Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

Die tägliche Dosis Tod: Der Fall Elfriede Blauensteiner (feat. Idan Hanin)

Dienstag, 8. Juli 2025 · 1 h 14

MP3

Shownotes

Am Morgen des 20. November 1995 sitzt Elfriede Blauensteiner zusammen mit ihrem Lebensgefährten Alois Pichler in der Küche seines Hauses in Rossatzbach. Dem Niederösterreicher geht es schon seit Wochen schlecht, er wurde immer dünner und dünner. Die Milch, die ihm Elfriede zubereitet hat, soll helfen. Also nicht ihm, sondern ihr. Denn Elfriede Blauensteiner hat es auf das Erbe von Alois abgesehen. Zusammen mit einem gewieften Komplizen hat sie ein System geschaffen, mit dem sie min. 15 Mio. Schilling abkassiert hat – gut 2 Mio. Euro. Es ist ein System, das mehreren Menschen das Leben gekostet hat – und dessen nächstes Opfer Alois Pichler ist…

Hier findet ihr die angesprochene Folge von "Stern Crime" zum Fall Elfriede Blauensteiner: podcasts.apple.com/si/podcast/meeting-elfriede…

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Am Morgen des 20. November 1995 sitzt Elfriede Blauensteiner zusammen mit ihrem Lebensgefährten Alois Pichler in der Küche seines Hauses. Die gut gekleidete Elfriede ist für ihn extra aus Wien nach Niederösterreich gezogen. Genauer gesagt nach Rossatzbach. Und das war die richtige Entscheidung. Denn Alois Pichler geht es schon seit Wochen schlecht.

Er wurde immer dünner und dünner. Er ist nur noch ein Häufchen Elend. Die Milch, die ihm Elfriede zubereitet hat, soll helfen. Also nicht ihm, sondern ihr. Denn Elfriede Blauensteiner hat es auf das Erbe von Alois abgesehen. Nur so kann die 64-Jährige ihre schwere Spielsucht befriedigen. Elfriede Blauensteiner weiß ganz genau, was sie hier macht. Denn sie macht es nicht zum ersten Mal.

Zusammen mit einem gewieften Komplizen hat sie ein System geschaffen, mit dem sie mindestens 15 Millionen Schilling abkassiert hat. Gut 2 Millionen Euro. Es ist ein System, das mehreren Menschen das Leben gekostet hat und dessen nächstes Opfer Alois Pichler ist. Das ist Foodcrimes. Was schmeckt dahinter? Mit Lilly Temme, Florian Reza und dem besten Gast aller Zeiten.

Idan Hani. Egal welches Thema beim ORF auf dem Redaktionstisch landet, Eins ist sicher, Idan ist schon dran. Die Bandbreite, die der 23-jährige Journalist in den letzten Monaten beackert hat, ist mehr als beeindruckend. Vom Eurovision Song Contest über die Konflikte im Mittleren Osten bis hin zur Papstwahl, Idan findet immer einen Weg, die ORF-Community bei TikTok, Instagram und YouTube mitzunehmen.

Und nebenbei hat er noch den österreichischen Bundeskanzler interviewt. Wir sagen es hiermit voraus. Wenn Armin Wolf irgendwann wirklich nicht mehr den Weg aus dem Kaffeehaus findet, hat der ORF seinen nächsten Anchorman schon auf Kurzweil. Schön, dass du da bist. Was für eine Vorstellung. Das ist ja unglaublich. Das muss ich mir merken und dann irgendeine Bio reinschreiben, glaube ich.

Aber ich nehme sie gerne an. Ich sage es dem Armin nicht, aber ich nehme sie gerne an. Freue mich sehr, dass ich hier bin. Danke. Weil ich meine, die Geschichte spielt in Österreich und da brauchen wir natürlich einen Mann vor Ort, der uns auch ein bisschen... Korrespondent quasi. Ja, der erste Foodcremes-Korrespondent.

Ja, ich bin für Österreich immer, ich weiß alles, was passiert ist, auch wenn es Jahre vor meiner Geburt war, ich weiß genau, was abgenommen ist. Also das ist kein Problem. Ja, hast du von dem Fall schon mal was gehört? Tatsächlich schon. Und ich habe jetzt eben sozusagen für die Folge nochmal ein bisschen was durchgelesen und bin sehr gespannt.

Ich freue mich auf die Folge einfach, weil ich weiß, dass ihr euch ordentlich da rein geackert habt in diese Geschichte und ich finde sie einfach wahnsinnig spannend. Also ich finde ja so, das ist ja das Faszinierende an so True-Crime-Dingen und Geschichten, dass man einfach wirklich reinkippen kann und es ist dann immer auch sehr befriedigend, wenn diese Fälle geklärt sind und wenn diese Menschen auch nicht mehr leben, die diese Taten verübt haben, weil man ist dann schon so ein bisschen beruhigter.

Aber ja, ich habe vom Fall gehört und er ist komplett insane eigentlich. Ja, Elfriede Blauensteiner ist ja in Wien aufgewachsen, kommen wir gleich dazu, aber vielleicht schon mal ein bisschen vorab, was ich so im Gefühl habe, was du aber vielleicht nochmal ein bisschen besser in Worte fassen kannst, ist so dieses Wien-Österreich-Land-Gefälle, weil in meiner Zeit in Wien habe ich oft so ein bisschen das Gefühl bekommen, die Wiener, die sind arrogant und finden eigentlich alles, was außerhalb der eigenen Stadtgrenzen für uninteressant und für bäuerlich und andersrum.

Wenn du vom Land kommst, dann ist so dein Dorf, dein Tal der Nabel der Welt und alle anderen sind weit weg und arrogant. Wie geht dir das, auch wenn du jetzt raus aufs Land fährst, um irgendwie Leute kennenzulernen oder wenn ihr Geschichten habt, die…, Außerhalb von Wien spielen, wie fühlt sich das Land für dich an?

Also das sprichst du einen guten Punkt an. Ich werde in der Redaktion immer so ein bisschen verarscht, weil ich tatsächlich sehr, sehr, sehr ein Stadtkind bin und wirklich, ich bin Wiener, also ich bin in Wien aufgewachsen, in Wien zur Schule gegangen, in Wien geboren und war wirklich immer nur in Wien.

Und bin jetzt sozusagen für den ORF und mit dem ORF für Drehs etc. Immer öfter, immer regelmäßiger rausgekommen aufs Land und habe dort dann eben alle möglichen Geschichten irgendwie erzählt und gedreht und mit Menschen geredet. Und ich muss sagen, wenn man da nicht hinfährt und sagt, wir von der Stadt kommen ja jetzt und sind jetzt irgendwie viel geiler und reden da mit euch, die vom Land da irgendwie sind, dann wenn man da respektvoll rangeht, dann sind die Leute mega happy eigentlich, mit einem zu reden.

Und ich glaube, diese Arroganz muss so ein bisschen einfach in den Hintergrund rücken. Und ich glaube, sie ist einfach wahnsinnig viel am Platz. Aber ich spüre sie schon auch. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hatte sie nicht auch, bevor ich mehr aufs Land rausgefahren bin. Aber ich liebe es eigentlich.

Ich finde, es macht total Spaß. Und ich würde am liebsten irgendwann auch so ein bisschen die Möglichkeit haben, regelmäßig aufs Land zu fahren. Das hätte ich früher nie gesagt, aber heute würde ich das auf jeden Fall sagen. Es zieht dich in die Wachau. Es zieht mich in die Wachau. Zu den Marillen. Meine Mitbewohnerin, die hat so einen Marillengarten.

Ihre Familie hat so einen Marillengarten in der Wachau. Die ist ja so bekannt für Marillen. Und die kommt dann immer mit so einem Sack Marillen im Sommer. Für unsere deutschen Zuhörer und Zuhörerinnen Aprikosen. Ich vergesse ja immer, dass sie einfach eine andere Sprache spricht. Marü ist eher das schönere Wort.

Marü ist auch Marille? Oder was? Ja, das ist ein Dialekt. Okay, also Marille kenne ich noch. Da bin ich auch noch vorne mit dabei. Ich habe sogar Marillen-Marmelade im Kühlschrank stehen. Und Marillen-Knödel sind auch wahnsinnig lecker. Das ist wahr. Die wird, Achtung, Überleitung, Elfriede Blauensteiner wahrscheinlich auch öfters gegessen haben, wenn sie bei Alois Pichler in der Wachau war.

Denn Rosserzbach, das liegt in der Wachau. Und bevor wir aber zu ihm kommen, müssen wir, glaube ich, einmal an den Anfang springen, in die Kindheit von Elfriede Blauensteiner, weil natürlich ist sie nicht als Kriminelle auf die Welt gekommen. Tatsächlich hat sie erst so in ihrem letzten Lebensdrittel, sagen wir mal, ist sie auf die schiefe Bahn gekommen.

Und um zu verstehen, wie es dazu gekommen ist, springen wir, glaube ich, einmal auf den Anfang zurück. Werbung. Wir sind ja jetzt wirklich schon mittendrin in der Urlaubszeit, Lilly. Und ich merke das vor allem daran, dass mich mittlerweile auch Leute persönlich ansprechen, wie das denn mit Sally abläuft.

Ganz explizit meine Eltern, die nämlich dieses Jahr nicht in der EU Urlaub machen, sondern in Großbritannien, in Wales genauer gesagt und die mich auch gefragt haben, ob sie da nicht Sally nutzen können. Und ich meinte, ja natürlich, weil das ist ja nicht EU. Und damit kann man nicht sein Roaming-Paket nutzen und braucht irgendwie einen Handy-Anbieter, einen Internet-Anbieter, wenn man unterwegs ist.

Weil die Vorteile von Internet im Urlaub haben wir ja wirklich schon zu Genüge besprochen die letzten Wochen. Ob man jetzt Restaurants finden möchte oder einen Notfall hat, bisschen Internet sollte man immer dabei haben. Und deswegen sind wir froh, dass wir immer noch einen Saley-Code für euch haben.

Jawohl und zwar bekommt ihr mit dem Code foodcrimes zusammengeschrieben und alles klein 15% auf ein Datenpaket eurer Wahl. Ihr könnt nämlich, wenn ihr euch die Saley App runterladet, auswählen, wie viel Internet ihr braucht, für wie lange und wo ihr euch befindet. Dann klickt ihr das einfach an, tragt den Code foodcrimes ein und erhaltet 15 Prozent.

