Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

Die gestohlenen McDonald's-Monopoly-Millionen

Dienstag, 10. Juni 2025 · 1 h 08

MP3

Shownotes

Am 11. Juli 2001 macht McDonalds in den USA eine Ankündigung. Es geht wieder los! Das McDonalds-Monopoly ist zurück. Und klar, es gibt auch diesmal wieder die obligatorischen kostenlosen Burger oder ein Auto zu gewinnen, aber worauf es alle abgesehen haben, sind 1 Mio. Dollar. Doch beim FBI weiß man: Das Geld kann man überhaupt nicht gewinnen. Nur ein Mann entscheidet höchstpersönlich darüber, wer die Preise gewinnt und wer nicht. Sein Name lautet: Uncle Jerry!

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Am 11. Juli 2001 macht McDonalds in den USA eine Ankündigung, auf die die ganze Nation schon sehnsüchtig gewartet hat. Es geht wieder los. Das McDonalds Monopoly ist zurück. Die clevere Marketing-Aktion führt McDonalds immer zweimal pro Jahr durch. Wenn sich alt und jung von Ost bis West um die Preise reißen, werden die Burger und Pommes der Fastfood-Kette zu Nebendarstellern.

Und klar, es gibt die obligatorischen, kostenlosen Burger und auch ein Auto zu gewinnen. Aber worauf es alle abgesehen haben, sind eine Million Dollar. Ausgezahlt in Gold, Diamanten oder Cash. Seit 14 Jahren gibt es dieses Spiel schon. Aber aus heiterem Himmel bekommt das FBI in Jacksonville, Florida einen kryptischen Hinweis.

Ein anonymer Anrufer behauptet, Das Geld kann man überhaupt nicht gewinnen. Die Monopoly-Spielkarten, die einem zum Gewinn von 1 Mio. Dollar verhelfen sollen, liegen in der Hand eines Mannes, der höchstpersönlich darüber entscheidet, wer die Preise gewinnt und wer nicht. Sein Name lautet Uncle Jerry.

Das ist Food Primes. Was schmeckt dahinter? Mit Lilly Temmel und Florian Hezer. Florian, was ist das für ein Intro? Was war das? Was ist das für eine Geschichte? Ja, das werde ich dir heute erzählen. Du sitzt ja wirklich auf den heißesten Kohlen. Ja, wirklich. Au, au, au. Ich bin zurück aus Italien und zurück in den USA und hier spielt auch unsere heutige Folge, wie du schon gehört hast.

Wusstest du, dass es überhaupt ein McDonald's Monopoly gab? Ja. Ist das schon mal untergekommen? Ja. Ja, ja. Ich war noch nie eine regelmäßige McDonalds-Geherin, aber ich weiß, dass das so ein bisschen zu unserer Jugend gehörte, dass man irgendwann erwachsen wurde oder die ersten Freunde ein Auto hatten und man dann eben immer so Meckes-Ausfahrten gemacht hat.

Ja, weil man wusste irgendwie nichts anderes mit seiner Zeit anzustellen. Und in der Zeit, weiß ich, haben wir auch häufiger dieses Monopoly gespielt, kann man jetzt nicht sagen, aber in der Zeit gab es häufiger auch dieses McDonald's Monopoly. Und da verhält es sich wie mit allen Gewinnspielen, die es so gibt.

Ich habe mich schon immer gefragt, ob jemals jemand die Hauptgewinne gewonnen hat. Und ja, anscheinend geht es ja nicht immer mit rechten Dingen zu. Aber ich dachte auch beim Glücksspiel, also da muss es doch irgendeine Art von Kontrollinstanz geben, oder? Die gab es, die gab es. Aber die war scheinbar nicht genug.

Also Lilly, wir werden zu all dem kommen. Ich werde dir auch sagen, wie groß die Wahrscheinlichkeiten waren, dass man überhaupt was gewinnen konnte. Ich bin für sowas ganz anfällig. Wenn ich bei Gewinnspielen betrache Das wollte ich Sie nicht fragen, ob dich solche Gewinnspiele reizt Also jetzt nicht unbedingt das McDonalds-Gewinnspiel Aber Gewinnspiele an sich schon Ich habe jedes Mal das Gefühl, dass ich gewinnen werde Also ich bin mir jedes Mal sehr, sehr, sehr sicher Dass ich den Hauptgewinn gewinnen werde.

Und naja Wir sollten mal auf die Felder rennen gehen mit dir, Ja, oh, ganz schwierig, ganz schwierig. Das habe ich einmal gemacht. Ja, da, ich bin bei sowas nicht gut. Ich kann mich da nicht gut kontrollieren. Ich denke auch, ich habe dann von Dingen eine Ahnung, von denen ich überhaupt keine Ahnung habe.

Ja, natürlich. Bei Glücksspiel, natürlich, ist auch eine Ahnung und Glück so, hm, was braucht man jetzt mehr? Also, ja. Ja. Aber was ich nicht wusste, ist, dass man Diamanten, Gold oder Geld gewinnen konnte. Ja, also das war in der Zeit lang in den 90ern so. Ab einem bestimmten Punkt haben sie die eine Million Dollar auch über 20 Jahre ausgezahlt, jeweils 50.000 Dollar pro Jahr.

Und man muss ja auch immer mitbedenken, da musst du noch Steuern draufzahlen etc. Pp. Also am Ende, du hast nicht eine Million Dollar auf dem Konto, bloß so als Hintergrund. Aber wir kommen zu all dem. Ich möchte hier noch nicht zu weit nach vorne greifen. Okay. Ich habe heute natürlich wieder Bilder dabei.

Und die gibt es auf unserem Instagram-Kanal zu sehen. Was schmeckt dahinter? Ich würde sagen, ich lasse euch nicht länger warten. Und wir steigen direkt ein. Aber bevor wir in den Betrug einsteigen und herausfinden, wer Uncle Jerry ist, der hier Kontrolle über das Gewinnspiel erlangt hat, erzähle ich dir, Lilly, und euch einmal, wie überhaupt diese McDonalds-Gewinnspiele ablaufen.

Was der Hintergrund ist, weil McDonalds hatte, einen guten Grund, Jahr für Jahr diese Gewinnspiele durchzuführen. Auch wenn wir es oft vergessen, McDonalds war ja nicht immer der Megakonzern, den wir heute alle kennen und der in allen Ecken der Welt seine Burger verkauft. Dass McDonalds so groß geworden ist, liegt zu einem guten Teil auch daran, dass sie immer wieder mit neuen, innovativen Marketingkonzepten auf sich aufmerksam gemacht hat.

In den 70ern ist es das Happy Meal für Kinder. Das Paket aus Burgern und billigem Spielzeug war erst als einzelne Aktion gedacht, aber dann so erfolgreich, dass es bis heute auf der Karte steht. In den 80er Jahren ist es dann das McDonald's Monopoly, mit dem der Fastfood-Konzern wieder einen großen Aufschlag machen will.

Beide Aktionen stammen tatsächlich von ein und derselben Firma, Simon Marketing. Die Agentur hat mit McDonald's Ende der 80er Jahre schon viele Jahre erfolgreich zusammengearbeitet. Das McDonalds Monopoly soll der nächste große Hit werden. Und das Spiel funktioniert eigentlich genauso wie die Brettspielversion.

Mit Spielkarten kann man sich nach und nach Straßen erspielen oder auch Sofortgewinne einstreichen. Um die Spielkarten zu bekommen, musste man nur bei McDonalds eine Portion Pommes, so einen Burger oder ein Getränk kaufen oder vieles andere. Also sie waren wirklich auf allen Verpackungen. Von den Verpackungen konnte man dann die kleinen Spielkarten abholen und hoffentlich so richtig absahen.

Denn neben den Preisen für gesammelte Straßen gab es auch sogenannte Instant Wins. Das waren zum Beispiel ein kostenloser Filet-O-Fisch-Burger oder eine Reise nach Jamaica. Doch worauf es die meisten wirklich abgesehen hatten, war der Hauptgewinn in Höhe von einer Million Dollar. Und Lilly, ich habe dir einmal ein paar Bilder mitgebracht von diesen Karten, damit du eine Idee bekommst, wie die aussahen. Ich schicke dir mal drei Bilder.

Das ist so ein bisschen eine bunte Auswahl und dann kannst du mir sagen, was du da siehst. Okay. Ja, ich sehe kleine Schildchen. Das eine wird sogar mit einer Pinzette gehalten. Und ich erinnere mich auch an die Größe dieser Dinger, dass die wirklich, ja, dass die ganz klein auf den Verpackungen waren.

Man musste immer so die obere Schicht abziehen und da drunter verbark sich dann die Straße. Zum Beispiel Park Place. Und das ist der Millionengewinn, sehe ich hier, ne? Genau, du brauchtest Park Place und Boardwalk Avenue. Das ist das dritte Bild, was ich dir geschickt habe. Da siehst du beide zusammen.

Ah, ja, da sehe ich sie. Du brauchtest beide, um die Straße zu vervollständigen. Und wenn du die Straße vervollständigt hattest, dann hast du die Millionen gewonnen? Richtig. Okay. Und du siehst auch so eine Instant-Win-Karte. Ja, ein Cheesy kriegt man da direkt. Cheesy, ja. Ich habe jetzt nicht alles einmal aufgezählt, was so die Wahrscheinlichkeiten für die Bürger war.

