Foucault100 - Verstehen und Vertiefen· Folge 2

Wahrheit und Aufklärung

Montag, 12. Oktober 2026 · 43 min

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Shownotes

In der zweiten Folge von »Foucault100 – Verstehen und vertiefen« spricht Catherine Newmark mit dem Philosophen Frieder Vogelmann über Foucaults Verhältnis zu Vernunft, Universalismus und Eurozentrismus sowie darüber, wie Foucaults Denken unter anderem in kolonialen Kontexten an seine Grenzen stößt. Doch Wahrheit kommt nicht fertig in die Welt, sondern ist abhängig von sozialen Praktiken – und diese Einsicht macht Michel Foucaults Philosophie für postkoloniale Debatten so anschlussfähig wie brisant.

Die Bücher der Folge:

• Martin Saar, Frieder Vogelmann: Bedingungen unserer Existenz. Zur Aktualität
Michel Foucaults (suhrkamp.de/buch/bedingungen-unserer-existenz-…)

• Michel Foucault: Was ist Aufklärung? Suhrkamp Essenzen. (suhrkamp.de/buch/michel-foucault-was-ist-aufkl…)

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Foucault ist blind gegenüber den Diskursen, die in den Kolonien geführt wurden und gegenüber der Verflechtung vor allem wie die Diskurse dort und in den Metropolen in Europa zusammenhängen. Und sich verändern an beiden Orten. Ich meine, vielleicht ist dieses Jubiläum ja auch eine Chance nochmal mit so einem Podcast oder anderen Formaten zu zeigen wie interessant dieses Denken eigentlich ist wenn man eben aus dem Oberflächlichen rausgeht und tatsächlich sich die Texte noch mal anguckt.

Oder die Diskussionen, die darum geführt wurden. Am fünffzehnten Oktober neunzehnzechsundzwanzig also vor hundert Jahren wurde Michel Foucault geboren der französische Historiker- und Philosoph einer der meist gelesenen und einflussreichsten Denker der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Unter anderem hat er versucht, die Idee der Wahrheit aus ihrem jeweiligen historischen Kontext heraus zu verstehen.

Ein durchaus nicht unumstrittener Versuch! Willkommen bei Foucaulteinhundert Verstehen und vertiefen – der Podcast des Zurkampferlags anlässlich des Hunderts im Geburtstags von Michel Fouco. Mein Name ist Catherine Newmark und das hier ist jetzt die zweite von vier Podcastfolgen, in denen es um wichtige Aspekte von Fokus denken und weggeht.

Und um die Frage was wir heute damit produktiv anfangen können? Das Thema dieser Folge ist ganz grundlegend die Frage nach der Wahrheit. Daran schließt sich an das Thema von Relativismus versus Universalismus ein großes Thema der sogenannten Post-Moderne aber auch philosophisch die Frage und da natürlich dann auch kritisch die Hinterfragung einer rein eurozentrischen Weltsicht.

Mein Gesprächspartner für diese Folge ist der Philosoph Frieder Vogelmann, er ist Professor an der Universität Freiburg. zusammen mit Martin Saar hat ja gerade das Buch Bedingungen unserer Existenz zur Aktualität Michel Foucaults im Zurkampferlag veröffentlicht. Die beiden stehen mir hier in Wechselrede und Antwort.

Wie auch sein Co-Autor beschäftigt sich Frieder Vogelmann seit sehr langer Zeit mit Michel Foucault, der hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zu seinem Denken veröffentlicht. Hallo Frida, schön dass du den Weg hier ins Berliner Studio gefunden hast! Hallo Catherine freu mich! Frida wenn wir gleich einfach mit dem harten Fragen einsteigen... Foucourt gilt oft gerade seinen Gegnern als Kritiker und vielleicht sogar als Gegner ans Antipode der Aufklärung.

Stimmt das überhaupt? Und was ist aufklären müssen wir vielleicht dann auch noch klären?! Okay, wir fangen also mit den kleinen Fragen an. Ich glaube in der Tat dass Foucault kein nicht einfach als Gegner der Aufklärung bezeichnet werden kann aber sicherlich als jemand die Aufklärungen nicht unkritisch betrachtet.

und das hängt tatsächlich mit der Frage zusammen was wir unter Aufklärungsverstehen und da kann ich vielleicht ganz kurz drei Bestimmung unterscheiden, die er glaube ich macht. Es gibt einen Text von ihm der in der Tat den Titel was es Aufklärung trägt und darin besprichter. das ist jetzt auch nicht überraschend für Philosophinnen kann's Antwort auf diese Frage drei Punkte hervor, wie man Aufklärung verstehen könnte und wie Kant sie seiner Meinung nach auf unterschiedliche Weise versteht.

Das erste ist natürlich als eine Epoche also das Zeitalter der Vernunft. Kant sagt wir leben nicht in einem Zeitaltern der Vernünft aber wir leben in einem Zeitalter der Aufklärungen. ja und damit wäre ein Epochenbegriff gesetzt so dass Aufklärungs dann bedeutet ne bestimmte Zeit. Historisch ist natürlich total umstritten, wann die anfängt.

Wann sie endet. da kann man dann in die Einzelheiten gehen. Das zweite ist auch das holt Foucault aus dem Kantaufsatz raus dass Aufklärung als Praxis und Prozess beschrieben wird nämlich eine Praxis des Aufklärendes und damit ein Prozess der Aufklärungen der also in Gange sein soll mit der bekannten Formulierung von Kant, dass Aufklärung der Ausgang aus der selbstverschuldigten Unmündigkeit ist.

und da es das Prozesshafte ja schon angelegt. Und daraus macht Foucault – ich glaube, das ist sein eigener Beitrag dann drittens zieht er das zusammen und sagt Aufklärungen ist eigentlich ein bestimmtes Verhältnis zur eigenen Gegenwart. Das ist ein bisschen komplizierter Gedanke oder zumindest für mich ein kompliziertes Gedankel.

