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Shownotes
Und: Warum sammeln Pflanzen Wärmepunkte?
DK164 - Der Frühling, sein blaues Band und die Mathematik
Und: Warum sammeln Pflanzen Wärmepunkte?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht (ipcc.ch) des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 164 wird es frühlingshaft. Und das viel früher als üblich. Die Klimakrise sorgt dafür, dass Pflanzen immer früher austreiben. Aber die Reaktion der Pflanzen auf die zusätzliche Wärme scheint in den letzten Jahren abgenommen zu haben. Die Ursache dafür hat aber nichts mit Botanik zu tun - sondern mit Mathematik!
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Frühling und Mathematik
Es gibt keine echten Jahreszeiten mehr. Der Frühling beginnt früher. Der Herbst dauert länger. Ein „echter“ Winter ist auch nicht mehr da. Und so weiter. Das hört man immer wieder, wenn man über das Wetter redet. Es ist aber auch ein Phänomen, das erforscht werden kann.
Die Phänologie beschreibt den Kalender der Natur: Wann treiben Pflanzen aus? Wann blühen sie? Wann reifen Früchte? Wann fallen die Blätter? Der Deutsche Wetterdienst stellt dafür sogar eine phänologische Uhr (dwd.de/DE/leistungen/phaeno_uhr/phaenouhr.html) bereit, die zeigt, wie sich die Jahreszeiten in „Natur-Jahreszeiten“ einteilen lassen. Auch in Österreich gibt es mit Phenowatch (phenowatch.at/phaenologische-uhr) eine entsprechende phänologische Uhr.
Dass Pflanzen – besonders Bäume – heute im Frühling deutlich früher austreiben als noch vor wenigen Jahrzehnten, gilt als eines der klarsten biologischen Signale des Klimawandels. Beobachtungen am Boden, langfristige Messreihen und Satellitendaten zeigen übereinstimmend: Mit steigenden Temperaturen verschieben sich viele Entwicklungsphasen nach vorne.
Was wir aber auch messen und das ist überraschend: Die Reaktion der Pflanzen auf Temperaturanstiege scheint schwächer zu werden. Früher führte ein zusätzliches Grad Erwärmung zu einer starken Vorverlegung des Frühlings – heute wirkt derselbe Temperaturanstieg weniger „effektiv“.
Das klingt zunächst so, als würden Pflanzen sich „anpassen“ oder als kämen sie an ihre biologische Grenzen: Vielleicht fehlt den Pflanzen durch mildere Winter die notwendige Winterkälte (Chilling), die viele Gehölze brauchen, um überhaupt austreiben zu können. Vielleicht spielt die Tageslänge eine größere Rolle und begrenzt den Austrieb, selbst wenn es warm genug wäre. Oder vielleicht verändern sich Pflanzenpopulationen langfristig durch Anpassung an lokale Klimabedingungen.
Doch neuere Forschung zeigt auch: Für die meisten gemäßigten Baumarten ist die Winterkälte in Europa derzeit noch ausreichend. Es wären deutlich drastischere Veränderungen nötig, um den Austrieb wirklich zu verzögern. Auch experimentelle Studien deuten darauf hin, dass die Tageslänge bei vielen nördlichen Gehölzen bislang nicht der dominierende Faktor ist.
Aber wenn es nicht Biologie ist – was dann? Die Antwort: Mathematik! Das sagt zumindest eine neue Studie “Rethinking the interpretation of spring phenological temperature sensitivity” (doi.org/10.1038/s44383-025-00004-6).
Denn Pflanzen treiben nicht an einem festen Datum aus. Sie „warten“ nicht auf den 20. März oder den ersten sonnigen Sonntag. Stattdessen funktioniert der Frühling für viele Arten wie ein Sammelprozess: Pflanzen benötigen eine bestimmte Wärmesumme, eine Art internes Wärmekonto. Jeder warme Tag bringt ein paar „Wärmepunkte“. Je wärmer es ist, desto schneller kommen diese Punkte zusammen. Sobald genug Punkte gesammelt sind, beginnt der Austrieb oder die Blüte. Und wenn es insgesamt wärmer wird, wird diese Wärmesumme natürlich schneller erreicht und der Frühling kommt früher.
Anders gesagt: Der Zeitgewinn pro zusätzlichem Grad Temperatur wird automatisch kleiner, weil der Zusammenhang nicht linear ist. Ein Grad Erwärmung hat bei kühlen Frühlingen einen großen Effekt auf die Entwicklungsdauer, bei bereits warmen Frühlingen aber einen deutlich kleineren. Der beobachtete Rückgang der Sensitivität ist nicht zwingend ein biologisches Warnsignal – sondern kann schlicht ein mathematischer Effekt sein.
Das hat Konsequenzen für die Klimaforschung: Prognosen zur Pflanzenentwicklung müssen nichtlinear gerechnet werden. Sonst besteht die Gefahr, dass man Ursachen falsch interpretiert. Wenn in Zukunft tatsächlich Chilling-Mangel oder Tageslängenlimits eine größere Rolle spielen, müsste man das gezielt nachweisen – etwa durch steigende notwendige Wärmesummen, mechanistische Modelle oder Experimente – nicht allein durch eine abnehmende lineare Steigung.
Aber auch wenn die Vorverlegung pro Grad in warmen Bereichen „nur noch“ 3 oder 4 Tage beträgt, hat das enorme Auswirkungen. In der Natur zählt nicht nur, ob etwas früher passiert, sondern ob es im richtigen Moment passiert. Die Synchronisation von Blüte und Bestäubern, das Risiko von Spätfrost, Wasserstress, landwirtschaftliche Erträge oder auch die Länge der Allergiesaison hängen empfindlich von diesen Verschiebungen ab.
