
eGovernment Podcast· Folge 280
Läuft bei uns – meistens: Erfolge, Frust und die wahren Probleme der kommunalen Digitalisierung
Samstag, 17. Oktober 2026 · 44 min
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Shownotes
Im eGovernment Podcast live von der SCCON 2026 sprechen Mitarbeitende aus Kommunen offen über die Digitalisierung vor Ort. Welche Projekte sind echte Erfolge, und was lässt sich davon übernehmen? Vor allem aber: Woran hakt es im Alltag wirklich – bei Fachverfahren, Schnittstellen, Personal, Geld oder Zuständigkeiten? Ein ehrlicher Blick aus der kommunalen Praxis, jenseits von Hochglanzfolien und Sonntagsreden.
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Torsten Frenzel Ja, hallo und herzlich willkommen beim e-Government-Podcast. Wir sind heute live auf der Scone und wir haben Publikum da draußen und die haben auch schon gewunken und ordentlich Sticker eingesteckt. Sehr schön, schön, dass ihr da seid. Und auch schön, dass ich Gäste bei mir hier in diesem Studio habe, das übrigens hervorragend ist und langsam immer kühler wird.
Torsten Frenzel Aber vielleicht fangen wir mal an, ihr stellt euch mal vor. Hallo Claudia, wer bist du denn?
Claudia Thiele Ja, mein Name ist Claudia Thiele. Ich bin Leiterin der Stabstelle Digitalisierung beim Landkreis Wittenberg und in dem Moment quasi für alles verantwortlich, was auch nur in Ansätzen mit Digitalisierung zu tun hat, für, eine ja doch recht kleine ländliche Kommune.
Torsten Frenzel Ja, schön, dass du da bist. Und Lisa, wer bist du denn?
Lisa Kulemann Hi Thorsten, ich bin Lisa Kuhlemann. Ich bin die Digitallotsin in Sachsen-Anhalt, Leiter Digitallotsinprojekt Sachsen-Anhalt. Und ich bin für die komplette Unterstützung der Kommunen in Sachsen-Anhalt zuständig, wenn es im Bereich Digitalisierung geht. Wir machen Workshops mit Kommunen, wir machen Basisbefähigungen, wo wir erstmal allen erklären, was ist überhaupt Digitalisierung und wie wende ich gute Projekt- und Prozessmanagement an?
Torsten Frenzel Worüber wollen wir denn heute reden? Und zwar, ich habe mir einen schönen Titel ausgedacht. Läuft bei uns meistens. Und was wir in den Kommunen wirklich brauchen. Und dafür habt ihr euch bereit erklärt zu reden, weil ihr da draußen wisst, ich bin auch ganz viel in Kommunen. Und jetzt habe ich mir endlich mal Vertreter aus Kommunen eingeladen, die auch mal sagen, wo denn es hängt bei der Digitalisierung und was so eine Kommune wirklich braucht.
Torsten Frenzel Und ob das alles, was sich da so in Berlin und in den Landesministerien einfallen lassen wird, ob das tatsächlich in den Kommunen ankommt und wann auch gebraucht wird. Also fangen wir direkt mal an. Läuft es denn bei euch?
Claudia Thiele Meistens. Nein, tatsächlich. Du hattest mich ja im Vorfeld schon gefragt, ob ich das prozentual irgendwie betiteln könnte. Fällt mir recht schwer. Ich habe mich dann bei 50 Prozent ungefähr eingegroovt, weil wir viele Projekte am Laufen haben. Es gibt wenige, die reibungslos von A bis Z durchlaufen. Es gibt aber auch wenige, die jetzt schon von Beginn an scheitern.
Claudia Thiele Also es gibt immer irgendwie einen Teil, der dann doch übernommen werden kann, aber eben auch vieles, was dann auch wiederum nicht funktioniert. Und ich freue mich tatsächlich, dass ich da heute mal ein bisschen drüber meckern darf.
Torsten Frenzel Das klingt danach, als ob ihr, oh jetzt, wir kriegen noch mal Besuchen. Hallo.
Steven Kiewert Schön in Schweißig kommen.
Torsten Frenzel Du darfst dich direkt hier hinsetzen und in das Mikrofon reinsprechen.
Steven Kiewert Ja, hallo, moin.
Torsten Frenzel Okay, moin. Steven, wir sind gerade kurz dabei gewesen bei der Vorstellungsrunde, also du hast noch nicht viel verpasst. Dank Deutsche Bahn bist du doch noch angekommen.
Steven Kiewert Und einen zwischenzeitlichen Sprint.
Torsten Frenzel Schön, dass du da bist, aber vielleicht stellst du dir erst mal ganz kurz vor, wer du bist und was du so machst.
Steven Kiewert Ja, ich bin Steven Kiewert. Ich bin beim Landkreis Harz der Leiter der Stabstelle Digitalisierung. Und ich beschäftige mich Tag ein Tag aus mit Digitalisierungsmaßnahmen, OZG, interner Digitalisierung, KI, Robotic Process Automation. Das sind so die Themenfelder.
Torsten Frenzel Ja, klingt ja cool. Ja, das ist auf jeden Fall das Thema am Puls der Zeit. Claudia hat gerade schon so ein bisschen angefangen, auf meine Frage zu antworten. Läuft es bei euch und wie läuft es? Aber Lisa, vielleicht wirst du auch mal was dazu sagen.
Lisa Kulemann Genau, also ich als Digitallotse habe ja viel mit Kommunen zu tun und ich würde sagen, es läuft überall ein bisschen, aber noch nicht so wirklich perfekt. Das große Problem ist, glaube ich, dass viele gar keine Digitalagenda haben und deswegen einfach gar nicht wissen, wo fange ich an und wo höre ich auf.
Lisa Kulemann Und das ist ja auch ein Punkt, den wir jetzt versuchen so ein bisschen mitzugeben, einfach eine Digitalagenda zu erstellen. Und ich glaube, das ist so der erste richtige Weg, aber ich denke auch, dass wir mittlerweile in Sachsen-Anhalt auf einem guten Weg sind in die digitale Welt.
Torsten Frenzel Steven, du guckst skeptisch.
Steven Kiewert Nee, ich bin gar nicht skeptisch, denn ich konnte auch schon Nutznießen von der digitalen Agenda. Ich habe den Lehrgang, kann man sagen, Lisa mitgemacht und bin nicht Digitallotse, sondern Navigator.
Torsten Frenzel Da müsst ihr mich dann gleich mal aufklären.
Steven Kiewert Was da der Unterschied ist. Ja, genau, das machen wir natürlich. Und ja, wir konnten auch für uns, für den Landkreis Harz auch nochmal eine digitale Agenda aufstellen. Letztendlich haben wir auch schon eine, aber die konnten wir jetzt nochmal. Das ist für mich ein weiterführendes Dokument.
Torsten Frenzel Okay, jetzt klärt mir erst mal auf, was der Unterschied ist zwischen Digitallotse und Digitalnavigator.
Lisa Kulemann Also die Lotsen, das sind wir als oberordnete Personen. Wir sind genau zwei Lotsen für ganz Sachsen-Anhalt zuständig. Und alle Kolleginnen und Kollegen aus den Landkreisen, Städten und Gemeinden, die zu uns ins Programm kommen, werden als Digitalnavigatoren bezeichnet. Da gibt es dann auch große Netzwerktreffen der Digitalnavigatoren, wo sich alle vernetzen können und voneinander lernen können.
Torsten Frenzel Und die Navigatoren sind quasi die Lotsen vor Ort.
Steven Kiewert Die dezentralen Lotsen vor Ort, kann man so sagen, genau.
Torsten Frenzel Ihr seid doch gar nicht so nah am Meer.
Claudia Thiele Aber Wasser haben wir trotzdem.
Torsten Frenzel Wasser habt ihr auch, schönes Wasser habt ihr auf jeden Fall auch. Aber zurück zur Digitalisierung. Also die Claudia hat ja schon angefangen, also so ungefähr 50 Prozent funktioniert und das andere, das ist so lala. Das klingt für mich so ein bisschen nach, ihr steckt irgendwie in die Pilotprojekten fest.