Aber ich glaube, am wahrscheinlichsten war es, dass man Pommes oder ein Sundae abgestaubt hat. Die lag so bei ungefähr 25 Prozent. Also es gab schon eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwas gewinnen würde. Und das ist auch noch eine kleine lustige Nebeninformation. In den USA wäre es für McDonalds verboten gewesen, so ein Gewinnspiel zu machen, wenn man diese Spielkarten nur bekommen würde, wenn man was kauft bei McDonalds.

Weil dann ist es Glücksspiel, wenn du sozusagen Geld geben musst, um so eine Karte zu bekommen. Deswegen gab es eine Klausel, eine No-Purchase-Necessary-Klausel, die besagte, dass wenn du einfach McDonalds schreibst, hey, ich möchte diese Gewinnspielkarten, dann mussten die dir die zuschicken. Das wussten jetzt nicht viele, Aber das war rechtlich, war das so.

Und es gab tatsächlich mal einen Mann, der hat 100 frankierte Umschläge zu McDonalds geschickt mit seiner Adresse drauf, mit der Bitte, dort Gewinnspielkarten reinzumachen, weil er festgestellt hat, hey, das ist günstiger, wenn ich Briefmarken kaufe, als wenn ich das günstigste Produkt bei McDonalds kaufe.

Wow. Ja, genau. Man brauchte also, um die eine Million Dollar zu gewinnen, brauchte man diese beiden Straßen. Und genau, ich komme später noch dazu, wie wahrscheinlich das war, dass man diese Karten bekommen konnte. Das Spiel ist sofort in aller Munde und wird zum absoluten Massenphänomen. Da man für einige Gewinne auch ganze Straßen zusammen haben musste, werden die Karten bald gehandelt wie echte Wertpapiere.

Befeuert wird das Ganze dann noch zusätzlich von Fernsehwerbung, in der man von Rich Uncle Pennybags, also dem Monopoly-Mann, angeschrien wird. Don't go to jail. Go to McDonald's and play Monopoly for real. Hätte dich das motiviert? Auf jeden Fall. Also spätestens da hätte ich es mir dann überlegt. doch nicht ins Gefängnis zu gehen, ja. Danke, McDonalds.

Dabei ist die Chance, ein der großen Preise abzustauben, geringer als von einem Meteoriten getroffen zu werden. Okay. Um beispielsweise ein Auto zu gewinnen, muss man alle vier Bahnhöfe gesammelt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, liegt aber gerade einmal bei 1 zu 150 Millionen. Und das liegt nicht daran, dass das McDonalds-Monopoly nur zweimal im Jahr für je drei Monate gespielt wird, sondern vor allem daran, dass einer der Bahnhöfe nur ein paar Mal gedruckt wird.

Also sind alle auf der Suche nach diesen wenigen Bahnhöfen. Aber dass die Wahrscheinlichkeit so gering ist, tut dem Hype keinen Abbruch. McDonalds-Kunden sind süchtig nach dem Spiel. Auch weil man schon mit einer 25%igen Wahrscheinlichkeit kostenlose Pommes oder einen Sunday gewinnen konnte, das ist das, was ich vorhin meinte.

McDonalds liefert also weiter den Stoff für die Sucht. Pro Spielrunde lassen sie bis zu eine halbe Milliarde Spielkarten drucken. Da der Stoff schnell und das Volk muss, gibt es die Spielkarten bald nicht mehr nur bei McDonalds, sondern auch in Magazinen wie dem People Magazine. An McDonalds Monopoly gibt es in den USA in den 90ern praktisch kein Vorbeikommen.

Also es, ja, es war ein absolutes Massenphänomen. Aber ich meine, hier bei uns ja auch. Also vielleicht noch nicht in den 90ern, aber als es das bei uns noch gab, haben das auch alle genutzt, die Chance. Und ständig hat ja auch wirklich jemand irgendeine Kleinigkeit gewonnen. Ja, irgendwas gab es immer for free. Und dann denkst du, hey, meine, was ist im Nächsten? Was ist im Nächsten? Richtig.

Und so eine Pommes zu kaufen, was kostet die kleinste Pommes 1,29 Euro? Euro hat die früher gekostet, glaube ich. Früher hat alles noch einen Euro gekostet. Der Cheesy einen Euro. Ja, da konnte ja auch im Prinzip jede Person mitmachen. Also, es war so niederschwellig, bei dem McDonalds-Monopoly mitzuspielen.

Was ich mir so dachte, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese hohen Gewinne einfach im Müll landen, weil irgendeine Packung angedatscht ist. Stimmt. Keine Ahnung, einfach jemand eine Sammlung wegwirft, weil sie irgendwie nicht mehr gebraucht wird. Was weiß ich. Die ist ja so hoch. Ja. Die Wahrscheinlichkeit, dass wirklich niemand gewinnt, ist ja da, wenn es so wenige Karten gibt.

Ja, ja, das stimmt, das stimmt. Und das ist ja auch, glaube ich, die Idee von McDonalds, wenn man das in so großen Massen drückt. Ja, das ist einkalkuliert, ne? Klar, dass nicht jeder Gewinn dann auch eingelöst werden muss. Hast du eigentlich schon mal irgendwas Krasses gewonnen? Ich überlege gerade. Ich glaube nicht. Hast du schon mal was gewonnen?

Ich habe einmal über rausgegangen oder mit Vergnügen oder so, habe ich eine Nacht in Brandenburg in so einem mega schönen kleinen Hotel gewonnen, ja. Ach doch, ich erinnere mich. Da hatte ich einen guten Riecher. Oder es war irgendwas anderes, das war irgend so eine Seite bei Instagram mit Eventvorschlägen oder Freizeitvorschlägen und die war noch nicht so groß.

Und da habe ich natürlich drauf gepokert oder da habe ich natürlich gepokert, dass da nicht so viele Leute mitmachen werden, wenn die Seite noch nicht so groß ist. und da habe ich damals gewonnen. Ja, aber ich glaube, das war's. Wie stehst du eigentlich zum Monopoly? Weil ich finde, das ist wirklich, das ist so ein Spiel, ich sag's vorab, ich verstehe den Reiz nicht.

Das frustriert mich jedes Mal. Also, mein jüngeres Ich hat sehr viel Monopoly gespielt, weil ich, ich muss ein bisschen ausholen. Ich liebe es ja, auf Knöpfe zu drücken. Und ich wollte früher, hier ist eine Fliege, ich wollte als Kind gerne Kassiererin werden oder wie ich es damals genannt habe, Kessin.

Weil ich das so toll fand, dass die auf Knöpfen rumdrucken konnten und Geld rausnehmen und geben. Das fand ich total toll. Und wenn wir Monopoly gespielt haben früher, habe ich immer die Kasse gemacht. Und ich hatte dann so eine Art und Weise, die Kasse zu machen, dass ich immer so getan habe, als würde ich auf Knöpfen rumdrücken.

Und ich glaube, dass mir das deshalb Spaß gemacht hat. Weil das für mich so ein kleines Kassiererinnen-Rollenspiel auf eine Art war. Ich habe auch sehr lange meines Lebens gedacht, dass Monopoly ewig lange geht. Dass man das irgendwie stundenlang spielt. Und dann habe ich es vor ein paar Jahren noch mal mit Freunden gespielt und bin halt irgendwie nach fünf Runden oder so pleite gewesen und rausgeflogen und hab gedacht, was ist das für ein scheiß Spiel? Macht ja gar keinen Spaß.

Also es war eine kleine Kurve. Mittlerweile möchte ich auch kein Monopoly mehr spielen. Nee. Ich weiß nicht, ob du von der Geschichte von Monopoly auch schon mal gehört hast, wie das erfunden wurde und warum und wann. Hat das was mit der italienischen Stadt zu tun? Nee. Also nicht, dass ich wüsste. Es wurde 1904 schon erfunden von einer gewissen Elizabeth Magie.

Sie wird Magie geschrieben, aber ich glaube, man spricht das nicht Magie aus. Und bei ihr hieß das damals The Landlord's Game. Und das war so lange Zeit einfach nur so ein handgemaltes Spiel, was vervielfältigt wurde, in dem es andere Leute auch abgemalt haben und weitergegeben haben. Und eigentlich ging es darum zu zeigen, wie unfair Bodenspekulationen und Monopole sind.

Also es ist eigentlich eine Kapitalismuskritik, dieses Spiel. Allerdings hat dann ... Auch geil, dass ich denke, dass das was mit der italienischen Stadt zu tun hat. Naja. Und ja, wie es dann meistens so kommt, ein Mann hat das Spiel auch gespielt und dachte sich, die Idee ist gut, die mache ich zu Geld.

Und hat 1935 das Spiel so leicht abgewandelt, hat es Monopoly genannt und an die Firma Parker Brothers verkauft, die das Spiel dann in Serie hergestellt haben. Und er ist dann reich geworden dadurch, aber die Frau, die es eigentlich erfunden hat, nicht? Ja, die Frau, die das entwickelt hat, um zu zeigen, wie unfair Bodenspekulation und Monopole sind, die hat davon nichts gesehen.

