
Foucault100 - Verstehen und Vertiefen· Folge 1
Wer war Michel Foucault – Leben und Denken
Montag, 12. Oktober 2026 · 46 min
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Shownotes
Wie hat Michel Foucault eigentlich gedacht? In der ersten Folge von »Foucault100 –
Verstehen und vertiefen« spricht Catherine Newmark mit dem Sozialphilosophen Martin
Saar über Foucaults Biographie, seinen ungewöhnlichen Denkstil und die Frage, was
Philosophie bei ihm bedeutet.
Foucault interessiert sich für nichts mehr als für Bedingungen. Er steht für eine
Philosophie, die mit Kontrast und Provokation arbeitet und dabei unbequeme Fragen
stellt: Ist die Institution, die korrigieren soll, nicht selbst Teil des Problems?
Die Bücher der Folge:
• Martin Saar, Frieder Vogelmann: Bedingungen unserer Existenz. Zur Aktualität
Michel Foucaults (suhrkamp.de/buch/bedingungen-unserer-existenz-…)
• Michel Foucault: Dies ist keine Pfeife. Suhrkamp Essenzen. (suhrkamp.de/buch/michel-foucault-dies-ist-kein…)
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Michel Foucault interessiert sich eigentlich für nichts mehr als für Bedingungen. Aber es sind nicht die Bedingung der Möglichkeit von etwas, d.h., die Bedingungen von etwas abstraktem wie Erkenntnis überhaupt – das war die große kantische Frage – sondern es ist die Frage nach den Bedinglungen von ganz spezifischen Existenzen oder Entitäten.
Es ist auch eine Philosophie die mit dem Kontrast und der Provokation arbeitet. Die Geschichtsschreibung sollen auch bestimmte lieb gewonnene Vorurteile über uns selbst erschüttern, indem sie konfrontiert werden mit Beschreibungen, die weniger schweichelhaft sind.". Vor hundert Jahren am fünfzehnten Oktober nineteen sechsundzwanzig wurde Michelle Foucault geboren ganz ohne jeden Zweifel einer der einflussreichsten Denker des zwanzigsten Jahrhunderts und jemand, der auch in aktuellen gesellschaftlichen und politischen Debatten immer wieder genannt wird.
Und angerufen wird sei es positiv zum Beispiel als bedeutender Analyptiker der Macht oder aber negativ und polemisch als Urvater eines fehlgeleiteten postfaktischen Geistes um zwei Beispiele zu nennen. nicht alle die Foucault für etwas positiver einahmen oder ihn kritisch verantwortlich machen für etwas haben ihn auch sorgfältig gelesen und das ist ja auch gar nicht so einfach.
Darum willkommen bei FUKO-Einhundert. Verstehen und vertiefen. der Podcast des Soerkampfverlags anlässlich des Hunderts im Geburtstags von Michel Fouko. Mein Name ist Catherine Newmark. Ich freue mich, diese kleine Podcast-Serie zu präsentieren! Es gibt insgesamt vier Folgen und in jeder Beleuchtung werden wir einen wichtigen Aspekt von Foucaults denken.
Meine Gesprächspartner sind dabei jeweils im Wechsel die beiden Fouco-Spezialisten Martin Saar und Frieda Vogelmann. Sie haben gerade gemeinsam ein neues Buch über Michel Foucault im Zurkampferlag veröffentlicht – es heißt Bedingungen unserer Existenz zur Aktualität Michel Fougaults. Und es ist nicht nur eine gute Einführung in das Werk von Foucault, sondern auch ein sehr schöner Versuch, Foucoult für gegenwärtige Debatten und Problemlagen nochmals neu fruchtbar zu machen.
In dieser einführenden ersten Folge soll es um Foucus leben und Werk gehen – um so ein paar Basics und vor allem auch um seine Denkmethode was ihn besonders macht! Dazu begrüße ich jetzt Martin Saar, er ist Professor für Sozialphilosophie an der Goethe Universität Frankfurt. Er ist jemand, der sich seit mehr als zwanzig Jahren intensiv mit Foucault befasst und ihr sehr gut kennt.
Hallo Martin! Schön dass wir wieder mal die Gelegenheit finden über Foucout zu reden. Ja hallo euch freu mich. Martin ich weiß es ist ein hundertser Geburtstag. das sind natürlich Jubel-Tärke immer gute Anlässe um Bücher zu schreiben aber das ist ja nicht der einzige Anlass. warum jetzt dieses Buch? Warum?
Jetzt nach vielen jahren wo du dich mit FOUCOUT beschäftigt hast aber eben auch mit vielen anderen Themen kommst du noch einmal zurück zu diesem Denker. was macht ihn so aktuell? Mein Co-Autor Frieder Vogelmann und ich hatten einen geteilten Eindruck, dass Foucault auf eine bisschen bizarre Weise ganz präsent und ganz unthematisiert ist.
Ganz präsend ist er weil er tatsächlich einer der einflussreichsten Denker des zwanzigsten Jahrhunderts ist, der hinein wirkt in fast alle akademischen humanwissenschaftlichen Disziplinen. Der Gegenwart klassifiziert es könnte man sagen im Kanon längst angekommen. Die Studierenden werden damit konfrontiert auf der ganzen Welt.
Und gleichzeitig ist eigentlich keine Grundsatzdebatte mehr, um Foucault zurzeit zumindest in philosophischen Kreisen aus denen wir ja kommen gerade virulent. und wir wollten diese seltsame Doppelheit absolute Popularität eingeführt hat was sogar schon über Popularität einerseits und andererseits dieses seltsam vorausgesetzt sein, aber nicht mehr Streitpunkt sein.