Torsten Frenzel Das heißt, ihr pilotiert und pilotiert und pilotiert und pilotiert und pilotiert und keiner traut sich zu sagen, das ist Mist, wir schalten es ab.
Lisa Kulemann Genau, weil alle wollen auch immer die 100 Prozent erreichen und gefühlt sind die noch nicht erreicht, also bleiben wir im Piloten hängen.
Steven Kiewert Richtig.
Lisa Kulemann Die Perfektion ist auch eines der großen Probleme, glaube ich, die wir so in der Digitalisierung haben.
Steven Kiewert Korrekt, die eierlegende Wollmilchsau. Und am besten in den Prozessen, die wir schon immer gemacht haben. Und man kann sich nicht damit anfreunden, dass man mit der Digitalisierung auch Prozesse vor allen Dingen anfassen muss. Zwingend anfassen muss. Und das machen wir leider zu wenig. Das ist eine Bremse, ein Hemmschuh, ja.
Torsten Frenzel Aber direkt mal, woran liegt es? Wer sind denn da die Bremser? Sind das die Sachbearbeiter vor Ort oder ist das irgendeine politische Ebene?
Claudia Thiele Das sind tatsächlich mehrere Ebenen, die an manchen Stellen so zusammenkommen. Also es geht manchmal schon los, dann hat man eine Idee, dann kommt das Geld in den Haushalt und wenn es dann freigegeben wird, dann ist es so wie, ja, und jetzt setzen wir das um, dann haben wir das und dann ist die perfekte Lösung da.
Claudia Thiele Aber im Grunde genommen braucht man dann erst mal ein vernünftiges Projektmanagement. Das ist ja so eine Kompetenz, die ist ja gar nicht unbedingt so tief verankert, in der Verwaltungs-DNA und wenn es da schon hakt, dann hakt es dann auch an bestimmten anderen Stellen. Ressourcen sind immer ein Riesenthema.
Claudia Thiele Wenn Projekte dann doch irgendwie mehr Leute brauchen, andere Beteiligte brauchen. IT-Infrastruktur, On-Prem, Cloud, wie machen wir es sicher? Also man fängt mit einer coolen Idee an, dann hat man das Geld im Haushalt und dann kommt der Schlips eigentlich ins Rollen und tatsächlich von verschiedenen, Seiten, würde ich mal sagen.
Lisa Kulemann Aber ich finde auch, dass es oftmals dann schon überholt ist. Wenn das Geld dann endlich mal da ist, ist das Projekt manchmal sogar schon wieder veraltet und trotzdem zieht man es durch, obwohl man eigentlich weiß, dass es veraltet ist, weil man sagt, wir machen es jetzt mit dem Geld, was wir haben, heißt erstmal gar nichts machen.
Lisa Kulemann Und ich glaube, das ist auch einer der Probleme, die wir so ein bisschen haben.
Claudia Thiele Und Vergabe. Einmal eine Vergabe vergeben. Forever in your house. Also da wird die Lösung ja dann auch quasi nicht mehr los, wenn du jetzt sagst, eigentlich, ja, aber jetzt haben wir die Vergabe durch. Ich mache nicht nochmal eine europaweite Ausschreibung. Und ich habe jetzt zwei davon durch.
Steven Kiewert Wobei ich da so ran kann. Unsere Vergabestelle sagt aktuell, man sollte alle Systeme so alle fünf Jahre mal auf den Prüfstand stellen und tatsächlich dann auch ausschreiben. Und es sollte Das beißt sich für mich mit dem öffentlichen Dienst. Gerade das Thema Fachverfahren, die stehen, damit arbeitet man.
Steven Kiewert Und ich sage mal, die haben vielleicht in gewisser Weise ein Monopol, Fachverfahren für den öffentlichen Dienst. Da gibt es schon die Big Player, AKDB, ProSorts und wie sie nicht alle heißen. Aber nichtsdestotrotz, unsere Vergabestelle will das auch gerade so anleiern und ich habe es auch gerade durch DMS-Ausschreibung, das ist ein Brett.
Torsten Frenzel Ja, aber Vergabe, ich bin immer zwiespältig bei Vergaben. Ich bin ein großer Fan von Vergabe, aber ich bin auch ein großer Skeptiker bei Vergaben, weil die Vergabe hält uns tatsächlich dazu an, dass wir mit den Steuergeldern, mit denen wir ja arbeiten, auch sinnvoll umgehen. Da hat die Vergabe schon ihr...
Torsten Frenzel Ihre Berechtigung. Aber natürlich Vergabe behindert an vielen Stellen. Beruflich vergebe ich ja auch Dinge und wir müssen zum Beispiel mal auf vier Jahre rechnen und das ist mal ganz schnell in der Vergabe. Und vor allem in der Ausschreibung. Wir dürfen bis zu 100.000 Euro direkt vergeben und alles, was drüber ist, dann sind wir direkt in der Ausschreibung.
Torsten Frenzel Aber das ist ja nicht unbedingt der größte Hindernispunkt, die Vergabe. Woran liegt es denn und gibt es schon irgendwelche Ansätze, wo man in Richtung Lösung gehen kann?
Lisa Kulemann Ich würde sagen, Zentralisierung ist ein zentraler Punkt, den man auf jeden Fall betrachten muss, weil es fehlen uns immer mehr Fachkräfte in allen Bereichen. Wir wollen eigentlich alle dasselbe und wir haben so viele Punkte, wo man eigentlich sagen könnte, durch eine gute Zentralisierung könnten wir echt eine Vereinfachung schaffen.
Lisa Kulemann Und auch wenn mal irgendjemand ausfällt, kann einfach unterstützt werden. Ich kann dann einen Kollegen anrufen und sagen, hey, bei uns ist gerade XY-Sachbearbeiter ausgefallen, ihr habt doch dasselbe Programm, kannst du mir nicht einfach mal helfen und mich unterstützen dabei? Also das ist für mich ein großes Schlagwort, was ich sagen würde, was uns helfen würde auf jeden Fall.
Claudia Thiele Und da gibt es ja auch schon erste Bewegungen. Und ich bringe ein zweites Schlagwort ins Spiel, Kompetenzaufbau. Ich habe es ja vorhin schon angedeutet mit dem Projektmanagement, Steven mit dem Prozessmanagement. Also es sind lauter so Sachen, die wir in der Verwaltung machen müssen und nicht nur die Stabstelle Digitalisierung, sondern eigentlich großflächig alle Mitarbeitende, die in irgendeiner Art und Weise in Projekte involviert sind.
Claudia Thiele Und wer ist das heutzutage eigentlich nicht mehr? Also da müssen wir auch ran und da gibt es Bewegungen. Das Digitallotsenprogramm ist für mich ein Beispiel dafür, dass quasi wirklich auch die kleinen Kommunen Leute da hinschicken konnten und so eine Grundbesohlung bekommen haben. Was bedeutet Digitalisierung in deinem Haus?
Claudia Thiele Und die Bürgermeister, Bürgermeisterinnen, die mussten sich quasi committen und sagen, ich setze jetzt diesen Mitarbeiter dafür frei, dass er das jetzt machen kann. Das sind für mich genau die richtigen Stoßrichtungen, um diesen Kompetenzaufbau voranzutreiben.
Lisa Kulemann Wir hatten ja jetzt auch schon vier Bürgermeister mit im Programm, die einfach gucken wollten, wie funktioniert Digitalisierung wirklich gut und haben dann auch wirklich mitgemacht. Und wir machen ja jetzt auch Aufbaukurse, Projektmanagement, agiles Projektmanagement und all sowas. Das bauen wir jetzt weiter auf, was wir quasi angefangen haben, sodass wir die Kommunen noch besser unterstützen können.