Bücher
Das neue Buch von Florian heißt “Die Farben des Universums” (hanser-literaturverlage.de/buch/florian-freist…), erscheint im Februar 2026 und kann schon vorbestellt werden.
Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" (hanser-literaturverlage.de/buch/science-buster…) und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at (sciencebusters.at/termine)
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Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken (th-koeln.de/personen/claudia.frick) und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” (forschungsstrom.tv) ab und an über Wissenschaft.
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Claudia Hier ist das Klima, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. Jeden zweiten Montag mit Florian Freistetter und.
Florian Mit Claudia Frick. Herzlich willkommen.
Claudia Hallo, willkommen zurück.
Florian Ja, wir sind in Folge 164 von Das Klima. Und bevor wir das besprechen, was wir heute besprechen, erzählst du uns, was wir in der letzten Folge besprochen haben.
Claudia Ja, wir haben Kinder und Jugendliche besprochen. Nein, wir haben darüber gesprochen, dass Kinder und Jugendliche nur an bestimmten Stellen und in bestimmten Rollen in dem IPCC-Bericht vorkommen. Und Jugendliche zum Beispiel, die haben im aktivistischen Bereich, die sollen mal was machen. Aber jetzt nur das Richtige, versteht sich natürlich.
Claudia Ja, und Kinder eben hauptsächlich als vulnerable Gruppe und gar nicht als die, die auch was machen könnten oder auch eine Meinung haben könnten.
Florian Und noch eine Flausel im Kopf und keine Meinung der Jugendlichen. Ja, ich weiß.
Claudia Ja, und die Kinder auch. Also ja, wir verstehen alles noch nicht. Genau.
Florian Die Forschung hat festgestellt, erstens, dass sie noch zu wenig weiß und zweitens, dass es auch Kinder und Jugendliche gibt, die was zu sagen haben und es sich vielleicht lohnen würde, wenn wir sie ab und zu mal ein bisschen mitmachen lassen.
Claudia Ja, das wäre doch ganz nett.
Florian Genau.
Claudia So, was machen wir heute?
Florian Heute machen wir das, was ich angekündigt habe, zumindest das probiert habe, in der letzten Folge anzukündigen, weil ich nicht wusste, ob ich ein passendes Thema finde, aber ich habe eins gefunden. Wir reden heute über den Frühling, denn wenn diese Folge erscheint, ist noch nicht wirklich Frühling oder vielleicht doch, das werden wir dann klären.
Florian Hast du denn den Osterspaziergang von Goethe auswendig gelernt für heute?
Claudia Ich muss ganz kurz nochmal weg.
Florian Ja, also ich habe ihn tatsächlich auch nicht weiter auswendig gelernt. Ist auch recht lang, dieser Osterspaziergang. Also eigentlich so lang ist er gar nicht. Der Faust ist lang, wo man drin vorkommt. Der Osterspaziergang sind nur irgendwie drei Strophen. Aber ich habe gedacht, ich nehme ein anderes schönes Gedicht zur Einstimmung, das recht kurz ist von Eduard Mörike. Das kennst du sicher auch.
Florian Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte. Süße, wohlbekannte Düfte streifen, ahnungsvoll das Land. Pfeilchen träumen schon, wollen balde kommen. Horch von fern ein leiser Harfenton, Frühling, ja du bist's, dich habe ich vernommen.
Claudia Ach ja, das kenne ich noch.
Florian Und im Prinzip beschreibt dieses Gedicht auch das Thema, um das es heute geht. Also da muss man schon sehr, sehr frei interpretieren. Und ich glaube, wenn man es bei der Klassenarbeit so interpretiert, wie ich es jetzt tue, wird man keine positive Note bekommen. Also Schülerinnen und Schüler, die ihr das hört, nicht so machen.
Florian Aber im Prinzip schreibt Eduard Möhriger hier davon, Frühling, der unterwegs ist. Die Pfeilchen träumen schon, sie wollen bald kommen. Woher der leise Hafenturm kommt, weiß ich nicht, weil das machen die Pflanzen meines Wissens nach nicht.
Claudia Der Wind vielleicht, die Gräser.
Florian Aber er redet von den Zeichen des Frühlings, die sich nähern. Und das machen wir heute. Wir werden uns ein Gebiet, einen Teilbereich der Klimaforschung, Umweltforschung anschauen, der sich genau mit dem beschäftigt, nämlich der Phänologie beschäftigt. Die haben wir das eine oder andere Mal schon so am Rande gestreift.
Florian Phänologie, das ist im Wesentlichen das, was wir Menschen von den Jahreszeiten mitkriegen, weil Jahreszeiten ist ja was, was unterschiedlich definiert ist. Du bist Meteorologin und in der Meteorologie macht man sich sehr einfach. Die hat man gesagt, naja, doch, ihr habt gedacht, das Jahr hat zwölf Monate.
Florian Wir wollen das schön gleichmäßig haben. Jede Jahreszeit kriegt drei Monate und dann teilen wir das einfach so ein. März, April, Mai ist Frühling, Juni, Juli, August ist Sommer, September, Oktober, November ist Herbst, Dezember, Januar, Februar ist Winter, fertig.
Claudia Aber was ist denn daran einfach? Sie haben ja alle unterschiedliche Taganzahlen und die sind eh so ganz komisch definiert. Wer hat denn definiert, wann Januar ist? Entschuldigung.
Florian Wegen Schalltage und sowas, also Frühlingsbeginn so um den 21. März herum und so weiter, also Sonnenwendtage und Tag- und Nachtgleichen. Aber sowohl der meteorologische als auch der astronomische Frühlingsanfang oder allgemein Jahreszeitenanfang muss nicht unbedingt mit der gefühlten Realität übereinstimmen, denn eine Jahreszeit ist ja etwas, was wir fühlen.
