
Ein Jahr in der Natur· Staffel 2· Folge 20
Tierwanderungen – Die unsichtbaren Wege der Erde
Samstag, 14. März 2026 · 22 min
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Shownotes
Fünfzig Milliarden Zugvögel überqueren zweimal im Jahr ganze Kontinente. Eine Küstenseeschwalbe legt jährlich mehr Strecke zurück, als einmal zur Sonne zu fliegen, und Lachse finden nach dreißig Jahren auf See denselben Bach wieder, in dem sie geschlüpft sind.
Wir folgen den großen Wanderern der Erde durch Himmel, Ozeane und Steppen und entdecken, wie Tiere mit Magnetfeldern, Sternen, Infraschall und Geruch navigieren – auf den ältesten Wegen der Welt, und mit einem Blick darauf, was wir verlieren, wenn diese Wege verstummen.
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Willkommen zu einer neuen Folge von Schlafreise durch die Natur, deinem Podcast zum Entspannen, Loslassen und lernen. Kennst du schon unsere anderen Podcastreihen wie Wissensreise durch die Länder der Erde oder durch die Geschichte. Dort warten noch viele ruhige Stunden auf dich, heute aber reisen wir gemeinsam auf wegen, die keine Karte zeigt und kein Auge sieht, wir folgen Millionen von Tieren, die sich seit Jahrmillionen auf denselben Routen bewegen und.
Geleitet von Magnetfeldern, Sternen, Düften und einem inneren Wissen, das wir noch kaum verstehen. Wir reisen mit den Walen durch die Tiefe der Ozeane, mit den Schwalben über Sahara und Mittelmeer, mit den Gnus über die verbrannte Savanne und mit den Monarchfaltern durch den Herbstwind Nordamerikas. Dies ist eine Reise auf den Unsichtbaren Wegen der Erde, laß dich fallen, laß deine Gedanken los, diese Reise beginnt jetzt. Stell dir vor, du siehst die Erde von weit oben aus einer Höhe, in der Kontinente wie Puzzleteile wirken und Ozeane als blaue Flächen ohne Rand.
Und dann siehst du sie Bewegung, Millionen von Bewegungen, Striche und Kurven, die die Kontinente überqueren, Strömungen, die sich in den Ozeanen schlängeln, Punkte, die sich von Norden nach Süden verschieben, von den Tropen in die Polarregionen, von den Bergen in die Täler und zurück, die. Das ist die große Wanderung, das ist das ewige Pulsieren des Lebens auf diesem Planeten, und es findet statt, ganz gleich, ob wir hinschauen oder nicht, tierwanderungen sind eines der beeindruckendsten Phänomene der Natur, sie sind keine Ausnahme, sondern Regel.
Schätzungen zufolge wandern über 4000 Tierarten regelmäßig Fische, Vögel, Säugetiere, Insekten, Reptilien, sogar Krebstiere. Das Volumen dieser Billets, dieser Bewegungen ist kaum vorstellbar. Allein die jährliche Vogelmigration umfasst schätzungsweise 50 Milliarden Individuen, die zweimal im Jahr zwischen Brut und Überwinterungsgebieten unterwegs sind. In manchen Regionen Afrikas wandern über 1000000 Wildebeest auf denselben Routen, im Atlantik ziehen Buckelwale Tausende von Kilometern durch das offene Meer. Im Herbst brechen hunderte Millionen Monarchfalter von den großen Seen Nordamerikas auf Richtung Mexiko auf. All diese Bewegungen zusammen ergeben ein weltweites Netz aus Pfaden, Ruten und Verbindungen,
die unsichtbaren Wege der Erde warum wandern Tiere überhaupt? Die Antwort klingt simpel und ist doch von großer Eleganz, weil die Ressourcen, die sie brauchen, nicht das ganze Jahr über am selben Ort verfügbar sind. Nahrung, Wärme, sichere Brutplätze und geeignete Überwinterungsgebiete verteilen sich auf der Erde ungleich und sie verteilen sich vor allem zeitlich ungleich.
Die arktische Tundra bietet im Sommer nahrhafte Vegetation, unzählige Insekten und endlose Tageslichtstunden im Winter ist sie leer und eingefroren, die tropischen Wälder Afrikas bieten Nahrung das ganze Jahr. Aber keine ruhigen Brutplätze für europäische Zugvögel. Also bewegen sich die Tiere, sie folgen dem Frühling, sie folgen dem Regen, sie folgen der Blüte und dem Fisch. Migration ist in diesem Sinne eine räumliche Lösung für ein zeitliches Problem.