Außer in diesen auch von dir schon angesprochenen polemischen ja so zeitbezogenen Diskussionen. Das wollten wir näher beleuchten und wollten für uns selber. Und Frieda hat wie ich auch eine lange Geschichte an so ernsthafter systematische Auseinandersetzung mit Foucault hinter sich. Wir wollten das noch mal klären.
wieso? wir sagen dieser Denker ist zu Recht so einflussreich wie er ist vor allem Disziplin prägender Hinsicht, aber es gibt hier auch ein Unabgegoldenes und immer noch gültiges philosophisches Potenzial dieser Art von Philosophie. Und unser Buch versucht so ein bisschen diese Aktualität zu beschreiben vor dem Untergrund dessen das sehr viel von Foucault sehr bekannt, sehr gut ediert sozusagen auch gut verwaltet wird.
Idee, unser Vorschlag der gar nicht so originelles aber ein bisschen anknüpft auch an Debatten der achtziger Jahre lautet. Es ist eine spezifische philosophische Denkweise. es ist gar keine Theorie die bestimmte Dinge etabliert hat Wahrheiten Erkenntnisse oder gar historische Thesen für immer festgeklopft hat sondern das ist ne bestimmte Reflexions- oder Problematisierungsform und die wollen wir in diesem Buch nochmal prägnant darstellen, aber auch als eine die sozusagen übernehmbar oder aktualisierbar oder praktizierbar ist profilieren.
Ja sehr einleuchtend also. eine Denkweise sagst du, eine Denkmethode vielleicht auch das musst du gleich noch näher erläutern. es ist ja auch so dass euer buch tatsächlich auch Themen beinhaltet die gar nicht unbedingt zentral mit Foucault assoziiert werden. also zumindest also ihr geht auf aktuelle Themen ein, nicht nur den historischen Foucault versucht ihr zu verstehen.
Sondern auch tatsächlich das Potenzial seines Denkens für heute. aber vielleicht müssen wir noch bevor wir wirklich auf die Art und Weise des Denkenseingehen einfach mal kurz über die Person reden. ich weiß dass es gar nicht der Fokus eures Buches ist. keine Biografie steigt auch nicht biografisch sein dabei.
so ein paar Eckdaten sollten wir doch machen. jetzt immerhin hundertstag Geburtstag Fouco. was ist das für eine Herkunft? Was ist es für ne Biographie? kannst du da so in wenigen Setzen skizzieren? Es ist, wie du zurecht sagst nicht Fokus unseres Buchs und es auch eigentlich gut dokumentiert. Und die hervorragende Biografie von Didier Erebonne ist auch dieses Jahr nochmal in Neuauflage erschienen.
da steht das alles auf ein paar Hundertzeiten Alles was man wissen will aber trotzdem. es ist auch wichtig weil sich auch dieses philosophische Leben Eigentlich als besonders faszinierend darstellt Weil FICO ist nicht nur ein eifersreicher Denkerphilosoph, Akademiker Professor gewesen sondern auch jemand mit einem ziemlich wechselhaften und faszinierende Leben.
Daher vielleicht nur mal ein paar Eckdaten, er stammt aus dem Provinzburgertum der Vater-Wahrarzt in Poitiers. Er hat dann die klassische bildungsbürgerliche Karriere durchlaufen, hat in der Provinze das Gymnasium besucht, wollte aber auf die École Normale Supérieure, hat es im ersten Anlauf nicht geschafft – ne erste Knick!
In der Bildungsgeschichte hat es dann im zweiten Anlauf über eine Pariser Vorbereitungsklasse geschafft, war dann an der ENS hat sich für vieles interessiert im Bereich der geisteten Sozialwissenschaften. Hat Abschlüsse gemacht in Philosophie und Psychologie Und ein vertieften Abschluss nochmal mit einer Arbeit über Kant- und Hegel also ganz im Dunstkreis von der französischen Schulphilosophie die sehr stark damals auch an der deutschen klassischen Philosophien orientiert war.
er hat dann begonnen zu promovieren, hat aber ein bisschen ungewöhnlich für die Generation Auslandsaufenthalte dazwischen geschoben. Es wirkt fast so ein bisschen rastlos und war unter anderem in Warschau dann in Hamburg und auch der zwischen längere Zeit in Uppsala und hat dort eher kulturpolitische Funktionen erfüllt.
das war an Institutionen wie dem Assythie Français zum Beispiel in Hamburg. Und das war eine Möglichkeit für junge Nachwuchsakademiker sozusagen im Staatsdienst, im Ausland sich bestimmte Meriten zu verdienen um dann zurückzukehren und eine akademische Karriere zu machen. aber Fuku hatte enormes Interesse auch an diesen nicht akademischen Kontexten auch an den anderen Ländern und alle diese Aufenthalte haben auch in seinem Werk relativ deutliche Spuren hinterlassen.
In Uppsala hat er an der dortigen Universitätsbibliothek ein wichtiges Archiv genutzt, das sich mit der Geschichte der Psychiatrie auseinandersetzt. Und er hat dort begonnen, ein großes Werk zu schreiben und dann später sein erstes berühmtes Buch wurde – das aber technisch gesprochen die Dissertation war -, dass als Wahnsinn- und Gesellschaft übersetzt ist.
Ein Buch, das irgendwie Philosophie ist, irgendwie auch Gar nicht. Eine Art Wissenschaftsgeschichte der Unterscheidung von Nunft und Unvernunft in der europäischen Moderne mit dem starken Anspruch hier etwas zu analysieren, was für die Moderne und ihr Selbstbild und auch das moderne Denken absolut konstitutiv ist aber als sein Gegenbild im gewissen Sinne.
