Die Boss - Macht ist weiblich· Folge 145

Sandra Bradley: Die stärkste Frau Deutschlands

Mittwoch, 5. August 2026 · 54 min

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Shownotes

Sandra Bradley hat viele Titel gesammelt. Sie ist mehrfach stärkste Frau Deutschlands geworden, Europameisterin und Vizeweltmeisterin im Strongwomen-Sport. Bei dieser Disziplin hievt man zentnerschwere Steine, zieht Trucks, stemmt Baumstämme. Oder man verlädt Möbel in Blitzgeschwindigkeit, wie Bradley, die sich dadurch sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde sicherte.

Aber sich nicht allein über ihren Körper zu definieren, das musste die ehemalige Polizistin erst lernen. Als Jugendliche litt sie unter Magersucht, später machten ihr sportliche Niederlagen zu schaffen. Heute arbeitet sie als Kraftsport-Coachin, studiert Psychologie und sagt, dass es gerade für Frauen wichtig ist, Sport zu treiben. Sie weiß mit Vorurteilen gegenüber muskulösen Frauen umzugehen, warum es sinnvoll ist, ein Trainingstagebuch zu führen und gibt Tipps für ein gesundes, sportliches Leben.

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Website: sandrabradley.com/startseite
Instagram: instagram.com/sandrabradley
Youtube: youtube.com/channel/UCs0NFvDouTmgTdA1nl_wDZQ

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Als ich den Fullster-Kur-Stein gehoben habe. Das war für mich tatsächlich wirklich der, ich nenne es jetzt nicht Abschluss, aber der Moment, wo ich das Ziel eigentlich für mich erreicht habe, so stark zu werden, wie ich kann. Weil als ich am Anfang geträumt habe, so, oh, ich will vielleicht auch stärkste Frau der Welt werden oder ich will herausfinden, wie stark ich sein kann, war für mich der Moment, diesen Stein zu heben, genau der Moment.

Weil das habe ich für niemand anders sonst gemacht. Das war kein Wettkampf, aber das war eine Herausforderung, von der ich wusste, dass die so außerhalb und am Rande meiner Möglichkeiten liegt, dass ich nicht wusste, ob ich das überhaupt schaffen kann. Die Boss. Macht ist weiblich. Guten Tag, mein Name ist Simone Menne und ich bin die Gastgeberin vom Stern-Podcast Die Die Boss.

Heute spreche ich mit Sandra Bradley. Sie ist Strength Coach. Das kann man als Kraftsporttrainerin übersetzen. Und sie ist die stärkste Frau Deutschlands und war zumindest 2023 auch die stärkste Frau Europas. Wir klären gleich, ob sie das immer noch ist. Sie hält zahlreiche Rekorde im sogenannten Strong-Women-Sport.

Und ich freue mich sehr, dass Sie sich heute Zeit nehmen. Ich habe tatsächlich im Internet die Frage gestellt, bei ChatGPT, wer ist die stärkste Frau Deutschlands? Und dann kommt genau Ihr Name. Frau Breitlin, toll, dass Sie sich Zeit nehmen heute. Vielen Dank. Herzlichen Dank, dass ich da sein darf. Es freut mich sehr.

Was ist Strong Women? Also Strong Women oder Strong Woman ist ein Teil der Sportart Strong Man. Die Sportart kam so Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in den USA auf, weil man eben feststellen wollte, wer ist jetzt tatsächlich der stärkste Mann der Welt. Weil die Bodybuilder, die Kraft-Dreikämpfer, die Kugelstoßer, so alle Gewichtheber zum Beispiel auch, jeder meinte, unser Weltmeister ist der stärkste Mann der Welt.

Und dann hat man sich überlegt, wie können wir jetzt testen, wer wirklich der stärkste von allen ist. Und dann hat man eben diese einzelnen Komponenten all dieser Kraftsportarten genommen und sich überlegt, wie können wir das jetzt in außergewöhnlichen Disziplinen testen, um eben festzustellen, wer von allen jetzt tatsächlich der Stärkste ist.

Also da soll abgeprüft werden, die Maximalkraft, die Kraftausdauer, die Explosivkraft und das wird dann mit, Disziplinen getestet, die man vielleicht nicht unbedingt im Fitnessstudio eben testen kann oder halt trainieren kann, sondern um eben die Kraft in der echten Welt zu testen. Das kennt man vielleicht, dass man aus DSF und Eurosport gab es das mal eine Zeit, die Ausstrahlung von alten World Strongest Man.

So LKWs ziehen, Atlas-Betonsteine heben, Natursteine heben, Baumstämme stemmen, Kühlschränke tragen. Also da gab es ganz am Anfang noch sehr lustige Disziplinen, aber daraus hat sich jetzt über die Jahrzehnte eben eine feste Sportart entwickelt. Und feste Regeln auch. Genau, mit festen Regeln. Ganz klar, wie zum Beispiel auch aus dem Gewichtheben, die man kennt.

Dass wenn eben eine Disziplin dabei ist, wo man ein Gewicht über Kopf bringen muss, dann gibt es da klare Regeln. Dass das sauber ausgestoßen werden muss, es muss kontrolliert gehalten werden. Man hat einen Schiedsrichter, der einem dann auch Signale gibt, Absignale und dann gültige Wiederholungen feststellt und da gibt es klare Regeln.

Okay. Sind Sie immer noch die stärkste Frau Europas? Aktuell nicht amtierend, weil ich bin jetzt schon, ich sag mal so ein bisschen am Ende meiner Karriere, ich hab das jetzt fast 15 Jahre lang professionell betrieben und bin jetzt so ein bisschen von der aktiven Karriere schon zurückgetreten, das heißt die aktuell amtierende ist jetzt eine andere, aber ich bin insgesamt auch schon, hab ich schon mehrere Titel erreicht.

Sie haben eine Unmenge von Titeln erreicht, wenn ich das alles gelesen habe. Und Sie haben auch, und das kann Ihnen keiner nehmen, Sie waren die erste Frau, die zwei Steine in Island angehoben hat. Und zwar den Fulsterkurs, das muss ich mal ablesen, mit 154 Kilo und den Hüsterfeldstein mit 180 Kilo. Wie kam es dazu? Richtig, genau. Und zwar gibt es, das nennt man so, es sind so Kraftsteine.

Es gibt in der gesamten Welt, in sehr, sehr vielen Kulturen gibt es eben diese historischen Kraftsteine, die schon über Jahrhunderte und teilweise sogar auch Jahrtausende genutzt wurden, um eben Kraft zu testen, aus verschiedenlichen Gründen. Und diese zwei Steine in Island, zum Beispiel eben dieser Fullsterrekur-Stein, befindet sich an einem Ort, der heißt Drittwig. Das ist an einem alten Fischerhafen gelegen.

Und dort gab es vier verschiedene Steine in aufsteigendem Gewicht mit dem stärksten, dem Fullsterrekur, also voll stark auf Deutsch übersetzt, bei denen man die Steine eben heben musste, um sich für einen Platz in einer Fischereicrew zu bewerben. Das heißt, du musstest erst mal zeigen, ob du wirklich stark genug bist, auch wirklich auf diesem Fischerboot zu arbeiten.

Und dann war das so ein bisschen auch das Bewerbungsgespräch. Also du musstest dann diese Steine heben und je nachdem, welchen Stein du gehoben hast, wurde deine Position in der Fischer Crew bestimmt und tatsächlich auch dein Gehalt. Das heißt, wenn du eben diesen vollstarken Stein gehoben hast, warst du ein vollwertiges Mitglied und hast auch vollwertige Bezahlung bekommen.

Wahnsinn, Wahnsinn. Und da hat jemand Sie eingeladen und hat gesagt, probier es doch mal? Nee, das habe ich auf eigene Faust gemacht, weil gerade auch viele dieser historischen Steine, die sind noch nicht in Museen. Ich denke mal, dass es vielleicht irgendwann auch darauf hinauslaufen wird, dass manche, um diese auch zu schützen, dann in ein Museum gepackt werden.

Es gibt zum Beispiel einen der ältesten dokumentierten Steine im alten Griechenland, Babylon. Der ist natürlich jetzt in einem Museum, da ist eingraviert, eben auch der Name des Lifters und wie er den gehoben hat, haben die eingemeißelt damals. Und der befindet sich eben zum Beispiel in einem Museum, aber die in Island noch nicht. Und diese Steinserie ist über 400 Jahre alt und da kann man einfach hingehen und sich daran testen.

Neben Ihren ganzen Titeln sind Sie auch Guinness-Weltrekordhalterin. Wofür haben Sie diesen Rekord bekommen? Ja, das ist ein sehr lustiger Rekord, denn der Guinness-Weltrekord, den ich habe, neben anderen Weltrekorden, den ich in meiner Sportart halte, ist der Weltrekord bei Guinness. Ein Rekord mit einer Freundin, die ich zusammen gemacht habe, also ein Teamrekord.

Und wir haben in einem Team von zwei eine Tonne Möbel innerhalb von drei Minuten über eine Strecke von fünf Metern getragen und in einen Sattelauflieger in so einen LKW eingeladen auf der Höhe von 1,20 Meter. Also das ist ein bisschen ein langer Name von einem Rekord. Aber wir haben quasi in drei Minuten eine Tonne Möbel bewegt, über fünf Meter getragen und in einen LKW geladen. Das ist der Kindesfeld-Rekord.

