Der FOTOPRAXIS Podcast· Staffel 1· Folge 12

#12: Gute Aktfotografie: Mehr als Nacktheit – Ästhetik, Posing, Bildidee

Mittwoch, 14. Oktober 2026 · 30 min

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Shownotes

Aktfotografie lernen: NACKT ist nicht gleich AKT! In dieser Folge des FOTOPRAXIS Podcasts geht es darum, was gute Aktfotografie wirklich ausmacht – von Bildidee und Posing über Kommunikation mit Models bis hin zur Entwicklung eines eigenen fotografischen Stils.
Zu Gast ist Judith Geiser, die seit vielen Jahren in der Aktfotografie arbeitet. Sie erklärt, warum ein nackter Körper allein noch lange kein gutes Aktfoto macht und wie ästhetische, respektvolle und ausdrucksstarke Bilder entstehen.
Wir sprechen darüber, wie wichtig Vertrauen zwischen Fotograf und Model ist, wie man ein Shooting vorbereitet und wie man klare Anweisungen gibt, ohne jemanden in unnatürliche Posen zu zwingen. Gerade für Einsteiger ist das entscheidend: Wie schafft man eine entspannte Atmosphäre und wie geht man mit Unsicherheit beim ersten Shooting um?
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Posing in der Aktfotografie. Welche Pose passt zu welchem Menschen? Wie spielen Alter, Körperform und Ausdruck zusammen? Judith zeigt, dass es nicht die eine perfekte Pose gibt – entscheidend ist, dass die Bildidee zur Person passt.
Außerdem geht es um Bildgestaltung, Licht, Formen und Linien und um die Frage, was ein gutes Aktfoto von einem einfachen Nacktfoto unterscheidet.
Wir sprechen auch über Inspiration und den eigenen Bildstil: Darf man Bilder anderer Fotografen nachstellen, um zu lernen? Wie entwickelt man eine eigene Bildsprache? Judith berichtet von ihren eigenen Anfängen, Workshops und dem langen Weg zum persönlichen Stil.
Natürlich geht es auch um die Praxis: Wie findet man Models? Welche Rolle spielen Model-Kartei, fotocommunity, Instagram oder persönliche Empfehlungen?
Zum Schluss sprechen wir über Social Media und Bildauswahl. Muss jedes gute Bild sofort veröffentlicht werden? Judiths Tipp: Fotos mit Abstand betrachten, kritisch auswählen und nicht jeden Treffer sofort posten.
Diese Folge ist ideal für alle, die Aktfotografie lernen, sicherer im Posing und im Umgang mit Models werden oder ihren eigenen Bildstil entwickeln möchten.
Themen dieser Podcast-Folge:
Aktfotografie lernen · Aktfotografie Tipps · Posing · Models fotografieren · Kommunikation mit Models · Bildgestaltung · Lichtsetzung · ästhetische Aktfotografie · Bildideen · eigener Bildstil · Fotografie Workshops · Social Media · kreative Fotografie

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Muss ich ja zuerst schauen, wie bewegt sich dieser Mensch, wo sind die Schokoladenseite? Mein ältestes Model war eine 65-jährige mollige Dame. Ich sag, man kann mit jedem Menschen schöne Aktbilder machen. Wichtig ist, dass man die nicht eins zu eins kopiert.

Der Fotopraxis Podcast mit Unterstützung der Zeitschrift Fotopraxis.