Man muss aber auch sagen, ein Spiel über Boden, wie? Bodenmonopole und Spekulation klingt halt auch wahnsinnig unsexy. Ja, ja, eben. Bodenspekulation, nicht Bodenmonopole. Ja, und das Monopoly, das McDonalds-Monopoly hat in den 90ern wirklich einen absoluten Hype ausgelöst. Aber auch dieser Hype nutzt sich so langsam ab und ich würde sagen, wir kommen mal so langsam zu unserem eigentlichen Fall.

Und zwar, wie es denn sein konnte, dass es hier zu Ungereimtheiten kam. Quasi die kompletten 90er Jahre ist das Spiel ein einziger Erfolg für den Konzern mit dem Goldenen M. Auch wenn es immer mal wieder Ungereimtheiten gibt, die einige Leute stutzig werden lassen. So ist es zum Beispiel auffällig, dass nie auch nur ein einziger Hauptgebiet nach Kanada geht. Auch hier wird das McDonalds Monopoly gespielt, aber Millionengewinner gibt es hier keine.

Und in den USA scheinen irgendwie alle Gewinner von der Ostküste zu stammen. Irgendwas geht hier nicht so ganz mit rechten Dingen zu. Dem Erfolg der gigantischen Werbekampagne tut das aber kein Abbruch. Einer, der sich wirklich wenig für das McDonalds Monopoly interessiert, ist FBI Agent Richard Dent.

Der Ende 30-Jährige ist ein nüchterner und sehr rationaler Mensch. Er ist, wie seine Kollegen sagen, immer matter of fact. Also Emotionen gibt es in seiner Welt nicht. Manche sagen über ihn sogar, he has as much personality like the wood his desk is made of. Hm, charmant. Seit 13 Jahren konzentriert sich Richard auf Betrugsfälle, die hier im Gesundheitswesen von Jacksonville, Florida stattfinden.

Als im März 2000 sein Telefon klingelt, ist er deshalb überrascht, als es auf einmal um McDonalds geht. Trotzdem hört er ganz genau hin. Die Stimme sagt, dass der aktuelle Gewinner der 1 Mio. Dollar ein Betrüger ist. Und überhaupt, das ganze McDonalds-Monopoly, was das Land seit Jahren in Band zieht, ist eine reine Farce.

Nur ein gewisser Uncle Jerry habe Zugang zu den wichtigsten Gewinnspielkarten, also die für die Autos und für das Geld. Er alleine entscheidet, wer sie bekommt, wer also gewinnen darf. Im Gegenzug für seine Großzügigkeit gewinnt er mit. Für den Gewinn von einer Million Dollar lässt er sich gut 50.000 Dollar zurückzahlen, so der anonyme Tippgeber.

Richard Dent ist verwirrt. Eigentlich ist es nicht sein Fachgebiet, aber er macht sich trotzdem an die Arbeit, denn er weiß, dieser Fall hat die Chance, seine Karriere zu verändern. Ich finde es auch spannend, wenn das die Motivation von einem Ermittler ist. Ich weiß nicht, ob das seine Motivation war. Der Mann wirkt eher so wie, das ist ein Fall, den man angehen muss. Hier geht es um den großen Betrug.

Was dafür spricht, ist auch, dass es kein Bild von Richard Dent gibt. Der hat sich immer aus der Öffentlichkeit rausgehalten. Also ich kann dir leider nichts zeigen von ihm. Ich weiß nicht, wie dieser Mann, der eine Persönlichkeit eines Stück Holzes hat, wirklich aussieht. Aber wie würdest du denn an die Suche jetzt rangehen?

Ich arbeite nicht beim FBI, mein Lieber. Aber ich werde mal in mich gehen. Vielleicht ist das hier gerade ein Vorstellungsgespräch. Ja, ganz kurzes. Danke, wir melden uns, Frau Temme. Tschüss. Der kriegt einen anonymen Anruf oder einen anonymen Hinweis, dass es bei dem Gewinnspiel nicht mit rechten Dingen zugeht.

Na, dann würde ich doch erst mal zu McDonalds fahren und selber am Gewinnspiel teilnehmen und irgendwie versuchen, im Kleingedruckten Informationen zu finden und irgendwelche Ansprechpartner zum Beispiel. Fertig. Alles klar, Frau Temme. Wir melden uns bei Ihnen. So geht der Richard nicht daran. Aber ich erzähle dir, wie er rangeht an diese Aufgabe.

Beim FBI in Jacksonville ist man über ein Jahr nach dem kryptischen Anruf noch keinen Schritt weiter. Uncle Jerry kann quasi an jeder Stelle des Gewinnspiels sitzen. Er könnte ein LKW-Fahrer sein, im Lagerhaus Verpackungen von A nach B fahren. Er könnte in der Druckerei arbeiten, die die Spielkarten herstellt.

Er könnte aber auch eine Position bei Simon Marketing, der Agentur haben. Oder, und das ist für das FBI natürlich am sensibelsten, auch bei McDonalds sitzen. Da Richard und seine Kollegen nichts ausschließen können, müssen sie vorsichtig sein. Zu McDonalds und Simon Marketing nehmen sie daher erstmal keinen Kontakt auf.

Ein Jahr lang sammelt das FBI Namen der Gewinner, Adressen, kauft jegliche McDonalds-Verpackungen, die erhältlich sind, um irgendwie einen Hinweis darauf zu bekommen, wer Uncle Jerry ist. Was genau in diesem Jahr alles im Detail passiert, wissen wir leider nicht. Wir wissen nur, all die Bemühungen führen ins Nichts.

Ihren Plan, ohne McDonalds und Simon Marketing zu arbeiten, müssen sie nach einiger Zeit und wenig Erkenntnissen verwerfen. Sie entschließen sich also, den Sicherheitschef von McDonalds zu kontaktieren. Nicht ohne etwas Spannung aufzubauen. Sie bitten ihn, nach Jacksonville zu kommen für ein Gespräch.

Worum es geht, sagen sie ihm, wenn er da ist. Richard und sein Team sind vorsichtig. Zu viel wollen sie nicht preisgeben. Erstmal wollen sie vorführen, ob der Sicherheitschef nicht möglicherweise selber in den Fall involviert ist. Doch als dieser in Jacksonville eintrifft, stellt sich schnell heraus, McDonalds hat keinen blassen Schimmer, was hier passiert.

Sie kooperieren sofort und sichern dem FBI zu, alle notwendigen Informationen für die Ermittlungen zur Verfügung zu stellen. Und die braucht es jetzt auch. Bald arbeiten insgesamt 25 FBI-Agenten unter dem Codenamen Final Answer im ganzen Land an dem Fall. Sie verfolgen über 20.000 Telefonnummern und nehmen 235 Kassetten Material auf.

Wow, schon wieder was für eine krasse Leistung, oder? Ja, ja. Aber Antworten darauf, wer Uncle Jerry ist, finden sie nicht. Richard Dent und sein Team haben jetzt nur noch einen letzten Plan im Kasten. Doch dafür brauchen sie die Unterstützung von McDonalds. Das FBI möchte, dass McDonalds das Gewinnspiel noch einmal durchführt.

Natürlich mit dem Wissen, dass die Betrüger auch diesmal wieder zuschlagen werden. Die Gewinner kann man dann telefonisch überwachen lassen. McDonalds soll im Anschluss die Auszahlung des Gewinns verzögern. So kann man sehen, wie die Gewinne reagieren und mit wem sie Kontakt aufnehmen. Es ist ein riskanter Plan, das weiß das FBI. Das weiß aber auch McDonalds.

Sollen sie das Gewinnspiel wirklich noch einmal durchführen? Wohlwissend, dass kein normaler Mensch die 1 Mio. Dollar gewinnen wird. Der Fastfood-Konzern steht vor einem Dilemma. Stoppen Sie das Monopoly, wenn Sie nie herausfinden, wer hinter dem Betrug steckt, wer Uncle Jerry ist. Spielen Sie das Spiel noch einmal, könnte McDonalds ein riesiger PR-Skandal überrollen und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Denn wenn herauskommt, dass niemand die Chance hatte zu gewinnen, könnte man McDonalds verklagen. Der damalige McDonalds-CEO Jack Greenberg steht vor der wahrscheinlich schwierigsten Entscheidung seiner Karriere. Und Lilly? Du bist jetzt mal, würde ich sagen, McDonalds-CEO. Wie würdest du dich entscheiden? Ja, da kann ich mich gut reindenken.

Da kann ich mich sehr gut reindenken. Ich würde es machen. Du würdest noch eine Runde spielen. Auch für den Plot. Ich würde noch eine Runde spielen. Sehr gut. Dann hast du dich genauso entschieden wie Jack Greenberg. Und da sieht man nämlich, dass in mir eigentlich auch so eine Konzernleitung steckt.

Ich bin eigentlich zu was Größerem bestimmt. Ja, das sehe ich. Du bist keine FBI-Agentin, aber du bist eine Boss-Bitch. Eine Bossin. Ich wäre eine Liebe. Mit dem Herz am rechten Fleck. Aber hart in den richtigen Momenten. Eine Patente. Tough Love. Tough. Richtig. Richtig. Ja. Am 11. Juli 2001 ist es soweit. Die ganze USA zieht über los.

Und die nächste Runde McDonalds-Monopoly beginnt. Das ist ja total krass. Das ist wie im Film. Und das ganze Land spielt mit in diesem Film. Und weiß es nicht. Das finde ich cool. Und auch die Jagd auf die beiden Millionengewinne beginnt. Und natürlich auf Uncle Jerry. Richard Dent ist erfreut, dass er McDonalds davon überzeugen konnte, noch eine Runde zu spielen.