Und wie sind Sie darauf gekommen? Den gab es schon und Sie haben es dann schneller gemacht? Genau, richtig. Da wurden wir angefragt. Wir suchen ja auch immer. Das war bei einer italienischen Fernsehshow, Los Show Day Rekord. Jedes Jahr werden dann natürlich auch wieder versucht, alte Rekorde gebrochen zu werden oder es werden neue Rekorde aufgestellt.

Und da wurden wir eben eingeladen, den Rekord bei der Show zu brechen. Nach diesem Guinness-Weltrekord, müssen Sie bei all Ihren Freunden bei den Umzügen helfen? Musste ich davor schon immer. Zum Glück bin ich jetzt alt genug, dass die meisten meiner Freunde sich jetzt Umzugsunternehmen leisten können.

Aber wenn jetzt jemand fragt, dann schicke ich dieses Video als Bewerbungsvideo, weil natürlich kann man sich vorstellen, wenn ich innerhalb von drei Minuten eine Tonne Möbel schleppe, dann ist das nicht so sorgsam, sondern da werden die Sachen reingeworfen in den Hänger. Und lustigerweise sagen wir immer, wir schicken einfach nur das Bewerbungsvideo und wenn die Leute sagen, okay, so darf ich ihre Möbel verladen, dann kommen wir.

Irre, irre. Wie sind Sie zu diesem Sport gekommen? Ich sag mal, durch ein bisschen, durch ein paar Umwege. Ich habe als Teenager das schon immer gespannt im Fernsehen verfolgt auf Eurosport und DSF und habe dort immer die Männer gesehen. Halt eben, wow, die heben diese Steine und ziehen diese LKWs und fand das super faszinierend und ich wollte eigentlich auch immer stark sein und hatte auch Vorbilder wie dann Obelix und Bud Spencer, und fand das sehr inspirierend und hab mir halt gedacht, so wie cool wäre das, wenn ich das als Frau das auch könnte, und über viele Jahre später dann erst, bin ich über andere Sportarten dann über den Crossfit-Sport, zum Strongman-Sport gekommen, weil eben auch im Crossfit-Sport ist natürlich

auch der Kraftteil ein sehr starker Teil Und ich habe, als ich einen Trainerschein gemacht habe, die damals stärkste Frau Deutschlands kennengelernt, die zufällig auch bei diesem Trainerschein war. Und die hat in diesem Jahr den ersten Anfängerwettkampf in Deutschland veranstaltet, bei dem ich mich dann direkt angemeldet habe. Und der Rest war dann mehr oder weniger Geschichte. Das war 2013 damals.

Braucht man ein bestimmtes Talent? Oder kann das jeder machen? Also einfach mal für Sie, aber auch für alle, die zuhören. Ich mache auch Gewichtheben. Ich mache beim Kreuzheben 72 Kilo. Sie machen 250 Kilo. Das ist Wahnsinn. Wie gesagt, bei mir fallen die 72 Kilo schon schwer. Braucht man ein bestimmtes Talent oder ist das ganz viel Trainingssache?

Das ist ganz, ganz viel Training. Ich sage immer, ich vergleiche den Kraftsport so ein bisschen wie mit einem Marathon. Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon. Das dauert wirklich sehr, sehr lange, bis man die notwendige Fähigkeit und Skills aufgebaut hat. Weil es ja nicht nur die Kraft, die man aufbauen muss und die Muskulatur, sondern auch die Bewegungsabläufe, die Technik, die man lernen muss, um eben sich sicher auch an diese Gewichte hinzuarbeiten.

Ich habe natürlich auch bei weitem nicht bei diesen Gewichten angefangen. Und es ist wirklich einfach viel Arbeit über einen sehr langen Zeitraum. Und das ist wirklich für jeden machbar. Und ich finde Kraftsport muss nicht da immer direkt auch in diesem Leistungscharakter gesehen werden, sondern Kraftsport ist wirklich richtig und wichtig für jede Person, vor allen Dingen auch für uns Frauen im Alter.

Osteoporose-Gefahr wird durch Kraftsport sehr stark verhindert und wenn man das wirklich auf seinen Körper hört und mit Sinn und Verstand macht, dann kann man das sehr lange und sehr sicher machen und kann sich da auch sehr weit nach vorne arbeiten. Also das ist wirklich einfach konstant dranbleiben, Freude dran haben und vor allen Dingen eben auch auf die Technik und den Bewegungsablauf achten und dann kann man da sehr lange sehr weit kommen.

Also das finde ich super wichtig, was Sie da gerade gesagt haben und deswegen mache ich auch diesen Sport. Krafttraining und Muskelaufbau wirkt auf den gesamten Organismus und wirkt auf die Knochen und es haben aber viele Frauen Angst davor, dann Muskeln zu bekommen. Also das habe ich jedenfalls manchmal den Eindruck. Und wie Sie richtig sagen, das muss ja nicht zwangsläufig Hochleistungssport werden wie bei Ihnen und tut dann trotzdem gut.

Richtig, genau. Und ich sage auch immer, Frauen, die so ein bisschen Angst davor haben, dass sie gleich zu viel Muskelmasse aufbauen, das wird definitiv nicht der Fall sein. Also wir müssen wirklich richtig, richtig hart dafür arbeiten, diese Muskelmasse aufzubauen. Und das wäre schön, wenn das so schnell gehen würde, weil dann würde man auch nicht so lange brauchen. Aber das ist wirklich, da muss man sehr viel reinstecken, dass es tatsächlich auch dann aussieht. Das kann ich bestätigen, weil ich sehe.

Partout nicht sehr muskulös aus. Sie sind ja auch Coach. Genau. Und das bringen Sie Menschen dann auch bei, wie man die Muskeln aufbaut, wie man die Disziplin auch aufbringt. Denn Sie brauchen ja auch sehr viel Disziplin für Training und Ernährung. Richtig, genau. Aber da achte ich natürlich auch vor allen Dingen drauf, dass das eben mit dem Alltag vereinbar ist.

Weil es sollte immer im Vordergrund stehen, die Ziele und für was und warum auch die Person denn trainieren möchte. Weil nicht jeder hat die gleichen Ziele. Nicht jeder hat denselben Punkt, an den er kommen möchte und das muss vereinbar sein mit dem alltäglichen Leben, weil es scheitert nicht oft an der Motivation, dass man sagt, ich habe jetzt heute keine Lust, ich habe auch oft keine Lust.

Das soll einen Mehrwert bieten, das soll meinem Körper oder auch meinem Geist soll das fördern und da setzt es eben sehr stark voraus, dass es eben vereinbar ist auch mit dem Rest des Lebens. Das heißt, das Training sieht bei mir von meinen Kunden komplett unterschiedlich aus, weil jeder hat einen unterschiedlichen Ansatz, jeder hat eine unterschiedliche Kapazität, jemand ist vielleicht noch Student und hat viel mehr Zeit, jemand anders ist noch Single Mom mit drei Kindern.

Da sieht natürlich dann der Trainingsansatz und der Umfang von Athlet zu Athlet komplett unterschiedlich aus. Okay. Und bei Ihnen sind auch ganz normale Menschen. Genau, richtig. Komplett durch die Bank gemischt. Ich habe Menschen, die einfach nur für ihre eigene Fitness trainieren möchten oder eben aus dem Grund, sie möchten eben auch im Alter stark bleiben und auch noch autark bleiben. Das ist ja so das Wichtigste, dass man eben auch, je älter man wird, auch noch schafft, einfach selbstständig zu bleiben.

Und bis hin zu Leistungsathletinnen ist alles dabei. Okay, okay. Und also Sie haben sich dann ja tatsächlich entwickelt zu einer Unternehmerin jetzt. Also und Sie haben auch gesagt, die Karriere geht jetzt dem Ende zu. Das heißt, Sie bauen sich da jetzt auch ein neues Standbein auf sozusagen. Genau, richtig. Also ich bin jetzt auch, man könnte auch sagen, sehr, sehr frisch noch selbstständig. Ich habe mich erst 2020 selbstständig gemacht. Ich war davor bei der Polizei, zuletzt auch Ausbilderin bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei hier in Nürnberg und habe mich dann eben 2020 selbstständig gemacht mit meinem Business.

Und bin jetzt dabei, das eben halt noch weiter auszubauen, studiere jetzt auch noch nebenbei und schaue so, dass ich jetzt eben das nächste Kapitel angehe nach meiner Leistungssportkarriere. Ja, und was studieren Sie? Ich fange jetzt an mit Psychologie. Ich fange gerade an Bachelor für Sportpsychologie und auch den Heilpraktiker für Psychotherapie und schaue mir auch noch andere Fortbildungen nebenher noch an. Und das funktioniert ganz gut, das auch mit der Selbstständigkeit eben zu vereinbaren.

Das wäre vorher mit der Festanstellung auch gar nicht gegangen. Und bei der Polizei haben Sie auch Coaching gemacht oder sind Sie auch richtig Streife gelaufen? Ich bin auch ganz normal Streife gefahren, ich war lange auch bei der Bereitschaftspolizei und zuletzt eben als Ausbilderin tätig bei der Bereitschaftspolizei die letzten sieben Jahre.