Florian Da kann es noch so sehr der 1. März sein, laut Meteorologie oder der 21. März halt nach Astronomie, wenn es draußen gerade schneit und eiskalt ist. Und das kann ja vorkommen. Genauso gut kann irgendwie der Februar oder der Januar kann es irgendwo 15 Grad haben und warmen Sonnenschein. Das kann alles sein.
Florian Und dann fühlt sich der Frühling nicht wie der Frühling an und der Winter nicht wie der Winter an. Und wie sich die Jahreszeiten anfühlen quasi, das macht die Phänologie. Die untersucht das und die definiert Jahreszeiten anhand dessen, was in der Natur gerade passiert. Also so klassischerweise gibt es der Jahreszeiten wie den Vorfrühling oder den Erstfrühling und den Vollfrühling und sowas hängt immer davon ab, wann wo was blüht.
Florian Also der Vorfrühling, das ist das, was quasi losgeht, wenn irgendwo die Haseln sind, die Haseln anfangen zu blühen. Dann sagt man, jetzt hat der Vorfrühling angefangen und kann natürlich an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten sein, logischerweise. Und der Vollfrühling ist dann, wenn die Apfelbäume blühen und der Hochsommer ist, wenn die Linden blühen.
Florian Spätsommer ist, wenn Äpfel die ersten Früchte kriegen. Spätherbst ist, wenn sich die Blätter der Eichen verfärben. Winter fängt an, wenn die Eichen die Blätter verlieren und so weiter. Also da gibt es einen Haufen Indikatoren und anhand von denen werden die phänologischen Jahreszeiten eingeteilt. Also so, wie sie sich anfühlen.
Florian Und da gibt es eine schöne Übersicht, wer das hier gerne anschauen möchte, die phänologische Uhr des Deutschen Wetterdienstes. Ich habe in dem Sendungsplan den Link gemacht, da kannst du gerne mal draufklicken. Ich habe auch eine entsprechende Seite für Österreich in den Shownotes verlinkt, aber mach mal die phänologische Uhr von Deutschland auf.
Florian Die ist nämlich sehr schön gemacht. Und da siehst du einen Kreis in unterschiedlichen Farben. Und das sind so die Farben der Jahreszeiten. Also blau, das ist Winter. Grüntöne sind Frühling. Gelbtöne sind Sommer. Rottöne sind Herbst. Und du siehst im äußeren Ring das vieljährige Mittel. Also da, wo es jetzt so ist. Wenn man sich das so anschaut, dann würde der Vorfrühling so am 9.
Florian Februar beginnen, so deutschlandmäßig. Also da wären wir jetzt schon, wenn die Folge erscheint im Vorfrühling. Aber du hast auch einen inneren Ring, das ist quasi die Live-Uhr, wenn du so willst. Also wie es jetzt gerade ist, 226. Und wenn du da schaust, wir sind schon im Vorfrühling. Die Hasel hat schon angefangen zu blühen, 23.
Florian Januar. Das heißt, der Winter ist schon vorbei, laut Phenologie zumindest, laut dieser phenologischen Uhr in Deutschland.
Claudia Davon merke ich echt, das ist ehrlich gesagt noch gar nichts. Diese Eisschicht gerade in Berlin.
Florian Ja, also da kann man sich das anschauen. Du kannst auch gerne vergleichen. Du kannst oben zum Beispiel die Regionen aussuchen nach Bundesländern und du kannst zum Beispiel auch auf Vorjahr klicken. Dann siehst du, wie es im Vorjahr ausgeschaut hat. Und da hast du natürlich, weil das letzte Jahr 2025 schon vorbei ist, da ist schon einmal durch und da kannst du dir schön anschauen, wie sich...
Florian Jahreszeiten philologisch gesehen im letzten Jahr mit dem vieljährigen Mittel vergleichen. Und da fällt schon auf, dass das alles im Wesentlichen immer einen Ticken früher anfängt.
Claudia Ja, das stimmt.
Florian Vor Frühling, Erstfrühling kommt alles immer ein bisschen früher. Und der Winter ist deutlich kürzer als das vieljährige Mittel für den Winter zum Beispiel. Also man sieht, die Jahreszeiten haben sich ein bisschen verschoben, wenn man so will. Und wie gesagt, es gibt für Österreich auch so eine Seite, die ist aber nicht ganz so schön wie die von Deutschland so interaktiv.
Florian Die österreichische phänologische Uhr verlinke ich auch, aber das sind die wesentlichen statische Grafiken und der letzte Stand, den ich da gesehen habe, ist glaube ich 224. Aber da hat man auch schöne Übersicht, wer es für Österreich sehen will und für die Schweiz habe ich auch mal geguckt, aber da hätte ich jetzt nichts so Schönes gefunden.
Claudia Aber hier, also ihr habt in Österreich nicht so hübsche Bilder.
Florian Genau, von den Pflanzen, die blühen, das stimmt, genau.
Claudia Ja, wir haben Regenbogen.
Florian Genau, also das ist das Phänomen, das wir jetzt besprechen. Was man eher auch im Gespräch so hört, die Jahreszeiten sind alle nicht mehr so wie früher, es gibt keinen echten Winter mehr, der Frühling kommt immer früher und so weiter, das hat man so im Gespräch, wenn man so redet über das Wetter, aber wissenschaftlich untersucht wird es von der Phänologie und das haben wir auch schon mal in früheren Folgen besprochen, stückweise sporadisch, dass wir, Es da natürlich auch was gibt, was man messen kann, was man untersuchen kann, dass zum Beispiel viele Pflanzen, besonders die Bäume im Frühling heute früher austreiben als noch vor einiger Zeit.
