HerStory - Geschichte(n) von Frauen und Queers· Folge 123

Wiborada: Als erste Frau vom Papst heilig gesprochen

Montag, 1. Juni 2026 · 40 min

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Shownotes

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Literatur und Quellen:
Berschin, Walter und Cornel Dora (Hrsg.): Vitae sanctae Wiboradae. Lebensbeschreibungen der heiligen Wiborada von St.Gallen. Lateinisch und deutsch. Stuttgart: Reclam 2025 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 14652).

Gässlein, Ann-Katrin und Gregor Emmenegger (Hrsg.): Wiborada von St.Gallen. Neuentdeckung einer Heiligen. Basel: Schwabe 2022 (Theos. Theologisch bedeutsame Orte der Schweiz, Band 2).

Uhl, Karsten: „Der Pöbel, der nicht in gebildeten Wendungen zu sprechen versteht. Unterschiede zwischen der Kultur des Volkes und der Kultur der Eliten in den Viten der Heiligen Wiborada", in: Volkskultur und Elitekultur im frühen Mittelalter. Das Beispiel der Heiligenviten. Hrsg. von Hans-Werner Goetz und Friederike Sauerwein. Krems 1997 (Medium Aevum Quotidianum 36), S. 103 bis 118.

Thoma, Judith: Vortrag „Wiborada von St.Gallen", gehalten am 2. Mai 2021, St.Gallen. Veröffentlicht auf wiborada2021.ch.

Verein Wiborada-Jubiläum 2026: Wiborada. Retterin der St.Galler Menschen und Schätze. Arbeitsheft für Lehrpersonen für den Unterricht. Zyklus I, II und III. St.Gallen, Januar 2026.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Willkommen bei Her Story. Mein Name ist Jasmin und ich gehe mit euch regelmäßig auf die Suche nach Frauen & Queers in der Geschichte, die viel bekannter sein sollten! Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet könnt ihr das mit einer kleinen Spender via PayPal oder mit einem Abo über Steady tun – die Links findet ihr an den Show Notes.

Und heute reisen wir für unsere Folge in die Schweiz genauer gesagt nach St. Gallen. Im Profesbuch des Klosters Sankt Gallen, das ist eine Handschrift in der die Mönche ihre Gelübde festhielten, findet sich um das Jahr neunhundertdreißig ein besonderer Eintrag. Ein ziemlich ungewöhnlicher Eintracht. Da steht nämlich am ersten Mai wurde die Reklusin Viberat von den Heiden getötet.

Dieses Profesbuch war eigentlich ein Buch für Möncher also für die Männer dieses Kloster. wie Borada waren nun aber Kein Mann, sie war kein Mönch und sie gehörte im engen Sinne auch nicht zu dieser Klostergemeinschaft. Dass die Mönche sie aber trotzdem in ihr Buch eintrugen das ist wie eine nachträgliche symbolische Aufnahme in diese Gemeinschaft.

Die Mönchen wollten sich an Sie erinnern Aber warum? Wie Burada von Sankt Gallen war eine adlige Frau aus dem heutigen Turgau, die sich für ein Leben als Inklusin entschied. Sie wurde zur gefragtem Beraterin von Mächtigen und von Armen Sie sagte einen Überfall der Ungarn voraus und sie regte die Rettung der Klosterbibliothek an.

Bei diesem besagten Überfall wurde sie in ihrer Zelle erschlagen, mehr als einhundert Jahre nach ihrem Tod wurde sie durch Papst Clemens II. heilig gesprochen. Wie Borada ist damit die erste Frau, deren Heiligsprechung durch einem Papst urkundlich dokumentiert ist? Und sie ist übrigens auch die Schutzherren der Bibliotheken und Bücherfreundinnen, weshalb sie mir ganz besonders sympathisch ist.

Bevor ich euch Vibradas Geschichte erzähle müssen wir noch über die Quellen da gereden – die ist hier wirklich entscheidend! Wir kennen Vibrados Leben nämlich fast ausschließlich nur aus zwei heiligen Wieten, die im Gallus Kloster geschrieben wurden…. Die erste Vita stammt von einem Mönch namens Eckehard, dem späteren Dekan des Klosters.

Der schrieb diese Vita um neunhundertsechzig oder neunundhundertsiebzig also ungefähr vierzig Jahre nach Viboradas Tod. Als Jugendlicher hatte er Vibrada vermutlich noch selbst erlebt und auch selbst kennengelernt Und seine wichtigste Quelle war neben Viboradas Bruder Hitto, auch ihre langjährige Bedienstete Kevini.

Kevni war zum Zeitpunkt der Befragung wahrscheinlich schon über sechzig Jahre alt. Dann gibt es eine zweite Wieter und die schrieb einen Mönich namens Herimanus gut einhundert Jahre später also in den tausend siebziger Jahren. Sie nimmt diese ältere Vita auf und fügt aber neue Episoden und theologische Reflexionen hinzu.