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Fotopraxis Podcast. Heute habe ich einen Gast im Studio, die jahrelange Erfahrung in einem ganz speziellen, in einem ganz besonderen und sicherlich auch von vielen ein Sehnsuchtsthema in der Fotografie ist die Aktfotografie. Ich begrüße heute Judith Geiser bei mir im Studio und freue mich wahnsinnig, dass du heute da bist und uns von deiner Erfahrung erzählst oder teilhaben lässt aus deiner jahrelangen Erfahrung. Danke schön. Es freut mich wirklich, dass du da bist. Das ist ein Thema, über das man ja als Fotograf immer mal stolpert. Also, wenn man anfängt zu fotografieren, breiten sich ja wahnsinnig viele Themen aus. Makrofotografie, Porträtfotografie, die eigenen Kinder Landschaften, was auch immer und natürlich auch die Aktfotografie. Meine erste Frage, warum dieses Genre? Was persönlich hat dich zur Aktfotografie gebracht und nicht zu Makro, Kindern, was auch immer? Ja. Früher hatte ich auch in vielen verschiedenen Bereichen fotografiert, aber ich muss sagen, die Aktfotografie, das ist eine besondere Leidenschaft von mir. Was mich fasziniert ist mit ganz wenig viel zu machen. Also damit meine ich ein nackter Körper. Ich meine im Alltag, die Menschen, die laufen ja nicht einfach so nackig herum und dort, wo sie es tun, in der Sauna oder so ist besser, wenn man keine Kamera dabei hat. Also es ist alles inszeniert. Es ist für mich eine Zusammenarbeit. Zwischen den Menschen vor und hinter der Kamera und ja, diese Inszenierung auch natürlich kunstvoll wirken zu lassen, das ist für mich eine Faszination, die mich nicht mehr losgelassen hat. In der Aktfotografie fotografiert man nackte Körper natürlich mehr oder weniger verhüllt, unverhüllt. Wo ist die Grenze? Ich meine natürlich, wie du schon sagst, in der Sauna, da könnte man theoretisch jetzt auch jemanden fotografieren, das ist aber noch kein Aktfoto. Wo ist die Grenze? Wo fängt Aktfotografie an? Die Grenzen sind fließend, weil Akt ist nackt, aber nackt ist nicht automatisch Akt. Und das ist so die Schwierigkeit. Also, wenn ich jemanden Bekannten sage, du zieh dich mal aus, stell dich mal hin, dann ist das ein Nacktfoto, aber es ist noch keine Kunst. Und für die Kunst braucht es mehr. Für die Kunst braucht es wie einen Grund für die Nacktheit, der für den Betrachter nachvollziehbar ist. Eine Geschichte, man kann die Schönheit eines Körpers feiern mit einem schönen Bild. Das finde ich ist ein guter Grund. Definitiv. Aber man kann eine Geschichte erzählen, man kann Kontraste darstellen, man kann Formen und Linien unterstreichen mit einem nackten Körper, indem der Körper diese Formen wiederholt und so weiter. Es gibt viele Gründe, aber diese Gründe müssen für den Betrachter irgendwie nachvollziehbar sein. Ob es Kunst ist oder nicht, entscheidet schlussendlich der Betrachter. Ich kann ein Bild machen mit der Absicht, es kunstvoll zu gestalten, aber wie gesagt, am Schluss ist der Betrachter, der sagt: "Ja, das ist Kunst oder?" "Nee, das finde ich jetzt nicht kunstvoll, finde ich nicht gelungen." Ja. Wie ist denn der Werdegang? Wie entsteht denn eine Bildidee bei dir? Siehst du einen Menschen und denkst dir, der wär's vielleicht, die wär's vielleicht mit der da entsteht irgendwo ein Bild in deinem Kopf, dass du dann realisieren möchtest oder wie kommst du zu deinen Motiven? Ganz unterschiedlich. Also manchmal gerade wenn ich unterwegs bin in der Natur oder in verlassenen Häusern, habe ich oft zuerst den Ort, die Location, wo ich fotografieren möchte und überleg dann, welche Person würde dazu passen, ja, oder ich lerne jemanden kennen und denke, mit dieser Person würde ich gern fotografieren und überlege mir dann, welche Ideen passen zu dieser Person. Also ist ganz unterschiedlich, je nachdem was ich mache. Aber ich habe wirklich Menschen, mit denen ich fotografiere. Da weiß ich, die brauche ich genau für das oder das. Ich habe sogar auf meinem Schreibtisch immer ein Notizbuch liegen mit Ideen und manchmal schreibe ich auch den Namen der einen oder anderen Person und schon mal Ideen, die dann mal kommen könnten oder so. Ja. Wie konkret ist es denn dann? Du sagst ja, wenn du unterwegs bist, z.B. irgendwo du siehst ein altes Gebäude und hast dann irgendwo eine Idee, wie planst du dann? Ist es dann sehr konkret, dass