Und ich würde mal sagen, das lohnt sich auf jeden Fall. Und vielleicht macht der Urlaub ein kleines bisschen mehr Spaß, wenn ihr vorher unseren Code benutzt habt. Ich werde ihn übrigens auch benutzen in den nächsten Wochen, weil ich bin Salee-Ultra seit zwei Jahren und werde es auch bleiben. Sehr gut.

Noch einmal ganz kurz, was Salee eigentlich ist. Es ist im Grunde ein E-SIM-Anbieter. Das heißt, ihr müsst nichts irgendwie ins Handy stecken oder sonst was, sondern ihr ladet die App runter, ihr ladet euch eine E-SIM aufs Handy und seid damit in dem Land und in dem Reiseziel, wo ihr seid, direkt mit dem Internet verbunden.

Und wir haben einen Top-Kundenservice, der euch direkt weiterhilft, falls es mal irgendwo knarzt. Und damit sollte euer Urlaub, egal wo ihr seid, kein Problem mehr sein. Gute Reise! Music. Es ist das Jahr 1931 und in Wien, wie fast überall sonst auf der Welt, kämpfen viele Familien ums Überleben. Im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten ist die Situation besonders schwierig.

Hier wird am 22. Jänner 1931 Elfriede Marta Zellinka geboren. Ich werde übrigens heute die österreichischen Begriffe verwenden. Ich bin schon ganz fasziniert. Nur zwei Jahre nach ihrer Geburt stirbt ihr Vater. Die Mutter ist ab diesem Moment mit den insgesamt elf, richtig gehört, elf Kindern alleine.

Und komplett überfordert. Sowohl finanziell als auch emotional. Nach dem Tod ihres Mannes verbringt Elfriedes Mutter ihre Zeit, lieber damit einen neuen Mann zu finden, als sich um die Kinder zu kümmern. Schon bald lernt sie auch jemanden kennen. Doch für Elfriede und ihre Geschwister verheißt das nichts Gutes.

Ihr neuer Schwiegervater ist der Bruder ihrer Nachbarin und ein überzeugter Nazi, der die Kinder mit harter Hand erzieht, wenn man das überhaupt so nennen kann. Und wenn er dann überhaupt mal da ist, denn die meiste Zeit verbringen er und Elfriedes Mutter in seinem Kleinhaus im Leitergebirge südöstlich von Wien.

Die Kinder sind auf sich alleine gelassen, die Älteren erziehen die Jüngeren. Doch vor allem am Monatsanfang sind Elfriedes Mutter und ihr neuer Freund in Wien. Sie müssen ja die Witwenpension abholen. Für Elfriede sind diese Tage die schrecklichsten im Monat. Immer wieder schlägt der Schwiegervater auf sie ein, auch dann noch, wenn sie sich vor Angst einnässt und sich schämt.

Es sind Erfahrungen wie diese, die in Elfriede schon im frühesten Kindesalter eine empathielose Härte und ein Hass auf die Männer in ihrem Leben aufkeimen lässt. Und noch eine Eigenschaft entwickelt sie in dieser Zeit. Sie möchte immer die Kontrolle behalten. Niemand soll ihr sagen, was sie zu tun hat. Sie geht sogar so weit, dass sie nicht nur auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, sondern sogar auf Kaffee und Tee.

Ihr wichtigstes Ziel ist immer klar, bei vollem Verstand bleiben und absolut unabhängig sein. Nach der Schulzeit besorgt sich Elfriede schon bald einen Job in einer AIDA-Bäckerei in der Porzellanengasse nahe des Franz-Josef-Bahnhofs. Und ihre Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit bringt sie schnell voran.

In der Bäckerei steigt sie von der Verkäuferin zur Filialleiterin auf. Sie lebt sparsam, kann sich bessere Kleidung leisten und verkehrt so auch bald in einem angesehenen Freundeskreis. Die AIDA-Bäckerei, übrigens eine schamlose Werbung, die Punschkrapfen sind fantastisch. Generell AIDA-Bäckerei ist ein Vibe, muss man sagen.

Ist das vergleichbar mit Kamps bei uns oder was für eine Größenordnung ist das? Es ist auf jeden Fall Kulturgut, so viel kann man sagen. Das sind diese pinken Filialen, ich weiß nicht, ob du die schon mal gesehen hast, Lady, die ist alles pink eingerichtet, alles pink. Es ist ein bisschen aus der Zeit gefallen, es ist ein Vibe für Menschen über 60, aber für die ist es absolut ein Vibe und manchmal geht man da hin, weil man einfach Lust hat.

Elfriede lernt jetzt auch jemanden kennen. Alfred, genannt Friedi Franze. Ihre erste große Liebe. Er ist Schriftenmaler und Grafiker. Und tatsächlich, nach all den Verletzungen ihrer Kindheit, scheint sie Anfang der 50er Jahre bereit, sich auf einen Mann einzulassen. Die beiden verlieben sich und alles deutet darauf hin, dass Elfriede mit Anfang 20 tatsächlich geschafft hat, ihre traumatisierende Kindheit ein Stück weit hinter sich zu lassen.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Fredi betrügt sie, droht ihr mit der Scheidung, wenn ihr nicht Geld für seine Unternehmungen organisiert und wird auch immer wieder gewalttätig. Zwischen den beiden ist bald nur noch offener Hass und offene Gewalt. Physisch und in Worten. Nach neun Jahren Ehe reicht Alfred im Jänner 1961 die Scheidungspapiere ein.

Zwei Jahre später muss Elfriede wieder bei Null anfangen. 1963 eröffnet sie eine Kreislerei, also ein kleines Lebensmittelgeschäft und bekommt so ein bisschen Freiheit zurück. Noch etwas lässt sie aufblühen. Sie hat ein neues Hobby. Elfriede liebt es, ins Casino nach Baden zu fahren, einer Kleinstadt südlich von Wien.

Ein Date hatte sie hierhin mitgenommen und als die Anfang-30-Jährige zum ersten Mal in das festliche Gebäude im Kurpark von Baden kommt, ist es um sie geschehen. Die Frau, die sich gerne fein kleidet, immer geschminkt ist und den Mittelpunkt sucht, hatte ihre Passion und die Hoffnung auf ein besseres Leben gefunden.

Aber bald auch ein Problem mehr. Ein kleiner Ausflug in Elfriedes Kindheit und bei dem Casino in Baden, muss ich dich natürlich fragen, Idan, warst du da schon mal? Nein, ich war noch nie im Casino und ich finde, das hat doch was total Bedrohliches. Also wart ihr mal im Casino? Doch, ich war mal in Las Vegas im Casino. Flo hat gerade so gelogen, er lügt uns gerade einfach an. Nein, nein, nein, nein, nein. Okay.

Ich will ins Casino gehen, aber mir geht es ein bisschen wie dir. Ich habe Angst, dass ich dann… Dass man es zu gut findet. Dass man es zu gut findet und dass man auch, dass ich einen Ticken gewinne. Ich habe einmal, also wirklich, meine Glücksspielkarriere besteht aus einmal Online-Wetten. Und da habe ich 10 Euro eingezahlt, dann hatte ich irgendwann 20, 30 Euro erspielt und die habe ich verloren.

Ja, aber das ist ja der Klassiker. Also ich erlebe das, dass ein paar meiner Friends, gerade wenn so Weltmeisterschaft, Fußballmänner-Weltmeisterschaft, Europameisterschaft ist, dass die dann voll reinkippen ins Sportwetten und die kommen dann oft so gegen Ende hin, nachdem sie wirklich jedes zweite Spiel Geld wetten, kommen sie so auf Null raus und dann denke ich mir, es ist das Risiko nicht wert.

Und es ist für mich viel zu, ich bin ein bisschen ein Suchtmensch, so. Und deswegen muss ich mich von manchen Dingen einfach fernhalten, so. Ja, das ist mein Learning. Geht mir genauso. Wir haben aber einen gemeinsamen Freund, Flo, der zweimal im Jahr ins Casino geht und dann sagt, okay, ich habe jetzt hier irgendwie 200, 300 Euro dabei und mehr gebe ich auch nicht aus.

Und der hatte letztens eine absolute Erfolgssträhne und hat sehr viel mehr gewonnen an dem Abend. und das sind immer so Momente, an denen ich denke, Lilly, willst du es nicht auch mal versuchen? Aber ich weiß es nicht. Was heißt sehr viel mehr? Also der hatte, glaube ich, am Ende 800 oder 900 Euro mit Blackjack.

Das ist halt schon einfach im Stichwort einfach gewonnen. Du hast nichts getan. Du hast einfach Glück. Einfach nur Glück. Wer ist das denn, Lilly? Nee, das will ich jetzt nicht sagen. Ich glaube nicht, dass er möchte, dass wir darüber im Podcast so offen sprechen. Du kannst es ja rausschneiden. Hätte ich nicht gedacht. Ja, und er meinte auch, also er macht es wirklich nur zweimal im Jahr, alleine, sonntagsabends.

Und er trifft immer die gleichen Leute. Ich finde das total faszinierend. Ja, aber das ist ja total, das zeigt ja, wie problematisch das ist, oder? Dass er immer die gleichen Leute trifft, egal wann er geht. Das sind kaputte Existenzen. Aber das ist genau der Punkt, warum auch Elfriede Blaunstein, der, glaube ich, ins Casino gegangen ist. Weil das Thema der Spielsucht.

Ist in unterschiedlichen Berichten unterschiedlich dargestellt. Ihr Anwalt hat zum Beispiel später mal gesagt, sie hatte keine Spielsucht, sie war einfach gerne da, sie war einfach gern gesehen. Sie hat auch das Geld, was sie dann gewonnen hat, verteilt. Also diese Millionen, die sie da dann rein und raus getragen hat, hat sie angeblich weitergegeben.

Ein psychologisches Gutachten kam dann auch zum Ergebnis, dass sie nicht direkt eine Spielsucht hatte, aber pathologisch gespielt hatte. Und wenn ich die Beschreibung höre, dann klingt das für mich ehrlich gesagt schon ein bisschen nach Sucht, weil pathologisch spielen heißt, dass man sich belohnen möchte, dass man stimuliert werden möchte, dass man der Langeweile des Alltags entfliehen möchte.