Florian Ich habe das, glaube ich, mal in der Sportfolge von vor einem oder vor zwei Jahren besprochen, wo ich erklärt habe, wie Forscherinnen und Forscher mit Fernsehaufzeichnungen von einem belgischen Radrennen, wo es seit Jahrzehnten Fernsehbilder gibt und das immer an derselben Strecke stattfindet und immer im Frühling stattfindet oder im frühen Frühling stattfindet, wo sie da geguckt haben.
Florian In den Fernsehbildern, weil die immer an denselben Bäumen vorbeifahren im Wesentlichen, wann die Bäume blühen im Laufe der Jahrzehnte. Und da haben sie halt auch gezeigt, ja, ändert sich. Und natürlich ist das etwas, was mit dem Klimawandel zu tun hat, weil das ist belegt, also der Einfluss der globalen Erwärmung auf die Entwicklungsphasen von Pflanzen ist belegt. Wir beobachten das am Boden.
Florian Satellitendaten zeigen, dass Pflanzen, die sind in den letzten Jahren im Frühling deutlich früher ausgetrieben. Und das ist, wie gesagt, bekannt. Und das, was ich heute erzählen will, das ist ein nettes Phänomen, wenn man so will. Es ist eine kurze Arbeit, die ist im August letzten Jahres erschienen in Nature Irgendwas, Nature Science of Plants.
Florian Sie ist eine Brief Communication, also wirklich nur zwei Seiten lang. Und ich bin durch Zufall darauf gestoßen und war wirklich überrascht. Es ist so eine Arbeit, wo man sich denkt, da haben wir bis 2025 gebraucht, um da drauf zu kommen. Das gibt es ja nicht, aber es ist trotzdem sehr interessant. Also ich bin dann gespannt auf deine Interpretation am Ende.
Florian Aber im Wesentlichen haben die genau das gemacht. Sie haben sich das Phänomen angeschaut. Das waren Forscherinnen und Forscher aus der Schweiz und aus Kanada. Die haben sich genau das angeschaut, nämlich wie ist es jetzt wirklich mit diesem früher Austreiben der Pflanzen? Und ein weiteres bekanntes Phänomen, ein Paradoxon, wenn man so will, ist, dass Studien in den letzten Jahren gezeigt haben, wenn man sich Bäume in gemäßigten Breiten anschaut, dann scheinen die weniger stark auf Temperaturanstiege zu reagieren als früher.
Florian Das heißt, man kann das ja so rechnen. Man kann sagen, okay, wir haben jetzt ein zusätzliches Grad Erwärmung zwischen Jahr X und Jahr Y und das hat dazu geführt, dass die Bäume sechs Tage früher geblüht haben. Sind das alles fiktive Zahlen, die ich jetzt sage? Die denke ich mir gerade aus. Wir hatten von 1990 bis 2010 ein Grad Erwärmung und in der Zeit haben die Bäume sechs Tage früher geblüht.
Florian Und dann haben wir von 2010 bis 2025 ein Grad Erwärmung, aber in der Zeit haben die Bäume nur noch drei Tage früher geblüht. Das heißt, die gleiche Erwärmung hat nicht zu einer gleichen Vorverlegung der Entwicklungsphase geführt, sagen wir es so. Es ist ein Rückgang der Temperatursensitivität. Also die Pflanzen reagieren nicht mehr so auf die Erwärmung, wie sie davor reagiert haben. Und die Frage ist jetzt, warum?
Claudia Warum? Okay.
Florian Man kann das, und das haben auch viele Forscherinnen und Forscher so interpretiert, als Folge von physiologischen Veränderungen. Ja, also du hast mildere Winter, du hast weniger Kälteanreize, weil das brauchen die Pflanzen ja auch, dass sie austreiben können. Du hast die Tageslänge, die begrenzt die Entwicklung im Frühjahr.
Florian Also wenn der Frühling quasi noch früher kommt, ist ja trotzdem die Astronomie noch so, wie sie ist. Und die Tage sind halt so lang oder kurz, wie sie sind. Das heißt, da können die nicht mehr anders die Bäume, weil die halt zu wenig Licht haben. Sie haben auch gesagt, die haben sich angepasst, haben andere Arbeiten gesagt, sie haben sich ganz lokale Klima angepasst und so weiter. Also es gab jede Menge.
Florian Erklärungsversuche, aber es gibt auch andere Forschungen, die da gemacht wurde, die gezeigt haben, ja, also so kalt ist es im Winter nicht, beziehungsweise es ist im Winter immer noch ausreichend kalt, wie es sein sollte, damit die entsprechenden Entwicklungszustände eigentlich erreicht werden sollten.
Florian Das heißt, eigentlich ist von den Temperaturen her nicht damit zu rechnen, dass das irgendwelche Anpassungen an jetzt diese Verschiebungen sind, dass die Reaktion auf die Temperaturanstiege sich verändert. Das sollte eigentlich nicht so sein. Es gibt auch entsprechende experimentelle Studien und so weiter, die das eigentlich alles gezeigt haben, dass die Bäume eigentlich so von der Tageslänge kaum beeinflusst werden.
Florian Es ist eigentlich wurscht, ob die jetzt da im Winter oder im Vorfrühling ihren phänologischen Frühling haben. Also eigentlich sollte, das schreiben die jetzt in dieser neuen Arbeit, diese Befunde sprechen dafür, dass unter den heutigen Klimabedingungen es verfrüht ist, eine allgemeine Verzögerung oder diese Einschränkung des Frühjahrsaustriebs durch diese physiologischen Phänomene zu beschreiben.