du dir dann schon überlegst, okay, da ist vielleicht ein alter Stuhl, da setze ich jemanden hin oder lässt du es dann locker angehen oder gehst da einfach hin und lässt dich von der Location inspirieren vom Licht oder steckt da wirklich massive Planung dahinter? Also ideal ist immer, wenn ich die Location schon vorher vor dem Shooting mal besuchen kann, aber manche Locations, die sind weit weg, da kann man nicht, da muss man im Moment handeln. Ja, aber ich nehme mir auch dann immer die Zeit, die Location in Ruhe anzuschauen. Habe sogar die Kamera noch in der Tasche ohne Kamera einfach mal ein bisschen reinzufühlen, was sich da ergibt. Und ich habe das nicht, vor allem wenn ich unterwegs bin, ich habe das nicht durchgeplant mit den Ideen, aber ich habe immer einige Ideen, wie ich einsteigen kann, weil es ist nichts ärgerliches als wenn man da steht, da die Person, die man fotografiert, man steht schon bereit und ich habe gerade keinen Plan ist nicht so guter Anfang für ein Fotoshooting, ist immer besser schon ein bisschen Einstiegsideen vieles ergibt sich dann, also wenn man mal so mit arbeiten, mit fotografieren begonnen hat, dann ergibt sich das eine oder andere. Ja, so eine kurze Zwischenfrage, Wie lange dauert ein Shooting? Normalerweise bei mir ungefähr 3 Stunden mehr oder weniger. Vor allem nach 3 Stunden bin ich auch müde, weil ja es ist anstrengend, Fotografieren. Genau, das ist der Hintergrund meiner Frage, weil mir geht's nämlich auch so, wenn ich mal irgendwo ein Porträt-Shooting hab draußen oder wie nach zwei, drei Stunden ist man wirklich ausgepowert oder? Ja, man denkt nicht, weil ich stehe nur so rum und drück den Knopf, aber man muss die Kamera bedienen. Man muss das Licht beobachten, muss das Licht steuern, muss Ideen entwickeln, muss die Person anweisen vor der Kamera. Das ist sehr intensiv. Also nach 3 Stunden bin ich auch müde. Ja, weil du es angesprochen hast. Ich denke jetzt gerade an die Einsteiger in der Aktfotografie, die uns jetzt hier zuschauen oder zuhören. Auch aus eigener Erfahrung am Anfang, als ich noch ein sehr unerfahrener Fotograf war, diese Panik, wenn man da steht und denkt, das Model oder diejenigen, die man jetzt fotografiert, die erwarten von einem was. Also, die erwarten von einem jetzt klare Anweisung, mach das, mach das, mach das. Ich nehme mal an, dass du über diesen Punkt längst hinaus bist, dass du entspannt bist und weißt, Shootings funktionieren, weil du eben diese Erfahrungen hast. Aber welchen Tipp würdest du jetzt ein Anfänger geben, der jetzt weiß, okay, hier ist jetzt meine Location, hier ist mein Model und jetzt stehe ich da und meine Bildidee, was soll ich jetzt machen? Ich geb ja auch Workshops und ich arbeite ja auch oft mit Anfängern zusammen oder mit Menschen, die zum ersten Mal nackte Menschen fotografieren. Ich gebe immer den Tipp: sei ehrlich, sei authentisch. Gib nicht vor, du hast alles im Griff, wenn du unsicher bist, Ideal ist, wenn man das Model anweisen kann während dem Fotografieren ist aber anspruchsvoll fotografieren und sprechen dazu. Ich empfehle den Menschen immer, dann sag, ich kann nicht fotografieren und sprechen. Ich sag dir, was du zu tun hast. Dann machen wir da die Bilder, dann machen wir kurze Pause, ich zeig dir das, dann sage ich, wie es weitergeht. Kann man auch. Ich sage immer, seid ehrlich, seid aufrichtig, spielt dem Model nichts vor, was ihr nicht seid. Gehen wir mal in Richtung Kommunikation zwischen Fotograf, Fotografin und Model. Wie entsteht die Chemie? Wie agierst du mit den Models vor? Du hast ja jetzt schon gesagt, authentisch sein, ehrlich sein, ganz klare Anweisung geben oder auch mal laufen lassen. Genau. Ich glaube, man muss wirklich zuerst eine Vertrauensebene schaffen und es ist auch viel Beziehungsarbeit mit dem Model. Das beginnt schon an, wenn man überhaupt sich für ein Shooting verabredet. Ich mache z.B. alles unter meinem richtigen Namen. Ich verdiene im Leben mein Geld als Grundschullehrerin und ich habe es immer, ich mache das seit 18 Jahren, habe das immer unter meinem richtigen Namen gemacht, habe noch nie Probleme gehabt. Wenn man gute Bilder macht, muss man nichts fürchten, denke ich. Und dass man wirklich auch im Voraus wirklich kommuniziert. Ich sage auch immer, welche Ideen ich mir in etwa