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Ein sportlicher Mann bekommt Fieber und Muskelschmerzen und ist sehr schwach. Was hat das mit seiner Scheune zu tun?
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In seinem Fall hat er beschrieben, es fühlt sich an, als habe er stärksten Muskelkater. Der kannte Muskelkater, aber da hat er gesagt, das war nochmal eine ganz andere Kategorie. Es fühlt sich an, als ob der Muskel zerreißt und das nur bei kleinsten Bewegungen. Er lag im Bett und konnte nichts machen. Er hat gesagt, er fühlt sich wie ein 100-Jähriger.
Es hat initial mal angefangen im Vormonat mit, er hat mir das als grippalen Infekt beschrieben, mit Fieber, Schüttelfrost, leichten Halsschmerzen. Das wurde dann wie jeder grippale Infekt bislang bei ihm auch in der Vergangenheit wieder besser. Aber er hatte sich nie so richtig komplett erholt. Immer mit einer gewissen Abgeschlagenheit, war dann auch in den Folgewochen da, bis es dann für ihn wiederkam, beziehungsweise für ihn vielleicht ein zweiter Infekt erwischt haben könnte und da wieder diese Gliederschmerzen angefangen haben.
Und jetzt hat er erstmalig, und das hat ihn dann auch wieder beunruhigt und auch wieder außerhalb der regulären Dienstzeit in Notaufnahme geführt, Herzrhythmusstörungen verspürt, Herzklopfen, Herzstolpern. Und dachte, Mensch, was ist das denn jetzt? Irgendwelche Nebenwirkungen vom Kortison oder habe ich jetzt was Neues? Reißt das gar nicht mehr ab, diese Erkrankungskette?
Ärztinnen und Ärzte sollen Leben retten. Sie sollen Krankheiten erkennen und Leiden heilen. Aber was ist, wenn sich eine Krankheit nicht so leicht erkennen lässt? Was, wenn rätselhafte Beschwerden es den Medizinerinnen und Medizinern schwer machen, die Ursache einer Erkrankung zu finden? Dann kann man nur hoffen, dass man Expertinnen und Experten an seiner Seite hat, die dranbleiben, die nicht nachlassen, bis sie sie endlich gefunden haben.
Ich bin Annika Geißler, Ärztin und Redakteurin und beim Stern für die Rubrik Die Diagnose verantwortlich. Hier erzählen Medizinerinnen und Mediziner von ihren ungewöhnlichsten Fällen. Heute zu Gast ist Dr. Sebastian Jendreck, Oberarzt an der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie am Uniklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck.
Für ihn war schon relativ früh als Schüler klar, dass er später einmal etwas mit Menschen machen möchte, erzählt er. Verschiedene Praktika führten ihn schließlich zur Medizin. Etwas sagt er, das ihm ermöglicht, Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen zu begleiten, ihnen zu helfen, Situationen einzuordnen und den Menschen im besten Fall Zuversicht zu geben.
Rheumatologische Erkrankungen entwickeln sich häufig schleichend, erklärt er. Ein Symptom geselle sich zum nächsten und erst wenn man all diese Puzzleteile, teilweise auch rückblickend, zusammensetze, ergebe sich daraus das eigentliche Krankheitsbild. Im Mittelpunkt dieser Folge steht ein Landwirt, Mitte 50, der immer gesund, kräftig und sportlich gewesen war.
Dann aber ging es ihm plötzlich sehr schlecht. Er hatte starke Muskelschmerzen und war sehr schwach. Und die entscheidende Spur führte schließlich zurück auf seinen eigenen Hof. Ja, es war erst bei einem Patienten, bei dem keine rheumatologische Erkrankung bekannt war. Es war ein 56-jähriger Landwirt, der eigentlich bislang völlig gesund war, voll im Leben stand, sehr kräftig. Damals sogar, ich würde sagen, trainierter und kräftiger als ich mit meinen jungen Jahren noch.
Aber als er sich dann bei uns vorgestellt hat, ging gar nichts mehr. Er kam in die Notaufnahme, konnte sich nicht mehr bewegen. Er hat wirklich ein allgemeines Krankheitsgefühl gehabt, starke Abgeschlagenheit. Und die genaue Anamnese, wir sagen dazu, wir befragen den Patienten und die liefern uns dann Anamnese auf diese Befragung hin, hat erbracht, dass vor allem Muskelschmerzen für ihn eine riesengroße Rolle spielten und ihn ans Bett gefesselt haben.
Das waren nicht irgendwelche Muskelschmerzen, sondern welche, die sehr stammnah am Körperstamm waren, vor allem Oberarme und Oberschenkel waren betroffen. Aber der hat ausgeprägt, dass das wirklich ihn immobilisiert hat. Er lag im Bett und konnte nichts machen. Er hat gesagt, er fühlt sich wie ein Hundertjähriger.
Zeitgleich wurde natürlich wie immer in der Notaufnahme bei uns auch ein Blutbild, ein Labor gemacht. Und da fiel schon auf, dass vor allem ein Muskelwert, die CK-Kreatinkinase, stark erhöht war, was immer auf irgendeinen muskulären Schaden hindeutet. Zusammen mit erhöhten, man sagt so Leberwerte, sind es aber eigentlich nicht, die Transaminasen, denn auch die können durch die Muskulatur freigesetzt werden.
Auch die Transaminasen waren stark erhöht plus leichte Entzündungswerte. Und das hat dann zur rheumatologischen Vorstellung schon in der Notaufnahme geführt. Das heißt, Sie haben den Patienten dann schon in der Notaufnahme kennengelernt. Haben Sie dann noch ein bisschen mehr zum Verlauf dieser Beschwerden, dieser Symptome erfahren? Wann ging das los? Womit ging das los?
Das war ja sozusagen jetzt schon so ein Vollbild, als er zu Ihnen kam. Sie haben gesagt, der war sogar ins Bett gefesselt wegen dieser Muskelschmerzen und wegen dieser muskulären Probleme. Das ist ja doch sehr beeindruckend. Ganz genau. Und es war in der Tat für eine rheumatologische Erkrankung eine relativ schnelle Entwicklung des gesamten Symptombildes.