Und sie erzählt auch von Wundern! Diese Vita wurde wahrscheinlich geschrieben, als man sich ganz besonders um die Heiligsprechung von Viborada bemühte. Aber beide Texte sind heiligen Viten – sie sind keine modernen Biografien wie wir das heute kennen. Ihr Ziel ist nicht komplett objektiv zu berichten sondern, Viboras Heiligkeit zu beweisen.

Die Mönche zeichnen also ein Idealbild und Expertinnen sehen besonders in der älteren Vita tatsächlich einen historischen Kern. Also wenn wir mehr über die historische Person wie Boradas erfahren wollen, dann können wir uns an die ältere Vita halten und können der etwas mehr vertrauen. Aber die jüngere Vita, die gibt auch viel... Die lässt vielen Rückschlüsse darauf zu.

Was man so für religiöse Vorstellungen im elften Jahrhundert hatte und das sagt auch was über Vibora das Leben aus. also beide zusammen können uns einen Einblick in ihr Leben geben. Dann lasst uns mal genauer hinschauen wie dieses Leben aussahm. Viborada wird um eightundetachzig oder achthundertfünfundachtzig in eine adelige alemanische Familie geboren.

Ihren Geburtsort kennen wir nicht mit Sicherheit, es gibt mittlerweile Vermutungen dass Vibora da auf der Altenburg geboren wurde. Das ist eine Burg-Anlage im Kanton Thurgau. Die wird archäologisch auf die Zeit um achthundert datiert und sie zählt damit zu den ältesten erhaltenen steinenden Burgen in der Schweiz.

Wichtiger als der Ort ist aber die Tatsache, dass Viborada in eine wohlhabende adelige Familie geboren wurde. Eckehardt beschreibt ihre Eltern als Angehörig des christlichen Kriegsvolkes – so drückt er das aus! Die Eltern waren wahrscheinlich recht gut vernetzt mit Kirche und Krone und es gab definitiv Bedienstete denn zwei davon wichen Vibora da tatsächlich Zeitlebens nicht von der Seite.

also wir können von einem angenehmen, vielleicht sogar gehobenen Lebensstil ausgehen. Ich würde sagen mit relativ gutem Essen und auch mit ziemlich guter Kleidung. Auch da liefert die Vita noch einen Hinweis drauf. Und damit sind wir bei einem Punkt der sich durch die ganze Geschichte wie Boradas zieht – und wichtig ist nämlich Klasse!

Natürlich waren die Lebensentwürfe auch für Frauen der gehobenen Schichten begrenzt, aber Vibrada konnte sich ihren Lebensweg eben doch in einer Weise wählen wie das nicht jede Frau in ihrer Zeit konnte. Also eine Markt- oder eine Bauerntochter hatte weit weniger Chancen eine Wallfahrt zu unternehmen, wie Vibrado das später tut oder sich eben für ein Leben als Inklusen zu entscheiden, bei dem sie dann auch noch von zwei Bediensteten versorgt wurde.

Also in dem engen Rahmen der Frauen im Mittelalter gesetzt war hatte Vibrada dank ihrer Herkunft durchaus etwas mehr Möglichkeiten als andere Frauen. Viborader fällt schon als Kind auf, denn die Wieter schildert sie als ernst, als sensibel und vor allem als religiös. Schon sehr früh religiöse. Statt typischem Kindverhalten soll sie lieber heimlich zur Kirche gegangen sein.

Das war so ungefähr anderthalb Kilometer von der Burg, dort stand die Kirche Und diesen Weg soll sie angeblich oft barfuß zurückgelegt haben. Die entscheidende Szene aus ihrer Jugend ist ein besonderer Kirchgang, der an einem hohen Festtag stattgefunden haben soll. feine Stoffe, Haarschmuck, goldene Spangen.

Auch das soll sie getragen haben und man ritt zu Pferd. Viborada reitet mit der Familie aber mitten auf dem Weg zur Erzähl des Eckehardt in seiner Wieter klagt sie über Kopfwehe. Sie steigt dann vom Pferdd, löst den Schmuck versteckt all das Feine unter ihrem Mantel und geht zu Fuß weiter. also... Ganz klar symbolisch, eine Abkehr vom Wohlstand und hier wird ihre Bescheidenheit betont.

Sie verweigert sich dem standesgemäßen Lebensstil im Adel und damit in gewisser Weise auch ihrer Klasse und sie bericht auch mit den Erwartungen ansehen – nämlich mit der Erwartung, die ihre Eltern und auch innerhalb dieser Klasse an sie gestellt werden. Biborader hat einen jüngeren Bruder Hitto und sie hat auch eine jüngere Schwester, die aber früh stirbt.

Mit Hitto verbindet sie aber eine enge und auch lebenslange Beziehung. Hitto besucht die Klosterschule in St. Gallen und wird dann später Priester. Auch Viborada will lernen und deshalb drängt sie Hitto ihr, die Psalm beizubringen. Vibora da kann zunächst also nicht lesen – das ist schon ganz spannend!

Man kann daraus also ableiten, dass Analphabetismus Auch bei Frauen, dass Adels zumindest in dieser Gegend und in dieser Zeit noch verbreitet waren. Das finde ich wirklich faszinierend! Die wieten Schildern später das sie selbst über dem Psalter einschläft und ihr Bruder zwar die ersten fünfzig beibringt aber der sich die rechtlichen einhundert selbst beibringe.