vorstellen könnte, in welche Richtung es geht, wenn ein Model ankommt, man trinkt ein Kaffee zusammen, man fragt, bist du gut gereist, wie geht's der Familie oder was sonst auch nachher oder auch dazwischen mal, dass man sagt, du ist gut die Zusammenarbeit, passt das so für dich? Also, das ist Beziehungsarbeit und wenn man es schafft, eine Vertrauensebene mit dem Model zu haben, dann kann man wirklich gute Aufnahmen machen. Auch wieder ein bisschen aus meiner eigenen Erfahrung als Fotograf Posing, wenn man den Models sagen möchte wie man sich das Posing vorstellt. Diese Kommunikation kann ich mir in der Aktfotografie schwieriger vorstellen als in der normalen Porträtfotografie. Reicht da diese Vertrauensbasis oder nähert man sich an im Laufe der Zeit, dass man keine Ahnung beim zweiten, dritten, vierten Shooting, dass man sich quasi dass man sich blind versteht oder musst du da sehr konkrete Anweisung geben? Ist natürlich so mit Leuten, wo man schon viel fotografiert, wo man sich gut kennt, da weiß ich, was möglich ist von meinem Gegenüber. Sie wissen, wie ich kommuniziere, was ich mir vorstelle. Da muss man oft vieles nicht sagen oder ich wollte es gerade sagen und das Model hat schon gemacht. Das sind natürlich dann ganz, also es wird schon dann einfacher auch, mit Menschen, die man gut kennt zu arbeiten. Auf der anderen Seite, ich sage immer so ein bisschen meine Grundidee und dann lasse ich das Model mal machen und sag, schau, ich habe es mir in etwa so und so überlegt. Mach mal und ich versuche nicht die Menschen so zu verbiegen, dass es stimmt, sondern also, dass es aus meiner Sicht einer Idee entspricht, die ich im Kopf habe, sondern es soll immer noch zum Menschen passen. Ich sag lieber eine Bildidee, ein Gefühl oder sag schau, ich sehe hier die Linien, versuch mal diese Linien mit deinem Körper aufzunehmen und wenn ich dann eine Pose angeboten bekomme, dann mache ich noch so die Feinkorrekturen. Ein anderer Trick ist auch zu schauen, wie sich mein Model bewegt, wenn es meint, ich schaue nicht. Also, wenn es von einer Pose zur anderen wechselt, dann sehe ich auch ein bisschen die Bewegungsmuster, die Möglichkeiten und oft sage ich, du mach, was du eben gemacht hast. Und dann kann man das weiterentwickeln und dann gibt's auch, dass ich echt eine Pose vormache und meistens schaffe ich das nicht so grazil wie die Leute vor meiner Kamera. Macht gar nichts. Aber wenn die sehen, ich lege mich auch mal rückwärts über einen Würfel und so, damit sie so eine Idee haben, wie das etwas sein könnte, gibt immer großes Gelächter. Macht nichts, aber ich find's ganz gut überhaupt, wenn Fotografen oder Fotografinnen auch selber mal eine Pose einnehmen und auch merken, wie anstrengend das ist und dass das gar nicht so einfach ist. So. Ja. Wie viel Mitspracherecht haben denn die Models? Wenn du jetzt eine Grundidee vorgibst, können die dann sich selber einbringen? Ich meine, du hast jetzt gerade gesagt, klar, sie bewegen sich und du reagierst auf die Bewegung der Models, auf das Natürliche, aber können dann sagen, nee, passt mir überhaupt nicht, will ich nicht. Auf jeden Fall, also das sage ich immer am Anfang, wenn jemand Neues kommt, sagt bei mir darf man immer sagen bei einer Idee: mache ich nicht, will ich nicht, kann ich nicht. Und ich sage, ich werde kein zweites Mal fragen. Also, das ist für mich wirklich ganz wichtig, dass sich die Models auch wohlfühlen. Ich mag's, wenn auch die Models Ideen mit einbringen. Ich sag dann, so eine gemeinsame Kreativität, das mag ich total. Oder ich habe schon erlebt bei Models, die mich schon sehr gut kennen und sich das auch getrauen, dass ich gesagt, du ich habe da eine Idee mit Spiegeln und so und so und ich habe schon erlebt, da ist das Model auf den Tisch gehüpft und gesagt, du deine Idee ist gut, aber man könnte noch viel mehr draus machen. Und die Ideen, die waren viel besser als meine und das hat uns dann so gegenseitig beflügelt und das liebe ich. Das klingt so, als würden da teilweise Models mit dir arbeiten, die das schon seit 20 Jahren machen. Gut, ich mach seit 18, also 20 Jahre noch nicht. Ich mache es seit 18 Jahren. Ich habe echt Models, mit denen arbeite ich seit 14 Jahren oder so. Man kennt sich gut. Ich habe auch schon Fotoreisen mit diesen Models gemacht. Also