Die Selbstbezeichnung der Epoche als ein Zeitalter dieses Prozesses, der Aufklärung impliziert für ihn auch ein bestimmtes Verhältnis zu diesem Prozess und damit einen Verhältniss zur eigenen Gegenwart. Und Foucault glaubt argumentieren zu können. das kann das eigentlich als das neue dieses Zeitalters markierten Bestimmtes Verhältnis zu seiner Gegenwart so entwickeln dass eben mit Aufklärungen beschrieben wird.

Im weiteren Verlauf setzt er das eigentlich gleich mit einem kritischen Verhältnis zur eigenen Gegenwart. Das ist, glaube ich die Bestimmung der Aufklärung, die er versucht in diesem kleinen Aufsatz auf wenigen Seiten eigentlich nur rauszuarbeiten und bedeutet dass dann in der Folge dieses Verhältnisses zur Gegenwart, dieses kritische sich selbstaufklären dieser Prozess also all diese Elemente, die du erwähnt hast nicht die Epoche im Sinne des achtzenden Jahrhundert sondern Aufklärung als Praxis, als Prozess und als ein Verhältnis zur eigenen Gegenwart.

Dass das sich sozusagen weiterzieht? Also würde Foucault sich in diesem Sinne als Aufklärer verstehen? Ganz genau! Mit der Einschränkung dass sich das nicht automatisch weiter zieht. also wir erben das nicht nur weil wir später geboren sind sondern es bleibt eine Aufgabe sich in dasselbe Verhältnisse aber dann zu unserer eigenen Gegenwahr zu setzen.

Und das ist eigentlich für mich fast interessantere. zweite Teil dieses kleinen Aufsatz ist, in dem er dann detailliert beschreibt wie er sich das vorstellt. Also Foucault hat eine sehr spezifische Vorstellung davon was Kritik und ein kritisches Verhältnis zur eigenen Gegenwart ist und der ganze zweite Teil des Aufsatzes beschreibt eigentlich diese Haltung dieser Haltung der Kritik.

Willst du das vielleicht noch kurz ausführen? Wie die Verhaltung der Kritika bei Foucoult ausgearbeitet ist? Ja gerne! Für ihn ist Kritik zunächst mal, glaube ich das Hinterfragen dessen was uns notwendig erscheint. Das wäre vielleicht die allgemeinste Bestimmung. Foucault glaubt anders als Kant und da weicht er dann eben stark von ihm ab oder dreht ihn sogar um.

Dass Kritik nicht darin besteht –das wär ja jetzt Kantsmodell– die Grenzen der Vernunft zu bestimmen innerhalb der die Vernunft eigentlich nur vernünftig bleiben kann. Die berühmte Idee der Kritiktereinvernunft ist ja, der Vernunft eine Grenze zu setzen und zu sagen alles jenseits muss Spekulation bleiben.

Foucault glaubt dass man stattdessen auf diesen Grenzen experimentieren sollte mit der Überschreitung experimentieren sollte und zwar genau weil diese Grenzen nicht etwas sind, was a priori irgendwie feststeht sondern weil diese grenzen geschaffene Grenzen sind. Die Grenzen der Vernunft oder die Grenzen, die uns die Gegenwart in aller möglichen Hinsicht setzt, sind Grenzen die in den sozialen Praktiken, in denen wir leben und sterben von uns selbst geschaffen und auch verändert werden können.

Und die Vorstellung der Kritik ist in seinen Augen So würde ich das jetzt erstmal beschreiben. Die Analyse, wo werden eigentlich diese Grenzen gezogen? Wie werden sie gezogen und inwieweit sind Sie aus historischen Kämpfen hervorgegangen? Und da könnten wir natürlich ansetzen eingreifen die Grenzen auch wieder verändern.

Methodisch wenn ich das noch dazu fügen darf wird es dann etwas komplexer weil er mit diesem Doppel Methodologie von Archäologie und Genealogie beschreibt, also Archäologie sehr vereinfacht gesagt der Versuch diese Grenzen erstmal zu bestimmen als Grenzen von Rationalitäten die in unseren Praxen verkörpert sind.

Genealogy wäre dann der zweite Schritt indem man versucht zu zeigen wie diese Rationalitätsformen historisch entstanden sind, in welchen Kämpfen und was auch an unterlegenden Vorstellungen dabei auf der Strecke geblieben ist, nicht weil er glaubt man könnte diese unterlegenden Vorstellungen einfach wieder reaktivieren.

Aber weil da drin einerseits die Erkenntnis liegt es könnte anders sein und zweitens natürlich Anregungspotenzial ja? Nicht im Sinne der Wiederbelegung aber im Sinne des ach wenn das auch so denk möglich ist. vielleicht können wir daraus was machen. Jetzt hast du schon schön erklärt wo sich Foucault mit Kant trifft also wo durchaus auch die Aufklärung in seinem Selbstverständnis, wo er sie auch weiterführt.

Also in einem kritischen Gestus gegenüber der Gegenwarte und gegenüber Grenzen. Es gibt natürlich aber eine entscheidende Unterscheidung oder zumindest ist das was wir immer sofort assoziieren wenn wir eben Foucault als Aufklärungskritiker anschauen oder aufklärungsantipoten sind dass ja natürlich eine starke Kritik am Universalismus hat.