Das moderne Subjekt denkt sich als gesund vernünftig transparent selbstreflexiv und Fokur behauptet, das konnte nur gelingen. Weil es immer auch etwas gab was das andere der Vernunft war. Und er versucht nachzuzeichnen wie dieses andere der vernünft unterschiedliche Figuren unterschiedliche gestalten angenommen hatte.
und Er versucht sowas wie die Vorgeschichte des modernen rationalen Selbstverständnisses aufzufinden und wühlt sich dabei durch Akten und historische Dokumente Die gar nicht mal nur philosophisch sind sondern auch die gesamte Institutionengeschichte, der Hopspitalisierung. Der Asyl, der sogenannten Irrenhäuser betrifft und die unterschiedlichen sozialen Praktiken benennen, indem man die, die als nicht vernünftig galten behandelt hat.
Und damit wird Foucault schon als junger Mann ein origineller Akademiker, der auch so zwischen den Disziplinen steht. Es wird wahrgenommen was er tut von einflussreichen berühmten Lehrern Akademischen Bezugspersonen, Duemisil, Congaillam und Althusser. Absolut damals einflussreiche Akademikaprofessoren sehen hier diesen hoch begabten, früh begabnten junge Akademiker, sehen aber auch wie ökonomklastisch er vorgeht weil er sich weder an die Regeln der Philosophie Geschichte noch an die der Wissenschaftsgeschichte hält sondern selber eine ganz eigene man könnte sagen hybride Methodologie entwirft und praktiziert.
in diesem Buch Spanne, du hast jetzt schon all diese Elemente erwähnt. Es ist eine Geschichte, es ist eine Wissenschaftsgeschichte aber sie hat eben auch ein großes Einsatzgebiet für die Philosophie weil das tatsächlich auch die Frage der Rationalität geht. Das ist das erste große Werk Die erste vielleicht auch Werkphase das musst Du vielleicht auch dann noch gleich erklären und erteilte Foucault doch in verschiedene Werkphasen.
Aber erst mal, wir kommen zurück nach Frankreich. Irgendwann hört das rastlose Leben auf, Foucault kehrt zurück, verteidigt diese Dissertation und dann wird er so ungefähr das was wir vielleicht als Assistenzprofessor heute nennen würden für Psychologie an der Universität von Clémor-Farrant. Das heißt auch eher in der Provinz Er unterrichtet ist auch eher als Nicht-Philosoph aktiv, sondern unterrichte auch, wenn man so will, klassischer, auch experimentelle Psychologie.
Unterrichtet aber auch genau an der Schnittstelle zwischen Psychologie, Psychopathologie und Philosophie. Er liest begeistert unter anderem Jaspers und Binzwanger. Das heißt auch selber die von Heidegger beeinflussten quasi psychologischen, quasi psychiatroschen Theorien und führt aber nebenher auch Archivstudien durch, die sich sehr stark mit der Philosophiegeschichte befassen.
Über dir aber wenig schreibt. Er schreibt berühmte – fast sogar schon legendäre – Essays zur Literatur interessiert sich für Blanchot und Partei so die großen Subversionsgestalten, wenn man sie will, spätes Echo auch der surrealistischen Thematisierung- und Literaturgeschichten und sozusagen auch essayistisch aktiv.
Kürzere Veröffentlichungen befassen sich auch mit dem Strukturalismus und der strukturalistischen Methode. Und er wird vor allem durch ein paar spätere Publikationen dem Strukturalismus gewissermaßen zugeordnet als jemand, der eine ähnliche Art einer formalen Darstellungs- oder Analyseform wählt. Der große Durchbruch kommt mit dem Buch, das neunzehnt sechsensechzig erscheint.
Lemoy Leschos auf Deutsch die Ordnung der Dinge angeblichen Titel den er selber autorisiert hat für die deutsche Übersetzung und dieses Buch wird ein philosophischer Bestseller und macht diesen eher unbekannten Provinzprofessor, der in der Zeit übrigens kurz noch einen Auslandsaufenthalt in Tunis in Tunesien absolviert hatte also eine bestimmte akademische Station.
auch dort hat er Psychologie, aber vor allem Philosophie unterrichtet. Und mit diesem Buch wird er legendär, aber auch berüchtigt. Weil viele sehen in diesem Buch... Da könnte man jetzt in den Details gehen und das tun wir an der Stelle noch nicht. In dem Buch versucht er auch die moderne, das Wissen der Moderne auf eine bestimmte Weise zu analysieren, die ungewöhnlich ist weil er versucht, bestimmte Epochen etappen des modernen Denkens auf bestimmte formale Begriffe zu bringen und sie als einen Diskurs zu analysieren, das heißt eine regelhafte Art des Sprechens und des Denkens.
Und weniger über die Themen, weniger über Ideen und weniger über großen Autoren und Texte zu verstehen. Damit ist Foucault – wenn man so will – als Akademiker, als Philosoph gemacht. Es gibt Polemiken, es gibt klassische Philosophien die sagen diese neue Theorie zerstört alles was wir wollen. Nämlich die Vernunft und das richtige moderne Selbstverständnis.
Jean-Paul Zartre schaltet sich ein und sagt mit diesem Buch ist das letzte Bollwerk der Bourgeoisie errichtet gegen, gesagt sie ist kritische Denken. Und Boko selber sieht sich diesen Polemik ausgesetzt. Er fühlt sich missverstanden Und entwickelt danach eine enorm, einflussreiche kontinuierliche Schreib- und Publikationsform in der er in immer wieder neuen Anläufen seinen eigenen Vorschlag einer Theorie, Theoretisierung, Analyse und auch historischen Durcharbeitung der Moderne beginnt.
Und dann auch weiterführt in immer neuen methodischen Anläufen manchmal mit einem bestimmten Wechsel des theoretischen und methodischen Vokabulars. Dann kommt, jetzt biografisch gesprochen, in den Mai ist er noch in Tunis. Er kommt aber im Sommer zurück und schaltet sich ein bisschen ein. Ist aber nicht besonders aktiv, ist aber dann anderthalb Jahre lang an der Reform-Universität Wassen als Leiter des Philosophie Departments aktiv und damit – wenn man so will – am institutionellen Ausläufer der Studierendenbewegung.