es ergibt sich dann auch eine Art Freundschaft, dass wir zusammen nach Kreta geflogen sind und dort so eine Mischung zwischen Urlaub und Fotoreise gemacht haben und deshalb kennt man sich auch gut, sonst würden die sich nicht getrauen. Das ist schön mit Leuten zu arbeiten, die man gut kennt. Ja. Mal ganz profane Frage. Buchst du Models wegen Geld oder hast du einen Modelkreis, der einfach nur mit dir arbeiten, weil ihnen die Arbeit mit dir Spaß macht oder beides? Beides, die meisten kommen, weil sie wirklich Bilder von mir wollen, weil sie meine Kunst toll finden und auch solche Bilder wollen sie sagen, es ist eine Ehre Teil eines Kunstprojektes zu sein. Und manchmal möchte ich aber auch ganz besondere Menschen, sagen wir, es sind Tanzaufnahmen oder akrobatische Posen geplant. Das kann nicht jeder und es kann schon mal sein, dass ich dann auch jemanden bezahle. Ich persönlich mag die ohne Bezahlung lieber, nicht weil mich das Geld reut, sondern weil ich merke, da kommt viel mehr an Engagement. Die wollen wirklich diese Bilder und strengen sich auch wirklich ganz doll an für diese Bilder. Na ja, gut, dann ist es letztendlich ein gemeinsames Projekt, denke ich, wird man in den Bildern auch noch sehen im Ausdruck. Auf jeden Fall und die Models bekommen dann ausreichend Bilder, die sie auch selber verwenden können. Also ist so eine Win-win-Situation dann auch, weil du von Posing geredet hast, so der Unterschied, wenn ich jetzt an klassische Porträt-Posing denk für Businessaufnahmen oder für Familienbilder oder so, unterscheidet sich das sehr von der Aktfotografie, von Akt-Posings wahrscheinlich schon. Ja, der Körper steht natürlich mehr im Zentrum. Bei Portraits ist das Gesicht, der Gesichtsausdruck wichtig. Ist im Aktbereich schon auch wichtig, aber es ist natürlich auch mehr der ganze Körper, sind die Beine gestreckt und passt das überhaupt zur Umgebung? Das ist ja auch immer wichtig, oder? Also es muss nicht immer eine akrobatische Position sein. Manchmal passt etwas einfaches, lockeres, viel besser. Wenn du ein Model vor dir hast, hast du dann bestimmte Posen, ein bestimmtes Posing im Kopf oder verändert sich deine Idee dann mit der Statur des Models, mit dem Alter des Models, mit dem grundsätzlichen Ausdruck des Models? Passt du das an? Oder sagst du, es gibt bestimmte Posings sag, okay, die passen jetzt für eine Frau, einen Mann, einen jüngeren, einen älteren Menschen, einen dünnen Menschen, den dickeren Menschen. Es gibt bestimmt Posen, die gehen mit allen Menschen. Gerade bei Auftragsshootings, wenn so die klassischen Licht-Schatten-Bilder gemeint geplant sind oder so, dann hat es so Posen, da weiß ich mit denen steige ich ein, das funktioniert bei jedem Menschen. Und wenn ich jemanden zum ersten Mal vor der Kamera habe, z.B. ein Auftragsshooting oder so, muss ich ja zuerst schauen, wie bewegt sich dieser Mensch, wo sind die Schokoladenseiten und muss das auch ein bisschen erforschen zusammen mit den Menschen vor meiner Kamera. Also, da muss man sich so ein bisschen rantasten, aber es gibt schon Positionen, die gehen für alle. Je nach Alter, je nach Figur, denke ich, wirkt nicht alles gleich gut. Da muss man so ein bisschen rausfinden, was wirkt am besten. Wie findet man die Schokoladenseite? Ausprobieren. Gutes Auge. Ja, ich habe auch schon ältere Menschen fotografiert. Mein ältestes Model war eine 65-jährige mollige Dame. Das waren ganz tolle Fotos geworden. Ich habe auch schon mit Menschen gearbeitet, die massiv übergewichtig waren 20, 30 kg mehr auf den Hüften. Und ich habe sogar mal ein Bild ausgestellt an einer Ausstellung von einer übergewichtigen Frau und da kam jemand zu mir und hat gesagt, du das Bild da hinten. Und ich habe gesagt, was ist damit? Dann haben sie gesagt, die ist so dick. Habe ich gesagt, ja und dann haben sie, aber sie ist so schön. Da habe ich alles richtig gemacht. Ja. Dann so viel. Also gerade bei älteren Menschen, die vielleicht mehr Falten haben oder Leute, die mehr Kilo auf den Hüften haben, es soll immer ästhetisch sein, es soll nie despektierlich sein, sondern es soll immer auch diese Menschen von der schönsten Seite zeigen. Und ich sag, man kann mit jedem Menschen schöne Aktbilder machen. Natürlich ist es einfacher mit jungen schönen Frauen als mit molligen Menschen, mit