Florian Also das muss was anderes sein. Das liegt jetzt nicht an den Pflanzen selbst, dass das so ist. Hat nichts mit den Pflanzen zu tun, dass diese Sensitivität zurückgeht. Und was ist es dann? Es ist Mathematik.
Claudia Oh, warte, warte. Okay, hol mich ab. Wie kann das jetzt Mathematik sein?
Florian Ja, das ist genau das, was ich gemeint habe, wo ich gesagt habe, da sind wir jetzt drauf gekommen. So, stell dir vor, Claudia, du fährst mit dem Auto und du fährst sehr, sehr langsam durch die Gegend, weil du dir die blühenden Bäume nebenbei anschaust, was weiß ich. Du fährst langsam, sehr langsam und dann denkst du dir, naja, ich fahre jetzt doch ein bisschen schneller und erhöhst dann die Geschwindigkeit um 1 kmh und kommst dann entsprechend früher ans Ziel im Vergleich zu deiner Geschwindigkeit mit einem kmh weniger.
Florian Das heißt, du sparst dir Zeit am Ende. So, jetzt stell dir vor, du bist auf der Autobahn, der deutschen Autobahn natürlich, wo du so schnell fahren kannst, wie du willst. Du bretterst mit 250 kmh mit der deutschen Autobahn, wie du es ja immer machst, wie wir alle wissen.
Claudia Nicht, dass mein E-Auto bei 140 aufhört zu beschleunigen, ja.
Florian Und bretterst dahin und dann denkst du dir, ach, das ist mir immer noch zu langsam und beschleunigst von 250 auf 251 kmh.
Claudia Äh, okay.
Florian Du wirst auch ein bisschen früher ankommen, aber im Vergleich zu davor hast du dir weniger Zeit gespart.
Claudia Prozentual.
Florian Genau. Obwohl du die gleiche Geschwindigkeitsänderung hattest in beiden Fällen, jeweils plus 1 kmh, ist die Zeit, die du am Ende gewonnen hast, unterschiedlich groß. So, und diese Studie sagt, bei den Pflanzen ist es genau so. Nicht, dass die mit 250 Kilometer Autobahn brettern, das nicht. Aber die Pflanzen treiben ja nicht an einem festen Datum aus.
Florian Die haben jetzt in keinem Kalender rumliegen und da steht schon Frühling, schnell die Blüten raus. Sondern die sammeln im Prinzip sowas ähnliches wie Wärmepunkte. Die treiben dann aus, wenn sie genug Wärme angesammelt haben. Das ist so ein theoretisches Modell, habe ich mir jetzt gerade nicht ausgedacht.
Florian Die sammeln Wärmepunkte. Und sobald genug Punkte gesammelt sind, dann gehen die Knospen auf und die Blüte beginnt. Und je wärmer der Frühling ist und je früher der anfängt, desto schneller kommen die nötigen Wärmepunkte zusammen. Das ist auch klar. Aber, und das ist jetzt der Punkt, dieser Zeitgewinn pro zusätzlichen Grad, der wird immer kleiner.
Florian Genauso wie beim Auto. Wenn die eh schon jede Menge Wärme einsammeln, dann macht es keinen so großen Unterschied mehr, wenn es noch ein Grad wärmer wird. Aber wenn es quasi von dem kalten Zustand aus startet und dann wird es ein Grad wärmer, dann macht es beim Wärmepunktesammeln einen größeren Unterschied.
Florian Das ist eins zu eins die Analogie mit dem Autofahren, nur dass wir halt jetzt mit Zeitsparen die Vorverlegung des Blühens haben und die Geschwindigkeit sind die gesammelten Wärmepunkte.
Claudia Okay, das macht ja voll Sinn. Okay, und darauf sind wir wirklich erst jetzt gekommen?
Florian Das ist noch nicht alles in der Arbeit. Die haben dann schon noch ein bisschen Forschung auch dazu gemacht. Sie haben einerseits Experimente im Labor gemacht, haben halt Pflanzen mit genug Winterkälte und langer Tageslänge angeschaut und gesehen, ja, da die scheinbare Temperaturempfindlichkeit nimmt trotzdem ab.
Florian Also das hat jetzt nichts damit zu tun. Sie haben Computersimulationen gemacht und sie haben 120 Jahre Kirschblüte in der Schweiz angeschaut. Da gibt es schon eine sehr, sehr lange Zeitreihe. Und auch da ist die benötigte Wärmemenge natürlich gleich geblieben für die Pflanzen. Da hat sich jetzt nichts physiologisch an den Pflanzen selbst verändert, an diesen Kirschpflanzen oder Kirschbäumen.
Florian Aber trotzdem sieht man auch da diese schwächere Reaktion. Das heißt, ist ihr Fazit, je wärmer der Frühling ist, desto schneller wird die benötigte Wärme Punktemenge erreicht. Logisch, weil dann je mehr Wärme da ist, desto schneller kriegst du die Punkte zusammen. Allerdings dieser frühere Einsetzen der Blüte, dieser Zeitgewinn pro zusätzlichen Grad Temperatur nimmt ab.
Florian Genauso wie der Zeitgewinn abnimmt beim Autofahren, wenn du von einer höheren Geschwindigkeit aus startest. Und das zeigen auch die Simulationen ganz genau so.
Claudia Das macht Sinn.
Florian Genau, die Kirschblüte, da haben sie ein bisschen mehr drüber geschrieben, die Kirschblüte im Liestal. Keine Ahnung, ob es da schön ist, aber es klingt nett, die Kirschblüte im Liestal. Ich war noch nicht so viel in der Schweiz. Wenn man googelt danach, Basel-Land-Tourismus. Also da muss das irgendwo sein.
