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Entwirrt· Staffel 1· Folge 4

Folge 4- Ab wann ist es eigentlich "schlimm genug", um Therapie zu brauchen?

Donnerstag, 29. Oktober 2026 · 34 min

MP3

Shownotes

Muss man erst gar nicht mehr funktionieren können, eine Diagnose haben oder mitten in einer Krise stecken? Oder reicht schon das Gefühl: Ich drehe mich im Kreis, komme alleine gerade nicht weiter oder merke, dass mich etwas immer wieder einholt?
In dieser Folge sprechen Psychotherapeutin Marlene Adler und Psychologin Irene Neudorfer darüber, warum viele Menschen viel zu lange warten, bevor sie sich Hilfe holen, was Therapie überhaupt leisten kann und warum die Beziehung zwischen Therapeut und Klient dabei so entscheidend ist.
Es geht um typische Gedanken wie „Andere haben es schlimmer“, um volle Therapieplätze, Absagen, die Suche nach der passenden Person und um die Frage, was man tun kann, wenn es zwischenmenschlich einfach nicht passt.
Eine Folge für alle, die sich schon einmal gefragt haben: Brauche ich wirklich Therapie oder stelle ich mich nur an?Kapitel
Ab wann brauche ich Therapie?
Warum es so schwer ist, sich Hilfe zu holen
Was Therapie eigentlich leisten kann
Warum die therapeutische Beziehung so wichtig ist
Persönliche Erfahrungen in Therapie
Therapie als Prozess der Selbstentdeckung
Wie eine therapeutische Beziehung entsteht
Was, wenn Therapeut und Klient nicht zusammenpassen?
Die Herausforderung bei der Aufnahme neuer Klient
Wenn Therapeut absagen müssen
Hohe Nachfrage und volle Therapieplätze
Warum es wichtig ist, sich Hilfe zu holen
Hilfe in akuten Krisen und wichtige Anlaufstellen

Jeden Donnerstag erscheint eine neue Folge rund um Psychologie, Beziehungen, Trauma, Kommunikation, gesellschaftliche Themen und alles, was Menschen bewegt.
Wenn euch die Folge gefallen hat, folgt dem Podcast gerne auf eurer Plattform und hinterlasst eine Bewertung. Fragen, Gedanken oder Anregungen könnt ihr in die Kommentare schreiben oder Marlene auf Instagram unter @deinseelenkompass erreichen.
Hinweis
Die Inhalte von „Entwirrt“ dienen der psychologischen Information und Selbstreflexion. Sie ersetzen keine individuelle Diagnostik, Psychotherapie oder medizinische Behandlung.
Bei akuten psychischen Krisen oder Suizidgedanken wendet euch bitte an eine regionale Krisenhilfe, den psychiatrischen Notdienst oder den Notruf.
Weitere Informationen und Angebote:
deinseelenkompass.at
Impressum:
deinseelenkompass.at/impressum

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Marlene Adler: Ab wann ist es eigentlich schlimm genug, Therapie zu brauchen? Muss ich gar nicht mehr aufstehen können? Brauche ich eine Panikattacke vorher oder eine Diagnose? Oder muss es komplett zusammenbrechen? Viele Menschen warten ja sehr lange drauf, bevor sie sich Hilfe holen. Das kann aus Gründen sein, weil sie ja noch funktionieren oder weil sie glauben, dass sie alles alleine schaffen müssten. Aber genau da liegt oft das Problem. Denn die Frage ist nicht, kann ich noch funktionieren? Sondern die Frage ist, wie geht es mir dabei? Und wie viel Kraft kostet es mir im Alltag? Wie lange drehe ich mich vielleicht auch schon im Kreis? Oder was vermeide ich inzwischen auch schon? und wie sehr bestimmt das Ganze auch schon mein Leben. Und genau darüber sprechen wir heute, ab wann Therapie sinnvoll ist und woran du merkst, dass du Unterstützung brauchen könntest und warum ich nicht erst am Boden liegen muss, dass ich Hilfe annehmen darf. Und vielleicht möchtest du da gleich einmal so deine Erfahrungen sagen, Irene, wie es dir dabei geht oder wie du das merkst. Ich merke es ja sehr oft in der Therapie, dass es schon 10 noch 12 ist. Wann Klienten KlientInnen zu mir kommen und da erst einmal das Stabilisieren im Vordergrund steht, bevor wir eigentlich in die Themen kommen. Wie ist das bei dir?

Irene: Ja, also ich bemerke eine tendenzielle Veränderung in den letzten Jahren zum Glück, dass ich den Eindruck habe, dass es manchmal schon ein Schritt früher möglich ist, in Therapie zu gehen. Wobei ich schon merke,

Marlene Adler: Okay, ja, Gott sei Dank.

Irene: ja, also so ein bisschen, ich glaube, auch die Anstrengungen zu sagen, ich versuche da einfach auch Hemmschwellen abzubauen, geringer zu machen. sind ein bisschen spürbar. Wobei ich schon merke, dass die Menschen, die zu mir in Therapie kommen, wirklich schon unendlich viel selbst probiert haben. ich genau wie du auch sagst, ganz oft den Eindruck habe, wow, also wie viel kann ein Mensch ertragen, tragen, versuchen noch zu funktionieren.

Marlene Adler: Ja. Ja.

