
Ein Jahr in der Natur· Staffel 2· Folge 18
Fische in Bergseen – Das Rätsel der stillen Gipfelgewässer
Sonntag, 8. März 2026 · 21 min
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Shownotes
In die glasklare Stille der Hochgebirgsseen tauchen wir ein und stellen eine Frage, die einfach klingt und deren Antwort erstaunlich vielfältig ist: Wie kommen die Fische eigentlich da rein? Von Vögeln, die Fischeier an den Füßen tragen, über Gletscherschmelze und Eiszeitmigration bis zum menschlichen Fischeinsetzen seit Jahrhunderten reichen die Erklärungen.
Wir begleiten den Alpensaibling durch seinen langen, stillen Winter unter dem Eis, lernen, wie eDNA ganze Lebensgemeinschaften lesbar macht, und verstehen, warum diese kleinen, abgeschlossenen Wasserwelten zu den sensibelsten Klimaarchiven der Erde gehören.
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Willkommen zu einer neuen Folge von Schlafreise durch die Natur, deinem Podcast zum Entspannen, Loslassen und lernen. Kennst du schon unsere anderen Podcastreihen wie Wissensreise durch die Länder der Erde oder durch die Geschichte. Dort warten noch viele ruhige Stunden auf dich, heute aber reisen wir gemeinsam in die Stille der Berge hinauf zu jenen kleinen, kalten, glasklaren Seen, die in Felsmulden liegen.
Von Gletschern geformt, von Schnee gespeist, weit oben über der Baumgrenze, wo der Wind über blanken Fels anstreicht und die Welt am ruhigsten scheint. Und wir stellen eine Frage, die einfach klingt und deren Antwort einem den Atem verschlägt. Wie kommen die Fische darein, lass dich fallen, lass deine Gedanken los, diese Reise beginnt jetzt, stell dir vor, du bist auf einem Hochgebirgsplateau.
Um dich herum nichts als Fels, Schnee und Himmel, kein Baum, kein Strauch, nur flechten auf grauem Stein und das leise Rauschen eines Windes, der von irgendwo weit oben kommt, dann in einer Mulde zwischen 2 Felsrücken, liegt er, ein See, tiefblau, fast schwarz, in der Mitte spiegelglatt, keine Straße führt hierher, kein Fluss mündet ein, kein Bach, der sichtbar aus dem Gebirge kommt, und dieses Becken füllt nur Regen.
Schmelzwasser Stille und wenn du dich über den Rand des Ufers beugst und durch das klare Wasser schaust, siehst du sie Schatten langsam gleitende Schatten in der tiefe Fische woher sind Sie gekommen? Diese Frage hat Biologinnen und Biologen, Fischereibewirtschafterinnen und Bewirtschafter, Bergsteigerinnen und Bergsteiger seit Jahrhunderten beschäftigt, denn sie ist gar nicht so einfach zu beantworten, wie man zunächst denken könnte.
Hochgebirgsseen auch als Kaseen oder Gletscherseen bezeichnet, entstanden in den letzten Jahrtausenden durch die Erosionskraft von Gletschern, die in ihrem langsamen vorwärtsschreiten tiefe Wannen in den Fels schliffen. Als die Gletscher nach der letzten Eiszeit Zurückwichen, füllten sich diese Wannen mit Schmelzwasser und Regen.
Viele dieser Seen haben keinen dauerhaften oberirdischen Zufluss, und selbst wenn sie einen haben, sind die Wasserfälle und Felsstufen. Über die das Wasser stürzt. Für Fische schlicht unüberwindbar, ein Forellenjunges, kaum größer als ein Finger, übersteht keinen Sturz über 10 Meter Felsen, und doch sind viele dieser Seen bevölkert, die. Antworten auf dieses Rätsel sind vielfältig und jede einzelne ist auf ihre eigene Art faszinierend. Die erste und älteste Erklärung ist die Menschliche. Menschen haben Fische in Bergseen eingesetzt und das seit Jahrhunderten.
In manchen Regionen seit Jahrtausenden, in den Alpen, den Pyrenäen, den Karpaten, in den Rocky Mountains, im Himalaya, überall dort, wo Menschen in die Berge zogen, um zu jagen, zu Weiden oder einfach nur zu überleben, brachten sie Fische mit Hirteninnen und Hirten, die im Sommer mit ihren Herden in die Hochlagen zogen, trugen Fisch im Brio oder befruchtete Eier in feuchten Tüchern oder in kleinen Wasserbehältern zu entlegenen Seen hinauf und setzten sie aus.