Möglicherweise ist sozusagen der Unterschied, dass man dann auch stoppen kann, aber sie ist auf jeden Fall regelmäßig ins Casino gegangen, um dort gesehen zu werden und Anerkennung zu finden und sich geschickt zu machen. Ja, also ich glaube sozusagen, das ist ja dann die Wahrheit und die facettenreiche Wahrheit von wie Menschen zur Spielsucht kommen.

Also das ist nicht immer sozusagen, glaube ich, wenn man so am Ende seiner Kräfte ist und am Ende seiner Geldes ist und irgendwie Geld braucht, sondern das ist irgendwie so eine Routine, die am Anfang irgendwie sich auch total sinnvoll anfühlt, weil man irgendwie vielleicht mal dreimal, viermal Erfolg hat, aber man kommt dann irgendwie nicht mehr raus.

Und ich glaube, Spielsucht ist so etwas, gerade mit diesen Sportwetten und so, die jetzt gerade einfach jeder so parallel macht, wo man nicht im Casino sitzt, was, glaube ich, ein viel größeres Problem ist und auch gerade noch wird, als man denkt. Ja, vor allem Sportwetten sind eine absolute... Pandemie wirklich, was das mit Menschen macht und wie das Menschen in den Abgrund ziehen kann.

Vor allem hier in den USA ist das, es ist unfassbar, es ist gefühlt, es ist alles nur noch eine große Wette im Sport. Und ja, also Leute, Achtung beim Gehtspiel. Und mein Gedanke war eben noch, dass ich das interessant finde, dass du gesagt hast, dass sie eigentlich immer Kontrolle über alles haben wollte.

Ja. Und dann aber ins Casino geht, wo man ja offensichtlich keine Kontrolle hat. Sie hat aber tatsächlich immer aufgehört zu spielen, wenn sie gewonnen hat. Also sie hatte so ein bisschen, wie unser gemeinsamer Freund, hat sich Geld mitgenommen und hat dann, wenn sie gewonnen hat, auch aufgehört. Das hat sie wirklich geschafft, zumindest anfangs.

Und auch wenn du noch nicht im Casino in Baden warst, die dann, vielleicht kannst du so den Vibe von Baden nochmal so ein bisschen beschreiben, weil das ist, glaube ich, ich zeige euch gleich ein Bild von Elfriede Blauensteiner. Ich glaube, da gibt es ein Match. Ja, tatsächlich macht das total viel Sinn. Ich finde Baden ist so eine, also ich glaube, man kann das sehr gut vergleichen mit ganz vielen so deutschen Kleinstädten, die aber fast schon mehr wie so ein größeres Dorf sind.

Ich zeige euch mal ein Bild von Elfriede Blauensteiner und kannst du mir sagen, ob sie da reinpasst? Ja, absolut. Also es ist wirklich, also es ist ja unglaublich. Das ist, wenn man eine KI füttern würde mit so Baden-Bildern und sagt, erstelle eine Person, die aus Baden kommt, es wird genau sie rauskommen.

Es wird genau Elfriede dabei rauskommen. Was ist das für ein Foto? Sie sieht aus wie ein Star. Ich glaube, da kommen wir noch dazu, oder? Ja, da kommen wir noch dazu. Und so hat sie sich aber auch gefühlt. Also man sieht Presse im Hintergrund und Elfriede hat so eine bläulich getönte, riesige Brille auf, toupiertes Haar und hält so ganz grazil ein Kreuz.

Ins Bild. Und okay, wow, was sind wir sehend, Flo? Ja, das ist ein sehr ikonisches Bild. Und ich nehme hier nicht zu viel vorweg aus dem Prozess gegen sie. Aber den Eindruck, den du bekommen hast, dass sie auftritt wie ein Star, da machen wir mal eine kleine Notiz dran. Elfriede geht gerne ins Casino und sie heißt aber zu diesem Zeitpunkt immer noch Zerlinka. Sie heißt nicht Blaunsteiner.

Und wie sie zu ihrem Namen kam, erzähle ich euch jetzt. Wenn Elfriede Zellinka ins Casino ging, machte sie keine Experimente. Kontrolle? Das war auch hier Elfriedes Ziel. Wenn sie gewann, spielte sie nicht weiter. Das Geld konnte sie gut gebrauchen. Nicht nur, dass sie ihre Tochter ernähren musste, auch ihre Kreislerei lief nicht so gut, wie sie sich das erhofft hatte.

Auch wenn sie sich für das Casino herausputzte, ihre beste Kleidung trug, ihr großes Ziel war immer noch der Aufstieg in die feine Wiener Gesellschaft. Doch dieser Aufstieg war weit weg. Die Kreislerei konnte sie nicht länger halten. Sie brauchte einen sicheren Job. In Gablitz, gut 20 Kilometer westlich von Wien, beginnt Elfriede in einer Familienpension als Mädchen für alles zu arbeiten.

Eine ihrer Aufgaben ist es hier, den Feuerwehrmännern, die regelmäßig den Brunnen mit Wasser auffüllen, einen Imbiss zu bringen. Schon bald bemerkt Elfriede, dass einer der beiden Feuerwehrmänner ihr schöne Augen macht. Immer öfters kommt er vorbei, erkundigt sich nach ihr. Doch Elfriede hat nichts für ihn übrig. Mit seinem großen Schädel, dem langen Kinn und dem drüben Dackelblick war er schon äußerlich nicht ihr Typ.

Er war eine ärmliche Erscheinung. Dazu kam, dass er mit 34 Jahren, zwar neun Jahre jünger als sie war, aber deutlich älter aussah, wie von einer Krankheit gezeichnet. Nur eine Sache gefällt Elfriede an Rudolf Blauensteiner. Er war im Hauptberuf ein verbeamteter Bahnangestellter. Aus finanzieller Sicht war er also ein sogenannter Fang.

Und aus der Sicht einer Frau, die vor kurzem ihre Liebe zum Glücksspiel entdeckt hatte, sowieso. Elfriede redet sich ein, den kann ich mir zurechtbiegen. Er muss vielleicht 10 Kilo zunehmen, braucht eine neue Frisur, dann wird das schon. Und dann fließt auch das Geld für die Nerzmäntel und den Casino-Besuch.

Jetzt denkt ihr euch vielleicht Rudolf Blauensteiner. In der Folge geht es um Elfriede Blauensteiner, die werden ja also gleich heiraten. Nun, ganz so einfach ist es leider nicht. Denn auch die Beziehung zwischen Rudolf und Elfriede hat gelinde gesagt, ihre Höhen und Tiefen. Ein Streitthema ist immer wieder Elfriedes Auto, das sich der Bahnbeamte ausleihen möchte.

Als Elfriede ihm eines Tages sagt, nein, heute nicht, wird Rudolf gewalttätig. Elfriedes Weg damit umzugehen, sie fährt ins Casino nach Baden. Hier ist sie allseits bekannt und beliebt. Nach der Aktion kommt Rudolf wieder bei Elfriede angekrochen und bittet sie um Vergebung. So geht es immer wieder hin und her.

Erst ein Streit, eine gewaltvolle Auseinandersetzung, dann Versöhnung. Denn trotz der Gewalttaten von Rudi ist alleine sein keine Option für Elfriede. Eine Heirat, aber auch nicht. Drei Jahre läuft das so, bis sich Rudolfs Krankheit immer weiter verschlechtert. Einen gesunden Lebensstil hatte Rudolf nie.

60 Joddy ohne Filter rauchte er an einem Tag. Das war völlig normal. Seine Zystenlunge, mit der er seit Geburt an lebt, wird schwächer und schwächer. Und im Sommer 1976 kommen jetzt auch noch Ohnmachtsanfälle und eine starke Epilepsie dazu. Rudolf wird so schwach, dass er ohne Hilfe eigentlich nicht mehr durch den Tag kommt.

Vielleicht markiert dieser Sommer 1976 den Anfang von Elfriedes krimineller Laufbahn. Denn sie merkt, welche Macht sie nun über ihren Partner hat. Sie kontrolliert seine Medikamente, bekommt Anerkennung für ihre Pflegekompetenz und sie kann ihm all diese Dinge auch vorenthalten und sich rächen. Für alles, was er ihr die Jahre angetan hat.

Doch dass Elfriede zu dieser Zeit daran denkt, ihren Partner umzubringen, lässt sich wahrscheinlich ausschließen. Denn sie hat kein finanzielles Motiv. Ein Erbe hätte ihr zu dieser Zeit nicht zugestanden. Und Rudolf drängt sie zwar immer wieder dazu, ihn zu heiraten, doch auf dem Standesamt macht sie dreimal einen Rückzieher.

Das muss man sich auch mal vorstellen, dass du dreimal zum Standesamt gehst und dann immer wieder sagst, das ist doch nicht. 1978 verschlechtert sich plötzlich auch Elfriedes Gesundheitszustand. Von einem Tag auf den anderen ist sie so schwach, dass sie nicht mal mehr ein Schneidemesser halten kann. Mit einem Krankenwagen wird sie ins Spital gefahren.

Hier stellt man schnell fest, dass ihr angeborenes Herzleiden Probleme macht und sich dramatisch verschlimmert. Sie überlebt nur knapp. Mit 47 Jahren bekommt Elfriede einen Herzschrittmacher eingesetzt und ist von diesem Moment an berufsunfähig. Ab jetzt hat sie noch mehr Zeit, sich um ihren kranken Rudolf zu kümmern.

Und sie lernt die Menschen kennen, die ihr restliches Leben völlig verändern werden. Das Ehepaar Reinl. Wie genau Elfriede das Paar 1982 kennenlernt, ist nicht ganz klar. Was allerdings klar ist, auch die beiden kämpfen mit diversen Krankheiten. Hier außerhalb von Wien, wo die beiden wohnen, im Wiener Wald, also dem echten, nicht der Schnitzelkette, hört Elfriede zum ersten Mal von Euglucon und Anaphranil.

Zwei Medikamente. Habt ihr eine Idee, was da im Schrank der Rheinlz liegen könnte? Tatsächlich keine Ahnung, nein. Lilly schaut auch ganz verdutzt. Ja, ich schaue verdutzt und ich überlege, wenn die Begegnung mit dem Ehepaar ihr Leben verändern sollte, würde das ja bedeuten, dass die dafür sorgen, dass sie anfängt...