Das scheint mir es ja auch etwas von dem was man am allermeisten mit Foucoult assoziert. Universalismus-Kritiker ist und eben die Wahrheit irgendwie postmodern, destroyiert. Und wir müssen jetzt ganz... Das ist irgendwie ganz gefährlich auch. Ja brandgefährlich! Also Postmoderne is so ein Begriff um den ich mich normalerweise drum rumwinde weil ich finde ihn wahnsinnig unpräzise.

Ich würde Foucault eher als Poststrukturalisten bezeichnen Auch darüber kann man sicherlich streiten. aber der Punkt mit der Universalismus Kritik ist richtig und ich mach das mal in zwei Schritten. also Erstens noch mal zurück zu Kant. Kant will eben die Grenzen der Vernunft, wenn wir uns jetzt auf die Kritik der reinen Vernunft beschränken, bestimmen und das meint natürlich der Vernünft an sich also aller vernünftigen Wesen, die Teil haben an diesem Vermögen zu denken.

Und damit ist in der Tat eine universalistische Vorstellung schon in Anspruch genommen. Ob das für alle Aufklärer und Aufklärerin gilt in der Epoche, da müsste man sicherlich mal gucken. Aber für viele gilt das glaube ich. Dass sie versuchen allgemein gültige universell-gültige Bestimmungen zu finden.

Und Sie finden sie eben in der menschlichen Vernunft nicht in einer göttlichen Ordnung? Das ist das Spezifikum der Aufklärung! Ganz genau. Und Foucault weicht dort an entscheidender Stelle ab. der Grund, warum wir in dem Titel von Bedingungen unsere Existenz sprechen. Weil wenn man sich das bei Kant anguckt ist die Idee der Transcendentalphilosophie gebunden an die Analyse der Bedingung der Möglichkeit.

Also das ist die Transcendentalphilosophie eigentlich, eine Analyse der Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis zum Beispiel aber man kann das natürlich und nachfolgende Philosophen haben das ja ausgeweitet Bedingungen der Möglichkeiten von Sprache, von Erkennis und so weiter. Foucault ersetzt dass durch die Bedingen der Existenz oder wie wir eher sagen durch Existenzz Bedinge und das heißt die Soziomateriel konkreten Bedingon unter denen diese Aussage treffen können und nicht jene.

Oder noch genauer unter denen dieser Aussage de facto gemacht wurde, historisch irgendwo auch dokumentiert und nicht eine andere. Und seine These ist Diese Bedingungen sind viel enger als die Bedingung der Möglichkeit. Das heißt die Analyse von Existenzbedingungen ist erst mal ne viel engere Analyze als diese formalen Bedingungsmöglichkeit Und damit zeigt er, wie viel eingeschränkter wir eigentlich sind.

Also insbesondere in seinen frühen Schriften in der sogenannten archäologischen Phase hatte das eben an den verschiedenen Büchern also Geburt der Klinik oder Ordnung der Dinge durchexerziert und jeweils gezeigt dass die Diskurse eigentlich eine sehr begrenzte Möglichkeit des Sprechens nur bereitstellen.

und das nennen wir, aber ich glaube gut textlich abgesichert eine Analyse von Existenzbedingungen in dem Fall diskursiven Existenzbedingung. Daraus wird keine universalistische Analysee sondern diese Analysel zeigt viel eher dass die Aussagen die dort getroffen werden gebunden sind an eben diese Existenzwedingung an bestimmtes vorliegen von Praktiken Institutionen und so weiter, und sofort.

Das heißt in gewisser Weise liegt schon in der Methode eine Kritik des Universalismus weil die Methode selber historisch zeigt dass die vermeintlich universellen Aussagen ganz spezifisch bedingt sind. Und das ist glaube ich das was man vielleicht seine epistemische Universalismus-Kritik nennen könnte.

Die hat eben tatsächlich auch mit der Kritik der Wahrheit oder der Einschränkung von Wahrheit zu tun. Wenn man es ein bisschen technischer ausdrückt, so nennen wir das auch im Buch glaube ich, könnte man sagen wahrheitsfähige Aussagen haben eben diese soziomateriellen Existenzbedingungen. Das heißt bestimmte Aussagen können zwar getätigt werden denen können aber gar keinen Wahrheitswert also weder war noch falsch zuschreiben und damit fallen sie raus in gewisser Weise aus dem erörterbaren Diskurs.

Und erst, wenn sich die Bedingungen unter denen der Diskurs stattfindet verändern werden auch andere Aussagen wahrheitswertfähig. Ich mache vielleicht ein Beispiel... Ein Beispiel wäre gut weil das ist natürlich wissenschafts theoretisch relativ komplex. also vielleicht eine Anschaulichkeit wäre gut.

Ja also Die Geburt der Klinik versucht zu zeigen dass der Begriff von Krankheit sich massiv verändert mit der Einführung des Krankenhauses in Frankreich, Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Und was Foucault detailliert protokolliert ist nicht das neue politische Bedingungen zu automatisch einem neuen medizinischen Wissen führen und gewissermaßen diktieren welche Medizin da, welche medizinischen Erkenntnisse da gewonnen werden können.

Aber sie verändern den Raum in denen medizinische Aussagen überhaupt getätigt werden können. Sie machen bestimmte Aussagen unmöglich und andere möglich die vorher eben nicht möglich waren Und damit Versuchte zu zeigen was es eben bedeutet dass Die Wahrheitswertfähigkeit von Aussagen gebunden bleibt an Soziomaterielle Bedingungen.

In einem späteren Interview spricht er mal davon das die Wahrheit von dieser Welt ist. Sie wird in dieser Welt erzeugt. Und das ist genau derselbe Gedanke, nur etwas vereinfacht ausgedrückt. Sie hat diese Bedingung und sie kann die auch nicht abstreifen. Das halte ich für einen der spannendsten und grundlegendsten Gedanken im Werk Foucaults ehrlich gesagt.