Es war eine Form der Vorratswirtschaft, eine Versicherung für die lang abgeschnittenen Sommermonate. Die Fischweiher der Klöster, die Bergseenbewirtschaftung durch Adelsfamilien, die gezielte Aussaat durch staatliche Forstbehörden. All das hat im Laufe der Jahrhunderte Fischpopulationen in Seen gebracht, die von Natur aus leer waren, im 19 und 20 Jahrhundert wurde diese Praxis systematisiert. In den Vereinigten Staaten wurden vom Flugzeug aus Fischlarven und Jungfische in hochgelegene Bergseen abgeworfen.
Ein Verfahren, das tatsächlich funktioniert, weil junge Forellen den kurzen freien Fall im Wasser überleben können, wenn die Behälter oder Tüten aufplatzen. In der Schweiz, in Österreich und in Bayern wurden Bachforellen und Saiblinge aus Fischzuchtstationen. In unzählige Hochgebirgsseen eingebracht, um sie als Angelseen zu erschließen. Dieser Einfluss des Menschen ist der einfachste, am häufigsten übersehene Teil der Antwort, und er hat die ursprüngliche Natur dieser Seen in vielen Fällen grundlegend verändert, aber der Mensch war nicht der erste, die zweite Erklärung ist viel älter und bizarr, schöner, die Natur selbst hat Fische transportiert, und zwar durch Tiere.
Der naheliegendste Kandidat sind Wasservögel, Fischreiher, Kormorane, Enten, Möwen und Gänsesäger fressen Fische, aber manchmal schlucken sie Fischeier mit, die den Weg durch den Verdauungstrakt überstehen. Einige Studien haben gezeigt, dass Fischeier, sogenannte Ichthioendochorie, tatsächlich die Passage durch den Darm eines Vogels überleben können, der Prozentsatz ist gering, aber nicht 0.
Eine Studie aus dem Jahr 2019 im Fachmagazin Procedings of the Royal Society B zeigte, dass Fisheier der Karpfenfamilie nach dem Durchlaufen des Verdauungstrakts einer Ente nicht nur unbeschädigt blieben, sondern schlüpften. Das bedeutet ein Entenzug, der von einem Flusstal in ein Hochgebirge aufsteigt und an einem Bergsee rastet, könnte theoretisch Fischeier von einem See in einen anderen transportieren. Und damit einen kleinen, abgeschlossenen Wasserkörper besiedeln.
Wasservögel übernehmen, aber auch auf direktere Weise eine Transportrolle fischeier können an den Füßen von Vögeln kleben bleiben, Rogen klebt besonders in Massen, und wenn ein Reiher oder eine Ente aus einem eiergefüllten, flachen Gewässer aufsteigt und an einem See in der Höhe landet, können mit ihr klebende Eier mitgekommen sein. Der spanische Ökologe Andy Green, der. Und sein Team haben diesen Mechanismus in mehreren Experimenten nachgewiesen.
Fischeier blieben für mehrere Stunden lebensfähig an Vogelbeinen hängen, lang genug, um auf einem Flug von einem Tal in die Berge zu überdauern. Auch Amphibieneier und Wasserpflanzen konnten so transportiert werden, was diesen Mechanismus zu einer allgemeinen Erklärung für die Besiedlung isolierter Gewässer macht. Doch es gibt noch eine dritte Erklärung. Die noch weniger bekannt ist und die unmittelbarste Faszination ausübt.
Wind Fischeier sind klein, manchmal extrem leicht, unter bestimmten Umständen können Sie austrocknen, also in einen Ruhezustand übergehen, in dem ihr Stoffwechsel auf ein Minimum heruntergefahren ist. Dieser Zustand, bekannt aus der Biologie anderer Organismen, etwa der berühmten Bärentierchenchen oder Tadigraden, ist bei Fischeiern weniger bekannt, aber nicht unmöglich.
In trockenem Zustand und bei ausreichend starkem Wind könnten winzige Fischeier oder Larven über kurze bis mittlere Distanzen durch die Luft transportiert werden. Direkte Belege für diesen Mechanismus sind rar und umstritten, aber er kann nicht ausgeschlossen werden, besonders in Gebirgsgegenden mit intensiven Aufwinden, wo Material tatsächlich von Tälern auf Hochlagen verfrachtet wird.
Hinzu kommt der Transport durch Überschwemmungen. Auch wenn ein Hochgebirgssee keinen ständigen Zufluss hat, kann er bei starkem Starkregen oder während der Schneeschmelze kurzfristig mit anderen Gewässern verbunden sein, für Stunden oder Tage, manchmal über flache Geländerinnen oder temporäre Bächlein, die normalerweise trocken sind.