Und das zahlt sich schon bald aus. Knapp drei Wochen später, am 30. Juli, meldet sich ein Gewinner. Michael Hoover aus Rhode Island. Zum Beweis schickt er die kleinen Spielkarten, die ihm zum Gewinn von einer Million Dollar verhelfen an McDonalds. Mit der Post? Ja. Das ist doch auch total riskant, oder nicht?

Ja. Das würde ich niemals machen. Da würde ich dann hinfahren. Ich würde die persönlich vorbeibringen. Okay, ich würde mal sagen, wir machen da mal eine kleine Notiz dran, weil das wird später noch wichtig. Okay. Aber dass Michael Hoover diese Spielkarten an McDonalds schickt, darauf hatte das FBI nur gewartet.

Denn jetzt wird Stufe 2 des Plans gezündet. Dabei kam Richard Dent und seinem Team die AGB des McDonalds Monopoly zur Hilfe. Denn jeder Gewinner und jede Gewinnerin erklärte sich bereit, an Marketing-Aktionen rund um das Gewinnspiel teilzunehmen. Es war nicht ungewöhnlich, dass die Gewinner auch zu Veranstaltungen nach Las Vegas eingeladen wurden oder für TV-Spots interviewt wurden.

Und genau das sollte jetzt auch Michael Hoover machen. Ich habe dir ein Bild von Michael Hoover mitgebracht, dass du einmal siehst, wer hier der Glückliche ist. Und zwar ist das ein Bild von dem Moment, wo ihm der Check übergeben wird, also der symbolische Check über eine Million Dollar. Michael, wie glücklich kann man aussehen?

Vor allem siehst du die Unterschrift. Ja, die Unterschrift von Ronald McDonald. Die sehe ich wohl. Finde gut, also, ja, das ist, ähm, das ist so, als wenn ich dir einen Check über eine Million ausstellen würde. So sieht der aus. Ja. Damit kann man jetzt nicht direkt zur Bank gehen, glaube ich. Damit kann man nicht direkt zur Bank gehen, aber der Mann sieht, ja, der sieht so aus wie jemand, der gerade eine Million gewonnen hat.

Also dem würde ich jetzt nicht unterstellen, dass der der Betrüger ist irgendwie. Ich finde, der sieht gar nicht aus wie ein Betrüger. Ich finde, der sieht aus wie jemand, der sein Glück kaum fassen kann, dass er wirklich der Glückliche ist. Ja, okay. Süß. Das ist notiert. Findest du nicht auch, dass so diese Übergabe von so überdimensionierten Checks so ein bisschen aus der Mode gekommen ist? Leider. Ja, gehe ich mit.

Gehe ich mit. Schade eigentlich. Das kann man meiner Meinung nach wieder zurückholen, ja. Ja. Ich finde das irgendwie lustig. Aber das soll nicht unser Thema sein heute, denn wir wollen ja herausfinden, wie Michael Hofer an diesen Check gekommen ist. Und dieses Bild, was du da siehst, das ist aus einem TV-Spot, der mit ihm gedreht wurde.

Und ja, für diesen TV-Spot konnte das FBI jetzt natürlich nicht irgendwie eine beliebige Produktionsfirma engagieren. Hier dreht der Geheimdienst noch selbst Lilly. Kurzerhand wird die Produktionsfirma Shamrock Productions gegründet. Alle Angestellten von Kamera über Licht bis Ton waren FBI-Agenten. Nein. Nur, ja.

Das ist wirklich wie im Film. Im wahrsten Sinne des Wortes, das ist eine fantastische Geschichte. Nur eine externe Person begleitete den Dreh. Amy Murray. Sie arbeitet im Sommer 2001 schon seit fünf Jahren für McDonald's und war als Hauptverantwortliche für das McDonald's Monopoly, auch dafür verantwortlich mit den GewinnerInnen in Kontakt zu treten.

Das Team von Shamrock Productions, aka dem FBI, macht sich also Anfang August auf nach Rhode Island, einem kleinen Bundesstaat in der Ostküste nördlich von New York. Aber Entschuldigung mal ganz kurz, wir beide wissen ja, wie komplex auch mal so eine TV-Produktion sein kann und dass man da auch ein bisschen was können muss.

Konnten diese FBI-Leute dann alle mit Kamera, Tontechnik, Licht und so umgehen? Also ... Also ich kann mir schon vorstellen, dass es beim FBI Leute gibt, die wissen, wie man Überwachungstechnik baut, wie man Kameras installiert, wie man damit umgeht, wie man Ton aufnimmt. Aber nur so ganz kleine Kameras.

Und am Ende ist es ja, es muss ja nicht sendefähig sein, sondern es muss Material sein, das man in einem Gerichtsprozess verwenden kann. Also ob das jetzt da ein bisschen gewackelt hat. Ja und du musst aber den anwesenden Personen das Gefühl geben, dass du das beruflich machst. Ja, ich glaube, das kriegen die dann schon hin. Das kriegen die hin, naja, das können die auch, ja. Ja, sieht man, ja.

Gut. Und Michael Hoover hat, glaube ich, jetzt noch nicht so oft mit anderen professionellen Teams gedreht, dass er weiß, wie das vielleicht abläuft. Okay. Will ich ihm jetzt mal unterstellen. Also genau, Shamrock Productions, auch dieser Name. Also, naja. Ja, Shamrock Productions ist also jetzt in Rhode Island bei Michael Hoover angekommen und möchte hier noch einmal ganz genau erfahren, wie und wo er diese goldenen Glückskarten, möchte ich sie nennen, wie er die gefunden hat.

Und natürlich wissen alle Beteiligten, dass diese Geschichte mit ziemlicher Sicherheit von vorne bis hinten erlogen sein wird. Aber auch wenn man das nicht weiß, klingt Michael Hoovers Geschichte etwas zu gut, um wahr zu sein. Und die geht so. An seinem freien Tag war er am Strand von Rhode Island unterwegs.

Nachdem er am Strand etwas geschlafen hatte, war er komplett mit Sand bedeckt, weil es so windig war. Er ist zum Wasser gegangen, um sich abzuspülen, was eine relativ schlechte Idee war. Denn bei der Aktion fallen seine Sachen aus dem Rucksack direkt ins Meer. Unter anderem ein People Magazine. Die durchnässte Zeitung kann er nur noch wegwerfen. Doch als er am Abend im Supermarkt das gleiche Magazin wieder sieht, denkt er sich, Das kaufe ich nochmal.

Eine weise Entscheidung. Denn in diesem Magazin war der Gewinn drin. Die Geschichte ist wirklich ein bisschen zu absurd. Und ich habe irgendwann mal gehört, ich glaube von einem Juristen, dass bei Zeugenvernehmungen die Personen halt total suspicious sind, die... Zu detailliert Dinge erzählen können. Ja.

Und bei denen die Geschichten halt vielleicht zu viel Sinn machen, weil eigentlich wäre die Situation so, dass man sich eben nicht an so vieles erinnern kann und dass das Leben halt, wie es manchmal so spielt, auch nicht so, weiß ich nicht, nicht so gut läuft. Diese ganze Vorgeschichte mit dem Strand und dem Sand und geschlafen.

Ja, das ist zu ausgeschmückt, ne? Richtig. Ja, ja. Naja, das FBI hätte jetzt auf jeden Fall mit dieser Aufnahme einen ersten Beweis gesammelt. Und der zweite folgt zugleich. Denn nach dem Dreh können die Agenten mithören, wie Michael Hoover einen gewissen AJ Glomp anruft und ihm erzählt, dass das Kamerateam ihm tatsächlich die ganze Geschichte mit dem People Magazine einfach so gekloppt hat.

Doch trotz dieses ersten Erfolges ist die Stimmung beim FBI immer noch etwas unterkühlt. AJ Glomp ist zwar ein fantastischer Name und ist dem FBI auch als ehemaliger Drogendealer bekannt, ist aber eben nicht Uncle Jerry. Im Gegenteil, in weiteren abgehörten Gesprächen von AJ Glomp hören sie, wie dieser immer wieder Sätze sagt wie You don't want to make Uncle Jerry mad.

Es muss also noch jemand Größeres geben, der diesen Betrug orchestriert. Sie bleiben weiter am Ball und hören auch die anderen vermeintlichen Gewitter ab. Und das bringt die Agenten endlich zu der Person, bei der alle Fäden zusammenzulaufen scheinen. Denn alle GewinnerInnen der letzten Jahre riefen immer wieder die gleiche Nummer an.

Sowohl kurz bevor sie den Gewinn an McDonalds gemeldet hatten und danach. Es scheint, als würden sich alle Gewinner mit einer Person abstimmen. Und im Handumdrehen findet das FBI den Namen hinter der Nummer. Jerome Paul Jacobson, The Head of Security von Simon Marketing. Vielen Dank. Also die Marketingfirma ist es. Naja, macht Sinn. Ich habe dir natürlich auch noch ein Bild von AJ Klomp mitgebracht.