Beginnen wir mit dem Vogel, der die längste bekannte Wanderrute aller Tiere zurücklegt, der Küstenseeschwalbe Sterner Paradisa Air. Dieses zierliche, weißgraue Tier mit dem roten Schnabel und den langen Schwanzfedern brütet in der Arktis. Manchmal nur wenige 100 Kilometer vom Nordpol entfernt und verbringt den Gegenwinter in der Antarktis. Hin und zurück legt es dabei jedes Jahr zwischen 70 und 90000 Kilometer zurück, das ist mehr als einmal um den gesamten Erdumfang beringte Individuen, deren Wanderwege durch Leichtgewichts.
Geolokatoren rekonstruiert wurden, flogen nicht auf direktem Weg, sondern folgten den Windmustern des Atlantiks, machten Umwege, um günstige Rückenwindgebiete zu nutzen und rasteten auf dem Offenen Ozean, um Fisch zu jagen. Eine Küstenseeschwalbe, die 20 Jahre alt wird, legt in ihrem Leben eine Strecke zurück, die dreimal dem Weg zur Sonne entspricht. Sie sieht, so schreiben Biologinnen und Biologen, manchmal mehr Tageslicht als jedes andere Lebewesen auf der Erde.
Denn sie folgt der Sonne von Pol zu pol. Wie finden Zugvögel ihren Weg? Diese Frage hat Generationen von Forscherinnen und Forschern beschäftigt und ist bis heute nicht vollständig beantwortet. Klar ist, dass Vögel ein komplexes mehrschichtiges Navigationssystem nutzen. Das mehrere unabhängige Mechanismen kombiniert erstens der Magnetsinn in den Augen vieler Zugvögel wurden Kryptochrom gefunden, Proteine, die auf das Magnetfeld der Erde reagieren und dem Vogel möglicherweise ein Bild des Magnetfeldes direkt in das Seefeld projizieren.
Zusätzlich wurden in den Schnabelknochen mancher Vögel Magnetitkristalle gefunden, die wie ein Kompassnadel ausgerichtet sind. Zweitens der Sternenhimmel. Vögel, die in Planetarien aufgezogen wurden, orientierten sich am künstlichen Sternenhimmel und zeigten, dass junge Zugvögel in den ersten Lebenswochen den Rotationspol des Himmels lernen und diesen als Nordrichtung verinnerlichen.
Drittens, Infra Sound Vögel können Schallwellen im Infraschallbereich wahrnehmen, also Frequenzen unter 20 Hz. Die für das menschliche Ohr unhörbar sind. Gebirge, Küsten und Ozeansysteme erzeugen charakteristische Infraschallmuster, eine Art akustische Landkarte der Erde, die Vögel lesen können. Viertens Geruch, besonders bei Seevögeln und Tauben konnte gezeigt werden, dass eufaktorische Information, also der Geruchssinn, eine wichtige Rolle bei der Navigation spielt. Die Kombination all dieser Systeme macht Zugvögel zu Navigatoren von atemberaubender Präzision. Der Gartenrutschwanz, eine kleine Singvogelart, fliegt jedes Jahr von Westeuropa über die Sahara nach Westafrika, eine Strecke von bis zu 6000
Kilometern, die er zum Teil in einem einzigen nonstop Flug über das Mittelmeer und die Sahara zurücklegt. Dabei verliert er innerhalb von wenigen Tagen fast die Hälfte seines Körpergewichts, da er seine Fettreserven als Treibstoff verbrennt. Vor dem Abflug frisst er sich in einem Vorgang, den Forschende als Hyperphagie bezeichnen, systematisch fett, er nimmt bis zu 50% zusätzliches Körpergewicht in Form von Fett auf, das als Energievorrat für den langen Flug dient, das. Das ist gemessen an der Körpergröße, die Äquivalent eines Menschen, der vor einer Autofahrt 30 kg an reinem Fett zunimmt.
Wechseln wir das Medium vom Himmel in den Ozean, die Wanderungen der Meeressäuger sind weniger sichtbar als die der Vögel, aber nicht weniger beeindruckend. Buckelwale, Megaptera, Novae, Angliai verbringen die Sommermonate in nährstoffreichen Polargewässern, wo sie sich mit Krill und kleinen Fischen vollfressen.
Und wandern im Winter in tropische Gewässer, wo sie Paaren und kalben. Die Strecke, die ein Buckelwal dabei zurücklegt, beträgt bis zu 80000 Kilometer pro Jahr eine der längsten Migrationsrouten aller Säugetiere. Besonders faszinierend ist die Tatsache, dass Buckelwale über ihr Gesangssystem kommunizieren und sich dabei über Tausende von Kilometern verständigen können. Der Gesang der Männchen, der im Frequenzbereich zwischen 20 und 4000 Hertz liegt, kann sich über den gesamten Atlantik ausbreiten.