Steven Kiewert Aber vor allen Dingen, das ist ganz wichtig, dass die Verwaltungsleitung, also ob das Bürgermeister sind oder Landräte, dass die von vornherein mit einbezogen werden in Projekte oder in Maßnahmen, in Digitalisierungsprogramme, wenn man größer denkt. Und wenn die Verwaltungsleitung da von vornherein mitzieht und, sage ich mal, das auch von Top-Down, von oben herab durchdrückt...
Steven Kiewert Manchmal muss man das halt durchdrücken. Dann erfährt das Ganze auch eine andere Dynamik intern. Dann hat man es etwas leichter als Digitalisierungsbeauftragter, tatsächlich mit Projekten in Fachabteilungen reinzugehen.
Torsten Frenzel Ihr beide seid ja jetzt von Landkreisen. Ihr habt ja wahrscheinlich auch, oder seid verantwortlich für verschiedene Kommunen ringsherum. Und da gibt es ja wahrscheinlich auch wirklich kleine Kommunen mit so 5000 Einwohnern und noch mehr. Oder noch weniger, wollte ich sagen.
Steven Kiewert Also verantwortlich dafür sind wir nicht, nee. Also das ist es nicht. Also wir können in verschiedenen Arbeitsgruppen interdisziplinär zusammenarbeiten, aber das ist kein Zwang. Also wir könnten dann nur, sage ich mal, unser Know-how teilen und den anderen, wenn es Digitalisierungsbeauftragte sind, meistens sind es IT-Mitarbeiter, die dann dahin geschickt werden und die nehmen das Wissen dann mit und entweder ja oder nein. Aber die haben in den kleinen Kommunen, die haben noch ganz andere Probleme.
Torsten Frenzel Und das ist ja mein Spruch immer. Also wenn der ITler Digitalisierung mitmacht, und der Drucker im Bürgeramt steht, dann ist die Digitalisierung mal ganz hinten dran, weil der Drucker ist wichtiger.
Claudia Thiele Und die Schulen bei uns ist halt.
Torsten Frenzel Ja, klar.
Lisa Kulemann Wobei es sind jetzt viele kleine Kommunen auch in unserem Programm drin und vernetzen sich da auch jetzt gegenseitig. Ich glaube, von den 60 Kommunen sind mehr kleine Kommunen, als dass es große Städte sind. Da ist wirklich als große Stadt nur Halle dabei, dann sind die Landkreise und ansonsten sind es wirklich diese mit, weiß nicht, 20 Leuten in der Kernverwaltung oder ein bisschen mehr, aber nicht die großen Städte, die brauchen das gerade nicht so unterstützend.
Torsten Frenzel Aber was heißt denn vernetzen? Nur, dass sie sich kennenlernen oder übergeben sie sich auch Aufgaben oder teilen sich Aufgaben?
Lisa Kulemann Mittlerweile versuchen wir zumindest Projekte gemeinsam zu starten und gucken, dass vielleicht gegebenenfalls der eine, die Fachsoftware... Modernisiert und dann sein Wissen an andere weitergibt. Wir erstellen auch gemeinsam, also die Digitalagendas werden ja erstellt, da geben sie sich auch Hinweise, was man noch machen könnte.
Lisa Kulemann Sie gucken, was andere in ihrer Digitalagenda haben und auch die Informationssicherheitsbeauftragten haben jetzt wirklich viele Blaupausen erstellt, die wir auch nutzen konnten und einfach zu sagen, hier hast du eine Blaupause, brauchst du das Rad nicht neu erfinden. Nimm sie, pass sie an, spart dir x Prozent, über 50 Prozent deiner Arbeitszeit ein und kannst halt dich auf wichtigere Sachen konzentrieren, als wieder das fünfte, keine Ahnung, die fünfte Dienstanweisung zu schreiben oder so, die eh immer gleich ist.
Claudia Thiele Und lokale Netzwerke wurden gestärkt. Also ich habe festgestellt bei uns im Landkreis, dass die kreisangehörigen Kommunen jetzt viel stärker miteinander reden und auch eine gleiche Wissensbasis haben. Die haben halt alle dieses Digitallotsenprogramm durchlaufen und jetzt haben sie eine gemeinsame Basis, wo sie anfangen auch miteinander mehr zu sprechen, und das ist ja halt lokal.
Steven Kiewert Aber auch das lose Netzwerk, also auf der untersten Ebene, sich einfach mal kennenlernen, wie du eben gerade sagtest. Auch das ist schon immens wichtig, denn da sieht man erstmal, wo steht eigentlich meine Nachbarkommune, wo stehe ich. Vielleicht hat meine Nachbarkommune ein Projekt laufen, wo ich auch Interesse dran habe und wiederum bei uns läuft ein Projekt, wo die Nachbarkommune Interesse hat.
Steven Kiewert Und dieser Austausch auf der verbalen Ebene, ganz einfach, der ist Gold wert, gerade für die kleinen Kommunen. Und dann kann man sehr konkreter werden. Arbeitet ihr mal weiter, wir würden gerne eure Erkenntnisse nachnutzen, eure Konzeptschreiben oder was auch immer.
Torsten Frenzel Gibt es sowas wie kommunale IT-Dienstleister in Sachsen-Anhalt?
Claudia Thiele Ja, ja. Verschiedene.
Torsten Frenzel Verschiedene?
Claudia Thiele Okay, da ist es schon. Verschiedene tatsächlich. Ja, ja. Also wir arbeiten beispielsweise mit der KDG, das ist eine ganz kleine... Das ist eine Datengesellschaft bei uns im Landkreis. Ihr habt einen eigenen?
Steven Kiewert Also wir haben gar keinen kommunalen IT-Dienstleister. Wir haben einen privaten IT-Dienstleister. Der kümmert sich komplett um unsere IT-Infrastruktur. Das ist die WG Systems aus Berlin.
Lisa Kulemann Okay. Und halt unser KID-KITU-Konstrukt. KID ist ja auch der IT-Dienstleister vieler Kommunen, die in die Genossenschaft eingetreten sind und somit auch vergabefrei, bei uns einkaufen können.
Torsten Frenzel Das ist ja schon mal ein großer Schritt, wenn man sich da zusammentut und es quasi an einer Stelle bündelt. Aber jetzt nochmal die wahrscheinlich gefürchtete Frage, wie sieht es denn aus mit OZG und Eva?
Claudia Thiele Also wir dürfen ja heute meckern, richtig? Ich habe wirklich eine Sache, die brennt mir so sehr unter den Fingernägeln. Ihr kennt sie, glaube ich, alle auch schon. Und zwar geht es um die Sozialplattform. Also wir nutzen die Sozialplattform nach. Ich finde, es ist auch eine tolle Idee zu sagen, ich habe eine Plattform und decke damit die Lebenslage der Menschen ab, die eben in diesem sozialen Kosmos eine Leistung suchen.
Claudia Thiele Wir haben jetzt Bildung und Teilhabe angebunden. Und ja, natürlich für unsere Mitarbeitenden, die wollen die Daten dann auch im Fachverfahren haben. Jetzt war die Schnittstelle für das Fachverfahren wirklich sehr, sehr teuer. Also es hat sich nicht gerechnet im Vergleich zu der Fallzahl pro Monat. Wenn man dann auch noch die Anträge abrechnet, die nach wie vor auf Papierform irgendwie reinkommen, hat sich nicht gerechnet.
Claudia Thiele Also wir haben im Haus ein RPA, einen Roboter und wollten damit die Schnittstelle machen. Und bevor man mit einem RPA, mit so einem Roboter ein PDF ausliest, das ist lang, aufwendig und fehleranfällig. Dann hast du mal irgendwie fünf Kinder und dann ist auf einmal eine Angabe auf Seite 2 und der Roboter kennt es nur auf Seite 1. Also das kann man so nicht unbedingt machen. Es geht, aber es ist nicht gut.
Claudia Thiele Also haben wir uns gesagt, schön, mit jedem Antrag kommt ja auch ein XML-Datensatz. X-Sozial, wir reden ja von den Standards, die seit Jahren Usus sind, da muss ja keiner mehr drüber diskutieren, die sind gesetzt. Und dann stellt sich raus, dass dieser XML-Datensatz nicht vollständig ist. Also der deckt sozusagen nur die initiale Fallanlegung an.