Das heißt ab einem gewissen Punkt hat sie offenbar selbst gelernt zu lesen Also eine adelige Frau, die als Erwachsene selbst Latein lesen lernt. Auch das ist dann im zehnten Jahrhundert wirklich eine seltene Begebenheit. Viborada hilft ihrem Bruder, der mittlerweile Priester ist bei der Messe. Sie hat ihm übrigens dazu geraten, Priester zu werden und sie übernimmt auch den liturgischen Gesang – und das ist ungewöhnlich!

Die Wiedenschreibende von «Das die Anwesenden staunen» also dass eine Frau im Gottesdienst aktiv mitwirkt. Das ist wirklich sehr, sehr ungewönlich vor allem in dieser Zeit. auch vermuten, dass das nur deshalb ging. Weil Hitto ihr Bruder war und diese Teilnahme und diese Mitwirkung ermöglicht und erlaubt hat.".

Nachdem Viboradas Vater verstirbt und die Mutter krank wird, kümmert sich Vibrada um die Mutter und pflegt sie. Und nach dem dann auch die Mutter verstorben ist, pilgert Vibora da gemeinsam mit ihrem Bruder Hito nach Rom. Das ist eine durchaus anstrengende Reise für diese Zeit und nach der Rückkehr von der Walfahrt überzeugt sie dann ihren Bruder ins Gallus Kloster einzutreten die jüngere Schwester, der also eines von ihrem Bruder Unterricht bekommen hat und ihn drum gebeten hat.

Sie ist jetzt diejenige, die ihm einen wirklich wegweisenden Rat gibt – sie ist jetzt seine Beraterin! Also da zeichnet sich auch schon die Position ab, die ihr später als Inklusen einnehmen wird nämlich die der Beraterin. Und das passt auch zu ihrem Namen, den Eckehardt gleich am Anfang seiner Vita erklärt.

Vibo rada heißt nämlich auf Deutsch Frauenrat oder das ist die Bedeutung des Namens. Vivo kommt von vibe und Rada bezieht sich auf rat. Viborada äußert dann bald den Wunsch, in Klusen zu werden. Und hier lohnt es sich mal einen Moment innezuhalten und zu fragen welche Option sie sonst gehabt hätte. Sie hätte heiraten und Kinder bekommen können – als adlige Frau wäre sie sicher auch gut verheiratet worden oder sie hätte in ein Kloster eintreten können um sich dem Glauben zu widmen.

Viborada wählt zwar die Religion, aber sie wählt eine besondere Form. Nämlich die der Inklusin, die sich einschließen lässt. Also inklusen kommt von Inclusio eingeschlossen und auch über diese Tradition sollten wir mal sprechen. Der Theologe Gregor Emenega erklärt in einem Aufsatz das es schon im vierten Jahrhundert christliche Frauen gibt, die Sie freiwillig in eine kleine Krammer zurückziehen.

Dort beten sie, sie lesen dort. Sie verrichten Handarbeit und eine prominente Frühevertreterin ist zum Beispiel Melania die Jüngere. Das soll eine reiche römische Patrizierin im fünften Jahrhundert gewesen sein. Die gab ihren Reichtum auf und schloss sich stattdessen in eine Zelle ein. Und dann gibt es im syrischen Raum eine zweite Tradition und dies für Viboradan noch wichtiger.

Der syrische Bischof Theodorit von Cyrus berichtet im fünften Jahrhundert von drei Frauen, die sich aus adligen Familien zurückzogen und in einer Klausel direkt vor der Stadt leben. Diese Frauen hatten Märkte... die in einer einfachen Herberge neben dieser Klausel wohnten oder dieser Zelle. Und durch ein kleines Fenster konnten sie von den Bediensteten Nahrung entgegennehmen und mit BesucherInnen sprechen.

Sie lebten in radikaler Askese, trugen Eisenketten am nackten Leib und fasteten viel. All diese Dinge treffen auch auf Vibraders Leben als Inklusinen zu. Sie steht also in einer Tradition, die zu ihrer Zeit schon mehrere hundert Jahre alt ist und das Spannende an dieser Tradition ist dass solche Frauen auch als eine Art Prophetin verstanden wurden.

Also sie waren nicht in erster Linie nur Asketinnen, die auf sehr viel verzichten und für sich ganz allein Gott suchten sondern sie waren quasi Mittlerinnen zwischen Himmel und Erde. Sie empfingen Besucherinnen und Besucher, sie gaben Rat. Sie konnten mächtigen mit Strafe drohen, sie konnten Ereignisse ankündigen – und sie vollbrachten manchmal auch Wunder!

Und diese extreme Lebensform machte sie in den Augen der Zeitgenossinen eben zu Frauengottes vergleichbar mit biblischen Propheten so erklärnteologendes.". Das heißt, diese Frauen waren in einer Machtposition. Denn sie genossen ja recht hohes religiöses Ansehen und durch Pilgereisen findet diese Tradition ihren Weg Genwesten und gelangt so auch in den Raum von St.