Zu morden. Und wahrscheinlich sind das zwei Medikamente, mit denen sie ihren Rudi unter die Erde bringt. Ja, es ist viel drin. Ich werde da natürlich noch nichts dazu sagen. Also die beiden Medikamente, die sie da im Schrank findet, sind zum einen ein Diabetes-Medikament. Das ist das Olglucon. Und Anaphranil ist ein Antidepressivum.

Und das sind sozusagen die beiden Handelsnamen, die Wirkstoffe heißen nochmal ein bisschen anders. Und Euglucon, das Diabetes-Medikament, wirkt im Grunde so, dass die Bauchspeicheldrüse angeregt wird, mehr Insulin auszuschütten. Und dadurch geht der Zucker schneller aus dem Blut in die Körperzellen und der Blutzuckerspiegel sinkt.

Und das ist natürlich bei Diabetes-Patienten das Ziel. Ja und essentiell, wenn man nicht zuckerkrank ist, dann sorgt dieses Medikament dafür, dass man unterzuckert wird. So Unterzuckerungen, das haben wir alle schon mal irgendwie gefühlt. Dann wird man irgendwie ein bisschen, erst mal nicht mehr ganz so klar im Kopf, man fängt vielleicht an so ein bisschen leicht zu schwitzen, zu zittern, man fühlt sich einfach irgendwie ein bisschen so neben der Spur.

Das kommt daher, dass das Gegenmittel zur Unterzuckerung ist Adrenalin sozusagen. Der Körper schüttet Adrenalin aus, dass man die Energiereserven aktiviert und so wieder mehr Zucker ins Blut bekommt. Wenn man noch mehr davon nimmt, von diesem Euklokon, dann sorgt das dafür, dass man Schwindel bekommen kann, dass man Krampfanfälle bekommt, bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Und das Mittel ist vor allem deswegen so interessant, weil es geruchs- und geschmackslos ist. Und das Antidepressivum hat dann eine verstärkende Wirkung oder Antidepressivum alleine, das kann einen zwar psychisch irgendwie durcheinander bringen, aber das ist ja dann vor allem in Kombination mit anderen Medikamenten kann es gefährlich werden.

Das Anaphränier ist auch deswegen gefährlich, weil es relativ starke Nebenwirkungen hat. Das wird, so ich das gelesen habe, heute auch nicht mehr wirklich eingesetzt, eben weil es starke Nebenwirkungen hat und sehr lange braucht, bis es eine psychische Veränderung mit sich bringt. Ja, also dafür musst du das schon so ein, zwei Wochen einnehmen.

Gleichzeitig, wenn du zu viel davon einnimmst, kannst du kurzfristig sehr starke Nebenwirkungen bekommen, also Herzrhythmusstörungen, starke Müdigkeit, Schwindel. Okay, da ist jetzt die Frage, also es klingt jetzt so, als wäre das für die nächsten Jahre relevant, ist halt die Frage, wie es an diese Medikamente weiterkommt dann am Ende. Das finde ich dann spannend.

Edan, das erzähle ich dir jetzt. Das war nicht geplant, aber ich bin gut in Überleitung. Das ist mein Job tatsächlich. Eigentlich war wieder ein Profi hier. Ja, Wahnsinn, Wahnsinn. Innerhalb kürzester Zeit entsteht zwischen Elfriede und dem Ehepaar Reinl mehr als nur eine Freundschaft. Die Reinls sehen in Elfriede die Tochter, die sie nie hatten.

Und andersrum hat Elfriede endlich das Gefühl, echte Eltern zu haben. Bald nennst du die beiden nur noch Mutti und Vati. Doch das Glück währt nicht lange. Mutti Reinl stirbt mit 86 Jahren im Jänner 1983. An was? Das wird nie wirklich klar. Und dann gab es ja noch den Vati, den zuckerkranken Mann, nahm sie nach dem Tod seiner Frau jetzt bei sich zu Hause auf und pflegte ihn.

Die 52-jährige Elfriede hat jetzt also zwei schwerkranke Manners zu Hause und damit auch eine ordentliche Apotheke. In den vielen Stunden, in denen sie zu Hause sitzt und Medikamente sortiert, beginnt Elfriede auch die Beipackzettel zu studieren. Jetzt wird ihr klar, welchen Trumpf sie hier in der Hand hat.

Diese unscheinbaren, geschmacklosen Tabletten waren gar nicht so ungefährlich, wie sie auf den ersten Blick aussahen. Mitte der 80er Jahre kommt es so also zu einer verhängnisvollen Melange. Elfriedes Casinogänge haben sich mittlerweile zu einer veritablen Spielsucht entwickelt. Ihre Konsequenz aus früheren Tagen hatte sie abgelegt.

Immer öfters verliert sie jetzt große Geldbeträge. Gleichzeitig ist Rudolf mit nur Mitte 40 aufgrund seiner Krankheit in die Pension entlassen und bekam mehr Geld als je zuvor. Und Elfriede hat Zugang zu einer massiven Menge Euglucon. Denn auch sie beginnt jetzt bei den Arztgängen mit Rudolf und Fatih Reine, sich ebenfalls als Diabetes-Krank auszugeben.

Wie genau sie das gemacht hat, ist unklar. Klar ist nur, sie bekommt immer mehr Rezepte für noch mehr Euglucon. On top of that steckt sie der Sprechstundenhilfe sogar heimlich Geld zu, um noch mehr Euglucon zu bekommen. What? Mhm. Das ist ja crazy. Und dann entschließt sich Elfriede überraschenderweise doch noch, ihren schwer kranken Mann zu heiraten.

Am 3. August 1983 sagt sie endlich Ja zu Rudolf Blauensteiner. Ob es an dem guten Zureden von Fatih Reinl lag, Liebe war oder die Aussicht auf eine Witwenrente in Höhe von 13.580 Schilling, also gut 2.100 Euro, jetzt war sie Elfriede Blauensteiner. Ja, zu den Umrechnungen Schilling Euro. Es gibt eine Seite der österreichischen Nationalbank, wo man fantastisch Schilling zu Euro umrechnen kann mit allen Jahren.

Also man kann das bis irgendwie ins Jahr 1700, kann man da Sachen umrechnen. Wirklich? Das wusste ich gar nicht. Jetzt ist sie also Elfriede Blauensteiner und falls Rudolf Blauensteiner sterben sollte, hätte sie Anrecht auf eine Widmenpension. Und dass Rudolf Blauensteiner diese Pension überhaupt bezog, war auch Elfriede zu verdanken in sehr großen Anführungszeichen.

Denn neben ihren Euglucon-Experimenten hatte Elfriede noch eine andere Technik perfektioniert, mit der sie ihren Ehemann an den Rand des Todes führte. Sie nennt es Frischluftkuchen. Lag ihr Mann wieder einmal betäubt vom Euglucon in der Wohnung, öffnet sie die Fenster sperrangelweit und legt ihrem Mann eiskalte Handtücher auf die Brust.

So erkältete er sich und wurde immer kränker. Ja, also das führte dann natürlich zu Lungenentzündungen, generell schweren Erkältungen. Also es war nicht nur das Euglucon, was den Kreislauf ruinierte, sondern vor allem diese Kombination mit diesen Frischluftkuchen. Er war einfach wehrlos natürlich. Richtig, weil er nicht mehr viel mitbekommen hat, ja. Ja, krass.

Wie lange hat die das gemacht? Weil das ja schon ein sehr perfider Plan ist, ne? Es ging, ich muss es gleich nochmal schauen, ich glaube sieben Jahre. Sieben Jahre? Ja. Krass. Ja, ich finde es auch komplett krass und ich finde es auch ... Beunruhigend, mindestens. Aber es passt ja total zu ihrer, Kontrollsucht und dem Wunsch, ja, alles im Griff zu haben und wenn dann auch noch dazu kommt, dass sie sich rächen will und vielleicht mitbekommt, dass sie kontrollieren kann, wie krank ihr Mann wirklich wird und wie abhängig er dann ja auch von ihr ist und es Stück für Stück immer schlimmer wird und sie, ja, dann wahrscheinlich den Plan hatte, ihn irgendwann gehen zu lassen.

Ja, kann ich, also versuche ich nachzuvollziehen, aber macht dann für mich Sinn von allem, was wir bis jetzt über sie wissen, ja. Und sie hatte ja auch sehr viel Zeit, vielleicht war das dann so ihr Lebensinhalt. Und vielleicht auch so ein Ziel, also so ein Ziel, das man dann irgendwie hatte, so perfide, das irgendwie klingt und auch ist, so, aber vielleicht darf man nicht unterschätzen, dass jeder sich irgendwie ein Ziel sucht, ein Ziel, auf das man irgendwie hinarbeitet und wenn man das Gefühl hat, man hat irgendwie, ja, Es fehlt einem irgendwie im Leben, dass man dann irgendwie versucht.

Wenn man einfach psychisch krank ist, und ich glaube, darauf können wir uns einigen, dass man dann halt irgendwie ganz komische Ziele verfolgt. Ich habe ja gerade schon angedeutet, es ging sieben Jahre mindestens, wie sie ihren Ehemann mit Euglucon langsam zugrunde gerichtet hat. Dieser Zeit stirbt auch Elfriedes Vati, also Vati Reinl.

Ihr Ziehvater liegt im September 1986 seinem Diabetesleiden. Und auch Rudolf ist mittlerweile so schwach, dass er ins Krankenhaus kommt. Dort gibt Elfriede die treusäugende Ehefrau, die am Bett wacht und auf ihren Ehemann aufpasst. So fällt es auch nicht weiter auf, als sie Rudolf am Krankenbett weiter Wasser mit den todbringenden Medikamenten verabreicht.

Über zwei Jahre zieht sich das letzte, traurige Kapitel in Rudolf Blauensteiners Leben, bis er am 10. August 1992 mit 52 Jahren schließlich stirbt. Von diesem Tag an steht seiner Witwe Elfriede Blauensteiner eine monatliche Witwenpension von 13.850 Schilling zu. Jetzt ist Elfriede 1992 tatsächlich wieder allein und sie merkt bald, ihre Pension ist zwar ordentlich, ihren ausschweifenden Lebensstil kann sie damit aber nicht länger finanzieren.