Irene: Dann den Schritt zu gehen zu sagen, ich glaube jetzt geht es gar nicht mehr, jetzt brauche ich Hilfe. Wie viel versucht wird, eigentlich oft auch mal nicht in Therapie gehen zu müssen vielleicht auch. Bzw. glaube ich auch manchmal, ich habe vor kurzem, ist mir so ein Satz mal hängen geblieben, der gefallen ist, wo jemand gesagt hat, ich habe einfach so ganz, ganz große Angst, jetzt locker zu lassen, weil ich dann Sorge habe. dass ich aus dem Funktionsmodus falle. Und dann hab ich Angst, es bricht alles zusammen. Und wie viel Überwindung es oft kostet, in Therapie zu gehen, das ist für mich immer auch was, was ich in einem Erstgespräch, was mir ganz wichtig ist, das einmal zu würdigen, sich anzuschauen. Wie schaut denn eigentlich der Weg schon aus bis zu dem Gespräch jetzt gerade? Weil für mich geht der Prozess nicht los, wenn jemand jetzt gerade bei mir sitzt, sondern ... viel früher, oft diese Überwindung, wenn wer anruft, wo man merkt, wow, das ist auch schon so ein ganz großer Schritt.

Marlene Adler: Ja, absolut.

Irene: Da ist schon ganz viel Leidensweg und auch ganz viel,

Marlene Adler: Ja.

Irene: wo ich in erster Linie mal ankommen darf. weiß nicht, wie es dir geht, aber für mich sind auch gerade so diese ersten Gespräche, die ersten Telefonate, die Aber auch das erste Mal jemandem gegenüberstehe, quasi in dieser therapeutischen Beziehung eintreten, ist für mich immer ganz was Besonderes und auch ganz was Wertvolles.

Marlene Adler: ich habe das Gefühl, wie du sagst, mittlerweile bauen sich so ein paar Barrieren zu Psychotherapie ab. Das merke ich schon, vor allem bei jüngeren Menschen, die

Irene: Ja.

Marlene Adler: dann auch manchmal einfach anfragen, wann sie sagen, sie möchten sich entwickeln, sie haben da irgendein Thema,

Irene: Mhm.

Marlene Adler: sie Möchten da hinschauen, das habe ich zwar nicht oft, muss ich ehrlich sagen, aber durchaus auch. Aber

Irene: Mhm. Mhm. Mhm. Mhm.

Marlene Adler: meistens ist halt so, dass man halt dann sagt, dass Therapie ja sinnvoll wird, wenn Belastungen nicht mehr von selber zurückgehen, Gedanken immer wieder kreisen

Irene: Ja.

Marlene Adler: um dasselbe, Gefühle bleiben halt dauerhaft sehr stark und sehr präsent da. Oder

Irene: Ja, ja, ja.

Marlene Adler: die Erschöpfung oder die innere Unruhe werden halt so zum Dauerzustand, dass man das einmal kennt, dass man sagt, hey, man ist einmal innerlich unruhig oder man hat einfach

Irene: Ja. Ja. Ja.

Marlene Adler: einmal intensiv ein Gefühl. Das ist ja völlig ein normaler Prozess und wird dann teilweise,

Irene: Ja.

Marlene Adler: finde ich auch schon, sehr oft dann pathologisiert.

Irene: Mhm.

Marlene Adler: Was ich ein bisschen mit einem beunruhigten Auge sehe, weil

Irene: Mhm.

Marlene Adler: sehr oft Wörter wie Trigger oder

Irene: Mhm.

Marlene Adler: Narzissmus oder

Irene: Mhm.

Marlene Adler: ich bin ja depressiv benutzt wird und der weil ist es in einem Bereich wo man sagt okay gut das ist einfach das Leben es passiert gerade was oder so aber

Irene: Ja, ja, ja.

Marlene Adler: Ich glaube, Therapie ist immer dann sinnvoll, wo ich das Gefühl habe, ich komme nicht weiter, ich stecke irgendwo fest in Gedanken, in Muster, in irgendwas, wo man sagt, ich habe das Gefühl, ich brauche da halt auch einfach wen Oder ich möchte gemeinsam hinschauen, weil das, was ich schon sage, immer, wir haben ja einen ganz großen Teil in uns, unbewusst, weil wir es halt einfach so gelernt haben, weil wir halt einfach

Irene: Mhm.

Marlene Adler: auch Prägungen haben, die wir möglicherweise noch gar nicht gesehen oder hinterfragt haben. Und da ist immer

Irene: Mhm.

Marlene Adler: eine Person von außen gut, die gemeinsam hinschaut, Muster zu entdecken,

Irene: Mhm.

Marlene Adler: zu schauen. Also ich wäre ja für Psychotherapie für alle. Aber grundsätzlich

Irene: Mhm.

Marlene Adler: sind wir jetzt da, wo Psychotherapie sinnvoll ist. Und da bin ich gerade bei dem, dass ich sage, okay, gut, da wo ein Leidensdruck hinter was steckt und wo halt dann

Irene: Ja, ja.

Marlene Adler: Wo ich dann sage, nein, Sie müssen nicht erst kommen wenn Sie Gedanken haben oder wenn

Irene: Ja.

Marlene Adler: Sie so depressiv sind, dass Sie eigentlich gar nicht mehr zu mir kommen wollen oder sowas. Weil dann auch ganz oft so dieses Thema ist, ich nehme ja wen den Platz weg. Wo ich dann sage, nein, Sie sind genau richtig da oder du bist genau richtig da. So dieses...

Irene: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.

Marlene Adler: Es ist völlig in Ordnung und es passt und der Platz ist jetzt für dich und das ist vollkommen okay. Aber da sind

Irene: Ja. Ja.