älteren Menschen. Aber das macht doch erst so richtig spannend, find ich. Wieso ist es einfacher? Weil der allgemeine Betrachter eines Aktfotos sowas eher erwartet oder weil es schwieriger ist die Schokoladenseite darzustellen, weil junge schöne Menschen überall Schokoladenseiten haben. Ja, die haben rundherum Schokoladenseiten oder und wenn dann eine junge schöne Frau, die sich gewohnt ist vor der Kamera, sich nackt zu präsentieren, die ein bisschen schöne Posen einnehmen kann, wenn man bisschen Ahnung hat vom Licht, kriegt man relativ einfach ein schönes Aktbild. Und wenn ich das in Social Media zeige, dann kriegt man ganz viele Likes, man kriegt ganz viele tolle Bemerkungen, wow, tolles Foto, aber eigentlich meinen sie tolle Frau, oder? Ja, und deshalb finde ich immer schöne Menschen gibt es viele und ich finde Perfektion wird auf die Dauer auch langweilig. Also diese Bilder vergisst man wieder und ich finde Aktbilder mit dem gewissen Etwas und mit der Kreativität auch mit kreativen Ideen, die finde ich interessant, weil an diese wird man sich erinnern. Gibt's für dich Vorbilder? Vorbilder? Ja. In der Fotografie, Fotografen, Fotografinnen, die du als Vorbilder siehst, wo du denkst, okay, das ist so eine Bildsprache oder das sind Leute, die haben es geschafft Aktfotografie auf ein Level zu heben, der mich berührt, der toll ist. Natürlich gibt es viele Menschen, die man kennt. Meistens wird Helmut Newton und weiß ich wer genannt. Ich habe nicht so ein direktes Vorbild. Ich schaue mir, wer macht was? Ich hole mir meine Inspiration überall. Ich habe mich nicht so eingefuchst auf ein Vorbild, weil ich will meinen eigenen Weg gehen und ich merke, wenn ich mich zu sehr auf jemanden einschieße, das macht mich befangen, oder? Ja, der Hintergrund meiner Frage ist tatsächlich, wenn jetzt jemand als Einsteiger in die Fotografie anfängt mit Menschen zu arbeiten, mit nackten Körpern zu arbeiten, hat er vermutlich irgendwo auch Bilder im Kopf, die schon mal irgendwo gesehen hat, sprich Vorbilder. Ja. Ob er die jetzt mit Namen benennen kann, wer das jetzt jeweils war, aber wie wichtig sind denn solche Bilder, die man schon mal irgendwo gesehen hat als Inspiration oder ist für dich eher die Gefahr, dass man dann hängen bleibt an dem Bildsstil, der gar nicht der eigene ist? Nein, ich finde Inspiration bei allen Bildern holen finde ich legitim, mache ich auch. Wichtig ist, dass man die nicht eins zu eins kopiert. Also, ich habe schon Kopien von meinen Bildern gesehen. Die eine, die war so gut, ich habe gemeint, das ist meins. Und ich dachte dann auch, Mensch, hättest wenigstens die Leiter auf die andere Seite stellen können oder so. Es war wirklich eins zu eins nachfotografiert, aber ich finde sich Inspirationen holen und etwas Neues, etwas Eigenes damit machen. Das kann mal eine Position sein, das kann mal ein Hintergrund sein, das kann mal ein Gegenstand sein, der mich inspiriert. Ich zupf mir das so ein bisschen zusammen. Aber ohne jetzt konkret zu sagen, okay, das ich mein gerade als Einsteiger ist man ja noch unsicher und wenn man jetzt sagt, ich will dieses Thema für mich entdecken, finde ich persönlich ist durchaus legitim, dass man irgendwas auch eins zu eins mal nachmacht, um einfach zu sehen, wie hat denn der Fotograf, die Fotografin das Licht gesetzt? Wie ist der Aufbau? Wie ist die Pose? Das einfach mal auszuprobieren ist ja durchaus legitim. Klar, wenn dann jemand mit solchen Bildern und genau dieser Bildidee, die er nachgemacht hat, hausieren geht und sagt: "Ja, das ist alles meins." Das ist natürlich dann schwierig, ja, und sicher moralisch auch diskussionswürdig, aber dieser Einstieg einfach mal zu sagen, okay, ich hole mir jetzt irgendeinen Fundus an Bildern und probiere einfach mal was nachzumachen. Ich finde es absolut legitim zu Lernzwecken finde ich das gut. Ich habe in meinen Anfängen manchmal sogar das Licht, die Lichtführung abgezeichnet, mir die Posen skizziert, die Lichtführung skizziert und dann habe ich das Vorbild, das Bild, das ich gesehen habe, auch wieder gelöscht auf meinem Computer oder wo ich es gesehen habe. Ich wollte mich da ein bisschen distanzieren vom Original, aber ich finde das ist legitim, da kann man auch ganz viel davon lernen. Ja, und natürlich prägt es auch, wenn man