Dort waren meine Tätigkeiten unter anderem Waffenschießausbilderin, Trainerin beim polizeilichen Einsatztraining, habe bei der Sport- oder Selbstverteidigungstraining unterstützt und war auch Fahrtrainerin, unter anderem auch Englischprüferin, also da hatte ich viele, viele Aufgaben. Aber das war sehr, sehr aufgabenreich und hat sehr viel Spaß gemacht, sehr viel Freude bereitet, eben junge Menschen auszubilden und denen auf ihrem weiteren Weg zu helfen.

Okay, sehr vielseitig vor allen Dingen auch, ne? Sehr vielseitig, ja. Haben Leute Angst vor Ihnen? Ja. Das ist eine gute Frage, weil wenn sie das haben, dann bekomme ich das selber nicht mit, weil natürlich das mir gegenüber nicht so geäußert wird. Also ich denke schon, dass auch gerade im Sommer merkt man es dann schon, wenn man eben einfach eine größere Erscheinung hat und einfach anders aussieht, als wie es jetzt so der Standard ist in der gesellschaftlichen Norm, dann fällt man schon auf.

Und ich glaube schon, dass manchmal die Leute ein bisschen Berührungsängste haben, aber wenn man dann ins Gespräch kommt, dann stellen die Leute fest auch, das Aussehen hat überhaupt nichts mit dem Charakter zu tun. Also nur weil ich jetzt eine große muskulöse Erscheinung habe, heißt das nicht, dass man jetzt Angst vor mir haben muss. Aber man sieht es Ihnen schon an.

Also wir beide sehen uns, aber Sie sehen für mich völlig normal aus. Aber das heißt, wenn Sie im Sommer mit dem T-Shirt rumlaufen, sieht man Ihnen schon an, dass Sie die stärkste Frau Deutschlands sind. Ja, oder nicht amtierend, sondern amtierend ist jetzt gerade natürlich jemand anderes. Aber ich finde den Titel viermal schon.

Dass Sie schon ziemlich stark sind, wenn Sie auch gerade sind. Das sieht man schon, ja, aber dadurch, ich bin auch nicht riesengroß. Also die meisten denken auch, ich bin viel größer, als ich eigentlich bin. Ich bin nur 1,69 Meter, aber auf die Größe 1,69 Meter bringe ich schon auch viel Muskelmasse mit.

Aber das macht natürlich nochmal eine andere Erscheinung, wie wenn ich jetzt 1,80 Meter groß wäre. Ja, ja, okay. Wird man da in Schubladen gesteckt? Ja. Ich denke, das passiert schnell, oder? Dass dann gesagt wird, okay, was weiß ich, die ist verrückt oder sie ist sehr, sehr stark, aber was, vielleicht auch dumm.

Also diese typischen Stereotypen, die Menschen dann auch haben, denke ich. Ja, doch, leider schon. Also gerade, und das finde ich einen sehr traurigen Stereotypen eigentlich, dass Kraftsportler allgemein dumm sind, weil der Gegenteil ist meistens der Fall. Vor allen Dingen bei Leistungssportlern. Du musst da schon sehr viel Grips auch mitbringen, weil wenn du so weit kommen willst, dann gehört es mehr dazu. Es ist einfach nur Gewichte zu pumpen.

Da gehört sehr viel Technik dahinter, sehr viel Analyse, Selbstwahrnehmung. Also das ist wirklich, wirklich sehr komplex, auch in einem Kraftsport weit zu kommen und dass es weit von der Wahrheit entfernt, dass Kraftsportler wenig Intelligenz haben. Meistens ist eben das Gegenteil der Fall. Und andere Vorurteile sind auch dann eben...

Ja, ich habe die Hosen an zu Hause oder mein Mann müsste sich in Acht nehmen von mir und ich würde doch dann eher Gefahr laufen, dass ich ihn schlage. Nur weil ich Muskeln habe oder stark bin, heißt das ja nicht, dass ich deswegen aggressiv bin. Also es sind auch so Vorurteile, die komplett an der Realität vorbei sind.

Wie schaffen Sie es, Menschen zu zeigen, so bin ich nicht, aber auch so sind wir nicht? Indem sie reden oder zum Beispiel jetzt diesen Podcast? Genau, richtig. Indem ich einfach in die Konversation mit den Menschen trete und die dann auch relativ schnell feststellen, wenn sie mit mir eine Unterhaltung führen, dass dem dann auch nicht der Fall ist. Dass sie auch sehen, das ist eine ganz normale Person.

Ich bin total nett und zugänglich und freundlich und da ist keinerlei Aggressivität. Natürlich kann ich mich auch verteidigen, wenn ich muss. Das ist einer der Vorteile auch des Starkseins, ist, dass ich, auch durch meine vergangenen Geschichte in der Polizei, mich nicht in eine Opferrolle reindrücken lasse, aber das ist nicht gleichbedeutend mit dem, dass man automatisch aggressiv ist.

Nur weil ich die Fähigkeit habe, theoretisch anderen Menschen wehzutun, heißt das nicht, dass ich das automatisch tue. Ich würde sogar sagen, es ist ja wahrscheinlich eher das Gegenteil. Also man kann ja durch den Sport tatsächlich Kraft gewinnen, aber gleichzeitig auch Emotionen abbauen. Also mir tut es immer super gut.

Genau, richtig. Das sehe ich auch genauso. Man kann dort gut Emotionen abbauen, die sich aufgestaut haben. Und für mich bedeutet auch stark sein viel mehr als nur das physikalische stark sein. Weil das bedeutet auch, dass ich einfach emotional und mental auch genau die gleiche Stärke aufbaue. Weil mit, ich sage jetzt mal, großer Kraft oder Macht kommt viel Verantwortung.

Und ich muss dementsprechend genauso lernen, gut und sinnvoll damit umgehen zu können und das richtig und sinnvoll einzusetzen. Ja, und was machen Sie dazu, also für Ihre mentale Kraft? Viel Selbstreflexion, Meditation, ständig in Konversation mit mir selbst stehen, zum Beispiel dann auch im Training mein Tagebuch, eines der praktischen Beispiele jetzt, ein Trainingstagebuch führen, in dem ich nicht nur niederschreibe, was ich an Gewichten bewegt habe, sondern auch alles in Kontext packe.

Wie habe ich mich an dem Tag gefühlt? Wie konzentriert war ich dabei? Wie waren meine Emotionen an dem Tag? Wie konnte ich die regulieren vielleicht? Also immer wieder eben selbst reflektieren. Wie präsent kann ich in einem Moment bleiben? Bin ich gerade vielleicht abgelenkt von irgendwelchen anderen Gedanken, die mich hier rausbringen?

Und das sind so tägliche Sachen, die ich auf jeden Fall mache. Eben Tagebuch führen, Meditation, mal in Stille sitzen, wirklich mit meinen Gedanken und einfach alles nochmal durchdenken, wo stehe ich gerade und wie präsent kann ich gerade in dem Moment sein und was lenkt mich vielleicht ab? Das ist ein guter Tipp. Also, dass man da wirklich sagt, was bringt mich zu guten Leistungen. Das heißt, an dem Tag war ich super gut. Warum eigentlich?

Oder aber auch, an dem Tag hat nichts funktioniert. Warum eigentlich? Also, ich mache auch Klimmzüge. Ich versuche, Klimmzüge zu machen. Und häufig, also es gibt Tage, wo da geht es null. Und dann fragt man sich, warum heute eigentlich nicht? Und wenn man dann weiß, okay, vielleicht hast du in der Woche zu viel gemacht oder vielleicht bist du zu viel unterwegs gewesen oder aber auch.

Gestern hast du vielleicht zu viel Wein getrunken. Das kann man dann reflektieren und daraus kann man lernen, richtig? Richtig, genau, weil wenn man das nicht tut, dann steht sehr schnell die Leistung im Vordergrund. Gerade in unserer leistungsbezogenen Gesellschaft sieht man dann einfach nur diesen Leistungsaspekt und denkt sich, jetzt habe ich heute schon wieder nicht das gebracht, was ich eigentlich bringen konnte, ohne den Kontext drumherum zu betrachten. Weil wir leben in ständigem Wandel und in ständigem Wechsel.

Wir haben Phasen im Leben, gerade dann auch, wir Frauen als Zyklus oder wenn es dann eben in die Perimenopause kommt oder Menopause. Man kann sich auch nicht mit sich selbst auch von der letzten Woche vergleichen, sondern man muss immer die Momentaufnahme sehen und kann dann eben sehen, okay, kann ich jetzt an Daten sammeln, die mir dann eben helfen, auch bei zukünftigen Trainingseinheiten festzustellen, woran es jetzt vielleicht gelegen hat, dass ich jetzt gerade nicht so viel Energie hatte.

Wann ist es daran gelegen, dass ich jetzt mehr Energie hatte? Und danach kann man auch so seinen eigenen Trainingszyklus so ein bisschen besser gestalten. Das hilft sehr gut dann auch, finde ich persönlich, dann auch bei den Klienten so die Motivation dann ein bisschen zu fördern. Weil wenn man sich von den Leistungen, die man in jedem einzelnen Training so ein bisschen distanziert und ein bisschen rauszoomt und nicht so nur fokussiert auf einen Punkt war oder eine Bewegung im Training oder ein Gewicht und dann einfach den Kontext betrachtet über auch einen längeren Zeitraum, dann sieht man viel schneller, wie viele Fortschritte man gemacht hat und dass es genauso dazugehört, einfach schlechte oder suboptimale Tage zu haben,

wie es dazugehört, dann gute Tage zu haben. Weil das ist schön. Ja, das ist wirklich sehr, sehr hilfreich. Ich glaube, da können auch viele Zuhörerinnen und Zuhörer was mitnehmen. Weil das gilt ja nicht nur für das Thema Sport, sondern auch fürs gesamte Leben. Dass man dann sagt, okay, warum bin ich heute so drauf, wie ich drauf bin?