Ein neues, wohlhabendes Opfer ist schnell ausgemacht. Franziska Köberl, die 80-Jährige, wohnt im Haus gegenüber und war noch geistig fit, aber körperlich hatten sie in der letzten Zeit die Kräfte verlassen. Von ihrer Familie war niemand da, der helfen konnte. Also Auftritt Elfriede. Sie beginnt die alte Frau zu besuchen, ihr ihre Hilfe anzubieten.

Und das zahlt sich bald aus. Als Frau Köberl wieder einmal ins Spital kommt, sagen die Ärzte, dass sie nicht mehr alleine leben darf. Sie braucht Unterstützung zu Hause. Elfriede ist da. Sie kann bei Frau Köberl einziehen. Und ihr könnt euch denken, was passiert. Nach außen gibt sie wieder die liebevolle Pflegerin. Doch zu Hause verabreicht sie ihr heimlich Euglucon.

Doch Elfriede hat Schwierigkeiten mit der Dosierung. Frau Köberl ist eine Naschkatze. Sie isst so viel Süßes, dass das Diabetes-Medikament nicht direkt anschlägt. Elfriede muss die Dosis immer weiter erhöhen. Gleichzeitig schaut sie, wie sie an das Erbe kommt. Glücklicherweise kommt Franziska Köberl selber auf die Idee, ihr Erbe zu regeln.

Sie möchte Elfriede für ihre Pflegearbeit ihr Sparbuch überschreiben. Damit das alles mit rechten Dingen abläuft, bittet sie ihren Anwalt, das Ganze zu regeln. Als Elfriede Blauensteiner Harald A. Schmidt das erste Mal trifft, merkt sich schnell, der Kollege könnte hilfreich sein. Der 36-jährige Rechtsanwalt macht von der ersten Minute einen intelligenten und ruchlosen Eindruck.

Zudem scheint er charakterlich, Nun ja, flexibel. Lilly, du hattest gerade aufgeatmet. Ich hatte erst mal eine Frage und zwar, wie hat sie denn weiterhin die Rezepte für dieses Mittel bekommen? Waren das weiterhin Rezepte für sie selber? Weil sie hatte ja jetzt keine Person mehr, die das brauchte. Keine weitere, also bis auf sich selber.

Zum einen, wie gesagt, hat sie sich ja selber als Diabeteskrank ausgegeben. Zum anderen hat sie ... Aber das, also sorry, sich ausgeben als Diabeteskrank, finde ich auch, was für eine Überzeugungskraft hatte diese Frau? Ja, das ist, also eine große, da kommen wir noch dazu. Die Frau hatte ein unfassbares Charisma.

Es war eine Menschenfängerin, was auch jetzt vielleicht nochmal zu dem psychologischen Gutachten. Das erzählt die Psychologin übrigens selber im Stern-Crime-Podcast, dort wurde sie interviewt zu dem Fall. Sie hat mit ihr am Anfang, als sie die Interviews geführt hat, einfach so lange geredet, dass sie irgendwann selber vergessen hat, was sie fragen wollte.

So sehr wurde sie, die Psychologin, die sie eigentlich begutachten sollte, von ihr eingefangen. Leute. Genau. Wahnsinn. Das sind die gefährlichsten Leute, die einen so beeindrucken und das sind dann die, wo man dann auch nicht ganz glauben kann, dass die so krass, krasse Straftaten begehen. Es gibt diese Weirdos, die immer schon unbeliebt waren, mit denen man nie geredet hat, die socially awkward waren, wo man sich dann denkt, wenn der mal was irgendwie Komisches macht, dann passt das alles ins Bild.

Aber die, die sozial mega gut sind und mega gut ankommen, bei denen glaubt man das eigentlich gar nicht. Und das ist das Gefährlichste, was eigentlich passieren kann, glaube ich. Und was dazu kam, ist, dass sie sehr gut aussah und ihr das natürlich auch gewisse Toren und Türen geöffnet hat. Aber wie sie jetzt explizit an die Medikamente gekommen ist, das ist leider nicht näher beschrieben. Aber es muss eine Mischung aus eben Überzeugungskraft und Geld einfach gewesen sein.

Und sie trifft jetzt diesen Rechtsanwalt, Harald Schmidt. Ich muss wirklich jedes Mal lachen, wenn ich diesen ... Ja, Harald A. Schmidt. Harald A. Schmidt. Und Harald Schmidt wird jetzt die wichtigste Person in ihrem Leben und in ihrem ... Komplott. Wie alt ist sie jetzt? Wir sind jetzt 1992, das heißt, sie ist 61.

Und der Rechtsanwalt Harald Schmidt ist 36. Wann genau das ungleiche Duo beschlossen hat, zusammenzuarbeiten, ist nicht bekannt, aber vieles spricht dafür, dass die beiden sich ziemlich schnell gefunden haben. Denn Franziska Köberl stirbt am 15. Dezember 1992, nur vier Monate nach Rudolf. Und ihr Tod zahlt sich für Elfriede so richtig aus, denn Franziska Köberl hatte ihr nicht nur ein Sparbuch hinterlassen, sondern sie als Alleinerbin eingesetzt.

Ihr gesamtes Geld und die Wohnung gehören nun Elfriede. Nach vier Monaten? Ja, ein guter Deal für vier Monate Pflegearbeit. Sie hat Blut geleckt und nach all den Jahren hat sie den perfekten Werkzeugkasten für das scheinbar perfekte Verbrechen zusammen. Medikamente, die langsam töteten und nach nichts schmeckten.

Und mit Harald A. Schmidt, einen ruchlosen Komplizen an ihrer Seite. Ein Anwalt, der Testamente in ihrem Sinne so schreiben konnte, dass am Ende sie davon profitierte. Jetzt brauchte sie nur noch die richtigen Zielobjekte. Ältere Menschen, die Pflege benötigten und wo niemand nachfragte, wenn sie starben.

Gemeinsam mit Harald A. Schmidt entwickelt sie einen Plan. Was denkt ihr, wie findet man diese älteren Menschen? Naja, also ich finde es immer crazy, wenn man auf Leute trifft und die mitmachen. Also das finde ich einfach so unglaublich, dass man auf Menschen treffen kann und die man jetzt nicht in irgendeiner Telegram-Gruppe findet, wo Leute sind, die eh schon auf irgendeiner wirklich komischen Bahn sind, sondern du triffst den einfach als Anwalt von einer, die du pflegst eigentlich und der sagt, hey, der Plan, der mache ich mit irgendwie.

Das finde ich ganz crazy einfach. Auch in der Kürze der Zeit, ne? Absolut. Also das finde ich, das kann ich kaum glauben eigentlich. Und nach vier Monaten dieses alleinige Erbin zu sein, das ist ja, also, das ist kaum zu fassen eigentlich. Ich überlege gerade, wie man jetzt alte, vermutlich reiche Leute am besten findet zu der damaligen Zeit.

Also entweder hat sie vielleicht geguckt, wo Partner gestorben sind und hat sich dann bei der hinterbliebenden Person gemeldet. Oder irgendwas mit dem Anwalt, der sich dann vielleicht auf irgendwie so Erbrecht oder so spezialisiert hat und deshalb Kontakt zu Leuten hatte, die sich gerade darum kümmern, wer was erbt.

Das sind zwei sehr gute Gedanken. Lilly, ich habe Angst vor dir. Es ist aber tatsächlich was anderes gewesen und ich zeige es euch sogar. Jetzt kommt's. Ah, das waren Anzeigen, so Inserate in Zeitungen oder was? Ja, sie sucht ihn aus der Zeit. Ja, lest gerne mal vor, was da steht in der Anzeige. Also hier steht Heiratpartnersuche und Eigeninserat, Doppelpunkt.

Suche einsamen Mann, der sich nach einer häuslichen Witwe, Pensionistin sehnt. Nichtraucherin, Autofahrerin, keine Kinder, Wohnung vorhanden, unter Ortswechsel möglich. Und das hast du gerade ausgelassen, sie hat natürlich ihr Alter, ihre Körpergröße und ihr Gewicht dazu beschrieben, damit man auch direkt wusste.

Stimmt, ja, das habe ich jetzt gar nicht, ja genau. Die Frau ist noch gut in Schuss. Ja, aber auch, also mit so einer Annonce jemanden zu finden, finde ich stabil. Also es ist sehr direkt. Sie ist eigentlich bereit, alles zu tun. Ich ziehe für einen einsamen Mann überall hin und komme. Ja. Die schreibt ja auch gar nicht, was sie sucht in der anderen Person.

Nö. Also außer, dass sie einsam sein soll. Eben und das ist genau der Punkt. Sie sucht einsame, ältere Männer, weil, das wusste sie jetzt, so Franziska Köberl, das war ein glücklicher Zufall, sie wohnte gegenüber und wollte sie jetzt ihre Erbschleicherei im großen Stil durchziehen, brauchte sie Männer.

Denn die hatten im Durchschnitt nicht nur ein bisschen mehr auf dem Konto, sie waren auch einfacher zu bekommen. Bisschen dümmer. Deine Worte. Und Elfriede, das hatte ich ja gerade schon gesagt, war mit ihren knapp 60 Jahren noch richtig gut in Schuss. Oder ein richtig guter Schuss, kann man eigentlich sagen. Ihr habt das Bild ja von ihr schon gesehen.

Ich meine, ich bin jetzt kein 76-jähriger Mann, aber wenn ich irgendwie schon 76, 80 aufwärts bin und so eine Frau bei mir anklopft und sich mit mir treffen möchte, ich glaube, da waren viele schon einfach zu haben. Beeindruckt, dass sich so eine Frau mit ihnen dann einlässt. Und auf ihre erste Annonce melden sich direkt 128 Männer. Macht euch mal einen Begriff.

Wahnsinn. Sie konnten einfach aussuchen, wer das beste Opfer ist eigentlich. Ja, und das tut sie jetzt, weil da sollte wohl jemand Passendes dabei sein. Ihre Treffen liefen immer nach dem gleichen Muster ab. Sie traf sich mit den Männern, schaute, wie fit sie noch waren, wie groß ein mögliches Erbe war und ob ihr mögliche Erben in den Weg kommen könnten.