Neuere Forschungen zeigen, dass Buckelwale ihre Gesänge kulturell weitergeben, neue Melodien entstehen, verbreiten sich und ersetzen alte Gesänge innerhalb weniger Jahre quer über einen ganzen Ozean, ähnlich wie Musiktrends unter Menschen im Wasser wandern auch die Meeresschildkröten auf wegen. Die uns noch immer in Staunen versetzen.
Lederschildkröten der Mojelys Coreacea, die größten lebenden Schildkröten mit einem Gewicht von bis zu 900 Kilogramm legen Eier an denselben tropischen Stränden, an denen sie selbst geschlüpft sind, und finden diese Strände nach Wanderungen von bis zu 20000 Kilometern durch den Offenen Ozean wieder, wie sie den Geburtsort nach Jahrzehnten auf See wiederfinden, war lange ein Rätsel.
Heute geht man davon aus, dass junge Lederschildkröten kurz nach dem Schlüpfen das lokale Magnetfeldmuster des Strandes einprägen und dieses als magnetische Adresse für Jahrzehnte speichern. Die Präzision dieser Orientierung ist so hoch, dass Schildkröten bei veränderten Magnetfeldverhältnissen tatsächlich leicht versetzt an ihren Heimatstrand zurückkehren, ein direkter Beweis für den Magnetkompass. Die große Wanderung der Ginus.
Im ostafrikanischen Serengeti Mara Ökosystem ist das größte Landseugetierspektakel der Erde, etwa 1,3 Millionen Weißbartgenuss, dazu 100, Tausende Zebras und Gazellen ziehen in einem riesigen Kreis durch die Serengeti in Tansania und die Massai Mara in Kenia, insgesamt eine Strecke von etwa 3000 Kilometern pro Jahr. Die Wanderung folgt dem Regen.
Genuss, wandern immer dorthin, wo frisches Gras wächst und ihre Entscheidungen, wohin sie als Nächstes ziehen, orientieren sich an Gewitterwolken, die Regen ankündigen und möglicherweise an der Fähigkeit, niedrige Frequenzen des Donners in großer Entfernung wahrzunehmen. Die dramatischsten Momente sind die Flussüberquerung des Mara Flusses, an denen sich die Gnus zu 10 Tausenden staunen und dann sprunghaft ins Krokodilreiche Wasser stürzen, die.
Ein Spektakel, das von Forschenden und Filmemacherinnen und Filmemachern seit Jahrzehnten dokumentiert wird und das in seiner rohen Vitalität kaum zu überbieten ist. Nun zu einem der rätselhaftesten Wanderer überhaupt, dem Monarchfalter Danaus Plexipus. Im Herbst brechen hunderte Millionen dieser orange, schwarz gemusterten Schmetterlinge von den großen Seen und dem nordöstlichen Nordamerika auf und fliegen bis zu viereinhalbtausend Kilometer in die Oyamel Tannenwälder der mexikanischen Sierra Madre. Dort überwintern sie in solchen Dichten, dass die Äste der Tannen unter ihrer Last biegen und der Wald von Orange leuchtet wie eine Flamme.
Das Erstaunlichste dabei kein individueller Schmetterling. Hat diesen Weg je zuvor gemacht? Die Generation, die im Herbst nach Mexiko fliegt, ist die vierte oder fünfte Generation desselben Jahres, ihre Urgroßeltern, Ururgroßeltern und mehrere Generationen davor lebten und starben in Nordamerika, ohne je Mexiko gesehen zu haben, und doch findet diese Generation, gelenkt von sonnenkompass und innerer Uhr, denselben Wald, denselben Hang, manchmal denselben Baum wieder. Wie dieses Orientierungswissen über Generationen vererbt wird, ohne je erfahren worden zu sein, ist eine der offenen Fragen der Biologie.
Der atlantische Lachs Salmo Sala vollbringt eine andere Art von Unmöglichem, er wird in einem Süßwasserfluss geboren, schwimmt ins Meer, lebt dort 2 bis 4 Jahre im offenen Atlantik und kehrt dann präzise in denselben Fluss zurück, indem er da geschlüpft ist, um dort zu laichen und. Und zu sterben. Die Orientierung auf dem Ozean erfolgt wahrscheinlich über das Magnetfeld, die Heimkehr in den Geburtsfluss hingegen geschieht über den Geruch, jeder Fluss, jeder Bach hat eine chemische Signatur, die aus den spezifischen Mineralien, Böden und Pflanzen seines Einzugsgebietes entsteht. Diese Signatur wird von den Jungfischen kurz vor ihrer Wanderung ins Meer eingeprägt und über Jahre im Olfaktorischen.