Und wie kann ich damit umgehen? Und eben zu akzeptieren, es gibt schlechte Tage. Das ist, denke ich, auch nochmal ganz wichtig. Was machen Sie ernährungsmäßig? Also ich habe festgestellt... Ich dachte eigentlich, ich ernähre mich ganz gut. Und dann hat mein Trainer gesagt, wie viele Proteine nimmst du eigentlich zu dir?

Und das Toastbrot mit Marmelade morgens sozusagen null Nährwert hat, habe ich dann auch ziemlich schnell begriffen. Wie sieht da Ihr Ernährungsplan aus und welche Tipps hätten Sie da? Also mein Ernährungsplan ist sehr ausgewogen. Ich versuche immer frisch zu kochen, viel Gemüse drin zu haben. Auch da sage ich auch immer, isst den Regenbogen.

Also man sollte immer irgendwo über den Tag verteilt so ein bisschen viele Farben essen, viel Gemüse auch mit drin haben, frische Sachen. Aber ich achte sehr stark eben auf die Verteilung der Makronährstoffe. Das heißt Proteine, Kohlenhydrate und Fette müssen im ausgewogenen Verhältnis stehen. Und vor allen Dingen die Proteine sind hier natürlich auch sehr wichtig.

Die Proteine sind aber auch für jede Person wichtig. Nicht nur für eben Kraftsportler. Sondern eben auch für die meisten Otto-Normalverbraucher essen auch viel zu wenig Protein. Also wäre es erstmal wichtig, da so ein bisschen mehr auf den Proteinhaushalt zu achten. Und da wäre es auch ganz gut, es gibt jetzt super viele Apps und auch KI kann da hier unterstützen, die einem helfen kann, das zu tracken.

Das heißt, aufzuzeichnen, was ich am Tag esse. Ich würde auch am Anfang erstmal den Ist-Zustand feststellen. Noch nicht gleich versuchen, alles umzuschmeißen, sondern erstmal gucken, was ist überhaupt der Ist-Zustand. Und mal zwei Wochen mal so ein bisschen so ein Ernährungstagebuch führen und gucken, was esse ich überhaupt.

Und was sind überhaupt diese Makronährstoffe, wie viel nehme ich zu mir. Und danach kann man dann adjustieren und dann eben sagen, oh, ich esse hier eben viel zu wenig Protein, da müsste ich ein bisschen nachholen, habe ich ein bisschen Nachholbedarf und dann eben gucken, wo kann ich in meinen Mahlzeiten am Tag ein bisschen mehr Eiweiß mit einbauen.

Und da würde ich erstmal anfangen, erstmal so einen Ist-Zustand feststellen, gucken, wo habe ich vielleicht ein Defizit, wo habe ich vielleicht ein bisschen zu viel. Und dann erstmal die Makronährstoffe anpassen, dass eben das Verhältnis von Protein, Kohlenhydraten und Fetten gut passt und dann guckt man auf die Mikronährstoffe, Weil das ist natürlich auch wichtig, dass ich meine Vitamine und meine Mineralien drin habe.

Das wäre dann der nächste Schritt. Und das ist so die grobe Umfassung eben von meiner Ernährung. Ich gucke eben auf die Makronährstoffe, dass da alles passt und dann in zweiter Instanz dann eben die Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralien. Okay. Es ist ja bekannt, deswegen kann ich das auch ansprechen, Sie waren mal magersüchtig. Richtig, genau.

Hat sich der Sport, war das eine Hilfe oder hing das gar nicht unmittelbar zusammen? Doch, das war definitiv eine Hilfe, weil der Kraftschwurz mir geholfen hat, wieder mehr Verbindungen mit meinem Körper zu finden und wirklich mit mir zu arbeiten. Weil wenn du nicht mit deinem Körper arbeitest und den als Freund betrachtest, dann wirst du da nicht weit kommen. Weil dann bist du da die ganze Zeit in einem Kampf gegen dich selbst.

Und das wird dich nur in ein Burnout treiben, als dass es dir hilft. Also der Kraftsport hat mir wirklich sehr viel geholfen, wieder mehr Selbstakzeptanz und Selbstvertrauen und dann Selbstbewusstsein zu finden. Und natürlich auch eben diese Komponente, dass ich mich auch dementsprechend ja auch ernähren muss, um dann auch dementsprechend Leistung bringen zu können.

Weil auf leerem Tank fährt kein Auto. Und da habe ich dann auch relativ schnell festgestellt, okay, ich muss auch die dementsprechenden Nährstoffe meinem Körper geben, dass ich auch Leistung bringe. Und das insgesamt über eine sehr, sehr lange Zeit hat mir eben geholfen, auch aus der Essstörung rauszukommen.

Und war das Ihnen dann empfohlen worden? Oder kam es, dass Sie selber gesagt haben, okay, wie komme ich aus dieser Falle raus? Weil wir hatten auch mal einen Podcast zum Thema Magersucht. Ist ja die höchste Todesursache momentan für junge Mädchen. Ja, also das hat mir niemand angeraten. Das war von mir so intrinsisch schon immer so ein bisschen drin, dass ich einfach eigentlich immer das Gefühl hatte, ich möchte gerne wissen, wie stark ich sein kann.

So, weil auch immer so uns Mädchen erzählt wird, so ja, und Jungs sind stark und wir können nicht stark sein. Und ich so, nee, aber ich will trotzdem stark sein. Ich habe da Lust drauf. Und hatte das dann so ein bisschen verloren, aus den Augen verloren in meiner Teenager-Zeit natürlich, dass ich dann versucht habe, so dünn zu sein wie möglich.

Und habe dann eben den Kraftsport gefunden, vor allen Dingen auch, als ich dann angefangen habe, mich für den Einstellungstest für die Polizei vorzubereiten, bei dem auch eben der Kraftteil ein Teil des Einstellungstests ist. Und als ich dann eben angefangen habe, mich darauf vorzubereiten, habe ich eben auch gemerkt, wenn ich da jetzt halt mehr Leistung bringen will, muss ich mehr essen.

Und dann hat mir das viel mehr Freude bereitet, auf einmal Energie zu haben im Training und zu merken so, oh wow, cool, wenn ich Energie habe, dann kann ich tatsächlich auch mehr machen. Und ich habe viel mehr Freude daran an der Tätigkeit, die ich habe. Und so hat sich das dann eben halt dann peu a peu weiterentwickelt, bis ich dann halt das eben dann geschafft habe, insgesamt dann da wirklich auch rauszukommen.

Okay. Und Polizei war ein Wunschberuf? Auch unter anderem. Ich hätte auch gerne studiert, Psychologie oder Tiermedizin oder Medizin. Dazu war aber leider damals mein NC zu schlecht. Und Polizei war auch einer, meiner Wahltraumberufe, weil ich auch schon mal einen sehr starken Gerechtigkeitssinn hatte.

Und bei der Polizei ist es dann geblieben. Und jetzt über Umwege komme ich dann doch noch zum Studium. Aber ja, das war mein Weg dann damals, den ich dann eingeschlagen wurde, ja. Ja, aber spannend. Wir haben hier ja diesen Podcast auch, um, Menschen Rollenvorbilder zu geben, weibliche Rollenvorbilder und zu sagen, okay, also ich komme an mein Ziel, vielleicht auch dann über Umwege und vielleicht sogar dadurch auf eine bessere Art und Weise.

Denn ich habe festgestellt, als ich nach dem Abitur hätte studieren sollen, das wäre gar nicht gut gegangen, weil das einfach nochmal wieder Theorie und Lernen, da war ich noch gar nicht bereit dazu. Und als ich dann später studiert habe, habe ich viel mehr gewusst, warum. Und dann hat es mir wiederum viel mehr Spaß gemacht. Und ich vermute, das wird Ihnen jetzt bei Ihrem Studium auch so gehen.

Ja, definitiv. Und ich bin da überhaupt nicht böse drum, dass das so gelaufen ist. Ich bin da sehr dankbar dafür, weil ich sehr, sehr viel über mich selbst gelernt habe und mitgenommen habe, eben durch meine Zeit bei der Polizei und auch durch die Zeit, die ich jetzt dann hatte im Leistungssport. Die haben mich, beide dieser Reisen haben mich zu den Menschen geformt, der ich jetzt bin. Und das möchte ich auf jeden Fall nicht missen, weil das war genau der Weg, der richtig für mich war in dem Moment.

Ja, sie haben ja dadurch, dass sie Leistungssport gemacht haben, viel gesiegt, aber ja sicher auch mal verloren. Wie gehen sie mit diesen beiden Situationen um? Zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlich. Man ist ja nicht immer schon direkt sehr erwachsen in seinem Fortschritt. Und ich bin natürlich in der Vergangenheit mit Rückschlägen auch anders umgegangen, als wie ich jetzt damit umgehe.

Und einer meiner definierendsten Momente in einem Rückschlag, würde ich sagen, war im Jahr 2019, so kurz vor der Pandemie. Ich war ständig auf Wettkämpfen, hatte mir dann wenig Zeit genommen, auch wirklich mir ruhephasen zu können. Nicht nur eben physikalische Ruhephasen, sondern auch mentale Ruhephasen.