z.B. einen Workshop macht bei jemandem. Ich hatte meine Anfänge auch in einem Workshop bei einem bekannten Schweizer Fotografen und war natürlich am Anfang auch sehr beeinflusst von einem Bilderstil und es hat mich Jahre gekostet mich von diesem Bilderstil zu lösen und meinen eigenen Bilderstil zu finden. War das ein Kampf oder war das eine natürliche normale Entwicklung? Weil wenn man jetzt versucht verkrampft sich von irgendwas zu lösen, dann kann es ja passieren, dass man irgendwo hängen bleibt und dass es plötzlich keinen Spaß mehr macht. Ja, weil Entwicklung, ich kann mir das gut vorstellen, man fotografiert jetzt auf Basis von dem Stil von irgendjemandem von dem man was gelernt hat, aber dann die eigene Bildsprache zu entwickeln ist ja wahnsinnig schwer. Das heißt, der Weg zu einer eigenen Bildsprache wäre es nicht vielleicht besser zu sagen, okay, ich lass mal alles außen vor und mach von Anfang an nur meins. Also, wenn Leute mich fragen, wie soll ich in die Aktfotografie einsteigen, empfehle ich immer Workshops und zwar bei verschiedenen Fotografen, damit man so die verschiedenen Arbeitsweisen sieht von diesen verschiedenen Fotografen und auch die verschiedenen Bildstile so ein bisschen verinnerlichen kann. Für mich war es kein Kampf. Für mich war es eine Entdeckungsreise, man sagt, oh, das kann ich ja auch und ah, ich könnte hier mal so und also es war mir ein freudiges Entdecken auch. Was geht denn noch alles? Ich muss ja gar nicht immer nur so. Ja. Das heißt letztendlich weil ich meine Anlass, warum du jetzt hier im Studio bist, ist ja dein Buch, das hier im Juli 2026 erschienen ist beim BILDNER Verlag. Das wäre ein wunderbarer Ansatzpunkt zu sagen, Leute, schaut euch dieses Buch an, da sind unglaublich viele Inspirationen drin, da sind unglaublich viele Posings, Lichtsetzungen, Kulissen drin, Menschen drin, unterschiedliche Körper, aus denen man Inspiration holen kann, oder? Ja, natürlich. Deshalb habe ich das Buch geschrieben. Wie lange hat es gedauert? Nun, die Geschichte geht ein bisschen länger. Also der erste Impuls war vor 10 Jahren. Da hat mein Mann hat mir gesagt, du weißt so viel über die Aktfotografie, schreib doch mal ein Buch. Und ich hatte gefunden, super Idee. Und da hatten wir noch am gleichen Nachmittag schon mal so wie Brainstorming angefangen in den Monaten danach. Habe ich so die ersten Kapitel geschrieben und wie das so ist. Es ist in den Tiefen meines Computers versunken. Ein paar Jahre später habe ich es noch mal hervorgenommen, weitergeschrieben. Das gleiche Spiel: Es ist wieder liegen geblieben und jetzt vor eineinhalb Jahren habe ich gedacht so und jetzt mache ich es und jetzt mache ich es richtig. Ich hatte mich weiterentwickelt und habe gemerkt, jetzt habe ich wirklich was zu sagen. Ich habe fast noch einmal vorne angefangen und jetzt habe ich durchgezogen. Ja, jetzt ist es fertig. Ja, nee, es ist auch wirklich ein wundervolles Buch geworden. Ich habe es natürlich im Vorfeld unseres Podcasts ja auch durchgelesen, bzw. nicht gelesen, sondern überflogen und mir sehr intensiv angeschaut, was du gemacht hast. Also, die Vielfalt an Möglichkeiten in der Aktfotografie sieht man definitiv in diesem Buch von Judith Geiser. Schaut euch auf jeden Fall mal an. Bei uns auf der Homepage im BILDNER Verlag gibt's auch einige Gratiskapitel zum reinschauen. Da kann man mal so den Stil ein bisschen erfühlen und ich bin mir sicher, wenn man versucht in die Aktfotografie einzusteigen, ist dieses Buch ein wunderbares Hilfsmittel, um die ersten Inspirationen zu finden. Danke schön. Definitiv. Sehr gerne. Okay, ich denke kleiner Abschluss vielleicht so für die Einsteiger, für vielleicht auch schon die etwas fortgeschrittenen. Was sollte jemand verstanden haben, wie man in die Aktfotografie einsteigt? Sollte man oder was würdest du sagen, wie also Workshop ist klar, gehen wir mal davon aus, jemand hat seinen ersten Workshop gemacht. Wie geht's dann weiter? Meistens sind die Leute dann so begeistert von den Bildern und dann posten die Bilder 20, 30, 40 Bilder von der gleichen Situation. Und ich denke, man muss auch kritisch sein mit seinen eigenen Bildern, vielleicht nicht so schnell überall schon öffentlich zeigen. Ich sage immer, wenn du ein gutes Bild gemacht hast, druck es mal aus, stell das