von unternehmerischen Vermögen bei der Artenkraftsteuer und Schenkungssteuer für mich verfassungsrechtlich, unproblematisch. Ich bin sehr gespannt, wie das Bundesverfassungsgericht entscheiden wird und wie der Gesetzgeber dann darauf reagieren wird.

Es gibt ja zumindest Vorschläge, die sind auch teilweise von Besuchern in diesem Podcast geäußert worden, dass man auch anders mit diesem Problem umgehen kann, dass man diese Verschonung aufheben kann, aber dann beispielsweise, Steuerzahlungen stunden kann oder über Jahre hinweg strecken kann, um eine Belastung zu vermeiden, um auch diesen Punkt zu vermeiden, der häufig gemacht wird, dass dann das Unternehmen in eine Schieflage geraten könnte.

Sind das nicht Vorschläge, mit denen man sich zumindest beschäftigen sollte? Ich bin mir sicher, dass sich die Politik damit beschäftigen wird. Aber eine Stundung führt ja nicht dazu, dass die Belastung dann verschwindet. Erstens ist die Stundung wahrscheinlich verzinst und auch wenn sie nicht verzinst wäre, dann ist eben die Belastung, die sonst auf einen Schlag käme, dann auf zehn Jahre verteilt, dann wird eben dem Unternehmen zehn Jahre lang Substanz entzogen.

Was dazu führt, dass die Substanz fehlt für Innovationen, für Wachstum, für Entwicklung neuer Märkte. Und die Erdkraftsteuer ist ja keine Steuer, die das Unternehmen trägt, sondern die Inhaber, die aber in der Regel ja die Liquidität aus dem Unternehmen nehmen müssen. Das heißt, dem Unternehmen wird das Geld entzogen.

Und für die Inhaber ist es ein hohes Risiko, sich auf so eine Regelung einzulassen. Wenn ein Steuerbetrag festgestellt wird im Moment der Vererbung aufgrund des Wertes, der eben dann besteht und das Unternehmen entwickelt sich dann in den Folgejahren nachteilig, geht vielleicht sogar insolvent, dann bleibt diese Erdkraftsteuerschuld bei den Menschen, bei den Inhabern ja bestehen und ist zumindest mal existenzbedrohend.

Die Abschaffung der Verschonung wird viele Unternehmerfamilien dazu bewegen, ihr Unternehmen zu verkaufen. Unabhängig davon, ob jetzt die Belastung gestundet wird oder nicht gestundet wird. Kaufinteressenten stehen für leistungsfähige Unternehmen bereit. Aus der ganzen Welt gibt es hier Kaufinteressenten.

Ich glaube, viele Politiker unterschätzen, wie sehr die Abschaffung der Verschonung, die Wirtschaftsstruktur in Deutschland verändern würde. Nicht auf einen Schlag, aber im Zuge einer Generation höchstens, würde sich dadurch die Struktur der deutschen Wirtschaft verändern, die jetzt geprägt ist von starken Familienunternehmen, die langfristig denken, die in ihrer Region verwurzelt sind, die auch den Arbeitskräften Arbeit bieten, die ja teilweise über Generationen bei ihnen arbeiten, hohe Loyalität zum Unternehmen haben.

Das muss mit bedacht werden. Diese Entscheidung kann die Politik treffen, aber sie muss sich bewusst sein, dass diese Folgen eintreten werden. Okay, wir werden gespannt sein zunächst einmal, was das Bundesverfassungsgericht entscheidet. Herr Rödel, ich würde Sie gerne abschließend fragen. Wir haben vorhin schon über den Standort gesprochen und auch über die teilweise zumindest relativ schlechte Stimmung in diesem Land, die sich ja teilweise auch, in die politischen Umfragen überträgt.

Sie haben sich in der Vergangenheit durchaus kritisch auch zur AfD geäußert. Jetzt sehen wir, dass die AfD in den Umfragen die stärkste Partei ist im Moment. Haben Sie sich vor den anstehenden Landtagswahlen noch einmal zu diesem Thema zu äußern? Oder wie nehmen Sie die aktuelle Stimmung wahr? Also ich habe darüber ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht, ob ich mich vor den Landtagswahlen da nochmal äußern möchte.