Hatte so ein bisschen, um das ganz kurz zu fassen, von dem ersten Tag, wo ich angefangen habe, Strongman zu machen oder Strongwoman zu werden. Hatte ich so einen offenen Horizont. Ich wollte einfach wissen, wow, das ist so cool, das macht so viel Spaß. Ich will wissen, wie stark ich sein kann und war so explorativ.

Was dann durch immer mehr Erfolge und Siege und Titel dazu geführt hat, Dass mehr Druck von außen dazukam. Was dann nicht mehr intrinsisch war, die Zielverfolgung, sondern definitiv so ein bisschen dazu geendet, dass es sehr extrinsisch war. Dass ich gedacht habe, ich muss jetzt den Leuten auch zeigen, dass das nicht nur so ein Flug ist, dass ich nicht nur so ein One-Hit-Wonder bin und ich will zeigen, dass ich das auch beibehalten kann.

Und da kam natürlich mehr Druck und mehr Druck und mehr Druck. Und 2019 bei der Weltmeisterschaft bin ich Zweite geworden mit einem halben Punkt Abstand zur ersten. Und das hat nur an einer einzigen Wiederholung gescheitert. Und ich bin von der Wettkampffläche runter und ich habe mich so fertig gemacht selbst.

Du bist immer noch nicht genug und da wieder und es wieder nicht geschafft und du schaffst es einfach nicht, du kriegst es nicht hin und habe in dem Moment realisiert, oh mein Gott, das ist nicht gesund, das kann ja nicht sein. Ich bin hier jetzt zum dritten Mal auf dem Podium bei World Strongest Woman, also ich war zweimal Dritte und einmal Zweite, also Vize-Weltmeisterin.

Auch einmal Amateur-Weltmeisterin und habe hier wieder in Anführungsstrichen diesen Titel Stärkste Frau der Welt verfehlt und dachte so, du bist wieder nichts wert und habe gleichzeitig realisiert, das kann nicht sein. Es gibt so viele Frauen, die würden sich wünschen, überhaupt an den Punkt zu kommen. Vor allen Dingen habe ich auch damals niemals gedacht, dass ich da hinkomme, nie.

Also das hat weitaus alle meine Erwartungen übertroffen und habe dann eben festgestellt, so geht es nicht weiter. Das muss ich aufarbeiten und bin dann eben, 2019 habe ich mich dann dazu entschieden, ein bisschen langsamer zu treten mit Wettkämpfen, mir das auch genauer auszusuchen, warum ich auch Wettkämpfe mache, für welchen Sinn und Zweck ich das mache und so ein bisschen meine Perspektive zu ändern, um wieder zurückzukommen zu dem Punkt, warum mache ich das eigentlich?

Ich mache das immer noch aus Freude. Es soll mir einen Mehrwert bieten. Ich möchte als Person menschlich, körperlich und mental daran wachsen. Und es darf nicht dazu führen, dass es mich schlechter macht. Und bin dann eben nochmal so in mich gegangen und habe dann eben nochmal die ganzen letzten Jahre so durchgearbeitet.

Wo kommen diese Probleme her? Warum hatte ich immer noch das Gefühl, dass ich da nicht genug bin und sehe jetzt Rückschläge? Nicht mehr so krass als Angriff auf meine Identität, weil das war damals so ein bisschen das Problem, dass die Identität eben stark zu sein, zu sehr verschmolzen ist mit meiner Person selbst.

Und da habe ich im letzten Jahr auch aufgeräumt und jetzt sehe ich Rückschläge als Daten, die ich sammle. Weil ein Rückschlag bedeutet nicht, dass ich als Person weniger wert bin, ganz und gar nicht. Sondern es gibt mir einfach nur Daten, was jetzt gerade gut gelaufen ist und was schlecht gelaufen ist.

Und es hat keine Verbindung mehr mit meiner Person selbst. Also ich bin unabhängig von den Titeln, die ich habe, weil das bin nicht nur ich. Ich bin so viele Dinge mehr als nur der Titelstärkste Frau Deutschlands oder der Titelstärkste Frau der Welt. Und als ich das geschafft habe, das wirklich zu separieren, habe ich auch dann angefangen, eben Rückschläge wieder anders sehen zu können.

Und das ist ja auch wichtig, weil man irgendwann ja die Karriere sowieso beenden muss und dann was anderes braucht und sagen muss, okay, was macht mich aus, wenn es den Sport in der Form so nicht mehr gibt als das Wichtigste, als den Beruf. Ich muss mich umorientieren und diese Sachen, die ich da gelernt habe, die helfen mir dann auch in jeder anderen Lebensphase.

Richtig, genau. Und das kannst du auf alles andere übertragen. Und deswegen finde ich, dass Kraftsport im Allgemeinen und im größeren Sinne oder überhaupt auch so Leistungssport in gewisser Art und Weise, egal in welchem Sport, ein sehr gutes Werkzeug sein kann, eben sehr viel über sich selbst herauszufinden, wie man eben mit Hürden, Rückschlägen und Erfolgen umgeht, die du dann auf den Rest deines Lebens transferieren kannst.

Und was war der tollste Moment? Wir haben jetzt von dem deprimierenden Moment gesprochen. Mein tollster Moment, da würde ich vielleicht, da gibt es sehr viele Momente, aber ich würde mal die zwei definierendsten Momente nehmen. Das wären zwei und das war das erste Mal, als ich die Amateur-Weltmeisterschaft gewonnen habe, 2018.

Das war ein sehr toller Moment, weil die Vorbereitung dahin überhaupt nicht gut lief. Und mein Verlobter, der hatte einen schweren Unfall damals, wir mussten uns da sehr stark um ihn kümmern, weil er jeden Tag zum Arzt musste, er musste mehrfach operiert werden und das war eine sehr harte Vorbereitung, weil ich eigentlich nicht wirklich die Zeit hatte, mich auf eine Weltmeisterschaft vorzubereiten wegen allen anderen Problemen, was mich dazu gezwungen hat, wirklich bei mir zu bleiben.

Ich konnte gar nicht im Außen denken, oh, was machen jetzt die anderen, was leisten die anderen, sondern ich war sehr gezwungen, mit mir selbst präsent zu bleiben und einfach das tun, was ich tun konnte in dem Moment. Und habe letztendlich gewonnen, was ich niemals wirklich auch erwartet hätte und mir aber da sehr gezeigt hat, wenn ich bei mir bleibe und einfach mich auf das konzentriere, was ich in dem Moment tun kann, dann kommt das Resultat in Anführungsstrichen von alleine, weil das Resultat ist nur das Ergebnis von dem, was ich jeden Tag von Moment zu Moment und von Tag zu Tag anhäufen kann und tun kann.

Das war einer meiner krassesten und glücklichsten und definierendsten Momente. Und der zweite war, als ich den Full-Stair-Core-Stein gehoben habe, 2024. Weil das war für mich tatsächlich wirklich der, ich nenne es jetzt nicht Abschluss, aber der Moment, wo ich das Ziel eigentlich für mich erreicht habe, so stark zu werden, wie ich kann.

Weil als ich am Anfang geträumt habe, ich will vielleicht auch stärkste Frau der Welt werden und ich will herausfinden, wie stark ich sein kann, war für mich der Moment, diesen Stein zu heben, genau der Moment. Weil das habe ich für niemanden anders sonst gemacht. Das war kein Wettkampf. In Anführungsstrichen interessiert es niemanden, ob ich diesen Stein hebe oder nicht.

Aber das war eine Herausforderung, von der ich wusste, dass die so außerhalb und am Rande meiner Möglichkeiten liegt, dass ich nicht wusste, ob ich das überhaupt schaffen kann. Und da kannst du auch nicht so spezifisch dafür trainieren, um so einen Stein zu heben, sondern es ist einfach, du gehst da hin und du musst gucken, klappt es oder klappt es nicht.

Ich habe eineinhalb Stunden lang gebraucht, bis ich es dann tatsächlich geschafft habe, weil du gehst auch nicht hin und hebst ihn einfach. Sondern ich habe eineinhalb Stunden lang einen Weg finden müssen, das für mich so zu, den Stein so zu bewegen, dass ich das tatsächlich dann auch schaffe. Und als ich das geschafft habe, diesen Moment, in dem Moment zu realisieren, ich mache gerade was, was ich mein Leben lang für unmöglich gehalten habe.

Aber du bist in diesem Moment, in dem du es dann tatsächlich tust. Das war wirklich so die für mich persönlich erfüllendste Erfahrung und Moment in meiner Karriere, unabhängig von allen Titeln, die ich erreicht habe. Ja, es ist interessant. Also es glaube ich auch ein bisschen so, gerade wenn man denkt, es kommt vielleicht nicht drauf an oder ich schaffe es eh nicht, dass man dann manchmal die Größenleistung bringt.

Also ein ganz banales Beispiel, ich habe irgendwann mal ein bisschen Golf gespielt, aber wirklich nicht viel und hatte dann eine Pause und hatte ein. Turnier und habe gedacht, okay, das wird sowieso nichts heute, weil du hast so lange nicht gespielt und da war ich mit am besten. Und gerade weil ich wahrscheinlich eben gedacht habe, jetzt kommt es eben sowieso nicht drauf an oder interessiert auch keinen.