Claudia Guck mal, da war ich schon.
Florian Wer an die Basel-Bieter-Landschaft denkt, kommt um die Kirschbäume nicht herum. Das Bild, das sich in manchen Jahren bereits Ende März präsentiert, ist wahrlich traumhaft. Oh, guck mal, hier, es gibt einen Live-Ticker. Ich kann mal gucken. Nee, ist noch nichts getickert. Was? Was? Für dieses Jahr ist die Blüte in Basel Bied leider schon wieder vorbei.
Florian Nee, das muss doch vom letzten Jahr sein, oder? Das glaube ich jetzt auch nicht.
Claudia Also Entschuldigung, wir haben.
Florian Ja, nein. Ja, auf und sich, aber ihr könnt dann, wenn ihr das gerne mitverfolgen wollt, auf und sich gibt es einen Live-Ticker dieser Kirschblüte. Jedenfalls, da haben sie sehr viele Daten gesammelt und haben dann eben auch gesehen, ja, in dieser über 100-jährigen Zeitreihe bleibt die benötigte Wärmesumme bis zur Blüte über die Jahrzehnte hinweg im Mittel konstant.
Florian Aber trotzdem entsteht, wenn man das jetzt so mathematisch neu interpretiert, diesen Zusammenhang zwischen Temperatur und Entwicklungsdauer, der Eindruck dieser abnehmenden Sensitivität bei steigenden Temperaturen. Das ist nämlich jetzt nicht dieser lineare Zusammenhang, wie man bisher angenommen oder gedacht hat.
Florian Ein Grad mehr macht x Tage frühere Blütezeit, sondern es ist ein nicht-linearer Zusammenhang. Und Sie haben das dann auch in dieser Arbeit mit entsprechenden Grafiken gezeigt. Wenn du das Ganze irgendwie logarithmisch transformierst, die beiden Größen, dann ist der Effekt weg. Dann kriegst du den linearen Zusammenhang und die Temperatursensitivität bleibt über den gesamten Temperaturbereich hinweg gleich.
Florian Und das ist quasi die Bestätigung, dass dieser beobachtbare Rückgang der Sensitivität kein biologischer Effekt ist, sondern aus der mathematischen Form dieses Zusammenhangs folgt.
Claudia Ich liebe alles daran. Auch die Vorstellung, dass Pflanzen rumlaufen und Payback-Punkte sammeln. Also Wärmepunkte natürlich. Also an der Kasse gefragt. Müssen Sie Wärmepunkte sammeln? Ja, gerne.
Florian Ich sammle auch gerne Wärmepunkte, wenn es welche gäbe, aber Payback-Punkte brauche ich nicht, aber ab und zu ist es ein bisschen frisch.
Claudia Nee, Payback-Punkte brauche ich auch nicht. Aber genau, aber Wärmepunkte wäre nett, gerade jetzt.
Florian Was haben die in früheren Studien falsch gemacht? Haben sie sich auch überlegt? Viele Studien haben sich halt von Anfang an gefragt, wie viele Tage früher kommt der Frühling pro 1 Grad Erwärmung? Das war quasi die Ausgangsfrage und wenn du schon so nach diesem linearen Zusammenhang fragst, dann kommt natürlich auch ein linearer Zusammenhang raus.
Florian Also Sie haben angenommen, dieser Zusammenhang ist linear, ist eine gerade Linie. Oh Gott, ich kriege gerade ganz, ganz, ganz starken Flashback. Habe ich davor erzählt von meinen Problemen mit Python und von meinem Megasession, wo ich Fitting-Funktionen machen musste. Und jetzt stelle ich mir gerade vor, ich müsste hier meine Linie fitten durch Blüte, Zeitpunkte und so weiter.
Claudia Ja, das will kommen in meinem Leben früher.
Florian Ja, ich kriege Python-PTS gerade hier. Oh no. Okay, egal. Aber das hat es mit dem nichts zu tun. Die haben angenommen, sie kriegen eine gerade Linie raus, aber in Wirklichkeit ist der Zusammenhang halt nicht linear, der ist gekrümmt. Bei kühlen Temperaturen hast du eine starke Reaktion der Pflanzen, bei warmen Temperaturen hast du eine schwächere Reaktion und wenn du trotzdem eine gerade anpasst, dann schaut es so aus, als würden die Pflanzen weniger reagieren, obwohl sich biologisch nichts geändert hat.
Claudia Ich sehe, mein Kopf ist so, wow. Ja, gut.
Florian Ja, genau das ist es, was die herausgefunden haben. Und natürlich kann man sich fragen, was hat das jetzt für Auswirkungen? Was hat das für Auswirkungen erstens auf die Forschung? Wenn du Prognosen machst, musst du nicht linear rechnen, weil sonst interpretierst du alles falsch.
Claudia Ja, oder du musst zumindest mal mehr Dinge ausprobieren. Genau.
Florian Und wenn du... Zukünftig wirklich, weil dieser Effekt, den frühere Arbeiten ja untersucht haben oder als Ursache angebracht haben, dass da physiologische Änderungen sind, dass die Pflanzen sich anpassen an die milderen Winter, dass da dieses, wie heißt das, Chillingfenster oder irgendwie sowas, genau die Chilling- und Fotoperiode heißt das offiziell, eben der Effekt durch die fehlende Winterkälte und durch die kürzere Tageslänge im Winter, dass das wirklich physiologische Auswirkungen hat, das gibt es ja.
Florian Das haben die sich ja nicht aus dem Hut gezogen, sondern das ist ja, was Pflanzen tatsächlich machen. Aber wenn du nachweisen willst, dass das wirklich stattfindet, dann musst du das halt wirklich direkt nachweisen. Durch Experimente, durch den Nachweis, dass die wirklich jetzt mehr Wärme brauchen und so weiter.