Gallen. Diese Lebensform der Reklusin oder der Inklusin verbreitet sich im Mittelalter tatsächlich auch über Europa. Es gibt Schätzungen, dass es im dreizehnten Jahrhundert in jeder größeren europäischen Stadt mindestens eine Inklusen gab. Vibrada wählt also eine für uns heute ungewöhnliche Form des religiösen Lebens aber sie steht da durchaus in einer Tradition und sie ist in ihrer Stadt eine der ersten in einer Reihe die dann auch wirklich mehrere Jahrhunderte andauert.

Diese Tradition endet dann erst mit der Reformation. Die Reformation lehnt Asgesa als Halsweg ab und die katholische Gegenreformation reagiert mit klaren hierarchischen Strukturen, sortiert die Frauen in Ehe oder Kloster ein und Lebensform außerhalb dieser beiden Optionen verschwinden. Interessanterweise haben Historikerinnen aufgezeigt, dass dieses Ende der inklusinen Tradition zeitlich mit der Hexenverfolgung zusammenfällt.

Bevor sie inklusin wird, lebt Viborada noch einige Jahre ein weltliches Leben sozusagen. aber die Wieten deuten schon oder weisen schon darauf hin dass sie zwar nach außen hin noch ein normales leben führt. Sie ist schon kein Fleisch mehr, sie trinkt keinen Wein. Sie schläft auf hartem Boden. Sie geht nachts heimlich allein zur Kirche.

Sie lebt also schon in Askese und bereitet sich schon ein religiöses Leben bevor sie überhaupt als Inklusen eingemauert und angenommen wird. Hier lohnt es sich aber auch direkt schon mal darauf hinzuweisen, dass Vibhurada nie wirklich allein lebt. Auch in ihrer späteren Zelle nicht – denn Kebini und Pertrada sind die beiden Bediensteten, die sie hat, begleiten sie über Jahrzehnte also von ihrer Jugend bis zu ihrer Zeit als Inklusen.

Später in St Georgien entsteht eine ganze Gemeinschaft former Frauen um sie. Was wichtig ist, dass Ihre beiden Bediensteten – also sie leben zwar nicht direkt in der Zelle mit ihr aber sie leben nah bei ihr und Sie haben regelmäßig Kontakt mit ihr und versorgen sie auch. Und ohne die Frauen um Viborade herum wüssten wir auch wenig von ihr!

Also klar, die Wieten sind von Männern verfasst, basiert wesentlich auf den Erinnerungen ihrer bediensteten Kibine. Als er seine Vita schreibt, befragt er die damals schon über sechzigjährige ehemalige Dienerin und es wird dann in der Vita so beschrieben dass sie über Nacht die volle Kraft der Erinnerung erlangt und dann alles vom Anfang bis zum Schluss erzählt.

Es ist also eine alte Frau, die das Andenken an Viborada im Prinzip möglich macht. Weil sie ihre Geschichte erinnert und aktiv erzählt und mit dem Autol dieser Vita teilt – und damit auch mit uns teilt! Viborada beginnt, also wie sie sagt schon früh mit der Askese. Genauer gesagt trägt sie auch schon eine eisene Kette unter ihrem Gewand.

Also sie fastet nicht nur, sie schläft nicht nur in ganz einfachen und unbequemen Bedingungen Sondern die trägt einer eisern Kette Unter Ihrem Gewand Die ihr schmerzhaft in die Haut schneidet und die ja auch Wunden verursachen wird. so beschreibt das die wieder später. Diese Ketten stehen in einer christlichen Tradition, nämlich der der inneren Hingabe.

Aber sie sind natürlich auch eine Selbstverletzung. das muss man auch klar sagen. Bevor Viborada in ihre Zelle zieht gibt es einen Konflikt quasi eine religiöse Prüfung wenn man so will. Das ist eine Verleumdung. Eine ihrer Dienerin, so erzählt es zumindest die jüngere Vita von Harry Manos behauptet.

Wie Buradas nächtliche Kirchgänge sein in Wahrheit heimliche Treffen mit ihrem Bruder Hitto? Also was das meint ist diese Anschuldigung ist ein Inzestvorwurf. man beschuldigt sie sich heimlich mit ihren Bruder zu treffen weil sie mit dem Bruder eine Beziehung führt. Ihre Unschuld wird dann aber durch einen Gottesurteil bewiesen, erzählt uns die Vita Und die Verleumderin verfällt anschließend dem Wahnsinn.

Also, dass diese Geschichte erst in der späteren Vita auftaucht ist wichtig für uns, denn sie ist ein Hinweis, das sie vermutlich erst im Kontext entsteht als man Viboradas Biografie sozusagen ein bisschen aufpeppt da weil man erreichen will, dass sie heilig gesprochen wird. Was dieser Episode aber auch zeigt, ist eben eine Frau, die nicht heiratet die nachts unterwegs ist, die eine enge Beziehung zu einem Mann hat – auch wenn das der eigene Bruder ist.