Marlene Adler: halt auch ganz viele Ängste dann auch oft dahinter oder so dieses Bin ich krank genug? Darf ich das überhaupt? Und wo ich

Irene: Ja.

Marlene Adler: dann immer sag, du hey, du vermeidest gerade Situationen, du ziehst dich zurück,

Irene: Ja.

Marlene Adler: du hast einen Leidensdruck, du schläfst vielleicht auch nicht mehr gut, du... grübelst ständig um dasselbe, hast Beziehungskonflikte,

Irene: Ja.

Marlene Adler: keine Ahnung, Panikattacken, wenn du in die

Irene: Ja.

Marlene Adler: Arbeit gehst. Also was brauchen wir denn, dass es

Irene: Ja.

Marlene Adler: genug ist?

Irene: manchmal versuche ich das zu differenzieren, ein bisschen auch zwischen eben dieser Behandlung oder Therapie und vielleicht auch Beratung. Ja, rein jetzt von dem her, ob man finanzielle Unterstützung kriegt oder nicht, ist ja auch diese Diagnose, also es

Marlene Adler: Absolut.

Irene: braucht was Behandlungs... würdiges, bedürftiges, wo man sagt, ich brauche auch eine Diagnose nach ICD Das heißt, ich brauche eine Form einer Erkrankung, Therapie oder Behandlung finanziert zu bekommen Das ist einmal die Behandlungsidee. Was für mich aber nicht bedeutet, dass jemand...

Marlene Adler: Genau. Aber ich könnte es auch privat

Irene: Genau, und das ist eben auch total wichtig, dass ich das sehr schätze und als Person... absolut befürworte. Wenn auch jemand kommt und sagt, ich merke einfach, ich möchte mehr Erkenntnisse über mich oder ich mache da immer wieder mal das Gleiche. Da komme ich zwar irgendwie schon zurecht, aber eigentlich

Marlene Adler: Ja.

Irene: ist das nicht gut für mich. Und es könnte irgendwann in eine Richtung gehen und darum setze ich mich jetzt gleich damit auseinander. Dann hat das

Marlene Adler: absolut.

Irene: einen oft beratenden Charakter vielleicht oder ja, genauso natürlich was behandlerisches. Aber eben nicht in einem krankheitswertigen Sinn, wie es jetzt eben jetzt

Marlene Adler: Absolut.

Irene: rein formal ja so quasi auch unsere Krankenkassen

Marlene Adler: Genau.

Irene: oder Gesundheitskassen jetzt ja auch formulieren. Aber für mich so.

Marlene Adler: Weil vielleicht dazu sagend ist, es so, dass zumindest in Österreich ist, aber glaube ich in Deutschland auch ähnlich und in der Schweiz,

Irene: Ja. Ja.

Marlene Adler: wenn eine Psychotherapie bezahlt oder psychologische Betreuung

Irene: Ja.

Marlene Adler: bezahlt wird, dann braucht es eine krankheitswürdige, wertige Erkrankung. Ich mag dieses Wort Störung, immer nicht so, aber eigentlich sagen sie es so.

Irene: Ja. Ja. Ja. Ja. Ich hab's auch versucht jetzt zu vermeiden. Ja. Ja. Ja. Ja.

Marlene Adler: Da tue ich mir immer ein wenig schwer. Es braucht eine Diagnose nach ICD-10 und dann kann eine Psychotherapie bezahlt werden. Was aber nicht heißt, dass man nicht privat auch zu einer

Irene: Genau.

Marlene Adler: Psychotherapie oder zu einer Psychologie gehen kann und sagen kann, ich brauche da was. Es ist mir was wichtig, dass ich hinschaue.

Irene: Genau. Ja, genau. ich hab mir vorhin also gedacht, mir wird jetzt so... Nein, das finde ich ganz, ganz wichtig

Marlene Adler: Entschuldigung, dass ich die jetzt unterbrochen habe.

Irene: und das ist mir auch großes Anliegen zu sagen, nicht jeder Mensch muss Therapie machen, aber jeder Mensch darf Therapie brauchen. Und das ist für mich der ganz große Unterschied und jeder Mensch darf auch diesen therapeutischen Rahmen nutzen, die therapeutische Beziehung für sich einfach auch in Anspruch nehmen und... du hast auch vorhin für mich etwas ganz Wertvolles angesprochen zu sagen. Das andere ist manchmal eine gewisse Tendenz, Dinge zu pathologisieren, die aber zum Menschsein in einer Normalität dazugehören. Die Idee von Behandlung ist für mich nämlich nicht zu sagen, wie kann ich jetzt unangenehme Gefühle so schnell wie möglich wegmachen, die auch nie haben und so optimal wie möglich zu sein. Ich bin in keinster Weise Fan von Selbstoptimierung. in der Therapie. es geht nicht darum, noch perfekter und noch optimaler zu werden. Wir haben da eine Folge zum Perfektionismus. das ist nicht die therapeutische Idee. Ja,

Marlene Adler: Ja.

Irene: und es geht darum, unangenehme Gefühle zu halten, damit nicht alleine zu sein, versorgt zu werden auf der Ebene. und für mich geht es dann oft darum, wenn jemand merkt, diese unangenehmen Gefühle oder das, was mich da umtreibt, das beeinflusst mein Leben. so dermaßen, dann darf ich mir diese Idee auf jeden Fall dazustehen, weil das muss so nicht sein.

Marlene Adler: Ja.