Das ist damals auch in der Philosophies sehr stark durch. Linkstheoretische Orientierung, also stark Marxistische Prägung charakterisiert war. Und in der Beografie wird er Professor am Collège de France, der prestigetreichsten akademischen Institutionen Frankreichs mitten in Paris – allerdings eine Position, in der man vor allem zu einem großen öffentlichen Publikum spricht Das heißt, keine im engeren Sinn eigenen Doktoranden oder Seminare oder Studierenden hat.
Sondern einmal im Jahr eine große Vorlesung gibt daneben kleinere Seminaren aber eher in der Öffentlichkeit steht als Intellektueller die höchste Ehre im akademischen System Frankreichs. Aber es ist keine klassische leer- oder professionale Position und das passt in gewisser Weise auch den Foucault wird So hast du es schon erwähnt.
Er war auch schon früh unruhig, rastloser Wanderender international. aber das wird dann gerade die Siebziger und Achtziger Jahre stark prägen dass er sehr stark in die Öffentlichkeit geht als Aktivist natürlich ein ungeheuer breites internationales Netzwerkspand was für einen französischen Intellektuellen gar nicht so üblich ist.
also er ist in einer Art und Weise als Philosophin der Öffentlichkeit wie ganz wenige Und auch das ist eine Innovation der Siebzigerjahre. Seit den frühen Sebzigern engagiert er sich sowohl lokal in Paris, in verschiedenen oft damals quasi von heute aus gesehen linksradikalen Kontexten. Das Wichtigste ist ne aktivistische, könnte fast sagen militante Gruppe ringsum die Frage der Gefängnisse, der Rechepfängnisreform und der Gefägnisrevolten in der Co.
mit vielen anderen wichtigen Intellektuellen seiner Zeit, aber auch mit seinem Lebensgefährten über viele Jahre der Leerlte Fair enorm praktisch aktiv ist – publizistisch über Pressekonferenzen und ganz praktische Interventionen. Und gleichzeitig, du hast es angesprochen, ist eher international vernetzt aktiv, lässt sich einladen und setzt sich vor Ort jeweils politischen und sozialen Kämpfen der jeweiligen Orte auseinander.
Brasilien ist ein gutes Beispiel, aber auch in den USA vernetzt er sich mit – in diesem Fall auch – Gefängnisaktivisten, aber aus linken anderen Basisgruppen interessiert sich für die auch in dieser Zeit ja sich intensivierende Schulen- und Lesbenbewegung und ist hier aktiv an allen möglichen Fronten wo es um die Abwehr bestimmter repressiv als sexualpolitischer Arrangements und Institutionalisierungen geht.
Und er ist für viele, viele Milieus auch in den anderen europäischen Ländern z.B., in Italien zum Deutschland ein bisschen weniger ein wichtiger Bezugspunkt. uns sagen Gesprächspartner für radikale auch gesellschaftskritische Initiativen immer irgendwie leicht neben den eher orthodoxen marxistischen Bezügen hat eine große Distanz orthodoxeren, maxistischen Parteien und Organisationen.
Obwohl er in Frankreich eine Zeit lang mal relativ nah an bestimmten eher Maoistisch orientierten Organisationen war aber hat sich eigentlich immer eine Art von Freiheit und Spiel- und Beinfreiheit erhalten. Er unterstützt aber kritische transformatorische eminzipatorische Bewegungen in vielen, vielen Kontexten Und ist auch enorm aktiv und auch öffentlichkeitswirksam mit aufrufen, unterschriften Listen und Artikeln die auch alle möglichen sozialen Missstände skandalisieren.
So dass er im Verlauf der siebziger Jahre zu einem sehr wichtigen politischen Intellektuellen öffentlichen intellektuell in Frankreichs wird obwohl er selber polemisiert gegen die Idee einer Allzuständigkeit der bürgerlichen Intellektuelle und sagt er will lieber ein spezifischer Intellektueller wie er es nennt sein.
Aber das ist eine Polemik gegen Sartre, oder? Gegen Sartres. Aber auch gegen die bürgerlicheren Kollegen, die sich aus dem sicheren Lehnstuhl der Professuren für Soziologie- oder Politikwissenschaft glauben, für bestimmte Dinge zuständig erklären zu können. Er sagt ich kenne mich bei bestimmten Dingen aus und dort bringe ich mein Wissen meiner Expertise ein.
aber letztlich müssen die Leute selber entscheiden und wissen selber was sie tun. In einem gewissen Sinn ein Beiträger und keine Autorität. Und er polimisiert damit auch gegen gewissermaßen altes Ideal des elitären Wissens der Eliten, die sozusagen das unaufgeklärte Volk aufklären können. Da gibt es eher so eine Art populärer engagierte Vorstellung von Intellektuellentum und Partizipationen.
Ja, spannend. Also das durchaus auch immer eine Debatte bei den engagierten Intellektuellen. wieder ist es engagierte Intellektuelle. Tum zu fassen ist was man damit macht. auf spätphase und frühen tote gehen wir vielleicht später noch ein. tatsächlich jetzt haben wir schon den bogen gemacht eines intellektuellen anfangs und einer glänzenden intellektuelle karriere einer öffentlich wirksam karrieren.
vielleicht ist es ein guter moment nochmal von den beiden büchern die du schon erwähnt hast also die wahnsinnung gesellschaft und dann eben die ordnung der dinge die beiden ersten großen bücher den Bogen weiterzuschlagen und die verschiedenen Werkphasenfokus mal zu beschreiben. Es kommen ja dann ganz viele weitere, auch sehr wichtige und sehr viel geliesene Werke.
das was natürlich vielleicht die allermeisten dann auch kennen ist neben der Archäologie des Wissens und der Ordnung des Diskurses dann vor allem überwachen und strafen und die Geschichte der Sexualität, Istoidala-Sexualität oder Sexualität und Wahrheit. das sind so die großen Werke. Kannst du es man traditioneller Weise Teilt die Foucaultforschung, die in verschiedene Werkphasen ein.