Und so war es ja dann bei Ihnen auch, dass man sowohl beim ersten Mal nämlich gesagt hat, ich konnte ja gar nicht richtig trainieren, ich habe den Kopf ja gar nicht frei, als auch beim zweiten so den Stein anheben, das mache ich für mich, dann schafft man besonders viel. Und das ist vielleicht auch ein guter Ratschlag, dass man sich nicht so selber unter Druck setzt immer, nicht?

Also auch da, egal um was es geht. Ja, definitiv. Es ist ja auch beruflich so, wenn Menschen sich zu viel unter Druck setzen, so wie sie es beschrieben haben, dass man sich dann nicht mal freut, wenn man Zweite wird, weil man selber so einen Druck macht. Und das ist beruflich ja auch manchmal ein Problem.

Ist es definitiv. Und da hilft sehr viel die Perspektive öfter wieder zu ändern. Weil wenn man immer sich nur auf das Negative fokussiert, dann siehst du das auch nur. Und es hilft wirklich, sich auch bewusst Zeit zu nehmen, auch zu reflektieren und zu gucken, was läuft jetzt aber auch gerade gut? Was habe ich gut gemacht? Und gerade eben diese Momente, wo dann eben auch gezeigt haben, dass ich eben meine besten Leistungen gebracht habe, waren die Momente, wo ich mich zu 100 Prozent auf mich selbst, auf meinen intrinsischen Werte fokussiert habe und auf was ich in dem Moment, in dem ich präsent sein kann, tun kann.

Unabhängig von dem, was jetzt vielleicht jemand anders außerhalb von mir denkt, wie jemand vielleicht das bewerten könnte, wenn ich das online jetzt poste oder. Das ist dann in dem Moment ist das vollkommen irrelevant, weil im Moment zählt nur der Moment, was kann ich jetzt in diesem Moment tun. Ja. Wenn Sie jetzt in die Zukunft gucken und das, was Sie jetzt durch den Sport gelernt haben, wie Sie sich Ziele vornehmen, was sind jetzt Ihre Ziele?

Das ist eine sehr spannende Frage, weil ich für mich eben jetzt auch so in so einer Zwischenphase befinde. So ein großer Teil meiner letzten Lebensphase geht langsam so zu Ende und der nächste beginnt. Das heißt, das ist eine sehr spannende Phase, natürlich auch eine Phase, die sehr viel Ungewissenheit auch so mit sich bringt und Unsicherheit.

Und das, was ich durch die letzte Phase und durch den Kraftsport auch gelernt habe, ist, dass ich keine Angst vor dieser Unsicherheit haben brauche, weil das Leben ist unsicher. Wir leben in einer Gesellschaft in Deutschland auch, in der wir sehr bedacht sind auf Sicherheit. Man muss sich immer absichern zu allem. Aber das Leben ist einfach anders.

Das Leben kommt immer anders, als man denkt. Und durch diese Erfahrungen, die ich jetzt gesammelt habe über die letzten Jahrzehnte, weiß ich, dass egal, was in der Zukunft passiert und was auf mich zukommt, welche Hürden auch kommen, ich weiß, dass ich Lösungswege finden werde, diese zu überwinden. Auch wenn ich vielleicht nicht gleich direkt am Anfang weiß, wo es lang gehen soll und ich vielleicht nicht direkt gleich sofort den Lösungsweg sehe, ich weiß, dass ich die Fähigkeiten entwickeln habe.

Diese Lösungswege dann zu finden. Da ist es vielleicht sogar ganz hilfreich, dass man sich nicht sofort wieder ein hohes Ziel steckt und sagt, ich will die beste Coach der Welt werden, sondern wirklich sagt, okay, wer weiß, wie sich dieser Job ergibt oder wie sich das Studium ergibt. Aber ich kann mit der Unsicherheit umgehen, was tatsächlich ein Thema ist.

Wir sind so risikoavers inzwischen in Deutschland, dass wir uns fast gar nicht mehr bewegen, denke ich nicht. Und das ist natürlich, wenn man kein Risiko eingehen will, Denn zu Hause sitzen bleiben kann keine Lösung sein. Nee, vor allen Dingen wirst du daran wirklich nur in einem Burnout landen. Weil wenn du dich auch nie traust, mal Dinge anzugehen, von denen du träumst, dass du sie gerne machen würdest, du gibst dir nie die Chance, überhaupt das mal anzugehen.

Und wir dürfen und müssen Fehler machen. Wir werden nie durchs Leben gehen können, ohne Fehler zu machen. Und jeder Künstler, der anfängt, ein Bild zu malen, wird vielleicht noch gar nicht das endgültige Resultat im Kopf haben. sondern ich muss mich erst mal auf die Reise begeben, um dann überhaupt rausfinden zu können, wo dann letztendlich die Reise auch hingeht.

Ich finde es schon wichtig, auch große Ziele zu stecken, aber wichtig ist dann trotzdem auch jetzt gerade eben jetzt persönlich in meinem Fall jetzt in so einer Phase, die jetzt gerade sich ändert, mir auch Zeit zu geben, erst mal offen zu bleiben wieder, mich nicht direkt wieder aufs Nächste zu versteifen, sondern schon eine Richtung einzuschlagen, aber mir weiter die Offenheit zu geben, die Richtung auch jetzt zu ändern, wenn ich merke, okay, da geht es vielleicht nicht hin, ich gehe dann lieber in die Richtung.

Mir auch einzugestehen, dass ich auf dem Weg auch Fehler machen werde, weil das ist unweigerlich und durch Fehler lernen wir. Und nur durch Fehler oder durch Punkte, wo ich hinkomme, wo ich merke, ah nee, das war jetzt nicht so gut, das ist es nicht, kann ich dann auch feststellen überhaupt, wo die Richtung dann hingehen soll.

Und wenn ich mir das verwehre, dann kann ich ja nie dort ankommen, wo ich vielleicht ankommen könnte, wenn ich gar nicht den ersten Schritt tue. Ja, ja, es hört sich immer so leicht an. Durch Fehler lernen, wenn man mittendrin steckt, fühlt es sich manchmal dann ganz schrecklich an. Da hatte ich auch so Phasen, wo mir jemand auch gesagt hat, ach in fünf Jahren wissen Sie, dass es gut für irgendwas war.

In dem Moment habe ich gedacht, also dem würde ich jetzt am liebsten eine Ohrfeige geben. Aber er hatte recht. Und wenn man die Gelassenheit auch hat, sich das denn in dem Moment auch selber einzugestehen. Es wird irgendwie für was gut sein, weil ich habe was daraus gelernt. Das ist, denke ich, nochmal ein ganz, ganz wichtiger Punkt, den man gar nicht oft genug sich selber wiederholen kann.

Richtig und keine Phase ist permanent, keine Phase, keine gute Phase und keine schlechte Phase ist permanent, es wird alles vorübergehen und auch so desolat es in dem Moment vielleicht erscheinen mag, es ist auch vollkommen okay, dass man sich dann schlecht fühlt, das ist auch nochmal sowas. So ein bisschen toxische Positivität, ich muss mir nicht alles schönreden oder schöndenken oder sagen, oh nein und es darf mir jetzt nichts ausmachen und ich muss jetzt aber trotzdem motiviert und zukunftsorientiert nach vorne blicken, nein, es darf dir auch schlecht gehen, du darfst dich schlecht fühlen, wenn du einen Fehler gemacht hast, aber wichtig ist trotzdem, dass man einfach weiter eben sich darauf besinnt

es ist okay, es wird wieder anders werden ich weiß, dass ich nach vorne gehen kann und ich weiß, dass ich andere Wege finden werde um da wieder rauszukommen, das wird immer der Fall sein, Ja, es ist nur da, also wenn ich jetzt gerade an Social Media denke oder Influencer, da ist die Welt immer super schön, und das setzt Menschen unter Druck, weil sie sagen, oh guck mal, bei mir geht es nicht so gut, aber alle anderen, denen geht es doch so super und gerade auch, denke ich, gibt es auch viele Beispiele von Frauen.

Die Sporttipps geben oder als Influencerin agieren, wo man dann denkt, oh ja, so möchte ich auch aussehen und dann weiß man, ich werde nie so aussehen. Tut Social Media, glaube ich, nicht gut. Nee, nicht wirklich. Und da empfehle ich auch, auch jetzt gerade zum Beispiel jetzt in Bezug auf unseren Strong-Women-Sport, wenn man merkt, dass man sich zu sehr anfängt zu vergleichen, ist es wichtig, das auszuschalten. Ausmachen, wenn man das nutzen kann für Inspiration, um sich Tipps zu holen, super.

Sobald ich aber merke, das löst in mir negative Gefühle aus, ist es super wichtig, das auszuschalten. Und das Leben ist kein Highlight-Real. Also auch bei mir, ich bin nicht jeden Tag motiviert, ganz im Gegenteil, weil viele denken, oh, wenn ich Leistungssportler bin, ich bin jeden Tag motiviert. Also ja, mir macht der Sport Spaß, aber trotzdem habe ich oft keine Motivation.

Aber ich habe mir ein Ziel gesteckt und ich habe eine Verpflichtung mir selbst gegenüber. Unabhängig jetzt, ob ich Leistungssport mache oder ob ich Sport einfach nur zu meiner eigenen Gesundheit mache, habe ich eine gewisse Verpflichtung und Verantwortung mir und meinem Körper und meinem Leben gegenüber.