Irene: Wenn ich jetzt so das Gefühl habe, ich habe einen Liebeskummer und da geht es mir jetzt nicht gut, dann ist mir auch immer wichtig zu sagen, das ist ja erlaubt, ich darf auf die Dinge in meinem Leben reagieren. Und

Marlene Adler: Ja.

Irene: deswegen bin ich nicht erkrankt, weil ich nicht immer jeden Tag aufstehe und sage, ich empfinde nur Freude. Ich darf die ganze Palette spüren, ich darf es fühlen. Wenn ich aber den Eindruck habe, ich finde da nicht mehr raus. Oder mein ganzes Leben geht langsam gefühlt irgendwie unter und es wird immer schlimmer. Oder ich wiederhole mich in Muster, wo ich immer wieder nachher massive Leidenszuständen habe. Dann ist das oft für mich auch so dieses... Da macht Therapie auf jeden Fall einen Sinn.

Marlene Adler: Ich bin da immer so in diesen Gedanken. Ich finde es schön, was du gerade gesagt hast. Also dieses Thema von... Ich denke da gerade zurück. Bei mir war es auch eigentlich absehbar wahrscheinlich, wenn ich jetzt so hinschaue, dass ich Panikattacken oder irgendwie mal zusammenbreche weil ich halt nur funktioniert habe oder so. Aber man hat halt

Irene: Mhm. Ja.

Marlene Adler: das selber auch so lange drinnen, dieses Gefühl, ich schaffe das schon noch.

Irene: Ja. Ja.

Marlene Adler: Weil es ist ja auch irgendwie so dieser Punkt, ich hab mich jetzt gerade versucht, so zurückzuversetzen, es ist ja auch so der Punkt zu sagen, wenn ich mich einem anderen zeige, so verletzlich, so wund, dann könnte mich ja der auch verurteilen, dann könnte mich der beurteilen und ich hab dann damals schon so, kann ich mich erinnern, die Angst gehabt, was denkt denn der oder die jetzt? Was red ich denn da überhaupt?

Irene: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.

Marlene Adler: Was soll ich denn da jetzt sagen? Ja, ich hab Panikattacken aber ja. Mir war auch gar nicht klar, was ich da jetzt quatschen soll. 50 Minuten. Und ich hab das auch,

Irene: Ja.

Marlene Adler: ich hab das jetzt mittlerweile auch so mit meinen Klientinnen dass sie oft kommen und sagen, Marlene, heut hab ich nix. Und ich sag, ja, das werden die geilsten Stunden, super da, da ist, da

Irene: Ja, das sag ich auch immer das ist ja schön

Marlene Adler: kann dann was entstehen, wenn nicht irgendwas vorbereitet ist und sowas.

Irene: Mhm. Mehr so viel Raum.

Marlene Adler: Üblicherweise, wenn so die Stimmung zwischen einander passt, die therapeutische Beziehung oder so, dann kommt da auch was. Und dann darf auch

Irene: Ja.

Marlene Adler: was entstehen. Und ich finde, dieses Entstehen dürfen ist ja auch so schön in der Therapie. Also ich verstehe

Irene: Ja.

Marlene Adler: dieses, dass man hingeht und sagt, ja, was soll ich denn da jetzt und was sage ich denn? Und meistens gerade

Irene: Mhm. Mhm.

Marlene Adler: in die Erstgespräche oder die ersten Stunden kommen sie perfekt. vorbereitet die meisten, weil ja sehr viele in diesen Gedanken sind, ich muss

Irene: Ja.

Marlene Adler: das jetzt gut machen und ich muss mich immer noch zusammenreißen. Auch wenn es mir voll scheiße geht, muss ich irgendwie noch... Ja, aber ich bin nervös. Ja, das ist voll okay. Ja, genau. Und ich denke

Irene: Ja, ja, ja. Ja. Die perfekte Patientin, der perfekte Patient sein. Ja, ja. Ja.

Marlene Adler: mir dann so, ich fühle das so, ich fühle das so, dass man halt dann

Irene: Ja.

Marlene Adler: einfach auch... Ängste und Unsicherheiten hat und dass man halt lang probiert irgendwas oder herumdoktert. Also ich hab das

Irene: Ja, ja.

Marlene Adler: Gefühl, ja, ich hab dann immer so eigene Strategien entwickelt, wo ich mir gedacht hab, da komm ich noch gut drum und nein, das geht sich vielleicht noch aus. Und irgendwann war

Irene: Ja.

Marlene Adler: halt so dieser Punkt, wo ich mir gedacht hab, ja, leck, also das

Irene: Ja.

Marlene Adler: war es so drüber.

Irene: Ja.

Marlene Adler: über jegliche Dinge. Und da hab ich mir dann gedacht, so, und jetzt muss ich rennen Und deswegen versteh

Irene: Ja, ja.

Marlene Adler: ich auch so dieses, dass viele halt einfach kommen, wenn's zehn nach zwölf ist, weil man halt einfach sehr lang versucht, sich selbst zu beweisen, hey, es ist nicht so schlimm.

Irene: Grundsätzlich empfinde ich das auch so absolut zum Würdigen. Also diese Idee der Selbstrettung, ja, auch wenn es natürlich auch ein gewisses Muster ist zu sagen, ich schaffe das alles selber und wie immer, aber dieses "ich versuche es" das ist für mich

Marlene Adler: Ja.