Angeblich, wusste sie dann immer von zwei Wochen Bescheid, ob das in eine Richtung ging, die sich lohnte, weiter zu verfolgen. Und so ließ sie beispielsweise auch einen Mann links liegen, der selbstständig gearbeitet hatte, der nur eine Pension von 6000 Schilling bezog. Ein anderer machte ihr schon beim ersten Treffen klar, dass er nicht heiraten möchte und im Urlaub getrennte Kassen führen möchte und da sagte sie dann nur next.

Weiter geswiped. Glück gehabt, sag ich mal, für die Männer. Auch Männer, die mit Elfriede in die Kiste springen wollten, waren raus. Denn damit hatte Elfriede schon lange abgeschlossen. Männer kamen nicht mehr an sie ran. Für kein Geld der Welt. Und schlussendlich fand sie ein passendes Zielobjekt. Friedrich Döcker.

Ein echter Kavalier, der für Elfriedes Geschmack lediglich noch etwas zu gesund war. Doch er ist so von der Casinogängerin begeistert, dass sehr schnell eine Hochzeit im Raum steht. Innerhalb von zwei Tagen. Sollte zwar nur eine kirchliche Hochzeit sein und damit auch nicht rechtlich bindend, aber Elfriede soll es sich keine Gedanken machen.

Friedrich plante, ihr sein Haus zu überschreiben, das auf 3,7 Millionen Schilling geschätzt wurde, also gut 470.000 Euro. Davon sollte seine eifersüchtige Schwester nichts abbekommen. Harald Schmidt regelt und Friedrich bekam postwendend die ersten Euklucontabletten verabreicht. Zu Elfriedes Unmut verträgt der rüstige Rentner die Tabletten allerdings sehr gut. Erst nach einem halben Jahr zeigen sie Wirkung.

An manchen Tagen rührt Elfriede 20 Tabletten in sein Café. So geht ihr makaberer Plan schlussendlich wieder auf. Am 11. Juni 1995 stirbt Friedrich Döcker an einer beidseitigen Lungenentzündung, die zu einem Herzkreislaufversagen geführt hat. Als hätte sie den Tod ihres mittlerweile dritten Ehemanns nicht abwarten können, verkaufte Elfriede das Haus schon vor seinem Tod für 3 Millionen Schilling.

Und sie hatte immer noch nicht genug. Sie schaltet wieder eine neue Annonce. Schon bald meldet sich einer bei ihr, den wir schon kennen. Alois Pichler. Ich kürze die Geschichte hier mal ein bisschen ab. Das Spiel ist wieder das gleiche. Kennenlernen, Vermögen feststellen, mit Harald Schmidt ein wasserdichtes Testament aufsetzen und Euglucon Marsch.

Es war, als hätte Elfriede Blauensteiner dieses Drehbuch schon 200 Mal durchgespielt. Als könne nichts schief gehen. Und doch ging jetzt alles schief. Boah. Was ein Cliffhanger. Wirklich spannend. Jetzt würde ich eigentlich wissen, was schief geht. Ich auch. Ich habe noch mal gedacht, es ist natürlich wirklich smart, sich so alte Leute zu suchen. Weil natürlich kann man, kann jede Person ihr vorwerfen, dass sie so eine Golddiggerin ist.

Also das, was man sich ehrlicherweise häufig fragt, wenn eine wesentlich jüngere und sehr fitte Frau mit einem sehr alten und nicht mehr so fitten Mann zusammen ist, der reich ist. Aber ja, man verdächtigt sie ja nicht direkt. Man denkt, ja, der ist 86, das ist vielleicht einfach der logische Schritt, dass die Person die Erde verlässt.

Ja und Alois Pichler war einer dieser Männer, die ich gerade so ein bisschen umrissen habe, der wohnt in Newachau auf dem Land, ist zwar Beamteter, komme ich gleich dazu, hat damit ein ganz gutes Einkommen, ist jetzt aber, ist keine 10 von 10. Ja, aber vielleicht auch eine einsame Seele, die sich einfach nach einer Person sehnt, die da ist und das war sie ja.

Richtig, ich habe sogar ein Bild von ihm dabei, wenn ihr ihn sehen wollt. Ja, schon, so traurig es ist, ja. Das ist der Alois. Boah, der sieht aber voll lieb aus irgendwie. Ja, finde ich auch. Ja, und dieser Mann trifft jetzt auf diese einnehmende Frau aus Wien, die sogar zu ihm zieht. Jetzt, wenn ich so ein Gesicht sehe, das erste Mal von einem der Opfer, realisiert man irgendwie so erst, dass das ja wirklich, also echt einfach Menschen waren, die einfach so in einer so, ja eigentlich in einer so traurigen Situation und Lage waren.

Und ich finde ja, ich weiß nicht, wie es euch geht, ich finde, wenige ist es herzzreißend, da jetzt so alte, einsame Menschen, das machen einfach fertig. Ja, ja, voll. Das nimmt jeden mit. Und wenn man dann sich so denkt, das waren genau diese Menschen und sie hat genau das ausgenutzt und sie nicht nur ausgenommen, sondern also getötet, um sie dann auszunehmen, ist eigentlich einfach, wach, also, grausam, einfach.

Es ist wirklich traurig und es ist auch die das Tempo und die Ruchlosigkeit, mit der sie das dann in den 90er Jahren durchzieht, ist ganz, ganz schlimm. Aber Alois hat jetzt vielleicht noch irgendjemanden in seinem Bekanntenkreis oder in seiner Verwandtschaft, die das mitbekommt? Pauline, du bist gut.

Du solltest mal so einen True Crime im Podcast dir überlegen. Ich hoffe, oder wissen wir das schon, ob Alois das überlebt? Wissen wir da nicht. Okay, ich drücke die Daumen. Ja, dann schauen wir mal. Es ist der 20. November 1995. Elfriede Blaunsteiner hat nicht nur ihr Giftrezept perfektioniert, sondern auch ihre Frischluftkur, wie sie sie nennt.

Sie weiß genau, wie viel Zeit vergeht, bis ein Mensch nach der Einnahme ihres Cocktails erste Symptome zeigt. Und sie weiß, wann sie den Krankenwagen rufen muss, damit ihr Opfer nicht zu Hause stirbt, sondern erst im Krankenhaus. Damit alles aussieht wie ein tragischer, natürlicher Tod. Doch an diesem Tag läuft im Hause Pichler etwas gewaltig schief.

Elfriede Blaunsteine serviert Alois Pichler zum Frühstück wieder einmal eine harmlose Tasse warme Milch. Nämlich steckt eine gute Menge Anaphranil. Das Euklokon ist Elfriede Blaunsteiner mittlerweile ausgegangen. Aber sie ist sich sicher, sie hat die Dosierung trotzdem im Griff. Plötzlich beginnt Alois zu röcheln. Er sackt zusammen, krümmt sich am Boden.

Elfriede ist verwirrt. So war das nicht gedacht. Sie ruft Anwalt Schmidt an. Er soll sofort vorbeikommen und ihr helfen. Gemeinsam hieven sie den schwer atmenden Mann in die Badewanne. Abwechselnd lässt Elfriede heißes und kaltes Wasser auf seinen Körper einprasseln. Vielleicht stabilisiert das seinen Kreislauf, doch es ist zu spät.

Alois stirbt. Und das ausgerechnet in seiner Wohnung. Das war so nicht geplant. In den Tagen nach Pichlers Tod gibt Elfriede wieder einmal die trauernde Partnerin. Sie erzählt die Geschichte, wie ihr armer Alois in der Dusche zusammengeklappt ist. Doch einer glaubt ihr nicht. Ein Neffe von Alois. Er und seine Mutter fanden Elfriede schon immer seltsam. Zu präsent, zu fordernd, zu gierig.

Als er von Alois plötzlich im Tod erfährt, zögert er keine Sekunde. Er geht zur Polizei und erstattet Anzeige. Dass eine Ermittlung gegen Elfriede läuft, erfährt sie nur wenige Tage später. Die geplante Beerdigung von Alois am 25. November wird verschoben. Stattdessen ordnen die Ermittler eine Obduktion an.

Und was die Gerichtsmedizin findet, ist ein Paukenschlag. Im Blut von Alois Pichler werden 2000 Nanogramm Anaphranil pro Milliliter Blut nachgewiesen. Normal sind 150 bis 450 Nanogramm pro Milliliter. War Elfriede Blauensteiner schusselig oder sich ihre Sache zu sicher? Sicher ist nur, das war der Anfang vom Ende.

Die niederösterreichische Polizei beginnt nun im Umfeld von Elfriede Blauensteiner zu ermitteln. Es zeichnet sich das Bild einer Frau, die eiskalt und berechnet war. Doch gleichzeitig charmant und mit einer Gabe ausgestattet, Menschen für sich zu gewinnen. Noch etwas fällt auf. In Blauensteiners Umfeld starben überraschend viele Menschen.

Doch Beweise, dass sie damit etwas zu tun hatte, hatten sie nicht. Die Polizei ist verzweifelt. Im Januar 1996 entschließen sie sie schlussendlich dazu, Blauensteiners Telefon abzuhören. Was sie da hören, stellt alles auf den Kopf. Ja, das sind dann vermutlich die Telefonate mit dem Anwalt, oder? Unter anderem. Das wäre jetzt auch mal eine Vermutung gewesen, ja. Du bist fantastisch. Vielen Dank.

In einem ihrer ersten Abhöraktionen können Sie hören, wie Blauensteiner mit Schmidt telefoniert. Es geht um ein gefälschtes Testament, in dem sich Anwalt Schmidt als Neffe von Alois Pichler ausgibt. Und ich habe überlegt, ob wir dieses Telefonat jetzt in verteilten Rollen vorlesen wollen. Ja, das wäre eigentlich ganz geil. Möchtest du den Anwalt geben?

Ja, kann ich machen. Dann schicke ich dir jetzt den Dialog. Ich bin born for this. Du fängst sogar an. Oh Gott, oh Gott. Okay. Küsst die Hand, alles im Kasten. Wie lief es denn? Völlig problemlos. Keine Beanstandungen am Testament. Das Haus von Pichler ist versiegelt. Die Erben haben sich nicht gemeldet.

Muss ich mir Sorgen machen, Herr Doktor? Nein. Diese Nonne, diese steinalte Schwester von Pichler, ist die schon verreckt? Lebt noch, aber vom Kloster wird sie nichts bekommen. Ja, die hauen wir schon in den Sack. Das ist relativ belastendes Material. Ja. Ja. Wahnsinn. Danke, Herr Schmidt. Gerne, kein Problem.