Und ich werde mir Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufbauen, wenn ich kongruent zu meinen Werten handele, die ich habe, und kongruent auch das tue, was ich mir vorgenommen habe. Das heißt, was ich auch allen raten würde immer ist, bevor man eine neue Reise angeht oder sich Ziele steckt, sich erstmal überlegen, was sind meine definierenden Grundwerte? So drei bis fünf Werte, nach denen ich lebe, die mir wichtig sind.

Die kann man dann in so einzelne Punkte unterteilen. Wie kann ich meine Werte jeden Tag leben? Durch was? Durch welche Tätigkeiten? Durch welche Hobbys vielleicht? Durch die Menschen, mit denen ich mich beschäftige? Meine Freunde, wie kann ich meine Werte täglich leben? Und dann, wenn ich mir ein Ziel stecke, wie kann ich das tagtäglich einbauen, auch in Konkurrenz mit meinen Werten, um dann eben meinem Ziel näher zu kommen.

Und super wichtig finde ich hier auch, da langsam damit anzufangen, einen Schritt nach dem anderen zu tun. Und nicht gleich den Berggipfel sehen und sagen, oh, ich will sofort auf dem Berggipfel sein. Weil uns wird auch gerade in den Medien oder durch Social Media suggeriert, ja, 10 Weeks Body Change in sechs Wochen zum Traumkörper.

Das ist völliger Quatsch. Das ist Geld aus der Tasche ziehen, das ist nicht möglich. Und das führt bei den Menschen natürlich dazu, dass sie dann nach ein paar Wochen einfach ausgebrannt sind, weil das ein Pensum ist, das man nicht fahren kann und langfristig durchhalten kann. Also wichtig ist, sich schon große Ziele zu stecken, aber das so weit runterzubrechen, dass ich erstmal ganz kleine Brötchen backe und erstmal anfange, einen Schritt vor den anderen zu setzen.

Und wenn ich dann den ersten Punkt in meine Routine einbauen konnte und ich gesagt habe, okay, das habe ich jetzt sicher, das schaffe ich jetzt, dann kann ich den nächsten Punkt hinzufügen und nicht gleich sofort auf dem Berggipfel stehen wollen, sondern einfach erstmal anfangen auf dem Weg. Und das ist auch etwas, wenn Sie jetzt sagen, heute habe ich überhaupt keine Lust zu trainieren, ich habe aber den Trainingsplan, ist das der Weg, wo Sie sagen, wenn ich dann mal angefangen habe heute zu trainieren und ich weiß ja, wofür ich es will, dann kommt auch die Motivation dazu.

Ja, doch, definitiv. Und vor allen Dingen, ich würde es dann gleich noch ein bisschen in den Kontext packen, aber Emotionen folgen Handlungen. Ich kann mich selbst auch aus einer unmotivierten und leicht vielleicht depressiven und unantriebslosen emotionalen Position, in der ich mich gerade befinde, rausziehen, indem ich eine Handlung tue, die mich da rausbringt.

Weil ich kann nicht einfach nur erwarten soll ja die Emotion, ich warte jetzt bis die Emotion weg ist und wenn ich motiviert bin, dann passiert was nein, also auch wirklich neuropsychologische Sicht wenn ich etwas tue was mich da rausbringt, dann werde ich die entsprechenden Emotionen auch auflösen können das heißt, wenn ich vielleicht auch gerade mal nicht motiviert bin und gerade keine Lust habe, einfach gehen, weil dann tue ich auch das, was ich mir vorgenommen habe dass ich tue, alleine nur diese Tätigkeit dass ich auch.

Dabei geblieben bin, was ich mir vorgenommen habe, führt ja schon dazu, dass ich weiß, okay, ich habe genau das getan, was ich gesagt habe, das ich tue. Das gibt schon mal ein besseres Gefühl. Und ja, wir werden auch mal Tage haben, wo man einfach wirklich keine Energie hat und wo es vielleicht besser wäre, mal eine Ruhephase einzubauen.

Aber das wird man merken. Man wird merken, dass wenn man dann mal so ein bisschen in der Trainingsphase ist, wo man vielleicht in eine Erschöpfungsphase kommt, du wirst merken, wenn das Erschöpfung ist und du Ruhe brauchst oder ob es einfach nur keine Lust ist. Das merkt man irgendwann. Und da ist es eben wichtig, eben auch wieder diese Daten zu sammeln und zu gucken, okay, jetzt gehe ich ins Training, ich mache einfach und dann stelle ich fest, oh, jetzt ging es mir viel besser.

In einer anderen Situation stelle ich vielleicht fest, naja, okay, vielleicht bin ich jetzt wirklich gerade ein bisschen müde und ich brauche mal eine Pause, aber ich muss mir auch erstmal die Chance geben, überhaupt diese Daten sammeln zu können, um dann auch diese Einschätzung geben zu können. Haben Sie überhaupt Ruhephasen? Also haben Sie jetzt auch in der Profisportkarriere auch mal gesagt, die machen wir drei Wochen nix?

Ja, unbedingt. Unbedingt. Das ist super wichtig. Ich muss auch feste Ruhephasen planen. Man muss aber auch immer flexibel bleiben. Also ich sage immer, nichts ist so beständig wie die Veränderung eben. Unser Körper sind ständiger Veränderung. Wir haben immer eine bestimmte Trainingsstruktur. Als grobes Beispiel ungefähr kann man sagen, man kann so drei bis vier Wochen so eine progressive Phase haben, wo man immer mehr Gas gibt im Training, Gewichte erhöhen sich und dann muss ich aber auch feste Ruhezeiten planen, damit eben der Körper sich von dieser Anstrengung holen kann.

Weil Adaption passiert nur in der Ruhe. Ich werde stärker durchs Training, aber tatsächlich werde ich stärker in der Phase, in der mein Körper Zeit hat, sich durch diesen Reiz anzupassen. Weil ich setze im Training einen Reiz, egal was für eine Sportart ich mache, ich setze einen Reiz und mein Körper muss die Zeit haben, sich von dem Reiz anzupassen.

Das heißt, ich setze Reize, Reize, Reize, Reize, Reize und wenn ich merke, oh, jetzt komme ich langsam an den Punkt, wo ich vielleicht überreizt bin, muss ich meinem Körper die entsprechende Ruhephase gönnen, um dann sich anpassen zu können. Das ist dann jetzt aktuell, bin ich in so einer Woche in so einem kleinen Block.

Ich habe immer einen drei Wochen Block, wo es nach oben geht von den Gewichten und dann habe ich eine Woche, wo ich meinem Körper ein bisschen Ruhe gönne, Ausgleichstraining mache und dann geht es wieder in den nächsten Block. Ungeachtet dessen habe ich aber auch zum Beispiel nach einer langen und intensiven Wettkampfphase, habe ich jetzt zum Beispiel letztes Jahr nach meiner letzten WM, habe ich komplett acht Wochen Pause gemacht.

Weil ich eben auch gemerkt habe, dass ich auch mental die Pause gebraucht habe und mir einfach wirklich einen Zeitraum gegeben habe, wo ich gesagt habe, ich habe jetzt so lange und so hart mich auf diesen Wettkampf vorbereitet. Nicht nur physikalisch, sondern auch mental, weil man eben viele Dinge drumherum eben auch nicht tun kann, dass ich mir halt bewusst auch eine Phase genommen habe, in der ich einfach mal keinen Sport mache, wirklich gar nichts.

Nur ein bisschen schwimmen, andere Sachen, aber nichts Kraftsportbezogenes, um einfach mir selbst körperlich und mental ein bisschen da einen Abstand zu geben, damit man auch wieder die Freude daran findet. Ja, also das finde ich super wichtig, weil was mich jetzt manchmal frustriert, und das muss ja bei Ihnen noch viel schlimmer sein, also irgendwann kommt man ja, ist da eine Grenze.

Also irgendwann kann man nicht noch mehr Gewicht heben. Wenn man da angekommen ist, wie macht man dann weiter? Also ich habe momentan, was weiß ich, ich Kurzhanteln zwölfeinhalb Kilo. Und ich schaffe, ich habe neulich gesagt, das ist meine Grenze, ich schaffe hier nicht mehr. Wo wir dann auch gesagt haben, okay, dann machen wir mit weniger, mehr Wiederholungen oder wie auch immer, dass man dann auch einen anderen Reiz bekommt, ja? Genau, richtig. Andere Reize setzen, zum Beispiel auch einfach die Übung umstellen.

Wenn man jetzt gerade bei einer Übung schon auf einem längeren Plateau ist. Also ich sage immer, man muss wirklich auch mal länger bei einer Sache bleiben, um auch wirklich Fortschritte zu sehen, weil gerade Anfänger haben sehr starke Fortschritte, weil erstmal noch nicht tatsächlich ihre Maximalkraft ihre aktuell erreicht haben, sondern weil erstmal der Bewegungsablauf erstmal eingeschliffen wird.

Und sobald dann der Bewegungsablauf sicher ist, dann kommt man oft an so dieses erste Plateau, weil man dann erstmal überhaupt so effizient in seiner Bewegung arbeitet, dass man überhaupt seine volle Kraft ausschöpfen kann, die man aktuell hat. Da kommt so das erste Plateau. Dann ist es schon wichtig, mal ein bisschen noch trotzdem dabei zu bleiben, um halt wirklich zu gucken, mache ich noch Fortschritte, aber dann auch mal die Übungen einfach mal umstellen, mal was anderes machen, eine Zeit lang eine andere Übung wählen und dann wieder vielleicht zu der alten Übung zurückkehren Und dann feststellen, okay, vielleicht habe ich ja auch noch durch das Umstellen, auch bei der Übung Kraft aufgebaut, weil ich mir Körper wieder einen anderen Reiz gesetzt habe.