Und dass genau das sie verdächtig macht und sich dafür rechtfertigen muss! Es gibt noch eine andere Erzählung in der zweiten Vita, die Viborada auch in ein sehr gutes Licht stellt. Da geht es darum, dass Vibrada auf einer Reise eine ältere Inklusin namens Celia kennenlernt. Und Celia lebt schon länger als inklusin und macht Vibrader einen Vorschlag – sie macht er quasi ein Geschäftsvorschlag!

Vibrata soll Almosen verleihen und dafür Geld kassieren … und Zinsen kassiern… und Vibrator lehnt das ganz strikt ab. Auch diese Erzählung soll wahrscheinlich auf ihren guten Ruf einzahlen, im Rahmen dieser Bemühungen sie heilig sprechen zu lassen. Sie zeigt aber gleichzeitig auch das es natürlich auch im religiösen Rahmen Hieraschinen gab.

Celia die eben schon in Klusen war stand höher als Viborada und sie zeigt natürlich auch dass es auch Im religiösem Rahmen Menschen gab die nicht den Idealen entsprachen. Und sie zeigt Vibora da als Frau die sich eben auch dann nicht einschüchtern lässt, wenn sie es mit jemandem zu tun hat, die in der Hierarchie höher steht als Sie und wenn sie sich dagegen auflehnen muss.

Und das ist natürlich auch – das sagt uns ein bisschen was über Viboradas. Aber natürlich hat es in dieser Vita vor allem eine Bedeutung, weil man eben versuchen will, Viborada wirklich in ein ideales Licht zu stellen. Im Jahr neunhundertzwölf zieht VibORADA dann nach St.Georghen – das ist eine kleine Siedlung oberhalb von St.Gallen und dort bezieht sie ein kleines Bräuschen, Ich glaube, man kann es noch nicht wirklich Zellen nennen neben der Kirche.

Sie hat dort auch einen kleinen Garten zu dem sie Zugang hat. Sie ist jetzt vermutlich in ihren späten Zwanzigern und sie lebt dort mehrere Jahre in so einer Art Probezeit. Es gibt nämlich Regeln dafür dass nicht jede oder jeder einfach so inklusin werden kann. Diese Regeln wurden auf der trulanischen Synode von sixhundertneinundneunzig von den Anwesenenbischöfen festgelegt.

Und da einigte man sich darauf, dass eine Person die als Inklusin oder Inkluser leben will zunächst drei Jahre in einem klösterlichen Kontext leben muss um sich quasi erstmal zu beweisen und danach folgte Prüfung durch den Ortsbischof und dann ein weiteres Jahr außerhalb der Klause zur Bewährung, und dann erst die Einmauerung.

Viborada hält sich an diese Regel und verbringt ihre inklusen Probezeit – wie ich sie nennen würde – also in Sankt Georgien. Sie lebt dort auch schon zurückgezogen und in Stränger als Käse aber wieder gemeinsam mit ihren beiden Dieneren. Sie ist in St. Georgien aber auch nicht vollkommen isoliert, denn in der Nähe leben andere Frommefrauen und es bildet sich eine Gemeinschaft.

Einmal im Jahr lädt Viborada zu einer Frauenrunde ein bei der gesegnetes Brot verteilt wird – also sie verteilt dieses Brot – und bei der eben auch Rat eingeholt werden kann. Einmal wird auch eine reiche Frau zu dieser Runde eingeladen, erfahren wir aus der Vita. Diese Reiche Frau lehnt aber ab mit dem Hinweis sie habe keine Almusen nötig und das sei nur was für Arme.

also Sie kommen nicht. Kurz darauf wird die Frau aber krank dann ändert sie ihre Meinung sie kommt zurück sie empfängt das gesegnete Wort sie ist es und dann wird sie gesund. Auch da steckt natürlich wieder ein Motiv drin, quasi eine Lehre oder einen Moral von der Geschichte. Nämlich Hochmut wird bestraft, Demut wird belohnt.

Am Pfingsten, neunhundertsechzehn ist es dann soweit. Viborada wird im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in eine Zelle eingemauert. Diese Zelle wurde an der Nordostwand der Kirche Sankt Mangen in St. Gallen angebaut und es ist die Kirche, der ihr Bruder Hitto als Priester vorsteht. Die Mönche und das Volk begleiten Viborada unter Gesängen- und Gebeten in ihre Zelle und der Zugang zu dieser Zelle wird dann zugemauert.

Anhand von Ausgrabungen und Beschreibungen in den Wieten kann man relativ genau rekonstruieren, wie diese Zelle aussah. Sie war klein – etwa zweimal fünf Meter. Im Inneren gab es eine Stromatte die Viborader als Bett diente und als Kissen soll sie angeblich einen Holzklotz genutzt haben. Es gab ein Hocker- und kleinen Haushaltar Und die Zelle wurde nicht beheizt.

Im Winter wurde es also ziemlich kalt darin. Die Zelle hatte zwar keine Tür, aber sie hat zwei Fenster. Das eine Fenster zeigt in der Kirche so dass Viborada an den Gottesdiensten teilnehmen kann und das andere zeigt nach außen. Durch dieses Fenster wird sie versorgt und durch diese Fenster spricht sie mit den Menschen, die kommen um bei ihr Rat zu suchen.