Macht das für euch Sinn oder für dich Sinn? Und was sind diese Phasen? einfach damit wir so das Bild noch mal haben? Im Buch polemisieren wir an einer Stelle so bisschen gegen diese schönen Schubladen aber die Schubladen sind als solche auch nicht ganz unhilfreich. und man unterscheidet einen Frühwerk bis zu den frühen sechziger Jahren von dem Werk der Sechzigerjahre, dass man mit dem Methodentitel den er selber nicht erfunden aber gewählt hat.
Der Archäologie eher auf bestimmte Fragen des Wissens und der Ordnung von epistemischen Ordnungen oder Diskursen hin zusammenfasst. Man unterscheidet davon die von ihm auch manchmal so benannte genealogische Phase das Wort Genealogie ist von Nietzsche auch nicht erfundene terminologisch eingeführt für eine machttheoretische, machtanalytische historisierende Perspektive.
Und man kann sehen das Foucault vom Anfang der Siebzigerjahre bis zum Ende des Siebzeigerjahren ungefähr mit diesem Fokus der Fragen nach der Macht und dem Subjekt operiert. Man sieht aber auch, dass er am Ende der Siebenziger Jahre – das ist sozusagen mittendrin in der Lehrtätigkeit am Collège de France In den ganz späten siebziger Jahren, den Fokus etwas verändert.
Verschiebt sich auch neue historische Gegenstände sucht. er beschäftigt sich sehr stark mit der griechischen Antike und versucht dort bestimmte Selbstgestaltungstechniken gewissermaßen ethische Fragen zu bearbeiten. und deswegen grenzt mal diese vierte Phase nochmal ab als die der Ethik oder des Spätwerks oder in der die fragen nach Subjektivität selbst Gestaltungen oder auch ein für ihn wichtiger Begriff Ästhetik der Existenz im Vordergrund stehen.
Und diese Einteilung ist ganz plausibel, also es gibt diese Frühphase in der auch noch Prägungen zum Beispiel seitens der Phänologie sehr stark sind und in der die Nähe zum Strukturalismus auf eine bestimmte Art noch dominant sind. dann gibt es diese erste frühe Phase sechziger Jahre in der er seine ganz eigene Stimme Profil gewinnt als jemand, der auf eine bestimmte Weise historische Fragen in philosophischer und formaler Hinsicht stellt.
Das ist das was hier mit dem Begriff der Archäologie benannt ist. dann diese Phase der siebziger Jahre Genealogie Machtanalyse, Machtanalytik Und die später eher ethischer oder selbst theoretisch Faser. und wir beharren in dem Buch nur ein bisschen darauf dass wir eigentlich den, das was wir den Denkstil nennen oder dem Zugang in allen Phasen schon sehen.
Vielleicht nicht in den allerersten Schriften die vielleicht noch ein bisschen abhängiger sind von bestimmten auch Referenzen Bezugstheorien? Ab da! Ab dem Moment hat Demfokot in eigener Stimme spricht, ab den frühen Sechzigerjahren denkt er über die Gegenstände, über die er spricht auf eine bestimmte Weise nach und wir würden sagen Mehr oder minder bis zum Ende ähnlich.
Und das ist jetzt der große Moment, wo du mir erklärst was für euch das Charakteristikum dieser Fukushima Denkmethode oder dieses Denkstil ist, dass sich durchzieht? Du hast dafür einen vielleicht etwas sperrigen aber doch auch sehr anschaulichen Begriff Bedingungen der Existenz-Bedingung. Was ist das?
Ja ich bin auch hin und her gerissen ob ich den Titel für besonders sperrig oder besonders eingängig halten soll. zurzeit würde ich eher denken, vielleicht ist er ein bisschen sperriger als wir uns das gewünscht hätten. Das Wort den Begriff Existenzbedingungen verwendet er selber ein paar mal gar nicht so oft.
Nietzsche hat es verwendete und geprägt und er war ein wichtiger Bezugautor für Foucault. Und dahinter steckt eine kleine Polemik gegen die Transcendentalphilosophie oder Gegenkant und die Idee dass Philosophie die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis oder anderem auf Fände oder suchen sollte. Und wir sagen, auch Foucault interessiert sich für Bedingungen.
Sein Freund und Weggefährte Gilles Deleuze hat mal gesagt, Michel Foucot interessiert es sich eigentlich für nichts mehr als für Bendingungen. Es sind nicht die Bedingung der Möglichkeit von etwas das heißt die Bdingung von etwas abstraktem wie Erkenntnes überhaupt Das war die große kantische Frage, sondern es ist die Frage nach den Bedingungen von ganz spezifischen Existenzen oder Entitäten.
Das heißt er hat nicht nur gefragt wie konnte man die Idee des Wahnsinns der Unvernunft oder der Psychopathologie formen in der europäischen Moderne? Er hat gefragt Wie konnte man ganz speziefische Subjekte als verrückt oder irregalten eigentlich hervorbringen? und die Antwort lautet durch ganz spezifische Praktiken des Ausschlusses, des Einsperrens, des Therapierens.
Und durch ganz speziefische Weisen über sie zu denken und sie zu klassifizieren. Unser Überbegriff Die Existenzbedingungen soll dieses Ensemble von konkreten etwas hervorbringenden, etwas bedingenden Entitäten benennen Und deswegen glauben wir, dass die vielen historisch-philosophischen Werke, die er geschrieben hat alle darin sich ähneln.