Gedächtnis gespeichert wenn der ausgewachsene Lachs zurückkehrt, folgt er dieser chemischen Erinnerung flussaufwärts, springt über Wasserfälle, kämpft gegen Strömungen, verliert dabei bis zu 40% seines Körpergewichts, bis er den Platz erreicht, an dem sein Leben begann. Auf den Ozeanen gibt es noch eine Wanderung, die bis heute kaum jemand kennt, die vertikale Wanderung des Meeres zu Planktons jeden Tag mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks.
Wandern Billionen von winzigen Krebstieren, Quallen und Fischlarven aus der Tiefsee an die Oberfläche in der Nacht, wenn Dunkelheit sie vor Raubtieren schützt, um dort zu fressen? Vor dem Morgengrauen tauchen sie wieder in die Tiefe ab, diese tägliche Vertikalwanderung englisch Deal. Vertical Migration ist mengenmäßig die größte Tierwanderung der Erde und gleichzeitig. Eine der wichtigsten Kohlenstoffpumpen des Ozeans. Die Tiere fressen Phytoplankton an der Oberfläche, wo dieses Kohlendioxid gebunden hat, tragen es in die Tiefe und scheiden es dort aus.
Ein ozeanisches Fördersystem, das jedes Jahr hunderte Millionen Tonnen Kohlenstoff aus der Atmosphäre in die Tiefsee transportiert, ohne diesen biologischen Prozess wäre der Klimawandel deutlich weiter fortgeschritten. Als er es heute ist, der Europäische Aal. Anguila Anguila ist ein weiterer Wanderer, dessen Geschichte so unwahrscheinlich klingt, dass sie kaum zu glauben ist.
Der Europäische Aal lebt sein gesamtes Jugend und Erwachsenenleben in europäischen und nordafrikanischen Flüssen und Seen, manchmal 30 Jahre oder länger. Dann eines Herbstes, beginnt in ihm eine biologische Verwandlung. Sein Körper bereitet sich auf die größte Reise seines Lebens vor. Er schwimmt flussabwärts ins Meer und dann weiter quer durch den gesamten Atlantik, mehr als 6000 Kilometer bis in die Sargassosee zwischen den Bermudas und den Bahamas, dort leicht er und stirbt die Larven, winzige transparente Blattlarven namens Leptozephali, treiben mit dem Golfstrom zurück nach Europa. Diese Reise dauert 2 bis 3 Jahre. Wenn sie ankommen, verwandeln sie sich in Glasaale, dringen in die Flussmündungen ein und
beginnen den Kreislauf von Neuem. Kein Mensch hat je einen leichenden Europäischen Aal in der Sargasso See gesehen. Wir wissen, dass sie dort Leichen, weil ihre Larven von dort kommen, aber den Akt selbst hat noch kein Forschungsteam beobachtet, das Karibu, der nordamerikanische Karibu oder Rentier.
Unternimmt die weiteste Landwanderung eines Säugetieres die Porcupine Karibu Herde in Alaska und Yukon liegt jedes Jahr bis zu 5000 Kilometer zurück von den Winterweiden in den borealen Wäldern zu den arktischen Kalbegebieten an der Küste des Buffordmeeres und zurück. Etwa 200000 Tiere wandern in diesem Rhythmus, geleitet von einer Mischung aus Angeborenem Wissen und.
Sozialer Information und Reaktionen auf Schneebedingungen und Nahrungsdichte die Karibuherde ist eines der letzten großen Wandertiersysteme Nordamerikas und gleichzeitig eines der am stärksten bedrohten Ölbohrungen. Straßen und der Klimawandel, der die Tundra verändert, setzen ihr stark zu, tierwanderungen sind nicht nur biologische Phänomene.
Sie sind ökologische Prozesse, die ganze Landschaften formen. Wandernde Genus düngen die Savanne mit ihrem Mist, wandernde Lachse bringen Marine Nährstoffe in die Bergwälder, die die Bäume am Flussufer ernähren, wandernde Seevögel bringen Fischproteine an Felsküsten, die ohne diese nährstoffzufuhr karg wären, Zugvögel transportieren Samen und Parasiten verbreiten Pflanzen und verteilen Energie über Kontinente. Diese Tiere sind keine Einzelwesen, die zufällig umherziehen.