Auch einer der schwierigsten aber auf den setzen wir auch in unserem Buch ganz massiv auf weil der scheint uns tatsächlich zu einem ziemlich anderen Art des Denkens zu führen und die Universalismuskritik wäre eine Ausprägung davon. Eine spannende Frage, die ich mir dann gelegentlich stelle. Weil wenn natürlich sozusagen mit den Foucault-Lektüren kommt man auf gewisse Themen damit eben auf Wahnsinn und Normalität, Rationalität und sozusagen Krankheit, Abweichung all diese Fragen, die er in seinen historischen Studien ja sehr genau herleitet.

Es gibt vielleicht gesellschaftliche Diskursformationen es gibt Debatten Wissenschaftszweige wo das klarer und einleuchtender einem vor Augen geführt werden kann, dass die Wahrheit historisch bedingt ist. Und an materielle Bedingungen geknüpft ist während es doch vielleicht so etwas auch wie reinere abstraktere Wissenschaftsformen gibt wie Mathematik wo das weniger einleuchend ist.

Da ist zwar auch klar, das ist ein konstruierter Kontext aber der in sich ist er irgendwie geschlossen und schlüssig. also würde man damit Foucault noch mal unterscheiden müssen zwischen Dingen, wo sich die historischen Bedingungen der Existenz gut zeigen lassen und Dinge, wo es schwieriger ist? Ich glaube man kann in zwei Richtungen gehen.

Also die eine Möglichkeit wäre in der Tat zu unterscheiden zwischen Wissenschaften, in denen diese historische Bedingung vielleicht eine kleinere Rolle spielen. Meine Neigung wäre eher in die andere Richtung zu gehen weil ich die spannender finde und sich zu fragen Ist das denn so? also gibt es gar keine Bedingungen für mathematische Wahrheiten.

Das glaube ich nämlich nicht, man könnte sich überlegen aber das sind in der Philosophie der Mathematik auch umstrittene Fragen ob es sowas wie Paradigmenwechsel auch in der Mathematic gibt. und ein Beispiel was immer wieder genannt wird wären die Formalisierungsschübe. erst bestimmte Aufschreibesysteme haben es überhaupt ermöglicht bestimmte Theoreme zu beweisen.

Insofern könnte man sagen, da gibt es Michel Serres hat schon sehr früh in diese Richtung eigentlich Forschung angestellt. also dort könnte man Überlegungen finden die zumindest andeuten dass so bedingungsfrei selbst die Mathematik nicht ist. ich glaube was man unterscheiden muss ist und das vielleicht jetzt ein philosophischer Haarspalterei aber Die geltung von formulierbaren Wahrheiten die immer auf Allgemeinheit, auf Universalität drängt.

Und die Frage unter welchen Bedingungen lassen sich diese Aussagen als wahrheitswertfähig überhaupt treffen? Also die Bedingung unter denen wir diese Geltung überhaupt erst Als Anspruch formulieren können und die glaube ich verändern sich. und deswegen aber das Das ist da kommen wir jetzt wirklich in die Untiefen der Foucault exegese und der systematischen Philosophie weil fucot dass würde ich gerne noch dazusagen, Foucault in der Tat wie du gesagt hast immer diese historischen Beispiele sehr minutiös ausfaltet.

Die philosophisch hochstufigen Thesen die da oft dahinter stecken und die werden nicht immer expliziert oder eigentlich nur sehr selten und das ist für uns glaube ich interessant weil wir sind daran interessiert hier Arbeit zu leisten. Ja, das ist das eine Problem und das andere Problem oder der andere Kontext in dem das relevant ist.

Ist natürlich dass bei unkritischer Foucault-Lektüre aber auch bei wenig kenntnisreicher Fouco-Kritik oft die Dinge sehr ineinander vermischt werden. also alles ist relativ Und das ist toll! Also ich muss mich jetzt um nichts kümmern. Das kann man affirmativ ganz naiv behaupten Oder man kann es polemisch gegen Foucot gewendet behaupte Darum ist es, glaube ich schon auch wichtig dazu unterscheiden.

Also das ist eine sehr difficile wissenschaftsteoretische Frage die für Philosophen sehr interessant ist und sich aber jetzt nicht so ganz platt auf Alltagskontexte sofort übertragen lässt. Das fände ich noch wichtig hier festzustellen. Absolut! Ich meine vielleicht ist dieses Jubiläum ja auch eine Chance nochmal mit so einem Podcast oder anderen Formaten zu zeigen, wie interessant dieses Denken eigentlich ist wenn man eben aus dem Oberflächlichen rausgeht und tatsächlich sich die Texte nochmal anguckt.

Oder die Diskussionen, die darum geführt wurden bereit es in der Tiefe mitzugehen weil ich glaube da gibt's einfach noch sehr viel zu holen. das ist nicht abgegolten und das ist eine der für mich nach wie vor spannenden Dimensionen dieses Werkes ja dass man hier eigentlich Mit und gegen Foucault weiterdenken kann.

Und nicht einfach bei diesen oberflächlichen, weil jetzt Aufklärungsgegner oder Nicht stehen bleiben muss. Das sind für mich die eigentlich am wenigsten spannenden Diskussionen. Gut ich glaube damit haben wir sind so weit gegangen wie wir können oder wie es jetzt im Rahmen dieses Podcast möglich ist in die Wissenschaftstheorie wenn man diese diese Ablehnung Abkehr vom Universalismus, sozusagen sich anschaut.