Hat so circa zwei, drei Wochen gedauert. Es hat initial mal angefangen im Vormonat mit, er hat mir das als grippalen Infekt beschrieben, mit Fieber, Schüttelfrost, leichten Halsschmerzen. Das wurde dann wie jeder grippale Infekt bislang bei ihm auch in der Vergangenheit wieder besser. Aber er hatte sich die so richtig komplett erholt. Immer mit einer gewissen Abgeschlagenheit, war dann auch in den Folgewochen da, bis es dann für ihn wiederkam, beziehungsweise für ihn vielleicht ein zweiter Infekt erwischt haben könnte und da wieder diese Gliederschmerzen angefangen haben.
Aber die haben sich dann weiter gesteigert, ohne dass die typische Grippesymptomatik hinzukam, die er im Vorfeld hatte mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Da waren vor allem diese immobilisierenden Gliederschmerzen im Vordergrund gestanden. Und beschreiben Sie nochmal dieses mit den Muskelschmerzen, dass die eher sozusagen nah am Stamm, am Körperstamm waren, hatten Sie eingangs schon gesagt.
Aber die Muskulatur muss ja irgendwie auch noch in Mitleidenschaft gezogen worden sein, wenn er da im Bett lag. Der konnte gar nicht mehr aufstehen oder nur noch zur Toilette gehen. Also das ist ja wirklich innerhalb dieser Zeit und von einem eigentlichen athletischen oder trainierten Mann sehr ungewöhnlich.
Ja, wir kennen das schon in verschiedenen Konstellationen, dass auch sonst Gesunde durch Muskelschmerzen immobilisiert werden. Vielleicht hat das auch jeder, der heute zuhört, schon mal irgendwie erfahren im Rahmen eines Infektes, dass das sehr ausgeprägt sein kann. In seinem Fall hat er beschrieben, es fühlt sich an, als habe er stärksten Muskelkater.
Der kannte Muskelkater. Wenige Wochen zuvor hat er noch schwere Autoreifen gestemmt. Er ist ja Landwirt gewesen und hat damit die Planen für seine Silage beschwert. Und das hat eben auch nie so richtig Probleme gemacht. Also der Mann kannte Muskelkater, aber da hat er gesagt, das war nochmal eine ganz andere Kategorie.
Es fühlt sich als ob der Muskel zerreißt und das nur bei kleinsten Bewegungen und eine extreme Schwere. Und das war halt wirklich symmetrisch. Also der gesamte Schultergürtel, Beckengürtel, Oberschenkel, die waren davon betroffen. Die Muskulatur ansonsten sah erstmal unauffällig aus, war druckschmerzhaft, ja, aber da war nichts.
Sonst, was wir jetzt irgendwie durch die klinische Untersuchung mit Anfassen und Gucken hätten noch weiter feststellen können, sodass weitere Diagnostik notwendig war. Sie haben ja schon von Blutwerten eingangs gesprochen. Was haben Sie denn bei den Blutabnahmen oder der Blutabnahme noch im Kopf gehabt?
Welche Differenzialdiagnosen, wenn jemand wirklich so schwer krank ist und ans Bett gefesselt ist und eigentlich ja sonst ein gesunder, mittelalter Mann war? Was haben Sie da für Sachen im Kopf, wo Sie sagen, da gucken wir jetzt nochmal in alle Richtungen und das gucken wir nach? Genau, also da die Muskelwerte, diese CK, einfach geführt haben in der pathologischen Abweichung, hat sich halt das Arbeitsfeld irgendeines muskulären Schadens eröffnet.
Und das ist leider ein sehr weites Arbeitsfeld, da sowohl Medikamente als auch Infekte natürlich körperliche Über- und Fehlbelastungen dazu führen können. Selbst Fieber längere Zeit kann zu einem Anstieg der Muskelwerte führen. Also man muss wirklich sehr dezidiert und detailliert fragen, was war denn jetzt in der jüngeren Vergangenheit los.
Nun war es aber so, dass er verneint hat, irgendwelche neuen Medikamente eingenommen zu haben. Man muss dann auch sehr vorsichtig und verständlich fragen, denn nicht nur Medikamente, auch einige Genussgifte, Drogen können zum Anstieg dieser Muskelwerte führen. Beispielsweise exzessiver Alkoholgenuss, Kokain-Konsum. Auch das kann alles zu einem Anstieg von diesen Muskelwerten führen, hat er aber glaubhaft verneint.
Wie gesagt, die Medikamentenanamnese war auch unauffällig. Natürlich haben wir erst mal auf einen möglichen Infekt so ein bisschen fokussiert. Aber dafür hat er zu wenig weitere Symptomatik geboten. Ja, im Vorfeld mit Halsschmerzen, Fieber, Schüttelfrust war das Infekt verdächtig. Aber derzeit, als er sich dann wieder nach einigen Wochen bei uns eine Notaufnahme vorgestellt hat mit diesen Muskelschmerzen, gab es keine weitere Leitsymptomatik.
Und das orientierende Setup, was man so in einer Situation macht, Urinprobe, Röntgen der Lunge und so weiter und so fort, hat eben auch keinen wirklichen Infektfokus darstellen können, sodass einfach nur diese Muskelwerte blieben. Diese Transaminasen, Schrägstrich Leberwerte, die waren für uns klar erklärbar im Rahmen als möglichen Muskelschadens.
Wir haben orientierend auch einen Leber-Ultraschall gemacht. Da hat sich kein Bild dargestellt, dass die Leber chronisch belastet wäre. Ich erzähle das aber deswegen, weil gerade die Leberwerte, also Transaminasen, häufig in der ambulanten Medizin bestimmt werden, ohne dass eben dieser Muskelwert, die Kreatinkinase, bestimmt wird.
Und so werden eben Muskelprobleme auch häufig als Leberprobleme verkannt, wenn diese ausgeprägte Symptomatik nicht vorliegt. Also aber auch hier keine Leberpathologie, die wir hatten. So, dass wir erst mal ratlos dastanden in der Notaufnahme. Nun ist es aber so, dass wenn gerade Menschen in diesem Alter, ohne dass weitere Ursachen identifizierbar sind, zu uns kommen und gerade dieses symmetrische, stammnahe Bild von Muskelschmerzen, äußern, die Rheumatologie häufig früh ins Boot geholt wird, dass so eine Leitsymptomatik von möglichen entzündlichen Muskelerkrankungen darstellen kann.