Aber dieses Telefonat ist nicht das Einzige, was Sie abhören. In einem weiteren Telefonat beklagt sich Blauensteiner bei einer Freundin, Was mich verrückt macht? Ich weiß nicht, wo seine Sparbücher sind. Wo kann der Lump die nur versteckt haben? Der Saukerl verreckt und ich kann in die Röhre gucken. Na, ich find sie schon. Mit der Erbschaft wird's auch bald was.

In ihren Telefongesprächen verstricken sich Blauensteiner und Schmidt immer tiefer in ein Netz aus Gier und Manipulation. Die Polizei hört jetzt auch, wie sie ihre nächste Kontaktanzeige mit Schmidt abstimmt. Und dann liefert Blauensteiner den Ermittlern selbst den entscheidenden Beweis. In einem abgehörten Gespräch beschreibt sie ganz offen, wie sie Alois Pichler umgebracht hat.

Wir haben das super durchgezogen. Ich bin ja nicht blöd. Ich weiß, wie man das macht. Also nur wenig Wasser in die Wanne, kaltes natürlich, immer ein Auge auf den Stoppel, damit man den schnell rausziehen kann. Wasser hat er ja nichts geschluckt, von wegen Wasser in der Lunge, da hätten die Ärzte ja einen Verdacht gehabt. Der Treckskerl war ja von oben bis unten voll scheiße.

Hab die Scheiße dann mit der Glocke in den Abfluss gedrückt, dann den Giftswerk kalt abgeduscht und ins Bett gelegt. Da hat er sich wieder eingemacht, wieder ab in die Wanne, dort ist er dann gestorben. Kein Fremdverschulden, wie es so schön heißt. Gedroht hat er mir. Aber da hat es sich zum Glück schon ausgedroht.

Damit ist klar. Diese Beleidigungen auch die ganze Zeit. Einfach kalt und emotionslos und einfach null Mitgefühl. Damit ist auch klar, dass der Tod von Alois Pichler kein Unfall war. Dass das Wasser, was sie über ihn hat laufen lassen, einfach dazu da war, dass er schneller stirbt. Die Polizei in Niederösterreich wartet nicht länger. Am 11. Januar 1996 klicken die Handschellen.

Blaunsteiner wird in ihrer Wiener Wohnung festgenommen. 72 Stunden lang wird sie verhört, ohne etwas zuzugeben. Im Gegenteil, sie versucht sich als begehrte Frau darzustellen. Sie sagt, ich hätte ja jeden haben können, die Männer sind mir nachgelaufen. Doch dann gibt sie auf einmal alles zu. Woher der Umschwung kommt, wissen wir leider nicht.

Aber sie sagt jetzt, okay, ja, den Pichler, den hat sie zu Tode gepflegt. Und ihren Rudolf Blauensteiner und den Vati Reinl und den Friedrich Döcker und Franziska Köberl. Ach, und einen weiteren Mann hat sie auch zum Selbstmord bewegt. In Anführungszeichen. Die Ermittler sind überrascht. Mit diesen Aussagen hatten sie nicht gerechnet.

Aber das war ein glasklares Geständnis. Dass Elfriede Blauensteiner nur wenig später auf Anraten ihrer Anwälte widerruft. Die Polizei steht also wieder am Anfang und hat nur Beweise für den Mord an Alois Pichler. Das ist, ich weiß nicht, wie oft wir das schon in unseren Fällen hatten, aber dass Leute Sachen zugeben, wahrscheinlich, weil sie in der Verhandlung irgendwie Druck erfahren und dann die Anwälte danach sagen, nee, das lassen wir mal ganz schön wieder und die Aussage wieder widerrufen.

Und das ist so frustrierend, weil du hast erst ein Geständnis, was du dann aber nicht verwenden kannst. Das ist in einem Rechtsstaat vermutlich ein gut durchdachtes Mittel, dass man irgendwie Geständnisse widerrufen kann. Finde eigentlich, sobald man irgendwie konfrontiert wird mit Vorwürfen, mit Beweisen auch und dann gesteht, finde ich es schwierig, dass man einfach am nächsten Tag sagt, das war komplett gelogen.

Also solange in diesem Verhör keine Foltermethoden angewendet werden, die einen wirklich dazu zwingen, weil man sonst Angst hat zu sterben, finde ich, muss doch so ein Geständnis irgendwie auch als einfach ernst genommen werden. Aber das ist ein Konzept des Rechtsstaates, das ich jetzt nicht hinterfragen will, allzu sehr.

Idan, das ist schon ein bisschen fraglich, dein Verständnis vom Rechtsstaat. Ja, jetzt komme ich damit. Aber ist es nicht schwierig? Nein, ich bin da zu 100 Prozent auf deiner Seite, weil das ist, wir können gleich am Ende nochmal drüber sprechen, das macht diesen Fall halt auch so kompliziert. Und du meintest ja auch zwischendurch mal, wie viel dieser Morde können ihr zugeschrieben werden.

Das macht dieses Geständnis und widerrufende Geständnis so schwierig, weil sie jetzt auf der einen Seite hat sie alles zugegeben, aber das, was ihr nachgewiesen kann, sieht am Ende ein bisschen anders aus und ja, es ist schwierig. Und die verhören die doch am Anfang aber auch nur wegen des Todes von Alois, oder?

Im Gespräch sagt sie dann, ach, ich habe aber auch noch das und das und das gemacht, die haben gar nicht danach gefragt. Ja, dass ihr Mann gestorben ist oder ihr zweiter Ehemann gestorben ist, dass das Ehepaar Reine gestorben ist, das kommt dann natürlich raus, aber es geht erstmal nur um den Alois Pichler, weil da ist ja auch die Anzeige da.

Und der Prozess im Fall Alois Pichler, der beginnt jetzt auch am 10. Februar 1997 im Landgericht Krems. Auf die Frage, ob sie sich als Mörderin fühlt, hebt sie ein vergoldetes Kruzifix in die Höhe und sagt, nein, das ist dieses ikonische Bild, was ihr am Anfang gesehen habt. Ja, vor allen Dingen mit diesem Gesichtsausdruck auch, der ja so voller, irgendwie so einer Suffisanz strotzt, fand ich.

Ja, und sozusagen in dem Prozess wird jetzt was deutlich, was ich ein bisschen rausgelassen habe in der Geschichte bis jetzt, weil ich nicht genau weiß, wann, wie sie zum Glauben gekommen ist, aber es war eine Frau, die sich sehr christlich, sehr gläubig inszeniert hat und die auch eben später in den Gesprächen mit der Psychologin den Anschein erwecken möchte, dass sie wie so eine Art Allianz mit dem lieben Gott hatte.

Dass sie niemanden umgebracht hat, sondern immer nur entschieden hat. Wann jemand geht. Was Gott wollte. Ja. Wie größenwahnsinnig. Also ein bisschen so eine Messias-Funktion irgendwie eingenommen. Und sie zitiert auch Pontius Pilatus vor Gericht und sagt, ich wasche meine Hände in Unschuld. Also sie ist wirklich komplett von sich eingenommen, dass sie möglicherweise selber denkt, dass sie die Leute wirklich nicht umgebrattert, sondern in einer gewissen Weise erlöst hat.

Das versucht sie irgendwie darzustellen, zu zeigen. Aber es ist natürlich eine komplette Hybris, die diese Frau hat. Vorm Gerichtssaal erklärt sie dann, die Schlechtigkeit ist nicht in mir selbst, sondern ausschließlich um mich herum. Wenn unter euch ein Vampir ist, so fällt er jetzt auf ein Häufall Asche zusammen.

Also, Lilly, du meintest ja am Anfang, als du dieses Bild gesehen hast, sie wirkt wie ein Star, sie inszeniert sich und eben mit solchen Sätzen, mit so einem Auftreten, ja liebt sie es im Mittelpunkt zu stehen. Das ist ja spannend. Es gibt ja bei so Mördern, Mörderinnen, gibt es ja die, die sozusagen wirklich die Öffentlichkeit komplett meiden und das sind ja die allermeisten.

Dann gibt es aber auch die, die in der Öffentlichkeit auch irgendwie aufgehen und die dann irgendwie das Gefühl haben, diese Bühne dann doch auch nützen zu wollen. Und sie scheint so eine gewesen zu sein. Das ist dann doch durchaus selten. Und natürlich für die Medien, kann ich jetzt aus meiner Perspektive sagen, ein gefundenes Fressen, wenn man sagt, okay, normalerweise versucht man irgendwie zu verstehen, wer ist diese Person und wenn sie aber sich vor dem Gerichtssaal präsentiert und irgendwie ein Kreuz in die Luft hält, dann sind das natürlich Bilder, die sie selber kreiert, die natürlich dann um die Welt gehen, beziehungsweise natürlich zumindest dann regional oder in Österreich natürlich dann eine Riesensache sind.

Ja, lasst uns da gleich nochmal drüber sprechen. Ich sage euch einmal ganz kurz, wie die Geschichte von Elfriede Blauensteiner zu Ende geht und dann habe ich noch zwei, drei Gedanken zu ihr. Am 7. März 1997 wird Elfriede Blauensteiner zu lebenslanger Haft verurteilt. Wegen Mordes, Betrugs und schwerem Betrug durch Testamentfälschungen im Fall von Alois Pichler.

Blauensteiner schüttelt entsetzt den Kopf. Körperverletzung ja, aber doch nicht Mord, sagt sie. Ihr Anwalt Harald Schmidt bekommt sieben Jahre Haft wegen schweren Betrugs, falscher Testamentslegung und Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge. Alle anderen Fälle können ihr nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Elfriede Blauensteiner tritt ihre Haftstrafe in der Justizanstalt Schwarzau an und beginnt dort, für ihre Mitgefangenen zu kochen. Sie war begnadete Köchin und hat dann schon gekocht, das kann man sich auch nicht ausdenken, aber das war so. Als im Jahr 2000 ihre Haftstrafe zur Prüfung ansteht, macht sich ein Unbehagen bei der Staatsanwaltschaft breit.