Claudia Thiele Aber ganz viele Daten, die ich nach wie vor brauche, also Beispiel war, was kostet eine Klassenfahrt? Also die Person reicht eine Beantragung, eine Erstattung der Klassenfahrt an und kann gar nicht mit angeben, wie teuer sie ist. Also schon steht im PDF, steht nicht in der XML, muss also jemand manuell nacharbeiten.
Claudia Thiele Das finde ich total traurig, weil ich bin ein Riesenfan von diesem Einer für Alle. Ich finde, es müsste alles gleich aussehen. Ich musste mich schon Kreistag dafür rechtfertigen, warum ich plötzlich auf eine andere URL komme, wenn ich einen Führerschein beantrage. Warum bin ich jetzt nicht mehr im Landkreis Mittenberg?
Claudia Thiele Okay, da müssen sich andere mit beschäftigen und ich hoffe, die tun das auch. Aber dass es diese Standardschnittstellen nicht maschinenlesbar gibt, das sind tausend Schritte zurück und ehrlich gesagt ist es uns nur zufällig aufgefallen. Ich habe das gar nicht infrage gestellt. Ich habe da nicht nachgefragt und dann ist das jetzt so hochgekocht.
Claudia Thiele Also wir dürfen heute meckern, das muss ich jetzt machen, liebe Sozialplattform, tut mir leid, das muss jetzt sein.
Torsten Frenzel Die Hersteller sind ja alle hier vor Ort, kannst du direkt nochmal vor Ort enden, meckern. Aber ich stelle fest, es ist nicht nur aus meinem beruflichen Alltag eines der größten Probleme, das Thema Schnittstellen, sondern es ist tatsächlich nicht nur in Bayern virulent, sondern in ganz Deutschland. Sondern die Schnittstellen von den, ich nenne es einfach mal von den EFA-Leistungen, einer für alle Leistungen in diese Fachverfahren, die ja auch alle die gleichen sind, nur auch alle die gleichen verwenden. Die sind irre teuer.
Lisa Kulemann Genau, jeder will was vom Kuchen abhaben, hat man immer das Gefühl. Und obwohl man die Schnittstelle wahrscheinlich schon... Weiß ich nicht, wie tausend Male gemacht hat und angepasst hat, kommt immer wieder derselbe Betrag, wo ich so sage, ein Sachsen-Anhalt, ein Fachverfahren, wie kann es sein, dass alle nochmal was draufpacken müssen auf den Kuchen und nochmal und nochmal. Ich glaube, das ist auch so ein großer Punkt.
Lisa Kulemann Und das ist halt auch so viele Evas mit Eimer geworden, die jetzt gekommen sind. Wir hatten ja das Glück, dass das Land Finanzmittel zur Verfügung gestellt hat, aber es kam halt so viel, dass die Kommunen gar nicht mehr wussten, wo fange ich überhaupt an, wo höre ich auf, welche Eva brauche ich unbedingt, wo nicht. Was kostet vor allem später?
Lisa Kulemann Das ist das größte Problem und deswegen hatten die kleinen Kommunen vor allen Dingen Angst, Eva weiter zu nutzen, weil sie nicht wissen, was kommen für Kosten auf mich zu und was muss ich in Haushalt einplanen.
Claudia Thiele Und vor allem landet Eva ja vor der Haustür. Diese Analogie benutze ich immer. Es wird ja quasi vor die Tür gepackt, nett verpackt, mit einem rosa Schleifchen drum, wunderschön. Aber es muss trotzdem einer rauskommen, das Paket nehmen, es in das richtige Zimmer stellen und die richtigen Leute müssen es aufmachen.
Claudia Thiele Und das kann auch so ein Rollout-Team nicht leisten. In alle Kommunen reingehen und dann wirklich gucken, wie die Schnittstellen in jedes Fachverfahren weiterverarbeitet, wie auch immer. Und dadurch sind ganz viele EFA-Dienste an der Haustür der kleinen Kommunen auch gescheitert.
Steven Kiewert Das war aber auch ein grundsätzliches Problem vom Online-Zugangsgesetz, dass es nur in Bürgerrichtung gedacht war. Mit dem Änderungsgesetz wurde dann endlich auch mal die Ende-zu-Ende-Digitalisierung aufgegriffen. Also, dass man auch intern die Prozesse digitalisiert, ein DMS anbindet oder Schnittstellen in die Fachverfahren reinbringt oder mit einer Robotic Process Automation arbeitet, wie auch immer.
Steven Kiewert Aber das ist das grundsätzliche Problem und daran ist Eva aus meiner Sicht gescheitert.
Torsten Frenzel RPA habe ich ja eine klare Meinung. Also RPA ist ganz nett als Übergang, aber das darf keine Dauerlösung sein. Die Schnittstellen müssen passen. Die Schnittstellen müssen von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden.
Steven Kiewert Also RPA ist im Grunde genommen eigentlich nur Schatten-IT. Also für die Schnittstelle, setze ich den Robby ein, das machen wir an verschiedenen Stellen auch, weil es eben einfacher ist. Und im Vergleich zu den Kosten, ich kann das bei uns sagen, die X-Finanzschnittstelle, also Paypal-Zahlungen oder Zahlungen per Kreditkarte oder wie auch immer von dem IPBL-Portal oder IPLSA-Portal, wie es in Sachsen-Anhalt heißt, zu übertragen in unser HKR-Verfahren, da wollte der IT-Dienstleister allein für die Konzeption bei uns 60.000 Euro haben. Und da steht noch keine Schnittstelle.
Steven Kiewert Und dann kommt nach der Konzeption, wenn die okay ist, ja, machen wir, beauftragen wir, dann kommt ja die eigentliche Programmierung erst. Also das ist auch, da sieht man mal die Kosten und wir haben das jetzt mit unserem RPA abgebildet, das läuft automatisiert und es geht. Aber es ist halt auch nicht die, Ja, die Endlösung.
Lisa Kulemann Das ist wie eine Behelfsbrücke in Magdeburg. Die wird einfach mal dazwischen geschoben, bis es wieder richtig funktioniert.
Torsten Frenzel Ja, zumal dieses Thema ist ja schon in verschiedenen Bundesländern gelöst worden. Auch für verschiedene Fachverfahren. Also das könnte man ja nachlernen oder, sich die Schnittstelle einkaufen irgendwo.
Claudia Thiele Da sitzen wir halt nicht am längeren Hebel. Also wir fragen halt an, wir wollen die Schnittstelle und dann kommen halt solche Angebote. Also ich hatte für diese BUT-Schnittstelle 700 Euro im Monat. im Monat. Und dann kamen aber irgendwie nur 10 Fälle online erstmal rein. Und dann ist es nur, die nehmen ja auch den XML-Datensatz. Das ist ja noch das Größte, das hätte ich ja gar nicht gewusst.
Claudia Thiele Ich hätte also eine Schnittstelle bezahlt mit 700 Euro im Monat für eine viel zu geringe Fallzahl und hätte dann trotzdem nur die initiale Fallanlegung gehabt. Und trotzdem hätte der Mitarbeitende sich das PDF angucken müssen und die Kosten der Klassenfahrt nachschreiben müssen. Das ist gruselig.
Torsten Frenzel Das heißt, der XML-Datensatz ist gar nicht vollzählig, äh, vollständig.
Claudia Thiele Genau, das ist dieser Ex-Sozial-Daten-Einsatz bei Bildung und Teilhabe. Da hätte ich ja die Schnittstelle kaufen können. Und ProSAS hätte diese Schnittstelle auch genutzt.
Torsten Frenzel Ja, da müsst ihr halt mal schauen, wo das Problem liegt. Gibt das das XML nicht her nach dem XEV-Standard?