Oh, AJ Klomp sieht ein bisschen mürrisch aus. Der sitzt in einer Küche, in der 100% alles aus Holz ist. Ja. Hat ein weißes Poloshirt an und guckt so ein bisschen, ja, so resigniert in die Kamera. und das sieht aus, als wäre das irgendwie bei einem Interview oder so. Die Geschichte wurde scheinbar verfilmt, oder? Richtig. Es gibt zu diesem Fall eine ganze Serie. Macmillions heißt die.

Die gibt es in Deutschland zurzeit nicht zu sehen. Man kann die bei Amazon Prime, Hulu und HBO Max in den USA schauen. Das heißt, wenn ihr einen VPN besitzt, den ihr euch möglicherweise vor ein paar Monaten mal besorgt habt, als wir hier Werbung gemacht haben für einen VPN, dann könntet ihr sie vielleicht bei Amazon Prime schauen ansonsten gibt es begleitend zu dieser Serie auch einen Podcast bei Spotify, in dem die Beteiligten oder viele Beteiligte interviewt wurden von den Regisseuren auch AJ Glomp und das kann ich nur empfehlen, weil der also der hat eine absurde Lebensgeschichte und ist auch, netter, als er auf diesem Bild aussieht oder wirkt netter, als er auf diesem Bild aussieht.

Was seine Rolle er genau war, erzähle ich dir später noch. Aber jetzt sind wir ja erstmal bei Jerome Paul Jacobson, dem Head of Security von Simon Marketing. Hast du von dem auch ein Foto? Ja, zeige ich dir später. Okay. Und Jerry wohnt in Atlanta, in Georgia. Und das FBI findet nach und nach heraus, dass einige frühere Gewinner, also aus den 90ern, tatsächlich in einem Radius von gut 40 Kilometer um Jerry herum wohnen und die sind alle verwandt. Mit Jerry? Nee, untereinander.

Und man kann jetzt denken so, ey, Riesenzufall, sehr, sehr glücklich, aber tatsächlich sind die Wahrscheinlichkeiten, dass das passiert in diesem Gewinnspiel, das ist absolut unmöglich, weil die Wahrscheinlichkeit, dass du diesen Millionenpreis zu der Zeit gewinnst, liegt bei 1 zu 250 Millionen. Zwei Personen, zwei Verwandte jeweils eine Million gewinnen würden, liegt die Wahrscheinlichkeit schon bei 1 zu einer Quadrillion.

Was ist das? Keine Ahnung. Ich nenne diese Zahlen einfach, weil niemand mehr damit was anfangen kann, weil es einfach nicht wahrscheinlich ist. Und wenn drei Verwandte gewinnen sollten, wäre das eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 306 Tillionen. Das sind 23 Nullen. Also man kann einfach sagen, es geht nicht. Es kann nicht sein.

Jerry ist jetzt der Hauptverdächtige des FBI und dafür gibt es auch Gründe. Jerome Jacobson, genannt Jerry, wird 1943 in Youngstown, Ohio geboren. Sein großer Traum ist es, Polizist zu werden. 1977 verwirklicht sich dieser Traum in Hollywood, also Florida, Hollywood, nicht in Kalifornien. Doch der Traum wehrt nur kurz. Denn Jerry hat immer wieder mit Krankheiten zu kämpfen.

1980 stellen Ärzte dann schlussendlich eine seltene neurologische Krankheit bei ihm fest. Bei Jerry führt diese vermehrt zu Nervenschäden und kleineren Lähmungen. Er und seine Frau Marsha entscheiden sich für einen Umzug nach Atlanta. Hier gibt es einen Spezialisten, der Jerrys Krankheit in den Griff bekommen kann.

Anfang der 80er Jahre beginnt für Jerry und Marsha in Atlanta also ein neues Leben. Marsha findet schnell einen Job. Bei der Druckerei Ditler Brothers beginnt sie als Sicherheitschefin. Eine Druckerei mit Sicherheitschefin? Das klingt vielleicht jetzt erstmal ungewöhnlich, doch Ditler Brothers drückt zu diesem Zeitpunkt auch die Postmarken für die US Post.

Als bei der Druckerei dann ein weiterer Job im Sicherheitsbereich frei wird, schiebt Marsha diese Stelle kurzerhand ihrem Ehemann zu. Ich sag mal so, im gleichen Job zu arbeiten, tut der Ehe der beiden nicht sonderlich gut. Schon wenig später, 1983, lassen die beiden sich scheiden. Für Jerry soll es nicht die letzte Scheidung sein. Insgesamt siebenmal ist er bis heute verheiratet, wo die Liebe hinfällt.

Aber zurück an die Druckerpresse. Bei Dittler Brothers hat Jerry seine Berufung gefunden. Die Druckerpressen und ehrlich gesagt auch die Menschen an den Maschinen zu überwachen, das liegt ihm. Er liebt es, durch die Hallen zu patrouillieren und die einzelnen Arbeitsschritte penibel zu überwachen. Mit seinen zurückgegelten Haaren und seinem Bierbauch, der leicht über die Hose hängt, sieht er aus wie der Polizist, der nie sein konnte.

Jerry nimmt seinen Job mehr als genau. Und das zahlt sich aus. Er steckt schnell auf und ist schon bald für den größten Auftrag der Dittler Brothers zuständig. 1987 soll er den Druck der Spielkarten für das McDonalds-Monopoly bewachen. Und Jerry gibt schon wie zuvor alles. Kein Trick ist vor ihm sicher.

Er inspiziert die Schuhe der Angestellten und begleitet Lkw-Fahrer aufs Klo. Immer auf der Suche nach den wertvollen Spielkarten. Und vielleicht verwundert euch das jetzt, aber ein angenehmer Kollege scheint Jerry nicht zu sein. Weibliche Kolleginnen beschweren sich immer wieder darüber, dass Jerry ihren Kleidungsstil kritisiert.

Andere sagen später aus, dass Jerry seine Kollegen zu einem Investment drängen wollte, zu dem ihm ein Medium geraten hatte. Von all dem bekommt Simon Marketing nichts mit. Sie sind beeindruckt von der Arbeit, die er bei Dittler Brothers macht. Sie finden, Jerry sollte nicht an den Maschinen stehen. Er ist für Größeres bestimmt.

Er soll die Integrität des Spiels bewahren. Sie bieten ihm den Job als Head of Security bei Simon Marketing an. Ein Unternehmen, das auf der ganzen Welt Gewinnspiele organisiert und in zahlreichen Druckereien Spielkarten herstellt. Und auch wenn es überraschend klingt, aber bis hierhin war Jerry ein unbescholtener Mann, der vielleicht besessen war von seinem Job, aber auch noch nie nur eine Spielkarte geklaut hatte.

Doch ab 1989 steigt Jerry seine Macht wohl etwas zu Kopf und die Versuchung, vielleicht auch nur eine von diesen kleinen wertvollen Spielkarten mitzunehmen, wird zu groß. Fühlig. Ja? Ja, ehrlich gesagt, ja. Ich glaube, die Versuchung ist einfach zu groß. Und ich versuche mich jetzt da hinein zu versetzen und denke mir, okay, wem tut man jetzt weh?

McDonalds, ja, mein Gott. Mein Gott. Dann werde ich jetzt halt diesen Megakonzern um ein bisschen Geld erleichtern. Irgendjemand gewinnt es ja eh. Dann kann ich es ja auch vielleicht sein. Also weißt du, finde ich jetzt so moralisch gar nicht so schlimm. Ich finde es krass, natürlich trotzdem so was aufzubauen. und natürlich ist es eine Straftat, aber irgendwie habe ich auch ein bisschen...

Okay. Verständnis dafür. Man ist es einfach ein bisschen zu, zu schön, um es nicht zu machen, oder? Und du fängst ja auch nicht mit der Million an, sondern man fängt ja mit was Kleinerem an, ne? Ja. Ja, ich hab dir mal ein Bild von Jerry geschickt. Ja. Das ist schon ein bisschen später. Also es müsste so ein 2000er sein. Ja, der guckt auch so, als hätte er nicht mehr so viel vor im Leben. Sag ich's mal so. Oh Gott.

Der guckt total erschöpft und ja, so als hätte er irgendwie aufgegeben, finde ich. Ich glaube, es liegt daran, dass dieses Bild von dem Gerichtsprozess ist. Ja, er guckt auch ein bisschen so fuck. So nach dem Motto, ey, hätte ich damals nicht, einfach nicht angefangen. Ich hatte doch ein gutes Leben, mein Gott. Warum nur?

Aber die Versuchung war zu groß. Wie es genau dazu kam, dass Jerry schwach wurde, wissen wir nicht genau. Vielleicht war es einfach nur die Versuchung. Als Sicherheitschef kannte er jedenfalls jedes Schlupfloch beim Druck der Monopoly-Karten. Er hatte das Wissen, wie er völlig unbemerkt eine davon klauen konnte, wenn er denn nur wollte.

Denn finanziell ging es Jerry Jacobson 1989 gut. Mit einem Jahresgehalt von 70.000 Dollar verdiente er gut sechsmal so viel, wie der Polizist, der er einmal sein wollte. Aber reicher geht ja immer und man kann glaube ich sagen, dass Jerry dem Geld nicht ganz abgeneigt war. Daher ist es aber bei seiner ersten Tat verwunderlich, dass er gar nichts von dem Geld abhaben möchte.