Allerdings sind die Fenster verhangen, sodass man sie nicht sehen und Viborada auch nicht in die Außenwelt schauen kann. Dreimal im Jahr darf sie baden aber sonst verlässt sie ihre Zelle nicht. bis zu ihrem frühen Tod lebt, wie Borada dort also zehn Jahre lang. Spannend ist das, dass Vibora da zwar jetzt als Inklusen auf begrenztem Raum lebt und sich von der Außenwelt abschottet, aber isoliert es sie trotzdem nichts.

Im Gegenteil, Ihre dieneren Kibine und Perterader leben in der Nähe. Und versorgen Sie weiterhin? Sie kochen! Sie reichen das Essen durchs Fenster – sie lehren den Eimer, indem Vibrada ihren Notdorf verrichtet. Also dass Fenster zur Kirche gliedert Vibrade an die religiöse Gemeinschaft an…. …und das zweite Fenster ist sprichwörtlich das Fenster Zur Welt.

Hierhin kommen Menschen, die Vibradas Rat suchen.". Viborada wird jetzt zur Beraterin für die Bewohner der Stadt, für Arme aber auch für Mönche, Äpte und Adlige. Der Stiftsbibliotheker Johannes Duft hat sie die weibliche Ratgeberin für Klerus, Adel und Volk Sankt Gallens und Allemanniens genannt. Viburada hat sich also in ihre Zelle zurückgezogen, aber genau dadurch wird sie zu einer öffentlichen Figur.

Also wer genau sucht da ihren Rat? Was für Ratschläge gibt Viborada? Da habe ich euch mal zwei Beispiele mitgebracht. Beispiel Nummer eins ist Ulrich, das ist ein junger Mann aus Adeligem Haus der später Bischof von Augsburg hört. Ulrich ist tatsächlich einer der wichtigsten Heiligen des zehnten Jahrhundertes.

als junger Kloster Schüler soll er laut Wita-Viborader in Sankt Mangen besucht haben Die Mönche des Galusklosters, die wollten ihn als ihren künftigen Abt sehen. Viborada lässt ihn drei Tage bieten und dann eröffnet sie ihm das er in St. Gallen weder Mönch noch abt werden würde. Sie prophezeit ihm stattdessen dass er Bischof im Osten wird und es sehr viel leiden werde Und ihre Vorhersagen werden eintreffen.

Ulrich wird neunhundertdreiundzwanzig zum Bischof von Augsburg ernannt und erlebt neunhnhundertfünfundfünfzig die Ungarnschlacht auf dem Lechfeld. Ulrich ist später dann derjenige, der anregt, Viboradas Leben aufzuschreiben – also erst der Impulsgeber für die erste Vita! Das zweite Beispiel betrifft Herzog Burghardt II.

von Schwaben. Das ist einer der mächtigsten Männer in der Vita, wird er als Tyrann beschrieben. Herzog Burkhardt kommt ins Gallus Kloster und Viborada lässt den Herzog zu sich rufen und übt strenge Kritik an ihm. Sie wirft ihm vor ein goldenes Kreuz aus dem Klosterbesitz quasi geraubt zu haben. also die Mönche haben es ihm angeboten.

aber sie sagt sie haben das nur getan weil sie sich vor ihm fürchten. er soll es zurückgeben. Der Herzog zeigt sich scheinbar einsichtig und schwört, dass er das Kreuz zurückgeben werde. Sie sagt, wenn er es nicht tut sei sein Leben in Gefahr. Er schwört also, er würde das Kreuzzrück geben. wenig überraschend hält er sich aber nicht an seinen Schwur und stirbt dann später in Italien durch einen Reitunfall.

diese Szene mit Burkhardt zeigt Viboradas moralischer Autorität gegenüber einem Herzog, einem Mächtigen. Sie kann ihm Vorwürfe machen, sie kann ihm sein Tod vorhersagen und die Erzählung gibt ihr dann auch noch recht dass sie ihn überhaupt diesen Vorwurf machen kann ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen.

das zeigt ihre Stellung an ihrer Autorität. Mich erinnert es auch daran das Hildegard von Bingen, über die ich im Podcast ja auch schon mal gesprochen habe in der Lage war sehr kritische Briefe sogar an den König zu schreiben. Dass eine Frau sich das überhaupt... herausnehmen konnte, wenn man so will.

Das hat natürlich auch wieder mit ihrer Klasse und ihrer Lebensform zu tun. Die Borader war adliger Herkunft vor allem aber war sie als Inklusen im religiösen Kontext angesehen genug um einen Herzog auch zurechtweisen zu können. Und das ist eine Stellung die im frühen zehnten Jahrhundert für eine Frau außergewöhnlich.