In diesem kurzen Zeitfenster reicht der Wasserstand und die Strömung aus, um Jungfische oder Laich. Von einem tiefer gelegenen Gewässer hinaufzutreiben diese ephemeren Verbindungen flüchtig und kaum sichtbar, sind schwer zu kartieren und werden in wissenschaftlichen Modellen oft unterschätzt. Und dann ist dann noch eine Erklärung, die speziell für die Alpen und andere vergletscherte Gebirge gilt, die Gletscherverbindung während der letzten Eiszeit, die vor etwa 11700 Jahren endete, waren große Teile der heutigen Hochlagen unter Gletschern begraben.
Als die Gletscher Zurückwichen, entstanden nicht nur die Seebecken, sondern auch ausgedehnte Schmelzwassernetze, die vorübergehend weite Teile des Gebirges verbannten. Fische aus den Tälern konnten in dieser Phase in Richtung Hochlagen wandern, bevor die Verbindungen abrissen und die Seen isoliert wurden. Was blieb, war eine Gründerpopulation, manchmal nur wenige Individuen, die sich über Jahrtausende in diesen Seen entwickelte, anpasste und manchmal sogar eigene Unterarten hervorbrachte.
Das ist natürliche Besiedlung auf dem Weg der Eiszeit in diesen durch Gletscherschmelze isolierten Populationen kann Evolution in Echtzeit beobachtet werden, der Alpensaibling Salvellinus alpinus ist dafür ein herausragendes Beispiel. Diese Art besiedelt Hochgebirgsseen und Fjorde der arktischen und alpinen Zone und zeigt eine außergewöhnliche ökologische Flexibilität. In isolierten Seen hat der Alpensaibling sich innerhalb weniger 1000 Jahre in Varianten aufgespalten, die sich in Körperbau, Ernährungsweise und Wachstumsrate unterscheiden, obwohl sie genetisch noch dieselbe Art sind. In einigen schottischen und skandinavischen Seen leben gleich mehrere solcher Formen desselben Sees nebeneinander, jede auf eine andere
Nahrungsquelle spezialisiert. Eine Form frisst am Grund, eine andere im freien Wasser, eine Dritte bevorzugt die Uferregion diese Aufspaltung innerhalb eines einzigen isolierten Gewässers, bekannt als sympathische Differenzierung, ist ein seltenes und kostbares Beispiel für Evolution. Die wir quasi beim Entstehen beobachten können.
Welche Fische leben also in Bergseen? Die Artenvielfalt ist gering, aber die Anpassungen sind beeindruckend, Bachforelle und Saibling sind die typischsten Vertreter der Alpinen Hochgebirgsseen in Mitteleuropa, beide gehören zur Familie der Salmoniden und benötigen kaltes, Sauerstoffreiches und sauberes Wasser, Bedingungen, die Hochgebirgsseen in idealer Weise erfüllen.
Bachforellen Salmotrutta sind Lauerjäger, die strömungsarme Bereiche nutzen und auf vorbeiziehende Insekten, krebstierchen und gelegentlich kleinere Fische lauern. Saiblinge hingegen sind ausdauernde Freiwasserschwimmer, die in der offenen Wassersäule jagen und dabei kleinstkrebse, Mückenlarven und andere Wirbellose erbeuten das Nahrungsangebot in Hochgebirgsseen ist karg, die Seen sind Oligotroph, das heißt Nährstoffarm.
Das Wasser ist zwar kristallklar, aber gerade diese Klarheit ist ein Zeichen dafür, dass wenig Phytoplankton und wenig Zooplankton gedeihen. Die Primärproduktion, also die Erzeugung von organischer Substanz durch Photosynthese, ist in diesen Gewässern äußerst gering, dennoch herrscht kein Mangel an Nahrung für Fische, denn ein erheblicher Teil der Nahrung kommt von außen, im Sommer fallen täglich unzählige Insekten ins Wasser. Mücken, Eintagsfliegen, Schmetterlinge, Käfer, die über den See fliegen und die Windböen ins Wasser drücken. Diese allochtone Nahrung, also Nahrung von außerhalb des Sees, ist für die Fische lebensnotwendig und macht einen erheblichen Teil ihrer Ernährung aus. Der See selbst verändert sich
jahreszeitlich stark, im Winter liegt er unter Eis und Schnee, das Licht erreicht das Wasser nur gedämpft durch die Schneedecke. Die Photosynthese Aktivität geht gegen 0. Die Temperatur des Wassers stabilisiert sich bei etwa 4 Grad Celsius, wo Wasser seine größte Dichte hat. Unter dem Eis herrscht eine seltsame, ruhige Welt, der Sauerstoffgehalt sinkt allmählich, wenn kein neues Wasser eingetragen wird und die organische Zersetzung fortschreitet, Fische reduzieren ihren Stoffwechsel auf ein Minimum, fressen kaum oder gar nicht und rühren sich kaum vom Fleck.