Die Instant Win Karte, die er aus der Druckerei mitgehen lässt, schiebt er bei einer Familienfeier einfach seinem Stiefbruder zu. Weil es dieser die 25.000 Dollar abholt und nichts passiert, fängt Jerry an Blut zu lecken. Es geht zu einfach. Er weiß aber auch, die Gewinne kann er nicht selber einlösen.

Dafür braucht er andere Leute. Und wer liegt da näher als, na klar, der eigene Fleischer? Denn als der erfährt, dass Jerry für das Trocken der McDonalds Spielkarten zuständig ist, sagt er ihm Spaß, dass er gerne mal was gewinnen würde. Und gesagt, getan, Jerry lässt ihm eine Gewinnkarte zukommen und bekommt dafür 2.000 Dollar zu.

Aber gerade in dem Moment, als Jerry anfängt, sein System so richtig aufzudrehen, macht ihm 1989 ein 17-jähriger McDonalds-Mitarbeiter einen Strich durch die Rechnung. Diese Geschichte ist einfach... Die hat so viele Wendungen. Ja, und die klingt wirklich wie aus einem Film, aus einem Klamauk-Film oder aus so einem coolen Gangster-Film, ehrlich gesagt.

Ja, also eher Gangster-Film. Ich meine, wir stellen uns ja oft so ein bisschen die Frage, auf welcher Seite stehen wir? Stehen wir auf der Seite der Täter und Täterinnen oder auf der Seite der Opfer? Und es leiden schon viele Personen darunter. Und wir werden später dazu kommen, welche Personen darunter leiden und vor allem wie.

Ist es natürlich trotzdem faszinierend, wie, ja, wie der das alles durchgezogen hat. Aber deswegen, ich möchte das Ganze hier nicht verherrlichen und verklären, weil es gab am Ende auch viele, viele tausende Menschen, die darunter gelitten haben. Aber ja, Jerry muss jetzt 1989 auch erstmal so einen Schritt zurücktreten, weil sehr weit weg von ihm, im anderen Teil des Landes, ein 17-jähriger McDonalds-Mitarbeiter.

Sagen wir mal, den kleinen Jerry macht. In Wisconsin verhaftet die Polizei den jungen McDonalds-Mitarbeiter, dem vorgeworfen wird, über 3000 Spielkarten geklaut zu haben. Er soll diese von den Verpackungen abgepult haben. Bis 1989 wurden die Monopoly-Spielkarten, die von Diddlers gedruckt wurden, nämlich auf die Pommes, Burger und Getränkeverpackungen aufgeklebt.

Die meisten ohne besondere Sicherheitsvorkommnisse. Nur die wichtigen, also die hohen Geld- und Sachpreise wurden unter der Aufsicht von Jerry Jacobson angebracht. Nach diesem Vorfall werden alle Monopoly-Karten nur noch direkt am McDonalds-Tresen aus einer speziell gesicherten Box ausgegeben. Die Konsequenz für Jerry? Er ist nicht mehr für das sogenannte Seeding zuständig, also das Überwachen der besonderen Preise.

Ganze sechs Jahre bleibt McDonalds bei diesem System. Doch 1995 wollen sie noch einmal so richtig aufdrehen und kehren zu ihrem alten System zurück. Die Monopoly-Spielkarten sollen ab jetzt wirklich auf allem aufgedrückt werden, das es bei McDonalds zu kaufen gibt. Selbst auf dem Papier, mit dem Lebensmittel eingewickelt werden, landen Spielkarten.

Das heißt jetzt auch, dass Jerry wieder mittendrin und zurück im Geschäft ist. Denn die wichtigsten Gewinne im McDonalds-Monopoly-Universum können ja nicht einfach so von der Druckerei an die Verpackungshersteller geschickt werden. Die Gefahr, dass jemand die Spielkarten klaut, einfach zu hoch. Simon Marketing entwickelt also ein Konzept, das absolute Sicherheit und Vertrauen bieten sollte.

Und dass das Einfallstor für Uncle Jerrys systematische Ausnutzung wurde. Als Head of Security war Jerry Jacobson genau für diese Aufgabe zuständig. Bringe die wichtigsten Gewinnkarten von der Druckerei in die Verpackungsfabrik. Welche das war, entschied zufällig ein Computerprogramm. Danach wurden die Spielkarten mit ein paar normalen Preisen vermischt und in einem Umschlag verpackt.

Dieser wurde dann wiederum von einer anderen Person mit einem speziellen Hologrammsiegel verschlossen. Der Brief ging dann an Jerry Jacobson, der diesen in einer speziell für diesen Zweck angefertigten Jacke versteckte und unter Aufsicht einer externen Wirtschaftsprüferin zur jeweiligen Fabrik flog und die Spielkarten in die Produktion gab.

Das ist auch wie, als würde man Sicherheitsmann spielen. Ja. Aber das heißt ja, es gab jemanden in der Druckerei, der den Briefumschlag packt, der oder die das wusste. Ja. Dann gab es Jerry und dann gab es die Wirtschaftsprüferin. Es gab schon auch noch ein paar mehr Leute, ne? Ja, und dann gab es wiederum in der Fabrik Leute, die das sozusagen eingearbeitet haben in die Produktionsstrecke. Steckten die mit dem unter einer Decke? Nein.

Hm. Das war alles Jerry. Das größere Problem für Jerry war nicht die ständige Aufsicht. Irgendwann musste er mal auf die Toilette und da hatte er ein paar Minuten für sich. Nein, das größere Problem war das Hologrammsegel auf den Briefen. Um an die wichtigen Preise zu kommen, musste Jerry das ablösen und ersetzen.

An dieser Stelle der Geschichte muss man die Erzählung von Jerry Jacobson mit etwas Vorsicht lesen. Laut eigener Aussage bekam Jerry eines Tages zufällig ein Paket mit eben diesen Sicherheitsaufklebern zugeschickt. Eine Firma aus Hongkong, die die Aufkleber herstellte, habe sie angeblich an ihn geschickt.

Das ist zumindest Jerries Geschichte. Ob das stimmt, wissen wir nicht. Fakt ist aber, er besitzt diese Aufkleber und tauscht sie auf seinen Reisen aus, um an die Megagewinne ranzukommen. Weißt du, welche Geschichte mir gerade einfällt? Ein Freund von mir von früher aus der Schulzeit, der hatte irgendwann durch unerklärliche Umstände den Stempel von den Stempelkarten von McCafé hatte der irgendwann in seinem Besitz.

Und ich sag mal so, da wurde richtig einer weggestempelt und wir waren alle sehr häufig beim McCafé und haben da, ja, umsonst Dinge bekommen. Also scheinbar ist McDonalds da ein bisschen... Ich kann mir vorstellen, dass sowas auch gerne mal von Angestellten irgendwo bei Ebay oder so vertickt wird. Ja.

Wie gesagt, ich weiß wirklich nicht mehr, warum der den hatte, aber ... Ja. Deswegen, wie Jerry da rangekommen ist, ist so ein bisschen mysteriös. Es ist am Ende aber auch egal, weil er hatte diese Aufkleber. Mhm. Und er brauchte diese Aufkleber. Mhm. Jerry ist am Ziel. Er hatte Zugriff auf die heiß umworbenen 1-Million-Dollar-Spielkarten.

Aber wie schon damals mit seinem Bruder geht Jerry auch jetzt wieder behutsam vor. Die 1-Million-Dollar-Gewinnkarte lässt er nicht von einem Freund einlösen. Nein, er schickt sie an ein Krankenhaus. Das St. Jude Children's Research Hospital in Tennessee. Das Krankenhaus kann sein Glück nicht fassen. Und auch für McDonalds ist diese Meldung ein absoluter PR-Traum.

Erst nachdem die ganze Aufmerksamkeit auf dem Krankenhaus liegt, bis Jerry über seinen Fleischer-Kumpel einen Gewinn von 200.000 Dollar einlösen. Also, dass der auch erst mal so ein bisschen die Aufmerksamkeit woanders hingelenkt hat und das normalisiert hat, dass man diese Millionen Dollar gewinnen kann.

Gewieft. Gewieft. Jerry weiß ganz genau, dass das, was er hier macht, kein Kavaliersdelikt, sondern Diebstahl von beträchtlichem Ausmaß ist. Aber er wäre nicht Uncle Jerry, wenn er sich nicht selber eine Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-Freikarte basteln würde. Sollte er auffliegen, dann deckt er auf, was hinter den Kulissen bei Simon Marketing wirklich abläuft. Das ist sein Plan.

Denn Jerry bekam immer wieder mit, wie der Computer zufällig Druckereien in Kanada auswählte, die die besonderen Monopoly-Preise bekommen sollten. Doch bei Simon Marketing wollte man amerikanisch Gewinne haben und ließ das Programm noch einmal laufen und noch einmal laufen und im Zweifelsfall eben noch einmal laufen, bis man eine amerikanische Fabrik bekommen hat.

Mit diesem vermeintlichen Joker ausgestattet, fängt Jerry an, sein System groß aufzubauen. Mithilfe der fragwürdigsten Gestalten, die Atlanta und Umgebung so zu bieten hatte. Aber ich finde es auch am Anfang ein bisschen Robin Hood mäßig, also dass er dem Krankenhaus diesen Gewinn schickt. Ja, ist die Frage, ist es Robin Hood oder ist es eigentlich nur für das eigene Wohl?