Also es gibt sie bei Foucault natürlich früh schon in der Ordnung der Dinge also dieser was man dann auch als Anti-Humanismus bezeichnet. Vorstellung, dass der Mensch eben nicht geeignet ist als Grundlage für einen Universalismus zu fungieren. Und dann gibt es aber auch im Spätwerk nochmal ein Mitblick auf die Moral.

Das ist ja ein Thema was ihr in eurem Buch auch noch mal anschaut. also das sind dann vielleicht so Bereiche wo das auch noch einmal anschaulicher ist inwiefern da Universalismus letztlich also jetzt nicht im wissenschaftliche theoretischen Sinne sondern so im ganz handfesten Sinne einer moral die wir kennen doch auch Veränderungen möglich sind, die uns zeigen, dass es nicht gleich bleibt.

Es gibt da keinen Ideenhimmel an dem alles gemessen werden kann? Ja im Bereich der Moral das ist wirklich, finde ich interessant. Ich würde gern kurz was zu sagen und dann eine Parallele zur älter anderen Kritik ziehen. also erst mal wir holen das ja vor allem aus dem zweiten Wand von Sexualität und Wahrheit raus Der Gebrauch der Lüste.

Und dort unterscheidet Foucault in der Tat, in seiner Analyse antikasexual-Moralen zwischen Moralkot wie er das nennt. Moralverhalten und Subjektivierungsweise. Also Moralkots sollen einfach ja nur die Gebote oder Verbote heißen aus denen so eine Morale besteht. Sein eines Beispiel wäre aufgreifend wäre du sollst deiner Ehefrau oder deinem Ehemann treu bleiben.

In dem Fall glaube ich eigentlich immer Ehe Frau weil es ist natürlich nur an Männer adressiert. Und dann sagt er, okay also es gibt diese Moralkurz. Die sind oft außerordentlich stabil historisch gesehen ja? Also wir kennen das Gebot nicht nur aus den antiken Sexualmoralen. Wir kennen das natürlich auch aus der christlichen Moral.

Wir können das auch noch heute in ganz unterschiedlicher Weise. Es gibt dann was er von moral verhalten nennt ist einfach nur der Abgleich. Befolgen die Leute eigentlich diese Gebote? naja eher nicht aber vielleicht versuchen sie's. Und wo darauf er aber hinaus will, ist ein drittes Element was seiner Meinung nach selten betrachtet wird.

Das nennt das subjektivierungsweise also die Frage wie konstituiert sich das Subjekt dieser Moral eigentlich? und da sagt er gibt es riesige Unterschiede zwischen beispielsweise den frügriechischen Sexualmoralen unter Christlichen treue jetzt sehr vereinfacht gesagt könnte für die grüchen bedeutet haben zu demonstrieren, dass man sich selber im Griff hat.

Dass man sich selbst gut regieren kann um damit zu zeigen das man auch geeignetes andere zu regieren. Während Treue in Christentum eine ganz andere Bedeutung bekommt. also treu im Christenturm wäre ja dann eher entweder die Gehorsam gegenüber Gott die absolut geboten ist oder vielleicht auch nimmt das die Form an einer ständigen Heimeneutik des Begehrens, ob man nicht selbst in Gedanken irgendwie übergriffig wird.

Und Foucault will auf diese Unterschiede hinaus die gewissermaßen unterhalb der gleichbleibenden Formulierung im Moralcode stattfinden. Wir finden es interessant oder ich finde das interessant weil daraus eigentlich folgt dass die auf der Oberfläche scheinbar unveränderliche moral in ihrer konkreten Bedeutung, in ihrem praktischen Vollzug sehr unterschiedlich ist und eben keineswegs so universell wie man das oft annimmt wenn man einfach nur sagt oh ja ich finde dieselbe Formulierung über zweitausend Jahre hinweg immer wieder.

Also faszinierend es ist in einer quasi allgemeingültigen Formulierungen der Moral lässt sich darunter liegend aber so viel Differenz feststellen, dass von Universalismus... Also das ist eine Art von Subversion des Universalismus. Ganz genau! Und ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen. Ich glaube es ist absolut parallel gedacht zu seiner Kritik an dem Universalismus im Wissen oder die epistemischen Universalismuskritik weil es beides läuft letztlich über eine Historisierung der Subjekte.

man findet da diesen Gedanken bei ihm schon ganz früh in den Sechziger-Siebziger Jahren das Subjekt des Wissens selbst historisiert werden muss. Und dass viele der universalismuskritischen Formulierungen, die sich auf weit beziehen untergründig eigentlich genau dieser Historisierung des Wissen-Subjekts entspringen.

und in dem Spätwerk findet man in meinen Augen einen ganz parallelen Move sozusagen wenn er hier ohne dass er das selber explizit so formuliert aber wenn ja hier eigentlich das Moralsubjekt historisiert. Die Bedeutung des Moralkurs selbst ergibt sich nur, wenn wir auf die Praktiken gucken in denen diese Subjekte sich dieser moral unterwerfen und was das konkret bedeutet in der Praxis.

Und dann sehen wir dass diese Bedeitung sich eigentlich stark verändert obwohl die Formulierung, die explizite Formulierungen scheinbar statisch ist. Das ist spannend, weil es da so eine Art von neuer Sichtweise eröffnet auf Differenzen die einem vielleicht bei einer reinen Arbeit am Begriff gar nicht auffallen.

Also das ist eben diese Analyse von historisch materiellen Quellen, die bei Foucault so stark ist. Vielleicht ist es ein guter Moment auch um überzugehen, weil wir jetzt über verschiedene Formen der Moral gesprochen haben. also auch diese Feststellung einer Differenz im Historischen gibt natürlich die Differenz im globalen Geografischen.