Claudia Thiele Der wird jetzt angereichert. Wir hatten tatsächlich auch schon Gespräche mit der Sozialplattform, um das Thema anzugehen, wie das jetzt nachgerüstet werden kann. Aber es ist halt irgendwie eine Riesensache. Das geht jetzt halt nur Stück für Stück. Wir haben jetzt ein Fördermittelprojekt laufen bis Ende des Jahres.
Claudia Thiele Wir lesen jetzt die PDF aus. Ich bin da jetzt kein Fan von. Wir machen jetzt also RPA und dann noch PDF. Aber es ist das, was für uns am nutzbarsten ist und dem Kollegen vor Ort tatsächlich die größte Entlastung bringt.
Torsten Frenzel Lisa, jetzt sind die beiden ja von eher größeren Einheiten. Du hast ja wahrscheinlich mit viel so auch kleinen Kommunen zu tun.
Lisa Kulemann Ja.
Torsten Frenzel Wie sieht es denn bei denen aus?
Lisa Kulemann Die sind total überfordert. Das muss man einfach so sagen. Die wissen wirklich nicht, wie ich ja eben schon mal erwähnt habe. Was mache ich überhaupt zuerst? Wo bringt es mir vor allen Dingen Nutzen? Also wo braucht der Bürger wirklich gerade, dass es digital läuft? Die Frage stelle ich ja auch immer so ein bisschen, vielleicht auch provokativ.
Lisa Kulemann Nutzt der Bürger wirklich schon Digitalisierung so, wie wir sie gerade machen? Also ich selbst, wenn ich drüber nachdenke, wann ich das letzte Mal digital irgendwas in meiner Kommune beantragt habe, war jetzt nicht wirklich viel. Also es war mal ein Personalausweis, da gab es noch nicht, dass ich das irgendwie online machen kann.
Lisa Kulemann Und ansonsten ist halt wirklich bei denen die Frage, stecke ich so viel Geld in etwas rein, wo ich nicht weiß, ob vielleicht 5 oder 25 oder vielleicht 5.000 das nutzen. Und die sind echt gerade so ein bisschen, die wissen nicht, was sie zuerst machen sollen. Das Gefühl habe ich wirklich, die wollen gerne.
Lisa Kulemann Da gibt es auch Leute, die haben da richtig Bock drauf, aber die wissen einfach nicht, wo sie anfangen sollen.
Torsten Frenzel Okay, und wenn ich das so richtig raushöre, scheitert es hauptsächlich auch am Geld?
Lisa Kulemann Ich weiß nicht, ob das Geld, ja, natürlich sind bei uns fast alle eine Haushaltskonsolidierung. Das Geld ist schon ein Problem, weil sie zum Schluss auch nicht wissen, was müssen sie selbst einplanen, wenn das Land nicht mehr finanziert. Aber ich glaube, es scheitert auch daran, dass viel zu wenig Menschen für viel zu viele Aufgaben sind und sie halt nicht priorisieren können, welche Leistung ist gerade die, die ich am wichtigsten oder als erstes voranbringen muss und digitalisieren muss.
Lisa Kulemann Ich glaube, das ist so eines der größten Probleme, die wir haben.
Steven Kiewert Und der technische Standard vielleicht, wenn ich kurz einhaken darf. Ich kenne es aus meiner Heimatkommune, Stadt Oberharz am Brocken, wenn ich das hier erwähnen darf. Sehr schöne Stadt, Grüße gehen raus. Ja, da wurde klipp und klar gesagt, also unsere technische Basis ist noch gar nicht so weit, dass wir da jetzt mit Online-Diensten aufsetzen können.
Torsten Frenzel Das heißt, die haben noch nicht mal eine E-Akte oder NES?
Lisa Kulemann Die meisten nicht. Und die meisten haben halt auch keinen Digitalisierer. Das macht dann irgendwer mit.
Steven Kiewert Das macht der IT-Law mit.
Lisa Kulemann Das macht der IT-Law mit. Fachbereichsleiter, der Bürgermeister, wie gesagt, selbst.
Claudia Thiele Ich habe neulich eine Kämmerin kennengelernt, die das DMS einführt.
Torsten Frenzel Ja gut, das ist aber eher klassisch.
Claudia Thiele Also ich habe so in der Form tatsächlich noch nicht irgendwo gehört.
Lisa Kulemann In den kleinen Kommunen ist das nicht selten, dass die Kämmerin ist dann.
Torsten Frenzel Ich kenne auch IT-Leiter, die saßen früher als Auszubildende am nächsten am Server und sind dann IT-Leiter geworden. Solche kenne ich noch.
Lisa Kulemann Ja, es ist ganz spannend. Ich glaube, die wollen schon alle. Ich glaube, wir sind alle auf dem Weg. Mit der Vernetzung wird das auch besser. Die können sich gegenseitig unterstützen. Aber ich glaube, denen fehlt halt einfach auch die Zeit. Also nicht unbedingt als größten Part das Geld auch mit. Aber ich glaube, die Zeit ist das, was wirklich fehlt.
Torsten Frenzel Ich glaube, da braucht man da gar nicht drüber sprechen, über Behördennetze und KI und Ähnliches, oder?
Claudia Thiele Nee, nicht wirklich.
Steven Kiewert Das ist Raketenwissenschaft für die ganz kleinen Kommunen, glaube ich.
Lisa Kulemann Ja, die wollen das alle, weil sie denken, es hilft, aber sie kennen sich halt nicht so richtig mit aus, muss man jetzt auch einfach mal sagen. Und das einfach nur einzusetzen, weil gerade KI das Passwort des Jahres ist, muss man, also ist meiner Meinung nach echt so ein Wort, das ist wie Digitalisierung, das konnte man irgendwann auch nicht mehr hören, so ist es jetzt gerade mit KI.
Lisa Kulemann Da haben wir jetzt auch eine Schulung entwickelt, damit wir den Leuten erstmal sagen, was machst du da überhaupt mit, was arbeitest du? Und das Ding kann halt auch Halluzinationen hervorrufen. Der macht nicht unbedingt das, was du willst und überprüft das bitte gerne erst mal.
Steven Kiewert Und bevor ich eine KI einführe, muss ich ja diverse Vorarbeiten machen. Und dafür ist dann ja auch einfach keine Zeit. Ich muss halt die, ich brauche einen Use Case, einen konkreten Use Case. Ich muss irgendwo die Wirkung aufzeigen können, die ich mit der KI eben einführe. Und das allein daran scheitert es ja schon. Die Governance. Ja, ja.
Torsten Frenzel Wenn es schon keine E-Akte gibt, also noch nicht mal elektronisches Papier gibt, dann... Habe ich ja gar nicht mal Daten, mit denen ich meine KI trainieren kann. Korrekt.
Lisa Kulemann Ich hatte jetzt einen Workshop im Jährisch-Horland mit Führungskräften zum Thema KI. Und da habe ich genau das gesagt. Führt bitte nicht KI ein, nur um der KI willen, sondern findet erstmal Anwendungsfälle, dass die KI, die ihr einführt, später auch das kann, was ihr wollt. Und dann haben wir wirklich in diesem Workshop erstmal erarbeitet.
Lisa Kulemann Was sind denn überhaupt Anwendungsfälle für Kommunen? Und was kann man dann wirklich auch nutzen?
Steven Kiewert Ich hoffe, du hast den KI-Wegweiser herangezogen, den wir erarbeitet haben.
Lisa Kulemann Natürlich.
Steven Kiewert Im Rahmen der digitalen Expertise mit dem Landkreistag und dem MID. Idee.
Torsten Frenzel Immerhin, ihr tut was Gutes. Also das ist ja, ich finde das großartig, wenn man so Sachen entwickelt und dann auch teilt untereinander. Also das ist genau der richtige Weg. Aber...
Lisa Kulemann Darf ich da noch was zu sagen? Ich glaube, das entwickelt sich jetzt, aber es ist unheimlich schwierig für viele, dieses Nachnutzen. Ist ja irgendwie so ein bisschen wie Abschreiben. Und in der Schule wird einige lehrt, wir sollen nicht abschreiben. Und deswegen ist es unheimlich schwer für viele zu sagen, ich nutze das jetzt nach. Weil man hat immer dieses Gefühl, oh Gott, jetzt schreibe ich was vom anderen ab. Und ist das überhaupt richtig? Natürlich ist es Das sollten wir auch tun.