dir irgendwo in deiner Wohnung hin. Wenn es dir nach ein paar Wochen noch gefällt, ist es gut. Wenn es dir nach ein paar Jahren noch gefällt, dann ist es sehr gut. Also, das reguliert sich auch, die Zeit hilft auch. Ja. Und dass man auch so ein bisschen ein kritisches Auge entwickelt, was ist wirklich Kunst? Und deshalb gefällt mir das Bild nur, weil ich mit dem Model so eine gute Zeit hatte oder ein tolles Shooting oder? Ja, genau. Aber wir leben in der Social-Media-Zeit in der sehr schnellen Zeit, in der Bilder sehr schnell gepostet und sehr schnell auch wieder vergessen werden. Gerade in der Aktfotografie ist es ja und wenn du von Kunst sprichst, du betonst ja den Begriff Kunst. Und ich sehe das ja auch so, dass die Aktfotografie nicht einfach nur ein schnelllebiges Medium ist, sondern es ist was, womit man sich beschäftigt, womit man arbeitet, wo man was entwickelt. Und im Grunde ist es ja die Basis für Kunst. Wie passt es zu Social Media, zu unserer schnelllebigen Welt? Gut, man muss sagen auf Social Media die Bilder, die werden ja kurz angeschaut. Die durchschnittliche Ansichtszeit, ich weiß nicht, eine Sekunde oder was also ja dauert sehr kurz eigentlich für die Betrachter, die das anschauen. Ich selber habe auch Social Media, ich zeige auch immer meine Bilder, aber es sind nicht immer meine neuesten. Also nach einem Shooting, ich habe so einen Ordner, Social Media, da schmeiße ich mal alle fertigen Bilder rein und wenn ich mal was posten will, gucke ich den Ordner durch. Was könnte ich? Manchmal zeige ich Bilder, die sind schon ein paar Jahre alt. Ist nicht wichtig für diesem Moment. Ja. Gibt's irgendwo Websites oder Social-Media-Gruppen, wie auch immer, in denen du dich rumtreibst, wo du dich austauscht oder wo man sagen kann, hier Leute, da schaut euch das mal an. Haben alle Vor und Nachteile. Ich tue mich ein bisschen schwer, weil ich merke, die haben Vor und Nachteile. Instagram bin ich drauf, Model-Kartei, fotocommunity und international bei DeviantArt bin ich noch vertreten. Merke ich aber, es haben alle Vor und Nachteile. Ich habe jetzt keine Social Media, wo ich sage, da musst du hin. Ja. Gerade, weil also die Model-Kartei und die fotocommunity die kenne ich natürlich auch. Ist vielleicht tatsächlich ein Tipp für unsere Zuschauer Zuhörer in diese beiden Foren mal reinzusehen, weil gerade die Model-Kartei, ich weiß nicht, ich war da schon seit ein paar Jahren nicht mehr richtig aktiv, früher ja sehr, aber findet man da nach wie vor Models, mit denen man arbeiten kann oder ist es schwieriger geworden. Schwierig. Also vor 18 Jahren, als ich angefangen habe ich wirklich viele Models gefunden, die auch wirklich mit jemandem zusammenarbeiten wollten, weil es um die Bilder ging. Heute wollen viele einfach Kohle machen, wenn ich ganz ehrlich bin. Und es geht weniger um die Kunst, sondern die bieten sich wirklich an, wollen auch Geld, manchmal nicht so knapp. Also, ich tue mich ein bisschen schwerer mit Model-Kartei hier wirklich noch Models zu finden. Also, wie findest du deine Models dann? Es spricht sich rum. Über Instagram habe ich auch schon Models gefunden oder dann Freunde von Models und ja. Ja, also wenn man sich einen Namen gemacht hat, dann wird's immer einfacher, oder? Es wird einfacher. Genau. Ja. Ja, das ist wahrscheinlich auch so ein Tipp, den man jetzt unseren Zuhörern und Zuschauern mitgeben kann. Bleibt dran. dranbleiben, sich weiterentwickeln, Erfahrungen sammeln und sich einen Namen machen und dann dürfte das auch kein großes Problem mehr werden, wenn man entsprechende Qualität liefert und dazu überzeugen kann, mit einem zu arbeiten oder? Genau. Ja, so ist es. Okay, dann würde ich sagen, sind wir für heute an einem Punkt, an dem Zuschauer und Zuhörer eine ganze Menge mitnehmen konnten. Es freut mich sehr, dass du da warst und uns so hast teilhaben lassen. Wir werden noch eine zweite Folge unseres Podcasts über das Thema Aktfotografie machen. Da wird's dann mehr um Bildsprache, Bildideen, eigenen Bildstil gehen. Und ich hoffe, ihr seid dann auch wieder dabei. Also, dir herzlichen Dank, dass du da warst. Danke dir. Okay, dann verabschieden wir uns und sehen uns beim nächsten Fotopraxis Podcast wieder, hoffe ich. Bis dann. Ciao.

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