Irene: auch ganz was Wertvolles zu sagen, ich habe da ja in mir drinnen so einen Willen, mich da irgendwie durchzumanövrieren. Und dann probiert man das und man probiert das. Dann aber irgendwann zu merken, boah, na, es geht sich nicht aus. Das empfinde ich auch einfach als so ein wertvolles Hinschauen auf einen selbst zu sagen, ich darf da jetzt jemanden brauchen. Ich brauch da einen Raum, brauch da jemanden von außen. Das geht sich auch mit Freundschaften nicht aus, dass man auch sagt, meine Freundinnen, meine Freunde, Bekannten, mein Umfeld. Manchmal gibt es das Umfeld gerade auch nicht. manchmal kommt eben auch jemand zu mir, wo man sagt, ich merke einfach, wie meine Freunde schon nicht mehr wissen, wie sie mir helfen sollen. Und deswegen habe ich mir jetzt auch gedacht, da braucht es was anderes. Und das

Marlene Adler: Ja.

Irene: glaube ich ist auch manchmal noch was, wo man dann manchmal auch so merkt, okay, Da brauche ich noch diesen Blick von außen. Da brauche ich auch diese therapeutische Beziehung, die ja eine andere Form der Beziehung ist. Und ich kann das auch so fühlen, dieses... Also, wenn ich mich zurückerinnere, als ich das allererste Mal in Selbsterfahrung war, in der Ausbildung, die ich noch gemacht habe, war das noch so, ja, es wäre schon gut, aber es war jetzt nicht so der verpflichtende Ablauf. Und für mich war aber klar, ja, ich mach das. Dann hab ich gedacht, vielleicht doch nicht gleich, vielleicht doch später. Aber innerlich hab ich gemerkt, das geht nicht lang gut, wenn ich das so weitermach. Dann hab ich mir auch gedacht, wie schaut denn das jetzt aus? Jetzt arbeiten wir ja selber als Psychologin. Dann hab gedacht, wie soll denn das Erstgespräch laufen? Was soll ich erzählen? Wo fange ich an? Was ist überhaupt mein Problem? Weiß ich gar nicht, was mein Problem ist. Dann bin ich da gesessen und dann habe ich gedacht, je sicherer ich geworden bin und je sicherer dieser Raum für mich einfach geworden ist, umso mehr habe ich gemerkt, wow, da ist aber viel in mir drinnen. Ich habe

Marlene Adler: Ja.

Irene: irgendwann das Gefühl gehabt, ich habe keine Ahnung, was ich da mache, aber ich schmeiße jetzt einfach mal alles hin. Ich weiß auch nicht, warum mir das einfällt und ganz oft hab ich mir da auch gedacht warum erzähle ich eigentlich das, wozu ist

Marlene Adler: Ja.

Irene: mir jetzt diese Situation eingefallen, wo ich immer sage, ich bin mir ganz sicher, die fällt nicht umsonst ein und die ist jetzt wichtig oder die wird irgendwann wichtig sein, die Erfahrung. Wir schmeißen dann oft am Anfang mal einfach hin und das ist okay. Und manche sind schon wahnsinnig strukturiert. Ich war eher die, die gesagt hat, ich habe keine Ahnung. Und dann genau wie du gesagt hast zu dieses Ja was denkt sie sich denn jetzt? Ich habe mir dann nachher gedacht, um Gottes Willen, was denkt sie sich denn jetzt? Jetzt bin ich da irgendwie selber Psychologin, schmeiß ich hundert Sachen völlig unsortiert hin, kenne mich eigentlich selber gerade überhaupt nicht mehr aus, was ich jetzt eigentlich gerade machen will. Ich merke nur es geht mir nicht gut. Und dieser therapeutische Prozess dann, ja, ist so wertvoll. ich finde es so mutig, ja, in Therapie zu gehen und zu sagen... Ich schaue auf mich, ich schaue mir meine Themen an und das mit jemandem, den ich ja in dem Moment noch gar nicht kenne. Und ich finde es auch wichtig, dass man da am Anfang sich ja die Zeit gibt zu sagen, ich darf da mal ankommen. Ich darf da mal schauen, darf da auch mein gegenüber mal kennenlernen. Ich darf mir die ersten Reaktionen auch mal anschauen, Gegenreaktionen. Wie spürt sich denn das überhaupt an? Für mich ist es auch immer wichtig, dass ich ja auch allen sage. Bitte spüren Sie auch einfach auch mal gut nach, wie es sich anfühlt, da zu sein. Und wenn es für meine PatientInnen nicht passt, dann ist das okay. Weil ich kann nicht für jeden Menschen die optimale Therapeutin sein. Und das ist auch okay. Und ich finde es auch ganz, ganz wichtig, wenn jemand dann spürt und sagt ... irgendwie ... Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt oder es ist jetzt nicht der richtige Raum oder ich brauche einfach für mich was anderes, ja, weil ich habe ein gewisses methodisches Repertoire, ich bin eine gewisse Persönlichkeit und es braucht ganz, ganz viel Vertrauen und ich weiß nicht, wie haltest du das, wenn du so spürst da kommt wer und da ist vielleicht auch noch, da sind viele Fragezeichen, wie gehst du da damit

Marlene Adler: Spannenderweise habe ich das noch nie gehabt,

Irene: Ja.

Marlene Adler: weil ich das vorher schon am Telefon kläre oder für mich spüre Also für mich ist

Irene: ja. Ja.

Marlene Adler: das schon am Telefon so ein Prozess, wo ich sage, also ich nehme ja schon länger eigentlich niemanden mehr, aber grundsätzlich entweder spüre ich es schon vom Mail her oder ich spüre

Irene: Mhm.