Sie sind Fäden in einem weltweiten Netzwerk des Lebens, das über Jahrmillionen entstanden ist und das in seiner Komplexität und Schönheit kaum zu erfassen ist. Doch viele dieser Wanderwege sind heute unterbrochen, Dämme blockieren lachswanderungen, Städte und Straßen zerschneiden Wildkorridor, Lichtsmog desorientiert Zugvögel, die in der Nacht an beleuchteten Hochhäusern sterben.
Klimaveränderungen verschieben Temperaturen und Jahreszeiten schneller als Tierarten sich anpassen können. Zugvögel kommen früher an, als ihre Insektennahrung verfügbar ist. Wale finden ihre Nahrungsgebiete verändert, Genuss folgen dem Regen, der sich verlagert hat, die unsichtbaren Wege der Erde werden sichtbar beschädigt und die Schäden sind oft irreversibel.
Auch unter Wasser ziehen Tiere auf Ruten, die erst durch moderne Technologie sichtbar wurden. Weißhaie lange als Einzelgänger in Küstennähe verschrien, Unternehmen in Wirklichkeit ausgedehnte ozeanische Wanderungen, ein berühmtes weißhai Weibchen namens Nicole wurde 2003 an der Küste Südafrikas mit einem Sender markiert und tauchte wenige Monate später vor der australischen Westküste auf, eine Strecke von rund 20000 Kilometern, zurückgelegt in nur 90 Tagen.
Das war zu diesem Zeitpunkt die schnellste und weiteste dokumentierte Wanderung eines Fischs. Seitdem wurden viele weitere Weishaie Besendert und das Muster ist klar. Diese Tiere folgen bestimmten ozeanischen Routen, kehren regelmäßig zu denselben Gebieten zurück und nutzen das Magnetfeld des Ozeans für ihre Navigation.
Sie sind keine planlosen Räuber, sondern präzise Navigierende Weitwanderer. Die Wanderungen der Monarchfalter sind durch den Klimawandel und den Verlust von Milkweedpflanzen, der einzigen Nahrungspflanze ihrer Raupen, so stark zurückgegangen, dass die Art 2022 von der International Union for Conservation of Nature auf die rote Liste der bedrohten Arten gesetzt wurde. Innerhalb von 20 Jahren hat die östliche Monarchpopulation um über 80% abgenommen.
Projekte zur Wiederansiedlung von Milkwiedwiesen entlang der Zugroute, finanziert von Bürgerinnen und Bürgern, Schulen und Umweltorganisationen zeigen erste Erfolge. Aber der Weg zurück ist weit. Auch die Situation der Zugvögel in Europa und Nordafrika ist besorgniserregend. Langstreckenzieher wie Kuckuck, Wiedehopf, Trauerschnepper und Schwalben haben in den letzten 30 Jahren drastisch abgenommen.
In manchen Arten um 60 bis 70%. Ursachen sind Habitatverlust auf den Überwinterungsgebieten in Afrika, Nahrungsmangel durch Insektenrückgang in Europa, der Klimawandel, der Ankunftszeit und Insektenverfügbarkeit entkoppelt und illegaler Abschuss in Mittelmeerländern, wo jedes Jahr schätzungsweise 20 bis 25000000 Zugvögel illegal gefangen oder abgeschossen werden. Die Erde ist ein System, die.
Die Wanderungen der Tiere sind ihr Herzschlag. Wenn wir diesen Herzschlag verlangsamen oder unterbrechen, verändern wir etwas Grundlegendes nicht nur für die Tiere, sondern für die Ökosysteme, die uns ernähren. Das Klima, das uns schützt und die Vielfalt des Lebens, die uns täglich umgibt, auch wenn wir sie nicht mehr bewusst wahrnehmen, diese Erde mit ihren Unsichtbaren wegen, ihren wandernden Völkern aus Federn, Fell und Schuppen ist das Kostbarste, was wir kennen. Sie zu verstehen beginnt mit dem Staunen, dem Hinschauen und dem Zuhören, und sie zu schützen beginnt mit der Erkenntnis, dass wir Teil dieses Systems sind, nicht beobachtende von außen, sondern Mitglieder einer Gemeinschaft des Lebens, die seit Milliarden Jahren gemeinsam
unterwegs ist. Schlaf gut, träum von weiten Himmeln und langen Ruten, von dem leisen Rauschen einer 1000000 Flügel in der Abenddämmerung, von Gnus, die durch den Staubroten Horizont ziehen. Von Wahlen, die in der Tiefe singen, und von dem alten, Geduldigen Wissen, das jeden Frühling aufs Neue die Welt in Bewegung setzt, bis zur nächsten Schlafreise durch die Natur.