Lisa Kulemann Wir sollten uns von diesen Schulproblematik, du darfst nicht abschreiben, lösen. Ich glaube, das ist wirklich auch was in den vielen Köpfen drin hängt. Jetzt mache ich irgendwas, was wer anders schon gemacht hat. Gott, wenn das einer sieht.
Steven Kiewert Und eine Sache noch, die ich da ergänzen möchte. Ein Fall ganz oft in solchen Wegweiser, also in dem Wegweiser beispielsweise oder auch in anderen Projekten, hat schon mal ein Datenschützer drüber geschaut über die Maßnahme, die man einführen will. Oder der IT-Sicherheitsbeauftragte in der anderen Behörde.
Steven Kiewert Und dann möchte die nachnutzende Behörde, also das müssen wir unserem IT-Sicherheitsbeauftragten nochmal vorlegen. Da muss unser Datenschützer nochmal drüber schauen. Doppelte Arbeit. Und das wird extrem in die Länge gezogen, obwohl ja schon mal jemand drüber geschaut hat und das freigegeben hat.
Claudia Thiele Und andere Ergebnisse. Dann wird es plötzlich nicht freigegeben. Nee, das können wir jetzt so nicht akzeptieren.
Steven Kiewert Haben wir nicht die gleiche Rechtsgrundlage?
Claudia Thiele Das verstehe ich jetzt nicht.
Torsten Frenzel Ja, vor allen Dingen, also man kann auch in unserer Branche kann man pragmatisch sein. Weil alles, was ich erfassen darf an Daten, ist in irgendeiner Verordnung, in einem Gesetz oder sonstigen geregelt. Und dann braucht eigentlich gar keinen Datenschutzbeauftragter irgendwas dagegen haben. Wenn da drin steht Schuhgröße, na dann ist halt so.
Torsten Frenzel Genau, aber ihr wolltet zwar meckern, aber wie kommen wir denn da wieder raus? Was können wir denn tun, damit wir genau auch diese ganzen kleinen Kommunen da abholen können, wo sie gerade stehen und in die Richtung bringen können, wo es uns allen was bringt und vor allen Dingen, wo wir sinnvoll mit unseren Steuergeldern umgehen?
Claudia Thiele Ich glaube, ich würde deinen Begriff vom Anfang nochmal gerne aufgreifen, Lisa, die Zentralisierung. Weil das ist für mich das, wo ich halt sage, in der Digitalisierung bietet es sich wirklich an. Und mein Kämmerer, der hatte auch so eine interessante Idee. Es gibt ja immer so diese Zuständigkeit, räumliche Zuständigkeit und ob man nicht auch eine digitale Zuständigkeit machen kann.
Claudia Thiele Wir machen es ja jetzt bei der Kfz-Zulassung, wo wir sagen, das KBA übernimmt es. Und wirklich von mir aus, also wir haben da keinen Schmerz mit, solche Sachen abzugeben. Viel lieber würde ich mich dann mehr auf die Daseinsvorsorge vor Ort konzentrieren. Auch diese kleinen Städte, die haben dann manchmal Fallzahlen von, weiß ich nicht wie viele, Hundeanmeldungen zum Beispiel im Jahr.
Claudia Thiele Für die lohnt sich ein Online-Dienst gar nicht. Wenn die dafür 20 Euro im Monat bezahlen, lohnt sich das schon nicht, weil die fünf Blatt Papier kosten weniger. Also es gibt einfach Bereiche, die müssten mehr zentralisiert sein und dafür müssten andere Bereiche Daseinsvorsorge vor Ort gestärkt werden.
Torsten Frenzel Ja, du sagst, Hundanmeldung ist eines der wichtigsten Themen in den Kommunen. Ich weiß gar nicht warum, aber es ist so. Und da kann auch jede Kommune machen, was sie will. Bei den einen ist der Hund ein Hund erst, wenn er eine bestimmte Rückenhöhe hat und bei anderen ist jeder kleinste Mini-Hund schon ein Kampfhund.
Torsten Frenzel Ich glaube, Zentralisierung würde ich hier auch ganz viel Harmonisierung reinbringen.
Steven Kiewert Standardisierung auch.
Claudia Thiele Standardisierung, ja.
Steven Kiewert Ein Ansatz, ich finde auch die Kommunikationsstrukturen, die wir jetzt aufgebaut haben in den letzten fünf, sechs Jahren mit dem CIO-Projekt in Sachsen-Anhalt, wo gerade die Kommunikation neu aufgebaut wurde zwischen Land und Kommune. Dabei sollte es bleiben. Das sollte fortgeführt werden. Ich hoffe, die neue Landesregierung nimmt sich der Sache auch an. Da sind wir mal gespannt.
Steven Kiewert In Sachsen-Anhalt ist ja leicht in die andere Richtung gelaufen. Schade. Aber es ist für mich gerade so, diese Zusammenarbeit auch mit der Landesebene, wo man auch viele Dinge auf Augenhöhe bearbeitet.
Lisa Kulemann Kurze Wege, ja.
Steven Kiewert Kurze Wege, das bringt das alles nochmal voran. Das bringt eine Dynamik rein und das macht dann auch Spaß, wenn man, wenn die Landesebene in die Kommunen geht und erst mal fragt, wie läuft es denn bei euch vor Ort und nicht mit irgendwelchen Erlassen. Die Kommunen zuscheißt auf Deutsch und sagt, so macht das mal so.
Steven Kiewert Ne, machen wir eben nicht. Und das sollte fortgeführt werden. Das finde ich ganz, ganz wichtig. Da haben wir viel profitiert in den letzten fünf, sechs Jahren.
Lisa Kulemann Da ist ja auch unser Netzwerk entstanden. Und auch das Land ist jetzt immer noch auf Augenhöhe. Wir sind überall noch eingeladen, wir sind überall noch dabei. Die fragen auch wirklich, wie sieht es denn aus in den Kommunen, auch bei den kleinen Kommunen. Die machen auch selber bei uns mit in manchen Workshops, weil sie einfach dabei sein wollen, weil sie den Weg haben wollen. Und ich finde auch dieses, ja, das ist einfach so eine obergeordnete Stelle, ob das jetzt digitallotten sind zum Schluss oder nicht, ist dahingestellt.
Lisa Kulemann Es braucht etwa jemanden, der das Netzwerk vorantreibt, der die Kommunen zusammenhält und der wichtige Informationen so reintreibt, sodass jeder auch dieselben Informationen hat, weil das ist ja auch so ein Problem gewesen. Der eine hat unter dem Begriff noch lange nicht das verstanden, was der andere verstanden hat, dann hat man aneinander vorbeigeredet.
Lisa Kulemann Und das ist auch so ein Punkt, wo ich sage, Kommunikation, Standardisierung und ja, das ist so die zwei großen Wörter, die ich verwenden würde.
Torsten Frenzel Ich glaube, da muss ich euch off-air noch ein paar Sachen zeigen.
Lisa Kulemann Auch über Ländergrenzen übrigens hinweg. Also mache ich auch mit Felix das ein oder andere mal einen Austausch oder auch mit Sachsen, Matthias Martin zum Beispiel. Auch das hilft uns, weil die haben manchmal schon Sachen, die wir noch nicht haben, aber die können halt auch von uns nachnutzen, was wir halt entwickelt haben. Und das finde ich total wichtig, dass man einfach nicht mehr in seinem kleinen Silo denkt, oh, ich bin die Kommune, keiner darf gucken, was ich mache.
Lisa Kulemann Da könnte ja irgendwer sehen, dass irgendwas nicht so gut läuft. Darum geht es doch gar nicht. Wir wollen nicht gucken, was nicht gut läuft, sondern wir wollen gucken, wo können wir euch unterstützen und wo können wir einfach euch auch an die Hand nehmen. Und ich sage immer so schön, wenn ich meinen Kindern erkläre, was ich mache, ich versuche, den Kommunen laufen zu lernen. Ich nehme die an die Hand und zeige denen erstmal, wie sind die ersten Schritte.