Ja, am Ende war das natürlich der Anfang und das war die Vorarbeit, die hat er geleistet dafür, dass er später dann selbst daran verdient hat. Aber einem Krankenhaus jetzt einfach mal Geld so zu schenken, ist doch erst mal was Gutes. Du nimmst es von dem großen Reichen, der die Gesellschaft auf eine Art auch krank macht mit seinem Essen und gibst es dann den Leuten, die krank sind.

Ja. Ich versuche mir das noch ein bisschen schön zu reden. Nee, nee, es ist gut. Ich habe ja schon gesagt, er arbeitet jetzt mit den fragwürdigsten Gestalten zusammen, die die Umgebung so zu bieten hat. Und ich möchte dir ein paar vorstellen. Und die sind alle miteinander verwandt? Nein. Achso. Da war zum einen der Geschäftsmann Gennaro Colombo, den Jerry im November 1995 zufällig am Flughafen von Atlanta kennenlernt.

Der 32-jährige Gennaro sah nicht nur aus wie Al Capone in seinen besten Jahren, er arbeitete auch in einem ähnlichen Business, würde ich sagen. Wettgeschäfte, Casinos, Stripclubs, das waren seine Spezialitäten. Die beiden Männer freunden sich über ihre Liebe zum Geld an. Und schon bald hilft der umtriebige Gennaro Jerry dabei, Menschen zu finden, die für ihn die McDonalds-Gewinne einlösen, einen guten Teil behalten dürfen und den Rest zurück an Gennaro und Jerry schicken.

Mit dem Geld lebt Jerry jetzt ein glamouröses Leben. Er kauft sich ein wunderschönes Backsteinhaus außerhalb von Atlanta, er beginnt Oldtimer zu sammeln und auf Reisen zu gehen. Drei Jahre lang geht das gut, bis Gennaro Colombo unter mysteriösen Umständen bei einem Autounfall stirbt. Uncle Jerrys bester Vertriebler ist von einem Tag auf den anderen weg.

Aber wie schon zuvor findet Jerry Jacobson auf absolut verrückte Weise seine nächste rechte Hand. Beim Check-in zu einer Kreuzfahrt in London trifft er auf einen Geschäftsmann aus Georgia. Aus unerklärlichen Gründen erzählt ihm Jerry von seinem Job, also seinem offiziellen und seinem inoffiziellen. Und ich habe mich so gefragt, wie kannst du innerhalb kürzester Zeit so ein Vertrauen aufbauen, dass du ihm einfach sagst, ja, ich druck diese Gewinnspielkarten und übrigens, ich zocke die auch und mache damit selber Geld.

Ja, und er hatte ja scheinbar auch einen Riecher, genau diese Leute zu finden, die sich mit ihm darauf einlassen auch. Also ja, da ist schon sehr viel kriminelles Blut, würde ich sagen, was da fließt. Auch auf der anderen Seite, denn der Geschäftsmann, den er da trifft, der hat Interesse mit einzusteigen. Aber nicht direkt.

Denn mit dem Verteilen der Gewinnkarten möchte er nichts zu tun haben. Dafür hat er jemand anderes im Auge. Unseren alten Freund AJ Glomp. Einen ebenfalls gescheiterten Polizisten und verurteilten Drogenschmuggler. Dieser löst für Jerry mit einer weiteren Reihe zweifelhaften Kontakte aus früheren Zeiten einen Gewinn nach dem anderen ein.

Insgesamt achtmal eine Million Dollar gehen durch AJs Hände. Einer von den acht ist Michael Hoover. Ihr wisst schon, unser Freund aus Rhode Island, der ab Strand eingeschlafen sein will. Nach einer wilden Reise durch die 90er und 24 Millionen Dollar in eingelösten Monopoly-Preisen später sind wir also zurück im August 2001.

Das FBI hat nicht nur die Aussage von Michael Hoover auf Band, sondern auch noch eine ganze Reihe an anderen Beweisstücken, die zeigen, Uncle Jerry orchestrierte ein eingespieltes Team aus Recruitern wie AJ Klomp und Menschen, die die Preise einlösten. Am 22. August 2001 ist es also soweit. Michael Hoover, AJ Glomb sowie fünf weitere Beteiligte werden vom FBI festgenommen.

Auch Jerry Jacobson bekommt im Morgengrauen in seinem Haus in Georgia Besuch von den Beamten. An diesem Tag erfährt auch die Öffentlichkeit zum ersten Mal von dem großen Betrug. Und davon, dass niemand von ihnen all die Jahre je eine Chance hatte, die richtig großen Gewinne abzugreifen. Insgesamt 53 Personen stehen vor Gericht.

Die Anklage in allen Fällen, Verschwörung und Postbetrug, Mail Fraud. Und weil du vorhin gefragt hast, warum haben die das an McDonalds geschickt, das wird eben jetzt wichtig, weil das ist der rechtliche Kniff des FBI, die Gewinner ranzubekommen. Denn die Gewinner mussten ihre Spielkarten als Beweis an McDonalds schicken und benutzen dafür die Bundespost, um ein Verbrechen zu begehen.

Aber ihr erinnert euch vielleicht, Jerry, der jetzt verhaftet ist, hatte ja aus seiner Sicht immer noch ein Ass im Ärmel. Die Geschichte mit den kanadischen Druckereien, die angeblich nie echte Gewinnkarten bekommen sollten. Diese Story erzählt er nun auch dem FBI, sogar mit Beweisen. Und er betont, dass er ja immerhin dem Kinderkrankenhaus St.

Jude ein Gewinn geschenkt hatte. Aber nichts davon hilft. Keine Geschichte, keine Spende. Der Staat macht kurzen Prozess. Er beschlagnahmt alles, was Jerry hat. Sein Haus, seine stolze Autosammlung, alles. Und auch McDonalds reagiert in diesem August 2001. Allerdings etwas panisch, würde ich meinen. Nur wenige Tage später lösen sie den Vertrag mit Simon Marketing auf, also dem Unternehmen, das das Spiel betreut hatte und das Jerry angestellt hat.

McDonalds bittet öffentlich um eine zweite Chance. Mit dem Ziel, direkt wieder positive Schlagzeilen zu schreiben, starten sie ein neues Gewinnspiel. Diesmal allerdings anders. Es gibt keine Monopoly-Karten, keine Aufkleber. Stattdessen schickt McDonalds eine Price Patrol los. Die soll in unterschiedlichen McDonalds-Filialen Leuten einfach zufällig auf die Schulter tippen und sie so zu Gewinnern machen.

Aber ich sage mal so, Karma is a fucking bitch. Denn auch dieses Gewinnspiel wird zu einem absoluten PR-Desaster. Die 10 Millionen Dollar Gewinne, also die haben den Preis auch nochmal richtig nach oben geschraubt, gehen an einen Pizza-Hart-Mitarbeiter, einen Taco Bell-Betreiber und ausgerechnet einen ehemals obdachlosen Mann, der kurz darauf wegen häuslicher Gewalt verurteilt wird.

Alter. Ja. Wenige Wochen später, am 10. September 2001, startet der Prozess gegen Jerry und seine Handklange. Einen Tag später, am 11. September 2001, interessiert sich niemand mehr für ein manipuliertes Fastfood-Gewinnspiel. Unbeachtet von der Presse geht der Prozess natürlich trotzdem weiter. Von den 53 Angeklagten bekennen sich 46 schuldig.

A.J. Glomp, einst ganz vorne dabei beim Anwerben der falschen Gewinner, wird zu einem Jahr und einem Tag Haft verurteilt. Dazu gibt es für ihn eine saftige Geldstrafe. Er ist nicht der Einzige, der Geld zurückzahlen muss. Auch die vermeintlichen Gewinner müssen alle ihr Preisgeld zurückzahlen. Manche von ihnen zahlen die Schulden bis mindestens ins Jahr 2018 ab.

Und Jerry? Er weiß, eine Frei-aus-dem-Gefängniskarte gibt es für ihn nicht mehr. Er gesteht alles. Ja, über zwölf Jahre hatte er mehr als 60 Spielkarten gestohlen und so einen Schaden von 24 Millionen Dollar verursacht. Seine Strafe, 12,5 Millionen Dollar Geldstrafe und drei Jahre und ein Monat Haft.

Wie alle anderen zahlt Jerry auch seine Strafe danach Monat für Monat ab. In Raten von 370 Dollar. Das wird also vermutlich noch eine Weile dauern. Bevor er das Gerichtsgebäude verlässt, streckt er noch einmal die Hand aus. Und zwar zu Richard Dent, dem FBI-Agenten, dem auf die Schliche gekommen ist.

Vielleicht war es Anerkennung oder der stille Gruß eines Mannes, der selbst gern Ermittler gewesen wäre. Simon Marketing, das Unternehmen hinter dem Spiel, stürzt der Skandal ins Verderben. 98% ihres Geschäfts waren von McDonalds abhängig. Noch am selben Tag verliert die Firma an der Börse mehr Marktwert als jede andere Firma jemals an einem einzigen Tag. Ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Alle Produktionsstätten werden geschlossen. Tausende Mitarbeitende verlieren ihre Jobs. Und das, was ich meinte, sozusagen am Ende. Es gibt viele, viele, viele tausend Menschen, die unter den Handlungen von Jerry und seinen Leuten gelitten haben. Das vielleicht einzige Trost-Truster für die Firma, zwei Jahre nach dem Vorfall entscheidet ein Gericht, dass McDonalds mit dem plötzlichen Ende der Zusammenarbeit seinen Vertrag gebrochen hatte.