Ein Aspekt des Universalismus, wir assoziieren Universalismus stark mit der europäischen Aufklärung – das wird auch heute noch vor sich hergetragen als europäische Errungenschaft, die Vernunft des Menschen, die moralischen Standards und die Werte usw. Das kann man immer noch in Sonntagsreden hören ist aber natürlich sehr geschichtsblind.

Es ist vor allem sehr geographieblind. es blendet alles aus was nicht europäisch ist. Es blendet vor allem aus die Verbundenheit von Europa und der westlichen Welt mit dem gesamten restlichen Globus, teilweise in friedlichen kommerziellen Beziehungen und oft auch in sehr unfriedlichen kolonialen Beziehung.

Und wenn Foucault den Universalismus kritisiert, so findet man bei ihm viel weniger vielleicht gar nicht – und das wäre eine Kritik, die man an Foucot richten könnte – ein kritisches Eurozentrismus. Das ist ein Thema was euch ja auch beschäftigt zum Beispiel! Und ich glaube, genau aus diesen Zusammenhängen die du genannt hast.

Die universalismuskritische Stoßrichtung dieser Analyse konkret historischer Praktiken wäre ja eigentlich prädestiniert dafür mit der Verflechtungsgeschichte dieser Praktik auch den ganzen Zusammenhang zu Kolonialismus, Imperialismus und so weiter aufzudecken macht er aber nicht. Ich glaube diese Kritik muss man tatsächlich in aller Deutlichkeit dann auch aussprechen Ersten und einzigen, die das machen.

Da gibt es eine lange Tradition an Kritik aus den Post- und Dekolonialen Studien. Nicht alles davon ist vielleicht immer trifftig aber der Grundtenor stimmt. Foucault ist blind gegenüber den Diskursen, die in den Kolonien geführt wurden und gegenüber der Verflechtung vor allem wie die Diskurse dort und in den Metropolen in Europa zusammenhängen sich verändern an beiden Orten, auch gegenüber sozusagen abweichenden Stimmen gerade vielleicht in Lateinamerika oder so.

Da hat er überhaupt kein Sensorium für? Oder er hat es ausgeblendet das weiß ich nicht. dass wäre jetzt eher eine biografische Frage. warum das so ist die kann ich nicht beantworten. aber was man zeigen kann und was insbesondere ein Laura Stoller sehr schön und detailliert in ihren historischen Forschung zeigt, dass das nicht nur ein empirisches Problem ist.

Also es ist nicht nur so, dass Foucault irgendwie da eine Kleinigkeit übersieht und dann muss man das irgendwie nachtragen sondern... Und ich glaube, das hebt ihre und gibt ein paar andere Leute die ähnliche Kritik üben. Das hebt es heraus aus sozusagen dem Reihenbegritteln der hätte was nicht gemacht.

also ich meine das kann ja immer sagen keiner kann alles machen das kann man immer sagen. das ist kein Vorwurf interessant ist dass sie zeigen kann. wenn er das gemacht hätte hätte er zu anderen Ergebnissen kommen müssen. also beispielsweise zeigt sich dass diese These die Fukuya in Der Wille zum Wissen, Sexualität und Wahrheit eins aufstellt.

Also das Sexualitätsdispositiv, dass sich im Jahrhundert entwickelt bringt eine neue Form der Machtausübung hervor. Biopolitik nennt er das kurze Hand. Und in dieser Art der Macht aus Übung die eigentlich dazu da ist das Leben zu fördern anzureizen zu stärken wird es plötzlich zu einem Problem leben zunehmen ja zu töten.

Und Fukustese ist der Rassismus, den wir gleichzeitig sich entwickeln sehen. Der neue biologisch grundierte Staatsrassismus ist die Antwort auf dieses Problem weil er führt eine Unterscheidung zwischen dem was leben darf und dem was sterben muss ein, die es erlaubt älter Reformen der Macht er nennt das Souveränitätsmacht zurückzubringen in ein eigentlich neues Umfeld dass von dieser Biopolitik dominiert wird.

Uns Dollar zeigt, dass diese ganze, sowohl historische als auch eben theoretische Vorstellung nicht so zu halten ist. Sobald man die Diskurse in den Kolonien hinzunimmt und die Verflechtung mit den Diskursen in den Metropolen, weil man dann zeigen kann das diese Entwicklung des Sexualitätsdispositivs immer schon grundiert war mit rassistischen Vorstellung, dass der Rassismus also nicht erst nachträglich gewissermaßen als Möglichkeit die Souveräne macht wieder auszuüben dazu kommt sondern ein elementarer konstitutiver Bestandteil dieser Entwicklung war.

Und ich finde das deswegen interessant weil das Zeich das hier wirklich mal minutiös nachgezeichnet wird. was heißt es diese Verflechtungsgeschichte ernst zu nehmen? und das heißt eben auch, dass dann der Philosophie die sich so stark auf historisches Material stützt ihre eigenen diagnostischen Begriffe ändern muss.

Dass sie sich dort korrigieren lassen muss und deswegen finde ich diese Kritik wichtig. Nun ist Stola, da sollte man dazusagen, auch niemand der die Foucault einfach nur verwerfen will sondern sie will gerade zeigen. eigentlich hätte er methodologisch alles Rüstzeug gehabt um das zu tun. Sie kann das aufbauen und auf diesem methodologischen Rüstzeug auch machen.