Sie überwintern in tiefen Bereichen des Sees, wo die Temperatur am stabilsten ist. Im Frühling, wenn das Eis bricht, wird der See von neuem Schmelzwasser durchgespült. Die oberen Schichten erwärmen sich, Algen beginnen zu wachsen, Plankton explodiert in seiner Dichte. Es ist die kurze, intensive Saison des Lebens, Bachforellen und Saiblinge werden aktiv, suchen Nahrung, Leichen und in dieser kurzen Zeitspanne muss genug gefressen werden.
Um Reserven für den langen Winter aufzubauen, das Wachstum der Fische in Hochgebirgsseen ist deshalb langsam eine Bachforelle, die in einem Tieflandsee in 2 bis 3 Jahren ausgewachsen ist, braucht in einem Hochgebirgssee auf 2000 Metern Höhe 5 bis 7 Jahre, um dieselbe Größe zu erreichen. Manche Alpensaiblinge in arktischen Seen werden über 30 Jahre alt, mit einem Wachstum, das phasenweise stagniert, diese langsamen. Alpen angepassten Fische in ihren stillen Gipfelseen sind heute in manchen Regionen bedroht. Nicht durch Fischerei allein, sondern durch den Klimawandel. Die Hochgebirgsseen erwärmen sich, Messungen aus den Alpen zeigen, dass die Wassertemperatur in vielen Bergseen seit den 1980er Jahren
um 1 bis 2 Grad gestiegen ist. Das klingt wenig, ist aber für Kaltwasserarten wie den Saibling eine existenzielle Bedrohung. Gleichzeitig löst die Schneeschmelze früher auf, verändert das hydrologische Regime des Sees, bringt mehr Sediment und Nährstoffe und damit langfristig eine Eutrophierung. Eine Nährstoffanreicherung, die die klare, oligotrophe Natur dieser Gewässer verändert, was Jahrtausende gebraucht hat, um sich zu formen, kann sich innerhalb von Jahrzehnten verändern, die Tiefe der Hochgebirgsseen ist ein eigenes Thema viele dieser Seen sind erstaunlich tief. Der Königssee in Bayern etwa, obwohl kein klassischer Hochgebirgssee im strengen Sinne, erreicht Tiefen von bis zu 190 Metern.
Der Gosausee in Österreich ist über 100 Meter tief, echte Kaseen in den Hochlagen der Alpen können je nach Geologie und gletschererosion Tiefen von 30 bis über 80 Metern erreichen, diese tiefe schafftschichtung. Im Sommer erwärmt sich nur die oberste Wasserschicht, das sogenannte Epilimnion. Während darunter eine kältere, dichtere Schicht das Hypolimnion verharrt. Zwischen beiden liegt die Sprungschicht, das Metallimnion, eine Zone steilen Temperaturabfalls. Diese thermische Schichtung ist entscheidend für die gesamte Ökologie des Sees, der Sauerstoff reichert sich hauptsächlich in der oberen Schicht an. Im Hypolimion kann der Sauerstoffgehalt im Laufe des Sommers wie des Winters stark
absinken, besonders wenn viel organisches Material abgebaut wird. Fische müssen daher die richtige Tiefe aktiv aufsuchen, warm genug für ihre Aktivität, kalt genug für Ihre Physiologie und stets sauerstoffreich genug zum Atmen. Die Wasserchemie dieser Seen ist von der Geologie des umgebenden Gesteins bestimmt.
In kalkhaltigem Gestein, wie es in den Alpen häufig vorkommt, ist das Wasser hart, reich an Calcium und Magnesium gepuffert gegen Versauerung in Silikatgebirgen wie dem Schwarzwald, den schottischen Highlands oder dem skandinavischen Gebirge ist das Wasser weich und kaum gepuffert, diese Seen sind anfällig für sauren Regen, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders in Skandinavien verheerende Auswirkungen hatte.
Tausende von Seen versauerten auf PH Werte unter 5, was zum Verschwinden der Fischpopulation führte. Erst kalkungsmaßnahmen und die Reduzierung von Schwefelemissionen konnten diese Seen teilweise rehabilitieren. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was passiert, wenn menschliche Emissionen in fragile Systeme eingreifen.