Dass sie sich Objekte suchen deren konkrete Existenzbedingungen oder deren konkret spezifische Bedingungsgefüge erforscht herausgefunden beschrieben werden sollen. Für uns ist das Philosophie etwas Allgemeines fragt, aber eine spezifische Antwort gibt. Eine spezifice Geschichte und Geschichtsschreibung gibt die etwas Spezifisches hervorbringt nämlich wie konnte dieses besondere Etwas entstehen?
Diese Konfiguration in der plötzlich die Gesellschaften sich beschreiben als eingeteilt in verrückte und gesunde normale und unnormale so oder so mit Geschlechtsidentität ausgestattete, als legale oder illegale legitime oder illegitime Subjekte. Und das sind die Fragen, die fokussstellend. Wie konnte diese moderne Welt entstehen in ihrer Spezifik?
Die Antwort auf die Frage des wie ist die Angabe konkreter Existenzbedingungen. So würde ich es glaube ich ganz allgemein jetzt beschreiben und existenz ist hier gemeint im Sinne der konkreten Existenzen. Also die allgemeine Frage ist in gewisser Weise, die Frage danach wie Dinge oder bestimmte historische kontingente Konstellationen so geworden sind.
Wie sie sind. und die Antwort darauf ist dann aber eben nicht ein allgemeines abstraktes Ja, die Dinge könnten auch ganz anders sein. Die Antwort findet sich nicht im abstrakten Denken. Die antwort findet sich dann in der historischen Untersuchung. In tatsächlichen Nachschauen welche genauen einzelnen Debatten, Diskurse und so weiter dazu geführt haben.
das Dinge so gesehen werden nun nicht anders. Hab ich das richtig verstanden? Das ist richtig ja! Und wenn man dann fragt ... weil das ist ja jetzt noch ziemlich Absrakt gesprochen, dann würde man fragen aber wo schauen wir denn jetzt? in welchen Bereichen finden sich denn diese Bedingungen? Welche Existenzen sind es oder welche konkreten Materialien sind ist das ja auch interessant.
Er ist jemand der da draußen in der Welt auch ist Aber dass ist nicht zwingend das Material mit dem er arbeitet die Beobachtung der welt zumindest nicht im Sinne jetzt der Momentanen oder präsentistischen beobachtungs. für ihn sind das alles historisch lokalisierbare Fragen. Und er stellt sie aber jetzt in drei Hinsichten, und das ist noch ein wichtiger Teil unseres Deutsungsvorschlages – auch für die Foucault-Leserin gar nichts Überraschendes, dass er unterscheidet zwischen Wissenmacht oder Subjekt oder Selbstverhältnissen als den drei großen Registern, in denen sich solche Dinge etablieren oder konstituieren.
Das heißt, er fragt welche epistemischen wissensmäßigen Elemente sind beteiligt? und du hast schon genannt. Welche Debatten? Welche wissenschaftlichen Konzepte auch? welche Diskussionen und Auseinandersetzungen um Begriffe begleitend zum Beispiel so etwas wie die Durchsetzung bestimmter Normen des Unterscheidens zwischen normal und anormal oder gesund und krank.
auf der zweiten Ebene sind es soziale Dynamiken Machtbeziehung Wie erst nennt oder Kräfteverhältnisse Das heißt, wie stehen denn die unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure im sozialen Feld zueinander? Sodass die einen leichter definieren können was sich etablieren und konstituieren kann als andere.
Und drittens glaubt er dass die Frage das sich Ergebens von bestimmten Existenzen auch damit zusammenhängt Wie diese Subjekte sich zu sich selbst verhalten wie sie sich selber verstehen thematisieren und auch selbst führen im Verhältnis zu dem, worauf sie sich beziehen. Und diese dreier Heuristik – Wissen macht Subjekt oder Selbstverhältnisse – gliedert gewissermaßen auch manche seiner Untersuchungen, weil wenn man sich fragt was ist jetzt die konkrete Existenzbedingungsmenge bestimmter Dinge oder Elemente und Entitäten?
ist es manchmal wichtiger, diese epistemische Seite sehr stark zu beleuchten. Manchmal eher diese soziale, könnte auch sagen interaktive, intersubjektive Dynamik und an vielen Stellen wird das aber auch eine relativ große Rolle spielen wie sich diese Objekte selbst verhalten zudem was sie erfahren und was sie als wirklich begreifen.
vor allem dass spätwerk hat hier enorm wichtige Vorschläge gemacht zu verstehen, dass die Frage der Moral und den Normen des Zusammenlebens aber auch sich selbst annormen orientieren. Auch davon abhängt wie Selbstbezüge eingerichtet sind welches Bild von sich selbst und welche Haltung zu sich selbst Subjekte haben Und er hat das durchgespielt vor allem an den antiken und früh christlichen Selbstmodellen.
Aber und auch das glauben wir lässt sich eigentlich auf ziemlich viele andere Bereiche auf eine sehr faszinierende Weise übertragen. Und damit ist das eine Art von Philosophie, weil damit auch auf quasi philosophische Fragen geantwortet wird? Der Weg ist im Wesentlichen einer der Historisierung oder der Geschichtsschreibung aber der Anspruch ist stark.
er soll erläutern wie das werden konnte was heute ist und die Formel von der Geschichte der Gegenwart Soll wahrscheinlich diesen Anspruch benennen? Ja, spannend. Diese Erläuterung auch der verschiedenen Teile dieser Methode oder der verschiedenen Aspekte die natürlich dann in gewisser Weise auch wiederum das ganze Werk abdecken also auch vielleicht dann zeigen dass diese Hinwendung zur Sorge um sich zur Ethik des selbst im Spätwerk in gewisserweise kohärent ist und auch zusammen gehört mit früheren Sachen.