Im Jahr neunhundertundzwanzig hat Viborada dann eine Vision, so erzählt es jedenfalls Divita. Sie schläft kurz über dem Psalter ein und sieht dabei im Schlaf dass am ersten Mai des folgenden Jahres ungarische Reiter in St. Gallen einfallen werden – und sie sieht auch ihren eigenen Tod voraus! In der Vita liest sich das natürlich als göttliche Offenbarung.

also sie hat eine Vision. man kann aber auch in Betracht ziehen, dass Viborada durch ihre Beraterenrolle ja sehr gut informiert war. Sie stand im Kontakt mit Mächtigen, mit örtlichen Mähtigen die mit ihren Fragen und Problem zu ihr kamen und die ungarischen Reiterzüge waren seit längerem eine reale Bedrohung.

Und wenn Vibrader also eine gut informierte kluge Frau war dann konnte sie aus dem was sie hörte ihre Schlüsse ziehen hatte also theoretisch die Möglichkeit, durch diese gesammelten Informationen zu der Einschätzung zu kommen, dass die Stadt akut bedroht ist und deswegen eine Warnung auszusprechen. Aber wie auch immer sie zu dieser Einsicht kamen – ob das jetzt göttliche Eingebung war oder weltliche Kombinationsgabe, wenn man so will – Wie Morade hat Recht!

Und vor allem genoss sie genug Autorität und Ansehen, dass man auf sie hörte. Viborada warnte nämlich den Abt Engelbert und der Abt nimmt ihre Warnung wirklich ernst. Er lässt die Klosterbibliothek mit ihren wertvollen Schriften, und die anderen Schätze des Klosters in Sicherheit bringen. auf eine Burg auf der Insel Reichenau – auch die Mönche fliehen!

Natürlich will man auch Vibora da evakuieren. Die Mönchen sprechen zu ihr, wollen sie überzeugen aber die Inklusen weigert sich ihre Zelle zu verlassen und zu fliehen. Der Abt fleht sie regelrecht an, sie antwortet diese Behausung die mir durch Gottes Güte zugestanden wurde werde ich nicht leer lassen solange ich lebe.".

Sie bleibt also. Ihre Vorhersagung wird wahr. am ersten Mai neunhundertsechsundzwanzig fallen die Ungarn in St. Gallen ein. Die Stadt ist evakuiert und die Kloster-Schätze sind in Sicherheit gebracht worden ziehen jetzt durch diese fast komplett menschenleerer Stadt und kommen schließlich auch zur Kirche Sankt Mangen an, die Viboradas Zelle angebaut ist.

Sie versuchen die Kirche anzuzünden aber das Feuer verfängt nicht. Die Kirche will einfach nicht brennen also steigen sie aufs Dach. so beschreibt es die Wieter. Sie brechen die Ziegel ab und lassen sich dann in den Raum hinab in diese Zelle zu Vibrada Und dort schlagen sie der Inklusen mit einer Axt dreimal auf den Kopf.

Sie nehmen mit, was die finden und dann ziehen sie weiter nachdem sie geplündert haben. Viburada wird gefunden, schwer verletzt – und sie stirbt am Tag darauf, am zweiten Mai neunhundertsechsundzwanzig. Deshalb ist der zweite Mai bis heute ihr Gedenktag. Die Mönche richten ihren Leichnamdern für die Bestattung her Und laut Vita sehen sie dabei, dass Viboradas Wunden, die ihr die Ungarn zugefügt haben auf wundersame Weise verheilt sind.

Auch die Füße, die von der Kälte verkrimmt waren weil ihre Zelle ja nicht geheizt war, sehen wieder gesund aus. Aber Sie finden an Viboras Körper die Narben der Eisenkette, die sie unter ihrem Gewand getragen hat. Das hat natürlich auch wieder einen Zweck oder trägt ein gewisses Motiv in sich, wenn man das so beschreibt.

Die Verletzungen die andere ihr Zufügten sind verschwunden aber die Wunden, die sie sich selbst zugefügt hat, bleiben sichtbar. Denn diese Wunden sind das Zeichen ihrer Hingabe an Gott. an ihrem Grab. Und dieser Fenchel, so heißt es, blüht mitten im Winter und der Wuchert regelt recht, also er wächst ganz außerordentlich – und der Fenchell ist natürlich eine Heilpflanze aus der bis heute Heilmittel hergestellt werden.".

Viburada ist damit die erste Frau, deren Heilungssprechung durch einen Papst urkundlich dokumentiert ist. Viborada wird in St. Gallen über fast fünf Jahrhunderte verehrt – aber dann kommt die Reformation! Am siebenzwanzigsten Februar, fifteenhundertachtundzwanziger werden ihr Grab und alle Reliquien zerstört.

auch die Zelle wird bald abgebrochen. Nach der Reformation geriet Viborada dann lange in Vergessenheit, unter anderem weil ihre Spuren ja wirklich ausgelöscht worden waren. Die Zelle des Grabes und die Reliquien. Gleichzeitig war auch dieses Phänomen der Inklusin aus dem Mode gekommen kann man fast sagen.