Marlene Adler: es schon vom Telefonieren. Grundsätzlich habe ich das schon immer gehabt.

Irene: Mhm.

Marlene Adler: dass ich vorher telefonieren möchte und klären

Irene: Mhm. Ja.

Marlene Adler: möchte, was ist denn so das Anlegen, was ist denn so dieses

Irene: Mhm.

Marlene Adler: Warum Sie kommen und so. Und wo ich dann schon einmal schaue für mich, okay, wie spürt sich das denn an? Könnten wir harmonieren oder so? Und da dann gleich einmal so, hey, passt oder passt nicht. Doch, doch, Einmal habe ich es in einer Situation gehabt, wo ich gesagt habe, das geht sich nicht aus. Also das kann

Irene: Ja, ja.

Marlene Adler: sich menschlich nicht ausgehen, weil da die Werte so...

Irene: Mhm.

Marlene Adler: Das war schon im Erstgespräch dann so klar, das könnte nicht passen. Das war aber eine Zuweisung. Das war ein

Irene: Mhm. Ja.

Marlene Adler: Klient, den ich übernommen habe.

Irene: Ja.

Marlene Adler: Da war es eher so, ich habe diesen Gefallen getan - tue ich mittlerweile nicht mehr.

Irene: Ja, ja.

Marlene Adler: Weil einfach aus meiner Sicht die therapeutische Beziehung die wichtigste ist. Dass was sein kann, dass ich mich

Irene: Ja.

Marlene Adler: öffnen kann, dass ich mich fallen lassen kann, dass ich Themen, die mir sehr unangenehm sind, besprechbar. oder dass besprechbar werden können. Und

Irene: Ja, ja.

Marlene Adler: da ist genauso bei mir der Ding, dass ich aus meiner Fürsorgepflicht auch deswegen

Irene: Ja.

Marlene Adler: thematisiere, wenn es nicht passen würde oder wenn ich ein ungutes Gefühl habe. Weil

Irene: Ja, ja, ja.

Marlene Adler: das sonst nichts bringt. Ich möchte

Irene: Ja.

Marlene Adler: nicht einfach nur eine Therapeutin sein, die sagt, ja, okay, das ist halt dann das Geld, das ich

Irene: Ja.

Marlene Adler: halt dann bekommen würde und dann machen wir oder wurschteln wir halt so dahin. Das ist für mich einfach

Irene: Ja.

Marlene Adler: mit meinen Werten gar nicht vertretbar und deswegen würde ich es immer thematisieren, wenn der andere das nicht spürt. Aber meistens spürt man das gut. Ob es passen könnte.

Irene: Ja, ja, ja, ja, ja,

Marlene Adler: ist es eigentlich bei dir, dass du sagst, weil du nimmst ja auch jetzt eigentlich nicht mehr wirklich wen oder?

Irene: Momentan ist meine Warteliste voll. Ich habe eigentlich eine Zeit lang gar keine mehr geführt, weil es mir einfach zu leid tut, wenn jemand so lange wartet. Ich sage zwar immer, ich schreibe Sie auf und bitte fragen Sie trotzdem woanders, weil eben genau dieser Punkt oft man wartet. bis es eben gar nicht mehr geht und ich verstehe das und ich kann das nachvollziehen, dass man dann anruft und sagt, jetzt habe ich mich überwunden und jetzt wäre es natürlich genau jetzt total wichtig und dann tut mir das immer unfassbar leid, ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn ich dann merke, es wäre gerade auch wirklich ein super Zeitpunkt, die Therapie zu starten und es geht einfach

Marlene Adler: Ja, ja.

Irene: nicht. ja, dann sage ich ja eben immer, bitte rufen Sie trotzdem überall an und momentan kann ich leider gerade nicht noch jemanden aufnehmen. Ja, manchmal ist es dann so, dass man merkt, okay, jetzt geht es wieder mal ganz gut. Und dann kann es auch sein, dass jemand mit einer Anfrage gerade wieder den Zeitpunkt erwischt, wo es einfach genau passt, wo bei mir vielleicht gerade jemand mit der Behandlung jetzt gerade abschließt und dann wieder Platz frei ist. Ja, genau.

Marlene Adler: Genau, ja. Aber bei mir ist es grundsätzlich schon so, dass ich merke, wenn ich jetzt keinen nehmen kann oder sowas, ich hab dann immer so, es tut mir so wahnsinnig leid Also

Irene: Ja.

Marlene Adler: ich leide ja da direkt dann mit, wenn ich sagen

Irene: Ja.

Marlene Adler: muss, tut mir laut, ich kann nicht. Und

Irene: Ja.

Marlene Adler: vor allem, man schon bei Menschen hört, die haben schon wirklich Suizidgedanken, die sind wirklich in einer schweren Phase oder in einer schweren Krise oder machen da gerade unvorstellbares

Irene: Mhm. Ja.

Marlene Adler: durch, dann denke ich mir immer so, am liebsten würde ich alle nehmen. Aber ich kann nicht.

Irene: Ja.

Marlene Adler: um meine Gesundheit und diesen Raum für meine anderen KlientInnen zu halten,

Irene: Ja.

Marlene Adler: muss ich Selbstfürsorge betreiben. Und das heißt

Irene: Ja.

Marlene Adler: dann auch, dass ich leider Menschen ablehnen muss. Und jetzt mit Social

Irene: Ja.

Marlene Adler: Media ist natürlich dann noch mal mehr Also die Anfragen, naja und

Irene: Ja, gehe dafür aus, dass da viele anfragen. Ja.