Florian Und nicht einfach nur über eine Gerade in einem Diagramm. Weil du musst das zusätzlich nachweisen zu diesem Effekt. Frage, ist jetzt alles super für die Pflanzen? Weil offensichtlich kommen die noch gut damit klar. Diese Abnehmen der Sensitivität, das hat nichts mit der Physiologie zu tun, sondern ist nur Mathematik.
Florian Also können wir Entwarnung geben, ist alles gut für die Pflanzen? Ist es nicht, weil erstens mal hat ja die Klimakrise deswegen nicht aufgehört.
Claudia Das wäre so toll, aber nein.
Florian Selbst wenn das jetzt nicht mehr diese sechs Tage pro Grad Erwärmung, die das Ganze früher stattfindet, ist wie früher, sondern halt nur noch drei bis vier Tage pro Grad Erwärmung. Auch das kann große Folgen haben, weil das geht ja jetzt nicht nur um das langjährige Mittel. Es geht nicht nur um die langen Zeiträume, sondern es geht ja um konkrete Tage, um konkrete Ereignisse.
Florian Es geht um Spätfrost, das haben wir alle schon gehabt. Es nutzt auch nichts, wenn jetzt die Pflanze dann vielleicht ein bisschen früher blüht und dann halt weniger früh blüht, wenn dann trotzdem zwei Wochen nach der Blüte der Spätfrost kommt. Dann ist die trotzdem hin. Oder es nutzt auch nichts, wenn das halt ein paar Tage früher ist.
Florian Du hast trotzdem solche Mismatch-Phänomene, wo die Bestäuber und die Pflanzen nicht mehr zur selben Zeit aktiv sind wie früher.
Claudia Oh, das wäre ja auch richtig schlecht, ja.
Florian Ja, und du hast Probleme mit dem Wasserstress, weil es gibt ja trotzdem noch die Dürren, es gibt trotzdem noch die Starkregenereignisse, Landwirtschaft, Allergien. Ich habe letztens in den Nachrichten schon die ersten Ankündigungen gehört, ja, die Allergiesaison geht jetzt los. Das war, glaube ich, noch Ende Januar, wie Sie das gesagt haben.
Florian Also auch das sind alles, das sind alles reale Phänomene, die jetzt mit dieser mathematischen Formulierung nichts zu tun haben. Wir haben jetzt nur besser verstanden, warum die Daten das kümmern. Zu sagen schienen, was sie gesagt haben. Wir wissen jetzt, was sie wirklich sagen. Aber das heißt nicht, dass die Folgen der Klimakrise für die Pflanzen irgendwie weniger schlimm sind als vorher oder dass wir sie schlimmer eingeschätzt haben als vorher, sondern wir verstehen es jetzt besser als vorher.
Florian Wir verstehen den Zusammenhang zwischen Temperaturerwärmung und phänologischer Reaktion besser als vorher. Das ist der Punkt, den diese Arbeit geändert hat. Die Auswirkungen, die wärmere Temperaturen auf das ganze Ökosystem, auf die ganze Phänologie haben, die sind dieselben, wie sie vorher waren. Wir verstehen sie jetzt nur besser als vorher und können sie besser prognostizieren und können sie besser einschätzen.
Claudia Ach, ich mag Wissenschaft. Man erfindet was, korrigiert den Fehler oder die Annahme, die man gemacht hat und dann geht es weiter mit mehr Erkenntnissen. Alles daran liebe ich.
Florian Ihr könnt euch gerne die Arbeit selbst anschauen. Sie ist, wie gesagt, wirklich sehr kurz. Als PDF-Format, glaube ich, nur zwei Seiten, wenn man die Methodologie und Referenzen weglässt. Hat ein paar schöne Grafiken drin, auch dieses Autobeispiel ist da direkt drin in Form von Grafiken und verglichen eins zu eins gegenübergestellt den entsprechenden Daten bei den Pflanzen.
Florian Da kann man sich das wirklich nochmal auf eine mathematischere Art deutlich machen, ist Open Access. Ich verlinke es in den Show Notes, könnt ihr gerne alle reinschauen.
Claudia Sehr gut, das ist wirklich schön, das ist ja toll, dass Sie da dieses Autobeispiel drin haben, das hilft auch.
Florian Ja, das war mein Bericht über den Frühling, der immer früher kommt und über die Mathematik, die uns hilft, das zu verstehen. Und jetzt warten wir. Ich gucke gleich mal schnell auf die phänologische Uhr, was als nächstes passieren wird. Nämlich, wir müssten jetzt demnächst... Mit der Forsitie rechnen können. Die ist das, was den Erstfrühling uns anzeigt.
Florian Der Vorfrühling, die Haselblüte, den haben wir, wie gesagt, schon. Und wir warten jetzt noch auf den Erstfrühling, wenn die Forsitie kommt. Im Mittel kommt das so Ende März, aber vermutlich kriegen wir es ein bisschen früher hin. Und dann irgendwann um den April rum, Ende April, da haben wir dann phänologisch zumindest mit Vollfrühling zu rechnen, wenn die Apfelbäume blühen. Da freue ich mich schon.
Claudia Ich musste jetzt erst mal googeln, wie Phosizien aussehen, um dann zu wissen, wann der Frühling da ist. Schön gelb.
Florian Genau, die sind schön gelb. Das sind so klassische Frühlingsblumen. Ich habe Winterlinge im Garten und die kommen meistens immer als erstes. Darum heißen sie auch Winterlinge. Die sollten eigentlich jetzt schon bald irgendwann mal auftauchen, mal gucken. Und Schneeglöckchen habe ich auch stehen im Garten.