Als Philosoph ist Foucault ungewöhnlich, wie du jetzt schon öfters betont hast, weil er eben diesen starken historischen Wissenschaftshistorischen Aspekt hat. Es gibt vielleicht zwei Fragen zu klären. Wurde und wird der als Philosoph rezipiert? Offensichtlich ja aber offensichtlich auch nicht ohne Hindernisse!
Er wurde teilweise Denkschulen zugeordnet zu denen er mehr oder weniger gehört, du hast schon den Strukturalismus erwähnt. Normalerweise sagt man von Foucault und seinen Zeitgenossen sie sein Post-Strukturalisten oder sogar Postmoderne, oft ist das sogar ein Schimpfwort! Wie gehen wir um mit diesen Labels?
Und was ist eigentlich die? vielleicht auch die Geschichte der deutschen Fouco-Rezession? Das ist ja auch ganz interessant. es gibt sowohl Faszination als auch Widerstände immer bei Foucault. Wäre das der allgemeinste Nenner, auf den man das bringen könnte? Ja, auf jeden Fall! Und der deutsche Fall ist ohnehin besonders faszinierend und auf eine schöne Art hängt es natürlich auch an der Publikationsgeschichte seiner Werke die mit der Geschichte des Urkampferlags enorm eng zusammenhören aber nicht nur des Urkanverlags aber auch der deutschen Rezeptionskanäle.
Aber nochmal ganz kurz zu der Frage zurück Philosophia oder nein? Diese Frage hat die Rezeption von Anfang an begleitet. Ich habe schon ein bisschen versucht zu skizzieren. in Bezug auf das Erstewerk, war neunzeigundsechzig ist das eine Geschichte der Vernunft und der Unvernunft da ist es ne philosophische Theorie.
über War damals schon umstritten. Und Die Damals sympathisierenden Leser Conquiem und Althusséa vielleicht am stärksten haben genau diese Hybridstellung auch abgefeiert und haben gesagt, das ist endlich mal etwas anderes als Philosophie-Geschichte. Aber auch mehr als Wissenschaftsgeschichte sondern gewissermaßen eine Konstitutionsgeschichte von Denkweisen Entitäten und Realitäten.
Und damit geriet aber das Werk immer auch in der Gewisse Konkurrenz zu anderen Theorien. die Phänologie oder die Heimeneutik waren für ihn eher gegnerische zu klassische Ansätze Und er hat selber vor allem in den Sechzigerjahren auch damit kokettiert, sowas auszurufen wie eigentlich ein Ende der Philosophie.
Wie wir sie kannten. aber man muss dazu sagen Damit ist er in ziemlich guter Gesellschaft weil ziemlich genau neunzeigzechsundsechzig hat unter anderem Adorno dasselbe behauptet das eigentlich die moderne philosophie erschöpft sei und Auch Die späteren werke die ihn ihrem auch so formalen und vom ton her gesehen historischeren Charakter noch geprägt sind.
Die wirken eher wie Geschichtsbücher und ganz oft heißen die Bücher auch, ist zwar DÖ. Ist es immer klar das Fokur auf jeden Fall versucht etwas zu machen weil's nicht auf den ersten Blick so aussieht wie Philosophie obwohl es vielleicht philosophische Pforten haben kann? Und diese Debatte hat die Rezeption eigentlich begleitet und wir nehmen diesen Faden wieder auf und versuchen zu sagen doch-doch!
Das is eine ganz spezifische Form von Philosophiedauer reden wir In der nächsten Sitzung glaube ich noch, und sie ist auf einer spezifischen Eise kritisch. Und darüber müssen wir jetzt auch länger reden! Aber es stimmt genau diese Anspruch wurde in der deutschen Debatte am Anfang der achtziger Jahre enorm virulent aufgespießt unskandalisiert.
Jürgen Habermas war hellsichtig genug zu sagen das was die Franzosen machen oder hatte Foucault im Auge und ein paar andere is eigentlich einen Angriff auf klassische philosophische Denkformen. Und Hamamaz selber hat aus vielen typischen Gründen damals gesagt, wer so arbeitet und so nah an Nietzsche bleibt unterminiert eigentlich das Projekt der Moderne.
Das ist ein Projekt der Aufklärung der Transparenzmachung, der Vernünftigmachungen sein sollte. Und in dieser Polemik, die zum Teil was Habermas angeht auf gar nicht so viel Lektüre beruhte damals im ersten Moment ist glaube ich eine interessante Frage entstanden. Die auch bis heute nicht ganz abgegoldend ist nämlich wie steht denn tatsächlich dieses philosophische Werk das in vielen das Selbstverständnis der Moderne revidiert zu den Werten der moderne?
Zu den Wertentransparenz Gerechtigkeit Freiheit Rationalität? Und dieses Verhältnis ist schwannungsreich. Und Hammermanns hat damals versucht zu sagen, ne nee das können wir unterscheiden. auf der einen Seite stehen die Rationalisten und die Verteidiger der Aufklärung klang mal auf so wie er selber oder auf der anderen Seite steh'n die Racionalisten und den Fetisten und Postmodernen wie er es genannt hat und viele andere auch in dieser Zeit.
Und ich glaube diese Dichitomie hat sich als viel zu einfach und viel zu schwer handhabbar erwiesen. aber es stimmt schon Foucault hat hier der bestimmte Art von Selbstverständnis der Moderne herausgefordert und in Frage gestellt. Und ich glaube, dieser Stachel auch – der Skepsis gegenüber den großen universalen Normen- und Werten der Vernunft und der Modernität ist eine Herausforderung bis heute, weil da sind wir jetzt zweiundvierzig Jahre nach der postmoderne Debatte eigentlich gar nicht weiter!