Die Reformation drängte Frauen aus Rollen mit religiöser Autorität. das ein Sprach eben nicht mehr den gängigen Rollen Also eine selbstbewusste Ratgeberin, die Selbstherzöge zur Ordnung rief – das passte einfach nicht mehr ins Bild. Das heißt nicht nur die Rolle der Inklusen verschwand sondern auch die Erinnerung an sie.

und trotzdem wurde Viborada wieder entdeckt wenn nach langer Zeit. In den neunzenhundertachziger Jahren benennen Frauen der neuen Frauenbewegung in St. Gallen eine Frauenbibliothek, nach Vibrada und etwa zur gleichen Zeit beginnen feministische Theologinnen und auch einzelne evangelische Theorogen sich mit ihr zu beschäftigen.

An der Nordostwand der Kirche Sankt Mangen, also genau dort wo einst Viboradas Zelle stand wird eine neue kleine Holzzelle gebaut. Danach lassen sich dann über mehrere Wochen hinweg verschiedene Frauen und Männer jeweils für mehrere Tage in dieser Zelle einschließen und werden von den Menschen aus der Stadt versorgt und von einer Gebets- und Gesangsgemeinschaft begleitet.

Im Mai, es hat sich Viboradas Todestag zum elfhundertsten Mal gejährt und wurde im Bistum und in der Stadt mit Ausstellungen und Veranstaltungen begangen. Ich war zu einer dieser Veranstaltung eingeladen und habe mich in diesem Zusammenhang mit Viboras Biografie beschäftigt und auch selbst erst in dem Zusammenhang kennengelernt Und auf dieser Veranstaltung habe ich mit der Historikerin Caroline Arnie über Viborada gesprochen und darüber, wie wir Biografien von Frauen und Queers populär erzählen.

Und ihnen aus ihrer historischen Perspektive auch gerecht werden. Moderiert hat das Gespräch Judith Große vom Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz. Dieses Gespräch haben wir aufgezeichnet und es erscheint demnächst in meinem Podcast Feed – ihr könnt also die Augen und vor allem die Ohren danach offenhalten!

Was bleibt also von Viborada? Ich glaube tatsächlich, ihre Biografie hat uns einiges zu sagen. Erstens wir kennen Vibora da nicht direkt! Wir kennen sie nur durch die Mönche, die ihrer Geschichte aufgeschrieben haben und durch die Erzählung von ihrer Dienerin, ihrer Bediensteten... Mönche, die ihre Geschichte verschriftlicht haben waren Männer, die zu einer gebildeten Elite gehörten.

Die in einer bestimmten religiösen Tradition standen und die also eine Heilige für dieses Bild passend gemacht haben, die Ihre Biografie in dieser Hinsicht geformt haben. Wir müssen diese Wieten wirklich aufmerksam lesen um hinter diesem ganzen hier hageographischen die historische Figur zu erkennen.

Viborada wird in ihren Wieten positiv gezeichnet, weil sie einen bestimmten religiösen Ideal entspricht. Eine Frau die diesem Ideal nicht entsprochen hätte, die hätten wir sehr wahrscheinlich nie kennengelernt. Zweitens, Vibora hatte begrenzte Wahlmöglichkeiten – Sie hat aber für sich sehr konsequent eine Wahl getroffen und eine ungewöhnliche Lebensform gewählt, eine Position der Autorität ermöglicht hat.

Also, dass sie als Inklusin leben konnte, hat aber wohl auch mit bestimmten Privilegien zu tun die sie von Anfang an hatte weil sie eben adlich geboren war. Sie konnte sich Dienerin leisten, sie hatte also keine Existenz sorgen. Ihr Bruder war Priester in der Kirche in der sie inklusen wurde und wer weiß ob ihr dieses Leben ohne die verwandschaftliche Erlaubnis- und Hilfe möglich gewesen wäre, ob sie das überhaupt so hätte leben können.

Und drittens auch wenn sie eine Inklusin war – sie war nicht radikal unabhängig und selbstbestimmt! Man ist vielleicht versucht es so zu lesen aber Vibhurada lebte zwar zurückgezogen, aber sie war eben nicht allein. Sie war nicht isoliert. Sie hatte Kontakt mit der religiösen Gemeinschaft der Kirche.

Sie hat Kontakt mit anderen Formenfrauen Sie wurde von ihren Dienerin versorgt und sie hatte Kontakt mit der Außenwelt, die bei ihr Rat suchte. Und es bleibt noch etwas sehr Gegenständliches von Viborada – nämlich die Bücher, die dank ihrer Vorhersage gerettet wurden. Die existieren bis heute. Sie sind heute Teil des Stiftsbibliotheks in Sankt Gallen und die ist mittlerweile ein UNESCO-Weltkulturerbe Bücher eben auf Vibradas Rat hin gerettet wurden, ist Vibrada heute auch die Schutzpatronen von Bibliotheken und Büchervreundinnen.

Und das macht sie mir außerordentlich sympathisch! Damit sind wir am Ende der heutigen Episode. Wenn euch die Folge gefallen hat dann freue ich mich wenn ihr sie teilt und Herstory unterstützt mit einer Einzelspende via PayPal oder einem kleinen Abo via Steady. Die Links findet ihr wie immer in den Shownotes.

Ich verabschiede mich für heute, wir hören uns wieder in der nächsten Folge und bis dahin passt auf euch auf und lasst es euch gut gehen!

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