Und dann sind ganz viele weitere Untersuchungen im Blutbild, aber auch bildgebend notwendig, um das näher einzuordnen. Bevor wir dazu kommen, wie es dann weitergegangen ist, nur noch ein kleiner Schlenker, weil Sie gesagt haben, Sie fragen dann auch immer nach Medikamenten oder neuen Medikamenten. Da gibt es ja eine Medikamentengruppe, die auch häufiger Muskelschmerzen machen kann, die vielleicht auch viele Hörerinnen und Hörer nehmen.
Bloß, dass man das nochmal sagt, okay, welche Medikamente haben Sie denn da? Ich weiß, es gibt mehrere, aber welche haben Sie da im Auge, die vielleicht viele Leute einnehmen? Nur damit mal diese kleine Nische auch beleuchtet wird. Sehr gut, dass Sie das ansprechen, weil der Klassiker sind natürlich die Cholesterin-senkende Medikamente, vor allem die Statine, aber auch andere wie das Ecetimib können zu einem Anstieg der Muskelwerte führen und auch Muskelschmerzen machen.
Aber ich sage sehr gut, dass Sie das ansprechen, weil nur ein reiner Anstieg dieser Muskelwerte oder von Muskelschmerzen in der Regel nicht unmittelbar die Notwendigkeit nach sich zieht, eine so doch wichtige primärprophylaktische Therapie zu beenden. Da guckt man dann, wie ausgeprägt sind die Muskelschmerzen, kann man es eventuell durch Dosisanpassungen, Präparatewechsel innerhalb der Klasse wieder hinbekommen, dass die Medikation vertragen wird.
Man muss natürlich diese Muskelwerte regelmäßig kontrollieren. Aber dann ist es doch häufig möglich, diese Therapie weiter fortzuführen, die ja sehr potent ist auch, was die Schutzwirkung auf das Herz-Kreislauf-System angeht. Dennoch, auch hier gibt es eine Situation, die dann immunologisch zu einer überschießenden, Muskelschädigung führt.
Und das sind dann eben spezielle Antikörper, die Menschen aufweisen können, die wir dann eben auch mittesten. Das ist klar zu differenzieren von dem leichten CK-Anstieg im Rahmen der Medikation. Wenn wirklich diese Antikörper vorliegen, kann es zu einem überschießenden Muskelschaden kommen. Und dann ist die Therapie natürlich auch sofort zu beenden und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Also für alle, die zuhören und Cholesterinsenker nehmen, die ja immens wichtig sind, wie Sie schon gerade sagten, eben um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, ich sag jetzt mal zugespitzt. Der Verkalkung der Gefäße vorzubeugen. Ja, es gibt Muskelschmerzen, aber dieses Medikament ist dann doch so wichtig, dass man vielleicht guckt, gibt es ein anderes Medikament, was vielleicht ähnlich wirkt, aber ein bisschen anders zusammengesetzt ist und dann werden die Muskelschmerzen weniger. Also einfach weglassen ist keine Option.
Das nehme ich daraus mit. Und häufig kann man der Situation auch schon so ein bisschen, wenn man sich vor die Situation setzen, indem man diese Statine, heißen ja die Cholesterinsenker, einschleichend aufdosiert und nicht gleich die volle Dosis gibt. Und dann tritt das auch nochmal viel seltener auf mit den Muskelschmerzen.
Also danke für diesen Exkurs. Jetzt waren wir ja gerade an dem Punkt mit diesem doch mysteriösen Patienten, nenne ich ihn mal, oder mit dem mysteriösen Symptom. Was hat der und wie macht man weiter? Sie hatten im Blut Sachen gefunden. Er hatte diese doch gravierenden Muskelschmerzen, die gravierende Muskelschwäche.
Wie sind Sie weiter vorgegangen? Was haben Sie sich alles angeguckt? Ja, also wenn wir jetzt dann an rheumatologische Erkrankungen denken, die zu entzündlichen Muskelmanifestationen führen können, dann müssen wir das erstmal objektivieren, diese Entzündung im Muskel. Und dazu reicht eben nicht nur der reine Laborwert, sondern wir brauchen Bildgebung als eine weitere Säule. Und das ist auch relativ rasch gemacht worden.
Wir haben dann eine Magnetresonanztomographie gemacht. Eine MRT mit Kontrastmittel ist sehr gut in der Lage, im Weichgewebe, wie es ja Muskulatur ist, Entzündungen nachzuvollziehen. Und da sucht man sich einfach die Region aus, die am meisten Symptome macht. Einfach, weil man wahrscheinlich dann dort fündig wird. In dem Fall, als er noch bei uns in der Klinik lag, waren das die Oberschenkel.
Die wurden dann mittels MRT angeschaut. Ja, und siehe da, man hat auch eine deutliche muskuläre Entzündungsreaktion in der MRT gesehen. Aber das würde uns immer noch nicht reichen, denn wir wollen auch gucken, ob diese entzündliche Reaktion eher im Rahmen einer Muskelentzündung, der Fachbegriff lautet Myositis, oder im Rahmen vielleicht von anderen nervalen neuronalen Erkrankungen stattfindet.
Wir haben dann noch eine Elektromyografie gemacht. Da kann man Potenziale ableiten, wie gut die Muskulatur angesteuert wird und sich zeitgleich auch mit einer Elektroneurographie anschauen, ob die Nervale-Regulierung soweit noch in Ordnung ist. Und die Elektromyografie, kurz EMG, hat bei ihm auch typisch myopathische Signale gezeigt.
Und auch das war ein weiterer Hinweis darauf, dass wir es mit einer Muskelentzündung, einer Myositis zu tun haben. Damit aber immer noch nicht genug im Work-up. Jetzt ist die Frage, wie spezifisch oder gibt es spezifische Ursachen dieser Myositis? Und da kommen wir wieder auf das Labor zurück. Es gibt unterschiedlichste Antikörper, die unser Körper selber produziert.