Es steht zu befürchten, dass Blaunsteiner aufgrund ihres Alters wieder freikommt. Sie spricht davon, dass sie nochmal jemand kennenlernen möchte, am liebsten so einen lieben Mann wie den Friedrich. Das war ihr Burli. Das war der netteste Mann, den sie je kennengelernt hat. Die Staatsanwaltschaft lässt die Fälle Köbol und Döcker also noch einmal aufrollen.

Im April 2001 kommt es zu einem weiteren Prozess. Durch die Obduktion der Leichen kann Blauensteiner diesmal eine Schuld nachgewiesen werden. Elfriede Blauensteiner bleibt in Haft. Sie verbringt ihre letzten Jahre in der Justizanstalt Schwarzau. Am 16. November 2003 stirbt sie im Alter von 72 Jahren an den Folgen eines Hirntumors.

Das war die Geschichte von Elfriede Blauensteiner und was ich gerade schon mal so ein bisschen angerissen habe, ist eben diese Inszenierung und diese, ja auch dieser Größenwahn, diese Überhöhung der eigenen Person und sie hat nach ihrer Verurteilung im Gefängnis angefangen, ihre Memoiren aufzuschreiben, die dann 2001 sogar verfilmt wurden mit Christiane Hörwiger in der Hauptrolle.

Krass. Ja, und sie hat sich dann danach darüber beschwert, dass dieser Film A nichts mit ihrem Leben zu tun hat, was möglicherweise stimmen kann. Ich habe den Film leider nicht gesehen. Aber sie hat dann auch noch gesagt, ja, wenn sie ihr Leben schon verfilmen, dann hätte man sie doch lieber mit Liz Taylor besetzen sollen.

Also auch da so dieser Größenwahn. Alles klar, Elfriede. Ja, sie wollte von Les Taylor gespielt werden. Also das zeigt, finde ich, sehr viel. Das zeigt sehr viel, was in ihrem Kopf abgegangen ist und wie sie sich gesehen hat, oder? Sie wäre gern irgendwie Popstar gewesen. Ja und am Ende wird sie das ja ein Stück weit, weil nicht nur gibt es diesen Kinofilm und ich meine Christiane Hörbiger ist, das ist jetzt kein Indie-Film, ne?

Und dann 2007 wurde ihre Geschichte sogar als Operettkriminell am Landestheater Linz aufgeführt. Das ist so der Punkt, wo ich mich eben ein bisschen gefragt habe, ja diese Geschichte dieser Frau, dieser wirklich ruchlosen Frau so zu inszenieren und groß zu machen. Sich auch irgendwie daran zu bereichern.

Ja, und natürlich auch sozusagen, wenn wir im Podcast darüber sprechen, ist es natürlich auch eine Form der Unterhaltung, wenn man unsere Folgen anhört. Aber man muss sich immer wieder bewusst machen, und ich glaube, Idan, das hast du auch bei dem Bild von Alois Pichler gesagt, da stecken echte Menschen dahinter, die darunter gelitten haben.

Und das darf man dabei nie vergessen. Ich glaube, das ist generell, also das spricht einen sehr wichtigen Punkt an, das können wir jetzt bei dem Fall irgendwie ansprechen. Das geht aber, wenn man generell über die Berichterstattung redet, wenn es um Todesfälle geht und die Berichterstattung jetzt gerade bei der Zeit im Bild, also das ist so die Tagesschau von Österreich sozusagen, da geht es natürlich viel um Geschichten, wo Menschen sterben.

Und da ist es irgendwo auch ein Selbstschutz, als Journalist irgendwie diese Distanz zu wahren und irgendwie nach Hause zu gehen und jetzt nicht die ganze Nacht irgendwie durchzudenken an diesen Fall. Aber manchmal ist es dann schon auch sehr wertvoll, wenn man sich vor Augen führt, okay, das sind jetzt echte Menschen und...

Das hilft dann schon manchmal. Für mich war es zum Beispiel ganz krass, wo ich vor zwei Wochen oder so war ich in Graz nach dem schrecklichen Amoklauf von Graz. Und das hat mich so wahnsinnig mitgenommen, weil ich da in die Gesichter der Überlebenden geschaut habe und plötzlich irgendwie wirklich gefühlt stundenlang Gänsehaut hatte, weil mich das so bewegt hat.

Und ich glaube sozusagen, manchmal ist es wichtig, die Gesichter, diese Leute sich zumindest vorzustellen und zu realisieren, dass man da gerade über echte Menschen redet. Ja, es war wirklich ein harter Fall. Ich hatte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass der so lang wird. Also tatsächlich kam in der Geschichte immer mehr dazu und immer mehr Details.

Wenn ihr noch ein bisschen mehr zu dem Fall erfahren wollt, dann verlinken wir euch gerne die Folge von Stern Crime in den Shownotes. Da könnt ihr das Interview mit der Psychologin anhören, die Friede Blauensteiner interviewt hat. Da kann man immer mal so ein paar Stellen skippen, weil die Frau sich, glaube ich, auch sehr gut findet.

Aber es ist schon sehr interessant und es gibt verschiedene Bücher zu dem Fall was ich bemerkenswert finde ist diese Memoiren von ihr, die gibt es, aber man kann sie nirgendwo bestellen, das heißt wer das irgendwie zu Hause hat oder irgendwie Zugang dazu hat, würde mich total interessieren das nochmal zu lesen weil diese Memoiren glaube ich auch einiges nochmal über sie sagen ja aber auf so einer Meta-Ebene weil sie glaube ich da auch Dinge beschönigt und Dinge, so darstellt, wie ihr Selbstverständnis oder ihre Wahrheit wahrscheinlich dort niederschreibt.

Um hier die Folge zu einem runden Abschluss zu bringen, fragen wir natürlich auch unseren Gast diese Woche wieder, was sein persönlicher Foodcrime ist. Lieber Idan, was ist denn dein persönlicher Foodcrime? Also das ist jetzt etwas, womit ich mich sehr unbeliebt mache und wo ich meine Karriere aufs Spiel setze.

Aber ich Ich finde, gekochte Champignons sind nicht essbar. Also einfach so angebraten, aber so richtig nicht kross angebraten, sondern so in so einem asiatischen Restaurant so eine Wok-artige Ding ist. Und es ist in so einer Soße und es ist dann fast schon so labbrig. Also die Konsistenz. Es ist nicht zu essen, es ist wirklich, ich könnte kotzen, es ist wirklich so ekelhaft.

Kann man dich mit so einem Jägerschnitzel dann auch nicht hinterm Ofen vorholen? Nee, nee, überhaupt nicht. Aber es ist wirklich ein großes Thema in meinem Freundeskreis. Pizza-Funky? Es gab viele, nee, hör auf, hör auf. Du bist schrecklich, du sagst ganz schlimme Dinge. Wie könnt ihr mich rausgehen lassen mit solch schrecklichen Bildern im Kopf?

Ja, wir haben mit so einem krassen Mordfall geredet, aber jetzt kommen richtig schlimme Bilder. Pizzafungi kriegt alles zu Ende. Okay, Jack, also ich kann verstehen, dass die Konsistenz von gekochten Pilzen... Nee, aber es geht nicht um Pilze generell. Das ist ganz wichtig. Es geht nicht um Pilze generell.

Kräuterszeitlinge, Shitake-Pilze. Der feine Herr, aha. Ja, das ist mir alles, das passt perfekt. nee, das ist kein Problem. Ja, der feine Herr. Das passt alles perfekt. Ich gehe zum Asiomarkt, kaufe das Zeug, ich liebe es. Aber ja, nein. Champignons, da sagst du nein. Wie sagt man, sagt man nicht Ork oder so? Ur-Ork, würde man dazu sagen?

Aber man sagt nicht Ork, sondern man sagt Ork. Lilly macht seit zwei Wochen Duolingo österreichisch. Ork. Fink wie ein Tier. Ich sitze dann hier und spreche österreichisch beim Handy, ja. Aber es ist immer süß, wenn Leute es versuchen. Ich versuche es jetzt nicht, weil ich möchte nicht das Bild zerstören, dass ich eigentlich einen fantastischen Wiener Dialekt habe.

Aber wenn ich hier mit einem echten Wiener sitze, dann wird er mir das mit dem Arsch einreißen. Vielleicht solltest du jetzt abmoderieren. Ich moderiere ab. Vielleicht solltest du jetzt abmoderieren. Time to say goodbye. Lieber Idan, schön, dass du da warst und einen kleinen Einblick in die österreichische Lebenswelt gegeben hast.

In deinen Job, in deine fantastische Arbeit, die ihr euch bitte auf allen Kanälen einmal anschaut. Folgt ihr dann auf allen Plattformen, folgt der ZIP auf Instagram, auf TikTok, wo auch immer ihr unterwegs seid und seid gut informiert und ich kann nur Danke sagen, dass du da warst. Ja, danke für die Einladung. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Bitte halte dich zurück mit deinem Österreichisch, aber sonst ist alles wirklich fantastisch.

Ich glaube, du zerstörst gerade Flo's Selbstbild, weil sein Selbstbild und auch das vieler anderer Leute ist, dass er perfekt Dialekte nachmachen kann. Das Problem ist, in Deutschland kommt er ja damit durch, in Deutschland sagt er das irgendwie, sagt er eh Chlor. Und die Leute sind so, wow, was für ein Talent. Ich habe aber ein sehr gutes Meddling-Rail.

Das stimmt, das war gut. Aha. Das war gut. Okay, das müssen wir, glaube ich, noch privat klären. Nee, danke für die Einladung. Es hat großen Spaß gemacht und es war sehr schön mit euch. Ja, danke schön. Danke, dass du da warst. Vielen Dank, dass du da warst. Und mit dieser Folge starten wir eine kleine Sommerspezialreihe, die die nächsten fünf Wochen kommt und zwar kommen jetzt keine Fälle, wie ihr sie sonst kennt, sondern wir haben uns ein bisschen was überlegt.

Fünf Folgen, die alle ein bisschen anders sind, aber ich glaube, genauso interessant und unterhaltsam wie sonst. Wir sind sehr gespannt, was ihr dazu denkt. Wir hören uns dann Mitte August wieder mit regelmäßigen Folgen wieder und einer kleinen Überraschung und bis dahin wünschen wir euch ganz viel Spaß mit unseren Sommerspezial Lichtschutzfaktor 50 nicht vergessen. Mindestens. Tschüss.

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