Claudia Schneeglöckchen, oh toll. Ja, die kommen natürlich auch recht früh.
Florian Genau, da bin ich jetzt schon sehr gespannt, mache ich meine eigene phänologische Uhr, dann weiß ich, wann es endlich losgeht und dann kommen immer mal die Narzissen, die ich da alle eingebuddelt habe und dann geht es los.
Claudia Du hast einfach mal irgendwann irgendwo Narzissen eingebuddelt, finde ich auch sehr gut, das nennt man Gärtnern.
Florian Ja, nee, das liegt daran, dass meine Frau am 3. März Geburtstag hat und meine Schwiegermutter, also die Mutter meiner Frau, schenkt ihr immer zum Geburtstag so ein Blumengesteck mit Narzissen, weil sie die gern hat. Und das sind aber keine Schnittblumen, sondern eben welche mit Blumenzwiebeln, wo sie da so wachsen.
Florian Und immer wenn die dann Ende März oder sowas mal irgendwie verblüht sind oder der Platz in der Wohnung zu klein wird, weil andere Sachen, andere Blumen aufgetaucht sind, dann nehme ich die und verbuddel sie irgendwo im Garten. Und jetzt im Laufe der Jahre sind schon viele, viele Narzissen zusammengekommen.
Florian Das heißt, ich weiß auch, ich bin wie so ein Eichhörnchen. Ich vergesse immer, wo ich die verbuddelt habe. Was Eichhörnchen übrigens nicht tun, die merken sich da schon recht gut. Aber ich freue mich dann immer zu sehen. Ach, guck mal hier, da habe ich auch welche eingebuddelt, wenn sie wieder rauskommen.
Claudia Okay, das ist schön. Du hängst ja aber auch jetzt nicht lebensmittelmäßig da voran.
Florian Nee, nee, nee. Ich esse die ganz seltene Narzissen. Das wäre was anderes.
Claudia Ja, okay. Ja gut, dann kann ich ja fast schon einen Ausblick auf nächstes Mal nehmen.
Florian Genau, kannst du.
Claudia Also ich wollte zwei Wochen tatsächlich gerne über Transdisziplinarität sprechen. Das haben wir schon mal so am Rande angesprochen, weil es mich in meinem Alltag und meinem Klimawandelanpassungsprojekt so beschäftigt. Und ich dachte mir, ich muss da mal drüber reden.
Florian Ja, das klingt spannend.
Claudia Ich bin hier mit euch, weil das ist in der Klimaforschung gerade ein großes Thema.
Florian Und dann bitte auch gleich erklären, was der Unterschied zwischen Inter- und Transdisziplinarität ist.
Claudia Das mache ich mit Vergnügen.
Florian Sehr gut.
Claudia Genau, und ansonsten warten wir natürlich wie immer gerne auf Feedback. Es gab schon in der letzten Folge auch sehr schönes Feedback, hat jemand geschrieben, endlich mal was Positives. Und genau, das ist ja auch immer schön. Frühling jetzt hier, das ist ja auch ein positives Thema. Guck mal, nächstes Mal wird auch nicht deprimierend, sondern so.
Claudia Also wir haben auch, guck mal, eine Serie an guten Folgen mit positiven Gefühlen.
Florian Wir sind ein Feelgood-Podcast.
Claudia Exakt. Gebt uns gerne viel gut Feedback. Genau, also ihr könntet uns natürlich gerne eine E-Mail schreiben an podcast.dasklima.fm oder ihr taggt uns auf Mastodon oder auf welchen Social-Media-Kanälen auch immer. Da lesen wir es auch, wie ihr merkt. Oder ihr kommentiert einfach hier unter der Folge, unter den Shownotes.
Claudia Und wir freuen uns natürlich, dass ihr immer noch mit dabei seid mit den schönen positiven Themen. Wir versprechen, es kommen auch wieder negative. Aber dann seid ihr hoffentlich gut genährt mit Positivität.
Florian Genau, wunderbar. Und dann genießt den Frühling. Vielleicht lebt ihr ja gerade wo, wo es phänologisch ein bisschen besser ausschaut als bei uns. Vielleicht hört uns ja jemand zu, keine Ahnung, aus Italien oder aus Spanien, wo ihr schon jetzt, während ihr den Podcast hört, mit einem Aperol oder einem Capari auf der Terrasse sitzen könnt.
Claudia Beweis Fotos bitte, wir beneiden dann einfach.
Florian Genau. Und egal wo ihr sitzt, hört uns in zwei Wochen wieder zu. Wenn Claudia von der Transdisziplinarität des Klimawandels, nee, der Klimaforschung berichtet. Bis dahin verabschieden wir uns und sagen Tschüss.
Claudia Tschüss.
Florian Ich glaube, gestern bin ich da gesessen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel programmiert wie jetzt, nicht mal in meiner Uni-Zeit.
Claudia Wow.
Florian Gestern irgendwie so Fitting-Dings, alle durchgegangen, sämtliche Fitting-Methoden und Parabel-Fit und Geraden-Fit und selbstprogrammiert und mit Python-Bild-In-Funktionen und Link-Res und Curve-Fit und weiß der Geier noch was. Es ist wie in einem schlechten Film, wo man denkt, das gibt es in echt gar nicht.
Florian Ich träume von eckigen Klammern, die mich verfolgen in der Nacht.
Claudia Oh nein. Oh, das ist gemeint. Aber es sind immerhin noch keine geschwungenen Klammern?
Florian Nee, nee, nee. Die kommen dann erst noch beim nächsten Mal.
Claudia Okay.