Sogenannte Auto-Antikörper. Das kann wirklich mit Pathologien, Erkrankungen assoziiert sein. Muss es nicht. In seinem Fall wissen wir, er hat eine Erkrankung. Also haben wir entsprechende Auto-Antikörper getestet. Die sind alle zusammengefasst in einem sogenannten Myositis-Profil. Da sind viele unterschiedliche Autoantikörper drin und die Medizinerinnen und Mediziner wissen, je nachdem welcher Autoantikörper vorkommt, ist es wahrscheinlich, dass eine besondere Untergruppe dieser Myositis vorliegt oder nicht.
Bei ihm war es nun leider so, dass keiner dieser Autoantikörper nachweisbar war, was aber die Erkrankung per se nicht ausschließt, weil ähnlich wie bei den anderen Laborwerten ist das Labor immer nur ein Teilbestandteil der Diagnose. Also mussten wir in ganz harte Fakten gehen. Nicht nur auf virtuelle Realität, wie es die MRT darstellt, oder Surrogatparameter, wie es das Lapor 1 ist, setzen, sondern wir mussten wirklich eine muskuläre Probe entnehmen und eine feingewebliche Untersuchung vornehmen.
Also man hat eine Biopsie der Muskulatur gemacht und die nach spezifischen Entzündungszellen gefärbt. Und hier konnte erneut auch eine Myositis bestätigt werden. Und hier haben uns dann auch die entsprechenden spezialisierten Pathologen gesagt, dass die Myositis am ehesten vereinbar wäre mit dem Bild einer sogenannten Polymyositis.
Das ist eine Untergruppe dieser entzündlichen Muskelerkrankungen. Die eben eine Rolle spielen kann, wenn Menschen sich mit solch einer Symptomatik vorstellen. Also wir haben jetzt viele Fremdwörter und Fachbegriffe von Ihnen gelernt. Vielen Dank. Also Myositis, Polymyositis, Autoantikörper. Das haben Sie erklärt, wenn der Körper sozusagen aus Versehen gegen bestimmte Gewebestrukturen selber Antikörper bildet und dann wird dieses Gewebe angegriffen.
Da hat sich nicht so richtig was Deutliches gezeigt. Ich glaube, Sie sind ja dann nochmal in ein sehr dezidiertes Gespräch mit dem Patienten gegangen, was eigentlich so alles los war, bevor es ihm so schlecht ging, bevor wir weiter auf der klassischen medizinisch-analytischen Schiene sind, was dann rausgekommen ist. Was haben Sie da erfahren?
Ja, das stimmt. Man redet immer wieder natürlich mit den Betroffenen. Zu dem Zeitpunkt lag er ja auch noch bei uns in der Klinik stationär, sodass bei jeder Visite das Gespräch ein bisschen anders verlaufen ist. Wir hatten ihn natürlich schon zu dem Zeitpunkt, wo die Musik das bestätigt war, angefangen zu therapieren.
Aber es blieben halt gewisse Unklarheiten, weil keiner dieser Autoantikörper positiv war. Und in einem dieser Gespräche hat er so beiläufig erwähnt, ja, er hat ja einen riesengroßen Hof, wird auch älter und überlegt sich jetzt ein zweites beziehungsweise drittes Standbein aufzubauen und Teile des Hofes zu vermieten.
Er wohnte damals in Autobahnnähe und hatte so die Idee, Mensch, es gibt doch überall einen Parkplatzmangel für LKWs. Ich mache einen Teil meines Hofes zum Lkw-Parkplatz und vermiete da Stellfläche. Und im Zuge dessen hat er auch eine Scheune aufgeräumt und entrümpelt. Eine sehr alte Scheune, wo natürlich viel Staub und alles Mögliche rumlag.
Und da hat er sich wirklich mal ein, zwei Wochen hingesetzt und im späten Herbst alles tabula rasa, schön sauber gemacht. So, und da wurden wir schon ein bisschen hellhörig. Klingelte es bei Ihnen schon doll im Hinterkopf? Ja, denn man wird ja auch im Rahmen seiner Ausbildung immer wieder so ein bisschen trainiert, einige Muster zu erkennen.
Und was der Mann uns berichtet hat, war natürlich dieser grippale Infekt mit Fieber-Schüttelfrost. Und das hätte uns jetzt noch nicht hellhörig werden lassen. Aber dann diese doch relativ rasch sich entwickelnde Muskelerkrankung zusammen mit dem dazu passenden Entrümpeln der Scheune. Da dachten wir erstmalig daran, Mensch, hat der vielleicht da Stäube inhaliert, die Viren enthalten?
Denn auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb kommen auch Mäuse und auch Ratten vor. Und gerade das Entrümpeln von Scheunen birgt immer die riesige Gefahr, dass da entsprechend mit Kot, Urin, kontaminierter Staub aufgewirbelt eben einatmet. Und in diesem aufgewirbelten Staub können halt Viren, nämlich die Hunter-Viren stecken.
Jetzt ist sozusagen das Stichwort raus, Hunter-Viren. Das ist ja offenbar ein Virus. Wir kommen gleich dazu, dass wir ja vor ein paar Wochen das häufiger auch in der Presse gelesen haben über Hunter-Viren, das ganz schön aggressiv sein kann. Ist das so, wenn man das abkriegt? Dann wird man auch richtig doll krank. Ja, scheint ja so. Der Mann war ja eigentlich trainiert und gesund. Der war ja jetzt nicht gebrechtig und 88 Jahre alt.
Das scheint schon ganz schön durchschlagend zu sein. Sein kann, aber nicht muss. Ich wohne selber im ländlichen Bereich und habe oftmals genug auch in Stellen mitgearbeitet und diese entmistet. Und mich hat nie eine Hunter-Virus-Infektion erwischt. Aber ich wurde eben auch nie getestet. Man vermutet in der Tat, dass die Dunkelziffern-Infektion doch relativ hoch ist. Und das liegt daran, dass eben nicht jede Hunter-Virus-Erkrankung wirklich zu schweren Symptomen führt.
Wahrscheinlich sogar die Mehrheit an Hunter-Virus-Erkrankungen eher milde bis kaum symptomatisch verläuft. Im Prinzip wie so ein grippaler Infekt. Also das, was er initial berichtet hatte mit Fieber, Kopfschmerzen, vielleicht Gliederschmerzen, Rückenschmerzen. Das scheint die Mehrheit der Fälle zu sein und die werden natürlich nicht getestet.