Deswegen bleibt sie in gewisser Weise dieser Methode treu, zeigt aber wie man mit der Methode selber Foucault korrigieren kann – und letztlich muss es in meinen Augen. Und das ist interessant, weil es ist einerseits die Frage nach den Lücken im historischen Material. Die eben dann zu Verzerrungen in Bild führen also nicht nur aufgefüllt werden können additiv sondern tatsächlich dann so an man würde das historische Bild anders zeichnen müssen wenn man eben die Verflechtung ernst nimmt.

aber der Punkt den du jetzt noch gemacht hast zum Schluss und der scheint mir total wichtig ist dass Foucault ja eigentlich und er isst ja auch ein Denker der gerade für postkoloniale, dekoniale Denken durchaus wichtig ist. Also er hat ja methodisch doch viel zu bieten selbst wenn er selber aus welchen biografischen Gründen auch immer dieses gewisse Dinge nicht gesehen hat, blinde Flecken hatte.

seine Methode lässt sich tatsächlich auf diesen Kontext sehr gut anwenden auf Machtbeziehungen, auf Rassifizierungsbeziehung Die ganze koloniale Problematik, also da ist ja doch auch wieder einmal ein sehr fruchtbarer Autor geworden. Ja unbedingt und ich glaube wo man das schön seht wären die Bücher von Santiago Castro Gomes beispielsweise der Aufklärungsdiskurse in Lateinamerika in Neugranada im siebzehnten Jahrhundert untersucht um zu zeigen dass Aufklärung eben keine europäische Erfindung ist sondern dass auch auch die Aufklärungen diese verflechtungsgeschichtliche Dimension hat und es insofern falsch ist zu glauben, wir könnten über eine einfach europäische Aufklärung sprechen.

Nein die Verflechtungen sind so eng und es läuft auch nicht sozusagen so dass das einfach nur ein Exportprodukt ist sondern dort finden eigenständige Diskussionen statt die auch zurück übersetzt werden und Kastogomme benutzt ne Art von ja. vielleicht könnte man sagen ich glaube er spricht mal die kolonialisierter Genealogie.

Und das finde ich interessant, dass es in der Tat der Versuch auf dieser Methode aufzubauen und die Schwachstellen gewissermaßen zu beheben auch durch eigenständige Archivuntersuchungen dann. In diesem Sinne muss man ja sagen, dass die fukursche Methode der historisch eben sehr dichten Beschreibung von Bedingungen von Diskursbedingungen, von Existenzbedingung natürlich potenziell endlos ausweitbar ist.

Also wer das tatsächlich ja nicht nur sozusagen den Eurozentrismus des neunzehnten Jahrhunderts betrifft? Wir können auch die gesamte Philosophiegeschichte des Mittelalters neu schreiben. Das ist ein Thema was gerade sehr virulent ist wo viele junge Forscherinnen und Forscher gerade sehr stark an der Ausweitung arbeiten am sozusagen abwerfen des eurozentrischen Blickes letztlich.

das sind natürlich auch Sprachkompetenzen, die man dann haben muss. Es sind Materialien und Quellen, die verfügbar sein müssen. also in gewisser Weise könnte man das nicht als Vorwurf formulieren, als vorwürfenes Blindenfleck sondern so als Anregung für stets weitere Erweiterungen des historischen Materials was man ernst nimmt und was man einbezieht in die Analyse oder?

Ja Also ich finde schon, dass man auch die Kritik üben können sollte. Ich glaube, Foucault hat da was übersehen oder nicht gemacht, was er hätte machen müssen um die starken Thesen zu formulieren, die ja zum Beispiel im Bezug auf Sexualitätsdispositiv und Rassismus führt. Weil der Claim ist so stark das er eigentlich mehr sehen müsste und es ist auch nicht unsichtbar zu sein.

Genau! Und er hätte sich da auch auf andere Quellen stützen können, dies durchaus... durchaus gab, die verfügbar waren. Das finde ich sollte man schon festhalten. also weil sonst kommt man so leicht in eine Heiligsprechung sozusagen des Genies das da eigentlich alles schon methodisch vorweggenommen hat und jetzt müsste man es nur noch irgendwie umsetzen.

So ist es glaube nicht ganz aber natürlich versuchen auch wir zu zeigen dass der Kern der Methode lässt sich weiter produktiv verwenden wenn sich diese Zusammenhänge und auch die diese blinden Flecken mal klar macht und vermeidet. Und dann das wollte ich zu dem Punkt der Kompetenzen, also Sprachkompetencen oder so sagen.

Ich glaube was das auch als Frage vielleicht formulieren könnte ist die Frage der Arbeitsweise in der Philosophie weil es könnte darauf hindeuten dass philosophische Forschung in dieser Hinsicht nicht mehr das Werk von einzelnen großen Gelehrten ist, sondern dass es hier vielmehr Zusammenarbeit, vielmeher arbeitsteilige gemeinschaftliche Forschung braucht.

Weil keine einzelne all die Kompetenzen mitbringen kann, die es bräuchte um diese Forschung durchzuführen. also... Das ist für mich vielleicht auch eine der Interessanten Fragen nach dem ganzen Nachdenken über diese Methode noch mal gewesen. Ob das nicht eigentlich dazu zwingt, viel stärker über so eine Art von gemeinschaftlicher Forschung nachzudenken um das umsetzen zu können was letztlich verlangt ist wenn man diese Kritik an der Methode und dieser Weiterentwicklung der Methole mitmacht?

Interessanter Punkt! Ist wahrscheinlich richtig und trotzdem nicht so leicht umzusetzen. aber Bestimmt, es sind auch die Universitäten in gewisser Weise auf einem Weg zu einen kollektiveren Arbeiten. Das kann man sagen bei allen Verwerfungen sie sich daraus ergeben dass man Antragsprosa schreiben muss.

Vielleicht noch zum Schluss jetzt dieser Podcastfolge? Bei allem was du jetzt so schön beschrieben hast an diesem Universalismus sozusagen nicht nicht absagern Universalismus sondern sozusagen Relativierung des Universalismus durch das konkrete arbeiten am Material, das von unten kommen und eben die Kontexte sehen.