Lisa Kulemann Wenn der erste Schritt gemacht ist, geht es meistens von alleine. Aber dieser erste Schritt, das ist halt das Wichtige.
Torsten Frenzel Ja, das kennen wir von heute Vormittag, als ihr euch nicht reingetrottert in die Kabine und aufgeregt wart.
Lisa Kulemann Genau, da habe ich auch gesagt, der erste Satz ist immer der schlimmste, bei uns schon ganz allein.
Torsten Frenzel Aber ich sehe, ich schaue hier in drei ganz entspannte Gesichter, also ich glaube, das wird ganz gut. Drehst du nach Forderungen? Das ist ja im Prinzip genau das, was ihr hier angesprochen habt. Die sind ja, weiß ich nicht, fünf Jahre alt sind die schon oder noch älter? Noch älter, ja. Also die sind mal im Rahmen von so einer ITI-Planusratssitzung entstanden.
Steven Kiewert Ich kenne die nicht. Ich bin ganz ehrlich, ich kenne die nicht. Ich kenne die Merseburger Forderungen von den Merseburger Digitaltagen.
Lisa Kulemann Die heißen, glaube ich, ein bisschen anders aus.
Steven Kiewert Die heißen, glaube ich, anders, ja. Aber Dresdner Forderungen, okay. Bitte mich nicht fragen.
Torsten Frenzel Nee, überhaupt kein Problem. Aber prinzipiell ist es genau das, was du schon gesagt hast. Also Zentralisierung. Wir machen gemeinsam, wer das Gesetz erlässt, der ist auch dafür zuständig, dass es umgesetzt wird. Und das sind quasi die Dresdner Forderungen. Jetzt mal zusammengedampft, da steht noch ein bisschen mehr drin, aber das ist zusammengedampft.
Torsten Frenzel Aber was haltet ihr davon?
Claudia Thiele Also wie gesagt, ich denke, es würde einige Krankheiten heilen, die wir aktuell haben, weil die Strukturen einfach historisch so gewachsen sind, von den Computern vor Ort, mit den Fachverfahren vor Ort. Ja, ja, die Passwort Bingo dürfen wir heute nicht spielen. Aber halt, wir haben jetzt diese Entwicklung mit der Cloud, wir haben die Entwicklung mit KI und jede Kommune macht nach wie vor ihr eigenes Ding.
Claudia Thiele Wir arbeiten schon zusammen, aber am Ende sind das so 50 Prozent des Weges, die wir uns vielleicht durch eine Nachnutzung abnehmen lassen. Am Ende ist es dann doch wieder bei uns und es ist doch wieder unsere IT vor Ort. Und es gibt einfach bestimmte Stellen, da macht es einfach überhaupt keinen Sinn, das so zu machen.
Claudia Thiele Also ich freue mich wirklich auf dieses Kfz-Zulassungsprojekt und ich hoffe sehr, dass das BMDS hält, was es verspricht und dass es auch funktionieren wird. Weil das ist jetzt für mich auch mal so eine...
Torsten Frenzel Aber klär mich kurz auf, es gibt doch eKfz als E-Fahrleistung.
Claudia Thiele Naja, aber die habe ich eingeführt. Ich habe einen Vertrag mit einem Hersteller, der eKfz für uns betreibt. Ich habe ein Fachverfahren vor Ort, wo die Daten über eine Schnittstelle reinlaufen. Also ich möchte gerne, dass dieser Online-Dienst zentral gemacht wird. Ich muss den nicht selber einkaufen. Dann habe ich auch die monatlichen Kosten nicht mehr dafür.
Claudia Thiele Brauche ich auch nicht. Und das Fachverfahren, ob das jetzt bei uns auf dem Rechner liegt, im Keller steht oder wie beim BAföG oder beim Wohngeld längst schon zentral irgendwo gehostet wird. Wir haben dadurch Vorteile. Wohngeld ist für mich so ein Beispiel. Wir haben das Fachverfahren DIVO, das wird zentral vom Land übernommen, gehostet.
Claudia Thiele Und wir hatten die Online-Dienste auf Knopfdruck. Wir mussten im Grunde genommen nur sagen, ja, ich will. Und dann gingen die sofort auch in das Fachverfahren rein. Das war für uns so easy umzusetzen, aber es lag an diesen zentralen Strukturen, die da eben zufällig schon vorhanden waren. Also in die Richtung würde ich schon gerne weitergehen.
Steven Kiewert Die aber auch unterschiedlich sind, die zentralen Strukturen. Und bei Divo, wunderbar, kann ich bestätigen, ist bei uns auch der Fall. Wir können sogar unser DMS bei uns fort dort anbinden per Schnittstelle, das geht auch. In anderen Fällen überörtliche Sozialhilfe, Stichwort LEMCOM-LISA, das Fachverfahren, absolut schwierig.
Steven Kiewert Absolut schwierig, die Zusammenarbeit mit der Sozialagentur, mit der Landesebene, also boah, so eine Herausforderung hatte ich ganz selten erlebt. Wir haben zwei Jahre gebraucht, um das DMS anzubinden, puh, und jetzt da die Online-Dienste noch mit umzusetzen, puh, schwierig.
Torsten Frenzel Wo liegen denn da die Schwierigkeiten? In der Abstimmung oder?
Steven Kiewert In der Abstimmung und in Zuständigkeitsfragen.
Torsten Frenzel Okay.
Steven Kiewert Die ganz einfach im Raum stehen, und auch in dem Verständnis, wie man Online-Dienste aufbauen will. Das Land versteht das da an der Stelle, also nicht das komplette Land, sondern die Sozialagentur, das Landesamt für Soziales und Jugend, wie es sich jetzt schimpft. Die verstehen das vielleicht ein bisschen anders, wie wir Kommunen vor Ort.
Steven Kiewert Und das ist wieder der Punkt, wo ich sage, kommt doch mal in unsere Kommunen und schaut euch das hier tatsächlich mal an. Dann versteht ihr vielleicht unser Ansinnen und dann reden wir vielleicht irgendwann noch in die gleiche Richtung. Und nicht gegeneinander. Und da habe ich gerade das Gefühl, dass das gegeneinander eher läuft, was schade ist.
Torsten Frenzel Okay. Aber wir wollen mal etwas Positives raus. Oder wolltest du gerade noch was sagen, Lisa?
Lisa Kulemann Ich wollte sagen, dass ich das total wichtig finde mit Zentralisierung, auch gerade Rechenzentren, weil auch im Bereich Informationssicherheit haben die kleinen Kommunen ja doch nicht die Stärke, die ein großer Landkreis oder eine große Stadt leisten kann. Wenn es vielleicht so zwei, drei, vier regionale Rechenzentren gibt, wo die wirklich ihre Sachen drauf haben, müssen sich nicht darum kümmern, dass der Server funktioniert, dass da alles in der Informationssicherheit passt, dass die Mindestanforderungen passen.
Lisa Kulemann Dann haben die da auch was Gutes hier schaffen, finde ich. Aber wie gesagt, ich glaube, wir sind echt auf einem guten Weg dahin. Und wenn man weiter so zusammenhält, wie es jetzt ist in Sachsen-Anhalt, dann kann das echt was Gutes werden.
Torsten Frenzel Das ist schon positiv, aber ich will jetzt auch noch von euch wissen, was gut gelaufen ist. Nicht nur meckern, was gerade schiefläuft, sondern gibt es Projekte und vor allem welche, die gut gelaufen sind, gut angenommen werden, die gut dastehen?
Lisa Kulemann Da fange ich doch direkt mit meinem Projekt an. Ich glaube, das haben wir lange darum gekämpft, auch, im CIO-Projekt. CIO-Projekt und GDST-Projekt. Weil wir es in Sachsen gesehen haben, wie gut es sein kann, dass es so ein überregionales, Programm gibt, das unterstützt die Kommunen und das Land hat da super mitgemacht.