Marlene Adler: vor allem ich kann teilweise gar nicht mehr, ich kann nicht einmal mehr die E-Mails lesen. Weil so viele E-Mails rein

Irene: Ja.

Marlene Adler: kommen und es tut mir dann so unfassbar leid aber bis ich

Irene: Ja.

Marlene Adler: eine E-Mail beantwortet habe und ich möchte es trotzdem individuell halten, dann

Irene: Ja. Ja. Ja.

Marlene Adler: vergehen ja auch mal eine Viertelstunde, 20 Minuten, halbe Stunde und dann,

Irene: Ja.

Marlene Adler: wenn ich da 100 Mails am Tag im Postfach habe, dann ist das

Irene: Ja.

Marlene Adler: viel und dann habe ich zusätzlich noch Telefonate oder weiß ich was, ich kriege

Irene: Ja.

Marlene Adler: überhaupt nicht mehr gebacken aber ich merke halt einfach,

Irene: Ja.

Marlene Adler: dass es da eine wahnsinnige Not bei Menschen gibt und dass

Irene: Ja.

Marlene Adler: ich als Psychotherapeutin oder Psychotherapeutin einfach merke, ich würde gern, aber ich kann nicht. Und ich

Irene: Ja. Ja. Ja.

Marlene Adler: weiß ja, wie es mir dann damals gegangen ist, dass ich mir dachte, boah, es ist so eine Überwindung, da überhaupt nachzufragen. Und dann

Irene: Ja. Ja. Ja.

Marlene Adler: würde ich vielleicht abgelehnt werden. dann weiß ich ja auch von Menschen, die dann sagen, na, aber noch einmal packe das nicht. Und vor allem auch

Irene: Ja.

Marlene Adler: in Deutschland, wo dann teilweise 20, 30 Therapeuten schon angefragt werden, wo man dann eigentlich keine Kraft mehr hat. Und wo ich

Irene: Ja. Ja.

Marlene Adler: mir dann denke, wie scheiße ist denn das? Und das tut mir dann so leid wenn sich wer

Irene: Ja, ja. Ja.

Marlene Adler: überwindet, endlich Hilfe

Irene: Ja.

Marlene Adler: anzunehmen und Unterstützung anzunehmen und dann kriegt er es nicht, weil halt die Kapazitäten erschöpft sind oder weil halt dann möglicherweise was nicht bezahlt werden kann oder... das finde ich auch ganz ein...

Irene: Ja, ich fühle das gerade ganz stark, was du sagst. Und ich merke, das ist

Marlene Adler: Es ist schwierig.

Irene: so ein Aspekt der Arbeit, der mich oft tatsächlich umtreibt oder mitnimmt, wo ich merke, dass ich oft noch versuche, irgendwie auch irgendwo weiter zu vermitteln, irgendwo Anlaufstellen noch zu

Marlene Adler: Ja, ja. es geht noch.

Irene: nennen. Ja, und ich aber dann ja auch diese diese Verzweiflung, manchmal dann aber auch natürlich den Ärger. Man ruft herum, man ruft an und jeder sagt dann, es geht gerade nicht und Wartezeit von ein paar Monate.

Marlene Adler: absolut. Ja ja.

Irene: Das ist ja auch wirklich verständlicherweise wirklich frustrierend. Und wenn man sich dann natürlich auch noch vorstellt, aus einer Erkrankung

Marlene Adler: Ja.

Irene: heraus beispielsweise, die mir ganz begrenzte Energie zur Verfügung stellt, raffe ich mich auf und rufe da an. und muss mich dann so oft überwinden, dann ist das natürlich wirklich einfach was, wo ich merke, das ist der Teil von meinem Beruf, bei dem ich auch immer wieder denke, ach Gott, das setzt mir echt auch emotional zu, das tut mir auch wahnsinnig leid, weil ich eben ja auch selber war, wie herausfordernd es ist, jemanden zu finden, wo man sagt, den möchte ich oder die möchte ich anrufen. Man schaut ja dann durch und dann schaut die oder der vielleicht auch einfach gerade total sympathisch aus und man würde sich da wohlfühlen und

Marlene Adler: Ja

Irene: die Methoden passen und dann ruft man an und dann ist die große Ernüchterung Eben auch so diese therapeutische Beziehung, die ja auch so wichtig ist zu sagen, ich fühle mich da bei jemandem wohl aufgehoben, sicher.

Marlene Adler: Ja.

Irene: ist ja sowas Wertvolles.

Marlene Adler: und dann kann ich es teilweise auch gar nicht mehr aussuchen.

Irene: Dann kann ich mir das nicht auswählen Ja, genau. Und... Ja. Ja. Ja.

Marlene Adler: Also das ist frustrierend. Es ist wahnsinnig frustrierend. Aber nicht nur, da jetzt mal dazu zu stellen, weil ganz viele von euch werden das wahrscheinlich kennen aus der Sicht des Suchenden, aber ich möchte einfach dazu stellen dass es für uns als BehandlerInnen oder TherapeutInnen, PsychologInnen, ÄrztInnen auch einfach für sehr viele sehr schwierig ist und sehr herausfordernd ist, diese Plätze eben nicht anbieten zu können. Und da haben wir ja vorher

Irene: Ja, und klar.