Wir haben es schon kurz erwähnt, das heißt jetzt nicht alles ist relativ und ich muss nicht mehr glauben was mir mein Lehrer sagt. Ich kann's kritisieren aber der Relativismus ist ja bei Foucault tatsächlich nicht absolut. also foucauld hat durchaus auch dass eine sehr schöne stelle die zitiert an einer in einem interview sagte zum beispiel die sexualmoral der alten griechen sei abstoßend.

also es gibt schon Kriterien, wo er sagen kann. Diese unterschiedlich ausgeprägten Moralen sind auch unterschiedlich gut. Also relativismus heißt nicht alles ist gleichermaßen gut? Nee genau das ist ein wichtiger Punkt. Gut dass wir noch mal darauf zurückkommen weil ich glaube relativismus ist insofern schwieriger Begriff weil er einerseits auf der Oberfläche ja nur suggeriert Die Dinge hängen von etwas anderem ab, also sie sind relativ zu etwas.

Und wenn man nur diese Bedeutung nimmt dann ist Foucault in der Tat ärztrelativist weil alles hängt an diesen soziomateriellen Existenzbedingungen Alles die ganze Analyse läuft darauf hinaus zu zeigen dass die Dinge bedingt sind. Es kommt halt drauf an Genau Aber mit dem Relativismusvorwurf in der Philosophie wird ja normalerweise mehr gemeint und es verbindet sich genau Mit einer zweiten These nämlich dass dann alles irgendwie gleich oder gleichwertig sein würde.

Wenn es keine absolute geltende Wahrheit gibt, dann gibt's halt gar keine Wahrheiten mehr! Das ist glaube ich ein theologischer Fehlschluss wenn man das so mal formulieren darf. Die Vorstellung Wahrheit müsste gewissermaßen souverän wie der liebe Gott über uns drohen und nur wenn wir wissen diese Anspruch entspricht, dann wäre es überhaupt als Wissen oder als Wahrheit zu bezeichnen.

Das ist ein vielfach attackiertes Missverständnis das sich in der Philosophie leider immer noch sehr häufig findet und ich finde es interessant dass man ganz unterschiedliche Traditionen zitieren könnte die alle eigentlich sich gegen diesen Fehlschluss wenden also von Adorno der das tatsächlich in diesen theologischen Begriffen kritisiert In seiner Vorlesung zur Erkenntnistheorie in den fünftiger Jahren bis hin zu Donna Harway, die von dem Gott Trick spricht.

Ja also auch sozusagen diese parallele zunehmend theologischen Figur zieht. aber man findet das auch in der analytischen Philosophie beispielsweise ja wo das kritisiert wird dass sozusagen aus aus dem fehlende Absoluten geltungen sofort auf eine Gleichgültigkeit geschlossen wird. Das ist einfach kein gültiger Schluss.

Ich glaube aber, das ist wichtig um Relativismus zu einem Vorwurf zu machen und jetzt kann man dann unterschiedlich damit umgehen. Jetzt könnte man entweder versuchen zu sagen na gut dann müssen wir den Relativismusbegriff rehabilitieren sozusagen in einer dünneren Fassung als eben nur in der Bedeutung.

dieses ist es abhängig von. Das scheint mir ehrlich gesagt wenig aussichtsreich. ich glaube der vorwurf ist so fest verankert dass wir eher die Neigung haben zu sagen Foucault ist insofern kein Relativist, als mit diesem Vorwurf eben immer beides gemeint ist relativ zu und gleichermaßen gültig oder alles ist gleichgültig.

Insofern er Letzteres nicht mitmacht, bezeichnen wir ihn eher nicht als Relativisten sondern als einen kritischen und ich würde dazu sagen materialistisch-kritischen Denker von Wahrheit weil das ist doch der Kern der Idee. Wahrheit Dieser Welt, wie er sagt soll heißen. Wahrheit kommt eben nicht auf irgendeine allgemeinen Geltungsdimension oder so in unsere Welt sondern ist abhängig von den sozialen Praktiken in denen wir leben und das scheint mir eine materialistische Analyse nach sich zu ziehen.

Wenn man jetzt einen Handbewegung gefolgt ist die Wahrheit Kommt eben nicht von oben Sondern von unten wenn ich das mal so interpretieren darf. und damit haben wird doch Jetzt auch Die Frage Nach der Wahrheit Ein für allemal geklärt. Wir werden nochmals miteinander sprechen, für eine weitere Folge von Foucault-Einhundert aber ich glaube bis hierhin haben wir doch mal die großen Fragen geklärt.

Danke dir Frieda für diese Einsichten! Ja danke Kerstin Und wer jetzt eben selber weiterlesen will dem sei das Buch von Martin Saundfrieder Vogelmann ans Herz gelegt dass gerade im Surgkampverlag erschien ist. es heißt Bedingungen unserer Existenz. zur Aktualität Michel Foucoes. Bei SurgKampf gibt's natürlich auch alle Werke von Foucault selber in guten deutschen Übersetzungen.

und wer eben eher mit Häppchen beginnen will, wie das ja neuerdings vielleicht auch der einfache Weg ist. Da gibt es die neue hübsche kleinere Reihe namens Essenzen große Denker im kleinen Format. davon sind auch vier Bände Fouco-Gewidmet und Frieda Vogelmann hat den Text schon erwähnt, den ich heute empfehlen will.

was ist Aufklärung? heißt er ein schöner komplexer Text im kurzen Snackable Format? Mein Name ist Catherine Newmark, danke fürs Zuhören. Wenn euch der Podcast gefällt, empfiehlt ihn doch gerne weiter!

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