Wie oft hatte ich das schon in der Situation? Und dann wird man auch keine Hunter-Virus-Infektion feststellen können. Also die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr hoch und nur wenige Erkrankungen verlaufen dann so schwer. Wobei hier auch eine Myositis jetzt nicht typisch wäre. Wir wurden nur aufgrund der Vorgeschichte der Anamnese hellhörig und haben dann auch diesen Test veranlasst.
Typisch für schwere Erkrankungen hier bei uns in Deutschland wäre eigentlich ein Krankheitsbild, das auch wieder wie so ein grippaler Infekt beginnt. Dann allerdings sich nicht wieder erholt, sondern immer schlimmer verläuft mit anhaltendem Fieber, häufig dann noch mit Bauch- und Rückenschmerzen, die schwerer werden und dann einer Nierenbeteiligung mit einem Nierenversagen.
Das nennt sich dann hämoragisches Fieber mit renalem Syndrom. Durch die Hunter-Viren. Das wäre hier in Nord- und Mittelwesteuropa eher typisch. Und dass wir das Stichwort Hunter-Virus jetzt so im Kopf haben, liegt ja daran, dass vor einigen Wochen das durch die Presse ging. Man las davon, man hörte davon, es gab ja ein Kreuzfahrtschiff, das vor Teneriffa lag und wo viele doch erkrankt sind am Hunter-Virus.
Da ist das doch dramatischer verlaufen oder schwerer, hatte man den Eindruck, wenn man darüber las. Ja, wahrscheinlich, weil das auch eben ganz andere Hunter-Viren sind, die dort eine Rolle gespielt haben. Sogenannte Neuwelt-Hunter-Viren. In den USA oder auch in Süd- und Mittelamerika kursieren ganz andere Virusstämme.
Und die machen im Gegensatz zu den Virusstämmen, die hier so bei uns und in Asien vertreten sind, dann doch ein Krankheitsbild, das mehr auf die Lunge geht, mit schwerem Lungenversagen. Das nennt sich dann Hunter-Virus-assoziiertes pulmonales Syndrom. Das sehen wir hier in Deutschland in den Kliniken eigentlich selten bis gar nicht.
Und das verläuft wirklich schwer. Und wenn man jetzt an die Myositis denkt, dann sind in der Tat nur sporadisch Fälle in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben. Von Hunter-Virus-Erkrankungen mit Myositis. Und insbesondere jene, die eben dieses Hunter-Virus-assoziierte pulmonale Syndrom, also die Lungenbeteiligung hatten. Die hatten auch eine Myositis, die wurde aber meistens nicht näher aufgearbeitet im Sinne von was steckt genau dahinter, sondern abgetan als ja.
Bei schweren Infektionen kann es auch zu einer Begleitmuskelerkrankung kommen an Myositis, ähnlich wie bei Influenza beispielsweise, wie das beschrieben ist. Und mit Besserung des gesamten Erkrankungsbildes hat sich dann auch diese Myositis wieder gebessert. Also da gab es kein spezifischeres Workup hinsichtlich der Myositis in der Vergangenheit.
Okay, dann war also Ihr Patient auch doch durchaus ein besonderer Fall, wenn Sie sagen, naja, oft sind die Verläufe dann doch anders, hohes Fieber, wie ein grippaler Infekt, aber dann geht es eher so in Richtung Nieren. Die Fälle auf dem Kreuzfahrtschiff waren wieder anders gelagert, wo es dann eher in die Richtung Lungen ging und bei diesem Patienten war nun die Muskulatur im Vordergrund.
Ich nehme an, Sie haben bestimmte Tests veranlasst, als Sie hörten, so Arscheune entrümpelt, Stäube sind hochgeflogen, Bauernhof, da können Ratten und Mäuse unterwegs sein. Wie haben Sie denn den Patienten therapiert in der Zeit? Miositis war klar, der lag bei Ihnen auf Station. Was hat der bekommen?
Gut, dass Sie das ansprechen, dass unser Patient da auch wirklich ein besonderer Fall war. Denn im Gegensatz zu den Fällen, die mit Myositis beschrieben waren. War es eben nicht so, dass er noch diese hochaktive Erkrankung hatte und dabei die Myositis. Sondern der hatte ja dieses initiale Bild, wie eigentlich typisch, eher mit leicht kreppalen Symptomen.
Und dann gab es eine gewisse Besserung, wo man dachte, Mensch, ich bin auf dem Weg der Erholung. Und dann kam es wieder mit den Muskelschmerzen. Also es gab einen Intervall mit Symptombesserung, sodass wir nicht sagen können, das war direkt virusassoziiert, was wir da sehen, sondern vielleicht eine immunologische Zweitreaktion.
Und dann schließt sich auch konsequent die Frage an, was haben wir gemacht? Wir haben natürlich dann auch die Myositis in den Vordergrund gestellt und diese eher als sehr entzündlicher Natur aufgegriffen, ohne dass eine direkte Viruspathologie noch vorliegen könnte. Wir haben diesen Mann immunsuppressiv therapiert. Wir haben das Immunsystem geschwächt heruntergefahren, ziemlich breit sogar mit einer hochdosierten Cortison-Therapie.
Das mag jetzt erst mal kontraintuitiv wirken, dass jemand eine Viruserkrankung hat. Und dann wird ärztlicherseits sogar noch das Immunsystem weiter runtergefahren. Aber noch mal, das Besondere ist, er hatte wahrscheinlich die Ansteckung und Erstmanifestation schon mehr als ein Mord im Voraus. Dort auch die Symptome einer aktiven, akuten Erkrankung, sich kurzfristig leicht gebessert und dann kam es wieder mit dieser Myositis, sodass wir hier eher das Immunsystem als unseren Gegner identifiziert haben und weniger das Virus, was vielleicht noch aktiv im Körper zirkulierte.
Also wir haben ihn dann mit hochdosiertem Cortison therapiert. Und darunter hat sich sehr schnell auch wirklich die Myositis gebessert. Also die CK ging zurück, er hat wieder mehr Kraft gehabt, konnte sich auch wieder mobilisieren, an die Bettkante setzen. Ja, und wie man so ist, wenn man selbstständig ist und auch ein landwirtschaftliches Unternehmen führen muss.