Lisa Kulemann Und ich glaube, dass das wirklich ein Projekt ist. Ich glaube, die anderen beiden bestätigen das, auch die mit hier sitzen, dass es wirklich gut war, dass das Geld reingesteckt wurde, dass wir das gemacht haben und, hat auch dazu geführt, dass wirklich ein großes Netzwerk entstanden ist und viel Hilfe geschaffen wurde, auch untereinander.
Lisa Kulemann Wir beantworten auch mal Fragen, die wir von anderen Kommunen bekommen. Suchen uns Informationen dazu und geben sie dann die Informationen wieder zurück. Also wir sind so ein bisschen dieses Bindeglied zwischen allen, habe ich das Gefühl zumindest.
Claudia Thiele Also ein Projekt, was bei uns recht gut gelaufen ist, ich kann halt nicht sagen 100 Prozent, das geht einfach an vielen Stellen.
Torsten Frenzel Das ist klassisch im Projektmanagement.
Claudia Thiele Das läuft nie 100 Prozent gut. Aber das ist der ÖGD-Pakt, also das sind die Gelder, die vom Bund ins Gesundheitsamt bei uns geflossen sind nach der Corona-Pandemie. Da konnten wir wirklich vieles umsetzen und haben auch tatsächlich Und ich, Vieles immer noch mitgenommen und vieles davon gelernt. Also wir haben dank dem ÖGD-Geldern einen Chatbot, den wir jetzt nutzen können für unsere Bürger, Bürgerinnen.
Claudia Thiele Wir konnten den Roboter einführen, auch wenn du ihn nicht magst. Mein IT-Leiter mag ihn auch nicht. Grüße gehen raus. Wir streiten uns dann immer, weil ich sage, wir lassen den noch laufen und investieren noch weiter rein, weil die Schnittstellen eben einfach alle noch nicht so weit sind. Und wir haben halt auch ganz viel gelernt zum Thema Change tatsächlich, weil wir haben unsere Kollegen und Kolleginnen vor Ort schon ziemlich überrumpelt, weil wir aufgrund der Fördermittelzeitlänge relativ viel in relativ wenig Zeit gequetscht haben.
Claudia Thiele Es kam ein neues Fachverfahren, der Roboter, der Chatboten, wir haben ein DMS angebunden, wir haben die Prozesse aufgenommen, also wir sind wirklich, wir haben das komplette Gesundheitsamt einmal umgekrempelt, und jetzt langsam hat sich das so weit eingeruckelt, dass die Kollegen den Mehrwert der ganzen Lösungen auch erkennen und auch wirklich positiv darüber reden.
Claudia Thiele Wie gesagt, unser Learning on Change Management, wir haben das zu wenig betrachtet, wir haben die Leute vor Ort zu wenig mitgenommen. Dadurch fühlten sich viele abgehängt, aber das haben wir dann quasi nachträglich so ein bisschen geheilt. Und das ist schon so ein Projekt, wo wir sagen, da sind wir auch schon stolz drauf, dass wir das jetzt so weit umsetzen konnten.
Steven Kiewert Ja, das kann ich sagen. Bei uns ist es das Thema IKFZ tatsächlich. Wir haben schon seit 2015 IKFZ mit der ersten Stufe eingeführt und sind jetzt mit der Stufe 4 dann auch letztendlich dann online gegangen. Wann war das? Schon vor zwei Jahren, glaube ich, 2024. Zum 1. September war das meines Wissens.
Steven Kiewert Und wir haben tatsächlich viele Nutzerzahlen im eKfz, größtenteils Abmeldung, weil da brauche ich die Bund-ID nicht. Anmeldung, Ummeldung, da brauche ich die Bund-ID, das ist dann eher nochmal ein Hemmschuh. Egal, trotzdem, es läuft auch über die ganzen Schnittstellen, in die Fachverfahren etc. Das funktioniert super.
Steven Kiewert Unser Dokumentenmanagement-System hat eine große Dynamik erfahren mit der Einrichtung der Stabstelle Digitalisierung. Also wir haben das DMS an 90% der großen Fachverfahren bei uns angebunden, dass wir da auch mit einer E-Akte arbeiten können, das war ein großer Erfolg für uns. Wir haben ein Prozessmanagement-Konzept erstellt, damit arbeiten wir jetzt.
Steven Kiewert Erstes großes Projekt darin war dann der Rechnungsworkflow, Rechnungseingangsworkflow, das läuft sehr gut, den wollen wir standardisieren bei uns, da gehen wir gerade in die richtige Richtung. Und dann kann ich halt noch von anderen Online-Diensten berichten, Unterhaltsvorschuss online, haben wir auch eine Schnittstelle eingekauft, dass nicht nur der Online-Dienst nach vorne heraus steht, sondern auch intern direkt in das Fachverfahren reingeht.
Steven Kiewert Also da haben wir schon gute Erfahrungen sammeln können und das sind positive Projekte, die man bei uns nennen kann.
Torsten Frenzel Also doch, es gibt die positiven und erfolgreichen Projekte, nicht, dass wir hier so ganz traurig enden.
Lisa Kulemann Es gibt auch die tollen Menschen, die da überall dahinter stehen und das umsetzen wollen. Und das finde ich halt echt richtig toll. Die geben halt auch einfach nicht auf. Egal wie schlecht es läuft, sie nehmen immer wieder den Hut und schmeißen ihn wieder in den Ring und machen weiter.
Steven Kiewert Mir fällt gerade noch viel mehr ein. Also unser Sozialamt, wo du gerade sagst, die tollen Menschen. Also hätte ich nicht so eine super Sozialamtsleiterin oder auch so einen super Mitarbeiter im Sozialamt, der sich der Sache von vornherein angenommen hat bei der DMS-Anbindung, wären wir nie so schnell fertig.
Steven Kiewert Wir haben 14.500 Altakten digitalisiert im Sozialamt. Das war so geil. Ich kriege gerade ein bisschen Gänsehaut, ehrlich gesagt. Weil das echt ein geiles Projekt war und unser Sozialamt arbeitet komplett digital. Also wirklich cool.
Lisa Kulemann Menschen sind alles.
Steven Kiewert Menschen sind alles. Und wenn Menschen dahinter stehen, auch wieder, wenn die Amtsleitung dahinter steht. Top.
Claudia Thiele Und man hat es vielleicht auch schon rausgehört. Also wir drei, wir kennen uns, wir mögen uns. Das ist wirklich schon wie so eine kleine kommunale Familie.
Lisa Kulemann Wir freuen ja nochmal zusammen.
Torsten Frenzel Sehr schön. Das ist eigentlich das perfekte Ende. Also ihr habt gemeckert, ihr habt euren Frust losgelassen. Ihr habt aber auch am Ende nochmal ganz deutlich gesagt, die ganze Digitalisierung hängt tatsächlich an Menschen. An dem Zwischenmenschlichen, an Leuten, die Interesse daran haben, was umzusetzen, die mit Herzblut hinten dranhängen.
Torsten Frenzel Da kann ich euch nur sagen, das ist auch genau das, was ich tagtäglich erfahre. Wenn es Leute dabei gibt, die mit Herzblut digitalisieren, dann funktioniert das auch. Ja, vielen Dank.
Lisa Kulemann Danke auch.
Steven Kiewert Danke.
Torsten Frenzel Es war schön, dass ihr hier wart und es war ein ganz, ganz tolles Gespräch mit euch. Und ich wünsche euch noch ein schönes Con. Und wahrscheinlich laufen wir uns die nächsten drei Tage ständig über den Weg.
Lisa Kulemann Genau. Vielen Dank. Vielen Dank.
Claudia Thiele Der auch noch viel Spaß.
Torsten Frenzel Genau. Und euch da draußen, vielen Dank fürs Zuhören und auch allen, die da draußen sitzen und direkt live zugehört haben. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
Steven Kiewert Ciao.
Claudia Thiele Tschüss.