Marlene Adler: dann auch schon geredet, ich finde es auch wichtig, dass wir irgendwo dann auch Angebote schaffen können, die möglicherweise dann ein bisschen was helfen. Wir haben vorher geredet, ob wir dann vielleicht einmal die Zeit finden, dass wir zusätzliche Angebote machen für euch, die euch unterstützen könnten. Dass wir so einen Raum oder einen Platz schafft, man möglicherweise gerade wartet auf was oder zusätzlich Hilfe braucht. Dass man so Zugänge schafft, die unterstützend sind, die zumindest einen Teil abdecken können. Da haben wir ja vorher so

Irene: Ja.

Marlene Adler: geredet und ich finde, das könnte jetzt auch so ein guter Abschluss sein zu sagen. Therapie ist nicht erst sinnvoll, wenn gar nichts mehr geht. Und sich Hilfe

Irene: Ja.

Marlene Adler: zu suchen, Unterstützung zu suchen oder irgendwelche Angebote irgendwie zu suchen, die einem helfen könnten, muss nicht erst dann sein, wenn gar nichts mehr geht. es kann einfach sinnvoll sei, wenn man merkt, ich komme immer wieder an denselben Punkt und ich

Irene: Ja.

Marlene Adler: möchte verstehen was dahinter liegt, anzufragen. Auch mit diesem Aspekt, den wir jetzt gerade gehabt haben, möglicherweise dann Absagen zu bekommen, aber möglicherweise passt es dann auch bei wem oder ist dann halt auch wieder ein Platz oder gibt es ein Angebot, das passen könnte.

Irene: Genau. Ja. Ja. Ja. also da möchte ich auch nochmal das so unterstreichen, was du jetzt auch gesagt hast. Dieses Ja, ich darf Therapie in Anspruch nehmen mit dem Anliegen, das ich in mir herum trage und das darf den Raum kriegen und bitte auch, wenn man Absagen kriegt. Trotzdem ja, manchmal eben

Marlene Adler: Ja. Ja.

Irene: Manchmal passt es genau, manchmal gibt es ein paar Koordinationsstellen, die immer besser funktionieren, wo

Marlene Adler: Ja.

Irene: die Plätze wirklich versucht werden, gut und schnell zu vergeben. Und manchmal gibt es eben auch schon andere Angebote dazu. Und mir ist einfach

Marlene Adler: Mmh.

Irene: auch wichtig zu sagen, auch wenn wir keinen Platz frei haben, wir sehen euch.

Marlene Adler: Yo!

Irene: Wir sehen das und wir fühlen das. jetzt gerade keinen Platz zu haben, ist für beide Seiten eine große Herausforderung. Und gleichzeitig, glaube ich, geben wir da auch wirklich unser bestes Versorgung anzubieten.

Marlene Adler: Ja.

Irene: ja. Bitte auch, wenn man

Marlene Adler: das hast du dir schön gesagt.

Irene: fünf Absagen hat, ja trotzdem, ja trotzdem zu sagen, ich rufe da nochmal wo an oder eben auch, wenn man sagt, vielleicht schaffe ich es eh nochmal zwei Wochen. darf ja auch, wenn ich merke vielleicht

Marlene Adler: Ja.

Irene: Es geht noch irgendwo was, ich darf trotzdem Therapie brauchen Ich darf es in Anspruch nehmen.

Marlene Adler: Ja, das hast du jetzt schön gesagt. Ich finde jetzt sehr rund für das

Irene: Ja.

Marlene Adler: und es ist halt so wichtig, so wie du es sagst, so dieses... Wir sehen euch.

Irene: Ja.

Marlene Adler: Und es ist auch für uns ein großes Thema, wo wir versuchen, dass wir was machen, Möglichkeiten schaffen, Angebote zum Beispiel zu anderen. Ich gebe dann zum Beispiel, wenn ich nichts habe, verweise ich dann immer wieder, hey, wenn Sie jetzt gerade in einer akuten Krise sind, habe ich die und die Telefonnummer. Ich schaue auch,

Irene: Mhm. Mhm.

Marlene Adler: bitte hängt mich nicht drauf auf. Ich werde versuchen, ich kenne mich mit der Technik noch nicht aus, da ein paar Nummern unten in die Show Notes reinzupacken.

Irene: Ich glaube, Marlene.

Marlene Adler: Also wenn es nicht ist, habe ich es noch nicht geschafft, aber ich versuche es, dass da halt einfach, dass man halt für Österreich, Schweiz und Deutschland

Irene: Wir helfen zusammen, wir schaffen das, Marlene. Ich werde auch mitrecherchieren.

Marlene Adler: ein paar Nummern reinpacken, dass ihr da was habt. Was mir auch noch gerade eingefallen ist, was mir wichtig ist, wenn es akute Gedanken gibt, nicht mehr leben zu wollen oder wenn es starke Krisen gibt, bitte ruft bei der Rettung an, geht es ins Krankenhaus, sucht euch da Unterstützung. Es gibt dann auch Krisen-Hotlines oder Hotlines, wo man dann akut anrufen kann. Und also bitte... nutzt das. Und da gibt es Menschen, die da sind und da gibt es Menschen, die akut was abfedern können, auch wenn ihr gerade bei einem Therapeuten, bei einer Therapeutin, Psychologin oder sowas keinen Platz kriegt. Genau. Und von dem her

Irene: Das ist eine ganz wichtige Ergänzung gewesen, Marlene. Danke.

Marlene Adler: Zum Abschluss passt gut auf euch auf und war mir wie immer ein Volksfest. Und wir sehen uns bald wieder. Ja. Tschüss.

Irene: Und mir auch einfach ein großes Anliegen. Bis bald, tschüss!

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