Wir wollten natürlich noch viel machen und sagen, okay, lass uns vielleicht was anschließen an Therapie, was das Kortison ersetzt und noch weitere diagnostische Tests machen, ob noch andere Organe befallen sind. Die Antwort war nein, ich muss los. Ich habe Tiere und habe auch noch viel zu tun. Ich gehe und komme wieder, wenn es schlimmer wird. Und dann ist er erst mal von dannen gezogen.
Nachvollziehbar, wenn es einem besser geht, möchte man schnell nach Hause. Und gerade wenn man in der Landwirtschaft arbeitet, ist das ja auch wichtig, da zu sein. Und er fühlte sich ja offenbar wieder kraftvoller und ganz gut und war dann erst mal sozusagen weg. Aber Sie haben ihn dann wieder gesehen. Wie ging die Geschichte weiter?
Ja, wir dachten bzw. hofften schon, dass der Anschluss dann so sich gestaltet. Es wird gut werden. Wir haben ein vorsichtiges Kortison-Reduktionsschimmer mit auf den Weg gegeben, weil wir eben auch wissen, wenn das Immunsystem erstmal einen kleinen Webfehler hat, wie auch immer der geartet sein mag, manchmal stoßen Viren ja so etwas an, virale Erkrankungen, das kennen wir sehr gut aus anderen Viruserkrankungen, dann wird dieser Webfehler auch noch nachhallen.
Und abruptes Absetzen des Kortisons wäre dann keine gute Idee. Also haben wir ihm gesagt, reduziere das schrittweise, so und so viel. Und das hat er auch gemacht. Und so ab 10, 15 Milligramm fing es wieder an mit den Muskelschmerzen. Da wurde er schon so ein bisschen sensibilisiert, weil er nicht wieder in die Situation kommen wollte. Hat dann auch kein weiteres Kortison reduziert.
Aber auch unter dem gleichbleibenden Kortison wurden die Muskelschmerzen immer schlimmer. Und jetzt hat er erstmalig, und das hat ihn dann auch wieder beunruhigt und auch wieder außerhalb der regulären Dienstzeit in Notaufnahme geführt, Herzrhythmusstörungen verspürt. Herzklopfen, Herzstolpern. Und dachte, Mensch, was ist das denn jetzt? Irgendwelche Nebenwirkungen vom Cortison oder habe ich jetzt was Neues? Reißt das gar nicht mehr ab, diese Erkrankungskette?
Dann lag er wieder bei uns in der Notaufnahme. Es wurde wieder das klassisches. Assessment, also die Untersuchung gemacht. Labor, Bildgebung, EKG. Im EKG hat man einige Extraschläge im Herzen gesehen. Im Labor fiel leider wieder ein Anstieg dieses Muskelwertes auf, der CK. Und wegen der Herzrhythmusstörungen, weil er auch gesagt hat, irgendwie fühle ich mich so ein bisschen beklemmt. Es ist jetzt nicht so richtig, sage ich mal, der Herzinfarktschmerz, was man so liest.
Aber irgendwie habe ich da so einen Druck und kriege schwer Luft. Da hat man auch noch einen Herzwert mit abgenommen, das Troponin T. Das gab es aus der Vergangenheit noch nicht. Und dieses Troponin T war deutlich erhöht, also über dem 30-fachen das oberen Grenzwert ist, sodass man von einer Herzmuskelschädigung ausgehen musste.
Und so wurde er halt wieder aufgenommen zu uns, auch direkt rheumatologisch, nachdem unsere Kardiologen, wir arbeiten ja auch interdisziplinär, gesagt haben, nee, ein Herzinfarkt wird das jetzt nicht sein in der Situation. Es ist durchaus denkbar, dass natürlich diese Erkrankung, die Myositis auch auf den Herzmuskel, das Herz ist ja nichts anderes, als ein großer Muskel jetzt schlägt und da sollte weiter geschaut werden.
Und dann wollten wir halt ein entsprechendes MRT auch vom Herzmuskel machen, um das wirklich dingfest zu machen. Es ist ja interessant, wenn ich da kurz noch nachfragen darf, dass man ja gerade eigentlich in der ersten Phase bei der Skelettmuskulatur war, die Oberschenkel, die Schulterpartie, alles was wir aktiv bewegen können und sagt, ja klar Muskel, da war eine Muskelentzündung und jetzt sozusagen bei dieser Muskelentzündung.
Bei diesem zweiten Wiederauftauchen in der Notaufnahme so, ah ja, Muskulatur gibt es ja auch noch woanders, der Herzmuskel kann offenbar auch angegriffen werden und das ist ja eine nicht ganz, sag ich mal. Ja ganz leichte Situation, weil so eine Entzündung am Herzmuskel, da werden Sie gleich erklären, was da genau rausgekommen ist, das kann ja durchaus bedrohlich sein.
Oder sehe ich das zu dramatisch? Würde mich jetzt erstmal so als Patientin sagen, würde ich erstmal sagen, oh, am Herzen ist jetzt auch was los. Der Herzmuskel verzeiht in der Tat nicht so viel wie die Skelettmuskulatur. Und gerade weil wir da ja auch noch ein sensibles Reizleitungssystem haben, was gut funktionieren muss automatisch.
Wenn das in Mitleidenschaft gezogen wird, können natürlich auch bleibende Schäden resultieren. Von Herzschwäche über Herzblockbilder, die Herzschrittmacherversorgung notwendig machen. Ja, damit ist nichts zu scherzen. Deswegen, so ein MRT muss zeitnah gemacht werden. Aber wie es in der Medizin immer so ist, es gibt natürlich eine gewisse Lücke zwischen dem, was man sich so wünscht aus dem Lehrbuch und was in der Medizin real durchführbar ist. Dieser Mann hatte schwerste Platzangst.
Und er hat gesagt, also noch einmal, er hat das schon einmal durchgehalten. Der konnte ja wirklich die Zähne zusammenbeißen. Und das erste MRT mit den Oberschenkeln, da hat er gesagt, okay, das habe ich gemacht, aber ich habe wirklich Blut und Angst, Blut und Wasser geschwitzt. Ich hatte so viel Angst, das mache ich nicht ein zweites Mal.