Postmoderne kann man nach wie vor als Schimpfwort verwenden, wenn man denn möchte. Die Spannung natürlich zwischen Rationalismus und Irrationalismus begleitet uns wahrscheinlich bis ins Ende aller Zeiten. aber vielleicht noch ein Aspekt der hier interessant ist gerade auch weil so starke Widerstände natürlich immer hervorgerufen wurden durch diese Herausforderungen des modernen Denkens.
das ist bis zum Gewissen grade aber auch genau dass was diese Art von Denken so attraktiv macht, vielleicht auch gerade für junge Leute. Man sieht das ja es ist doch etwas Infoko in dieser Hinterfragung einer Tradition was immer gewisserweise anzieht, lockt irgendwie verführerisch ist weil man doch ganz gerne auch mal einen neuen anderen Gedanken hören wird.
Es gibt dieses berühmte Wort von Deleuze wo er sagt über eines von Foucaults Büchern es sind neue Gedanken drin. Das ist gar nicht so wenig. Ja und diese neuen Gedanken sind manchmal nicht unbedingt in der Form präsentiert, dass sie sich größermaßen von selbst oder transparent ergeben aus bestimmten Argumentationen.
Sondern es ist auch eine Philosophie die mit dem Kontrast und der Provokation arbeitet. Die Geschichtsschreibung sollen auch bestimmte lieb gewonnene Vorurteile über uns selbst erschüttern indem sie konfrontiert werden mit Beschreibungen, die weniger schweichelhaft sind. Und das Buch Überwachenden Strafen von fünfundsiebzig ist hier vielleicht das beste Beispiel.
Co. stellt die provokante Frage wieso hat denn die Debatte um die Humanisierung der Gefängnisse im mittleren neunzehnten Jahrhundert eher dazu geführt dass noch mehr Gefängnisse gebaut wurden und noch mehr im Gefängnis passiert ist was Delinquenz und Strafwürdigkeit erzeugt hat, als vermindert hat. Und hängt das nicht auch damit zusammen?
Dass die Institutionen selber, die etwas korrigieren soll, Teil des Problems ist... ...und in der Wille zum Wissen, neunzehnt sechsten siebzig fragt er... Das is gemünst auch so auf die Post achtensechziger Mentalitäten! Ist denn die Befreiung der Sexualität und des Körpers und der Triebe eigentlich wirklich eine Befreiung?
und ist es nicht viel eher so, dass uns bestimmte Vorstellungen über das was hier zu befreien ist. Eher wieder disziplinieren und ketten an bestimmte relativ enge Kategorien des Selbstseins. Und daher versucht Foucault manchmal eher bestimmte lieb gewonnene Selbstbeschreibung zu hinterfragen und dann die Denkmöglichkeit zumindest anderer Bezugnahmen, anderer Lebensformen vielleicht sogar andere Werte zumindest anzudeuten wenn nicht sogar ab und zu auch mal zu benennen.
Aber das tut ja eigentlich seltener. es gibt eine eher negative problematisierende Signatur dieses Werks, das manche dazu geführt hat ihm vorzuweifeln. Er hätte gar nichts anzubieten und es sei nur eine Kritik oder eine Destruktion von gegebenen. Aber eigentlich wenn man genauer liest sieht man dass die Destruction oder die Negation oder die Problematisierung im Dienst des Möglichmachens von anderen Möglichkeiten ist Und auch das hängt bei uns jetzt in unserer Lektüre in Friedersund meiner An dieser Idee der Existenzbedingungen die Bedingungen aufzudecken, macht es natürlich auch möglich über andere Existenzen nachdenken zu können.
Über andere Möglichkeiten des Seins, des Handelns und des Sich-Selfsverstehens wenn dieses Bedingungsgefüge dann ein bisschen verschoben, ein bisschen reinterpretiert und verändert wird. Und darin sehen wir auch den kritischen Stacheln und das heißt nicht nur destruktiven sondern auch konstruktiven oder nach vorneweisenden aber immer offen lassenden, offenmachenden Aspekt dieses Werks.
Danke! Das ist eigentlich vielleicht ein ganz schöner Bogen. um diese erste Podcastfolge abzuschließen wir schulden vielleicht noch als letztes Datum in Foucault's Biografie sein frühzeitiger Tod. war homosexuell, das ist kein Geheimnis. Es gibt die letzten Bücher von ihm, der sich die Sorge um sich und er gebrauchte Erlüste, die sich nochmal der Antike zuwenden und auch der Ethik – das haben wir schon ein bisschen angedeutet.
Wir haben noch drei weitere Podcast-Folgen, in denen wir weitere Themen besprechen wollen aber hier enden wir erstmal ein bisschen…. Wir haben das Feld abgesteckt, haben die Biografie versucht kurz zusammenzufassen und wir haben versucht diesem Denken seiner Methode add.". Was nahe gekommen. Wir sprechen noch einmal miteinander, Martin für eine weitere Folge von Foucault-Einhundert.
fürs Erste aber vielen Dank. Ich danke dir und ich freue mich auf die nächste Runde! Und wer jetzt selber weiterlesen mag das Buch von Martin Saunfrieder Vogenmann dass gerade im Surgkamp Verlag erschienen ist. es heißt Bedingungen unserer Existenz. zur Aktualität Michel Foucours. bei Surgkam gibt es natürlich auch alle Werke von Foucault selbst zu kaufen in guten deutschen Übersetzungen und es gibt da auch für diejenigen, die erstmal nur vorsichtig den großen Zee ins kalte Wasser stecken wollen.
Neuerdings eine sehr hübsche kleinere Reihe namens Essenz ein große Denker im kleinen Format. Da findet man auch vier kleine Fouco-Bände. so für den Einstieg heute würde ich mal empfehlen den Band dies ist keine Pfeife vierzig kurze und kurzweilige Seiten von Foucault zum bekannten und rätselhaften Bild des Sorealisten Rene Magritte.
Mein Name ist Catherine Newmark, danke fürs Zuhören! Wenn euch der Podcast gefällt empfiehlt ihn doch gerne weiter.