Aber um jetzt auf den Punkt zu kommen mit, irgendwann wird definitiv eben meine maximale Grenze erreicht sein. Auch jetzt eben, ich werde auch älter, ich bin jetzt fast 40. Man kann sehr lange im Kraftsport noch weiter Fortschritte machen und auch zwischen 40 und 50 noch sehr, sehr viel Kraft aufbauen und dann seine Maximalkraft vielleicht auch erst erreichen, wenn man spät im Sport gestartet ist.

Aber irgendwann ist der Tag da, an dem ich nicht mehr mehr machen kann. Und dann ist es super wichtig, sich auf andere Punkte zu fokussieren, wo ich Fortschritte machen kann. Wenn es nicht mehr mehr Gewicht ist, dann kann es aber sein, Bewegungsabläufe noch effizienter zu machen, andere Fähigkeiten zu lernen, dann den Fokus darauf zu rücken, okay, das Meistern meiner Fähigkeit einfach, so wie man zum Beispiel so Großmeister sieht, die 50 Jahre lang ihren Skill gehont haben und dann man sieht so, wow, also was ist das für eine krasse Leistung, das so gut zu können, den Fokus auf diesen Aspekt zu richten, wie sehr kann ich meine Fähigkeiten denn meistern und es gibt im Kraftsport oder in jedem Sport gibt es.

So viele Sachen, die man üben kann. Also wirklich, die Liste ist unendlich. Es geht nie aus. Und wenn man dann vielleicht bei den Klimmzügen nicht mehr weiterkommt und sagt, oh, jetzt Klimmzüge möchte ich vielleicht nicht mehr machen, dann sucht man sich was anderes, wo man sagt, hey, den Bewegungsablauf, den kann ich noch nicht.

Dann versuche ich doch da vielleicht den Fokus drauf zu richten und dann eben weg von mehr Gewichten hin zu Fähigkeiten meistern. Ja, genau. Das ist gut, das werde ich meinem Trainer erzählen. Weil ich habe ihm natürlich gesagt, dass wir heute reden. Und er hat auch gesagt, dann kannst du dir ja Tipps holen. Aber das ist tatsächlich, denke ich, ein wichtiger.

Wir arbeiten momentan auch an Beweglichkeit. Und er sagt natürlich auch, ich bin ja jetzt 66, auch das Thema Sprungkraft ist auch ein wichtiges. Also dass man nicht nur einfach viel Gewicht bewegen kann, sondern auch Agilität. Man will ja auch fallen können zum Beispiel oder sich abfangen können und dazu braucht man dann auch eine gewisse Dynamik.

Daran lohnt es sich auch zu arbeiten. Richtig, richtig genau. Also natürlich kann ich vielleicht manche Staples oder manche grundlegenden Dinge jetzt nicht wegnehmen. Also auch wenn ich vielleicht jetzt nicht unbedingt Lust habe oder da keine großen Fortschritte mehr mache, zum Beispiel beim Kreuzheben zum Beispiel.

Aber es ist wichtig für die allgemeine Knochenstabilität halt Kreuzheben durchzuführen, da kann man das schon drin lassen. Auch wenn man vielleicht nicht mehr große Fortschritte macht, aber dann ist das einfach so eine Basis, so wie ich esse jeden Tag mein Eiweiß, das ich brauche. Mache ich halt dann regelmäßig mein Kreuzheben, auch wenn da nicht mehr viel vorwärts geht, aber das ist halt so mein Standard, um mich einfach stark zu halten und kann dann drumherum mir andere Dinge suchen, wo ich sagen kann, hey, da kann ich noch was Neues lernen.

Auch gerade eben für die kognitive Leistungsfähigkeit, neue Bewegungsabläufe lernen und da den Fokus ein bisschen drauf richten. Ja, ja, auch die Kombination, dass man, und wenn es Ballwerfen ist und Buchstaben gleichzeitig lesen oder irgend sowas. Ach, super spannend. Ich hoffe, wir haben einige Menschen motivieren können, entweder anzufangen oder weiterzumachen, weil es sich einfach lohnt.

Und ich gebe ihnen völlig recht, selbst wenn ich keine Lust habe, danach fühle ich mich besser. Also das ist so. Emotionen folgen Handlungen ist etwas, was ich mir merken werde. Das ist schön gesagt und drückt es auch genau aus. So und jetzt frage ich mich oder frage ich Sie, gab es auch mal Verletzungsphasen?

Ist das ein verletzungsanfälliger Sport? Die Technik ist wichtig, haben Sie gesagt. Hatten Sie Verletzungen und was hat das gemacht mit Ihnen? Also grundsätzlich, die Sportart ist nicht verletzungsanfälliger als andere Sportarten. Überall besteht Verletzungsgefahr. Wenn man aber eben sinnvoll und körperangepasst auch trainiert, dann kann man das Verletzungsrisiko stark minimieren.

Nichtsdestotrotz passiert natürlich trotzdem mal eben bei Maximalleistungen Verletzungen. Und auch ich hatte schon Verletzungen in der Vergangenheit. Zum einen, einmal habe ich mich stark am Finger verletzt. Das war nicht beim Training oder weil ich die Leistung nicht schaffen konnte, sondern es war beim Aufräumen.

Habe ich mir leider den Finger zwischen zwei Steinen gequetscht und habe mir den Finger leider in drei Teile gespalten. Was sehr lange gedauert hat, bis ich dann nach der Operation da wieder zurückgekommen bin. Und auch an der Hüfte hatte ich mich mal etwas verletzt. Und ja, es ist sehr frustrierend. Im Moment denkt man sich, ach nein, ich muss wieder von vorne anfangen.

Aber Geduld. Und da lernt man in diesen Phasen wirklich Geduld zu haben, weil ja, ich muss in Anführungsstrichen wieder von vorne anfangen, aber man fängt nie ganz von vorne an, weil auch das alles, was man sich erarbeitet hat, ist nicht dann direkt weg. Die Bewegungsabläufe, die man sich erarbeitet hat, auch eine gewisse Art an Kraft, wird nie ganz weg sein.

Aber man wird immer, wenn man sehr bedacht dann arbeitet, wird man wieder an die alten Leistungen anknüpfen können. Zu 99 Prozent. Ich habe in dem Sport schon viele Leute mit schweren Verletzungen erlebt, mehreren Bandscheibenvorfällen, Hüftoperationen, sogar Wirbelsäulenoperationen und die sind alle wieder zurückgekommen. Man muss sich einfach nur die nötige Zeit dann geben.

Okay, also ganz wichtig dann auch nochmal für alle, die gerade vielleicht in so einer Phase sind. Zeit lassen und nicht aufgeben und weitermachen, weil man wird wieder zurückkommen. Man muss halt leider sehr viel Arbeit reinstecken, aber gerade in diesen Phasen lernt man sehr, sehr, sehr viel über sich selbst und nimmt sehr viel mit.

Und lernt auch sehr viel dazu, was der Körper dann eben braucht oder worauf man vielleicht dann eben achten muss. Also manchmal ist auch so eine Verletzung, so ein Glück im Unglück, weil einen vielleicht dann diese Verletzung halt aufzeigt, dass ich vielleicht suboptimal trainiert habe oder über meine Grenze gegangen bin.

Und da lernt man wirklich sehr viel über sich selber und kriegt dann auch wieder Werkzeuge an die Hand, um dann eben diese Verletzung in Zukunft halt zu vermeiden. Gut. Ich habe immer, also wir müssen ja leider zum Ende kommen, aber ich habe am Ende immer eine Frage an alle und das wäre ja vielleicht auch nochmal ein Ziel für Sie.

Wenn Sie Ihre Autobiografie schreiben, später mal, nach dieser nächsten Phase oder nach einer übernächsten Phase, was wäre der Titel? Das ist eine sehr spannende Frage, das hatte ich auch in einem anderen Podcast schon gehört, dass sie die stellen und habe mir schon Gedanken dazu gemacht und das ist super schwierig es sollte auf jeden Fall irgendwas mit Stärke zu tun haben, aber ich habe da, keinen guten Ansatz richtig gefunden weil es sollte, Stärke ist mehr als nur die physikalische Stärke sondern Stärke kommt von innen, ist ein bisschen so ein doofer Begriff, aber Stärke kommt wirklich von innen und Stärke bedeutet Freiheit.

Ja, okay. Ja, aber daraus lässt sich doch was machen. Ja, das ist auch schön. Also es gab ja auch mal den Spruch, stark ist das neue dünn oder sowas, nicht? Also dass man wirklich durch Stärke, wie Sie sagen, man hat weniger Angst, man hat mehr Selbstvertrauen in sich selber und dadurch die Freiheit, aber, und das haben Sie ja sehr deutlich in unserem Gespräch dargestellt, wenn das nicht von innen kommt, aus dem Kopf heraus, dann schaffen Sie es nicht, stark zu werden, nicht?

Ja, das gefällt mir. Da kriegen Sie noch einen schönen Titel raus und dann freue ich mich auf das Buch. Dankeschön. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch. Vielen Dank, dass ich da sein durfte.

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