Wir haben ihm viel angeboten mit Beruhigungstabletten. Nein, das kommt für mich auf gar keinen Fall in Frage. Was würden Sie denn machen, wenn wir jetzt davon ausgehen, das Herz ist vielleicht betroffen oder auch das Herz sei nicht betroffen und die Erkrankung per se kommt wieder? Was wären jetzt die nächsten Schritte?
Und da haben wir ihm gesagt, ja, Sie haben in gewisser Hinsicht recht, die nächsten Schritte werden jetzt auf jeden Fall mehr als Cortison. Eine cortisonsparende Therapie, die auch längerfristig angesetzt wird. Und wir haben dann das Führen wieder abgewogen, falls das Herz betroffen sein sollte, dass man auch eine Therapie wählen sollte, die relativ rasch wirkt.
Wir haben ihm entsprechend Zeit gelassen. In der Zeit, wo er eben noch Bedenkzeit hatte, wurde er erst mit einer Therapie, die immunmodulierend wirkt, aber jetzt nicht irgendwie organspezifisch. Da hat er sogenannte humane Immunglobuline bekommen. Das ist eine Aufbereitung von menschlichen Blutspendeprodukten, wo eben nur die Immunglobuline, die Antikörper gepoolt von mehreren Spendern verabreicht werden.
Und damit macht man erstmal nichts falsch. Es ist wie so eine Art Resetknopf für das Immunsystem, wirkt auch in gewisser Hinsicht immunsteuernd. Und er hat die Zeit, sich das zu überlegen. Und wir haben ihm zwei Auktionen zur Wahl gegeben. Entweder eine klassische Therapie mit einem konventionellen Immunsuppressivum oder eine Therapie, die per Infusion gegeben wird und so ein bisschen in die Chemotherapie-Ecke, verortet werden muss, aber sehr rasch wirkt und vor allem dann das Mittel der Wahl ist bei Herzbeteiligung.
Er hat sich am Ende für Zweiteres entschieden, weil er gesagt hat, er ist selbstständig. Er muss eine Therapie haben, die rasch wirkt, die ihn vor weiteren Organschäden bewahrt. Und so fiel dann die Entscheidung zu dem Zyklophosphamid als Immunsuppressivum, was dann relativ rasch allerdings auch mit einer Tablettentherapie kombiniert wurde.
Und erneut ist der CK gefallen. Die Muskulatur hat weniger Schmerzen gemacht. Die Symptome insgesamt wurden rasch besser. Er hat wieder mehr Energie gehabt, sodass wir dann auch nach sechs Gaben von diesem Zyklophosphamid gesagt haben, es reicht. Unser Ziel der Kortisonreduktion ist erfüllt. Wir machen jetzt mit dem konventionellen Immunsuppressivum weiter.
Und das mit dem Herzen wurde auch besser, wenn Sie sagen, die Schmerzen wurden weniger, er hat wieder mehr Kraft gekriegt, das merkte er dann auch dort sozusagen? Ja, keine Herzrhythmusstörungen mehr und dieser Herzwert ist auch gefallen, das Troponin-T, was ja indirekt auch mit einem Herzschaden vereinbar gewesen wäre.
Und wir haben natürlich ein Herzultraschall gemacht, das hat erstmal eine regelrechte Pumpfunktion gezeigt und erneut wieder EKGs geschrieben. Also zumindest in der Diagnostik, die wir alternativ hatten, konnten wir jetzt keinen schweren Herzschaden identifizieren. Wir haben ihm beide Optionen zur Wahl gegeben und das ist ja auch modern, dass man ein sogenanntes Shared Decision macht.
Dass man sagt, wir können es nicht sicher sagen ohne diese Diagnostik. Option A, B, C wäre gangbar. Jedes hat sein Für und Wider und der Mann war ja auch sehr verständig und hat das auf seine persönliche Lebenssituation heruntergebrochen. Und hat sich dann eben für die intensivste Therapie entschieden an der Stelle.
Ja, ist ja auch schön, wenn der Patient oder die Patientin da mit einbezogen werden und gehört werden und nicht von, sage ich jetzt mal, von den Fachleuten gesagt wird. Das ist in manchen Situationen natürlich notwendig, das ist schon klar. Aber in diesem Fall ja A, B oder C und er da so selbstwirksam mitentscheiden konnte.
Das klingt irgendwie gut, finde ich so, wenn ich das so höre. Also gerade in der Rheumatologie ist das unentbehrlich, da auch wirklich eine betroffenenorientierte Medizin zu betreiben, weil die Erkrankungen häufig eben chronisch verlaufen und man eine langfristige Bindung auch aufbaut, sodass Medizin ohne den persönlichen Kontext und Lebenssituation.
Mit in die Waagschade zu werfen immer unvollständig bliebe. Und das hat er aber für sich ganz klar gesagt, er muss schnell einsatzbereit sein, geht lieber all in und möchte nicht diese Step-up-Therapie haben und dann Organschaden riskieren. Wie lange hat er denn die Medikamente genommen? Sie haben gesagt, anfangs ist das dann als Infusion, das kann umgestellt werden.
Über welchen Zeitraum hat sich das Ganze hingezogen? Genau, also wenn man alles zusammennimmt, sind es wirklich neun Monate gewesen. Das ist noch relativ kurz für eine rheumatische Erkrankung, bis wir wirklich mit den auch anderen konventionellen Immunsuppressiva rausgehen konnten. Aber wir haben ja wahrscheinlich keine ganz klassische Polymyositis, also diese typische rheumatologische Muskelerkrankung vorliegen gehabt, sondern eine virusgetriggerte, Überreaktion des Immunsystems, sodass wir das uns in diesem Fall auch getraut haben, unter auch nachfolgenden Wiedervorstellungsterminen und Kontrollen, sowohl klinisch, symptomatisch als auch von den Laborwerten her.