Das Licht spielt in Hochgebirgsseen eine besondere Rolle. Weil die Luft in großen Höhen dünner und die Atmosphäre weniger dicht ist, treffen dort deutlich mehr UV strahlen auf die Wasseroberfläche. Für Fische bedeutet das Schutz durch Pigmentierung, Alpensäblinge und Hochgebirgsforellen haben oft stärkere Pigmentmuster als ihre Tieflandverwandten und ihre Augen sind stärker gegen intensive Strahlung geschützt, für das Plankton hingegen kann starke UV Strahlung zerstörerisch sein. Was ein weiterer Grund ist, warum die Primärproduktion in diesen Seen trotz langer Sommertage begrenzt bleibt. Gleichzeitig beeinflusst das Licht die tägliche Vertikalmigration der Kleinkrebse in der Nacht steigen Wasserflöhe und Hüpferlinge in
die oberen Wasserschichten auf, wo Algen wachsen, bei Tagesbeginn tauchen sie wieder in die Tiefe ab, weg von den lichtempfindlichen Schichten und weg von fischenden Augen. Dieses tägliche auf und ab, das. Ein Tanz zwischen Licht und dunkel, Nahrung und Gefahr ist ein fundamentales Muster in der Limnologie. Forschende nutzen seit einigen Jahren zunehmend Umwelt, D Na kurz, ED na, um die Biodiversität von Bergseen zu erfassen, eine Methode, die Hochgebirgsseen auf neue Weise lesbar macht.
Das Prinzip jedes Lebewesen hinterlässt winzige. D Na, Spuren im Wasser. Diese werden durch Filtern einer Wasserprobe gewonnen, sequenziert und mit Referenzsequenzen abgeglichen. Ein genetisches Portrait der Lebensgemeinschaft ohne einen einzigen Fisch zu fangen. Diese Methode hat in Hochgebirgsseen überraschende Entdeckungen ermöglicht, in einigen Seen, von denen alle Beteiligten dachten, sie seien leer, wurden audna Signaturen von Fischen gefunden. In anderen, die als besiedelt galten, fehlten die erwarteten Signaturen.
Ein Hinweis darauf, dass die Populationen möglicherweise bereits erloschen sind, ohne dass es jemand bemerkt hatte. EDNA Analysen haben auch gezeigt, dass die Artenzusammensetzung mancher scheinbar einfacher Bergseen komplexer ist als gedacht, mit mehreren Forellenformen, die morphologisch kaum zu unterscheiden sind, aber genetisch deutlich divergieren. Auch die Herkunft von Fischpopulationen lässt sich heute mit genetischen Methoden klären. So konnte in mehreren Alpinen Seen nachgewiesen werden, welche Fische vom Menschen eingesetzt wurden und welche aus natürlichen Quellen stammen.
Manchmal finden Forschende beides, eine natürlich besiedelte Urpopulation, die seit der letzten Eiszeit isoliert lebt, überlagert von einer jüngeren, eingebrachten Fischlinie. Eingesetzte Zuchttiere sind genetisch wenig divers und können durch Kreuzung das einzigartige Erbgut der Urpopulation verwässern.
Genetische Erosionen nennen das Naturschutzbiologinnen und Naturschutzbiologen die Hochgebirgsseen der Welt sind Rückzugsorte des Lebens, arm an Arten, aber reich an Bedeutung, sie sind Zeugen der Eiszeiten, Archive der Klimageschichte, Orte evolutionärer Experimente. Und stille Refugien für Tiere, die sich den extremsten Bedingungen angepasst haben.
Sie sind auch Indikatoren, weil sie isoliert, nährstoffarm und sensibel sind, reagieren sie früh und deutlich auf Veränderungen in Klima und Umwelt. Wer die Bergseen studiert, liest in ihnen die Geschichte der Erde, und diese Erde ist es wert, gelesen zu werden, sie ist es wert, verstanden zu werden. Und sie ist es wert, beschützt zu werden. Nicht weil wir müssen, sondern weil jedes Leben in ihr jeder Saibling unter dem Eis, jede Forelle im klaren gipfelwasser Teil eines uralten Systems ist, das uns trägt, und dass wir erst jetzt langsam und staunend wirklich zu verstehen beginnen. Schlaf gut, träum von stillem, kaltem, glasklarem Wasser, von langsam gleitenden Schatten in der Tiefe. Von dem geduldigen Atem der
Bergseen unter Eis und Sterne, die weit oben auf uns warten, still und beständig wie die Berge selbst, bis zur nächsten Schlafreise durch die Natur. Bleib neugierig und wach.