Simon Marketing erhält dafür eine Entschädigung von 16,6 Millionen Dollar. Ob Jerry Jacobson heute noch lebt, ist nicht bekannt. Die letzten Berichte stammen aus dem Jahr 2020. Der damals 77-Jährige lebte zurückgezogen in Georgia. Und McDonald's? 2016 beendet der Fast-Food-Konzern das Monopoly-Spiel in den USA. Nach fast 30 Jahren.

Am Ende gibt es in der ganzen Geschichte, glaube ich, nur einen Gewinne. Das St. Jude Children's Hospital in Tennessee. Denn McDonalds entscheidet, dass das Krankenhaus als einziger Gewinner mit den gestohlenen Spielkarten die Millionen Dollar behalten darf. Weil es vielleicht auch nicht so gut ankommt, wenn man krebskranken Kindern eine Million Dollar wegnimmt.

Aber das ist das Ende der Geschichte. Das war der Fall der gestohlenen McDonalds-Monopoly-Millionen und Jerry Jacobson. Wahnsinn. Der Fall ist wirklich Wahnsinn. und man durchlebt so ein, ja, ein Gefühlsbad. Am Anfang hatte ich ja noch sehr viel Verständnis beziehungsweise, ja, hab gesagt, ne, mein Gott, man nimmt es jetzt von denen, denen es eh nicht wehtut, aber was da natürlich für ein Rattenschwanz dranhängt und wie viele Leute dann am Ende wirklich die Verlierer waren und in den Ruin gestürzt wurden, so das ist natürlich ein Ausmaß, was ich am Anfang irgendwie nicht so richtig hab kommen sehen.

Und zeigt mal wieder, dass Gier ganz schön nach hinten losgehen kann. Ja, selbst wenn man denkt, es kommt nie raus, weil man seit Jahren, also das ging ja von… Sechs Jahre hast du gesagt, ne? Sechs Jahre ging sozusagen, lief das große System, aber Jerry hatte ja schon 1989 angefangen. Also sozusagen mit den kleineren Preisen.

Und ich finde es auch interessant, dass es einfach nur kleine Aufkleber brauchte, um diesen riesen Druck zu begehen. Ja. Also wie gesagt, es gibt eine Doku zu dem Fall. Ja, da habe ich noch nie von gehört. Das ist so eine irre Geschichte. Auf vielen deutschen Plattformen im Moment nicht verfügbar ist.

Es gibt in diesem ganzen Fall, es gibt noch so viele Personen und Gesichter, die ich natürlich heute alle rausgelassen habe. Vor allem so diese, die Familie von Gennaro Colombo spielt da nochmal eine große Rolle, weil man weiß nicht, wer die Person ist, die den Hinweis gegeben hat. Ach, das stimmt, die gibt es ja auch noch.

Es gibt aber Annahmen, dass es eine Person aus dem Umfeld von Gennaro Colombo ist, weil seine Witwe sich ab einem bestimmten Punkt mit der Familie zerstritten hat und dass da böses Blut war. Also es gibt so viele Familien, eben auch diese eine Familie, die da in diesem Dreieck wohnt in Georgia, die ja alle gleichzeitig gewinnen.

Also wie gesagt, es gibt noch so viele Beteiligte in dieser ganzen Geschichte, weil da stecken ja 53 Personen drin. Es gibt auch ein paar Leute, die unbewusst damit reingezogen wurden, also die wirklich gutgläubig diese Preise angenommen hatten, ohne zu wissen, dass sie ja in diesem System mit drinstecken. Das ist ja auch mies.

Und dann hast du das ausgegeben oder weißt du schon irgendwas damit gemacht und dann musst du das alles zurückzahlen das heißt auch das können wir uns merken wenn ihr jemals, denkt, hey, eigentlich kann das nicht sein, warum habe ich hier diesen Riesengewinn in meinem Briefkasten, die wurden schon persönlich angesprochen, also es war jetzt nicht so natürlich sollte da ja wieder Geld zurückkommen, das war so.

Die wussten schon, dass das dass sie dann wieder was zurückzahlen mussten. Die wussten aber nicht, dass da irgendwie jetzt Jerry Jacobson dahinter steckt oder in was sie da reingeraten sind. Man kann es vielleicht dann auch so sehen wie AJ Klomp, der in dem Podcast irgendwann so meinte, ja ganz ehrlich, wenn du einfach so aus heiterem Himmel so eine Spielkarte bekommst, mit der du eine Million Dollar gewinnen kannst, da sollte man nicht glauben, dass die auf gutem Weg zu einem kommen.

Also wenn Dinge zu schön, um wahr zu sein, scheinen, dann sind sie das meistens auch. So kann man das sehen, aber wie gesagt, ich glaube, ein paar Leute sind etwas zu gut, glaube ich, in die Sache reingeschlittert und es gab auch ein paar, die am Ende freigesprochen wurden, weil sie eben darlegen konnten, dass sie nicht mutwillig, daran beteiligt waren, aber ja. Das war die Geschichte. Alle Bilder findet ihr, wie gesagt, auf Instagram.

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Gottes Willen. Fast hätten wir's vergessen. Lilly. Mein heutiger Foodcrime sind eckige Teller. Ich weiß nicht, wer beschlossen hat, dass Teller plötzlich Ecken brauchen. In meiner Vorstellung braucht es das nicht. Und ich finde, Essen auf eckigen Tellern schmeckt auch schlechter. Das ist eine nicht wissenschaftlich belegte Tatsache, aber meiner Meinung nach sind auf eckigen Tellern zu häufig Dinge wie Eisbergsalat oder Balsamico-Essig.

Und das sind zwei Dinge, die auf Teller nicht gehören. Bei Desserts auch gerne mal so Kakao auf so eine Kante oder irgendwie so drüber gestreut, ja. Wo aber, also ein Löffel und dann Kakao drüber, das ist man quasi ein klein, richtig, das findet auch häufig auf eckigen Tellern statt. Habe ich mir noch nie drüber Gedanken gemacht, aber ja. Ja, also das ist wirklich, ich bin kurz davor eine Petition zu starten, eckige Teller aus Haushalten zu entfernen.

Am schlimmsten sind die mit den gewählten Rändern noch, diese Teller. Das würde das Ende vom perfekten Dinner bedeuten. Vielleicht, ja. Ich sag mal so, wenn jemals jemand denkt, er oder sie könnte mich zu einem Essen einladen und das Essen auf eckigen Tellern servieren. Vor allem, es geht schon gut damit los, wenn du sagst, wenn irgendjemand denkt, dass er mich überhaupt zu dem Essen einladen könnte. Ich bin eine sehr, wie sagt man, ich bin eine einfache Person. Man kann mich schnell glücklich machen.

Man kann mich aber mit eckigen Tellern auch schnell, schnell sauer machen. Ich sage einfach nein, lasst das sein. Gebt uns die guten, alten, runden Teller zurück. Und das war mein heutiger Foodcrime. Ich gehe zu 100 Prozent mit. Ich habe mir noch nie darüber Gedanken gemacht. Aber ja. Gut. Schön. Hätten wir das auch mal geklärt. Und einen Hinweis haben wir noch.

Und zwar auf unseren Live-Auftritt, der jetzt schon bald ansteht, Lilly. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Es sind jetzt noch knapp zwei Wochen. Am 29. Juni treten wir im Rahmen des Palais-Sommer in Dresden auf. Du guckst so skeptisch? Ich musste gerade überlegen, ob es wirklich nur noch zwei Wochen sind. Aber ja, du hast recht. Zweieinhalb.

Hilfe. Und das Gute ist, der Eintritt ist frei. Also ihr könnt einfach kommen, euch einen Platz suchen. 20.45 Uhr geht es los auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche in Dresden. Wir sind selbstverständlich da. Ihr vielleicht auch. Das würde uns sehr freuen. Es wird eine etwas andere Folge. Wir werden auch ein bisschen die, ja, wie würde man sagen, die erste Staffel.

Verrat noch nicht zu viel. Okay, ich verrate noch nicht zu viel. Wir haben auf jeden Fall Gäste, das können wir sagen. Und wir haben Musik. Ja. Das können wir vielleicht noch verraten. Ansonsten wird es eine besondere Folge, ja. Wir freuen uns, wenn ihr kommt. Und ansonsten hören wir uns nächste Woche wieder mit Lisa und einem Gast.

Nächste Woche ist wieder ein Gast. Ja, wir haben nächste Woche einen Gast, auf den wir uns sehr gefreut haben. Ihr kennt ihn wahrscheinlich aus dem Internet. Wenn ihr bei Instagram oder TikTok seid, dann werdet ihr, glaube ich, vielleicht nicht an ihm vorbeigekommen sein. Ja, ja, früher oder später habt ihr ihn bestimmt schon mal gesehen.

Genau. Ansonsten bis nächste Woche. Freue mich. Tschüss. Sag mir doch mal einfach, dass ich eine smarte Maus bin. Mehr will ich doch gar nicht. Okay, bist eine smarte Maus. Gut, danke. Liebes BND, falls ihr zuhört, vielleicht kann Lilly mal zum Girls Day vorbeikommen.

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