Ich beobachte natürlich auch die Umfragen und. Bin eigentlich fassungslos, dass eine Partei, die keine Lösungen anbietet, zumindest keine brauchbaren Lösungen anbietet, so viel Zulauf erhält. Es sind sicherlich viele, Wählerinnen und Wähler, die mit der aktuellen Regierung unzufrieden sind. Die sagen, die haben es nicht geschafft, jetzt müssen mal andere ran.

Aber das ist ein Irrweg, weil nur etwas anderes ist, ist ja noch lange nicht besser. Das wäre eine, also eine AfD in der Regierung wäre sicherlich für Deutschland überhaupt keine Lösung, es wäre das Gegenteil. Ja. Der Standort Deutschland ist auch bei Weitem nicht so schlecht, wie er immer gemacht wird in der Öffentlichkeit.

Die Menschen aus den anderen Ländern und Kontinenten, mit denen ich spreche, die verstehen auch gar nicht, warum wir Deutschland so schlecht reden. Viele Unternehmen aus Asien, aus den USA, aus den USA, sind ganz erpicht darauf, den deutschen Markt für sich zu erschließen. Deswegen wollen sie auch deutsche Unternehmen kaufen.

Einerseits vielleicht wegen der Technologie, aber wir sehen auch viele Kaufinteressenten, die an diesem starken Markt interessiert sind. An der drittstärksten Volkswirtschaft, der Welt, da sind wir in Deutschland. Wir machen uns immer so klein. Wir haben auch große Vorteile bei unseren Rahmenbedingungen.

Wir haben ein funktionierendes Justizsystem, wir haben eine gesellschaftlich immer noch stark verankerte soziale Marktwirtschaft, wir haben gut ausgebildete, hervorragend ausgebildete Fachkräfte, Arbeitskräfte, wir haben innovative Unternehmen, wir haben hervorragende Forschungseinrichtungen an den Universitäten, Aber auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die Zusammenarbeit zwischen diesen Forschungseinrichtungen und den Unternehmen funktioniert gut.

Es werden dadurch auch innovative Produkte hervorgebracht. Also ich will hier nicht schönreden, die Probleme sind mir bekannt. Ja, ich habe tagtäglich mit ihnen zu tun, auch wenn ich mit unseren Mandanten spreche natürlich. Aber wir dürfen uns da nicht so schlechtreden. Wir sollten andere Länder aber auch als Vorbilder nehmen.

Wir sollten nach Polen schauen mit einer erfolgshungrigen Bevölkerung, motiviert, die was erreichen wollen. Wir sollten nach Dänemark schauen, die Probleme pragmatisch gelöst haben, die wir haben, von anderen lernen und unsere eigenen Stärken wiedererkennen und weiterentwickeln. Okay, ein starkes Plädoyer für den Standort, aber auch dafür, von anderen zu lernen. Zum Schluss ganz herzlichen Dank, Christian Rödel.

Danke Ihnen, Herr Kralmeier. Wir starren ja als Land ein bisschen betäubt auf diese steigenden Umfragewerte der AfD, also einer Partei, die in Teilen offen rechtsextrem auftritt und daraus auch keinerlei Hehl macht. Das ist nicht zuletzt ein Problem für den Wirtschaftsstandort Deutschland, der ja auch von seiner Offenheit und seiner Anziehungskraft für Fachkräfte aus aller Herren Länder lebt.

Ich halte es daher für sehr sinnvoll, die AfD nicht ausschließlich emotional anzugehen, sondern vor allem inhaltlich zu stellen. Und genau das ist es ja, was Christian Rödel tut. Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörer, danke ich, dass Sie wieder dabei gewesen sind. Den redaktionellen Schnitt dieser Folge hat Lucille Garnier übernommen.

Um die Schlussproduktion hat sich diesmal Wei Kuan gekümmert. Bleiben Sie zuversichtlich und seien Sie doch bitte wieder dabei, wenn der nächste Kapital-Wirtschafts-Podcast erscheint. Wir machen jetzt eine kleine Sommerpause und sind dann in ungefähr einem Monat wieder für Sie da. Überall da, wo es Podcasts gibt. Bis dahin wünsche ich, Nils Kreimeyer, alles Gute und sage Tschüss.

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