Also neun Worte mag jetzt erstmal lang klingen, wenn man es mit der Therapie, meinetwegen einer Lungenentzündung vergleicht. Aber für eine rheumatologische Erkrankung ist das relativ kurz, bevor man eine Basistherapie beendet bzw. Ausschleicht. Wir haben das auch nicht abrupt abgesetzt. Auch hier haben wir gesagt, wir schleichen das langsam aus, machen aus, also die Therapie, die er zum Schluss bekommen hat, gibt man normalerweise noch einmal wöchentlich.
Als Spritze in das Bauchfettgewebe. Haben gesagt, da machen wir das Ganze zweimal. Also einmal alle zwei Wochen. Dann reduzieren wir die Dosis und haben geguckt, kommen darunter Symptome, Laborwerte wieder. Das war glücklicherweise nicht der Fall. Und so war dann auch nach diesen neun Monaten die Therapie zu Ende.
Und seitdem kam auch nichts wieder, was mich sehr glücklich macht. Wie schön. Und die neun Monate, nur noch mal, damit ich es richtig verstehe, quasi von dem, ich mache meine Scheune sauber und kriege dann grippale Infekte und dann ging das mit den Muskelschmerzen los bis ganz zum Ende? Oder neun Monate diese doch stärkere Therapie, die Sie im zweiten Anlauf dann verwendet haben? Das habe ich noch nicht richtig verstanden.
Gut, ja, ne, also neun Monate von dem Zeitpunkt an, an dem er sich wieder das zweite Mal bei uns in der Notaufnahme vorgestellt hat. Ah, okay, also insgesamt ganz schön lang, das hat er davor auch schon eine Vorgeschichte gehabt. Alles in allem ein gutes Jahr. Alles in allem war es ein gutes Jahr, was Ihnen da die Maus beschert hat.
Die vermeintliche Maus. Ja, vielen Dank, dass Sie das so für uns so auseinandergenommen und erklärt haben und diesen Fall mitgebracht haben. Sie haben gerade selber vorhin erwähnt, dass Sie im ländlichen Raum wohnen oder häufiger unterwegs sind und auch schon Ställe ausgemistet haben. Wenn ich das so höre, denke ich so naja, das nächste Mal, wenn ich meinen Gartenschuppen, ausfege, da sind ja sicherlich auch Mäuse, vielleicht sogar Ratten unterwegs, dann setze ich doch vielleicht lieber eine FFP2-Maske auf.
Ist das eine Idee oder ja, Sie sagten, viele haben es vielleicht gehabt und gar nicht gemerkt. Bisschen übervorsichtig vielleicht dann von mir, oder? Ja, wenn Sie mich jetzt als Arzt fragen, würde ich natürlich sofort das Papier vom Robert-Koch-Institut zitieren. Das sagt nicht FFP2-Maske, sondern FFP3-Maske.
Aber ich bin auch ganz ehrlich, wie oft habe ich schon in einer alten Gartenhütte gearbeitet und durchgeschimmelte Bodenbretter ersetzt und da irgendwas am Boden gehabt, was ich dann sogar auch noch weggesaugt habe. Das Schlimmste, was man ja machen kann, um Staub aufzuwirbeln, ist noch saugen und das Ganze ohne Maske oder ähnliche.
Ja, wenn man es ganz genau nimmt und viel Angst hat, dann macht man das natürlich mit FFP3-Maske und Staub wird vorher benetzt mit Flüssigkeiten, idealerweise desinfizierend und danach reinigt man sich. Aber ich würde so vorgehen, man guckt einmal, habe ich denn irgendwo was liegen, was kotverdächtig ist, wo ich massiv Staub habe, dann würde ich das auch so machen.
Habe ich eventuell ein Grundstück, wo ich weiß, dass ich einen hohen Mausbefall habe? Nicht jede Gartenthütte muss unbedingt auch Mäuse haben, abhängig vom Fundament. Und wenn ich dann eine Hochrisikosituation habe, dann mache ich diesen Zauber natürlich für mich. Als Arzt würde ich natürlich immer empfehlen, orientiert man sich daran prophylaktisch.
Aber als Privatperson, was denken die Nachbarn, wenn ich da in Vollmontur mit Maske und Schutzbrille und irgendwie Desinfektionsmittelspray durch den Garten laufe? Hinter den hohen Ecken sind sie gut verborgen vielleicht. Aber gut, dann haben sie es ein bisschen für diejenigen, die das hören und sagen, da bin ich doch lieber vorsichtiger, gibt es die Variante. Und genau, das ist doch gut zu wissen. Eine Sache möchte ich da schon noch sagen.
Man muss der Maus nicht begegnen, um sich der Gefahr auszusetzen. Wir reden hier wirklich über eine Übertragung, die geschieht durch die Ausscheidungen von Mäusen, also Kot, Urin, Speichel. Und ich muss die Maus gar nicht sehen. Das Zeug kann irgendwo in der Ecke rumliegen, trocknen und da bleibt es Tage oder Wochen stabil, das Virus.
Und ich muss also nie eine Maus gesehen haben, um mich der Gefahr auszusetzen, sodass eben auch häufig diese Erkrankung saisonal auftaucht. Nämlich so zwischen April und September, wenn die Leute halt auch draußen im Garten sind und was aufwirbeln. Und es kann natürlich auch einige Berufsgruppen geben, die besonders gefährdet sind.
Neben Landschafts- und Gartenbausen, dass vor allem auch Forstarbeiter oder auch Jäger, die halt viel im Wald sind, wo auch diese Mäuse vorkommen. Und nicht jede Region ist gleichsam betroffen. Auch hier gibt es einzelne Schwerpunkte, Herdregionen, wo es immer mal wieder auftritt. Hier bei uns in Norddeutschland, wo ich ja wohne, haben wir eher so einen Hintergrund rauschen, das ganze Jahr über ohne Spitzen zu besonderen Jahreszeiten.
Vielen Dank. Jetzt haben wir viel über Mäuse gesprochen. Das ist auch, glaube ich, Premiere in diesem Podcast. Ganz herzlichen Dank, dass Sie diesen spannenden Fall zu uns mitgebracht haben und so anschaulich erzählt haben. Vielen Dank. Herzlichen Dank. Das war die Diagnose. Ich bin Annika Geißler. Bis zum nächsten Mal. Die Diagnose.
Der Stern-Podcast.